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Hauptdarsteller im Kino: Das Popcorn und seine Geschichte


In Kürze:

  • Archäologische Entdeckungen zeigen, dass Popcorn seit mindestens 6.700 Jahren zubereitet wird.
  • In der Moderne war der Snack zunächst nur auf US-amerikanischen Jahrmärkten zu finden.
  • Mit der Erfindung des Kinos und den ersten Tonfilmen wurde der knusprige Puffmais zum absoluten Renner – auch außerhalb der USA.
  • In Kinos anderer Länder gibt es neben Popcorn in landesspezifischen Geschmacksrichtungen auch Eis und Ameisen zu kaufen.

 
Ein Kinobesuch bedeutet nicht nur, einen Film anzusehen, sondern ist ein Erlebnis für alle Sinne – mit großer Leinwand und üppigen Snacks. Ein epischer Film verlangt nach dem panoramischen Breitbildformat, donnerndem Surround-Klang, peinlich großen Schachteln mit Süßigkeiten und riesigen Eimern Popcorn, die zu Hause einfach nicht so schmecken.
Im Laufe der Kinogeschichte wurde Popcorn jedoch sowohl als unordentliche, niveaulose Ablenkung verachtet als auch als gewinnbringender Retter einer ins Straucheln geratenen Filmindustrie gefeiert.

Das Popcorn in der Suppe

Popcorn ist eines der ältesten Lebensmittel, die wir noch heute als Snack verzehren. So belegen archäologische Funde aus dem Norden Perus seine kulinarische Existenz bereits vor etwa 6.700 Jahren – zu einer Zeit als der Ackerbau seinen Anfang nahm.

Mais ist seit Jahrhunderten ein wichtiges Lebensmittel in Mittelamerika.

Bernabé Cobo, ein Jesuitenmissionar, der im frühen 17. Jahrhundert in Peru tätig war, beobachtete, wie die Einheimischen Popcorn herstellten. Wie heute rösteten sie die Maiskörner, bis sie aufplatzten, und aßen sie schließlich als Süßigkeit namens „Pisancalla“.
Auch in Nordamerika beobachteten Franzosen in der Region der Großen Seen im Jahr 1612, wie der indigene Stamm der Irokesen Maiskörner in einem mit heißem Sand gefüllten Tontopf erhitzten, bis sie aufplatzten. Anschließend fügten sie dieses einer Suppe hinzu.
Die Kolonisten Amerikas übernahmen diese Praxis und verwendeten dazu entweder einen geschlossenen Drahtkorb über offener Flamme oder einen horizontal montierten, dünnen Metallzylinder, der mit einer Handkurbel vor einem Kamin gedreht wurde.
Zubereitung von Popcorn vor der Popcornmaschine

In einer langstieligen Pfanne wie dieser wurde vor der Erfindung der Popcornmaschine der Snack zubereitet.

Vom Jahrmarkt ins Kino

Im Jahr 1885 erfand Charles Cretors in Chicago eine neue, dampfbetriebene automatische Popcornmaschine. Mit ihr wurden die Körner in einer Mischung aus Pflanzenöl und tierischem Fett zubereitet.
Er stellte seine Erfindung erstmals 1893 auf der Weltausstellung in Chicago vor. Bis 1900 baute er die Maschinen auf Elektroantrieb um, was dazu führte, dass die Straßenwagen fortan in Geschäfte verlagert wurden.
Popcorn und Erdnüsse waren auf Jahrmärkten bereits beliebte Snacks, als sich der Film in das Unterhaltungsangebot einreihte. Das Kino entwickelte sich 1896 von einer Jahrmarktattraktion zu einem eigenständigen Ausflugsziel. Die preiswerten Vorführungen zogen reihenweise Menschen – und infolgedessen auch Snacks – an.
In den 1920er Jahren versuchten die Betreiber, Kinos als gehobene Orte zu etablieren. Die „Filmpaläste“ waren mit Teppichen und Einrichtungsgegenständen ausgestattet, die man normalerweise mit anspruchsvoller Unterhaltung verband. Zuschauer, die Popcorn oder Erdnüsse knabberten, passten nicht zum eleganten Ambiente. Außerdem störte das laute Knuspern der Snacks beim Anschauen der Stummfilme.

Blick ins Innere des Byrd Theatre, einem US-amerikanischen Filmpalast aus dem Jahr 1928.

Ein erschwinglicher Luxus

1927 feierte der erste Tonfilm, „Der Jazzsänger“, in New York Premiere. Diese neue Filmart belebte das Geschäft neu, und Popcorn stellte angesichts der Tonspur keine so laute Ablenkung mehr dar. Zwei Jahre später brachte die Premiere von „Melodie des Herzens“ mit Willy Fritsch in der Hauptrolle den ersten deutschen Kinofilm mit Tonspur in die Kinosäle.

Filmplakat des ersten Kinofilms mit Tonspur: „Der Jazzsänger“ (1927).

Die Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren führte dazu, dass sich die meisten Menschen viele Luxusgüter nicht mehr leisten konnten. Eine Kinokarte blieb dennoch erschwinglich und lockte zusammen mit Popcorn für damals fünf US-Cent das Publikum in die Kinos und kurbelte den Umsatz an. Anfangs vermieteten Kinobesitzer ihre freien Flächen in der Lobby oder im Außenbereich, bis sie erkannten, dass die Gewinnmarge von Popcorn bei mehr als 70 Prozent lag.
Während des Zweiten Weltkriegs führten Zuckerrationierungen dazu, dass viele Süßigkeiten nicht mehr erhältlich waren oder zu teuer wurden. Popcorn blieb jedoch ein günstiger Ersatz, und der Verbrauch stieg in den USA um 300 Prozent.
US-Amerikaner an einer Maschine mit Popcorn im Jahr 1941

Trotz des Zweiten Weltkriegs waren in den USA die Kinos gut besucht und Popcorn der beliebteste Snack.

