Liu Wei während einer friedlichen Protestveranstaltung am 18. Juli vor dem Brandenburger Tor in Berlin. - Foto: Epoch Times
Schon von Weitem leuchten die gelben T-Shirts der zahlreichen Praktizierenden, die mit ihren anmutigen Übungsbewegungen vor dem Brandenburger Tor in Berlin die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Im Hintergrund prangen riesige Plakate, die vom Organraub in China erzählen. Anlässlich des 20. Juli, dem 27. Jahrestag des Beginns der Verfolgung der friedlichen Meditationslehre Falun Gong (auch Falun Dafa genannt), gibt es weltweit Aktionen, bei denen Betroffene von den Grausamkeiten berichten, die sie einst erdulden mussten.
Als ich zum ersten Mal von der Verfolgung hörte, verschlug es mir die Sprache: Ein riesiges Plakat zeigte die Preise für verschiedene Organe in China. Ein anderes sprach von Organraub an lebenden Falun-Gong-Praktizierenden. In einem schwarzen Käfig von einem Meter Länge, Breite und Höhe lag symbolisch das Foto einer Praktizierenden, um die menschenverachtenden Methoden des kommunistischen Regimes in China zu veranschaulichen.
Ich stand wie angewurzelt da. Wie konnte es sein, dass eine so friedliche Meditationsmethode so grausam verfolgt wird, dass Praktizierende verhaftet, gefoltert und gar wegen ihrer Organe getötet werden? Als ich Zuhause recherchierte, stieß ich auf der Website Minghui.org auf zahlreiche erschütternde Geschichten, die vom unsäglichen Leid der Praktizierenden in China berichteten.
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Eine Praktizierende spricht mit einer Passantin über die Verfolgung in China.
Foto: Epoch Times
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Die als 27 angeordneten Bilder von verstorbenen Praktizierenden stehen stellvertretend für das unzählige Leid, das Praktizierende in China unter dem kommunistischen Regime erdulden müssen.
Foto: Epoch Times
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Praktizierende demonstrieren die zweite Übung, eine Meditation im Stehen.
Foto: Epoch Times
Wie nahe China ist, wird erst deutlich, wenn man Betroffene trifft, die hier in Deutschland leben. Eine davon ist Liu Wei aus Nordostchina. Die studierte Architektin lebt seit 22 Jahren in Deutschland. Epoch Times sprach mit ihr am Rande einer Veranstaltung am 18. Juli 2026 am Brandenburger Tor in Berlin – einer von zahlreichen Aktionen weltweit, mit denen Falun-Gong-Praktizierende seit 27 Jahren friedlich gegen die Verfolgung in China demonstrieren.
Eine Betroffene berichtet
Als die Verfolgung am 20. Juli 1999 in China begann, praktizierte Liu Wei bereits vier Jahre Falun Gong. Sie arbeitete damals in der Stadt Benxi in Nordostchina als Technikerin in der Stahlindustrie und war noch Mitglied der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Bei einer Betriebsversammlung äußerte der Parteisekretär nebenbei, dass Parteimitglieder nicht Falun Gong praktizieren dürften. „Aber das nahm niemand ernst“, erinnert sich Liu Wei. Denn alle kannten Falun Gong und alle wussten um die wohltuende Wirkung auf Körper und Geist. Dass diese wunderbare Praxis jemals verboten werden könnte, „hielten wir alle unmöglich“, sagt sie.
Liu Wei während einer friedlichen Protestveranstaltung am 18. Juli vor dem Brandenburger Tor in Berlin.
Foto: Epoch Times
Das böse Erwachen für die damals 27-Jährige kam am 7. August. „Im TV und Radio sowie in den Zeitungen waren plötzlich, sehr, sehr negative Berichte über Falun Gong zu sehen. Ich fand das unfassbar“, schildert Liu Wei weiter. Falun Gong war ab sofort verboten – landesweit.
Als sie später aus beruflichen Gründen zurück nach Peking zog, wo sie studiert hatte, war sie schockiert. Auch dort waren die Parks, in denen im Jahr 1997 noch Hunderte morgens und abends Qigong praktiziert hatten, wie leer gefegt. Die Betreuer von damals waren nirgendwo zu finden. „Ich klopfte an ihre Tür, aber niemand öffnete. Das kam mir damals sehr seltsam vor“, so Liu Wei. Auf der Straße war niemand anzutreffen, der Falun Gong praktizierte.
Als Liu Wei später die Website Minghui.org besuchte, erfuhr sie von dem gesamten Ausmaß der Verfolgung – sowohl im Inland als auch im Ausland.
„Da ich selbst einmal Mitglied dieser bösartigen Partei war, weiß ich, wie sie reden, wie ihre Indoktrination abläuft und mit welcher Methode sie vorgehen: Gedankenmanipulation“, sagt sie.
Dazu gehört auch die verleumderische Fernsehpropaganda, wie die von der KPCh inszenierte „Selbstverbrennung“ auf dem Platz des Himmlischen Friedens am 23. Januar 2001, die das gesamte Volk gegen die Praktizierenden aufwiegelte. Die Medien wurden geflutet mit Videos von Personen, die sich vor laufender Kamera in Brand setzten. Es hieß, es handele sich um Falun-Gong-Praktizierende. Doch das stimmt nicht.
„Lebewesen zu töten, zählt als Sünde“, hält Liu Wei dem entgegen und verweist auf die Lehre von Falun Gong aus dem Buch „Zhuan Falun“. Es sei unmöglich, dass sich Praktizierende anzünden.
Um den Lügen des kommunistischen Regimes entgegenzuwirken, begann sie, Flyer und Informationsmaterialien herzustellen. Doch ungünstigerweise ließ sie einen Teil davon in ihrem Büro liegen. Eine Kollegin fand die Materialien und meldete dies bei der Polizei. Liu Wei flog auf. Bei einer Wohnungsdurchsuchung stellten die Beamten weitere Materialien und Falun-Gong-Bücher sicher – und führten die Praktizierende ab.
Haftstrafe ohne Justiz
Es gab kein Gerichtsverfahren, keinen Anwalt und keinen Richter – und doch landete Liu Wei für 16 Monate im Frauen-Umerziehungslager der Stadt Peking. „Die Staatsanwaltschaft hat mir das einfach so mitgeteilt“, sagt sie. Die Möglichkeit, einen Antrag auf Überprüfung des Urteils zu stellen, wurde ihr verwehrt.
Niemand kümmere sich um Menschenrechte, wenn man Falun Gong praktiziere, sagt Liu Wei. „Die Polizisten tun einfach, was sie wollen.“ Egal, ob man schuldig war oder nicht, man wurde verprügelt, eingesperrt und vor allem daran gehindert, die Falun-Gong-Übungen zu praktizieren.
Eines Tages kamen zahlreiche medizinische Mitarbeiter in das Lager, in dem sie inhaftiert war. Das Merkwürdige daran: Nur Falun-Gong-Praktizierende, die in besonders guter gesundheitlicher Verfassung waren, wurden gründlichst untersucht – alle anderen nicht, selbst wenn sie schwerkrank waren. Bei den Praktizierenden erfolgten hingegen diverse Untersuchungen der inneren Organe, Blutabnahme, Blutdruck, Herzfrequenz, Ultraschall. Der Arzt wollte von Liu Wei wissen, ob es in der Familie Vorerkrankungen gegeben habe. Als sie im Gegenzug nach dem Grund der Untersuchung fragte, unterband der Polizist das Gespräch.
Die Ergebnisse der Untersuchung hat sie nie erhalten. Später wurde Liu Wei bewusst, dass diese Maßnahmen erste konkrete Schritte für eine mögliche Organentnahme gegen den Willen und das Wissen der Praktizierenden vorbereiteten.
Umerziehung durch Sitzfolter
Als Liu Wei im Zwangsarbeitslager Peking war, setzten die Beamten alles daran, möglichst viele Praktizierende zur Abkehr von ihrem Glauben zu bewegen und sie „umzuerziehen“. Es galt, eine Quote zu erfüllen. Dazu wurde Liu Wei zunächst in einem kleinen, dunklen Zimmer isoliert, wo sie stundenlang regungslos auf einem kleinen Hocker sitzen musste.
Folternachstellung: Auf einem kleinen Hocker sitzen. Das gesamte Gewicht lastet auf einer geringen Fläche des Gesäßes, sodass es mit der Zeit zu Druckstellen und Blasen kommt.
Foto: Minghui.org
„Ich durfte weder essen, noch auf die Toilette oder Wasser trinken – ich bekam überhaupt nichts“, schildert Liu Wei weiter. Bevor sie nicht unterschrieb, dass sie Falun Gong aufgibt, durfte sie nicht schlafen. Gegen 2.00 Uhr morgens konnte sie dem Druck kaum noch standhalten. Abgesehen von der enormen psychischen Belastung, fühlte sie sich auch körperlich sehr unwohl. „Ich konnte einfach nicht mehr, war völlig geschwächt, und spürte, wie mein Herz raste – daraufhin unterschrieb ich die Erklärung.“
Doch das war nicht das Ende, sondern erst der Anfang. Zwar durfte Liu Wei daraufhin schlafen, aber nur zwei oder drei Stunden. Danach musste sie wieder regungslos auf dem kleinen Hocker sitzen. „Das war sehr qualvoll.“
Abwechselnd unterzogen Beamte sie zusätzlich einer Gehirnwäsche, indem sie sie einredeten, wie schlecht Falun Gong sei. Erneut wurde ihr der Schlaf entzogen, bis sie widerwillig ein weiteres Dokument unterschrieb. Dieses Mal ging es um die Einhaltung bestimmter staatlicher Vorschriften.
