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Jeder dritte Mittelständler verschiebt Investitionen

Kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland tun sich weiterhin schwer mit Investitionen. Gerade einmal 40 Prozent aller 3,9 Millionen Mittelständler haben im Jahr 2025 Investitionsprojekte umgesetzt, wie aus einer Analyse der Förderbank KfW hervorgeht.
Auch im laufenden Jahr stockt es: Ein Drittel der Unternehmen (33 Prozent) und damit so viele wie nie zuvor gaben bei einer Befragung im September an, für 2026 geplante Investitionen verschoben oder in geringerem Umfang umgesetzt zu haben.
Dabei mangele es oft nicht an finanziellen Möglichkeiten, Geld in Digitalisierung, neue Anlagen und Energieeffizienz zu stecken, führt KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher zu den Ergebnissen des jüngsten „KfW-Mittelstandspanels“ aus.
„Die schlechte Nachricht ist: Zu viele Unternehmen investieren noch gar nicht oder zu wenig. Sie verschieben Investitionsvorhaben. Das ist problematisch für den Wirtschaftsstandort Deutschland.“

Teure Energie und viel Bürokratie bremsen

In Summe steckten kleine und mittlere Unternehmen hierzulande der Analyse zufolge im Jahr 2025 nominal rund 218 Milliarden Euro in neue Anlagen und Bauten und damit drei Milliarden Euro weniger als ein Jahr zuvor.
Bereinigt um Preissteigerungen (real) lag das Neuinvestitionsvolumen nach Berechnungen der KfW im dritten Jahr in Folge im Minus. Von 2019 bis 2025 sind die Unternehmensinvestitionen in Deutschland demnach preis- und kalenderbereinigt um 8,3 Prozent zurückgegangen.
Als größte Investitionshemmnisse betrachten die Unternehmen laut Befragung aus dem September hohe Preise für Energie, Material und Löhne. Aber auch Unsicherheit über die weitere konjunkturelle Entwicklung und Bürokratie bremsen. (dpa/red)
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Bürgergeld-Reform bringt bislang kaum Einsparungen

Die seit Juli geltende neue Grundsicherung entlastet den Bundeshaushalt offenbar bisher nicht.
Wie die „Süddeutsche Zeitung“ am Donnerstag unter Berufung auf eine Auswertung aus den Monatsberichten des Bundesfinanzministeriums berichtete, lagen die Kosten für die Grundsicherung inklusive Mieten in den Monaten von Juli bis September auf dem Niveau der Vorjahresmonate.

Ausgaben nahezu unverändert

Demnach beliefen sich die Ausgaben zuletzt auf monatlich 3,3 bis 3,5 Milliarden Euro. In den Vorjahresmonaten waren es 3,4 bis 3,5 Milliarden Euro pro Monat gewesen.
Im Wahlkampf hatte die Union versprochen, mit einer Reform des Bürgergelds Milliarden zu sparen. „Das Versprechen hat Erwartungen geweckt, die die Reform nicht erfüllen konnte“, sagte Andreas Peichl vom Ifo-Institut der „Süddeutschen Zeitung“. „Das schadet am Ende der Glaubwürdigkeit von Sozialreformen insgesamt.“
Die neue Grundsicherung verschärft vor allem die Sanktionen. Um nennenswert Ausgaben zu sparen, müsste mindestens eine Million Langzeitarbeitslose einen Job aufnehmen, sagte Peichl der Zeitung.

Sanktionen reichen laut Ifo nicht aus

„Das schafft kein Sanktionsrecht.“ Denn die meisten Leistungsbeziehenden seien gar nicht arbeitslos, sondern Kinder, Aufstocker, Alleinerziehende oder Menschen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen wie Fortbildungen.
Die Ausgaben für die Grundsicherung sinken unabhängig von der Reform seit Längerem leicht, weil mehr ukrainische Flüchtlinge arbeiten und weniger neue Flüchtlinge kommen. Allerdings gehen in der Industrie viele Arbeitsplätze verloren, was die Kosten für die Grundsicherung später wieder steigen lassen kann, warnen Experten. (afp/red)
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Sicherheitslücke legt zahlreiche Websites lahm

Nach der Warnung vor einer schwerwiegenden Sicherheitslücke in der Programmiersprache PHP sind etliche Webseiten weltweit zur Sicherheit zunächst vom Netz genommen worden. Auch am Donnerstag dürfte die Sicherheitslücke die Betreiber etlicher Onlineangebote weiter beschäftigen.
Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums für die Geheimdienste, Marc Henrichmann (CDU), warnte im „Handelsblatt“ vor einem „Wendepunkt“: Künstliche Intelligenz (KI) mache aus Schwachstellen, die bisher unbekannt waren, in kurzer Zeit „echte Einfallstore“.
Der US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn hatten wegen der Gefahr von Cyberangriffen zur „umgehenden“ Installation eines Sicherheitsupdates geraten. BSI-Vizepräsident Thomas Caspers warnte auch Nutzer vor kompromittierten Websites.

Hacker könnten Server übernehmen

Die Sicherheitslücke könne es Hackern ermöglichen, sich „direkten Zugriff“ auf Datensysteme oder Server-Datenbanken zu verschaffen, warnte die NSA. „Kritische Schwachstellen innerhalb der Programmiersprache PHP bedrohen aktuell weltweit Webanwendungen“, erklärte das BSI.
Das Sicherheitsupdate wurde am Mittwoch zur Verfügung gestellt. Gelinge es nicht, dieses schnell zu installieren, sollten die Internetseiten vorsorglich abgeschaltet werden, rieten NSA und BSI. Sonst könnten Cyberangreifer Server ohne ein Passwort übernehmen.
PHP ist eine beim Erstellen von Websites und Webanwendungen weltweit verbreitete Programmiersprache. Laut BSI sind vermutlich alle Versionen bis mindestens PHP 5 betroffen. „Wenn Sie PHP einsetzen, ist es zwingend erforderlich, dass Sie jetzt ein Update vornehmen“, erklärte die PHP-Stiftung in einem Blogbeitrag.
„Das ist eine der ernstesten Sicherheitslücken der vergangenen Jahre“, sagte der CDU-Politiker Henrichmann. Die Schwachstelle betreffe einen Großteil der Websites weltweit und sei damit „ein Problem für die gesamte digitale Infrastruktur“.
Der Fall zeige auch, wie verwundbar staatliche Einrichtungen seien, wenn zentrale Software über Jahre unentdeckte Fehler enthalte. Solche Sicherheitslücken würden gezielt von Kriminellen und staatlichen Akteuren ausgenutzt.
Betroffen sind nur Websites, die PHP auf eigenen Servern betreiben. Viele große Plattformen basieren auf anderen Programmiersprachen oder verfügen über Betreiber, die das Sicherheitsupdate zügig einspielen konnten, sodass sie weiterhin online bleiben konnten.
Der Digitalverband Bitkom riet Unternehmen, zu prüfen, wo „PHP in ihrer IT überall steckt, auch in älteren Versionen, die keine Updates mehr erhalten“.  „Viele wissen nicht genau, welche Komponenten in ihrer Software enthalten sind“, sagte der Leiter Sicherheit des Verbands, Felix Kuhlenkamp. „Ein solcher Überblick ist aber die Voraussetzung, um in solchen Lagen schnell reagieren zu können.“

Behörden zahlreicher Länder ebenfalls betroffen

In Deutschland nahmen am Mittwoch Landes- und Polizeibehörden sowie mehrere Städte ihre Angebote vorsorglich aus dem Netz, um Updates aufzuspielen. In Nordrhein-Westfalen wurden laut dem Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste „einige Online-Dienste der Polizei NRW als Vorsichtsmaßnahme vorübergehend abgeschaltet“.
Die Berliner Polizei meldete Ausfälle der „Internetwache“, über die Anzeigen gestellt werden können, und verwies auf die Notfallnummer 110. Auch am Donnerstagmorgen war die „Internetwache“ nicht verfügbar.
In Frankreich waren die Internetauftritte mehrerer Behörden, unter ihnen die Pariser Polizei, nicht mehr erreichbar. In Belgien war unter anderem die Website des Außenministeriums offline.
In den Niederlanden waren der digitale Identitätsdienst DigiD, die Parlamentswebsite und der Internetauftritt des nationalen Cybersicherheitszentrums betroffen.
Nach Angaben der Wikimedia-Stiftung war auch das von ihr betriebene Online-Lexikon Wikipedia betroffen, die Nutzer sollten daher mit Ausfällen rechnen. Auch beliebte Apps wie etwa ein Pokémon-Schlaftracker waren zeitweise nicht nutzbar.
Die Schwachstellen waren im August von der Sicherheitsfirma Calif und dem ChatGPT-Entwickler OpenAI gemeldet worden, die sie unabhängig voneinander am selben Tag entdeckt hatten. Wiz meldete später weitere Möglichkeiten, sie auszunutzen.
Nach Einschätzung von Wiz basieren etwa 70 Prozent der weltweiten Websites auf PHP. Das Unternehmen bezeichnete die Sicherheitslücken als „eine der schwerwiegendsten Schwachstellen, die jemals in PHP – und womöglich in der gesamten Softwaregeschichte – entdeckt wurden.“
Die Schwachstellen wurden den PHP-Entwicklern zunächst vertraulich gemeldet und blieben unter Verschluss, während an einer Lösung gearbeitet wurde. Details wurden am Dienstag – einen Tag vor der geplanten Veröffentlichung des Updates – online geleakt. Dies führte zur vorsorglichen Abschaltung vieler Websites.

