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Gericht stoppt „Trump Kennedy Center“ – Streit um Umbenennung und Renovierung eskaliert

Im Konflikt um das Kennedy Center in Washington hat ein Gericht die Umbenennung der Kulturinstitution in „Trump Kennedy Center“ vorläufig gestoppt und die Entfernung von Donald Trumps Namen von der Fassade angeordnet. Nach Auffassung des Gerichts ist der US-Kongress für die Benennung der Einrichtung zuständig, da dieser auch den ursprünglichen Namen festgelegt hatte.
Kennedy Center steht damit erneut im Zentrum einer politischen und juristischen Auseinandersetzung um Einfluss und Zuständigkeiten bei einer der wichtigsten Kulturinstitutionen der USA.
Die Kultureinrichtung soll für einen Umbau rund zwei Jahre lang geschlossen bleiben. (Archivbild)

Die Kultureinrichtung soll für einen Umbau rund zwei Jahre lang geschlossen bleiben. (Archivbild)

Foto: Andrej Sokolow/dpa

Schließungspläne vorerst ausgesetzt

Auch die geplante vorübergehende Schließung des Hauses für umfangreiche Renovierungsarbeiten wurde gestoppt. Das Gericht begründete dies damit, dass keine ausreichende und ergebnisoffene Prüfung der Entscheidung vorgelegen habe.
Die laufenden Instandsetzungsarbeiten dürfen jedoch weitergeführt werden. Eine Schließung bleibt grundsätzlich möglich, sofern sie rechtlich korrekt begründet und beschlossen wird.

Reaktion von Donald Trump

Präsident Trump reagierte deutlich auf die Entscheidung und kritisierte die Justiz in einem Beitrag in sozialen Medien. Er erklärte, er sei im Vergleich zu früheren Präsidenten besonders ungerecht behandelt worden.
Gleichzeitig kündigte er an, sich nicht weiter aktiv an der geplanten Renovierung des Kennedy Centers zu beteiligen und die Verantwortung vollständig an den Kongress abzugeben. Ob er seine Funktion im Leitungsgremium der Einrichtung weiter wahrnimmt, blieb zunächst offen.
Trump erwägt Truppenreduzierung in Deutschland.

US-Präsident Donald Trump im Wießen Haus.

Foto: Matt Rourke/AP/dpa

Politische Vorgeschichte der Umbauten

Die aktuellen Entwicklungen stehen im Zusammenhang mit einer umfassenden Neuausrichtung der Institution nach Trumps Amtsantritt 2025. Dabei wurden Teile der Leitung neu besetzt und die kulturpolitische Ausrichtung verändert.
Eine zentrale Rolle spielte dabei auch Richard Grenell, der zeitweise mit der organisatorischen Umgestaltung betraut war.
Im Dezember wurde das Kennedy Center zwischenzeitlich in „Trump Kennedy Center“ umbenannt, was in der Kulturszene auf deutlichen Widerstand stieß und zu einzelnen Absagen von Veranstaltungen führte.
Das Kennedy Center ist eines der zentralen Kulturhäuser der Vereinigten Staaten und präsentiert regelmäßig Aufführungen aus Theater, Tanz und Musik. Benannt ist es nach dem früheren US-Präsidenten John F. Kennedy.

Politische und kulturelle Debatte

In Washington wird der Streit unterschiedlich bewertet. Befürworter der Umbauten verweisen auf Modernisierung und strukturelle Erneuerung. Kritiker sehen dagegen eine starke politische Einflussnahme auf eine kulturell unabhängige Institution und verweisen auf eine zunehmende Personalisierung staatlicher Projekte.
Die Entscheidung des Gerichts könnte weitere politische und juristische Schritte nach sich ziehen. Auch eine erneute Befassung des Parlaments mit der Namensfrage gilt als möglich. (dpa/red)
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„München Mord“- Star Alexander Held stirbt mit 67 Jahren

Der Film- und Fernsehschauspieler Alexander Held ist tot. Er starb bereits am vergangenen Dienstag, 19. Mai im Alter von 67 Jahren überraschend nach kurzer Krankheit, wie der eng mit ihm befreundete TV-Produzent Sven Burgemeister der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.
Held lebte zuletzt im österreichischen Erl in Tirol und war unter anderem bekannt für seine Rolle in der ZDF-Krimireihe „München Mord“. Zudem spielte der gebürtige Münchner in Filmen wie „Sophie Scholl – Die letzten Tage“, „Der Schuh des Manitu“ oder „Der Untergang“.

