Bierpreisinflation auf der Wiesn. (Archivbild) - Foto: Matthias Balk/dpa
Während auf dem Münchner Oktoberfest noch bis zum 4. Oktober gefeiert wird, steckt die deutsche Brauwirtschaft in einem tiefgreifenden Wandel. Der Absatz von alkoholhaltigem Bier sank im ersten Halbjahr 2026 laut Statistischem Bundesamt um 2,2 Prozent, nachdem die Produktion bereits 2025 um 5,8 Prozent zurückgegangen war.
Gegen den Trend wächst ein Segment: alkoholfreies Bier. Dessen Produktion stieg 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamts um 6,5 Prozent auf gut 616 Millionen Liter. Der Deutsche Brauer-Bund, der die gesamte Branche erfasst, nennt ein Plus von 7,6 Prozent auf 750 Millionen Liter. Alkoholfreies Bier kommt damit auf einen Marktanteil von rund 11 Prozent und ist nach Pils und Hellem die drittbeliebteste Sorte.
Auch auf der Wiesn wird es in der Maß ausgeschenkt, wo das Festbier in diesem Jahr zwischen 14,80 und 15,90 Euro kostet. Innerhalb der EU bleibt Deutschland laut Eurostat dennoch mit Abstand der größte Bierproduzent.
Wie alkoholfreies Bier heute gebraut wird und warum in Bayern keine Zusatzstoffe ins Bier dürfen, erklären Franz Amberger, Technischer Leiter und Braumeister der Flötzinger Brauerei in Rosenheim, und Michael Stangl, Braumeister von Camba Bavaria im Chiemgau.
Ist das Bier aus Bayern wirklich Kult in der ganzen Welt?
Michael Stangl: „Das Bier aus Bayern ist Kult, in der ganzen Welt! Wir hatten diese Woche Amerikaner bei uns, die unser bayerisches Bier im wahrsten Sinne des Wortes gefeiert haben.“
Aber was macht das bayerische Bier eigentlich so besonders gegenüber Bier aus anderen Bundesländern oder aus aller Welt?
Michael Stangl: „Das bayerische Reinheitsgebot von 1516 ist bei uns verpflichtend im Lebensmittelgesetz festgeschrieben. Das bedeutet: Außer Hopfen, Malz und Wasser kommt nichts anderes hinzu.“
Ist das nicht überall so, in allen deutschen Brauereien?
Michael Stangl: Nein, dem ist nicht so. In den anderen Bundesländern kann man bei der Lebensmittelbehörde Ausnahmen beantragen, um noch weitere Zusätze hinzufügen zu dürfen. Bei uns in Bayern ist das nicht möglich. Das gilt übrigens auch für den Export ins Ausland. Wir sind eine Lohnbrauerei, wir brauen und füllen auch für andere Brauereien ab.
Wenn wir Bier für Italien oder Griechenland herstellen, halten wir uns trotzdem zu 100 Prozent an das bayerische Reinheitsgebot – denn alles Bier, das in Bayern gebraut wird, folgt dem Reinheitsgebot von 1516.
Auch wenn im Ausland vielleicht Zusätze hinzugefügt werden, um einen bestimmten Geschmack zu erzeugen: Bei uns geht das nicht. Selbst auf Kundenwunsch dürfen wir keine Zusätze beimischen, solange das Bier in Bayern gebraut wird. Das darf der Kunde dann erst bei sich zu Hause tun und sein Bier nach dem individuellen Geschmack seines Landes anpassen.
Wie kann es dann sein, dass Bier von unterschiedlichen Brauereien so unterschiedlich schmeckt? Man meint ab und zu, es seien Bananen, Orangen oder andere Früchte enthalten.
Michael Stangl: „Das liegt vor allem am Hopfen. Weil wir uns strikt an das Reinheitsgebot halten, sind geschmackliche Neuerungen nur über die Zutaten oder über die Brauereitechnik möglich. Durch gezielte Züchtung lassen sich dem Hopfen heute ganz unterschiedliche Geschmacksrichtungen und Noten verleihen – er kann nach Banane, Orange, Mandarine oder anderen Früchten schmecken und riechen. Diese Aromen übertragen sich dann natürlich aufs Bier, dem der Hopfen so seine ganz persönliche Note gibt.“
Und wie verhält es sich mit dem alkoholfreien Bier? Das schmeckt heute ja ganz anders als noch vor zehn Jahren.
Michael Stangl: Ja, damals wurde alkoholfreies Bier mit Gärunterbrechung gebraut. Das bedeutet: Sobald der Alkohol in der Biermaische zu gären begann, wurde der Gärprozess unterbrochen. Das Bier wurde dann gefiltert und in Flaschen abgefüllt. Dadurch bekam es einen ganz eigenen Geschmack – stark hopfig, malzig – und nicht mehr richtig nach Bier.
Heutzutage möchte man mit dem alkoholfreien Bier so nah wie möglich an den Geschmack von alkoholhaltigem Bier herankommen. Bei uns in der Camba Brauerei wird der Brauprozess heute mit der Vollgärung des Alkohols in der Maische durchgezogen, aber in der Rezeptur wird darauf geachtet, dass nach der Gärung maximal 0,5 Prozent Alkohol vorhanden sind – also so wenig Zucker beziehungsweise Malz, dass die Hefe nur bis maximal 0,5 Prozent Alkohol vergären kann.
