Wurde der Held der Schweiz: Torhüter Gregor Kobel. - Foto: Darryl Dyck/The Canadian Press/dpa
Gregor Kobel grinste verlegen, als er in der Interviewzone mit der deutschen Torhüter-Legende Oliver Kahn verglichen wurde. „Ich bin früh in Deutschland gewesen, deshalb bin ich geprägt von der Schule“, sagte der Torhüter nach dem 4:3-Elfmeterkrimi gegen Kolumbien, bei dem Kobel mit seiner Parade die Schweiz ins erste WM-Viertelfinale seit 1954 geführt hatte. Und dort geht es gegen keinen Geringeren als Lionel Messi mit Weltmeister Argentinien.
Sommer-Nachfolger startet direkt durch
Nach jahrelangem Warten als Nummer zwei hinter Yann Sommer hat der 28-Jährige von Borussia Dortmund direkt etwas geschafft, was Vorgänger Sommer immer verwehrt blieb: der Einzug in die Runde der letzten Acht bei einer WM. „Greg hat sich von Spiel zu Spiel reingesteigert. Er hat zwei, drei Big Saves gehabt. Das haben wir gewusst, dass er beim Elfmeter ein sehr, sehr guter Torhüter ist“, lobte Trainer Murat Yakin.
Der Chefcoach fügte an: „Wir haben uns das Ziel vorgenommen. Jedes kleine Puzzlestück hat zusammengepasst.“ Und das größte und wichtigste Teil an diesem hauptsächlich von der Spannung geprägten Achtelfinal-Nachmittag von Vancouver war Kobel selbst.
Akanji vergibt schon wieder vom Punkt
Schon in den 120 intensiven Minuten ohne besonders hochwertigen Fußball rettete der Torhüter seine Vorderleute immer wieder mit starken Paraden. Und beim Nervenkrimi vom Punkt hielt Kobel gegen den eingewechselten Cucho Hernandez, was bei ihm selbst und seinen Mitspielern zu einer Gefühlsexplosion führte.
Wohl besonders dankbar für Kobels Glanztat gegen Hernandez war Mitspieler Manuel Akanji. Der Verteidiger hat nach der EM 2021 und der EM 2024 schon zum dritten Mal bei einem Elfmeterschießen für die Schweiz vergeben.
„Ich bin überglücklich über die Mannschaft, wie sie reagiert hat. Mein Elfmeter war katastrophal, ich habe im letzten Moment die Entscheidung gewechselt“, sagte Akanji, der wie Deutschlands Jonathan Tah gegen Paraguay weit über das Tor schoss. Er habe schon diesmal anderen den Vortritt überlassen wollen, stellte nun aber mit einem Grinsen klar: „Das war mein letzter Elfmeter.“
Doch anders als 2021 (Niederlage gegen Spanien) und 2024 (Niederlage gegen England) ging die Sache für die Nati diesmal gut aus. Dank Kobel und dank der vier weiteren Schützen um Rubén Vargas, der den entscheidenden Elfmeter zum 4:3 verwandelte. „Etwas Schöneres kann man als Trainer nicht erfüllen. Wir stehen hier mit einem historischen Moment“, sagte ein glücklicher Yakin in der Pressekonferenz.
Messi und Xhaka schon 2014 bei WM-Duell dabei
Doch während Mitfavorit Kolumbien nach der Nullnummer plus Krimi vom Punkt überraschend früh die Heimreise antreten muss, bekommt die Schweiz ihr Spiel der Spiele. Am Sonntag (3.00 Uhr/MESZ) geht es in Kansas City gegen den amtierenden Titelträger um Superstar Messi. „Es ist der Titelverteidiger. Es geht nicht besser. Die Challenge wird immer noch schwieriger, aber wir sind für die Challenge bereit“, sagte der 30 Jahre alte Akanji.
In Brasilien 2014 setzte sich die Albiceleste damals knapp mit 1:0 in der Runde der letzten 16 durch. Messi selbst legte das Siegtor von Ángel Di María vor. Bei den Schweizern mit damals 21 Jahren dabei: Granit Xhaka, der die Nati heute als Kapitän anführt und gegen Kolumbien sein 151. Länderspiel bestritten hat. Im Football-Tempel der Kansas City Chiefs warten nicht nur Messis Weltmeister auf die Schweiz, sondern auch zehntausende in himmelblau gekleidete Fans.
Kolumbiens Trainer: „Man bezahlt für seine Fehler“
Den von beiden Seiten erhofften Südamerika-Klassiker zwischen Argentinien und Kolumbien hat die Schweiz relativ humorlos verhindert. Auch in den 120 Minuten war das Yakin-Team gegen die höher eingeschätzten Kolumbianer zumindest nicht unterlegen. „Man bezahlt für seine Fehler“, stellte Trainer Nestor Lorenzo fest.
Die Fehler, das waren in diesem Fall vor allem die vergebenen Elfmeter von Hernandez und Abwehrturm Davinson Sanchez, der die Latte traf. Das Team um Bayern-Star Luis Diaz hatte bis zum Achtelfinale ein starkes Turnier gespielt und jedes seiner vier Spiele diktiert, dabei nur ein Gegentor kassiert.
Dabei blieb es auch gegen die Schweiz. Doch für den ersehnten Sprung ins Duell mit dem südamerikanischen Rivalen Argentinien reichte es nicht. „Wir hätten ein Tor schießen sollen“, sagte Lorenzo. Das hätte an diesem Nachmittag in Vancouver genügt.
