Das ehemalige schwedische Model Ebba Karlsson und die ehemalige BBC-Journalistin Lisa Brinkworth (links). Karlsson wirft Daniel Siad Vergewaltigung vor und fordert 50.000 Euro Schadensersatz. (Archivbild) - Foto: Joel Sage / AFP via Getty Images
Wegen zögerlicher Ermittlungen im Zusammenhang mit der Epstein-Affäre hat das ehemalige Model Ebba Karlsson den französischen Staat verklagt. Karlsson wirft der französischen Justiz „grobe Fahrlässigkeit“ vor, weil diese den französischen Modelagenten Daniel Siad nicht verhört habe, dem sie Vergewaltigung vorwirft.
Die Klage wurde am 21. August eingereicht, wie AFP am Mittwoch erfuhr. Der mutmaßliche Helfer des US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein war im Juli in der Nähe von Paris tot aufgefunden worden.
Karlssons Anwälte sprechen von schuldhaftem Unterlassen, da Siad weder festgenommen noch angehört worden war. Sie fordern 50.000 Euro Schadensersatz für ihre Mandantin.
Die Schwedin hatte Anfang des Jahres Anzeige gegen Siad erstattet. Nach eigener Aussage hatte sie ihn auf einem Foto in den Epstein-Akten wiedererkannt. Karlsson warf ihm vor, sie in den 90er Jahren in Frankreich vergewaltigt zu haben. Siad wies die Vorwürfe zurück.
Der Wohnsitz des Model-Agenten Daniel Siad in Colombes bei Paris, wo er am 20. Juli 2026 tot aufgefunden wurde. Gegen Siad wurde wegen mehrerer Vorwürfe, darunter Vergewaltigung, ermittelt. (Archivbild)
Foto: Xavier Galiana / AFP via Getty Images
Die Pariser Staatsanwaltschaft erklärte nach Siads Tod, eine von ihr angeordnete Telefonüberwachung habe keinen Anlass geboten, den Modelagenten sofort festzunehmen.
Weitere Klage gegen den französischen Staat
Eine Vereinigung potenzieller Epstein-Opfer reichte ebenfalls Klage gegen den französischen Staat ein. Sie teile die „Wut aller Opfer“, betonte die Gruppe „Innocence en danger“.
Sie warf der französischen Justiz „Langsamkeit“ im Fall Epstein vor und verwies auf zahlreiche Verbindungen, die dieser nach Frankreich hatte. Epstein war regelmäßig nach Paris gereist und hatte enge Beziehungen zu mehreren Modelagenten.
Nach der Veröffentlichung von Millionen Dokumenten im Zusammenhang mit Epstein hatte die Pariser Staatsanwaltschaft Anfang 2026 angekündigt, Ermittlungsrichter einzusetzen, um mögliche Straftaten mit Bezug zu Franzosen zu prüfen.
Fünf Frauen erstatteten Anzeige gegen Siad
Gegen Siad hatten insgesamt fünf Frauen Anzeige wegen Vergewaltigung und Menschenhandels erstattet.
Sein Name taucht mehr als tausend Mal in den Epstein-Akten auf. Zahlreiche Dokumente stellen ihn als einen bezahlten Mädchenjäger im Auftrag Epsteins dar. In zahlreichen schriftlichen Mitteilungen pries er junge Mädchen und Frauen an, schickte Fotos von ihnen und schlug Epstein Treffen vor. Er erwähnte dabei mehrfach Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren.
2018 wies Epstein seinen Buchhalter an, Siad ein Darlehen in Höhe von 25.000 Dollar zu gewähren.
Der bis in höchste Kreise von Politik und Wirtschaft vernetzte US-Investor Epstein soll mehr als 1000 Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente weitergereicht haben.
Er war 2008 wegen Anstiftung einer Minderjährigen zur Prostitution verurteilt worden. 2019 wurde er wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch von Minderjährigen erneut festgenommen.
Wenig später wurde Epstein tot in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden. Nach offiziellen Angaben beging er Suizid. (afp/red)
In dem Prozess in Oakland geht es um die Nutzung von Meta-Apps durch Kinder. (Archivbild) - Foto: Godofredo A. Vásquez/AP/dpa
In einem Prozess um Social-Media-Sucht von Kindern hat der Facebook-Mutterkonzern Meta einer Zahlung von insgesamt knapp 16,7 Milliarden US-Dollar zugestimmt. Darauf einigte er sich mit den klagenden US-Bundesstaaten, wie aus einem entsprechenden Gerichtsdokument hervorgeht.
Die Summe teilt sich auf die überwiegende Mehrheit der US-Bundesstaaten, mehrere US-Territorien und den Hauptstadtbezirk District of Columbia auf. Durch die Einigung hätten die Parteien vereinbart, die Klage ohne weitere gerichtliche Auseinandersetzung beizulegen.
Mehrere US-Bundesstaaten hatten dem Unternehmen vorgeworfen, Kinder bewusst zu einer ausufernden Nutzung von Facebook und Instagram verleitet zu haben. Zugleich habe Meta Risiken vor Eltern und der Öffentlichkeit verborgen. Der Konzern wies damals wie auch jetzt bei der Einigung die Vorwürfe zurück.
Der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Virginia, Jay Jones, bezeichnete die Einigung als „monumentalen Sieg für den Schutz der amerikanischen Kinder“: „Jahrelang hat Meta die Öffentlichkeit absichtlich über die süchtig machenden und schädlichen Designmerkmale getäuscht, die die psychische Gesundheit junger Menschen massiv beeinträchtigt haben“, hieß es in einer Pressemitteilung.
Meta kündigte unterdessen neue Einschränkungen an, die Jugendliche schützen und Eltern eine stärkere Kontrolle ermöglichen sollen. Vorbehaltlich einer gerichtlichen Genehmigung sollen diese automatisch für Minderjährige zehn Jahre lang gelten, die Instagram und Facebook nutzen.
Unter anderem ist ein tägliches Zeitlimit von zwei Stunden vorgesehen, dass Kinder und Jugendliche nur mit Zustimmung ihrer Eltern deaktivieren können. Die Begrenzung gelte kumulativ für Facebook und Instagram.
Zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgen sollen die Apps zudem über einen Nachtmodus gesperrt werden, sodass Nutzer keine Beiträge veröffentlichen noch Inhalte sehen können. Regelmäßige Erinnerungen sollen zudem die minderjährigen Nutzer zu einem „bewussteren Umgang“ auf den Plattformen anregen.
Mit Blick auf möglicherweise falsche Schönheitsideale kündigte Meta an, Filter für „Schönheitsoperationen und extremes Make-up“ zu deaktivieren. Auch die in Kritik stehende Funktion von sogenannten Likes und Reaktionen auf Beiträge soll standardmäßig ausgeblendet werden. Jugendliche sollen weder bei ihren eigenen noch bei Beiträgen anderer Nutzer sehen können, wie stark auf Inhalte reagiert wurde.
Meta bezifferte zuvor geforderte Strafen auf bis zu 1,4 Billionen
Der Prozess vor Geschworenen im kalifornischen Oakland begann vergangene Woche Dienstag mit den Eröffnungsplädoyers. Die von Kalifornien angeführten Bundesstaaten strebten Geldstrafen sowie Auflagen zur Änderung des Geschäftsmodells an.
Meta gab vor einigen Monaten in einem Gerichtsdokument an, die von den Bundesstaaten geforderten Strafen könnten sich auf 1,4 Billionen Dollar (aktuell 1,2 Billionen Euro) belaufen und damit die Existenz des Unternehmens bedrohen.
Anwälten der Klägerseite zufolge könnte es eher um einen Betrag von etwa 200 Milliarden Dollar gehen. Meta nannte die Vorwürfe unbegründet und die finanziellen Forderungen unangemessen.
Jason Slothouber (2. v. l.), leitender Staatsanwalt aus Colorado, führt am 26. August 2026 Staatsanwälte zum Prozess gegen Meta in Oakland, Kalifornien.
Foto: Karl Mondon / AFP via Getty Images
Serie von Rückschlägen für Meta
Meta hatte zuletzt mehrere empfindliche Niederlagen vor US-Gerichten einstecken müssen. So soll der Konzern nach einer Gerichtsentscheidung im Bundesstaat New Mexico mehr als eine halbe Milliarde Dollar für Hilfen an Kinder zahlen, die durch Nutzung sozialer Medien Schaden genommen haben.
Zudem müssen in dem Bundesstaat zusätzliche Einschränkungen für Nutzer im Alter unter 18 Jahren eingeführt werden: Unter anderem sollen sie bei Facebook und Instagram maximal 90 Stunden pro Monat verbringen können. Meta will in Berufung gehen.
Im März verloren Meta und die Google-Videoplattform YouTube einen potenziell wegweisenden Prozess um das Suchtpotenzial von Online-Diensten. Geschworene in Los Angeles kamen zu dem Schluss, dass die Plattformen fahrlässig handelten und Nutzer ungenügend über Risiken informierten. Auch dieses Urteil wollen die Unternehmen kippen. (dpa/red)
Häuser stehen nach Sturzfluten im nepalesischen Distrikt Nuwakot teilweise unter Wasser. Eine gewaltige Flutwelle beschädigte am 26. August Straßen und die Strominfrastruktur. - Foto: Prabin Ranabhaat / AFP via Getty Images
Nach massiven Überschwemmungen in Nepal werden in dem Himalaya-Staat hunderte Touristen vermisst. Nach vorläufigem Stand gebe es von 384 Touristen kein Lebenszeichen, darunter 291 Ausländer, erklärte die nepalesische Tourismusbehörde am Mittwoch. Die Behörden arbeiteten daran, ihren Aufenthaltsort zu klären.
Videoaufnahmen zeigten Wassermassen, die Häuser mit sich rissen, und in Schlamm versunkene Gebäude. Unter den vermissten Touristen seien 291 Menschen aus den USA, Indien, Malaysia und Großbritannien.
Rettungskräfte tragen am 26. August 2026 in Devghat im nepalesischen Distrikt Nuwakot eine von den Sturzfluten betroffene Person. Die schweren Überschwemmungen forderten in Nepal acht Todesopfer.
Foto: Prakash Mathema / AFP via Getty Images
19 Leichen geborgen
Nach Angaben von Polizeisprecher Abi Narayan Kafle wurden zunächst 19 Leichen geborgen. Auch zahlreiche Polizisten seien nicht erreichbar. Die Such- und Rettungsarbeiten liefen auf Hochtouren.
Der Lehrer Suman Chalise aus dem nepalesischen Bezirk Nuwakot berichtete von der Zerstörung: „Ich habe gesehen, wie die Fluten acht oder neun Lastwagen mit sich rissen, außerdem Häuser und Menschen.“ Es sei „absolut entsetzlich“ gewesen. „So eine Zerstörung habe ich noch nie gesehen.“
Auch der 56-jährige Raju Bhadel berichtete von schweren Schäden. Er habe am Morgen einen Anruf von seinem Schwager erhalten. Dessen gesamtes Haus sei weggespült worden. Drei Familienmitglieder konnten gerettet werden, sein Bruder werde jedoch noch vermisst.
Häuser sind nach Sturzfluten im nepalesischen Distrikt Nuwakot von Schlamm überflutet. Die schweren Überschwemmungen forderten am 26. August in Nepal Todesopfer.
