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Washington will das Geheimvermögen der chinesischen KP-Führer ans Licht bringen

In Kürze:

  • Der US-Geheimdienst will das Geheimvermögen des chinesischen Führungskreises bis zum Jahresende veröffentlichen.
  • Dies ist der zweite Versuch dieser Art durch die US-Regierung. Der erste fand im März 2025 statt.
  • Der chinesische KP-Chef Xi Jinping könnte über ein großes Vermögen verfügen, das er über seine Familie erworben hat.
  • Xi strebt eine weitere Amtszeit als KP-Führer ab 2027 an.

 
Das Büro des US-Geheimdienstkoordinators (ODNI) bereitet derzeit einen Bericht vor, in dem Details über das geheime Vermögen der chinesischen Machtelite, darunter auch des Partei- und Staatschefs Xi Jinping, offengelegt werden sollen.
Zu Chinas Machtzentrum zählen insbesondere die sieben Mitglieder des Ständigen Ausschusses des Politbüros der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) unter der Leitung von Xi.
Am 24. Juni berichtete der US-Journalist Bill Gertz in seiner einflussreichen Kolumne zur Sicherheitspolitik, „Inside the Ring“, im US-Medium „Washington Times“ erstmals über die Erstellung des Berichts.
Dieser ist Vorgabe eines neuen US-Gesetzes, das als Teil des Verteidigungshaushalts im Dezember 2025 verabschiedet wurde, und muss bis Ende 2026 veröffentlicht werden.

Vermögen von mehreren Milliarden US-Dollar

Dies stellt den zweiten Versuch der US-Geheimdienste dar, die versteckten Vermögen der KPCh-Führungskräfte in Höhe von mehreren Milliarden US-Dollar aufzudecken. Neben den sieben Mitgliedern des Ständigen Ausschusses wird der Bericht auch detaillierte Informationen über die versteckten Vermögen der 25 Mitglieder des Politbüros bereitstellen.
Diese Vermögen wurden hauptsächlich indirekt über Strohmänner erworben und werden von Familienangehörigen der KP-Funktionäre gehalten, um die Reichtümer der Elite zu verschleiern.
Gemäß den gesetzlichen Vorgaben müssen der Geheimdienstkoordinator, der Außenminister und der Kriegsminister gemeinsam an der Erstellung dieses Berichts mitwirken. Er soll Belege über die materiellen und finanziellen Vermögenswerte enthalten, die diese Führungskräfte direkt oder indirekt besitzen oder kontrollieren. Im Bericht sollen alle „hochwertigen“ privaten und gewerblichen Vermögenswerte aufgenommen werden, einschließlich Investitionen und Bankkonten außerhalb des chinesischen Festlands.
Im März 2025 veröffentlichte das ODNI den vierseitigen „Bericht über das Vermögen und die Korruptionsaktivitäten der Führungskräfte der Kommunistischen Partei Chinas“.
Darin kommt der Geheimdienstkoordinator zu dem Schluss, dass Korruption ein systemisches Merkmal des kommunistischen Regimes in Peking ist. Machtkonzentration, fehlende unabhängige Kontrollen und mangelnde Transparenz begünstigen Bestechung und Vetternwirtschaft.
Laut dem Bericht verfügen Xis Geschwister, Nichten und Neffen über Vermögenswerte im Wert von über 1 Milliarde Dollar in Form von Unternehmensbeteiligungen und Immobilien.
Die Initiatoren des ersten Berichts waren der republikanische Abgeordnete Andy Ogles und der damalige republikanische Senator und heutige Außenminister Marco Rubio.

Achillesferse Pekings?

Der neue Bericht für das Jahr 2026 verlangt hingegen detailliertere Angaben als die Version vom März 2025. Letztere wurde vom Kongress kritisiert, da sie sich hauptsächlich auf öffentlich zugängliche Medienberichte stützte und es ihr an Details zum versteckten Vermögen der Führungskräfte der KPCh mangelte.
Der neue Bericht fordert die Offenlegung „nicht öffentlicher Informationen“, wobei die Informationsquellen und -methoden jedoch so weit wie möglich geschützt werden sollen.
Der Bericht muss in einer nicht klassifizierten Fassung vorgelegt und auf der ODNI-Website veröffentlicht werden.
Paul Berkowitz, ein China-Experte mit 31 Jahren Erfahrung auf dem Capitol Hill, sagte der „Washington Times“: „Kommunisten erlangen ihre Legitimität dadurch, dass sie sich als bescheidene Diener des Volkes darstellen. Sie wissen, dass es für die Partei einen verheerenden Schlag bedeuten würde, wenn die chinesische Bevölkerung erfahren würde, wie obszön reich ihre Führer tatsächlich sind.“
Er fügte hinzu, dass sich auch die US-Volksvertreter, die diesen Bericht vorangetrieben haben, sehr wohl bewusst sind, dass „dieser Reichtum die Achillesferse der Kommunistischen Partei Chinas ist“ und sie „diese einzigartige Schwachstelle ausnutzen wollen“.

Von Korruptionsbekämpfung zur politischen Konsolidierung

Während sich Washington auf die Enthüllung des Geheimvermögens des KP-Führers vorbereitet, sehen Analysten Anzeichen eines Machtkampfes in Peking.
Der Ständige Ausschuss des Nationalen Volkskongresses, Chinas Scheinparlament, hat laut der staatlichen Nachrichtenagentur „Xinhua“ am 26. Juni die Zulassung von 14 Delegierten nach seiner letzten Sitzung in Peking aufgehoben. Mehr als ein Drittel der Betroffenen waren hochrangige Militärangehörige. Auf der Liste stand auch das Politbüromitglied und ehemalige Parteisekretär von Xinjiang, Ma Xingrui.
Su Tzu-yun, Forscher am Institut für Nationale Verteidigungs- und Sicherheitsforschung in Taiwan, sagte gegenüber Epoch Times, dass die jüngsten Absetzungen eine weitere Phase einer andauernden politischen Kampagne darstellten.
Im Rahmen von Xis sogenannter Anti-Korruptionskampagne wurden seit 2012 fast 5 Millionen Funktionäre untersucht, von denen 4,7 Millionen verurteilt wurden. Die Kampagne dient jedoch laut Beobachtern wie Su nicht weniger der Bekämpfung von Korruption, sondern eher der Säuberung politischer Rivalen und der Sicherung der Kontrolle der Partei.
„China hat weder eine unabhängige Legislative noch eine unabhängige Justiz oder unabhängige Medien“, sagte Su. „In einem solchen System dient der Aufstieg oder Fall von Funktionären letztlich politischen Zielen. Vorwürfe des Fehlverhaltens sollen daher weitgehend im Lichte des politischen Machtkampfes betrachtet werden.“

Eine vierte Amtszeit?

Der in den USA ansässige Analyst und Moderator des chinesischsprachigen YouTube-Kanals „Mark Space“, Mark Cao, sagte gegenüber Epoch Times, dass sich die Kampagne über ihren ursprüngliche Ansatz der Antikorruption hinaus entwickelt habe und sich nun in erster Linie auf die Sicherstellung politischer Loyalität konzentriere.
„Xi Jinping denkt darüber nach, langfristig an der Macht zu bleiben“, so Cao. „Er regiert nicht mehr so, als ob er nach ein oder zwei weiteren Amtszeiten zurücktreten wolle.“
Im März 2025 wurde Xi der Staatschef mit der längsten Amtszeit in der Geschichte des kommunistischen Chinas. Der heute 73-Jährige übernahm im November 2012 das Amt des Generalsekretärs des Zentralkomitees der KPCh und wurde 2017 sowie 2022 zweimal als oberster Parteiführer wiedergewählt. Seine nächste Amtszeit soll 2027 beginnen.
(Mit Material von theepochtimes.com)
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In China inhaftierter christlicher Pastor wieder frei – Familie dankt Trump


In Kürze:

  • China entlässt Pastor Ezra Jin
  • Seine Familie spricht von einem „Wunder“
  • Voraus gingen diplomatische Bemühungen auf höchster Ebene

 
Der inhaftierte christliche Gemeindeleiter Ezra Jin, auch bekannt als Jin Mingri, wurde in China aus der Haft entlassen. Das bestätigte seine Tochter am 4. Juli NTD, einem Schwestermedium von „The Epoch Times“.
Jin ist Gründer und Pastor der Zion-Kirche, einer in China tätigen christlichen Untergrundgemeinde. Die chinesischen Behörden hatten Jin und mehrere andere Pastoren und Gemeindemitglieder im Oktober 2025 festgenommen – ein Vorfall, den Menschenrechtsgruppen als Eskalation der Einschränkung der Religionsfreiheit bezeichneten.
„Vielen Dank für die Unterstützung und die Gebete aller von Beginn an. Wir haben wahrhaftig ein Wunder erlebt und sind von Freude überwältigt. Wir danken Gott für dieses ungeheure Wunder“, schrieb Jins Tochter, Grace Jin Drexel, in einer Textnachricht.

Trump setzte sich bei Xi für den Pastor ein

US-Präsident Donald Trump setzte sich für Jins Freilassung ein, als er sich im Mai mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping traf. Trump sagte, Xi werde dies nach ihrem Gespräch „sehr ernsthaft in Erwägung ziehen“.
„Wir danken auch Präsident Trump und seiner Regierung für ihre großartige Führungsrolle“, hieß es in der Mitteilung von Jin Drexel. „Wir wissen, dass dies ohne das direkte Eingreifen von Staatschef Xi Jinping nicht möglich gewesen wäre.“
Das Weiße Haus reagierte bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.

2018 verbot Peking die Kirche

Jin, ein chinesischer Staatsbürger, hatte mit seiner Familie in den USA gelebt, bis er sich 2007 dazu berufen fühlte, die Zion-Kirche zu gründen.
In den folgenden Jahren geriet Jins christlicher Dienst zunehmend in Konflikt mit den Auflagen der regierenden Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Die Behörden verboten die Zion-Kirche 2018 offiziell. Sie verhängten ein Ausreiseverbot, wodurch Jin daran gehindert wurde, bei seiner Familie in den Vereinigten Staaten zu sein.
Die Festnahmen von Jin, seinen Pastorenkollegen und Gemeindemitgliedern im Oktober 2025 fanden in mehreren Städten und Provinzen statt.
Bob Fu, Gründer und Präsident von ChinaAid, erklärte, den Festgenommenen werde „die illegale Nutzung von Informationsnetzwerken“ im Gemeindenienst vorgeworfen. Diese Klage kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden.

Gemeinde hofft auf positive Wende für Gläubige in China

„Wir hoffen, dass dies ein Zeichen für eine positive Wende für die Gläubigen in China und für die Beziehungen zwischen unseren beiden Nationen ist“, schrieb Jin Drexel. „Da sich diese bedeutende Entwicklung so schnell vollzogen hat, bitten wir um Ihre Gebete und um Geduld mit uns, während wir diese kritische Zeit durchstehen.“
Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus und im Senat verabschiedeten vor Trumps Treffen mit Xi im Mai Resolutionen. Darin forderten sie den Präsidenten auf, sich bei Chinas Staatschef auch für die Freilassung von Pastor Gao Quanfu und dessen Ehefrau Pang Yu, des Medienmoguls und KPCh-Kritikers Jimmy Lai sowie der pensionierten uigurischen Ärztin Gulshan Abbas einzusetzen.
Trump deutete an, dass er den Fall Lai gegenüber Xi angesprochen habe, bezeichnete diesen jedoch als „schwieriger“ zu lösen.
 
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Jailed Chinese Christian Pastor Released, Family Says“. (deutsche Bearbeitung ks)
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Shen Yun in Toronto: Zwischen Drohungen, Politik und dem finalen Applaus

Als sich am Abend des 28. Juni im Four Seasons Centre for the Performing Arts in Toronto zum letzten Mal in dieser Saison der Vorhang für Shen Yun hob, schloss sich ein Kreis, der Ende März mit einer Bombendrohung begonnen hatte. Seitdem stand unausgesprochen die Frage im Raum, ob sich eine Bühne in einem freien Land per E-Mail aus der Ferne lahmlegen lässt.
Am 29. März schien genau das zu geschehen. Eine Stunde vor einer Nachmittagsvorstellung erreichte das renommierte Theaterhaus eine Drohung: Im Gebäude sowie am Parlamentshügel seien Sprengsätze platziert. Rund 2.000 Menschen wurden daraufhin aus dem Saal gebracht. Die Polizei rückte an und durchsuchte das Gebäude, stufte die Drohung jedoch als unbegründet ein. Dennoch sagte das Four Seasons Centre die Vorstellung ab. Zwei Tage später wurden unter Verweis auf „eskalierende Drohungen“ auch die übrigen fünf Aufführungen gestrichen. Damit blieb für fast 10.000 Ticketinhaber unklar, ob und wann die Vorstellungen stattfinden würden.
Nach Angaben der Veranstalter war Toronto der erste Fall, in dem eine solche Drohung tatsächlich zur Absage von Shen-Yun-Aufführungen führte. Die 2006 in New York von chinesischen Künstlern gegründete Kompanie war in den vergangenen zwei Jahren über 150-mal Ziel ähnlicher Falschdrohungen, ohne dass es an einem anderen Ort zu Absagen kam – weder in Washington noch in Paris noch in Berlin. Nur in Toronto hatte die Drohung Konsequenzen.

Programm und kultureller Hintergrund von Shen Yun

Wer den Trubel um Shen Yun verstehen will, muss einen Blick ins Programm werfen. Die Kompanie zeigt nach eigenen Angaben ein „China vor dem Kommunismus“: 5.000 Jahre Kultur, klassischen chinesischen Tanz, Legenden und historische Szenen, begleitet von einem Orchester, das chinesische und westliche Instrumente verbindet. Ergänzt wird das durch animierte Bühnenbilder, in denen die Tänzer scheinbar zwischen Himmel und Erde wechseln.
Dargestellt wird ein China, das älter ist als die Volksrepublik: geprägt von Dynastien, Mythen, moralischen Erzählungen und religiösem Glauben. Genau darin liegt auch der Konfliktpunkt mit Peking. Shen Yun präsentiert ein China ohne Parteiparolen, ohne Mao-Kult und ohne kommunistische Ideologie – und verweist zugleich auf die Verfolgung der spirituellen Gruppe, die das Regime seit Jahren aus dem öffentlichen Leben verdrängen will.
Screenwriter Peter Campbell enjoyed Shen Yun at the Four Seasons Centre for the Performing Arts in Toronto on June 28, 2026. Daniella Wollensak/The Epoch Times

Drehbuchautor Peter Campbell bei Shen Yun im Four Seasons Centre for the Performing Arts in Toronto. Daniella Wollensak/The Epoch Times

Erfahrung des Publikums und persönliche Geschichte einer Falun-Gong-Praktizierenden

Wie der Abend beim Publikum ankam, beschrieb der Drehbuchautor Peter Campbell, der die letzte Vorstellung besuchte: „Es ist großartig, vom ersten Moment an. Sobald sich der Vorhang hebt, ist es schön – ich habe jede Sekunde geliebt.“ Besonders beeindruckt habe ihn die Kombination aus Tanz und animierten Bühnenbildern, durch die die Darsteller scheinbar aus der Projektion heraustreten und wieder in sie hineingehen. Campbell weiter: „Der Hintergrund ist mehr als nur ein Hintergrund.“
Die meisten der Künstler praktizieren Falun Gong, eine spirituelle Disziplin, die auf den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht basiert und in China seit 1999 verfolgt wird. Für Nancy Zhang, die Moderatorin des Shen-Yun-Ensembles, das ursprünglich in Toronto auftreten sollte, ist diese Verfolgung keine abstrakte Geschichte. Sie war acht Jahre alt, als ihre Eltern nach der Arbeit nicht nach Hause kamen. Beide waren verhaftet worden, weil sie Falun Gong praktizierten. Der Vater wurde in ein Umerziehungslager gebracht und die Mutter zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. „Für ein Kind wird diese Art von Angst normal“, sagte sie später, „aber so sollte das nicht sein.“
Dass sie diese Angst nun auch im Ausland wieder erlebt – wenn auch nicht durch direkte staatliche Repression, sondern durch Drohungen gegen Theater, Veranstalter und Publikum –, empfindet sie als besonders beunruhigend. Ihre Frage zielt auf einen größeren Zusammenhang ab: „Wenn wir nicht einmal in Übersee frei sprechen können, verwandelt sich dann nicht der Westen in China?“
Nancy Zhang, ist Moderatorin eines der insgesamt acht Shen Yun Ensembles. Foto: Frederico Vidovix/The Epoch Times

Nancy Zhang ist Moderatorin eines der insgesamt acht Shen-Yun-Ensembles und weiß, was Verfolgung in einem kommunistischen Land wie China bedeutet.

Foto: Frederico Vidovix/The Epoch Times

Internationale Einflussnahme und politische Reaktionen auf Shen Yun

Kanada behandelt solche Vorgänge inzwischen als Sicherheits- und Demokratiethema. Im Hintergrund steht der lange Arm eines autoritären Staates: Druck auf Exilgruppen, Drohungen gegen Kritiker, Überwachung von Diaspora-Gemeinschaften, Desinformation und diplomatische Interventionen. Bei Shen Yun führte diese Strategie zu einem Theaterabend mit evakuiertem Saal. Dieselbe E-Mail-Adresse, die das Four Seasons bedrohte, ging auch an das Theater in Vancouver. Die dortige Cybercrime-Einheit verortete eine mit dem Konto verknüpfte Telefonnummer in China. Schon im letzten Jahr hatten taiwanische Ermittler eine ähnliche Drohung in die nordchinesische Stadt Xi’an zurückverfolgt, in die Nähe einer Forschungseinrichtung des Konzerns Huawei.
Der sichtbarste politische Hinweis kam jedoch nicht aus einer E-Mail, sondern aus einem Sitzungszimmer: In Vancouver trafen sich Vertreter des chinesischen Konsulats mit einem städtischen Mitarbeiter und sprachen über Shen Yun. Quellen zufolge hätten die Diplomaten eine Absage der Aufführungen gewünscht; die Stadt erklärte dagegen, es habe keinen Druck gegeben, musste später jedoch Teile ihrer Darstellung korrigieren. Shen Yun spielte in Vancouver schließlich dennoch.
Auch in Deutschland ist Shen Yun bereits zum Gegenstand chinesischer Intervention geworden. Schon im Februar 2014 versuchte ein Vertreter der chinesischen Botschaft, einen Auftritt in Berlin zu verhindern. Jörg Seefeld, der damalige Leiter der Eventabteilung des Stage-Theaters am Potsdamer Platz, schilderte, wie der Diplomat zunächst Interesse am Haus zeigte und anschließend fragte, ob sich der Vertrag mit der Kompanie nicht annullieren lasse; stattdessen könnten politisch unbedenkliche Ensembles vermittelt werden. Seefelds Antwort fiel knapp aus: „Ich bin aus der DDR. Bei den Chinesen ist es wie damals bei unseren Machthabern: Die haben Angst.“ Die Aufführung fand dennoch statt – ebenso wie 2026 in der Deutschen Oper Berlin.
Die Bundesregierung hat die Verfolgung von Falun Gong wiederholt thematisiert. Die Menschenrechtsbeauftragte Bärbel Kofler erklärte zum 20. Jahrestag der Kampagne, China gehe „mit äußerster Härte“ gegen die Bewegung vor, und forderte Peking zur Einhaltung der Menschenrechte auf.
Dass Shen Yun im Juni im Four Seasons Centre auftreten konnte, war das Ergebnis von Gesprächen, öffentlicher Unterstützung und politischer Rückendeckung. Die Veranstalter verhandelten, Abgeordnete setzten sich für Nachholtermine ein und Bürger wandten sich mit Petitionen und Briefen an die Verantwortlichen. Das Theater setzte schließlich fünf Vorstellungen neu an, dieses Mal mit Metalldetektoren, Spürhunden und verstärkter Polizeipräsenz.
Tammy Peterson enjoyed Shen Yun at the Four Seasons Centre for the Performing Arts in Toronto on June 28, 2026. Allen Zhou/The Epoch Times

Die Podcasterin Tammy Peterson sah Shen Yun im Four Seasons Center for the Performing Arts in Toronto, Kanada.