Aufnahme eines Gebäudes der Bancaribe-Bank, das bei einem Erdbeben in Caracas am 24. Juni 2026 eingestürzt ist. Die Beben trieben die Einwohner der Hauptstadt Caracas auf die Straße. - Foto: Juan Barreto/AFP via Getty Images
In Kürze:
Am Abend des 24. Juni kam es zu zwei verheerende Erdbeben in Venezuela, seither gab es mindestens 20 Nachbeben.
Aus einem schwer betroffenen Bundesstaat – La Guaira – gibt es noch keine Daten.
Hilfsorganisationen rechnen mit bis zu 100.000 Opfern – die Zahl beruhe auf „ersten Schätzungen“, so das Österreichische Rote Kreuz.
US-Außenminister Rubio kündigt sofortige Hilfe und Rettungskräfte an, auch El Salvador, die Dominikanische Republik, Indien und China bieten Hilfe an.
Die Bundeswehr steht mit bis zu sechs Militärtransportflugzeugen vom Typ A400M bereit, um schnell Hilfe zu leisten.
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Venezuela ist innerhalb einer Minute von zwei heftigen Erdbeben erschüttert worden, die Häuser zum Einstürzen brachten und vielerorts Panik auslösten. Unter anderem wurde der internationale Flughafen von Caracas so schwer beschädigt, dass er geschlossen werden musste.
Präsidentin Delcy Rodriguez rief den Notstand aus und mobilisierte Rettungskräfte, um die betroffenen Gebiete zu unterstützen. „Zur Stunde liegen uns Meldungen über 32 Todesopfer“ und „mehr als 700 Verletzte“ vor, sagte sie in einer Fernsehansprache.
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Sie wies darauf hin, dass noch keine Daten aus dem Bundesstaat La Guaira vorliegen, der an die Hauptstadt Caracas grenzt und nach ihren Angaben am stärksten betroffen ist. Gegen 12 Uhr MEZ wurde von 164 Toten und mindestens 971 Verletzten gesprochen.
Rodríguez kündigte die Aussetzung des Schulunterrichts und nicht essenzieller Dienstleistungen an, um die Rettungsarbeiten zu erleichtern. Gas- und Stromnetze wurden abgeschaltet.
Rotes Kreuz befürchtet bis zu 100.000 Tote
Hilfsorganisationen rechnen mit bis zu hunderttausend Opfern. Diese Zahl beruhe auf „ersten Schätzungen“, teilte das Österreichische Rote Kreuz am Donnerstagmorgen mit.
Aufgrund eines nationalen Feiertags befanden sich viele Menschen zum Zeitpunkt des Bebens in ihren Häusern.
Unterdessen meldeten Menschen im Land, dass offenbar eine Sperre zu Internetdiensten wie X/Twitter seit der Nacht aufgehoben sei. Es war zunächst unklar, ob die beschädigte IT-Infrastruktur der Grund dafür war, oder ob die Sperre als absichtliche Maßnahme in Folge des ausgerufenen Ausnahmezustandes abgeschaltet wurde, um die Kommunikation zu erleichtern.
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Nach den Erdbeben in Caracas am 24. Juni 2026 halten sich die Menschen weiterhin auf der Straße auf.
Foto: Federico Parra/AFP via Getty Images
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Rettungskräfte suchen nach Opfern in Caracas am 24. Juni 2026.
Foto: Manaure Quintero/AFP via Getty Images
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Ein beschädigtes Wohnhaus in Caracas am 24. Juni 2026.
Foto: Manaure Quintero/AFP via Getty Images
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Rettungskräfte sind vor Ort.
Foto: Jesus Vargas/Getty Images
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Es habe bereits 20 Nachbeben gegeben. Die Beben trieben die Einwohner der Hauptstadt Caracas auf die Straße.
Foto: Federico Parra/AFP via Getty Images
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Am Abend des 24. Juni erschütterten zwei Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 dieselbe Region in Venezuela und führten laut Angaben des United States Geological Survey (USGS) und von AFP-Journalisten zum Einsturz mehrerer Gebäude.
Foto: Manaure Qunitero/AFP via Getty Images
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In Caracas.
Foto: Manaure Qunitero/AFP via Getty Images
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Zwischen beiden Beben lagen nur 39 Sekunden.
Foto: Pedro Mattey/AP/dpa
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Auch die Hauptstadt Caracas wurde schwer betroffen.
Foto: Adrian Naranjo/AP/dpa
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Viele Menschen wurden verletzt, zahlreiche Todesopfer werden vermutet.
Foto: Ariana Cubillos/AP/dpa
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Rettungskräfte durchsuchten nach dem Erdbeben die Trümmer.
Foto: Javier Campos/AP/dpa
Eine automatische Modellrechnung der US-Erdbebenwarte basierend auf der Stärke des Bebens und der Nähe einiger Städte legte eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit von mehr als Tausend Todesopfern nahe.
Die Millionenstadt Caracas, aus der nach den Beben die ersten Bilder und Berichte kamen, lag dabei nicht besonders nah am Epizentrum, sondern mehr als 150 Kilometer östlich davon. Allein in den relativ nahegelegenen Städten Puerto Cabello und San Felipe leben nach USGS-Angaben zusammen etwas mehr als 400.000 Menschen. Auch dort war vom Einsturz von Gebäuden und erheblichen Schäden die Rede – zunächst ohne nähere Angaben.