Gentleman mit Feinsinn und Witz

„Als Freund und Produzent war Alexander Held ein Geschenk: ein Mensch, ein Gentleman, ein Herr mit Feinsinn, Witz und großer Zuwendung“, würdigte Burgemeister. Als Schauspieler sei er voller Überraschungen gewesen – mit unbeirrbarer Haltung – und habe all seinen Auftritten Tiefe verliehen.
Der Produzent dankte Held für sein Vertrauen, seine enorme Loyalität und die vorbehaltlose Aufmerksamkeit, die er allen geschenkt habe. „Er wird uns allen unglaublich fehlen. Alexander bleibt für immer ein Held für mich“, sagte Burgemeister, der bei mehr als 30 Filmen mit ihm zusammengearbeitet hat.

Domspatz und Löwen-Torwart

Held besaß viele Talente. Er konnte wunderschön singen – von 1968 bis 1970 war er Solosänger bei den Regensburger Domspatzen. Als Jugendlicher stand er für den Traditionsclub 1860 München im Tor und gewann mit dem Löwen fünfmal die Jugendmeisterschaften. Doch wegen einer Verletzung platzte der Traum von der Profikarriere.
Die wahre Berufung Helds wurde die Schauspielerei. Nach einer Ausbildung an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule startete er 1980 an den Münchner Kammerspielen. Weitere Stationen waren unter anderem die Freie Volksbühne Berlin unter Hans Neuenfels, das Staatsschauspiel Hannover und die Salzburger Festspiele.
Sein Filmdebüt feierte Held 1993 in der Kult-Krimireihe „Derrick“. Viele weitere Auftritte folgten, auch für internationale Produktionen wie „Schindlers Liste“ von Steven Spielberg.
Privat hatte Held sein Glück mit Patricia Fugger gefunden, einer gebürtigen Gräfin Fugger von Babenhausen. 2005 heirateten die beiden.
Neun Jahre später dann ein Schicksalsschlag für den Schauspieler: mit nur 51 Jahren starb seine Frau. Mit bewegenden Worten widmete er ihr nach seinem Tod 2014 den Bayerischen Fernsehpreis als bester Serien-Darsteller. (dpa/red)
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kultur

Berliner Theatertreffen schafft Frauenquote wieder ab

Das Berliner Theatertreffen verzichtet in den nächsten beiden Jahren auf die Frauenquote. Für das Bühnenfestival werden die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgewählt. Seit 2020 galt dabei, dass mindestens die Hälfte von Frauen oder überwiegend weiblichen Kollektiven stammen muss.
„Die neue Jury hat sich nach ausgiebiger Beratung entschieden, für die Festivalausgaben 2027 und 2028 ohne Frauenquote zu sichten und einzuladen“, teilte das Festival zum Abschluss des diesjährigen Theatertreffens am Sonntagabend mit. Mehrere Medien berichteten darüber.
Zwei Jurymitglieder erklärten in der Zeitung „Welt“ und auf dem Kritikerportal „Nachtkritik“, was ihrer Meinung nach für die Entscheidung spricht. Der Anteil von Regisseurinnen im Theater sei zum Beispiel gestiegen, außerdem gebe es non-binäre Regieführende. Eine Quote bedeute immer auch, dass bei der Juryauswahl eben doch ein weiteres Kriterium zähle. Und brauche es dann nicht auch Quoten für andere Eigenschaften?

Jurymitglied: „Uneingeschränkt das künstlerisch Bemerkenswerte“

„Es wird im nächsten Jahr wieder uneingeschränkt um das künstlerisch Bemerkenswerte gehen, egal von wem“, schrieb Jurymitglied Jakob Hayner in der „Welt“. „Und es wird darum gehen, genauer hinzuschauen, was aus Sicht der Kritik im Betrieb für wen gut oder schlecht läuft.“
Denn beim nächsten Theatertreffen werde die Jury „ihre Beobachtungen und Sichtungserfahrungen zu strukturellen Ungleichheiten“ mit der Öffentlichkeit teilen, teilte das Festival mit.
Die Frauenquote war 2019 eingeführt worden für die Festivalausgaben 2020 und 2021. Für jedes weitere Jahr sei sie dann von der jeweils amtierenden Jury neu beraten und beschlossen worden. (dpa/red)
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gesellschaft