Foto: Allen Zhou/The Epoch Times

Abschluss der Aufführung und Reaktionen auf Shen Yun

Der kanadische Menschenrechtsanwalt David Matas, der sich seit Jahrzehnten mit der Lage in China befasst, sah das Besondere des jüngsten Shen-Yun-Auftritts in Toronto in der Verbindung von künstlerischer Schönheit und menschenrechtlichem Zeugnis. Die Aufführung spreche nicht nur über Freiheit, sondern mache sichtbar, was verloren gehe, wenn sie verschwinde. Die Podcasterin Tammy Peterson, die der Show beiwohnte, sprach von einer hoffnungsvollen Botschaft auch für den Westen: „Es liegt an uns, einander zu lehren, dass es ein Fundament unserer Kultur gibt, das unverzichtbar ist, wenn wir überleben wollen.“
Der Vorhang, der im März geschlossen blieb, hob sich schließlich im Juni. An diesem letzten Abend der Aufführungen in Toronto war nicht die Drohung das letzte Bild, sondern der tosende Applaus.
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Undercover in Kasachstan: China-Experte enthüllt dramatisches Ausmaß des Organraubs


In Kürze:

  • Eine abenteuerliche Reise in einem 2003er Toyota nach Kasachstan, die in Deutschland begann
  • Ein riesiges Krematorium in der Nähe eines Krankenhauses in Xinjiang, das Organtransplantationen durchführt
  • Zeugeninterviews mit Überlebenden der Arbeitslager liefern Belege für Organraub an politischen Häftlingen

 
Wer über zwei Jahrzehnte hinweg Zehntausende Fälle mutmaßlichen Organraubs untersucht und mit Zeugenaussagen über Folter, Missbrauch und Vergewaltigung konfrontiert ist, betrachtet die Welt mit anderen Augen. Die Enthüllungen des US-amerikanischen Investigativjournalisten Ethan Gutmann brachten ihm nicht nur schlaflose Nächte und Albträume ein, sondern auch einen großen Bekanntheitsgrad bei den chinesischen Sicherheitsbehörden ein.
Zudem trugen seine Nachforschungen dazu bei, dass mehrere Gesetze in den USA und anderen Staaten zur Bekämpfung des illegalen Organhandels auf den Weg gebracht wurden. Im Jahr 2017 wurde er für den Friedensnobelpreis nominiert.
Nach seinem Buch „The Slaughter“, in dem es um Pekings Massenmord an politischen Häftlingen, insbesondere an Falun-Gong-Praktizierenden, geht, rückt Gutmann mit seinem im März 2026 erschienenen Werk „The Xinjiang Procedure“ abermals den staatlich organisierten Organraub in China in den Fokus.

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Was er bei seinen Recherchen entdeckte, erscheint vielen Menschen kaum vorstellbar: Konzentrationslager und Gehirnwäscheeinrichtungen, die sich in unmittelbarer Nähe von Massenkrematorien und auf Organtransplantationen spezialisierten Krankenhäusern befinden, wodurch der sogenannte Organtourismus in China ein neues Ausmaß erreicht.
Für sein neues Buch begab sich Gutmann auf eine abenteuerliche Reise nach Kasachstan, dem Nachbarland der chinesischen Provinz Xinjiang. Dort wollte er Flüchtlinge aus den chinesischen Arbeitslagern befragen. Zuvor ließ er sich von zwei Geheimdiensten beraten, um sicherzugehen, dass er bei seinem Vorhaben möglichst unentdeckt bleibt, wie Gutmann im Gespräch mit Epoch Times erklärte.

In einem 2003er Toyota unterwegs, mit Kompass und Straßenkarte ausgestattet

Seine Reise begann in Deutschland, wo er sich zunächst ein Auto, einen alten Toyota, Baujahr 2003, organisierte. Warum? In den Fahrzeugen, die vor 2005 gebaut wurden, sind noch keine Chips verbaut, die eine Überwachung ermöglichen würden.
Ebenso waren Laptop und Smartphone keine Option für den Investigativjournalisten. Stattdessen nutzte Gutmann für seine Dokumentation analoge Kameras und Tonbandgeräte. Anders als bei digitalen Geräten lassen sich deren Aufnahmen nicht auf Knopfdruck kontrollieren – ein Sicherheitsvorteil an Grenzübergängen.
Und auch an ein Navi war nicht zu denken. Diese Funktion erfüllten ein Kompass und eine deutsche Straßenkarte von Kasachstan unter der Leitung von Gutmanns Tochter. Die auf dem Autodach befestigten Skier sowie unzählige Reiseführer und Zeichnungen des schwer ausfindig zu machenden Schneeleoparden sollten bei den Kontrollen für Ablenkung sorgen.

Ethan Gutmann macht während der Reise nach Kasachstan einen Kompass-Check.

Foto: Josephine de Haan-Montez

Während seiner jahrelangen Untersuchungen dokumentierte Gutmann zahlreiche Zeugenaussagen. Er sprach sowohl mit hochrangigen Polizeibeamten und chinesischen Ärzten, die in den Organraub verwickelt waren, als auch mit Menschen, „die buchstäblich durch die Hölle gegangen sind“.
„Je mehr ich mich in das Thema vertiefte, desto mehr stieß ich auf Berichte über Folter von unvorstellbarem Ausmaß“, sagte er.
Im Gespräch mit Epoch Times betonte Gutmann, dass er nichts gegen Chinesen oder China als Land habe. Prinzipiell liebe er das Land sogar, in dem er mehrere Jahre gelebt habe. Er habe jedoch etwas gegen das System, gegen die Art und Weise, wie das chinesische Regime mit seiner Bevölkerung umgeht. Neben Falun-Gong-Praktizierenden und Uiguren werden auch sogenannte Hauschristen, Tibeter und andere Minderheiten von Peking brutal verfolgt.

50 Sicherheitskräfte für ein Krematorium

Gutmanns Zeugenaussagen über Vergewaltigung, Folter, Hinrichtungen und medizinische Tests geben den Berichten über Arbeitslager in Xinjiang, in denen das chinesische Regime laut internationalen Organisationen mindestens 1 Million Uiguren und andere muslimische Minderheiten gefangen hält, ein menschliches Gesicht.
Zwei Lager mit einer Kapazität für rund 33.000 Menschen sowie 16.000 Menschen wurden – wie Satellitenbilder belegen – direkt neben dem Infektionskrankenhaus in Aksu errichtet.
Das Krankenhaus ist eine ehemalige psychiatrische Klinik für „sogenannte extremistische Muslime“, die  zu einem Transplantationskrankenhaus umfunktioniert wurde. Nördlich davon – nur 900 Meter von den beiden Lagern entfernt – wurde ein großes Krematorium errichtet.

Zwei „Umerziehungslager“, eines für 16.000 Menschen und eines für 33.000 Menschen, welches um ein bereits bestehendes Krankenhaus (das Aksu-Infektionskrankenhaus) herum errichtet wurde, sowie ein großes Krematorium, das 900 Meter von beiden Lagern entfernt liegt.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Gulchehra Hoja

Im gesamten Gebiet Xinjiang ist laut Gutmann der Bau von neun Krematorien in Auftrag gegeben worden. Das erste sei in Ürümqi, der Hauptstadt von Xinjiang, gebaut worden.
„Dafür wurden 50 Sicherheitskräfte eingestellt. Das ist unvorstellbar“, sagte er. Das Gehalt lag bei etwa 1.200 US-Dollar (1.050 Euro) im Monat, „ein Vermögen“ für die Region. Die Stellen seien nur auf Chinesisch und nicht auf Uigurisch ausgeschrieben worden.
„Das ist der Tod im industriellen Ausmaß“, so sein Fazit.
Bemerkenswert sei nicht nur die Tatsache, dass Sicherheitskräfte ein Krematorium überwachen sollen, sondern auch der Umstand, dass Muslime – zu denen die meisten Uiguren gehören – ihre Toten normalerweise bestatten und nicht verbrennen.

Internationaler Flughafen für Organexport

In etwa 20 Minuten Entfernung zu dem Krankenhaus in Aksu befinde sich zudem der Flughafen Aksu mit internationaler Anbindung und einer sogenannten „Green Lane“ für schnelle Sicherheitskontrollen, die für den Export menschlicher Organe genutzt werde.
In Aksu lebende Uiguren haben sich in Gesprächen mit Gutmann über den Geruch verbrannter Knochen beklagt. Eine Nomadenfamilie, die Weideflächen oberhalb des Krematoriums nutzte, habe den Gestank nicht mehr ertragen können und meide inzwischen das Gebiet.
„Das Aksu-Infektionskrankenhaus führt nachweislich Organentnahmen durch und muss die Leichname anschließend entsorgen“, sagt Gutmann.
„Die Nachlässigkeit bei solchen Dingen und die Tatsache, dass so etwas überhaupt sichtbar wird, sind ein Zeichen für die enorme Arroganz der Kommunistischen Partei Chinas und dass sie […] annehmen, dass sie einfach so weitermachen könnten.“

Ethan Gutmann (M.) im Gespräch mit einem Flüchtling aus Xinjiang in Almaty, Kasachstan.

Foto: Josephine De Haan

Gutmann hofft, mit seinen Enthüllungen dazu beitragen zu können, diesen unmenschlichen Gräueltaten ein Ende zu setzen.
„Jetzt kommen Menschen aus den Lagern heraus, die tatsächlich dort gearbeitet haben. Eine von ihnen hat Darmreinigungen durchgeführt, bevor den Menschen die Organe entnommen wurden“, so Gutmann.
„Das sind unumstößliche Zeugenaussagen und wir stoßen immer wieder auf neue Berichte. Aber zum ersten Mal sehe ich ein kleines Licht am Ende des Tunnels. […] Vielleicht werden diese Enthüllungen Auswirkungen auf China haben.“
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Zwölf Jahre getrennt: Die Flucht einer Mutter und ihrer Tochter in die Freiheit


Hintergrund:
Falun Gong, auch Falun Dafa genannt, ist eine buddhistische Meditationsbewegung, die in den 1990er-Jahren in China unter anderem wegen ihrer gesundheitlichen Wirkung sehr populär war. Die Lehre wurde kostenlos weitergegeben. Sie beinhaltet fünf Qigong-ähnliche Übungen und ermutigt die Menschen, nach Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht zu leben. Staatliche Hochrechnungen schätzten im Jahr 1999 rund 70 bis 100 Millionen Praktizierende in China, was die Partei als ideologische Herausforderung ihres Machtanspruchs ansah. Seit Mitte 1999 sind Falun-Gong-Übungen und -Literatur in China verboten. Wer an dem Glauben festhält, setzt sich der Gefahr staatlicher Verfolgung aus. Quellen berichten von Zehntausenden Todesopfern durch Folter, Misshandlung und Organraub.

In Kürze (Teil 2):

  • Mutter und Tochter, zwölf Jahre getrennt, durch Verfolgung, Gefängnis und Angst
  • Ein heimlicher Brief bringt Hoffnung ins Arbeitslager
  • Abenteuerliche Flucht über mehrere Grenzen hinweg

 
Für Falun-Gong-Praktizierende, die unter der Herrschaft der Kommunistischen Partei Chinas leben, bedeutet das Festhalten an ihrem Glauben oft, dass sie von ihren Liebsten getrennt werden.
He Zhiwei floh im Jahr 2001 während einer Verhaftungswelle gegen Falun-Gong-Praktizierende aus ihrem Zuhause. Ihre Tochter, Feng Xiaoxin, war damals 13 Jahre alt. In den folgenden zwölf Jahren sahen sich Mutter und Tochter kaum noch. Das Mädchen lebte fortan bei ihrer Großmutter.
Im Jahr 2002, zum Chinesischen Neujahrsfest, versuchte He, ihre Tochter anzurufen. Die Polizei hörte mit – und kam wenig später vorbei. Dabei wurden sowohl ihre Tochter als auch ihre Mutter verhaftet. Weitere Anrufe blieben unbeantwortet, und He erkannte, dass etwas Schlimmes geschehen war.
Als He Zhiwei von den Verhaftungen erfuhr, konnte sie nächtelang nicht schlafen. Sie weinte unaufhörlich. „Sie war so klein“, sagte sie später der Epoch Times. „Als Mutter konnte ich nicht bei ihr sein, als sie mich am meisten brauchte.“
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Die Verfolgung von Falun Gong in China.

Foto: Stephen Shaver/AFP via Getty Images

Einige Jahre später versuchte He, nach Hause zurückzukehren. Sie wurde verhaftet und für ein Jahr ins Gefängnis gesteckt. Dort fesselte man sie zeitweise an einen Stuhl und überwachte mit einer Kamera jede ihrer Aktivitäten, selbst den Gang zur Toilette, erinnerte sie sich. Die Polizei beschuldigte sie, ihre Familie im Stich gelassen zu haben.
„Aber wer hat das verursacht?“, fragte sie. „Ich wollte meine Pflicht als Mutter erfüllen, aber ich hatte keine Möglichkeit dazu.“
Im Jahr 2012 wurde He erneut verhaftet und in ein Arbeitslager gebracht. Da sie Falun Gong praktizierte, wurde ihre Post von den Wachen abgefangen. Eine Insassin hatte Mitleid mit ihr und steckte ihr heimlich einen Brief ihrer Tochter zu – eine Zeichnung. Diese zeigte eine Mutter, die auf einem Berg sitzt und aufs Meer blickt. Über ihr leuchteten Sterne, ein Symbol der Hoffnung.
„Sie wollte, dass ich die Sterne nicht vergesse und mein Herz voller Hoffnung bewahre“, sagte He Zhiwei. „Es war eine große Hilfe.“
Feng Xiaoxin und ihre Mutter He Zhiwei in Thailand. Foto: undatiert, mit freundlicher Genehmigung von Feng Xiaoxin

Feng Xiaoxin und ihre Mutter He Zhiwei in Thailand.

Foto: Undatiert, mit freundlicher Genehmigung von Feng Xiaoxin

Frau He und ihrer Tochter gelingt die Flucht aus China

Die in dieser Serie interviewten Falun-Gong-Praktizierenden berichteten mehrfach von Erlebnissen, die nur mit außergewöhnlichem Glück oder einer Art göttlicher Unterstützung erklärbar sind. Besonders deutlich wurde dies bei drohenden Verhaftungen oder geglückten Fluchtversuchen aus dem kommunistischen Überwachungsstaat.
Reisen ins Ausland sind für Falun-Gong-Praktizierende besonders schwierig. Aus Sicht des Partei-Regimes ist jeder von ihnen ein potenzieller Zeuge der Verfolgung und Träger von Informationen, die das Image Chinas im Ausland schädigen könnten.
Es ist unklar, wie genau Chinas Reise-„Blacklist“ funktioniert. Manche gehen davon aus, dass Einzelpersonen nach einiger Zeit von der Liste gestrichen werden, andere vermuten, dass lokale Listen neben einer nationalen existieren. Offensichtlich gehen bei Überarbeitungen der Datenbank auch Daten verloren oder Personen werden aufgrund bürokratischer Unordnung übersehen.
Wer auf herkömmliche Weise an der Ausreise gehindert wird, sucht manchmal alternative Wege. Einige entkommen über die grüne Grenze nach Birma, auch Myanmar genannt, und weiter nach Thailand.
He Zhiwei wurde 2013 aus dem Gefängnis entlassen. Innerhalb von vier Monaten musste sie viermal umziehen, um weiterer Verfolgung zu entgehen. Schließlich entschied sie sich, gemeinsam mit ihrer Tochter aus China zu fliehen. Sie erinnert sich: „Keine Identität und ständig drohende Verhaftung – so wollte ich nicht mehr weiterleben.“
Sie sammelten ihr gesamtes Bargeld, versteckten es in speziellen Taschen in ihren Hosen und machten sich mit dem Bus auf eine 1.600 Kilometer lange Flucht.

Briefe, die He Zhiwei aus dem Gefängnis an Verwandte schrieb.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Feng Xiaoxin

Flucht über die grüne Grenze

Ganz im Süden Chinas, am Mekong, liegt die Stadt Jinghong. Von dort aus sind es nur wenige Dutzend Kilometer bis zur Grenze nach Laos oder Birma. Mutter und Tochter übernachteten in Hotels und wurden beinahe von einem Angestellten bei der Polizei gemeldet. Schließlich gelang es ihnen mithilfe von drei Führern, innerhalb von sechs Tagen zwei Staatsgrenzen zu passieren und nach Thailand zu gelangen.
Auf dem Weg dorthin kämpften sie sich nachts und bei Regen über rutschige Bergpfade, nur mit dem schwachen Licht eines Handys. Ein Führer brachte sie mit einem Floß über einen Fluss. Anschließend quetschten sie sich mit einem Dutzend weiterer Menschen in ein viersitziges Auto. Später wurden sie angewiesen, durch ein Loch in der Wand einer Reisebustoilette in ein verstecktes Abteil zu kriechen, das mit bis zu 20 Personen überfüllt war. Dann schloss sich die Luke, und es wurde stockdunkel. Nur gelegentlich drang etwas Licht durch die Ritzen.
„Es war deprimierend“, erinnerte sich Hes Tochter Feng. Ihre Mutter, nur 1,52 Meter groß, saß mit gesenktem Kopf, um unter die niedrige Decke zu passen. Die Menschen drängten sich eng aneinander. Fengs Kopf lag auf dem Hinterteil einer anderen Person, auf ihren Beinen ruhte der Kopf eines weiteren. Trotz eingeschalteter Klimaanlage war die Luft so stickig, dass viele sich übergaben – darunter ein Mann und eine Frau neben Feng.

