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Heiße Theken und Imbisse in Geschäften boomen

Fertige Hähnchenschenkel aus dem Supermarkt, Hotdogs im Möbelhaus oder Currywurst-Pommes auf dem Baumarktparkplatz: Auch wegen vergleichsweise niedriger Preise werden solche Angebote bei Kunden immer beliebter. Die Handelsgastronomie eilt von Rekord zu Rekord, wie eine Studie des Handelsforschungsinstituts EHI zeigt.
Händler in Deutschland setzten 2025 so rund 13,3 Milliarden Euro um. Das war 7,1 Prozent mehr als im Vorjahr und so viel wie nie zuvor. Seit 2019 stiegen die Erlöse um fast 33 Prozent. Der starke Umsatzanstieg geht laut EHI auf höhere Kundenfrequenzen und gestiegene Preise zurück. Für 2026 erwartet das Institut ein weiteres Plus. Grundlage ist eine Befragung unter 29 Handelsunternehmen mit knapp 6.100 Filialen. Die Ergebnisse wurden auf die Gesamtbranche hochgerechnet.
Zur Handelsgastronomie zählen verzehrfertig zubereitete Speisen, Snacks und Getränke im Einzelhandelsumfeld. Zu den verbreiteten Formaten gehören Bäckereien, Cafés, Imbisse, heiße Theken, Restaurants und Delis in Supermärkten, Einkaufszentren, Tankstellen, Möbel- oder Baumärkten.

Was sind die beliebtesten Gerichte?

Die meistverkauften Speisen sind laut EHI-Umfrage Frikadellen, Currywurst, belegte Brötchen und Schnitzel. Das Mittagessen ist demnach das Kerngeschäft. Die Angebote sind meist zum Mitnehmen. Gut drei Viertel der Händler betreiben ihre Gastronomieflächen selbst.
Der Möbelhändler Ikea setzt neben seinen Restaurants auf Hotdogs, die in Kassennähe angeboten werden. Rund 20 Millionen Stück wurden nach eigenen Angaben in den vergangenen 12 Monaten in den deutschen Ikea-Filialen zubereitet und verkauft. In vielen Supermärkten finden Kunden unter anderem Salatbars und Asia-Food-Shops. In 100 Rewe-Filialen gibt es inzwischen eine Selbstbedienungstheke für warme Speisen. Andere Kaufleute haben Foodtrucks, erste Händler testen zudem Kochroboter.
Die Supermarktkette Globus verkauft an ihren heißen Theken Fleischkäsebrötchen für einen Euro – nach Unternehmensangaben 30 Millionen Stück pro Jahr. „Wir beobachten seit Ende der Corona-Pandemie ein deutliches Wachstum in unserer Gastronomie. Heute verkaufen wir in unseren 57 Restaurants rund 60.000 Mittagessen pro Tag“, sagt Gastronomieleiter Michael Christmann.

Deutliche Preisvorteile

Die Branche profitiert laut EHI von einem sogenannten „Trading-Down-Effekt“. Wegen der hohen Preissteigerungen in den vergangenen Jahren, auch in der Gastronomie, greifen Konsumenten auf günstigere Angebote zurück. Die Handelsgastronomie profitiere von deutlichen Preisvorteilen, sagt Studienautorin Paulina Ullrich.
Das zeigen auch Daten des Marktforschungsunternehmens YouGov: Kunden zahlten im ersten Halbjahr 2026 in der Handelsgastronomie demnach für Steak- und Fleischgerichte im Schnitt 9,17 Euro, im übrigen Außer-Haus-Markt – also etwa in Restaurants – hingegen 13,16 Euro. Bei Pastagerichten waren es 5,87 beziehungsweise 10,60 Euro. Auch bei anderen Hauptgerichten gab es große Preisunterschiede.
Das Gaststättengewerbe – also, Restaurants, Kneipen und Cafés – steht derzeit unter großem Druck. Die Branche setzte im ersten Halbjahr nach Angaben des Branchenverbandes Dehoga zwar fast 15 Prozent mehr um als 2019. Real, also preisbereinigt, waren die Erlöse allerdings gut 23 Prozent niedriger.

Restaurantbesuch für viele zu teuer

Die Konsumenten wägten genauer ab, wofür sie ihr Geld ausgeben und ob ein Restaurantbesuch nötig sei, sagt YouGov-Marktforscher Sebastian Walter. Für 72 Prozent der Verbraucher ist der Restaurantbesuch zu teuer, 38 Prozent gingen zu Jahresbeginn seltener essen als im Vorjahr. Das ergab eine im März durchgeführte repräsentative YouGov-Umfrage. Die Handelsgastronomie biete ein attraktives Angebot, vor allem für Menschen, die sich den klassischen Restaurantbesuch nicht leisten könnten, so Walter.
Die steigende Nachfrage ist laut EHI auch darauf zurückzuführen, dass viele Händler ihre Gastronomieangebote ausgebaut haben. Damit wollen sie laut Umfrage nicht nur die Kundenfrequenzen steigern und Kunden binden, sondern diese auch länger in Geschäften zu halten. (dpa/red)
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Fakten zum Bundesland Mecklenburg-Vorpommern: So groß wie Israel und dünn besiedelt

In Mecklenburg-Vorpommern leben etwa 1,57 Millionen Menschen. Es gehört damit zu den bevölkerungsärmsten Bundesländern – nur Bremen und das Saarland haben weniger Einwohner. Mecklenburg-Vorpommern ist zudem so dünn besiedelt wie kein anderes Land. Die Bevölkerungsdichte lag 2023 bei nur 68 Menschen je Quadratkilometer. Zum Vergleich: In Berlin waren es 4110 pro Quadratkilometer, in Bayern immerhin 187.

Tausende Seen und lange Küste

Mecklenburg-Vorpommern erstreckt sich über 23.200 Quadratkilometer und ist etwas größer als der Staat Israel. Im Bundesländervergleich liegt es damit auf Rang sechs. Landschaftlich prägend sind mehr als 2000 Seen sowie zahlreiche Flüsse und Kanäle. Viele Buchten entlang der Ostsee sorgen für eine Küstenlinie von 2000 Kilometern.
Zu Mecklenburg-Vorpommern gehören mit Rügen und Usedom auch die zwei größten deutschen Inseln. Größte Stadt ist Rostock mit etwa 211.000 Einwohnern, gefolgt von der Landeshauptstadt Schwerin mit knapp 100.000.

Wirtschaftsleistung im Vergleich gering

Nicht einmal neun Prozent der Landesfläche sind mit Siedlungs- und Verkehrsflächen belegt, aber etwa 60 Prozent wird landwirtschaftlich genutzt. Die Wirtschaft ist zugleich hauptsächlich durch kleinere und mittelständische Betriebe geprägt. Das Bruttoinlandsprodukt lag 2025 bei 63,6 Milliarden Euro. Im Ländervergleich ist es damit relativ gering, nur das Saarland und Bremen kommen auf weniger.

Strukturwandel und demografische Probleme

Nach Wende und Wiedervereinigung durchlief Mecklenburg-Vorpommern wie andere ostdeutsche Flächenländer einen schmerzhaften Strukturwandel, die Bevölkerung ging stark zurück. Anfang des Jahrtausends lag die Arbeitslosenquote für einige Jahre bei mehr als 20 Prozent, zuletzt waren es 7,8 Prozent. Im Bundesschnitt sind es aktuell 6,5 Prozent.
Heute gehört Mecklenburg-Vorpommern laut Experten zu den Ländern mit den größten demografischen Problemen – gleich hinter Sachsen-Anhalt und Thüringen. Bis 2010 schrumpfte die Einwohnerzahl stark, seit der Jahrtausendwende verlor das Land rund jeden zehnten Bewohner. Der Anteil von Menschen mit Einwanderungsgeschichte ist so niedrig wie nirgends sonst. 2024 lag er laut offiziellen Daten bei 10,7 Prozent.
Je nach Szenario könnte die Einwohnerzahl laut Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamts bis 2050 weiter auf 1,41 bis 1,31 Millionen absinken. Zugleich droht Überalterung. Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnete vor, dass die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ohne Migration bis 2045 um fast ein Viertel schrumpfen würde – mit den entsprechenden ökonomischen und sozialen Folgen in der Fläche.

Tourismus als bedeutender Wirtschaftsfaktor

Als Agrarland ist Mecklenburg-Vorpommern zugleich ein wichtiger Standort der Ernährungsindustrie. Daneben spielen Schiffbau, maritime Wirtschaft und Maschinenbau an der Küste eine größere Rolle. Zu den ökonomisch bedeutendsten Branchen des Landes gehören insgesamt der Tourismus und das Gastgewerbe, im vergangenen Jahr gab es 33,3 Millionen Übernachtungen. Traditionsreiche Seebäder wie Heringsdorf, Kühlungsborn, Binz auf Rügen, Zingst und Boltenhagen sind Topziele.

Als politische Einheit relativ jung

Früher stand das Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommerns lange unter schwedischen und preußischen Einflüssen, Küstenstädte gehörten im Mittelalter zur Hanse. Adlige Gutsherren hatten lange das Sagen, Industrieansiedlungen gab es kaum. Die Bevölkerung blieb arm, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wanderten viele Menschen aus.
Als politische Einheit geschaffen wurde Mecklenburg-Vorpommern erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Land bestand kurzzeitig von 1945 bis 1952, nach der Vereinigung wurde es 1990 wieder neu ins Leben gerufen.
Nach der Wende regierte zunähst die CDU, seit 1998 wird die Regierung von der SPD geführt. Sie regierte zwischenzeitlich lange gemeinsam mit der CDU, daneben mit der PDS beziehungsweise der Linken. Für die SPD übernahm zunächst zehn Jahre lang Harald Ringstorff, dann folgten Erwin Sellering und 2017 Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. (afp/red)
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Eskalation am Golf: USA versenken iranische Tanker, Teheran beschießt Jordanien

Der Kampf zwischen den USA und dem Iran um die Kontrolle in der Straße von Hormus eskaliert aufs Neue. Das US-Militär zerstörte nach eigenen Angaben als Vergeltung für Teherans Angriffe auf ein US-Kriegsschiff fünf iranische Rohöltanker und versenkte einen davon. Irans Revolutionsgarden reagierten nach eigenen Angaben umgehend mit „schweren Raketenangriffen“ auf das mit den USA verbündete Königreich Jordanien. Laut der staatlichen jordanischen Nachrichtenagentur Petra fing die Armee 20 ballistische Raketen ab.
Nach den Angriffen auf die iranischen Rohöltanker teilte das zuständige US-Regionalkommando Centcom auf der Plattform X mit, der Tanker „M/T Riesco“ sei im Golf von Oman am Sinken. Dazu veröffentlichte es ein Video, auf dem zu sehen ist, wie das Schiff getroffen wird, Feuer fängt und anschließend mit dem Bug voran sinkt. Angaben dazu, ob der Tanker Rohöl geladen hatte, gab es nicht.

US-Militär: Vergeltung für Angriff auf eigene Marine

Der erneute Vergeltungsschlag gegen iranische Tanker sei erfolgt, nachdem die Revolutionsgarden in den vergangenen zwei Tagen zweimal ein Kriegsschiff der US-Marine mit ballistischen Raketen angegriffen hätten, teilte Centcom weiter mit. Das US-Kriegsschiff sei dabei nicht getroffen worden. Die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna zitierte die Revolutionsgarden, wonach die mit Marschflugkörpern ausgerüsteten US-Zerstörer DDG-119 und DDG-53 ins Visier genommen worden seien.
Dass der Iran auch Schiffe der US-Marine ins Visier nehme, schüre Befürchtungen, dass er fortgeschrittenere Waffen einsetzt und bei der Ortung der Kriegsschiffe möglicherweise Unterstützung aus China oder Russland erhält, sagten US-Beamte dem „Wall Street Journal“. Der Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats im Iran, Mohsen Resai, hatte zuvor vom erstmaligen Einsatz eines neuartigen Seezielflugkörpers berichtet. Resai sprach im staatlichen Rundfunk von einer „wichtigen Warnung an den Feind“, dass die von den USA gegen iranische Häfen verhängte Seeblockade verwundbar sei.