Massive Schäden
Der erste Erdstoß hatte nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS die Stärke 7,2. Sein Epizentrum lag gut 20 Kilometer westlich der Küstenstadt Morón.
Nur 39 Sekunden später ereignete sich in rund 45 Kilometer Entfernung ein zweites Beben – dieses war sogar noch heftiger und hatte die Stärke 7,5. Anschließend wurden noch 20 Nachbeben registriert, wie Präsidentin Rodríguez in einer Fernsehansprache mitteilte.
Venezuela looks like it was BOMBED after two MASSIVE 7.1 and 7.5 magnitude earthquakes. Pray for the people, this is really bad pic.twitter.com/pIw8ywXzYe
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Die Erdstöße versetzten die Menschen im ganzen Land in Panik. Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten aus der Hauptstadt Caracas von aus ihren Häusern fliehenden Bewohnern.
Es kam zu massiven Sachschäden. „Die Treppe brach weg, die ganze Wand bekam Risse. Dinge fielen von der Decke“, berichtete die 54-jährige Bankangestellte Odalis Escalona. „Es war einfach schrecklich.“
Flughafen schwer beschädigt
Im Stadtteil Altamira wurde ein 22-stöckiges Hochhaus nahezu völlig zerstört. Auf der Straße standen laut dem Bericht eines AFP-Korrespondenten verzweifelte Menschen, die nach Angehörigen riefen.
Helfer arbeiteten sich durch die Trümmer und suchten nach möglichen Verschütteten. Auch andernorts rannten viele Menschen in Panik aus ihren Häusern – und harrten anschließend aus Angst vor Nachbeben auf der Straße aus.
Auch am internationalen Flughafen von Caracas im nahe der Hauptstadt gelegenen Maiquetía kam es nach Angaben von Rodríguez zu „schweren Beschädigungen der Infrastruktur“. Er musste geschlossen werden.
Unter den Trümmern werden viele Opfer befürchtet.
Foto: Ariana Cubillos/AP/dpa
Die venezolanische Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin María Corina Machado, die sich derzeit nicht in Venezuela aufhält, schrieb auf der Plattform X: „Mein Herz, meine unendliche Umarmung und meine Gebete gelten in diesen Stunden der Not jeder venezolanischen Familie. Mögen Stärke, Ruhe und Solidarität in dieser schwierigen Zeit unter uns herrschen“.
Zahlreiche Staaten bieten ihre Hilfe an
Die geschäftsführende Präsidentin sprach von einem „Vorfall mit schwerwiegenden Folgen“. Das US-Außenministerium richtete nach eigenen Angaben einen Krisenstab ein, um in Absprache mit der venezolanischen Regierung Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe zu schicken.
US-Präsident Donald Trump bietet Hilfe an: „Die beiden schweren Erdbeben, die das großartige Volk von Venezuela gerade getroffen haben, sind von gewaltigem Ausmaß und haben eine verheerende Zahl an Todesopfern gefordert. Die USA sind bereit und in der Lage zu helfen.“ Er habe alle Behörden angewiesen, sich für einen schnellen Einsatz bereitzuhalten.
Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, schrieb ebenfalls auf der Plattform X, es stünden 300 Rettungskräfte und Sanitäter sowie 50 Tonnen Hilfsgüter bereit, um in die venezolanische Hauptstadt Caracas gebracht zu werden.
Der Präsident der Dominikanischen Republik, Luis Abinader, erklärte spezialisierte Such- und Rettungsteams der Streitkräfte würden am Morgen nach Venezuela aufbrechen. Auch Brasilien signalisierte Hilfsbereitschaft. Rodríguez zufolge boten auch bereits andere Staaten Hilfe an.
Rubio kündigt sofortige US-Rettungskräfte an
Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez nach eigenen Angaben mit US-Außenminister Marco Rubio telefoniert. Er habe dabei „Solidarität und Unterstützung für das venezolanische Volk in diesen für unsere Nation schwierigen Zeiten zum Ausdruck gebracht“, erklärte Rodríguez am Donnerstag im Onlinedienst X. Venezuela sei dankbar für die Solidaritätsbekundung der USA.
Rubio hatte zuvor die sofortige Entsendung von US-Rettungskräften angekündigt. „Amerika steht in dieser schwierigen Zeit an der Seite des venezolanischen Volkes“, erklärte der US-Außenminister auf X. Auf Anweisung von Präsident Donald Trump würden unverzüglich Such- und Rettungsmannschaften, medizinische Ressourcen und humanitäre Hilfe in das südamerikanische Land gesandt.
Auch Indien und China boten ihre Hilfe an. Der indische Premierminister Narendra Modi erklärte, Indien sei bereit, „jede nur mögliche Hilfe zu leisten“. Der chinesische Außenamtssprecher Guo Jiakun sagte, China wolle „entsprechend den Bedürfnissen“ Venezuelas helfen.
Auswirkungen auch in Kolumbien
Auswirkungen des Doppel-Bebens waren auch in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá zu spüren, die rund tausend Kilometer Luftlinie vom Epizentrum entfernt liegt. Wegen der Erschütterungen rannten auch in Bogotá Menschen auf die Straße, Alarmsirenen heulten.