So vergingen die ersten Tage, bis die Praktizierenden einen Bericht verfassen und die Gründe darlegen sollten, warum sie Falun Gong ablehnten. Wenn ihren Peinigern etwas am Text nicht passte, musste sie ihn ändern. Andernfalls sollten die Praktizierenden ihren Bericht vor laufender Kamera vorlesen. Erst dann wurden die Unterlagen archiviert. Bei Personen mit gewissem Ansehen wurden die aufgenommenen Videos im Fernsehen ausgestrahlt.
Derartige „Gedankenberichte“ mussten die Praktizierenden jeden Tag schreiben.
Wie froh war Liu Wei, als sie endlich nach einem Jahr und vier Monaten entlassen wurde. Doch die Überwachung ging weiter. An ihrem Arbeitsplatz wurde sie selbst von der Putzfrau beobachtet. Liu Wei fühlte sich wie in einem riesigen Gefängnis, nur ohne Mauern.
Mit dem Wunsch „Ich will einfach ein normaler Mensch sein und ein normales Leben führen“ führte ihr Weg sie schließlich 2004 nach Deutschland zum Studium – und hier begann sie ein neues Leben.
Weltweites Bestreben zur Beendigung der Verfolgung
So wie Liu Wei in Deutschland, leben weltweit Millionen Exilchinesen in ihrer neuen Heimat, während die Verfolgung in China weitergeht. International gibt es Bestrebungen, die Menschenrechtsverletzungen und den Organraub in China einzudämmen.
Das Europäische Parlament hat im Mai 2022 mit der Resolution 2022/2657 (RSP) die Mitgliedsstaaten aufgefordert, „die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um den Transplantationstourismus ihrer Bürger nach China zu verhindern und ihre Bürger, die nach China reisen, über dieses Problem zu informieren“.
Der in den USA vorgelegte Gesetzentwurf zum Falun Gong Protection Act sieht Sanktionen wie Einreiseverbot, Haft und finanzielle Strafen gegen Personen vor, die sich am Organraub in China.
„Die Methoden der KPCh ändern sich ständig, daher müsse man noch wachsamer sein“, so Liu Wei. In ihrer Freizeit setzt sie sich dafür ein, dass die Menschen von der Verfolgung von Falun Gong in China erfahren. Sie hofft, dass die Regierungen aller Länder nicht nur ihre wirtschaftlichen Interessen, sondern vor allem die Menschenrechte in den Vordergrund stellen.
Hunter Wang, Falun-Gong-Praktizierender, am 9. Juli 2025 in New York. In China war er über ein Jahrzehnt lang auf der Flucht. - Foto: Larry Dye/Epoch Times
Während der Kulturrevolution unter Mao wütete der rote Terror offen, heute agiert die Kommunistische Partei Chinas oft im Verborgenen. In dieser Serie berichten vier Falun-Gong-Praktizierende von ihren Erfahrungen und ihrer Flucht aus dem Überwachungsstaat.
Hintergrund:
Falun Gong, auch Falun Dafa genannt, ist eine buddhistische Meditationsbewegung, die in den 1990er-Jahren in China unter anderem wegen ihrer gesundheitlichen Wirkung sehr populär war. Die Lehre wurde kostenlos weitergegeben. Sie beinhaltet fünf Qigong-ähnliche Übungen und ermutigt die Menschen, nach Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht zu leben. Staatliche Schätzungen im Jahr 1999 gingen von 70 bis 100 Millionen Praktizierenden in China aus, was die Partei als ideologische Herausforderung ihres Machtanspruchs ansah. Am 20. Juli 1999 begann die landesweite Verfolgung von Praktizierenden. Wer an dem Glauben festhielt, setzte sich der Gefahr staatlicher Verfolgung aus. Quellen berichten von Zehntausenden Todesopfern durch Folter, Misshandlung und Organraub.
Hunter Wang musste mehr als ein Jahrzehnt in China untertauchen, nachdem er 2005 wegen seines Glaubens an Falun Gong festgenommen worden war. Die Polizei beschlagnahmte damals seinen Personalausweis, wodurch er von einem Großteil der chinesischen Gesellschaft abgeschnitten wurde. Mehrere Freunde, die mit ihm inhaftiert waren, wurden später zu drei bis acht Jahren Gefängnis verurteilt.
Im Gespräch mit der Epoch Times sprach er darüber, wie er diese 13 Jahre überlebte.
13 Jahre auf der Flucht
Wie Wang berichtete, war es Anfang der 2000er-Jahre noch möglich, ohne Ausweis mit einem Zug zu fahren. Doch das änderte sich mit der zunehmenden Verbreitung von Hochgeschwindigkeitszügen. Die Ausweispflichten wurden verschärft und schließlich benötigte man sogar für eine Busfahrt einen Ausweis.
Er bestieg daher Busse bei kleinen Haltestellen mit lockererer Ausweiskontrolle. Um mit der U-Bahn zu fahren, mied er bestimmte Zeiten, zu denen Polizisten im Einsatz waren. Er war auch immer auf der Hut, ob ein Beamter sich in der Nähe befinden würde.
Seine Eltern schickten ihm schließlich eine Kopie seines Ausweises. Damit konnte er manchmal einen Mietvertrag unterschreiben. Meistens wurde die Kopie jedoch nicht akzeptiert.
2015 musste er fünfmal seinen Job wechseln, weil er keinen Ausweis vorlegen konnte. Einen neuen Personalausweis konnte er auch nicht beantragen, weil das Regime ihn als Flüchtigen betrachtete.
China, Februar 2020: Ein Mitarbeiter eines örtlichen Nachbarschaftskomitees in Peking kontrolliert die Ausweispapiere eines Mannes während der COVID-19-Pandemie.
Foto: Kevin Frayer/Getty Images
Kein normales Leben möglich
Er verdiente gutes Geld. Aber er war auch in ständiger Gefahr. Immer, wenn er eine Wohnung für sich und seine Familie gefunden hatte, war die Anonymität nur von kurzer Dauer. Das lokale Nachbarschaftskomitee der Kommunistischen Partei kam regelmäßig vorbei und verlangte seinen Ausweis. Wann immer das geschah, blieb ihm nur eine Wahl: Verschwinden!
Wang sagte gegenüber Epoch Times:
„Sie [die kommunistische Partei] können dich jederzeit alles verlieren lassen.“
Einmal war er auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch, als er einen schwarz gekleideten Mann bemerkte, der Fotos machte. Da er vermutete, dass der Mann ihm folgen könnte, sagte er das Gespräch ab und entkam mit einem Taxi.
2016 bekam er eine Stelle, die häufige Geschäftsreisen erforderte. Wang hatte keine andere Wahl, als das Risiko einzugehen, einen neuen Ausweis zu beantragen. Er tat es – und prompt folgten die Schikanen der Polizei.
2018 floh Wang mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn aus China in die Vereinigten Staaten.
In China gilt der Besitz von Falun-Gong-Literatur und das Verteilen von Falun-Gong-Materialien für die kommunistische Partei und ihre Helfer bereits als Verbrechen. Doch diejenigen, die direkte Beweise für die Verfolgung – wie Fotos, Videos und offizielle Dokumente – aus China herausschmuggeln, werden besonders hart bestraft.
Im Jahr 2004 gingen schockierende Bilder um die Welt. Sie zeigten die 36-jährige Buchhalterin Gao, die im Arbeitslager Longshan bis an den Rand des Todes gefoltert worden war. Ihr „Verbrechen“: Sie war eine Falun-Gong-Praktizierende.
Im Mai jenes Jahres hatte der Wärter Tang Yubao das Gesicht von Gao mehr als 7 Stunden lang mit einem Elektrostock malträtiert, bis es verbrannt und entstellt war.
Liu Ziyu hatte ihre Tante Gao Rongrong als Kind abgöttisch geliebt. Gao sei zart, geduldig, ruhig und intelligent gewesen und habe bei allem, was sie tat, ihr Bestes gegeben, erzählte Liu. Für das Mädchen war ihre Tante ein Vorbild.
1994, Provinz Liaoning: Liu Ziyu, etwa im Alter von 6 Jahren, mit ihrer Tante Gao Rongrong, damals Mitte 20. Zehn Jahre später, im Jahr 2004, wurde Gao Rongrong im Zwangsarbeitslager Longshan von einem Wärter über sieben Stunden lang mit einem Elektroschocker im Gesicht gefoltert, bis es verbrannt und entstellt war. Sie starb im Juni 2005 in Polizeigewahrsam.
Foto: Liu Ziyu
Im August 2004 besuchte die 16-jährige Liu ihre Tante im Krankenhaus. Das Zimmer von Gao wurde überwacht. Sowohl innerhalb als auch außerhalb der Station standen Polizisten Wache.
Sie erinnerte sich, dass ihr Kopf plötzlich ganz leer wurde, als sie ihre Tante sah.
„Ich hatte noch nie jemanden gesehen, der so dünn war“, sagte Liu gegenüber der Epoch Times. Sie konnte ihre Gefühle kaum zurückhalten. „Sie bestand buchstäblich nur noch aus Haut und Knochen.“
Alle möglichen Schläuche ragten aus Gaos Körper. Ihr Gesicht war voller Wunden. Sie öffnete die Augen und sah Liu an. Das Mädchen rannte ins Badezimmer, damit Gao ihre Tränen nicht sah.
Liu blieb die ganze Nacht bei ihr im Krankenhaus und kehrte erst am nächsten Morgen nach Peking zurück, um zur Schule zu gehen.
Sie wusste nicht, dass es das letzte Mal sein sollte, dass sie ihre Tante lebend sah.
Die zwei Schwestern von Gao hatten bei ihrem Besuch eine kleine Kamera mit ins Zimmer geschmuggelt. Gao stimmte den heimlichen Aufnahmen ihrer Wunden zu. Sie sollten als Beweis für ihre Verfolgung dienen und aus China herausgeschmuggelt werden. Alle waren sich bewusst, dass sie damit den Zorn des Regimes auf sich ziehen würden.
Sie benutzten eine spezielle Software, um die chinesische Internetsperre zu umgehen. Es gelang ihnen, ihr Material an Minghui zu senden, eine Falun-Gong-Website, welche Fälle der Verfolgung dokumentiert.