Rubio warnt Teheran

Centcom erklärte, die von den USA zur Vergeltung angegriffenen Tanker seien „Teil eines Schattennetzwerks“ mit milliardenschweren Umsätzen gewesen, durch das sich die Revolutionsgarden finanzierten. Die Besatzung sei zuvor aufgefordert worden, die Schiffe zu verlassen. Zuvor hatten iranische Medien mehrere Explosionen vor der Insel Charg im Persischen Golf sowie nahe der Hafenstadt Dschask an der Straße von Hormus gemeldet. Auf Charg befindet sich das wichtigste Exportterminal zur Verschiffung iranischen Erdöls.
US-Außenminister Marco Rubio warnte Teheran vor weiteren Attacken: „Der Iran versucht weiterhin, Schiffe der US-Marine anzugreifen, und jedes Mal, wenn sie dies tun oder versuchen zu tun, werden sie Tanker verlieren“, sagte Rubio während eines Besuchs in Kolumbien. Erst am Samstag hatte das US-Militär mitgeteilt, drei iranische Öltanker angegriffen zu haben.
Die iranischen Revolutionsgarden behaupteten laut der Nachrichtenagentur Fars, bei den eigenen Vergeltungsangriffen auf Jordanien den dortigen US-Stützpunkt Al-Asrak getroffen zu haben. Es seien Wartungseinrichtungen und ein Stationierungsort für US-Kampfflugzeuge vom Typ F-35, F-16 und F-15 mit ballistischen Raketen angegriffen worden. Dabei sei beträchtlicher Schaden entstanden. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim gab es mehrere Explosionen auf zwei US-Stützpunkten in Jordanien. Das US-Militär äußerte sich nicht dazu. Die jordanische Agentur Petra erklärte nur, die Raketenangriffe seien abgewehrt worden. Angaben zu den Zielen wurden nicht gemacht.
In einer späteren Stellungnahme sprachen die iranischen Revolutionsgarden zudem davon, Schiffe in der Region der Straße von Hormus angegriffen zu haben. Es seien Schiffe der USA, Tanker und Frachter ins Visier genommen worden. Die Angaben konnten nicht unabhängig bestätigt werden.

Experte warnt vor Eskalationsspirale

Die Führung in Teheran habe wiederholt signalisiert, dass sie auf den wachsenden Druck der USA mit einer weiteren Eskalation reagieren und nicht nachgeben werde, schrieb der Iran-Experte Danny Citrinowicz auf X. Eine unbefristete Seeblockade werde der Iran nicht einfach hinnehmen. Auch werde die Islamische Republik nicht zulassen, dass ihr immer höhere wirtschaftliche Kosten auferlegt würden, ohne dass es die USA selbst teuer zu stehen komme.
Die entscheidende Frage für die Regierung von US-Präsident Donald Trump sei nicht mehr, ob der Iran auf zusätzlichen Druck reagieren wird, „sondern wie weit beide Seiten bereit sind, eine Eskalationsleiter hinaufzusteigen, die offenbar keiner von beiden kontrollieren kann“, schrieb Citrinowicz.
Die Straße von Hormus hat sich im Verlauf des jüngsten Iran-Kriegs zum zentralen Streitpunkt zwischen Washington und Teheran entwickelt: Der Iran blockiert mit Drohungen und Angriffen auf Schiffe den Verkehr durch die für den Transport von Öl, Erdgas und Dünger bedeutende Meerenge noch immer weitestgehend. Vor dem Krieg war die Seestraße für den Schiffsverkehr offen. Infolge der Blockade und Preissteigerungen in den USA steht Trump vor den wichtigen Parlamentswahlen im November auch innenpolitisch stark unter Druck. (dpa/red)
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Fakten zum Bundesland Berlin: Größte Stadt der EU und extrem dicht besiedelt

Berlin hat rund 3,917 Millionen Einwohner und ist die größte Stadt in der EU vor Madrid, Rom und Paris. Der Stadtstaat erstreckt sich über 891 Quadratkilometer, womit er zugleich die flächenmäßig größte Gemeinde Deutschlands ist. Im Vergleich der Bundesländer liegt Berlin damit von der Einwohnerzahl her im Mittelfeld an achter Stelle hinter dem Freistaat Sachsen.

Hohe Bevölkerungsdichte

Flächenmäßig ist Berlin das drittkleinste Bundesland vor den anderen Stadtstaaten Hamburg und Bremen. Zugleich ist kein anderes Bundesland – und kaum eine andere Stadt in Deutschland – so dicht besiedelt wie Berlin: Die Bevölkerungsdichte lag 2024 bei rund 4135 Menschen pro Quadratkilometer. Noch höher war der Wert laut amtlichen Statistiken nur in der bayerischen Landeshauptstadt München mit etwa 4844.

Wirtschaftlich stark

Das Bruttoinlandsprodukt Berlins belief sich im vergangenen Jahr auf 218,3 Milliarden Euro. Im Bundesländervergleich ist das Rang fünf hinter den Schwergewichten Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Niedersachsen. Fast fünf Prozent des deutschen Wirtschaftsleistung entfallen nach Senatsangaben auf die Hauptstadt, in der vor allem die Dienstleistungsbranche ökonomisch dominiert.
Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Bevölkerung lag 2025 bei 59.097 Euro und damit über dem bundesweiten Schnitt von 53.516 Euro. Höher war es nach Angaben der Statistikämter nur in Hamburg, Bremen, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Im benachbarten Brandenburg waren es dagegen lediglich 40.759 Euro pro Kopf – also mehr als 18.000 Euro weniger.

Wachsende Bevölkerung

Der Anteil der Bewohner mit Migrationshintergrund ist wie für eine Großstadt typisch hoch, 2024 lag er laut Statistischem Bundesamt bei 40,6 Prozent. Trotz relativer wirtschaftlicher Stärke hat Berlin auch mit sozialen Problemen zu kämpfen. Die Arbeitslosigkeit lag zuletzt deutlich über dem Bundesschnitt bei 10,6 Prozent. Nach Senatsangaben galt etwa ein Fünftel der Berlinerinnen und Berliner als armutsgefährdet.
Nach der Wiedervereinigung der ehemals geteilten Stadt im Jahr 1990 hatte auch Berlin mit Strukturbrüchen und wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, die Arbeitslosenquote kletterte Anfang des Jahrtausends zwischenzeitlich bis auf 19 Prozent, bevor sie ab 2005 deutlich sank. Demografische Probleme wie ostdeutsche Flächenländer hatte die Stadt jedoch nie, im Gegenteil: Seit dem Jahr 2000 gewann sie mehr als 300.000 Einwohner dazu, was einem Bevölkerungsplus von neun Prozent entsprach.

Aufstieg im Kaiserreich

Der Aufstieg Berlins von der königlich-preußischen Residenzstadt zur Weltmetropole vollzog sich im 19. Jahrhundert – angefeuert von der Industrialisierung und der Gründung des Deutschen Reichs. Um 1800 hatte die Stadt 170.000 Einwohner, etwas mehr als hundert Jahre später waren es schon mehr als zehnmal so viele. In Berlin entstanden Weltkonzerne wie Siemens und AEG, hier fuhr auch die erste U-Bahn Deutschlands.
In der heutigen Ausdehnung entstand Berlin 1920 durch die Zusammenlegung mit umliegenden Gemeinden. Dort bündelten sich die Schicksalslinien der deutschen Geschichte: Berlin war Regierungssitz der Nazis, wurde im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört und danach von den Alliierten in Besatzungssektoren aufgeteilt. Durch die deutsche Teilung zerfiel die Stadt in einen West- und einen Ostteil, ab 1961 von der Mauer durchschnitten. Der Westteil war ein Bundesland der Bundesrepublik, es galten aber Sonderstatuten.

Mauerfall als historisches Symbol

Der Mauerfall am 9. November 1989 gilt als welthistorisches Ereignis, das zum Symbol für das Ende des Kalten Kriegs wurde. Mit Vollzug der Wiedervereinigung wurde Berlin formal wieder deutsche Hauptstadt, die Entscheidung zur Verlegung der Regierungsinstitutionen fiel aber erst später. Offiziell abgeschlossen wurde der Prozess bis 2001. Die Stadt entwickelte sich parallel zur Kultur- und Kreativmetropole, der Tourismus boomt. 29,4 Millionen Übernachtungen wurden 2025 registriert.
Nach der Wiedervereinigung gab es Pläne für eine Fusion von Berlin und Brandenburg. Ein entsprechender Staatsvertrag scheiterte 1996 in einer Volksabstimmung an den Brandenburgern. Die Berliner stimmten zu.

CDU und SPD regieren abwechseln

Im Westteil Berlins regierte vor der Vereinigung zunächst lange die SPD mit Bürgermeistern wie dem späteren Bundeskanzler Willy Brandt. Ab den 80er Jahren regierten wechselnd SPD und CDU in verschiedenen Konstellationen – so mit Eberhard Diepgen von der CDU von 1991 bis 2001 und Klaus Wowereit von der SPD zwischen 2001 und 2014. Mit Michael Müller und Franziska Giffey stellte die SPD anschließend weiter bis 2023 die Regierenden Bürgermeister. Dann übernahm Kai Wegner von der CDU. (afp/red)
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Sachsen-Anhalt vor schwieriger Regierungsbildung: AfD bietet Sondierungen an


In Kürze:

  • CDU-Abgeordneter Tobias Krull will sich bei der Ministerpräsidentenwahl für Sachsen-Anhalt enthalten.
  • AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund könnte im dritten Wahlgang mit den Stimmen seiner Fraktion erfolgreich sein.
  • Das BSW lässt Bereitschaft zu Sondierungen mit der AfD erkennen, bleibt aber skeptisch bezüglich einer möglichen Koalition.

 
Der CDU-Landtagsabgeordnete Tobias Krull hat laut dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ seine Ankündigung zurückgezogen, sich bei einer möglichen Wahl des AfD-Kandidaten Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts zu enthalten.
Krull soll auf die Frage, ob er für Siegmund stimmen werde und ob er sich andernfalls enthalten werde, zunächst geantwortet haben: „Nein und ich werde mich enthalten.“ Das Redaktionsnetzwerk Deutschland hat seinen Bericht allerdings kurz darauf aufgrund einer neuen Mitteilung des CDU-Abgeordneten Krull zurückgezogen. In einer zweiten schriftlichen Antwort am Abend teilte er laut RND mit: „Ich werde mich natürlich nicht enthalten und dagegen stimmen.“
Zuvor hatten auch die fünf Abgeordneten des BSW angekündigt, sich in einem möglichen dritten Wahlgang enthalten zu wollen. In den ersten beiden Wahlgängen benötigt ein Kandidat die absolute Mehrheit von 42 Stimmen. Kommt diese Mehrheit in beiden Fällen nicht zustande, muss der Landtag entscheiden, ob die Wahlperiode beendet wird. Wenn nicht, erfolgt ein dritter Wahlgang.

AfD bietet allen Parteien Sondierungen an – CDU legt sich auf Opposition fest

Sollten alle 39 AfD-Abgeordneten für Siegmund stimmen, würde das in diesem Fall für die Mehrheit der abgegebenen Stimmen reichen. Ob der AfD-Spitzenkandidat antritt, wollte er, wie er am Montag in der Bundespressekonferenz äußerte, jedoch von der Aussicht auf eine stabile Regierungsmehrheit abhängig machen.
Der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion, Tobias Rausch, hat am Dienstag angekündigt, allen im Landtag vertretenen Parteien Sondierungen anzubieten. Offen sei, wer das Angebot annehmen werde. Als konkrete mögliche Gesprächspartner nannte er die bei der Landtagswahl deutlich geschwächte CDU und das überraschend ins Parlament eingezogene BSW.
Während Siegmund bisher die Bildung einer Minderheitsregierung ausgeschlossen hat, deutet bis dato wenig darauf hin, dass er einen tatsächlichen Koalitionspartner finden wird. Die CDU hat ein Bündnis mit der AfD ausgeschlossen, zudem gilt seit 2018 ein Unvereinbarkeitsbeschluss. Im Rahmen der konstituierenden Fraktionssitzung legte sich Noch-Ministerpräsident Sven Schulze darauf fest, „sehr, sehr gut Oppositionsarbeit“ leisten zu wollen.