Foto: Prakash Mathema / AFP via Getty Images
Armee schickt Hubschrauber
Die nepalesische Armee entsandte Hubschrauber und Rettungstrupps in die Katastrophenregion. Mehrere Fernstraßen waren blockiert. Zudem wurden Wasserkraft- und Solaranlagen beschädigt.
Erdrutsch im Grenzgebiet zu Nepal
Chinesische Staatsmedien berichteten zudem über einen Erdrutsch im Grenzgebiet zu Nepal mit vielen Opfern.
Das chinesische Staatsfernsehen meldete einen Erdrutsch in Tibet am Grenzübergang Gyirong. Zur Zahl der Toten und Verletzten äußerte sich die Regierung in Peking zunächst nicht. Der Staatssender CCTV zeigte Bilder von Wassermassen, die Äste und Trümmerteile mit sich rissen.
Chinas Staatschef Xi Jinping ordnete wegen des Ausmaßes der Katastrophe an, alle verfügbaren Kräfte und Mittel für den Rettungseinsatz einzusetzen. Die „dringlichste Aufgabe“ sei es nun, „alles Erdenklich zu tun, um die Vermissten zu suchen und zu retten, die Verletzten schnell zu behandeln und die Opferzahl so gering wie möglich zu halten“. (afp/red)
Der US-amerikanische Chef des Geheimdienstes CIA, John Ratcliffe, ist für Gespräche nach Moskau gereist. (Archivbild) - Foto: Alex Brandon/AP/dpa
In Kürze:
CIA-Chef John Ratcliffe ist am Dienstag unangekündigt zu Gesprächen nach Moskau gereist.
Über seine Gesprächspartner und die Tagesordnung gibt es bislang keine offiziellen Angaben.
Als mögliche Themen gelten unter anderem der Ukrainekrieg und die Vermeidung einer weiteren Eskalation.
Auch Fragen zu inhaftierten US-Bürgern sowie der Konflikt zwischen den USA, Israel und Iran werden als mögliche Gesprächsthemen genannt.
Am Dienstag, 25. August, ist der Chef des US-amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA, John Ratcliffe, zu nicht angekündigten Gesprächen in Moskau eingetroffen. Zuerst hat der US-Sender CBS darüber berichtet. Aktuell gibt es keine Bestätigung aus Moskau oder Washington über den Besuch oder dessen Tagesordnung.
Es ist auch nicht bekannt, mit wem Ratcliffe zusammentreffen wird. Direkte Gespräche zwischen hochrangigen Vertretern der Regierungen oder Geheimdienste der USA und Russlands sind selten. Ein persönlicher Besuch des CIA-Chefs in Moskau gibt deshalb Anlass zu Spekulationen.
CIA verhandelte mit Russland zuletzt Austausch von Gefangenen
Zuletzt hatten die CIA und ihr Direktor John Ratcliffe in Gesprächen mit russischen Amtsträgern die Freilassung in Russland inhaftierter US-Staatsbürger ausgehandelt. Im April 2025 kam es beispielsweise zur Freilassung der russisch-amerikanischen Balletttänzerin Ksenia Karelina. Diese war mehr als ein Jahr lang in Russland in Haft, weil man ihr Unterstützung der Ukraine vorwarf.
Auch 2024 hatte es einen russisch-amerikanischen Gefangenenaustausch gegeben. Damals ließ Russland den US-Journalisten Evan Gershkovich und den früheren Elitesoldaten Paul Whelan sowie weitere Gefangene frei und in die USA ausreisen. Washington veranlasste im Gegenzug die Freilassung und Ausreise russischer Staatsangehöriger. In beiden Fällen ging es unter anderem um Personen, die in Russland wegen Spionagevorwürfen oder anderer politischer Vorwürfe inhaftiert waren.
Aufzeichnungen von Flugdatentrackern bestätigten am Dienstag, dass ein großes US-Militärflugzeug von Lettland aus in Richtung Moskau gestartet war. Die Maschine war zuvor von den USA nach Riga geflogen und setzte ihren Flug von dort nach Moskau fort. Nach Angaben von Flightradar24 landete die Boeing C-17 am Dienstagmorgen auf dem Moskauer Flughafen Wnukowo.
CBS zufolge hatten die USA die Führung in Kiew auch angewiesen, während des Besuchs keine Angriffe durchzuführen. Der frühere britische Militärattaché in Moskau, John Foreman, sagte gegenüber „Radio 4 PM“ von BBC, vieles spreche dafür, dass der Besuch dem „Eskalationsmanagement“ diene.
Foreman betont: „Die Amerikaner schicken nicht kurzfristig und unangekündigt einen so hochrangigen Geschäftsträger nach Moskau, wenn es nicht um etwas Wichtiges geht.“
Es könnte deshalb sein, dass der Besuch etwas mit jüngsten Drohnenvorfällen in Deutschland zu tun hat. Diese hätten potenziell gravierende Folgen haben können. Geheimdienste gehen davon aus, dass Russland in die Vorfälle involviert sein könnte. Belastbare Erkenntnisse darüber gibt es jedoch bislang nicht.
Mögliche andere Gesprächsthemen könnten allerdings auch erneut in Russland inhaftierte US-Staatsbürger oder die Situation im Nahen Osten sein. Seit Amtsantritt der Regierung Trump bemüht sich die US-Regierung auch um eine Beendigung des Ukrainekrieges. Die Eskalation im Nahen Osten hat den Fokus der US-Außenpolitik jedoch verschoben. Gleichzeitig gibt es in zentralen Fragen weiterhin keine Annäherung zwischen den Kriegsparteien.
Gelöscht ist der verheerende Brand im Hohen Venn noch nicht. (Archivbild) - Foto: Valentin Bianchi/AP/dpa
Die Staatsanwaltschaft in Belgien ermittelt nach dem verheerenden Brandausbruch im Naturschutzgebiet Hohes Venn wegen fahrlässiger Brandstiftung. Nach ersten Erkenntnissen könnte der Einsatz eines landwirtschaftlichen Geräts das Feuer verursacht haben, wie aus einer Mitteilung der Anklagebehörde von Dienstag hervorgeht.
Diese Hypothese werde derzeit eingehend geprüft, hieß es. Die Staatsanwaltschaft beauftragte demnach zwei Sachverständige – für Brand- und für Fahrzeugtechnik – mit Untersuchungen. Eine endgültige Ursache stehe aber bisher nicht fest. Die Ermittler gingen mehreren Hypothesen nach. Laut Mitteilung wird es mehrere Monate dauern, bevor die finalen Gutachten vorliegen.
Die Löscharbeiten im Hohen Venn dauern indes an. Während das Feuer im westlichen Teil des Brandgebiets als gebändigt gilt, kämpfen Feuerwehrleute im nördlichen und östlichen Teil des Gebietes noch immer mit Glutnestern.
Der Brand gilt als einer der größten in der Geschichte Belgiens. In den vergangenen knapp zwei Wochen zerstörte das Feuer etwa 3.000 Hektar Land und tobte zwischenzeitlich nur wenige hundert Meter von der deutschen Grenze entfernt. (dpa/red)
Die 10-jährige Bianca Navarro schaut sich am 10. Dezember 2025 in ihrem Zuhause im Westen Sydneys eine Social-Media-Seite an. - Foto: Saeed Khan/AFP via Getty Images
Nach der Einführung des Onlinedienste-Verbots für Kinder und Jugendliche in Australien haben junge Menschen in dem Land Angebote wie Instagram und Tiktok zuletzt offenbar wieder verstärkt genutzt.
Bei einigen Anwendungen nähern sich die Nutzungsraten dem Niveau vor dem Verbot im Dezember, wie am Mittwoch veröffentlichte Daten von Qustodio, einer Kontroll-App für Eltern, zeigten.
Jeder vierte 13- bis 15-Jährige ist weiter bei TikTok
Gut jeder Vierte der 13- bis 15-Jährigen nutzt den Angaben zufolge weiter die Videoplattform TikTok. Das ist nur gut ein Prozentpunkt weniger als vor Inkrafttreten des Verbots.
Bei den Zehn- bis Zwölfjährigen lag die Nutzungsrate nur 0,06 Prozentpunkte unter dem Niveau vor dem Verbot. Auch Instagram und Snapchat nutzten Kinder und Jugendliche zuletzt wieder vermehrt.
Nach dem Inkrafttreten des Verbots im Dezember waren die Nutzungszahlen zunächst zurückgegangen. Australien war mit seinem Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige weltweiter Vorreiter gewesen.
Seitdem erließen mehrere weitere Länder ähnliche Vorschriften, auch in Deutschland wird über eine solche Regelung diskutiert.
Verbot hat kaum Auswirkungen auf Nutzungsverhalten
Die Nutzungszahlen stiegen womöglich, „weil die Beschränkungen nicht funktionieren“, führte Yasmin London von Qustodio aus. Die Kinder und Jugendlichen könnten die Alterssperre umgehen, indem sie VPN-Dienste nutzten oder ihr Alter falsch angäben.
Laut Qustodio wurden die Daten durch die anonymisierte Analyse der monatlichen Nutzung von Apps durch Kinder und Jugendliche in Australien erhoben. Sie zeigen den Prozentsatz derjenigen, die eine App in einem Monat mindestens einmal länger als fünf Minuten nutzten. Mit der App können Eltern die Nutzung von Angeboten durch ihre Kinder steuern.
Bereits im Juni war eine im Fachmagazin „British Medical Journal“ veröffentlichte Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass das Verbot kaum Auswirkungen auf das Nutzungsverhalten australischer Teenager hatte.
Minderjährige umgehen demnach die per Gesetz erlassenen Beschränkungen, indem sie beispielsweise Fake-Accounts erstellen oder Konten nutzen, die auf ältere Personen registriert sind.
Bei Verstößen gegen die Regelungen drohen Konzernen in Australien Geldstrafen von bis zu 99 Millionen australische Dollar (59,9 Millionen Euro). Die Aufsichtsbehörde kann die Unternehmen zu Nachweisen darüber verpflichten, welche Maßnahmen sie ergreifen, um zu verhindern, dass Unter-16-Jährige ein Nutzerkonto eröffnen.
Zur Überprüfung der Angaben kann sie zudem Informationen und Unterlagen anfordern – von den Betreibern selbst, auch von Dritten wie den Anbietern für die Altersüberprüfung oder den App-Store-Betreibern. (afp/red)
Bundeskanzler Friedrich Merz am 25. August 2026 im Schloss Neuhardenberg. - Foto: Sean Gallup/Getty Images
In den Verhandlungen um den nächsten EU-Haushalt sucht Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach Verbündeten. Am Donnerstag hat Merz deswegen gleichgesinnte Staats- und Regierungschefs der EU ins Kanzleramt nach Berlin zum Mittagessen eingeladen.
Das Ziel: Eine gemeinsame Linie auf dem Weg zu einem „bezahlbaren und modernisierten“ EU-Haushalt finden, bevor die Gespräche in diesem Herbst in die heiße Phase eintreten.
Bis Jahresende soll eine Einigung der Mitgliedstaaten über den mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) für die Jahre von 2028 bis 2034 stehen. Diesen ehrgeizigen Zeitplan hat nicht nur EU-Ratspräsident António Costa vorgegeben, er wird auch von Ländern wie Deutschland unterstützt.
