Ein Mann liest am 15. April 2025 in einem Supermarkt in Peking die Preise von Produkten. - Foto: Pedro Pardo/AFP via Getty Images
In Kürze:
Weltweite Lebensmittelpreise steigen im September um 1,5 Prozent.
Getreide und Zucker treiben den Anstieg, Weizen verteuert sich um 6,3 Prozent.
El Niño und logistische Probleme erhöhen die Unsicherheit an den Agrarmärkten.
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) teilte Anfang Oktober mit, dass die weltweiten Lebensmittelpreise im September angesichts von Transportstörungen im Schwarzen Meer, Unsicherheiten beim Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus und ungünstigen Wetterbedingungen gestiegen seien.
Der FAO-Lebensmittelpreisindex, der die monatlichen Veränderungen der internationalen Preise für einen Korb weltweit gehandelter Lebensmittelrohstoffe erfasst, lag im September bei durchschnittlich 136 Punkten.
Das entspreche einem Anstieg von 1,5 Prozent gegenüber dem revidierten Augustwert und einem Plus von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, so die Organisation.
Der FAO-Bericht erschien zu einem Zeitpunkt, an dem die globalen Agrarmärkte weiterhin mit geopolitischen und wetterbedingten Risiken konfrontiert sind.
Russland und die Ukraine haben ihre Angriffe auf die Infrastruktur des jeweils anderen in den vergangenen Monaten verstärkt, darunter auch auf Getreideterminals in der Schwarzmeerregion.
Russland ist der weltweit größte Weizenexporteur, während die Ukraine weiterhin zu den weltweit größten Getreideproduzenten gehört. Damit ist die Region ein wichtiger Lieferant für die internationalen Getreidemärkte. Gleichzeitig bestehen weiterhin Sorgen über den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel.
Unter normalen Bedingungen werden über diesen Korridor etwa ein Drittel des weltweiten Düngemittelhandels, rund 35 Prozent der weltweiten Seetransporte von Rohöl und etwa ein Fünftel des weltweiten Handels mit verflüssigtem Erdgas abgewickelt.
„Wir beobachten einen anhaltenden und zunehmend breit angelegten Anstieg der weltweiten Rohstoffpreise, da Störungen in der Straße von Hormus und im Schwarzen Meer mit Klimaschocks zusammentreffen und dadurch Energie, Transport und wichtige Lebensmittelrohstoffe unter Druck geraten“, sagte FAO-Chefökonom Maximo Torero.
„Wenn diese Belastungen anhalten, werden sie sich bald auf die Verbraucherpreise für Lebensmittel auswirken, insbesondere in Ländern, die von Lebensmittel- und Energieimporten abhängig sind“, so Torero.
Getreide war für einen großen Teil des Anstiegs im September verantwortlich.
Die FAO teilte mit, dass die internationalen Weizenpreise gegenüber August um 6,3 Prozent gestiegen seien. Grund dafür seien Einschränkungen beim Transport in der Schwarzmeerregion sowie trockenes Wetter in Teilen Nordamerikas vor der Aussaat von Winterweizen.
Die Maispreise stiegen um 5,6 Prozent. Gründe dafür seien laut FAO Sorgen über die Aussichten für die US-Produktion, ein geringeres Exportangebot aus Brasilien und die anhaltenden Störungen des Handels über das Schwarze Meer. Auch die Unsicherheit über den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus habe die Maispreise gestützt, teilte die Organisation mit.
Zucker verzeichnete unter den wichtigsten Rohstoffgruppen den stärksten monatlichen Anstieg und verteuerte sich um 6,1 Prozent.
Die FAO führte den Anstieg auf Erwartungen eines knapperen weltweiten Angebots in der Saison 2026/27 zurück. Genannt wurden niedrigere Produktionsprognosen für Thailand, Sorgen über die indischen Ernten aufgrund unterdurchschnittlicher Niederschläge und eines stärker werdenden El Niño, übermäßige Niederschläge in der brasilianischen Hauptanbauregion im Zentrum und Süden des Landes sowie eine geringere Zuckerrübenaussaat in der Europäischen Union.
Rückläufig waren dagegen unter anderem die Fleischpreise: Der Fleischpreisindex fiel um 1,1 Prozent. Laut FAO gingen die Preise für Schweine- und Geflügelfleisch angesichts eines reichlichen Exportangebots zurück. Die Preise für brasilianisches Rindfleisch stiegen aufgrund einer stärkeren US-Importnachfrage, während die Preise für Schaffleisch weitgehend stabil blieben.
Laut einem separaten, von der FAO unterstützten Bericht vom 2. Oktober erhöhen höhere Frachtraten, gestiegene Düngemittelpreise und anhaltende logistische Störungen die Unsicherheit auf den globalen Agrarmärkten.
Zudem schaffe dem Bericht zufolge ein stärker werdendes El-Niño-Wettermuster zusätzliche Unsicherheit für die Pflanzenproduktion, insbesondere für die Reisproduktion in Süd- und Südostasien.
Die weltweiten Erträge beim Reis lägen während El-Niño-Ereignissen typischerweise 1 bis 1,5 Prozent unter ihrem langfristigen Trend. Die Erträge von Weizen und Mais blieben im Allgemeinen nahe am Trend, während die Sojabohnenerträge häufig 1,5 bis 2 Prozent über dem Trend lägen.
Trotz zunehmender Sorgen über Wetter und Logistik teilte die Weltbank in ihrem am 28. September veröffentlichten „Food Security Update“ mit, dass die globalen Lebensmittelmärkte insgesamt stabil blieben und die Lebensmittelversorgung im Allgemeinen ausreichend sei.
Die Weltbank fügte hinzu, dass sich die El-Niño-Bedingungen voraussichtlich bis Ende 2026 verstärken und bis Anfang 2027 anhalten würden. Dadurch steige das Risiko extremer Wetterereignisse, die die landwirtschaftliche Produktion beeinträchtigen könnten.
Ein Mann liest am 15. April 2025 in einem Supermarkt in Peking die Preise von Produkten. - Foto: Pedro Pardo/AFP via Getty Images
In Kürze:
Weltweite Lebensmittelpreise sind im September um 1,5 Prozent gestiegen.
Getreide und Zucker treiben den Anstieg, Weizen verteuert sich um 6,3 Prozent.
El Niño und logistische Probleme erhöhen die Unsicherheit an den Agrarmärkten.
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) teilte Anfang Oktober mit, dass die weltweiten Lebensmittelpreise im September angesichts von Transportstörungen im Schwarzen Meer, den Unsicherheiten beim Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus und ungünstigen Wetterbedingungen gestiegen seien.
Der FAO-Lebensmittelpreisindex, der die monatlichen Veränderungen der internationalen Preise für einen Korb weltweit gehandelter Lebensmittelrohstoffe erfasst, lag im September bei durchschnittlich 136 Punkten.
Das entspreche einem Anstieg von 1,5 Prozent gegenüber dem revidierten Augustwert und einem Plus von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, so die Organisation.
Der FAO-Bericht erschien zu einem Zeitpunkt, an dem die globalen Agrarmärkte weiterhin mit geopolitischen und wetterbedingten Risiken konfrontiert sind.
Russland und die Ukraine haben ihre Angriffe auf die Infrastruktur des jeweils anderen in den vergangenen Monaten verstärkt, darunter auch auf Getreideterminals in der Schwarzmeerregion.
Russland ist der weltweit größte Weizenexporteur, und auch die Ukraine gehört zu den größten Getreideproduzenten der Welt. Damit ist die Region ein wichtiger Lieferant für die internationalen Getreidemärkte. Gleichzeitig bestehen weiterhin Sorgen über den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel.
Unter normalen Bedingungen werden über diesen Korridor etwa ein Drittel des weltweiten Düngemittelhandels, rund 35 Prozent der weltweiten Seetransporte von Rohöl und etwa ein Fünftel des weltweiten Handels mit Flüssigerdgas abgewickelt.
„Wir beobachten einen anhaltenden und zunehmend breit angelegten Anstieg der weltweiten Rohstoffpreise, da Störungen in der Straße von Hormus und im Schwarzen Meer mit Klimaschocks zusammentreffen und dadurch Energie, Transport und wichtige Lebensmittelrohstoffe unter Druck geraten“, sagte FAO-Chefökonom Máximo Torero.
„Wenn diese Belastungen anhalten, werden sie sich bald auf die Verbraucherpreise für Lebensmittel auswirken, insbesondere in Ländern, die von Lebensmittel- und Energieimporten abhängig sind“, so Torero.
Getreide war für einen großen Teil des Anstiegs im September verantwortlich.
Die FAO teilte mit, dass die internationalen Weizenpreise gegenüber August um 6,3 Prozent gestiegen seien. Grund dafür seien Einschränkungen beim Transport in der Schwarzmeerregion sowie trockenes Wetter in Teilen Nordamerikas vor der Aussaat von Winterweizen.
Die Maispreise stiegen um 5,6 Prozent. Gründe dafür seien laut FAO Sorgen über die Aussichten für die US-Produktion, ein geringeres Exportangebot aus Brasilien und die anhaltenden Störungen des Handels über das Schwarze Meer. Auch die Unsicherheit über den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus habe die Maispreise gestützt, teilte die Organisation mit.
Zucker verzeichnete unter den wichtigsten Rohstoffgruppen den stärksten monatlichen Anstieg und verteuerte sich um 6,1 Prozent.
Die FAO führte den Anstieg auf Erwartungen eines knapperen weltweiten Angebots in der Saison 2026/27 zurück. Genannt wurden niedrigere Produktionsprognosen für Thailand, Sorgen über die indischen Ernten aufgrund unterdurchschnittlicher Niederschläge und eines stärker werdenden El Niño, übermäßige Niederschläge in der brasilianischen Hauptanbauregion im Zentrum und Süden des Landes sowie eine geringere Zuckerrübenaussaat in der Europäischen Union.
Rückläufig waren dagegen unter anderem die Fleischpreise: Der Fleischpreisindex fiel um 1,1 Prozent. Laut FAO gingen die Preise für Schweine- und Geflügelfleisch angesichts eines reichlichen Exportangebots zurück. Die Preise für brasilianisches Rindfleisch stiegen aufgrund einer stärkeren US-Importnachfrage, während die Preise für Schaffleisch weitgehend stabil blieben.
Laut einem separaten, von der FAO veröffentlichten Bericht vom 2. Oktober verstärken höhere Frachtraten, gestiegene Düngemittelpreise und anhaltende logistische Störungen die Unsicherheit auf den globalen Agrarmärkten.
Zudem schaffe dem Bericht zufolge ein stärker werdendes El-Niño-Wettermuster zusätzliche Unsicherheit für die Pflanzenproduktion, insbesondere für die Reisproduktion in Süd- und Südostasien.
Die weltweiten Reiserträge lägen während El-Niño-Ereignissen typischerweise 1 bis 1,5 Prozent unter ihrem langfristigen Trend. Die Erträge von Weizen und Mais blieben im Allgemeinen nahe am Trend, während die Sojabohnenerträge häufig 1,5 bis 2 Prozent über dem Trend lägen.
Trotz zunehmender Sorgen über Wetter und Logistik teilte die Weltbank in ihrem am 28. September veröffentlichten „Food Security Update“ (Lagebericht zur Ernährungssicherheit) mit, dass die globalen Lebensmittelmärkte insgesamt stabil blieben und die Lebensmittelversorgung im Allgemeinen ausreichend sei.
Die Weltbank fügte hinzu, dass sich die El-Niño-Bedingungen voraussichtlich bis Ende 2026 verstärken und bis Anfang 2027 anhalten würden. Dadurch steige das Risiko extremer Wetterereignisse, die die landwirtschaftliche Produktion beeinträchtigen könnten.
Ein Tegut-Supermarkt in Bayern. (Archivbild) - Foto: Malin Wunderlich/dpa
Die Übernahme von 178 Tegut-Supermärkten durch den Handelsriesen Edeka ruft bei Branchenexperten Bedenken hervor. „Für den Wettbewerb ist es schmerzlich, dass ein weiterer Händler vom Markt verschwindet“, sagte der Präsident der Monopolkommission, Tomaso Duso, und warnte vor einer zu hohen Marktkonzentration und damit Nachteilen für die Verbraucher.
„Die Behörden werden jetzt noch intensiver darauf achten müssen, dass die großen Vier die Preise nicht hochtreiben oder Innovationen verhindern.“ Mit den großen Vier gemeint sind Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland zählen.
Das Bundeskartellamt hatte in dieser Woche grünes Licht gegeben für die Übernahme zahlreicher Tegut-Standorte durch Edeka. Allerdings musste Edeka sein Vorhaben etwas abspecken – die Handelskette darf sich zunächst nur 178 Tegut-Märkte einverleiben und damit 24 weniger als geplant.
Nach Einschätzung des Kartellamts wird dadurch verhindert, dass es in den betroffenen Regionen durch die Übernahme zu Verschlechterungen für die Verbraucher kommt. Die Schweizer Genossenschaft Migros Zürich hatte im März angekündigt, Tegut verkaufen zu wollen.
Edeka reagiert auf Äußerungen
Der Lebensmittelhändler Edeka wies die Kritik auf Nachfrage zurück. „Das Bundeskartellamt hat die Übernahme in jedem einzelnen regionalen Absatzmarkt sorgfältigst geprüft und für alle freigegebenen Tegut-Filialen festgestellt, dass der Wettbewerb in ihrem Umfeld nicht beeinträchtigt wird“, sagt ein Sprecher. Dabei sei ein strengerer Maßstab angelegt worden als in der Vergangenheit.
„Mit der Übernahme sichern wir rund 3.700 Arbeits- und Ausbildungsplätze und erhalten die wohnortnahe Nahversorgung.“
Philipp Hennerkes, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels, sagt: „Wenn Händler die Verbraucher nicht ausreichend überzeugen, scheiden sie aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit aus dem Markt aus.“ Dann sei es zum Vorteil aller, wenn andere Händler Märkte weiter betrieben.