Wagenknecht für BSW-Sondierungsgespräche mit der AfD – aber gegen Koalition

Wie sich eine mögliche Absprache mit dem BSW gestalten könnte, ist unklar. Die Wagenknecht-Partei hat diesbezüglich noch keine eindeutigen Festlegungen getroffen. Gegenüber der „Mitteldeutschen Zeitung“ hat der am Dienstag gewählte Fraktionsvorsitzende Thomas Schulze erklärt, das BSW sei in erster Linie „gewählt worden, um einen Politikwechsel zu ermöglichen“.
Er sehe sich „noch gar nicht in der Lage, heute Antworten zu geben“, wie das im Einzelnen aussehen werde, so Schulze. Er wollte jedoch auch auf zweifache Nachfrage eine Koalition nicht ausschließen.
Deutlicher wird Parteigründerin Sahra Wagenknecht. Sie sprach sich gegenüber dem RND für Sondierungsgespräche mit dem BSW aus. Die entsprechende Einladung nehme man „natürlich“ an. Eine Koalition lehnte sie – offenbar auch unter dem Eindruck der Erfahrungen in Thüringen und Brandenburg – jedoch ab. Wagenknecht erklärte:
„Was wir vor der Wahl gesagt haben, gilt auch danach. Junge Parteien sollten nicht nach ihrem ersten Einzug in den Landtag in eine Regierung eintreten.“

BSW favorisiert weiterhin unabhängigen Ministerpräsidenten für Sachsen-Anhalt

Wagenknecht erklärte, man wolle mit der AfD vor allem über Themen sprechen, die beide Parteien ähnlich sehen. Dazu gehöre die Rettung des Chemiestandortes Leuna, aber auch preiswerte Energie und eine diesbezügliche Bundesratsinitiative für die Wiederinbetriebnahme von Nord Stream. Auch eine Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Initiativen für Frieden und gegen weitere Waffenlieferungen an die Ukraine sollen Themen sein.
Was die Frage des Ministerpräsidenten anbelangt, hält man im BSW weiterhin einen unabhängigen Kandidaten ohne Partei und Koalition für die beste Lösung. Auch Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz hat am Dienstag ihre Sympathie für diese Lösung bekundet. Die AfD lehnt dies jedoch – und auch Wagenknecht äußert:
„Ohne Akzeptanz auch der AfD und ihrer Wähler hätte ein solcher Vorschlag keine Chance.“
(Mit Material der Nachrichtenagenturen)
 
A.d.R.: Der Artikel wurde am 9. September aktualisiert, nachdem das „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ seinen Bericht aufgrund einer neuen Mitteilung des CDU-Abgeordneten Tobias Krull zurückgezogen hatte.
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Merz gegen Weidel: Rededuell nach dem AfD-Wahlbeben

Drei Tage nach dem deutlichen Sieg der AfD über die regierende CDU in Sachsen-Anhalt treffen die Vorsitzenden der beiden Parteien bei einem Rededuell im Bundestag aufeinander. Die AfD-Partei- und Fraktionsvorsitzende Alice Weidel eröffnet am Mittwoch (9.00 Uhr) als Oppositionsführerin die Generaldebatte in der Haushaltswoche, anschließend redet Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz. Wenige Stunden vorher bekam die AfD Glückwünsche von US-Präsident Donald Trump, der die Partei und ihre Anhänger „im Aufwind“ sieht.
Das Rededuell der beiden Parteichefs im Bundestag dürfte ganz im Zeichen des Ergebnisses der AfD in Sachsen-Anhalt stehen. Sie konnte ihr Ergebnis von 2021 bei der Wahl am Sonntag mehr als verdoppeln und wurde mit 43,8 Prozent der Stimmen stärkste Partei. Mit Hilfe des BSW könnte sie nun eine Regierung bilden. Die CDU verlor dagegen fast 20 Prozentpunkte und kam nunmehr auf 17,2 Prozent.
Für die Generaldebatte im Bundestag sind insgesamt vier Stunden angesetzt. Es wird erwartet, dass sich die Vorsitzenden aller Fraktionen zu Wort melden, bevor der Bundestag anschließend über die Etats für Auswärtiges, Verteidigung und Entwicklung debattiert.

„Aufgeben ist für mich keine Option“

Für das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt wird in der CDU der Kanzler mitverantwortlich gemacht. Er räumte am Montag Fehler ein, schloss einen Rückzug aus dem Amt aber aus: „Aufgeben ist für mich keine Option“, sagte er.
Merz machte klar, dass er an seinen geplanten Reformen festhalten will, kündigte aber auch Gespräche mit der SPD über mögliche Änderungen an. Außerdem räumte er Defizite bei der Vermittlung der Reformvorhaben ein. „Dass wir sie auch nicht nur rational begründen, sondern emotional vermitteln müssen, ist eine gemeinsame Aufgabe.“ Man müsse „die Menschen auch in ihrer ganzen Emotionalität“ stärker erreichen.
Schon kurz vor der Wahl hatte Merz eine Grundsatzdebatte in der CDU über ein neues Narrativ für Deutschland gefordert. Es müsse jenseits der Sachpolitik eine neue Erzählung gefunden werden, eine „Überschrift über dem, was wir gemeinsam tun“, sagte er. „Was macht uns eigentlich aus? Was ist eigentlich das Ziel jenseits pragmatischer Politik am Tag? Wo wollen wir hin?“ Als Titel für diese Erzählung schlug der Kanzler „Wohlstand für alle Generation“ vor, also eine Art neuen Generationenvertrag.

Weidel will 40 plus X – und Trump gratuliert

Weidel bezeichnete Merz am Montag als „große Belastung für eine gedeihliche Entwicklung in Deutschland“ und gab ein Ergebnis von mindestens 40 Prozent als AfD-Ziel für die nächste Bundestagswahl aus. „Die CDU/CSU wird nie mehr wieder eine Bundestagswahl gewinnen können. Das ist Fakt“, behauptete sie. Der Abstand zur AfD betrage schon jetzt 10 Prozentpunkte. „Und mein erklärtes Ziel ist, den Abstand deutlich in kürzester Zeit auszubauen und auf mindestens 40 Prozent anzuwachsen für die nächste Bundestagswahl.“
Dabei scheint die Partei auch auf die Unterstützung von US-Präsident Trump zählen zu können. „Wow, die populistische Partei in Deutschland hatte eine wirklich große Nacht“, kommentierte der US-Präsident das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt auf seiner Plattform Truth Social. Trump nannte die AfD nicht namentlich, der Bezug seiner Nachricht wurde aber auch so klar. Die AfD und ihre Anhänger hätten die „absolut schrecklichen Einwanderungsregeln“ satt, meinte er. „SIE BEFINDEN SICH IM AUFWIND, und werden es nicht mehr hinnehmen.“
Trump schloss seinen Beitrag mit „MGGA!!!“, was wohl als Kürzel für „Make Germany Great Again“ (Etwa: macht Deutschland wieder großartig) zu verstehen ist – in Anlehnung an den Slogan „Make America Great Again“ („MAGA“). Seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 wird der AfD ein besserer Draht als je zuvor in die US-Hauptstadt Washington nachgesagt. Weidel nannte Trump angesichts seines Wiedereinzugs ins Weiße Haus ein Vorbild, AfD-Vertreter reisten zu seiner Amtseinführung nach Washington.
US-Vizepräsident JD Vance traf sich schon im Februar 2025 am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz mit Weidel und warnte auf der Konferenz davor, mit einer Ausgrenzung populistischer Parteien und politischen „Brandmauern“ den Willen von Millionen Wählern zu übergehen. Seine Äußerungen schlugen damals hohe Wellen und wurden von zahlreichen deutschen Politikern kritisiert. (dpa/red)
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Bildungsdebakel: Historisch schlechte PISA-Ergebnisse alarmieren Grünen-Chefin

Nach neuen Negativrekorden bei den Leistungen deutscher Schüler in der jüngsten Pisa-Studie hat Grünen-Chefin Franziska Brantner eine bessere Zusammenarbeit der Länder gefordert. „Wir müssen endlich raus aus dem föderalen Klein-Klein“, sagte Brantner der „Rheinischen Post“ (Mittwoch). „Die Länder bleiben für Bildung verantwortlich. Aber sie und der Bund müssen viel stärker zusammenarbeiten, voneinander lernen und erfolgreiche Konzepte verbindlich übernehmen.“
Die am Dienstag vorgestellten jüngsten Ergebnisse der Pisa-Studie ergaben nicht nur, dass Deutschlands Schülerinnen und Schüler in Mathematik und Lesekompetenz schlechter abschnitten als je zuvor, sondern auch, dass sich Leistungsunterschiede auch mit dem gesellschaftlichen Hintergrund der Schülerinnen und Schüler erklären ließen.

Herkunft entscheidet über Bildungserfolg

Den Pisa-Ergebnissen zufolge hat etwa der Zusammenhang zwischen naturwissenschaftlichen Kompetenzen und sozioökonomischem Status weiter zugenommen. Demnach erwerben nur zwei Prozent der Schülerinnen und Schüler aus benachteiligten Familien hohe Kompetenzen, bei Kindern aus privilegierten Familien sind es rund 25 Prozent. Dieser Zusammenhang ist demnach in Deutschland rund dreimal so stark wie in Kanada und doppelt so stark wie in Dänemark oder Norwegen.
Gute Bildung dürfe nicht davon abhängen, in welchem Bundesland ein Kind geboren werde, an welche Schule es komme oder welche Lehrkraft es zufälligerweise unterrichte, sagte forderte Brantner. Das bundesweite Bildungssystem stellte sie in Frage. „Wir brauchen keinen weiteren Bildungsgipfel und keine nächste Kommission“, sagte die Grünen-Chefin. „Wir brauchen eine grundlegende bundesweite Bildungsreform.“
Deutschland leiste sich seit Jahrzehnten „ein bildungspolitisches Desaster“, das längst nicht mehr schönzureden sei, führte sie aus. „Ein wichtiger Teil unseres Freiheitsversprechen ist, dass du Chancen bekommst und es sich lohnt, sich anzustrengen“, sagte sie. Dieses Versprechen werde mit dieser Pisa-Studie „wiedermal gebrochen“. „Deswegen müssen wir es erneuern“, forderte sie.

VdK kritisiert Versagen bei Bildungsgerechtigkeit

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, warf der Bundesregierung indes ein Versagen beim Einsatz für Bildungsgerechtigkeit vor. „Kinder, die in Armut großwerden, haben schlechtere Bildungschancen. Das ist seit Jahrzehnten bekannt“, sagte Bentele dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Mittwoch). Einkommensschwachen Familien fehle häufig Geld für Schulmaterialien, Nachhilfe oder Laptops. Hinzu kämen beengte Wohnverhältnisse und psychischer Stress durch finanzielle Sorgen.
Bentele forderte daher mehr Unterstützung für arme Familien. „Investitionen in Kitas und Schulen sind wichtig, aber reichen bei weitem nicht aus“, sagte die VdK-Präsidentin. Zugleich kritisierte sie die geplante Streichung des monatlichen Sofortzuschlags für von Armut betroffene Kinder und Jugendliche. „Statt bei Kindern zu sparen, braucht es endlich einen Systemwechsel“, forderte sie. (afp/red)
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Ministerpräsidentenwahl: Siegmund könnte im dritten Wahlgang auf AfD-Stimmenmehrheit hoffen


In Kürze:

  • CDU-Abgeordneter Tobias Krull will sich bei der Ministerpräsidentenwahl für Sachsen-Anhalt enthalten.
  • AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund könnte im dritten Wahlgang mit den Stimmen seiner Fraktion erfolgreich sein.
  • Das BSW lässt Bereitschaft zu Sondierungen mit der AfD erkennen, bleibt aber skeptisch bezüglich einer möglichen Koalition.

 
Die Chancen von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, zum Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählt zu werden, könnten gestiegen sein. Einer Vorabmeldung des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ (RND) zufolge erklärte der CDU-Abgeordnete Tobias Krull, sich bei der Wahl zum Ministerpräsidenten enthalten zu wollen. Gleichzeitig schloss er eine Koalition mit der AfD aus.
Zuvor hatten auch die fünf Abgeordneten des BSW angekündigt, sich in einem möglichen dritten Wahlgang enthalten zu wollen. In den ersten beiden Wahlgängen benötigt ein Kandidat die absolute Mehrheit von 42 Stimmen. Kommt diese Mehrheit in beiden Fällen nicht zustande, muss der Landtag entscheiden, ob die Wahlperiode beendet wird. Wenn nicht, erfolgt ein dritter Wahlgang.

AfD bietet allen Parteien Sondierungen an – CDU legt sich auf Opposition fest

Sollten alle 39 AfD-Abgeordneten für Siegmund stimmen, würde das in diesem Fall für die Mehrheit der abgegebenen Stimmen reichen. Ob der AfD-Spitzenkandidat antritt, wollte er, wie er am Montag in der Bundespressekonferenz äußerte, jedoch von der Aussicht auf eine stabile Regierungsmehrheit abhängig machen.
Der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion, Tobias Rausch, hat am Dienstag angekündigt, allen im Landtag vertretenen Parteien Sondierungen anzubieten. Offen sei, wer das Angebot annehmen werde. Als konkrete mögliche Gesprächspartner nannte er die bei der Landtagswahl deutlich geschwächte CDU und das überraschend ins Parlament eingezogene BSW.
Während Siegmund bisher die Bildung einer Minderheitsregierung ausgeschlossen hat, deutet bis dato wenig darauf hin, dass er einen tatsächlichen Koalitionspartner finden wird. Die CDU hat ein Bündnis mit der AfD ausgeschlossen, zudem gilt seit 2018 ein Unvereinbarkeitsbeschluss. Im Rahmen der konstituierenden Fraktionssitzung legte sich Noch-Ministerpräsident Sven Schulze darauf fest, „sehr, sehr gut Oppositionsarbeit“ leisten zu wollen.