Danach wird dem kalten Bier noch einmal zusätzlich Hopfen hinzugegeben, um ihm eine besondere Würze zu verleihen. Nach zwei bis drei Tagen wird das fertige Gemisch zentrifugiert statt gefiltert, damit nur die festen Stoffe entfernt werden und nicht die Schwebestoffe, sprich die Geschmacksstoffe. Danach folgt die Abfüllung – und schließlich der Genuss beim Kunden.
Wer setzt eigentlich den Trend beim Biergeschmack – und dabei, was überhaupt getrunken wird?
Franz Amberger: Die Trends setzt immer der Kunde, wir sind nur die, welche es produzieren.
Stellt die Flötzinger Brauerei ihr alkoholfreies Bier auf die gleiche Art her wie Camba Bavaria?
Franz Amberger: Nein, wir machen es anders. Wir lassen den Gärprozess zwar auch voll durchlaufen, sodass am Ende das gleiche Bier herauskommt wie jedes andere, nicht alkoholfreie Bier. Aber dann entziehen wir dem Bier durch Vakuum-Verdampfung den Alkohol zu 100 Prozent. Danach fügen wir dem Bier wieder ein Mutterbier hinzu – also normales, nicht alkoholfreies Bier –, sodass am Ende 0,5 Prozent Alkohol enthalten sind.
Aber warum heißt es dann alkoholfreies Bier, wenn 0,5 Prozent Alkohol enthalten sind?
Franz Amberger: Weil der Gesetzgeber sagt: Wenn nicht mehr als 0,5 Volumenprozent Alkohol im Bier enthalten sind, ist es nach Definition noch alkoholfreies Bier.
Was ist also der Trend? Wird alkoholfreies Bier in einigen Jahren das normale Bier vom Markt verdrängen?
Franz Amberger: Nein, ich denke nicht. Auch wenn der Alkohol bei uns in der Gesellschaft negativ besetzt ist, ist er doch in unserer und in der weltweiten Kultur ein fester Bestandteil des Lebens. Normales Bier fördert in Maßen die Geselligkeit, den Humor und macht auch den Geist mal wieder frei. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei den Frühlings- und Herbstfesten irgendwann nur noch alkoholfreies Bier und alkoholfreie Getränke getrunken werden. Woher käme dann die Stimmung, das Ausgelassene, das Heitere im Zwischenmenschlichen? Es ist doch wie immer: Nur der übervolle Genuss einer Sache ist schädlich. Also, meine Meinung: a Bier in Maßen und nicht in Massen schadet einem nicht.
Und wie sieht das Camba Bavaria?
Michael Stangl: Ich kann der Aussage von Herrn Amberger nur zustimmen, es kommt immer auf die Menge an, ob es ein Genuss ist oder nicht.
Ernährung, Bewegung, Zahngesundheit und Schlaf sind wichtig für ein gesundes Herz. - Foto: scyther5/iStock
Dan Buettners Konzept der „Blue Zones“ hat das weltweite Interesse an gesundem Altern und Langlebigkeit deutlich geprägt. Interessant dabei ist, wie es zu der Namensgebung der „Blauen Zonen“ kam und welcher Zusammenhang zwischen Ernährung, sozialem Zusammenhalt und Bewegung besteht. Die Altersforschung hat diese Thematik in den Fokus genommen.
Wer sich mit den Blue Zones beschäftigt, kommt auch an Longevity nicht vorbei. Doch der Demograf Saul Justin Newman stellt Buettners These mit eigenen Untersuchungen infrage. Er bezweifelt, dass die Altersangaben in den Langlebigkeitsregionen stimmen – und sorgt damit für weiteren Gesprächsstoff.
Blue Zones und Longevity: Zwei Ansätze – eine Botschaft?
Als Blue Zones werden fünf Regionen auf der Welt bezeichnet, die durch eine auffällig hohe Konzentration langlebiger Menschen gekennzeichnet sein sollen. Dazu zählen Sardinien, Okinawa, die Nicoya-Halbinsel, Ikaria und Loma Linda. Die Frage nach einem langen und gesunden Leben beschäftigt auch die Wissenschaft.
Die Longevity-Forschung fragt: „Wie lange können wir leben?“ Monique Breteler, Direktorin des Bereichs Populationsbezogene Gesundheitsforschung am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und Leiterin der Rheinland-Studie, sagt: „Es geht nicht in erster Linie darum, das Leben zu verlängern. Es geht darum, die Anzahl der gesunden Lebensjahre zu erhöhen.“ Sie sucht nicht nach der einen Wunderpille gegen das Altern, vielmehr versucht sie, die Prozesse des Alterns zu verstehen.
Wie komplex dieser Weg ist, zeigt eine Studie, an der Martin Hrabě de Angelis beteiligt war. Er leitet das Institut für Experimentelle Genetik bei Helmholtz Munich und hat den Lehrstuhl für Experimentelle Genetik an der TU München inne. Gemeinsam mit Forschern des DZNE und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) untersuchte sein Team an Mäusen drei Ansätze, denen eine alterungsverlangsamende Wirkung zugeschrieben wird. Die Ergebnisse erschienen 2022 im Fachjournal Nature Communications. Untersucht wurden:
das intermittierende Fasten,
ein Eingriff an einem zentralen Knotenpunkt des Zellstoffwechsels (mTOR), an dem auch das als Anti-Aging-Mittel gehandelte Medikament Rapamycin ansetzt,
ein Eingriff in die Freisetzung des Wachstumshormons.