BSI warnt vor weiteren Angriffen

Laut BSI-Vizepräsidenten Thomas Caspers konnte bis Mittwochabend noch nicht beobachtet werden, „dass eine große Schadwirkung eingetreten ist“. „Allerdings, wer heute noch nicht seine Webanwendungen patcht und eben die neueste Version aufspielt, läuft wirklich Gefahr, jetzt sehr kurzfristig dann doch betroffen zu sein“, sagte Caspers in den ARD-„Tagesthemen“ mit Blick auf die Aktualisierung der Sicherheitsupdates.
Es sei davon auszugehen, dass nicht alle Betreiber die Updates installierten. „Dann werden wir auch die ersten Schäden sehen.“
Nutzer sind laut Caspers zunächst jedoch nicht betroffen. Allerdings sollten Verbraucher darauf achten „und auch damit rechnen“, dass in den nächsten Tagen über möglicherweise kompromittierte Webseiten versucht werden könnte, „Schadgut auch auf ihren Systemen“ zu installieren. (afp/red)
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Glück – von Ernst Stadler

Glück

Nun sind vor meines Glückes Stimme
alle Sehnsuchtsvögel weggeflogen.
Ich schaue still den Wolken zu,
die über meinem Fenster in die Bläue jagen –
Sie locken nicht mehr,
mich zu fernen Küsten fortzutragen,
Wie einst, da Sterne, Wind und Sonne
wehrlos mich ins Weite zogen.
In deine Liebe bin ich
wie in einen Mantel eingeschlagen.
Ich fühle deines Herzens Schlag,
der über meinem Herzen zuckt.
Ich steige selig
in die Kammer meines Glückes nieder,
Ganz tief in mir, so wie ein Vogel,
der ins flaumige Gefieder
Zu sommerdunklem Traum
das Köpfchen niederduckt.
 
Ernst Stadler (1883–1914)
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Söder will mit Geberländern Extremismusklausel im Länderfinanzausgleich durchsetzen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will mit weiteren Geberländern eine Extremismusklausel im Länderfinanzausgleich durchsetzen, die mögliche von der AfD oder der Linkspartei geführte Regierungen in Sachsen-Anhalt und im Land Berlin von Finanzmitteln aus dem Topf abschneiden könnte. „Wir sind in Gesprächen mit Hessen und mit Baden-Württemberg über eine Extremismusklausel für den Länderfinanzausgleich“, sagte der CSU-Vorsitzende der „Augsburger Allgemeinen“ (Donnerstagausgabe).
„Diese würde besagen, dass Länder, die extremistisch regiert werden, nicht von den Geberländern unterstützt werden“, führte Söder aus. „Betroffen wären Sachsen-Anhalt und Berlin, wenn die Regierungsbildungen dort wie erwartet ablaufen.“
Er sei zuversichtlich, dass die anderen Länder den Finanzausgleich entsprechend mitanpassen. „Eine solche Extremismusklausel würde an den Zahlungen an die anderen Nehmerländer erst einmal nichts ändern. Diese müssen also vorerst keine Angst haben und könnten zustimmen – im Sinne unseres gemeinsamen Landes.“

Söder befürchtet internationalen Schaden für Deutschland

Die sich abzeichnende Berliner Landesregierung droht Deutschland aus Söders Sicht auch international großen Schaden zuzufügen. „Dem werde ich nicht tatenlos zusehen“, sagte der CSU-Chef.
Linke, Grüne und SPD in Berlin hatten am Samstag ein gemeinsames Sondierungspapier sowie die Aufnahme von Koalitionsgesprächen verkündet. Der Landesvorstand der SPD und ein Parteitag der Grünen billigten dies am Montagabend. Bei der Linken entscheidet ein Parteitag am 31. Oktober darüber, ob die Partei offiziell in Koalitionsgespräche geht. Die Linke hatte die Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September klar gewonnen.
Die Bestrebungen zur Regierungsbildung werden jedoch von Antisemitismusvorwürfen gegen einzelne Linke-Mitglieder überschattet. Auch an den Vergesellschaftungsplänen der möglichen Koalitionspartner gibt es scharfe Kritik seitens führender Unions-Politiker. (afp/red)
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GKV-Chef Blatt warnt vor Zwangsfusion von Krankenkassen

Der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Oliver Blatt, weist Forderungen nach einer politisch erzwungenen Verkleinerung der gesetzlichen Krankenkassenlandschaft zurück. „Ich bin fest davon überzeugt, dass eine zwanghafte Reduzierung auf eine bestimmte Zahl von Krankenkassen nichts dazu beiträgt, das Gesundheitssystem effizienter aufzustellen“, sagte Blatt der Funke-Mediengruppe. Er kenne keinen Wissenschaftler, der eine solche Maßnahme fordere. Auch die Finanzkommission Gesundheit habe sich nicht dafür ausgesprochen.
Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hatte schon im Sommer bekräftigt, dass er deutlich weniger Krankenkassen für ausreichend hält. „Ich bleibe bei dem, was ich gesagt habe. Davon nehme ich nichts zurück“, sagte er damals der „Bild“. Ende des Jahres werde eine Kommission dazu einen Endbericht vorlegen. Bereits im April hatte Linnemann gefordert, die Zahl der damals mehr als 90 Kassen mindestens zu halbieren. Zehn Krankenkassen reichten aus seiner Sicht. Als mögliche Voraussetzung für eine Fusion hatte er eine Mindestgröße von 200.000 oder 250.000 Mitgliedern genannt.
Linnemann betonte gegenüber der Funke-Mediengruppe: „Die Finanzkommission Gesundheit wird im Dezember ihren Bericht vorstellen. Darin wird es auch um das Thema Krankenkassen gehen. Auf Grundlage der Ergebnisse des Berichts werden wir dann im nächsten Jahr Reformen angehen.“

Der Wettbewerb soll Regeln – nicht der Staat

Blatt hält die möglichen Einsparungen durch eine solche Vorgabe jedoch für gering. „Die Krankenkassen haben durch den Wettbewerb schon heute einen sehr geringen Verwaltungskostenanteil von rund vier Prozent.“ Der größte Teil davon entfalle auf Personalkosten. „Wir wollen weiterhin für die Versicherten da sein und ans Telefon gehen und dafür brauchen wir Personal“, sagte er. Ein Blick nach Österreich zeige ebenfalls, dass eine staatlich vorgegebene Konzentration nicht automatisch zu Einsparungen führe.
Zugleich betonte Blatt, dass die Kassen selbst weiter an effizienteren Abläufen arbeiteten, auch mithilfe künstlicher Intelligenz. Der Konzentrationsprozess sei ohnehin im Gang. „Zu Jahresbeginn werden wir wohl weniger als 90 Krankenkassen haben, obwohl es vor rund 30 Jahren noch über 1.000 waren.“ Fusionen seien sinnvoll, wenn sie wirtschaftliche Vorteile brächten. „Aber warum sollten es politisch genau 20 Kassen sein – und nicht 50 oder zehn? Das sollte der Wettbewerb regeln.“ Die Finanzkommission könne prüfen, ob es weitere Effizienzreserven gebe.
Unterstützung für eine Zusammenlegung von Krankenkassen kommt dagegen vom SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis. Er halte es für sinnvoll, die historisch gewachsenen Strukturen der Krankenkassenlandschaft kritisch zu hinterfragen und Möglichkeiten für eine effizientere Organisation konsequent zu nutzen, sagte Pantazis der Funke-Mediengruppe. Mit gebündelten Verwaltungsaufgaben, dem Abbau von Doppelstrukturen und schlankeren Prozessen könnten Effizienzgewinne erzielt werden. Entscheidend seien dabei aber die Qualität der Strukturen, der Wettbewerb und die Wahlfreiheit der Versicherten, so der Bundestagsabgeordnete. (dts/red)
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Banken: Vergesellschaftung kann Immobilienkredite verteuern

Mit der geplanten Vergesellschaftung von Wohnungen in Berlin drohen nach Ansicht von Banken negative Folgen für Mieter, Hausbauer und Immobilienkäufer. Die Pläne würden die eklatante Wohnungsnot weiter verschärfen, „da so kein einziger Quadratmeter Wohnraum geschaffen wird und zudem private Geldgeber, die das tun könnten, vertrieben werden“, sagte Jens Tolckmitt, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Pfandbriefbanken (VDP), der Deutschen Presse-Agentur. „Mieter sind letztlich die eigentlichen Geschädigten dieser Politik.“ Der Verband vertritt rund 50 Immobilienfinanzierer, darunter Deutsche Bank, Commerzbank und Sparkassen.
Aus Sicht von Tolckmitt könnte die geplante Vergesellschaftung von Wohnungen zur Belastung für Verbraucher werden, anstatt den Immobilienmarkt zu entspannen. „Wenn Grundschulden bei einer Vergesellschaftung ersatzlos entfallen, Kreditsicherheiten für Banken also nicht mehr sicher sind, wie es die Initiative „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ plant, legt das die Axt an die kostengünstige besicherte Immobilienfinanzierung – nicht nur für Wohnungsunternehmen, sondern auch für private Haushalte, die sich den Traum von Wohneigentum erfüllen wollen“, kritisierte Tolckmitt. „Auch deren Kredite werden merklich teurer.“
Linke, Grüne und SPD in Berlin planen ihrem Sondierungspapier zufolge, private Wohnungskonzerne ab einem Bestand von 10.000 Wohnungen in der Hauptstadt gegen Entschädigung zu vergesellschaften. Die Linke argumentiert, niedrige Mieten bei landeseigenen Wohnungen hätten einen dämpfenden Effekt auf den gesamten Markt.

„Geht um Vertrauen in Rechts- und Wirtschaftssystem“

„Banken werden sich nach erfolgter Vergesellschaftung sehr genau überlegen, was sie noch an Wohnungsbau finanzieren wollen“, warnt Tolckmitt. „Sie tun das bereits jetzt allein aufgrund der Diskussion.“ Was Rot-Grün-Rot in Berlin plane, sei ein fatales Signal für den gesamten Standort Deutschland. „Es geht um das Vertrauen in die Verlässlichkeit unseres Rechts- und Wirtschaftssystems. Wird die Option der Vergesellschaftung gezogen, ist sie dahin.“
Von der Bundesregierung forderte Tolckmitt mehr Tempo beim geplanten Bundesgesetz gegen Enteignungen. Man brauche eine „zügige bundespolitische Klärung“. Jeder Monat der Ungewissheit belaste das Bild der Bundesrepublik als Investitionsstandort in der Welt.
Die Spitzen von Union und SPD im Bund hatten sich im Juli darauf verständigt, per Bundesgesetz zu regeln, dass die Verstaatlichung privater Mietwohnungsbestände durch Vergesellschaftungsgesetze auf Landesebene nicht mehr möglich sein soll. Bisher gibt es allerdings keinen Gesetzentwurf, sondern nur einen Beschluss des Koalitionsausschusses. (dpa/red)
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Airbnb-Vermieter dürfen kein Geschirrspülen mehr einfordern

Vermieter auf der Unterkünfte-Plattform Airbnb dürfen von ihren Gästen nicht mehr verlangen, dass sie zum Check-out das Geschirr abwaschen und die Betten abziehen. Laut einer neuen Richtlinie für Hausregeln lässt Airbnb nur noch Aufgaben zu, die als „zumutbar“ erachtet werden.
So darf man Gäste weiterhin bitten, schmutziges Geschirr ins Spülbecken zu stellen und benutzte Handtücher zusammenzusammeln.