Zum Edeka-Übernahmepaket gehören auch das Tegut-Logistikzentrum in Hünfeld-Michelsrombach, die Bäckerei Herzberger sowie die 41 personallosen „Teo“-Minimärkte.
Vier Große dominieren den Lebensmitteleinzelhandel
Die Monopolkommission hat dennoch Zweifel. Die vier großen Handelsketten in Deutschland vereinten schon heute mehr als 90 Prozent der Umsätze des hiesigen Lebensmitteleinzelhandels auf sich, heißt es von dem unabhängigen Beratungsgremium. „Ein zentraler Bereich der Versorgung in Deutschland ist damit in den Händen von nur vier Unternehmen“, sagt Professor Duso.
Bei einem Teil des Sortiments seien die Preise weitgehend gleich, die Unternehmen könnten sich in einem sehr transparenten Markt recht leicht aufeinander einstellen. Die Lieferanten wiederum seien abhängig von den vier Großen, es könne zu „Missbräuchen von Nachfragemacht“ kommen. Die Lieferanten scheuten den Konflikt mit den vier Großen. Das mache es für Behörden schwierig, solche Missbräuche abzustellen.
Die Monopolkommission hatte bereits Ende 2025 in einem Sondergutachten vor einer hohen und zunehmenden Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel gewarnt.
Das Bundeskartellamt hat die geplante Übernahme von Tegut-Filialen seit März untersucht. Im Laufe des Verfahrens hatten die Wettbewerbshüter bereits darauf hingewiesen, dass die hohe Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel allein kartellrechtlich nicht ausreiche, um einen Zusammenschluss zu untersagen.
„Auch lässt sich hieraus allein nicht ableiten, dass die vier großen Handelskonzerne den Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland kollektiv beherrschen“, sagte Präsident Andreas Mundt Ende Juli. Die Ermittlungen hätten keine Hinweise auf fehlenden wirksamen Wettbewerb ergeben.
Tegut hat hierzulande rund 300 Standorte. Auch andere deutsche Handelsketten wollen Filialen erwerben und weiterbetreiben. Die Smart-Store-Kette Tante Enso erhielt im Juni bereits die Freigabe für 36 Supermärkte. Auch die Rewe-Gruppe möchte bis zu 40 Filialen übernehmen. Die Entscheidung steht noch aus. Was aus den übrigen Tegut-Standorten wird, ist noch unklar.
Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet und gehört seit 2013 zur Migros-Gruppe. Die Kette ist in sechs Bundesländern vertreten, die meisten Märkte befinden sich in Hessen. Laut Migros beschäftigt Tegut knapp 7.500 Menschen. Die Marke soll aufgegeben werden. (dpa/red)
Bierpreisinflation auf der Wiesn. (Archivbild) - Foto: Matthias Balk/dpa
Während auf dem Münchner Oktoberfest noch bis zum 4. Oktober gefeiert wird, steckt die deutsche Brauwirtschaft in einem tiefgreifenden Wandel. Der Absatz von alkoholhaltigem Bier sank im ersten Halbjahr 2026 laut Statistischem Bundesamt um 2,2 Prozent, nachdem die Produktion bereits 2025 um 5,8 Prozent zurückgegangen war.
Gegen den Trend wächst ein Segment: alkoholfreies Bier. Dessen Produktion stieg 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamts um 6,5 Prozent auf gut 616 Millionen Liter. Der Deutsche Brauer-Bund, der die gesamte Branche erfasst, nennt ein Plus von 7,6 Prozent auf 750 Millionen Liter. Alkoholfreies Bier kommt damit auf einen Marktanteil von rund 11 Prozent und ist nach Pils und Hellem die drittbeliebteste Sorte.
Auch auf der Wiesn wird es in der Maß ausgeschenkt, wo das Festbier in diesem Jahr zwischen 14,80 und 15,90 Euro kostet. Innerhalb der EU bleibt Deutschland laut Eurostat dennoch mit Abstand der größte Bierproduzent.
Wie alkoholfreies Bier heute gebraut wird und warum in Bayern keine Zusatzstoffe ins Bier dürfen, erklären Franz Amberger, Technischer Leiter und Braumeister der Flötzinger Brauerei in Rosenheim, und Michael Stangl, Braumeister von Camba Bavaria im Chiemgau.
Ist das Bier aus Bayern wirklich Kult in der ganzen Welt?
Michael Stangl: „Das Bier aus Bayern ist Kult, in der ganzen Welt! Wir hatten diese Woche Amerikaner bei uns, die unser bayerisches Bier im wahrsten Sinne des Wortes gefeiert haben.“
Aber was macht das bayerische Bier eigentlich so besonders gegenüber Bier aus anderen Bundesländern oder aus aller Welt?
Michael Stangl: „Das bayerische Reinheitsgebot von 1516 ist bei uns verpflichtend im Lebensmittelgesetz festgeschrieben. Das bedeutet: Außer Hopfen, Malz und Wasser kommt nichts anderes hinzu.“
Ist das nicht überall so, in allen deutschen Brauereien?
Michael Stangl: Nein, dem ist nicht so. In den anderen Bundesländern kann man bei der Lebensmittelbehörde Ausnahmen beantragen, um noch weitere Zusätze hinzufügen zu dürfen. Bei uns in Bayern ist das nicht möglich. Das gilt übrigens auch für den Export ins Ausland. Wir sind eine Lohnbrauerei, wir brauen und füllen auch für andere Brauereien ab.
Wenn wir Bier für Italien oder Griechenland herstellen, halten wir uns trotzdem zu 100 Prozent an das bayerische Reinheitsgebot – denn alles Bier, das in Bayern gebraut wird, folgt dem Reinheitsgebot von 1516.
Auch wenn im Ausland vielleicht Zusätze hinzugefügt werden, um einen bestimmten Geschmack zu erzeugen: Bei uns geht das nicht. Selbst auf Kundenwunsch dürfen wir keine Zusätze beimischen, solange das Bier in Bayern gebraut wird. Das darf der Kunde dann erst bei sich zu Hause tun und sein Bier nach dem individuellen Geschmack seines Landes anpassen.
Wie kann es dann sein, dass Bier von unterschiedlichen Brauereien so unterschiedlich schmeckt? Man meint ab und zu, es seien Bananen, Orangen oder andere Früchte enthalten.
Michael Stangl: „Das liegt vor allem am Hopfen. Weil wir uns strikt an das Reinheitsgebot halten, sind geschmackliche Neuerungen nur über die Zutaten oder über die Brauereitechnik möglich. Durch gezielte Züchtung lassen sich dem Hopfen heute ganz unterschiedliche Geschmacksrichtungen und Noten verleihen – er kann nach Banane, Orange, Mandarine oder anderen Früchten schmecken und riechen. Diese Aromen übertragen sich dann natürlich aufs Bier, dem der Hopfen so seine ganz persönliche Note gibt.“
Und wie verhält es sich mit dem alkoholfreien Bier? Das schmeckt heute ja ganz anders als noch vor zehn Jahren.
Michael Stangl: Ja, damals wurde alkoholfreies Bier mit Gärunterbrechung gebraut. Das bedeutet: Sobald der Alkohol in der Biermaische zu gären begann, wurde der Gärprozess unterbrochen. Das Bier wurde dann gefiltert und in Flaschen abgefüllt. Dadurch bekam es einen ganz eigenen Geschmack – stark hopfig, malzig – und nicht mehr richtig nach Bier.
Heutzutage möchte man mit dem alkoholfreien Bier so nah wie möglich an den Geschmack von alkoholhaltigem Bier herankommen. Bei uns in der Camba Brauerei wird der Brauprozess heute mit der Vollgärung des Alkohols in der Maische durchgezogen, aber in der Rezeptur wird darauf geachtet, dass nach der Gärung maximal 0,5 Prozent Alkohol vorhanden sind – also so wenig Zucker beziehungsweise Malz, dass die Hefe nur bis maximal 0,5 Prozent Alkohol vergären kann.
Danach wird dem kalten Bier noch einmal zusätzlich Hopfen hinzugegeben, um ihm eine besondere Würze zu verleihen. Nach zwei bis drei Tagen wird das fertige Gemisch zentrifugiert statt gefiltert, damit nur die festen Stoffe entfernt werden und nicht die Schwebestoffe, sprich die Geschmacksstoffe. Danach folgt die Abfüllung – und schließlich der Genuss beim Kunden.
Wer setzt eigentlich den Trend beim Biergeschmack – und dabei, was überhaupt getrunken wird?
Franz Amberger: Die Trends setzt immer der Kunde, wir sind nur die, welche es produzieren.
Stellt die Flötzinger Brauerei ihr alkoholfreies Bier auf die gleiche Art her wie Camba Bavaria?
Franz Amberger: Nein, wir machen es anders. Wir lassen den Gärprozess zwar auch voll durchlaufen, sodass am Ende das gleiche Bier herauskommt wie jedes andere, nicht alkoholfreie Bier. Aber dann entziehen wir dem Bier durch Vakuum-Verdampfung den Alkohol zu 100 Prozent. Danach fügen wir dem Bier wieder ein Mutterbier hinzu – also normales, nicht alkoholfreies Bier –, sodass am Ende 0,5 Prozent Alkohol enthalten sind.
Aber warum heißt es dann alkoholfreies Bier, wenn 0,5 Prozent Alkohol enthalten sind?
Franz Amberger: Weil der Gesetzgeber sagt: Wenn nicht mehr als 0,5 Volumenprozent Alkohol im Bier enthalten sind, ist es nach Definition noch alkoholfreies Bier.
Was ist also der Trend? Wird alkoholfreies Bier in einigen Jahren das normale Bier vom Markt verdrängen?
Franz Amberger: Nein, ich denke nicht. Auch wenn der Alkohol bei uns in der Gesellschaft negativ besetzt ist, ist er doch in unserer und in der weltweiten Kultur ein fester Bestandteil des Lebens. Normales Bier fördert in Maßen die Geselligkeit, den Humor und macht auch den Geist mal wieder frei. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei den Frühlings- und Herbstfesten irgendwann nur noch alkoholfreies Bier und alkoholfreie Getränke getrunken werden. Woher käme dann die Stimmung, das Ausgelassene, das Heitere im Zwischenmenschlichen? Es ist doch wie immer: Nur der übervolle Genuss einer Sache ist schädlich. Also, meine Meinung: a Bier in Maßen und nicht in Massen schadet einem nicht.
Und wie sieht das Camba Bavaria?
Michael Stangl: Ich kann der Aussage von Herrn Amberger nur zustimmen, es kommt immer auf die Menge an, ob es ein Genuss ist oder nicht.
Edeka erweitert sein Filialnetz um zahlreiche Tegut-Supermärkte. - Foto: Malin Wunderlich/dpa
Der Lebensmittelhändler Edeka darf 178 Filialen der Supermarktkette Tegut übernehmen. Das teilte das Bundeskartellamt in Bonn mit.
Die Schweizer Genossenschaft Migros hatte im März angekündigt, Tegut verkaufen zu wollen. Edeka wollte ursprünglich 202 der rund 300 Supermärkte der Kette erwerben und anschließend weiterbetreiben. Die Wettbewerbshüter äußerten jedoch Bedenken. Sie befürchteten, dass Edekas Marktanteil in einigen Regionen zu hoch sein und dadurch ein wirksamer Wettbewerb behindert werden könnte. Deshalb wurde eine Übernahme in der geplanten Form abgelehnt.
Edeka verpflichtete sich deshalb, 24 der vorgesehenen 202 Tegut-Standorte für einen Zeitraum von vier Jahren nicht zu erwerben. „Damit verhindern wir, dass es in den betroffenen Regionen durch die Übernahme zu Verschlechterungen für die Verbraucherinnen und Verbraucher kommt“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Die Behörde veröffentlichte keine Liste der Filialen, die Edeka übernehmen darf. Zum Übernahmepaket gehören auch das Tegut-Logistikzentrum, die Bäckerei Herzberger sowie die 41 personallosen „Teo“-Minimärkte.
Frist für Prüfverfahren verlängert
Das Bundeskartellamt hat die geplante Übernahme seit März nach eigenen Angaben intensiv untersucht. Hintergrund sind die Wettbewerbsverhältnisse und eine zunehmende Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel.
Der Behörde zufolge vereinten Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland) sowie Aldi (Nord und Süd) 2025 zusammen mehr als 90 Prozent der bundesweiten Umsätze auf sich.
Eine einzelmarktübergreifende kollektive Marktbeherrschung der führenden Lebensmitteleinzelhandels-Unternehmen habe sich jedoch nicht feststellen lassen, teilte das Kartellamt mit.
Entscheidung für Rewe steht noch aus
Auch andere deutsche Handelsketten wollen ihr Filialnetz um Tegut-Märkte erweitern. Die Smart-Store-Kette Tante Enso erhielt im Juni bereits die Freigabe für 36 Supermärkte.
Auch die Rewe-Gruppe möchte bis zu 40 Filialen übernehmen. Die Entscheidung steht noch aus. Auch in diesem Verfahren hatte das Kartellamt wettbewerbliche Bedenken geäußert. Rewe legte daraufhin ein Zusagenangebot vor, um diese auszuräumen. Die Prüffrist für das Verfahren wurde bis Ende Oktober verlängert. Was aus den übrigen Tegut-Filialen wird, ist noch unklar.
Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet und gehört seit 2013 zur Migros-Gruppe. Die Kette ist in sechs Bundesländern vertreten, die meisten Märkte befinden sich in Hessen. Laut Migros beschäftigt Tegut knapp 7.500 Menschen. Die Marke soll aufgegeben werden. (dpa/red)
Die Weihnachtsproduktion beginnt schon im Sommer. - Foto: Christoph Reichwein/dpa
Nikoläuse, Adventskalender, Weihnachtsbären, süße Tannenbäume: Im Schokoladenwerk Ruth in Bochum werden knapp drei Monate vor Heiligabend fleißig Figuren in allen denkbaren Varianten fürs Weihnachtsgeschäft hergestellt. Zum großen Teil von Hand, mit Hilfe von allerlei Formen und Pinseln. In der Produktionshalle duftet es schon seit dem Sommer nach Schokolade und Füllungen, die später als kleine Schmuckstücke im Nikolausstiefel oder unter Weihnachtbaum liegen werden.