Zwar fanden die Forscher einzelne Messwerte, etwa zu Bewegungsverhalten, Stoffwechsel oder Immunsystem, die sich unter den Behandlungen günstiger entwickelten. Dieser Effekt sei jedoch nicht auf eine Verlangsamung des Alterns zurückzuführen, sondern auf altersunabhängige Faktoren, erklärte DZNE-Forscher Dan Ehninger. Da die Behandlungen bereits bei jungen Mäusen wirkten, handle es sich um allgemein gesundheitsfördernde Effekte und nicht um ein Ansetzen an Alterungsmechanismen.
Die Studie legt nahe, dass sich das Altern nicht mit einem einzelnen Eingriff aufhalten lässt. Die Ergebnisse wurden allerdings an Mäusen gewonnen und lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen.
Im Zusammenhang mit den Blue Zones verweisen Buettner und seine Co-Autorin Tori Skemp auf frühere Zwillingsstudien, nach denen die Erblichkeit der Lebensdauer bei etwa 20 bis 25 Prozent liegt. Diese Einschätzungen sind inzwischen umstritten: Eine im Januar 2026 im Fachjournal Science veröffentlichte Studie des israelischen Weizmann-Instituts kommt zu dem Ergebnis, dass die Erblichkeit der intrinsischen Lebensspanne bei mehr als 50 Prozent liegt, wenn Todesfälle durch äußere Ursachen wie Unfälle oder Infektionen herausgerechnet werden.
Die Sehnsucht, dem Tod zu entkommen, beschäftigt die Menschheit bereits seit Jahrtausenden. Die Historikerin Daniela Angetter-Pfeiffer sagt: „Der Wunsch nach Langlebigkeit ist so alt wie die Menschheit selbst.“ Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Austrian Centre for Digital Humanities and Cultural Heritage der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) verweist dabei auf eines der frühesten Zeugnisse, das Gilgamesch-Epos. Es gilt als eine der ältesten schriftlichen Dichtungen der Welt, stammt aus Mesopotamien und wird etwa auf die Zeit zwischen 2100 und 1600 v. Chr. datiert. Auch in religiösen Texten taucht das Motiv des langen Lebens auf – etwa als Belohnung Gottes für Gehorsam.
„In den Büchern Mose ist immer wieder davon die Rede, dass man lange lebt, wenn man die Gebote einhält“, erklärt Angetter-Pfeiffer. Darüber hinaus empfahl auch Hippokrates Maßhalten, Bewegung und gutes Essen. Verschiedene Epochen beschäftigten sich also mit dem Gedanken des langen Lebens. Dabei war die Vorstellung, dass der Mensch selbst etwas zu seiner Gesundheit beitragen kann, bereits früh verbreitet. An einen Sieg über den Tod glaubten die frühen Menschen nicht. Für sie war klar, dass Altern ein natürlicher Prozess ist. Daran änderten selbst medizinische Fortschritte nichts, der Tod war Teil des Lebens. Der moderne Hype (Tech-Optimismus) rund um das Altern ist demnach eine moderne Verpackung für eine jahrtausendealte Frage: Wie kann man dem Verfall entkommen?
Der US-Journalist Dan Buettner rückte die Blue Zones im November 2005 mit einer Titelgeschichte im Magazin National Geographic unter dem Titel „The Secrets of Long Life“ („Die Geheimnisse eines langen Lebens“) in den Fokus. Grundlage war die Arbeit zweier Forscher, auf die auch der Name der „Blauen Zonen“ zurückgeht.
Der belgische Demograf Michel Poulain und der sardische Arzt Gianni Pes überprüften die Altersangaben zahlreicher Hundertjähriger auf Sardinien. Die Dörfer mit besonders vielen Langlebigen markierten sie auf einer Landkarte mit einem blauen Stift – daher der Name „Blue Zones“. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie 2004. Gemeinsam mit Buettner weiteten die beiden Forscher das Konzept später auf weitere Langlebigkeitsgebiete weltweit aus.
Die Bergregion im Inneren Sardiniens weist Buettner zufolge die weltweit höchste Konzentration hundertjähriger Männer auf. Viele von ihnen waren Schäfer, die täglich mehrere Kilometer mit ihren Herden zurücklegten und sich überwiegend pflanzlich ernährten.
2) Okinawa, Japan
Die japanische Inselgruppe galt lange als Heimat der langlebigsten Frauen der Welt. Die Bewohner kennen das Konzept des „Ikigai“, das den Sinn des Lebens beschreibt. Sie pflegen lebenslange Freundschaften in sogenannten Moai-Gruppen, deren Mitglieder sich gegenseitig unterstützen – auch im Alter.
3) Nicoya-Halbinsel, Costa Rica
Die recht kleine Halbinsel weist Buettner zufolge die zweithöchste Konzentration hundertjähriger Männer auf. Die Bewohner sprechen vom „plan de vida“, ihrem Lebensplan oder Lebenssinn. Hinzu kommen viel Sonnenschein und Bewegung im Freien.