Einige Ausnahmen wird es geben

Nicht mehr verlangen kann man hingegen, dass Gäste den Müll außerhalb der Unterkunft entsorgen.
Airbnb hält zugleich die Tür für einige Ausnahmen offen: „So kann es zum Beispiel zumutbar sein, in Gegenden, in denen es Bären gibt, Gäste zu bitten, ihren Müll in einem für Tiere unzugänglichen Behälter zu entsorgen.“
Airbnb-Nutzer zahlen in der Regel eine Reinigungsgebühr – und die Plattform will nicht, dass ihnen Dinge abverlangt werden, „um die sich eigentlich eine Reinigungskraft kümmern“ sollte.
Auch die Nutzung einer in der Beschreibung aufgeführten Ausstattung wie einer Klimaanlage zu verbieten, ist den Vermietern nicht mehr erlaubt.
Die neuen Regeln treten am 20. November in Kraft. In Kommentaren auf der Airbnb-Website kritisierten viele Vermieter die neuen Regeln-Einschränkungen. (dpa/red)
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Wegen Jesus-Beitrag: CDU-Politikerin Bosbach reicht Beschwerde gegen Böhmermann ein

Jan Böhmermann hat sich erneut Ärger wegen einer Aussage eingehandelt. Der umstrittene Moderator der ebenso umstrittenen ZDF-Sendung „Magazin Royale“ hat dieses Mal den Zorn der Bundestagsabgeordneten Caroline Bosbach auf sich gezogen. Diese hat beim Fernsehrat des Senders Beschwerde eingereicht, weil Böhmermann ihrer Ansicht nach in der Sendung „Wie die Kirche im Osten die AfD bekämpft“ vom 2. Oktober Jesus Christus verunglimpft hat.

Bosbach: Verunglimpfend und verletzend

So sagte der 45-Jährige vor einem im Hintergrund gezeigten Kruzifixes: „In der Kirche wird auch nicht eine dusselige Deutschlandfahne angebetet, sondern was Anständiges. Ein genderfluider, bineugieriger, halbnackter POC Otter, eine smoking hot skinny legend, an einem auf dem Kopf stehenden Teufelssymbol, check it out.“
POC steht für Person of Color und bezeichnet Menschen, die von Rassismus betroffen sind. „Otter“ ist im Schwulenslang ein „eher schlanker bis athletischer, deutlich behaarter Mann“.
Aus Sicht der Christdemokratin „hat das ZDF hier den Bogen nicht überspannt, sondern reißen lassen“, schreibt sie auf Instagram. Für die Verächtlichmachung christlicher Glaubensinhalte gebe es im öffentlich-rechtlichen Programm zahlreiche Beispiele. „Aber das hier schießt dem Fass den Boden aus“, schimpft sie. Die Darstellung von Jesu Christi sei verunglimpfend und verletzend“.
Das ZDF verstoße gegen seine eigenen Qualitäts- und Programmrichtlinien. Es müsse darauf zu achten, „dass Sendungen und Telemedienangebote den religiösen Glauben nicht verächtlich machen oder herabwürdigen“. In ihrer Beschwerde, die gemeinsam mit dem Böhmermann-Beitrag auf Instagram veröffentlicht hat, betont sie, dass Satire „gesetzliche Programmgrundsätze nicht außer Kraft“ setzten.

Politikerin sieht unnötiges schüren von Konflikten

Religiöse Themen und kultische Handlungen müssten „mit der ihnen gebührenden Ehrfurcht und Sorgfalt“ dargestellt werden. „Und ich frage mich: Würde das ZDF Mohammed genauso darstellen?“ schreibt sie am Ende ihres Instagram-Posts.
Die 36-jährige Politikerin, die seit 2025 dem Bundestag angehört, wirft dem ZDF zudem vor, einen “interreligiösen Kampf“ anzuzetteln und „unnötig gesellschaftliche Konflikte“ zu schüren.
Die Sendung vom 2. Oktober hatte bereits für Aufregung gesorgt, weil Böhmermann in einem Einspieler auf einem Motorroller der Marke Simson Schwalbe von einem Lkw überfahren wird. Kritiker verstanden das als Anspielung auf den AfD-Politiker Ulrich Siegmund, der während seines Wahlkampfes auf einem ebensolchen Zweirad unterwegs war.
Der Sender wies die Kritik zurück. Das „ZDF Magazin Royale“ behandele satirisch aktuelle Themen. Teil davon sei es auch, „ironische Mehrdeutigkeit als Stilmittel zu nutzen, um Pointen zu erzeugen“. Auf bestimmte Personen sei kein Bezug genommen worden. Allerdings kommt Siegmund in der Sendung mehrfach vor, auch wird er auf einer Simson dargestellt.
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Würfel und Karten gegen bröckelnden sozialen Zusammenhalt

Gemeinsam einen Schatz heben, ein Dorf aufbauen, ein schräges Rätsel lösen oder zusammen an einem Quiz tüfteln. In Zeiten von wachsender Einsamkeit und schwindendem sozialem Zusammenhalt wird das Miteinander am Spieltisch zum Trumpf. Mit fantasievollen Karten, bunten Spielfiguren, Würfeln – und eben analog.
Gesellschaftsspiele boomen, behaupten sich in einer digitalen Lebenswelt, wie sich auch zur weltgrößten Brettspielmesse „Spiel Essen 2026“ deutlich zeigt. Dort wird an vier Tagen bis Sonntag mit Rekordzahlen bei Besuchern und Ausstellern gerechnet. Was macht Spielen attraktiv, welche Funktion hat es?

Am Spieltisch können Menschen zu Freunden werden

„Menschen spielen unabhängig von Alter, Herkunft, Geschlecht und Religionszugehörigkeit, mit Spaß und Leidenschaft“, sagt Fachfrau Christina Valentiner-Branth.
Analoges Spielen werde von vielen als beziehungsstiftend und wohltuend empfunden. Immer mehr Brettspielcafés entstehen, Spiele-Vereine organisieren regelmäßige Brettspieltreffen, beobachtet die Gründerin der Brettspielakademie und der Bildungsinitiative Spielstarke Schule.
Gesellschaftsspiele bringen generationenübergreifend an einen Tisch.

Gesellschaftsspiele bringen generationenübergreifend an einen Tisch.

Foto: Oliver Berg/dpa

„Ich gehe davon aus, dass in Zukunft das Interesse an analogen Brettspielen noch wachsen und an gesellschaftlichem Wert zunehmen wird“, meint sie. Das Spielen helfe auch, Respekt vor den Mitmenschen zu entwickeln. Und: „An Spieltischen könnten Menschen zu Freunden werden.“
Mit Blick auf die Jugend betont Valentiner-Branth: „Kinder und Jugendliche lieben Gesellschaftsspiele.“ Schülern profitierten „ganz nebenbei in Bezug auf Lernkompetenzen“. Brettspiele sollten auf den Stundenplan. „Weil es schlau macht. Weil es Spaß macht. Weil es Sinn macht.“

Regeln beachten, kooperieren und sich selbst regulieren

„Der Hype um Brettspiele ist kein Zufall und hängt auch mit der gesellschaftlichen Entwicklung zusammen“, ist Soziologe Paul Eisewicht überzeugt.
„Brettspiele schaffen eine soziale Ordnung, weil Menschen Regeln anerkennen, sich selbst regulieren, engagieren und sich in der Gruppe kooperativ verhalten.“
Im geschützten Raum könne man sich austesten, in Wettbewerb treten, Anerkennung bei Erfolg gewinnen und verlieren lernen.
Das Gesellschaftsspiel schafft Beziehungen, stabilisiert sie, wie der Wissenschaftler von der Uni Münster unterstreicht. „Der Opa spielt mit dem Enkelkind, Jungen und Mädchen spielen zusammen, Zugewanderte mit Einheimischen.“
Man könne auch in Brettspielcafés gehen, ohne dort jemanden zu kennen. „Das wirkt gegen Einsamkeit und zeigt die soziale Komponente.“
Weitere Benefits aus Sicht des Forschers: Beim Agieren mit Würfeln, Spielfiguren und Karten kommen Gefühle wie Frust und Freude direkter auf. Man könne gemeinsam sinnliche Erfahrungen machen, die Fantasie werde angeregt, emotionales und soziales Lernen sei ebenso möglich wie Wissenserweiterung.
Auch Kartenspiele sind unter den Gesellschaftsspielen sehr gefragt.

Auch Kartenspiele sind unter den Gesellschaftsspielen sehr gefragt.

Foto: Oliver Berg/dpa

Die Spielebranche nimmt junge Erwachsene in den Blick

Eine starke Zielgruppe aus Sicht der Spielebranche sind junge Leute so zwischen 15 und 35 Jahren, schildert Hermann Hutter, Vorstandsvorsitzender der Spieleverlage im Verband der Deutschen Spielwarenindustrie.
„Die jungen Erwachsenen spielen überall, es gibt auch Spielnächte. Die Kommunikations- und Partyspiele laufen vor allem wegen dieser Altersgruppe so gut.“
Hutter glaubt: „Gerade die jungen Erwachsenen schätzen es, dass man auch mal was ohne Handy spielen kann.“ Generell gelte: „Was die Menschen suchen, ist das Miteinander, zusammen aktiv zu sein. Und da haben Gesellschaftsspiele einen Vorteil gegenüber Computerspielen.“

„Je mehr digital läuft, desto wertvoller wird analoges Spielen“

Gesellschaftsspiele sind gerade in einer immer digitaleren Welt zunehmend wichtig, sagt Pädagoge und Spielexperte Sebastian Schwägele. „Je mehr Zeit wir mit Smartphones, Social Media, KI-Anwendungen oder anderen digitalen Angeboten verbringen, desto wertvoller werden Momente, in denen Menschen bewusst zusammenkommen.“
Gemeinsames analoges Spielen ist gefragt.