Mithilfe eines Falun-Gong-Praktizierenden gelang es Gao, aus dem Krankenhaus zu entkommen. Doch man entdeckte sie einige Monate später und die Polizei verhaftete sie erneut.
Im Juni 2005 wurde Gao zu Tode gefoltert.
Als Liu Ziyu und ihre Mutter die Nachricht von ihrem Tod erhielten, konnten sie tagelang nichts mehr essen.
Die Behörden bestanden darauf, den Leichnam rasch einzuäschern, und drängten die Familie zur Unterschrift der Dokumente. Sie drohten ihnen mit Gefängnisstrafen und zwangen schließlich Lius Mutter und eine weitere Tante, aus ihren Wohnungen zu fliehen. Lius Vater, der in einer anderen Stadt arbeitete, wagte es nicht, nach Hause zurückzukommen.
Liu, im Alter von 17 Jahren, blieb allein zurück. Monatelang lebte sie von Fertignudeln und versank in Angst und Depressionen. Sie erinnerte sich, wie sie am Fenster stand und endlos in den Himmel starrte.
Flucht nach New York
Weil die Behörden Liu mit der Aufdeckung der Folter ihrer Tante Gao in Verbindung brachten, stand sie auf Pekings Reisesperrliste.
Reisen ins Ausland sind für Falun-Gong-Praktizierende eine Herausforderung. Aus Sicht des Regimes ist jeder von ihnen ein potenzieller Zeuge der Verfolgung und Träger von Staatsgeheimnissen und Informationen, die Chinas Image im Ausland schaden könnten.
Es ist vollkommen unklar, wie genau Chinas System der Reisesperrliste funktioniert. Manche glauben, dass Betroffene nach einer gewissen Zeit von dieser Liste gestrichen werden. Andere wiederum glauben, dass es zusätzlich zu einer nationalen Liste verschiedene lokale Listen gibt.
Als sie 2007 die Chance erhielt, in Kanada zu studieren, hinderten die chinesischen Behörden Liu am Flughafen an der Ausreise. Als Begründung sagte man ihr, sie habe „gegen nationales Recht verstoßen“. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits von der Schule geworfen. Ein Studium war für sie in China damit faktisch nicht mehr möglich.
Nach vielen gescheiterten Versuchen gelang ihr fünf Jahre später schließlich die Flucht nach New York.
Liu ist heute 37 Jahre alt. In diesem Alter wurde ihre Tante damals in China ermordet. Oft fragt sich Liu, was wohl gewesen wäre, wenn sie an der Stelle ihrer Tante gewesen wäre. Hätte sie die gleiche Wahl getroffen? Jedes Mal ist ihre Antwort dieselbe.
„Falun Gong ist nicht falsch, und Wahrhaftigkeit, Gutherzigkeit und Toleranz sind nicht falsch“, sagt sie.
Wenn sie das Richtige tue, ist Liu überzeugt, dann könne sie auch nicht „vor der Unterdrückung des Bösen einknicken“.
„Sie können meine Familie zerstören, sie können meine Zukunft zerstören, sie können mein Leben zerstören, alles zerstören, was ich habe, aber das Einzige, was sie mir nicht nehmen und nicht zerstören können, ist mein Glaube.“
Liu Ziyu, am 14. Juli 2025 in New York. Sie stand als Nichte von Gao Rongrong auf Pekings Reiseverbotsliste, aufgrund ihrer Verbindung zur Aufdeckung der Folter an ihrer Tante. 2012 gelang ihr die Flucht in die USA.
Die Weltpremiere von „Unbroken: Die unerzählte Geschichte von Shen Yun“ fand am 24. März 2026 im AMC Theater am Lincoln Square in New York City statt. - Foto: Samira Bouaou/The Epoch Times
Die meisten Tanzkompanien und Orchester haben bereits genug damit zu tun, ihre Proben, Pressetermine und Tourneen zu koordinieren. Für die in New York ansässige Kunstkompanie Shen Yun Performing Arts kommen jedoch weitere Herausforderungen hinzu.
Seit 2024 sieht sich das Unternehmen jedoch eskalierenden Androhungen von Bombenanschlägen und anderer Gewalt ausgesetzt. Diese richten sich gegen den Hauptsitz und die Veranstaltungsorte weltweit. Dies sind nur einige der verdeckten Aktionen, die mit dem chinesischen Regime in Verbindung gebracht werden.
Sie reichen von Desinformation in den Medien über bezahlte Proteste bis hin zu aufgeschlitzten Reifen an Tourneebussen. All dies zielt darauf ab, die Aufführungen des Unternehmens auf den Bühnen der Welt zu stoppen.
„Unbroken“ – eine Geschichte unbeugsamer Künstler
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Familie Browde aus dem Großraum New York hat dies aus erster Hand erlebt. Ihre Geschichte ist ein zentraler Bestandteil des Dokumentarfilms „Unbroken: Die unerzählte Geschichte von Shen Yun“. Dieser wurde vom US-Sender NTD, einem Schwestermedium der Epoch Times, produziert.
Der Film greift dabei eine Reihe hochaktueller Themen auf, darunter grenzüberschreitende Menschenrechtsverletzungen, den Missbrauch juristischer Mittel sowie journalistische Ethik. Gleichzeitig bleibt der Film eine Dokumentation über darstellende Kunst.
Die Produktionen von Shen Yun vereinen traditionellen chinesischen Tanz, Musik, Kultur und Geschichte und werden von einem Orchester begleitet, das westliche und chinesische klassische Instrumente miteinander verbindet.
Gegen das Schweigen: Künstler aus aller Welt vereinigten sich
Im Gespräch mit Epoch Times verglich Familie Browde ihre Erfahrung mit dem Gefühl, an vorderster Front in einer Schlacht zu stehen. „Wir alle spüren den Druck“, sagte Browde.
Doch der Kampf hatte nicht in den Vereinigten Staaten begonnen. Er begann vor fast 27 Jahren, als die Kommunistische Partei Chinas die landesweite Verfolgung von Praktizierenden der Meditationspraxis Falun Gong startete, die auf den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Gutherzigkeit und Nachsicht beruht.
Die Kampagne war systematisch und kombinierte Hasspropaganda, finanziellen Druck, Massenverhaftungen und Folter in einem totalen Bestreben, die Praxis vollständig zu vernichten. Unzählige Praktizierende wurden getötet, unter anderem durch den Raub ihrer Organe, um sie der lukrativen Transplantationsindustrie des Regimes zuzuführen.
Im Jahr 2006 schlossen sich chinesische Künstler aus aller Welt zusammen, um die Machenschaften des chinesischen Regimes ins Rampenlicht zu rücken. Sie wollten die im Dunkeln stattfindenden Menschenrechtsverbrechen des Regimes ans Licht der Öffentlichkeit bringen. Zudem wollten sie Chinas kulturelles Erbe wiederbeleben. So entstand das, was später als Shen Yun bekannt werden sollte.
Ab 2022 verschärfte Chinas Führung die Kampagne
Seit der Gründung von Shen Yun Performing Arts war Peking zu dessen Niederschlagung entschlossen. Es setzte diplomatische und finanzielle Hebel ein, um Gastgeberländer und ihre Theater unter Druck zu setzen. Damit war es manchmal sogar erfolgreich. In den vergangenen Jahren haben sich Pekings Bemühungen jedoch noch einmal deutlich verschärft.
So erteilte Chinas Führer Xi Jinping Ende 2022 hochrangigen Beamten die Anweisung, westliche Medienorganisationen und soziale Medien als Waffen einzusetzen, um Falun Gong und von Praktizierenden gegründete Unternehmen weltweit anzugreifen. Dies berichtete die Epoch Times bereits unter Berufung auf Insiderinformationen von Personen, die Kenntnisse über das Geheimtreffen hatten.
Seitdem brachte ein Bundesverfahren des US-Justizministeriums ein Bestechungskomplott ans Licht: Zwei chinesische Agenten hatten versucht, einen Beamten der Steuerbehörde IRS zu bestechen. Er sollte Ermittlungen gegen Shen Yun einleiten. Der Beamte entpuppte sich jedoch als verdeckter Ermittler des FBI.
E-Mails bedrohen auch Bundeskanzleramt
Seit 2025 berichten auch mehrere Theater in Deutschland von Drohbotschaften im Zusammenhang mit Gastspielen von Shen Yun.
Vor den geplanten Aufführungen Anfang 2026 erhielten deutsche Theater E-Mails mit offenen Drohungen. In einer davon hieß es auf Deutsch:
„Das Bundeskanzleramt und der Konzertsaal an der Spree im Bezirk Mitte wurden mit Sprengstoff und improvisierten Zündern präpariert. Um eine Explosion zu verhindern, stellen Sie bitte umgehend die Aufführungen von Shen Yun ein und kündigen Sie sämtliche Verträge und Kooperationen mit Shen Yun Performing Arts.“
In einer Drohmail wird das Bundeskanzleramt als angeblicher Anschlagsort genannt, um die Absage von Shen-Yun-Aufführungen zu erzwingen. Bildschirmfoto.
Foto: Deutscher Falun Dafa Verein
In einer weiteren Nachricht auf Englisch wurden auch Mitarbeiter des Theaters bedroht:
„Sollten die Shen-Yun-Aufführungen stattfinden, wären die Mitarbeiter des Theaters, einschließlich ihrer Familien, in Gefahr; sie könnten entführt oder in Autounfälle verwickelt werden! Natürlich würden Frauen mit Sicherheit vergewaltigt und ermordet werden! Bitte überlegen Sie sich das gut.“
Auch die Theatermitarbeiter und ihre Familien wurden bedroht. Bildschirmfoto.
Foto: Deutscher Falun Dafa Verein
Was es braucht, um die Aufführungen trotz aller Bedrohungen und Schikanen fortzusetzen, zeigt der Dokumentarfilm „Unbroken“ von Regisseurin Fiona Young.