Zum einen geht es dabei darum, das Budget rechtzeitig auf den Weg zu bringen, damit der Prozess pünktlich bis 2028 abgeschlossen ist. Zum anderen stehen 2027 wichtige Wahlen in mehreren EU-Ländern an, beispielsweise in Frankreich, Polen und Spanien. Die Befürchtung ist, dass Wechsel bei den Entscheidungsträgern den Prozess verzögern könnten.
Deutschland fordert als größter EU-Nettozahler Änderungen
Die Bundesregierung hat sich in der EU-Haushaltsdebatte klar positioniert: Der Kanzler forderte Ende Juli Kürzungen der bisherigen Vorschläge um mehrere hundert Milliarden Euro „in allen Bereichen“. Die EU-Kommission hatte vergangenen Sommer einen Finanzrahmen von knapp zwei Billionen Euro für die Jahre 2028 bis 2034 vorgeschlagen.
Später stellte Zypern während seiner EU-Ratspräsidentschaft einen angepassten Vorschlag vor, der zwar leicht unter dem Kommissionsvorschlag, aber immer noch deutlich über dem aktuellen Haushalt lag. Merz nannte den Entwurf „unbezahlbar und unausgewogen“.
Deutschland ist der größte Nettozahler der EU. Am Donnerstag werden Vertreter der Niederlande, Österreichs, Finnlands und Dänemarks in Berlin erwartet, ebenfalls alles Nettozahler – also Länder, die mehr in das EU-Budget einzahlen, als sie daraus erhalten. Die finale Teilnehmerliste wollte die Bundesregierung zunächst nicht bestätigen.
Die fünf Länder gehören zu denjenigen, die in Brüssel als „the frugals“ (die Sparsamen) bezeichnet werden.
Sie setzen sich für einen EU-Haushalt ein, der nicht zu sehr über dem Volumen des aktuellen MFR liegt und außerdem in seiner Struktur modernisiert wird. Das heißt: Mehr Geld für Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit und weniger für Agrarsubventionen und Regionalförderung.
Ihnen gegenüber stehen die EU-Länder, die ein größeres Budget und ein Festhalten an der bisherigen Struktur fordern.
Die Vertreter von mehr als 15 EU-Ländern, die sich selbst „Freunde der Kohäsion“ – also der Angleichung der Lebensstandards in den Mitgliedstaaten – nennen, haben bereits wiederholt Koordinierungstreffen abgehalten. Prominente Mitglieder sind Italien, Spanien und Polen.
Die Gespräche in Berlin dienen der Abstimmung vor der nächsten Verhandlungsrunde beim EU-Gipfel im Oktober. Der französische Präsident Emmanuel Macron wird nicht an dem Treffen teilnehmen.
Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte am Montag, es gebe in Bezug auf die Haushaltsverhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland einen „hohen Konsens über das Ziel und auch über den Zeitpunkt des Abschlusses“. Frankreich steht als Nettozahler und gleichzeitig Bezieher erheblicher Agrarsubventionen traditionell zwischen den Lagern.
Neben der Höhe des Budgets und der Haushaltsstruktur geht es bei den Verhandlungen auch um die Rückzahlung der Corona-Kredite und die Erhöhung der Eigenmittel der EU.
EU-Ratspräsident Costa begann am Montag seine jährliche Reise durch die Hauptstädte der EU-Staaten. In Bratislava warb er für eine „komplett andere Architektur“ des MFR und mahnte, die Beiträge der Mitgliedstaaten müssten „in einem vernünftigen Rahmen“ gehalten werden.
Irland, das im Juli die rotierende Ratspräsidentschaft der EU übernommen hat, soll bis zum EU-Gipfel im Oktober einen neuen Vorschlag für den EU-Haushalt vorlegen. Spätestens beim Gipfel im Dezember soll es dann eine Einigung geben. Costa zeigte sich in Bratislava „zuversichtlich“, dass dies gelingen werde.(afp/red)
Parton gehörte zur Generation der Stars, die bis ins Alter unermüdlich auf der Bühne standen. - Foto: Carlos Osorio/AP/dpa
Über sich selbst sang Dolly Parton einst selbstironisch, sie sei „nur eine Hinterwäldler-Barbie mit zu viel Make-up und zu viel Haar“.
Doch Parton war weit mehr: In mehr als sechs Jahrzehnten im Musikgeschäft prägte sie entscheidend die Countrymusik, spielte in zahlreichen Filmen und Serien mit, war als Geschäftsfrau aktiv und engagierte sich für wohltätige Zwecke. Nun ist die „Königin der Countrymusik“ nach Angaben ihrer Familie im Alter von 80 Jahren gestorben.
US-Präsident Donald Trump würdigte sie als große Musikerin und Vorbild für Millionen von Menschen. Sie sei „eine der größten Countrysängerinnen aller Zeiten“ gewesen, schriebt Trump auf Truth Social. Zu ihren Ehren lasse er die US-Flagge ab Dienstagabend (Ortszeit Washington) überall in den Vereinigten Staaten für eine Woche auf halbmast setzen.
Partons Tod sei ein „Verlust für Millionen von Menschen“, schrieb Trump weiter. Er schloss seine Onlinebotschaft mit den Worten: „Ruhe in Frieden, Dolly! Die Welt liebt dich.“
Über 100 Millionen verkaufte Platten
Während ihrer über 60-jährigen Karriere mit knapp 50 Studioalben und mehr als 100 Millionen verkauften Platten stand Parton häufiger an der Spitze der Charts als jede andere Countrymusikerin.
Sie schrieb rund 3000 Songs, darunter zeitlose Country-Klassiker wie „Jolene“ und die Ballade „I Will Always Love You“, die in der Version von Whitney Houston zu einem der erfolgreichsten Hits aller Zeiten wurde.
Der Erfolg war ihr jedoch keineswegs in die Wiege gelegt: Dolly Rebecca Parton wurde am 19. Januar 1946 im ländlichen Sevierville im US-Bundesstaat Tennessee geboren und wuchs als viertes von zwölf Kindern in Armut auf. Bereits im Alter von zehn Jahren schrieb sie erste Songs und gab mit 13 Jahren ihr erstes Konzert.
„Wir waren arm wie Dreck“, erzählte sie immer wieder. Eine Hommage an ihre Kindheit kam mit dem Song „Coat of Many Colors“, in dem sie sich an einen von ihrer Mutter aus vielen Stoffresten genähten Mantel erinnerte. Der Hit wurde dann auch 2015 als Dolly-Biografie verfilmt.
Eine Empfehlung von Johnny Cash
Am Tag nach ihrem Highschool-Abschluss machte sich Parton auf den Weg nach Nashville, der Hauptstadt der Country-Musik. Dort machte sie rasch Karriere und gehörte dank ihrer Teilnahme an einer Fernsehshow mit 21 Jahren bereits zu den bekanntesten Persönlichkeiten der US-Musikszene.
Ein Herr mit Gitarre empfahl ihr, einfach ihrem Herzen zu folgen und Musik zu machen. Es war Johnny Cash. Also sang sie, am liebsten von ihrem Zuhause. Von der „Guten alten Zeit, als es uns schlecht ging“.
Die Welt trauert um die Country-Ikone Dolly Parton. (Archivbild)
Foto: Will Oliver/epa/dpa
Zu Partons Bühnenpersönlichkeit gehörten ihre platinblonden aufgebauschten Haare, starkes Make-up und ihre Sanduhrfigur. „Ich liebe Make-up, ich liebe Kleidung, und ich habe die nötige Persönlichkeit, um das durchzuziehen“, sagte sie in einem Interview. Offen bekannte Parton sich zu ihren Schönheitsoperationen und sagte selbstironisch, es koste „ein Vermögen, so billig auszusehen“.
10 Grammys, Country Music Hall of Fame und die Rock ’n Roll Hall of Fame
Einst wurde Parton im Fernsehen noch abschätzig als „eine der hübschesten, singfreudigsten kleinen Blondinen der Countrymusik“ vorgestellt. Sie selbst spielte mit dem Bild des dummen Blondchens, doch im Lauf ihrer über 60 Jahre umfassenden Karriere trotzte sie der von Männern dominierten Branche, indem sie ihren eigenen Regeln folgte. So behielt sie etwa alle Rechte für die von ihr geschriebenen Songs selbst.
Parton landete mit 26 Songs an der Spitze der Country-Hitparade und wurde mit zehn Grammys und zehn Preisen der Country-Akademie ausgezeichnet, zwei ihrer Songs erhielten Oscar-Nominierungen. Bereits 1999 wurde Parton in die Country Music Hall of Fame aufgenommen, 2022 dann auch in die Rock ’n Roll Hall of Fame. Das renommierte Kulturzentrum Kennedy Center in Washington ehrte sie 2006 für ihr Lebenswerk.
Mit eigenem Freizeitpark, Radiosender und Restaurants
Auch als Unternehmerin war Parton erfolgreich: Ihr eigener Freizeitpark namens Dollywood lockt jährlich Millionen von Besuchern nach Pigeon Forge in Tennessee. Zudem gründete sie einen Radiosender, Produktionsfirmen und Restaurants und schrieb gemeinsam mit dem Autor James Patterson den Bestseller „Run, Rose, Run“.
Parton, seit Jahrzehnten von Menschen unterschiedlichster Herkunft verehrt, machte auch als langjährige Philanthropin Schlagzeilen. Die Entwicklung des Corona-Impfstoffs der Firma Moderna unterstützte sie mit einer Spende über eine Million Dollar (rund 830.000 Euro), ein von ihr betriebenes Leseförderprogramm verteilte weltweit rund 100 Millionen Bücher an bedürftige Kinder. Auch als lautstarke Unterstützerin der LGBTQ-Gemeinschaft war Parton bekannt.
„Warum soll ich aussehen wie ein alter Hofhund, wenn ich nicht muss?“, hatte Parton einmal gesagt.
Foto: John Russell/AP/dpa
Parton hatte keine Kinder – in einem Interview sagte sie einmal, stattdessen müssten ihre Songs im Alter für sie sorgen. Ihr Ehemann Carl Dean hielt sich stets im Hintergrund abseits des Rampenlichts, bevor er 2025 nach mehr als 58 Jahren Ehe starb.
Der Verlust traf die Musikerin tief, so tief, dass sie monatelang keine Texte mehr schreiben konnte, wie sie öffentlich gestand. „Vielleicht später“, verriet sie in einem NBC-Interview. Dennoch veröffentlichte sie nur wenige Tage nach seinem Tod den Song „If you hadn’t been there“, um an ihren Mann zu erinnern. Darin fragt sie sich, wer und wo sie ohne ihn wäre. „I thank God and you, Oh, for your loving care.“
Zuletzt hatte Parton Zeit gesundheitliche Probleme. Im Herbst stürzte ihre Schwester die Fans in Sorge, als sie sie aufforderte, für die Country-Legende zu beten. „Ich bin noch nicht tot“, verkündete Dolly Parton daraufhin in einem Online-Video.