Gemeinsames analoges Spielen ist gefragt.

Foto: Oliver Berg/dpa

Gegenüber dem Online-Gaming müssten sich Gesellschaftsspiele „überhaupt nicht verstecken“. Im Gegenteil: Gesellschaftsspiele haben große Stärken, eine davon: „Ich kann Dinge anfassen, bewegen, aufbauen und verändern.“
Also mal kein Bildschirm vor der Nase oder Smartphone in der Hand. Für Schule, Erwachsenenbildung wie auch Unternehmen könnten Gesellschaftsspiele lehrreich sein.
Schwägele weist darauf hin, dass unterschiedliche Interessen und Vorstellungen zusammenzubringen sind. Konkret: „Am Spieltisch muss ich andere Menschen auch mal aushalten.“
Denn das Gegenüber reagiere vielleicht anders als erwartet, nicht alle wollten dasselbe. Man lache, ärgere und freue sich gemeinsam, diskutiere wohl auch mitunter energisch, müsse auf jeden Fall miteinander klarkommen. „Einfach wegklicken geht nicht.“
Gemeinsames Agieren ist bei analogen Spielen gefragt.

Gemeinsames Agieren ist bei analogen Spielen gefragt.

Foto: Oliver Berg/dpa

Besonders bei kooperativen Gesellschaftsspielen könnten Menschen nur gemeinsam erfolgreich sein, unterstreicht Schwägele. Spiele könnten zwar keine gesellschaftlichen Probleme lösen.
Aber: Wenn Menschen häufiger mit anderen spielen, die anders denken und anders handeln als sie selbst, können dabei wichtige Erfahrungen entstehen. „Und die sind auch für das Zusammenleben außerhalb des Spiels wertvoll.“ (dpa/red)
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Suizidhilfe in Deutschland – Erste Leitlinie erwartet

Vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl assistierter Selbsttötungen in Deutschland stellen Mediziner am Donnerstag neue Handlungsempfehlungen vor. Die Leitlinie „Umgang mit Anfragen nach Assistenz bei der Selbsttötung“ soll den Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen wissenschaftlich fundierte Empfehlungen und eine Orientierung für die Gesprächsführung an die Hand geben. Nach jahrelangen Vorbereitungen soll es die erste interdisziplinären Leitlinie zum Thema sein, wie die Universität Halle (Saale) mitteilte, die die Präsentation organisiert.
Demnach geht es dabei darum, „Todeswünsche angemessen zu verstehen, fundierte Informationen und Beratungen zu ermöglichen und die Voraussetzungen einer freiverantwortlichen Suizidentscheidung fachlich bewerten zu können“. Die Leitlinie wurde von Vertreterinnen und Vertretern unter anderem aus Medizin, Pflege und von Angehörigenorganisationen erarbeitet und soll 45 Empfehlungen umfassen.

Rechtslage in Deutschland

Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland strafbar. Erlaubt ist der Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen, wenn das dem Willen des Patienten entspricht. Auch die Beihilfe zur Selbsttötung ist straffrei – sie kann in der Beschaffung oder Bereitstellung eines tödlichen Mittels bestehen. Ein Verbot der geschäftsmäßigen, das heißt auf Wiederholung angelegten Sterbehilfe hatte das Bundesverfassungsgericht 2020 gekippt, weil es das Recht auf selbstbestimmtes Sterben verletze. Sofern die Suizidentscheidung freiverantwortlich erfolgt, haben die Menschen demnach rechtlich die Möglichkeit, Hilfe bei der Selbsttötung in Anspruch zu nehmen.
Im Gesundheitswesen werden seither immer wieder klare und sichere Regelungen zur Suizidhilfe angemahnt. Entwürfe für einen gesetzlichen Rahmen mit Bedingungen und Voraussetzungen für die Sterbehilfe waren 2023 im Bundestag beraten worden, hatten aber keine Mehrheit bekommen. Im September hatte der Deutsche Juristentag sich für ein Gesetz zur Sterbebegleitung ausgesprochen.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften schreibt, es fehlten „konkrete Standards für den Umgang mit Anfragen nach Assistenz bei der Selbsttötung aus medizinischer, ethischer und rechtlicher Perspektive“. Fachgesellschaften sind medizinische Zusammenschlüsse unter anderem zur Erarbeitung von Behandlungsleitlinien.

Zahl begleiteter Suizide hat zugenommen

Die Anzahl der assistierten Selbsttötungen in Deutschland ist seit 2020 gestiegen, wie die Arbeitsgemeinschaft schreibt. Mitarbeiter im Gesundheitswesen unterschiedlicher Fachrichtungen würden mit Anfragen konfrontiert. Standards für den Umgang mit Anfragen seien dringend nötig. Das betreffe besonders die Prüfung der Freiverantwortlichkeit sowie Aufklärung über bestehende alternative Handlungsmöglichkeiten. 2025 meldeten Suizidhilfe-Organisationen laut Uni Halle mehr als 1.200 Fälle solcher assistierter Suizide. Die Dunkelziffer liege womöglich „deutlich höher“.
Laut einer Mitteilung des Statistischem Bundesamts beendeten im Jahr 2025 insgesamt 11.334 Menschen in Deutschland ihr Leben durch einen Suizid. Das waren 9,3 Prozent mehr Fälle als im Vorjahr. An den Todesursachen insgesamt machten Suizide ähnlich wie in den Vorjahren einen Anteil von 1,1 Prozent aus. (dpa/red)
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Französische Krawalle: Gewerkschaft sieht deutsche Polizei besser gerüstet

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht deutsche Einsatzkräfte besser auf mögliche Ausschreitungen vorbereitet als ihre Kollegen in Frankreich. „Ich glaube, dass die Qualität und Professionalität der deutschen Polizei eine andere ist“, sagte GdP-Bundeschef Jochen Kopelke den Zeitungen der Mediengruppe Bayern (Donnerstagsausgaben). Er forderte von der Politik zugleich, die Anliegen junger Menschen ernst zu nehmen.
„Wir setzen auf andere Taktiken, haben andere Ausrüstung“, betonte Kopelke. Hierzulande würde sich die Einsatzkräfte schon vor einer Versammlung in dem Einsatzraum vorbereiten, Demonstrationsrouten und etwaige Auflagen würden geklärt. Die Polizei hierzulande könne „auch Rädelsführer herausgreifen und den friedlichen Teil des Protests fortbestehen lassen“. Alles sei stärker auf Kommunikation ausgelegt.
Nach gewalttätigen Protesten in Frankreich wächst auch in Deutschland die Sorge vor Ausschreitungen. Im Nachbarland gab es diese am Wochenende am Rande von Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem. In Deutschland ruft ein Bündnis namens Gen Z regelt das für den 31. Oktober zu Protesten in zahlreichen Städten auf. Innenpolitiker und Polizeivertreter warnen vor einer Instrumentalisierung der Versammlungen durch linksextreme Kräfte.

„Gesteuertes, strukturiertes, europäisches Protestklientel“

„Wir müssen damit rechnen, dass wir Konflikte und gewalttätige Situationen erleben“, sagte Kopelke weiter. Es gebe ein „gesteuertes, strukturiertes, europäisches Protestklientel“, das im digitalen Raum gezielt mobilisiere und plane. Dies zeigten auch Festnahmen bei den Protesten in Frankreich. „Es ist nicht die zwölfjährige Schülerin, die sich über ihre Schultoilette beschwert. Dahinter stecken Gewalttäter, die jede Gelegenheit zur Eskalation nutzen“, sagte der Gewerkschafter.
Zugleich forderte Kopelke die Politik auf, die Anliegen junger Menschen zu berücksichtigen. „Wenn eine Generation sagt, dass das Bildungssystem nicht funktioniert, muss die Politik das ernst nehmen und darf nicht warten, bis die Straßen brennen.“ Die Schülerproteste für Klimaschutz in den vergangenen Jahren etwa seien hierzulande eine „sehr friedliche und eindrucksvolle Bewegung“ gewesen. Die Politik habe „das ignoriert“.
„Das Knistern in der Luft liegt auch daran, dass die Bundesregierung die größten Reformvorhaben seit Jahrzehnten anstrebt und wir zugleich erleben, wie Sondervermögen nicht in Schulen fließt“, sagte Kopelke. Die Polizei lasse sich aber nicht „für eine verfehlte Bildungs- oder Zukunftspolitik missbrauchen“. „Wir sind Polizeibeamte und nicht die, die mit dem Schlagstock die schlechte Politik mancher Regierung verteidigen.“ (afp/red)
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22.10.2026 | Tesla übertrifft im dritten Quartal Erwartungen | Henrichmann warnt vor neuer Dimension der Cyberbedrohung

HEUTE6:48 Uhr

PHP-Sicherheitslücke: Henrichmann warnt vor neuer Dimension der Cyberbedrohung

Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums für die Geheimdienste, Marc Henrichmann (CDU), hat angesichts einer schwerwiegenden Sicherheitslücke in der Programmiersprache PHP vor einer neuen Dimension der Cyberbedrohung gewarnt. Künstliche Intelligenz (KI) mache aus Schwachstellen, die bisher als kaum ausnutzbar gegolten hätten, in kurzer Zeit „echte Einfallstore“.

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HEUTE6:38 Uhr

Schwesig und Rehlinger fordern konkrete Pläne für Spritpreisdeckl

Die Ministerpräsidentinnen von Mecklenburg-Vorpommern und Saarland, Manuela Schwesig (SPD) und Anke Rehlinger (SPD), fordern Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) auf, die geplante Beschränkung der Spritpreise zu konkretisieren. Die Bundesregierung sei gefragt, schnellstmöglich einen Regelungsentwurf vorzulegen, sodass der Spritpreisdeckel zum 1. Januar 2027 in Kraft treten könne.

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HEUTE6:31 Uhr

Schausteller wollen „Schaustellerdiesel“ für Weihnachtsgeschäft

Vor dem Weihnachtsgeschäft fordert der Schaustellerbund Steuersenkungen für Diesel. Seine Branche brauche dringend zusätzliche Hilfe, „damit die Fahrt mit dem Kinderkarussell nicht zum Luxus wird“, sagte der Präsident des Schaustellerbundes, Albert Ritter

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HEUTE6:26 Uhr

Tesla übertrifft im dritten Quartal Erwartungen

Der US-Elektroautobauer Tesla hat im dritten Quartal einen deutlichen Gewinnrückgang verzeichnet, die Erwartungen der Analysten aber dennoch übertroffen. Der Nettoerlös gab zwischen Juli und September um fast 43 Prozent nach und lag bei 787 Millionen Dollar (gut 700 Millionen Euro), wie der Konzern von Elon Musk am Mittwoch mitteilte. Der Umsatz lag recht stabil bei 28,05 Milliarden Dollar.