„Die Legende von Paul und Paula“: Angelica Domröse gestorben

Die Schauspielerin Angelica Domröse ist tot. Sie starb am Freitag im Alter von 85 Jahren in Berlin, wie die Defa-Stiftung unter Berufung auf Domröses persönliches Umfeld bestätigte. Zuerst hatten die „SuperIllu“ und der MDR berichtet. Bekannt ist Domröse für den Film „Die Legende von Paul und Paula“ (1973) von Regisseur Heiner Carow.
Domröse spielte in dem Kultfilm die alleinerziehende Mutter Paula, die sich in den verheirateten Paul (Winfried Glatzeder) verliebt. Der Film zeigt den Alltag in der DDR und fragt, was man vom Leben erwarten kann.
„Es muss doch noch was anderes geben als schlafen, arbeiten. Und wieder schlafen und arbeiten“, sagt Paula in einer Szene. Das Drama gilt als einer der Lieblingsfilme von Ex-Kanzlerin Angela Merkel.
„Mit Angelica Domröse verlieren wir eine große Schauspielerin, die uns als „Paula‘“ lehrte, dass Liebe und Freiheit keine Kompromisse dulden“, teilte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer mit. „Sie war aber nicht nur das Gesicht einer der größten Erfolge des DDR-Kinos, sondern auf den Theaterbühnen von Ost und West und in zahlreichen Fernsehproduktionen eine unverwechselbare Charaktergröße. Angelica Domröse wird fehlen.“

Geboren als Kriegskind in Berlin

Geboren wurde Domröse 1941 in Berlin, als junge Frau stand sie erstmals vor der Filmkamera. Nach dem Abschluss der Babelsberger Filmhochschule ging sie ans Berliner Ensemble, später trat sie an der Berliner Volksbühne auf.
Dutzende Filme drehte Domröse bis zu ihrer Ausreise aus der DDR. Dazu gehörten Theodor Fontanes „Effi Briest“ in der Defa-Verfilmung und der TV-Mehrteiler „Wege übers Land“. Domröse war in zweiter Ehe mit ihrem Kollegen Hilmar Thate (1931-2016) verheiratet.
Die beiden setzten sich wie viele Künstler für Liedermacher Wolf Biermann ein, der 1976 aus der DDR ausgebürgert wurde. Auch Domröse ging später mit ihrem Mann nach West-Berlin.

Eine Rolle mit besonderer Wucht

Im Laufe ihrer Karriere drehte sie unter anderem mit Michael Haneke, spielte eine Kommissarin in der TV-Krimireihe „Polizeiruf 110“ und war 2012 in der Komödie „Bis zum Horizont, dann links!“ zu sehen.
Einen solchen Erfolg wie mit der „Paula“ habe sie nie wieder gehabt, sagte Domröse der Deutschen Presse-Agentur in einem Interview im Jahr 2021. „Und ich hatte doch eine ganze Menge, ich kann mich nicht beschweren.“
Die Rolle der Paula damals sei eine Wucht gewesen, erzählte Domröse. Wenn andere Generationen heute noch sagten, sie verstünden den Film und fänden ihn interessant, sei das eine Erfüllung. Domröse fügte hinzu: „Das kann man nicht von vielen Arbeiten sagen im Leben.“ (dpa/red)
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gesellschaft

Schauspieler Günther Maria Halmer ist tot

Der als „Tscharlie“ in der Kultserie „Münchner Geschichten“ bekanntgewordene Schauspieler Günther Maria Halmer ist tot. Der gebürtige Rosenheimer sei am Sonntag im Alter von 83 Jahren gestorben, teilte das Münchner Residenztheater mit. Zuvor hatten unter anderem „Bild“ und „Bunte“ berichtet.
Im vergangenen Jahr war Halmer auf die Bühne des Residenztheaters zurückgekehrt, wo er in dem Stück „Gschichtn vom Brandner Kaspar“ von Franz Xaver Kroetz die Titelfigur spielte. Es sollte seine letzte Rolle sein.
Staatsintendant Andreas Beck schreibt in einem Nachruf, Halmer sei ein wundervoller Kaspar Brandner gewesen. Er habe die Rolle geliebt, und es sei ihm schwergefallen, sie nach nur zwölf Vorstellungen abzugeben. „Er sagte mir damals, er wäre krank und dass er jetzt fürs Erste pausieren und nicht mehr spielen werden könne. Ich habe ihm gesagt, dass die Rolle und wir auf ihn warten“, so Beck. Und weiter: „Es tut mir unendlich leid.“
Seit seinem TV-Debüt Mitte der 1970er Jahre als „Tscharlie“ in Helmut Dietls „Münchner Geschichten“ stand Halmer für hochwertige und abwechslungsreiche Fernsehunterhaltung. In zahlreichen Filmen und Serien reifte der markige Oberbayer zum vielseitigen Darsteller, der auch in internationalen Produktionen wie „Gandhi“ überzeugte. Er stand neben Stars wie Senta Berger, Hanna Schygulla und Meryl Streep vor der Kamera.