Der Atem der Freiheit

Der Bus hielt mehrmals, um reguläre Passagiere einsteigen zu lassen oder um von Grenzbeamten kontrolliert zu werden. In völliger Stille lauschten die zusammengepferchten Flüchtlinge den Schritten über ihnen. Gegen Morgengrauen, nach etwa 10 Stunden, konnten sie aus ihrem Versteck hervorkriechen und wieder auf den normalen Fahrgastsitzen Platz nehmen. Schließlich erreichten sie Bangkok.
„Endlich ist es vorbei“, dachte Feng. Sie fühlte sich befreit, als ob all die Strapazen der Reise plötzlich von ihr abgefallen wären.
Am nächsten Tag gingen sie in einen Park, um unbehelligt Falun-Gong-Übungen zu machen. Für He schien es, als atme die ganze Welt Freiheit, während kleine Vögel um ihre Füße herumhüpften. „Die haben überhaupt kein bisschen Angst“, bemerkte sie.
Fortsetzung folgt.
Frau He Zhiwei vor dem UN-Flüchtlingshilfswerk in Bangkok, Thailand. Foto: undatiert, mit freundlicher Genehmigung von Feng Xiaoxin

Frau He Zhiwei vor dem UN-Flüchtlingshilfswerk in Bangkok, Thailand.

Foto: Undatiert, mit freundlicher Genehmigung von Feng Xiaoxin

Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com unter dem Titel „26 Years of Persecution: Surviving, Escaping, and Remembering CCP’s Attacks on Falun Gong“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Offenbar Kleinflugzeug in höchstes Hochhaus in Chinas Hauptstadt geflogen

Nach Angaben von Augenzeugen und Videos in sozialen Medien schlug die Maschine in die oberen Stockwerke ein, woraufhin ein Loch in der Glasfassade klaffte.
Trümmerteile fielen auf Gehwege und Grünflächen herab, es kam zu kleineren Bränden. Das Gebäude mit 108 Stockwerken und Platz für bis zu 12.000 Beschäftigte wurde evakuiert.
Videos zeigen Feuerwehrleute bei Löscharbeiten sowie Trümmerteile, darunter offenbar Teile des Flugzeugs, vor dem Gebäude. Die Polizei riegelte das Hochhaus und umliegende Straßen weiträumig ab.
Rettungswagen und Reinigungstrupps waren vor Ort. Die Pekinger Polizei gab zunächst keine Stellungnahme ab. Bisher liegen keine offiziellen Angaben zu möglichen Verletzten oder Toten vor.

Details zum Flugzeug und Betreiber

Bei dem Flugzeug handelt es sich um eine zweisitzige, einmotorige Leichtsportmaschine vom Typ Sunward SA60L Aurora (auch Aurora 7) mit der Registrierung B-12PP.
Die Maschine wurde von der Firma Beijing Dongshi Shuangyue General Aviation betrieben, die private Pilotenausbildung, Rundflüge und Flugzeugmanagement anbietet. Der Stützpunkt liegt auf dem Shifosi General Airport in Pinggu.
Das Flugzeug galt als Schulungsmaschine und wurde in chinesischen Medien früher als Beispiel für erfolgreiche heimische Flugzeugproduktion hervorgehoben.
Der Vorfall ereignete sich laut Zeugenaussagen gegen 17:40 bis 18:00 Uhr. Ein Passant berichtete von einem lauten Knall. Eine betroffene Mitarbeiterin namens Lin erzählte der South China Morning Post, sie sei gegen 18 Uhr evakuiert worden und habe in der Eile weder Ausweis noch Tasche mitgenommen.

Sicherheits- und Luftraumfragen

Der Citic Tower liegt im zentralen Geschäftsviertel (CBD) Pekings, im inneren Ring, nur wenige Kilometer von Zhongnanhai, dem Sitz der chinesischen Staats- und Parteiführung, sowie in der Nähe des CCTV-Gebäudes entfernt.
In Peking gelten besonders strenge Luftraumbeschränkungen. Seit Mai 2026 gibt es neue umfassende Luftraumkontrollvorschriften, die Freizeit- und Vergnügungsflüge sowie den Einsatz von Consumer-Drohnen faktisch verbieten.
Jeder Flug eines Leichtflugzeugs erfordert eine strenge Genehmigung von Zivilluftfahrtbehörde und Luftwaffe. Drohnen sind in der Innenstadt komplett untersagt.
Augenzeugen und Kommentatoren äußerten Verwunderung, wie die Maschine die mehrstufige Luftraumüberwachung durchbrechen konnte. Einige zogen Vergleiche zu den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA, betonten jedoch, dass es sich hier um ein sehr kleines Flugzeug handle.
Berichten zufolge kreisten nach dem Vorfall Hubschrauber der bewaffneten Polizei über Gebieten in der Nähe des Flughafens.

Reaktionen und Informationslage

Viele Gebäudebewohner mussten über Treppenhäuser evakuiert werden, da die Aufzüge gesperrt waren. Augenzeugen beschrieben den Vorfall als „sehr seltsam“. Eine Frau äußerte Schock: „Das hier ist Peking. Im Ausland passiert so etwas öfter, aber in China dürfte es eigentlich nicht passieren.“
In China wurden Fotos und Videos des Vorfalls rasch aus sozialen Medien entfernt. Auch internationale Berichte sind innerhalb der chinesischen Firewall weitgehend blockiert. Im Ausland zirkulieren die Aufnahmen jedoch weiter.
Die Behörden haben bisher keine detaillierten Informationen zur Ursache, zur Anzahl der Personen an Bord oder zum genauen Hergang veröffentlicht. Die Ermittlungen laufen.
Der Citic Tower, Hauptsitz der staatlichen CITIC Group, wurde Ende 2018 fertiggestellt und überragt andere Gebäude der Stadt um etwa 190 Meter. Er gilt als architektonisches Wahrzeichen Pekings.
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Peking: Offenbar Kleinflugzeug in höchstes Hochhaus in Chinas Hauptstadt geflogen

In Peking ist offenbar ein Kleinflugzeug in den höchsten Wolkenkratzer der chinesischen Hauptstadt geflogen. Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, klaffte in der Glasfassade eines der oberen Stockwerke des 528 Meter hohen Citic Tower am Freitag ein Loch.
Ein Video eines Augenzeugen zeigte Feuerwehrleute beim Löschen eines Brands sowie ein offenbar von einem Kleinflugzeug stammendes Trümmerteil auf dem Boden vor dem Gebäude.
Die Polizei sperrte das Hochhaus ab. Auch Rettungswagen und Reinigungstrupps waren im Einsatz. Die Pekinger Polizei lehnte eine Stellungnahme zu dem Vorfall ab.
Der Augenzeuge, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte AFP: „Ich weiß nicht, warum das Flugzeug hier reingeflogen ist. Es ist wirklich sehr seltsam.“
Ein Mann, der in dem Wolkenkratzer gearbeitet hatte, sagte: „Auf dem Weg nach draußen habe ich Trümmer gesehen. Es sah aus wie ein Teil eines Flugzeugs.“
Eine Frau sagte, sie habe das Hochhaus über das Treppenhaus verlassen müssen, weil die Aufzüge gesperrt worden seien. „Ich bin in Eile dutzende Stockwerke hinuntergelaufen“, berichtete sie.
Eine andere Frau sagte, sie sei schockiert. „Das hier ist Peking. Im Ausland passiert so etwas öfter, aber in China dürfte es eigentlich nicht passieren.“
Ein Student sagte, er habe in einem Online-Forum für Flugzeugfans von dem Absturz erfahren und sei sofort hergekommen. Fotos und Beiträge im Internet seien aber schnell gelöscht worden.
Der Civic Tower hat 108 Stockwerke, in den darin untergebrachten Büros können bis zu 12.000 Menschen arbeiten. In China unterliegt die Luftfahrt strengen Beschränkungen, insbesondere in Peking.
Seit April ist der Verkauf von Drohnen in der chinesischen Hauptstadt verboten und für jede Nutzung muss eine Genehmigung eingeholt werden.(afp/red)
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Taiwans „Katzenkriegerin“: Vizepräsidentin Hsiao ohne Furcht vor Pekings „Wolfskriegern“

Taiwan steht seit Jahren im Zentrum eines geopolitischen Konflikts mit China. Das kommunistische China betrachtet die demokratisch regierte Insel als abtrünnige Provinz und versucht, sie international zu isolieren sowie politisch und militärisch unter Druck zu setzen. Gleichzeitig ist Taiwan wirtschaftlich hochentwickelt und spielt vor allem als weltweit führender Produzent von Halbleitern eine zentrale Rolle in der globalen Technologieversorgung.
Vor diesem Hintergrund steht die Vizepräsidentin Hsiao Bi-khim exemplarisch für einen neuen diplomatischen Ansatz Taiwans. Sie hat einen Stil entwickelt, der auf Beweglichkeit und klare Selbstbehauptung setzt und sich bewusst von der konfrontativen Rhetorik Chinas abgrenzt. In ihrer Darstellung kann Taiwan nach außen hin offen und kooperationsbereit auftreten, ohne dabei seine politische Eigenständigkeit und Handlungsfähigkeit aufzugeben.
Besonders in den Beziehungen zu den USA betont sie die Bedeutung breiter politischer Bündnisse und eines überparteilichen Konsenses. Das Ziel bestehe darin, gemeinsame Interessen zu bündeln und die Zusammenarbeit so zu gestalten, dass beide Seiten voneinander profitieren und sich in einem zunehmend angespannten geopolitischen Umfeld gegenseitig stärken.

Zwischen Diplomatie und Selbstbehauptung: Taiwans „Katzenkriegerin“ Hsiao Bi-khim

Als Hsiao Bi-khim vor sechs Jahren nach Washington aufbrach, benötigte die frisch ernannte taiwanische Gesandte zunächst eine Antwort auf Chinas konfrontative „Wolfskrieger“-Diplomatie. Sie entwickelte einen eigenen Stil, den einer „Katzenkriegerin“ – flink, anpassungsfähig, stets wachsam und vor allem geprägt von einem ausgeprägten Sinn für Unabhängigkeit.
Sechs Jahre später ist Hsiao die zweitmächtigste Person in Taiwan, und ihr Beiname hat sich offenbar bestätigt. „Katzen lassen sich nicht zwingen“, sagte sie. „Sie haben ihren eigenen Willen.“ Taiwan, so Hsiao, sei dem in gewisser Weise ähnlich. „Taiwan kann sanft, warmherzig und einladend sein“, erklärte die Vizepräsidentin in einem Interview mit der Epoch Times in der Sendung „American Thought Leaders“ im Präsidentenpalast in Taipeh. „Aber gleichzeitig ist es wichtig, unsere Krallen zu schärfen, um uns verteidigen zu können.“
Übertragen auf die Diplomatie bedeute dies laut Hsiao ein ständiges Austarieren und das Finden gemeinsamer Interessen, so Hsiao. Im Verhältnis zwischen den USA und Taiwan gehe es darum, einen Konsens über das gesamte politische Spektrum des US-Kongresses hinweg zu bilden.
Indem Taipeh und Washington ihre Stärken bündeln, würden sie sich gegenseitig stärken, sagte sie. „Darin liegt die Anziehungskraft, und deshalb sind Taiwan und die USA gemeinsam so viel stärker.“

Früher Einsatz gegen Chinas Organraub

Hsiao Bi-khim wurde in Japan als Tochter eines presbyterianischen Pfarrers aus Taiwan und einer Musiklehrerin aus North Carolina geboren. Sie erinnert sich daran, dass sie, sobald sie sprechen konnte, als Vermittlerin zwischen ihren Großmüttern fungierte, die unterschiedliche Sprachen sprachen, indem sie zwischen ihnen übersetzte.
Mit 24 Jahren begann sie ihre politische Laufbahn. Innerhalb von sechs Jahren gewann sie einen Sitz im Legislativ-Yuan, dem Parlament Taiwans, und gehörte damit zu den jüngsten Abgeordneten ihrer Zeit. Gemeinsam mit dem heutigen taiwanischen Präsidenten Lai Ching-te unterstützte Hsiao im Jahr 2006 eine Parlamentsresolution, die eine internationale Untersuchung des von Peking staatlich geförderten Organraubs in China forderte. Diese Enthüllungen waren zuvor von Epoch Times aufgedeckt worden.
Lai, der als erster Arzt Präsident Taiwans wurde, sei „diesen Grundrechten sehr verpflichtet“, sagte Hsiao.

Taiwans Vizepräsidentin Hsiao Bi-khim (Archivfoto). Angesichts der chinesischen „Wolfskrieger“ hat Hsiao ihren eigenen Diplomatiestil entwickelt.

Foto: 張永泰, gemeinfrei

Gelassenheit angesichts von Pekings Drohungen

Als Hsiao an politischem Einfluss gewann, bezeichnete Peking sie als „unbeugsame“ Separatistin. China warf ihr zudem vor, mit den Vereinigten Staaten „unter einer Decke zu stecken“, um die Unabhängigkeit Taiwans voranzutreiben. Das kommunistische Regime setzte sie außerdem zweimal auf seine schwarze Liste.
Hsiao wertete dies als Einschüchterungstaktiken.
„Wir werden nicht zulassen, dass die Kommunistische Partei Chinas definiert, wer wir sind“, sagte sie. Wie auch andere Betroffene auch, die vom chinesischen Regime ins Visier genommen wurden, nehme sie die Sanktionen nach eigener Darstellung gelassen hin.
Da Hsiao keine persönlichen geschäftlichen Interessen in China habe, seien die Maßnahmen aus ihrer Sicht rein symbolischer Natur. So sehr Peking es auch versuche, könne dies ihre Bemühungen zur Verteidigung Taiwans und der Werte, für die das Land stehe, nicht stoppen.
Drohungen seien ein regelmäßiger Bestandteil des Lebens in Taiwan und nähmen von Tag zu Tag zu, so die Vizepräsidentin.
Das chinesische Regime setzt die Insel nahezu täglich mit Militärflugzeugen unter Druck. Zudem blockiert Peking regelmäßig die Teilnahme Taipehs an internationalen Foren, wirbt mit finanziellen Anreizen und großzügigen Versprechen diplomatische Verbündete des Inselstaates ab und verfolgt damit das Ziel, Taiwan international weiter zu isolieren.
Ein Mirage-2000-Kampfjet der taiwanesischen Luftwaffe startet am 29. Dezember 2025 vom Luftwaffenstützpunkt Hsinchu. Die Wahrung der Sicherheit der Insel sei unerlässlich, um „unseren Worten Taten folgen zu lassen“, sagte Taiwans Vizepräsident Hsiao Bi-khim. Foto: Cheng Yu-chen / AFP via Getty Images

Ein Mirage-2000-Kampfjet der taiwanischen Luftwaffe startet am 29. Dezember 2025 vom Luftwaffenstützpunkt Hsinchu.

Foto: Cheng Yu-chen/AFP via Getty Images

Doch die Drohungen zeigen sich auch in anderen Formen.
Während Hsiaos dreitägiger Reise nach Prag im Jahr 2024 wurde sie eigenen Angaben zufolge von chinesischen Diplomaten und Agenten beschattet, Diese sollen sogar einen möglichen Autounfall geplant haben. Zu diesem Zeitpunkt stand Hsiao nur wenige Wochen vor ihrem Amtsantritt als Vizepräsidentin.
Im Januar verhafteten die tschechischen Behörden einen Korrespondenten chinesischer Staatsmedien, der versucht hatte, belastende Informationen über protaiwanische Politiker im Land zu sammeln.
China übe durch verdeckte Kriegstaktiken zunehmenden Druck auf Taiwan aus, so Hsiao. Gleichzeitig sehe Taiwan jedoch Wege und Mittel, um sich zu wehren und die eigene Identität zu behaupten, sagte sie.
Das Nationale Sicherheitsbüro Taiwans teilte mit, dass es angesichts strenger staatlicher Kontrolle und wirtschaftlicher Schwierigkeiten eine wachsende Unzufriedenheit in China beobachte. Vor diesem Hintergrund habe Taiwan kürzlich ein Onlineportal eingerichtet, über das chinesische Staatsbürger Geheimdienstinformationen übermitteln können.
(vlnr) Taiwans Wirtschaftsminister Kung Ming-hsin, Pan Men-an, der Generalsekretär des Präsidenten, Vizepräsidentin Hsiao Bi-khim, Präsident Lai Ching-te, Premierminister Cho Jung-tai, der Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrates Joseph Wu und Verteidigungsminister Wellington Koo geben am 26. November 2025 im Präsidentenpalast in Taipeh eine Pressekonferenz. Trotz einer Bevölkerung von nur etwas über 23 Millionen Menschen spielt Taiwan auf dem Weltmarkt eine überproportional große Rolle. Foto: I-Hwa Cheng / AFP via Getty Images

Taiwans Führung während einer Pressekonferenz in Taipeh am 26. November 2025.

Foto: I-Hwa Cheng / AFP via Getty Images

Taiwan: Klein, aber oho!

Trotz einer Bevölkerung von nur etwas mehr als 23 Millionen Menschen spielt Taiwan auf dem globalen Markt eine weit über seine Größe hinausgehende Rolle. Bekannt als die „Silizium-Insel“, produziert das Land fast zwei Drittel der weltweiten Mikrochips – darunter nahezu alle hoch entwickelten – und ist damit ein zentraler Bestandteil der modernen digitalen Wirtschaft.
Im vergangenen Jahr überholte Taiwan Deutschland als viertgrößten Handelspartner der Vereinigten Staaten.
Auch ohne formelles Bündnis haben die engen Beziehungen zwischen den USA und Taiwan über verschiedene Regierungswechsel hinweg Bestand. Dies trägt trotz der Spannungen mit China dazu bei, den Frieden in der Taiwanstraße – einer zentralen Handelsroute des Welthandels – zu sichern. Jährlich passieren Waren im Wert von einigen Billionen US-Dollar die nur rund 180 Kilometer breite Wasserstraße.
Hsiao bezeichnete diese Beziehung als „eine der folgenreichsten Partnerschaften der Welt“. „Es ist eine Partnerschaft, die es der Welt ermöglicht hat, zu florieren“, sagte sie.
Die Zusammenarbeit wurde zuletzt weiter ausgebaut. Im Januar kündigten Taipeh und Washington ein umfassendes Chipabkommen an, das bestehende Handelsbarrieren reduziert. Damit verbunden ist eine taiwanische Investition von 250 Milliarden US-Dollar in die Halbleiter- und Energieinfrastruktur der Vereinigten Staaten.
Taiwans Chefunterhändlerin für Handelsfragen, Yang Jen-ni (links), der taiwanesische Vizepremier Cheng Li-chiun (Mitte) und Taiwans oberster Vertreter in den Vereinigten Staaten, Alexander Yui (rechts), sprechen am 16. Januar 2026 auf einer Pressekonferenz im Wirtschafts- und Kulturbüro Taipehs in Washington. Taiwan produziert rund zwei Drittel aller Mikrochips weltweit und ist damit ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen digitalen Wirtschaft. Foto: Eva Fu/The Epoch Times

Taiwans Handelsdelegation auf einer Pressekonferenz in Washington, D.C. am 16. Januar 2026.