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Meta soll 25 Milliarden US-Dollar wegen Cambridge Analytica zahlen

Der Facebook-Konzern Meta soll wegen des Jahre zurückliegenden Datenschutz-Skandals um Cambridge Analytica eine Strafe von 25 Milliarden Dollar zahlen. Zuvor hatten Geschworene im US-Bundesstaat New Mexico entschieden, dass Nutzer mit Blick auf Datenschutz und Redefreiheit von Facebook in die Irre geführt wurden. Der Richter berechnete in seiner Entscheidung einen Strafbetrag von knapp 219,5 Milliarden Dollar – reduzierte ihn dann aber im selben Satz auf 25 Milliarden (22,25 Mrd Euro).
Von Meta gab es zunächst keine Reaktion auf die Entscheidung. Nach dem Urteil der Geschworenen vor einigen Wochen hatte der Konzern bereits betont, dass man mit deren Entscheidung nicht einverstanden sei und sich weiter gegen die Vorwürfe verteidigen werde.
Pro Verstoß war eine Strafe von bis zu 5.000 Dollar veranschlagt worden – und die Geschworenen fanden Millionen Verstöße, die sich nach Rechnung des Richters auf die Milliardenbeträge addierten.

Ein Skandal mit Folgen

Der Skandal um Cambridge Analytica hatte 2018 das Vertrauen der Öffentlichkeit zum Facebook-Konzern nachhaltig beschädigt. Dabei ging es darum, dass Informationen aus einer harmlos erscheinenden Umfrage eines Datenforschers zur Erstellung von Nutzerprofilen genutzt und mit der Analysefirma Cambridge Analytica geteilt wurden. Auch das Team des damaligen Kandidaten Donald Trump griff darauf vor der US-Präsidentenwahl 2016 zurück. Insgesamt waren rund 87 Millionen Nutzer-Accounts betroffen. Der Konzern zahlte unter anderem rund sechs Milliarden Dollar an die US-Regierung, um Ermittlungen dazu beizulegen.
Im Nachgang des Skandals zog New Mexico dann 2021 vor Gericht mit Vorwürfen, bei denen es zusätzlich um die Meinungsfreiheit auf der Plattform ging. Auslöser waren Enthüllungen im Zuge der Aufarbeitung des Falls. Unter anderem hieß es dabei in einem Whistleblower-Bericht, dass einige prominente Accounts von Regeln zu auf der Plattform erlaubten Inhalten heimlich ausgenommen worden seien. (dpa/red)
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Baller-Liquids: Bis zu 200-Mal stärker als herkömmliches Cannabis


In Kürze:

  • Baller-Liquids sind in Deutschland auf dem Vormarsch.
  • Die Liquids bergen hohes Gefahren- und Suchtpotenzial.
  • Neue psychoaktive Stoffe gelangen überwiegend als Pulver aus China und Indien nach Europa.

 
Sie kommen in bunten Verpackungen daher und versprechen fruchtige und süße Geschmacksrichtungen: sogenannte Baller-Liquids.
Sie gelten bei jungen Menschen als Trenddroge, die sie in E-Zigaretten oder Vapes konsumieren. Doch gefährlich wird es, wenn sie verbotene synthetische Cannabinoide enthalten. Der Verkauf solcher Liquids ist illegal, dennoch registriert die Polizei zunehmend Fälle in Deutschland, die massive Folgen hatten.

Herzrasen und Psychosen

So warnt unter anderem die bayerische Polizei in einem Flyer vor den Baller- oder Zombie-Liquids, die auch als „Görke“ bekannt sind. Der Konsum der schnell wirkenden Substanzen kann schwere gesundheitliche Schäden hervorrufen und sogar lebensbedrohlich sein. Sie führen zur Euphorie, zu Halluzinationen und zu extremer Enthemmung. Zu den Nebenwirkungen gehören Herzrasen, Bluthochdruck, Übelkeit, Krampfanfälle, Angst- und Panikattacken, Wahnvorstellungen und Psychosen.
Das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Hof gaben im Februar 2026 bekannt, dass sie in mehr als 100 Fällen im Zusammenhang mit den chemisch veränderten Liquids ermittelten. Demnach seien die Flüssigkeiten auch an Schulen aufgetaucht. Ermittler fanden sie unter anderem in bunten, unbeschrifteten Fläschchen. Untersuchungen ergaben, dass die Liquids häufig hochwirksame synthetische Cannabinoide enthielten.
Ein Schwerpunkt des illegalen Handels war der Sonnenplatz in der Stadt Hof. Die Polizei führte Kontrollen im Stadtgebiet und auch im Umland durch. Neun Tatverdächtige im Alter von 15 bis 29 Jahren saßen zu diesem Zeitpunkt bereits in Untersuchungshaft. Die Ermittler warfen den sieben Syrern und zwei Deutschen vor, in größerem Umfang mit Baller-Liquids gehandelt und diese auch an Minderjährige verkauft zu haben.
Laut Europol und der EU-Drogenagentur würden die meisten neuen psychoaktiven Stoffe auf dem europäischen Drogenmarkt in China und Indien hergestellt. Die Unternehmen würden für den Vertrieb das Internet nutzen, darunter auch Online-Marktplätze. In der Regel würden die Stoffe in Pulverform geliefert, in Mengen, die von wenigen Milligramm bis zu Hunderten von Kilogramm reichen.

Tot nach Konsum?

Das Hessische Landeskriminalamt berichtete Anfang Dezember 2025 von mehreren Fällen, in denen Kinder und Jugendliche nach dem Konsum von E-Liquids ärztlich versorgt werden mussten. Im Lahn-Dill-Kreis starb im Sommer 2025 ein 26-Jähriger. Laut Landeskriminalamt sei ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von Baller-Liquids und seinem Tod nicht auszuschließen.
Wie gefährlich der Konsum der illegalen Liquids ist, beschreibt eine Dokumentation des Magazins „DER SPIEGEL“. Darin berichteten zwei Jugendliche von den verheerenden Folgen. „Ich war mir eigentlich relativ sicher, dass ich in diesem Moment sterben werde. Es war wirklich so, als würde mein Herz wie ein Maschinengewehr sozusagen aus der Brust springen“, beschrieb einer der beiden, ein junger Mann, seine Erfahrung.
Eine junge Frau beschrieb, wie einfach die synthetischen Drogen zu bekommen seien. Das sei so, als würde sie im Supermarkt Käse kaufen. Ihre eigene Erfahrung mit dem Konsum zeigt die Ernsthaftigkeit des Themas: „Ich dachte, ich komme da nie wieder raus“, sagte sie gegenüber dem Magazin.
Synthetische Cannabinoide bergen eine hohe Suchtgefahr. Laut einer Untersuchung könnten die Entzugserscheinungen schwerwiegender als bei einer Abhängigkeit von Cannabis sein.

Auch in Nachbarländern ein Problem

Auch in Nachbarländern Deutschlands bereiten die Drogen Probleme. So beschreibt Jean-Claude Alvarez, Arzt und Pharmakologieprofessor an der Université Paris-Saclay, die starke Wirkung der synthetischen Stoffe. Gegenüber dem französischen Fernsehsender „TF1 Info“ gab er an, dass die Konzentration teilweise gesundheitsbedenkliche Dimensionen erreiche. Seiner Einschätzung nach sind „diese synthetischen Cannabinoide bis zu 200-mal stärker als Cannabis selbst“.
Um diese Stoffe zu identifizieren, sei ein Gerät erforderlich, das 600.000 Euro koste. Frankreich verfüge nur über eine Handvoll solcher Geräte. „Diese Substanzen werden zeitweilig im Umlauf sein, bis alle Labore sie identifiziert haben. Und dann werden andere, bislang unbekannte synthetische Drogen auftauchen. Dann muss die Identifizierungsarbeit von vorn beginnen. Das ist aufwendig“, betont er gegenüber dem Fernsehsender.
Auch die Schweiz hat der gefährliche Trend mittlerweile erreicht, wie das Online-Nachrichtenportal „20 Minuten“ berichtet.
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Wie alt ist Ihr Gehirn wirklich? Ein neuer Bluttest verrät Krankheitsrisiken 10 Jahre im Voraus

Das biologische Alter einzelner Organe lässt sich anhand von Blutproben untersuchen. Eine Studie aus dem Jahr 2025 und eine aktuelle Folgestudie aus dem Jahr 2026, beide im Fachjournal „Nature Medicine“ veröffentlicht, zeigen, dass sich damit unter anderem das Risiko für Alzheimer, Herzinsuffizienz sowie das Sterberisiko bis zu zehn Jahre im Voraus abschätzen lassen – lange bevor erste Beschwerden auftreten.

Der Test basiert auf der Analyse spezifischer Proteine im Blut. Sie verraten, wie schnell Herz, Gehirn oder andere Organe altern und ob sie anfälliger für chronische Erkrankungen sind.

Wie der Bluttest funktioniert und was die Ergebnisse bedeuten

Im Rahmen der ersten Studie haben Forscher das Blut von fast 45.000 Menschen im Alter von 40 bis 70 Jahren untersucht. Sie wollten wissen: Altert jedes Organ genauso schnell wie der Mensch selbst?

Dafür nutzten sie ein Computerprogramm. Dieses schaut sich bestimmte Eiweiße (Proteine) im Blut an, die von einzelnen Organen stammen. So lässt sich ermitteln, welches biologische Alter Herz, Lunge oder Gehirn tatsächlich haben.

Das überraschende Ergebnis: Jedes Organ altert anders

Bei etwa jedem Dritten war mindestens ein Organ biologisch deutlich älter oder jünger als für das jeweilige Lebensalter üblich. Das ist entscheidend, denn wie alt ein einzelnes Organ ist, sagt besser voraus, ob wir krank werden, als unser Alter im Pass.