Das Popcorn und seine (un)gewöhnlichen Begleiter

Heute ist Popcorn weltweit in den Kinos beliebt. Die Geschmäcker reichen dabei von süß bis herzhaft und haben je nach Region und Land typische Geschmacksrichtungen. In Indien sind würzige Masala-Mischungen beliebt, während japanisches Popcorn manchmal Stückchen von Seetang enthält. Auf dem chinesischen Markt dominiert dagegen Karamell-Popcorn, und in Deutschland ist süßes Popcorn der Renner.
Popcorn gibt es inzwischen in sämtlichen Geschmacksrichtung

Popcorn gibt es inzwischen in sämtlichen Geschmacksrichtung: von salzig über süß bis herzhaft.

Während Popcorn eindeutig die Hauptrolle spielt, ist Eiscreme ein treuer Begleiter in der Kino-Snack-Kombination. In australischen Kinos erhielten in den 1930er-Jahren alle Kinder einen kostenlosen „Eimer“ Eiscreme. Neben diesen Eisbechern war das Eis am Stiel, auch Edy’s Pie genannt, eine beliebte Leckerei, die in der Pause von Platzanweiserinnen auf Tabletts durch die Gänge des Kinos gereicht wurde.
In den Kinos anderer Länder werden dagegen lokale Snacks angeboten. So gehört in den Niederlanden zu einem Kinobesuch die nicht bei allen beliebte Lakritz dazu, die es in süßen und herzhaften Varianten gibt.
Für uns völlig außergewöhnlich sind dagegen geröstete Ameisen, die es in kolumbianischen Kinos gibt. Die „Hormigas culonas“ (zu Deutsch: Ameisen mit dickem Hinterteil) gelten dort als Luxusspeise – der Kaviar Kolumbiens. Bei der Zubereitung werden die Beine und Flügel der Ameisenköniginnen entfernt und die Körper geröstet, um eine knusprige, proteinreiche Speise zu erhalten, die beim Naschen ebenso viel Abenteuer bietet wie auf der Leinwand.
In Kolumbien kann man statt Popcorn in Kinos geröstete Ameisen essen

Heimische Zubereitung von „Hormigas culonas“ – gerösteten Ameisen.

Doch ob Popcorn oder Ameisen – das Essen, das wir im Dunkeln zu uns nehmen, während wir einen Film ansehen, ist für viele Menschen ein wesentlicher Bestandteil des Kinobesuchs. Der Duft der Butterglasur und das Knuspern der Schokoladenstreusel sind Sinneserlebnisse, die – genau wie die große Leinwand – zu Hause einfach nicht dasselbe sind.
Dieser Artikel erschien im Original auf theconversation.com unter dem Titel „A brief history of popcorn – and its cinema snack sidekicks“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)The Conversation
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Unwetter über Deutschland: Toter und schwere Schäden durch Sturm

Schwere Unwetter sind in der Nacht über Deutschland gezogen und haben in der Sächsischen Schweiz ein Menschenleben gefordert. In Rathen wurde ein Mann laut Polizei von einem Baum erschlagen. Drei Menschen seien schwer verletzt worden. Zehn weitere Menschen wurden nach Angaben der zuständigen Rettungsleitstelle verletzt, 40 Menschen in Sicherheit gebracht.
„Es ist vor Ort sehr unübersichtlich“, sagte ein Sprecher der Polizei der Deutschen Presse-Agentur am späten Abend. Die Dunkelheit erschwert die Arbeit der Einsatzkräfte. Es werde vermutlich erst ein klares Lagebild geben, wenn es wieder hell sei, sagte der Polizeisprecher. Nach Angaben der Rettungsleitstelle soll der Einsatz am Morgen weitergehen.
Auch die Bergwacht war im Einsatz und suchte mit der Unterstützung von Drohnen nach Menschen. Ein Sprecher der Bergwacht sagte, er habe den Eindruck, als seien ein Teil des Hanges abgestürzt und mehrere Bäume ins Tal gestürzt. „Es scheint eine sehr lokal begrenzte und sehr starke Unwetterzelle gewesen zu sein“, sagte er.
Für die Einsatzkräfte war die Lage in der Dunkelheit unübersichtlich.

Für die Einsatzkräfte war die Lage in der Dunkelheit unübersichtlich.

Foto: Robert Michael/dpa

Weitere Schäden und Verletzte

Auch im Süden Deutschlands krachte es: Ein schweres Gewitter mit Sturm brachte in Stuttgart eine Reihe von Bäumen zu Sturz. „Bäume fielen auf Pkw, auf Stromleitungen oder auf Straßen“, sagte ein Feuerwehrsprecher am Abend. Zudem seien Unterführungen überflutet worden. Es gebe etwa 50 Einsätze. Unter anderem sorgte ein umgestürzter Baum für Unterbrechungen bei der Stadtbahn, ein anderer riss eine Stromleitung ab, wie die Feuerwehr in ihrer Bilanz gegen Mitternacht mitteilte. Mehrere umgestürzte Bäume blockierten zudem vorübergehend den Weg zu einem Klinikgelände.
Zuvor hatte die Hamburger Feuerwehr mitgeteilt, dass es wegen eines Unwetters derzeit viele Einsätze gebe. Ein Mitarbeiter des Feuerwehr-Lagezentrums zählte 85 Einsätze zwischen 18.30 und 21.00 Uhr, die mit Wasser zu tun hatten. Zwölf weitere fasste er unter dem Stichwort „droht zu fallen“ zusammen, damit gemeint waren etwa Zäune oder Dachziegel. Verletzte habe es nicht gegeben. Die vielen Einsätze seien gut zu bewältigen gewesen.
In Oberbayern hat ein Gewitter hingegen für einen Waldbrand gesorgt: Bei Bad Reichenhall schlug laut Polizei am Abend ein Blitz am Berg Hochstaufen ein und entfachte dort ein Feuer. Der Regen habe gegen die Flammen geholfen, aber es seien immer noch Glutnester da, sagte ein Polizeisprecher am frühen Morgen. Hubschrauber könnten erst mit den Löscharbeiten beginnen, wenn es draußen wieder hell ist. In einer Warnmeldung wiesen die Stadt Bad Reichenhall und die Feuerwehr darauf hin, dass „beim Aufenthalt in diesem Bereich Gefahr für Leib und Leben“ bestehe.