Foto: Eva Fu/The Epoch Times

Freiheit versus Kommunismus

Die Heritage Foundation, eine konservative Denkfabrik, stufte Taiwan im Februar als fünffreieste Volkswirtschaft der Welt ein. China belegte Platz 154 auf der Liste.
Das taiwanische Modell, wie Hsiao es beschreibt, steht damit im deutlichen Gegensatz zu den Strukturen auf der anderen Seite der Meerenge. Hsiao zufolge seien eine regelbasierte Ordnung, Rechtsstaatlichkeit, Grundrechte und Innovationsfreiheit zentrale Voraussetzungen für wirtschaftliches Wachstum.
Es finde ein Wettbewerb statt, der sowohl wirtschaftlicher, politischer als auch ideologischer Natur sei. Sie habe keinen Zweifel daran, welches System langfristig bestehen werde. Während das kommunistische China „weiterhin seine Form des Sozialismus und Kommunismus propagiert“, sei Taiwan überzeugt, „dass die Demokratie funktioniert“. Die Fakten sprächen für sich selbst.
Über Jahrzehnte hinweg habe sich der Westen eng mit der chinesischen Wirtschaft verflochten – in der Erwartung, dass wirtschaftliche Integration und Wohlstand zu politischer Liberalisierung führen würden.
Dies sei jedoch nicht eingetreten, merkte Hsiao an. „Wir haben ein enormes Wirtschaftswachstum gesehen, aber nicht die politische Offenheit oder den Fortschritt, den viele erwartet hatten, sondern in einigen Bereichen sogar das Gegenteil“, sagte sie.
„Das ist eine Tatsache, die die meisten von uns berücksichtigen müssen, wenn wir nach den angemessensten Wegen suchen, mit ihr [der Volksrepublik China] umzugehen.“
Laut dem Internationalen Währungsfonds wird das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Taiwan im Jahr 2026 etwa dreimal so hoch sein wie auf dem chinesischen Festland.
Gleichzeitig arbeitet der Inselstaat daran, seine Verteidigungsfähigkeit auszubauen. Bis 2030 will Präsident Lai das Militärbudget von derzeit rund 3 Prozent auf 5 Prozent des BIP erhöhen. Anfang Juni testete Taiwan ein US-amerikanisches Raketensystem in Richtung Festland und simulierte damit die Abwehr einer möglichen Invasion durch China.
Taiwanische Soldaten tragen Artilleriegranaten für eine M109A2-Selbstfahrlafette während einer Schießübung in Taichung am 9. Juni 2026. Bis 2030 will Taiwans Präsident Lai Ching-te den Militärhaushalt des Landes von rund 3 Prozent auf 5 Prozent des BIP erhöhen. Foto: Cheng Yu-chen / AFP via Getty Images

Taiwanische Soldaten bei einer Schießübung in Taichung am 9. Juni 2026.

Foto: Cheng Yu-chen/AFP via Getty Images

Lais Regierung hat noch einige Hürden zu überwinden. Die Oppositionspartei, die Peking nähersteht, blockierte den Vorschlag für höhere Militärausgaben der Regierung mehrfach, bevor sie einem gekürzten Budgetgesetz zustimmte.
Hsiao bezeichnete den Fortschritt dennoch als Beleg für Taiwans Transparenz und Rechenschaftspflicht. Die Wahrung der nationalen Sicherheit bedeute im Kern, den eigenen Worten Taten folgen zu lassen, sagte sie. Ihre Partei werde die Bedeutung dieses Themas für die taiwanische Gesellschaft weiterhin betonen.
Weltweit habe sich Taiwan in „jede Ebene“ der Lieferketten für Künstliche Intelligenz und Technologie integriert, sagte Hsiao. Ihr Volk – die „Stabilisatoren“ und „Friedensstifter“ – leiste zudem auf anderen Wegen einen Beitrag auf der internationalen Bühne.
Dies sei ihre Vorstellung von „Katzendiplomatie“: Taiwan sei klein, aber dennoch eine ernstzunehmende Kraft. „Katzen sind klein, aber sie können das Zehnfache ihrer Körpergröße springen – oder mehr“, sagte sie und fügte hinzu: „Und sie haben neun Leben.“
 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Taiwan’s Vice President Not Afraid to Take on Beijing“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
HINWEIS: Das vollständige Interview mit „American Thought Leaders“ wird am Dienstag, den 23. Juni, um 17 Uhr Ostküstenzeit auf EpochTV ausgestrahlt (MET 23 Uhr, 23. Juni).
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Xi Jinpings neue Parteikampagne: Analysten warnen vor Rückkehr zur Mao-Ära

Eine neue Doktrin soll den ideologischen Einfluss von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping ausbauen und könnte den Weg für eine weitere Amtszeit nach 2027 ebnen.
Während die chinesische Wirtschaft schwächelt und die politischen Spannungen innerhalb der der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) zuzunehmen scheinen, hat Peking „Xi Jinpings Gedanken zum Parteiaufbau“ vorgestellt.
Laut China-Analysten signalisiert die Kampagne eine Verschiebung hin zu einem stärker zentralisierten, maoistischen politischen System unter der Führung der Partei.
Die Doktrin wurde am 15. Juni auf einer nationalen KPCh-Konferenz zum Parteiaufbau in Peking offiziell eingeführt. Hohe Funktionäre betonten dabei die Loyalität gegenüber Xi und forderten die Parteimitglieder auf, seine Schriften zu studieren.
Der Zeitpunkt der Veranstaltung fiel auf Xis 73. Geburtstag. Obwohl chinesische Führer traditionell keine öffentlichen Geburtstagsfeiern begehen, hoben die Staatsmedien das Ereignis und Xis Rolle in der Partei ungewöhnlich deutlich hervor.

Neue ideologische Kampagne

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur „Xinhua“ nahm Cai Qi an der Konferenz teil. Er ist Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros, einer der engsten Vertrauten Xis und in der Partei für Ideologie und Propaganda zuständig. Ebenfalls anwesend war Li Xi, der Leiter der zentralen Disziplinarkommission der KPCh.
Auf der Konferenz erklärten die Funktionäre, dass „Xi Jinpings Gedanken zum Parteiaufbau“ nun formell etabliert seien. Damit erweitern sie die länger werdende Liste an ideologischen Richtlinien, die Xis Namen tragen.
Cai forderte die Parteiorganisationen im ganzen Land auf, eine neue Runde politischer Studiensitzungen einzuleiten. Funktionäre und Parteimitglieder sollen „die Originalwerke studieren, die Originaltexte lernen und die Prinzipien von Xis Lehren verstehen“.
Zudem rief er dazu auf, die „Zwei Schutzklauseln“ zu unterstützen – einen politischen Slogan, der Xis Stellung als „Kern“ der Partei und die Autorität des Zentralkomitees sichern soll.

Ein Ende der Reform- und Öffnungspolitik

Analysten sehen in der Kampagne den Versuch Pekings, ideologische Konformität in der Bevölkerung in Zeiten wirtschaftlichen und politischen Drucks zu stärken.
Der in den USA lebende China-Analyst und Autor Chen Pokong sagte der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times, die neue Doktrin verpacke weitgehend bekannte KPCh-Parolen neu und betone dabei strenge Parteikontrolle.
Sie markiere einen symbolischen Bruch mit der Reform- und Öffnungspolitik, die der frühere KPCh-Chef Deng Xiaoping Ende der 1970er-Jahre eingeleitet habe.

Ein dekorativer Teller mit einem Bild des chinesischen Machthabers Xi Jinping hinter einer Statue des verstorbenen kommunistischen Anführers Mao Zedong am 27. Februar 2018 in einem Souvenirgeschäft in der Nähe des Tiananmen-Platzes in Peking.

Foto: Greg Baker/AFP via Getty Images

„Jahrzehntelang war Chinas Reformperiode im Kern ein Versuch, sich von der Kulturrevolution und der revolutionären Politik der Mao-Ära zu lösen“, sagte Chen. „Xi Jinping hat diese Richtung umgekehrt und China zurück zu einem System geführt, in dem die Partei jeden Bereich der Gesellschaft bestimmt.“

„Die Partei führt alles“

In diesem Jahr jährt sich der Beginn der Kulturrevolution zum 60. Mal – jene zehnjährige politische Bewegung unter Mao, die zu massenhaften Tod und Zerstörung führte.
Nach Ansicht Chens stellt die Einführung der „Gedanken zum Parteiaufbau“ unter Xi eine ideologische Ankündigung dafür dar, dass die Reformära faktisch beendet sei. „Seine Theorie läuft letztlich auf eine zentrale Idee hinaus: Die Partei führt alles.“
Die KPCh hat Xis Namen in den vergangenen Jahren zunehmend in offizielle ideologische Leitlinien integriert und seinen Status im politischen Kanon der Partei erhöht.
„Xinhua“ bezeichnete die neue Doktrin als „bedeutenden originären Beitrag“ zur marxistischen Theorie des Parteiaufbaus.
Chen betrachtet das wachsende „Xi-Gedankengut“ jedoch eher als politische Markenbildung denn als kohärentes theoretisches System. Viele der damit verbundenen Konzepte stammen von Wang Huning, dem Chefideologen der Partei und Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros.
„Von allen theoretischen Systemen der KPCh-Führer ist Xis vermutlich das unkonkreteste“, sagte Chen. „Es fungiert mittlerweile als eine Art Sammelbecken, das beliebig befüllt werden kann.“

Grundstein für weitere Amtszeit Xi?

Der staatliche Sender CCTV veröffentlichte am 15. Juni ein sechsminütiges Video mit dem Titel „Kommunistisches Parteimitglied Xi Jinping“, das auf allen großen chinesischen Medienplattformen prominent platziert wurde.
Darin wird hervorgehoben, dass Xis „primäre Identität die eines kommunistischen Parteimitglieds“ sei und seine „erste Verantwortung darin bestehe, für die Partei zu arbeiten“.
Chen zufolge verdeutlicht diese Rhetorik Xis anhaltenden Fokus auf die Vormachtstellung der Partei gegenüber allen staatlichen Institutionen. „Die Botschaft ist eindeutig“, so Chen. „Es geht nicht darum, dem Staat zu dienen, nicht darum, dem Volk zu dienen, sondern ausschließlich darum, der Partei zu dienen.“
Der Analyst geht davon aus, dass die Kampagne sowohl Xis Autorität festigen als auch Parteifunktionären signalisieren soll, dass das bestehende politische System ihre Interessen weiterhin schützen wird. Er vermutet, dass damit der Grundstein für eine weitere Amtszeit Xis nach 2027 gelegt werden soll.

Loyalitätsbekundungen

„Die Botschaft lautet: Ob die Funktionäre es studieren wollen oder nicht – sie müssen es tun”, sagte Chen. „Der Inhalt mag vage sein, die politische Forderung ist jedoch sehr klar.“
Der in den USA ansässige Kommentator für chinesische Zeitfragen Li Linyi teilt diese Einschätzung. Die KPCh setze in Zeiten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Drucks weiterhin auf ideologische Kampagnen und politische Kämpfe, um die Kontrolle zu wahren.
Allerdings könnte die neue Bewegung kontraproduktiv wirken, da sie zwar nach außen Loyalität erzeugt, unter den Parteimitgliedern jedoch Frustration schürt.
„An der Oberfläche zeigen sie Xi gegenüber Loyalität, während sie privat Unzufriedenheit äußern“, sagte Li Linyi. „Jeder betreibt diese falsche Loyalitätsbekundung. Eines Tages könnte die KPCh dadurch von selbst zusammenbrechen.“
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „CCP Introduces ‘Xi Jinping Thought on Party Building’ as Analysts Warn of Mao-Era Return“. (redaktionelle Bearbeitung: hy)
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Vom mächtigen Abt zum Verurteilten: Der tiefe Fall des „CEO-Mönchs“

Der sagenumwobene Shaolin-Tempel in China, der als die Geburtsstätte des Kung-Fu und des Zen-Buddhismus gilt, sieht sich einem handfesten Skandal gegenüber und im Zentrum steht der ehemalige Abt des Klosters.
Laut der staatlichen chinesischen Zeitung „People’s Daily“ befand ein Gericht in der Stadt Xinxiang in der Provinz Henan Shi Yongxin am 29. Mai wegen Unterschlagung, Veruntreuung von Geldern und Bestechung für schuldig.
Das Gericht stellte fest, dass er seine Ämter als Abt und als Vorsitzender der Shaolin-Wohltätigkeitsstiftung ausgenutzt habe, um zwischen 2003 und 2025 Vermögenswerte des Tempels im Wert von mehr als 131 Millionen Yuan (etwa 17 Millionen Euro) zu veruntreuen.
Zudem habe er seit 2006 für Bauprojekte am Tempel illegal Bestechungsgelder im Gesamtwert von mehr als 11,63 Millionen Yuan (1,5 Millionen Euro) entgegen genommen.
Da er nach seiner Festnahme „seine Straftaten wahrheitsgemäß gestanden […] und Reue gezeigt hat“, wurde er zu einer Freiheitsstrafe von 24 Jahren und einer Geldstrafe von 3,5 Millionen Yuan (circa 450.000 Euro) verurteilt.
Laut offiziellen Angaben erklärte Shi, der unter dem bürgerlichen Namen Liu Yingcheng geboren wurde, vor Gericht, dass er das Urteil akzeptiere und keine Berufung einlegen werde.

Schwere Vorwürfe gegen den „CEO-Mönch“

Shi war für 25 Jahre Abt des berühmten Shaolin-Tempels, der in der Nähe der zentralchinesischen Stadt Zhengzhou in der Provinz Henan liegt. Weithin war Shi jedoch als „CEO-Mönch“ bekannt, denn er war maßgeblich an der Kommerzialisierung der „Marke“ Shaolin und der Gründung internationaler Shaolin-Zentren beteiligt.
Vor knapp einem Jahr wurden die Ermittlungen gegen Shi eingeleitet, die zu seiner Verurteilung führten. Wie die englischsprachige Ausgabe der Epoch Times berichtete, teilte dies die Tempelleitung in einer Erklärung am 27. Juli 2025 mit. Dem 60-Jährigen wurde damals auch vorgeworfen, gegen die buddhistischen Gebote verstoßen zu haben, indem er „über einen langen Zeitraum hinweg unangemessene Beziehungen zu mehreren Frauen unterhielt“ – und mindestens ein uneheliches Kind gezeugt habe.
Noch am 23. Juli veröffentlichte er auf seinem Weibo-Account, Chinas Version von X, mit 880.000 Abonnenten, seine Interpretation der buddhistischen Lehre.

8. November 2009 im Shaolin-Tempel in der Provinz Henan – Abt Shi Yongxin im Gespräch mit AFP. Der Shaolin-Tempel, bekannt als Geburtsort des Zen-Buddhismus und weltberühmt für sein Kung-Fu, ist ein Ort, der im Westen Ehrfurcht und Mystik hervorruft, in China jedoch wegen seiner zügellosen Kommerzialisierung umstritten ist.

Foto: Peter Parks/AFP via Getty Images

Shi darf nicht mehr Mönch sein

Auch die Buddhistische Vereinigung Chinas, eine staatlich kontrollierte Körperschaft unter Aufsicht der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), gab eine offizielle Erklärung zu dem Fall ab.
Am 28. Juli erklärte die Vereinigung, in der Shi seit 1998 als deren stellvertretender Präsident fungierte, dass man der Entscheidung zur Aufhebung seiner Ordination als Mönch zugestimmt habe.
„Die Taten von Shi Yongxin sind äußerst verwerflich und beschädigen den Ruf des Buddhismus sowie das Ansehen der Mönche zutiefst“, erklärte die oberste buddhistische Behörde des Landes.
Neu waren die Anschuldigungen gegen Shi nicht. Im vergangenen Jahrzehnt war der Abt in mehrere Skandale verwickelt – Vorwürfe reichten von Unterschlagung bis zu unerlaubten sexuellen Aktivitäten.

6. April 2005 – „Shaolin-CEO“ Shi Yongxin, der Abt des Shaolin-Tempels, auf dem Weg zum Frühstück.

Foto: Cancan Chu/Getty Images

Am 8. August 2015 reiste Shaolin-Cheftrainer Shi Yanlu mit fünf Begleitern nach Peking, um bei der Staatlichen Verwaltung für religiöse Angelegenheiten der KPCh eine formelle Beschwerde einzureichen, in der sie Shi „zehn Verbrechen“ vorwarfen.
Eine Untersuchung der Behörden gegen den Abt wurde jedoch im selben Jahr aus „Mangel an Beweisen“ eingestellt.
Laut der chinesischsprachigen Epoch Times genoss Shi weiterhin das Vertrauen der Behörden und war häufig und in prominenter Weise bei wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Veranstaltungen im In- und Ausland zu sehen.

