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Totaler Überwachungsstaat: Exklusive Einblicke in die Funktionsweise des Pekinger Sicherheitsapparats

Am Vorabend des Unabhängigkeitstags landete Pastor Ezra Jin Mingri in Los Angeles – endlich frei nach rund neun Monaten in einem chinesischen Gefängnis.
Während seiner Haft hatte sich Jin gefragt, ob er jemals wieder in Freiheit sein würde. Seine Freilassung erfolgte erst, nachdem US-Präsident Donald Trump den Fall im Mai direkt beim chinesischen Staatschef Xi Jinping zur Sprache gebracht hatte. Mindestens acht Mitglieder von Jins Gemeinde sitzen weiterhin hinter Gittern.
Obwohl Jin ein christlicher Pastor ist, wurde ihm kein Verbrechen religiöser Natur vorgeworfen. Stattdessen klagte ihn das chinesische Regime wegen illegaler Nutzung von Informationsnetzwerken und des Betriebs eines illegalen Unternehmens an, also wegen Internet- und Wirtschaftsdelikten.
Tatsächlich hatte er sich geweigert, eine Kamera zu installieren. Im Jahr 2018 forderten die Behörden ihn auf, Überwachungsgeräte im Gottesdienstraum der Pekinger Zion-Kirche anzubringen. Zu jener Zeit hatte der Pastor seine Gemeinde bereits auf mehr als 1.500 Mitglieder ausgebaut. Er lehnte dies ab. Daraufhin schlossen die Behörden die Kirche und beschlagnahmten ihr Eigentum.
Die Gemeinde verlegte ihre Aktivitäten ins Internet und hielt dort weitere sieben Jahre lang Gottesdienste ab. Am 10. Oktober 2025 holte die Polizei Jin schließlich aus seinem Haus in der südlichen Stadt Beihai ab und nahm ihn zusammen mit fast 30 weiteren Kirchenführern im ganzen Land fest. Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen handelte es sich um die größte koordinierte Zerschlagung einer städtischen Hauskirche in China seit mehr als vier Jahrzehnten.

Tief ins bürgerliche Leben eingesickert

Nichts davon erforderte eine Spionageaktion oder eine spektakuläre Razzia. Eine Kirche wurde als Sicherheitsproblem behandelt und nach Wirtschafts- und Internetrecht strafrechtlich verfolgt. Den Fall wickelten dann gewöhnliche Polizeibeamte in einer Provinzstadt ab, fernab der Hauptstadt.
Jins Fall zeigt, wie tief die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) in das Privatleben der 1,4 Milliarden Menschen in China eingreift.
In Kürze erscheint ein Exklusivbericht der Epoch Times mit dem Titel „Die Struktur der Sicherheitsorgane der KPCh: Von zentralen Verzeichnissen bis hin zu operativen Einheiten an vorderster Front“. Dieser skizziert den Sicherheitsapparat der KPCh, ausgehend von ihren zentralen Ministerien bis zu den Einheiten an vorderster Front.
Der Bericht stützt sich auf westliche und chinesische wissenschaftliche Arbeiten sowie auf durchgesickerte Haushaltszahlen, Gerichtsakten und interne Dokumente der Partei. Die zentrale Erkenntnis daraus ist, dass sich die Partei bei der Überwachung nicht auf eine einzige gefürchtete Behörde verlässt. Sie überträgt diese Aufgabe vielmehr allen anderen: der örtlichen Polizei, Nachbarschaftswächtern, Arbeitgebern, Universitäten und Vermietern. Auch 10 bis 15 Millionen gewöhnliche Bürger, die sie rekrutiert hat, um Beobachtungen zu melden, sind involviert.
Dieses riesige Überwachungsnetzwerk ist unterhalb einer fast 2 Millionen Mann starken Polizeimacht angesiedelt. Es ermöglicht es der Partei, Orte zu erreichen, die für die Polizei unzugänglich sind.
Der Gründer der Zion Church, Ezra Jin Mingri, ist hier im Jahr 2018 in Peking abgebildet. Nach etwa neun Monaten Haft in China wurde Jin freigelassen, nachdem US-Präsident Donald Trump seinen Fall direkt mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping besprochen hatte. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Grace Jin Drexel

Der Gründer der Zion-Kirche, Ezra Jin Mingri, ist hier im Jahr 2018 in Peking abgebildet. Nach etwa neun Monaten Haft in China wurde Jin freigelassen, nachdem US-Präsident Donald Trump seinen Fall direkt mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping besprochen hatte.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Grace Jin Drexel

Keine chinesische CIA

Wenn Amerikaner vom chinesischen Ministerium für Staatssicherheit (MSS) hören, denken sie vielleicht an die Central Intelligence Agency (CIA) der USA. Doch während es der CIA gesetzlich untersagt ist, Amerikaner im eigenen Land zu überwachen, begann das MSS in China zunächst als innerstaatlicher Sicherheitsdienst und dehnte dann seine Tätigkeit nach außen hin aus.
„In seinen Anfangsjahren konzentrierte sich das MSS hauptsächlich auf die innere Sicherheit, während der Geheimdienst [der Volksbefreiungsarmee] im Ausland die stärkere Instanz war“, sagte der Sicherheitsexperte Matthew Brazil. Brazil war früher Offizier der US-Armee, Diplomat und Ermittler im Bereich Unternehmenssicherheit. Er ist Mitautor des Buches „Chinese Communist Espionage: An Intelligence Primer“ (zu Deutsch: Chinesische kommunistische Spionage: Eine nachrichtendienstliche Einführung).
Erst vor Kurzem hat sich etwas daran geändert. „Seit etwa 2017 hat sich der Auslandsnachrichtendienst stark ausgeweitet, und der MSS scheint nun für politische und technologische Aufklärung zuständig zu sein“, sagte er.
Doch die Verfolgung der „Feinde“ der Partei im Inland gehört nach wie vor zu den Aufgaben des Ministeriums.
Das MSS arbeitet mit dem Ministerium für Öffentliche Sicherheit (MPS) zusammen, das Verkehrskontrollen, die Melderegisterführung und die Nachbarschaftspatrouillen durchführt. Zudem betreibt es das Kameranetzwerk, die Polizeidatenbanken und die Realnamenssysteme, die eine Telefonnummer oder eine Bankkarte einer bestimmten Person zuordnen.
Die im chinesischen Sprachgebrauch als „Guobao“ bekannte Abteilung des MPS beschäftigt sich mit Dissidenten, Petitionsstellern und religiösen Gruppen. Diese politische Geheimpolizei kann auf alle Überwachungsmaßnahmen zurückgreifen.
In China tritt die politische Polizeiarbeit selten offen in Erscheinung. Sie wird stattdessen unter den Begriffen öffentliche Ordnung, Betrugsbekämpfung, Cybersicherheit und Melderegister geführt.

Das Hauptquartier des chinesischen Ministeriums für Öffentliche Sicherheit in der Nähe des Tian’anmen-Platzes in Peking (Archivbild). Das Ministerium, Chinas größte Sicherheitsbehörde, ist für ein breites Spektrum an Aufgaben zuständig, von der Verkehrsüberwachung und der Haushaltsregistrierung bis hin zur Überwachung von Dissidenten, Petenten und religiösen Gruppen.

Foto: 維基小霸王/CC BY-SA 4.0

Arbeitsteilung auf verschiedenen Ebenen

Feng Chongyi, außerordentlicher Professor für Chinastudien an der University of Technology in Sydney, erlebte hautnah, wie die chinesischen Behörden diese Aufgaben unter sich aufteilen.
Anfang 2017 flog er nach China, um zu untersuchen, was mit den Menschenrechtsanwälten des Landes nach den Massenverhaftungen im Jahr 2015 geschehen war.
In Kunming verhörten ihn tagelang Sicherheitsbeamte. Dann wurde er am Flughafen in Guangzhou angehalten. Man sagte ihm, dass er das Land nicht verlassen dürfe. Eine Verhaftung oder Anklage gab es jedoch nicht.
Gegenüber der Epoch Times erklärte Feng, die Behörden hätten die Aktion bereits lange vor seiner Ankunft vorbereitet. „Wenn sie vorhaben, jemanden festzunehmen, ist das keine spontane Entscheidung“, sagte er. „Sie betreiben zunächst umfangreiche Recherchen und erstellen erst dann die Liste und leiten die Aktion ein.“
Überrascht war er darüber, wer alles in Erscheinung trat. Peking hatte das Verfahren eingeleitet, doch die Beamten, die ihn in Kunming befragten, kamen vom Staatssicherheitsbüro der Provinz Yunnan, ebenso wie diejenigen, die am Flughafen in Guangzhou warteten, das in einer ganz anderen Provinz liegt.
„In meinem Fall war es das Ministerium für Staatssicherheit – das MSS war es, das das Verfahren eingeleitet hat“, sagte Feng und weiter:
„Das Ministerium selbst verfügt nur über sehr wenig Personal. Die eigentliche Arbeit wird an die Staatssicherheitsämter der verschiedenen Provinzen und Städte verteilt, die sie gemeinsam ausführen.“
So funktioniert diese Arbeitsteilung. Das Ministerium in Peking entscheidet, wer ein Problem darstellt, während die Provinzen und Landkreise die Arbeit unter Nutzung bereits bestehender Strukturen – der Polizeistation, des Nachbarschaftskomitees, der Universität oder des Arbeitgebers – erledigen.
Brazil sagte, Fengs Darstellung stimme mit externen Forschungsergebnissen überein. „Es ist offensichtlich, dass ein Großteil, möglicherweise sogar der größte Teil, der chinesischen Staatssicherheitsoperationen im Ausland auf diesen unteren Ebenen durchgeführt wird“, sagte er.
Feng Chongyi, China-Experte und außerordentlicher Professor an der Technischen Universität Sydney, spricht während eines Interviews mit NTD bei einer Kundgebung zum Internationalen Tag der Menschenrechte in Sydney am 10. Dezember 2022. Foto: Wang Nan/NTD

Feng Chongyi, China-Experte und außerordentlicher Professor an der University of Technology Sydney, spricht während eines Interviews mit NTD bei einer Kundgebung zum Internationalen Tag der Menschenrechte in Sydney am 10. Dezember 2022.

Foto: Wang Nan/NTD

Wer beobachtet?

Was in den meisten Fällen bereits vorhanden ist, sind Menschen, und die KPCh rekrutiert sie offen.
Die besten Schätzungen zum Ausmaß stammen von Minxin Pei, einem Politikwissenschaftler und Professor für Staatswissenschaften am Claremont McKenna College in Kalifornien. In seinem 2024 erschienenen Buch „The Sentinel State“ (zu Deutsch: Der Wächterstaat) rekonstruierte Pei Chinas System anhand durchgesickerter Haushaltspläne, offizieller Polizeiberichte und lokaler Jahrbücher.
Nach Peis Schätzungen beläuft sich die Zahl der Beamten, die politische Fälle bearbeiten, landesweit auf 60.000 bis 100.000, was drei bis fünf Prozent der chinesischen Polizei entspricht. Das entspricht einem Beamten pro 14.000 bis 23.000 Einwohner. Zum Vergleich: Die Stasi in der DDR hatte einen Vollzeitmitarbeiter pro etwa 180 Einwohner.
Pei sagte, es gehe nicht darum, dass das chinesische Regime seine Bürger weniger streng überwache als die DDR. Vielmehr habe die Partei einen kostengünstigeren Weg gefunden, um weitaus mehr Menschen zu überwachen.
Das Ministerium für Staatssicherheit betreibt ein öffentliches Programm, das es „die Verteidigungslinie des Volkes“ nennt. Es basiert auf der Erziehung zur nationalen Sicherheit in Schulen und am Arbeitsplatz sowie auf einer Hotline zur Meldung mutmaßlicher „Spione“. Einige Städte werben mit Geldprämien.
Laut Peis Schätzungen beläuft sich die Zahl der nebenberuflichen Informanten auf 10 bis 15 Millionen und es werden jedes Jahr weit über 100.000 neue politische Informanten rekrutiert.
Minxin Pei, Politikwissenschaftler am Claremont McKenna College, sprach am 29. November 2018 bei einer Veranstaltung der Hoover Institution in Washington. Pei erklärte, die Kommunistische Partei Chinas habe einen kostengünstigeren Weg gefunden, weitaus mehr Menschen zu überwachen: durch ein öffentliches Programm namens „Verteidigungslinie des Volkes“. Dieses Programm basiert auf nationaler Sicherheitserziehung in Schulen und Betrieben sowie einer Hotline zur Meldung mutmaßlicher Spione. Foto:Jennifer Zeng/The Epoch Times

Minxin Pei, Politikwissenschaftler am Claremont McKenna College, spricht am 29. November 2018 bei einer Veranstaltung der Hoover Institution in Washington, D.C. Er erklärte, die Kommunistische Partei Chinas habe einen kostengünstigeren Weg gefunden, weitaus mehr Menschen zu überwachen: durch ein öffentliches Programm namens „Verteidigungslinie des Volkes“. Dieses Programm basiert auf nationaler Sicherheitserziehung in Schulen und Betrieben sowie einer Hotline zur Meldung mutmaßlicher Spione.

Foto: Jennifer Zeng/Epoch Times

An ihrer Seite arbeiten die „Grid-Manager“, eine Art Raster-Verwalter, städtische Angestellte, denen jeweils einige hundert Haushalte zugewiesen sind. Ihre Aufgaben wirken wie reine Verwaltungsarbeit, und genau das macht sie so effektiv: Sie erfassen, wer ein- und auszieht, notieren, welche Familien in Konflikt stehen, kennzeichnen Bewohner, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen oder begonnen haben, dort Treffen abzuhalten, und leiten alles Ungewöhnliche an das Bezirksamt oder die Polizei weiter.
Laut Pei wird nur etwa ein Viertel der gesammelten Informationen jemals an höhere Stellen weitergeleitet. Doch Genauigkeit war nie das Ziel. Vielmehr geht es darum, ein Gefühl ständiger Überwachung im Alltag zu schaffen. In jedem Klassenzimmer, jedem Tempel und jedem Wohnblock macht vielleicht jemand Notizen – und niemand kann genau sagen, wer das ist.
Brazil, der sich in seiner Doktorarbeit mit der Frühgeschichte der Geheimdienstorgane der KPCh befasste, sieht darin einen einzigen Zweck, der sich durch das gesamte System zieht.
„Die Geheimdienst- und Sicherheitskräfte der KPCh konzentrieren sich auf das Überleben der regierenden Partei“, sagte er. „Von den verzweifelten Tagen der 1920er- und 30er-Jahre bis hin zur Paranoia von heute, in der jede aufkeimende Idee sofort erstickt werden muss, bevor sie wachsen kann – das ist ihre oberste Aufgabe.“
Tibetische Schüler der zweiten Oberschule stellen sich während eines von der Regierung organisierten Besuchs in Shannan, Tibet, China, am 18. Juni 2023 zur Übung auf. Die Politikwissenschaftlerin June Teufel Dreyer sagte, dass viele der heute in ganz China angewandten Überwachungsmethoden zuerst in Xinjiang und Tibet erprobt wurden. Foto: Kevin Frayer/Getty Images

Tibetische Schüler der Zweiten Oberschule stellen sich während eines von der chinesischen Regierung organisierten Besuchs in Shannan, Tibet, China, am 18. Juni 2023 zur Übung auf. Die Politikwissenschaftlerin June Teufel Dreyer sagte, dass viele der heute in ganz China angewandten Überwachungsmethoden zuerst in Xinjiang und Tibet erprobt wurden.

Foto: Kevin Frayer/Getty Images

Keine Anklage erforderlich

Chen Pokong, ein politischer Kommentator und Autor, der heute in New York lebt, machte als junger Wirtschaftsdozent an der Sun-Yat-sen-Universität in Guangzhou Erfahrungen mit dieser Vorgehensweise. Bereits Wochen vor den Demonstrationen von 1989, die auf dem Tian’anmen-Platz endeten, hatten die Sicherheitsdienste seinen Namen notiert.
„Im März 1989 – noch bevor die Bewegung in vollem Umfang ausgebrochen war – hatten sie bereits ein Dokument, das sich gegen mich richtete und in dem stand, ich würde in Guangzhou eine Studentenbewegung ins Leben rufen, wobei ich namentlich genannt wurde“, berichtete er gegenüber Epoch Times.
Nach der Niederschlagung der Proteste wurde er verhaftet und verbrachte drei Jahre in einer Haftanstalt und in Arbeitslagern – eine Strafe, die die Polizei ohne Gerichtsverfahren verhängen konnte. Etwa ein Jahr nach seiner Freilassung schickten sie ihn erneut in Haft.
Dort wurde die Überwachung von anderen Gefangenen übernommen, von Musterhäftlingen, die „vorgaben, sich mit mir anzufreunden, mich aber in Wirklichkeit auskundschafteten, meine Gedanken ausloteten und jede meiner Bewegungen beobachteten“, sagte er.
Der in den USA lebende politische Kommentator und Autor Pokong Chen hält in diesem undatierten Foto eine Rede an der Universität Cambridge in Cambridge, England. Chen verbrachte Jahre in chinesischen Gefängnissen, weil er an der Demokratiebewegung von 1989 in China teilgenommen hatte. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Pokong Chen

Der in den USA lebende politische Kommentator und Autor Chen Pokong hält in diesem undatierten Foto eine Rede an der Universität Cambridge in England. Chen verbrachte Jahre in chinesischen Gefängnissen, weil er an der Demokratiebewegung von 1989 in China teilgenommen hatte.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Chen Pokong

Die Lage verschärfte sich, als er begann, Chinas Export von Waren aus Gefangenenarbeit aufzudecken. „Also postierten sie eine große Anzahl von Leuten um mich herum“, sagte er. Trotzdem gelang es ihm im Jahr 1994, Beweise nach außen zu schmuggeln. Dabei benutzte er die Informanten in seinem Umfeld als Tarnung. Er fütterte sie mit einer Mischung aus wahren und falschen Informationen, bis die echten Informationen durchschlüpften.
Seine Freilassung veränderte die Routine, beendete sie jedoch nicht. Eine im Namen der öffentlichen Sicherheit agierende Arbeitsgruppe lud ihn jeden Monat zu einem Gespräch ein und verfolgte ihn den Rest der Zeit. Kurz vor besonders sensiblen Terminen im Jahr wurde er noch intensiver beobachtet. Die Überwachung erstreckte sich auf alle Personen in seinem Umfeld.
„Im Inland gibt es Verwandte, Angehörige, alle möglichen sozialen Verbindungen – sie überwachen sie alle, sogar Klassenkameraden“, sagte er. 1996 wurde er in die Vereinigten Staaten ins Exil verbannt.
Für all das war keine formelle Anklage erforderlich. Und der demnächst erscheinende Bericht der Epoch Times hebt genau das als das entscheidende Merkmal des Systems hervor: Maßnahmen werden gegen jeden ergriffen, den der Staat überwacht, unabhängig davon, ob jemals ein Verfahren eingeleitet wird.
Das Arbeitslager Baimalong in Zhuzhou, Provinz Hunan, China. Das Foto wurde am 29. April 2013 durch das Autofenster aufgenommen. Schon vor 2013 konnten chinesische Polizisten Menschen zur Zwangsarbeit einweisen – bis zu vier Jahre und ohne formelles Gerichtsverfahren. Foto: Ed Jones/AFP via Getty Images

Das Arbeitslager Baimalong in Zhuzhou, Provinz Hunan, China. Das Foto wurde am 29. April 2013 durch das Autofenster aufgenommen. Schon vor 2013 konnten chinesische Polizisten Menschen zur Zwangsarbeit einweisen – bis zu vier Jahre und ohne formelles Gerichtsverfahren.