4) Ikaria, Griechenland
Eine griechische Insel mit auffällig vielen hochbetagten Bewohnern: Laut Buettner erreicht etwa jeder dritte Bewohner das 90. Lebensjahr. Für Ikaria wurden zudem vergleichsweise niedrige Demenzraten berichtet.
Auf der griechischen Insel Ikaria leben viele Hundertjährige
Foto: SAKIS MITROLIDIS/AFP/Getty Images
5) Loma Linda, Kalifornien, USA
In der Stadt östlich von Los Angeles lebt eine große Gemeinschaft von Siebenten-Tags-Adventisten. Die Glaubensgemeinschaft empfiehlt eine an der Bibel orientierte, überwiegend vegetarische Ernährung und regelmäßige Bewegung. Alkohol und Rauchen lehnt sie ab.
Laut Buettner gehören Ernährung, Lebensstil und ein gut funktionierendes soziales Umfeld zu den wichtigsten Gemeinsamkeiten der Blue Zones.
Die „Power 9“
Aus seinen Recherchen in den fünf Regionen leitete Buettner mit seinem Forscherteam neun Gemeinsamkeiten ab. Um sie der Öffentlichkeit verständlich zu machen, fasste er sie unter dem Begriff „Power 9“ zusammen.
1. Pflanzenbasierte Ernährung
Vollkornprodukte, Obst, viel Gemüse, Hülsenfrüchte und gutes Olivenöl bilden die Basis. Fisch, Fleisch und Milchprodukte kommen nur sparsam auf den Tisch. Gegessen wird vor allem, was in der Umgebung wächst und saisonal ist. Stark verarbeitete Lebensmittel spielen in der traditionellen Ernährung kaum eine Rolle.
2. Die 80-Prozent-Regel
Buettner beschreibt für Okinawa die sogenannte 80-Prozent-Regel („Hara hachi bu“): Die Menschen hören demnach auf zu essen, wenn sie sich weitgehend satt fühlen, aber noch nicht vollständig gesättigt sind. Damit verhindern sie ein Überessen und fördern zugleich ein gesundes Körpergewicht. Gemeinsame Mahlzeiten haben für sie einen hohen Stellenwert.
3. Moderater Alkoholkonsum
In einigen Blue Zones gehört moderater Alkoholkonsum, insbesondere Wein in Gesellschaft und zu Mahlzeiten, zur traditionellen Lebensweise. Eine Ausnahme bilden die Adventisten in Loma Linda, die auf Alkohol verzichten. Aus diesen Beobachtungen lässt sich keine allgemeine Empfehlung für Alkoholkonsum ableiten.
4. Natürliche tägliche Bewegung
Die Bewohner bewegen sich viel im Alltag: Sie gehen zu Fuß, fahren Fahrrad und arbeiten körperlich, etwa auf dem Feld oder im Garten. Viele haben einen eigenen Garten und verbringen viel Zeit an der frischen Luft.
5. Ikigai – Lebenssinn
„Plan de vida“ nennen es die Nicoyaner, „Ikigai“ die Menschen auf Okinawa. Beides beschreibt den Grund, morgens aufzustehen: Was macht mein Leben lebenswert? Wer seinen Sinn im Leben gefunden hat, lebt nach dieser Vorstellung ausgeglichener und zufriedener.
6. Feste Rituale
Auch in den Blue Zones gibt es Stress. Mit festen Ritualen beugen die Bewohner ihm vor und bauen ihn ab. Dazu zählen einfache Rituale wie Gebete, Meditation, Spaziergänge oder ein Mittagsschläfchen, die fest im Alltag verankert sind.
7. Familie an erster Stelle
Familie und enge soziale Beziehungen spielen in den von Buettner beschriebenen Blue Zones eine wichtige Rolle. Mehrere Generationen leben häufig eng miteinander und unterstützen sich gegenseitig. Buettner sieht darin einen wichtigen Bestandteil des sozialen Umfelds, das die Bewohner im Alltag unterstützt.
Gemeinsames Familienessen – auch Jahre nach der Kindheit ein Anker im Leben.
Foto: Drazen Zigic/iStock
8. Gemeinschaftszugehörigkeit
Soziales Engagement wird in den Blue Zones großgeschrieben. Buettner hebt insbesondere die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft hervor. Nach seinen Angaben gehörte ein großer Teil der von seinem Team untersuchten Hundertjährigen einer religiösen Gemeinschaft an. Darin sieht er eine mögliche Quelle für soziale Unterstützung, Struktur und Gemeinschaft.
9. Lebenslange Freundschaften
Lebenslange Freundschaften, auf Okinawa „Moai“ genannt, sind für viele Okinawaner essenziell. Bereits im Kindesalter bilden sie kleine Gruppen, in denen sie sich gegenseitig unterstützen und bis ins hohe Alter regelmäßig treffen. Diese Netzwerke fördern ihr emotionales Wohlbefinden.
Die Integration der Blue-Zones-Erkenntnisse in den modernen Alltag
Dan Buettner betont, dass sich die Erkenntnisse aus den Blue Zones nicht mit eiserner Disziplin oder Diäten in den modernen Alltag übertragen lassen. Individuelle Disziplin sei wie ein Muskel, der irgendwann ermüde.