19. Januar 2014 im Grand Theatre in Dakar, Senegal – ein Auftritt einer Show-Truppe aus dem Shaolin-Kloster.

Foto: Seyllou/AFP via Getty Images

Die guten Beziehungen des Abtes

Die chinesische Wirtschaftszeitschrift „Caixin“ veröffentlichte im Jahr 2015 einen Bericht, wonach der Abt enge Beziehungen zu höchsten Parteikreisen pflegte, darunter zum ehemaligen Staats- und Parteichef Jiang Zemin. Dieser war es auch, der ihn zu seiner Amtszeit 1998 in den Nationalen Volkskongress berief – ein von der Partei kontrolliertes Scheinparlament. Shi, der auch Parteimitglied ist, hatte diese Position zwanzig Jahre lang inne.
Auch zum damaligen Parteichef der Provinz Henan, Li Changchun, pflegte der „CEO-Mönch“ gute Beziehungen. Dieser war zudem in der Zeit von 2002 bis 2012 Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros der KPCh und dort für Ideologie zuständig, was die Frage des Buddhismus einschließt.
Shi war ein wichtiger Akteur in der Soft-Power-Strategie der KPCh, die unter anderem durch Shaolin-Kulturzentren und Konfuzius-Institute in die Welt gebracht wurde und wird.
Der Shaolin-Abt pflegte auch enge Beziehungen zum Militär, und die von ihm geleiteten Shaolin-Mönche haben zahlreiche Kampfkunstschulen gegründet, die als wichtige Rekrutierungsquellen für die Spezialeinheiten der Volksbefreiungsarmee dienen.
Ob Shi selbst Kung-Fu praktizierte, ist nicht bekannt.
Zum Urteil des Shaolin-CEOs schrieb der chinesische Kommentator David Tsai auf X: „Shis Aussage vor Gericht, er werde ‚das Urteil ohne Berufung akzeptieren‘, ist vielsagend. Denn oft bedeutet der Verzicht auf Berufung nicht vollständige Reue – es bedeutet vielmehr, dass der Angeklagte weiß, dass sein Schutzschild weg ist und eine Berufung sinnlos wäre.“

Von „es war einmal“ bis heute

Einst war der Shaolin-Tempel ein Hort spiritueller Disziplin und Entwicklung. Auch heute gilt die religiöse Glaubensstätte als eines der renommiertesten buddhistischen Klöster des Landes und der Welt.
Allerdings erfuhr der ab etwa 500 n. Chr. errichtete historische Tempel unter der Herrschaft der KPCh erhebliche Veränderungen. Nach der Gründung des kommunistischen Chinas im Jahr 1949 wurden Religionen argwöhnisch beobachtet und unter strenge staatliche Kontrolle gestellt.
Parteichef Mao Zedong sah die Loyalität von Menschen gegenüber einer höheren Macht als Hindernis für die Entfaltung der kommunistischen Ideologie, welche die Partei an die Spitze von allem stellt.
Aus der anfänglichen Duldung wurde spätestens zur Zeit der Kulturrevolution (1966 bis 1976) eine brutale Unterdrückung, die mit der Zerstörung zahlreicher Tempel, Klöster und anderer Glaubensstätten und unzähliger Schriften, Statuen und Kulturschätze einherging. Viele Mönche wurden verhaftet und zur Zwangsarbeit geschickt, gefoltert und ermordet.
Das buddhistische Shaolin-Kloster nahm erstmals in 1.500 Jahren unter Shis Führung einen politischen Standpunkt ein, indem es im August 2018 die rote Nationalflagge der KP hisste.
Heute ist der Tempel ein globaler Konzern mit zahlreichen Unternehmenseinheiten. Es gibt eine Film- und Fernsehgesellschaft, eine Akademie für Malerei, ein Verlagshaus und eine Truppe für darstellende Künste sowie rund 200 „Kulturzentren“ in mehreren Ländern.
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Bundesregierung fehlt Lagebild zu chinesischen Bauteilen

Der Bundesregierung fehlt ein umfassendes Lagebild, welche chinesischen Komponenten wo in der kritischen Infrastruktur in Deutschland verbaut sind. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, über welche die FAZ berichtet.

Energieanlagen zunehmend im Fokus

Die Regierung sieht zwar die Gefahren, die von chinesischer Technik in Autos, Windrädern und Hafenkränen ausgehen können. Nach eigener Aussage bewertet sie die Cybersicherheit vernetzter Energieanlagen als immer wichtiger werdendes Thema für die Elektrizitätsversorgung in Deutschland und Europa.
Laut Bundesinnenministerium sei man aber immer noch dabei, technische und regulatorische Gegenmaßnahmen zu prüfen.
Der Grünen-Politiker Anton Hofreiter, Vorsitzender des Europaausschusses des Bundestags, sagte der FAZ, die Antwort der Bundesregierung bestätige seine schlimmsten Vermutungen zu den Sicherheitsrisiken chinesischer Technologien im Bereich der kritischen Infrastruktur.
Es bestätige sich die Sorge, dass Chinas Einfluss auf die kritische Infrastruktur in Deutschland ein hohes Sicherheitsrisiko darstelle. Dass Deutschland keine umfassende Übersicht über verbaute chinesische Komponenten habe, sei hochriskant. „Es ist höchste Zeit, hier konkrete Maßnahmen umzusetzen.“ (dts/red)
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Geschichtsprofessor: Der Moment, in dem mein Glaube an die Partei zerbrach – eine manipulierte Rede zerstörte alles


In Kürze

  • Bruch mit der Partei nach 1999 und Flucht in die USA
  • Karriere als Professor und China-Kommentator
  • Warnungen vor Einflussoperationen und medialer Propaganda

 
Zhang Tianliangs Vertrauen in die Kommunistische Partei Chinas zerbrach genau dort – in einem großen staatlichen Auditorium in Peking. Hunderte Menschen wurden an diesem schwülheißen Morgen im Juli 1999 dort festgesetzt, ohne zu wissen, was als Nächstes geschehen würde.
Es war der Beginn einer Verfolgung, wie sie China seit der Kulturrevolution nicht mehr erlebt hatte. Doch damals ahnte das noch niemand …
„Wartet bis 15 Uhr. Ihr werdet es im Fernsehen sehen“, sagten die Offiziere zu ihnen.
Punkt 15 Uhr kam die Enthüllung: Falun Gong, die spirituelle Praxis, die Zhang und Millionen andere damals in China ausübten, war von der chinesischen Führung verboten worden. Während die Menge den Schock verarbeitete, begann auf den zahlreichen an der Decke befestigten Fernsehbildschirmen eine staatliche Dokumentation zu laufen, die den Gründer von Falun Gong, Li Hongzhi, angriff.
Unter all den Behauptungen, die Zhangs Parteitreue zunehmend ins Wanken brachten, gab es eine, die seine Illusionen mit einem Schlag zerstörte: Gezeigt wurde ein kurzer Ausschnitt aus einer Rede von Li Hongzhi, die er Monate zuvor gehalten hatte. Zhang hatte die Rede jedoch vollständig gesehen. Deshalb fiel ihm sofort auf, dass die Partei in dem gezeigten Ausschnitt eine Formulierung herausgeschnitten hatte – mitten im Satz. Dadurch wurde die Aussage von Li Hongzhi ins Gegenteil verkehrt.
Wenn das Regime eine Rede manipulieren konnte, um belastendes Beweismaterial zu konstruieren, wozu war es dann noch fähig?
Zhang wurde klar, dass die Partei ihn möglicherweise sein ganzes Leben lang belogen hatte.

Die Flucht aus China

Ein Jahr später, im Jahr 2000, floh Zhang aus China in die USA. Heute, 26 Jahre später, arbeitet er als außerordentlicher Professor für chinesische Geschichte und als politischer Kommentator. Er ist Mitautor mehrerer Bücher über den Kommunismus, die in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurden. Als er in der Talkshow „Diskussionen über die Kultur der Kommunistischen Partei Chinas“ auftrat, wurde die Sendung per Videoaufzeichnung in ganz China verbreitet und war dort auch über ausländisches Satellitenfernsehen zu empfangen. Nach Zhangs Schätzungen könnte sie viele Millionen Menschen erreicht haben.
Prof. Zhangs jüngstes Projekt ist der englischsprachige Dokumentarfilm „Chinas heimliche Invasion“. Darin werden die bekannten Einfluss- und Infiltrationstaktiken des Pekinger Regimes beleuchtet. Laut Beschreibung handelt es sich um eine „brisante investigative Dokumentation, die untersucht, wie die Kommunistische Partei Chinas Amerikas Offenheit, Institutionen und Abhängigkeiten nutzt, um ihren Einfluss von innen heraus auszubauen“.
Zhang sagte, Amerika habe ihn aufgenommen, als er besonders verletzlich gewesen sei. Nun, da die Freiheiten seiner zweiten Heimat auf dem Spiel stünden, sehe er es als seine Pflicht an, seine Stimme zu erheben.
„Die Kommunistische Partei Chinas betrachtet Amerika als ihren größten Feind“, erklärte er gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times. „Ich kann nicht einfach zusehen, wie sie dieses Land manipuliert und seine Lebensweise zerstört.“

Ein Standbild aus der Dokumentation „Chinas heimliche Invasion“ zeigt Zhang Tianliang (links), Historiker und Professor am Fei Tian College, und David Zhang, Moderator des YouTube-Kanals China Insider.

Foto: Screenshot via The Epoch Times

Pekings Einfluss reicht bis Amerika

Von Mao Zedongs berühmter Abwertung der Vereinigten Staaten als ‚Papiertiger‘ bis zu Xi Jinpings Ambitionen einer globalen „Gemeinschaft mit geteilter Zukunft“ haben Generationen von Parteiführern nach größerem internationalem Einfluss gestrebt.

„Ungeachtet der Verpackung bleibt das Ziel dasselbe: die kommunistische Ideologie in die ganze Welt zu exportieren“, sagte Zhang.
Im Jahr 2024 erlebte Zhang dies nach eigenen Angaben hautnah – diesmal jedoch auf amerikanischem Boden.
Das Muster erinnerte ihn an die Propagandakampagne, die er ein Vierteljahrhundert zuvor in China erlebt hatte. Eine negative Medienkampagne mit einer Flut von Anschuldigungen wegen angeblichen Fehlverhaltens und Extremismus richtete sich gegen Organisationen, die von Falun-Gong-Praktizierenden in den USA gegründet worden waren. Zhang rang darum, das Gesehene zu begreifen.
Zhang Tianliang, ein chinesischer Geschichtsprofessor, politischer Kommentator und Schriftsteller, spricht darüber, wie die soziale Bewegung „Tuidang“ (Parteiaustritt) zum Zusammenbruch des chinesischen Regimes führen wird. Foto: Li Sha/The Epoch Times

Zhang Tianliang, ein chinesischer Geschichtsprofessor, politischer Kommentator und Schriftsteller, spricht darüber, wie die soziale Bewegung „Tuidang“ (Parteiaustritt) zum Zusammenbruch des chinesischen Regimes führen wird.

Foto: Li Sha/The Epoch Times

Falun Gong als Testfeld

Im Dezember desselben Jahres enthüllte ein Insider mit Zugang zu den höchsten chinesischen Politkreisen eine neue globale Einflussoperation des Regimes. Die Strategie bestand darin, Influencer in den sozialen Medien, westliche Medien und das US-amerikanische Rechtssystem zu instrumentalisieren. Alles mit dem Ziel, Falun Gong in den Vereinigten Staaten zu diffamieren und zu unterdrücken.
Zhang glaubte, die Hintergründe sofort zu erkennen. Er erinnerte sich an das 1991 erschienene Buch „Amerika gegen Amerika“ des chinesischen Polittheoretikers und heutigen Politbüromitglieds Wang Huning. Das in China weitverbreitete Werk beschreibt die Fragmentierung und Polarisierung der Vereinigten Staaten und bestärkt die chinesische Führung in ihrer Überzeugung vom langfristigen Niedergang Amerikas.
Diese Denkweise wurde 1999 in dem Buch „Uneingeschränkte Kriegsführung“ von zwei Obersten des chinesischen Militärs weiterentwickelt. Darin skizzierten sie verschiedene unkonventionelle Methoden, mit denen China einem militärisch überlegenen Gegner begegnen könnte.
Für Zhang ergab sich daraus ein klares Bild: Die Falun-Gong-Gemeinschaft, die in China und weltweit zig Millionen Anhänger zählt, sei für das Regime über Jahre hinweg ein Testfeld gewesen, um Methoden der Verfolgung, Kontrolle und Einflussnahme zu entwickeln und zu verfeinern.
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Und was sich dort abspielte, war genau das, was sich die chinesischen Eliten vorgestellt hatten. Zhang erklärte: „Amerikanische Institutionen werden gegen ein amerikanisches Unternehmen instrumentalisiert.“ Diese Überzeugung verstärkte sich mit dem Auftauchen neuer Informationen.
Wochen zuvor waren zwei chinesische Agenten verurteilt worden. Sie hatten versucht, einen Beamten der US-Steuerbehörde IRS zu bestechen. Er sollte Ermittlungen gegen Shen Yun Performing Arts einleiten, ein von Falun-Gong-Praktizierenden in den USA gegründetes gemeinnütziges Tanzensemble. Einer der Männer hatte während Reisen nach China Geldbündel von chinesischen Beamten angenommen.
Laut Gerichtsakten reisten dieselben Personen zum Hauptsitz von Shen Yun in Orange County, New York, um Falun-Gong-Praktizierende zu überwachen und Material für „die Grundlage einer möglichen Umweltklage zu sammeln, die darauf abzielte, das Wachstum der Falun-Gong-Gemeinde in Orange County zu behindern“.
Ein Garten vor dem Südtor des Dragon Springs Campus in Cuddebackville, New York, am 1. Oktober 2023. Foto: Cara Ding/The Epoch Times

Ein Garten vor dem Südtor des Dragon Springs Campus in Cuddebackville, New York, am 1. Oktober 2023.

Foto: Cara Ding/The Epoch Times

Ein Beispiel für Pekings Methoden

Auf X entstanden Tausende chinesischer Accounts, die Artikel gegen Shen Yun verbreiteten. Nach einer Recherche der Epoch Times entfernte die Plattform zahlreiche dieser Accounts.
Falun Gong ist nach Ansicht Zhangs ein Beispiel dafür, wie Pekings Einflussoperationen im Ausland funktionieren. Durch den jahrzehntelangen friedlichen Widerstand gegen die Verfolgung seiner Anhänger sei die Bewegung zu einem der größten Gegner des Regimes geworden. Die Partei habe einst geglaubt, Falun Gong innerhalb weniger Monate beseitigen zu können. Jahrzehnte später besteht die Gemeinschaft jedoch weiterhin.
Die gegen Falun Gong eingesetzten Maßnahmen machten die Glaubensgemeinschaft aus Zhangs Sicht zu einem Beispiel für die Methoden, mit denen Peking versucht, abweichende Meinungen auch außerhalb Chinas zu unterdrücken. Dadurch lasse sich nachvollziehen, wie Einfluss- und Druckmechanismen des kommunistischen Regimes über die Landesgrenzen hinaus wirken können.
Screenshots von gefälschten Accounts, die den Bericht der New York Times über Shen Yun Performing Arts auf X veröffentlichten und weiterverbreiteten. Die Plattform löschte nach einer Recherche der Epoch Times zahlreiche dieser Accounts. Foto: X/Screenshots via The Epoch Times

Screenshots von gefälschten Accounts, die den Bericht der New York Times über Shen Yun Performing Arts auf X veröffentlichten und weiterverbreiteten. Die Plattform löschte nach einer Recherche der Epoch Times zahlreiche dieser Accounts.

Foto: X/Screenshots via The Epoch Times

Der Bruch mit China

Die erste Hälfte von Zhangs Leben war vom Glauben an die Kommunistische Partei und deren Anspruch geprägt, „dem Volk zu dienen“.
Das änderte sich 1999, als der damals 26-Jährige gegen die Unterdrückung seines Glaubens protestieren wollte. Die Polizei brachte ihn in einem Bus zu einer Propagandaveranstaltung, bei der Falun Gong öffentlich denunziert wurde.
Nach einer Woche des Nachdenkens stand für ihn fest, dass China nicht länger seine Heimat war.
Im Jahr 2000, wenige Monate nachdem seine Mutter wegen des Praktizierens von Falun Gong zu einem Jahr Haft verurteilt worden war, verließ Zhang das Land und reiste in die USA.
Dort begann er, frei von Chinas Internetzensur, die Geschichte seines Heimatlandes neu zu erforschen. Er las Memoiren, sah Dokumentarfilme und studierte alles, was er über das moderne China des 20. Jahrhunderts finden konnte.
Das erste Thema, mit dem er sich auseinandersetzen musste, war das Massaker auf dem Tiananmen-Platz 1989.
Im September 1989, drei Monate nach dem Blutbad auf dem Tiananmen-Platz, kam Zhang als Studienanfänger nach Peking. Die ersten zwei Wochen hatte die neue Gruppe fast ausschließlich eine Aufgabe: sich mit dem Vorfall auseinanderzusetzen und Informationsmaterial zu lesen und anzusehen. Alle vermittelten dieselbe Botschaft: Die jungen Demokratieaktivisten seien Randalierer gewesen, die in China Chaos gestiftet hätten.

Vom Parteiglauben zur Ernüchterung

Zhang war zu jung, um an den Protesten von 1989 teilzunehmen, betrachtete sich damals jedoch als Unterstützer der Studentenbewegung. Dennoch sagte er rückblickend, dass er nach den Informationsveranstaltungen zu Beginn seines Studiums „völlig einer Gehirnwäsche unterzogen“ worden sei.
„Ich fand, die Kommunistische Partei hat richtig gehandelt. Wie hätte sie dieses Chaos sonst beseitigen sollen?“, erinnerte er sich. „So mächtig ist Gehirnwäsche.“
Im Geschichtsunterricht habe er gelernt, dass die Kommunistische Partei Chinas zu Unabhängigkeit und Wohlstand geführt habe. Diese Darstellung glaubte er lange Zeit. Selbst wenn er gelegentlich mit kritischen Ansichten konfrontiert wurde, war er überzeugt, dass die Partei letztlich im Interesse des Landes handle.
Erst als er sich intensiver mit der Geschichte des kommunistischen Chinas beschäftigte, begann sein Weltbild zu bröckeln. Berichte über die Millionen Todesopfer während der Landreformen der 1950er-Jahre, der Großen Hungersnot, der Kulturrevolution und der Niederschlagung der Proteste auf dem Tiananmen-Platz erschütterten ihn zutiefst.
Der endgültige Bruch kam, als die Partei gegen Falun Gong vorging. Eine spirituelle Bewegung, der sich zuvor mehrere Dutzend Millionen Menschen angeschlossen hatten, wurde plötzlich zur Zielscheibe einer landesweiten Verfolgung. Menschen verschwanden spurlos, Berichte über Folter und andere schwere Menschenrechtsverletzungen häuften sich.
Für Zhang fügte sich all dies zu einem düsteren Gesamtbild zusammen. Er bezeichnete die Geschichte des chinesischen Kommunismus als „eine Geschichte des Mordes“.
Anhänger von Falun Gong zeigen am 20. Juli 2005 in der Nähe von Chinatown in Sydney ein Banner mit nachgestellten Folterszenen. Foto: Greg Wood/AFP/Getty Images

Anhänger von Falun Gong zeigen am 20. Juli 2005 in der Nähe von Chinatown in Sydney ein Banner mit nachgestellten Folterszenen.