Dolly Partons Neffe Bryan Seaver würdigte seine Tante in einem Video auf Instagram als große Musikerin und Vorbild für Generationen von Menschen. Sie habe nicht nur für zahlreiche Musikerinnen und Musiker, sondern für „Träumerinnen und Träumer aus allen Lebensbereichen Türen geöffnet“, sagte er. (afp/dpa/red)
JetBlue-Flugzeuge am Terminal B des Flughafens LaGuardia Airport (LGA) in New York, USA. - Foto: Boarding1Now/iStock
Die USA wollen tausenden Ausländern ihre Visa entziehen. Das Außenministerium erklärte in Washington, die Regierung von Präsident Donald Trump wolle damit gegen „Betrug“ vorgehen.
Betroffen sind Menschen, die mit einem Touristen- oder Geschäftsvisum in die USA eingereist sind und dann vor Ort Asyl beantragt haben. Medien berichteten über bis zu 200.000 Fälle.
Die Visa mit den Bezeichnungen B1 und B2 seien „für Personen bestimmt, die in ihre Heimat zurückkehren wollen“, erklärte der Sprecher von US-Außenminister Marco Rubio, Tommy Pigott.
„Ein Visum zu beantragen, um dann einen Asylantrag zu stellen, ist Betrug – und stellt einen Grund für den Entzug des Visums dar.“
Zur Zahl der womöglich Betroffenen äußerte sich der Sprecher nicht. Der Prozess sei „fortlaufend“, und die Zahl der Betroffenen werde sich „dynamisch“ erhöhen, hieß es lediglich. Visa seien ein Privileg und kein Recht.
B1 und B2-Visa müssen über Botschaften und Konsulate beantragt werden
Deutsche Staatsbürger benötigen für bis zu 90-tägige Aufenthalte in den USA kein Visum. Für sie reicht eine elektronische Einreisegenehmigung (Esta), die vor Reiseantritt über die offizielle Webseite oder App der US-Regierung beantragt werden muss.
Wer länger als 90 Tage bleiben will, braucht ein B1-Visum für Geschäftsreisen oder ein B2-Visum für Tourismus. Diese Visa sind kostenpflichtig und müssen über die US-Konsulate oder die zuständige Botschaft beantragt werden. (afp/red)
Freiwillige des Roten Kreuzes verteilen am 22. August 2026 am Strand von Trampolin in Ceuta Lebensmittel an Migranten, die weiterhin auf der Straße leben. Rund 72.000 Migranten hatten am 30. und 31. Juli die Grenze zum nordafrikanischen Gebiet überschritten; 70.000 von ihnen sind laut der spanischen Regierung inzwischen nach Marokko zurückgekehrt. - Foto: Antonio Sempere/AFP via Getty Images
Die spanische Regierung will die Rückführung Tausender Migranten beschleunigen, die sich nach der massenhaften Ankunft aus Marokko Ende Juli noch in der Exklave Ceuta befinden.
Das Kabinett beschloss dazu heute die Einrichtung einer zentralen Koordinierungsstelle unter Leitung von Territorialminister Ángel Víctor Torres, wie Regierungssprecherin Elma Saiz mitteilte.
Die Stelle soll demnach dafür sorgen, dass die staatlichen Behörden und die Verwaltung Ceutas bei der Bewältigung der Krise enger zusammenarbeiten.
Die verbliebenen Migranten müssen zunächst identifiziert und daraufhin überprüft werden, ob sie Anspruch auf Asyl oder anderweitigen internationalen Schutz haben. Andernfalls können Rückführungsverfahren eingeleitet werden.
Priorität habe die „Rückkehr und Rückführung der größtmöglichen Zahl von Menschen, Erwachsenen und Minderjährigen“, sagte Minister Torres. Dabei müssten jedoch die Rechtsordnung und die Menschenrechte eingehalten werden. Unbegleitete Minderjährige unterliegen besonderen Schutzvorschriften.
Spanien hat zugleich bei der EU-Kommission Nothilfemittel beantragt. Ein Sprecher der Kommission sagte am Dienstag, der formelle Antrag sei am Vortag eingegangen und werde mit Vorrang geprüft, um rasch eine Entscheidung treffen zu können.
Madrid beantrage insbesondere Unterstützung für einen verstärkten Grenzschutz und Sicherheitsinfrastruktur sowie für zusätzliche Aufnahmekapazitäten, darunter für unbegleitete Minderjährige.
Die EU-Kommission begrüßte die stärkere Koordinierung der spanischen Behörden. Vorrang habe die schnelle Rückführung aller Menschen, die sich illegal in Ceuta aufhielten. Brüssel stehe zudem bereit, Spanien weitere Unterstützung auch durch EU-Agenturen zu gewähren.
Über 70.000 Migranten kamen
Am 30. und 31. Juli waren mehr als 70.000 Migranten aus Marokko nach Ceuta gelangt. Die meisten kehrten anschließend zurück. Nach Schätzung der spanischen Regierung befinden sich noch fünf bis zehn Prozent von ihnen in der Exklave, also etwa 3.500 bis 7.000 Menschen.
Die Regierung hatte bereits vergangene Woche Aufnahmezentren mit insgesamt 1.800 Plätzen angekündigt. Weitere Plätze sollen geschaffen werden. Ceuta und Melilla sind die einzigen Gebiete des EU-Territoriums, die eine Landgrenze zu Afrika haben.
Einige Oppositionsparteien in Spanien verlangen die Rückführung aller Eingereisten, auch Minderjähriger. Marokko hätte demnach zugesagt, alle zurückzunehmen. (afp/red)
Die Trümmer eines zerstörten Hauses nach dem Tornado in Pomas im Südwesten Frankreichs am 25. August 2026. Nach Angaben der Präfektur gab es 39 Verletzte, von denen sich zwei in kritischem Zustand befanden, und 300 betroffene Häuser. - Foto: Idriss Bigou-Gilles/AFP via Getty Images
Ein Tornado hat im Südwesten Frankreichs ein Dorf weitgehend verwüstet. Bei dem Unwetter wurden in Pomas 39 Menschen verletzt, zwei von ihnen lebensgefährlich, wie die Behörden am Dienstag mitteilten.
Etwa 300 der knapp 480 Häuser wurden bei dem Wirbelsturm am Vortag beschädigt: Der Sturm deckte Dächer ab und ließ Gemäuer einstürzen. 39 Menschen wurden verletzt, 17 kamen ins Krankenhaus, zwei erlitten schwere Blessuren.
„Es war wie ein Luftangriff der Natur“, sagte der Bürgermeister Hervé Giné. Um 17:00 Uhr hätten die Kinder im Dorf noch das anstehende Dorffest vorbereitet, eine Stunde später sei das Dorf verwüstet gewesen, „wie im Krieg“, sagte der Bürgermeister. Auf einigen Grundstücken sei kein Stein auf dem anderen geblieben. Es sei ein Wunder, dass es keine Toten gegeben habe.
Diese Videoaufnahme aus Villefloure zeigt einen Tornado, der am 24. August 2026 das Dorf Pomas im Südwesten Frankreichs heimsuchte.
Foto: Cyrille Kaldor /UGC/AFP/AFP v ia Getty Images
An der Dorfschule blieben die Zeiger der Wanduhr auf kurz nach fünf Uhr stehen, dem Zeitpunkt der Ankunft des Tornados am Montagnachmittag. In den Gassen des Ortes lagen am Tag danach zahlreiche Trümmer verstreut. Es waren Dachziegel, entwurzelte Bäume, zerstörte Autos zu sehen. Die Häuser, die ihr Dach verloren hatten, waren bereits mit Plastikplanen abgedeckt.
Feuerwehrleute waren im Einsatz, um einsturzgefährdete Häuser zu sichern. Die Polizei sperrte die Zugangsstraßen zu dem Dorf, in dem etwa 1.000 Menschen leben. Der Ort steht unter Schock. „Man könnte meinen, wir wurden bombardiert“, sagt Anwohner Bruno im Sender BFMTV.„Alles muss neu gemacht werden, alles ist kaputt.“
„Es war Chaos“
Marie-Hélène Bouissac von der Präfektur Aude spricht von „einem außergewöhnlichen und für alle Anwohner sehr traumatisierenden Ereignis“. Am späten Montagnachmittag hatte der Tornado die Gemeinde getroffen. „Das ist so schnell gekommen, wir konnten nichts tun“, erzählt Anwohnerin Amandine dem Sender BFMTV.
Sie habe Gegenstände herumfliegen sehen und sich in Sicherheit gebracht. Der heftigste Teil des Unwetters habe nur wenige Minuten gedauert. „Ich bin wieder raus gegangen. Es war Chaos“, sagt die Frau unter Tränen.
Beschädigte Hausdächer in Pomas nach dem Tornado vom 24. August 2026. In dem Ort im Département Aude wurden mehrere Dächer abgedeckt.
Foto: Idriss Bigou-Gilles / AFP via Getty Images
„Es gibt keine Ziegel mehr, keine Dächer. Die Häuser, die ein Obergeschoss hatten, haben es verloren“, schildert Anwohner Fabien dem Sender „France Info“. „Ich weiß nicht, wie ich es Ihnen beschreiben soll, so schwer ist es, das zu glauben.“
Ein weiterer Bewohner, dessen Haus schwer beschädigt wurde, sagt der Zeitung „Le Parisien“, es gehe auch nicht nur um die materiellen Schäden. Ein anderer Mann brüllt dem Blatt zufolge unter Tränen: „20 Jahre lang habe ich mir den Rücken krumm gemacht und ich habe kein Dach mehr. Ich habe kein Dach mehr.“
Ein zerstörtes Auto in Pomas nach dem Tornado vom 24. August 2026. Nach Angaben der Präfektur wurden 39 Menschen verletzt und rund 300 Häuser beschädigt.
Foto: Idriss Bigou-Gilles / AFP via Getty Images
7.200 Haushalte ohne Strom
„Es bricht mir das Herz, das zu sehen. Ich habe meine ganze Kindheit hier verbracht“, sagt Djibril Yazid, ein junger Mann aus dem Ort. Eine schwangere Frau war verletzt worden, als ihr Haus über ihr zusammenbrach, wie ihr Ehemann berichtete. Sie habe überlebt, weil sie durch ein Sofa geschützt gewesen sei. Ein junges Paar, das kurz vor der Hochzeit stand, suchte in den Trümmern seines Hauses nach den Eheringen.
Zahlreiche Bewohner des Dorfes, etwa 100 Kilometer südöstlich von Toulouse, hatten Schutz in Notunterkünften oder in benachbarten Gemeinden gesucht. In der südwestfranzösischen Region Languedoc-Roussillon waren am Montagvormittag 7.200 Haushalte ohne Strom.
Ein Tornado von seltener Intensität verwüstete am 25. August 2026 ein Dorf in Südfrankreich, verursachte weitreichende Zerstörungen und versetzte die Bewohner in Schock. Der Bürgermeister beschrieb die Folgen als „wie im Krieg“.
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Einsatzkräfte untersuchen Häuser
Wie stark die Schäden in Pomas insgesamt sind, ist bisher nicht klar. Einsatzkräfte sind vor Ort und nehmen die Häuser in Augenschein. Auch die Gebäude, die auf den ersten Blick nicht betroffen scheinen, untersuchen sie.