Buettner setzt vielmehr auf Veränderungen im Umfeld. Aus seiner Sicht wird das Verhalten des modernen Menschen stark durch seine Umgebung geprägt – durch Fast-Food-Ketten, Autokultur und sitzende Bürojobs. Mit sogenannten „Blue Zones Projects“ versucht er, Städte so umzugestalten, dass gesundes Verhalten leichter fällt.
Umgesetzt wurden Blue-Zones-Projekte unter anderem in Albert Lea (Minnesota), Fort Worth (Texas) und Naples (Florida). Die Projektbetreiber berichten von Verbesserungen etwa bei Körpergewicht, Rauchverhalten und Gesundheitskosten. Der oft genannte Zugewinn an Lebenserwartung in Albert Lea beruht allerdings nicht auf gemessenen Sterbedaten, sondern auf einer Hochrechnung per Online-Fragebogen.
„Man muss nicht in eine blaue Zone ziehen – man kann selbst eine schaffen“, erklärt Buettner in einem Interview mit The Style Mate.
Zu den prominentesten Kritikern gehört Saul Justin Newman, Forscher am Centre for Longitudinal Studies des University College London und am Oxford Institute of Population Ageing. Für seine Untersuchungen erhielt er 2024 den satirischen Ig-Nobelpreis für Demografie. Newman zufolge beruhen viele Angaben über extrem langlebige Menschen auf Fehlern. Die Zonen extremer Langlebigkeit fielen oft mit Regionen zusammen, die von Armut, schwacher Verwaltung und geringer Alphabetisierung geprägt gewesen seien. Newman vermutet dahinter Registrierungsfehler wie vertauschte Identitäten, falsche Geburtsurkunden oder nicht gemeldete Todesfälle, teils auch Rentenbetrug.
In einer weiteren Untersuchung wertete Newman die von den Vereinten Nationen gesammelten Bevölkerungsdaten von 236 Staaten und Gebieten aus den Jahren 1970 bis 2021 aus. Sein Ergebnis: Die Daten zum Überleben im hohen Alter seien in allen Zeiträumen von Auffälligkeiten geprägt. Der Anteil der Menschen, die vom Alter von 80 bis 84 Jahren aus das 100. Lebensjahr erreichen, sei in einer scheinbar willkürlichen Auswahl von Staaten am höchsten. Zu den zehn „Blauen Zonen“ mit der besten Überlebensrate bis 100 zählten demnach regelmäßig Thailand, Kenia und Malawi – Länder, die bei der allgemeinen Lebenserwartung weit hinten liegen. Hinzu kämen die Westsahara und Puerto Rico, wo Geburtsurkunden so unzuverlässig waren, dass sie als Rechtsdokument für ungültig erklärt wurden.
Newman interpretiert die über längere Zeiträume beobachteten Auffälligkeiten als Hinweis auf systematische Probleme bei der Erfassung von Alter und Sterblichkeit. Seiner Ansicht nach könnten solche Datenfehler Auswirkungen auf demografische und epidemiologische Analysen haben. Newmans Analyse der UN-Daten liegt bislang als Preprint vor und wurde noch keinem abgeschlossenen Peer-Review-Verfahren unterzogen. Die Blue-Zones-Forscher weisen die Kritik zurück und verweisen darauf, dass etwa die Altersangaben der sardischen Hundertjährigen mit einer strengen Methode überprüft worden seien.
Bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass viele Prinzipien des Blue-Zones-Konzepts unabhängig von den Beobachtungen auf Okinawa oder Sardinien durch eigene Studien gestützt werden. Beim Thema Ernährung zeigte die spanische PREDIMED-Studie mit 7.447 Teilnehmern und erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko, dass eine mediterrane Ernährung mit zusätzlichem Olivenöl oder Nüssen im Vergleich zu einer fettreduzierten Kontrollgruppe mit einem niedrigeren Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse verbunden war. Die ursprüngliche Veröffentlichung von 2013 wurde 2018 wegen methodischer Probleme bei der Randomisierung zurückgezogen und nach einer Neuauswertung mit korrigierten Daten erneut veröffentlicht.
Diese Evidenz geht weit über die Beobachtungen auf Ikaria hinaus. Auch zur Bewegung gibt es Erkenntnisse: In den Blue Zones ist moderate, tägliche Bewegung fester Bestandteil des Alltags. Das deckt sich mit epidemiologischen Daten wie denen der US-Gesundheitserhebung NHANES. Sie zeigen, dass bereits regelmäßige körperliche Aktivität und die Vermeidung von Inaktivität mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden sind.
Weiterhin zeigen große Metaanalysen, dass enge soziale Beziehungen und soziale Einbindung mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden sind: Einsamkeit, soziale Isolation und schwache oder fehlende Beziehungen erhöhen demnach das Sterberisiko. Auch für die Bedeutung eines Lebenssinns, wie ihn Ikigai und plan de vida beschreiben, gibt es Belege. Laut einer prospektiven Analyse des Rush Memory and Aging Project in Chicago hatten ältere Menschen mit einem ausgeprägten Lebenssinn ein deutlich geringeres Alzheimer-Risiko.