Vorstellung an der Felsenbühne abgesagt

Zurück nach Sachsen: Ein Sprecher der Rettungsleitstelle Dresden sagte, das Unglück habe sich in einem Zugangsweg zur Felsenbühne in Rathen ereignet. Die Einsatzkräfte vermuteten, dass mehrere Menschen von Bäumen eingeschlossen waren. Das Gelände dort ist felsig. Weitere Details waren zunächst unklar. Die Vorstellung „Der kleine Horrorladen“, die für Freitagabend dort geplant war, wurde abgesagt. Die Felsenbühne hat Platz für rund 2.000 Zuschauerinnen und Zuschauer. Sie zählt zu den größten Freilichttheatern Sachsens.
Ein Baum liegt nach einem Unwetter mit starken Stürmböen umgestürzt im Landkreis Lüneburg

Ein Baum liegt nach einem Unwetter mit starken Stürmböen umgestürzt im Landkreis Lüneburg

Foto: René Schröder/News5/dpa

Warnung vor Gewittern

Der Deutsche Wetterdienst hatte für weite Teile Sachsens vor starken Gewittern gewarnt. Dabei könne es unter anderem zu Blitzschlag kommen, es könnten Bäume umstürzen und Gegenstände herabfallen. Auch für andere Bundesländer gab es Warnungen. (dpa/red)
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Amazonas-Theater in Brasilien wird Weltkulturerbe

Die Kulisse des Filmklassikers „Fitzcarraldo“ von Werner Herzog zählt ab sofort zum Weltkulturerbe. Die Unesco nahm das Amazonas-Theater in der brasilianischen Stadt Manaus am Montag in ihre Liste auf. Auch das Teatro da Paz in der Hafenstadt Belém gehört nun zu den Weltkulturerbestätten.

Erinnerung an den Kautschukboom

Beide Theater wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut und erinnern an die Zeit des sogenannten Kautschukbooms im brasilianischen Amazonasgebiet. Sie seien „Symbole politischen Ehrgeizes“, begründete die Unesco ihre Entscheidung. Die weltweite Nachfrage nach Kautschuk brachte der Amazonasregion damals wirtschaftlichen Gewinn, die indigene Bevölkerung wurde jedoch ausgebeutet und vertrieben.

Blick in das Innere des Amazonas-Theaters in Manaus, Brasilien, am 10. Dezember 2013. (Archivbild)

Foto: Christophe Simon /AFP via Getty Images

Drehort von Herzogs Filmklassiker

Der deutsche Regisseur drehte seinen Film „Fitzcarraldo“ im 1896 eröffneten Amazonas-Theater mit seiner rosafarbenen Fassade. Klaus Kinski spielt in dem 1982 erschienenen Film einen Mann, der im Amazonas ein Opernhaus bauen will. Nach Einschätzung der Unesco steht das Theater für „den Reichtum und das Prestige“ der Stadt Manaus zur Zeit des Kautschukbooms. (afp/red)
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Mit 14 nach Amerika: Junge deutsche Tänzerin lässt sich nicht von Peking einschüchtern

Der klassische chinesische Tanz ist ihre Leidenschaft. Wenn Tara McDonnell aus Meißen die internationale Bühne betritt, ist alle Anspannung verflogen, selbst wenn wenige Stunden vorher Polizisten wegen einer Bombendrohung mit ihren Spürhunden das Theater oder ihre Garderobe durchsucht haben. „Das ist inzwischen zur Routine geworden“, sagt sie.
Die 21-Jährige gehört zu einer der acht Tanzgruppen von Shen Yun. Das aus New York stammende Künstlerensemble, das seinem Publikum die 5.000 Jahre alte traditionelle Kultur Chinas präsentiert, muss ständig mit Sabotage rechnen. Ob Bombendrohungen oder zerstochene Tourbusreifen – die grenzüberschreitende Bedrohung durch die Kommunistische Partei Chinas (KPCh), die seit ihrer Machtübernahme traditionelle und spirituelle Werte unterdrückt, ist für die Künstler allgegenwärtig.
Seit 2021 gehört Tara aus Meißen dem Ensemble an. Auch wenn sie in Deutschland aufgewachsen ist, so ist ihr die traditionelle chinesische Kultur nicht fremd. Angefangen hat alles damit, dass ihre Eltern Falun Gong, auch Falun Dafa genannt, praktizierten – eine tief in der traditionellen chinesischen Kultur verwurzelte Kultivierungsmethode, die auf den Werten Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht basiert.
In China wird Falun Gong hingegen seit 27 Jahren brutal verfolgt. Und das wird auch in den Tanzstücken von Shen Yun thematisiert – ebenso wie historische Heldengeschichten, ethnische Tänze und lustige Szenen. Jedes Jahr touren die Gruppen des 2006 gegründeten Ensembles mit einem völlig neuen Programm um die Welt und erreichen ein Millionenpublikum. Einst saß auch Tara unter den Zuschauern.
„Schon als Kind habe ich Shen-Yun-Aufführungen gesehen. Ich mochte sie wirklich sehr. Es war schon immer mein Traum, bei Shen Yun mitzumachen“, sagt sie im Gespräch mit Epoch Times.

Ein Traum wird wahr

Mit 14 Jahren war es dann endlich so weit: Die aus Sachsen stammende Schülerin wurde an der Fei-Tian-Kunstakademie in New York aufgenommen. Zwei Jahre später ging sie als Praktikantin zum ersten Mal mit Shen Yun auf Tournee. Mittlerweile verfügt sie über fünf Jahre Tourneeerfahrung.
Dabei gestaltete sich ihr Einstieg in den klassischen chinesischen Tanz alles andere als einfach. „Ich habe quasi bei null angefangen. Zuerst musste ich meinen Körper dehnen und alle Grundbewegungen beherrschen, bevor ich wirklich mit dem Tanzen beginnen konnte“, schildert sie.
Während dieser Zeit habe sie wirklich viel gelernt, darunter Ausdauer und Selbstdisziplin – Eigenschaften, die für eine Tänzerin unentbehrlich sind, um das Weltklasseniveau zu erreichen, für das Shen Yun vom Publikum hochgelobt wird.
Da der Tanzunterricht ausschließlich in chinesischer Sprache stattfindet, hat Tara während ihrer Ausbildung „ganz selbstverständlich“ Chinesisch gelernt. Über die Jahre hat sich ihr Verständnis für die traditionelle chinesische Kultur, die ebenfalls Teil der Ausbildung ist, immer weiter vertieft.
„Je mehr ich über die traditionelle chinesische Kultur erfuhr, desto beeindruckender fand ich sie“, sagt die junge Tänzerin. Sie sei derart tiefgründig, dass es immer wieder Neues zu entdecken gebe.