Vom Gymnasium geflogen und zum Schauspieler gereift

Halmers Vater war Jurist, streng katholisch und autoritär, die Mutter liebevoll, aber krank. Trost und Zuflucht fand er als Jugendlicher im Kino, bei Leinwandhelden wie John Wayne.
Halmers Schullaufbahn und beruflicher Einstieg verliefen wenig gradlinig: Er flog vom Gymnasium, schmiss eine Lehre in der Hotellerie und eckte auch bei der Bundeswehr an. Von seinem Traumjob Pilot musste er sich verabschieden.
Da wagte Halmer den großen Schnitt: Mit Anfang 20 ging er nach Kanada, um eineinhalb Jahre lang in einer Asbest-Mine nahe der Grenze zu Alaska zu rackern – und um zu sich selbst zu finden. Dort sei die Idee entstanden, Schauspieler werden zu wollen, erzählte er im Bayerischen Rundfunk. Ein Wunsch, den er sich auch von seinem autoritären Vater nicht ausreden ließ.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland setzte er seinen Plan in die Tat um: Halmer absolvierte die Otto Falckenberg-Schauspielschule in München und erhielt ein erstes Engagement an den dortigen Kammerspielen.

Vom Erfolg als „Tscharlie“ überrascht

Bald darauf folgte seine Fernseh-Paraderolle – der liebenswürdige Schwabinger Lebenskünstler und Aufschneider „Tscharlie“ in der Serie „Münchner Geschichten“. Mit dem überwältigenden Erfolg habe er nicht gerechnet, war es doch sowohl Dietls erste Regie-Arbeit als auch Halmers Fernseh-Premiere. Doch die Serie der beiden Newcomer habe wohl den Nerv vieler Menschen getroffen, sagte Halmer einmal. Viele Bayern hätten wohl etwas „Tscharliehaftes“ in sich und könnten sich mit der Figur identifizieren.
Günther Maria Halmer lebte mit seiner Frau Claudia, mit der er zwei Söhne hat, in der Nähe seines Geburtsortes Rosenheim. Mit dem Thema Tod habe er keine Berührungsängste, sagte Halmer vor ein paar Jahren. „Der Tod ist für mich nichts Überraschendes mehr, im Alter wacht man damit auf, dass es jederzeit vorbei sein kann.“ In dem kleinen Dorf, in dem er lebe, seien viele schon älter als 89 oder 90. „Da ist es nicht ganz so überraschend, wenn jemand stirbt. Und es ist tröstlich, wenn das ganze Dorf bei der Beerdigung dabei ist.“
Ein Paradies hielt Halmer nach eigener Aussage eher für unwahrscheinlich: „Man hofft, dass es weitergeht, aber ich glaube das eigentlich nicht. Wenn es vorbei ist, wird man wieder zu Erde – und aus.“ (dpa/red)
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china

Chinas transnationale Repression nimmt Kanzleramt ins Visier

Der Zug rollte gerade in den Berliner Hauptbahnhof ein, als das Handy von Chan Wai Man* vibrierte. Nummer: unbekannt. Er nahm ab. Eine weibliche Stimme meldete sich am anderen Ende der Leitung – erst auf Englisch, dann auf Chinesisch, gleichmäßig, maschinenartig, als kämen die Worte von einem Tonband: „Es liegt ein wichtiges Dokument in der chinesischen Botschaft in Berlin für Sie bereit. Kommen Sie es abholen.“
Chan verstand sofort, dass dies keine freundliche Einladung war. Es war vielmehr eine Erinnerung: Man weiß, wo er sich aufhält. Chan informierte umgehend die Polizei.
„Ich bin auf der schwarzen Liste der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh)“, erklärte der chinesische Dissident in einem Gespräch mit Epoch Times. Seit über 20 Jahren lebt Chan in Deutschland unter ständiger Bedrohung durch die KPCh. Gegen ihn soll ein Kopfgeld ausgesetzt worden sein.
Was Chan erlebt, ist kein Einzelfall.