Die CALERIE-Studie zeigt, dass eine über zwei Jahre tatsächlich erreichte durchschnittliche Kalorienreduktion von etwa 12 Prozent bei gesunden, nicht adipösen Erwachsenen unter anderem die Insulinsensitivität verbesserte und Entzündungsmarker senkte. Die Studie hatte ursprünglich eine Reduktion der Kalorienzufuhr um 25 Prozent zum Ziel.
Die verschiedenen Studien liefern damit Hinweise darauf, dass Ernährung, Bewegung, soziale Beziehungen und weitere Lebensstilfaktoren mit Gesundheit und Langlebigkeit zusammenhängen können. Am Beispiel Okinawa zeigt sich jedoch, dass dieser Lebensstil nicht von selbst fortbesteht. Das moderne Leben, verarbeitete Lebensmittel und Fast-Food-Ketten haben auch vor Okinawa nicht haltgemacht, die traditionelle Lebensweise wird zunehmend verdrängt. Jüngere Okinawaner haben heute keine höhere Lebenserwartung mehr als der japanische Durchschnitt und kämpfen wie im Westen vermehrt mit Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen. Das Leben ist einem ständigen Wandel unterworfen. Inwieweit man sein Leben nach einem Trend oder Hype ausrichtet, darf jeder für sich selbst entscheiden. Ein kritischer Blick auf die Datenlage kann dabei jedoch hilfreich sein.
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EU ruft zum Gassparen auf
EU-Energiekommissar Dan Jørgensen hat die Mitgliedstaaten zum Energiesparen aufgerufen. Die Gasspeicher in der EU sind derzeit zu rund 70 Prozent gefüllt, etwa 12 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Jørgensen warnt vor einer Preiskrise. Eine unmittelbare Gefahr für die Versorgungssicherheit sieht die EU-Kommission allerdings nicht.
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez will bis zum 29. September im Parlament ein Dekret zum Wohnungswesen verabschieden. Es soll Mietern sofortige Erleichterungen bringen. Derweil wächst in Madrid auf dem zentralen Platz Puerta del Sol ein Protestcamp. Auslöser war die Zwangsräumung der Wohnung der 87-jährigen Rentnerin Maricarmen Abascal.
Nahe dem britischen Luftwaffenstützpunkt Fairford sind fünf Männer wegen des „Verdachts der Vorbereitung eines Terroranschlags“ festgenommen worden. Nach Angaben der Behörden sind die Verdächtigen zwischen 23 und 25 Jahre alt und britische Staatsbürger. Das nahe gelegene Dorf wurde vorübergehend evakuiert. US-Präsident Donald Trump sagte auf die Frage, ob es eine Verbindung zum Iran gebe: „Sie werden sehr bald davon hören.“
Der frühere Unionsfraktionschef Jens Spahn zieht sich aus dem Haushaltsausschuss des Bundestags zurück. Alles rund um seine Person sei aktuell so politisiert, dass ein normales Arbeiten kaum möglich sein werde. In Absprache mit Fraktionschef Thorsten Frei konzentriert er sich vorerst auf seine Arbeit im Wahlkreis und auf seine Familie.
In Hessen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Fälschung von Wahlunterlagen im Zusammenhang mit der Abstimmung über die Abwahl des Bürgermeisters von Raunheim. Ein Mitarbeiter der Stadt habe nach Schließung der Wahllokale am 27. September in einem Keller des Rathauses Säcke mit Papierschnipseln gefunden, in denen sich ein grauer Umschlag mit der Aufschrift „Wahlsache“ befunden haben soll. Die Abwahl von SPD-Bürgermeister David Rendel war nur knapp gescheitert.
Bundeskanzler Merz bekennt sich zur Stahlerzeugung in Deutschland. - Foto: Harald Tittel/dpa
Deutschland braucht nach Ansicht von Bundeskanzler Friedrich Merz auch künftig eine eigene Stahlindustrie. „Wenn wir Industrieland bleiben wollen – und wir müssen Industrieland bleiben, um den Wohlstand unseres Landes zu erhalten – dann brauchen wir in Deutschland eigene Stahlerzeugung“, sagte der CDU-Politiker bei einem Besuch der Dillinger Hütte im saarländischen Dillingen.
Merz machte sich ein Bild vom Umbau der Saar-Stahlindustrie zur Herstellung von klimafreundlicherem grünem Stahl. Dieser Stahl soll nicht mehr mit Hilfe von Kohle, sondern mit Wasserstoff produziert werden. Für die Transformation werden fast fünf Milliarden Euro investiert.
„Wir können diese Grundstoffindustrien klimafreundlich modernisieren und wir können sie so auch wettbewerbsfähig halten“, sagte Merz. Auch künftig könne wettbewerbsfähiger Stahl „in Deutschland und vor allem hier im Saarland“ hergestellt werden. „Das macht Mut für Deutschland.“
Merz: Transformation unserer Wirtschaft findet heute statt
Die Versorgung der deutschen Wirtschaft mit kritischen Rohstoffen sei „eine Schlüsselfrage für unsere industrielle und technologische Souveränität“. Deutschland brauche Souveränität nicht nur in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, sondern „der Versorgung mit Rohstoffen und mit industriellen Kompetenzen“.
Merz lobte, dass sich die Stahl-Holding Saar (SHS) an dem deutschen Start-up „Y-SIC“ beteiligt. Diese Firma hat ein patentiertes Verfahren für die Produktion von hochreinem Siliziumkarbid (3C-SIC) entwickelt. Dieser Stoff wird vor allem von der Halbleiterindustrie benötigt und soll schon im nächsten Jahr in Dillingen produziert werden.