Doku „Unbroken“ zeigt Hintergründe

Wie es auf dem Campus aussieht und zugeht, zeigt der Dokumentarfilm „Unbroken – The Untold Story of Shen Yun“ („Unbeugsam – Die unerzählte Geschichte von Shen Yun“), der derzeit an ausgewählten Standorten in Deutschland zu sehen ist. Bei der Filmpremiere in ihrer Heimatstadt Meißen am 26. Mai war auch Tara mit dabei.
Im Mittelpunkt des Films steht die Familie Browde. Die beiden Brüder Jesse und Lucas absolvierten wie Tara an der Fei-Tian-Akademie für klassischen chinesischen Tanz ihre professionelle Ausbildung. Auf den weltweit führenden Bühnen werden sie mit Einschüchterungsversuchen durch das kommunistische Regime Chinas konfrontiert, die in den vergangenen Jahren immer weiter eskalierten – von der Sabotage der Tourbusse über Druck auf Theater und inszenierte Bombendrohungen bis hin zu einer länderübergreifenden „Fake News“-Kampagne, wonach den Künstlern von Shen Yun Arztbesuche verwehrt blieben und keine angemessene Gage gezahlt würde.
Wie der Film zeigt, steht der Vater der beiden Brüder, Levi Browde, zwischen dem Schutz seiner Kinder und der Aufdeckung der Wahrheit unter enormem Druck.
Die Doku zeigt den unmittelbaren Kampf zwischen Glauben, Freiheit und dem Totalitarismus anhand der Entwicklungsgeschichte der jungen Menschen, die während ihrer Ausbildung zu Künstlern heranwachsen und trotz der von der KPCh verübten langjährigen Unterdrückung schließlich zu „unbeugsamen“ Menschen werden.

Spürhunde, Bombendrohungen und Evakuierung

Auch für Tara gehören die Einschüchterungsversuche und Bombendrohungen „fast schon zum Alltag“. An ihre erste Bombendrohung kann sie sich noch lebhaft erinnern:
„Das war bei einer Aufführung in Puerto Rico. Damals klopfte die Polizei an die Tür unserer Garderobe und drehte mit ihren Hunden eine kurze Runde“, schildert sie gegenüber Epoch Times. „Das war schon ein sehr krasses Erlebnis.“
Vor zwei Jahren im Kennedy Center in Washington, D.C. spitzte sich die Situation zu. Damals wurde nicht nur das Theater, sondern der gesamte Gebäudekomplex evakuiert. Sogar im Fernsehen wurde darüber berichtet.
„Wir mussten bis 15 Uhr im Hotel bleiben“, schildert Tara, obwohl der Aufbau bereits am Vormittag vonstattengehen sollte. Zuerst habe es so ausgesehen, als würde die Bombendrohung den gewünschten Erfolg erzielen. Das Theater wollte die Vorstellung schon absagen. Nachdem aber keine Hinweise auf Sicherheitsrisiken gefunden werden konnten, durften die Künstler das Gebäude schließlich betreten.
Trotz großer Verspätung gelang es dem Team von Shen Yun, die Proben und Aufbauarbeiten innerhalb weniger Stunden abzuschließen. Die Vorstellung konnte wie geplant stattfinden.
Vor allem im vergangenen Jahr habe sie oft Spürhunde gesehen. „2 Stunden vor Beginn der Vorstellung kommt die Polizei mit Polizeihunden und durchsucht Reihe für Reihe den gesamten Zuschauerraum. Ehrlich gesagt haben wir uns schon so daran gewöhnt, dass wir es gar nicht mehr beachten. Es ist einfach dieses Gefühl von: ‚Oh, da sind sie schon wieder.‘“

Kunst, die verbindet

Tara und ihre Kollegen sehen in derartigen Vorfällen „eher einen Ansporn“: „Wenn so etwas passiert, müssen wir weitermachen. Wir müssen die Dinge klarstellen“, sagt Tara. „Aber wir wissen auch, dass viele Zuschauer dadurch möglicherweise nicht mehr wiederkommen wollen oder sich nicht trauen, die Vorstellung zu besuchen“, was sie sehr bedauert.
Sie hofft, dass sich Theater – wie auch in Deutschland in der Vergangenheit geschehen – nicht länger von den Agenten der KPCh beeinflussen lassen und ihrem Publikum Shen Yun präsentieren. Denn „Kunst ist universell und überwindet alle sprachlichen oder ähnlichen Grenzen und Barrieren“.
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Gericht stoppt „Trump Kennedy Center“ – Streit um Umbenennung und Renovierung eskaliert

Im Konflikt um das Kennedy Center in Washington hat ein Gericht die Umbenennung der Kulturinstitution in „Trump Kennedy Center“ vorläufig gestoppt und die Entfernung von Donald Trumps Namen von der Fassade angeordnet. Nach Auffassung des Gerichts ist der US-Kongress für die Benennung der Einrichtung zuständig, da dieser auch den ursprünglichen Namen festgelegt hatte.
Kennedy Center steht damit erneut im Zentrum einer politischen und juristischen Auseinandersetzung um Einfluss und Zuständigkeiten bei einer der wichtigsten Kulturinstitutionen der USA.
Die Kultureinrichtung soll für einen Umbau rund zwei Jahre lang geschlossen bleiben. (Archivbild)

Die Kultureinrichtung soll für einen Umbau rund zwei Jahre lang geschlossen bleiben. (Archivbild)

Foto: Andrej Sokolow/dpa

Schließungspläne vorerst ausgesetzt

Auch die geplante vorübergehende Schließung des Hauses für umfangreiche Renovierungsarbeiten wurde gestoppt. Das Gericht begründete dies damit, dass keine ausreichende und ergebnisoffene Prüfung der Entscheidung vorgelegen habe.
Die laufenden Instandsetzungsarbeiten dürfen jedoch weitergeführt werden. Eine Schließung bleibt grundsätzlich möglich, sofern sie rechtlich korrekt begründet und beschlossen wird.