Foto: Ed Jones/AFP via Getty Images

Alles kann als Bedrohung bezeichnet werden

Ob eine Person in den Fokus gerät, ist weitgehend eine Frage der Einstufung. Unter Xi Jinping haben sich die Kategorien inzwischen ausgeweitet.
Im Jahr 2014 führte der chinesische Staatschef das umfassende Konzept der nationalen Sicherheit ein und dehnte den Begriff „Sicherheit“ auf mehr als ein Dutzend Bereiche aus – von der Wirtschaft bis zur Umwelt. Nahezu jedes Problem kann nun als Sicherheitsangelegenheit eingestuft werden, was den Sicherheitsdiensten ein Handlungsmandat verleiht.
Ein 2017 verabschiedetes Gesetz verstärkte diese Reichweite, indem es chinesische Bürger und Organisationen dazu verpflichtete, die staatliche Geheimdienstarbeit zu unterstützen und über das, was sie darüber erfahren, Stillschweigen zu bewahren.
Im Bereich der Religion lässt sich diese Umdeutung am leichtesten nachvollziehen.
Nina Shea ist Direktorin des Zentrums für Religionsfreiheit beim Hudson Institute. Sie war sieben Amtszeiten lang Mitglied der US-Kommission für internationale Religionsfreiheit. Sie erklärt, dass Peking seine Ziele der Reihe nach abgearbeitet habe. „Zuerst gingen sie gegen Falun Gong vor, dann gegen die uigurischen Muslime, und nun sehen wir Anzeichen dafür, dass sie es auf die Christen abgesehen haben – die Untergrundchristen“, erklärte Shea gegenüber der Epoch Times. Sie fügte hinzu, dass die tibetischen Buddhisten schon unmittelbar vor den Uiguren an der Reihe waren.
Nina Shea, leitende Mitarbeiterin und Direktorin des Zentrums für Religionsfreiheit, spricht am 17. Juli 2023 in Washington im Rahmen einer Podiumsdiskussion über die transnationale Unterdrückung von Falun Gong, Angriffe auf Shen Yun und die Repression in Hongkong. Foto: Madalina Vasiliu/Epoch Times

Nina Shea, leitende Mitarbeiterin und Direktorin des Zentrums für Religionsfreiheit, spricht am 17. Juli 2023 in Washington, D.C. im Rahmen einer Podiumsdiskussion über die transnationale Unterdrückung von Falun Gong, Angriffe auf Shen Yun und die Repression in Hongkong.

Foto: Madalina Vasiliu/Epoch Times

Die Verfolgung habe sich nach 2018 verschärft, sagte sie, als die Behörden anfingen, Regeln durchzusetzen, die die „Sinisierung“ der Religion vorschrieben. Die Methode bestehe darin, gegen die Führungsriege vorzugehen.
„Ihre Strategie beziehungsweise ihre Taktik besteht darin, Druck auf die Führung der christlichen Gruppen auszuüben – und damit zu beginnen, sie einzusperren, wie wir es letztes Jahr bei den Mitgliedern der Zion-Kirche gesehen haben“, sagte sie.
Sobald eine Aktivität als Sicherheitsrisiko eingestuft wird, greifen Staatsanwälte laut einem Bericht der Epoch Times auf das jeweils passende Gesetz zurück. So kam es, dass ein Pastor, der sich weigerte, eine Kamera zu installieren, wegen Internet- und Wirtschaftsdelikten angeklagt wurde.

Im Grenzbereich erprobt, durch Technologie skaliert

Viele der Methoden, die heute in ganz China angewendet werden, wurden zuerst in den Regionen erprobt, in denen die KPCh der Bevölkerung am wenigsten vertraute.
„Die Überwachungs- und Kontrolltechniken in Xinjiang und Tibet waren als Experimente gedacht, die verfeinert und auf ganz China ausgeweitet werden könnten“, sagte June Teufel Dreyer, Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Miami. Dreyer beschäftigt sich seit über fünf Jahrzehnten mit chinesischer Politik.
Nur ein Teil dieses Ansatzes ließ sich auf den Rest des Landes übertragen, so Dreyer, da die Probleme unterschiedlich seien. „Die Sorge vor islamistischem Terrorismus spielt in Han-China keine Rolle, und Han-Chinesen zünden sich nicht selbst an.“
Der genannte Bericht kommt zu dem Schluss, dass sich eine bestimmte Methode verbreitet habe: Man teile eine Stadt in kleine Einheiten auf und mache für jede Einheit einen namentlich genannten Beamten verantwortlich. Die Sammlung von Informationen über das tägliche Leben wird dabei in die routinemäßige Arbeitsbelastung dieses Beamten integriert.
„Ich sehe darin eine Umkehrung und Verschärfung der Kontrollpolitik aus der Mao-Ära, die sich unter Jiang und dann noch stärker unter Hu zu lockern schien“, sagte Dreyer mit Blick auf die beiden Vorgänger von Xi.
Die Verschärfung, fügte sie hinzu, „wurde durch die Entwicklung neuer Technologien wie Big Data und Gesichtserkennung begünstigt, was in der Mao-Ära undenkbar gewesen wäre.“
Am 26. April 2019 wurden auf Monitoren im Huawei-Campus in Bantian (Shenzhen, China) Gesichtserkennungs- und KI-Anwendungen demonstriert. June Teufel Dreyer erklärte, Fortschritte in solchen Technologien führten zu einer Wiederbelebung und Verschärfung der Methoden der sozialen Kontrolle aus der Mao-Ära. Foto: Kevin Frayer/Getty Images

Am 26. April 2019 werden auf Monitoren im Huawei-Campus in Bantian, Shenzhen, China, Gesichtserkennungs- und KI-Anwendungen demonstriert. June Teufel Dreyer erklärte, Fortschritte in solchen Technologien führten zu einer Wiederbelebung und Verschärfung der Methoden der sozialen Kontrolle aus der Mao-Ära.

Foto: Kevin Frayer/Getty Images

Aber die bessere Ausrüstung habe nichts daran geändert, wer die eigentliche Arbeit leistet, argumentiert der Bericht.
Eine Kamera kann zwar feststellen, dass sich eine Person an einem Ort aufgehalten hat, aber nicht, warum. Ebenso kann Software eine Versammlung melden, aber nicht den Organisator vom Zuschauer unterscheiden. Jemand muss die Meldung immer noch lesen, und jemand muss immer noch an die Tür klopfen – ein Nachbarschaftspolizist, ein „Grid-Manager“ oder ein Schulverwalter.

Sicher oder brüchig?

Das System wurde nie dazu geschaffen, Gefängnisse zu füllen, so das Fazit des Epoch-Times-Berichts, und meistens tut es das auch nicht. Bestrafung ist die Ausnahme.
Was es hervorbringt, ist eine besondere Art von Angst: eine Bevölkerung, die gelernt hat, anzunehmen, dass eine Bemerkung, ein Gebetstreffen, eine Freundschaft mit einem Ausländer oder eine Nacht in einer fremden Stadt von jedem notiert werden könnte, der nah genug steht, um etwas mitzuhören oder davon zu erfahren.
Auf die Frage, ob die Unterdrückung Wirkung zeige, machte Shea eine Unterscheidung. Bei der katholischen Kirche sei dies ganz offensichtlich der Fall. „Sie geraten unter die vollständige Kontrolle der KPCh. Die meisten der neuen Bischöfe sind von der KPCh genehmigt“, sagte sie.
Die protestantischen Kirchen seien schwerer einzuschätzen, sagte sie, da sie so weit in den Untergrund gedrängt worden seien, dass eine Zählung sie in Gefahr bringen würde. „Es ist gefährlich für ihre Führung, Zahlen und Namen derer zu nennen, die in die Kirche kommen. Es ist gefährlich für die Gläubigen, für die Gemeindemitglieder“, sagte Shea. „Wir wissen es einfach nicht.“
Minxin Pei wies auf eine Einschränkung hin. Sollte eine schwächere Wirtschaft zu mehr Protesten und einem starken Anstieg der Zahl derer führen, die die KPCh im Auge behalten will, schrieb er, könnte die geringe Größe der Guobao-Truppe „Anlass zur Sorge“ für Peking sein. Denn dann bräuchte man noch mehr Beamte dafür.
Ein Wachmann überwacht eine Fußgängerbrücke während der Eröffnungssitzung des Nationalen Volkskongresses in Peking am 5. März 2026. Foto: Greg Baker/AFP via Getty Images

Ein Wachmann überwacht eine Fußgängerbrücke während der Eröffnungssitzung des Nationalen Volkskongresses in Peking am 5. März 2026.

Foto: Greg Baker/AFP via Getty Images

So weit ist es noch nicht gekommen. Auf die Frage, ob dieser Apparat das Regime letztlich sicherer oder anfälliger mache, äußerte Dreyer kaum Zweifel.
„Derzeit wirkt das Regime äußerst sicher“, sagte sie und fügte hinzu: „Ein Zusammenbruch würde eine Fähigkeit zu massivem, organisiertem Widerstand gegen den Parteistaat voraussetzen, für die ich keine Anzeichen sehe.“
Die bestehende Unzufriedenheit werde wahrscheinlich nicht über dieses Maß hinauswachsen, sagte die Politikwissenschaftsprofessorin und verwies auf „eine große Trägheit im System“:
„Obwohl viele Menschen das derzeitige System als korrupt ansehen, fürchten sie das Chaos, zu dem Versuche, es zu zerschlagen, führen würden.“
„Wie wir im Iran und in Kuba gesehen haben, sind autoritäre Regierungen widerstandsfähiger, als unsere Medien ihnen zutrauen“, sagte Dreyer.
Der vollständige Bericht der Epoch Times über die Struktur der Sicherheitsorgane der KPCh wird im Laufe dieses Jahres veröffentlicht.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Inner Workings of Beijing’s Security Machine Revealed“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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DDR-Fluchthelfer: „Menschen Freiheit zu schenken ist was ganz Besonderes“

Dr. Burkhart Veigel (88) war einer der erfolgreichsten Helfer bei der Flucht aus der DDR. Er verhalf mindestens 950 Menschen vor allem mit präparierten Autos und gefälschten Pässen, die DDR zu verlassen. Dabei war ihm die Stasi manchmal dicht auf den Fersen und zwei Entführungsversuche scheiterten nur knapp. Die Epoch Times sprach mit dem rüstigen Pensionär über seine bewegendsten Jahre.
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Fluchthelfer aus der DDR: „Menschen Freiheit zu schenken ist was ganz Besonderes“

Dr. Burkhart Veigel (88) gilt als einer der erfolgreichsten Helfer bei der Flucht aus der DDR. Er verhalf mindestens 950 Menschen mit Fluchtautos, gefälschten Pässen oder Fluchttunneln zur Flucht aus der DDR. Dabei war ihm die Stasi manchmal dicht auf den Fersen, und zwei Entführungsversuche scheiterten auch mit ein bisschen Glück.
Die Menschen in der DDR waren sehr kreativ, wenn es um ihre Flucht aus dem Sozialismus ging: Fesselballons, Planierraupen, Surfbretter oder entführte Schiffe. Warum haben Sie sich auf gefälschte Pässe und zu Fluchtfahrzeuegen umgebaute Kraftfahrzeuge konzentriert?
Weil das die einzigen Möglichkeiten waren, die damals funktionierten. Anders als bei der privaten Fluchthilfe mussten wir schauen, dass wir nicht nur einen, sondern vielleicht 100 Flüchtlinge rüberholen. Dazu mussten wir herausfinden, welche Lücken wir bei den Grenzkontrollen nutzen konnten. Die Flucht mit gefälschten Pässen war dabei die erfolgreichste Methode. Das funktionierte allerdings nur bis zum 5. Januar 1962, denn ab diesem Zeitpunkt wurden die Kontrollen so verschärft, dass Fluchten mit Pässen praktisch unmöglich wurden.
Wie muss man sich eine Flucht mit gefälschten Pässen vorstellen?
Zunächst wurden sogenannte „behelfsmäßige Personalausweise“ der West-Berliner genutzt, um DDR-Flüchtlinge nach West-Berlin zu bringen. So konnten in den neun Tagen nach dem 13. August, bis zur Schließung des Grenzverkehrs für West-Berliner, rund 6.100 Menschen die DDR verlassen. Danach setzten wir Pässe von Westdeutschen und Ausländern für Fluchten ein. Später ging auch das nicht mehr, denn die DDR-Grenzer begannen, jeden Pass, mit dem jemand eingereist war, zu registrieren, und es konnte nur ausreisen, wer zuvor eingereist war. Die einzige Ausnahme waren die Transitstrecken nach Dänemark und Schweden. Von diesem Zeitpunkt an konzentrierten wir uns hauptsächlich auf Fluchten über Tunnel oder mithilfe umgebauter Autos. So richtete ich beispielsweise hinter dem Armaturenbrett eines Cadillacs ein Versteck für jeweils eine Person ein, über das in drei Jahren insgesamt 200 Menschen die Flucht gelang. Das waren natürlich keine Massenfluchten wie in der ersten Zeit über die Kanalisation.

Ein umgebauter Cadillac der als Fahrzeug für Fluchten aus der DDR eingesetzt wurde.

Foto: privat, Mit freundlicher Genehmigung von Dr. Burkhart Veigel

Später bauten wir einen kleinen französischen Lkw in ein Versteck um, sodass bis zu 14 Personen gleichzeitig Platz fanden. Von einem französischen Soldaten gefahren, konnten wir mit diesem Fahrzeug sehr effizient und in kurzer Zeit viele Flüchtlinge zu uns holen.
Die DDR-Grenzer setzten alles Mögliche ein, um versteckte Personen zu finden. Sie klopften alles ab, setzten verschiedene Spiegel und sogar Hunde ein, die menschlichen Geruch wittern konnten. Es wurden sogar Röntgenaufnahmen vom Kofferraum gemacht. Die Durchsuchungen dauerten teilweise mehrere Stunden.

DDR-Fluchthelfer Dr. Eberhard Veigel mit verschiedenen umgebauten Fluchtautos die er einsetzte.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Dr. Burkhart Veigel

Wie muss man sich die Fälschung von Pässen damals vorstellen?
Es gab zwei Methoden. Entweder suchten wir einen Passgeber, der dem Fluchtwilligen stark ähnelte, oder wir tauschten das Lichtbild aus. Dabei achteten wir darauf, dass der Stempelaufdruck auf dem eingesetzten Passfoto genau wie beim Original aussah. Das gelang uns nur, indem wir die Stempel von 600 Städten im Ausland und 60 Städten in der Bundesrepublik originalgetreu selber herstellten.
Wie sind Sie überhaupt an Originalpässe gekommen?
Wir haben immer gedacht, den Ausländern sei unsere Mauer doch egal. Aber das Gegenteil war der Fall. Die Hilfsbereitschaft unter den Ausländern war viel größer als die der Westdeutschen. So erhielten wir beispielsweise drei Wochen nach dem Mauerbau 200 Schweizer Pässe, vor allem von jungen Männern. Später fand ich heraus, dass uns ein Schweizer General die Pässe aller seiner Rekruten zugeschickt hatte. Die Rekruten selbst wussten davon nichts. Ein Vertreter einer Gemeinde im deutschsprachigen Teil Belgiens reiste mit zwei Koffern zu uns. Diese waren gefüllt mit belgischen Blankopässen und den entsprechenden amtlichen Stempeln, um Pässe für Fluchtwillige erstellen zu können. Die Westdeutschen hatten hingegen Angst vor Ärger mit den Russen und den deutschen Behörden. Die West-Berliner halfen jedoch genau wie die Ausländer, wo sie nur konnten.
Wie muss man sich das Anlegen von Fluchttunneln vorstellen?
Es ist sehr anstrengend, einen Tunnel zu graben. Die Männer, die den Tunnel bauten, kamen drei bis sechs Wochen lang nicht aus dem Keller beziehungsweise dem Tunnel heraus, damit sie nicht aufflogen. Insgesamt gab es in Berlin 77 Versuche, Tunnel zu graben, meist von West- nach Ost-Berlin. Nur 19 Tunnel wurden fertiggestellt, durch die rund 320 Menschen in die Freiheit gelangten. Zum Vergleich: Allein durch die Kanalisation gelang rund 800 Menschen die Flucht. Mit gefälschten Pässen waren es rund 10.000 Personen.
Die Tunnel waren also nicht sehr effektiv. Sie waren nur 50 Zentimeter hoch. Man sah nichts und musste genau messen, um zu wissen, wie weit man graben musste. Am Ende des Tunnels, irgendwo in einem Keller eines Hauses in Ost-Berlin, konnte zudem die Stasi bewaffnet sitzen und bereits warten. Mehrere Fluchthelfer wurden erschossen, als sie aus dem Loch im Kellerboden auf der Ostseite herauskamen.
Die Stasi fand oft durch Spitzel heraus, wo ein Tunnel entstand. Sie schickte ihre Leute zu den Fluchthelfern, die vorgaben, ihre Verlobte aus der DDR holen zu wollen, oder sie schleuste Spitzel in die Gruppe ein. Diese halfen zunächst mit, gewannen dadurch unser Vertrauen, verrieten dann aber die Gruppe. So gut wie alle Fluchtgruppen waren von der Stasi unterwandert. Daher scheiterten die meisten Tunnel an Verrat.
Wie viel wusste die Stasi von den Aktivitäten der Fluchthelfer?
Die Stasi hatte mich auf dem Kieker. Als der sehr erfolgreiche Berliner Tunnelgräber Harry Seidel am 14. November 1962 in einem Tunnel geschnappt wurde, wollte die damalige DDR-Justizministerin Hilde Benjamin, dass er zum Tode verurteilt wird, um ein Exempel zu statuieren. Der DDR-Generalstaatsanwalt Josef Streit stellte sich jedoch dagegen. Er fürchtete einen weiteren Ansehensverlust der DDR. Denn bis dahin waren bereits mehrere Menschen auf ihrer Flucht über die Mauer von DDR-Grenzern erschossen worden. Harry Seidel erhielt daher statt der Todesstrafe eine lebenslange Haftstrafe. Vier Jahre später wurde er von der BRD freigekauft.
An seine Stelle sollten dann vier andere Fluchthelfer geschnappt und zum Tode verurteilt werden. Ich war eine der gesuchten Personen. Das erfuhr ich am 3. Januar 1963 durch eine Warnung, die mich auf verschlungenen Wegen erreichte. Zweimal versuchten sie, mich zu entführen: einmal in West-Berlin und einmal in Wien. Beide Male konnte ich meinen Verfolgern entkommen. Da war natürlich auch Glück im Spiel.
Wie lange waren Sie als Fluchthelfer aktiv und wie vielen Menschen haben Sie insgesamt zur Flucht verholfen?
Neun Jahre lang habe ich praktisch nichts anderes gemacht und dabei mehr als 950 Menschen zur Freiheit verholfen. Mein Studium war mir in dieser Zeit völlig egal – später habe ich es beendet. Mit Hilfe des französischen Soldaten und dem Lkw konnte ich 400 Menschen über die Grenze bringen. Weil die Methode logistisch nicht so schwierig war, konnte ich nebenbei mein medizinisches Staatsexamen machen, heiraten und eine Familie gründen. Das war auch der Grund, warum ich die Fluchthilfe einstellte. Meine Frau hatte Angst, dass man sie oder unser Kind entführen könnte. Daher verließen wir Berlin 1969 in Richtung Hannover. Doch bevor ich wegging, hatte ich Strohleute eingearbeitet, die meine Arbeit fortführten, sodass ich kein schlechtes Gewissen haben musste. Meine Freunde führten meine Fluchthilfearbeit weiter.
Was war ihre Motivation für die Fluchthilfe? Denn sie war ja alles andere als ungefährlich.
Ich bin einfach total darauf gepolt, anderen Menschen zu helfen. Warum ich das neun Jahre lang so besessen gemacht habe, dafür gab es viele Gründe. Ein Grund war beispielsweise, dass ich direkt nach dem Abitur zur Bundeswehr einberufen wurde. Der Wehrdienst hat mein Selbstbewusstsein gestärkt, anderen Menschen helfen zu können, ohne an mich zu denken, ohne darüber nachzudenken, was mir entgeht oder welcher Gefahr ich mich aussetze. Wenn ich verhaftet worden wäre, dann wäre ich halt verhaftet worden. Später bin ich Arzt für Orthopädie und Unfallchirurgie geworden. Auch hier kann ich stolz darauf sein, dass ich Menschen geholfen habe. Aber eine Wirbelsäule einzurenken oder ein Knie wiederherzustellen, das können viele. Aber einem Menschen die Freiheit zu schenken, das ist etwas ganz Besonderes.
Wie haben Sie damals auf die DDR und den Mauerbau geschaut?
Ich habe die DDR und den Sozialismus gehasst. Nicht nur, weil die Mauer gebaut wurde, um die eigene Bevölkerung einzusperren. Für mich war es auch völlig absurd, dass die DDR sich als demokratischer Staat ausgab, obwohl sie eine Diktatur war. Ich wollte, dass alle Menschen so aufwachsen können, wie ich es getan habe. Sie sollten sich frei äußern können. Sie sollten ihre Persönlichkeit frei entfalten und selbstbestimmt leben können, statt so zu leben, wie es ihnen ein Parteifunktionär befohlen hat. Noch heute habe ich Kontakt zu DDR-Flüchtlingen, denen ich damals half.
Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, dass junge Menschen in Deutschland die Zeit der deutschen Teilung verstehen und sich mit dem Thema Flucht aus der DDR auseinandersetzen?
Ich finde es sehr wichtig, dass sich die heutige Jugend mit der DDR auseinandersetzt und versucht zu verstehen, warum junge DDR-Bürger bewusst das Risiko eingingen, für die Weitergabe verbotener Literatur zwei Jahre ins Gefängnis zu kommen. Ich wünsche mir, dass junge Menschen bereit sind, die Werte, die wir hier haben, zu verteidigen, und dass es ihnen nicht egal ist, wenn aufgrund des Einflusses fremder Mächte in Deutschland eine kommunistische Gesellschaft entsteht. Man kann sein Leben nicht ohne Werte leben. Ein Leben ohne Werte ist sinnlos. Denn dann weiß man gar nicht, wofür es sich lohnt zu leben und zu kämpfen.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview führte Erik Rusch.
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Trump warnt vor weltweiter Ausbreitung des Kommunismus beim NATO-Gipfel