Die Weltpremiere von „Unbroken: Die unerzählte Geschichte von Shen Yun“ fand am 24. März 2026 im AMC Theater am Lincoln Square in New York City statt. - Foto: Samira Bouaou/The Epoch Times
Die meisten Tanzkompanien und Orchester haben bereits genug damit zu tun, ihre Proben, Pressetermine und Tourneen zu koordinieren. Für die in New York ansässige Kunstkompanie Shen Yun Performing Arts kommen jedoch weitere Herausforderungen hinzu.
Seit 2024 sieht sich das Unternehmen jedoch eskalierenden Androhungen von Bombenanschlägen und anderer Gewalt ausgesetzt. Diese richten sich gegen den Hauptsitz und die Veranstaltungsorte weltweit. Dies sind nur einige der verdeckten Aktionen, die mit dem chinesischen Regime in Verbindung gebracht werden.
Sie reichen von Desinformation in den Medien über bezahlte Proteste bis hin zu aufgeschlitzten Reifen an Tourneebussen. All dies zielt darauf ab, die Aufführungen des Unternehmens auf den Bühnen der Welt zu stoppen.
„Unbroken“ – Shen-Yun-Künstler erzählen ihre Geschichten
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Familie Browde aus dem Großraum New York hat dies aus erster Hand erlebt. Ihre Geschichte ist ein zentraler Bestandteil des Dokumentarfilms „Unbroken: Die unerzählte Geschichte von Shen Yun“. Dieser wurde vom US-Sender NTD, einem Schwestermedium der Epoch Times, produziert.
Der Film greift dabei eine Reihe hochaktueller Themen auf, darunter grenzüberschreitende Menschenrechtsverletzungen, den Missbrauch juristischer Mittel sowie journalistische Ethik. Gleichzeitig bleibt der Film eine Dokumentation über darstellende Kunst.
Die Produktionen von Shen Yun vereinen traditionellen chinesischen Tanz, Musik, Kultur und Geschichte und werden von einem Orchester begleitet, das westliche und chinesische klassische Instrumente miteinander verbindet.
Levi Browde und seine Frau besuchen die Weltpremiere von „Unbroken: The Untold Story of Shen Yun“ am 24. März 2026 im AMC Theater am Lincoln Square in New York City.
Foto: Samira Bouaou/The Epoch Times
Gegen das Schweigen: Künstler aus aller Welt vereinigten sich
Im Gespräch mit Epoch Times verglich Familie Browde ihre Erfahrung mit dem Gefühl, an vorderster Front in einer Schlacht zu stehen. „Wir alle spüren den Druck“, sagte Browde.
Doch der Kampf hatte nicht in den Vereinigten Staaten begonnen. Er begann vor fast 27 Jahren, als die Kommunistische Partei Chinas die landesweite Verfolgung von Praktizierenden der Meditationspraxis Falun Gong startete, die auf den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Gutherzigkeit und Nachsicht beruht.
Die Kampagne war systematisch und kombinierte Hasspropaganda, finanziellen Druck, Massenverhaftungen und Folter in einem totalen Bestreben, die Praxis vollständig zu vernichten. Unzählige Praktizierende wurden getötet, unter anderem durch den Raub ihrer Organe, um sie der lukrativen Transplantationsindustrie des Regimes zuzuführen.
Im Jahr 2006 schlossen sich chinesische Künstler aus aller Welt zusammen, um die Machenschaften des chinesischen Regimes ins Rampenlicht zu rücken. Sie wollten die im Dunkeln stattfindenden Menschenrechtsverbrechen des Regimes ans Licht der Öffentlichkeit bringen. Zudem wollten sie Chinas kulturelles Erbe wiederbeleben. So entstand das, was später als Shen Yun bekannt werden sollte.
Ab 2022 verschärfte Chinas Führung die Kampagne
Seit der Gründung von Shen Yun Performing Arts war Peking zu dessen Niederschlagung entschlossen. Es setzte diplomatische und finanzielle Hebel ein, um Gastgeberländer und ihre Theater unter Druck zu setzen. Damit war es manchmal sogar erfolgreich. In den vergangenen Jahren haben sich Pekings Bemühungen jedoch noch einmal deutlich verschärft.
So erteilte Chinas Führer Xi Jinping Ende 2022 hochrangigen Beamten die Anweisung, westliche Medienorganisationen und soziale Medien als Waffen einzusetzen, um Falun Gong und von Praktizierenden gegründete Unternehmen weltweit anzugreifen. Dies berichtete die Epoch Times bereits unter Berufung auf Insiderinformationen von Personen, die Kenntnisse über das Geheimtreffen hatten.
Seitdem brachte ein Bundesverfahren des US-Justizministeriums ein Bestechungskomplott ans Licht: Zwei chinesische Agenten hatten versucht, einen Beamten der Steuerbehörde IRS zu bestechen. Er sollte Ermittlungen gegen Shen Yun einleiten. Der Beamte entpuppte sich jedoch als verdeckter Ermittler des FBI.
E-Mails bedrohen auch Bundeskanzleramt
Seit 2025 berichten auch mehrere Theater in Deutschland von Drohbotschaften im Zusammenhang mit Gastspielen von Shen Yun.
Vor den geplanten Aufführungen Anfang 2026 erhielten deutsche Theater E-Mails mit offenen Drohungen. In einer davon hieß es auf Deutsch:
„Das Bundeskanzleramt und der Konzertsaal an der Spree im Bezirk Mitte wurden mit Sprengstoff und improvisierten Zündern präpariert. Um eine Explosion zu verhindern, stellen Sie bitte umgehend die Aufführungen von Shen Yun ein und kündigen Sie sämtliche Verträge und Kooperationen mit Shen Yun Performing Arts.“
In einer Drohmail wird das Bundeskanzleramt als angeblicher Anschlagsort genannt, um die Absage von Shen-Yun-Aufführungen zu erzwingen. Bildschirmfoto.
Foto: Deutscher Falun Dafa Verein
In einer weiteren Nachricht auf Englisch wurden auch Mitarbeiter des Theaters bedroht:
„Sollten die Shen-Yun-Aufführungen stattfinden, wären die Mitarbeiter des Theaters, einschließlich ihrer Familien, in Gefahr; sie könnten entführt oder in Autounfälle verwickelt werden! Natürlich würden Frauen mit Sicherheit vergewaltigt und ermordet werden! Bitte überlegen Sie sich das gut.“
Auch die Theatermitarbeiter und ihre Familien wurden bedroht. Bildschirmfoto.
Foto: Deutscher Falun Dafa Verein
Was es braucht, um die Aufführungen trotz aller Bedrohungen und Schikanen fortzusetzen, zeigt der Dokumentarfilm „Unbroken“ von Regisseurin Fiona Young.
He Zhiwei am 14. Juli 2025 in Vancouver, Kanada. Sie musste aufgrund der Verfolgung von Falun Gong aus ihrem Zuhause fliehen und konnte ihre Tochter zwölf Jahre lang kaum sehen. - Foto: Epoch Times
Falun Gong, auch Falun Dafa genannt, ist eine buddhistische Meditationsbewegung, die in den 1990er-Jahren in China unter anderem wegen ihrer gesundheitlichen Wirkung sehr populär war. Die Lehre wurde kostenlos weitergegeben. Sie beinhaltet fünf Qigong-ähnliche Übungen und ermutigt die Menschen, nach Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht zu leben. Staatliche Hochrechnungen schätzten im Jahr 1999 rund 70 bis 100 Millionen Praktizierende in China, was die Partei als ideologische Herausforderung ihres Machtanspruchs ansah. Seit Mitte 1999 sind Falun-Gong-Übungen und -Literatur in China verboten. Wer an dem Glauben festhält, setzt sich der Gefahr staatlicher Verfolgung aus. Quellen berichten von Zehntausenden Todesopfern durch Folter, Misshandlung und Organraub.
In Kürze (Teil 2):
Mutter und Tochter, zwölf Jahre getrennt, durch Verfolgung, Gefängnis und Angst
Ein heimlicher Brief bringt Hoffnung ins Arbeitslager
Abenteuerliche Flucht über mehrere Grenzen hinweg
Für Falun-Gong-Praktizierende, die unter der Herrschaft der Kommunistischen Partei Chinas leben, bedeutet das Festhalten an ihrem Glauben oft, dass sie von ihren Liebsten getrennt werden.
He Zhiwei floh im Jahr 2001 während einer Verhaftungswelle gegen Falun-Gong-Praktizierende aus ihrem Zuhause. Ihre Tochter, Feng Xiaoxin, war damals 13 Jahre alt. In den folgenden zwölf Jahren sahen sich Mutter und Tochter kaum noch. Das Mädchen lebte fortan bei ihrer Großmutter.
Im Jahr 2002, zum Chinesischen Neujahrsfest, versuchte He, ihre Tochter anzurufen. Die Polizei hörte mit – und kam wenig später vorbei. Dabei wurden sowohl ihre Tochter als auch ihre Mutter verhaftet. Weitere Anrufe blieben unbeantwortet, und He erkannte, dass etwas Schlimmes geschehen war.
Als He Zhiwei von den Verhaftungen erfuhr, konnte sie nächtelang nicht schlafen. Sie weinte unaufhörlich. „Sie war so klein“, sagte sie später der Epoch Times. „Als Mutter konnte ich nicht bei ihr sein, als sie mich am meisten brauchte.“
Die Verfolgung von Falun Gong in China.
Foto: Stephen Shaver/AFP via Getty Images
Einige Jahre später versuchte He, nach Hause zurückzukehren. Sie wurde verhaftet und für ein Jahr ins Gefängnis gesteckt. Dort fesselte man sie zeitweise an einen Stuhl und überwachte mit einer Kamera jede ihrer Aktivitäten, selbst den Gang zur Toilette, erinnerte sie sich. Die Polizei beschuldigte sie, ihre Familie im Stich gelassen zu haben.