Transnationale Repression folgt einem System

Eine Analyse der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung des in Deutschland lebenden oppositionellen Aktivisten Ray Wong Toi-yeung aus Hongkong zeigt: Chinas transnationale Repression in Deutschland folgt einem strategischen System. Hinter den Übergriffen steht ein komplexes Zusammenspiel staatlicher und nicht staatlicher Akteure. Chinesische Dissidenten würden demnach innerhalb Deutschlands systematisch eingeschüchtert, bestraft und zum Schweigen gebracht.
Die Organisation Freedom House mit Sitz in Washington, D.C. dokumentiert hierzu eine Bandbreite an illegalen Praktiken: von Morddrohungen über Entführungen bis hin zu illegalen Rückführungen.
Darüber hinaus nutzt die KPCh ihren wirtschaftlichen und politischen Einfluss, um Regierungen dazu zu bewegen, Zielpersonen festzunehmen, Aufenthaltsrechte zu entziehen oder Auslieferungen zu ermöglichen.
Häufig werden auch Angehörige in China unter Druck gesetzt. Hinzu kommen physische Gewalt und Einschüchterungen durch verdeckte Akteure im Ausland.

Eine Frage des Machterhalts

Doch warum betreibt die KPCh diesen Aufwand, um Kritiker im Ausland zu verfolgen?
Der Hongkong-Aktivist Wong sieht darin vor allem ein Ziel: den Machterhalt. Die transnationale Repression diene dem chinesischen Regime, die Kontrolle über den politischen Diskurs zu sichern – weltweit.
„Die KP Chinas sieht abweichende Meinungen, egal ob sie in China oder im Ausland geäußert werden, als einen direkten Angriff auf ihre Legitimität und politischen Ambitionen an“, schreibt Wong.
Solche „abweichenden Meinungen“ können auch den persönlichen Glauben betreffen, wie im Fall von Chan. Der Hongkonger praktiziert Falun Gong, auch Falun Dafa genannt – eine traditionelle, buddhistisch geprägte spirituelle Disziplin.
In den 1990er-Jahren war Falun Gong in China sehr beliebt. Schätzungen zufolge praktizierten es bis zu 100 Millionen Menschen. Der damalige Parteichef Jiang Zemin sah in der Popularität der spirituellen Bewegung eine Bedrohung für seine Autorität und ordnete 1999 ihre Ausrottung an. Diese bis heute andauernde Verfolgung schließt Verhaftungen, Folter bis hin zu Tötungen ein.

Ein „großer Irrtum“ der KPCh

Chan engagiert sich in Europa seither gegen diese anhaltende Verfolgung in China. „Die KPCh glaubt, wenn sie mich beseitigt, könnte sie Falun Gong ein Stück weit beseitigen“, erklärte er. Dies sei ein „großer Irrtum“. Die KPCh habe nicht verstanden, was Falun Gong eigentlich ist.
Menschen, die Falun Gong praktizieren, beschreiben die Disziplin als einen Weg der Selbstkultivierung. Dieser basiert auf meditativen Übungen sowie auf den Grundsätzen Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht. Ziel sei es, sich diesen universellen Werten im eigenen Leben anzunähern – für viele ein persönlicher Glaubensweg.

Deutsche Theater im Visier

Die Repression der KPCh im Ausland trifft längst nicht mehr nur einzelne Dissidenten. Auch kulturelle Veranstaltungen in Deutschland geraten ins Visier, wie mehrere Vorfälle zeigen. Dahinter steht der Versuch, Einfluss darauf zu nehmen, was Menschen in Deutschland sehen können und was nicht.
Seit 2025 berichten mehrere Theater in Deutschland von Drohbotschaften im Zusammenhang mit Gastspielen von Shen Yun Performing Arts. Das New Yorker Tanzensemble wurde 2006 von Falun-Gong-Praktizierenden gegründet.
Die Künstler bringen mit Tanz und Musik die traditionelle chinesische Kultur auf die Bühne – ein „China vor dem Kommunismus“. Gleichzeitig machen die Aufführungen auf die Verfolgung von Falun Gong aufmerksam.