US-Präsident Donald Trump hat beim NATO-Gipfel in Ankara am 8. Juli erneut vor den Gefahren des Kommunismus gewarnt. Dieser drohe sich sowohl in den Vereinigten Staaten als auch weltweit auszubreiten.

Auf eine Frage des US-Senders NTD, eines Schwestermediums der Epoch Times, erklärte Trump, der Kommunismus übe durch Versprechen wie kostenlosen Wohnraum und andere soziale Leistungen eine gewisse Anziehungskraft aus.

Letztlich führe er jedoch zu Armut, Gewalt und schlechten Lebensbedingungen. Das System sei in der Geschichte immer wieder gescheitert.

„Ich möchte die Menschen darauf aufmerksam machen, denn es bildet sich Kommunismus in unserem Land heraus“, sagte Trump auf der abschließenden Pressekonferenz. „Er klingt so verlockend. Aber das ist er nicht. Es ist ein sehr gefährlicher Begriff.“

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Der Präsident betonte, der Kommunismus sei „international geworden“, habe „noch nie funktioniert“ und werde „auch nicht funktionieren“. Im Gegensatz dazu stehe das US-Wirtschaftssystem mit hoher Beschäftigung, steigenden Löhnen und insgesamt großer Erfolgskraft – wenngleich es nicht perfekt sei.

Gefährlicher als Pearl Harbor und 11. September 2001

Ohne konkrete Namen zu nennen, bezeichnete Trump einige seiner politischen Gegner als „sehr gefährlich“. Die Ausbreitung kommunistischer Ideen stelle eine der größten Bedrohungen dar, mit der die USA je konfrontiert gewesen seien – vergleichbar oder sogar schwerwiegender als historische Krisen wie Pearl Harbor oder die Anschläge vom 11. September 2001.

„Sobald ein Land kommunistisch wird, kommt es nie mehr zurück“, warnte er. „Du gehst elendig zugrunde, und es wird richtig übel und richtig hässlich.“

Trump verwies auf Länder, die unter kommunistischer Herrschaft Repression, Armut und Leid erlebt hätten. Seine Äußerungen fallen in eine Zeit, in der sich selbsternannte demokratische Sozialisten bei Vorwahlen der Demokraten in den Bundesstaaten New York und Colorado durchsetzen konnten.

Seitdem hat der Präsident in mehreren Reden vor dem Kommunismus gewarnt und solche Kandidaten scharf kritisiert. Am 26. Juni bei einer Veranstaltung der konservativen Interessenvertretung „Faith and Freedom Coalition“ sagte er: „Sie sind Kommunisten, keine Sozialdemokraten.“

„Ein Krebsgeschwür – man muss es herausschneiden“

In Reden zum 250. Unabhängigkeitstag der USA am 3. und 4. Juli warnte er vor einer „Wiederkehr der kommunistischen Bedrohung“ im Land, auch durch Zuwanderer, die Ideen verträten, die dem amerikanischen Lebensstil fundamental widersprächen.

Trump kritisierte zudem die Darstellung, Amerika sei auf „gestohlenem Land“ von Unterdrückern gegründet worden. Solche Narrative schadeten nicht nur der Vergangenheit, sondern vor allem der Zukunft des Landes.

Am 4. Juli erklärte er vor einer großen Zuhörerschaft auf der National Mall in Washington: „Das kommunistische System ist das genaue Gegenteil des amerikanischen Systems, und es hat noch nie funktioniert.“

Die amerikanischen Soldaten hätten nicht weltweit gegen den Kommunismus gekämpft, nur damit er nun in den USA selbst wieder sein Unwesen treibe. „Es ist wie ein Krebsgeschwür – man muss es herausschneiden, und zwar schnell.“

Schätzungen zufolge kamen allein unter Mao Zedong in China etwa 65 Millionen Menschen ums Leben, in der Sowjetunion starben unter kommunistischer Herrschaft zwischen 25 und 30 Millionen Menschen.

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Trump Warns of Global Spread of Communism at NATO Summit“. (redaktionelle Bearbeitung: hw)
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Trump am Mount Rushmore: „Das Goldene Zeitalter Amerikas beginnt erst“ – Warnung vor Kommunismus


In Kürze:

  • Trump würdigt zum 250. Unabhängigkeitstag die USA als einzigartige Nation und betont Freiheit, Verfassung sowie die Bedeutung der amerikanischen Kultur und Identität.
  • Er warnt vor einer „Wiederkehr des Kommunismus“, kritisiert Geschichtsrevisionismus und bezeichnet kommunistische Ideologien als größte Bedrohung für die amerikanische Freiheit.
  • Der Präsident zieht eine positive Bilanz seiner zweiten Amtszeit und erklärt, die Vereinigten Staaten stünden am Beginn eines neuen „Goldenen Zeitalters“.

 
Vor der Kulisse des Mount Rushmore National Memorial in South Dakota hat US-Präsident Donald Trump am Freitagabend die zentrale Festrede zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit gehalten. Vor mehreren tausend geladenen Gästen würdigte er die Geschichte der Vereinigten Staaten als „größte Erfolgsgeschichte der Menschheit“ und rief dazu auf, die amerikanische Identität, Freiheit und Verfassung zu bewahren.
Die Veranstaltung am Freitagabend bildete den Auftakt zu den landesweiten Jubiläumsveranstaltungen zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten am 4. Juli. Neben Musikdarbietungen, Überflügen der US-Streitkräfte und einem Feuerwerk stand gestern die Rede des Präsidenten im Mittelpunkt des Abends. Auch am Samstag und Sonntag sind landesweit mehrere Veranstaltungen zum 250. Geburtstag geplant.

Die Geburtsstunde der USA

Der 4. Juli 1776 gilt als Geburtsstunde der Vereinigten Staaten. An diesem Tag verabschiedeten die dreizehn britischen Kolonien die Unabhängigkeitserklärung und erklärten ihre Loslösung vom britischen Empire. Damit entstand die erste moderne Republik, deren Staatsverständnis auf den unveräußerlichen Rechten des Menschen und der Zustimmung der Regierten beruhte.
250 Jahre später steht das Land erneut an einem historischen Wendepunkt. Aus diesem Anlass wurde Mount Rushmore als Veranstaltungsort gewählt. Das Monument zeigt die Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, Abraham Lincoln und Theodore Roosevelt – Persönlichkeiten, die jeweils für Gründung, Expansion, Erhalt der Union und den Aufstieg der Vereinigten Staaten zur Weltmacht stehen.
Bereits im Jahr 2020 hatte Trump an selber Stelle eine viel beachtete Rede zum amerikanischen Nationalfeiertag gehalten.

Freiheit benötigt mehr als eine Verfassung

Trump eröffnete seine Ansprache mit einer Würdigung der Vereinigten Staaten. „Mit 250 Jahren ist Amerika die älteste Republik der Erde. Wir sind das freiste Volk der Erde. Wir haben die dauerhafteste Verfassung der Welt. Und durch Gottes Gnade sind die Vereinigten Staaten die erfolgreichste und außergewöhnlichste Nation der Menschheitsgeschichte“, sagte der Präsident gestern Abend.
Ein zentrales Thema der Rede war die Bedeutung der amerikanischen Kultur für den Bestand der Republik. Die Freiheit habe nicht allein deshalb 250 Jahre überdauert, weil sie in der Verfassung niedergeschrieben sei, erklärte Trump. Entscheidend seien die Werte und der Charakter der Menschen gewesen, die diese Freiheit erkämpft, verteidigt und an die nächste Generation weitergegeben hätten.
Als prägende Wurzeln der Vereinigten Staaten nannte Trump die geistigen Traditionen Großbritanniens sowie die kulturellen Einflüsse Athens, Jerusalems und Roms. Gemeint sind damit die griechische Idee der Demokratie und des philosophischen Denkens, das römische Rechtsverständnis sowie die jüdisch-christlichen Wertvorstellungen, auf denen nach seiner Auffassung die amerikanische Gesellschaft beruht.
Hinzukomme das britische Erbe mit dem Gedanken der individuellen Freiheitsrechte und der Selbstverwaltung. Aus dieser Verbindung sei eine einzigartige amerikanische Identität entstanden, die nach Trumps Ansicht bewahrt werden müsse. Mehrfach verwies Trump außerdem den religiösen Ursprung der Menschenrechte. Die Rechte der Bürger seien von Gott verliehen und nicht vom Staat gewährt worden.

Warnung vor Kommunismus und Kulturkampf

Den politisch deutlichsten Teil seiner Rede widmete Trump den aktuellen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen in den USA. Er sprach von einer „Wiederkehr der kommunistischen Bedrohung“ und erklärte, kommunistische Ideologien stellten eine existenzielle Gefahr für Freiheit und Demokratie dar. Nach seiner Auffassung gehe es dabei nicht um gewöhnliche politische Meinungsverschiedenheiten, etwa über Steuern oder Regulierung, sondern um einen grundlegenden Konflikt über das Selbstverständnis der Vereinigten Staaten.
Trump stellte den Kommunismus als Gegenbild zur amerikanischen Gründungsidee dar. Während die Unabhängigkeitserklärung von 1776 auf Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück beruhe, stehe der Kommunismus nach seinen Worten für staatliche Kontrolle, Unterdrückung von Religion, Missachtung individueller Rechte und historische Gewalt. Er verwies dabei auf die Opfer kommunistischer Regime im 20. Jahrhundert und sagte, dieses System habe „mehr Tod und Zerstörung“ gebracht als jedes andere politische System.
Besonders scharf wandte sich Trump gegen politische Kräfte, die seiner Ansicht nach kommunistische Ideen in die USA trügen. Dazu zählte er neben radikalen Aktivisten auch Einwanderer, die Werte verträten, die dem amerikanischen Lebensmodell entgegenstünden. Seine Botschaft lautete: Wer in den Vereinigten Staaten leben wolle, müsse nicht dort geboren sein, aber das Land, seine Freiheit und seine Verfassung lieben.
Zugleich kritisierte der Präsident Versuche, die amerikanische Geschichte ausschließlich unter dem Gesichtspunkt von Unterdrückung oder Kolonialismus zu betrachten. Wer den Gründervätern pauschal ihre historische Bedeutung abspreche oder Kindern vermittle, Amerika sei ausschließlich auf „gestohlenem Land“ entstanden, greife nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft des Landes an, sagte Trump.

Während einer Feier zum Unabhängigkeitstag am 3. Juli 2020 in Keystone, South Dakota, explodierten über dem Mount Rushmore National Monument Feuerwerkskörper.

Foto: Saul Loeb/AFP via Getty Images

Bilanz der zweiten Amtszeit und Blick nach vorn

Trump verband den historischen Rückblick mit einer Bilanz seiner zweiten Amtszeit. Er verwies nach eigenen Angaben auf hohe Investitionen in den Industriestandort USA, neue Fabriken, wirtschaftliches Wachstum sowie eine stärkere nationale Sicherheit. Außenpolitisch hob er die militärische Stärke der Vereinigten Staaten hervor und sprach über die jüngsten amerikanischen Angriffe auf iranische Atomanlagen. Die USA würden weltweit wieder respektiert und befänden sich in einer Phase neuer Stärke.
Als Leitmotiv seiner Präsidentschaft bezeichnete Trump den Beginn eines neuen „Goldenen Zeitalters Amerikas“. Zum Abschluss seiner rund 45-minütigen Rede schlug Trump einen optimistischen Ton an.
„Nach zweieinhalb Jahrhunderten erklingt die amerikanische Freiheit noch immer. Der amerikanische Traum lebt weiter. Das ist nicht das Ende – das ist erst der Anfang des Goldenen Zeitalters Amerikas“, sagte der Präsident unter großem Beifall.
Im Anschluss an die Rede erleuchtete ein rund halbstündiges Feuerwerk den Himmel über dem Mount Rushmore National Memorial. Es bildete den Höhepunkt der offiziellen Auftaktveranstaltung zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten.
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Shen Yun in Toronto: Zwischen Drohungen, Politik und dem finalen Applaus

Als sich am Abend des 28. Juni im Four Seasons Centre for the Performing Arts in Toronto zum letzten Mal in dieser Saison der Vorhang für Shen Yun hob, schloss sich ein Kreis, der Ende März mit einer Bombendrohung begonnen hatte. Seitdem stand unausgesprochen die Frage im Raum, ob sich eine Bühne in einem freien Land per E-Mail aus der Ferne lahmlegen lässt.
Am 29. März schien genau das zu geschehen. Eine Stunde vor einer Nachmittagsvorstellung erreichte das renommierte Theaterhaus eine Drohung: Im Gebäude sowie am Parlamentshügel seien Sprengsätze platziert. Rund 2.000 Menschen wurden daraufhin aus dem Saal gebracht. Die Polizei rückte an und durchsuchte das Gebäude, stufte die Drohung jedoch als unbegründet ein. Dennoch sagte das Four Seasons Centre die Vorstellung ab. Zwei Tage später wurden unter Verweis auf „eskalierende Drohungen“ auch die übrigen fünf Aufführungen gestrichen. Damit blieb für fast 10.000 Ticketinhaber unklar, ob und wann die Vorstellungen stattfinden würden.
Nach Angaben der Veranstalter war Toronto der erste Fall, in dem eine solche Drohung tatsächlich zur Absage von Shen-Yun-Aufführungen führte. Die 2006 in New York von chinesischen Künstlern gegründete Kompanie war in den vergangenen zwei Jahren über 150-mal Ziel ähnlicher Falschdrohungen, ohne dass es an einem anderen Ort zu Absagen kam – weder in Washington noch in Paris noch in Berlin. Nur in Toronto hatte die Drohung Konsequenzen.

Programm und kultureller Hintergrund von Shen Yun

Wer den Trubel um Shen Yun verstehen will, muss einen Blick ins Programm werfen. Die Kompanie zeigt nach eigenen Angaben ein „China vor dem Kommunismus“: 5.000 Jahre Kultur, klassischen chinesischen Tanz, Legenden und historische Szenen, begleitet von einem Orchester, das chinesische und westliche Instrumente verbindet. Ergänzt wird das durch animierte Bühnenbilder, in denen die Tänzer scheinbar zwischen Himmel und Erde wechseln.
Dargestellt wird ein China, das älter ist als die Volksrepublik: geprägt von Dynastien, Mythen, moralischen Erzählungen und religiösem Glauben. Genau darin liegt auch der Konfliktpunkt mit Peking. Shen Yun präsentiert ein China ohne Parteiparolen, ohne Mao-Kult und ohne kommunistische Ideologie – und verweist zugleich auf die Verfolgung der spirituellen Gruppe, die das Regime seit Jahren aus dem öffentlichen Leben verdrängen will.
Screenwriter Peter Campbell enjoyed Shen Yun at the Four Seasons Centre for the Performing Arts in Toronto on June 28, 2026. Daniella Wollensak/The Epoch Times

Drehbuchautor Peter Campbell bei Shen Yun im Four Seasons Centre for the Performing Arts in Toronto. Daniella Wollensak/The Epoch Times

Erfahrung des Publikums und persönliche Geschichte einer Falun-Gong-Praktizierenden

Wie der Abend beim Publikum ankam, beschrieb der Drehbuchautor Peter Campbell, der die letzte Vorstellung besuchte: „Es ist großartig, vom ersten Moment an. Sobald sich der Vorhang hebt, ist es schön – ich habe jede Sekunde geliebt.“ Besonders beeindruckt habe ihn die Kombination aus Tanz und animierten Bühnenbildern, durch die die Darsteller scheinbar aus der Projektion heraustreten und wieder in sie hineingehen. Campbell weiter: „Der Hintergrund ist mehr als nur ein Hintergrund.“
Die meisten der Künstler praktizieren Falun Gong, eine spirituelle Disziplin, die auf den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht basiert und in China seit 1999 verfolgt wird. Für Nancy Zhang, die Moderatorin des Shen-Yun-Ensembles, das ursprünglich in Toronto auftreten sollte, ist diese Verfolgung keine abstrakte Geschichte. Sie war acht Jahre alt, als ihre Eltern nach der Arbeit nicht nach Hause kamen. Beide waren verhaftet worden, weil sie Falun Gong praktizierten. Der Vater wurde in ein Umerziehungslager gebracht und die Mutter zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. „Für ein Kind wird diese Art von Angst normal“, sagte sie später, „aber so sollte das nicht sein.“
Dass sie diese Angst nun auch im Ausland wieder erlebt – wenn auch nicht durch direkte staatliche Repression, sondern durch Drohungen gegen Theater, Veranstalter und Publikum –, empfindet sie als besonders beunruhigend. Ihre Frage zielt auf einen größeren Zusammenhang ab: „Wenn wir nicht einmal in Übersee frei sprechen können, verwandelt sich dann nicht der Westen in China?“
Nancy Zhang, ist Moderatorin eines der insgesamt acht Shen Yun Ensembles. Foto: Frederico Vidovix/The Epoch Times

Nancy Zhang ist Moderatorin eines der insgesamt acht Shen-Yun-Ensembles und weiß, was Verfolgung in einem kommunistischen Land wie China bedeutet.