„Aber wer hat das verursacht?“, fragte sie. „Ich wollte meine Pflicht als Mutter erfüllen, aber ich hatte keine Möglichkeit dazu.“
Im Jahr 2012 wurde He erneut verhaftet und in ein Arbeitslager gebracht. Da sie Falun Gong praktizierte, wurde ihre Post von den Wachen abgefangen. Eine Insassin hatte Mitleid mit ihr und steckte ihr heimlich einen Brief ihrer Tochter zu – eine Zeichnung. Diese zeigte eine Mutter, die auf einem Berg sitzt und aufs Meer blickt. Über ihr leuchteten Sterne, ein Symbol der Hoffnung.
„Sie wollte, dass ich die Sterne nicht vergesse und mein Herz voller Hoffnung bewahre“, sagte He Zhiwei. „Es war eine große Hilfe.“
Feng Xiaoxin und ihre Mutter He Zhiwei in Thailand.
Foto: Undatiert, mit freundlicher Genehmigung von Feng Xiaoxin
Frau He und ihrer Tochter gelingt die Flucht aus China
Die in dieser Serie interviewten Falun-Gong-Praktizierenden berichteten mehrfach von Erlebnissen, die nur mit außergewöhnlichem Glück oder einer Art göttlicher Unterstützung erklärbar sind. Besonders deutlich wurde dies bei drohenden Verhaftungen oder geglückten Fluchtversuchen aus dem kommunistischen Überwachungsstaat.
Reisen ins Ausland sind für Falun-Gong-Praktizierende besonders schwierig. Aus Sicht des Partei-Regimes ist jeder von ihnen ein potenzieller Zeuge der Verfolgung und Träger von Informationen, die das Image Chinas im Ausland schädigen könnten.
Es ist unklar, wie genau Chinas Reise-„Blacklist“ funktioniert. Manche gehen davon aus, dass Einzelpersonen nach einiger Zeit von der Liste gestrichen werden, andere vermuten, dass lokale Listen neben einer nationalen existieren. Offensichtlich gehen bei Überarbeitungen der Datenbank auch Daten verloren oder Personen werden aufgrund bürokratischer Unordnung übersehen.
Wer auf herkömmliche Weise an der Ausreise gehindert wird, sucht manchmal alternative Wege. Einige entkommen über die grüne Grenze nach Birma, auch Myanmar genannt, und weiter nach Thailand.
He Zhiwei wurde 2013 aus dem Gefängnis entlassen. Innerhalb von vier Monaten musste sie viermal umziehen, um weiterer Verfolgung zu entgehen. Schließlich entschied sie sich, gemeinsam mit ihrer Tochter aus China zu fliehen. Sie erinnert sich: „Keine Identität und ständig drohende Verhaftung – so wollte ich nicht mehr weiterleben.“
Sie sammelten ihr gesamtes Bargeld, versteckten es in speziellen Taschen in ihren Hosen und machten sich mit dem Bus auf eine 1.600 Kilometer lange Flucht.
Briefe, die He Zhiwei aus dem Gefängnis an Verwandte schrieb.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Feng Xiaoxin
Ganz im Süden Chinas, am Mekong, liegt die Stadt Jinghong. Von dort aus sind es nur wenige Dutzend Kilometer bis zur Grenze nach Laos oder Birma. Mutter und Tochter übernachteten in Hotels und wurden beinahe von einem Angestellten bei der Polizei gemeldet. Schließlich gelang es ihnen mithilfe von drei Führern, innerhalb von sechs Tagen zwei Staatsgrenzen zu passieren und nach Thailand zu gelangen.
Auf dem Weg dorthin kämpften sie sich nachts und bei Regen über rutschige Bergpfade, nur mit dem schwachen Licht eines Handys. Ein Führer brachte sie mit einem Floß über einen Fluss. Anschließend quetschten sie sich mit einem Dutzend weiterer Menschen in ein viersitziges Auto. Später wurden sie angewiesen, durch ein Loch in der Wand einer Reisebustoilette in ein verstecktes Abteil zu kriechen, das mit bis zu 20 Personen überfüllt war. Dann schloss sich die Luke, und es wurde stockdunkel. Nur gelegentlich drang etwas Licht durch die Ritzen.
„Es war deprimierend“, erinnerte sich Hes Tochter Feng. Ihre Mutter, nur 1,52 Meter groß, saß mit gesenktem Kopf, um unter die niedrige Decke zu passen. Die Menschen drängten sich eng aneinander. Fengs Kopf lag auf dem Hinterteil einer anderen Person, auf ihren Beinen ruhte der Kopf eines weiteren. Trotz eingeschalteter Klimaanlage war die Luft so stickig, dass viele sich übergaben – darunter ein Mann und eine Frau neben Feng.
Der Bus hielt mehrmals, um reguläre Passagiere einsteigen zu lassen oder um von Grenzbeamten kontrolliert zu werden. In völliger Stille lauschten die zusammengepferchten Flüchtlinge den Schritten über ihnen. Gegen Morgengrauen, nach etwa 10 Stunden, konnten sie aus ihrem Versteck hervorkriechen und wieder auf den normalen Fahrgastsitzen Platz nehmen. Schließlich erreichten sie Bangkok.
„Endlich ist es vorbei“, dachte Feng. Sie fühlte sich befreit, als ob all die Strapazen der Reise plötzlich von ihr abgefallen wären.
Am nächsten Tag gingen sie in einen Park, um unbehelligt Falun-Gong-Übungen zu machen. Für He schien es, als atme die ganze Welt Freiheit, während kleine Vögel um ihre Füße herumhüpften. „Die haben überhaupt kein bisschen Angst“, bemerkte sie.
Fortsetzung folgt.
Frau He Zhiwei vor dem UN-Flüchtlingshilfswerk in Bangkok, Thailand.
Foto: Undatiert, mit freundlicher Genehmigung von Feng Xiaoxin
Ein Banner mit der Aufschrift „Falun Dafa ist gut“ wehte über der Freiheitsstatue, dem Symbol des amerikanischen Geistes. - Foto: Zhu Hongda/The Epoch Times
In Zeiten anhaltender Konflikte, innerer Unausgeglichenheit und sinkender Moral erkennen immer mehr Menschen, dass der Menschheit nicht materieller Reichtum fehlt, sondern die spirituelle Kraft, in einer chaotischen Welt zur Ruhe zu kommen.
Der 13. Mai dieses Jahres markiert den 34. Jahrestag der weltweiten Verbreitung von Falun Dafa. Falun Dafa (auch Falun Gong genannt) ist eine spirituelle Praktik zur Veredelung von Körper und Geist.
Ausgehend von den grundlegenden Eigenschaften des Universums – Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht – umfasst Falun Dafa auch fünf leicht zu erlernende Übungen. Mittlerweile praktizieren Millionen Menschen in über 150 Ländern weltweit Falun Dafa.
Ursprungsland China
Genau am heutigen Tag im Jahr 1992 machte Herr Li Hongzhi Falun Gong in der Stadt Changchun, Nordostchina, der Öffentlichkeit bekannt. Insgesamt veranstaltete Herr Li, der auch am 13. Mai Geburtstag hat, 56 Falun-Gong-Lernveranstaltungen in 23 Städten auf dem chinesischen Festland.
Die erstaunlichen Wirkungen von Falun Gong bei der Heilung von Krankheiten und der Reinigung des Geistes haben sofort großes Interesse unter den Teilnehmern geweckt.
Ohne Werbung und nur durch mündliche Überlieferung und persönliche Weitergabe verbreitete sich Falun Gong rasch in über 30 Provinzen, autonomen Regionen und regierungsunmittelbaren Städten Chinas sowie in Hongkong, Macau und Taiwan – ebenso in vielen Ländern und Regionen weltweit. Bis 1999, innerhalb von sieben Jahren, hatten über 100 Millionen Menschen mit der Praxis von Falun Gong begonnen.
Seit seiner öffentlichen Einführung 1992 hat Falun Dafa Millionen von Menschen geholfen, ihre körperliche Gesundheit deutlich zu verbessern und innere Ausgeglichenheit zu finden. Viele Praktizierende berichten von einem neuen, sinnvolleren Leben voller Klarheit, Reinheit, Energie und innerer Schönheit.
Welt-Falun-Dafa-Tag
Bis heute bringen Menschen aus allen Gesellschaftsschichten bis in hohe Positionen, Herrn Li Hongzhi und Falun Dafa ihre tiefe Dankbarkeit zum Ausdruck.
So wird am 13. Mai weltweit jedes Jahr der Welt-Falun-Dafa-Tag gefeiert. In Berlin trafen sich bereits am 9. Mai Falun Dafa-Übende am Potsdamer Platz, um die Meditationsübungen zu zeigen.
Falun-Gong-Praktizierende zeigen die Meditationsübung am 9. Mai auf dem Potsdamer Platz in Berlin.
Foto: Epoch Times
Gleichzeitig zeigte eine traditionelle Hüfttrommelgruppe mehrere Darbietungen.
Eine traditionelle Hüfttrommelgruppe aus Falun-Dafa-Praktizierenden am 9. Mai auf dem Potsdamer Platz in Berlin.
Foto: Epoch Times
In den USA zog anlässlich des Falun Dafa-Tages ein Flugzeug ein riesiges, 24 Meter langes und 12 Meter hohes Transparent hinter sich her. Es flog von der Nähe der Freiheitsstatue nach Norden und streifte dabei den Hudson River und die Skyline von Manhattan.
Ein riesiges Banner mit der Aufschrift „FALUN DAFA IST GUT“ war prominent in der Skyline von New York City, der „Welthauptstadt“, zu sehen.
Foto: Zhu Hongda/The Epoch Times
Ein Banner mit der Aufschrift „Falun Dafa ist gut“ wehte über der George-Washington-Brücke.