Bis man Gewissheit habe, habe man die Bewohner gebeten, ihre Häuser zu verlassen, sagt Bouissac. 1.400 Häuser in der Gegend sind nach dem Unwetter noch immer vom Strom abgeschnitten.
Wegen eines Hagelsturms war am Montag die dritte Etappe des Radrennens Vuelta a España abgebrochen worden, die durch das südostfranzösische Département Aude führte. Unwetter in ganz Südfrankreich führten zu Zugverspätungen, Straßensperrungen und Flugausfällen an mehreren Flughäfen. (dpa/afp/red)
ICE-Beamte patrouillieren am 24. März 2026 am internationalen Flughafen Dulles in Virginia. - Foto: Heather Diehl/Getty Images
In Kürze:
ICE nahm vom 1. bis 14. August insgesamt 1.328 Personen fest.
Fast 400 waren laut DHS wegen Straftaten angeklagt oder verurteilt.
Unter den Festgenommenen sollen sich mutmaßliche Mitglieder von MS-13, 18th Street Gang und Tren de Aragua befinden.
Die US-Einwanderungsbehörde Immigration and Customs Enforcement (ICE) hat während eines zweiwöchigen Einsatzes in Virginia und Maryland mehr als 1.300 illegale Einwanderer festgenommen. Das teilte das Department of Homeland Security (DHS, US-Heimatschutzministerium) am Montag, dem 24. August, mit.
Die Festnahmen erfolgten im Rahmen der „Operation Safe Community – Washington, D.C.“, die vom 1. bis zum 14. August lief. Ziel des Einsatzes waren illegale Einwanderer mit Vorstrafen, darunter Verurteilungen wegen sexueller Körperverletzung, Entführung, Fahrens unter Alkoholeinfluss, Fahrerflucht, Identitätsdiebstahls, Raubes, Mordes, versuchten Mordes und Vergewaltigung.
Bundesbeamte nahmen während des Einsatzes 1.328 illegale Einwanderer fest. Fast 400 von ihnen waren in den Vereinigten Staaten wegen Straftaten angeklagt oder verurteilt worden. Laut DHS-Erklärung befanden sich unter den Festgenommenen außerdem mutmaßliche Mitglieder transnationaler krimineller Straßengangs wie MS-13, der 18th Street Gang und Tren de Aragua.
Das DHS erklärte, dass die Festnahmen trotz der in vielen Bezirken Virginias und Marylands geltenden Schutzregelungen („Sanctuary Policies“) durchgeführt wurden. Diese Regelungen begrenzen die Zusammenarbeit zwischen örtlichen Strafverfolgungsbehörden und den Bundesbehörden für Einwanderungsfragen.
„Während Politiker in Virginia und Maryland, die Schutzregelungen unterstützen, weiterhin die Bedürfnisse illegaler Einwanderer über die Sicherheit des amerikanischen Volkes stellen, wird die Trump-Regierung immer die amerikanischen Bürger an die erste Stelle setzen“, sagte DHS-Minister Markwayne Mullin in der Erklärung.
Patricia Hyde, kommissarische stellvertretende Direktorin der ICE-Abteilung für Durchsetzung und Abschiebungen, sagte, der Einsatz habe dazu gedient, die öffentliche Sicherheit in Virginia und Maryland zu verbessern, indem kriminelle illegale Einwanderer entfernt würden.
„Unsere Beamten sind die Besten der Welt darin, Menschen aufzuspüren, die nicht gefunden werden wollen. Genau das haben wir während dieses Einsatzes getan“, sagte Hyde.
„Die Entfernung dieser kriminellen ausländischen Straftäter aus den Wohngegenden Virginias und Marylands sorgt für wesentlich sicherere Gemeinschaften, und genau das versuchen die Männer und Frauen von ICE jeden Tag in unserem gesamten großartigen Land zu erreichen.“
Ein ähnlicher Einsatz wurde im vergangenen Monat in Atlanta durchgeführt und führte nach Angaben des Ministeriums zur Festnahme von mehr als 1.200 Einwanderern, denen vorgeworfen wurde, illegal im Bundesstaat Georgia zu leben.
Die Trump-Regierung hat ihre Maßnahmen zur Durchsetzung der Einwanderungsgesetze landesweit verschärft, wobei ICE eine wichtige Rolle spielt. Tom Homan, der vom Weißen Haus eingesetzte Grenzbeauftragte, sagte am 23. Juli, dass die Zahl der Festnahmen illegaler Einwanderer im vergangenen Monat den höchsten Stand in der 23-jährigen Geschichte von ICE erreicht habe.
In einem Interview mit „NewsNation“ sagte Homan: „Im Juni hatten wir die höchste Zahl an Festnahmen in der Geschichte der Behörde ICE, und die Zahlen für Juli übertreffen das sogar noch. Wir arbeiten also derzeit auf allen Zylindern“, wobei er sich auf die Inhaftierung von Menschen bezog, die illegal in den Vereinigten Staaten leben.
Im Juli veröffentlichte Daten zeigen, dass ICE im Haushaltsjahr 2026 bislang 356.389 Einwanderer abgeschoben hat. Das entspricht durchschnittlich etwa 1.255 Menschen pro Tag.
Ein Tornado, der am 24. August 2026 das Dorf Pomas im Südwesten Frankreichs trifft. Dabei wurden mehrere Dächer abgedeckt. - Foto: Cyrille Kaldor / UGC / AFP / AFP via Getty Images
Nachdem ein Tornado eine südfranzösische Gemeinde verwüstet hat, steht der Ort unter Schock. „Man könnte meinen, wir wurden bombardiert“, sagt Anwohner Bruno im Sender BFMTV.
„Alles muss neu gemacht werden, alles ist kaputt.“ 300 Häuser der Ortschaft Pomas in den Ausläufern der Pyrenäen wurden von dem Unwetter beschädigt. 39 Menschen wurden verletzt, 17 kamen ins Krankenhaus, 2 erlitten schwere Blessuren.
„Es war Chaos“
Marie-Hélène Bouissac von der Präfektur Aude spricht von „einem außergewöhnlichen und für alle Anwohner sehr traumatisierenden Ereignis“. Am späten Montagnachmittag hatte der Tornado die Gemeinde getroffen. „Das ist so schnell gekommen, wir konnten nichts tun“, erzählt Anwohnerin Amandine dem Sender BFMTV.
Sie habe Gegenstände herumfliegen sehen und sich in Sicherheit gebracht. Der heftigste Teil des Unwetters habe nur wenige Minuten gedauert. „Ich bin wieder raus gegangen. Es war Chaos“, sagt die Frau unter Tränen.
Beschädigte Hausdächer in Pomas nach dem Tornado vom 24. August 2026. In dem Ort im Département Aude wurden mehrere Dächer abgedeckt.
Foto: Idriss Bigou-Gilles / AFP via Getty Images
„Es gibt keine Ziegel mehr, keine Dächer. Die Häuser, die ein Obergeschoss hatten, haben es verloren“, schildert Anwohner Fabien dem Sender France Info. „Ich weiß nicht, wie ich es Ihnen beschreiben soll, so schwer ist es, das zu glauben.“
Ein weiterer Bewohner, dessen Haus schwer beschädigt wurde, sagt der Zeitung „Le Parisien“, es gehe auch nicht nur um die materiellen Schäden. Ein anderer Mann brüllt dem Blatt zufolge unter Tränen: „20 Jahre lang habe ich mir den Rücken krumm gemacht und ich habe kein Dach mehr. Ich habe kein Dach mehr.“
Ein zerstörtes Auto in Pomas nach dem Tornado vom 24. August 2026. Nach Angaben der Präfektur wurden 39 Menschen verletzt und rund 300 Häuser beschädigt.
Foto: Idriss Bigou-Gilles / AFP via Getty Images
Einsatzkräfte untersuchen Häuser
Wie stark die Schäden in Pomas insgesamt sind, ist bisher nicht klar. Einsatzkräfte sind noch immer vor Ort und nehmen die Häuser in Augenschein. Auch die Gebäude, die auf den ersten Blick nicht betroffen scheinen, untersuchen sie.
Bis man Gewissheit habe, habe man die Bewohner gebeten, ihre Häuser zu verlassen, sagt Bouissac. 1.400 Häuser in der Gegend sind nach dem Unwetter noch immer vom Strom abgeschnitten. Auch im Flugverkehr, auf der Straße und bei Zügen kam es wegen des Unwetters am Vortag zu Einschränkungen. (dpa/red)
Ein Wahlhelfer bearbeitet Briefwahlunterlagen im Wahlverarbeitungszentrum von Los Angeles County während der Vorwahl im US-Bundesstaat Kalifornien in der Stadt Industry, Kalifornien, am 2. Juni 2026. - Foto: Patrick T. Fallon/AFP via Getty Images
In Kürze
Supreme Court gibt Trump vorerst grünes Licht für strengere Briefwahlregeln
Wahlunterlagen sollen stärker an überprüfte Listen Wahlberechtigter gebunden werden
Endgültige Entscheidung über Trumps Dekret steht noch aus
Gut zwei Monate vor den Zwischenwahlen zum Kongress hat der Supreme Court vorerst grünes Licht für die Pläne von US-Präsident Donald Trump für eine stärkere Kontrolle der Briefwahl gegeben. Der Oberste Gerichtshof hob am Montag, dem 24. August, die Entscheidung eines Bezirksgerichts auf, das die Umsetzung eines entsprechenden Dekrets des Präsidenten blockiert hatte.
Der Supreme Court traf jedoch noch keine endgültige Entscheidung in der Sache. Die Billigung des Dekrets bedeute nicht, „dass jede Maßnahme, die die Regierung zur Umsetzung der Verordnung ergreift, zwangsläufig rechtmäßig ist“, erklärte das Gericht. Konkrete Maßnahmen der Regierung können daher weiterhin vor Gericht angefochten werden.
Die Entscheidung wurde von den sechs konservativen Richtern getragen. Die drei liberalen Richterinnen Sonia Sotomayor, Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson schlossen sich der Entscheidung nicht an.
Trump hatte das Dekret Ende März unterzeichnet. Es sieht unter anderem vor, die Briefwahl bei Bundeswahlen stärker zu kontrollieren und die Ausgabe von Briefwahlunterlagen an überprüfte Listen wahlberechtigter US-Staatsbürger zu binden. Bundesbehörden sollen dafür Listen von US-Staatsbürgern im wahlberechtigten Alter für die einzelnen Bundesstaaten erstellen.
Auch die US-Post soll neue Vorgaben für den Umgang mit Brief- und Wahlunterlagen entwickeln. Dazu gehören unter anderem neue Anforderungen an Umschläge und Barcodes. Die entsprechenden Regelungen sollen zunächst veröffentlicht werden, damit Stellungnahmen möglich sind, bevor sie endgültig in Kraft treten.
Ziel der Maßnahmen ist es, die Ausgabe und Bearbeitung von Briefwahlunterlagen stärker zu kontrollieren und sicherzustellen, dass diese nur an Personen gehen, die die Voraussetzungen für die Teilnahme an der jeweiligen Wahl erfüllen. Die Bundesregierung begründet die Maßnahmen insbesondere mit der Überprüfung der Wahlberechtigung und der Integrität von Bundeswahlen.