Für die Branche beginnt Weihnachten oft schon im Frühsommer
„Das Weihnachtsgeschäft ist für die Schokoladenindustrie traditionell ein wichtiges Saisongeschäft“, berichtet eine Sprecherin des Bundesverbands der Süßwarenindustrie. Und deshalb geht es früh los. Der Lebensmittelhandel plant das Weihnachtsgeschäft mehrere Monate im Voraus: „Die Ordertermine für saisonale Produkte liegen häufig schon im Frühjahr oder Frühsommer“, sagt Alina Thieme vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH). Bereits ab September steige bei vielen Menschen die Vorfreude auf die Winter- und Weihnachtszeit und damit die Nachfrage nach den saisonalen Süßwaren.
Bei Ruth in Bochum ist Weihnachtsschoko seit einigen Wochen in der Mache. „Bei uns läuft die Produktion zu 70 Prozent händisch, nur zu 30 Prozent maschinell unterstützt“, erläutert Geschäftsführer Max Ruth. Es braucht also auch Kreativität und eine ruhige Hand. Kostprobe: Weihnachtsteddy Chris. Der kleine Kerl entsteht in einer Form mit Vorder- und Rückseite. Dazu pinselt Mitarbeiterin Jana zuerst auf der Vorderseite die Stelle für die Mütze mit roter Schoko aus, der Bommel wird weiß. „Ausschminken“ nenne man das.
Flüssige Schokolade wird im nächsten Schritt eingefüllt, die Oberseite draufgesetzt. Danach fahren die Bärchen so lange an einer Aufhängung Karussell, bis sie ausgehärtet sind. Auch Schneemänner entstehen ähnlich. „Bisschen Weihnachtsstimmung kommt dabei schon mal auf“, erzählt Kollegin Gaby ein paar Arbeitstische weiter. Tannenbäume werden gepudert und „gelackt“ – also mit Glanz überzogen. Oder auch Nikolausköpfe. „Ein Rennerartikel“, sagt Geschäftsführer Ruth.
Bleibt Schokolade weiter so teuer?
Eher bitter sind die Preise für so manche Schokoladen-Produkte, weil es seit Jahren tendenziell nach oben geht – vor allem wegen extrem gestiegener Kakao-Rohstoffkosten. Eine belastbare Prognose zu den Verbraucherpreisen in der (Vor-)Weihnachtszeit 2026 ist laut Branche bislang nicht möglich, aber es gibt erste Hinweise.
Einzelne Markenhersteller hätten Preissenkungen angekündigt, schildert Thieme vom Handelsverband mit Verweis auf Lindt. Der Hersteller plant Senkungen für eine Reihe von Produkten, bei einigen Weihnachtsmann-Sorten sollten sie um mehr als ein Fünftel fallen, wie das Unternehmen jüngst laut Medienberichten vermeldet hatte.
Fakt ist zudem: „Im Ostergeschäft war in diesem Jahr bei Markenartikeln tendenziell eine geschwächte Nachfrage aufgrund hoher Preise zu verzeichnen“, weiß Thieme. Es sei verstärkt zu Rabattaktionen gekommen. Und der Absatz von Weihnachtsschokolade war 2025 schon ordentlich geschrumpft, dem Marktforschungsunternehmen NIQ zufolge insgesamt um zwölf Prozent.
„Feiertage sind ein Anlass, es sich auch mal gutgehen zu lassen“
„Generell verspürt der Handel in der Breite eine große Kaufzurückhaltung. Die Bürger halten ihr Geld zusammen“, berichtet Thieme. Feiertage seien allerdings auch immer wieder Anlass, „es sich auch mal gut gehen lassen“. Der Handel halte „vielfältige und preiswürdige Angebote“ für diese Weihnachtszeit bereit.
Die Industrie betont, dass die Rohstoff-Preiskrise anhalte. Eine Entspannung im Frühjahr habe sich nicht fortgesetzt. Hinzu kämen Kostenbelastungen bei Energie und weiteren Rohstoffen. Schokolade insgesamt war im April 2026 laut Statistischem Bundesamt knapp 10 Prozent teurer als ein Jahr zuvor – im Januar 2026 sogar 21,0 Prozent teurer gewesen als im Vorjahresmonat.
Bei Ruth brummt das Geschäft. Der Firmenchef sieht sein Angebot preislich im Mittelfeld. Vielfalt sei wichtig. Über 600 Produkte verlassen das Werk. Aktuell werden auch Adventskalender fertiggemacht. Sonderauftrag für einen Versicherer. Fast 50 Pralinensorten bekommen ihre „Schminke“: Auch hier werden Farben oder Muster per Pinsel in die Kugel-Förmchen aufgetragen.
60 bis 70 Prozent produziere man für andere Marken, den deutlich kleineren Teil verkaufe man unter dem Eigennamen Ruth, verrät der Geschäftsführer. Kunden sind Fachhandelsketten, einige Supermärkte, Feinkostläden oder einzelne Unternehmen, es gibt einen Laden mit Café und ein stark wachsendes Online-Geschäft. Zudem werden Lebensmittelfarben hergestellt. „Die hat schon mein Opa in großen Mengen gekocht und an die Branchenkollegen verkauft.“
Hitzefrei und zusätzliche Investitionen im Klimawandel
Mitten in der Weihnachtsproduktion ist auch schon mal hitzefrei. So war es bei Ruth im zurückliegenden Hitzesommer für die 35 bis 40 Mitarbeitenden in der Produktion, wie Ruth mit Blick auf Außentemperaturen von bis zu 40 Grad berichtet. „Ab 23 Grad ist in der Halle keine gute Verarbeitung mehr möglich, da gibt es keinen schönen Glanz mehr auf der Schokolade und keinen guten Bruch“, erläutert er. Zwei neue Klimaanlagen werden nun eingebaut.
Der Süßwaren-Industrieverband betont, dass Hitzeschutz im Sommer bei dem so temperaturempfindlichen Produkt für die Hersteller nichts Ungewöhnliches ist. „Längere Hitzeperioden können jedoch den technischen und energetischen Aufwand für Kühlung, Lagerung und Transport erhöhen und auch die Arbeitsbedingungen in der Produktion beeinflussen.“ Welche Maßnahmen es brauche, sei von Standort, Produktionsanlagen und Sortiment abhängig.
Max Ruth plant auch neue Sommerprodukte, die nicht ganz so hitzeempfindlich sind. Für ihn ist das keine Last, denn: „Mein Herz gehört den Schokoladen.“ (dpa/red)
Obstbaubetriebe in Deutschland können Summe ein gutes Kirschenjahr bilanzieren. (Archivbild) - Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Milde Temperaturen im Frühjahr und weniger Frostschäden haben Deutschlands Obstbauern 2026 eine der besten Kirschernten seit Jahren beschert.
Mit 48.500 Tonnen Süß- und Sauerkirschen lag die Erntemenge nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes um 7,8 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Das ertragreiche Vorjahr wurde um 3,0 Prozent übertroffen, obwohl Hitze und Trockenheit im Sommer den Obstbäumen regional teils erheblich zusetzte.
Die Steigerung ist allein auf Süßkirschen zurückzuführen: Während ihre Menge mit 38.900 Tonnen den Zehnjahresschnitt um 16,2 Prozent deutlich übertraf, lag die Sauerkirschenernte mit 9.600 Tonnen um 16,8 Prozent unter dem Durchschnitt des Zeitraums 2016 bis 2025.
Kirschen im Supermarkt (Symbolbild).
Foto: via dts Nachrichtenagentur
Regional gab es erhebliche Unterschiede: In Baden-Württemberg, wo es mit 2.600 Hektar die größten Anbauflächen für Süßkirschen in Deutschland gibt, ernteten Obstbaubetriebe 19.100 Tonnen und damit 16,7 Prozent mehr als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.
In Rheinland-Pfalz (660 Hektar) war die Ernte dagegen mit 2.000 Tonnen mehr als ein Drittel (37,2 Prozent) geringer. Bei Sauerkirschen war die Entwicklung in den beiden Bundesländern analog.
Birnenernte voraussichtlich über Zehn-Jahres-Durchschnitt
Auch die Birnenernte dürfte nach ersten vorläufigen Schätzungen in diesem Jahr in Summe gut ausfallen. Die Betriebe rechnen mit 40.900 Tonnen und damit 7,7 Prozent mehr als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Allerdings wäre die Birnenernte dann um 3,3 Prozent geringer als im ertragsstarken Vorjahr.
Bedeutendstes Anbauland für Birnen hierzulande ist Baden-Württemberg. Dort werden auf 860 Hektar 18.600 Tonnen und damit fast die Hälfte der heimischen Birnen erwartet. (dpa/afp/red)
Lidl ködert Kunden in seiner App mit zusätzlichen Rabattaktionen. - Foto: Philip Dulian/dpa
Viele Menschen haben sie auf dem Handy installiert: die Apps der Lebensmittelhändler für zusätzliche Rabatte. Das ist aber nicht unumstritten. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sieht darin eine Diskriminierung und hat deshalb gegen den Discounter Lidl und dessen „Lidl Plus“-App geklagt. Am Dienstag, den 15. September, verhandelte das Brandenburgische Oberlandesgericht den Fall (Az. 6 UKl 2/25). Eine Entscheidung soll am 29. September verkündet werden, wie eine Gerichtssprecherin sagte.
Was kritisieren die Verbraucherschützer?
Sie monieren, dass ältere, behinderte oder jüngere Menschen benachteiligt würden, da sie entsprechende Geräte oder Apps häufig nicht nutzen könnten oder dürften. Die Verbraucherschützer gingen deswegen auch gegen die Discounter Netto und Penny vor.
Diese Klagen wurden jedoch unter anderem wegen fehlender Belege abgewiesen. Die Urteile sind bislang aber nicht rechtskräftig. Eine Revision wurde zugelassen. Nun muss sich der Bundesgerichtshof mit dem Thema befassen. Ein Verhandlungstermin steht bislang nicht fest.
Welche Vorteile bieten die Apps?
Viele große Handelsketten haben eine App, die Kunden auf ihren Smartphones verwenden können. Sie bewerben darin ihre Produkte und Sonderangebote. Wer sich registriert, kann bei vielen Händlern auch die Bonus- und Treueprogramme nutzen. Teils sind zusätzliche Artikel im Angebot, teils gibt es einen Extra-Rabatt auf reduzierte Produkte. Vielfach erhalten Kunden Rabatt-Coupons, wenn sie innerhalb eines Monats eine bestimmte Einkaufssumme erreichen.
Eine Auswertung des Vergleichsportals Smhaggle ergab vor einigen Monaten, dass Verbraucher mit Rabatt-Apps nur wenig sparen. Die durchschnittliche Ersparnis pro App liegt demnach bei rund einem Prozent. Dies bezieht sich auf die gesamten Ausgaben über alle Händler hinweg. Denn Verbraucher kaufen in der Regel bei mehreren Handelsketten ein.
Gibt es überall App-Rabatte?
Nein. Aldi Nord und Aldi Süd verzichten vollständig auf Bonusprogramme mit App-Rabatten. Mit einer Werbekampagne haben sich die Unternehmen kürzlich offensiv dagegen positioniert. Bei Aldi gebe es einen Preis für alle und ohne Bedingungen, heißt es darin. „In einer Zeit, in der alles komplexer wird, ist Einfachheit wichtiger denn je.“
Handelsexperte Stephan Rüschen von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn sagt: „Ich halte den Weg von Aldi für erfolgversprechend und sinnvoll.“ Bonusprogramme seien bei den Kunden umstritten. Viele hielten sie für zu kompliziert.
Ein Alleinstellungsmerkmal von Aldi sei es, dass Einkaufen einfach sein solle. Der Weg sei daher konsequent. Beim Thema Rabatt-Apps unterscheide sich der Discounter vom restlichen Lebensmittelhandel. „Damit hat Aldi einen „Point of no return“ definiert, denn eine Einführung eines Bonusprogrammes in den nächsten Jahren würde die Glaubwürdigkeit von Aldi gefährden.“
Rivale Lidl nahm die Aldi-Kampagne inzwischen mit mehreren Videoclips aufs Korn. Der Discounter argumentiert, ohne App lasse sich sparen, mit der App jedoch noch mehr. Aus Sicht von Rüschen könnten beide Strategien – mit oder ohne App-Rabatte – erfolgreich sein. Denn Kunden hätten schließlich unterschiedliche Vorlieben.
Für Händler und Kunden sind die Apps eine Art Tauschgeschäft. Angemeldete Kunden erhalten vielfach exklusive Vorteile. Im Gegenzug gewinnen die Händler – im besten Fall – treuere Kunden sowie deren Daten. So können sie das Kaufverhalten besser analysieren, die Zielgruppen gezielter ansprechen und womöglich auch Kaufentscheidungen beeinflussen. Händler wie Lidl und Rewe kennen ihre Kunden aus Sicht von Branchenexperten deshalb womöglich besser als Aldi.
Die Bonusprogramme seien im Alltag fest etabliert, sagt Andreas Riekötter vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln. Er erkennt jedoch Anzeichen einer gewissen Sättigung: „Die meisten Menschen möchten nicht 10 oder 20 verschiedene Apps verwalten, um Rabatte zu sammeln.“
Laut einer IFH-Analyse ist zudem fraglich, ob die Apps die Kundenbindung nachhaltig stärken. Nutzer haben demnach im Schnitt 4,2 Apps von Händlern installiert. Riekötter zufolge wechseln viele für die besten Vorteile oft zwischen den Apps hin und her. „Für den Kunden zählt am Ende häufig der beste Preis und nicht die Zugehörigkeit zu einem einzelnen Treueprogramm.“
Wie viele Menschen nutzen die Apps?
Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov nutzen drei von vier Menschen in Deutschland Rabatt-Apps von Händlern wie Rewe, Lidl oder Penny. Jeder Zweite macht dies sogar mindestens einmal die Woche.