Dies sei „ein weiterer Beleg für eine Erkenntnis, die uns allen Mut machen sollte: Die Transformation unserer Wirtschaft findet heute statt, während viele noch überlegen oder gar zweifeln, ob sie überhaupt gelingen kann“, sagt Merz. (dpa/red)
EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas sieht bislang keine breite Unterstützung für den Vorstoß von Ursula von der Leyen. (Archivbild) - Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Der von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgeschlagene Notfallmechanismus für Sicherheitskrisen unterhalb der Schwelle eines bewaffneten Angriffs stößt im Kreis der Mitgliedstaaten auf ein geteiltes Echo. Bei einem Verteidigungsministertreffen in Brüssel hätten sich einige Mitgliedstaaten für einen Mechanismus unterhalb des NATO- oder EU-Bündnisfalls ausgesprochen, erklärte die Außenbeauftragte Kaja Kallas im Anschluss auf einer Pressekonferenz. Viele hätten aber auch gesagt, dass sie zunächst wissen müssten, was genau vorgesehen sei, um beurteilen zu können, ob sie ihn unterstützten oder nicht.
Zudem hätten viele Teilnehmer des Treffens betont, dass ein möglicher neuer Mechanismus keine Doppelstrukturen zu denen der NATO schaffen dürfe, sagte Kallas. Auch habe es Mitgliedstaaten gegeben, die sich gar nicht geäußert hätten. Ob es eine Mehrheit für den Vorstoß der Kommissionspräsidentin gebe, könne sie deswegen nicht sagen.
Von der Leyen hatte Mitte des Monats in ihrer diesjährigen Rede zur Lage der Europäischen Union gesagt, die EU brauche einen Mechanismus analog zum Artikel 4 des NATO-Vertrags, und hatte dafür ein „Notfall-Sicherheitsprotokoll“ vorgeschlagen.
Dieses soll demnach vorsehen, dass alle Mitgliedstaaten zusammenkommen, wenn ein Mitgliedstaat ihn auslöst. Gemeinsam soll dann eine europäische Antwort koordiniert werden, um gegen eine weitere Eskalation abzuschrecken und die Auswirkungen abzumildern.
Sabotageakte, Cyberattacken oder Desinformationskampagnen
Der von der Kommissionspräsidentin als Vorbild für einen EU-Mechanismus erwähnte Artikel 4 sieht Beratungen vor, wenn sich ein NATO-Staat in seiner Sicherheit bedroht sieht. Konkret heißt es darin: „Die Parteien werden einander konsultieren, wenn nach Auffassung einer von ihnen die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit einer der Parteien bedroht ist.“
Kallas sagte nun, die Diskussion beim Verteidigungsministertreffen sei die erste grundlegende Diskussion zum Thema gewesen. Schlussfolgerung sei, dass man die Beratungen mit den Mitgliedstaaten auf verschiedenen Ebenen fortsetzen werde – mit den Botschaftern und in den anderen Formaten. Der neue Mechanismus würde ihren Angaben zufolge den bereits bestehenden Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrags ergänzen. In diesem heißt es: „Im Falle eines bewaffneten Angriffs auf das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats schulden die anderen Mitgliedstaaten ihm alle in ihrer Macht stehende Hilfe und Unterstützung (…).“
Der neue Mechanismus könnte damit etwa bei den sogenannten hybriden Angriffen Russlands Anwendung finden. Darunter fallen Sabotageakte, Cyberattacken oder Desinformationskampagnen, die unterhalb der Schwelle eines offenen militärischen Angriffs bleiben.
Zu den Teilnehmern des EU-Treffens, die sich klar für einen EU-Artikel-4-Mechanismus aussprachen, gehörte der polnische Verteidigungsstaatssekretär Paweł Zalewski. Er sagte, aus seiner Sicht sei es sehr sinnvoll, so etwas für den Fall hybrider Angriffe zu haben.
Er verwies dabei darauf, dass die EU ein breiteres Instrumentarium für mögliche Reaktionen hat. So kann die NATO beispielsweise keine Wirtschaftssanktionen verhängen. Der deutsche Verteidigungsstaatssekretär Sebastian Hartmann äußerte sich nicht öffentlich zum Thema.
Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen machte er bei den internen Beratungen deutlich, dass die Bundesregierung dem Vorstoß von der Leyens offen gegenübersteht, vor einer abschließenden Bewertung aber noch viele Fragen zu klären sind. (dpa/red)
Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel sinkt vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember um 14,04 Cent je Liter; einschließlich Umsatzsteuer ergibt sich eine Entlastung von rund 17 Cent.
Heizöl ist von der neuen Entlastung ausgenommen, obwohl die Preise deutlich gestiegen sind.
Für besonders belastete Haushalte bestehen teilweise Hilfen über Wohngeld sowie Grundsicherung.
Für 2027 plant die Bundesregierung einen vorübergehenden Spritpreisdeckel; dessen konkrete Ausgestaltung ist noch offen.
Am Donnerstag, 1. Oktober, tritt der von Bundestag und Bundesrat beschlossene sogenannte Tankrabatt in Kraft. Die Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel soll angesichts der hohen Treibstoffpreise für Autofahrer eine Entlastung von rund 17 Cent je Liter bringen.