In Venezuela leben rund 80 Prozent der Menschen in erdbebenbedrohten Gebieten, starke Beben sind jedoch selten. 1997 kam es zuletzt zu einem Beben mit verheerenden Folgen, als im östlichen Bundesstaat Sucre 73 Menschen ums Leben kamen. 1976 wurden fast 300 Menschen getötet und 2.000 verletzt, als ein Beben Caracas erschütterte. (afp/dpa/red)
Zwischen beiden Beben lagen nur 39 Sekunden. - Foto: Pedro Mattey/AP/dpa
Venezuela ist innerhalb von einer Minute von zwei heftigen Erdbeben erschüttert worden, die Häuser zum Einstürzen brachten und vielerorts Panik auslösten. Unter anderem wurde der internationale Flughafen von Caracas so schwer beschädigt, dass er geschlossen werden musste.
Präsidentin Delcy Rodriguez rief den Notstand aus und mobilisierte Rettungskräfte, um die betroffenen Gebiete zu unterstützen. Behördenangaben zufolge wurden Menschen verletzt, Informationen über mögliche Todesopfer lagen zunächst nicht vor.
Sie kündigte zudem die Aussetzung des Schulunterrichts und nicht essenzieller Dienstleistungen an, um die Rettungsarbeiten zu erleichtern. Gas- und Stromnetze wurden abgeschaltet.
Auch die Hauptstadt Caracas wurde schwer betroffen.
Foto: Adrian Naranjo/AP/dpa
Rodríguez sagte: „Es gibt Bundesstaaten, die besonders betroffen sind“, darunter La Guaira. Es habe bereits 20 Nachbeben gegeben.
Die automatische Modellrechnung der US-Erdbebenwarte basierend auf der Stärke des Bebens und der Nähe einiger Städte legte eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit von mehr als Tausend Todesopfern nahe.
Die Millionenstadt Caracas, aus der nach den Beben die ersten Bilder und Berichte kamen, lag dabei nicht besonders nah am Epizentrum, sondern mehr als 150 Kilometer östlich davon. Allein in den relativ nahegelegenen Städten Puerto Cabello und San Felipe leben nach USGS-Angaben zusammen etwas mehr als 400.000 Menschen. Auch dort war vom Einsturz von Gebäuden und erheblichen Schäden die Rede – zunächst ohne nähere Angaben.
Massive Schäden
Der erste Erdstoß hatte nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS die Stärke 7,2. Sein Epizentrum lag gut 20 Kilometer westlich der Küstenstadt Morón.
Nur 39 Sekunden später ereignete sich in rund 45 Kilometer Entfernung ein zweites Beben – dieses war sogar noch heftiger und hatte die Stärke 7,5. Anschließend wurden noch 20 Nachbeben registriert, wie Präsidentin Rodríguez in einer Fernsehansprache mitteilte.
Die Erdstöße versetzten die Menschen im ganzen Land in Panik. Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten aus der Hauptstadt Caracas von aus ihren Häusern fliehenden Bewohnern.
Es kam zu massiven Sachschäden. „Die Treppe brach weg, die ganze Wand bekam Risse. Dinge fielen von der Decke“, berichtete die 54-jährige Bankangestellte Odalis Escalona. „Es war einfach schrecklich.“
Rettungskräfte suchen nach einem Erdbeben in Caracas in Venezuela nach Überlebenden in einem eingestürzten Gebäude.
Foto: Ariana Cubillos/AP/dpa
Flughafen schwer beschädigt
Im Stadtteil Altamira wurde ein 22-stöckiges Hochhaus nahezu völlig zerstört. Auf der Straße standen laut dem Bericht eines AFP-Korrespondenten verzweifelte Menschen, die nach Angehörigen riefen.
Helfer arbeiteten sich durch die Trümmer und suchten nach möglichen Verschütteten. Auch andernorts rannten viele Menschen in Panik aus ihren Häusern – und harrten anschließend aus Angst vor Nachbeben auf der Straße aus.
Auch am internationalen Flughafen von Caracas im nahe der Hauptstadt gelegenen Maiquetía kam es nach Angaben von Rodríguez zu „schweren Beschädigungen der Infrastruktur“. Er musste geschlossen werden.
Unter den Trümmern werden viele Opfer befürchtet.
Foto: Ariana Cubillos/AP/dpa
Die venezolanische Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin María Corina Machado, die sich derzeit nicht in Venezuela aufhält, schrieb auf der Plattform X: „Mein Herz, meine unendliche Umarmung und meine Gebete gelten in diesen Stunden der Not jeder venezolanischen Familie. Mögen Stärke, Ruhe und Solidarität in dieser schwierigen Zeit unter uns herrschen“.
Zahlreiche Staaten bieten ihre Hilfe an
Die geschäftsführende Präsidentin sprach von einem „Vorfall mit schwerwiegenden Folgen“. Das US-Außenministerium richtete nach eigenen Angaben einen Krisenstab ein, um in Absprache mit der venezolanischen Regierung Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe zu schicken.
US-Präsident Donald Trump bietet Hilfe an: „Die beiden schweren Erdbeben, die das großartige Volk von Venezuela gerade getroffen haben, sind von gewaltigem Ausmaß und haben eine verheerende Zahl an Todesopfern gefordert. Die USA sind bereit und in der Lage zu helfen.“
Er habe alle Behörden angewiesen, sich für einen schnellen Einsatz bereitzuhalten. „Wir werden für unsere neuen und großartigen Freunde da sein. Die ersten Berichte sind schlecht“, so Trump.
Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, schrieb ebenfalls auf der Plattform X, es stünden 300 Rettungskräfte und Sanitäter sowie 50 Tonnen Hilfsgüter bereit, um in die venezolanische Hauptstadt Caracas gebracht zu werden.