Reaktion von Donald Trump

Präsident Trump reagierte deutlich auf die Entscheidung und kritisierte die Justiz in einem Beitrag in sozialen Medien. Er erklärte, er sei im Vergleich zu früheren Präsidenten besonders ungerecht behandelt worden.
Gleichzeitig kündigte er an, sich nicht weiter aktiv an der geplanten Renovierung des Kennedy Centers zu beteiligen und die Verantwortung vollständig an den Kongress abzugeben. Ob er seine Funktion im Leitungsgremium der Einrichtung weiter wahrnimmt, blieb zunächst offen.
Trump erwägt Truppenreduzierung in Deutschland.

US-Präsident Donald Trump im Wießen Haus.

Foto: Matt Rourke/AP/dpa

Politische Vorgeschichte der Umbauten

Die aktuellen Entwicklungen stehen im Zusammenhang mit einer umfassenden Neuausrichtung der Institution nach Trumps Amtsantritt 2025. Dabei wurden Teile der Leitung neu besetzt und die kulturpolitische Ausrichtung verändert.
Eine zentrale Rolle spielte dabei auch Richard Grenell, der zeitweise mit der organisatorischen Umgestaltung betraut war.
Im Dezember wurde das Kennedy Center zwischenzeitlich in „Trump Kennedy Center“ umbenannt, was in der Kulturszene auf deutlichen Widerstand stieß und zu einzelnen Absagen von Veranstaltungen führte.
Das Kennedy Center ist eines der zentralen Kulturhäuser der Vereinigten Staaten und präsentiert regelmäßig Aufführungen aus Theater, Tanz und Musik. Benannt ist es nach dem früheren US-Präsidenten John F. Kennedy.

Politische und kulturelle Debatte

In Washington wird der Streit unterschiedlich bewertet. Befürworter der Umbauten verweisen auf Modernisierung und strukturelle Erneuerung. Kritiker sehen dagegen eine starke politische Einflussnahme auf eine kulturell unabhängige Institution und verweisen auf eine zunehmende Personalisierung staatlicher Projekte.
Die Entscheidung des Gerichts könnte weitere politische und juristische Schritte nach sich ziehen. Auch eine erneute Befassung des Parlaments mit der Namensfrage gilt als möglich. (dpa/red)
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deutschland gesellschaft

„München Mord“- Star Alexander Held stirbt mit 67 Jahren

Der Film- und Fernsehschauspieler Alexander Held ist tot. Er starb bereits am vergangenen Dienstag, 19. Mai im Alter von 67 Jahren überraschend nach kurzer Krankheit, wie der eng mit ihm befreundete TV-Produzent Sven Burgemeister der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.
Held lebte zuletzt im österreichischen Erl in Tirol und war unter anderem bekannt für seine Rolle in der ZDF-Krimireihe „München Mord“. Zudem spielte der gebürtige Münchner in Filmen wie „Sophie Scholl – Die letzten Tage“, „Der Schuh des Manitu“ oder „Der Untergang“.

Gentleman mit Feinsinn und Witz

„Als Freund und Produzent war Alexander Held ein Geschenk: ein Mensch, ein Gentleman, ein Herr mit Feinsinn, Witz und großer Zuwendung“, würdigte Burgemeister. Als Schauspieler sei er voller Überraschungen gewesen – mit unbeirrbarer Haltung – und habe all seinen Auftritten Tiefe verliehen.
Der Produzent dankte Held für sein Vertrauen, seine enorme Loyalität und die vorbehaltlose Aufmerksamkeit, die er allen geschenkt habe. „Er wird uns allen unglaublich fehlen. Alexander bleibt für immer ein Held für mich“, sagte Burgemeister, der bei mehr als 30 Filmen mit ihm zusammengearbeitet hat.

Domspatz und Löwen-Torwart

Held besaß viele Talente. Er konnte wunderschön singen – von 1968 bis 1970 war er Solosänger bei den Regensburger Domspatzen. Als Jugendlicher stand er für den Traditionsclub 1860 München im Tor und gewann mit dem Löwen fünfmal die Jugendmeisterschaften. Doch wegen einer Verletzung platzte der Traum von der Profikarriere.
Die wahre Berufung Helds wurde die Schauspielerei. Nach einer Ausbildung an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule startete er 1980 an den Münchner Kammerspielen. Weitere Stationen waren unter anderem die Freie Volksbühne Berlin unter Hans Neuenfels, das Staatsschauspiel Hannover und die Salzburger Festspiele.
Sein Filmdebüt feierte Held 1993 in der Kult-Krimireihe „Derrick“. Viele weitere Auftritte folgten, auch für internationale Produktionen wie „Schindlers Liste“ von Steven Spielberg.
Privat hatte Held sein Glück mit Patricia Fugger gefunden, einer gebürtigen Gräfin Fugger von Babenhausen. 2005 heirateten die beiden.
Neun Jahre später dann ein Schicksalsschlag für den Schauspieler: mit nur 51 Jahren starb seine Frau. Mit bewegenden Worten widmete er ihr nach seinem Tod 2014 den Bayerischen Fernsehpreis als bester Serien-Darsteller. (dpa/red)
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kultur

Berliner Theatertreffen schafft Frauenquote wieder ab

Das Berliner Theatertreffen verzichtet in den nächsten beiden Jahren auf die Frauenquote. Für das Bühnenfestival werden die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgewählt. Seit 2020 galt dabei, dass mindestens die Hälfte von Frauen oder überwiegend weiblichen Kollektiven stammen muss.
„Die neue Jury hat sich nach ausgiebiger Beratung entschieden, für die Festivalausgaben 2027 und 2028 ohne Frauenquote zu sichten und einzuladen“, teilte das Festival zum Abschluss des diesjährigen Theatertreffens am Sonntagabend mit. Mehrere Medien berichteten darüber.
Zwei Jurymitglieder erklärten in der Zeitung „Welt“ und auf dem Kritikerportal „Nachtkritik“, was ihrer Meinung nach für die Entscheidung spricht. Der Anteil von Regisseurinnen im Theater sei zum Beispiel gestiegen, außerdem gebe es non-binäre Regieführende. Eine Quote bedeute immer auch, dass bei der Juryauswahl eben doch ein weiteres Kriterium zähle. Und brauche es dann nicht auch Quoten für andere Eigenschaften?