Wagenknecht für BSW-Sondierungsgespräche mit der AfD – aber gegen Koalition

Wie sich eine mögliche Absprache mit dem BSW gestalten könnte, ist unklar. Die Wagenknecht-Partei hat diesbezüglich noch keine eindeutigen Festlegungen getroffen. Gegenüber der „Mitteldeutschen Zeitung“ hat der am Dienstag gewählte Fraktionsvorsitzende Thomas Schulze erklärt, das BSW sei in erster Linie „gewählt worden, um einen Politikwechsel zu ermöglichen“.
Er sehe sich „noch gar nicht in der Lage, heute Antworten zu geben“, wie das im Einzelnen aussehen werde, so Schulze. Er wollte jedoch auch auf zweifache Nachfrage eine Koalition nicht ausschließen.
Deutlicher wird Parteigründerin Sahra Wagenknecht. Sie sprach sich gegenüber dem RND für Sondierungsgespräche mit dem BSW aus. Die entsprechende Einladung nehme man „natürlich“ an. Eine Koalition lehnte sie – offenbar auch unter dem Eindruck der Erfahrungen in Thüringen und Brandenburg – jedoch ab. Wagenknecht erklärte:
„Was wir vor der Wahl gesagt haben, gilt auch danach. Junge Parteien sollten nicht nach ihrem ersten Einzug in den Landtag in eine Regierung eintreten.“

BSW favorisiert weiterhin unabhängigen Ministerpräsidenten für Sachsen-Anhalt

Wagenknecht erklärte, man wolle mit der AfD vor allem über Themen sprechen, die beide Parteien ähnlich sehen. Dazu gehöre die Rettung des Chemiestandortes Leuna, aber auch preiswerte Energie und eine diesbezügliche Bundesratsinitiative für die Wiederinbetriebnahme von Nord Stream. Auch eine Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Initiativen für Frieden und gegen weitere Waffenlieferungen an die Ukraine sollen Themen sein.
Was die Frage des Ministerpräsidenten anbelangt, hält man im BSW weiterhin einen unabhängigen Kandidaten ohne Partei und Koalition für die beste Lösung. Auch Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz hat am Dienstag ihre Sympathie für diese Lösung bekundet. Die AfD lehnt dies jedoch – und auch Wagenknecht äußert:
„Ohne Akzeptanz auch der AfD und ihrer Wähler hätte ein solcher Vorschlag keine Chance.“
(Mit Material der Nachrichtenagenturen)
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09.09.2026 | Rund 22 Prozent der Nutzfahrzeuge fallen beim TÜV durch | Vier Prozent aufs Tagesgeld: Zinsen bei Banken steigen

HEUTE6:00 Uhr

Vorsitzender des Kontrollgremiums verteidigt AfD- und Linken-Ausschluss

Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, CDU-Politiker Marc Henrichmann, hat den Ausschluss von AfD und Linkspartei aus dem Geheimdienst-Kontrollgremium verteidigt. „Feinde unserer Demokratie“ hätten dort nichts verloren, sagte er. Zugang einer AfD-geführten Landesregierung zu Geheimdienstinformationen sieht er durch bestehende Sicherheitsüberprüfungsgesetze bereits geregelt.

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HEUTE5:50 Uhr

Banken locken mit Zinsen bis 4,25 Prozent um neue Sparer

Banken buhlen aktuell mit hohen Tagesgeldzinsen um neue Kunden: Bei mindestens elf Geldhäusern gibt es zeitweise über 3,5 Prozent. Spitzenreiter ist Revolut mit 4,25 Prozent. Bestandskunden profitieren davon aber kaum.

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HEUTE5:30 Uhr

TÜV-Report: Jedes fünfte Nutzfahrzeug fällt mit erheblichen Mängeln durch

Mehr als jedes fünfte Nutzfahrzeug fällt bei der TÜV-Hauptuntersuchung mit „erheblichen“ oder „gefährlichen“ Mängeln durch, zeigt der neue Nutzfahrzeug-Report des TÜV-Verbands. Häufigste Schwachstellen sind Ölverlust und defekte Beleuchtung. Gleichzeitig werden die Fahrzeuge im Schnitt immer älter – aktuell 8,9 Jahre.

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HEUTE5:11 Uhr

Suche nach vermisstem Boot bei Vulkan Anak Krakatau dauert an

Fünf Journalisten und drei weitere Passagiere werden seit Tagen bei Indonesiens Vulkan Anak Krakatau vermisst. Ihr Boot brach am Montag den Kontakt ab. Wegen Vulkanasche und schlechten Wetters suchen Einsatzkräfte nun mit Wärmebild-Drohnen nach der Gruppe.
Der Anak Krakatau spuckte gewaltige Mengen Asche in den Himmel.

Der Anak Krakatau spuckte gewaltige Mengen Asche in den Himmel.

Foto: –/PVMBG via XinHua/dpa

Mit Material der Nachrichtenagenturen

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Ausnahmezustand in Oslo: Abschied von König Harald

Der Schlossplatz in Oslo ist blank geputzt. Die Domkirche ziert ein Baldachin in der Trauerfarbe Violett. Im Grand Hotel haben die ersten adeligen Gäste eingecheckt. Das dänische Königsschiff ist in den Fjord von Oslo eingelaufen. Absperrungen sind errichtet. In der Stadt wimmelt es von Polizisten und Journalisten.
Die norwegische Hauptstadt hat seit dem Tod von König Harald V. Ende August eine wahre Mammutaufgabe gestemmt. Das Staatsbegräbnis des beliebten Monarchen wurde bis ins kleinste Detail geplant. Jetzt ist Norwegen bereit für das Großereignis des Jahres am Mittwoch.

Blumen und Würdigungen für den verstorbenen König Harald V. vor dem Königlichen Schloss am 8. September 2026. Am Folgetag erweisen ihm Vertreter europäischer Königshäuser beim Staatsbegräbnis die letzte Ehre.

Foto: Chris Jackson/Getty Images

„Wir bereiten uns ja in Wirklichkeit seit Jahren darauf vor“, sagte eine Polizeisprecherin der norwegischen Zeitung „Verdens Gang“. „Gleichzeitig war es natürlich jetzt trotzdem sehr viel Arbeit. Das ist historisch groß.“
Was die Sicherheitsvorkehrungen rund um die Königsfamilie angeht, dürften die Norweger sonst im Vergleich sehr entspannt wirken. Doch angesichts so vieler royaler Gäste und sonstiger VIPs ist beim Staatsbegräbnis alles anders. 3.000 Polizisten und 3.500 Mitarbeiter der norwegischen Streitkräfte sind im Einsatz.
Im Zentrum der vergleichsweise beschaulichen Hauptstadt sind am Mittwoch weder Autos, Fahrräder noch E-Roller erlaubt. Leihräder in der Innenstadt wurden kurz vor dem Begräbnis gesperrt.
Die Europastraße 6 könnte zwischen dem Flughafen und der Stadt nach der Ankunft hochrangiger Gäste kurzzeitig gesperrt werden. Doch nicht nur das: Die Fluggesellschaften Norwegian und SAS mussten wegen des massiven prominenten Besuchs sogar Flüge einstellen.
„Insgesamt mussten am Mittwoch rund 40 Flüge gestrichen werden – vom Vormittag bis zum Nachmittag“, sagte Camilla Haugen Walla vom Flughafenbetreiber Avinor der Zeitung „Verdens Gang“. Auch vorübergehende Grenzkontrollen hat das Land eingeführt.

Viele prominente Gäste bei der Trauerfeier

Der britische Prinz William und dessen Tante Prinzessin Anne, die schwedische Königsfamilie, Dänemarks Königspaar Frederik und Mary, Monarchen aus den Niederlanden, Belgien, Spanien und anderen Ländern: Die Liste der prominenten Gäste, die von König Harald Abschied nehmen wollen, ist lang. Aus Deutschland reist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an.
Viele von ihnen werden wohl Teil des Trauerzugs sein, der den Sarg des beliebten Königs am Mittwochmittag vom Schloss zum Osloer Dom begleitet, wo die Trauerfeier für Harald stattfindet.

Dank der Königsfamilie: Königin Sonja, Prinzessin Märtha Louise, der neue König Haakon VIII. und Königin Mette-Marit (v. l. n. r.) besuchen am 31. August 2026 die Gedenkstätte in Oslo. Nach Tagen der öffentlichen Aufbahrung findet am morgigen 9. September das Staatsbegräbnis für Harald V. statt.

Foto: Cornelius Poppe / NTB / AFP via Getty Images / Norway OUT

Der neue norwegische König Haakon, Kronprinzessin Ingrid Alexandra, ihr Bruder Prinz Sverre Magnus und Prinzessin Märtha Louise werden zu Fuß mit der Prozession gehen. Hinter ihnen fahren die neue Königin Mette-Marit und Haralds Witwe Königin Sonja in einer der königlichen Limousinen. 60 Schritte pro Minute – so langsam werden sich die Trauernden laut dem norwegischen Rundfunk in Richtung Dom bewegen.

Die königliche Familie beim Verlassen der Kirche in Asker am 30. August 2026 nach der Trauerfeier für König Harald V., der am 28. August mit 89 Jahren verstarb. (Archivbild)

Foto: Per Ole Hagen/Getty Images

Regenschirmverbot am Straßenrand

Am Straßenrand werden viele tausend Menschen erwartet, die einen Blick auf die Prozession erhaschen wollen. Sie müssen Sicherheitskontrollen über sich ergehen lassen, um in die Nähe des Trauerzugs gelangen zu dürfen. An der Strecke sind Großbildschirme für alle diejenigen montiert, die nicht nah genug herankommen – wie auch in rund 140 Kirchen im ganzen Land. Direkt an der Route dürfte es voll werden.
Denn obwohl sich die Öffentlichkeit bereits seit einer Woche in der Schlosskapelle in Oslo am Sarg von König Harald V. verabschieden darf, werden viele Norwegerinnen und Norweger ihm auch auf diese Weise die letzte Ehre erweisen wollen.
Nach der öffentlichen Zeremonie und einer privaten Trauerfeier an der letzten Ruhestätte des Monarchen, der Akershus-Schlosskirche, will sich die Königsfamilie dem Volk am späten Nachmittag auf dem Balkon des Königsschlosses zeigen.
Bis zu seinem Tod am 28. August war der schon seit Jahren gesundheitlich angeschlagene König Harald das beliebteste Mitglied der Königsfamilie. Mit seiner Warmherzigkeit und seinem Humor hatte er seine Landsleute für sich eingenommen, nachdem er den Thron 1991 von seinem Vater geerbt hatte.
Der Schlossplatz in Oslo hat sich nach seinem Tod in ein Blumenmeer verwandelt. Tausende Norweger, darunter viele Kinder, haben Briefe für König Harald geschrieben und gemalt.
Nach Einbruch der Dämmerung leuchten unzählige Kerzen auf und erzählen von der Zuneigung der Leute zu ihrem Monarchen. Das ganze Land dürfte sich am Mittwoch vor Bildschirmen und in Oslo versammeln, um ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten. (dpa/red)
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Forsa-Trendbarometer: AfD im Osten bei 45 Prozent – Merz im Umfragekeller

Die AfD ist laut einer Umfrage in Ostdeutschland mit großem Abstand stärkste Partei. Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die in Teilen rechtsextreme Partei laut dem am Dienstag veröffentlichten „Trendbarometer“ von RTL und ntv im Osten auf 45 Prozent der Stimmen. Die Linke käme auf 15 Prozent und läge damit noch vor der CDU, die nur bei zwölf Prozent landen würde. SPD und Grüne lägen jeweils bei neun Prozent, das BSW bei fünf Prozent.

Bundesweiter Trend: AfD und Union stabil

Bundesweit gibt es demnach bei den Parteipräferenzen nur wenig Bewegung. Die AfD bleibt weiter auf einem Rekordhoch von 28 Prozent, während CDU/CSU bei 21 Prozent verharren. Es folgen die Grünen mit 16 Prozent, die SPD mit zwölf Prozent, die Linke mit elf Prozent (plus ein Prozentpunkt) und die FDP mit vier Prozent – ebenso wie das BSW also unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde.
Für AfD-Anhänger ist vor allem die Überzeugung ausschlaggebend, dass die Partei die „Interessen des deutschen Volks“ am besten vertrete. 34 Prozent nennen dies als wichtigstes Motiv für ihre Wahlentscheidung. Jeweils gut ein Fünftel verweist auf Unzufriedenheit mit dem politischen System insgesamt (22 Prozent) oder auf Unzufriedenheit mit der Bundesregierung (21 Prozent).

Tiefstwerte für Bundeskanzler Friedrich Merz

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bleibt tief im Umfragekeller. Wie in der Vorwoche sind nur 13 Prozent der Bundesbürger mit seiner Arbeit zufrieden, während 85 Prozent unzufrieden sind. Besonders gering ist die Zustimmung im Osten. Dort bewerten lediglich sieben Prozent Merz’ Arbeit positiv, im Westen sind es 15 Prozent. 91 Prozent im Osten sind unzufrieden, im Westen 83 Prozent.

Geringes Vertrauen in die Lösungskompetenz der Parteien

Bei der Frage, welcher Partei die Bürger am ehesten zutrauen, die Probleme in Deutschland zu lösen, bleibt die AfD mit 13 Prozent knapp vorn. Allerdings traut mit 55 Prozent mehr als die Hälfte der Befragten keiner Partei zu, die Probleme im Land am besten lösen zu können.
Die Union liegt unverändert bei zwölf Prozent und steht damit weiter auf dem schlechtesten Wert seit knapp vier Jahren. Die Grünen kommen auf acht Prozent. Der SPD trauen fünf Prozent am ehesten politische Kompetenz zu. Für die Linke sind es vier Prozent.