Foto: Greg Wood/AFP/Getty Images

„Es ist einfach entsetzlich“, sagte er. Und er glaubt, dass eine Strategie dahinterstecke. Das kommunistische Regime regiere durch Zwang, sagte er; alle paar Jahre müsse es eine Terrorkampagne inszenieren, die einen „bis ins Mark erschauern“ lasse.
Bei jedem Schritt, so sagte er, habe das Regime die Grundlagen Chinas angegriffen: Kultur, Denken und Glauben.
Die atheistische Kommunistische Partei baue ihre Legitimität auf einer systematischen „Parteikultur“ auf, und jede andere Ideologie, die davon abweicht – sei es die westliche Demokratie oder die chinesische Tradition –, stelle eine Bedrohung dar, sagte Zhang.
„Es ist ein Kampf der Seele.“

„Kenne deinen Feind“

Zhang hatte sich mit vollem Einsatz in den Kampf gestürzt. Den Großteil seiner Energie verwendet er nun darauf, vor dem zu warnen, was er als kommunistische Unterwanderung Amerikas bezeichnet.
Als YouTube-Influencer hat er einen beträchtlichen Teil der chinesischen Community im Westen erreicht; jetzt möchte er, wie er sagt, die Botschaft auch mehr Amerikanern vermitteln.
Zhang Tianliang, Professor am Fei Tian College in Cuddebackville, New York, am 10. Mai 2026. Foto: Samira Bouaou/The Epoch Times

Zhang Tianliang, Professor am Fei Tian College in Cuddebackville, New York, am 10. Mai 2026.

Foto: Samira Bouaou/The Epoch Times

Für Zhang hat die Auseinandersetzung inzwischen auch eine persönliche Dimension angenommen. Eine ehemalige Studentin des Fei Tian College, das mit Shen Yun verbunden ist, hatte seinen Angaben nach ihre Studienzeit dort zunächst geschätzt und ihn sogar zu ihrer Hochzeit eingeladen. Später reiste sie nach China, arbeitete mit einer staatlichen chinesischen Tanzakademie zusammen und verklagte anschließend sowohl Zhang als auch die Bildungseinrichtung.
In seinem Dokumentarfilm „Chinas heimliche Invasion“ beschäftigt sich Zhang mit dem, was er als „Rechtskrieg“ bezeichnet. Dabei geht es um die Nutzung juristischer Mittel zur Schwächung oder Einschüchterung von Gegnern.
Die China-Forscherin Sarah Cook erklärte in dem Film, sie habe in verschiedenen Ländern Fälle erlebt, in denen Kritiker Pekings durch Klagen unter Druck gesetzt worden seien. Viele dieser Verfahren seien später eingestellt oder abgewiesen worden. Dennoch könnten sie aus ihrer Sicht zwei Ziele erfüllen: den Betroffenen finanzielle Belastungen aufzuerlegen und ihren Ruf zu beschädigen.
Zhang betonte jedoch, dass er den Blick auf das größere Bild richte. Dabei verweist er auf ein bekanntes Zitat des Bürgerrechtlers Martin Luther King Jr.: „Ungerechtigkeit an einem Ort ist eine Bedrohung für die Gerechtigkeit überall.“
Aus seiner Sicht richte sich der Konflikt nicht nur gegen einzelne Personen oder Organisationen, sondern gegen grundlegende Werte. „Man muss sie nicht aktiv bekämpfen“, sagte Zhang über die Kommunistische Partei Chinas. „Solange man anders und gut ist, bildet man einen Kontrast zu ihrem Bösen.“
Standbilder aus der Dokumentation „Chinas heimliche Invasion“ zeigen (oben links) Bill Gertz, Journalist und Autor im Bereich nationale Sicherheit. (oben rechts) Anna Massoglia, investigative Journalistin und Forscherin zu politischen Ausgaben und ausländischen Einflussoperationen. (unten links) Rich Fisher, Senior Fellow am International Assessment and Strategy Center. (unten rechts) Sarah Cook, Forschungsanalystin für Medienfreiheit, Religion und Menschenrechte in China. Foto: Epoch Times

Standbilder aus der Dokumentation „Chinas heimliche Invasion“ zeigen (oben links) Bill Gertz, Journalist und Autor im Bereich nationale Sicherheit; (oben rechts) Anna Massoglia, investigative Journalistin und Forscherin zu politischen Ausgaben und ausländischen Einflussoperationen; (unten links) Rich Fisher, Senior Fellow am International Assessment and Strategy Center; (unten rechts) Sarah Cook, Forschungsanalystin für Medienfreiheit, Religion und Menschenrechte in China.

Foto: Epoch Times

Um der wachsenden Bedrohung durch Infiltration zu begegnen, müsse der Westen wachsam bleiben, sagte Zhang.
In dem klassischen chinesischen Militärtraktat „Die Kunst des Krieges“ aus dem fünften Jahrhundert vor Christus schrieb der Stratege Sun Tzu: „知己知彼, 百戰不殆“ – „Kenne dich selbst und kenne deinen Gegner, dann bist du in hundert Schlachten unbesiegbar.“
Peking kennt den Feind; Zhang fragt sich, ob Amerika ihn auch kennt.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „A Scholar Escaped China Two Decades Ago. Now He’s Warning About Beijing’s Infiltration in America“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Verantwortliche für den Hochhausbrand in Hongkong angeklagt

Gut ein halbes Jahr nach dem verheerenden Brand in einem Hochhaus-Wohnblock in Hongkong mit 168 Toten sind mehrere Menschen und Unternehmen angeklagt worden.
Ihnen würden 25 Straftatbestände zur Last gelegt, darunter fahrlässige Tötung, Verschwörung zum Betrug, Geldwäsche, versuchte Behinderung der Justiz und Steuerhinterziehung, erklärte die Hongkonger Regierung am Mittwoch, 10. Juni.
Durch die Brandkatastrophe im Wohnkomplex Wang Fuk Court hatten tausende Menschen ihr Zuhause verloren.
Das Feuer im nördlichen Stadtteil Tai Po Ende November war weltweit der Brand mit den meisten Opfern in einem Wohnhaus seit 1980. Die Flammen wüteten mehr als 40 Stunden lang und erfassten sieben der acht Hochhausblöcke der Wohnanlage, zu der insgesamt fast 2000 Wohneinheiten gehören. Tausende Menschen mussten in der Folge in Behelfsunterkünfte umziehen.
Ermittlungen zufolge hatte eine brennende Zigarette leicht entflammbares Material entzündet. Dass die bei der Renovierung eingesetzten Bambusgerüste, Schutznetze und weitere Materialien nicht ausreichend hitzebeständig waren, begünstigte die schnelle Ausbreitung des Feuers. Zudem waren beim Brandausbruch in sieben der acht Hochhäuser die Brandmelder deaktiviert.
Wie aus einer von der Nachrichtenagentur AFP eingesehenen Klageschrift hervorgeht, wurden die Leiter des Bauunternehmens und des Beratungsbüros, die an der Renovierung von Wang Fuk Court beteiligt waren, sowie ein Prüfer und die beteiligten Unternehmen wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.
Insgesamt wurden demnach sieben Personen wegen Geldwäsche und Steuerbetrugs angeklagt.

„Ein Land, zwei Systeme“ weiter infrage

Zuvor hatten Insider von mutmaßlichen Kartellpraktiken, Kostenmanipulationen und dem Einsatz billiger, leicht entflammbarer Schutznetze berichtet. Eine Artikelserie zu diesen Vorwürfen wurde jedoch am 30. November aus „technischen“ Gründen aus dem Online-Archiv entfernt.
Eine unterdrückte Petition und die Festnahme eines Studenten haben die Kritik an den Behörden und dem Nationalen Sicherheitsgesetz weiter verstärkt. Viele Bürger sehen das frühere Versprechen von „Ein Land, zwei Systeme“ als gebrochen an.
Am 1. Juli 1997 übergab Großbritannien seine damalige Kronkolonie Hongkong an China. Im Gegenzug sagte Peking zu, Rechtsstaatlichkeit, Grundfreiheiten und ein hohes Maß an Autonomie für mindestens 50 Jahre zu gewährleisten. Diese sogenannte „Ein Land, zwei Systeme“-Garantie sollte bis 2047 gelten.
Kritiker werfen der chinesischen Führung jedoch vor, diese Zusagen nicht einzuhalten. Die Lage für Demokratie und Freiheitsrechte in Hongkong habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Mit dem Nationalen Sicherheitsgesetz (NSG) von 2020 werde Regierungskritik als „Subversion“ verfolgt.
Zudem dürfen nach der Wahlrechtsreform von 2021 nur noch „Patrioten“ für das Parlament kandidieren; die Opposition ist weitgehend ausgeschlossen. Nach Angaben von Demokratiegruppen wurden seither mehr als 280 Demokratieaktivisten festgenommen, darunter Joshua Wong und Jimmy Lai. (afp/red)
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china

Erstmals veröffentlicht: Neue Fotos werfen Licht auf das Tiananmen-Massaker von 1989


In Kürze:

  • Neue Fotos erstmals öffentlich
  • China: Proteste und Niederschlagung am 4. Juni 1989
  • Historisch und politisch bedeutsam

 
Heute jährt sich das Tiananmen-Massaker von 1989 zum wiederholten Mal – ein Ereignis, das bis heute weltweit als Symbol für den Kampf um Demokratie, Meinungsfreiheit und politische Reformen in China gilt.
Über Jahrzehnte hinweg lagen Filmrollen mit mehr als 2.000 Fotos, welche die Demokratiebewegung auf dem Tiananmen-Platz im Jahr 1989 dokumentieren, in einer Metallbox verschlossen. Sie waren der Welt unbekannt.
Die Fotos, die ein Fotograf der chinesischen Staatsmedien aufgenommen hatte, überstanden die anschließenden politischen Säuberungskampagnen nach dem Massaker und gelangten schließlich in die Vereinigten Staaten. Kürzlich wurden sie der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times anvertraut.
Nun macht die Epoch Times die Fotos erstmals öffentlich zugänglich.
 
Im Frühjahr 1989 versammelten sich Tausende Studenten, Arbeiter und Bürger auf dem Tiananmen-Platz in Peking. Sie forderten politische Öffnung, mehr Rechte und ein Ende der Korruption.
Was zunächst friedlich begann, endete in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni in einer gewaltsamen Niederschlagung durch das Militär.
Die genaue Zahl der Opfer ist bis heute nicht offiziell geklärt; Schätzungen reichen bis zu mehreren Zehntausend.
Die Ereignisse wurden in China lange Zeit zensiert und sind dort im öffentlichen Diskurs kaum präsent. International gelten sie als eines der prägendsten Beispiele für staatliche Gewalt gegen friedliche Proteste im 20. Jahrhundert.
Fotos, Berichte und Augenzeugen erinnern daran, wie schnell politische Hoffnung in Gewalt umschlagen kann – und wie stark der Wunsch nach Freiheit dennoch ist.
Auch Jahrzehnte später bleibt Tiananmen ein sensibles und umkämpftes Thema.
Neue Bildarchive und Berichte, die immer wieder ans Licht kommen, tragen dazu bei, die Erinnerung an die Ereignisse wachzuhalten und die historischen Fragen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Aufnahmen im Zusammenhang mit den Ereignissen rund um den Tiananmen-Platz 1989.

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Exclusive: Never-Before-Seen 1989 Tiananmen Square Massacre Photos“. (deutsche Bearbeitung: zk) 
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ausland china

US-Regierung zu Tian’anmen: Chinas Zensur kann Massaker nicht „auslöschen“

Taiwans Präsident Lai Ching-te hat China für die mangelnde Aufarbeitung des Massakers am Platz des Himmlischen Friedens (Tian’anmen) vor 37 Jahren in Peking kritisiert.
Ein „wahrlich großes Land“ sollte nicht auf ein mächtiges Militär setzen, sondern sich den Wunden seiner Geschichte stellen, schrieb Lai auf Facebook. Er hoffe, dass China den Ereignissen ins Auge sehe, die Wahrheit anerkenne und einen Dialog beginne, hieß es.
China verbietet den Menschen, an die Ereignisse vom 4. Juni 1989 zu erinnern. Alle entsprechenden Informationen sind zensiert. In Peking fahren in Bussen, die den Tian’anmen-Platz überqueren, neben Sicherheitsleuten auch uniformierte Polizisten mit.

Was damals geschah

Mit dem Tod von Reform-Hoffnungsträger und KP-Generalsekretär Hu Yaobang Mitte April 1989 erhob sich im Herzen Pekings eine Bewegung für mehr Mitsprache und gegen Korruption.
Die Regierung zerschlug die Proteste durch das Militär. Am frühen Morgen des 4. Junis starben in den Straßen um den Tian’anmen-Platz Hunderte Menschen etwa durch Schüsse. Die genaue Opferzahl ist bis heute nicht bekannt, es wird von Tausenden Verletzten gesprochen.
Hinterbliebene fordern bis heute Aufklärung und Entschädigung. Die Regierung komme ihrer Verantwortung nicht nach, verweigere Wiedergutmachung und unterdrücke öffentliche Diskussion über die Geschehnisse, teilten die „Mütter des Tian’anmen“ vor dem Gedenktag mit.

Aktion in Hongkong, Andacht in Taipeh

In der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong spannte der Künstler Chen Sanmu am Mittwoch einen 6,4 Meter langen roten Faden nahe dem Victoria-Park, wo früher traditionell des Massakers gedacht worden war. Die Andacht in dem Park ist durch die KP Chinas verboten.
Berichten zufolge nahmen Polizisten in Zivilkleidung wenige Minuten später Chens Personalien auf und durchsuchten ihn. Die 6,4 Meter symbolisieren das Datum der Ereignisse.
Seit der Verabschiedung des sogenannten Sicherheitsgesetzes im Jahr 2020 sind diese jedoch auch dort verboten. AFP-Reporter beobachteten ein großes Polizeiaufgebot am Victoria Park, wo die Gedenkveranstaltungen früher stattgefunden hatten.
Spät in der Nacht stand dort der Aktivist Tang Ngok Kwan allein und las – unter den wachsamen Blicken mehrerer Polizisten in Zivil – mit leiser Stimme die Namen von hunderten Opfern vor. In Peking hinderten die Behörden in diesem Jahr Angehörige daran, die Gräber der bei dem Massaker Getöteten auf dem Wan’an-Friedhof zu besuchen. Amnesty International verurteilte dies als „herzlosen Akt“.
In Taiwans Hauptstadt Taipeh waren für den Nachmittag und Abend (Ortszeit) Gedenkveranstaltungen geplant. Mittlerweile finden die größten Erinnerungstreffen auf der unabhängig regierten Insel statt, die China für sich beansprucht und deren Regierung sie als Separatisten bezeichnet.

USA: Chinas Zensur kann Massaker nicht „auslöschen“

US-Außenminister Marco Rubio verweist darauf, dass die in China herrschende Zensur die Erinnerung an das Massaker nicht „auslöschen“ könne. Am Ende werde den Opfern „Recht geschehen“, erklärte Rubio. Peking warf der US-Regierung daraufhin vor, historische Tatsachen zu verdrehen.
„Kein Ausmaß an Zensur kann die Vergangenheit auslöschen“, erklärte Rubio auf einer Pressekonferenz. „Jenen, die Opfer brachten, um ihre unveräußerlichen Rechte auf freie Meinungsäußerung und friedliche Versammlung zu wahren, wird eines Tages Recht geschehen.“ (dpa/afp/red)
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Gedenken und Kritik zu 37 Jahre Tian’anmen-Massaker

Taiwans Präsident Lai Ching-te hat China für die mangelnde Aufarbeitung des Massakers am Platz des Himmlischen Friedens (Tian’anmen) vor 37 Jahren in Peking kritisiert.
Ein „wahrlich großes Land“ sollte nicht auf ein mächtiges Militär setzen, sondern sich den Wunden seiner Geschichte stellen, schrieb Lai auf Facebook. Er hoffe, dass China den Ereignissen ins Auge sehe, die Wahrheit anerkenne und einen Dialog beginne, hieß es.
China verbietet den Menschen, an die Ereignisse vom 4. Juni 1989 zu erinnern. Alle entsprechenden Informationen sind zensiert. In Peking fahren in Bussen, die den Tian’anmen-Platz überqueren, neben Sicherheitsleuten auch uniformierte Polizisten mit.

Was damals geschah

Mit dem Tod von Reform-Hoffnungsträger und KP-Generalsekretär Hu Yaobang Mitte April 1989 erhob sich im Herzen Pekings eine Bewegung für mehr Mitsprache und gegen Korruption.
Die Regierung zerschlug die Proteste durch das Militär. Am frühen Morgen des 4. Junis starben in den Straßen um den Tian’anmen-Platz Hunderte Menschen etwa durch Schüsse. Die genaue Opferzahl ist bis heute nicht bekannt, es wird von Tausenden Verletzten gesprochen.
Hinterbliebene fordern bis heute Aufklärung und Entschädigung. Die Regierung komme ihrer Verantwortung nicht nach, verweigere Wiedergutmachung und unterdrücke öffentliche Diskussion über die Geschehnisse, teilten die „Mütter des Tian’anmen“ vor dem Gedenktag mit.