Jurymitglied: „Uneingeschränkt das künstlerisch Bemerkenswerte“

„Es wird im nächsten Jahr wieder uneingeschränkt um das künstlerisch Bemerkenswerte gehen, egal von wem“, schrieb Jurymitglied Jakob Hayner in der „Welt“. „Und es wird darum gehen, genauer hinzuschauen, was aus Sicht der Kritik im Betrieb für wen gut oder schlecht läuft.“
Denn beim nächsten Theatertreffen werde die Jury „ihre Beobachtungen und Sichtungserfahrungen zu strukturellen Ungleichheiten“ mit der Öffentlichkeit teilen, teilte das Festival mit.
Die Frauenquote war 2019 eingeführt worden für die Festivalausgaben 2020 und 2021. Für jedes weitere Jahr sei sie dann von der jeweils amtierenden Jury neu beraten und beschlossen worden. (dpa/red)
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„Die Legende von Paul und Paula“: Angelica Domröse gestorben

Die Schauspielerin Angelica Domröse ist tot. Sie starb am Freitag im Alter von 85 Jahren in Berlin, wie die Defa-Stiftung unter Berufung auf Domröses persönliches Umfeld bestätigte. Zuerst hatten die „SuperIllu“ und der MDR berichtet. Bekannt ist Domröse für den Film „Die Legende von Paul und Paula“ (1973) von Regisseur Heiner Carow.
Domröse spielte in dem Kultfilm die alleinerziehende Mutter Paula, die sich in den verheirateten Paul (Winfried Glatzeder) verliebt. Der Film zeigt den Alltag in der DDR und fragt, was man vom Leben erwarten kann.
„Es muss doch noch was anderes geben als schlafen, arbeiten. Und wieder schlafen und arbeiten“, sagt Paula in einer Szene. Das Drama gilt als einer der Lieblingsfilme von Ex-Kanzlerin Angela Merkel.
„Mit Angelica Domröse verlieren wir eine große Schauspielerin, die uns als „Paula‘“ lehrte, dass Liebe und Freiheit keine Kompromisse dulden“, teilte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer mit. „Sie war aber nicht nur das Gesicht einer der größten Erfolge des DDR-Kinos, sondern auf den Theaterbühnen von Ost und West und in zahlreichen Fernsehproduktionen eine unverwechselbare Charaktergröße. Angelica Domröse wird fehlen.“

Geboren als Kriegskind in Berlin

Geboren wurde Domröse 1941 in Berlin, als junge Frau stand sie erstmals vor der Filmkamera. Nach dem Abschluss der Babelsberger Filmhochschule ging sie ans Berliner Ensemble, später trat sie an der Berliner Volksbühne auf.
Dutzende Filme drehte Domröse bis zu ihrer Ausreise aus der DDR. Dazu gehörten Theodor Fontanes „Effi Briest“ in der Defa-Verfilmung und der TV-Mehrteiler „Wege übers Land“. Domröse war in zweiter Ehe mit ihrem Kollegen Hilmar Thate (1931-2016) verheiratet.
Die beiden setzten sich wie viele Künstler für Liedermacher Wolf Biermann ein, der 1976 aus der DDR ausgebürgert wurde. Auch Domröse ging später mit ihrem Mann nach West-Berlin.

Eine Rolle mit besonderer Wucht

Im Laufe ihrer Karriere drehte sie unter anderem mit Michael Haneke, spielte eine Kommissarin in der TV-Krimireihe „Polizeiruf 110“ und war 2012 in der Komödie „Bis zum Horizont, dann links!“ zu sehen.
Einen solchen Erfolg wie mit der „Paula“ habe sie nie wieder gehabt, sagte Domröse der Deutschen Presse-Agentur in einem Interview im Jahr 2021. „Und ich hatte doch eine ganze Menge, ich kann mich nicht beschweren.“
Die Rolle der Paula damals sei eine Wucht gewesen, erzählte Domröse. Wenn andere Generationen heute noch sagten, sie verstünden den Film und fänden ihn interessant, sei das eine Erfüllung. Domröse fügte hinzu: „Das kann man nicht von vielen Arbeiten sagen im Leben.“ (dpa/red)
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Schauspieler Günther Maria Halmer ist tot

Der als „Tscharlie“ in der Kultserie „Münchner Geschichten“ bekanntgewordene Schauspieler Günther Maria Halmer ist tot. Der gebürtige Rosenheimer sei am Sonntag im Alter von 83 Jahren gestorben, teilte das Münchner Residenztheater mit. Zuvor hatten unter anderem „Bild“ und „Bunte“ berichtet.
Im vergangenen Jahr war Halmer auf die Bühne des Residenztheaters zurückgekehrt, wo er in dem Stück „Gschichtn vom Brandner Kaspar“ von Franz Xaver Kroetz die Titelfigur spielte. Es sollte seine letzte Rolle sein.
Staatsintendant Andreas Beck schreibt in einem Nachruf, Halmer sei ein wundervoller Kaspar Brandner gewesen. Er habe die Rolle geliebt, und es sei ihm schwergefallen, sie nach nur zwölf Vorstellungen abzugeben. „Er sagte mir damals, er wäre krank und dass er jetzt fürs Erste pausieren und nicht mehr spielen werden könne. Ich habe ihm gesagt, dass die Rolle und wir auf ihn warten“, so Beck. Und weiter: „Es tut mir unendlich leid.“
Seit seinem TV-Debüt Mitte der 1970er Jahre als „Tscharlie“ in Helmut Dietls „Münchner Geschichten“ stand Halmer für hochwertige und abwechslungsreiche Fernsehunterhaltung. In zahlreichen Filmen und Serien reifte der markige Oberbayer zum vielseitigen Darsteller, der auch in internationalen Produktionen wie „Gandhi“ überzeugte. Er stand neben Stars wie Senta Berger, Hanna Schygulla und Meryl Streep vor der Kamera.