Foto: Frederico Vidovix/The Epoch Times

Internationale Einflussnahme und politische Reaktionen auf Shen Yun

Kanada behandelt solche Vorgänge inzwischen als Sicherheits- und Demokratiethema. Im Hintergrund steht der lange Arm eines autoritären Staates: Druck auf Exilgruppen, Drohungen gegen Kritiker, Überwachung von Diaspora-Gemeinschaften, Desinformation und diplomatische Interventionen. Bei Shen Yun führte diese Strategie zu einem Theaterabend mit evakuiertem Saal. Dieselbe E-Mail-Adresse, die das Four Seasons bedrohte, ging auch an das Theater in Vancouver. Die dortige Cybercrime-Einheit verortete eine mit dem Konto verknüpfte Telefonnummer in China. Schon im letzten Jahr hatten taiwanische Ermittler eine ähnliche Drohung in die nordchinesische Stadt Xi’an zurückverfolgt, in die Nähe einer Forschungseinrichtung des Konzerns Huawei.
Der sichtbarste politische Hinweis kam jedoch nicht aus einer E-Mail, sondern aus einem Sitzungszimmer: In Vancouver trafen sich Vertreter des chinesischen Konsulats mit einem städtischen Mitarbeiter und sprachen über Shen Yun. Quellen zufolge hätten die Diplomaten eine Absage der Aufführungen gewünscht; die Stadt erklärte dagegen, es habe keinen Druck gegeben, musste später jedoch Teile ihrer Darstellung korrigieren. Shen Yun spielte in Vancouver schließlich dennoch.
Auch in Deutschland ist Shen Yun bereits zum Gegenstand chinesischer Intervention geworden. Schon im Februar 2014 versuchte ein Vertreter der chinesischen Botschaft, einen Auftritt in Berlin zu verhindern. Jörg Seefeld, der damalige Leiter der Eventabteilung des Stage-Theaters am Potsdamer Platz, schilderte, wie der Diplomat zunächst Interesse am Haus zeigte und anschließend fragte, ob sich der Vertrag mit der Kompanie nicht annullieren lasse; stattdessen könnten politisch unbedenkliche Ensembles vermittelt werden. Seefelds Antwort fiel knapp aus: „Ich bin aus der DDR. Bei den Chinesen ist es wie damals bei unseren Machthabern: Die haben Angst.“ Die Aufführung fand dennoch statt – ebenso wie 2026 in der Deutschen Oper Berlin.
Die Bundesregierung hat die Verfolgung von Falun Gong wiederholt thematisiert. Die Menschenrechtsbeauftragte Bärbel Kofler erklärte zum 20. Jahrestag der Kampagne, China gehe „mit äußerster Härte“ gegen die Bewegung vor, und forderte Peking zur Einhaltung der Menschenrechte auf.
Dass Shen Yun im Juni im Four Seasons Centre auftreten konnte, war das Ergebnis von Gesprächen, öffentlicher Unterstützung und politischer Rückendeckung. Die Veranstalter verhandelten, Abgeordnete setzten sich für Nachholtermine ein und Bürger wandten sich mit Petitionen und Briefen an die Verantwortlichen. Das Theater setzte schließlich fünf Vorstellungen neu an, dieses Mal mit Metalldetektoren, Spürhunden und verstärkter Polizeipräsenz.
Tammy Peterson enjoyed Shen Yun at the Four Seasons Centre for the Performing Arts in Toronto on June 28, 2026. Allen Zhou/The Epoch Times

Die Podcasterin Tammy Peterson sah Shen Yun im Four Seasons Center for the Performing Arts in Toronto, Kanada.

Foto: Allen Zhou/The Epoch Times

Abschluss der Aufführung und Reaktionen auf Shen Yun

Der kanadische Menschenrechtsanwalt David Matas, der sich seit Jahrzehnten mit der Lage in China befasst, sah das Besondere des jüngsten Shen-Yun-Auftritts in Toronto in der Verbindung von künstlerischer Schönheit und menschenrechtlichem Zeugnis. Die Aufführung spreche nicht nur über Freiheit, sondern mache sichtbar, was verloren gehe, wenn sie verschwinde. Die Podcasterin Tammy Peterson, die der Show beiwohnte, sprach von einer hoffnungsvollen Botschaft auch für den Westen: „Es liegt an uns, einander zu lehren, dass es ein Fundament unserer Kultur gibt, das unverzichtbar ist, wenn wir überleben wollen.“
Der Vorhang, der im März geschlossen blieb, hob sich schließlich im Juni. An diesem letzten Abend der Aufführungen in Toronto war nicht die Drohung das letzte Bild, sondern der tosende Applaus.
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Trump bezeichnet Kommunismus als „größte Bedrohung“ seit Gründung der USA

In einer Grundsatzrede auf dem Treffen der konservativen Interessenvertretung „Faith and Freedom Coalition“ bezeichnete US-Präsident Donald Trump den Aufstieg des Kommunismus in Amerika als die größte Gefahr für die Nation. 

„Dies ist meiner Meinung nach die größte Bedrohung für unser Land seit seiner Gründung vor 250 Jahren“, sagte Trump am Freitag, 26. Juni, in Washington, D.C. Als Hauptredner der Konferenz sprach er sich für Religionsfreiheit aus.

Der US-Präsident warnte die Zuhörer vor der heimtückischen Natur des Kommunismus und dessen Plan, die Religionsfreiheit zu zerstören.

„Sobald sie offen wie Kommunisten handeln, werden sie eure Kirchen in diesem Land schließen. Genau das versuchen sie“, sagte Trump. „Sie werden eure Leute töten, und darum geht es ihnen. Sie wollen die Religion abschaffen, denn ihre Ideologie funktioniert nicht, wenn es eine starke Religion gibt.“

Die Wahlen in New York

Seine Aufmerksamkeit wurde durch die jüngsten Wahlen geweckt, bei denen am 23. Juni drei Kandidaten der Demokraten ihre Vorwahlen für das US-Repräsentantenhaus dank der Unterstützung von Zohran Mamdani, dem Bürgermeister von New York City, gewonnen hatten.

„Und wie Sie bei den kürzlich in New York City gewählten Kommunisten gesehen haben, sind sie Kommunisten, keine Sozialdemokraten“, sagte Trump. „Sie wollen die traditionelle amerikanische Lebensweise vollständig zerstören.“

Er verglich den Aufstieg der kommunistischen Ideologie mit dem schleichenden Einsickern von Ideen, die für Uninformierte zwar verlockend klingen, aber in einer Katastrophe für die Gesellschaft enden.

„Der Kommunismus lässt sich sehr leicht verkaufen“, sagte Trump. „Er zerstört alles, aber er ist sehr leicht zu vermitteln.“

Er warnte, dass die Folgen des Kommunismus weitreichend und verheerend seien.

„Ihr werdet in Elend leben. Es wird kein Essen, keine Wohnungen, kein Militär und keine Ordnung geben, gar nichts“, sagte Trump. „Ihr werdet in jeder Hinsicht wie Bewohner eines Entwicklungslandes sein. Und alle werden leiden oder sterben.“

Die Bemühungen um eine kommunistische Herrschaft hätten in der Vergangenheit, beispielsweise in der Sowjetunion und im Ostblock, in Kambodscha und Äthiopien, sowie in der Gegenwart, etwa in China, Kuba, Nordkorea, Vietnam und Laos, Tod und Leid für Milliarden Menschen verursacht. Dabei unterdrücken die kommunistischen Regime ihre Bürger.

„So etwas geschieht schon seit Jahrtausenden“, sagte Trump. „Es geschieht nur unter verschiedenen Namen.“

Trump: „Wir wollen Religionsfreiheit“

Er machte diese Bemerkungen bei seiner ersten Rückkehr in den International Ballroom des Washington Hilton, seit ein Attentat auf den Präsidenten während des Abendessens eines Presseballs am 25. April vereitelt worden war.

Die „Faith and Freedom Coalition“ bringt Politiker, religiöse Führer und Gläubige zu einer dreitägigen Konferenz in der Hauptstadt des Landes zusammen. Die Organisation, die im Jahr 2009 gegründet wurde, verfügt mittlerweile über Hunderttausende Anhänger sowie mehrere hundert lokale Ortsverbände. Sie unterstützt in Wahlkampagnen Kandidaten, die mit ihren konservativen und christlichen Werten übereinstimmen. 

Kurz nach seiner Rede vor der Konferenz erhielt der Präsident im Weißen Haus einen 223-seitigen Entwurf eines Berichts der Kommission für Religionsfreiheit.

„Während wir uns darauf vorbereiten, nächste Woche den 250. Jahrestag unserer Gründung zu feiern, ist es nur angemessen, dass wir uns für die Stärkung dieses Grundrechts und vor allem für die Sicherung der Freiheit für kommende Generationen einsetzen“, sagte Trump während der Zeremonie im Oval Office. „Wir wollen Religionsfreiheit.“

Eine Warnung vor den UN

Es ist nicht das erste Mal, dass Trump in einer Rede den Kommunismus und den Sozialismus scharf kritisiert. Seit Beginn seiner ersten Amtszeit warnt er immer wieder vor deren globalem Einfluss.

So warnte er beispielsweise bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 2019 die Staats- und Regierungschefs der Welt vor dem „Gespenst des Sozialismus“ und bezeichnete ihn als eine der größten Herausforderungen für die Nationen.

In seiner Rede sagte er, dass Sozialismus und Kommunismus im vergangenen Jahrhundert 100 Millionen Menschenleben gefordert hätten. Er verurteilte die „brutale Unterdrückung“ der Menschen in Kuba, Nicaragua und Venezuela.

Trump hat die Demokraten wiederholt dafür kritisiert, dass sie in den Vereinigten Staaten einen „radikalen Sozialismus“ propagieren würden. Er verurteilte Vorschläge wie offene Grenzen und den Green New Deal als extrem.

„Das rosige Bild widerspricht der Geschichte“

Laut einer Studie des Umfrageinstituts Pew Research Center aus dem Jahr 2019 leben fast 85 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern, in denen die Religionsfreiheit stark oder sehr stark eingeschränkt ist. Das von der Kommunistischen Partei regierte China, weist eine der höchsten Einschränkungen der Religionsfreiheit auf.

Der Historiker und Autor des neuen Buches „Founder’s Fire: From 1776 to the Age of Trump“ (etwa: Das Feuer der Gründerväter: Von 1776 bis ins Zeitalter von Trump), Arthur Herman, stimmte zu, dass der Aufstieg des Kommunismus eine Bedrohung für die Nation darstellt.

„Das Erstarken des Sozialismus und sozialistischer Gesinnung, insbesondere unter jungen Menschen in den Vereinigten Staaten, bedroht die amerikanische Wirtschaft, ihr Wachstum und ihre globale Stellung“, sagte Herman der Epoch Times.

Er merkte an, dass 65 Millionen Chinesen durch Mao Zedongs Bestrebungen, ein neues „sozialistisches“ China zu errichten, ums Leben gekommen seien, und 25 bis 30 Millionen Menschen in der ehemaligen Sowjetunion unter einem kommunistischen System ums Leben gekommen seien.

„Das rosige Bild, das die jüngere Generation von Lehrern und ideologisch geprägten Mentoren vom Kommunismus erhalten hat, widerspricht der Geschichte“, sagte Herman. „Es widerspricht auch dem, was im Kern die amerikanische Erfahrung und den amerikanischen Exzeptionalismus ausmacht.“

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Trump Calls Communism ‘Most Serious Threat’ Since Nation’s Founding“. (deutsche Bearbeitung: yz)

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Taiwans „Katzenkriegerin“: Vizepräsidentin Hsiao ohne Furcht vor Pekings „Wolfskriegern“

Taiwan steht seit Jahren im Zentrum eines geopolitischen Konflikts mit China. Das kommunistische China betrachtet die demokratisch regierte Insel als abtrünnige Provinz und versucht, sie international zu isolieren sowie politisch und militärisch unter Druck zu setzen. Gleichzeitig ist Taiwan wirtschaftlich hochentwickelt und spielt vor allem als weltweit führender Produzent von Halbleitern eine zentrale Rolle in der globalen Technologieversorgung.
Vor diesem Hintergrund steht die Vizepräsidentin Hsiao Bi-khim exemplarisch für einen neuen diplomatischen Ansatz Taiwans. Sie hat einen Stil entwickelt, der auf Beweglichkeit und klare Selbstbehauptung setzt und sich bewusst von der konfrontativen Rhetorik Chinas abgrenzt. In ihrer Darstellung kann Taiwan nach außen hin offen und kooperationsbereit auftreten, ohne dabei seine politische Eigenständigkeit und Handlungsfähigkeit aufzugeben.
Besonders in den Beziehungen zu den USA betont sie die Bedeutung breiter politischer Bündnisse und eines überparteilichen Konsenses. Das Ziel bestehe darin, gemeinsame Interessen zu bündeln und die Zusammenarbeit so zu gestalten, dass beide Seiten voneinander profitieren und sich in einem zunehmend angespannten geopolitischen Umfeld gegenseitig stärken.

Zwischen Diplomatie und Selbstbehauptung: Taiwans „Katzenkriegerin“ Hsiao Bi-khim

Als Hsiao Bi-khim vor sechs Jahren nach Washington aufbrach, benötigte die frisch ernannte taiwanische Gesandte zunächst eine Antwort auf Chinas konfrontative „Wolfskrieger“-Diplomatie. Sie entwickelte einen eigenen Stil, den einer „Katzenkriegerin“ – flink, anpassungsfähig, stets wachsam und vor allem geprägt von einem ausgeprägten Sinn für Unabhängigkeit.
Sechs Jahre später ist Hsiao die zweitmächtigste Person in Taiwan, und ihr Beiname hat sich offenbar bestätigt. „Katzen lassen sich nicht zwingen“, sagte sie. „Sie haben ihren eigenen Willen.“ Taiwan, so Hsiao, sei dem in gewisser Weise ähnlich. „Taiwan kann sanft, warmherzig und einladend sein“, erklärte die Vizepräsidentin in einem Interview mit der Epoch Times in der Sendung „American Thought Leaders“ im Präsidentenpalast in Taipeh. „Aber gleichzeitig ist es wichtig, unsere Krallen zu schärfen, um uns verteidigen zu können.“
Übertragen auf die Diplomatie bedeute dies laut Hsiao ein ständiges Austarieren und das Finden gemeinsamer Interessen, so Hsiao. Im Verhältnis zwischen den USA und Taiwan gehe es darum, einen Konsens über das gesamte politische Spektrum des US-Kongresses hinweg zu bilden.
Indem Taipeh und Washington ihre Stärken bündeln, würden sie sich gegenseitig stärken, sagte sie. „Darin liegt die Anziehungskraft, und deshalb sind Taiwan und die USA gemeinsam so viel stärker.“

Früher Einsatz gegen Chinas Organraub

Hsiao Bi-khim wurde in Japan als Tochter eines presbyterianischen Pfarrers aus Taiwan und einer Musiklehrerin aus North Carolina geboren. Sie erinnert sich daran, dass sie, sobald sie sprechen konnte, als Vermittlerin zwischen ihren Großmüttern fungierte, die unterschiedliche Sprachen sprachen, indem sie zwischen ihnen übersetzte.
Mit 24 Jahren begann sie ihre politische Laufbahn. Innerhalb von sechs Jahren gewann sie einen Sitz im Legislativ-Yuan, dem Parlament Taiwans, und gehörte damit zu den jüngsten Abgeordneten ihrer Zeit. Gemeinsam mit dem heutigen taiwanischen Präsidenten Lai Ching-te unterstützte Hsiao im Jahr 2006 eine Parlamentsresolution, die eine internationale Untersuchung des von Peking staatlich geförderten Organraubs in China forderte. Diese Enthüllungen waren zuvor von Epoch Times aufgedeckt worden.
Lai, der als erster Arzt Präsident Taiwans wurde, sei „diesen Grundrechten sehr verpflichtet“, sagte Hsiao.

Taiwans Vizepräsidentin Hsiao Bi-khim (Archivfoto). Angesichts der chinesischen „Wolfskrieger“ hat Hsiao ihren eigenen Diplomatiestil entwickelt.

Foto: 張永泰, gemeinfrei

Gelassenheit angesichts von Pekings Drohungen

Als Hsiao an politischem Einfluss gewann, bezeichnete Peking sie als „unbeugsame“ Separatistin. China warf ihr zudem vor, mit den Vereinigten Staaten „unter einer Decke zu stecken“, um die Unabhängigkeit Taiwans voranzutreiben. Das kommunistische Regime setzte sie außerdem zweimal auf seine schwarze Liste.
Hsiao wertete dies als Einschüchterungstaktiken.
„Wir werden nicht zulassen, dass die Kommunistische Partei Chinas definiert, wer wir sind“, sagte sie. Wie auch andere Betroffene auch, die vom chinesischen Regime ins Visier genommen wurden, nehme sie die Sanktionen nach eigener Darstellung gelassen hin.
Da Hsiao keine persönlichen geschäftlichen Interessen in China habe, seien die Maßnahmen aus ihrer Sicht rein symbolischer Natur. So sehr Peking es auch versuche, könne dies ihre Bemühungen zur Verteidigung Taiwans und der Werte, für die das Land stehe, nicht stoppen.
Drohungen seien ein regelmäßiger Bestandteil des Lebens in Taiwan und nähmen von Tag zu Tag zu, so die Vizepräsidentin.
Das chinesische Regime setzt die Insel nahezu täglich mit Militärflugzeugen unter Druck. Zudem blockiert Peking regelmäßig die Teilnahme Taipehs an internationalen Foren, wirbt mit finanziellen Anreizen und großzügigen Versprechen diplomatische Verbündete des Inselstaates ab und verfolgt damit das Ziel, Taiwan international weiter zu isolieren.
Ein Mirage-2000-Kampfjet der taiwanesischen Luftwaffe startet am 29. Dezember 2025 vom Luftwaffenstützpunkt Hsinchu. Die Wahrung der Sicherheit der Insel sei unerlässlich, um „unseren Worten Taten folgen zu lassen“, sagte Taiwans Vizepräsident Hsiao Bi-khim. Foto: Cheng Yu-chen / AFP via Getty Images

Ein Mirage-2000-Kampfjet der taiwanischen Luftwaffe startet am 29. Dezember 2025 vom Luftwaffenstützpunkt Hsinchu.