  • Das Gehirn: War das Gehirn stark gealtert, war das Risiko für Alzheimer mehr als dreimal so hoch. Auch das Risiko, in den nächsten 15 Jahren zu sterben, war fast dreimal so hoch.
  • Herz und Lunge: Ein stärker gealtertes Herz ging viel häufiger mit einer späteren Herzschwäche einher. Eine biologisch ältere Lunge erhöhte das Risiko für die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD.
  • Die Muskeln: Laut der Folgestudie erkrankten Menschen, deren Blut ein „gealtertes“ Profil der Skelettmuskelzellen zeigte, fast 13-mal häufiger an der Nervenerkrankung ALS (amyotrophe Lateralsklerose) als Menschen mit „jugendlichem“ Profil.

Warum sieht man das im Blut?

Wenn Organe zu schnell altern oder Schaden nehmen, werden Zellen geschädigt oder sterben ab. Dabei gelangen bestimmte Stoffe ins Blut.

Ein Beispiel dafür ist ein Eiweiß namens Neurofilament Light aus dem Gehirn. Wenn Gehirnzellen geschädigt werden – etwa bei einem Schlaganfall –, tritt dieses Eiweiß ins Blut über. Hohe Blutwerte dieses Eiweißes können daher auf eine Schädigung von Nervenzellen hinweisen.

Risiken erkennen, bevor Beschwerden entstehen

Die Ergebnisse zeigen: Das biologische Alter eines Organs sagte das Krankheitsrisiko besser voraus als jede andere untersuchte Größe – auch besser als das bloße Alter im Pass.

Für Tony Wyss-Coray, Studienleiter und Neurologe an der Stanford University, liegt der Schlüssel genau hier: Die Messungen sollen den Weg für eine maßgeschneiderte Vorsorge ebnen, solange noch Zeit zum Handeln bleibt. „Wir könnten eingreifen, bevor überhaupt erste Symptome auftreten, und so Krankheiten wie Alzheimer womöglich verhindern“, sagte der Forscher gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.

Der eigentliche Wert des Tests liege darin, das „schwächste Glied“ im Körper aufzuspüren, also gezielt jene Organe zu identifizieren, die überdurchschnittlich schnell altern. Genau dort steige das Risiko für Leiden wie Herzerkrankungen, Diabetes, Alzheimer oder verschiedene Krebsarten. Noch gibt es allerdings eine Einschränkung: „Bisher wurden die meisten unserer Modelle an Menschen über 50 entwickelt, weshalb Handlungsempfehlungen vorerst nur für diese Altersgruppe gelten“, so Wyss-Coray.

Außerdem beweist ein statistischer Zusammenhang noch nicht, dass sich Krankheiten tatsächlich verhindern lassen, wenn man das Altern der Organe bremst. Die Forscher betonen deshalb, dass vor einer breiten Anwendung des Tests noch weitere Studien nötig sind.

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Age of Your Organ Predicts Risk of Diseases Decades Before Symptoms Appear“. (deutsche Bearbeitung: kr)

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Warten Sie nicht mit dem Vergeben: Der beste Zeitpunkt ist jetzt


In Kürze:

• Wer mit der Vergebung wartet, macht sich den ersten Schritt mit jedem Tag schwerer.
• Selbstmitleid fühlt sich zwar kurzfristig leichter an als Vergebung, trübt aber den klaren Blick.
• Kinder beobachten genau, wie ihre Eltern mit Konflikten umgehen.
• Jeder Akt der Vergebung erleichtert den nächsten.

 
Es gibt Momente, in denen ich mir wünsche, eine Beziehung könnte wiederhergestellt werden, aber meine Gefühle sind zu verletzt, um den ersten Schritt zu tun.
Wir alle befinden uns hin und wieder in dieser Lage. Manchmal geraten wir in emotionale Konflikte oder fühlen uns von Freunden oder Familienmitgliedern verletzt – das alles gehört zum Menschsein.
Ich habe kürzlich zwei solche Situationen in meiner eigenen Familie erlebt, und ich wusste in beiden Fällen, dass ich den Beteiligten verzeihen würde. Für mich war es keine Frage des „Ob“, sondern des „Wann“. Und ich glaube, genau darin liegt die Herausforderung, den ersten Schritt zu machen. Ich verspürte keine Dringlichkeit, die Dinge schnell wieder in Ordnung zu bringen, und genoss mein Selbstmitleid auf die verdrehte Art, wie wir Menschen das eben so tun.
Selbstmitleid muss uns in irgendeiner Weise nützen – zumindest kurzfristig –, sonst würden wir uns nicht immer wieder darin suhlen. Vielleicht fühlt es sich gut an, weil es uns als ein emotionaler Schutzschild dient. Er ermöglicht es uns, uns zurückzuziehen, uns im Recht zu sehen oder empört darüber zu sein, dass wir uns von anderen ungerecht behandelt fühlen.
Wenn wir uns im Zustand des Selbstmitleids befinden, glauben die wenigsten, dass sie dann besonders klar denken können. Aber es fühlt sich einfacher an als Vergebung, und wie Wasser folgen unsere Handlungen meist dem Weg des geringsten Widerstands.
Der erste Schritt ist entscheidend – und umso schwieriger, je länger man wartet. Foto: Dima Berlin/iStock

Der erste Schritt ist entscheidend – und fällt umso schwerer, je länger das Schweigen dauert.

Foto: Dima Berlin/iStock

Warum wir mit der Vergebung nicht warten sollten

Je länger man wartet, desto schwieriger wird der erste Schritt. Mir ist aufgefallen, dass der ursprüngliche Grund für die Verärgerung mit der Zeit in Vergessenheit gerät. Konkrete Probleme werden dann durch vage Gefühle von Kälte und Ärger ersetzt. Diese sind tatsächlich schwerer zu überwinden, weil sie weitaus stärker emotional aufgeladen sind.
Jeder Tag des Schweigens hinterlässt eine kleine Narbe. Es ist, als würde man sich auf die Innenseite der Wange beißen. Die Stelle schwillt ein wenig an und ist dann anfälliger dafür, immer wieder gebissen zu werden. Ich glaube, etwas Ähnliches passiert, wenn wir Vergebung zurückhalten. Lässt man einen Konflikt ein oder zwei Tage schwelen, sind es beim nächsten Mal vielleicht schon zwei oder drei Tage. Und die Emotionen vertiefen sich.
Wenn man sich bereits entschlossen hat zu vergeben, zögert man durch das Warten nur das Gute hinaus. So viel von unserem Leid rührt von Dingen her, von denen wir zwar wissen, dass wir sie irgendwann tun werden. Aber stattdessen entscheiden wir uns zunächst dafür, in Selbstmitleid zu schwelgen oder die Sache aufzuschieben. Ich wünschte, ich hätte eine einfache Lösung, wie man diesen emotionalen Zustand überwinden kann. Mein einziger Rat ist, sich gelegentlich vor Augen zu führen, wie albern das eigentlich ist.
Sich vor jedem Handeln erst bereit fühlen zu wollen, ist eine Angewohnheit, die sich nur schwer ablegen lässt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie oft ich viel zu lange im Planungsmodus verharrt habe. In der Regel folgen positive Gefühle auf gesunde Handlungen – und nicht umgekehrt.

Machen Sie den ersten Schritt!

Ihre Kinder beobachten, wie Sie mit Konflikten umgehen, und saugen Lektionen wie Schwämme auf. Wenn Sie Kinder oder Enkelkinder um sich herum haben, unterschätzen Sie nicht, wie viel sie von Ihnen aufnehmen. Es geht nicht nur um Ihre Worte und Taten, sondern auch um Ihre Einstellungen und Werte. Als ich vor ein paar Wochen Schwierigkeiten hatte, einem meiner Kinder zu vergeben, fragte dieses Kind meine Frau: „Ist Papa immer noch sauer auf mich?“ Das brach mir das Herz und machte mir klar, dass ich meinen Kindern ein großartiges Vermächtnis hinterlassen möchte, statt ihnen zu zeigen, wie man an Verletzungen festhält.
Den ersten Schritt zu machen, ist das Einzige, was Sie kontrollieren können. Es gibt so vieles im Leben, was wir nicht kontrollieren können. Das Verhalten anderer Menschen gehört sicherlich dazu. Die Lösung besteht darin, mit gutem Beispiel voranzugehen.
Jeder Tag in einer festgefahrenen Situation ist ein weiterer Tag, der nie zurückkommt. Je älter ich werde – vor allem, seit ich fünf Kinder habe –, desto stärker spüre ich, wie schnell die Zeit vergeht. Wie viele gemütliche Wochenenden zu Hause mit meiner ganzen Familie unter einem Dach werde ich noch verbringen können, wenn alle bei guter Gesundheit sind? Weit weniger, als ich mir wünschen würde. Es wäre eine Tragödie, auch nur eines davon zu verschwenden.
Wenn Sie sich entscheiden, sofort zu vergeben, machen Sie sich selbst das größte Geschenk. Jeder Akt der Vergebung schafft eine Grundlage, die die nächste Entscheidung erleichtert. Ich nenne das eine Aufwärtsspirale. Es ist, als würde man in die Richtung, in die man gehen möchte, nach oben fallen. Jede positive Entscheidung gibt einem einen kleinen Motivationsschub, um eine weitere und noch eine zu treffen. Der beste Zeitpunkt, um damit anzufangen, ist jetzt.
 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Don’t Wait to Forgive“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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PEI veröffentlicht SafeVac-2.0-Beobachtungsstudie zur COVID-Impfstoffsicherheit

Fast sechs Jahre nach Beginn der COVID-19-Impfkampagne hat das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Ergebnisse der SafeVac-2.0-Beobachtungsstudie veröffentlicht. Die Untersuchung, die auf Englisch in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Vaccine“ erschienen ist, basiert auf Angaben von über 730.000 geimpften Personen in Deutschland.
Teilnehmer gaben Impfreaktionen und mögliche Impfkomplikationen an, die über eine Smartphone-App pseudonymisiert erfasst wurden.
Laut der Studie sei bei 68 Prozent der Impfungen mindestens ein „unerwünschtes Ereignis“ gemeldet worden. Unter unerwünschten Ereignissen (auf Englisch: Adverse Events) versteht man medizinisch ungünstige Vorfälle, die bei Patienten bzw. Versuchspersonen etwa im Rahmen klinischer Studien nach Verabreichung eines Arzneimittels auftreten.