Mehrheit für CDU-Absprachen mit der Linken im Osten

Angesichts schwieriger Mehrheitsverhältnisse in Ostdeutschland spricht sich eine Mehrheit der Bundesbürger dafür aus, dass die CDU künftig auch Absprachen mit der Linkspartei treffen sollte. 54 Prozent befürworten eine solche Zusammenarbeit, wenn sie die Bildung einer Landesregierung ohne Beteiligung der AfD ermöglicht. 38 Prozent lehnen dies ab.
Auch unter den Anhängern von CDU und CSU gibt es dafür eine klare Mehrheit. 63 Prozent befürworten Absprachen mit der Linken in Ostdeutschland, 34 Prozent sind dagegen. Im Osten selbst fällt die Zustimmung dazu mit 49 Prozent etwas geringer aus als im Westen mit 55 Prozent.

Ablehnung durch die AfD

Ablehnung kommt vor allem aus dem AfD-Lager. 89 Prozent der AfD-Anhänger sprechen sich gegen eine solche Kooperation aus. Dagegen befürworten sie 81 Prozent der SPD-Anhänger, 86 Prozent der Grünen-Anhänger und sogar 97 Prozent der Linken-Anhänger.

Hintergrund der Befragung

Das Institut Forsa befragte für das „Trendbarometer“ vom 1. bis 7. September 2.502 Wahlberechtigte. Der größte Teil des Umfragezeitraums lag also noch vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die statistische Fehlerquote wurde mit plus/minus 2,5 Prozent angegeben. (afp/red)
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Warnung vor Hamas-Überfall ignoriert? – Netanjahu dementiert

Israels Regierung weist Berichte zurück, wonach die Vereinigten Arabischen Emirate den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu kurz vor dem Terrorüberfall am 7. Oktober 2023 vor Plänen einer großangelegten Offensive der islamistischen Hamas gewarnt haben sollen.
„Die Presseberichte sind falsch“, teilte Netanjahus Büro am Abend mit. „Der Ministerpräsident hat vor dem 7. Oktober keine Warnung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erhalten.“
Zuvor hatte die linksliberale israelische Zeitung „Haaretz“ berichtet, Netanjahu habe die israelischen Sicherheitschefs trotz der persönlichen Warnung nicht informiert und nichts mit diesen Informationen unternommen.

Emiratischer Präsident soll Netanjahu angerufen haben

Laut dem Zeitungsbericht rief der emiratische Präsident Mohammed bin Sajed al-Nahjan den israelischen Regierungschef eineinhalb Wochen vor dem 7. Oktober 2023 aus dem Präsidentenpalast in Abu Dhabi an und sprach 45 Minuten mit ihm. In dem Gespräch habe der Präsident Netanjahu gewarnt, dass der damalige Chef der Hamas, Jihia al-Sinwar, eine großangelegte Offensive gegen Israel plane.
Mohammed habe auch die Sorge geäußert, dass das bevorstehende Ereignis nicht nur zu einem Blutvergießen führen, sondern auch die gesamte Region destabilisieren und die sogenannten Abraham-Abkommen Israels mit mehreren arabischen Staaten untergraben würde.
Emirate-Präsident al-Nahjan wird am Mittwoch zu einem mehrtägigen Staatsbesuch in Deutschland erwartet, bei dem er in Berlin auch mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zusammentreffen soll.

Netanjahu reagierte angeblich gelassen

Der emiratische Präsident drängte Netanjahu laut dem Bericht dazu, die Lage ernst zu nehmen und sich auf einen Angriff vorzubereiten. Zu seiner Überraschung habe dieser jedoch „relativ gelassen“ reagiert und versichert, Israel sei „auf jegliches Szenario vorbereitet“. Netanjahu habe die Lage im Westjordanland für deutlich explosiver gehalten.
Die „Times of Israel“ berichtete am Abend unter Berufung auf eine nicht näher beschriebene emiratische Quelle ebenfalls, dass der Präsident der VAE Netanjahu nur Tage vor dem Hamas-Massaker telefonisch gewarnt haben soll, dass die Terrororganisation einen großangelegten Angriff auf Israel plane.

Emirate wollen sich nicht zu Berichten äußern

Die Emirate erklärten, sich nicht zu Medienberichten und Spekulationen über Gespräche zwischen Regierungschefs äußern zu wollen. Die Bemühungen der VAE seien seit dem 7. Oktober 2023 durchgehend auf Deeskalation, regionale Stabilität und die Verhinderung weiterer Gewalt ausgerichtet gewesen.
Laut „Haaretz“ wurden drei hochrangige ausländische Regierungsvertreter über den Inhalt des 45-minütigen Telefonats zwischen Netanjahu und Mohammed informiert. Als Quelle wird ein Berater des emiratischen Präsidenten genannt, der mit dem Gespräch vertraut gewesen sei.
Der investigative Bericht von „Haaretz“ stammt von den Journalisten Schlomi Eldar und Ruth Juval, die ein Buch über die Geiseln im Gazastreifen und den Gaza-Krieg veröffentlicht haben. Es basiert den Angaben zufolge auf Interviews mit Dutzenden Quellen, darunter hochrangigen Vertretern Israels und anderer Staaten weltweit.

Brisanz vor der dramatischen Parlamentswahl in Israel

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung vor der wegweisenden Parlamentswahl in Israel im kommenden Monat ist besonders brisant. Laut Umfragen können bisher weder das Lager Netanjahus noch das seiner Gegner auf eine Mehrheit zählen.
Sein wichtigster Rivale, Ex-Militärchef Gadi Eisenkot, schrieb als Reaktion auf den Bericht auf der Plattform X: „Immer mehr Anzeichen deuten darauf hin: Netanjahu hat Israel blindlings in das Desaster vom 7. Oktober geführt.“
Netanjahu habe Dutzende Warnungen ignoriert und sei nicht für das Amt des Regierungschefs geeignet, sagte der Vorsitzende der Partei Jaschar (hebräisch für „geradeaus“), die in der politischen Mitte angesiedelt ist.
Israels Opposition forderte „eine sofortige und gründliche Untersuchung“ angesichts der „schockierenden Enthüllung“. (dpa/red)
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„Mayday“: Die Rückkehr der Buddy-Action-Komödie in ihrer Urform

Die Buddy-Action-Komödie erreichte Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre ihren Höhepunkt und brachte viele Varianten hervor. Ich dachte eigentlich, das Thema sei mittlerweile vollständig ausgeschöpft. Doch da habe ich mich wohl geirrt …

„Mayday“ – vom Feind gerettet?

Der Film bringt Ryan Reynolds und Kenneth Branagh als ungewöhnliches Duo zusammen und bedient sich der meisten üblichen Klischees des Genres: Gezänk, Kämpfe, Schießereien und Verfolgungsjagden. Doch hier und da weicht der Film von den vorhersehbaren und oft abgedroschenen Elementen ab. Er geht viele Risiken ein – und wird dafür reichlich belohnt.
Das erste Wagnis ist, dass es sich um einen Retrofilm handelt – etwas, das ich so noch nie zuvor gesehen habe. Wagnis Nr. 2: Der Film spielt im Jahr 1987 und nutzt den Kalten Krieg als Kulisse. Reynolds spielt Troy „Assassin“ Kelly, einen Marinepiloten, der ganz nach dem Vorbild von „Top Gun“ geformt ist. Dies ist eine von vielen Anspielungen, die der Film auf den bahnbrechenden Tom-Cruise-Film aus dem Jahr 1986 macht. Das hätte schnell schiefgehen können, tut es aber keineswegs.
Troy hält sich nicht für einen Erben von Pete „Maverick“ Mitchell. Das ist vielmehr der selbsternannte, besessene Fan alles Amerikanischen, Nikolai „Nick“ Ustinov (Kenneth Branagh).
Nick ist russischer Staatsbürger und, wie sich bald herausstellt, ein ehemaliger KGB-Agent. Als Troy nach einer gescheiterten Geheimmission mit dem Fallschirm in Nicks Garten landet, rettet dieser ihn und pflegt ihn wieder gesund.
Als Soldat, der über die Schrecken der Sowjetunion aufgeklärt worden war, kommt Troy das verdächtig vor. Dies wird noch verstärkt, als Nick anbietet, ihm dabei zu helfen, sicher zur finnischen Grenze zu gelangen.

Trotz Nicks lockerer Art und seiner harmlosen Ausstrahlung will Troy absolut nichts davon wissen. Er flieht, bereut es jedoch schon bald. Nachdem er sich damit abgefunden hat, dass Nick seine einzige Option ist, lässt Troy sein Misstrauen etwas fallen und erlaubt Nick, auf seinem eigenen Grundstück das zu tun, was er am besten kann.

Jonathan Goldstein, Ryan Reynolds, Kenneth Branagh und John Francis Daley am 1. September 2026 im AMC Lincoln Square Theater in New York City bei der Premiere des Apple Original Films „Mayday“. Foto: Dimitrios Kambouris/Getty Images

Jonathan Goldstein, Ryan Reynolds, Kenneth Branagh und John Francis Daley am 1. September 2026 im AMC Lincoln Square Theater in New York City bei der Premiere des Apple Original Films „Mayday“.

Foto: Dimitrios Kambouris/Getty Images

Inspirationen

An dieser Stelle verwandelt sich der Film in einen Roadmovie mit vielen Anklängen an „Midnight Run“ (1988). Das Drehbuch- und Regieduo Jonathan Goldstein und John Francis Daley ist sichtlich begeistert von allem, was mit den 80er-Jahren zu tun hat. Sie verweisen auch auf die ersten Teile von „Nur 48 Stunden“ und „Lethal Weapon“, gepaart mit einem Hauch von John le Carré und Tom Clancy.
Ein Grund dafür, dass Nick sich voll und ganz dafür einsetzt, Troy zu helfen, könnte mit Troys Überzeugung zusammenhängen, dass er bei seiner Rückkehr als Nationalheld gefeiert werden wird. Er glaubt, dass er Nick auch problemlos eine Einreisegenehmigung für die Vereinigten Staaten beschaffen kann – was jedoch mit jeder Minute unwahrscheinlicher wird.
Filme dieser Art, sei es Action oder Spionage, sind nur so gut wie ihr Bösewicht, und Marcin Dorociński als Kreml-Agent Alexander Volkov erfüllt diese Rolle mehr als hervorragend. Mit seiner osteuropäischen Gelassenheit und seiner eisernen Entschlossenheit übertreibt Dorociński nie – wie die meisten Bond-Bösewichte –, wirkt aber stets imposant. Eine Szene, in der Volkov mitten im Winter beim Klettern auf eine Kiefer einen Hinweis auf Troys Identität entdeckt, deutet darauf hin, dass er – genau wie Nick – ein ehemaliger KGB-Agent ist.
Der Film macht einen kurzen, aber willkommenen Zwischenstopp in Moskau. Die Männer besuchen Nicks entfremdete Tochter Anna (Maria Bakalova). Teil der Abmachung zwischen Troy und Nick ist, dass auch Anna einbezogen wird, und ihre Reaktion auf diese Nachricht ist eine große Überraschung, denn sie hat Gründe, in Russland zu bleiben, die ihr Verlangen nach Freiheit überwiegen.
Die Geschichte zwischen Nick und Anna ist turbulent; eine Mutter oder Ehefrau wird nie erwähnt. Annas wenige ruhige Momente mit Troy gehören zu den vielen emotionalen Höhepunkten des Films.

Und genau das ist der Clou

Während „Mayday“ auf erstklassige Action und blitzschnelle Wortgefechte setzt, sind es die regelmäßigen Exkurse zu kleinen Alltagsweisheiten und allgemeinen Grundsätzen, die den Film zu einem echten Geheimtipp machen. Der Film ist auf raffinierte Weise tiefgründig.
Fans von Ryan Reynolds’ Arbeit in der „Deadpool“-Reihe, insbesondere im ersten Teil, werden seine trockenen Sprüche während des gesamten Films zu schätzen wissen. Sie mildern Troys kaum verhüllte Arroganz an anderen Stellen und verhindern, dass der Film zu ernst wird.
Das soll nicht heißen, dass Kenneth Branagh seinen Part nicht erfüllt. Um ehrlich zu sein, ist dies einer der seltenen Fälle, in denen Branagh sein komödiantisches Talent als zweiter „Straight Man“ unter Beweis stellt – was fast nie funktioniert.

Die Filmemacher verdienen Pluspunkte dafür, dass die russischen Nebenfiguren kein Englisch sprechen müssen. Das ist nämlich jene erzählerische Krücke, die die Glaubwürdigkeit einer Geschichte augenblicklich zunichte macht.