Foto: Cheng Yu-chen/AFP via Getty Images

Doch die Drohungen zeigen sich auch in anderen Formen.
Während Hsiaos dreitägiger Reise nach Prag im Jahr 2024 wurde sie eigenen Angaben zufolge von chinesischen Diplomaten und Agenten beschattet, Diese sollen sogar einen möglichen Autounfall geplant haben. Zu diesem Zeitpunkt stand Hsiao nur wenige Wochen vor ihrem Amtsantritt als Vizepräsidentin.
Im Januar verhafteten die tschechischen Behörden einen Korrespondenten chinesischer Staatsmedien, der versucht hatte, belastende Informationen über protaiwanische Politiker im Land zu sammeln.
China übe durch verdeckte Kriegstaktiken zunehmenden Druck auf Taiwan aus, so Hsiao. Gleichzeitig sehe Taiwan jedoch Wege und Mittel, um sich zu wehren und die eigene Identität zu behaupten, sagte sie.
Das Nationale Sicherheitsbüro Taiwans teilte mit, dass es angesichts strenger staatlicher Kontrolle und wirtschaftlicher Schwierigkeiten eine wachsende Unzufriedenheit in China beobachte. Vor diesem Hintergrund habe Taiwan kürzlich ein Onlineportal eingerichtet, über das chinesische Staatsbürger Geheimdienstinformationen übermitteln können.
(vlnr) Taiwans Wirtschaftsminister Kung Ming-hsin, Pan Men-an, der Generalsekretär des Präsidenten, Vizepräsidentin Hsiao Bi-khim, Präsident Lai Ching-te, Premierminister Cho Jung-tai, der Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrates Joseph Wu und Verteidigungsminister Wellington Koo geben am 26. November 2025 im Präsidentenpalast in Taipeh eine Pressekonferenz. Trotz einer Bevölkerung von nur etwas über 23 Millionen Menschen spielt Taiwan auf dem Weltmarkt eine überproportional große Rolle. Foto: I-Hwa Cheng / AFP via Getty Images

Taiwans Führung während einer Pressekonferenz in Taipeh am 26. November 2025.

Foto: I-Hwa Cheng / AFP via Getty Images

Taiwan: Klein, aber oho!

Trotz einer Bevölkerung von nur etwas mehr als 23 Millionen Menschen spielt Taiwan auf dem globalen Markt eine weit über seine Größe hinausgehende Rolle. Bekannt als die „Silizium-Insel“, produziert das Land fast zwei Drittel der weltweiten Mikrochips – darunter nahezu alle hoch entwickelten – und ist damit ein zentraler Bestandteil der modernen digitalen Wirtschaft.
Im vergangenen Jahr überholte Taiwan Deutschland als viertgrößten Handelspartner der Vereinigten Staaten.
Auch ohne formelles Bündnis haben die engen Beziehungen zwischen den USA und Taiwan über verschiedene Regierungswechsel hinweg Bestand. Dies trägt trotz der Spannungen mit China dazu bei, den Frieden in der Taiwanstraße – einer zentralen Handelsroute des Welthandels – zu sichern. Jährlich passieren Waren im Wert von einigen Billionen US-Dollar die nur rund 180 Kilometer breite Wasserstraße.
Hsiao bezeichnete diese Beziehung als „eine der folgenreichsten Partnerschaften der Welt“. „Es ist eine Partnerschaft, die es der Welt ermöglicht hat, zu florieren“, sagte sie.
Die Zusammenarbeit wurde zuletzt weiter ausgebaut. Im Januar kündigten Taipeh und Washington ein umfassendes Chipabkommen an, das bestehende Handelsbarrieren reduziert. Damit verbunden ist eine taiwanische Investition von 250 Milliarden US-Dollar in die Halbleiter- und Energieinfrastruktur der Vereinigten Staaten.
Taiwans Chefunterhändlerin für Handelsfragen, Yang Jen-ni (links), der taiwanesische Vizepremier Cheng Li-chiun (Mitte) und Taiwans oberster Vertreter in den Vereinigten Staaten, Alexander Yui (rechts), sprechen am 16. Januar 2026 auf einer Pressekonferenz im Wirtschafts- und Kulturbüro Taipehs in Washington. Taiwan produziert rund zwei Drittel aller Mikrochips weltweit und ist damit ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen digitalen Wirtschaft. Foto: Eva Fu/The Epoch Times

Taiwans Handelsdelegation auf einer Pressekonferenz in Washington, D.C. am 16. Januar 2026.

Foto: Eva Fu/The Epoch Times

Freiheit versus Kommunismus

Die Heritage Foundation, eine konservative Denkfabrik, stufte Taiwan im Februar als fünffreieste Volkswirtschaft der Welt ein. China belegte Platz 154 auf der Liste.
Das taiwanische Modell, wie Hsiao es beschreibt, steht damit im deutlichen Gegensatz zu den Strukturen auf der anderen Seite der Meerenge. Hsiao zufolge seien eine regelbasierte Ordnung, Rechtsstaatlichkeit, Grundrechte und Innovationsfreiheit zentrale Voraussetzungen für wirtschaftliches Wachstum.
Es finde ein Wettbewerb statt, der sowohl wirtschaftlicher, politischer als auch ideologischer Natur sei. Sie habe keinen Zweifel daran, welches System langfristig bestehen werde. Während das kommunistische China „weiterhin seine Form des Sozialismus und Kommunismus propagiert“, sei Taiwan überzeugt, „dass die Demokratie funktioniert“. Die Fakten sprächen für sich selbst.
Über Jahrzehnte hinweg habe sich der Westen eng mit der chinesischen Wirtschaft verflochten – in der Erwartung, dass wirtschaftliche Integration und Wohlstand zu politischer Liberalisierung führen würden.
Dies sei jedoch nicht eingetreten, merkte Hsiao an. „Wir haben ein enormes Wirtschaftswachstum gesehen, aber nicht die politische Offenheit oder den Fortschritt, den viele erwartet hatten, sondern in einigen Bereichen sogar das Gegenteil“, sagte sie.
„Das ist eine Tatsache, die die meisten von uns berücksichtigen müssen, wenn wir nach den angemessensten Wegen suchen, mit ihr [der Volksrepublik China] umzugehen.“
Laut dem Internationalen Währungsfonds wird das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Taiwan im Jahr 2026 etwa dreimal so hoch sein wie auf dem chinesischen Festland.
Gleichzeitig arbeitet der Inselstaat daran, seine Verteidigungsfähigkeit auszubauen. Bis 2030 will Präsident Lai das Militärbudget von derzeit rund 3 Prozent auf 5 Prozent des BIP erhöhen. Anfang Juni testete Taiwan ein US-amerikanisches Raketensystem in Richtung Festland und simulierte damit die Abwehr einer möglichen Invasion durch China.
Taiwanische Soldaten tragen Artilleriegranaten für eine M109A2-Selbstfahrlafette während einer Schießübung in Taichung am 9. Juni 2026. Bis 2030 will Taiwans Präsident Lai Ching-te den Militärhaushalt des Landes von rund 3 Prozent auf 5 Prozent des BIP erhöhen. Foto: Cheng Yu-chen / AFP via Getty Images

Taiwanische Soldaten bei einer Schießübung in Taichung am 9. Juni 2026.

Foto: Cheng Yu-chen/AFP via Getty Images

Lais Regierung hat noch einige Hürden zu überwinden. Die Oppositionspartei, die Peking nähersteht, blockierte den Vorschlag für höhere Militärausgaben der Regierung mehrfach, bevor sie einem gekürzten Budgetgesetz zustimmte.
Hsiao bezeichnete den Fortschritt dennoch als Beleg für Taiwans Transparenz und Rechenschaftspflicht. Die Wahrung der nationalen Sicherheit bedeute im Kern, den eigenen Worten Taten folgen zu lassen, sagte sie. Ihre Partei werde die Bedeutung dieses Themas für die taiwanische Gesellschaft weiterhin betonen.
Weltweit habe sich Taiwan in „jede Ebene“ der Lieferketten für Künstliche Intelligenz und Technologie integriert, sagte Hsiao. Ihr Volk – die „Stabilisatoren“ und „Friedensstifter“ – leiste zudem auf anderen Wegen einen Beitrag auf der internationalen Bühne.
Dies sei ihre Vorstellung von „Katzendiplomatie“: Taiwan sei klein, aber dennoch eine ernstzunehmende Kraft. „Katzen sind klein, aber sie können das Zehnfache ihrer Körpergröße springen – oder mehr“, sagte sie und fügte hinzu: „Und sie haben neun Leben.“
 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Taiwan’s Vice President Not Afraid to Take on Beijing“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
HINWEIS: Das vollständige Interview mit „American Thought Leaders“ wird am Dienstag, den 23. Juni, um 17 Uhr Ostküstenzeit auf EpochTV ausgestrahlt (MET 23 Uhr, 23. Juni).
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gesellschaft meinung

Aufklärung kann den Vormarsch des Kommunismus aufhalten

Eine Umfrage aus dem Jahr 2025 unter amerikanischen Erwachsenen im Alter von 30 Jahren und jünger ergab, dass 62 Prozent dem Sozialismus positiv gegenüberstanden. Bei derselben Umfrage standen 34 Prozent dem Kommunismus positiv gegenüber.

Befürwortung durch Propaganda?

Es wäre ein Fehler, diese Statistiken als Reaktion auf die derzeitige Regierung zu interpretieren. Umfragen verschiedener Organisationen, die in den vergangenen fünf Jahren durchgeführt wurden, liegen im Rahmen dieser Zahlen.
Diejenigen von uns, die den Kommunismus als böse betrachten, sind entsetzt über diese Zahlen. Wissen diese jungen Menschen, dass Kommunisten in den vergangenen 100 Jahren mehr als 100 Millionen Menschen getötet haben?
Sind sie sich der gebrochenen Versprechen des Kommunismus in Diktaturen wie Kuba, Nordkorea und China bewusst? Ist ihnen nicht klar, dass unter einer kommunistischen Regierung ihr Leben vom Staat diktiert würde, sofern sie nicht zum inneren Kreis der Partei gehören? Können sie Sozialismus und Kommunismus überhaupt definieren?
Die Antwort auf diese und andere Fragen ist nur mit einem klaren „Nein“ zu beantworten. Entweder wissen sie nichts von diesen Ungeheuerlichkeiten des 20. Jahrhunderts oder sie sind Opfer von Propaganda. Kein vernünftig erzogener Mensch würde zustimmen, ein Sklave des Staates zu werden.

„Alle lebten in Angst“

Am Montag, 18. Mai, zeigten mir eine Lehrerin der fünften Klasse und ein römisch-katholischer Priester einen Weg, wie wir dieser Fehlentwicklung entgegenwirken können.
Am Sonntag erwähnte Lara Purciel, die Lehrerin und auch eine Freundin von mir, dass sie Pater Tom Shepanzyk eingeladen hatte, vor ihrer Klasse an der Padre-Pio-Akademie über den Kommunismus zu sprechen. Pater Shepanzyk lebte in seiner Jugend unter dem Kommunismus in Polen, bevor er in die Vereinigten Staaten ging. Lara bemerkte mein Interesse und lud mich daraufhin ein, zuzuhören.
Etwas mehr als 1 Stunde lang fesselte Pater Shepanzyk die Aufmerksamkeit dieser Klasse und der hinzugekommenen Achtklässler. Er sprach darüber, wie sein Leben als gläubiger katholischer Jugendlicher in einem System aussah, das Religion verachtete und verspottete.
Pater Shepanzyk erzählte seinem jungen Publikum von den Stunden, die er in Schlangen vor Lebensmittelgeschäften verbrachte, um nur das Nötigste zum Leben zu kaufen. Ebenso berichtete er von der Propaganda in den Schulen und auf den allgegenwärtigen Plakaten in den Straßen, vom staatlich kontrollierten Fernsehen und von der Angst, von den falschen Leuten belauscht zu werden, was die freie Meinungsäußerung einschränkte.
„Alle lebten in Angst“, sagte Pater Shepanzyk. „Alle hatten Angst.“

Kommunisten zielen auf die Jugend ab

Einige seiner Geschichten trafen sicherlich einen Nerv. Als ihnen gesagt wurde, dass eines Tages die ganze Welt kommunistisch sein und alles „dem Volk“ gehören würde, scherzten er und seine Klassenkameraden: „Werden unsere Socken dann privat sein?“ Er erklärte, dass er nur einmal im Jahr eine Orange bekommen habe, und: „Als ich in die Vereinigten Staaten kam, aß ich Tag und Nacht Orangen.“
An einer Stelle sagte Pater Shepanzyk zu den Schülern: „Die Kommunisten haben es immer auf die Jugend abgesehen.“ Sie tun dies, indem sie an ihren Idealismus appellieren und sie über die Realitäten einer sozialistischen beziehungsweise kommunistischen Regierung im Vergleich zu diesem Idealismus in die Irre führen.
Und genau hier liegt die Lehre, die ich aus dieser Unterrichtsstunde gezogen habe. Genau wie die Linken müssen wir uns um die Jugend bemühen. Viele unserer Schulen, Universitäten und kulturellen Einflussnehmer tun genau das. Sie verstehen – und haben schon seit Jahrzehnten verstanden –, dass ein Kampf um die Herzen und Köpfe unserer jungen Menschen tobt.

Wie kann man aufklären?

Ein altes Sprichwort besagt: „Wir müssen Feuer mit Feuer bekämpfen.“ Insbesondere durch Geschichten müssen wir unseren jungen Menschen die Übel des Marxismus aufzeigen.
Die gute Nachricht ist, dass wir die Mittel dafür haben. Sucht man online nach „Wie viele Opfer des Kommunismus leben in den Vereinigten Staaten?“, findet man Angaben, dass die Zahlen schwer genau zu bestimmen sind, aber insgesamt in die Millionen gehen. Diese Zahl erhöht sich noch weiter, wenn man die Kinder und Enkelkinder berücksichtigt, die aus diesen Flüchtlingen vor dem Marxismus hervorgegangen sind.
Genau wie Pater Shepanzyk es in jenem Klassenzimmer tat, benötigen wir diese Männer und Frauen, die mit unseren jungen Menschen über die Misshandlungen und das Leid sprechen, das sie miterlebt haben, über die grausame Unterdrückung von Würde und persönlichen Ambitionen. Diese Geschichten können dann als Gegenmittel gespeichert werden, um dem Gift der kommunistischen und sozialistischen Propaganda entgegenzuwirken.
Lehrer können einfach Laras Beispiel folgen und einen oder mehrere dieser Zeitzeugen einladen, vor ihren Klassen zu sprechen. Homeschooling-Gruppen und andere Jugendorganisationen könnten dasselbe tun. Sicherlich gibt es genug Osteuropäer, Vietnamesen, Chinesen und andere Staatsangehörige, die bereit wären, sich diesem Anliegen anzuschließen.

Berichte über Opfer des Kommunismus

Eine weitere großartige Ressource ist die Victims of Communism Memorial Foundation. Ihr Witness Project und Voices for Freedom enthalten Interviews mit Menschen aus aller Welt, die unter kommunistischen Regimen inhaftiert, gefoltert und ihrer natürlichen Rechte beraubt wurden.
Lehrer und Eltern können den Jugendlichen auch Bücher und Filme näherbringen, die Totalitarismus und Kollektivismus anprangern. Ältere Teenager könnten sich „Mr. Jones“ ansehen, den erschütternden Film über den Holodomor, was „Tod durch Hunger“ bedeutet, durch den die Sowjetunion Millionen Ukrainer verhungern ließ.
Der ab 16 Jahren freigegebene Film „Das Leben der Anderen“ zeigt uns die Schattenseiten des ostdeutschen Polizeistaats und dessen Überwachung privater Gespräche. Bücher wie Lois Lowrys antikollektivistischer Roman „The Giver“, George Orwells Klassiker „Animal Farm“ und „1984“ sowie James Clavells weitgehend vergessener, aber wichtiger Roman „The Children’s Story“ können helfen, Schutz vor den giftigen Einflüssen der extremen Linken zu bieten.
Unsere jungen Menschen müssen wissen, bevor sie auf die Hochschule gehen oder ins Berufsleben eintreten, dass der Kommunismus die Seele und oft auch den Körper tötet, dass er seine Versprechen nicht einhält, dass es unter einem kommunistischen Regime keine unveräußerlichen Rechte gibt, kein Leben, keine Freiheit und kein Streben nach Glück.
Und es liegt an uns, ihnen diese Dinge beizubringen.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Telling Stories Can Reverse the Rise of Communism“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: mf)
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kultur

Tränen, Applaus und viel Anerkennung: Warum Shen Yun weltweit für Aufsehen sorgt

Mitte Mai beendete Shen Yun, das weltberühmte in New York ansässige Ensemble für klassischen chinesischen Tanz und Musik, seine Saison 2026. Diese außergewöhnliche Tanzproduktion sorgt mit ihren Auftritten in über hundert Städten in den Vereinigten Staaten, Lateinamerika, Europa und Ostasien für große Aufmerksamkeit. Dabei zog das Ensemble mit seinen abwechslungsreichen Tanzgeschichten selbst Generäle, Politiker, Künstler, katholische Priester und protestantische Pastoren in seinen Bann. Schon jetzt freuen sich viele Zuschauer darauf, wenn Shen Yun Ende des Jahres mit seinem neuen Programm auf die nächste Welttournee geht.
Für einen emotionalen Höhepunkt der 20. Jubiläumssaison sorgte am 16. April Doug Mastriano, Senator des US-Bundesstaates Pennsylvania. Er überreichte acht Shen-Yun-Künstlern – vier Tänzern und vier Musikern – im Miller Theater in Philadelphia die „Pennsylvania-Freiheitsmedaille“, eine von vielen Auszeichnungen, die dem Ensemble in dieser Saison übergeben wurden. Jeder von ihnen ist entweder selbst direktes Opfer religiöser Verfolgung in China oder hat Angehörige, denen dieses Schicksal widerfahren ist.
„Danke, dass ihr dort ein Licht in der Dunkelheit seid“, so der Senator zu den Künstlern.

Vier-Sterne-General verurteilt Verfolgung

Am 17. Januar besuchte Charles Flynn, ein pensionierter Vier-Sterne-General der US-Armee, die Aufführung von Shen Yun im Opernhaus des Trump-Kennedy-Centers in Washington, D.C. – und sorgte damit für den ersten Höhepunkt der Spielsaison.
„Die Farben, die Geschichten sowie die Qualität des Tanzes und der Musik waren einfach wunderschön“, so sein Fazit.
Besondere Bedeutung maß er dem Teil der Tanzgeschichten bei, dessen Tragweite sich vielen Zuschauern vielleicht nicht bewusst seien: die anhaltende Verfolgung von Falun-Dafa-Praktizierenden durch die KPCh im heutigen China.
„Außerhalb Chinas werden nicht genügend Informationen darüber verbreitet, was dort geschieht“, sagte Flynn.

Charles Flynn, ein pensionierter Vier-Sterne-General der US-Armee, genoss am Nachmittag des 17. Januar 2026 eine Shen-Yun-Aufführung im Kennedy Center Opera House in Washington.