Das Dekret sieht unter anderem vor, dass die US-Post Briefwahlunterlagen grundsätzlich nur an Personen übermitteln soll, die in einer bundesstaatenspezifischen Liste erfasst sind. Die Listen sollen aus Bundesdaten wie Einbürgerungs- und Staatsbürgerschaftsdaten sowie weiteren einschlägigen Datenbanken erstellt werden.
Hintergrund ist Kritik am amerikanischen Briefwahlsystem. Im Gegensatz zu Deutschland werden Wahlscheine dort teilweise blanko ausgegeben, oder ohne Ausweisabgleich eingereicht werden können, was viele Republikaner als anfällig für Wahlbetrug kritisieren. Zudem kritisieren sie, dass es möglich ist, Briefwahlscheine durch Wahlhilfsorganisationen einreichen zu lassen.
Ein Bundesgericht hatte die Umsetzung des Dekrets zuvor in 23 demokratisch regierten Bundesstaaten und im District of Columbia blockiert. Der Supreme Court setzte diese Entscheidung nun vorerst aus, während das Verfahren weiterläuft.
In einem weiteren Verfahren hatte das Gericht in Massachusetts bereits am 11. August die US-Post daran gehindert, bestimmte Vorgaben des Dekrets landesweit bei den bevorstehenden Bundeswahlen umzusetzen. Diese Entscheidung war nicht Gegenstand des aktuellen Supreme-Court-Beschlusses und bleibt damit zunächst bestehen.
Die demokratisch regierten Bundesstaaten hatten gegen Trumps Dekret geklagt. Sie argumentieren unter anderem, dass die Bundesregierung mit Teilen der Regelung ihre gesetzlichen Befugnisse überschreite. Die Regierung hält dagegen, dass sie mit den Maßnahmen die Kontrolle der Wahlberechtigung verbessern und die Integrität der Wahlen stärken wolle.
Die Bundeswehr hilft bei der Befestigung von Polens Ostgrenze. (Archivfoto) - Foto: Polnische Streitkräfte/dpa
Deutsche und polnische Medien berichten gleichlautend darüber, dass sich derzeit ein zweistelliges Kontingent von Bundeswehr-Pionieren daran beteiligt, die polnische Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad (Königsberg) zu sichern.
Der staatliche polnische Rundfunk „Polskie Radio“ meldete kürzlich, dass Pionierkräfte des deutschen Heeres mit Baumaschinen begonnen haben, entlang der Grenzabschnitte, die als besonders anfällig für Übergriffe gelten, Panzerabwehrhindernisse aus Beton zu errichten.
Auch Panzerabwehrgräben würden ausgehoben und Versorgungsdepots angelegt. Die Lagerstätten enthalten Panzerabwehrbarrieren, vorgefertigte Betonkonstruktionen, Betonhindernisse, Komponenten für Straßensperren, Befestigungsanlagen und Stacheldraht, hieß es in eines Facebook-Eintrages des polnischen Generalstabs.
Dazu das Ministerium: „Als Reaktion auf den Angriff Russlands auf die Ukraine beschloss Polen die Umsetzung der nationalen Initiative Eastern Shield (Ostschild) zum Ausbau von Befestigungsanlagen zum Schutz seiner Grenze. Auf Einladung Polens unterstützt die Bundeswehr nun dieses Vorhaben.“
Die Bundeswehr zitiert in einem Beitrag auf ihrer Website den für diese Aktion zuständigen Generalleutnant Alexander Sollfrank, wonach damit die „Sicherheit Europas“ gemeinsam verteidigt werde. Außerdem werde damit „Frieden durch Geschlossenheit und glaubwürdige Abschreckung“ gesichert.
Das deutsche Kontingent sei bereits seit 22. Juni „planmäßig“ vor Ort.
General Stanisław Czosnek, stellvertretender Chef des polnischen Generalstabs, erklärte laut „Polskie Radio“, die deutsche Einheit werde bis Mitte Oktober vor Ort bleiben und dann von französischen Streitkräften abgelöst werden.
Angekündigt wurde das Vorhaben im Dezember vergangenen Jahres durch den polnischen Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Paweł Zalewski, bei einem Treffen mit dem deutschen BMVg-Staatssekretär Nils Schmid (SPD) auf dem polnischen Luftwaffenstützpunkt Malbork (Marienburg).
Ein Grenzzaun entlang der Grenze zum russischen Gebiet Kaliningrad am 28. Oktober 2022 in der Nähe von Vištytis, Litauen.
Foto: Sean Gallup/Getty Images
Suwałki-Korridor
Auch die Grenze zu Weißrussland sowie zu Litauen soll mithilfe der Bundeswehr gesichert werden. Hierbei geht es in erster Linie um den strategisch bedeutsamen Suwałki-Korridor. Dabei handelt es sich um eine schmale, nur 104 Kilometer lange Landverbindung zwischen den baltischen Staaten und Polen, die das russische Kaliningrad von Weißrussland trennt. Benannt ist dieser Engpass nach der polnischen Stadt Suwałki.
Die Leitung des deutschen Einsatzes liegt laut BMVg beim polnischen Verteidigungsministerium. Umgerechnet rund 10 Milliarden Euro sind dafür nach Angaben von Warschau für die Operation vorgesehen. Polen hatte das Großprojekt 2024 als Reaktion auf Russlands Krieg gegen die Ukraine gestartet.
Wie konkret sich Polen inzwischen auf einen möglichen Angriff vorbereitet, zeigen nicht nur die Tausenden Betonhindernisse gegen gepanzerte Fahrzeuge an der Grenze Richtung Kaliningrad. Warschau beschafft zudem mehrere Hunderttausend Minen. Die polnischen Streitkräfte könnten im Verteidigungsfall binnen 48 Stunden die gesamte Ost- und Nordgrenze verminen, sagte Vize-Verteidigungsminister Cezary Tomczyk.
Die Operation sei „für den Fall eines konventionellen Angriffs durch Russland und Belarus“ gedacht. „Mit dieser Initiative soll im Falle eines militärischen Konflikts eine mögliche Invasion verzögert und somit die Reaktionsfähigkeit der polnischen Truppen und der NATO erhöht werden“, erklärt das BMVg weiter.
Zustimmung des Bundestages nicht nötig?
Im Dezember 2025 hatte das Bundesverteidigungsministerium eine mittlere zweistellige Zahl Soldaten für „Ostschild“ angekündigt.
Damals hieß es, ein Bundestagsmandat sei nicht nötig, weil es sich nicht um einen bewaffneten Auslandseinsatz im Sinne des Parlamentsbeteiligungsgesetzes handle. Die laufende Unterstützungsphase ist nach Bundeswehr-Angaben zunächst bis Oktober vorgesehen und kann verlängert werden.
Wie der polnische Rundfunk weiterhin mitteilte, habe Polen bereits 100 Kilometer seiner Ostgrenze zu Russland und Weißrussland befestigt und rechne laut Angaben des polnischen Militärs damit, „bis Ende des Jahres weitere 100 Kilometer zu sichern“.
Zur Operation „Ostschild“ zählen indes auch Maßnahmen zum Erhalt natürlicher Hindernisse wie Feuchtgebiete und dichte Wälder sowie Überwachungs- und Anti-Drohnen-Systeme.
Die Landgrenze Polens zum russischen Kaliningrad und zu Weißrussland erstreckt sich über 628 Kilometer.
EU unterstützt mit 150 Milliarden Euro
Die EU beteiligt sich über ihren Verteidigungsfinanzierungsmechanismus SAFE an der Finanzierung von „Ostschild“. SAFE ist ein im Mai 2025 von der EU beschlossener Finanztopf im Umfang von bis zu 150 Milliarden Euro.
Die EU vergibt darüber zinsgünstige, langfristige Darlehen an Mitgliedstaaten, um die gemeinsame Rüstungsbeschaffung und den Ausbau militärischer Fähigkeiten in Europa zu stärken.
Die Bundesregierung erklärte zur Einrichtung von SAFE am 30. Dezember: Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine „und seine Auswirkungen auf die europäische und globale Sicherheit in einem sich wandelnden Umfeld“ würden Europa vor existenzielle Herausforderungen stellen.
Hinzu käme, dass sich die USA auf die Region des Indopazifiks fokussieren würden. Konkret ist damit China und sein immer aggressiver werdender Machtanspruch auf Taiwan gemeint. Damit werde deutlich, „dass Europa selbst mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit und Verteidigung übernehmen muss“, so das BMVg.
KI-generierte Musik bleibt erlaubt, vollständig von KI erschaffene Songs sollen künftig aber nicht mehr in die australischen Aria-Charts aufgenommen werden. (Symbolbild) - Foto: Jun / iStock
Von Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugte Musik hat künftig keinen Platz mehr in den australischen Charts. Die neuen Richtlinien sollen „den menschlichen Ursprung des künstlerischen Schaffens“ schützen, wie die Australian Recording Industry Association (Aria) am Dienstag mitteilte. Nach Angaben des Branchenverbands treten die Änderungen am Freitag in Kraft.
KI-Einsatz bleibt erlaubt
Demnach müssen die in den Charts gelisteten Lieder „im Wesentlichen von Menschen geschaffen“ worden sein. Der Einsatz von KI ist zwar nicht verboten. Vollständig von KI erschaffene Musik wird künftig aber nicht mehr in die Aria-Charts aufgenommen.
Im Juli hatte eine Cover-Version von Madonnas „Like a Prayer“ die Spitze der australischen Charts erobert. Später kam heraus, dass der Gesang und das Schlagzeug von KI generiert wurden.
Mehrere Branchenverbände hatten im Juli ein System zur Kennzeichnung von Musik vorgestellt, die ganz oder teilweise mit Künstlicher Intelligenz erschaffen wurde. Das freiwillige Kennzeichnungssystem ist für eine weltweite Einführung konzipiert und soll auch bei Streamingdiensten zum Einsatz kommen.
Streamingdienste reagieren
Der Streamingdienst Deezer hat bereits eine Kennzeichnung für KI-generierte Musik eingeführt. Nach Angaben von Deezer wird Künstliche Intelligenz bereits in fast jedem zweiten auf der Plattform neu veröffentlichten Song eingesetzt.
Spotify kündigte kürzlich an, ab Mitte September KI-generierte Profile als „AI Persona“ zu kennzeichnen. (afp/red)
US-Finanzminister Scott Bessent spricht am 28. Mai 2026 während einer Pressekonferenz im Weißen Haus. - Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times
Die USA wollen die Wirtschaftssanktionen gegen den Iran und seine Handelspartner verschärfen. US-Finanzminister Scott Bessent sagte am 24.August in Washington, die Regierung von Präsident Donald Trump werde neue Strafmaßnahmen gegen alle Länder verhängen, die weiterhin mit Teheran Geschäfte machten. Zu den größten Handelspartnern des Iran gehören China, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Türkei.
Von den sogenannten Sekundärsanktionen sind nach den Worten des US-Finanzministers fünf Handelssektoren betroffen. Dabei handelt es sich um digitale Dienstleistungen, Technologie, Gold sowie die Luft- und Schifffahrt. Unter den neuen Maßnahmen solle jede Einrichtung, „die Geldwäsche im Auftrag Irans ermöglicht, aus dem US-Dollarsystem entfernt“ werden, sagte Bessent. Bessent erläuterte Maßnahmen, die sich gegen fast 60 Firmen, Einzelpersonen und Schiffe in den weitverzweigten Öl-, Nuklear-, Raketen- und Cybernetzwerken des islamischen Regimes richten.