In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass Branagh etwa 20 Prozent seiner Dialoge auf Russisch mit müheloser Überzeugungskraft und einer akzentfreien Aussprache vorträgt.
Nach einer Handvoll kürzlich erschienener, weniger gut aufgenommener Flops („IF: Imaginäre Freunde“, „Bedtime Stories With Ryan“ [auf Deutsch etwa: „Gute-Nacht-Geschichten mit Ryan“], „Ghosted“, „Spirited“) ist Ryan mit einer der überzeugendsten Darbietungen seiner Karriere zurück.
Die Geschichte endet mit einem zufriedenstellenden Abschluss, lässt aber die Tür für eine mögliche Fortsetzung offen – von der ich inständig hoffe, dass sie niemals zustande kommt.
Der Film ist ab dem 4. September auf Apple TV zu sehen.
„Mayday“
Regie und Drehbuch: Jonathan Goldstein, John Francis Daley
Darsteller: Ryan Reynolds, Kenneth Branagh, Marcin Dorociński, Maria Bakalova
Laufzeit: 1 Stunde, 50 Minuten
MPAA-Altersfreigabe: PG-13
Erscheinungsdatum: 4. September 2026
Bewertung: 5 von 5 Sternen

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Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „‚Mayday‘: The Mismatched Buddy Comedy Returns in Glorious Fashion“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Zwölf Länder des Westens wollen Handel mit israelischen Siedlungen sanktionieren

Wegen der israelischen Siedlungspolitik und der wachsenden Gewalt radikaler Siedler wollen zwölf westliche Staaten den Handel mit Produkten aus Siedlungen im Westjordanland sanktionieren.
Der „systematische Ausbau der Siedlungen“ und die „dramatische Zunahme der Siedlergewalt“ seien eine „unmittelbare Bedrohung“ für eine Zweistaatenlösung, erklärten Frankreich, Großbritannien und Kanada, die zu den zwölf Staaten gehören, am Dienstag, den 8. September 2026. Israel verurteilte das Vorhaben und ordnete die Schließung des britischen Konsulats in Jerusalem an.

Zwölf Staaten planen Sanktionen

In der am Dienstag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung der Außenministerien der zwölf Staaten heißt es, sie seien entschlossen, „nationale Beschränkungen für den Handel mit Waren aus nach Völkerrecht illegalen Siedlungen zu verhängen und/oder entsprechende europäische Beschränkungen zu unterstützen“.
Zu den Unterzeichnern zählen neben Frankreich, Großbritannien und Kanada auch Dänemark, Spanien, Finnland, Irland, Island, Norwegen, Polen, Portugal und Schweden. Deutschland ist an der Initiative nicht beteiligt. Die eng mit Israel verbündeten USA wollen sich nach Angaben von Außenminister Marco Rubio ebenfalls nicht anschließen.
Der französische Präsident Emmanuel Macron, der britische Premier Andy Burnham und sein kanadischer Kollege Mark Carney betonten in einer weiteren Erklärung am Abend, die Sanktionen gegen Produkte aus den Siedlungen seien ein „Wendepunkt“ in ihrem Bemühen, die Zweistaatenlösung zu retten.

Warnung vor Folgen für Zweistaatenlösung

Eine Zweistaatenlösung sei entscheidend für Frieden, Stabilität und Sicherheit im Nahen Osten, hieß es in ihrer Erklärung weiter.
„Der systematische Ausbau der Siedlungen im Westjordanland, einschließlich der jüngsten Entscheidung der israelischen Regierung, die E1-Siedlung weiter voranzutreiben, wie auch die dramatische Zunahme der Siedlergewalt stellen eine unmittelbare Bedrohung für diese Vision eines Friedens dar“, erklärten die drei Politiker.“
Das E1-Projekt war im vergangenen Jahr nach jahrzehntelangem Stillstand genehmigt worden. Kritiker warnen, dass es die territoriale Verbindung zwischen dem Norden und Süden des Westjordanlands zerschneiden und damit die Aussichten auf einen lebensfähigen palästinensischen Staat weiter verringern werde.

Miliband spricht von „ethnischer Säuberung“

Zeitgleich mit der Veröffentlichung der Erklärung der zwölf Staaten sagte der britische Außenminister Ed Miliband in London, im Westjordanland sei eine „ethnische Säuberung“ im Gange, die „von terroristischen Siedlern“ verübt werde.
Der israelischen Regierung warf er vor, die Augen davor zu verschließen: „Viel zu oft hat die israelische Regierung bei dieser Lage weggesehen“, sagte Miliband. „Schlimmer noch: Einige ihrer Mitglieder haben Äußerungen getätigt und Maßnahmen ergriffen, die darauf abzielen, die gewaltsame Vertreibung der Palästinenser zu unterstützen.“

Unter Außenminister Miliband erklärt London die Besatzung des Westjordanlands für illegal – Sanktionen treffen nun auch die Förderer des Siedlungsbaus. (Archivbild)

Foto: Leon Neal/Getty Images

Großbritannien verhängt Importverbot

Nun verbietet Großbritannien die Einfuhr von Waren aus illegalen israelischen Siedlungen im Westjordanland. Das sei Teil einer größeren Neuausrichtung der Beziehungen zu Israel, sagte Miliband in London.
Israel reagierte mit Gegenmaßnahmen und will etwa das britische Konsulat in Jerusalem schließen. Das im arabisch geprägten Ostteil der Stadt gelegene Konsulat ist die Vertretung Großbritanniens für die Palästinensergebiete.
Großbritannien betrachtet laut Miliband künftig nicht nur israelische Siedlungen, sondern die gesamte israelische Besatzung des Westjordanlands offiziell als illegal. Zudem wird demnach auch jeder, der den Bau neuer illegaler Siedlungen unterstütze oder finanziere, mit Sanktionen belegt.

Israel reagiert mit scharfer Kritik

Israel reagierte mit scharfer Kritik. Milibands Äußerungen seien „empörende Lügen“, sagte der israelische Außenminister Gideon Saar. Zudem gab er ein Einreiseverbot nach Israel für zwölf Briten bekannt. Davon betroffen ist auch der frühere Chef der regierenden Labour-Partei, Jeremy Corbyn.
Weiterhin sollen laut Saar britische Vertreter das sogenannte „International Gaza Support Center“ in Israel verlassen, das die Einhaltung der Waffenruhe kontrolliert und sich mit humanitärer und logistischer Hilfe für den Gazastreifen befasst. Großbritannien werde zudem nicht länger an der Ausbildung von palästinensischen Sicherheitskräften im Westjordanland beteiligt sein, sagte der israelische Außenminister weiter.
Außerdem ordnete Israel die Schließung des britischen Konsulats in Ost-Jerusalem an.
Die Palästinensische Autonomiebehörde bezeichnete die Sanktionen der zwölf Staaten hingegen als „wichtigen“ Schritt. Die Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser hat sich zuletzt deutlich verschärft.
Israel hält das Westjordanland seit dem Sechstagekrieg 1967 besetzt. Dort leben rund drei Millionen Palästinenser und mehr als 500.000 israelische Siedler. Die Siedlungen sind nach dem Völkerrecht illegal.

Kritik auch aus den USA

Bereits vor Milibands Rede hatte es Kritik aus Israel und vom US-Botschafter in Israel an dem Vorstoß zur Neuausrichtung der britischen Israel-Politik gegeben. Israels Präsident Izchak Herzog kritisierte den Schritt als „schwere Fehleinschätzung“, gleichzeitig warf er Großbritannien Einmischung in die anstehenden Wahlen in Israel vor.
Dem Vorwurf schloss sich auch der israelische UN-Botschafter in New York, Danny Danon, an. „Sie werden das Gegenteil bewirken, denn meiner Meinung nach unterstützen sie die israelische Regierung mit ihrem heutigen Handeln nur“, sagte Danon.
Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, warf der britischen Regierung in der BBC „Diskriminierung des jüdischen Volkes“ vor. Großbritanniens Premier hatte US-Präsident Donald Trump Berichten zufolge bereits vorab von den Plänen unterrichtet.

Streit über EU-weite Sanktionen

Mehrere EU-Mitgliedstaaten fordern seit längerer Zeit ein EU-weites Importverbot für Produkte aus israelischen Siedlungen. Die EU-Kommission hatte im Juli einen entsprechenden Vorschlag präsentiert.
In Brüssel herrscht allerdings Uneinigkeit darüber, ob ein solcher Schritt die Zustimmung aller 27 Mitgliedstaaten oder lediglich eine qualifizierte Mehrheit erfordern würde. Unter anderem Deutschland und Italien stehen Sanktionen gegen Israel grundsätzlich kritisch gegenüber.

Gericht weist Eilantrag gegen E1-Projekt ab

Die israelische Justiz wies derweil am Dienstag einen Eilantrag gegen das E1-Projekt im Westjordanland zurück. Ein Gericht in Jerusalem argumentierte, dass keine irreversiblen baulichen Veränderungen unmittelbar bevorstünden und angemessene rechtliche Schutzmaßnahmen für das Bauprojekt vorhanden seien.

Jerusalem, 8. September 2026: Trotz Warnungen von Peace Now vor der Vertreibung hunderter Palästinenser lehnt das Bezirksgericht den Baustopp für 1.200 Wohneinheiten im E1-Projekt ab.

Foto: Amir Levy/Getty Images

Mit dem Eilantrag wollten mehrere Organisationen wie Peace Now bewirken, dass eine Ausschreibung für den Bau von mehr als 1200 Wohneinheiten für das sogenannte E1-Projekt östlich von Jerusalem ausgesetzt wird. Sie hatten argumentiert, das Vorhaben führe zur Vertreibung von hunderten Palästinensern.
Vor der Parlamentswahl in Israel am 27. Oktober treibt die Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu weitere Bauvorhaben voran. Zugleich hat die Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser seit dem Großangriff der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 stark zugenommen. (afp/red)
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Baerbock übergibt Vorsitz der UN-Generalversammlung an Nachfolger aus Bangladesch

Nach einem Jahr als Präsidentin der UN-Generalversammlung hat die frühere Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) am Dienstag den Vorsitz turnusgemäß abgegeben. Sie übergab in New York symbolisch den Zeremonienhammer an ihren Nachfolger Khalilur Rahman, den amtierenden Außenminister von Bangladesch. Er steht nun ebenfalls für ein Jahr an der Spitze der Generalversammlung der 193 Mitgliedsländer.

Baerbock verabschiedet sich mit gemischten Gefühlen

Baerbock sagte in ihrer Abschiedsrede, sie verlasse die Vereinten Nationen fast ein Jahr nach dem 80. Gründungstag „mit gemischten Gefühlen“. Ohne die USA und Russland zu nennen, verwies sie auf „all jene da draußen, die behaupten, die UNO sei irrelevant oder würde versagen“. Sie hielt den Kritikern entgegen, ohne die Vereinten Nationen stünde kein Land der Welt besser da.
Klar sei aber auch, dass die 1945 gegründete Organisation dringenden Reformbedarf habe, sagte Baerbock weiter. Außerdem bleibe für Schlüsselprojekte wie etwa die Nachhaltigkeitsziele nicht mehr viel Zeit. Die Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Jahr habe aber gezeigt: „Gib niemals auf, bevor das Spiel vorbei ist.“

Baerbock kam nach verlorener Bundestagswahl zur UNO

Baerbock hatte das protokollarische Amt bei der UNO nach der verlorenen Bundestagswahl 2025 übernommen. Damals gab es Kritik, weil eigentlich die deutsche Spitzendiplomatin Helga Schmid für den UN-Posten vorgesehen war.

Suche nach neuem UN-Generalsekretär

Als Präsidentin der Generalversammlung hatte Baerbock den Prozess zur Findung eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin des Portugiesen António Guterres moderiert, dessen Amtszeit als UN-Generalsekretär im Dezember endet. Derzeit gibt es fünf Bewerberinnen und drei Bewerber.
Eine eigene Kandidatur hatte Baerbock ausgeschlossen, weil nach den ungeschriebenen Rotationsregeln Lateinamerika an der Reihe ist. Stattdessen wechselt die Grünen-Politikerin laut Medienberichten als Professorin an die renommierte Columbia University in New York. (afp/red)
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„Dollar für Dollar“: Kanada setzt Gegenzölle im Wert von 20 Milliarden US-Dollar gegen Washington in Kraft


In Kürze:

  • Kanada hat am 8. September neue Gegenzölle auf US-Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar in Kraft gesetzt.
  • US-Präsident Donald Trump droht bereits mit weiteren Zöllen auf kanadische Autos, Autoteile und Stahl ab 2027.
  • Besonders brisant sind die engen Lieferketten zwischen den USA und Kanada.

 
Im Zollkonflikt zwischen Kanada und den USA droht eine weitere Eskalation. Am Dienstag, 8. September, sind um Mitternacht die von Kanada angekündigten Vergeltungszölle auf US-Waren in Kraft getreten. Sie betreffen Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar oder 27,6 Milliarden kanadischen Dollar. Je nach Warengruppe handelt es sich um Zölle von 15, 25 oder 50 Prozent.
Die Regierung in Ottawa spricht von „Dollar für Dollar“-Maßnahmen. Sie sollen eine unmittelbare Gegenreaktion auf jüngst verkündete US-Zölle darstellen. Betroffen von den kanadischen Zöllen sind Stahl und Aluminium, Holz, Papier, Haushaltsgeräte, Möbel, Textilien, Landmaschinen und bestimmte Elektronikprodukte. Ursprünglich hatte man auch einige Meeresfrüchte in die Liste aufgenommen. Diese hat Kanada aber wieder aus der Liste entfernt.