Foto: Frank Liang/The Epoch Times

Am 11. April besuchte Tony Lyons, Gründer und Präsident von Skyhorse Publishing, im David H. Koch Theater in Manhattan eine Aufführung von Shen Yun. Wie er schilderte, wusste er bis zu diesem Abend nicht, dass es sich um ein amerikanisches Ensemble handelt, das im Bundesstaat New York von Künstlern gegründet und ausgebildet wurde, die vor religiöser Verfolgung geflohen waren. Die Bemühungen von Shen Yun entsprächen genau der Arbeit, die er in seinem eigenen Fachgebiet zu leisten versuche, sagte er – nämlich etwas Wirkungsvolles in einer Kultur aufzubauen, deren Traditionen zunehmend in Vergessenheit geraten. „Das war wirklich authentisch“, sagte Lyons.
Jim Beckwith, ein pensionierter Rechtsprofessor aus North Carolina und ehemaliger Herausgeber der Wirtschaftsrechtszeitschrift der Anwaltskammer des Bundesstaates, besuchte Shen Yun am 8. März in Raleigh. „Ich bin hierhergekommen, weil es eine moralische Frage ist“, äußerte er. Die Bewahrung einer alten Kultur sei die Grundlage jeder Zivilisation. Das sei etwas, das die marxistische Ideologie nicht hervorbringen könne.
Auf anderen Kontinenten war die Resonanz auch so groß, obwohl Peking oft direkten Druck auf lokale Politiker ausübte, damit sie nicht die Vorstellungen besuchten. In Buenos Aires kam der Provinzabgeordnete Juan José Esper am 9. April zur Premiere von Shen Yun im Teatro Ópera und bedankte sich persönlich beim künstlerischen Leiter des Ensembles: „Ich danke Ihnen, dass Sie sich auch für Argentinien entschieden haben.“

Juan José Esper, Provinzvertreter von Buenos Aires, besucht am 9. April 2026 eine Aufführung von Shen Yun Performing Arts im Teatro Ópera in Buenos Aires, Argentinien.

Foto: NTD

Im selben Theater saß am nächsten Abend der renommierte argentinische Dramatiker und Regisseur Pepe Cibrián – eine führende Persönlichkeit der Musicalszene seines Landes. Für ihn war es ein sehr emotionaler Besuch, da er hier selbst so oft aufgetreten war. Sein Fazit nach der Aufführung: „Sie sollten kommen, denn die Aufführung ist einzigartig“ – eine solche Gelegenheit biete sich nicht alle Tage.

Italienischer Senator wirbt für Shen Yun

In der italienischen Stadt Avellino zog es am 20. Februar Senator Sergio Rastrelli zu Shen Yun. Er outete sich als großer Fan. Für ihn ist die Produktion eine Hommage an die chinesische Kultur, die schon vor der Zeit der Kommunistischen Partei existierte. Italien sieht er in der Verantwortung, diese Kultur weiterhin zu präsentieren.
„Es ist eine prächtige, großartige und bewegende Aufführung“, sagte er.
Die Theater dürften dem Druck durch die chinesische Regierung nicht nachgeben, sondern sollten Shen Yun zeigen.
Bereits vor der Premiere waren alle 64.000 Eintrittskarten für die Tournee in Italien ausverkauft.

Besinnung auf das Göttliche

Auch die Zuschauer, die als Künstler tätig sind, brachten Shen Yun großen Respekt für die technische Leistung entgegen. Einige waren zu Tränen gerührt. Am 14. März genoss der international bekannte irisch-amerikanische Sänger und Komponist John Kelly mit seiner Frau, der spanischen Sopranistin Maite Itoiz, die Nachmittagsvorstellung in Logroño, Spanien. Kelly, bekannt durch die mit Platin ausgezeichneten „The Kelly Family“, fand schon allein das Live-Orchester von unschätzbarem Wert. Der Tanz habe ihn auf eine Weise berührt, die er nicht für möglich gehalten hätte.
„Es geht um etwas Höheres als uns selbst, nämlich, wie ich sagen würde, eine göttliche Kraft“, sagte Kelly.
Seiner Frau ging es ähnlich. „Sobald sich der Vorhang öffnete und ich die himmlische Welt sah, hatte ich Tränen in den Augen. Ja, es war wirklich wunderschön“, schilderte sie. Die Eröffnungsszene, in der himmlische Gestalten auf die Erde gesandt wurden, weckte in ihr eine Art tief vergrabene Erinnerung: das Gefühl, dass alle Menschen von einem Ort kommen, den sie ihr Zuhause nennen könnten, und immer noch darauf hoffen, dorthin zurückzukehren.

John Kelly, international renommierter irisch-amerikanischer Sänger, Musiker und Komponist, mit seiner Frau, der Sopranistin Maite Itoiz.

Foto: Bartolomé Suau/Epoch Times

Derartige Reaktionen waren in dieser Saison nichts Ungewöhnliches. Auf allen Kontinenten, auf denen Shen Yun auftrat, gab es ähnliche Stimmen aus dem Publikum. Der in Rom tätige römisch-katholische Priester Evilázio Cavalcante besuchte am 15. Februar eine Shen-Yun-Aufführung im Auditorium della Conciliazione, einem Konzertsaal nur wenige Schritte vom Vatikan entfernt. Durch die Vorstellung habe das Publikum die wahren Werte der chinesischen Kultur erleben können, sagte er: Güte und Freundlichkeit. Aus seiner Sicht seien die Zuschauer in eine Art der Besinnung eingetaucht.
„Die Aufführung ist wirklich wunderschön und voller Farben“, sagte er.

Pastor legt nach Bombendrohung 700 Kilometer zurück

Am 8. April flog Pastor Brandon Pringle aus Calgary mit seiner Frau Karina fast 700 Kilometer quer durch Westkanada nach Vancouver, um sich Shen Yun anzusehen. Als einen der Gründe, diesen weiten Weg auf sich zu nehmen, führten die beiden die Bombendrohungen an, die zur Absage der Aufführungen in Toronto Ende März und Anfang April geführt hatten. Sprengstoffe konnte die kanadische Polizei bei den Untersuchungen nach eigenen Angaben nicht finden. Die Drahtzieher hinter den Drohungen stehen laut Ermittlern mit Peking in Verbindung.
Aufgrund des anhaltenden Drucks wurden die Shen-Yun-Vorstellungen seitens des Veranstalters auf den 25. bis 28. Juni verschoben. Sie sollen dann unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. „Wir fühlten uns wirklich gesegnet, als uns unsere Eintrittskarten bestätigt wurden“, schilderte der Pastor.

Shen Yun sorgt für Dominoeffekt

Bei manchen Zuschauern spielt Shen Yun eine derart große Rolle, dass sie ihren Alltag danach ausgerichtet oder Gruppenfahrten organisiert haben. Am 13. Mai, dem Abschlussabend der Japan-Tournee von Shen Yun in Tokio, besuchte ein begeisterter Fan namens Masuo Nobuhisa seine 21. Shen-Yun-Vorstellung in diesem Jahr! Damit erhöhte sich die Anzahl der von ihm gesehenen Aufführungen auf rund 50. Viele Chinesen flogen extra nach Japan, nur um eine Vorstellung von Shen Yun zu sehen, da dies in ihrer Heimat nicht möglich ist.
In Kalifornien brachte ein Professor für Bildende Kunst aus Sacramento, der Shen Yun im Vorjahr gesehen hatte, in diesem Frühjahr 55 seiner Studenten im Rahmen eines Klassenausflugs mit.
In Brasilien machte es die Inhaberin eines Reisebüros am 26. April einer Gruppe von 24 Personen möglich, Shen Yun zu besuchen. Gemeinsam reisten sie aus dem rund 650 Kilometer entfernten Florianópolis an, um die Nachmittagsvorstellung in Curitiba zu sehen. Für die Unternehmerin war es das erste Mal mit einer Gruppe, nachdem sie Shen Yun im Jahr 2024 allein gesehen hatte.
Auch in Frankreich haben lokale Reisebüros damit begonnen, Ausflugspakete rund um die Shen-Yun-Tournee anzubieten. Am 14. März hielten mehr als ein Dutzend Reisebusse an einem einzigen Veranstaltungsort.
In der japanischen Stadt Kamakura kam am 18. April Shoji Tōko, eine Lehrerin für Teezeremonie, zur Aufführung von Shen Yun, was in ihr eine tiefe Trauer erweckte. Warum? Der Weg des Tees, so merkte sie an, habe vor Jahrhunderten von China nach Japan geführt. Beim Anblick der Vorführung habe sich die Lehrerin unentwegt fragen müssen, wie diese Kultur China aus den Händen entgleiten konnte, die es einst der Welt geschenkt hatte.
„Warum haben sie solch großartige chinesische Philosophien und Traditionen einfach aufgegeben?“ Das sei ihr ein Rätsel.
Am 9. Mai war die Krankenschwester Ana Lúcia Chagas Silva zusammen mit ihrem Mann, einem erfahrenen brasilianischen Manager, in Porto Alegre, Brasilien, zu Gast bei Shen Yun. „Vor allem die Schlussszene, in der das Göttliche erscheint, strahlte eine enorme Energie aus“, sagte sie. Sie beschrieb das gelbe Licht, das über die Bühne strömte, als eine Art Brücke: eine Verbindung, die, bereits in jedem Menschen vorhanden sei – man müsse sich nur noch dafür öffnen.
Shen Yun hat die Spielsaison 2026 bereits beendet. Weitere Informationen und Ankündigungen finden Sie auf der offiziellen Website von Shen Yun: de.shenyun.com.
Epoch Times ist langjähriger Medienpartner von Shen Yun Performing Arts und berichtet seit der Gründung von Shen Yun im Jahr 2006 über die Veranstaltungen und Reaktionen des Publikums.
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ausland

Kanada: Kritik an säkularer Auslegung von Justiz und Verfassung


In Kürze:

  • Redner kritisieren die zunehmende staatliche Macht und sehen religiöse Freiheiten unter Druck.
  • Sie werfen der Justiz vor, die ursprüngliche religiöse Grundlage des Charta-Textes zu unterlaufen.
  • Ohne göttliche oder religiöse Leitprinzipien könnte der Staat zur obersten Autorität werden.
  • Ex-Premierminister Peckford fordert dazu auf, unbeirrt an der Verfassung festzuhalten.

 
Der ehemalige Premierminister von Neufundland, Brian Peckford, wirft den kanadischen Gerichten vor, sie würden „versuchen, unsere Nation zu säkularisieren“. Dabei gäben sie den ursprünglichen Rahmen der Charta auf, der seiner Auffassung nach in „der Vorherrschaft Gottes und der Rechtsstaatlichkeit“ verankert sei. Der 83-Jährige ist der letzte noch lebende „First Minister“, der an der Ausarbeitung der kanadischen Verfassung von 1982 beteiligt war.

Kritik an der Auslegung der Charta durch Gerichte

„Was ist aus Gott geworden?“, fragte Peckford die Zuhörer auf der vom „Council of Alberta Lawyers“ am 16. Mai in Calgary ausgerichteten Konferenz „Dominion of Canada“. „Am häufigsten verletzt werden die Vorherrschaft Gottes und die Rechtsstaatlichkeit – jene Worte, die den Auftakt der Charta bilden. Wir bezeichneten sie nicht als Präambel. Es waren die einleitenden Worte, die als Rahmen für die Auslegung der übrigen Verfassung dienen sollten.“
Die Charta der Rechte und Freiheiten ist Teil des umfassenderen Verfassungsgesetzes, das 1982 verabschiedet wurde. Peckford erklärte, dass aus seiner Sicht viele moderne Gerichtsentscheidungen und Interpretationen die Bedeutung der Charta – so, wie er und andere sie konzipiert hatten – ignorierten und „gekapert“ hätten.
„Sie haben sie in vielen späteren Entscheidungen ignoriert“, kritisierte er. Stattdessen hätten sie eine „Doktrin des lebenden Baumes“ (Living Tree Doctrine) übernommen. Dies sehe er als Teil eines Versuchs, „unsere Nation zu säkularisieren“. (Anm. d. Red.: Die „Doktrin des lebenden Baumes“ ist eine Methode der Verfassungsauslegung, bei der die Verfassung im Laufe der Zeit weiterentwickelt wird, ohne ihren Grundcharakter zu verlieren.)
Peckford führte aus, dass die Verfassung nach dem Willen ihrer Verfasser durch Änderungen gewählter Amtsträger weiterentwickelt werden sollte, nicht durch abweichende richterliche Interpretationen. Als Beispiel für eine aus seiner Sicht problematische Auslegung nannte er die Rechtsprechung zur Beihilfe zum Suizid. „Die gesamte Frage des Rechts auf Beihilfe zum Suizid beruht auf einer Interpretation nach der ‚Doktrin des lebenden Baumes‘. Dies widerspricht dem verfassungsrechtlichen Grundverständnis, das auf der Vorrangstellung Gottes fußt“, so der Politiker.

Kritik am Machtzuwachs des Staates

Die „Conference for Dominion of Canada“ konzentrierte sich auf Kanadas christliche, rechtliche und gesellschaftliche Wurzeln. Neben Peckford traten dort Pastoren, Historiker, Aktivisten und Juristen auf.
Im Verlauf der Veranstaltung argumentierten die Redner, dass die Aushöhlung der Vorrangstellung Gottes – wie sie in den einleitenden Worten der Charta verankert sei – zu einem Machtzuwachs des Staates führe und das moralische Gefüge der Gesellschaft zersetze.
„Regime, die die Existenz Gottes geleugnet und einer atheistischen oder strikt säkularistischen Philosophie gefolgt sind, haben am wenigsten Achtung vor den Menschenrechten gezeigt“, erklärte der ehemalige Reformabgeordnete Eric Lowther und verwies dabei auf Gräueltaten marxistischer Regime. „Wenn kein Gott anerkannt wird, kann der Staat allzu leicht selbst zu Gott werden – mit entsetzlichen Folgen“, fügte er hinzu. Die Vorrangstellung Gottes sei ein Prinzip, dem Gerichte und das Parlament in ihren Entscheidungen zunehmend weniger Gewicht beimaßen.
Seine Bedenken teilte Pastor Tim Stephens. Er merkte an, dass der Staat durch seine Rolle als Schiedsrichter des Pluralismus zu viel Macht an sich reiße. „Wo religiöser Pluralismus herrscht, nimmt der Staat eine Position der Neutralität ein“, sagte Stephens. „Das Problem dabei ist jedoch, dass der Staat dadurch keineswegs neutral wird. In einem solchen Szenario wird der Staat faktisch zu Gott; er nimmt die höchste Stellung ein“, fügte er hinzu.
Stephens führte aus, dass die kanadische Gesellschaft bereits klare Trennlinien zwischen Kirche und Staat ziehe, dabei jedoch weiterhin innerhalb eines christlich geprägten moralischen und rechtlichen Rahmens agiere. „Es gab eine Zusammenarbeit, doch es herrschte keinerlei Verwirrung“, sagte Stephens.
Der Rechtsanwalt Roger Song unternahm einen historischen Exkurs, um den Vorrang Gottes im kanadischen Rechtsrahmen zu begründen. Dabei verwies er auf Bezüge zu Gott in der Magna Carta, im englischen Common Law sowie in der britischen Monarchie selbst.

Warnung vor einer „Tyrannei des Bösen“

„Der Gott, auf den die kanadische Verfassung Bezug nimmt, ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“, erklärte Song. „Jener Gott, der das Universum und die Menschheit nach seinem Ebenbild erschuf – als Mann und Frau.“ Er merkte jedoch an, dass dieses Verständnis schrittweise aufgegeben worden sei. Als Beispiel führte er eine Entscheidung des Berufungsgerichts von British Columbia aus dem Jahr 1999 an. Dort habe Richterin Mary Southin im Fall R. v. Sharpe ausgeführt, dass „die Worte vom Vorrang Gottes in der Charta zu einem toten Buchstaben geworden sind“.
Song weiter: „Die Richter sowohl des Obersten Gerichtshofs von Kanada als auch der nachgeordneten Gerichte lehnen den Vorrang der Autorität Gottes und des göttlichen Rechts in unserer Verfassung sowie in ihren eigenen richterlichen Entscheidungen offen und unverblümt ab.“ Er äußerte die Überzeugung, dass eine Nation, sobald sie Gott als Grundlage für Demokratie und Recht aufgebe, unter „die Tyrannei des Bösen“ geraten könne.
Unter Verweis auf eigene Erfahrungen während seiner Kindheit im kommunistischen China beschrieb Song entsprechende Entwicklungen. Dort seien Menschen darauf verpflichtet worden, eine Partei und deren Führungspersonen zu verehren. „Während meiner gesamten schulischen und akademischen Laufbahn – von der Grundschule bis zum Jurastudium in China – wurde ich darauf konditioniert, an den Vorrang der Kommunistischen Partei Chinas und ihres großen Führers zu glauben“, berichtete er.

Rolle der Juristen in der Pandemiedebatte

Der ebenfalls als Redner auftretende Autor Michael Wagner zog Parallelen dazu, wie das kanadische Justizwesen säkulare Entwicklungen aus den Vereinigten Staaten übernehme. Dabei verwies er auf zwei wegweisende Urteile des US-Obersten Gerichtshofs, durch die das Schulgebet und das Bibellesen aus öffentlichen Schulen verbannt wurden. „Kanada ist Teil der westlichen Zivilisation, die von biblischen Werten geprägt war und ist“, sagte Wagner. Im Verlauf seiner Rede verwies er auf Gerichtsurteile aus den vergangenen Jahrzehnten, die seiner Ansicht nach „das Christentum aus den öffentlichen Schulen Ontarios verdrängt haben“.
Der Rechtsanwalt Leighton Gray erklärte, dass sich juristische Institutionen zunehmend vom Konzept der „biblischen Gerechtigkeit“ hin zu „sozialer Gerechtigkeit“ bewegt hätten. Er forderte einen entschiedeneren Widerstand gegen Säkularisierung und staatliche Eingriffe in die Freiheit. „Wir hätten dort auf den Zinnen stehen und die Gesellschaft schützen sollen“, sagte Gray dem Publikum. Zudem merkte er an, dass Juristen während der Pandemiebeschränkungen nicht hätten schweigen dürfen.
Der Jurist Grant Abraham sagte, Kanada sei in eine Phase des „Postnationalismus“ eingetreten. „Die einfachste Art zu erklären, was Postnationalismus bedeutet, ist: Er steht für den Tod Kanadas“, so Abraham. „Dies sei eine gezielte Entwicklung, um das Fundament dieser Nation zu zersetzen.“
Er und die Aktivistin Faytene Grasseschi erklärten übereinstimmend, dass ein wesentlicher Teil der Gegenwehr gegen diese Entwicklung darin bestehe, den Fokus auf Alberta zu richten. Die Provinz werde dabei als entscheidend für den Widerstand gegen Kanadas Abgleiten in Säkularismus und Postnationalismus gesehen. „Alberta ist der letzte Brückenkopf für die Befreiung des übrigen Kanadas“, betonte Abraham. Grasseschi bezeichnete die Provinz als „Epizentrum des Kampfes für viele der Werte, die uns am Herzen liegen – Glaube, Familie, Freiheit“.