Einen Termin, wann die Sanktionen in Kraft treten sollen, nannte er nicht. Er merkte jedoch an, dass Amerika keine „unendliche Geduld“ habe und forderte China und andere Länder dringend auf, seine Entschlossenheit nicht auf die Probe zu stellen.
Wirtschaftliche Isolation
Die USA wollten damit weltweit „jede wirtschaftliche Rettungsleine kappen, die dieses tyrannische Regime am Leben erhält, bis Teheran völlig isoliert ist“, fügte der US-Finanzminister hinzu.
„Der Iran steht nun vor einer ganz klaren Entscheidung, es gibt nur zwei Wege: die vollständige globale Isolation und eine Subsistenzwirtschaft oder einen Weg zurück zur Normalität mit der Möglichkeit, wieder in die Weltwirtschaft einzusteigen“, erklärte er.
Auf die Frage, ob auch chinesische Banken damit ins Visier geraten könnten, sagte Bessent: „Niemand steht außerhalb der Reichweite von US-Sanktionen.“
Die monatelange US-Seeblockade hat die chinesische Wirtschaft, insbesondere den Energiesektor, bereits beeinträchtigt. Neunzig Prozent der iranischen Rohölexporte gehen nach Peking.
Trump und der chinesische Staatschef Xi Jinping treffen sich nächsten Monat in Washington. Die Möglichkeit, dass die derzeitige US-Regierung Iran-bezogene Sanktionen gegen China verhängen könnte, könnte die heiklen Handelsverhandlungen zwischen beiden Seiten beeinträchtigen.
Bessent: „Warnschuss“ gegen iranische Handelspartner
Trump hatte von einem „Wirtschaftskrieg“ gegen den Iran gesprochen, der das Land zum „Zusammenbruch“ bringen werde. Bessent drohte seinerseits mit einem „wirtschaftlichen D-Day“ und spielte damit auf die Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 an.
Auf die Frage, warum die USA die neuen Sanktionen nicht sofort verhängen, reagierte Bessent zurückhaltend. Es handele sich zunächst um einen „Warnschuss“ gegen die Handelspartner des Iran, sagte er. Die Länder hätten noch die Möglichkeit, ihre Geschäfte mit Teheran zu beenden, bevor die Sanktionen griffen.
Drohungen aus dem Iran
Die USA wollen damit angesichts der stockenden Friedensverhandlungen mit dem Iran den Druck erhöhen. Teheran hatte seinerseits allen Ländern mit „Konsequenzen“ gedroht, die sich dem Vorgehen der USA gegen Teheran beugten.
Nach der Ankündigung neuer US-Sanktionen gegen den Iran hat das iranische Wirtschaftsministerium Washington eine „neue Niederlage“ prophezeit und erklärt, über einen „Zweijahresplan“ zu verfügen, um den Sanktionen zu begegnen. Die USA hätten „alles getan, um die Entschlossenheit des iranischen Volkes und der Verantwortlichen des Landes auf die Probe zu stellen und sind jedes Mal gescheitert“, sagte Wirtschaftsminister Ali Madanisadeh im Staatsfernsehen am Montag.
Mohsen Rezaee, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats Irans, warnte in den sozialen Medien, dass der Iran den Ölverkehr durch den Persischen Golf und die Straße von Hormus einstellen werde, sollte er wirtschaftlich isoliert werden. Er fügte hinzu, der Iran werde jede Nation, die sich dem von ihm so bezeichneten „Wirtschaftskrieg der USA gegen das iranische Volk“ anschließe oder diesen unterstütze, als Kriegspartei betrachten.
Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian verteidigte unterdessen die Mitte Juni zwischen den beiden Ländern getroffene Vereinbarung und bezeichnete sie als den gangbarsten Weg zur Lösung der von ihm als Schwebezustand beschriebenen Situation, „weder Krieg noch Frieden“.
Er räumte auch ein, dass der Iran fast sechs Monate nach Beginn des Konflikts Schwierigkeiten habe, Investitionen anzuziehen, was die durch den andauernden Krieg verursachte wirtschaftliche Belastung unterstreiche.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hält vor der Sophienkathedrale eine Rede anlässlich einer Gedenkfeier zum 35. Jahrestag der Unabhängigkeit der Ukraine. - Foto: Henry Nicholls/POOL AFP via AP/dpa
In Kürze:
Die Ukraine hat am 24. August ihren 35. Unabhängigkeitstag begangen.
Die EU stellt weitere 6,1 Milliarden Euro für die ukrainische Armee bereit.
Großbritannien will Kiew die Produktion von SCALP-Marschflugkörpern mit ermöglichen.
Präsident Wolodymyr Selenskyj lehnt Wahlen während des Krieges weiterhin ab.
Am Montag, 24. August, beging die Ukraine den 35. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Die frühere Sowjetrepublik hatte sich nach dem Scheitern des Putschversuchs in Moskau für unabhängig erklärt. Eine Gruppe von KPdSU-Funktionären hatte in den Tagen zuvor versucht, den von Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow initiierten Reformprozess zu stoppen.
Großbritanniens Premier Burnham erstmals zu Besuch in der Ukraine
Anlässlich des 35. Unabhängigkeitstags hatten sich Vertreter der sogenannten Koalition der Willigen in Kiew eingefunden. Dabei gaben sie weitere Zusagen für Militärhilfe für die Ukraine ab. Die EU genehmigte demnach Rüstungshilfen im Wert von 6,1 Milliarden Euro. Diese sind der EU-Kommission zufolge für Flugabwehrsysteme, Raketen, Munition und Radaranlagen vorgesehen.
Der neue britische Premierminister Andy Burnham reiste erstmals in die Ukraine und gab ebenfalls ein Bekenntnis zu weiterer Militärhilfe ab. Er sagte der Führung in Kiew zu, dem Land die Produktion weitreichender Marschflugkörper mit britischer Technologie zu ermöglichen.
Insgesamt hatte die EU der Ukraine im Frühjahr ein Unterstützungsdarlehen in Höhe von bis zu 90 Milliarden Euro zugesagt. Dieses werde in mehreren Tranchen ausbezahlt. Ein Teil davon ist für militärische Verwendungen gedacht. Zu den Feierlichkeiten am Montag reisten die Staats- und Regierungschefs aus den baltischen Staaten, Luxemburg, Moldau und Finnland sowie EU-Ratspräsident António Costa an.
London will Produktion von Marschflugkörpern ermöglichen
Großbritanniens Premierminister Burnham kündigte zudem an, im Rahmen seines Besuchs eine Videoschalte mit weiteren Vertretern der „Koalition der Willigen“ zu organisieren. Derzeit erlaubt die Regierung in London bereits dem Rüstungsunternehmen MBDA die Weitergabe geheim eingestufter Informationen an Kiew.
Das Unternehmen, das im Eigentum französischer, britischer und italienischer Anteilseigner steht, soll Kiew die Fertigung von Marschflugkörpern des Typs „SCALP“ oder „Storm Shadow“ ermöglichen. Auf diese Weise können in ukrainischen und auch französischen Fertigungsstätten auf ukrainischem Boden diese Systeme produziert werden.
Zuletzt hatte die ukrainische Armee dank weitreichender Waffensysteme und Drohnensysteme vermehrt Ziele im russischen Hinterland angegriffen. Russland reagierte seinerseits mit verstärkten Angriffen auf die Hauptstadt und strategisch wichtige Gebiete im Osten der Ukraine. Die Zahl der zivilen Opfer stieg dadurch auf beiden Seiten.
Selenskyj weist Beteiligung der Ukraine an Nord-Stream-Sabotage zurück
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatte am Wochenende weitere 30 Milliarden Euro für seine Armee gefordert. Er erklärte, diese auf der Siegerstraße zu sehen und dass Russland „seine Kriegsziele nicht erreichen“ werde. Von zunehmenden Problemen, Soldaten zu rekrutieren, dafür erforderlichen Zwangsmaßnahmen und Fällen der Fahnenflucht sprach Selenskyj nicht.
Auch klammerte er in seiner Rede Korruptionsskandale und innenpolitische Machtkämpfe aus, die das Land erschüttern. Der jüngst von Selenskyj entlassene Verteidigungsminister Mykhailo Fedorow hatte Wahlen gefordert. Selenskyj, dessen erste Amtszeit regulär 2024 geendet hätte, wies diese Forderung zurück, weil diese „einen Tsunami, der die Ukraine zerreißen würde“, heraufbeschwören würden.
Am Sonntag hatte der ukrainische Präsident auf eine Journalistenfrage eine Beteiligung seines Landes an den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines zurückgewiesen. Die Führung in Kiew habe sich, so Selenskyj, „niemals offiziell an irgendeiner Operation beteiligt, die mit der Sprengung von Nord Stream zu tun hatte“. Deutschland, so äußerte er weiter, wisse „sehr genau, dass die Ukraine weder hinter der Ausführung noch hinter der Konzeption dieser Operation stand“.
Selenskyj erklärte in weiterer Folge, die Ukraine werde die Ermittlungen in Deutschland zu dem Sabotageakt unterstützen. Man wolle in Kiew alles Erforderliche veranlassen, um „unsere Partnerschaft nicht zu verlieren, das Vertrauen der europäischen Länder nicht zu verlieren, die der Ukraine seit Beginn dieses Krieges helfen“. Ende Juni hatte die deutsche Bundesanwaltschaft bereits einen verdächtigen ukrainischen Staatsangehörigen unter anderem wegen des Kriegsverbrechens des Angriffs gegen zivile Objekte angeklagt. Am Mittwoch gelang in Kroatien die Festnahme eines weiteren Tatverdächtigen.
Costa: Mehr als 220 Milliarden Euro für Kiew mobilisiert
EU-Ratspräsident Costa sagte in Kiew zu, Europa werde die Ukraine weiter „so lange und so umfassend wie nötig unterstützen“. Seit Kriegsbeginn sei es gelungen, mehr als 220 Milliarden Euro zu mobilisieren. Weitere Hilfen seien in Vorbereitung.
Goldbarren mit einem Gewicht von jeweils 1.000 Gramm. (Archivbild) - Foto: Georg Hochmuth/APA/AFP via Getty Images
In Kürze:
Der Goldpreis steigt auf den höchsten Stand seit Mai.
Anleger erwarten mit Spannung die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh.
Aktuell kostet eine Unze Gold rund 4.644 Dollar.
Der Goldpreis stieg am Montag auf den höchsten Stand seit mehr als drei Monaten. Dies geschah vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen im Nahen Osten und im Vorfeld einer Rede des Chefs der US-Notenbank in dieser Woche.
Der Spotpreis für Gold lag am 24. August um 11:50 Uhr bei rund 4.644 US-Dollar pro Unze und damit über dem Schlusskurs vom Freitag von rund 4.603 US-Dollar. Dies ist der höchste Stand seit dem 18. Mai.
Seit dem Tiefststand von etwa 3.959 US-Dollar (3.391 Euro) am 17. Juli ist der Goldpreis um mehr als 17 Prozent gestiegen.