24 Prozent verwenden die Apps nicht, ein Drittel von ihnen kann sich eine Nutzung aber vorstellen. YouGov hat vom 28. bis 31. August 2.040 Menschen ab 18 Jahren in Deutschland zum Thema befragt.
Wie werden Rabatt-Apps bewertet?
Die Apps werden laut Umfrage aus unterschiedlichen Gründen verwendet. 93 Prozent der Nutzer geben an, damit beim Einkauf Geld zu sparen. Für 86 Prozent erleichtern sie die Suche nach aktuellen Angeboten und Rabatten. 72 Prozent sagen, die Apps bieten ihnen individuelle und für sie relevante Angebote. 56 Prozent der Befragten zufolge helfen sie ihnen, den Einkauf besser zu planen.
Unter allen Befragten sehen viele die Apps jedoch kritisch. 55 Prozent halten es für unfair, dass die Rabatte nur angemeldeten Nutzern angeboten werden. Jeder Zweite hat Bedenken wegen des Datenschutzes und der Nutzung persönlicher Daten. Für 47 Prozent ist der Aufwand zu hoch. 46 Prozent empfinden die Benachrichtigungen oder Werbehinweise als störend. Für 29 Prozent ist die Bedienung zu kompliziert und unübersichtlich. (dpa/red)
Mehrwürmer können auch zu Lebensmitteln verarbeitet werden. - Foto: Uwe Anspach/dpa
Grillenburger, Mehlwurmaufstrich und andere Produkte aus Insekten sind in Deutschland und Europa längst erhältlich – der große Durchbruch auf dem Teller ist bislang jedoch ausgeblieben. Da stellt sich natürlich die Frage, ob sich das Geschäft mit Insektenlebensmitteln überhaupt lohnt.
Gia Tien Ngo ist einer, der sein Geld mit Insekten verdient. Während seines Studiums in den USA habe er Mehlwürmer gegessen und dabei bemerkt, dass die kleinen Larven gute Proteinlieferanten seien.
In Baden-Württemberg gründete er 2018 sein Unternehmen Alpha Protein. Seine Grundidee war, Mehlwürmer als Lebensmittel zu produzieren, wie er erzählt.
Mit der Idee, Insekten zur Lebensmittelproduktion zu züchten, hatte Gia Tien Ngo einst gegründet.
Foto: Uwe Anspach/dpa
Eher für Tiere als für Menschen?
Doch seitdem habe Ngos Unternehmen noch nicht für Lebensmittel produziert. Es stelle verarbeitetes Tierfutter und lebende Insekten als Terrarienfutter in Dielheim her. Der Lebensmittelbereich sei bei den Insekten einfach noch zu klein, sagt er.
Ähnliches berichtet Raijana Schiemann, die Geschäftsführerin von Entava, einem 2020 in Mecklenburg-Vorpommern gegründeten Start-up. Bis 2024 habe Entava getrocknete ganze Insekten und Mehl aus Mehlwürmern hergestellt.
Die Produkte seien von Kunden zu Riegeln, Müsli oder Crackern weiterverarbeitet worden. Diesen Zweig habe man inzwischen komplett eingestampft, sagt Schiemann. Entava produziere momentan ebenfalls ausschließlich Insekten für Tierfutter.
Isabell Weiß ist Agrarökonomin und Doktorandin und forscht an der Universität Göttingen unter anderem zu Insektenlebensmitteln. „Es bleibt ein Nischenmarkt, was die Lebensmittelindustrie angeht“, erklärt sie, „Man muss schon sagen, dass der Hauptabsatzmarkt, also der deutliche Hauptabsatzmarkt, die Futtermittelproduktion ist.“
Zeit des Insekten-Hypes
Laut Weiß gab es etwa von 2018 bis 2022 einen Insekten-Boom. 2018 hatte die EU Insekten als neuartige Lebensmittel eingestuft. Das Thema sei medial präsent gewesen.
Sie schätzt, dass es damals zwischen 20 und 30 Unternehmen gegeben habe, die Insekten für Lebensmittel gezüchtet hätten oder züchten wollten. Inzwischen geht sie in Deutschland von weniger als 10 Unternehmen aus.
Plumento Foods aus Pforzheim hat nach eigenen Angaben als erstes Unternehmen in Deutschland insektenbasierte Lebensmittel in den Einzelhandel gebracht. „Vor allem Pasta, aber auch Burger-Patties, Proteinriegel, Snacks“, zählt Daniel Mohr, der Geschäftsführer, seine Produkte auf.
Das Unternehmen züchtete die Insekten nicht selbst, sondern vertrieb fertige Produkte. Doch trotz der nach eigenen Angaben großen medialen Aufmerksamkeit entwickelte sich daraus langfristig kein stabiler Markt. Inzwischen verkaufe Mohr keine Insektenprodukte mehr.
Plumento Food hatte unter anderem insektenhaltige Nudeln vertrieben. (Archivbild)
Foto: Marijan Murat/dpa
Nachfrage blieb aus
Auf Nachfrage teilen Lidl, Aldi Süd und Rewe mit, dass sie aktuell keine Insektenprodukte im Sortiment hätten. Auch der Supermarkt tegut führt wegen fehlender Nachfrage keine Insektenprodukte mehr, wie das Unternehmen mitteilt. Laut Weiß findet das Geschäft mit Insektenprodukten vor allem online statt.
„Der Absatz war einfach nicht so gut, und das zu relativ hohen Kosten“, fasst Weiß die Probleme der Start-ups zusammen. Viele seien in der Insektenbranche anfangs zu optimistisch gewesen, was Tempo und Skalierung angehe, erklärt sie. Die Produkte seien aber nicht stark genug angenommen worden.
Schiemann merkt außerdem an, dass Insekten bei der nachhaltigen Ernährung in Konkurrenz zur veganen und vegetarischen Ernährung stünden. Sie kritisiert zudem, dass die Antragstellung für die Zulassung von Insektenprodukten sehr bürokratisch und kompliziert sei.
Weiß ergänzt: „Bei uns sind die größten Hürden der Ekel oder die Phobie vor neuen Lebensmitteln, die als Barriere dastehen.“ Insekten seien in Europa als Lebensmittel nicht etabliert.
Sind Insekten wie Sushi?
Gia Tien Ngo bleibt dennoch optimistisch. Vergangenes Jahr habe es mehrere Insolvenzen in der Insektenbranche gegeben. „Seit den letzten sechs oder sieben Monaten ist es so, dass das Angebot wesentlich kleiner ist als die Nachfrage“, schildert er seine Beobachtungen.
Laut Ngo gibt es nun eine Art zweite Generation von Insektenzüchtern. „Wir haben plötzlich ganz viele Anfragen bekommen, weil halt die Alten nicht mehr liefern konnten“, erzählt er.
Doch nicht nur das mache ihm Hoffnung. Er sieht auch in der größer werdenden Nachfrage nach Proteinprodukten eine Chance für Insektenproteine. Sportler, die Molkenproteine nicht gut vertragen, würden seiner Einschätzung nach auf Proteine aus Insekten umsteigen.
„Also wir glauben immer noch an die Nachhaltigkeit, sind auch überzeugt, dass es sich irgendwann auf dem Markt etablieren wird“, bekräftigt er.
Auch Schiemann ist von Insektenlebensmitteln überzeugt: „Ich glaube auch, zwangsläufig werden wir früher oder später nicht an den Insekten vorbeikommen.“
Sie sagt: „Wir hätten theoretisch noch alle Möglichkeiten bei uns vor Ort, sobald da irgendwie sich im Markt auch mal wieder was tun sollte, wären wir auch wieder bereit, quasi alles wieder aufzunehmen.“
Ngo bestärkt seine Überzeugung mit einem Vergleich: „Das hat man ja bei Sushi früher auch gedacht: Das wäre eklig, will keiner essen. Jetzt sieht man an jedem Eck quasi einen Sushi-Laden.“ (dpa/red)
Von 18 getesteten Aufstrichen erhielten demnach zwölf eine insgesamt gute Bewertung bei der Stiftung Warentest. - Foto: Siarhei Khaletski/iStock
Die Stiftung Warentest hat Nuss-Nougat-Cremes getestet und dabei zwei Produkte besser als den Marktführer Nutella bewertet. Als Testsieger gingen eine Discounter-Eigenmarke und die vegane Creme einer Manufaktur in Thüringen hervor, wie die Stiftung am Dienstag in Berlin mitteilte.
Von 18 getesteten Aufstrichen erhielten zwölf eine insgesamt gute Bewertung, vier schnitten befriedigend ab und zwei erhielten ein Ausreichend.
Haselnüsse und weniger Zucker
„Die Nuss-Nougat-Creme aus der Manufaktur enthält nicht nur besonders viele Haselnüsse, sie kommt auch mit weniger Zucker aus als die anderen Cremes im Test“, erklärte die Ernährungsexpertin der Stiftung Warentest, Sara Waldau. „Sie hat aber ihren Preis. Wer weniger ausgeben möchte, macht beim zweiten Testsieger vom Discounter kaum geschmackliche Abstriche.“
Den Angaben nach hat die Manufaktur-Creme einen Nussanteil von 50 Prozent und damit den höchsten im Test. Das Discounterprodukt enthält 13 Prozent Nüsse, genau wie Nutella.
Nutella und der Discounter-Aufstrich hätten im sensorischen Test eine Note von 1,5 erzielt, mit 57 Prozent weise Nutella aber den höchsten Zuckeranteil aller gestesteten Cremes auf, erklärte die Stiftung.
Waldau wies darauf hin, dass die meisten Nuss-Nougat-Cremes im Test geschmacklich überzeugten – aber viel Zucker, Fett und Kalorien enthalten. „Wer sich morgens Nuss-Nougat-Creme aufs Frühstücksbrot schmiert, sollte daran denken: Das ist eine Süßigkeit“, erklärte sie.
Schlusslicht war ein zuckerreduziertes Produkt der Ahead. Es enthalte 42 Prozent des Zuckeralkohols Maltit, gaben die Warentester an. Dieser könne ab einer gewissen Menge abführend wirken.
„Außerdem ist das Produkt mit aromatischen Mineralölbestandteilen (Moah) belastet – der Gehalt liegt knapp unterhalb des Orientierungswerts“, fuhr die Stiftung fort. Moah gälten als möglicherweise krebserregend.(afp/red)
Keine Engpässe aber absehbar steigende Preise für Obst und Gemüse dürften laut Expertinnen die Folgen der diesjährigen heimischen Ernte sein. (Symbolbild) - Foto: Christoph Soeder/dpa
Wochenlange Hitze, kaum Regen – das Wetter hat in diesem Jahr die Ernte schrumpfen lassen, so die Prognose des Deutschen Bauernverbands. Drohen nun leere Regale und Preisexplosionen bei bestimmten Produkten?
Nein, sagt Judith Dittrich, Marktanalystin für Verbraucherforschung bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). „Der Markt wird versorgt“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Gleichzeitig geht sie davon aus, dass einige Produkte teurer sein werden als zuletzt.
„Salatgurken waren zuletzt zum Beispiel schon deutlich teurer als letztes Jahr“, sagte die Expertin. Auch die Apfelernte falle kleiner aus als im erfolgreichen Jahr 2025. Weil hier große Lagerbestände abverkauft werden, werde sich der zu erwartende Preisanstieg hier erst bald zeigen. Bei Kartoffeln sei dieser dagegen schon jetzt zu erkennen.
In den Bäckereien erwartet Dittrich dagegen keine großen Preiserhöhungen, zumindest nicht aufgrund der geringen Erntemengen bei Getreide. „In diesem Bereich gibt es viele Prozesse zwischen der Getreideernte und dem Verkauf von Brot, daher ist der Effekt der Ernte auf die Verbraucherpreise geringer“, betonte sie. Ein wichtiger Faktor seien etwa die Energiekosten bei der Verarbeitung der geernteten Mengen.
Bauernverband: Enttäuschende Ernte
Der Deutsche Bauenverband hatte am Dienstag von einer enttäuschenden Ernte in diesem Jahr berichtet. „Insbesondere in Süd- und Westdeutschland haben fehlende Niederschläge zu schwachen Erträgen bis hin zu Missernten bei einzelnen Kulturen geführt“, so Bauernpräsident Joachim Rukwied.
Einbußen zeigten sich demnach etwa bei Winterweizen als wichtigster Getreideart und Winterraps, bei dem Schäden durch Schädlinge hinzukamen. Bei Kartoffeln zeichne sich ein mittleres bis unterdurchschnittliches Ergebnis ab, erläuterte der Bauernverband.
Heu und anderes Tierfutter sind durch die Dürre knapp geworden. (Archivbild)
Foto: Kathrin Zeilmann/dpa
Nahrungsmittel wurden in fünf Jahren rund ein Drittel teurer
Selbst auf Flächen mit künstlicher Bewässerung seien kaum durchschnittliche Erträge zu erwarten. Im Süden und andernorts mit zu wenig Regen gibt es auch Probleme beim Nachschub fürs Tierfutter, denn auf trockenen Wiesen wächst nach dem ersten Mähen kein Gras mehr nach.
Die Preise für Nahrungsmittel sind in den vergangenen Jahren bereits deutlich gestiegen. Zwischen Juli 2021 und Juli 2026 gingen die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke dem Statistischen Bundesamt zufolge um 32,6 Prozent nach oben. Zum Vergleich: Die allgemeine Preissteigerung in Deutschland lag in diesem Zeitraum bei 21,5 Prozent.
Verbraucher kaufen weiterhin sehr preisbewusst ein
Barbara Kopske vom Marktforscher Nielsen IQ betont, dass es neben den Erntemengen viele Faktoren gibt, die sich auf die Preise etwa von Nahrungsmitteln auswirken. Grundsätzlich geht sie aber davon aus, dass die Preise in verschiedenen Warengruppen weiter steigen werden. „Wir sehen beispielsweise, dass die Preise für Tiefkühlkost zuletzt bereits gestiegen sind. Geringere Erntemengen könnten diese Entwicklung zusätzlich verstärken“, sagte Kopske der dpa. Die Preise für Molkereiprodukte seien dagegen gesunken.