4.007.149 mögliche Impfnebenwirkungen

Insgesamt seien 4.007.149 unerwünschte Ereignisse gemeldet worden. Davon hätten 88 Prozent aus „erwarteten lokalen und systemischen Reaktionen“ bestanden, heißt es weiter. Bei 0,36 Prozent der Impfungen hätten die Teilnehmer die Notwendigkeit einer medizinischen Versorgung gemeldet.
Für die App samt Studie, die vom Bundesgesundheitsministerium mit 1,6 Millionen Euro finanziert wurde, konnte man sich vom Start der Impfkampagne im Dezember 2020 bis zum September 2022 registrieren.
In der jetzt veröffentlichten Abschlussstudie kommen die Studienautoren zu dem Schluss, dass die systematische und kontinuierliche Datenerfassung durch die App eine „nahezu in Echtzeit erfolgende Überwachung unerwünschter Ereignisse, unabhängig von deren Kausalität, ermöglicht“ habe.
Zudem „stützten die Studienergebnisse die Einschätzung, dass die Corona-Impfstoffe ein günstiges Sicherheitsprofil aufweisen“.
Um die App nutzen zu können, mussten volljährige Smartphone-Nutzer innerhalb von 48 Stunden nach der ersten Impfung die App herunterladen und sich registrieren. Danach hatten Nutzer zwölf Monate Zeit, mögliche Impfnebenwirkungen zu melden.
Die über die App gesammelten Daten sollten dem PEI als zuständiger Bundesbehörde für alle Sicherheitsaspekte von Impfstoffen schnell ein mögliches Risikosignal zur Verträglichkeit von Corona-Impfstoffen liefern.

Lausen: Datenauswertung kommt zu spät

Für den Datenanalysten Tom Lausen kommen die Daten jedoch zu spät und ohne wichtige Vergleichswerte: „SafeVac sollte schnell Sicherheitsdaten liefern und gemeinsam mit der Krankenkassenstudie RiCO die Anforderungen an eine nationale Nutzen-Risiko-Abwägung der EU-Kommission erfüllen.“
Die jetzt vorgelegte SafeVac-Auswertung erscheine jedoch erst fast sechs Jahre nach Studienbeginn – und „ausgerechnet mit einer beruhigenden Sicherheitsbilanz“, obwohl „medizinisch überprüfte Diagnosen, geeignete Risikovergleiche und eine vollständige Nachbeobachtung fehlen“ würden, so der Sachverständige in der Corona-Enquetekommission im Deutschen Bundestag.
Zudem kritisiert Lausen, dass eine unabhängige Datenauswertung durch die fehlende rasche Veröffentlichung der Daten nicht möglich gewesen sei und nun ein leitender PEI-Verantwortlicher als Mitautor die Ergebnisse des eigenen Systems liefere.
„Mitautor der jetzt veröffentlichten Datenauswertung ist Dirk Mentzer, der bereits während der COVID-19-Impfkampagne Leiter des Referats Pharmakovigilanz I beim PEI war und seit 2023 die zuständige Sicherheitsabteilung leitet“, so Lausen.
Damit ziehe ein leitender Mitverantwortlicher der Überwachung selbst die “beruhigende Bilanz“. Lausen hält daher eine vollständige Transparenz sowie eine kritische Aufarbeitung der Gründe für die späte Veröffentlichung für erforderlich.
Die zwei weiteren Mitautoren der Studie sind aktuelle oder ehemalige Mitarbeiter beim PEI unter Mentzer als Abteilungsleiter.

Journalisten klagten auf Datenherausgabe

Bis zur jetzigen abschließenden Auswertung hatte das PEI nur Zwischenergebnisse veröffentlicht, obwohl die Datenauswertung nach eigenen Angaben schon länger abgeschlossen gewesen sei.
Die Behörde hatte die bis dahin nicht erfolgte Veröffentlichung der Abschlussauswertung offiziell mit der Komplexität der Datenanalyse und laufenden rechtlichen Prozessen begründet.
Da das PEI Einsicht in die pseudonymisierten Daten verwehrte, zogen Journalisten wie Bastian Barucker und Privatpersonen wie Franziska Meyer-Hesselbarth mit Auskunftsklagen vor Gericht.
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Netanjahu: Bedrohung durch Iran kann nur durch Regierungssturz beseitigt werden

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat im Wahlkampfendspurt seine Forderung nach einem Sturz der iranischen Regierung bekräftigt. „Es gibt nur einen Weg, diese Bedrohung ein für alle Mal zu beseitigen: indem das iranische Regime gestürzt wird“, sagte Netanjahu am Mittwoch bei einer Wahlkampfveranstaltung in der südisraelischen Stadt Dimona. Er habe der Armee, dem Geheimdienst Mossad und weiteren Sicherheitsbehörden eine entsprechende Anweisung erteilt. Netanjahu ließ offen, wann und wie diese Anordnung umgesetzt werden soll.
In Israel wird am kommenden Dienstag ein neues Parlament und damit der künftige Regierungschef gewählt. Netanjahu kandidiert erneut für das Amt, steht allerdings unter anderem wegen des Iran-Kriegs massiv unter Druck. Zudem gibt es Vorwürfe, dass er vor dem Hamas-Angriff auf Israel vom 7. Oktober 2023 von den Vereinigten Arabischen Emiraten gewarnt worden sei – und nichts unternommen habe. Netanjahu weist die entsprechenden Berichte als „absolute Lüge“ zurück.
Der Chef der Vereinigten Arabischen Liste Raam, Mansur Abbas, warnte am Mittwoch vor den Folgen einer Wiederwahl Netanjahus. Sollten der langjährige Regierungschef und seine Verbündeten erneut an die Macht kommen, „wäre das in erster Linie eine Katastrophe für den Staat Israel“, sagte Abbas, dessen Partei eine entscheidende Rolle bei der Regierungsbildung spielen könnte, der Nachrichtenagentur AFP. Die Folgen für die arabische Gemeinschaft wären „äußerst schwerwiegend“.
Abbas warnte davor, dass der Abriss von Häusern palästinensischer Bewohner verstärkt und der Siedlungsbau ausgeweitet werden könnte. „Sie betrachten die arabischen Bürger als Feinde“, sagte er über die amtierende Regierung.
Den Umfragen zufolge wird keine Partei auch nur annähernd die für eine Mehrheit in der Knesset erforderlichen Stimmen auf sich vereinen. Die Vereinigte Arabische Liste, die laut Abbas auf acht Mandate hofft, könnte zur Königsmacherin werden. Eine Allianz mit Netanjahus Partei Likud schließt Abbas aus. Raam werde sich nur einem „Block des Wandels“ anschließen, betonte er. (afp/red)
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Vergesellschaftung in Berlin: Drei Studien, unterschiedliche Ergebnisse und Milliardenrisiken


In Kürze:

  • Die mögliche rot-grün-rote Koalition in Berlin plant die Vergesellschaftung großer privater Wohnungsbestände. Die Entschädigung soll auf 16 Milliarden Euro begrenzt werden.
  • Drei Wirtschaftsstudien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Umstritten sind die Finanzierung und mögliche Folgen für Banken, Investoren und den Wohnungsbau.
  • 2027 soll ein Finanzierungskonzept vorliegen. Ob die Vergesellschaftung die Mieter entlastet und welche Kosten dem Land entstehen, ist bislang offen.

Berlin könnte zum ersten Bundesland werden, das große private Wohnungsbestände auf Grundlage des Grundgesetzes vergesellschaftet. Linke, Grüne und SPD, die voraussichtlich Anfang November Koalitionsgespräche aufnehmen werden, haben sich in ihrem Sondierungspapier vom Samstag, 17. Oktober, auf entsprechende Pläne für eine mögliche rot-grün-rote Regierung verständigt. 

Die Parteien einigten sich zudem auf einen Neubau von 100.000 Wohnungen und einen Mietendeckel für landeseigene Immobilien.

Die Vergesellschaftung könnte wirtschaftliche Folgen über die Hauptstadt hinaus haben. Neben den Wohnungskonzernen und Mietern wären möglicherweise auch Banken, Versicherungen und andere Investoren betroffen.
Die Entschädigung soll laut Sondierungspapier auf insgesamt 16 Milliarden Euro begrenzt werden. Unsicher ist jedoch, wie hoch die Kosten der Entschädigung tatsächlich für das Land Berlin ausfallen werden.
Zugleich steht Berlin vor der Aufgabe, seinen angespannten Haushalt zu sanieren.
Wie sich eine Vergesellschaftung wirtschaftlich auswirken würde, ist umstritten. Untersuchungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC und des Kiel Instituts für Weltwirtschaft weisen auf erhebliche Risiken hin. Eine Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung hält die Übernahme großer Wohnungsbestände dagegen unter bestimmten Voraussetzungen für finanzierbar.

Welche Wohnungen betroffen wären

Rechtliche Grundlage ist Artikel 15 des Grundgesetzes. Er erlaubt, Grund und Boden durch ein Gesetz in Gemeineigentum zu überführen. Die deutsche Verfassung verlangt dabei eine Regelung über „Art und Ausmaß der Entschädigung“. Eine Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände auf dieser Grundlage hat es in Deutschland bislang nicht gegeben.
Den politischen Ausgangspunkt bildet der Berliner Volksentscheid von 2021. Damals stimmten 57,6 Prozent der Abstimmenden – insgesamt 1.035.950 Menschen – dafür, große private Wohnungsbestände in Gemeineigentum zu überführen.
Die Abstimmung führte allerdings nicht unmittelbar zu einer Eigentumsübertragung.
Die Initiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ will, dass Bestände von Unternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen vergesellschaftet werden.
Linke, Grüne und SPD haben sich nun auf eine höhere Schwelle verständigt. Im Sondierungspapier heißt es: „Die Anwendung gilt bei privaten Unternehmen ab 10.000 Wohnungen.“ Zusätzlich dürfen die Unternehmen jeweils 10.000 Wohnungen behalten. Genossenschaften, gemeinwohlorientierte Anbieter sowie Wohnungen, die nach dem 1. Januar 2021 gebaut wurden oder künftig entstehen, bleiben ausgenommen.
Die Initiative begrüßt die grundsätzliche Einigung, kritisiert jedoch die Einschränkungen. „Das war längst überfällig“, erklärte Sprecherin Bana Mahmood zur geplanten Vergesellschaftung. Nach Berechnungen der Initiative würden rund 70.000 Wohnungen weniger erfasst als ursprünglich vorgesehen. Das widerspreche dem Ergebnis des Volksentscheids, so Mahmood.
Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen lehnt das Vorhaben dagegen ab. Verbandssprecher David Eberhard erklärte gegenüber dem rbb, der Wohnungsmangel lasse sich nur durch Neubau beheben. Auch die Entschädigungsobergrenze hält er für unrealistisch. Nach seinen Angaben könnten rund 160.000 Wohnungen betroffen sein.