Der Präsident der Dominikanischen Republik, Luis Abinader, erklärte spezialisierte Such- und Rettungsteams der Streitkräfte würden am Morgen nach Venezuela aufbrechen. Auch Brasilien signalisierte Hilfsbereitschaft. Rodríguez zufolge boten auch bereits andere Staaten Hilfe an.
Auswirkungen auch in Kolumbien
Auswirkungen des Doppel-Bebens waren auch in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá zu spüren, die rund tausend Kilometer Luftlinie vom Epizentrum entfernt liegt. Wegen der Erschütterungen rannten auch in Bogotá Menschen auf die Straße, Alarmsirenen heulten.
In Venezuela leben rund 80 Prozent der Menschen in erdbebenbedrohten Gebieten, starke Beben sind jedoch selten. 1997 kam es zuletzt zu einem Beben mit verheerenden Folgen, als im östlichen Bundesstaat Sucre 73 Menschen ums Leben kamen. 1976 wurden fast 300 Menschen getötet und 2.000 verletzt, als ein Beben Caracas erschütterte. (afp/red)
Gemälde zur Schlacht von Cartagena de Indias (1708) von dem britischen Maler Samuel Scott (1703–1772). - Foto: gemeinfrei
In Kürze:
Das Segelschiff „San José“ war zu Beginn des 18. Jahrhunderts Teil der berühmten spanischen Silberflotte.
Infolge des Erbkriegs wurde das spanische Schiff versehentlich mitsamt seiner milliardenschweren Ladung von den Engländern versenkt.
Mit seiner Wiederentdeckung liefern sich vier Parteien ein Tauziehen um den Besitz des Wracks und seiner kostbaren Schätze.
Vor der Küste von Kolumbien liegt der vermutlich größte Schatz der Welt, 600 Meter tief, unter Sand vergraben. Vor drei Jahrhunderten sank hier eines der schwerstbeladensten Kriegsschiffe Spaniens zusammen mit Hunderten Tonnen Edelmetallen und -steinen.
Für die hölzerne „San José“ war es eine Fahrt in den sicheren Untergang – eingeleitet durch einen unglücklichen Befehl. Ein mehrstündiger Kanonenbeschuss und eine Explosion rissen den stolzen Segler auseinander und die über 600 Menschen an Bord aus dem Leben. Was bis heute bleibt, ist ein Tauziehen um das Milliarden Euro teure Kriegsgrab, das als „Heiliger Gral der Schiffswracks“ gilt. Doch der Reihe nach.
Die „San José“ – gebaut für den Krieg
Im 17. Jahrhundert gehörte das königliche Spanien zu den größten Kolonialmächten Europas. Um seinen Einfluss zu erweitern und mit anderen Staaten zu konkurrieren, baute das Kontinente umspannende Reich stetig seine Schiffsflotte aus.
Eine der historisch wichtigsten Erweiterungen gab die spanische Krone im Dezember 1694 in Auftrag: den Bau zweier identischer Kriegsschiffe. Die beiden Dreimast-Vollschiffe mit den Namen „San José“ und „San Joaquín“ verfügten über jeweils zwei Decks und 64 Kanonen.
Die „San José“ könnte so ähnlich ausgesehen haben wie diese venezianische Galeone, nur größer, schwerer und stärker bewaffnet.
Auf den rund 39 Meter langen und über 11,5 Meter breiten Seglern dienten nach ihrer Fertigstellung im Jahr 1700 jeweils circa 550 Seemänner und Soldaten. Der erste Einsatz erfolgte im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges (1701–1714), in dem die beiden Schwesterschiffe bis zum März 1706 erfolgreich die iberischen Seegebiete im Mittelmeer verteidigten.
Im Anschluss daran erteilte die spanische Krone den Kapitänen der „San José“ und „San Joaquín“ einen wichtigen Auftrag. Sie sollten den neuen Vizekönig von Peru und den Erzbischof von Santa Fe sicher nach Cartagena de Indias in Kolumbien bringen. Die Flotte aus zehn Handels- und drei Kriegsschiffen erreichte unter der Führung des Flaggschiffs „San José“ nach rund sechs Wochen und mehr als 4.000 Seemeilen sicher ihr Ziel.
Im Dienst der Spanischen Silberflotte
Bis zum Januar 1708 verblieb die „San José“ im neuen Heimathafen von Cartagena de Indias, bis sie Teil der Spanischen Silberflotte wurde. Deren Schiffe transportierten in der Regel zweimal jährlich Rohstoffe und edle Güter aus den Kolonien nach Spanien. Im Gegenzug gelangten auf dem Rückweg zahlreiche Alltagswaren von Europa nach Mittel- und Südamerika sowie Asien.
Doch nicht selten kam es zu Verlusten von Schiffen und Waren – etwa durch Unwetter oder Überfälle. Um Letzterem vorzubeugen, reisten die mit edlen Gütern beladenen Handelsschiffe ab dem 16. Jh. zusammen mit gut ausgerüsteten Kriegsschiffen in einer Art Konvoi.
Diese Schutzmaßnahme wurde 1543 gesetzlich vorgeschrieben, nachdem italienische Piraten drei Schiffe des berühmten Hernán Cortés (1485–1547) kaperten und die Schätze erbeuteten. Cortés ist dafür bekannt, dass er in Mittel- und Südamerika das Gold der Azteken suchte, raubte und nach Spanien schickte. Dieses war für Spanien enorm wichtig, um seine teure Kriegspolitik zu finanzieren.
Hernán Cortés (1485–1547) suchte im Auftrag der spanischen Krone in Mittel- und Südamerika das Gold der Azteken.