Vom Gymnasium geflogen und zum Schauspieler gereift

Halmers Vater war Jurist, streng katholisch und autoritär, die Mutter liebevoll, aber krank. Trost und Zuflucht fand er als Jugendlicher im Kino, bei Leinwandhelden wie John Wayne.
Halmers Schullaufbahn und beruflicher Einstieg verliefen wenig gradlinig: Er flog vom Gymnasium, schmiss eine Lehre in der Hotellerie und eckte auch bei der Bundeswehr an. Von seinem Traumjob Pilot musste er sich verabschieden.
Da wagte Halmer den großen Schnitt: Mit Anfang 20 ging er nach Kanada, um eineinhalb Jahre lang in einer Asbest-Mine nahe der Grenze zu Alaska zu rackern – und um zu sich selbst zu finden. Dort sei die Idee entstanden, Schauspieler werden zu wollen, erzählte er im Bayerischen Rundfunk. Ein Wunsch, den er sich auch von seinem autoritären Vater nicht ausreden ließ.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland setzte er seinen Plan in die Tat um: Halmer absolvierte die Otto Falckenberg-Schauspielschule in München und erhielt ein erstes Engagement an den dortigen Kammerspielen.

Vom Erfolg als „Tscharlie“ überrascht

Bald darauf folgte seine Fernseh-Paraderolle – der liebenswürdige Schwabinger Lebenskünstler und Aufschneider „Tscharlie“ in der Serie „Münchner Geschichten“. Mit dem überwältigenden Erfolg habe er nicht gerechnet, war es doch sowohl Dietls erste Regie-Arbeit als auch Halmers Fernseh-Premiere. Doch die Serie der beiden Newcomer habe wohl den Nerv vieler Menschen getroffen, sagte Halmer einmal. Viele Bayern hätten wohl etwas „Tscharliehaftes“ in sich und könnten sich mit der Figur identifizieren.
Günther Maria Halmer lebte mit seiner Frau Claudia, mit der er zwei Söhne hat, in der Nähe seines Geburtsortes Rosenheim. Mit dem Thema Tod habe er keine Berührungsängste, sagte Halmer vor ein paar Jahren. „Der Tod ist für mich nichts Überraschendes mehr, im Alter wacht man damit auf, dass es jederzeit vorbei sein kann.“ In dem kleinen Dorf, in dem er lebe, seien viele schon älter als 89 oder 90. „Da ist es nicht ganz so überraschend, wenn jemand stirbt. Und es ist tröstlich, wenn das ganze Dorf bei der Beerdigung dabei ist.“
Ein Paradies hielt Halmer nach eigener Aussage eher für unwahrscheinlich: „Man hofft, dass es weitergeht, aber ich glaube das eigentlich nicht. Wenn es vorbei ist, wird man wieder zu Erde – und aus.“ (dpa/red)
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Chinas transnationale Repression nimmt Kanzleramt ins Visier

Der Zug rollte gerade in den Berliner Hauptbahnhof ein, als das Handy von Chan Wai Man* vibrierte. Nummer: unbekannt. Er nahm ab. Eine weibliche Stimme meldete sich am anderen Ende der Leitung – erst auf Englisch, dann auf Chinesisch, gleichmäßig, maschinenartig, als kämen die Worte von einem Tonband: „Es liegt ein wichtiges Dokument in der chinesischen Botschaft in Berlin für Sie bereit. Kommen Sie es abholen.“
Chan verstand sofort, dass dies keine freundliche Einladung war. Es war vielmehr eine Erinnerung: Man weiß, wo er sich aufhält. Chan informierte umgehend die Polizei.
„Ich bin auf der schwarzen Liste der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh)“, erklärte der chinesische Dissident in einem Gespräch mit Epoch Times. Seit über 20 Jahren lebt Chan in Deutschland unter ständiger Bedrohung durch die KPCh. Gegen ihn soll ein Kopfgeld ausgesetzt worden sein.
Was Chan erlebt, ist kein Einzelfall.

Transnationale Repression folgt einem System

Eine Analyse der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung des in Deutschland lebenden oppositionellen Aktivisten Ray Wong Toi-yeung aus Hongkong zeigt: Chinas transnationale Repression in Deutschland folgt einem strategischen System. Hinter den Übergriffen steht ein komplexes Zusammenspiel staatlicher und nicht staatlicher Akteure. Chinesische Dissidenten würden demnach innerhalb Deutschlands systematisch eingeschüchtert, bestraft und zum Schweigen gebracht.
Die Organisation Freedom House mit Sitz in Washington, D.C. dokumentiert hierzu eine Bandbreite an illegalen Praktiken: von Morddrohungen über Entführungen bis hin zu illegalen Rückführungen.
Darüber hinaus nutzt die KPCh ihren wirtschaftlichen und politischen Einfluss, um Regierungen dazu zu bewegen, Zielpersonen festzunehmen, Aufenthaltsrechte zu entziehen oder Auslieferungen zu ermöglichen.
Häufig werden auch Angehörige in China unter Druck gesetzt. Hinzu kommen physische Gewalt und Einschüchterungen durch verdeckte Akteure im Ausland.

Eine Frage des Machterhalts

Doch warum betreibt die KPCh diesen Aufwand, um Kritiker im Ausland zu verfolgen?
Der Hongkong-Aktivist Wong sieht darin vor allem ein Ziel: den Machterhalt. Die transnationale Repression diene dem chinesischen Regime, die Kontrolle über den politischen Diskurs zu sichern – weltweit.
„Die KP Chinas sieht abweichende Meinungen, egal ob sie in China oder im Ausland geäußert werden, als einen direkten Angriff auf ihre Legitimität und politischen Ambitionen an“, schreibt Wong.
Solche „abweichenden Meinungen“ können auch den persönlichen Glauben betreffen, wie im Fall von Chan. Der Hongkonger praktiziert Falun Gong, auch Falun Dafa genannt – eine traditionelle, buddhistisch geprägte spirituelle Disziplin.
In den 1990er-Jahren war Falun Gong in China sehr beliebt. Schätzungen zufolge praktizierten es bis zu 100 Millionen Menschen. Der damalige Parteichef Jiang Zemin sah in der Popularität der spirituellen Bewegung eine Bedrohung für seine Autorität und ordnete 1999 ihre Ausrottung an. Diese bis heute andauernde Verfolgung schließt Verhaftungen, Folter bis hin zu Tötungen ein.