„In der Summe liegen die Preise für Nahrungsmittel derzeit leicht unter dem Vorjahresniveau“, erklärte die Expertin. „Dazu tragen unter anderem der weiterhin hohe Anteil von Promotions und damit Käufen zu reduzierten Preisen, die verstärkte Nachfrage nach günstigeren Eigenmarken sowie die anhaltend hohe Bedeutung der Discounter als Einkaufsstätte bei.“ Nielsen IQ beobachte darüber hinaus, dass die Verbraucher weiterhin ein ausgeprägtes Preisbewusstsein bei Nahrungsmitteln und Konsumgütern des täglichen Bedarfs hätten. Die Preise würden hier am Regal genau verglichen. (dpa/red)
Viele Landwirte müssen wegen der hohen Futterkosten Teile ihrer Rinderherden vorzeitig abgeben. - Foto: JOEL SAGET / AFP via Getty Images
Auf den ausgetrockneten Wiesen wächst kaum noch Gras nach; regional fallen der dritte und vierte Grasschnitt komplett aus. Auch der für die Winterfütterung wichtige Silomais liefert wegen mangelnder Kolbenbildung kaum Erträge. Dies hat zur Folge, dass den landwirtschaftlichen Betrieben 30 bis 40 Prozent weniger Grundfutter zur Verfügung steht als im langjährigen Durchschnitt. Das teilte der Landesbauernverband Baden-Württemberg (LBV) mit.
Wirtschaftliche Notverkäufe und die Folgen für den Fleischmarkt
Viele Landwirte sind gezwungen, Teile ihrer Herden vorzeitig abzugeben. Grund dafür sind die stark gestiegenen Preise für Heu und Stroh auf dem freien Markt, deren Zukauf sich für viele Betriebe wirtschaftlich kaum noch rentiert.
Laut Landwirt Lenz Berger aus Rieden haben sich die Siloballen im Vergleich zum letzen Jahr von durchschnittlich 40 auf 55 Euro erhöht. Dies ist nicht nur auf die Dürre zurückzuführen, sondern auch auf die gestiegenen Betriebskosten.
Gleichzeitig müssen die Landwirte bereits jetzt für die Futterversorgung im kommenden Winter und Frühjahr vorsorgen. Die Vorräte müssen ausreichen, um die verbleibenden Tiere sicher durch die kalte Jahreszeit zu bringen. “Es werden zur Schlachtbank als erstes Rinder geführt, welche in der unteren Kategorie der Milcherzeugung sind. Danach erfolgen die nächsthöhere Kategorie der Tiere für die Schlachtung.” so Berger.
Kapazitätsgrenzen an den Schlachthöfen und rechtliche Ausnahmen
Die Abgabewelle von Rindern führt in einzelnen Regionen Süddeutschlands zu Wartelisten bei Schlachthöfen, die sich kurzfristig am Limit ihrer Kapazitäten befinden.
Um die betroffenen Betriebe in der Krise bürokratisch zu entlasten, hat die EU-Kommission verschiedene Sonderregelungen genehmigt. Unter anderem dürfen ökologisch wirtschaftende Bio-Höfe aufgrund der extremen Futterknappheit ausnahmsweise konventionell erzeugtes Grundfutter zukaufen, um das Überleben ihrer Tiere zu sichern.
Neben der Dürre treiben auch höhere Betriebskosten die Futterpreise in die Höhe.
Foto: Ina FASSBENDER / AFP via Getty Images
Kommt der Preisschock für Verbraucher?
Ein überdurchschnittlicher möglicher Preisanstieg von Lebensmitteln im Jahr 2027 ist möglich. Unter anderem könnte der rückläufige Nutztierbestand zu einem geringeren Angebot an Fleisch und Milch führen. Auch die im kommenden Jahr zu erwartenden Kälbergeburten werden den Bestandsrückgang voraussichtlich nicht kurzfristig ausgleichen können. Eine vollständige Erholung des Viehbestands dürfte daher erst in den darauffolgenden Jahren erfolgen.
Zusätzlichen Druck auf das Angebot könnte der beschlossene Einfuhrstopp für brasilianisches Rindfleisch sowie weitere tierische Produkte wie Geflügel, Eier und Honig ausüben, der ab dem 3. September gilt.
Hintergrund sind unter anderem in Brasilien eingesetzte Wachstumshormone, die in der Europäischen Union nicht zugelassen sind. Nach derzeitiger Einschätzung könnte der Einfuhrstopp bis zu zwei Jahre andauern – also etwa so lange, bis eine neue Generation der derzeitigen Jungtiere herangewachsen und schlachtreif ist.
Eine Entlastung durch Importe aus europäischen Nachbarländern ist nicht zu erwarten. Denn auch dort hat die anhaltende Dürre zu Engpässen in der heimischen Landwirtschaft und damit teilweise zu Einschränkungen in der Lebensmittelproduktion geführt.
Die historische Dimension der Trockenheit
Solche Dürren, wie sie Kontinentaleuropa derzeit erlebt, traten in der Geschichte immer wieder auf, wenn auch in den vergangenen Jahrhunderten deutlich seltener. Als historische Referenzpunkte gelten die verheerenden Megadürren von 1540 sowie die Trockenphase zwischen 1471 und 1477.
Im Jahr 1540 fiel europaweit über elf Monate hinweg fast kein Niederschlag; Rhein und Main führten zeitweise nur noch 10 bis 15 Prozent ihrer üblichen Wassermenge. Die Flussbetten konnten vielerorts zu Fuß durchquert werden.
Politische Debatte: Flächenkonkurrenz im neuen Energiegesetz
Wie die Landwirtschaft künftig widerstandsfähiger gegen Extremwetter werden kann, wird derzeit von Politik und Umweltverbänden diskutiert. Im Fokus steht die Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2027).
Verbraucherschützer und Organisationen wie Foodwatch fordern, Agrarflächen für den Nahrungsmittel- und Futteranbau freizugeben, statt sie durch geförderten „Energie-Mais“ für Biogasanlagen zu blockieren. Rund ein Sechstel der nationalen Ackerflächen wird derzeit rein energetisch in der Landwirtschaft genutzt.
Der Entwurf für das EEG 2027 sieht daher eine deutliche Kürzung der Ausschreibungsmengen für Biogas vor. Die staatliche Förderung könnte um bis zu 70 Prozent sinken – für die Branche bedeutet das einen tiefgreifenden Strukturwandel.
Während der Fachverband Biogas vor dem Verlust verlässlicher und krisenfester Einkommen für landwirtschaftliche Betriebe warnt, setzt die Politik auf einen Kompromiss: Subventionen für den flächenintensiven Energie-Mais werden zwar gestrichen. Dafür soll die Biogasgewinnung aus landwirtschaftlichen Reststoffen wie Gülle und Mist gezielt gefördert werden.
Dies hat Vor- und Nachteile: Gülle und Mist liefern deutlich weniger Energie als Mais, sodass die Energiegewinnung der Biogasanlagen insgesamt sinken wird. Der Vorteil ist hingegen, dass dadurch weniger landwirtschaftliche Fläche für die Energieerzeugung benötigt wird.
Denn Gülle und Mist fallen ohnehin als Nebenprodukte der Tierhaltung an und können anschließend weiterhin als Dünger genutzt werden. Die bisher für den Energie-Mais benötigten Flächen stünden damit theoretisch vollständig für den Anbau von Nahrungs- und Futtermitteln zur Verfügung.
Photovoltaik: Der Vorrang der Agri-PV
Auch im Bereich der solaren Freiflächennutzung hat die Regierung auf den zunehmenden Flächendruck reagiert. Um zu verhindern, dass fruchtbare Agrarböden durch großflächige, bodennahe Solarparks für die Lebensmittel- und Futterproduktion verloren gehen, wurden die Förderrichtlinien deutlich verschärft. Klassische, bodennahe Freiflächen-Photovoltaikanlagen sind auf ertragreichen Ackerflächen baurechtlich kaum noch durchsetzbar und weitgehend von der staatlichen EEG-Vergütung ausgeschlossen.
Agri-PV ermöglicht eine doppelte Nutzung landwirtschaftlicher Flächen.
Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images
Stattdessen konzentriert sich die staatliche Förderung auf die sogenannte Agri-Photovoltaik (Agri-PV). Durch hochgeständerte1 oder vertikal2 installierte Modulsysteme wird eine doppelte Nutzung der Flächen ermöglicht. Durch die erhöhte Installation der Photovoltaikanlagen können die darunterliegenden Agrarflächen weiterhin mit landwirtschaftlichen Maschinen bearbeitet werden. Allerdings schränken die Stützen und die Konstruktion der Agri-PV-Anlagen die Bewegungsfreiheit der Landwirte und die Bearbeitung der Agrarflächen mit Maschinen teilweise ein.
Die besondere Bauweise der Agri-PV-Anlagen soll zudem sicherstellen, dass weiterhin ausreichend Sonnenlicht und Regen auf den Boden gelangen. Mindestens 85 Prozent der Projektfläche müssen für den Anbau von Nutzpflanzen oder als Weideland für die Tierhaltung erhalten bleiben. Diese Vorgabe soll sicherstellen, dass die Erzeugung von grünem Strom nicht länger zulasten der landwirtschaftlichen Produktion und damit der Futter- und Ernährungssicherheit geht.
1 Hochgeständerte Systeme: Die Solarmodule müssen so hoch gebaut werden (oft 2,5 bis 5 Meter hoch), dass darunter Traktoren, Mähdrescher und Feldspritzen problemlos durchfahren können. Auf diesen Flächen wächst weiterhin Getreide, Gemüse oder Futtermais.
2 Vertikale Solarmodule: Die Module werden wie Zäune senkrecht in Reihen aufgestellt. Zwischen den Reihen (Abstand oft 10 bis 12 Meter) kann der Bauer den Boden als Weidefläche für Rinder nutzen oder Gras für den Grasschnitt ernten. Die Stromerzeugung läuft quasi „nebenbei“ als Sicht- und Windschutz.
Einbußen bei der Ernte gibt es vermutlich vor allem im Süden. (Archivbild) - Foto: Jens Büttner/dpa
Lebensmittel wie Brot und Fleisch werden nach Einschätzung von Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) wegen der Trockenheit in Deutschland nicht sofort teurer.
„Ich gehe nicht davon aus, dass es sofort teurer wird, weil die Lebensmittelpreise hängen auch noch von vielen anderen Faktoren ab – von der Lieferkette, vom Transport, von der Erzeugung“, sagte Rainer am Dienstag im „Morgenmagazin“ des ZDF. Wie groß die Schäden genau sind, steht noch nicht fest.
Ohne Daten ist keine gute Hilfe möglich
Rainer sagte zur Forderung des Bauernverbands nach Soforthilfen, „ohne belastbare Daten können wir schlecht Hilfe leisten“. Die Regierung habe aber die Folgen der Dürre „genau im Auge“ und werde „so gut es geht und so schnell es auch geht, passgenaue Hilfen anbieten“, sagte er weiter. Der Deutsche Bauernverband (DBV) veröffentlicht am Dienstag eine Erntebilanz.
Rainer will Ende August amtliche Erntedaten vorlegen. Der „Rheinischen Post“ vom Dienstag sagte der Landwirtschaftsminister: „Ich klopfe an jede Tür, an der Hilfe möglich ist.“
So habe er auch dem EU-Agrarkommissar die „besorgniserregende Situation auf unseren Äckern und Weiden geschildert und deutlich gemacht, dass im Ernstfall auch Europa gefordert ist“.
Zum Vorstoß der SPD, die Verfassung zugunsten des Hitzeschutzes zu ändern, sagte der CSU-Politiker, bei der Kabinettsklausur in der kommenden Woche „haben wir auch die Zeit, dieses Thema zu diskutieren“. Es sei „auf alle Fälle ein Thema, über das wir diskutieren müssen“. Er werde dann seine „Forderungen aus dem Bauernstand auf den Tisch legen“.
Er lasse nicht zu, dass die Landwirtschaft bei einem Hitzeaktionsplan ignoriert werde, sagte Rainer. „Die Landwirtschaft sind nämlich diejenigen, die am stärksten davon in Mitleidenschaft gezogen werden.“ Sie produzierten „tagtäglich für uns hervorragendste Lebensmittel“.
Bauernpräsident spricht von unterdurchschnittlicher Ernte
Der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, zieht eine ernüchternde Erntebilanz für 2026.
„Wir haben nur eine unterdurchschnittliche Ernte einfahren können“, sagte Rukwied den Sendern RTL und ntv. Insbesondere der Weizen habe enttäuscht, der Raps habe einen ganz schlechten Ertrag gebracht.
„Was uns sehr belastet, ist auf der einen Seite diese niedrigen Erträge in Verbindung mit niedrigen Preisen“, so Rukwied weiter. Das Preisniveau sei nicht wirklich kostendeckend.
Hinzu komme eine starke Belastung durch Betriebsmittelkosten, beispielsweise für Energie, Diesel, Düngemittel und Pflanzenschutzmittel. „Alles ist sehr teuer“, sagte der Bauernpräsident.
Zur erwarteten Obsternte veröffentlichte das Statistische Bundesamt hingegen schon erste Zahlen. Demnach erwarten deutsche Obstbaubetriebe eine Apfelernte von rund 934.000 Tonnen. Das sind 5,4 Prozent weniger Äpfel als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre (2016 bis 2025).
Obst im Supermarkt (Archiv)
Foto: via dts Nachrichtenagentur
Die besonders gute Apfelernte des Vorjahres wird voraussichtlich um 204.000 Tonnen beziehungsweise 17,9 Prozent unterschritten. Bezogen auf die Anbaufläche von 32.700 Hektar wird in diesem Jahr ein durchschnittlicher Ertrag von rund 28,6 Tonnen Äpfel pro Hektar erwartet.
Regional wird die Apfelernte vor allem durch Baden-Württemberg und Niedersachsen getragen. Baden-Württemberg erwartet 0,7 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, Niedersachsen einen Rückgang von -5,9 Prozent. Eine besonders niedrige Apfelernte wird in Thüringen (-45,1 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (-18,4 Prozent), Bayern (-16,4 Prozent), Rheinland-Pfalz (-15,8 Prozent), Sachsen (-13,3 Prozent) und Hamburg (-12,8 Prozent) erwartet.