E-Mails bedrohen auch Bundeskanzleramt

Vor den geplanten Aufführungen Anfang 2026 erhielten deutsche Theater E-Mails mit offenen Drohungen. In einer davon hieß es auf Deutsch:
„Das Bundeskanzleramt und der Konzertsaal an der Spree im Bezirk Mitte wurden mit Sprengstoff und improvisierten Zündern präpariert. Um eine Explosion zu verhindern, stellen Sie bitte umgehend die Aufführungen von Shen Yun ein und kündigen Sie sämtliche Verträge und Kooperationen mit Shen Yun Performing Arts.“

In einer Drohmail wird das Bundeskanzleramt als angeblicher Anschlagsort genannt, um die Absage von Shen-Yun-Aufführungen zu erzwingen. Bildschirmfoto.

Foto: Deutscher Falun Dafa Verein

In einer weiteren Nachricht auf Englisch wurden auch Mitarbeiter des Theaters bedroht:
„Sollten die Shen-Yun-Aufführungen stattfinden, wären die Mitarbeiter des Theaters, einschließlich ihrer Familien, in Gefahr; sie könnten entführt oder in Autounfälle verwickelt werden! Natürlich würden Frauen mit Sicherheit vergewaltigt und ermordet werden! Bitte überlegen Sie sich das gut.“

Auch die Theatermitarbeiter und ihre Familien wurden bedroht. Bildschirmfoto.

Foto: Deutscher Falun Dafa Verein

Auch im vergangenen Jahr kam es in Deutschland zu vergleichbaren Drohungen gegen Theater:
„Ich schwöre auf Jesus! Eine große Menge Sprengstoff wurde im Theater deponiert. Wenn Shen Yun Art Troupe auftritt, werden die Bomben explodieren!“

Mehrere Theatermitarbeiter erhielten 2025 Drohmails in schwedischer Sprache. Bildschirmfoto.

Foto: Deutscher Falun Dafa Verein

In allen bislang untersuchten Fällen kam die deutsche Polizei zu dem Ergebnis, dass sich die Drohungen nicht als konkrete Gefährdung bestätigten.

Welttournee im Schatten anhaltender Bedrohungen

Nach Angaben des Falun Dafa Information Center war Shen Yun seit 2006 weltweit von fast 350 Vorfällen betroffen – teilweise täglich.
Dies umfasst unter anderem Drohungen mit angeblichen Massenschießereien, Vergewaltigungen von Tänzerinnen, Brandstiftung sowie Gewaltdrohungen gegen Kinder der Künstler.
Zusätzlich gab es Dutzende falsche Bombendrohungen, die wiederholt zu Evakuierungen von Theatern geführt haben – unter anderem in den USA, Kanada, Frankreich, Australien, Großbritannien und weiteren Ländern.

Deutschland verschärft Strafrecht

Die Bundesregierung räumte in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage Anfang des Monats ein, dass die Bedrohung Deutschlands durch Aktivitäten chinesischer Nachrichtendienste in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen habe.
Wie konkret diese Bedrohung ist, zeigt ein jüngster Fall: Jian G., ein deutscher Staatsbürger mit chinesischer Herkunft, wurde Ende September 2025 zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Das Dresdner Gericht sah es als erwiesen an, dass er für einen chinesischen Geheimdienst gearbeitet und gezielt Oppositionelle in Deutschland ausgespäht hatte.
Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung kürzlich eine Gesetzesverschärfung auf den Weg gebracht. Wer im Auftrag einer fremden Macht eine „vorsätzliche rechtswidrige Tat“ begeht, muss seit Anfang April mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe rechnen.
Darüber hinaus soll auch die Erfassung und Auswertung entsprechender Vorfälle verbessert werden. Dazu zählen Anpassungen im polizeilichen Meldesystem sowie der Ausbau systematischer Lagebilder, um das bislang lückenhafte Gesamtbild zu transnationaler Repression schrittweise zu vervollständigen.
Für Chan bleibt das Thema Sicherheit derweil Teil seines Alltags, weshalb er zusätzliche Schutzmaßnahmen treffen muss. Gleichzeitig erinnert er sich an einen Satz seiner Großmutter: „Wenn man nichts Böses tut, braucht man keine Angst zu haben, auch wenn jemand nachts an die Tür klopft.“
 
*Anm. d. Red.: Da die Kommunistische Partei Chinas Falun-Gong-Praktizierende bis heute auch außerhalb Chinas verfolgt, wurde der Name der betroffenen Person zum Schutz anonymisiert.