In Kürze:
- Der Abschlussbericht des Generalinspekteurs sieht mehrere Versäumnisse des Secret Service vor dem Attentat auf Donald Trump.
- Fehlende Kommunikation führte dazu, dass 102 Funkmeldungen der örtlichen Polizei den Secret Service nicht erreichten.
- Ein ausgefallenes Anti-Drohnen-System ermöglichte dem späteren Attentäter die unbemerkte Erkundung des Geländes.
- Der Bericht empfiehlt sieben Reformen zur Verbesserung von Kommunikation, Ausbildung und Einsatzplanung.
Am Donnerstag, 2. Juli, hat der Generalinspekteur des US-Heimatschutzministeriums seinen Endbericht zum versuchten Mordanschlag auf den damaligen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump vorgelegt. Der Bericht kam zu dem Schluss, dass der Secret Service am Tattag, dem 13. Juli 2024, mehrere Gelegenheiten versäumt hatte, die Anschlagspläne rechtzeitig zu erkennen und deren Ausführung zu verhindern.
Kommunikationsprobleme, organisatorische Mängel, ein unzureichender Informationsaustausch und technische Defizite hätten den Ausschlag gegeben. An jenem Tag hatte der 20-jährige Pflegeheim-Mitarbeiter Thomas Crooks um 18:11 Uhr acht Schüsse auf Trump abgegeben. Zuvor hatte er das Areal um das Gelände mit einer Drohne erkundet. Crooks wurde von Einsatzkräften noch während der Ausführungshandlungen zu seinem Attentatsversuch erschossen.
Kein hinreichender Austausch zwischen Secret Service und Polizei vor Trump-Auftritt
Der gravierendste Befund des Berichts betrifft die fehlende Kommunikation zwischen dem Secret Service und der örtlichen Polizei. So waren die örtlichen Polizeibehörden nach Hinweisen intensiv auf der Suche nach einer auffälligen und verdächtig wirkenden Person. Gemeint war damit Thomas Crooks.
Die örtlichen Polizeibehörden tauschten nicht weniger als 102 Funkmeldungen aus, die sich mit der Suche beschäftigten. Da es keinen gemeinsamen Kommunikationsraum mit dem Secret Service gab, erhielt dieser diese Informationen nicht. Stattdessen erhielt er lediglich fünf Telefonanrufe und drei Textnachrichten.
Dem Secret Service erschien dies als zu wenig, um eigene Veranlassungen zu treffen und Trumps Personenschutz über eine mögliche Bedrohung zu informieren. In einem solchen Fall hätten sie Trump später auftreten lassen oder sofort von der Bühne gebracht. Die Kommunikationsräume des Secret Service und der örtlichen Polizei lagen nur 235 Meter voneinander entfernt. Letzte Sicherheitsbesprechungen und Ortsbegehungen hatten am 12. Juli stattgefunden.
Defektes Anti-Drohnen-System ermöglichte Crooks Erkundung des Geländes
Ein weiteres schwerwiegendes Versäumnis war das defekte Anti-Drohnen-System. Dieses hatte es Thomas Crooks etwa zwei Stunden vor dem Attentat erlaubt, in einer Höhe von etwa 31 Metern eine Drohne über das Areal fliegen zu lassen. Während des Fluges befand sich die Drohne etwa 430 Meter von der Bühne entfernt und konnte sowohl diese als auch das Dach des Gebäudes erfassen, von dem aus Crooks später seine Schüsse abgeben sollte.
Am 13. Juli bemerkte der – unzureichend geschulte – Bediener nach 10:00 Uhr erstmals, dass das Anti-Drohnen-System ausgefallen war. Um 12:12 Uhr gab es den ersten Anruf beim Hersteller, wobei jedoch kein Techniker erreichbar war. Erst ein zweiter Anruf um 13:11 Uhr leitete den Beginn der Fehlersuche ein. Um 15:04 Uhr teilte der Hersteller mit, dass sich ein Spezialist der Sache annehmen müsse. Dabei war es aufgrund des Wochenendes schwierig, einen zu erreichen.
Um etwa 16:20 Uhr konnte ein defektes Ethernet-Kabel als Ursache des Ausfalls identifiziert werden. Ab 16:29 Uhr war das Anti-Drohnen-System wieder einsatzbereit. Der Ausfall hatte es Thomas Crooks jedoch ermöglicht, in der Zeit von 15:51 und 16:00 Uhr rund neun Minuten lang unbemerkt seine Drohne über das Veranstaltungsgelände zu steuern. Dem Bericht zufolge hätte ein funktionierendes Anti-Drohnen-System sowohl die Drohne als auch die Person erkennen können, die sie steuerte.
Freie Sicht auf Trump vom Dach des AGR-Gebäudes nicht verhindert
Das Dach des Firmengeländes von American Glass Research (AGR), von dem aus Crooks später schießen sollte, hatte der Secret Service grundsätzlich bereits als potenzielle Gefahrenquellen identifiziert. Einer seiner Mitarbeiter hatte vorgeschlagen, die freie Sicht zur Bühne durch Lkws zu blockieren.
Der Vorschlag wurde aus organisatorischen Gründen und mit Rücksicht auf die Medienberichterstattung verworfen. Es gab zwar noch einen alternativen Plan. Dessen Umsetzung veranlasste oder kontrollierte jedoch niemand – oder es fühlte sich keiner dafür zuständig. So blieb es bei der freien Sicht, und Crooks nutzte diese, um von dort aus zu schießen.
Generell sei der Außenbereich des Geländes unzureichend geschützt gewesen, heißt es in dem Bericht weiter. Das Gebäude, von dem aus Crooks schoss, lag außerhalb des eigentlichen Sicherheitsperimeters. Der Secret Service sorgte dabei nicht in ausreichendem Maße für eine Sicherung durch örtliche Sicherheitskräfte. Auch gingen Warnmeldungen der örtlichen Polizeikräfte darüber verloren – unter diesen befanden sich auch solche, die von einem Bewaffneten handelten, der ein Gewehr bei sich habe.
Der Bericht nennt sieben dringliche Empfehlungen
Zwar lagen dem Secret Service vor der Veranstaltung – wenn auch wenig konkrete – Hinweise auf eine Bedrohung Trumps aus dem Fernbereich vor. Allerdings hatte man diese weder an das zuständige Pittsburgh Field Office noch an die Einsatzplaner vor Ort vollständig weitergegeben. Der Generalinspekteur gelangte zu der Schlussfolgerung, dass eine umfassendere Weitergabe auch zu einer stärkeren personellen Absicherung geführt hätte.
In Summe sieht der Generalinspekteur nicht einen einzelnen Fehler, sondern eine Kombination mehrerer Faktoren als ausschlaggebend für das Versagen des Secret Service am Tag des Attentats. Daraus resultieren sieben Reformempfehlungen. Diese umfassen unter anderem bessere Kommunikationsstrukturen mit lokalen Behörden und verbindliche Verfahren für den Austausch sicherheitsrelevanter Informationen.
Darüber hinaus empfiehlt der Bericht eine verbesserte Ausbildung der Anti-Drohnen-Teams, eine zuverlässigere technische Unterstützung, die bessere Absicherung von Außenbereichen und eine konsequentere Umsetzung bereits erkannter Sicherheitsmaßnahmen. Dem Secret Service zufolge sei ein Teil der Änderungen bereits umgesetzt worden.