Foto: Zhu Hongda/The Epoch Times
Seit 27 Jahren grausam verfolgt
Trotz der positiven Auswirkungen von Falun Dafa sind Praktizierende in China seit 27 Jahren systematischer Verfolgung und schwersten Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt.
Am 20. Juli 1999 mobilisierte Jiang Zemin, der ehemalige Führer der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), getrieben von starker Eifersucht auf die wachsende Popularität von Falun Dafa, den gesamten Staatsapparat, um eine Kampagne gegen Falun Gong zu starten.
Der Zug rollte gerade in den Berliner Hauptbahnhof ein, als das Handy von Chan Wai Man* vibrierte. Nummer: unbekannt. Er nahm ab. Eine weibliche Stimme meldete sich am anderen Ende der Leitung – erst auf Englisch, dann auf Chinesisch, gleichmäßig, maschinenartig, als kämen die Worte von einem Tonband: „Es liegt ein wichtiges Dokument in der chinesischen Botschaft in Berlin für Sie bereit. Kommen Sie es abholen.“
Chan verstand sofort, dass dies keine freundliche Einladung war. Es war vielmehr eine Erinnerung: Man weiß, wo er sich aufhält. Chan informierte umgehend die Polizei.
„Ich bin auf der schwarzen Liste der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh)“, erklärte der chinesische Dissident in einem Gespräch mit Epoch Times. Seit über 20 Jahren lebt Chan in Deutschland unter ständiger Bedrohung durch die KPCh. Gegen ihn soll ein Kopfgeld ausgesetzt worden sein.
Was Chan erlebt, ist kein Einzelfall.
Transnationale Repression folgt einem System
Eine Analyse der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung des in Deutschland lebenden oppositionellen Aktivisten Ray Wong Toi-yeung aus Hongkong zeigt: Chinas transnationale Repression in Deutschland folgt einem strategischen System. Hinter den Übergriffen steht ein komplexes Zusammenspiel staatlicher und nicht staatlicher Akteure. Chinesische Dissidenten würden demnach innerhalb Deutschlands systematisch eingeschüchtert, bestraft und zum Schweigen gebracht.
Die Organisation Freedom House mit Sitz in Washington, D.C. dokumentiert hierzu eine Bandbreite an illegalen Praktiken: von Morddrohungen über Entführungen bis hin zu illegalen Rückführungen.
Darüber hinaus nutzt die KPCh ihren wirtschaftlichen und politischen Einfluss, um Regierungen dazu zu bewegen, Zielpersonen festzunehmen, Aufenthaltsrechte zu entziehen oder Auslieferungen zu ermöglichen.
Häufig werden auch Angehörige in China unter Druck gesetzt. Hinzu kommen physische Gewalt und Einschüchterungen durch verdeckte Akteure im Ausland.
Eine Frage des Machterhalts
Doch warum betreibt die KPCh diesen Aufwand, um Kritiker im Ausland zu verfolgen?
Der Hongkong-Aktivist Wong sieht darin vor allem ein Ziel: den Machterhalt. Die transnationale Repression diene dem chinesischen Regime, die Kontrolle über den politischen Diskurs zu sichern – weltweit.
„Die KP Chinas sieht abweichende Meinungen, egal ob sie in China oder im Ausland geäußert werden, als einen direkten Angriff auf ihre Legitimität und politischen Ambitionen an“, schreibt Wong.
Solche „abweichenden Meinungen“ können auch den persönlichen Glauben betreffen, wie im Fall von Chan. Der Hongkonger praktiziert Falun Gong, auch Falun Dafa genannt – eine traditionelle, buddhistisch geprägte spirituelle Disziplin.
In den 1990er-Jahren war Falun Gong in China sehr beliebt. Schätzungen zufolge praktizierten es bis zu 100 Millionen Menschen. Der damalige Parteichef Jiang Zemin sah in der Popularität der spirituellen Bewegung eine Bedrohung für seine Autorität und ordnete 1999 ihre Ausrottung an. Diese bis heute andauernde Verfolgung schließt Verhaftungen, Folter bis hin zu Tötungen ein.
Chan engagiert sich in Europa seither gegen diese anhaltende Verfolgung in China. „Die KPCh glaubt, wenn sie mich beseitigt, könnte sie Falun Gong ein Stück weit beseitigen“, erklärte er. Dies sei ein „großer Irrtum“. Die KPCh habe nicht verstanden, was Falun Gong eigentlich ist.
Menschen, die Falun Gong praktizieren, beschreiben die Disziplin als einen Weg der Selbstkultivierung. Dieser basiert auf meditativen Übungen sowie auf den Grundsätzen Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht. Ziel sei es, sich diesen universellen Werten im eigenen Leben anzunähern – für viele ein persönlicher Glaubensweg.
Deutsche Theater im Visier
Die Repression der KPCh im Ausland trifft längst nicht mehr nur einzelne Dissidenten. Auch kulturelle Veranstaltungen in Deutschland geraten ins Visier, wie mehrere Vorfälle zeigen. Dahinter steht der Versuch, Einfluss darauf zu nehmen, was Menschen in Deutschland sehen können und was nicht.
Seit 2025 berichten mehrere Theater in Deutschland von Drohbotschaften im Zusammenhang mit Gastspielen von Shen Yun Performing Arts. Das New Yorker Tanzensemble wurde 2006 von Falun-Gong-Praktizierenden gegründet.
Die Künstler bringen mit Tanz und Musik die traditionelle chinesische Kultur auf die Bühne – ein „China vor dem Kommunismus“. Gleichzeitig machen die Aufführungen auf die Verfolgung von Falun Gong aufmerksam.
Vor den geplanten Aufführungen Anfang 2026 erhielten deutsche Theater E-Mails mit offenen Drohungen. In einer davon hieß es auf Deutsch:
„Das Bundeskanzleramt und der Konzertsaal an der Spree im Bezirk Mitte wurden mit Sprengstoff und improvisierten Zündern präpariert. Um eine Explosion zu verhindern, stellen Sie bitte umgehend die Aufführungen von Shen Yun ein und kündigen Sie sämtliche Verträge und Kooperationen mit Shen Yun Performing Arts.“
In einer Drohmail wird das Bundeskanzleramt als angeblicher Anschlagsort genannt, um die Absage von Shen-Yun-Aufführungen zu erzwingen. Bildschirmfoto.
Foto: Deutscher Falun Dafa Verein
In einer weiteren Nachricht auf Englisch wurden auch Mitarbeiter des Theaters bedroht:
„Sollten die Shen-Yun-Aufführungen stattfinden, wären die Mitarbeiter des Theaters, einschließlich ihrer Familien, in Gefahr; sie könnten entführt oder in Autounfälle verwickelt werden! Natürlich würden Frauen mit Sicherheit vergewaltigt und ermordet werden! Bitte überlegen Sie sich das gut.“
Auch die Theatermitarbeiter und ihre Familien wurden bedroht. Bildschirmfoto.
Foto: Deutscher Falun Dafa Verein
Auch im vergangenen Jahr kam es in Deutschland zu vergleichbaren Drohungen gegen Theater:
„Ich schwöre auf Jesus! Eine große Menge Sprengstoff wurde im Theater deponiert. Wenn Shen Yun Art Troupe auftritt, werden die Bomben explodieren!“
Mehrere Theatermitarbeiter erhielten 2025 Drohmails in schwedischer Sprache. Bildschirmfoto.
Foto: Deutscher Falun Dafa Verein
In allen bislang untersuchten Fällen kam die deutsche Polizei zu dem Ergebnis, dass sich die Drohungen nicht als konkrete Gefährdung bestätigten.
Welttournee im Schatten anhaltender Bedrohungen
Nach Angaben des Falun Dafa Information Center war Shen Yun seit 2006 weltweit von fast 350 Vorfällen betroffen – teilweise täglich.
Dies umfasst unter anderem Drohungen mit angeblichen Massenschießereien, Vergewaltigungen von Tänzerinnen, Brandstiftung sowie Gewaltdrohungen gegen Kinder der Künstler.
Die Bundesregierung räumte in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage Anfang des Monats ein, dass die Bedrohung Deutschlands durch Aktivitäten chinesischer Nachrichtendienste in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen habe.
Wie konkret diese Bedrohung ist, zeigt ein jüngster Fall: Jian G., ein deutscher Staatsbürger mit chinesischer Herkunft, wurde Ende September 2025 zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Das Dresdner Gericht sah es als erwiesen an, dass er für einen chinesischen Geheimdienst gearbeitet und gezielt Oppositionelle in Deutschland ausgespäht hatte.
Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung kürzlich eine Gesetzesverschärfung auf den Weg gebracht. Wer im Auftrag einer fremden Macht eine „vorsätzliche rechtswidrige Tat“ begeht, muss seit Anfang April mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe rechnen.
Darüber hinaus soll auch die Erfassung und Auswertung entsprechender Vorfälle verbessert werden. Dazu zählen Anpassungen im polizeilichen Meldesystem sowie der Ausbau systematischer Lagebilder, um das bislang lückenhafte Gesamtbild zu transnationaler Repression schrittweise zu vervollständigen.
Für Chan bleibt das Thema Sicherheit derweil Teil seines Alltags, weshalb er zusätzliche Schutzmaßnahmen treffen muss. Gleichzeitig erinnert er sich an einen Satz seiner Großmutter: „Wenn man nichts Böses tut, braucht man keine Angst zu haben, auch wenn jemand nachts an die Tür klopft.“
*Anm. d. Red.: Da die Kommunistische Partei Chinas Falun-Gong-Praktizierende bis heute auch außerhalb Chinas verfolgt, wurde der Name der betroffenen Person zum Schutz anonymisiert.
Polizisten stehen am 19. November 2024 vor dem West Kowloon Magistrates’ Court, dem größten Gerichtsgebäude Hongkongs im Bereich der nationalen Sicherheit, und halten Wache. - Foto: Peter Parks/AFP via Getty Images
In Kürze:
Ein Gericht in Hongkong verurteilt einen 61-jährigen Falun-Gong-Praktizierenden zu einer Haftstrafe.