Die Pflaumen- und Zwetschenernte wird in diesem Jahr nach einer vorläufigen Schätzung vom Juli 2026 mit gut 49.300 Tonnen voraussichtlich um 5.100 Tonnen (+11,5 Prozent) höher ausfallen als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre (44.200 Tonnen). (afp/dts/red)
Einbußen bei der Ernte gibt es vermutlich vor allem im Süden. (Archivbild) - Foto: Jens Büttner/dpa
Lebensmittel wie Brot und Fleisch werden nach Einschätzung von Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) wegen der Trockenheit in Deutschland nicht sofort teurer.
„Ich gehe nicht davon aus, dass es sofort teurer wird, weil die Lebensmittelpreise hängen auch noch von vielen anderen Faktoren ab – von der Lieferkette, vom Transport, von der Erzeugung“, sagte Rainer am Dienstag im „Morgenmagazin“ des ZDF. Wie groß die Schäden genau sind, steht noch nicht fest.
Ohne Daten ist keine gute Hilfe möglich
Rainer sagte zur Forderung des Bauernverbands nach Soforthilfen, „ohne belastbare Daten können wir schlecht Hilfe leisten“. Die Regierung habe aber die Folgen der Dürre „genau im Auge“ und werde „so gut es geht und so schnell es auch geht, passgenaue Hilfen anbieten“, sagte er weiter. Der Deutsche Bauernverband (DBV) veröffentlicht am Dienstag eine Erntebilanz.
Rainer will Ende August amtliche Erntedaten vorlegen. Der „Rheinischen Post“ vom Dienstag sagte der Landwirtschaftsminister: „Ich klopfe an jede Tür, an der Hilfe möglich ist.“
So habe er auch dem EU-Agrarkommissar die „besorgniserregende Situation auf unseren Äckern und Weiden geschildert und deutlich gemacht, dass im Ernstfall auch Europa gefordert ist“.
Zum Vorstoß der SPD, die Verfassung zugunsten des Hitzeschutzes zu ändern, sagte der CSU-Politiker, bei der Kabinettsklausur in der kommenden Woche „haben wir auch die Zeit, dieses Thema zu diskutieren“. Es sei „auf alle Fälle ein Thema, über das wir diskutieren müssen“. Er werde dann seine „Forderungen aus dem Bauernstand auf den Tisch legen“.
Er lasse nicht zu, dass die Landwirtschaft bei einem Hitzeaktionsplan ignoriert werde, sagte Rainer. „Die Landwirtschaft sind nämlich diejenigen, die am stärksten davon in Mitleidenschaft gezogen werden.“ Sie produzierten „tagtäglich für uns hervorragendste Lebensmittel“.
Bauernpräsident spricht von unterdurchschnittlicher Ernte
Der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, zieht eine ernüchternde Erntebilanz für 2026.
„Wir haben nur eine unterdurchschnittliche Ernte einfahren können“, sagte Rukwied den Sendern RTL und ntv. Insbesondere der Weizen habe enttäuscht, der Raps habe einen ganz schlechten Ertrag gebracht.
„Was uns sehr belastet, ist auf der einen Seite diese niedrigen Erträge in Verbindung mit niedrigen Preisen“, so Rukwied weiter. Das Preisniveau sei nicht wirklich kostendeckend.
Hinzu komme eine starke Belastung durch Betriebsmittelkosten, beispielsweise für Energie, Diesel, Düngemittel und Pflanzenschutzmittel. „Alles ist sehr teuer“, sagte der Bauernpräsident.
Zur erwarteten Obsternte veröffentlichte das Statistische Bundesamt hingegen schon erste Zahlen. Demnach erwarten deutsche Obstbaubetriebe eine Apfelernte von rund 934.000 Tonnen. Das sind 5,4 Prozent weniger Äpfel als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre (2016 bis 2025).
Obst im Supermarkt (Archiv)
Foto: via dts Nachrichtenagentur
Die besonders gute Apfelernte des Vorjahres wird voraussichtlich um 204.000 Tonnen beziehungsweise 17,9 Prozent unterschritten. Bezogen auf die Anbaufläche von 32.700 Hektar wird in diesem Jahr ein durchschnittlicher Ertrag von rund 28,6 Tonnen Äpfel pro Hektar erwartet.
Regional wird die Apfelernte vor allem durch Baden-Württemberg und Niedersachsen getragen. Baden-Württemberg erwartet 0,7 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, Niedersachsen einen Rückgang von -5,9 Prozent. Eine besonders niedrige Apfelernte wird in Thüringen (-45,1 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (-18,4 Prozent), Bayern (-16,4 Prozent), Rheinland-Pfalz (-15,8 Prozent), Sachsen (-13,3 Prozent) und Hamburg (-12,8 Prozent) erwartet.
Die Pflaumen- und Zwetschenernte wird in diesem Jahr nach einer vorläufigen Schätzung vom Juli 2026 mit gut 49.300 Tonnen voraussichtlich um 5.100 Tonnen (+11,5 Prozent) höher ausfallen als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre (44.200 Tonnen). (afp/dts/red)
Ifo-Präsident Clemens Fuest schlägt vor, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz abzuschaffen und niedrige Einkommen stattdessen gezielt zu entlasten. - Foto: Christina Sabrowsky/dpa
In Kürze:
Ifo-Präsident Clemens Fuest schlägt vor, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz abzuschaffen und niedrige Einkommen direktzuentlasten.
Eine Modellrechnung zeigt: Ein einheitlicher Satz von16,74 Prozent wäre aufkommensneutral, würde Geringverdiener aber relativ stärker belasten.
Weniger Ausnahmen könnten Bürokratieabbauen – wer tatsächlich gewinnt oder verliert, hängt vom Sozialausgleich und der Verwendung der Mehreinnahmen ab.
Ein Brot wird in Deutschland mit 7 Prozent Umsatzsteuer belastet, viele andere Waren und Dienstleistungen mit 19 Prozent. Auch Bücher, Hotelübernachtungen, der Nahverkehr und seit Anfang 2026 wieder Speisen in Restaurants profitieren von ermäßigten Sätzen.
Hinter dem scheinbar einfachen System stehen zahlreiche Ausnahmen, mit denen der Staat soziale, kulturelle, verkehrs- oder wirtschaftspolitische Ziele verfolgt.
Nun hat der Präsident des ifo Instituts in München, Clemens Fuest, in der „BILD“ den Vorschlag gemacht, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz abzuschaffen. Zukünftig sollen alle Waren einheitlich mit 19 Prozent besteuert werden. Haushalte mit niedrigen Einkommen, so der Fuest-Vorschlag, sollen stattdessen über direkte Transfers unterstützt werden. Der ifo-Chef schlägt konkret 360 Euro im Jahr als Ausgleich vor.
Dahinter steht die grundlegende Frage: Soll der Staat bestimmte Güter und Dienstleistungen für alle Verbraucher steuerlich verbilligen oder Menschen mit geringerem Einkommen gezielt unterstützen?
Dabei geht es um viel Geld.
Das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung hat das System des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes im Auftrag des Bundesfinanzministeriums untersucht.
Nach dessen Angaben aus einer Analyse vom April 2026 summieren sich die Steuermindereinnahmen durch ermäßigte Umsatzsteuersätze im Jahr 2026 auf rund 43,5 Milliarden Euro. Allein für Nahrungsmittel veranschlagt die Studie 27,99 Milliarden Euro. Eine Reform könnte deshalb erheblichen finanziellen Spielraum schaffen. Der Staat könnte zusätzliche Einnahmen behalten, für Sozialtransfers verwenden oder im Gegenzug den regulären Mehrwertsteuersatz senken.
Warum Deutschland zwei Steuersätze hat
Nach dem Umsatzsteuergesetz beträgt der reguläre Satz 19 Prozent, für zahlreiche gesetzlich bestimmte Umsätze gelten 7 Prozent. Deutschland bewegt sich damit unter dem Mittelwert des regulären Mehrwertsteuersatzes der EU-Mitgliedländer.
Die EU schreibt für den regulären Satz eine Untergrenze von 15 Prozent vor und erlaubt ermäßigte Sätze für ausgewählte Waren und Dienstleistungen.
Deutschland könnte sein System daher tatsächlich deutlich vereinfachen. Dass es auch anders geht, zeigt Dänemark: Dort gilt grundsätzlich ein Satz von 25 Prozent, einen allgemeinen ermäßigten Mehrwertsteuersatz gibt es nicht.
Die Begründungen für die deutschen Ausnahmen unterscheiden sich allerdings. Bei Lebensmitteln steht die soziale Entlastung im Vordergrund, bei Büchern und Zeitungen kommen kulturpolitische Ziele hinzu.
Der niedrigere Satz im Nahverkehr soll auch verkehrs- und umweltpolitische Zwecke unterstützen. Andere Vergünstigungen sollen bestimmte Wirtschaftszweige entlasten. Diese vielen Ziele haben ihren Preis.
Zudem erscheinen die Regelungen für Konsumenten und Händler nicht immer nachvollziehbar. So fallen für Kartoffeln, Leitungswasser und Äpfel 19 Prozent an, für Süßkartoffeln, Mineralwasser und Apfelsaft aber nur 7 Prozent. Beim Erwerb von einem Kaffee mit wenig Milch gilt der volle Satz, bei einem mit einem hohen Milchanteil hingegen der verminderte. Für eine Brille werden 19 Prozent dazugeschlagen, für ein Hörgerät aber nur 7 Prozent.
Nach Angaben des ZEW machen unterschiedliche Mehrwertsteuersätze zudem Unternehmen und Behörden mehr Arbeit. Sie führen zu Abgrenzungsproblemen und höheren Kosten bei der Anwendung der Steuervorschriften. Weniger Ausnahmen könnten diesen Aufwand verringern.
Lebensmittel sind ein schwieriger Fall
Sozialpolitisch wird eine Vereinheitlichung vor allem bei Lebensmitteln problematisch. Haushalte mit niedrigen Einkommen geben einen größeren Teil ihrer Konsumausgaben für Lebensmittel aus.
Bei Haushalten mit weniger als 1.000 Euro monatlichem Nettoeinkommen entfielen 2023 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 18,3 Prozent der Konsumausgaben auf Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren. Bei Haushalten mit mindestens 5.000 Euro waren es 13,2 Prozent.
In absoluten Eurobeträgen sieht das Bild jedoch anders aus. Haushalte mit weniger als 1.000 Euro Nettoeinkommen gaben 2023 durchschnittlich 205 Euro im Monat für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren aus. Bei Haushalten mit mindestens 5.000 Euro Nettoeinkommen waren es 628 Euro. Aus diesen Zahlen allein lässt sich allerdings noch nicht ableiten, wie stark die einzelnen Einkommensgruppen vom ermäßigten Mehrwertsteuersatz profitieren.
Genau dieses Spannungsverhältnis zeigt die ZEW-Simulation. Durch den ermäßigten Steuersatz spart eine Person aus der niedrigsten untersuchten Einkommensgruppe im Durchschnitt 9,91 Euro im Monat, in der höchsten Einkommensgruppe sind es 16,79 Euro.
Gemessen am Einkommen kehrt sich das Verhältnis jedoch um: Die Entlastung entspricht bei niedrigen Einkommen 1,21 Prozent, bei hohen Einkommen nur 0,28 Prozent.
Besserverdienende profitieren in Euro gerechnet somit stärker. Für Menschen mit niedrigen Einkommen fällt die Entlastung relativ zum Einkommen jedoch mehr ins Gewicht.
Das ZEW hält den ermäßigten Steuersatz auf Lebensmittel deshalb aus verteilungspolitischer Sicht für begründbar. Zugleich könnten nach Einschätzung der Forscher andere Instrumente dieses Ziel gezielter und kostengünstiger erreichen.
Ein einheitlicher Satz von 16,74 Prozent
In der politischen Debatte entsteht leicht der Eindruck, die einzige Alternative zum heutigen System seien 19 Prozent auf Lebensmittel und alle anderen bislang begünstigten Güter. Zwingend ist das nicht.
Das ZEW hat auch eine aufkommensneutrale Reform berechnet. Dabei würden sämtliche ermäßigten Steuersätze abgeschafft und die zusätzlichen Einnahmen dazu verwendet, den regulären Satz zu senken. Nach der Modellrechnung könnte dann ein einheitlicher Mehrwertsteuersatz von 16,74 Prozent gelten.
Für Verbraucher hätte eine solche Anpassung unterschiedliche Folgen. Wer einen großen Teil seines Geldes für Lebensmittel und andere heute ermäßigt besteuerte Produkte ausgibt, würde stärker belastet. Wer dagegen überwiegend Waren und Dienstleistungen kauft, auf die heute 19 Prozent entfallen, könnte von dem niedrigeren einheitlichen Satz profitieren.
Die Modellrechnung zeigt allerdings, dass Haushalte mit niedrigen Einkommen stärker belastet würden. Bei den einkommensschwächsten 10 Prozent entspricht die zusätzliche Belastung laut ZEW 0,66 Prozent des Einkommens, bei den einkommensstärksten 10 Prozent nur 0,05 Prozent.
Für die Berechnung nimmt das Institut an, dass Unternehmen 80 Prozent einer Mehrwertsteueränderung über höhere oder niedrigere Preise an die Verbraucher weitergeben. Zudem berücksichtigt es, dass Verbraucher ihr Kaufverhalten bei veränderten Preisen anpassen. Ein einheitlicher Steuersatz könnte das System zwar vereinfachen, würde ohne zusätzlichen Ausgleich aber vor allem Menschen mit niedrigen Einkommen stärker treffen.
Unternehmen: Weniger Bürokratie, neue Belastungen
Auch für deutsche Unternehmen gäbe es Gewinner und Verlierer. Unternehmen in bisher begünstigten Branchen könnten stärker belastet werden. Steigt der Steuersatz etwa in Gastronomie, Hotellerie oder Teilen des Kulturbereichs, stellt sich die Frage, wie viel davon auf die Kunden abgeladen werden kann. Wo der Wettbewerb Preiserhöhungen erschwert, kann ein Teil der zusätzlichen Steuer die Unternehmensmargen belasten.