Zwischen 1701 und 1714 befand sich Spanien im Streit um die Nachfolge des Throns von Karl II. (1661–1700). Denn der König aus dem Hause der Habsburger war trotz zweier Ehen kinderlos und damit ohne Erbe geblieben.
Weil Karl II. (1661–1700), König von Spanien, ohne Erbe blieb, kam es zum Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714).
Doch gleich zwei Parteien sahen sich in der ungeregelten Nachfolge als rechtmäßige Erben des Throns: der französische Prinz Philipp von Anjou (1683–1746) aus dem Hause Bourbon und der österreichische Erzherzog Karl (1685–1740) aus dem Hause der Habsburger.
Spanien und Frankreich standen damit letztlich England, den Niederlanden und dem Heiligen Römischen Reich gegenüber. Um das iberische Königreich während des Krieges zu schwächen, begannen seine Gegner, die spanische Silberflotte zu attackieren und zu plündern.
Ziel war es, die zwingend für den Krieg benötigten Gold- und Silberlieferungen abzufangen und Spanien so in große finanzielle Not zu bringen. Dieses Vorhaben gelang – aber nicht so, wie sich die Engländer ihre Mission vorgestellt hatten.
Bis zu 23 Milliarden Euro schwer
Im Mai 1708 begab sich die „San José“ und ihre Crew ungeahnt auf ihre letzte große Fahrt. Zunächst war sie in einem Konvoi aus elf Handels- und sieben Kriegsschiffen auf dem Weg nach Portobelo in Panama. Dort wurde die spanische Flotte mit Reichtümern beladen.
Das meiste und wertvollste bargen traditionell die Kriegsschiffe des Konvois, da diese militärisch am besten ausgerüstet waren. So kam es, dass allein die „San José“ mit über 300 Tonnen Gold und Silber sowie mehr als 100 Kisten mit peruanischen Smaragden beladen war. Heute besitzt diese Ladung einen geschätzten Wert zwischen 4 und 23 Milliarden Euro. Könnte eine Person den gesamten Schatz ihr Eigen nennen, würde sie schlagartig zu den 100 reichsten Menschen der Welt gehören. Ein ähnliches Vermögen besitzen Peter Thiel (PayPal), Stefan Quandt (BMW) oder Melinda Gates.
Im Anschluss sollte der Konvoi mitsamt Schatz zunächst wieder in den Heimathafen von Cartagena einlaufen, wo die Schiffe umfassend gewartet werden sollten. Berichten zufolge war die „San José“ wie viele andere Schiffe der spanischen Flotte des 18. Jahrhunderts in einem schlechten Zustand.
Danach sah die Reiseroute eine Überfahrt zum Zwischenhafen in Havanna sowie die finale Fahrt nach Cádiz, Spanien, vor. Doch so weit sollte die „San José“ nie kommen. Bereits 30 Kilometer vor Cartagena lauerten englische Kriegsschiffe auf den spanischen Konvoi.
Die 1708 angedachte Reiseroute der „San José“.
Foto: Epoch Times; dikobraziy/iStock
Die letzte Fahrt – hinein in den Untergang
Am Nachmittag des 8. Juni 1708 trafen die Engländer und Spanier schließlich aufeinander. Inwieweit diese Situation für die Besatzung der „San José“ überraschend kam, ist nicht bekannt. Laut historischen Quellen meldete der Statthalter von Cartagena vor dem Auslaufen der Schiffe in Panama, dass britische Schiffe in den nahen Gewässern gesichtet worden waren. Dennoch gaben die Kapitäne der Silberflotte mit ihren 600 Reisenden an Bord den Befehl, die Leinen zu lösen.
Insgesamt standen sich bei der Seeschlacht von Cartagena de Indias sieben spanische Kriegsschiffe mit rund 2.600 Seeleuten und 312 Kanonen, und vier englische Kriegsschiffe mit circa 1.500 Seemännern und 192 Kanonen gegenüber. Das wesentliche Kampfgeschehen fand jedoch unter den beiden Flaggschiffen „San José“ und Expedition statt.
Gemälde zur Schlacht von Cartagena de Indias (1708) von dem britischen Maler Samuel Scott (1703–1772).
Die Briten, kommandiert von Charles Wager (1666–1743), eröffneten das Kanonenfeuer und versuchten im Rahmen des Angriffs, der auch als Wager’s Action bekannt ist, die „San José“ zu entern und den Schatz zu erbeuten.
Nach wenigen Stunden des Gefechts kam es jedoch zu einer Explosion und die „San José“ sank binnen kürzester Zeit. Von den mehr als 600 Menschen an Bord, konnten die britischen Schiffe lediglich elf Personen retten – alle anderen versanken mitsamt dem Schatz in den Fluten.
Andere Schiffe des spanischen Konvois wurden von den Briten erobert, von den Spaniern selbst versenkt oder konnten entkommen. So schaffte es unter anderem das zweite reich beladene Schiff, die San Joaquín, sicher in den Hafen von Cartagena. Auf der spanischen Seite starben insgesamt über 700 Menschen, mehr als 500 wurden verletzt und rund 200 gefangengenommen.
Charles Wager (1666–1743) kommandierte das britische Flaggschiff Expedition, das die „San José“ versenkte.
Aufgrund der milliardenschweren Ladung war das Kriegsgrab ein begehrtes Ziel von Schatztauchern und Historikern. Doch es gab ein Problem: Der Fundort der „San José“ war unbekannt.