Aktion in Hongkong, Andacht in Taipeh

In der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong spannte der Künstler Chen Sanmu am Mittwoch einen 6,4 Meter langen roten Faden nahe dem Victoria-Park, wo früher traditionell des Massakers gedacht worden war. Die Andacht in dem Park ist durch die KP Chinas verboten.
Berichten zufolge nahmen Polizisten in Zivilkleidung wenige Minuten später Chens Personalien auf und durchsuchten ihn. Die 6,4 Meter symbolisieren das Datum der Ereignisse.
In Taiwans Hauptstadt Taipeh waren für den Nachmittag und Abend (Ortszeit) Gedenkveranstaltungen geplant. Mittlerweile finden die größten Erinnerungstreffen auf der unabhängig regierten Insel statt, die China für sich beansprucht und deren Regierung sie als Separatisten bezeichnet. (dpa/red)
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Warum 28-Jährige in Chinas Lagern verschwinden

Wer in Deutschland ein Spenderorgan benötigt, muss oft lange warten. Bei einer Niere beträgt die durchschnittliche Wartezeit bis zu acht Jahre.
Ganz anders in China: Ein passendes Organ soll dort in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen verfügbar sein. Chinesische Kliniken warben in der Vergangenheit sogar offen mit diesem ungewöhnlich schnellen Transplantationsangebot.
Wie ist das möglich? Und woher stammen die Organe?
Diese Fragen beschäftigen seit Jahren mehrere unabhängige Anwälte, Journalisten und Mediziner. Der US-amerikanische Investigativjournalist Ethan Gutmann ist einer von ihnen. Epoch Times traf ihn in Zürich zum Gespräch.
Gutmanns Schätzungen zufolge werden in China jährlich mindestens 60.000 Organtransplantationen durchgeführt. Zum Vergleich: In Deutschland waren es 2025 rund 3.250 Transplantationen.
Gutmann gelangte auf Basis umfangreicher Recherche und zahlreicher Interviews mit Ärzten und Zeugen zu dem Schluss, dass die Kommunistische Partei Chinas politische Gefangene bis heute als lebende Organbank nutzt. Zu den häufig genannten Opfern zählen Falun-Gong-Praktizierende, Tibeter, Haus-Christen und Uiguren sowie weitere verfolgte Minderheiten im Nordwesten Chinas.
Für sein neues Buch „The Xinjiang Procedure“ reiste Gutmann undercover mit dem Auto von Deutschland bis nach Kasachstan. Dort traf er Zeugen, die aus chinesischen Arbeitslagern in der benachbarten chinesischen Provinz Xinjiang entkommen waren.
Herr Gutmann, wie viele Zeugen haben Sie für Ihr neues Buch interviewt und wie sind Sie an diese Personen gekommen?
Ich wusste, dass es eine Gruppe von Menschen gab, die den chinesischen Lagern entkommen waren. Sie befinden sich an einem Ort: in Kasachstan.
Das waren also in erster Linie Kasachen. Sie sind nicht in gleichem Maße Ziel wie die Uiguren. Viele von ihnen haben Familien in Kasachstan, die einflussreich sind. Sie bestechen die chinesischen Behörden, um ihre Angehörigen über die Grenze [von China nach Kasachstan] zu bringen. Manche überquerten die Grenze auch illegal. Es gibt also ganz unterschiedliche Wege.
Insgesamt gibt es vermutlich einige tausend von ihnen. Ich habe nur 20 erreicht. Sie kamen alle aus unterschiedlichen Gefangenenlagern. Es ist sehr schwer, Zeugen zu finden.
Dann kam COVID. Wir hatten Sorge, in [der kasachischen Großstadt] Almaty festzusitzen. Wir hätten nicht mehr nach Europa zurückkehren können, weil wir mit dem Auto unterwegs waren. Und dann hätten die Behörden möglicherweise alle unsere Unterlagen überprüft – und alle Menschen, die wir interviewt hatten, wären in Gefahr.
Wie sind Sie aufgrund der Interviews zu dem Schluss gekommen, dass chinesische Ärzte und Funktionäre Uiguren in den Gefangenenlagern gezielt für Zwangsorganentnahme auswählen?
Es gibt zwei Muster, die ich in den Interviews überprüfen wollte. Das erste war, dass es Bluttests oder medizinische Untersuchungen gegeben haben musste – meist etwa sieben bis zehn Tage im Voraus.
Das zweite Muster war, dass die „Ausgewählten“ häufig Ende 20 waren. Vor einigen Jahren gelangten einige medizinische Forscher aus dem Umfeld von Falun Gong an einen großen Datensatz mit chinesischen Unterlagen zur Organentnahme und zu Transplantationen – möglicherweise durch einen Leak oder Hack.
Die Dokumente zeigten: Diesem oder jenem „Spender“ seien diese oder jene Organe entnommen worden. Mal handelte es sich um einen männlichen, mal um einen weiblichen Spender. Doch immer und immer wieder tauchte dieselbe Angabe auf: Die Spender waren etwa 28 Jahre alt.
Mit etwa 28 oder 29 Jahren sind die Organe überwiegend sehr gesund; sie wachsen auch nicht mehr.
Ich habe in den Interviews bewusst nichts über Organraub gefragt, außer jemand spricht von sich aus darüber. Wenn jemand allerdings über plötzlich verschwundene Gefangene berichtete, habe ich nach dem Alter gefragt und ob es vor dem Verschwinden medizinische Untersuchungen gegeben hat.
Beide Muster wurden in den Interviews mehrfach bestätigt.
Für viele Menschen ist es schwer vorstellbar, dass staatlich organisierter Organraub in diesem Ausmaß möglich ist. Was entgegnen Sie diesem Zweifel?
Genau deshalb habe ich mein neues Buch so geschrieben, wie es geschrieben ist. Warum beginne ich mit der Geschichte von Rukiye? Weil daran absolut kein Zweifel besteht. Sie ist nicht erfunden. Sie ist schockierend – wie ein Schlag ins Gesicht. Sie zeigt: Das ist real.
Wenn Menschen trotzdem so tun wollen, als würde das alles nicht stattfinden, hat das auch einen Grund: Es fällt uns unglaublich schwer, Ärzte mit solchen Verbrechen in Verbindung zu bringen. Gerade im Westen gelten Ärzte als die vertrauenswürdigsten Menschen. Sie genießen mehr Vertrauen als Politiker oder Geschäftsleute – wahrscheinlich mehr als jede andere Berufsgruppe. Selbst Geistliche genießen oft nicht dieses Maß an Vertrauen.
Genau deshalb ist der Gedanke so schockierend. Er zwingt uns dazu, gewisse Dinge im medizinischen Bereich zu hinterfragen.
Kommen wir zurück zu Rukiye. Was ist ihre Geschichte?
Rukiye ist eine der Überlebenden eines möglichen Organraubs in China. Sie ist eine uigurische Nationalistin, eine tiefgläubige Muslimin. Menschen in ihrem Umfeld wurden getötet. Ein Großteil ihrer Familie wurde vor ihren Augen hingerichtet. Es ist eine furchtbare und zutiefst bewegende Geschichte.
Sie war noch sehr jung, als sie ins [chinesische] Gefangenenlager kam. Dort wurde sie sowohl auf ihre Organe hin medizinisch untersucht als auch schwer sexuell missbraucht.
Wie verifizieren Sie, ob das, was Ihre Zeugen Ihnen erzählt haben, wahr oder nur erfunden ist?
Ich kann nur eines bestätigen, und zwar dass ich sehr lange Interviews führe, manchmal über Stunden oder Tage.
Im Fall von Rukiye: Ich habe lange mit ihr über ihre Kindheit und ihr Leben gesprochen und ihr Vertrauen gewonnen. Am Ende sagte ich offen zu ihr: „Ich bin ein jüdisch-amerikanischer Mann, Sie sind eine streng religiöse muslimische Frau. Es gibt Fragen, die ich selbst nicht stellen kann und bei denen ich auch weiß, dass Sie sie mir gegenüber nicht beantworten würden.“
Dann erklärte ich, dass eine Kollegin, zu der sie inzwischen auch Vertrauen aufgebaut hatte, das Gespräch fortsetzen würde. Ich selbst ging auf einen langen Spaziergang, um ihr den Raum zu geben, alle Ereignisse vollständig zu schildern, einschließlich der Vergewaltigungen.
Es gibt Details, die sie unmöglich hätte erfinden können.
Gab es auch zweifelhafte Zeugenaussagen?
Manche berichteten etwa, sie hätten in ihrem Lager keine Fälle von plötzlichem Verschwinden von Gefangenen bemerkt. Auch solche Aussagen gibt es. Das habe ich so auch im Buch aufgenommen, weil das Teil der Untersuchung war.
In einigen Fällen stellte sich jedoch später heraus, dass die Personen zum Zeitpunkt der Ereignisse unter dem Einfluss von Drogen gestanden hatten. Es gibt also verschiedene Herausforderungen im Zusammenhang mit der Zuverlässigkeit der Aussagen.
Es gibt aber auch sehr konkrete Fakten, die ich in dem Buch aufgeführt habe.
Können Sie einige Beispiele nennen?
Die Wartezeit für ein Organ ist ein Beispiel. In China beträgt diese circa zwei Wochen. Einige Krankenhäuser können ein passendes Organ sogar innerhalb von 4 Stunden organisieren. Das ist nur möglich, wenn sämtliche Gewebemerkmale und Gewebetypen bereits vollständig erfasst wurden.
Dann gibt es noch die Zeugenaussagen von Dr. Enver Tohti, einem uigurischen Chirurgen. Er bestätigte öffentlich eine im Jahr 1995 durchgeführte Entnahme beider Nieren und der Leber eines lebenden Gefangenen mit den Worten: „Ich habe es mit meinen eigenen Händen getan.“
Ich habe auch über den Fall von Dr. Ko Wen-je berichtet, einem Chirurgen und ehemaligen Bürgermeister von Taipeh. Er ist wahrscheinlich der beste Zeuge, den wir haben.
Er wusste, dass alle Organe, die seine Patienten [in China] erhielten, von Falun-Gong-Praktizierenden stammen. Ihm wurde das so mitgeteilt. Die Richtigkeit dieser Aussage hat er mir in einer E-Mail schriftlich bestätigt.
Dr. Ko hat chinesischen Chirurgen beigebracht, wie man Organentnahme an Lebenden durchführt. Er hat ihnen beigebracht, wie man ECMO verwendet.
Er wurde später wegen Korruption zu 17 Jahren Haft verurteilt.
Was ist ECMO?
ECMO [extrakorporale Membranoxygenierung] ist eine technische Methode, mit der Organe mit Sauerstoff versorgt werden, sodass diese außerhalb des Körpers länger am Leben erhalten werden können. Dies ist vor allem bei Herz- und Lungentransplantationen wichtig. Alle diese Maschinen kamen zwischen 2016 und 2018 aus Deutschland. Schließlich wurde das deutsche Unternehmen an die Chinesen verkauft.
Gibt es Organraub nur in China oder auch in anderen Ländern?
Es gibt Hinweise darauf, dass es sich ausgebreitet hat. Das ist etwas, das [der kanadische Menschenrechtsanwalt] David Matas immer wieder vorhergesagt hat. Er sagt: Der Organraub sei wie ein Virus innerhalb Chinas – und wenn man ihn nicht stoppt, wird er sich international weiter ausbreiten.
Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Diep Le.
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Spionagevorwurf gegen Ehepaar: China soll gezielt europäische Hochtechnologie ins Visier nehmen


In Kürze:

  • Das festgenommene Ehepaar soll für einen chinesischen Nachrichtendienst tätig gewesen sein.
  • Es knüpfte Kontakte zu Wissenschaftlern und Forschungseinrichtungen.
  • Das kommunistische Regime hat wichtige Technologien im Visier.
  • Europa war bislang gegenüber Chinas technologischem Raubbau zu wenig wachsam.

 
Die jüngste Festnahme zweier mutmaßlicher Spione der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) in Deutschland offenbart einen kleinen Teil einer langjährigen globalen Kampagne des Regimes, die darauf abzielt, „sensible Technologien durch Diebstahl zu erlangen“. Dies erläuterte Lin Tsung-nan, Professor für Elektrotechnik an der National Taiwan University, gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times. Ihm zufolge laufen zentrale Schlüsselsektoren der europäischen Wirtschaft Gefahr, durch diese Operationen ausgehöhlt zu werden.

Wissenschaftler nach China eingeladen

Die deutsche Polizei nahm am 20. Mai in München ein Ehepaar unter dem Vorwurf der Spionage für China fest. So sollen sie hochentwickelte Technologien gesammelt haben, die für militärische Zwecke geeignet sind. Dies geht aus einer Erklärung der Bundesanwaltschaft vom selben Tag hervor. Xuejun C. und Hua S. – beide deutsche Staatsangehörige – sollen „für einen chinesischen Nachrichtendienst tätig sein“, hieß es darin weiter.
Die beiden sollen Kontakte zu zahlreichen Wissenschaftlern an deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen geknüpft haben. Dabei handelte es sich insbesondere um Lehrstuhlinhaber mit den Schwerpunkten Luft- und Raumfahrttechnik, Informatik sowie Künstliche Intelligenz (KI). Dazu gaben sie sich als Dolmetscher oder Mitarbeiter der Automobilindustrie aus.
Einige dieser Forscher lockten sie unter dem Vorwand, bezahlte Vorträge vor einem zivilen Publikum zu halten, nach China. Dort sprachen sie dann jedoch vor Mitarbeitern „staatlicher Rüstungsunternehmen“, so die Staatsanwaltschaft.
Der Fall in München ist nicht Deutschlands erste Begegnung mit chinesischer Spionage. Im Februar verurteilte ein deutsches Gericht einen US-Bürger zu zwei Jahren und acht Monaten Haft, weil er einem chinesischen Geheimdienst angeboten hatte, sensible Informationen des US-Militärs weiterzugeben. Im September 2025 verhängte ein deutsches Gericht eine Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten gegen einen ehemaligen Mitarbeiter des deutschen Bundestagsabgeordneten und damaligen Europaabgeordneten Maximilian Krah. Der Mann war als Agent für den chinesischen Geheimdienst tätig. Die KPCh wies die Spionagevorwürfe zurück.

Eine koordinierte Spionagekampagne

Die Fälle deuteten eher auf eine umfassendere, von Peking gesteuerte Operation hin als auf bloße Einzelfälle ziviler Aktivitäten, sagte William Chih-tung Chung, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für nationale Verteidigungs- und Sicherheitsforschung in Taiwan.
„Es handelt sich um eine koordinierte Spionagekampagne, die vom gesamten Staatsapparat in Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor vorangetrieben wird“, erklärte er gegenüber Epoch Times.
Chung merkte an, dass die deutsche Staatsangehörigkeit der beiden Verdächtigen darauf hindeute, dass die KPCh lokale Mittelsmänner einsetze, um über akademische und wirtschaftliche Tarnorganisationen nachrichtendienstliche Informationen zu beschaffen. Dies bestätige die defensive Haltung der Europäischen Union. „Da diese Taktiken häufig rechtliche Grauzonen ausnutzen, bleibt es ohne eindeutige Beweise äußerst schwierig, eine Verurteilung zu erwirken“, sagte er.
Dieser Vorfall unterstreiche einmal mehr, warum die EU China als „systemischen Rivalen“ betrachte. Dieser Begriff ist eine von drei Bezeichnungen, mit denen der Staatenbund das chinesische Regime seit 2019 belegt. Die beiden anderen lauten „Kooperationspartner“ und „wirtschaftlicher Wettbewerber“.
Lin stimmte dem zu und merkte an, dass die Verhaftungen wahrscheinlich nur einen Bruchteil der weitreichenden globalen Spionageaktivitäten Pekings darstellten.
„Über Deutschland hinaus haben chinesische Agenten gezielt westliche Nationen wie die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich ins Visier genommen. Das deutet auf von oben gesteuerte Operationen hin“, so Lin weiter. „Es ist kein Geheimnis, dass Peking seine Geheimdienstnetzwerke methodisch zu Waffen gemacht hat, um im Ausland industriellen und technologischen Diebstahl zu inszenieren.“
Im April erklärte das Weiße Haus in einem internen Memo, dass ausländische Stellen – vorwiegend mit Sitz in China – „gezielte, im industriellen Maßstab angelegte Kampagnen“ betreiben, „um sich führende US-KI-Systeme anzueignen“.

Illegale Methoden

Lin warnte davor, dass ein solcher Diebstahl China in die Lage versetzen könnte, rasche Fortschritte bei seinen Verteidigungs- und Militärkapazitäten zu erzielen.
„Unabhängige Innovation erfordert ein ständiges Vorgehen nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum. Die Aneignung von Dual-Use-Technologien wie der KI ermöglicht es dem Regime jedoch, einen Großteil dieses Prozesses zu umgehen.“ Peking sei bereit, jedes erforderliche Mittel einzusetzen, um seinen Aufstieg zu beschleunigen. Im Wettbewerb mit den USA verfolge Peking eine Strategie, die es als „Überholen in der Kurve“ bezeichnet.
Dual-Use-Technologien bezeichnen Materialien, Software oder Systeme, die sowohl zivile als auch militärische Anwendungsmöglichkeiten besitzen.
Lins Einschätzung aufgreifend erklärte Chung, China greife zu verdeckten und illegalen Methoden, um sein Streben nach der Vorherrschaft in den Bereichen KI und Quantentechnologie voranzutreiben. „Die KPCh nutzt die militärisch-zivile Fusion, um ihre Aktivitäten zur Nachrichtengewinnung und Infiltration auszuweiten. Das sind Schritte, die die Modernisierung ihrer Waffensysteme erheblich beschleunigen und ihren militärischen Ausbau stärken könnten“, sagte er.
Die zivil-militärische Fusion ist eine Strategie, bei der die KP Chinas zivile Technologien erwirbt, die zugleich militärischen Zwecken dienen. Chung merkte jedoch an, dass die institutionellen Mängel Pekings zu gravierend seien, als dass gestohlenes Know-how den Mangel an echter Innovation ausgleichen könnte.
„China sieht sich einer tief verwurzelten Korruption gegenüber, während es seinem starren politischen System an jener Flexibilität und Dynamik mangelt, die in westlichen Demokratien zu beobachten sind.“ Folglich dürfte der Diebstahl geistigen Eigentums allein kaum dazu führen, China über Nacht in ein technologisches Schwergewicht zu verwandeln. „Das Land hat diesbezüglich noch einen langen Weg vor sich.“

Es droht eine Aushöhlung der europäischen Wirtschaft

Lin warnte davor, dass Europa gegenüber Chinas technologischem Raubbau weniger wachsam gewesen sei. Sollte sich dieser ungebremst fortsetzen, könne das zu einer Aushöhlung der Schlüsselbereiche der europäischen Wirtschaft führen.
„Europa war China gegenüber weniger wachsam. So hat die EU es dem Regime ermöglicht, angeschlagene westliche Unternehmen zu kaufen und sensible Technologien zu stehlen“, sagte er. „Dies könnte Europas technologischen Vorsprung weiter untergraben und seine langfristigen wirtschaftlichen Aussichten infrage stellen.“
Chung sagte, diese Ausbeutung stelle Risiken für die nationale Sicherheit, die technologische Souveränität, demokratische Systeme sowie die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Verteidigungsindustrie in der EU dar. „Die gravierendste Sorge ist der Verlust fortschrittlicher Technologien sowie von Dual-Use-Technologien aus europäischen Ländern“, sagte er. Dies ermögliche es China, seine militärischen Fähigkeiten innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums und zu geringeren Kosten auszubauen.
Chung warnte davor, dass solche Aktivitäten die politische Autonomie der EU untergraben und das Misstrauen gegenüber der KPCh in der gesamten Region im Laufe der Zeit vertiefen könnten. „Der chinesische Staatschef Xi Jinping traf erst kürzlich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammen – und dies, obwohl Moskau nach wie vor die primäre Sicherheitsbedrohung für Europa darstellt“, sagte er.  „Chinas Technologiespionage sowie seine autoritären Ambitionen, den Westen herauszufordern, haben den Argwohn der EU weiter verstärkt.“
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Arrest of German Couple for Alleged Spying for the CCP Reveals EU Economic Risk: Analysts“. (deutsche Bearbeitung: os)
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Deutschland zwischen Wirtschaftsinteressen und wachsender Abhängigkeit


In Kürze:

  • Wirtschaftsministerin Katherina Reiche reist mit einer Wirtschaftsdelegation aus rund 40 Unternehmen nach China.
  • Im Fokus stehen faire Wettbewerbsbedingungen, Lieferketten, Seltene Erden und bessere Marktchancen für deutsche Firmen.
  • Mehrere EU-Staaten fordern eine härtere Linie gegenüber China – Deutschland setzt weiter auf wirtschaftliche Zusammenarbeit.
  • Gleichzeitig wächst Deutschlands Abhängigkeit von China bei Akkus, Solarpanels, Antibiotika und wichtigen Rohstoffen.