Grundlage dafür ist das nationale Sicherheitsgesetz der Stadt.
Das „Verbrechen“: Mehrere Facebook-Beiträge, die Menschenrechtsverbrechen der Kommunistischen Partei Chinas thematisieren.
Trotz der Gefahren der Verfolgung sprechen Falun-Gong-Praktizierende in Hongkong und China weiterhin dieses Thema an.
Ein Gericht in Hongkong hat einen Falun-Gong-Praktizierenden auf Grundlage des nationalen Sicherheitsgesetzes der Stadt aus dem Jahr 2024 zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, das kommunistische Regime Chinas und dessen Verbrechen des Organraubs in den sozialen Medien kritisiert zu haben.
Das Amtsgericht West Kowloon der Stadt gab am 14. April das Urteil gegen den 61-jährigen Chong Wai-man bekannt. Er wurde für schuldig befunden, wissentlich Veröffentlichungen mit „aufrührerischer Absicht“ verbreitet zu haben, was einen Verstoß gegen die Verordnung zum Schutz der nationalen Sicherheit darstellt. Diese Verordnung ist vor Ort als Artikel 23 bekannt.
Die Verordnung baut auf ähnlichen Gesetzen auf, die die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) im Jahr 2020 in der Stadt erlassen hatte, nachdem es zu Massendemonstrationen für mehr Demokratie gekommen war. Sie zielt auf politische Verbrechen wie Hochverrat, Aufruhr und Sabotage ab.
Hongkong und Peking erklärten, dass dieser Schritt für die Stabilität notwendig sei. Gleichzeitig bemängelten Kritiker, dass er die Bemühungen des kommunistischen Regimes zementiere, die ehemalige britische Kolonie in eine weitere Stadt unter kommunistischer Hoheit zu verwandeln.
Als Reaktion auf das Urteil wies das US-Außenministerium auf die anhaltenden Bemühungen der chinesischen Behörden hin, Kritiker zum Schweigen zu bringen und durch Sicherheitsgesetze in den vergangenen Jahren grundlegende Freiheiten einzuschränken.
„Die Behörden in Peking und Hongkong setzten auch im Jahr 2025 weitreichende Gesetze zur nationalen Sicherheit ein, um die Rechtsstaatlichkeit und die geschützten Rechte und Freiheiten der Zivilbevölkerung zu untergraben sowie transnationale Unterdrückung auszuüben.“ Das erklärte ein Sprecher des Außenministeriums gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.
Haft wegen Facebook-Beiträgen
Laut einem Gerichtsdokument veröffentlichte Chong von März 2024 bis November 2025 insgesamt 53 Facebook-Beiträge, denen das Gericht „aufrührerische Absichten“ unterstellte.
Der oberste Richter Victor So hob Chongs Profilfoto auf Facebook hervor, das den Slogan „Der Himmel wird die KPCh vernichten; Gott segne Hongkong“ trägt. So wurde vom Stadtchef John Lee eigens für die Verhandlung von Fällen der nationalen Sicherheit ausgewählt.
Chong gab zu, dass das Facebook-Konto namens „Holy Raymond“ ihm gehörte. Er argumentierte jedoch, er habe lediglich von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht. Chong erklärte dem Gericht, seine Facebook-Beiträge zielten darauf ab, das Bewusstsein für „die Verfehlungen der KPCh“ zu schärfen, wie aus dem Gerichtsdokument hervorgeht.
Die Beiträge enthalten Formulierungen wie „nur durch die Beendigung der KPCh […] können China und das chinesische Volk echte Hoffnung haben“ und „die Tötung von Falun-Gong-Praktizierenden durch die KPCh zum Zwecke des Organraubs ist weit verbreitet“, so das lokale Medienunternehmen „The Witness“.
Ein unabhängiges Tribunal mit Sitz in London kam nach einer einjährigen Untersuchung im Jahr 2019 zu dem Schluss, dass in China seit Jahren tatsächlich „in erheblichem Umfang“ Organraub stattfindet. Die Hauptopfer, so stellte das Tribunal fest, sind inhaftierte Falun-Gong-Praktizierende.
Falun-Gong-Praktizierende halten während eines Marsches durch Hongkong am 17. Januar 2015 ein Banner mit der Aufschrift „Stop Forced Live Organ Harvesting“ (Beendet den Organraub an lebenden Menschen).
Die traditionelle spirituelle Meditationspraktik aus China, auch bekannt als Falun Dafa, wird seit 1999 von der KPCh brutal verfolgt. Bis dahin hatte die Praktik aufgrund ihrer moralischen Prinzipien und ihrer positiven Auswirkungen auf die Gesundheit 70 bis 100 Millionen Chinesen angezogen. Ihre rasant wachsende Beliebtheit erregte den Zorn des damaligen Parteichefs Jiang Zemin, der darin eine Bedrohung für seine Autorität sah und ihre Ausrottung anordnete.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten machen Falun-Gong-Praktizierende in Hongkong und anderswo auf die Verfolgung von Mitpraktizierenden auf dem chinesischen Festland aufmerksam. Diese sind ständig der Gefahr von Verhaftung, Inhaftierung, Folter und Zwangsarbeit ausgesetzt, weil sie sich weigern, ihren Glauben aufzugeben.
Solche Bemühungen in Hongkong stehen seit der Verhängung eines umfassenden nationalen Sicherheitsgesetzes durch die KPCh vor sechs Jahren unter zunehmendem Druck. Dieses Gesetz macht alles, was das Regime als Abspaltung, Unterwanderung, Terrorismus oder Komplizenschaft mit ausländischen Kräften ansieht, mit bis zu lebenslanger Haft strafbar.
Seitdem hat die Polizei in Hongkong 385 Personen wegen des Verdachts auf Aktivitäten, die die nationale Sicherheit gefährden, festgenommen. Davon wurden mehr als die Hälfte angeklagt, wie Polizeichef Joe Chow am 10. Februar einem Legislativrat mitteilte. Diese Zahl umfasst sowohl Personen, die unter dem von Peking verhängten nationalen Sicherheitsgesetz als auch unter Artikel 23 festgenommen wurden.
Shi Baohua und ihre Tochter Qin Lili am 14. Juli 2025 in New York. Shi wurde seit Beginn der Falun-Gong-Verfolgung durch die Kommunistische Partei Chinas im Jahr 1999 fünfmal verhaftet. - Foto: Larry Dye/Epoch Times
In Kürze:
Schwer verletzt nach Balkonsturz und Krankenhausflucht
Acht Jahre Untertauchen und Überleben im Überwachungsstaat
Flucht ins Ausland 2024 dank Glück und göttlicher Hilfe
Shi Baohua öffnete ihre Augen. Sie lag in einem Krankenhausbett, hatte aber keine Ahnung, wie sie dorthin gekommen war. Es war jedoch offensichtlich, dass sie in schlechter Verfassung war. Ihre Wirbelsäule war gebrochen – und auch einige Rippen. Diese hatten sich zudem in ihre Lunge gebohrt. Auch ihre Handgelenke waren gebrochen und ausgerenkt; ihr Schlüsselbein: lila geschwollen.
Qin Lili, ihre Tochter, erzählte ihr später, dass sie vom Balkon im dritten Stock gestürzt sei. Sechs Tage lang habe sie im Koma gelegen. Doch Frau Shi hatte keine Erinnerungen an das, was geschehen war. Doch eins wusste sie: Sie hatte keinerlei Neigungen, so etwas absichtlich zu tun …
Lückenhafte Erinnerungen
Nach und nach kamen einige Erinnerungen zurück. Eine Woche vor dem Vorfall waren ihre Tochter und ihr Schwiegersohn zu Besuch gekommen. Sie kamen jedoch nicht unbemerkt. Man hatte sie beschattet. Schließlich kam die Polizei. Sie nahmen ihren Schwiegersohn gleich an der Tür fest. Ihre Tochter drückte die Wohnungstür rasch zu und versuchte, mit den Polizisten durch die Tür zu argumentieren. Währenddessen, so erinnerte sich Frau Shi, war sie in das hintere Zimmer geeilt. Hastig wollte sie dort die Drucker und die ausgedruckten Falun-Gong-Materialien einpacken und alles verstecken. Dann… Nichts mehr. Nur noch Dunkelheit.
Als Qin ins hintere Zimmer kam, wurde sie von der Polizei aufgehalten und blockiert. Ihre Mutter war weg. Hatten sie sie vom Balkon gestoßen? Bis heute weiß die Familie nicht, was genau an jenem schrecklichen Tag im Jahr 2019 passiert war.
Shis Geschichte ist nur ein Tropfen in einem Meer unzähliger sinnloser Fälle staatlicher Gewalt im heutigen China. In dem totalitären Überwachungsstaat kann man für den Besitz regimekritischer oder verbotener Literatur für Jahre im Gefängnis verschwinden. Dort besteht dann die Gefahr, bis an den Rand des Todes gefoltert zu werden. Doch es droht noch eine andere tödliche Gefahr: Man kann, im wahrsten Sinne des Wortes, abgeschlachtet werden – der Organe wegen, die dann an den Meistbietenden verkauft werden.
Frau Shi wollte so nicht enden. Sie weigerte sich, ein solches Schicksal zu akzeptieren. Trotz ihrer schweren Verletzungen, begann sie, über ihre Flucht aus dem Krankenhaus nachzudenken.
„Ich war noch nicht sehr klar im Kopf, aber ich hatte das intensive Gefühl, dass ich nicht dort sein durfte“, sagte sie gegenüber der Epoch Times. Allerdings wurde das Krankenzimmer von Leuten des „Büros 610“ überwacht, einer außerjustiziellen, Gestapo-ähnlichen Behörde, die mit der Unterdrückung der Glaubensgruppe Falun Gong beauftragt ist. Auch die Ärzte waren angewiesen worden, aufzupassen.