1979 handelten US-amerikanische Investoren von Sea Search-Armada deshalb einen Vertrag mit dem kolumbianischen Staat aus, in dessen Gewässern die „San José“ liegen sollte. Dieser erlaubte der privaten Firma, nach dem Wrack zu suchen. Bei einem Erfolg sollte die Firma einen Anteil am Gewinn erhalten.
Bereits zwei Jahre später meldeten die Mitglieder von Sea Search-Armada um den renommierten Historiker Dr. Eugene Lyon, dass sie das Wrack lokalisieren konnten. Kolumbien zog daraufhin seine Erlaubnis zurück und untersagte der Firma, weitere Forschungen durchzuführen.
In dem Wrack der „San José“ könnten unter anderem Goldmünzen wie diese geladen gewesen sein.
2015 verkündete die kolumbianische Regierung, dass das Wrack der „San José“ vor der Halbinsel Barú von der Marine entdeckt worden war. Per Gerichtsbeschluss erklärte Kolumbien die „San José“ zu ihrem Eigentum und stufte den Fund als Staatsgeheimnis ein, womit Untersuchungen durch unabhängige, internationale Forschergruppen untersagt sind.
„Das archäologische Erbe und andere kulturelle Ressourcen, die die nationale Identität geprägt haben, gehören der Nation und sind unveräußerlich, können nicht beschlagnahmt werden und verjähren nicht“, hieß es sodann in Artikel 72 der kolumbianischen Verfassung
Bis 2022 reichte Sea Search-Armada mehrere Klagen wegen Vertragsbruchs ein und verwies darauf, dass das Wrack tatsächlich an dem von ihnen im Jahr 1981 ermittelten Fundort liege.
„Wenn zwei sich streiten …“
Nicht nur der kolumbianische Staat und die private Firma Sea Search-Armada ringen um den Anspruch des Wracks, sondern auch Spanien. Das Mutterland der „San José“ verweist dabei auf offizielle Übereinkommen – etwa die Konvention zum Schutz des Kulturerbes unter Wasser der UNESCO von 2001.
Laut Artikel 1, 3 und 9 sind Schiffe und ihre Ladung Teil des Unterwasserkulturerbes und mögliche Eingriffe müssen dem Eigentumsstaat gemeldet werden. Bezüglich des Eigentumsstaates verweist die UNESCO auf das internationale UN-Seerechtsübereinkommen (UNCLOS).
Darin ist in Artikel 91 geregelt, dass Schiffe „die Staatsangehörigkeit des Staates [besitzen], dessen Flagge sie führen“. Weiterhin besagt Artikel 149, dass alle archäologischen und historischen Gegenstände, zu bewahren oder zu verwerten sind, „wobei den Vorzugsrechten des Herkunftsstaates oder -landes, des Staates, aus dem die Kultur stammt, oder des Staates, aus dem die historischen und archäologischen Fundstücke stammen, besondere Beachtung zu schenken ist“.
Die kolumbianische Regierung hat jedoch weder jemals die UNESCO-Konvention noch das UN-Seerechtsübereinkommen unterzeichnet, womit rechtlich betrachtet keine widrigen Handlungen vorgenommen werden.
Ein Blick auf das heutige Cartagena in Kolumbien.
Foto: RoNeDya/iStock
Mit dem bolivianischen Volksstamm der Qhara Qhara erhebt zudem eine vierte Partei Anspruch auf die Ladung der „San José“. Als Begründung führen die Indigenen an, dass sie vor über 300 Jahren von den Spaniern gezwungen wurden, die Edelmetalle und -steine aus ihren Minen abzubauen, und die Rohstoffe somit aufgrund ihrer Herkunft Bolivien gehörten. Die UN-Konventionen unterstützen diese Lesart nicht, denn Rohstoffe sind keine Kulturgüter.
Aufgrund nationaler Bestimmungen wird die „San José“ seit ihrer (Wieder-)Entdeckung im Alleingang vom Kolumbianischen Institut für Anthropologie und Geschichte (ICANH) untersucht. Demnach liege das Wrack ungeplündert neben weiteren gesunkenen, kleineren Schiffen am Meeresboden.
Zunächst erkundeten die kolumbianischen Forscher das Wrack mit einem autonomen Unterwasserfahrzeug, um die Ausmaße der Fundstelle und die Verteilung der Artefakte am Grund zu beurteilen. Dabei wurde das ICANH verpflichtet, eine umfassende Liste mit allen zum Wrack gehörenden Objekten anzufertigen.
Später folgte die Bergung ausgewählter Funde – etwa von Bronzekanonen, spanischen Münzen und chinesischem Porzellan. Anschließende Untersuchungen sollten klären, wann und wie die Gegenstände hergestellt wurden und wie ihre Erhaltung nach 300 Jahren ist.
Ob in Zukunft weitere Funde geborgen werden oder eine Ausgrabung unter Wasser durchgeführt wird, um die Geschichte der „San José“ weiter aufzudecken, ist bislang unbekannt. Sicher ist nur, dass die bisher geborgenen Funde in einem Museum in Cartagena ausgestellt werden sollen.
Plakatwände vor der Wahl am 21. Juni 2026 in Cali, Kolumbien – der Präsidentschaftskandidaten Abelardo de la Espriella von der Bewegung „Salvadores de la Patria“ (r) und für Ivan Cepdepa von der Partei „Pacto Histórico“ (l). - Foto: Joaquin Sarmiento/AFP via Getty Images
In Kolumbien entscheiden die Menschen am Sonntag in einer Stichwahl, wer neuer Präsident des südamerikanischen Landes wird. Der Anwalt Abelardo de la Espriella tritt gegen Iván Cepeda an.