Anerkennung der „Hoheit Gottes“ in der Gesellschaft

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand nicht die Frage einer möglichen Abspaltung Albertas. In den vergangenen Jahren hatte die Provinz eine Reihe politischer Maßnahmen und Gesetze zu zentralen gesellschaftlichen Themen verabschiedet, darunter unter anderem die Begrenzung der Euthanasie-Richtlinien der Bundesregierung sowie Regelungen im Bereich medizinischer Eingriffe bei Minderjährigen.
Im Verlauf der Konferenz betonten die Redner – unabhängig von ihren jeweiligen Glaubensüberzeugungen und trotz ihrer Kritik an einer aus ihrer Sicht zunehmenden Säkularisierung und staatlichen Einflussnahme –, dass sie keine Theokratie anstrebten. Vielmehr sprachen sie sich für eine klare Trennung von Kirche und Staat aus. „Wir wollen nicht, dass die Kirche dem Volk ihre Gesetze und Vorschriften aufzwingt“, betonte Pastor Stephens.
Ihnen gehe es stattdessen darum, die demokratische und verfassungsrechtliche Ordnung – so wie sie sie verstehen – zu stärken und in einen übergeordneten moralischen Rahmen zu stellen, der auf dem Glauben an Gott beruht. Dieser solle die künftige Ausrichtung des Landes sowie die Auslegung von Recht und Verfassung leiten, ohne individuelle Glaubensüberzeugungen zu reglementieren.
Peckford betonte, dass es sich aus seiner Sicht weniger um eine politische als vielmehr um eine grundlegende gesellschaftliche und spirituelle Frage handele. „Hoffnung für unser Land kann sich nur daraus ergeben, dass unsere Nation Buße tut und zu Gott zurückfindet“, sagte er. „Es ist unsere Aufgabe als Kanadier, die Hoheit Gottes anzuerkennen, unbeirrt an der Verfassung festzuhalten und für unsere Nation zu beten.“
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „‚What Happened to God?‘: Speakers Say Supremacy of God Being Replaced in Canada’s Judiciary“. (deutsche Bearbeitung: os)
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Inside Kuba: Die Tochter des Revolutionärs Fidel Castro (2)

Nach Jahren der Armut, Gewalt und politischen Unterdrückung unter Fidel Castros Regime entzündete sich ein Funke. Anfang April 1980 suchten Tausende Kubaner politisches Asyl in der peruanischen Botschaft in Havanna. Dies begann einen sechsmonatigen Massenexodus von etwa 125.000 Kubanern vom Hafen von Mariel aus nach Süd-Florida. Die Boote waren überfüllt. Man nannte die Leute „Mariel-Bootsflüchtlinge“.
Sie erkannten die Realitäten des Kommunismus früh im Leben. Wann begannen Sie das zu sehen und was hat Ihre Ansichten geprägt?
Mein Kindermädchen, das ich erwähnte, und meine Großmutter hassten Fidel Castro. Das mit der Hingabe und der Liebe zu vergleichen, die meine Mutter für ihn empfand, war für mich sehr aufschlussreich, weil ich die zwei Positionen und die zwei Arten sah, wie Menschen über ihn denken konnten. Ich hatte das zu Hause, und ich denke, das half mir, meine Augen für verschiedene Realitäten zu öffnen. Ich war geschockt.
Zum Beispiel sind sie Meister darin, Menschen mit Worten zu manipulieren. Wir leisteten also stundenlang freiwillige Arbeit, die verpflichtend war. Man konnte sich also nicht weigern. Und in Kuba ist alles so. Dinge werden so gesagt, dass sie etwas völlig anderes bedeuten oder eben das Gegenteil. Zu Beginn der Revolution etablierten sie die sogenannte „freiwillige Arbeit“, um die Revolution aufzubauen. Anstatt das Wochenende in der Kirche zu verbringen – was verboten war – oder an den Strand zu gehen, mussten die Leute auf dem Feld arbeiten.
Und Sie waren Teil davon?
Ich war Teil davon.
Wurden Sie bezahlt?
Nein, nein, nein. In Kuba sind deine Hingabe und dein Opfer umsonst. Du tust das aus ideologischen Gründen. Bis heute wird nichts bezahlt. Die Leute bekommen vielleicht ein Gehalt von 10, 12, 15 Dollar im Monat.

Bootsflüchtlinge und eine Dissidentin

Was war Ihre Erfahrung während der Mariel-Bootsflüchtlingswelle 1980?
Es war wirklich ein Skandal. Es war wirklich, wirklich ein Skandal. Nachdem sich zwei oder drei Tage lang das Gerücht verbreitet hatte, dass die Botschaft Leute aufnimmt, die das Land verlassen wollten, begannen Tausende von Menschen, sich um die Botschaft zu versammeln. Fidel war gezwungen, einen Deal zu machen. Die Menschen wurden hier in den USA von Jimmy Carter empfangen. Ich glaube, das hat ihn damals seine zweite Amtszeit gekostet.
Während der Mariel-Krise, als sich zeigte, dass Tausende Menschen öffentlich und offensichtlich das Land verlassen wollten, kamen sie auf die Idee des „Repudiation Acts“ (Verleugnungsgesetz). Sie mobilisierten sogar die Nachbarn, um diejenigen zu schlagen, die das Land verlassen wollten. Wenn du in Mariel das Land verlassen wolltest, musstest du öffentlich in deine Schule, an deinen Arbeitsplatz oder deine Universität gehen und vor allen erklären, dass du ein Verräter der Revolution geworden bist und das Land verlassen willst. Die Menschen wurden richtig, richtig gewalttätig.
Ich glaube, das hat mich wirklich zum Schreien und Weinen gebracht und zur Verzweiflung getrieben. Das war definitiv ein Wendepunkt für mich – die Mariel-Krise und die Art und Weise, wie sie die Leute behandelten: mit Eiern beworfen, sie schlugen, bedrohten, sie aus ihren Häusern vertrieben.
Sie wurden in den späten 1980er Jahren Dissidentin. Wie sah dieser Übergang persönlich und politisch für Sie aus?
Was passierte, war, dass man auf mich aufmerksam wurde, weil ich für ein Modehaus oder Ähnliches modelte. Und plötzlich tauchte ein Journalist auf und entdeckte, dass Fidel Castro eine Tochter hat, die Model ist. Das war eine Art Überraschung, irgendwie bizarr. Also fing ich an, Interviews zu geben, und ich sagte: „Okay, das ist der Deal. Ich werde sagen, was ich sagen will.“ Ich sollte über Mode sprechen, aber das tat ich nicht. Ich sprach über die kubanischen Realitäten. Und da wurde ich öffentlich zur Dissidentin. Das bedeutet nicht, dass ich es vorher nicht war. Es bedeutet nur, dass es niemand wusste, außer meinem Umfeld. Sagen wir also, dass ich zu dieser Zeit öffentlich Dissidentin wurde.
Fühlten Sie sich isoliert?
Als ich auf der Seite der Dissidenten anfing, fühlte ich mich sehr isoliert. Ich hatte Angst, ich konnte nicht schlafen. Es ist ein sehr repressives System. Und man hat Angst, so einfach ist das. Man kann ins Gefängnis kommen, nur weil man sagt, dass einem etwas nicht gefällt. Sie ermutigen die Leute in deiner Nachbarschaft, dich anzugehen und gegen dich zu protestieren, weil du ein Dissident bist. Du denkst nicht wie sie. Du bist kein Revolutionär, du bist ein Verräter oder ein „Wurm“.
Und wie hat das Ihr tägliches Leben, Ihre Sicherheit und Ihre Beziehung zu Ihrer Tochter beeinflusst?
Meine Tochter ist ein ganz besonderer Mensch, mit einer Sensibilität, die ich nicht beschreiben oder überhaupt begreifen kann. Sie hat mich immer verstanden, immer, und hat mich unterstützt. Sie ist bedingungslos loyal zu den Menschen, die sie liebt. Aber es hat sie natürlich beeinflusst. Ich war isoliert. Ich konnte nirgendwo arbeiten. Ich empfing nur Besucher, die sich über etwas beschweren wollten oder etwas brauchten. Es war also die Seite des Lebens, die man seinem Kind nicht zeigen will. Es ist die dunkle Seite des Lebens.
Und das hat wahrscheinlich großen Druck auf Sie ausgeübt.
Ja. Die Art und Weise, wie sie zur Jugendlichen heranwuchs und einfach miterlebte, was für ein Leben ich mir aufgebaut hatte, nachdem ich Dissidentin geworden war, hat mich wirklich dazu gebracht, überall nach einem Weg zu suchen, sie da herauszuholen – und zu entkommen.

Die Flucht aus Kuba

Alina Fernández plante ihre waghalsige Flucht über Monate. Sie beinhaltete eine Verkleidung und einen gefälschten Pass. Aber es gab einen Haken: Sie musste ihre Tochter zurücklassen, die damals etwa 16 Jahre alt war. Alina benutzte den gefälschten Pass, um nach Spanien zu fliegen, wo sie am 20. Dezember 1993 ankam. Sie beantragte sofort politisches Asyl bei der US-Botschaft, das ihr gewährt wurde. Am 21. Dezember 1993 landete sie in Atlanta, Georgia.
Ich hatte versucht, Kuba über viele, viele Jahre zu verlassen, und konnte es nicht. Aber in diesem Fall war es etwas, das von Freunden hier organisiert wurde, Menschen, die mit dem sympathisierten, was ich tat, und die wussten, dass sie Fidel Castro in gewisser Weise verletzen würden, wenn sie seiner Tochter halfen, herauszukommen. Es wäre eine beschämende Position für ihn gewesen. Und ich war sehr froh, dem zuzustimmen. Ich war 38, als ich das Land verlassen konnte, und ich musste meine Tochter zurücklassen, aber es war der einzige Weg. Es war der einzige Weg. Wir konnten nicht beide gleichzeitig entkommen. Und ich wusste, mit dem richtigen Druck könnte ich sie herausholen.
Meine Flucht wurde durch den Pass eines spanischen Mädchens möglich, das bereit war, mir zu helfen, ohne mich überhaupt zu kennen. Es ist ein Zeichen von Solidarität, wie ich es in meinem Leben nie wieder erlebt habe. Ich stieg mit ihrem Pass, mit meinem Bild an ihrer Stelle ins Flugzeug. Das war an einem Wochenende. Es war ein Wunder, weil wir Fotos für den Pass brauchten. Einige Frauen, die uns bereits geholfen hatten, hatten den Pass nach Mexiko gebracht und dort gefälscht. Es war eine sehr komplizierte Operation. Jedes Detail wurde berücksichtigt.
Erzählen Sie uns mehr darüber, wie Sie es geschafft haben, sich mit Ihrer Tochter wieder zu vereinen.
Als ich floh, geschah ein weiteres Wunder. Reverend Jesse Jackson flog nach Kuba, um Fidel Castro zu überzeugen, seine Enkelin freizugeben. Er stellte zwei Bedingungen: Meine Mutter und der Vater des Mädchens müssten ihr erlauben zu gehen… Ich bin sicher, er war überzeugt, dass einer von ihnen „Nein“ sagen würde. Aber beide sagten „Ja“. Beide sagten, dass meine Tochter bei ihrer Mutter sein müsse. Ich denke, es war göttliche Intervention, denn alles fügte sich zusammen, und ich konnte meine Tochter bereits wenige Tage später zu mir holen.
Wie fühlte sich Ihre Mutter bei Ihrer Flucht?
Ich glaube, tief in ihrem Inneren verstand meine Mutter, dass ich gehen musste. Und ich bin ihr wirklich dankbar, weil sie meiner Tochter erlaubte zu gehen. Sie hätte „Nein“ sagen können, weil sie meine Tochter natürlich liebte – ihr einziges Enkelkind.
Nach der Ankunft in Miami, was waren die größten Herausforderungen, denen Sie sich beim Einstieg in ein neues Leben stellen mussten?
Ich versuche nachzudenken, weil es natürlich anders war. Wissen Sie, als ich 1993 Kuba verließ, existierte das Internet nicht. Ich war also völlig ahnungslos. Es war, als würde man vom Mond auf der Erde landen. Ich wusste nicht, was es mit Geld auf sich hat. Ich wusste nicht, dass eine Kreditkarte existiert. Ich wusste nicht, wie man mit einem Bankkonto umgeht. Ich wusste nicht einmal, dass Konsequenzen drohen, wenn man seine Rechnungen nicht bezahlt. Wir wussten nicht, dass man sich ein Jahr im Voraus für die Universität bewerben muss. Wir wussten gar nichts. Und wir haben für diese Unwissenheit bezahlt, indem wir viele Fehler gemacht haben. Aber wir haben uns schließlich angepasst.
Wie haben Sie Englisch gelernt?
Miami ist das, was einer Heimat am nächsten kommt, das man in Amerika oder irgendwo sonst auf der Welt haben kann; und ich bin davon überzeugt, dass es gut für einen Menschen ist, nah an dem Ort zu sein, an dem die Nabelschnur durchtrennt wurde. Es ist eine andere Energie.
Erzählen Sie uns mehr über Ihren Aktivismus in Miami.
Ich war viele, viele Jahre als Rednerin unterwegs und habe über Kuba gesprochen, auf jedem Campus, zu dem ich eingeladen wurde. Ich bin nicht Aktivistin per se, weil ich damals immer in zwei oder drei Jobs arbeitete. Aber ich habe getan, was ich konnte – für Leute, die zuhören wollten –, ihnen die kubanische Realität zu erklären. Denn Kuba ist Gegenstand vieler, vieler Legenden. Aber niemand ist wirklich an der Wahrheit interessiert.
Es ist seit Jahren ein politisches Argument. Also wieder: „Du bist von der Linken, du bist von der Rechten.“ Wenn du von der Linken bist, unterstützt du Kuba. Es ist unbegreiflich, aber so ist es. Und in der Tat – den Alltag des kubanischen Lebens… niemand weiß davon. Ich glaube nicht, dass sie überhaupt ermessen können, wie es ist, in Kuba zu leben: kein Strom, kein Essen, nichts. Nichts von dem, was Sie als selbstverständlich ansehen – nicht das Recht, ein Haus zu besitzen, nicht das Recht, ein Auto zu besitzen, nicht das Recht, ein Geschäft zu besitzen.
Fortsetzung folgt…
 
Das Interview führte Epoch-Times-White-House-Korrespondentin Emel Akan. Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com mit dem Titel „Exclusive Interview: Fidel Castro’s Daughter“. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)
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Inside Kuba: Die Tochter des Revolutionärs Fidel Castro berichtet (1)

Kuba ist für ein so kleines Land bemerkenswert. Es hat die Herzen, Hoffnungen und Träume vieler Menschen geprägt. Am Vorabend von Fidel Castros kommunistischer Revolution 1959 war Kuba noch eine der fortschrittlichsten Volkswirtschaften Lateinamerikas. Havanna war ein kosmopolitisches Zentrum. Der Wohlstand verschwand und die Menschen lebten fortan in Armut. Seither haben die Menschen in Kuba viel gelitten. Darunter auch Fidel Castros eigene Tochter, Alina Fernández, eine Tochter, die er niemals öffentlich anerkannte. Epoch Times sprach exklusiv mit Alina Fernández und bekamen ganz spezielle Einblicke.
Alina, es ist uns eine große Freude, Sie heute bei uns zu haben. Vielen Dank, dass Sie gekommen sind.
Die Freude ist ganz meinerseits.

Das Geheimnis der haarigen Puppe

Können Sie sich an den allerersten Moment erinnern, als Sie Fidel Castro trafen?
Ich erinnere mich an das erste Mal, als ich Fidel Castro traf. Ich muss etwa drei Jahre alt gewesen sein. Er gab mir eine Puppe, die aussah, wie er selbst. Das war irgendwie bizarr. Es war eine Babypuppe mit Haaren im Gesicht. Also fing ich an, sie herauszuziehen. Das ist meine erste Erinnerung an ihn. Seit Fidel Castro 1959 die Macht übernahm, sah alles aus wie Fidel Castro. Sogar die Gesellschaft, die er aufbaute. Castro war ständig im Fernsehen. Seine erste Rede beim Triumph der Revolution dauerte sieben Stunden und wurde „Siegesrede“ genannt. Und danach sprach er normalerweise zwei- oder dreimal pro Woche öffentlich. Und ich rede hier nicht von zwei Stunden. Ich rede von drei, vier oder fünf Stunden am Stück. Reden, reden, reden.
Dieses Regime hat die Fähigkeit, die dunkelsten Instinkte im Menschen zu erwecken. Als ich drei Jahre alt war, wurde ich Zeugin einer Hinrichtung im Fernsehen, so wie auch alle anderen. Freude schlug also sehr, sehr schnell in Gewalt um. Sehr schnell.
Als Sie aufwuchsen, lebten Sie bei Ihrer Mutter. Wie war Ihre Beziehung zu ihr?
Meine Mutter war besessen von der Revolution und dem Revolutionsprozess, sodass sie regelrecht geistesabwesend wurde. Sie nahm kaum wahr, was im Haus oder in meinem Leben passierte oder irgendetwas in der Art. Sie war wirklich besessen. Das war für mich unbegreiflich, denn sie wurde 89 Jahre alt und war immer noch in der gleichen Weise besessen. Es ist mir ein Rätsel – und ich fühle mich schuldig, weil ich ihr so gerne geholfen hätte, sie wenigsten verstanden hätte. Aber das ist eines der unfassbaren Dinge, die mir widerfahren sind.

Die „Würmer“ der Revolution

Und was war ihr Hintergrund vor der Revolution?
Vor der Revolution hatte meine Mutter in den Vereinigten Staaten studiert. Sie arbeitete für Esso Standard Oil. Sie spricht drei Sprachen. Sie war wunderschön. Sie sah für mich wie eine Fee aus. Sie war fast wie eine Fee, unnahbar, wissen Sie, mit einem Licht, das von innen heraus strahlte. Und dieses Licht war ihre Liebe zu Fidel. Meine Mutter war nie eine „Socialite“ (Mitglied der High Society). Sie war eine arbeitende Frau. Sie gehörte zur Mittelschicht. Sie war mit einem Arzt verheiratet. Aber die Mittelschicht in Kuba in den 50er Jahren blühte gerade erst auf. Sie hatten also ein wirklich gutes Leben, waren aber keine großen Stars der Gesellschaft oder Ähnliches.
Ich glaube, als Fidel Castro sich endgültig von meiner Mutter trennen wollte, schickte er uns nach Frankreich. Meine Mutter hatte dort eine Arbeit als eine Art Diplomatin, dritte Sekretärin der Botschaft oder so etwas. Ich war acht Jahre alt und verbrachte eineinhalb Jahre in Frankreich. Als wir dort ankamen, wusste ich nicht einmal, dass es Französisch überhaupt gab. Es war sehr bizarr für mich. Es war keine schöne Erfahrung. Ich wurde in ein Internat geschickt, ohne die Sprache zu beherrschen. Ich konnte nicht einmal nach Wasser fragen. Aber ich habe es sehr schnell gelernt.
Sie waren noch ein Kind, als Sie erfuhren, dass Fidel Castro Ihr leiblicher Vater war. Führen Sie uns durch diesen Moment.
Nun, meine Mutter war es, die mir sagte, dass Fidel Castro mein richtiger Vater sei. Ich war etwa zehn, zehneinhalb Jahre alt. Und es überraschte mich nicht sehr, denn er war eine sehr ständige Präsenz bei uns zu Hause – spät in der Nacht. Er war ein nächtlicher Besucher. Und es hat mich nicht sehr überrascht. Ich fühlte mich irgendwie erleichtert, weil ich meinen echten Vater verloren hatte, oder den Menschen, den ich für meinen echten Vater hielt, die Person, die mir meinen Nachnamen gab. Ich hatte ihn drei oder vier Jahren vorher verloren, wie auch meine Schwester.
Viele Menschen, die Kuba verließen, wurden als Verräter oder Würmer („Gusanos“) bezeichnet. Wie sind Sie mit diesem Stigma umgegangen?
Seit Beginn der Revolution werden die Leute, die das Land verließen, als Verräter eingestuft, als politische Verräter – oder mit etwas viel Abwertenderem, nämlich „Würmer“. Es war also ziemlich schmerzhaft für ein Kind, Verräter in der Familie zu haben. Dass dieser große Held mein Vater wurde, war also erst einmal eine gute Nachricht. Aber es änderte nichts. Der Enthusiasmus verflog sehr schnell.
Mein Vater, Orlando Fernández, der Mann, den ich als Vater betrachtete und als Vater liebte, verließ das Land, als ich etwa vier oder fünf Jahre alt war, zusammen mit meiner Halbschwester, also seiner Tochter und meiner Mutter. Sie nahmen ihm seine Klinik weg, eine kleine Klinik, die er zusammen mit anderen Ärzten betrieb. Natürlich verboten sie die Privatpraxis für Ärzte. Also musste auch die medizinische Einrichtung in unserem Haus schließen. Er war sehr, sehr enttäuscht. Er fühlte sich verraten und hatte große Angst um seine Tochter. Sie gingen in die Vereinigten Staaten.
Beide wurden als Verräter und Würmer bezeichnet. Und als Kind musste man damals, zumindest in meiner Generation, auf jedem offiziellen Formular, das man einreichte – etwa für die Schule oder bestimmte Kurse –, angeben, dass man Verräter in der Familie hatte, dass man „Gusanos“ in der Familie hatte. Das war für jeden sehr demütigend und auch schmerzhaft. Von Anfang an wurde der Hass und die Spaltung in der Familie etabliert, was die Familie in vielerlei Hinsicht zerriss.
Haben Sie sie wiedergesehen?
Ich habe meine Schwester einmal getroffen, aber es ist so viel Schmerz, wissen Sie? Sie fühlte sich von ihrer Mutter verlassen. Ich fühlte mich anfangs von meinem Vater verlassen, oder der Person, die ich als meinen Vater betrachtete. Es ist eine dieser typisch kubanischen Geschichten, die zu Beginn der Revolution sehr häufig vorkamen. Damals verließen etwa 500 kubanische Kinder das Land im Rahmen der Operation „Peter Pan“, unterstützt von der kubanischen und der amerikanischen Kirche. Weil ihre Eltern Angst hatten, sie in Kuba aufzuziehen, schickten sie sie in die USA.