Wie viel sind die Wohnungen wert?

Bei 160.000 Wohnungen entsprächen 16 Milliarden Euro rechnerisch durchschnittlich 100.000 Euro je Wohnung. Ob die vorgesehene Summe ausreicht, hängt jedoch vom Wert der betroffenen Immobilien ab. Dabei spielen unter anderem Lage, Gebäudezustand und Mieteinnahmen eine Rolle.
Das Kiel Institut errechnete für ihr im September erschienenes Gutachten für den Berliner Bestände, die von dem Gesetzentwurf der Initiative betroffen wären, einen Verkehrswert von rund 40,2 Milliarden Euro. Bei einer angenommenen Entschädigung von 50 Prozent des Verkehrswerts ergäben sich etwa 20,1 Milliarden Euro. Diese Modellrechnung bezieht sich allerdings auf einen anderen Wohnungsbestand als die aktuellen politischen Pläne.
Zu einer deutlich niedrigeren Bewertung gelangen Sebastian Dullien, Patrick Kaczmarczyk, Tom Krebs und Achim Truger in ihrem IMK Policy Brief. Sie errechnen für rund 210.000 Wohnungen eine Entschädigung von 13,5 Milliarden Euro. Grundlage sind nicht die möglichen Verkaufspreise, sondern die Erträge, die sich bei dauerhaft begrenzten Mieten erzielen ließen.
Die Forscher gehen von einer durchschnittlichen Nettokaltmiete von 7,08 Euro je Quadratmeter aus. In ihre Berechnung fließen unter anderem die Kosten für Verwaltung, Instandhaltung und Modernisierung ein. Berücksichtigt wird auch der verbleibende Grundstückswert.
Welche Entschädigung verfassungsrechtlich erforderlich wäre, ist umstritten. Eine vom Berliner Senat eingesetzte Expertenkommission kam 2023 zu dem Ergebnis, dass bei einer Vergesellschaftung andere Maßstäbe gelten könnten als bei einer Enteignung, die durch Artikel 14 des Grundgesetzes geregelt wird.
„In ihrer Mehrheit ist die Kommission der Auffassung, dass für die Höhe der Entschädigung im Falle einer Vergesellschaftung andere Anforderungen bestehen als im Falle einer Enteignung“, heißt es im Abschlussbericht. Eine Entschädigung unterhalb des Verkehrswerts hielt die Mehrheit grundsätzlich für zulässig. Über die Berechnung gab es unterschiedliche Auffassungen.

IMK hält Finanzierung für möglich

Das IMK hat auch untersucht, wie die Wohnungen übernommen und anschließend verwaltet werden könnten. Von drei geprüften Modellen bevorzugen die Wissenschaftler eine Lösung, bei der die sechs bestehenden landeseigenen Wohnungsgesellschaften die Bestände bewirtschaften. Berlin könnte damit auf vorhandene Strukturen und Erfahrungen zurückgreifen.
Nach der Studie von Ende September 2026 müsste das Land für die angenommene Entschädigung von 13,5 Milliarden Euro rund 4 Milliarden Euro Eigenkapital bereitstellen. Weitere 9,5 Milliarden Euro würden die Wohnungsgesellschaften über Kredite finanzieren.
Die übernommenen Wohnungen könnten nach den Modellrechnungen jährlich einen Reinertrag von 543 Millionen Euro erwirtschaften. Davon wären 345 Millionen Euro für Zinsen und Tilgung der Wohnungsgesellschaften vorgesehen. Von den verbleibenden 198 Millionen Euro müsste das Land unter anderem einen eigenen jährlichen Schuldendienst von 135 Millionen Euro bestreiten.
Unter diesen Voraussetzungen wäre die Übernahme nach Einschätzung des IMK ohne laufende Zuschüsse aus dem Landeshaushalt finanzierbar. Die Autoren halten fest: „Die Überführung der Wohnungsbestände in Gemeineigentum ist unter den hier angenommenen Parameterwerten wirtschaftlich und fiskalisch tragfähig ohne Landeszuschüsse.“

Risiken für Haushalt und Investoren

Die möglichen Berliner Koalitionspartner beabsichtigen sicherzustellen, dass der Träger der Vergesellschaftung seine finanziellen Verpflichtungen dauerhaft erfüllen kann. Im Sondierungspapier verlangen sie, dass dies auch bei einer „Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen im Zeitverlauf“ gewährleistet bleibe.
Zu den Unsicherheiten gehören steigende Kreditzinsen sowie höhere Ausgaben für Reparaturen und Modernisierungen. Hinzu kommt die angespannte Haushaltslage. Im Sondierungspapier erklären die Parteien: „Der Haushalt befindet sich zugleich in einer Schieflage, die wir beheben müssen.“ Für 2027 nennen sie ein Entlastungspotenzial von 900 Millionen Euro, ab 2028 jährlich 500 Millionen Euro.
Das IMK verweist auf eine Besonderheit der Schuldenbremse: Nimmt das Land Kredite auf, um sich an einem öffentlichen Unternehmen zu beteiligen, stehe den Schulden ein Vermögenswert gegenüber. Solche finanziellen Transaktionen würden bei der Berechnung der zulässigen Kreditaufnahme herausgerechnet. Die Schulden und ihre Zinskosten blieben jedoch bestehen.
Auch die Rechtsform der künftigen Verwaltung spielt eine Rolle. Bei einer neu gegründeten Anstalt öffentlichen Rechts könnten deren Schulden nach europäischen Statistikregeln dem Staat zugerechnet werden. Kredite, etwa für die Sanierung des Wohnungsbestands oder für Neubauten, könnten dann im Extremfall dazu führen, dass Deutschland die europäischen Fiskalregeln verletzt. Bei der Nutzung bestehender Wohnungsgesellschaften schätzt das IMK dieses Risiko geringer ein.
PwC weist zudem auf mögliche Folgen für private Kreditgeber hin. Wohnungsunternehmen nutzen Immobilien häufig als Sicherheit für Bankkredite. Bei einer gesetzlichen Übertragung müsste deshalb geklärt werden, was mit diesen Sicherheiten geschieht.
Sollten Banken dadurch höhere Risiken erwarten, könnten sie künftig höhere Zinsen verlangen oder strengere Kreditbedingungen stellen. Das könnte neue Bauprojekte verteuern. Ob solche Reaktionen tatsächlich eintreten und über Berlin hinausreichen, ist allerdings nicht belegt.
Auch die IMK-Autoren halten höhere Finanzierungskosten und einen Rückzug privater Investoren für denkbar, warnen jedoch davor, historische Verstaatlichungen in anderen Ländern wie Frankreich in den 1980er-Jahren unmittelbar mit dem Berliner Vorhaben gleichzusetzen.

Was bringt die Vergesellschaftung den Mietern?

Ein Eigentümerwechsel schafft zunächst keine zusätzlichen Wohnungen. Das IMK sieht dennoch einen möglichen Nutzen: „Eine Überführung von Wohnungsbeständen privater Wohnungsbauunternehmen kann helfen, den Bestand öffentlicher Wohnungen schneller als durch Neubau zu erhöhen und deshalb stärker und schneller den Mietmarkt insgesamt zu beeinflussen“, schreiben die Forscher.
Öffentliche Wohnungsgesellschaften können Mieten dauerhaft begrenzen. Ein größerer Bestand günstiger Wohnungen könnte zudem den Mietspiegel beeinflussen, an dem sich viele zulässige Mieterhöhungen orientieren. Davon könnten auch Menschen profitieren, die nicht in einer vergesellschafteten Wohnung leben.
Das Kiel Institut untersuchte dagegen, wie sich zusätzliche Investitionen in den Neubau auswirken könnten. In einem Modell mit 40 Milliarden Euro bis 2045 errechneten die Wissenschaftler rund 71.000 fertiggestellte Wohnungen, davon etwa 28.000 zusätzliche. Die Angebotsmieten könnten dadurch 2045 um 2,2 bis 8,7 Prozent niedriger liegen als ohne das Programm. Das bedeutet nicht zwangsläufig sinkende Mieten, sondern zunächst einen niedrigeren Wert gegenüber dem Vergleichsszenario.
Auch das IMK hält Neubau für unverzichtbar. Die Wissenschaftler weisen allerdings darauf hin, dass die Übernahme großer Wohnungsbestände Personal und Verwaltungskapazitäten beansprucht, die dann möglicherweise für Neubauprojekte fehlen.
Linke, Grüne und SPD wollen zwischen 2026 und 2031 insgesamt 100.000 Baugenehmigungen erreichen, aus denen ebenso viele Wohnungen entstehen sollen.

Finanzierung noch offen

Die politische Einigung legt bislang nur den Rahmen fest. Wie viele Wohnungen tatsächlich übernommen werden, welche Entschädigung die bisherigen Eigentümer erhalten und wie die Übernahme finanziert werden soll, muss noch konkretisiert werden.
Der vorläufige Fahrplan der drei Parteien sieht vor, dass die möglichen Koalitionspartner 2027 ein Finanzierungskonzept vorlegen. Mitte 2028 soll der Gesetzentwurf ins Berliner Abgeordnetenhaus eingebracht werden. Ein Jahr nach der Verkündung soll das Gesetz in Kraft treten.
Das weitere Vorgehen hängt auch davon ab, ob es überhaupt zu einer rot-grün-roten Regierung kommen wird. Offen ist zudem, ob die Bundesregierung ein Gesetz gegen Vergesellschaftung von Wohnraum auf den Weg bringen wird und ob die Berliner Pläne einer gerichtlichen Überprüfung standhalten werden.