 
Am Dienstag, 26.5., ist Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche gemeinsam mit einer Wirtschaftsdelegation von rund 40 Unternehmen zu einem viertägigen Besuch in China eingetroffen. Die Reise führt sie nach Peking und in die südchinesische Metropole Guangzhou. Bereits im Februar hatte Bundeskanzler Friedrich Merz das Land besucht.
Im Mittelpunkt der Gespräche stehen faire Wettbewerbsbedingungen und stabile Lieferketten. Reiche will mit Vertretern der kommunistischen Partei zudem über Marktzugangsbedingungen für deutsche Unternehmen, den Zugang zu Seltenen Erden sowie einen „ausbalancierten Zustand“ im Bereich der Unternehmensförderung sprechen, der insbesondere die Subventionspolitik adressiert.

Gespräche zu Handel und Schlüsselindustrien

Am ersten Tag stand ein Gespräch zwischen Reiche und dem Vizeminister der Staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform, Zhou Haibing, auf dem Programm. Weitere Gesprächspartner sind Handelsminister Wang Wentao und Vize-Premier He Lifeng. In Guangzhou sind Firmenbesuche sowie Gespräche mit der Lokalregierung geplant.
Unter den Mitgliedern der Wirtschaftsdelegation befinden sich unter anderem BASF-Chef Markus Kamieth, Thyssenkrupp-Vorstandschef Miguel Ángel López Borrego und Thomas Stierle von der E-Mobility-Sparte bei Schaeffler. Dies deutet darauf hin, dass die Ministerin das bilaterale Kooperationspotenzial nutzen will, um Aufträge für deutsche Unternehmen zu sichern.
Reiche will in Guangzhou unter anderem Unternehmen wie Ehang und WeRide besuchen. Ehang produziert autonome Flugtaxis – die zertifiziert und zum Teil sogar schon im Einsatz sind. WeRide gehört zu den Pionieren des autonomen Fahrens und entwickelt die sogenannte Level-4-Technologie. Auch hier gibt es bereits erste Genehmigungen für den regulären Betrieb.

Stetig steigendes deutsches Handelsdefizit mit China

Obwohl Deutschlands Handelsdefizit mit China bereits bei 87 Milliarden Euro liegt – mit weiter steigender Tendenz –, wendet sich die Bundesregierung gegen jüngste Vorstöße mehrerer EU-Partner. Wie „Euronews“ berichtet, formulierten mehrere EU-Staaten am Wochenende ein sogenanntes Non-Paper. Dabei handelt es sich um eine unverbindliche Erklärung, die jedoch auf einen aus Sicht der Unterzeichner dringenden Handlungsbedarf hinweist.
Der Vorstoß kommt von Frankreich, Spanien, Italien, den Niederlanden und damit mehreren der größten Volkswirtschaften der EU. Auch Litauen schloss sich der Erklärung an. Die Unterzeichner fordern die EU auf, wirksame Maßnahmen gegen chinesische Überkapazitäten und unfaire Handelspraktiken zu ergreifen.
Deutschland will sich dem Aufruf jedoch nicht anschließen – obwohl gerade das wachsende deutsche Handelsdefizit in Brüssel zunehmend Besorgnis auslöst. Bereits im März war Bundeskanzler Friedrich Merz mit seinem Vorschlag für ein Handelsabkommen mit China bei der EU-Kommission auf Ablehnung gestoßen.

Merz scheiterte in Brüssel mit Vorstoß zu Handelsabkommen

Der stellvertretende Chefsprecher der EU-Kommission, Olof Gill, sprach damals von einer „Reihe von Bedenken und echten Herausforderungen, die die Europäische Union China konsequent vorgetragen hat“. Diese müsse man „sinnvoll angehen, bevor wir überhaupt über zukünftige Abkommen oder Ähnliches sprechen können“.
China bleibt mit einem Handelsvolumen von rund 250 Milliarden Euro im Jahr 2025 Deutschlands wichtigster Handelspartner. Zudem haben etwa 5.200 deutsche Unternehmen in dem Land investiert. Gleichzeitig wächst Deutschlands Abhängigkeit von China in Bereichen wie Lithium-Ionen-Akkus, Solarpanels, Antibiotika und Seltenen Erden.
Einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung zufolge stieg der chinesische Anteil an importierten Solarpanels von rund 89 auf knapp 93 Prozent. Bei Antibiotika erhöhte er sich von gut 65 auf etwa 73 Prozent.

Zunehmendes Eskalationspotenzial im Handelskonflikt zwischen EU und China

Die EU hat zuletzt mehrere Maßnahmen gegen chinesische Handelspraktiken ergriffen. Dazu gehören seit Herbst 2024 Zusatzzölle von 7,8 bis 35,3 Prozent auf Elektroautos aus China. Durch Mindestpreisvereinbarungen können Unternehmen diese jedoch umgehen. Zudem gelten Zölle auf Bariumcarbonat und bestimmte Stahlimporte. Darüber hinaus laufen Untersuchungen gegen chinesische Hersteller von Windturbinen, Solarpanels und Zügen.
Als allgemeinen Schutzmechanismus setzt die EU zudem den sogenannten CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism) ein, der einer CO₂-Grenzabgabe auf importierte Produkte entspricht. Außerdem plant die EU, bereits 2026 die Zollfreigrenze für Pakete abzuschaffen – ein Schritt, der vor allem chinesische Billigversender treffen würde.
Peking reagierte bislang mit Sonderzöllen auf Branntwein, Schweinefleisch und Milchprodukte. Seit Mai 2026 gilt zudem ein Kooperationsverbot für chinesische Unternehmen bei EU-Untersuchungen zu ausländischen Subventionen. Darüber hinaus behält sich die chinesische Führung Exportbeschränkungen für Seltene Erden vor.
(Mit Material von Nachrichtenagenturen)
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„Silent Harvest“ enthüllt Vorwürfe über Organraub in China


In Kürze

  • Dokumentarfilm thematisiert Vorwürfe zu Organraub in China
  • Ärzte und Experten warnen vor Transplantationstourismus
  • Film fordert internationales Umdenken und Aufklärung

 
Eine erdrückende Gewissheit liegt im Raum: das große Tabuthema, das die Kommunistische Partei Chinas in ihrem Herrschaftsgebiet und weit darüber hinaus mit aller Macht zu unterdrücken versucht. Untersuchungen deuten auf ein Verbrechen erschreckenden Ausmaßes hin, dem Gewissensgefangene zum Opfer gefallen sein sollen – getötet, um mit ihren Organen massive Gewinne zu erzielen. Organraub in China ist ein Thema, das die Welt für zu schrecklich hält, um es wahrhaben zu wollen. Nun hofft ein neuer, investigativer Dokumentarfilm, einen Wendepunkt herbeizuführen und das unerträgliche Schweigen zu durchbrechen.

Wenn unschuldige Leben geopfert werden

Der Dokumentarfilm „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ (Lautlose Ernte: Der Mut, es auszusprechen), der am 16. Mai in einem angesehenen Club in Washington Premiere feierte, beleuchtet die sensible Thematik anhand medizinischer Datenanalysen sowie Interviews mit fast zwei Dutzend Medizinern, China-Analysten und Überlebenden der Verfolgung durch die Kommunistische Partei Chinas.
Heute, 20 Jahre nachdem dieses Thema erstmals in das öffentliche Bewusstsein trat, sei es an der Zeit, das Schweigen zu brechen, sagte Torsten Trey, Gründer und Direktor von Doctors Against Forced Organ Harvesting (DAFOH) (Ärzte gegen Organraub). In seinen Augen ist das Schweigen der „größte Komplize bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.
Weltweit stünden Patienten, so Trey, in der Versuchung, für eine schnelle Organtransplantation nach China zu reisen. Man müsse ihnen jedoch klarmachen, dass sie damit womöglich zur Tötung eines unschuldigen Menschen beitragen könnten – eine Belastung, die sie ein Leben lang begleiten könne.

„Ein Problem von enormem Ausmaß“

Zehn Jahre lang wurde an dem Film gearbeitet. Nun feiert er sein Debüt. Gleichzeitig rückt der 20. Jahrestag der Gründung von DAFOH näher. Im Jahr 2006 traten erstmals Whistleblower aus China an die Öffentlichkeit. Gegenüber der Epoch Times berichteten sie von der systematischen Tötung inhaftierter Falun-Gong-Praktizierender in unterirdischen Einrichtungen.
Als Dr. Trey damals erstmals davon hörte, reagierte er fassungslos und beinahe ungläubig. „Ich dachte, kein Arzt könnte so etwas tun. Das übersteigt die Vorstellungskraft“, sagte er der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times. Doch in den folgenden Monaten kamen immer mehr Informationen ans Licht. Im Mai 2006 reiste der damalige Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Edward McMillan-Scott, im Rahmen einer Untersuchungsmission nach Peking. Parallel dazu führten ein kanadischer Menschenrechtsanwalt und ein ehemaliger kanadischer Kabinettsminister gemeinsame Untersuchungen durch. Wenig später traf Dr. Trey in Boston zwei Ärzte aus China – und alles deutete auf dieselbe Schlussfolgerung hin.
Im Juli desselben Jahres stand für Dr. Trey fest: „Das ist echt.“
Auch Dr. Weldon Gilcrease, stellvertretender Direktor von DAFOH, beschrieb im Film einen ähnlichen Prozess. Anfangs habe er gehofft, beweisen zu können, dass die Vorwürfe nicht wahr seien.
„Doch wenn man sich intensiv mit den Beweisen und Daten beschäftigt – was für die meisten Menschen in der Medizin entscheidend ist – wird einem schnell bewusst, dass es sich um ein Problem enormen Ausmaßes handelt“, sagte er.
Torsten Trey, Gründer und Geschäftsführer von Doctors Against Forced Organ Harvesting, spricht während der Premierevorstellung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington. Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Torsten Trey, Gründer und Geschäftsführer von Doctors Against Forced Organ Harvesting, spricht während der Premierevorstellung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington.

Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Millionen Menschen in Gefahr

Die betroffenen Gemeinschaften zählen inzwischen viele Millionen Menschen. Falun Gong ist eine spirituelle Praxis, die auf den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht basiert. In den späten 1990er-Jahren praktizierten schätzungsweise 70 bis 100 Millionen Menschen in China Falun Gong. Zur gleichen Zeit begann das chinesische Regime mit der systematischen Verfolgung der Glaubensgemeinschaft.
Ein unabhängiges China-Tribunal in London kam 2019 zu dem Schluss, dass Falun-Gong-Praktizierende zu den Hauptopfern des mutmaßlichen Missbrauchs zählen. Seither sind weitere Vorwürfe hinzugekommen. Berichten zufolge sollen die Verbrechen auch auf Uiguren und andere verfolgte Minderheiten ausgeweitet worden sein.
Bei einer Anhörung im US-Kongress am 14. Mai sagte die aus China geflüchtete Uigurin Kalbinur Sidik aus. Sie hatte zuvor als Chinesischlehrerin in uigurischen Internierungslagern gearbeitet. Dabei sei ihr aufgefallen, dass gesunde Männer aus den Lagern in Xinjiang plötzlich verschwanden.
Sidik berichtete, den Inhaftierten sei wöchentlich Blut abgenommen worden. Zudem hätten sie Injektionen und weiße Pillen erhalten. Nach ihren Angaben hörte sie außerdem Gespräche zwischen einem Polizisten einer Spezialeinheit und dessen Fahrer über einen florierenden Halal-Organhandel – ein möglicher Hinweis auf Berichte über gezielte Organbeschaffung unter muslimischen Minderheiten für Empfänger in islamischen Ländern.

Das Schweigen durchbrechen

Es sei eine Lektion, dass „wenn man bei etwas so Schrecklichem nicht Stellung bezieht, man sehen wird, wie es auf andere Bevölkerungsgruppen übergreift“, sagte Gilcrease bei einer Podiumsdiskussion im Anschluss an die Filmpremiere.
Weldon Gilcrease, außerordentlicher Professor für Onkologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Utah und stellvertretender Direktor von Doctors Against Forced Organ Harvesting, spricht nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington. Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Weldon Gilcrease, außerordentlicher Professor für Onkologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Utah und stellvertretender Direktor von Doctors Against Forced Organ Harvesting, spricht nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington.

Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Die westliche medizinische Gemeinschaft habe – in der Hoffnung, China auf eine höhere ethische Ebene zu bringen – chinesische Ärzte ausgebildet und mit dem chinesischen medizinischen System interagiert, erklärte Gilcrease. Aber das chinesische Regime sei „ein fauler Apfel“, sagte er. Man glaubte: „Wenn man einen Haufen guter Äpfel und einen faulen Apfel hat, wird das den faulen Apfel gutmachen. Aber was man tatsächlich sieht, ist das Gegenteil.“
Filmregisseur Keith Wahrer, der an der Entstehung des Dokumentarfilms mitgewirkt hatte, erklärte, dass die Arbeit an dem Projekt „augenöffnend“ gewesen sei.
Wahrer meinte gegenüber der Epoch Times: „Es ist ernüchternd. Es ist etwas, worüber man nicht nachdenken möchte, aber es ist wichtig, darüber nachzudenken.“ Er fügte hinzu: „Es spornt mich an, mehr zu tun.“ Er habe „sehr wenig Macht“, fügte er hinzu, aber eine Sache, die er tun könne, sei, das Wort zu verbreiten und ein Licht auf das zu werfen, was passiert.
Die Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ fand am 16. Mai 2026 in Washington statt. Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Die Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ fand am 16. Mai 2026 in Washington statt.

Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Horror und Betroffenheit im Publikum

Während der Premiere sah auch Dr. Gilcrease zum ersten Mal die endgültige Fassung des Dokumentarfilms. Im hinteren Teil sitzend, schloss er plötzlich die Augen. Kurz zuvor waren drei Fotos auf der Leinwand erschienen. Jedes von ihnen zeigte einen zu Tode gefolterten Falun-Gong-Praktizierenden – mit Blutergüssen und Narben auf dem Körper.
Dr. Gilcrease bemerkte, wie Zuschauer um ihn herum in diesem Moment „entsetzt zurückwichen“.
„Ich denke, das ist der Horror, von dem ich glaube, dass er die meisten von uns trifft, wenn man zum ersten Mal vom Organraub hört“, so der Mediziner.
Medizinische Fachkräfte im Publikum sagten, sie hofften, der Film werde seinen Weg in die breite Öffentlichkeit finden. „Mir war ganz flau im Magen“, sagte ein Augenarzt während der Podiumsdiskussion. Er bat die Filmcrew, eine kürzere Version des Dokumentarfilms zu erstellen und für den Oscar einzureichen. Er meinte, das Werk liege jenseits von allem, was er je gesehen habe.
Kathleen Leber, eine Dermatologin aus Tampa, stellte fest, dass in Amerika das aktuelle Bewusstseinsniveau für dieses Thema alles andere als ausreichend sei. Sie habe ihr ganzes Leben der Hilfe für andere Menschen gewidmet, erklärte sie der Epoch Times. Es habe ihr das Herz gebrochen, zu sehen, dass „solche Fähigkeiten für das Böse eingesetzt werden“.
„Es ist wirklich schwer, das überhaupt in Worte zu fassen, weil es eine derart gravierende Verletzung von Moral und Menschlichkeit darstellt“, sagte Leber.
Kathleen Leber, Dermatologin aus Tampa, Florida, nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington. Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Kathleen Leber, Dermatologin aus Tampa, Florida, nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington.

Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Es wird jemand ermordet: eine Mutter, ein Vater, ein Sohn

Die Philanthropin Rebecca Dunn sagte, das Thema Organraub sei kürzlich bei einem Gespräch mit einer Freundin zur Sprache gekommen, deren Ehemann auf eine Nierentransplantation wartete. „Du könntest in China eine andere Niere bekommen. Du könntest sie wahrscheinlich in zwei Wochen bekommen“, erinnerte sie sich, habe sie ihrer Freundin gesagt. Sie habe ihr jedoch auch gesagt, dass dies bedeuten könne, „jemanden zum Tode zu verurteilen – einen kerngesunden Menschen“. Der Gesichtsausdruck ihrer Freundin habe von völligem Schock gezeugt.
„Das ist es, was die Leute erkennen müssen, und das ist es, was dieser Film den Menschen zu sagen versucht: Wenn du diese Transplantation machst, wird jemand ermordet, damit du vielleicht dein Leben verlängern kannst.“
Sie sagte, sie wünsche sich, dass die Menschen „aufwachen und etwas fühlen“. Jedes entnommene Organ bedeute den Tod des geliebten Menschen eines anderen – einer Mutter, eines Vaters, einer Tochter, eines Sohnes, eines Bruders oder einer Schwester, sagte sie.
Rebecca Dunn, Philanthropin und Treuhänderin der Dunn Foundation, nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington. Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Rebecca Dunn, Philanthropin und Treuhänderin der Dunn Foundation, nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington.

Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

„Die dystopische Zukunft ist jetzt“

Der Filmemacher und Menschenrechtsaktivist Jason Jones sagte, er habe Exemplare des sich mit der Thematik befassenden Buches „Killed to Order“ (Auf Bestellung getötet) von Jan Jekielek, einem leitenden Redakteur der Epoch Times, an jeden Bischof in den Vereinigten Staaten geschickt.
„Dies ist das große Geheimnis, das die KPCh hat. Ihre Verbrechen sind so ungeheuerlich, dass sie schlicht unfassbar sind“, sagte Jones der Epoch Times. Er bot zudem an, Vorführungen des Films in den Diözesen zu organisieren. „Wir denken, solche Dinge seien nur in der Vergangenheit geschehen oder in einer dystopischen Zukunft, die sich wiederholen könnte, aber heute wird das niemals passieren“, sagte er. Doch: „Die dystopische Zukunft ist jetzt, und die schreckliche Vergangenheit ist jetzt.“
Jason Jones, amerikanischer Filmproduzent und Menschenrechtsaktivist, nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington. Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Jason Jones, amerikanischer Filmproduzent und Menschenrechtsaktivist, nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington.

Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Auch Rebecca Dunn denkt darüber nach, konkrete Maßnahmen zu ergreifen.
„Wenn man bedenkt, dass jeder, der diesen Film sieht, nur eine Sache tun könnte und diese eine Sache ein Leben retten könnte, dann ist das schon ziemlich tiefgründig“, sagte sie. Diese „eine Sache“ könne darin bestehen, einen Senator oder Abgeordneten anzuschreiben oder das Thema im Gespräch mit Freunden weiterzugeben.
„Ich möchte mehr als eine Person retten“, sagte sie, „also möchte ich viel mehr als das tun“. Sie erklärte, sie wolle das Thema in ihrer Gemeinschaft stärker bekannt machen und „mit vielen Menschen sprechen“.
„Und hoffentlich kann ich etwas bewirken.“
Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com mit dem Titel „‘Silent Harvest’ Aims to Break the Silence on Forced Organ Harvesting“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)