Handelsgespräche zwischen USA und Kanada gescheitert

Am 21. August waren Handelsgespräche zwischen den beiden nordamerikanischen Nachbarstaaten gescheitert. US-Präsident Donald Trump hatte daraufhin ab 22. August zusätzliche Zölle auf kanadische Waren im Wert von etwa 20 Milliarden US-Dollar verhängt. Das Weiße Haus begründete die Maßnahmen mit einer aus seiner Sicht diskriminierenden Behandlung von US-Produkten in Kanada.
Die USA nehmen dem Nachbarn vor allem Beschränkungen bei Alkohol und Milchprodukten übel. Mehrere kanadische Provinzen hatten im Vorfeld den Verkauf alkoholischer Produkte aus den USA eingeschränkt oder verboten. Zudem schützt Kanada seine eigene Milchwirtschaft durch Quoten und hohe Zölle.
Die USA kritisieren auch kanadische Regelungen, die sich ungünstig auf die Marktposition der US-Autoindustrie auswirkten. Washington hat seinerseits bereits seit längerem Sonderzölle auf Stahl und Aluminium aus Kanada verhängt. Die letzte Regelung in diesem Bereich datiert auf April 2026.

Zollstreit reicht ins Jahr 2025 zurück

Der nunmehrige Handelskonflikt reicht bereits ins Jahr 2025 zurück. Bereits kurz nach Amtsantritt der Regierung Trump hatten die USA umfangreiche Sonderzölle gegenüber Kanada verhängt. Begründet wurde dies unter anderem mit dem Vorwurf einer unzureichenden Eindämmung der Einfuhr von Fentanyl in die Vereinigten Staaten.
Kanada berief einen Sonderbeauftragten zur Bekämpfung des Fentanylschmuggels. Gleichzeitig kündigte die Regierung in Ottawa Vergeltungszölle im Umfang von rund 155 Milliarden kanadischen Dollar an. Einen Teil der Maßnahmen nahmen die Regierungen in weiterer Folge wieder zurück oder passten diese an. Zusätzlich zu verhängten und teils wieder zurückgenommenen Zöllen kam es auch zu Streitigkeiten im Rahmen des nordamerikanischen Freihandelsabkommens USMCA/CUSMA.
Für 2027 hatte Trump nun Zölle von 50 Prozent auf kanadische Fahrzeuge, Autoteile und Stahl in Aussicht gestellt. Dieser Schritt gilt für beide Seiten als potenziell besonders unangenehm. Immerhin bestehen seit Jahrzehnten grenzüberschreitende Lieferketten. Bis ein Auto beim Händler steht, kann es im Laufe der Produktion mehrfach zwischen Kanada, den USA und Mexiko pendeln. Hohe Zölle könnten entsprechend die Produktionskosten erhöhen, die Lieferketten verteuern, Investitionen abwandern lassen und am Ende die Autopreise auf beiden Seiten der Grenze nach oben treiben.

Alkoholprodukte aus den USA in mehreren Provinzen Restriktionen unterworfen

Kanada zielt mit seinen Vergeltungsmaßnahmen teilweise gezielt auf Branchen und Regionen, die politisch Gewicht haben. Dazu zählen die US-Stahlindustrie, die Landwirtschaft, Milchprodukte, die Holzindustrie, Konsumgüter und Alkohol. Dies soll den US-Produzenten signalisieren, dass Handelskonflikte auch Unternehmen aus den USA selbst treffen.
In acht von zehn kanadischen Provinzen gelten Einschränkungen oder Verbote des Verkaufs von US-Alkoholprodukten. Saskatchewan erhebt eine 50-prozentige Sonderabgabe. Angaben des Distilled Spirits Council zufolge sind die US-Exporte von Spirituosen nach Kanada gegenüber dem Vorjahr um mehr als 70 Prozent eingebrochen. Premierminister Mark Carney rief zusätzlich eine „Buy Canadian“-Politik aus.
Mittlerweile ist der Zollstreit teilweise eines politischen Machtkampfs geworden. Carney verwies auf deutliche Erfolge seiner Liberalen Partei in drei Nachwahlen am 31. August – und interpretierte diese als Bestätigung seiner Linie in der Zollpolitik. Donald Trump wiederum äußerte am 3. September auf Truth Social, Kanada werde durch seine Position im Handelskonflikt erhebliche Nachteile erleiden.

Kanada geht aufgrund verflochtener Lieferketten Risiko ein

Am Montag drohte Trump dem kanadischen Flugzeughersteller Bombardier mit einem Exportverbot in die USA, sollte das Unternehmen nicht wie zuvor angedeutet dort auch eine Produktion aufnehmen. Ein solcher Schritt käme einer möglichen nächsten Eskalationsstufe gleich.
Die neuen kanadischen Gegenzölle betreffen etwa 6 Prozent der US-Exporte nach Kanada. Im vergangenen Jahr summierten sich diese auf einen Gesamtwert von rund 333,6 Milliarden US-Dollar. Die Forschungsabteilung der Royal Bank of Canada, RBC Economics, schätzt, dass die kanadischen Gegenzölle einzelne Unternehmen und Branchen in den USA erheblich treffen könnten. Sie reichten jedoch nicht aus, um das gesamte US-Wirtschaftswachstum wesentlich zu beeinträchtigen. Kanada müsse aufgrund der wechselseitigen Verflechtungen auch potenzielle Auswirkungen auf die eigene Wirtschaft bedenken.
In vielen Bereichen bilden beide Länder einen gemeinsamen Wirtschaftsraum. Nicht nur in der Autoindustrie überschreiten die Lieferketten häufig mehrfach die Grenzen. Auch in Sektoren wie Energie, Stahl, Holz, Landwirtschaft, Maschinenbau und Konsumgütern können Zölle auf jeder Stufe der Lieferkette wirken.

Freihandelsabkommen bleibt trotz Zollkonflikt in Kraft

Das nordamerikanische Freihandelsabkommen USMCA/CUSMA ist trotz der Eskalationen im Handelskonflikt weiterhin in Kraft. Beide Seiten stützen ihre zusätzlichen Maßnahmen auf unterschiedliche nationale Rechtsgrundlagen. Parallel laufen im Rahmen des Abkommens Streitbeilegungsverfahren mit dem Ziel, den Konflikt und dessen Folgen zu entschärfen.
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Wissenschaftlich fundiert: Zehn Gewohnheiten für mehr Glück

Ist Glück nur eine Frage des Zufalls? Die Forschungsergebnisse deuten glücklicherweise auf etwas anderes hin.
Glück wird immer etwas Geheimnisvolles an sich haben. Es ist eher etwas, das uns zuteilwird, als etwas, das wir selbst erschaffen. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir machtlos sind, glücklicher zu werden. Im Gegenteil: Wahres Glück hängt viel von unseren Entscheidungen ab, sodass wir es bis zu einem gewissen Grad selbst beeinflussen können.
Glück ist nicht in erster Linie ein Gefühl – ein Bereich unseres Lebens, über den wir wenig Kontrolle haben.
„Die meisten Menschen betrachten Glück als ein Gefühl: etwas, das eintritt, wenn die Umstände stimmen, und verschwindet, wenn sie nicht stimmen. Doch die Erkenntnisse der Psychologie der letzten zehn Jahre zeichnen ein anderes Bild“, schrieb der Psychologe Mark Travers in einem Artikel für „Psychology Today“. Und weiter ebenda: „Glück ist nicht in erster Linie ein Stimmungszustand. Es ist ein Ergebnis, das sich aus der Struktur deines Lebens, den Entscheidungen, die du konsequent triffst, und dem Umfeld, in dem du lebst, ergibt.“
Menschen gestalten ihr Leben in erster Linie durch Gewohnheiten. Wir stellen Ihnen zehn wissenschaftlich belegte Gewohnheiten vor, die das Glücksempfinden fördern.

Pflegen Sie enge Beziehungen

Die Harvard-Studie zur Erwachsenenentwicklung ist die längste Studie zum menschlichen Glück, die jemals durchgeführt wurde. Sie begleitete eine Generation von Männern über 80 Jahre hinweg, beginnend in den 1930er-Jahren, und erfasste dabei alle möglichen Informationen über ihr Leben sowie ihre körperliche und geistige Gesundheit. Die Studie wurde inzwischen erweitert und umfasst nun auch einige Kinder der ursprünglichen Generation sowie eine weitere Kohorte von Männern, die in den 1970er-Jahren aus den Innenstadtvierteln von Boston rekrutiert wurden.
Die wichtigste Erkenntnis aus dieser groß angelegten Studie ist, dass von allen einzelnen Faktoren die Stärke der eigenen Beziehungen den größten Einfluss auf Glück und Gesundheit hat.
Die „Harvard Gazette“ berichtete: „Die Studie ergab, dass enge Beziehungen, mehr noch als Geld oder Ruhm, die Menschen ihr Leben lang glücklich machen. Diese Bindungen schützen Menschen vor den Unzufriedenheiten des Lebens, verzögern den geistigen und körperlichen Abbau und sind bessere Indikatoren für ein langes und glückliches Leben als die soziale Schicht, der IQ oder sogar die Gene.“
Das bedeutet, dass der Aufbau von Gewohnheiten, die die Verbindung zu anderen Menschen fördern, der Schlüssel zu langfristiger Erfüllung ist.

Gehen Sie über Small Talk hinaus

Diese Gewohnheit knüpft an die vorherige an, indem sie die Bedeutung tiefer menschlicher Verbindungen betont. Small Talk hat natürlich seinen Platz, sollte aber im Allgemeinen als Brücke zu tieferen Gesprächsthemen dienen – Themen, die zwischenmenschliche Beziehungen stärken und vertiefen.
Eine Studie aus dem Jahr 2010 ergab, dass ein höheres Wohlbefinden mit weniger Small Talk und mehr tiefgründigen Gesprächen einherging. Natürlich ist es nicht immer einfach, tiefere Gespräche anzustoßen. Deshalb haben wir zwei Listen mit Fragen zusammengestellt, die zu gehaltvolleren Gesprächen mit den Menschen anregen sollen, die Ihnen am Herzen liegen.

Genießen Sie regelmäßig kleine Freuden

Das Leben besteht aus den kleinen Dingen. Scheinbar unbedeutende Freuden, die über die Tage und Wochen verteilt sind, können einen überproportional großen Einfluss auf das Glücksempfinden haben. Einfache Aktivitäten wie eine Tasse Kaffee oder Tee trinken, einen kurzen Spaziergang an einem schönen Tag machen, einem Hobby nachgehen oder sich zu einem kurzen Mittagessen mit einem geliebten Menschen verabreden, können laut Forschungsergebnissen Stress reduzieren, die Widerstandsfähigkeit stärken und letztlich zum Glück beitragen.
Das soll nicht heißen, dass große Freuden und Erfolge für das Wohlbefinden unwichtig sind. Sie neigen jedoch dazu, die kleinen, beständigen Freuden zu überschatten, die in den Alltag eingewoben sind. Tatsächlich zeigen einige Studien, dass beständige kleine Freuden einen sogar größeren kumulativen Einfluss auf das allgemeine Glücksempfinden haben als gelegentliche große.
„Das Schöne an den kleinen Momenten ist, dass sie für jeden zugänglich sind“, schrieb der pädiatrische Neuropsychologe Sam Goldstein auf seiner Website. „Indem wir uns darin üben, diese Momente wahrzunehmen und zu schätzen, entwickeln wir eine Gewohnheit des Glücks, die über äußere Umstände hinausgeht.“
Sich Zeit zu nehmen, die kleinen Freuden des Alltags bewusst wahrzunehmen, kann das Glücksgefühl und die Wertschätzung für das tägliche Leben steigern. Foto: ifatum/iStock

Sich Zeit zu nehmen, um die kleinen Freuden des Alltags bewusst wahrzunehmen, kann das Glücksgefühl und die Wertschätzung für das tägliche Leben steigern.

Foto: ifatum/iStock

Erleben Sie statt zu besitzen

Generell gilt: Geld für Erlebnisse auszugeben, macht glücklicher als Geld für Dinge auszugeben. Das könnte einerseits daran liegen, dass Erlebnisse eine tiefere psychologische Wirkung haben und wir dazu neigen, sie immer wieder neu zu erleben und zu genießen. Andererseits sind Erlebnisse meist sozialer Natur, was bedeutet, dass sie eine Vertiefung der Verbindung zu anderen fördern.
Allerdings sind nicht alle bereichernden Erlebnisse angenehm. Einige Erlebnisse, die letztendlich unser Wohlbefinden steigern, stellen uns laut Forschungsergebnissen im Moment vor Herausforderungen.
„Ein psychologisch reichhaltiges Leben ist nicht unbedingt einfach oder angenehm“, schrieb Mark Travers. „Es zeichnet sich durch Neuartigkeit, Komplexität, Wachstum und perspektivverändernde Erlebnisse aus. Erlebnisse wie Reisen, kreative Herausforderungen, schwieriges Lernen und freiwilliges Unbehagen sorgen nicht immer für maximalen unmittelbaren Komfort, aber sie schaffen ein Leben, das sich im Rückblick tiefgründig, abwechslungsreich und lebenswert anfühlt.“
Wenn wir uns daran gewöhnen, Herausforderungen anzunehmen und Erfahrungen zu sammeln, die uns wachsen lassen, kann das zu einem lebendigeren Leben führen.