Doch das Unmögliche geschah. Die Familie wartete, bis die Beamten des „Büros 610“ eine Pause machten. Sie trugen Frau Shi aus dem Krankenhaus. Niemand hielt sie auf.
Sie luden ihren zerbrochenen Körper in ein Auto und fuhren sie zum Haus ihrer Tochter in einer anderen Stadt. Innerhalb von zwei Monaten hatte sie sich fast vollständig erholt – eine Tatsache, die sie ihrem Glauben und ihrer Beharrlichkeit bei den Taichi-ähnlichen Falun-Gong-Übungen zuschrieb.
Falun-Gong-Praktizierende machen ihre Übungen in Chengdu, Provinz Sichuan, China, vor Beginn der Verfolgung im Jahr 1999. Vor der Verfolgung praktizierten schätzungsweise 70 bis 100 Millionen Chinesen Falun Gong.
Foto: Minghui
Das Partei-Regime hält sich an kein Gesetz
Zu diesem Zeitpunkt war Shi bereits daran gewöhnt, als Flüchtling im eigenen Land zu leben. Die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) hatte sie seit Beginn der Falun-Gong-Verfolgung 1999 bereits fünfmal verhaftet.
Die Verfolgung ergibt keinen Sinn, sind sich Frau Shi und andere für diese Serie interviewte Falun-Gong-Praktizierenden einig. Sie wollen nur ihre Übungen machen und nach ihren Grundsätzen leben, nach Wahrhaftigkeit, Gutherzigkeit und Nachsicht. Als der damalige Oberste Führer (Partei-, Staats- und Militärchef) Jiang Zemin herausfand, dass in „seinem“ Land 70 bis 100 Millionen Menschen diesen Kultivierungsweg übten, bemerkte er, dass dies sogar die Mitgliederzahl der Partei überstieg. Daraufhin ordnete Jiang an, Falun Gong „auszurotten“.
Am 20. Juli 1999 wurden zig Millionen gesetzestreue chinesische Bürger über Nacht zu Staatsfeinden erklärt. Berichte über Massenverhaftungen, willkürliche Inhaftierungen und Folter folgten bald. Jahre später kamen mehrere unabhängige Untersuchungen zu dem Schluss, dass das Regime Falun-Gong-Gefangene als Bedarfsquelle für Organe für Chinas boomende Transplantationsindustrie benutzt.
Im Jahr 2009 begann Shis Familie, Materialien über Falun Gong und die Verfolgung zu drucken und sie an andere Falun-Gong-Praktizierende zur Verteilung auszuliefern. Shi benutzte keine Mobiltelefone, da sie sich der Überwachungsfähigkeiten des Regimes bewusst war.
Überwachungskameras in Shanghai im Februar 2021: Die Augen der Partei sind überall.
Foto: iStock/NgChiYui
Dennoch flog ihr Druckereibetrieb schließlich auf. Eines Tages, im Januar 2016, brach die Polizei in ihre Wohnung ein. Shi war nicht zu Hause, aber Qin war dort; sie wurde direkt vor den Augen ihres einjährigen Sohnes verhaftet.
Kurz vorher hatte die Polizei Shi beschattet, als sie mit einer Freundin, ebenfalls eine Falun-Gong-Praktizierende, Materialien auslieferte. Die beiden eilten in die Wohnung eines anderen Praktizierenden, um die Materialien zu verstecken. Die Polizei folgte dicht dahinter und führte eine Axt mit sich, um das Türschloss aufzubrechen.
„Wenn es um Falun Gong geht, hält sich die KPCh an keine Gesetze. Sie verhaften Menschen und schicken sie nach Belieben ins Gefängnis“, sagte Shi. „Sie sind wie Banditen.“
Als die Polizei in die Wohnung kam, entwischten Shi und ihre Begleiterin durch ein Fenster. Sie zogen ihre Schuhe aus, kletterten über das Ziegeldach einer Scheune und rutschten schließlich eine 3 Meter hohe Hofmauer hinunter. Ein Nachbar hatte ihnen dabei geholfen, indem er auf der anderen Seite zwei wackelige Stühle übereinanderstapelte. Kurz darauf hörten sie die verwirrten Stimmen der Polizisten auf der anderen Seite, die über das Verschwinden der beiden Frauen rätselten. Diese versteckten sich derweil im Schuppen des Nachbarn. Frau Shis Zähne klapperten die ganze Zeit vor Kälte und Angst, wie sie erzählte. Gegen 4 Uhr morgens konnten sie schließlich weglaufen.
Danach tauchte Shi unter. Über die nächsten acht Jahre hinweg wechselte sie 19 Mal ihren Standort, zog durch sechs Städte, auf der Suche nach Plätzen auf dem Land oder Orten mit weniger Kameraüberwachung. Sie mietete stets eine kleine Wohnung oder einen Bungalow auf dem Land unter der Hand, weil sie Sorge hatte, ihren Ausweis vorzuzeigen – aus Angst, die Polizei zu alarmieren. Weil die Regierung ihre Rente gestrichen hatte, minimierte sie ihre Ausgaben, um mit ihren Ersparnissen auszukommen.
Spinat war billig, also aß sie ihn monatelang. Manchmal ging sie zu Gewächshäusern auf dem Land, um Gemüse aufzusammeln, das die Bauern weggeworfen hatten. Die Winter waren besonders hart, mit minimaler Heizwärme, da sie davor zurückschreckte, Geld für Kohle zu verschwenden.
Sie benutzte eine ausländische Software, um die Internetzensur des Regimes zu durchbrechen, und schickte sporadisch verschlüsselte Nachrichten an ihre Tochter. Ein- oder zweimal im Jahr versuchte ihre Tochter, sie zu besuchen. Das stellte jedes Mal ein großes Risiko dar, obwohl beide jeweils Vorsichtsmaßnahmen trafen.
„Es war ein so zwiespältiges Gefühl: Ich wollte meiner Mutter nahe sein, musste aber gleichzeitig für ihre Sicherheit sorgen“, sagte Qin und beschrieb ihr Leben als „Guerilla-Dasein“.
Trotzdem, sagte Shi, lebe sie nicht in Angst. Fest in ihrem Glauben stehend, produzierte und verteilte sie weiterhin Falun-Gong-Materialien.
Eine große, aber schwer zu bestimmende Anzahl von Falun-Gong-Praktizierenden lebt auf die gleiche Weise. Die Epoch Times sprach mit weiteren Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten.
(Links) Zwei chinesische Polizisten verhaften am 10. Januar 2000 einen Falun-Gong-Praktizierenden auf dem Tiananmen-Platz in Peking. (Rechts) Chinesische Polizisten nehmen in diesem Archivfoto einen Falun-Gong-Praktizierenden auf dem Tiananmen-Platz in Peking fest.
Foto: Chien-Min Chung/AP Photo, Minghui
Göttliche Hilfe oder immer wieder Glück?
Die in dieser Serie interviewten Falun-Gong-Praktizierenden hatten mehrfach Erlebnisse, bei denen sie der sicheren Verhaftungen oder Inhaftierungen knapp entkommen waren. Die Umstände waren oft so ungewöhnlich, dass sie ihre Rettung göttlichem Eingreifen zuschrieben.
Auch Frau Shi hatte mehrere solcher Situationen erlebt. Im Grunde genommen grenzte bereits ihre Flucht aus dem Krankenhaus an ein Wunder. Sie erinnerte sich im Gespräch an weitere Begebenheiten.
Einmal hielt sie sich in der Wohnung einer Freundin auf, einer Falun-Gong-Praktizierenden. Eines Abends kehrte die Freundin nicht wie erwartet nach Hause zurück. Als die Uhr 23 Uhr schlug, wurde Shi unruhig. Sie brachte schnell alle ihre Falun-Gong-Materialien in einen Abstellraum im Keller.
Wie sich schließlich herausstellte, war ihre Freundin verhaftet worden. Am nächsten Tag, Shi war gerade ausgegangen, um eine Erledigung zu machen, kam die Polizei und durchsuchte die Wohnung. Sie fanden nichts. Ihre Freundin wurde freigelassen.
Eine andere Geschichte spielte sich während der COVID-19-Pandemie ab. Über die Stadt, in der Frau Shi damals lebte, wurde ein einmonatiger Lockdown verhängt. Für Frau Shi wäre es unmöglich gewesen, ohne einen Ausweis vorzuzeigen die Kontrollpunkte zu passieren und ihr Wohngebäude zu betreten. Glücklicherweise arbeitete die Freundin, bei der sie zu jener Zeit wohnte, in einem Supermarkt und konnte genug Lebensmittel für beide besorgen.
Als die Familie Shi schließlich China verlassen wollte, das war im Jahr 2024, erlebte sie Folgendes: Sie reisten in den Süden Chinas, in eine andere Provinz, weil sie annahmen, dass man sie auf dem Flughafen ihrer Heimatstadt am ehesten aufhalten würde. Doch auch in der anderen Provinz wurde ihnen das Boarding für den Flug verweigert: „Sie können nicht ausreisen. Wissen Sie nicht, was mit Ihnen nicht stimmt?“, sagte ein Beamter zu ihnen. Der Familie wurden die Handys weggenommen und die Polizei erklärte, auf Anweisungen des „Büros 610“ zu warten.
Während Frau Shis Tochter und ihr Schwiegersohn versuchten, mit der Polizei zu diskutieren, betete Shi still und leise. Plötzlich gab die Polizei nach. Eine Stunde, nachdem sie aufgehalten worden waren, durften sie gehen. Die Familie eilte durch das Gate, gerade noch rechtzeitig, bevor sich die Türen schlossen.
Am fünften Tag des chinesischen Neujahrs erlangte die Familie von Shi Baohua ihre Freiheit. Das Flugzeug verließ die chinesischen Küsten in Richtung Vereinigte Staaten von Amerika.