Fidels ungelesene Briefe

Als Kind haben Sie Ihre Mutter angefleht: „Mami, Mami! Ruf ihn an! Sag ihm, er soll sofort kommen! Ich habe ihm so viele Dinge zu sagen.“ Was wollten Sie Fidel Castro sagen?
Ich wollte wissen, warum mein Kindermädchen, das mich aufgezogen hat und wie eine zweite Mutter für mich war, immer noch im Elend lebte. Uns wurde ständig gesagt, die Revolution sei für die Armen gemacht, um ihr Leben zu verbessern. Ich wollte wissen, warum wir kein Essen hatten. Sie musste stundenlang anstehen, um mit einer Rationierungskarte – 67 Jahre später gibt es diese immer noch – etwas zu essen zu bekommen. Ich wollte wissen, warum.
Insbesondere machte ich mir um mein Kindermädchen Sorgen. Sie war meine „Zimtstatue“ (liebevoller Kosename). Sie hatte bereits weißes Haar und hatte es so schwer, zur Arbeit zu kommen und wieder nach Hause zu gehen. Der öffentliche Nahverkehr brach zu Beginn fast zusammen. Also wollte ich wissen, was für sie getan werden kann. Dann hatte ich Leute in der Schule, die wussten, dass er das Haus besuchte. Also brachten sie mir Briefe mit, damit ich sie ihm gebe.
Man muss wirklich verzweifelt sein, wenn man einem Kind einen Brief gibt, damit dieses Kind der Bote für diese mächtige Person ist. Und der Inhalt dieser Briefe war wirklich, wirklich schrecklich. Angehörige von Leuten, die hingerichtet wurden, Menschen, die das Land verlassen wollten, Leute, denen alles weggenommen wurde, was sie besaßen, sie fragten nach dem „Warum“ – oder wollten im Grunde genommen das Land verlassen. Ich habe diese Briefe gelesen. Er hat sie übrigens nie mitgenommen.
Also merkte ich, dass es ihn nicht wirklich interessierte, schon als ich sehr klein war.
Sie waren eine Brücke zwischen den gewöhnlichen Kubanern und Ihrem Vater. Wie war diese emotionale Bürde?
Ich merkte sehr schnell, dass ihm meine Sorgen völlig egal waren. Ich konnte also mit den Briefen zu ihm kommen, ich konnte ihm eine Anekdote erzählen, von einer Ungerechtigkeit erzählen, die ich gesehen hatte, und es war ihm völlig egal. Die emotionale Belastung… Ich habe mich immer schuldig gefühlt. Und das ist ein Gefühl, das ich immer noch mit mir herumtrage. Ich fühle mich schuldig, nicht mehr getan zu haben oder es nicht besser gemacht zu haben oder nicht viel zu tun. Die ganze Zeit über.
Sie nennen Fidel Castro bei seinem Namen, statt ihn „Vater“ zu nennen. Warum?
Fidel Castro hat sich nie wie ein Vater verhalten. Er war in jeder Situation seines Lebens die gleiche Person. Sie wissen schon, dieser „Führer“. Er fing an zu glauben, er sei dieser Führer. Er inszenierte sich als der einsame Mann in Uniform, der 90 Meilen entfernt gegen den Imperialismus kämpft.
Als ich zehn Jahre alt war und mir gesagt wurde, dass Fidel Castro mein leiblicher Vater sei, dauerte es ein paar Jahre, bis er versuchte, ein Gesetz zu ändern, um mich anzuerkennen. Ich war aber unter dem Namen eines anderen Mannes geboren worden. Und man streicht das nicht einfach so weg. Aber als er mich anerkennen wollte, war ich bereits Jugendliche, und ich hatte jahrelang versucht, mich hinter „Fernández“ zu verstecken. Ich bin damit aufgewachsen und habe immer versucht, seinem Schatten zu entkommen. Es passte mir also nicht, plötzlich zur Schule zu gehen und eine neue Identität zu haben. Ich fand das beschämend. Ich wollte es nicht. Ausserdem war ich immer auf der Seite der Leute, die mit seiner Politik nicht einverstanden waren.
Meine Generation musste sich zum Beispiel stundenlange Reden anhören, und normales Fernsehen war kaum möglich. Wir durften nur eine halbe Stunde amerikanische Cartoons sehen, die dann plötzlich ins Russische wechselten – und selbst dann ging es weiter mit endlosen Ansprachen. Vor dem Fernseher hofften wir oft, dass er endlich aufhört, damit wir unsere Sendung zu Ende sehen können, doch das passierte selten. Als Kind war ich davon sehr genervt, und auch das gesamte Umfeld wirkte bedrückend und chaotisch – es fühlte sich zeitweise wie ein Leben im Ausnahmezustand an.
Fortsetzung folgt…
 
Das Interview führte Epoch-Times-White-House-Korrespondentin Emel Akan. Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com mit dem Titel „Exclusive Interview: Fidel Castro’s Daughter“. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)
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„Auf Bestellung getötet“: Wie Peking mit politischen Häftlingen eine Organindustrie aufgebaut hat


In Kürze:

  • Jan Jekieleks neues Buch „Killed to Order“ ist am 17. März erschienen.
  • Der Epoch-Times-Moderator hat Beweise über Chinas Organraub an Gewissensgefangenen über zwei Jahrzehnte hinweg zusammengestellt.
  • Laut Schätzung wurden in den 2000er-Jahren jährlich bis zu 90.000 Organtransplantationen in China durchgeführt.

 
Seit mehr als 20 Jahren laufen die internationalen Bemühungen, die systematische Zwangsentnahme von Organen durch das chinesische kommunistische Regime zu beenden, weitgehend ins Leere. Experten sagen, dies liege teilweise an der schwer vorstellbaren Dimension des Verbrechens sowie daran, dass für eine lange Zeit nur bruchstückhaft verfügbare Beweise vorlagen.
„Als ich das zum ersten Mal hörte, wollte ich es nicht glauben. Ich empfand einfach nur Abscheu“, sagte Jan Jekielek, leitender Redakteur bei der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times und Moderator der EpochTV-Interviewsendung „American Thought Leaders“. In der Folge nahm er zum ersten Mal den Platz eines Interviewpartners ein. Die vom US-amerikanischen Schauspieler und Komiker Rob Schneider moderiert wurde.
„Ich wusste im Großen und Ganzen, wozu die Kommunistische Partei Chinas fähig ist. Aber ich wollte nicht akzeptieren, dass so etwas tatsächlich geschehen könnte – weil es so extrem ist“, sagte Jekielek.
Jekieleks neues Buch „Killed to Order: China’s Organ Harvesting Industry and the True Nature of America’s Biggest Adversary“ (auf Deutsch etwa: Getötet auf Bestellung: Chinas Organhandelsindustrie und das wahre Wesen von Amerikas größtem Gegner) erscheint im Original am Dienstag, 17. März. Darin hat er die überzeugendsten Beweise zusammengetragen, die er über zwei Jahrzehnte gesammelt hat, um ein Verbrechen zu beleuchten, das immer größere Ausmaße annimmt.
Was als Projekt zur Verlängerung des Lebens der Elite der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) begann, nahm eine unheilvolle Wendung, als der damalige Diktator Jiang Zemin die „Ausrottung“ einer friedlichen spirituellen Disziplin anordnete, die Ende der 1990er-Jahre von jedem dreizehnten Chinesen praktiziert wurde.
Damit verfügte das Regime plötzlich über eine große Anzahl politischer Gefangener. Zu der Zeit stand Peking bereits unter Verdacht, ethisch fragwürdige medizinische Experimente durchzuführen.

Transplantationsboom in China

Falun Gong, auch Falun Dafa genannt, ist eine spirituelle Praxis, die auf den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht beruht. Jekielek, selbst Falun-Gong-Praktizierender, beschreibt, wie die Bewegung in China rasch an Popularität gewann und anschließend verfolgt wurde. Mit Beginn der Kampagne erklärte die KPCh die Anhänger über Nacht zu Staatsfeinden.
Anfang der 2000er-Jahre berichteten inhaftierte Praktizierende, sie hätten Injektionen mit unbekannten Mitteln erhalten und seien wiederholt Bluttests unterzogen worden, als sie sich wegen ihres Glaubens in Haft befanden.
Im Jahr 2006 sorgte eine Informantin aus China für internationale Aufmerksamkeit. Sie berichtete, dass ihr Ex-Mann – ein chinesischer Chirurg – ihr gestanden habe, etwa 2.000 Hornhäute von lebenden politischen Gefangenen entnommen und transplantiert zu haben. Unabhängige Ermittler begannen daraufhin zu untersuchen, wie der plötzliche Anstieg der Organtransplantationen in China zu erklären ist.
„Ich erinnere mich, als es im Jahr 2005 bei der UN-Menschenrechtskommission einen Sonderberichterstatter für Folter gab, sein Name war Manfred Nowak“, sagte Jekielek. „Er schätze, dass etwa die Hälfte aller Gefangenen im chinesischen Gefängnissystem Falun-Gong-Anhänger waren.“
Die chinesische Transplantationsindustrie wuchs exponentiell in den frühen 2000er-Jahren. „Sie haben all das auf dem Rücken von Falun-Gong-Praktizierenden aufgebaut, es begann im Jahr 2000“, sagte Jekielek.
Schätzungen von Ermittlern zufolge wurden Ende der 2000er-Jahre jährlich zwischen 60.000 und 90.000 Organtransplantationen durchgeführt. „Das ist die plausibelste Größenordnung“, sagte Jekielek. „Genaue Zahlen sind schwer zu ermitteln. Es handelt sich um ein Staatsgeheimnis. Offizielle Statistiken gibt es nicht – sie tun so, als passiere das Ganze gar nicht.“
Zum Vergleich merkt Jekielek an, dass die Vereinigten Staaten im Jahr 2024 mit 48.149 Organtransplantationen einen bisherigen Rekordwert erreicht hätten.
Hinweise deuten zudem darauf hin, dass mit dem Ausbau der chinesischen Transplantationsindustrie auch andere Gruppen ins Visier geraten sein könnten. Als Beispiel nennt Jekielek die Uiguren in der chinesischen Region Xinjiang, die massiven Repressionen durch Peking ausgesetzt sind und deren Behandlung von der US-Regierung als Völkermord bezeichnet wurde.
„Ich sage das nur ungern, aber es scheint tatsächlich einen globalen Markt für sogenannte ‚Halal-Organe‘ zu geben“, sagte Jekielek.

Ein System im industriellen Maßstab

Schneider und Jekielek verglichen die systematische Zwangsentnahme von Organen der KPCh mit dem Holocaust. Sie sagten, dass Tausende Menschen beteiligt sein müssten, bevor der Chirurg das Skalpell in die Hand nehme, um ein solches Verbrechen in nationalem Ausmaß zu begehen.
„Es geht nicht nur um die Transplantationschirurgen, sondern um das gesamte System“, sagte Jekielek. „Viele Menschen müssen beteiligt sein, damit es zu einer Organtransplantation überhaupt kommen kann.“
Schneider zeigte sich erschüttert darüber, dass ein solches Programm bis heute existieren konnte.
„Die Aufdeckung dieser Missstände ist unsere einzige Chance, dem ein Ende zu setzen und Uiguren sowie Falun-Gong-Praktizierende vor weiteren erzwungenen Organentnahmen und dem Tod zu bewahren“, sagte er. „Für mich ist das eines der größten Übel, das es jemals gab.“
Besonders verstörend sei der Gedanke, dass das Überleben eines Menschen auf dem Tod eines anderen beruhe. „Das ist das Perverseste, was ich je im medizinischen Bereich gehört habe.“
Das Buch „Killed to Order“ ist am 17. März 2026 erschienen.

Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „ATL Host Jan Jekielek Launches New Book, ‘Killed to Order,’ Exposing CCP’s Organ Harvesting“. (redaktionelle Bearbeitung il)

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USA stärken Verteidigung auf den Philippinen – Reaktion auf Chinas Aktivitäten im Indopazifik


In Kürze:

  • Die USA haben 2024 und 2025 bereits Abwehrsysteme auf den Philippinen stationiert.
  • China fordert den Abzug der Raketensysteme.
  • Die Philippinen lehnen das ab und kündigen eine weitere Aufrüstung an.

 
Die US-Regierung plant die Stationierung moderner Raketensysteme auf den Philippinen, um die Sicherheit im Indopazifik zu stärken. Vorausgegangen waren Gespräche hochrangiger Vertreter beider Regierungen in Manila.

Wiederherstellung der Abschreckung im Indopazifik

Am 16. Februar veröffentlichte das US-Außenministerium eine gemeinsame Erklärung zum 12. bilateralen strategischen Dialog. Im Mittelpunkt standen die Vertiefung der wirtschaftlichen, politischen und sicherheitspolitischen Zusammenarbeit sowie die Stärkung der Kooperation mit regionalen Partnern. Washington und Manila betonten die Bedeutung einer stabilen Abschreckung im Indopazifik.
Beide Seiten kritisierten Chinas Aktivitäten im Südchinesischen Meer und wiesen auf deren Auswirkungen auf regionalen Frieden, Stabilität und Wirtschaft hin.
2024 wurden im Norden der Philippinen Mittelstreckenraketen der USA stationiert, 2025 kam ein Anti-Schiff-Raketenwerfer hinzu. Peking forderte Manila auf, die Systeme abzuziehen. Präsident Ferdinand Marcos Jr. lehnte dies ab.

Verteidigungs- und Sicherheitspläne

Die gemeinsame Erklärung enthält konkrete Verteidigungs- und Sicherheitspläne für das kommende Jahr. Dazu gehört die Zusage, „die Stationierung moderner US-Raketen- und unbemannter Systeme auf den Philippinen fortzuführen und auszubauen“. Außerdem sollen die zivilen und militärischen Cyberabwehrfähigkeiten der Philippinen erweitert und modernisiert werden, um Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und abzuwehren.
Der philippinische Botschafter in den USA, Jose Manuel Romualdez, erklärte, dass Verteidigungsbeamte beider Seiten die mögliche Stationierung „modernisierter“ US-Raketenwerfer in diesem Jahr geprüft hätten. Ein späterer Kauf durch die Philippinen sei ebenfalls denkbar. Romualdez war einer der Teilnehmer des Gesprächs am 16. Februar.
„Es handelt sich um ein fortschrittliches System, das hier zunächst zur Abschreckung eingesetzt wird, während wir langfristig eigene Kapazitäten entwickeln wollen“, sagte der Botschafter gegenüber der Nachrichtenagentur „Associated Press“ (AP). Die in den vergangenen zwei Jahren stationierten Systeme dienten ausschließlich der Abschreckung.
Die USA und die Philippinen betonten ihr Engagement für einen freien, offenen und sicheren Indopazifik, basierend auf gegenseitigem Respekt vor Souveränität, territorialer Integrität, Völkerrecht und friedlicher Streitbeilegung. Beide Staaten erklärten außerdem, im Indopazifik wachsam zu bleiben, Konflikte zu vermeiden und Abschreckungsmaßnahmen zu stärken, um die Seewege offenzuhalten und eine einseitige Kontrolle zu verhindern.

Strategische Barriere

Gemeinsame Verteidigung sei entscheidend, um Aggressionen im gesamten Gebiet der ersten Inselkette zu verhindern und abzuschrecken. Manila warf Peking in den vergangenen Jahren vor, Schiffe des Landes gerammt, mit Wasserwerfern beschossen und Leuchtraketen auf Flugzeuge abgefeuert zu haben. Die meisten dieser Vorfälle ereigneten sich in der Nähe des umstrittenen Sabina-Riffs im Südchinesischen Meer.
Nach einem Vorfall im Oktober 2025, bei dem ein Schiff der chinesischen Küstenwache ein philippinisches Regierungsschiff im Südchinesischen Meer rammte, bekräftigte Washington seine Unterstützung für Manila. Dabei beriefen sich die Vereinigten Staaten auf den amerikanisch-philippinischen Beistandspakt von 1951. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Thomas Pigott, erklärte damals, der Vertrag erstrecke sich „auf bewaffnete Angriffe auf philippinische Streitkräfte, Schiffe der Regierung oder Flugzeuge – einschließlich derer der Küstenwache – überall im Südchinesischen Meer“.
Die erste Inselkette erstreckt sich von der südlichen japanischen Insel Kyushu über Taiwan und die Philippinen bis zur Malaiischen Halbinsel. Sie gilt als strategische Barriere, die Chinas Zugang zum Pazifik für Marine und Luftwaffe erschwert.

Kooperation intensiviert

In der Erklärung vom 16. Februar betonten die Gesprächspartner wichtige Ziele, die sie seit 2024 erreicht hätten. Dazu gehört ein Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Marcos Jr. vergangenes Jahr in Washington. Den Beitritt der Philippinen zum von den USA geführten Artemis-Abkommen zur Weltraumkooperation im Oktober 2025 führten sie ebenfalls an.
Beide Seiten waren sich zudem einig, wie wichtig die Wahrung von Frieden und Stabilität in der Straße von Taiwan ist. Ende 2025 führte China in der Region zwei Tage lang großangelegte Militärübungen durch. Das löste internationale Kritik aus, unter anderem aus Washington und Manila. Laut der philippinischen Nachrichtenagentur erklärte der Verteidigungsminister des Inselstaates, Gilberto Teodoro Jr., damals, Pekings Vorgehen „untergrabe den regionalen Frieden und die Stabilität“.
 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „US Plans to Deploy More Missile Launchers to the Philippines to Deter China’s Aggression“ (deutsche Bearbeitung os)