Nehmen Sie Zeit wichtiger als Geld

Ashley Whillans von der Harvard Business School hat eingehend belegt, dass ein Gefühl der „Zeitarmut“ das Glück beeinträchtigen kann. Menschen, die angeben, regelmäßig unter Zeitdruck zu stehen, gehetzt zu sein, keine Kontrolle zu haben und durcheinander zu sein, schneiden bei Messungen der Zufriedenheit und der psychischen Gesundheit schlechter ab. Andererseits ergab eine Studie aus dem Jahr 2017, dass Menschen, die sich „Zeit kaufen“, statt Dinge zu kaufen, eine größere Lebenszufriedenheit berichteten. Die Forschung zeigt somit, dass ein Reichtum an Zeit für uns wichtiger ist als eine Fülle an Geld und Besitztümern.
Daher kann es einen wichtigen Beitrag zum Wohlbefinden leisten, sich anzugewöhnen, Zeit gegenüber materiellen Gütern oder Reichtum zu bevorzugen.

Verbringen Sie regelmäßig Zeit in der Natur

Der Reichtum der Natur macht auch uns reich. Wir blühen auf, wenn wir das Gedeihen der Natur erleben. Eine bedeutende Studie aus dem Jahr 2019, in der Daten von fast 20.000 Teilnehmern untersucht wurden, ergab, dass diejenigen, die jede Woche mindestens 120 Minuten in der Natur verbrachten, deutlich gesünder und glücklicher waren als diejenigen, die keine Zeit im Freien verbrachten. Dieses Ergebnis wurde durch viele ähnliche Studien bestätigt. Generell steigern Grünflächen, Sonnenschein und frische Luft das menschliche Wohlbefinden.

Natur ist eine oft unterschätzte Ressource für die mentale Gesundheit des Menschen.

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Seien Sie hilfsbereit und großzügig

Zahlreiche Belege deuten darauf hin, dass wir – entgegen unserer Intuition – tatsächlich glücklicher sind, wenn wir uns weniger auf uns selbst konzentrieren. So ergab beispielsweise eine systematische Übersicht aus dem Jahr 2023, in der Dutzende von Studien aus verschiedenen Kulturen untersucht wurden, dass das Investieren von Zeit und Geld in andere Menschen das subjektive Wohlbefinden durchweg verbessert. Die Forschung zu altruistischem Verhalten – von kleinen Gesten der Freundlichkeit bis hin zu großzügigen Spenden – zeigt uns, dass wir dazu bestimmt sind, anderen mehr zu dienen als uns selbst, und dass wir dadurch unseren Lebenssinn erfüllen und größeres Glück erlangen.
Dies ist eine einfache Gewohnheit, die nicht nur unser eigenes Leben, sondern auch das Leben anderer verbessern kann.

Üben Sie sich in Vergebung

Das Verharren in schmerzhaften Erfahrungen der Vergangenheit versklavt uns eher, als dass es uns Erleichterung bringt. Das Streben nach Mitgefühl und Vergebung hingegen bringt größere innere Freiheit und damit Glück. So zeigte beispielsweise eine Studie aus dem Jahr 2011, dass College-Studenten, die dazu angeleitet wurden, eine vergangene Verletzung mit Mitgefühl neu zu betrachten, eine niedrigere Herzfrequenz und größere Empathie aufwiesen.
Eine weitere Studie aus dem Jahr 2026 fand einen starken Zusammenhang zwischen regelmäßigem Vergeben und einem gesteigerten psychischen Wohlbefinden.
Mit anderen Worten: Machen Sie Vergebung zur Gewohnheit. Unversöhnlichkeit zerfrisst die Seele, während Vergebung sie befreit.

Fördern Sie das Staunen

Erlebnisse des Staunens – Gänsehaut erzeugende Begegnungen mit dem Majestätischen, Geheimnisvollen und Schönen – machen uns glücklicher und gesünder und stärken unsere sozialen Bindungen. Solche Erlebnisse können durch dramatische Anblicke oder Begegnungen entstehen, aber sie lassen sich auch im kleinen Kreis des Alltags finden. Der Nachthimmel, ein wunderschönes Musikstück oder ein tiefgründiges Gedicht können Ehrfurcht wecken. Wir können es uns zur Gewohnheit machen, danach zu suchen und diese Gelegenheiten wahrzunehmen, wenn sie sich bieten.

Streben Sie nicht nach Glück, sondern nach Sinn

Diese Gewohnheit mag im Widerspruch zu den vorherigen auf der Liste stehen, ist aber dennoch möglicherweise die wichtigste.
Der Psychologe und Konzentrationslagerüberlebende Viktor Frankl schrieb das berühmte Buch „Man’s Search for Meaning“, in dem er argumentiert, dass im Kern unseres Seins das Verlangen nach Sinn liegt und dass dieses Verlangen stärker und für unser Menschsein zentraler ist als unser Verlangen nach Vergnügen, Bequemlichkeit oder Reichtum. Dieses Streben nach Sinn kann selbst ein Leben voller Leid in ein erfülltes Leben verwandeln.
Im Vorwort zur Ausgabe von 1992 schrieb er: „Denn Erfolg kann, ebenso wie Glück, nicht angestrebt werden; er muss sich einstellen, und zwar nur als unbeabsichtigter Nebeneffekt des persönlichen Engagements für eine Sache, die größer ist als man selbst, oder als Nebenprodukt der Hingabe an eine andere Person als die eigene. Glück muss sich einstellen, und dasselbe gilt für den Erfolg: Man muss es geschehen lassen, indem man sich nicht darum bemüht.“
Laut Frankl sollten wir uns also gewohnheitsmäßig auf die Suche nach Sinn ausrichten, dann wird das Glück folgen. Wenn wir hingegen direkt nach Glück streben, geraten wir wahrscheinlich in Egoismus und werden dadurch unglücklich.
Glück ist wie eine Frucht, die am Baum der Sinnhaftigkeit wächst. Wird sie vom Baum getrennt, verfault sie und stirbt ab. Wenn wir jedoch den Baum finden, finden wir auch die Frucht – prall und gesund.
Das Paradoxe am Glück ist, dass wir es manchmal loslassen müssen, um es zu finden.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „10 Science-Backed Habits for Happiness“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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8. September: SPD-Politiker gegen Brandmauer | Merz über Bundestreue | Verdächtiger der Stromnetz-Sabotage festgenommen

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SPD-Politiker gegen Brandmauer

Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt fordert Markus Bauer, SPD-Landrat im Salzlandkreis, mehr parteiübergreifende Zusammenarbeit. Auch die AfD müsse grundsätzlich einbezogen werden. In diesem Wahlkreis holte die AfD teils knapp 50 Prozent und gewann sämtliche Direktmandate. Eine Partei mit einem solchen Rückhalt dürfe „nicht ignoriert und ausgeschlossen werden”, so der SPD-Landrat.

Merz über Bundestreue

Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt wies Kanzler Merz auf die Grenzen politischer Macht und die Bundestreue hin. Das Grundgesetz gelte auch dort. Der Bund könne bei Verstößen gegen bundesrechtliche Pflichten, beispielsweise im Bereich der Migration, eingreifen. Der Bundeszwang nach Artikel 37 des Grundgesetzes sei ein äußerstes Mittel und wurde bislang noch nie angewandt.

Verdächtiger der Stromnetz-Sabotage festgenommen

Nach einer Serie von Sabotage-Angriffen auf Umspannwerke in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen hat die Polizei einen 48-jährigen Tatverdächtigen festgenommen. Er wurde in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler bei Aachen aufgegriffen. Er hatte weitere Sprengmittel bei sich und leistete keinen Widerstand.

Klingbeil stellt Haushalt 2027 vor

Heute stellt Finanzminister Klingbeil den Bundeshaushalt 2027 im Bundestag vor. Er verteidigt die geplanten Investitionen von über 120 Milliarden Euro für Infrastruktur, Verteidigung und KI. Die Opposition kritisiert die hohen Schulden und die damit verbundenen Zinslasten sowie die unzureichenden Entlastungen der Bürger.

PISA-Absturz

In der neuen PISA-Studie schneidet Deutschland so schlecht ab wie noch nie. Rund 6.700 Schüler wurden im Jahr 2025 getestet. Sie erreichten die niedrigsten Werte, die je gemessen wurden, in Mathematik, Lesekompetenz und Naturwissenschaften. Ein Drittel der 15-Jährigen hält die Schule für eine Zeitverschwendung. Bildungsministerin Prien fordert deshalb, Bildung zu einer „Top-Priorität“ zu machen.
 
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Kreml: Putin und Trump führten “äußerst offenes“ Telefonat

Nach dem Besuch der US-Sondergesandten in Moskau und Kiew am Wochenende haben Russlands Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump nach Angaben des Kremls ein „äußerst offenes“ Telefonat geführt. „Auf die für sie typische professionelle und respektvolle Art“ hätten die beiden Präsidenten „ihre Positionen ausgetauscht“, sagte der russische Präsidentenberater Juri Uschakow am Dienstag, den 8. September 2026, vor Journalisten.

Putin berichtet über Lage in der Ukraine

Das Telefongespräch habe „genau eine Stunde“ gedauert und sei „konstruktiv und äußerst offen“ gewesen, fügte er hinzu. Putin habe Trump eine „objektive und detaillierte Analyse“ der Lage an der Front in der Ukraine vorgelegt.
Zudem habe er erklärt, „was die Amerikaner tun könnten, um die Kämpfe rasch zu beenden“, sagte Uschakow. Auf diesen Punkt ging der Kreml-Berater in seinen Äußerungen nicht näher ein.

US-Sondergesandte in Moskau und Kiew

Die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner hatten am Wochenende Moskau und erstmals seit Kriegsbeginn auch Kiew besucht und mit Putin sowie dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj über Wege zur Beendigung des Ukraine-Krieges gesprochen.
Moskau hat bisher keine Anstalten gemacht, von seinen Maximalforderungen abzurücken. Diese beinhalten Gebietsabtritte der Ukraine im Osten – auch von Regionen, die russische Truppen bisher noch gar nicht eingenommen haben.

Kreml weist Vorwürfe gegen Russland zurück

Dem Kreml war zuletzt vorgeworfen worden, seine Sabotagekampagne gegen die europäischen Unterstützer der Ukraine verstärkt zu haben. Moskau wies dies nun zurück.
„Mit Blick auf die Spekulationen über angebliche feindliche Absichten Russlands gegenüber europäischen Staaten wurde betont, dass wir absolut keinerlei aggressive Pläne gegenüber Europa hegen“, sagte Uschakow über das Telefonat zwischen Putin und Trump.
„Die Mythen, die über die russische Bedrohung verbreitet werden, dienen den Europäern als Vorwand, ihre Unterstützung für die Ukraine und ihre eigenen Militärausgaben zu verstärken“, sagte er. (afp/red)
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Ministerpräsident Schulze zu CDU-Fraktionschef gewählt

Zwei Tage nach der Niederlage bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die CDU-Landtagsfraktion Regierungschef Sven Schulze zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Der 47-Jährige trat überraschend zur Wahl an und setzte sich nach dpa-Informationen in einer Kampfabstimmung gegen Amtsinhaber Guido Heuer mit acht zu sieben Stimmen durch. Auch der „Spiegel“ berichtete über die Wahl Schulzes.
Wenige Stunden vor der Wahl hatten erste Gerüchte die Runde gemacht, dass Schulze zur Wahl des Fraktionsvorsitzenden antreten könne. Erst am Montagabend hatte der CDU-Landesverband eine personelle Neuaufstellung auf den Weg gebracht.
Schulze hatte eine Neuwahl des CDU-Landesvorstandes für Ende November/Anfang Dezember angekündigt. Der Bundestagsabgeordnete Sepp Müller erklärte, für den Vorsitz kandidieren zu wollen. Auf Nachfragen von Journalisten, ob er erneut für den Vorsitz kandidieren wolle, sagte Schulze: „Es ist im Moment nicht mein Plan.“

AfD siegt bei der Landtagswahl – aber ohne absolute Mehrheit

Bei der Landtagswahl am Sonntag war die AfD mit 43,8 Prozent die mit Abstand stärkste Kraft geworden vor der CDU mit 17,2 Prozent der Stimmen. Es war das schlechteste Ergebnis der CDU bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt seit der Wiedervereinigung. Der Stimmenanteil der CDU hatte sich in etwa halbiert, was einen Verlust von 25 Mandaten zur Folge hatte.
Im neuen Landtag ist die CDU nur noch mit 15 Abgeordneten vertreten. SPD, Linke und Grüne haben jeweils 8 Sitze, das BSW zog mit 5 Abgeordneten erstmals in den Landtag in Magdeburg ein. Die AfD gewann 39 der insgesamt 83 Mandate. Damit fehlen ihr für eine absolute Mehrheit drei Sitze.
Die Wahl eines Ministerpräsidenten zum Vorsitzenden einer Landtagsfraktion ist ungewöhnlich, der aktuelle Fall in Magdeburg aber keine Premiere. So hatte sich der damalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer im Mai dieses Jahres zum Vorsitzenden der SPD-Fraktion in Rheinland-Pfalz wählen lassen, ehe er das Regierungsamt an Gordon Schnieder (CDU) abgab. (dpa/red)