Der Kurssprung am Montag folgte auf Äußerungen der Trump-Regierung, die auf eine aggressivere Haltung im Krieg der Vereinigten Staaten gegen den Iran hindeuten.
Am 23. August sagte Finanzminister Scott Bessent, dass für das iranische Regime ein „wirtschaftlicher D-Day“ bevorstehe, da die Vereinigten Staaten Maßnahmen ergreifen würden, um die wirtschaftlichen Lebensadern des Landes abzuschneiden.
Unterdessen drohte Mohsen Rezaei, der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates des Iran, in den sozialen Medien, dass Teheran im Falle einer wirtschaftlichen Isolierung die Öllieferungen durch die Straße von Hormus und den Persischen Golf blockieren werde.
Die Verschärfung der Spannungen zwischen den beiden Ländern trägt zu einem Umfeld der Unsicherheit bei, was den Aufwärtstrend der Goldpreise begünstigt.
Anleger richten ihr Augenmerk zudem auf die Rede von Kevin Warsh, dem Chef der US-Notenbank (Fed), am kommenden Freitag beim Jackson-Hole-Symposium zur Wirtschaftspolitik 2026 in Wyoming, um die mögliche Richtung der Zinspolitik der Zentralbank einzuschätzen.
Eine Zinserhöhung könnte sich negativ auf Gold auswirken und umgekehrt. Im vergangenen Monat hatte die Fed beschlossen, die Zinsen zum fünften Mal in Folge unverändert zu lassen.
Neben den Zinssätzen warten die Anleger auf den Preisindex für persönliche Konsumausgaben, der diese Woche veröffentlicht werden soll. Dieser Index ist das von der Fed bevorzugte Maß für die Inflation.
Ökonom: Anleger erkennen Bluff der Fed
„Gold stand bei über 4.600 Dollar. Bislang ist der Goldpreis in den ersten drei Augustwochen um 15 Prozent gestiegen. Das passiert nicht, wenn eine restriktiv eingestellte Fed entschlossen ist, alles zu tun, um die Inflation zu senken. Es passiert, wenn Anleger erkennen, dass die Fed blufft und beabsichtigt, die Inflation außer Kontrolle geraten zu lassen“, schrieb Peter Schiff, Chefökonom bei Euro Pacific Asset Management, am 21. August auf X.
In einem Beitrag vom 21. August erklärte Ewa Manthey, Rohstoffstrategin bei der ING Bank, dass sich Gold von seinen Juli-Tiefstständen erholt habe, gestützt durch wachsende Besorgnis über die fiskalischen Aussichten der USA und eine erneute Investitionsnachfrage nach dem Edelmetall.
Angesichts der anhaltenden Inflation und der Möglichkeit, dass die Fed ihre Leitzinsen anhebt, dürfte die Erholung des Goldpreises laut Manthey jedoch „kaum reibungslos verlaufen“.
„Das jährliche Jackson-Hole-Symposium der Fed vom 27. bis 29. August wird aufmerksam verfolgt werden. Jeder Hinweis darauf, dass die Entscheidungsträger zunehmend bereit sind, die Zinsen anzuheben, könnte zu einem Anstieg der Renditen und des Dollars führen. Eine stärkere Betonung von Wachstum oder Finanzstabilität wäre für Gold hingegen eher unterstützend“, sagte Manthey.
ING prognostiziert für das vierte Quartal einen durchschnittlichen Goldpreis von 4.150 US-Dollar pro Unze, unter der Annahme, dass die US-Geldpolitik aufgrund der anhaltenden Inflation restriktiv bleibt und die Renditen von US-Staatsanleihen nicht nachhaltig sinken.
Manthey wies darauf hin, dass die Erholung des Goldpreises aufgrund erneuter ETF-Käufe auf einer solideren Grundlage stehen könnte. Weitere Kursgewinne bei Gold werden jedoch von einer anhaltenden Investitionsnachfrage und der Reaktion der Fed auf die Inflation abhängen.
Laut einem Bericht des World Gold Council vom 6. August verzeichneten Gold-ETFs im Juli Nettozuflüsse in Höhe von 3 Milliarden US-Dollar (2,57 Milliarden Euro), wobei globale Anleger ihre Portfolios mit Goldbarren aufstockten. Damit wurde der Abfluss der vergangenen beiden Monate umgekehrt.
Der Bericht führte diese Wende darauf zurück, dass Anleger bei niedrigeren Kursen selektiv wieder in den Markt einstiegen und weiterhin eine Diversifizierung ihrer Portfolios anstrebten.
An der Spitze der Zuflüsse standen europäische Fonds. Zwar kehrten im vergangenen Monat auch in Nordamerika wieder Zuflüsse in ETFs zurück, doch fiel der Anstieg mit 71 Millionen US-Dollar (60,8 Millionen Euro) eher bescheiden aus.
Seit Jahresbeginn belaufen sich die weltweiten Nettozuflüsse in Gold-ETFs auf insgesamt 11 Milliarden US-Dollar (9,4 Milliarden Euro), wobei Fonds aus Asien den größten Anteil ausmachen, gefolgt von Europa. In Nordamerika waren in diesem Zeitraum Nettoabflüsse zu verzeichnen, so das World Gold Council.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hält am 24. August 2026 in Kiew eine Rede zum 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine. - Foto: Henry Nicholls - WPA Pool/Getty Images
Zum 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine beraten die Partner Kiews am Montag, den 24. August, über die weitere Unterstützung des Landes in seinem Abwehrkrieg gegen Russland. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der britische Premier Andy Burnham, die zusammen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die sogenannte Koalition der Willigen anführen, sicherten der Ukraine weitere Unterstützung zu. Die EU gab zusätzliche Milliarden für die Ukraine frei.
„Im Moment ist die Lage für uns alle wirklich sehr schwierig“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Rede. Er forderte die Verbündeten auf, der Ukraine „alles zu geben, was sie braucht, um diesen Krieg zu beenden“.
Russland greift die Ukraine seit Beginn seines Angriffskriegs im Februar 2022 fast täglich mit Drohnen und Raketen an. Der vergangene Monat war nach UN-Angaben der folgenschwerste für Zivilisten in der Ukraine seit Mai 2022.
Koalition der Willigen berät in Kiew
Zur weiteren Unterstützung der Ukraine berät am Montag die sogenannte Koalition der Willigen. Der britische Premier Burnham reiste dazu zu seiner ersten Auslandsreise nach Kiew. Merz und Macron nehmen per Video teil.
Neben Burnham reisten auch die Staatslenker von Luxemburg, Moldau und Estland sowie EU-Ratspräsident António Costa nach Kiew. Bei dem Treffen sollten weitere Sanktionen gegen Russland abgesprochen und über Sicherheitsgarantien für Kiew beraten werden, wie das französische Präsidialamt mitteilte.
Der britische Premierminister Andy Burnham (l.) und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (r.) am 24. August 2026 bei einer Gedenkfeier zum 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine vor der Sophienkathedrale in Kiew.
Foto: Sergei SUPINSKY / AFP via Getty Images
Merz bekräftigte die Unterstützung Deutschlands für die Ukraine. „Wir stehen fest an der Seite der Ukraine“, sagte er in einem im Onlinedienst X veröffentlichten Video. Die Ukrainer verteidigten „mit beeindruckendem Mut“ seit Jahren „die Unabhängigkeit ihres Landes gegen den brutalen russischen Angriffskrieg“. Sie zeigten „damit der gesamten Welt, was es heißt, für Freiheit und für einen gerechten Frieden einzustehen“.
EU gibt weitere 6,1 Milliarden Euro frei
Die EU gab weitere 6,1 Milliarden Euro aus ihrem 90-Milliarden-Euro-Darlehen für die Ukraine frei. Das Geld ist für Luftabwehrsysteme, Lenkwaffen, Munition und Radarsysteme bestimmt, teilte die EU-Kommission mit. „Am ukrainischen Unabhängigkeitstag zeigen wir unsere unerschütterliche Unterstützung“, erklärte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Der 90-Milliarden-Euro-Kredit für Kiew sieht 60 Milliarden Euro Militärhilfe vor. Vor der nun angekündigten Tranche von 6,1 Milliarden Euro waren bereits 16 Milliarden Euro bewilligt worden, von denen 8,5 Milliarden Euro schon ausgezahlt wurden.
Die Verteidigung der Ukraine müsse angesichts von 376 russischen Raketenangriffen allein im Juli „dringend“ gestärkt werden, erklärte die EU-Kommission.
Produktion von Storm Shadow in Ukraine soll vorankommen
Es wurde erwartet, dass der britische Premier Burnham am Montag die Zustimmung seiner Regierung bekanntgeben wird, dass der europäische Rüstungskonzern MBDA geheime Informationen zu britischen Komponenten der Storm-Shadow-Marschflugkörper weitergeben darf. Die der Ukraine gelieferten Marschflugkörper werden in Frankreich Scalp genannt.
Diese Entscheidung „wird es den Franzosen und den Ukrainern ermöglichen, die Montage dieses Flugkörpers in der Ukraine voranzutreiben“, erklärte die britische Regierung.
Moskau verurteilte den Schritt. Großbritannien „gießt systematisch und regelmäßig Öl ins Feuer und schmiedet systematisch und regelmäßig Intrigen, um selbst den geringsten Fortschritt im Friedensprozess zu verhindern“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Russland werde die Produktionsstätten in der Ukraine ins Visier nehmen und „zerstören“.
Burnham zeigte sich bei seinem Besuch in Kiew unbeeindruckt von den Drohungen aus Moskau. „Trotz der ungeheuerlichen Drohungen Russlands gegenüber meinem Land werden wir unsere Unterstützung für die Verteidigung der Ukraine fortsetzen“, sagte der britische Premier.
Am Samstag hatte Macron eine weitere Lieferung von Abfangraketen angekündigt. Es sei „entscheidend, der Ukraine alle notwendigen Mittel zu geben, um ihren Luftraum zu verteidigen und diese Aggression abzuwehren“, erklärte er.
Besonders dringend braucht die Ukraine Munition für Patriot-Luftabwehrsysteme, wie Selenskyj am Wochenende verdeutlichte. Die Patriot-Lieferungen hätten sich seit 2023 halbiert, sagte der ukrainische Präsident in am Sonntag veröffentlichten Äußerungen vor Journalisten.
2023 habe die Ukraine noch 675 dieser Abfangraketen erhalten, 2025 nur noch 364. Für dieses Jahr rechne sie derzeit mit lediglich 264.
Neue Drohnenangriffe auf Russland
Derweil gab der zweitgrößte russische Onlinehändler Ozon neue Drohnenangriffe auf seine Lagerzentren bekannt. In einem Logistikzentrum in Machatschkala im Süden Russlands sei infolge eines Drohnenangriffs ein Feuer ausgebrochen, teilte das Unternehmen mit.
Zusätzlich wurden Ozon zufolge Warenhäuser in Adygeysk und Newinnomyssk im Süden des Landes „wegen der Bedrohung durch Drohnenangriffe evakuiert“.
Die russischen Behörden erklärten, dass durch Trümmer bei einem ukrainischen Drohnenangriff zwei Kinder getötet worden seien. Neun weitere Menschen seien verletzt worden. (afp/red)