Der konservative De la Espriella erreichte bei der ersten Runde am 31. Mai überraschend 44 Prozent der Stimmen. Cepeda, Führer der politischen Linken, der als Favorit ins Rennen ging, kam auf 41 Prozent.
Abelardo de la Espriella (l) am 12. März 2026 und Iván Cepeda in Bogotá am 1. Juni 2026.
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In der zweiten Runde entscheidet sich, wer auf den scheidenden Amtsinhaber Gustavo Petro folgt, dem ersten linken Präsidenten in der Geschichte Kolumbiens.
Während Petros vierjähriger Amtszeit sank die Arbeitslosigkeit, der Mindestlohn stieg um 75 Prozent. Doch trotz Verhandlungen der Regierung mit den Guerillaorganisationen und paramilitärischen Gruppen des Landes verschlechterte sich die Sicherheitslage deutlich.
Anhänger des kolumbianischen Präsidentschaftskandidaten Abelardo de la Espriella bei einer Wahlkampfveranstaltung in Cartagena, Kolumbien, am 9. Juni 2026.
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Gewalt und Anschläge
Der Wahlkampf war von Gewalt überschattet, unter anderem wurden mehrere Anschläge mit Autobomben und Drohnen verübt. Im Juni 2025 wurde der rechtsgerichtete Präsidentschaftskandidat Miguel Uribe ermordet. Auch zahlreiche Gemeindevorsteher und Zivilisten wurden getötet.
Kritiker machen Petros Politik für die zunehmende Gewalt verantwortlich. Catalina Devia, eine 42-jährige leitende Angestellte, die für De la Espriella stimmte, sagte, Petros Regierung habe „bewaffnete Gruppen wirklich gestärkt, indem sie so sanft war“.
Kolumbien leidet seit Jahrzehnten unter bewaffneten Konflikten, an denen neben der Armee und linken Guerillagruppen auch rechte Paramilitärs und Drogenbanden beteiligt sind. (afp/red)
Die Kämpfe ereigneten sich in der abgelegenen Ortschaft Pipiral im Amazonasgebiet der Provinz Guaviare; Rettungskräfte konnten das vermutlich verminte Gebiet zunächst nicht erreichen. (Archivbild). - Foto: JOAQUIN SARMIENTO/AFP via Getty Images
Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl in Kolumbien sind bei Kämpfen zwischen zwei Splittergruppen der früheren Farc-Guerilla nach Angaben eines Bürgermeisters 48 Menschen getötet worden.
Die Toten lägen „auf einem Haufen“ und müssten geborgen werden, sagte der Bürgermeister von San José del Guaviare, Willy Rodríguez, am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP.
Kämpfe in abgelegener Amazonasregion
Die Kämpfe ereigneten sich demnach im kolumbianischen Amazonasgebiet, in der abgelegenen Ortschaft Pipiral in der Provinz Guaviare.
Die Behörden konnten die schwer zugängliche Gegend zunächst nicht erreichen. Die vorläufige Opferzahl beruhe auf Angaben aus der betroffenen Gemeinde, sagte Rodríguez. Rettungskräfte warteten darauf, dass die bewaffneten Gruppen ihnen Zugang zu dem vermutlich verminten Gebiet gewährten.
Kolumbien erlebt derzeit die schwerste Gewaltwelle seit mehr als einem Jahrzehnt. In Guaviare kämpfen bewaffnete Gruppen um die Kontrolle über Gebiete sowie Einnahmen aus dem Drogenhandel und illegalem Bergbau.
Das Gebiet gilt als eine historische Hochburg der Guerilla. Heute wird es von Dissidentengruppen umkämpft, die das Friedensabkommen von 2016 zwischen dem kolumbianischen Staat und den Farc ablehnten.
Gewalt überschattet Präsidentschaftswahl
Verteidigungsminister Pedro Sánchez sagte dem Sender Blu Radio, die Gruppen hätten „ein einziges Ziel: die kriminelle Wirtschaft, vom Drogenhandel zu leben“. Ein Einsatz aus der Luft sei wegen des Wetters nicht möglich gewesen, Truppen rückten auf dem Landweg vor.
Nach Angaben aus einer Militärquelle hatten die Kämpfe am Montag begonnen. Ob sie weiter andauerten, war zunächst unklar.
Die Sicherheitslage gehört vor der Präsidentschaftswahl am 31. Mai zu den wichtigsten Sorgen vieler Kolumbianer.
Der seit seinem Sieg bei der Wahl im Jahr 2022 regierende linksgerichtete Präsident Gustavo Petro hatte vergeblich versucht, im Rahmen seiner Strategie eines „totalen Friedens“ mit allen bewaffneten Gruppen zu verhandeln.
Die rechtsgerichtete Opposition wirft ihm vor, nachgiebig mit den bewaffneten Gruppen zu sein. Der amtierende Präsident darf gemäß der Verfassung nicht erneut antreten.
Als aussichtsreichster Präsidentschaftskandidat gilt der linksgerichtete Senator Iván Cepeda, der Petros Kurs fortsetzen will. Gegen ihn tritt der rechtsgerichtete Abelardo de la Espriella an, der unter anderem zusammen mit der US-Armee Luftangriffe gegen bewaffnete Gruppen fliegen will. (afp/red)