Von einem niedrigeren regulären Mehrwertsteuersatz würden nicht nur Verbraucher profitieren. Auch bestimmte Unternehmen hätten geringere Kosten.
Normalerweise können Unternehmen die Mehrwertsteuer, die sie etwa beim Kauf von Waren oder Dienstleistungen zahlen, mit ihrer eigenen Umsatzsteuerschuld verrechnen. In einigen Branchen ist das jedoch nicht oder nur eingeschränkt möglich.
Das betrifft laut ZEW beispielsweise Teile der Finanz-, Versicherungs- und Vermietungswirtschaft. Sinkt der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19 auf 16,74 Prozent, werden für diese Unternehmen bestimmte Einkäufe und Dienstleistungen günstiger. Ein Teil der Entlastung käme deshalb zunächst ihnen und nicht den privaten Haushalten zugute.
Ohne Sozialausgleich verlieren niedrige Einkommen
Sollten auch Lebensmittel künftig, wie von ifo-Präsident Fuest vorgeschlagen, dem regulären Satz unterliegen, könnte die Mehrbelastung niedriger Einkommen durch Transfers ausgeglichen werden. Dahinter steht die Überlegung, nicht mehr jedes Brot oder jeden Liter Milch unabhängig vom Einkommen des Käufers steuerlich zu begünstigen, sondern das Geld gezielt an bedürftige Haushalte zu geben.
Die OECD kommt in einer Untersuchung von 20 Mitgliedstaaten vor über zehn Jahren zu einem ähnlichen Ergebnis. Ermäßigte Mehrwertsteuersätze auf Lebensmittel und Energie entlasten Haushalte mit niedrigen Einkommen relativ stärker. Dennoch bezeichnet die OECD solche Steuersätze als „ein sehr ungeeignetes Instrument, um einkommensschwache Haushalte gezielt zu unterstützen“. Denn auch wohlhabende Haushalte profitieren von der Vergünstigung.
Direkte Transfers könnten einkommensschwache Haushalte zielgerichteter entlasten. Ganz einfach wäre ein solcher Ausgleich jedoch nicht. Die OECD weist in einer späteren Studie darauf hin, dass es in der Praxis schwierig sein dürfte, alle – und nur die – Verlierer einer Reform zu entschädigen.
Der Grund: Wie stark ein Haushalt durch höhere Mehrwertsteuersätze belastet wird, hängt davon ab, welche Waren und Dienstleistungen er tatsächlich kauft. Zwei Haushalte mit gleichem Einkommen können deshalb unterschiedlich stark betroffen sein.
Damit verschiebt eine einheitliche Mehrwertsteuer letztlich Aufgaben aus dem Steuersystem in die Sozialpolitik.
Genau hier setzt Fuests Vorschlag an: Haushalte mit niedrigen Einkommen sollen einen direkten Ausgleich erhalten. Die verbleibenden Mehreinnahmen könnten genutzt werden, um den regulären Mehrwertsteuersatz um bis zu zwei Prozentpunkte zu senken oder die Bürger über eine Reform der Einkommensteuer zu entlasten.
Aus der Abschaffung des ermäßigten Satzes würde damit nicht zwangsläufig eine reine Steuererhöhung, sondern eine Neuverteilung der Steuerlast. Wer dabei gewinnt oder verliert, entscheidet sich letztlich daran, wie der Sozialausgleich gestaltet wird und was mit den zusätzlichen Steuereinnahmen geschieht.
Während Deutschland bei einigen Produkten Überschüsse erzielt, ist es bei Obst, Gemüse und Eiern weiterhin stark auf Importe angewiesen. Symbolbild. - Foto: Goran Jakus Photography/iStock
Kann die deutsche Landwirtschaft die Grundversorgung der Bevölkerung noch gewährleisten? Ein Blick auf den Selbstversorgungsgrad (SVG) – also den Anteil des heimischen Verbrauchs, der durch heimische Produktion gedeckt wird – zeigt ein zweigeteiltes Bild.
Der Selbstversorgungsgrad von Getreide lag 2024 bei knapp 100 Prozent. Bei Zucker, Kartoffeln, Milch und vor allem Käse produziert Deutschland deutlich mehr, als es verbraucht. Auch bei Fleisch besteht eine Überversorgung – vor allem bei Schweinefleisch. Dennoch spielen Importe auch hier eine wichtige Rolle, da bestimmte Teilstücke wie Filets oder Schinken besonders stark nachgefragt werden.
Bei frischem Gemüse lag im Wirtschaftsjahr 2024/2025 der Selbstversorgungsgrad deutschlandweit bei rund 39 Prozent, bei Obst nur bei 18 Prozent. Auch bei Eiern klafft eine spürbare Lücke.
Foto: Epoch Times
Gerade bei den täglich frisch benötigten Grundnahrungsmitteln ist Deutschland also in erheblichem Maß auf Importe angewiesen – ein Umstand, der im Krisenfall, etwa bei Lieferkettenstörungen oder geopolitischen Spannungen, schnell zum Risiko werden kann.
Hinzu kommt, dass steigende Erzeugerpreise sowie strengere gesetzliche Vorgaben vor allem bei Stallhaltung und Aufzucht in den kommenden Jahren zu einem Rückgang der heimischen Produktion führen und den Bedarf an Importen erhöhen könnten.
Welche Folgen solche Abhängigkeiten haben können, zeigt das Beispiel der EU-Importbeschränkungen für tierische Lebensmittel aus Brasilien.
Ein Expertenausschuss der EU-Mitgliedstaaten beschloss Mitte Mai 2026, dass Brasilien ab dem 3. September 2026 keine Lebensmittel tierischen Ursprungs mehr in die EU exportieren darf – betroffen sind Rind- und Geflügelfleisch, Eier und Honig.
Hintergrund waren vor allem Zweifel der EU an den Kontroll- und Nachweissystemen Brasiliens bei Tierarzneimittelrückständen, insbesondere bei bestimmten antimikrobiellen Stoffen. Bereits zuvor hatten EU-Kontrolleure einzelne Auffälligkeiten festgestellt, darunter den Nachweis des Wachstumshormons Östradiol in Lieferungen von brasilianischem Rindfleisch.
Doch wie sieht es bei der Erzeugung selbst, aus? Günther Kapser, Nebenerwerbslandwirt aus Schechen (Bayern) und Laurentius Berger, Vollerwerbslandwirt mit einem Bio-Milchviehbetrieb in Rieden (Bayern), gewähren einen Einblick.
Die Landwirte Laurentius Berger
Foto: l.) und Günther Kapser (r.
Wie ist die Situation der Bauern in Deutschland?
Berger: Schwierig, die EU gibt Richtlinien vor, welche die Regierung in unserer Gesetzgebung hart verschärft. Zum Beispiel hat die EU eine Richtlinie zur Haltung von Nutztieren erlassen, die unsere Regierung besonders streng und detailliert in deutsches Recht umgesetzt hat.
Man könnte fast von einem „Gold-Platin-Standard“ sprechen, den Deutschland hier bei der Umsetzung von EU-Richtlinien setzt. Viele andere EU-Länder haben dieselbe Richtlinie dagegen gar nicht oder nur schwach umgesetzt, was zu einer deutlichen Wettbewerbsverzerrung führt und dem Tierwohl europaweit nicht wirklich zugutekommt.
Hinzu kommen unsere planwirtschaftlichen Probleme: In Deutschland gibt indirekt der Handel die Preise für die Erzeugung vor – konkret die vier großen Lebensmittelhändler Edeka, Schwarz-Gruppe (Lidl), Rewe und Aldi. Sie diktieren mehr oder weniger die Preise, die über die Molkereien an die Bauern weitergegeben werden. Den Rest bestimmt der Staat bzw. die Agrarpolitik der EU (GAP).
Der Bauer selbst hat kaum noch Spielraum, seine Arbeit frei zu gestalten, wenn er überleben will. Das Kartellamt lässt dieses Oligopol zu, während der Staat über seine Subventionspolitik indirekt mitbestimmt, was auf den Bauernhöfen zu geschehen hat und umgesetzt werden soll.
Wie sieht es bei den Betriebsmitteln aus, wie teuer sind sie geworden?
Kapser: Unsere Betriebsmittelpreise sind in den vergangenen 6 Jahren um ca. 35 Prozent gestiegen, überwiegend getrieben von der Energiekrise nach Ausbruch des Ukrainekrieges 2022.
Die Düngemittelerzeugung benötigt einen hohen Erdgasbedarf bei der Stickstoffherstellung, Erdgas, welches wir vorher günstig von Russland bekommen haben.
Hier sind die Preise um ca. das Doppelte gestiegen, was wir vor 2020 gehabt haben. Zeitgleich werden aber die Grundnahrungsmittel immer günstiger, welche die Lebensmittelindustrie beim Bauern kauft. Deswegen wird die Schere zwischen Einkommen und Ausgaben immer höher in der Landwirtschaft, dies ist neben der hohen Bürokratie von EU und Regierung auch der Grund, warum immer mehr Landwirte aufhören.
Damals haben in der Landwirtschaft Familie und Externe gearbeitet, dieses ist nicht mehr möglich. Eine Landwirtschaft kann nur im Familienbetrieb noch existieren, ansonsten ist es nicht mehr möglich. Man soll auch nicht außer Acht lassen, dass in der Landwirtschaft fast jeder 8. Arbeitsplatz davon abhängig ist und die Landmaschinenhersteller schon Probleme haben, weil weniger Maschinen gekauft werden als üblich.
Welche gesetzlichen Vorgaben belasten Landwirte derzeit besonders?
Berger: Je mehr die IT ermöglicht, desto höher und unsinniger werden die Gesetze. Oft müssen Doppelmeldungen gemacht werden, weil es keine hohe Vernetzung in den Ämtern gibt. Auch hat man permanent das Gefühl, unter Generalverdacht zu stehen, anstatt Vertrauen zu den Bauern zu haben.
Zum Beispiel, jeder Zukauf von Nutztieren, jede Geburt, muss tagesgenau in die staatliche Datenbank eingepflegt werden. Jeder Einsatz von Antibiotika muss gemeldet und in die Antibiotika-Datenbank der Tierärzte eingetragen werden.
Danach erfolgt nach einer gewissen Zeit eine Auswertung. Liegt der Antibiotika-Einsatz über dem Durchschnitt, muss der Bauer erklären, warum bei ihm der Antibiotika-Einsatz höher ist, anstatt Vertrauen in den Tierarzt und den Bauern zu haben, schon das Richtige für das Tierwohl zu entscheiden.
Wie wirkt sich das europäische Mercosur-Abkommen auf die deutsche Landwirtschaft aus?
Kapser: Wir haben die strengsten Tierschutzgesetze und die niedrigsten Grenzwerte im Herbizid-, Pestizid- und Wasserbereich. Unsere Verbraucher legen zu Recht Wert auf Tierwohl und unbelastete Lebensmittel – all das gibt es in Südamerika so nicht. Dort sind die Grenzwerte in wichtigen Bereichen um das Vielfache höher. Würde man unsere Lebensmittel bzw. Fleisch genauso wie in Südamerika herstellen, dürfte es nicht in Verkehr gebracht werden.
Was kann man verbessern, und was wird bereits getan?
Berger: Viel weniger Bürokratie und Überwachung, aber eine gezielte Regulierung durch den Staat, um den heimischen Markt zu schützen vor Dumpingpreisen durch das Ausland. Eine Auflösung des Oligopols durch das Kartellamt.
Ferner sollte unsere Politik den Frieden suchen mit Russland, die Sanktionen beenden und wieder Energie aus Russland beziehen. Unsere Industrie, unsere Bevölkerung, unsere Landwirtschaft benötigt wieder günstige und bezahlbare Energie, um wieder zu gedeihen und zu wachsen.
Ich wünsche mir auch von der Politik vor allem, dass sie uns zuhört, dass sie mit uns in einen ernsthaften Dialog tritt, dass sie versucht, die Anforderungen, Bedürfnisse und Wünsche sowohl der Lebensmittelerzeuger als auch der Verbraucher zu verstehen und im besten Sinne für alle auch umsetzt.
Kapser: Es sollten im Ausland dieselben Grenzwerte gelten wie bei uns – zum Wohle der Verbraucher, aber auch, damit für die heimische Landwirtschaft keine Wettbewerbsverzerrung entsteht.
Ferner sollten Subventionen nach Staffelung und Größe erfolgen, je mehr Milch z.B ein Bauer liefert, desto weniger Subventionen sollte er erfahren, um hier ein Ungleichgewicht zwischen den Klein- und Großbauern auszugleichen.
Der Hersteller Jütro Tiefkühlkost ruft mehrere Chargen einer Beerenmischung zurück. (Symbolbild) - Foto: Sina Schuldt/dpa
Der Hersteller Jütro Tiefkühlkost weitet den Rückruf seiner „Bio Beerenmischung erntefrisch tiefgefroren“ der Marke Freshona wegen einer möglichen Verunreinigung mit Noroviren aus. Das Produkt wurde deutschlandweit bei Lidl verkauft, wie die Supermarktkette mitteilte.
Kunden sollen das Produkt wegen der möglichen Gesundheitsgefahr nicht konsumieren. Alle Lidl-Filialen nehmen die betroffenen Chargen zurück und erstatten den Kaufpreis auch ohne Kassenbon.
Noroviren verursachen akut beginnende Brechdurchfälle, die zu einem erheblichen Flüssigkeitsverlust führen können. Bei Säuglingen, Kleinkindern, Schwangeren sowie alten und kranken Menschen können die Erkrankungen auch schwer verlaufen.
Der Hersteller hatte vor einer Woche über die mögliche Kontamination der Chargen L180426H3, L180426L3, L190426L3 und L190426N3 informiert. Damals galt die Warnung für 13 Bundesländer, nun deutschlandweit. (dpa/red)
Am Wochenmarkt ist die Auswahl an heimischem Obst und Gemüse besonders reichhaltig. - Foto: FooTToo/iStock
In Kürze:
Obst und Gemüse sind Bestandteil einer gesunden und nachhaltigen Ernährung.