Ein „großer Irrtum“ der KPCh

Chan engagiert sich in Europa seither gegen diese anhaltende Verfolgung in China. „Die KPCh glaubt, wenn sie mich beseitigt, könnte sie Falun Gong ein Stück weit beseitigen“, erklärte er. Dies sei ein „großer Irrtum“. Die KPCh habe nicht verstanden, was Falun Gong eigentlich ist.
Menschen, die Falun Gong praktizieren, beschreiben die Disziplin als einen Weg der Selbstkultivierung. Dieser basiert auf meditativen Übungen sowie auf den Grundsätzen Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht. Ziel sei es, sich diesen universellen Werten im eigenen Leben anzunähern – für viele ein persönlicher Glaubensweg.

Deutsche Theater im Visier

Die Repression der KPCh im Ausland trifft längst nicht mehr nur einzelne Dissidenten. Auch kulturelle Veranstaltungen in Deutschland geraten ins Visier, wie mehrere Vorfälle zeigen. Dahinter steht der Versuch, Einfluss darauf zu nehmen, was Menschen in Deutschland sehen können und was nicht.
Seit 2025 berichten mehrere Theater in Deutschland von Drohbotschaften im Zusammenhang mit Gastspielen von Shen Yun Performing Arts. Das New Yorker Tanzensemble wurde 2006 von Falun-Gong-Praktizierenden gegründet.
Die Künstler bringen mit Tanz und Musik die traditionelle chinesische Kultur auf die Bühne – ein „China vor dem Kommunismus“. Gleichzeitig machen die Aufführungen auf die Verfolgung von Falun Gong aufmerksam.

E-Mails bedrohen auch Bundeskanzleramt

Vor den geplanten Aufführungen Anfang 2026 erhielten deutsche Theater E-Mails mit offenen Drohungen. In einer davon hieß es auf Deutsch:
„Das Bundeskanzleramt und der Konzertsaal an der Spree im Bezirk Mitte wurden mit Sprengstoff und improvisierten Zündern präpariert. Um eine Explosion zu verhindern, stellen Sie bitte umgehend die Aufführungen von Shen Yun ein und kündigen Sie sämtliche Verträge und Kooperationen mit Shen Yun Performing Arts.“

In einer Drohmail wird das Bundeskanzleramt als angeblicher Anschlagsort genannt, um die Absage von Shen-Yun-Aufführungen zu erzwingen. Bildschirmfoto.

Foto: Deutscher Falun Dafa Verein

In einer weiteren Nachricht auf Englisch wurden auch Mitarbeiter des Theaters bedroht:
„Sollten die Shen-Yun-Aufführungen stattfinden, wären die Mitarbeiter des Theaters, einschließlich ihrer Familien, in Gefahr; sie könnten entführt oder in Autounfälle verwickelt werden! Natürlich würden Frauen mit Sicherheit vergewaltigt und ermordet werden! Bitte überlegen Sie sich das gut.“

Auch die Theatermitarbeiter und ihre Familien wurden bedroht. Bildschirmfoto.

Foto: Deutscher Falun Dafa Verein

Auch im vergangenen Jahr kam es in Deutschland zu vergleichbaren Drohungen gegen Theater:
„Ich schwöre auf Jesus! Eine große Menge Sprengstoff wurde im Theater deponiert. Wenn Shen Yun Art Troupe auftritt, werden die Bomben explodieren!“

Mehrere Theatermitarbeiter erhielten 2025 Drohmails in schwedischer Sprache. Bildschirmfoto.

Foto: Deutscher Falun Dafa Verein

In allen bislang untersuchten Fällen kam die deutsche Polizei zu dem Ergebnis, dass sich die Drohungen nicht als konkrete Gefährdung bestätigten.

Welttournee im Schatten anhaltender Bedrohungen

Nach Angaben des Falun Dafa Information Center war Shen Yun seit 2006 weltweit von fast 350 Vorfällen betroffen – teilweise täglich.
Dies umfasst unter anderem Drohungen mit angeblichen Massenschießereien, Vergewaltigungen von Tänzerinnen, Brandstiftung sowie Gewaltdrohungen gegen Kinder der Künstler.
Zusätzlich gab es Dutzende falsche Bombendrohungen, die wiederholt zu Evakuierungen von Theatern geführt haben – unter anderem in den USA, Kanada, Frankreich, Australien, Großbritannien und weiteren Ländern.

Deutschland verschärft Strafrecht

Die Bundesregierung räumte in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage Anfang des Monats ein, dass die Bedrohung Deutschlands durch Aktivitäten chinesischer Nachrichtendienste in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen habe.
Wie konkret diese Bedrohung ist, zeigt ein jüngster Fall: Jian G., ein deutscher Staatsbürger mit chinesischer Herkunft, wurde Ende September 2025 zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Das Dresdner Gericht sah es als erwiesen an, dass er für einen chinesischen Geheimdienst gearbeitet und gezielt Oppositionelle in Deutschland ausgespäht hatte.
Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung kürzlich eine Gesetzesverschärfung auf den Weg gebracht. Wer im Auftrag einer fremden Macht eine „vorsätzliche rechtswidrige Tat“ begeht, muss seit Anfang April mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe rechnen.
Darüber hinaus soll auch die Erfassung und Auswertung entsprechender Vorfälle verbessert werden. Dazu zählen Anpassungen im polizeilichen Meldesystem sowie der Ausbau systematischer Lagebilder, um das bislang lückenhafte Gesamtbild zu transnationaler Repression schrittweise zu vervollständigen.
Für Chan bleibt das Thema Sicherheit derweil Teil seines Alltags, weshalb er zusätzliche Schutzmaßnahmen treffen muss. Gleichzeitig erinnert er sich an einen Satz seiner Großmutter: „Wenn man nichts Böses tut, braucht man keine Angst zu haben, auch wenn jemand nachts an die Tür klopft.“
 
*Anm. d. Red.: Da die Kommunistische Partei Chinas Falun-Gong-Praktizierende bis heute auch außerhalb Chinas verfolgt, wurde der Name der betroffenen Person zum Schutz anonymisiert.