Die große Auswahl im Supermarkt lässt oft vergessen, dass Obst und Gemüse nicht ganzjährig wachsen.
Saisonales, heimisches Obst und Gemüse bietet den besten Geschmack, den höchsten Nährstoffgehalt und die beste Ökobilanz.
Der Erntekalender unterstützt Sie nicht nur im Garten, sondern auch in der Kaufhalle dabei, auf Gesundheit, Umwelt und Geldbeutel zu achten.
Viele Obst- und Gemüsesorten stehen in unseren Supermärkten ganzjährig zur Verfügung. Es gibt zum Beispiel frische Erdbeeren im Winter oder Gurken das ganze Jahr über. Zum einen ist das ganzjährige und vielfältige Obst- und Gemüseangebot ein unschätzbarer Vorteil, denn es versorgt uns jederzeit mit frischen Vitaminen und anderen Mikronährstoffen.
Zum anderen gehen damit auch Nachteile einher, vor allem wenn Produkte aus Übersee auf langen See- oder Flugreisen zu uns kommen. Damit Obst und Gemüse während der langen Transportzeiten nicht vorzeitig verderben, wird es häufig unreif geerntet und mit Pestiziden behandelt. Dies schadet nicht nur dem Vitamingehalt und dem Geschmack, sondern belastet auch die Gesundheit.
Die bessere Wahl: saisonale und regionale Lebensmittel
Wer hingegen auf regional und saisonal geerntetes Obst und Gemüse zurückgreift, leistet nicht nur einen Beitrag zum Umweltschutz, sondern profitiert oft auch von einem intensiveren Geschmack und einem höheren Nährstoffgehalt – insbesondere bei Lebensmitteln aus biologischem Anbau. Wer das intensive Aroma frischer regionaler Erdbeeren im Sommer kennt, weiß, wie groß der Unterschied zu importierter Ware im Winter sein kann.
Zudem sind Lebensmittel während der Erntesaison häufig preisgünstiger. Wer regionale Lebensmittel kauft, unterstützt außerdem die heimische Landwirtschaft und trägt dazu bei, die Lebensmittelversorgung auch in Krisenzeiten zu sichern sowie die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten zu verringern.
Was hat wann Saison?
Bei der großen Auswahl in Supermärkten ist es oft schwierig, auf den ersten Blick zu erkennen, welches Obst und Gemüse in Deutschland jeweils Saison hat. Dabei stehen in Deutschland das ganze Jahr über verschiedene Obst- und Gemüsesorten aus regionalem Anbau zur Verfügung – entweder frisch geerntet oder als Lagerware. Das Wissen, welche Sorten wann geerntet werden, kann dabei unterstützen, auch beim Einkauf bewusst regionale und saisonale Produkte auszuwählen.
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Wurzel- und Kohlgemüse
Die Auswahl an regionalem Wurzelgemüse ist sehr groß und viele Wurzelgemüsesorten stehen das ganze Jahr zur Verfügung. Karotten, Kartoffeln, Rote Bete, Knollensellerie, Pastinaken, Wurzelpetersilie und Zwiebeln werden beispielsweise ab dem Sommer frisch geerntet und können anschließend oft bis zur nächsten Ernte eingelagert werden.
Radieschen und Rettiche sind ab dem Frühjahr erntereif und bis zum ersten Frost frisch verfügbar. Winterrettichsorten lassen sich zudem problemlos mehrere Monate in Sand eingeschlagen lagern.
Kohlgemüse zählt zu den typischen heimischen Gemüsearten und ist ebenso nahezu das ganze Jahr regional verfügbar. Blumenkohl wird ab April, Brokkoli, Spitzkohl und Weißkohl ab Mai, Rotkohl ab Juni und Chinakohl von August bis November frisch geerntet. Grünkohl bereichert das Angebot ab Juni, Rosenkohl von September bis Februar. Viele Kohlarten sind zudem über die Wintermonate als Lagergemüse verfügbar.
Fruchtgemüse ist meist nur saisonal regional verfügbar. Grüne Bohnen und Erbsen haben von Mai bis Oktober Saison, Tomaten, Zucchini, Paprika, Zuckermais und Aubergine zählen zum Sommergemüse und sind nur einige Monate lang verfügbar. Gurken aus unbeheizten Gewächshäusern gibt es in der Regel von Mai bis Oktober.
Regionale Tomaten und Gurken werden häufig bereits ab Februar angeboten. Sie stammen dann größtenteils aus beheizten Gewächshäusern, deren Energiebedarf den ökologischen Fußabdruck erhöhen kann.
Kürbisse bilden eine Ausnahme der Fruchtgemüse: Als typisches Herbstgemüse sind sie dank ihrer guten Lagerfähigkeit bis in den Frühling hinein regional verfügbar.
Blatt- und Sprossgemüse
Die Auswahl an heimischen Blattgemüsen ist sehr vielfältig und sie können teilweise ganzjährig angebaut werden. So sind Kopf- und Pflücksalate ab März, Spinat ab April, Eisberg-, Endivien- und Romanasalate ab Mai und alle oft bis Oktober oder November verfügbar.
Feldsalat bereichert unsere Ernährung nahezu ganzjährig als nährstoffreiches Blattgemüse. Ebenso ist Chicorée aufgrund seiner besonderen Anbaumethode und guten Lagerfähigkeit nahezu ganzjährig aus regionaler Produktion erhältlich.
Asia-Salate liefern ab September über die Wintermonate hinweg bis Juni frisches Blattgrün, während Mangold von Juli bis November Saison hat. Zuckerhut ist ein typischer Herbst- und Wintersalat, der von September bis Dezember geerntet wird.
Spross- und Stängelgemüse wie Kohlrabi, Fenchel und Stangensellerie bereichern von Mai bis November das regionale Gemüseangebot. Lauch beziehungsweise Porree ist wiederum ganzjährig verfügbar – von April bis Dezember frisch vom Feld und von Januar bis März als Lagerware. Spargel und Rhabarber sind hingegen nur von April bis Juli regional erhältlich.
Die Saison der frischen süßen Früchte eröffnen die Erdbeeren im Mai. Himbeeren erfreuen uns ab Juni und reifen oft bis Ende Oktober. Johannisbeeren sind typische Sommerfrüchte und haben von Juni bis August Saison. Stachelbeeren sind von Juni bis August erhältlich, Aroniabeeren von August bis September und Brombeeren meist von August bis Oktober.
Bei Stein- und Kernobst eröffnen die Kirschen im Juni die Saison. Aprikosen (Marillen) und Pfirsiche folgen zwischen Juni und August. Auch Birnen und Pflaumen werden ab August erntereif und sind bis September beziehungsweise Oktober verfügbar. Birnen können je nach Sorte bis in den Januar hinein gelagert werden.
Weintrauben werden von August bis Oktober geerntet, Quitten von September bis November.
Von allen heimischen Obstsorten stehen Äpfel am längsten regional zur Verfügung. Sie werden von August bis Oktober geerntet und können anschließend unter geeigneten Bedingungen bis Mai – häufig sogar bis zur nächsten Ernte – als Frischobst gelagert werden.
Welche Früchte und Gemüse gibt es nur importiert ?
Südfrüchte sind hierzulande nur als Importware erhältlich. Dazu zählen: Banane, Ananas, Mango, Papaya, Kokosnuss, Passionsfrucht, Guave, Litschi und Datteln. Sie stammen meist aus Ländern Afrikas, Asiens sowie Mittel- und Südamerikas und legen lange Transportwege zurück, bevor sie auf unseren Tellern landen.
Südfrüchte aus Südeuropa wie zum Beispiel Orangen, Zitronen, Mandarinen, Grapefruit, Mangos, Avocado, Kiwi und Feigen weisen eine günstigere Ökobilanz auf.
Auch beim Gemüse gibt es Sorten, die nur importiert erhältlich sind, wie zum Beispiel Artischocken, Okra, Yamswurzel, Lotuswurzel und Kurkuma.
Viele regionale Früchte und Gemüse werden außerhalb ihrer saisonalen Ernte zu einem großen Teil importiert. Die Vielfalt heimischer Obst- und Gemüsesorten zeigt allerdings, dass eine abwechslungsreiche, nährstoffreiche und nachhaltige Ernährung größtenteils mit regionalen Produkten möglich ist. Wer in Hofläden und auf Wochenmärkten einkauft, kann direkt vom Erzeuger die Lebensmittel beziehen, hat oft eine größere Auswahl an saisonalen Produkten und stärkt gleichzeitig die regionale Wertschöpfung.
Foodwatch untersucht seit Jahren die Vermarktung von Lebensmitteln und kritisiert irreführende Werbung sowie ungesunde Produkte für Kinder. (Archivbild) - Foto: John Macdougall /AFP via Getty Images
Eine Umfrage der Verbraucherorganisation Foodwatch hat ein Nahrungsergänzungsmittel der Marke LaVita zur „dreistesten Werbelüge“ des Jahres gekürt. 39 Prozent der gut 66.000 Teilnehmer an der Online-Umfrage stimmten für das „Mikronährstoffkonzentrat“ als Kandidat für den Negativpreis „Goldener Windbeutel“, wie Foodwatch am Dienstag, den 14. Juli mitteilte.
Nach Angaben der Organisation besteht das Produkt größtenteils aus Fruchtsaftkonzentrat und kostet dennoch umgerechnet 100 Euro pro Liter.
„LaVita kassiert Verbraucher mit dem Wunsch nach Gesundheit kräftig ab“, erklärte Alina Nitsche von Foodwatch. „Der Saft steht beispielhaft für die Abzocke mit irreführenden Gesundheitsversprechen.“
Das als „Saubertrank“ beworbene Produkt besteht zu 70 Prozent aus Fruchtsaftkonzentrat sowie aus zugesetzten Vitaminen und Nährstoffen – „teilweise überdosiert“, wie Foodwatch ergänzt.
„Der Markt für Lebensmittel mit Vitaminzusatz und Supplements boomt, kontrolliert wird er kaum“, kritisiert Nitsche. „Bund und Länder müssen die Lebensmittelüberwachung endlich so ausstatten, dass sie Verbrauchertäuschung stoppen kann.“
Auch Backpulver und Joghurt auf der Negativliste
Auf Platz zwei im Negativranking landete mit 21,9 Prozent der abgegebenen Stimmen das „Airfryer Backin Backpulver“ von Dr. Oetker. Es wird als Innovation für die Heißluftfritteuse beworben, unterscheidet sich laut Foodwatch aber nicht vom „deutlich günstigeren“ Standardbackpulver. Der Preis ist demnach mindestens doppelt so hoch.
Knapp dahinter mit 20,8 Prozent landete der Joghurt Matcha Mango von Andechser Natur. Die vermeintlich zentrale Zutat Matcha macht laut Foodwatch nur 0,1 Prozent des Joghurts aus. Für die grünliche Farbe sorgt demnach auch das Algenpulver Spirulina.
Die Organisation verleiht den „Goldenen Windbeutel“ seit 2009, um auf das Problem der Verbrauchertäuschung im Lebensmittelbereich hinzuweisen. (afp/red)
Eierverkauf auf einem Markt (Symbolbild). - Foto: Delpixart/iStock
Maximal zwei Packungen Eier pro Einkauf – das gilt derzeit für Kunden des in Nord- und Ostdeutschland vertretenen Discounters Netto. Das bestätigte das Unternehmen auf dpa-Nachfrage.
Hintergrund sei die angespannte Situation auf dem Eiermarkt, sagte eine Sprecherin. „Tierkrankheiten in regionalen Legehennenbeständen wirken sich auf die Verfügbarkeit von Eiern aus. Davon sind auch zwei unserer regional bezogenen Eierartikel betroffen, die wir vorübergehend nur eingeschränkt beziehen können.“
Gemeinsam mit den Lieferanten arbeite man daran, die Warenverfügbarkeit sicherzustellen. Erwartet wird, dass sich die Lage ab kommender Woche entspannt. Zuvor hatte die „BILD“ über das Thema berichtet.
Große Lebensmittelhändler wie ALDI, Edeka, Lidl, Kaufland oder REWE begrenzen die Einkaufsmengen bislang nicht, wie eine dpa-Umfrage ergab.
Die Situation auf dem Eiermarkt gilt bereits seit Monaten als schwierig. Eine gestiegene Nachfrage und ein wegen mehrerer Tierseuchen eingeschränktes Angebot belasten die Versorgung. Vereinzelt kommt es im Einzelhandel deshalb zu Engpässen.
Marktanalystin Margit Beck von Marktinfo Eier und Geflügel betont jedoch: „Ein nationaler Eiernotstand ist derzeit nicht zu verzeichnen. Regionale Ausfälle durch Newcastle Disease dürften zu den beobachteten Engpässen geführt haben.“
Nach Angaben eines REWE-Sprechers ist die Mengenknappheit im Großraum Berlin am stärksten sichtbar. Die Erzeuger seien dort stärker betroffen als anderswo.
„So kann es vorkommen, dass in Berliner Märkten nicht immer die volle Auswahl an Marken, Packungsgrößen und Haltungsformen angeboten werden kann. Frischeier gibt es aber immer.“
Netto mit dem Hund im Logo ist nur im Norden und Osten Deutschlands präsent. (Archivbild)
Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB
Zwei Handelsketten, ein Name
Die Netto ApS & Co. KG ist Teil der dänischen Salling Group und nicht zu verwechseln mit dem größeren Netto Marken-Discount mit Sitz in Bayern, der zu Edeka gehört.
Der Discounter mit den Markenfarben Schwarz und Gelb hat seinen deutschen Firmensitz in Stavenhagen in Mecklenburg-Vorpommern und betreibt nach eigenen Angaben rund 340 Märkte mit rund 6.000 Beschäftigten in acht Bundesländern – in Ostdeutschland, Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Der erste Markt wurde 1990 eröffnet. (dpa/red)