Eine ähnliche Regelung hatte es bereits für Mai und Juni gegeben. Für 2027 hat die Bundesregierung einen Spritpreisdeckel angekündigt, die sich am Ölpreis orientieren soll. Heizöl ist von dem Entlastungspaket allerdings ausgenommen. Ein Versäumnis, wie mehrere Ministerpräsidenten finden.
Schwesig und Voigt drängen auf Entlastungen auch beim Heizöl
In ihrer Rede am 25. September im Bundesrat betonte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), der Tankrabatt könne nicht das Ende der Entlastungen sein. Es gebe Familien, die den Heizöltanktank in ihrem Eigenheim vor dem Winter nicht mehr gänzlich befüllten, weil sie es sich nicht leisten könnten. Für diese brauche es „gezielte Unterstützung“, so Schwesig laut „WELT“.
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) stieß in das gleiche Horn. Er erklärte, angesichts der Preissprünge sei eine „befristete Aussetzung der CO2‑Bepreisung für Kraft- und Brennstoffe“ das Gebot der Stunde. In der Bundesregierung sind Maßnahmen dieser Art derzeit jedoch nicht angedacht.
Gleichzeitig droht eine Verknappung des Heizölangebots, weil die Produktion von Dieselkraftstoff für die Raffinerien vordringlich ist. Auf eine im Haus der Bundespressekonferenz am 23. September gestellte diesbezügliche Frage hieß es vonseiten der Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums, Susanne Ungrad:
„Mir sind derzeit keine Anstrengungen der Bundesregierung bekannt, jetzt hier konkret bei Heizöl […] finanzielle Unterstützung zu gewährleisten.“
Preise erreichen Niveau von Herbst 2022
Die Bundesregierung sehe zudem derzeit keine Gefahr für die Versorgungssicherheit. Es gebe, so Ungrad, im Notfall auch nationale Ölreserven, auf die man zurückgreifen könne. Dafür sei derzeit jedoch kein hinreichender Anlass zu erkennen.
Die Heizölpreise liegen zwar noch unter den Rekorden vom März 2022 nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine. Allerdings haben sie mittlerweile die Höhe vom Herbst jenes Jahres erreicht und überschritten.
Im Jahr 2022 hatte es zwei Heizkostenzuschüsse für bedürftige Haushalte gegeben.
Weitere Härtefallhilfen für nicht leitungsgebundene Brennstoffe wie Pellets, Heizöl oder Flüssiggas hatte es in der damaligen Zeit der Ampelkoalition ebenfalls gegeben. Sowohl das Gesetz über den Heizkostenzuschuss als auch die Härtefallbestimmungen sind mittlerweile jedoch nicht mehr in Kraft.
Heizöl gegenüber dem Vorjahr um etwa 80 Prozent teurer
Dem Heizspiegel 2026 der Beratungsgesellschaft co2online zufolge ist für 2026 mit einem Anstieg der Heizkosten für Ölheizungen um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu rechnen. So habe das Beheizen einer 70-Quadratmeter-Wohnung im Mehrfamilienhaus im Vorjahr durchschnittliche Kosten von 1.030 Euro verursacht. Im laufenden Jahr wäre mit etwa 1.275 Euro zu rechnen. Der Preis für den Inhalt eines 3.000-Liter-Tanks derzeit bei etwa 5.100 Euro. Das ist um etwa 2.300 Euro oder etwa 80 Prozent höher als im Vorjahr. Dies berichtet der WDR unter Berufung.
Entlastung für Haushalte ist derzeit möglich über die Heizkostenkomponente bei Haushalten, die Wohngeld beziehen. Bei Personen in der Grundsicherung können Jobcenter oder Sozialämter bei Bedarf auf Antrag Kosten für Heizmittel übernehmen oder Darlehen gewähren.
Seit der Wohngeldreform 2023 enthält das Wohngeld auch eine dauerhafte Entlastung bei den Heizkosten. Diese setzt sich aus einem Betrag zusammen, der sich an der CO₂-Bepreisung orientiert – sowie einer dauerhaften Heizkostenkomponente.
Senkung der Energiesteuer hätte nur begrenzten Effekt
Während bei Diesel und Benzin die staatlichen Komponenten etwa die Hälfte des Endpreises ausmachen, sind es beim Heizöl etwa 30 Prozent. Entsprechend würde eine Senkung der Energiesteuer auf das europäische Mindestmaß keine signifikante Preissenkung beim Heizöl erwarten lassen. Bei einem Preis von 170 Euro je 100 Liter belaufe diese sich Schätzungen der „Welt“ zufolge auf lediglich 3 Prozent.
Größer wäre der Effekt einer Aussetzung der CO₂-Abgabe.
Ein Verzicht auf das Auto oder weniger Heizen wäre die erwartbare Reaktion auf die Preissignale des Marktes. Wie auch Schwesig und Voigt deutlich machen, ist beides für viele Bürger unrealistisch.
Auch ein kurzfristiger Umstieg auf eine Wärmepumpe ist nicht jedem möglich. Entsprechend ist damit zu rechnen, dass die Politik durch die hohen Preise auch beim Heizöl unter Zugzwang geraten wird. Im Bundesfinanzministerium denkt man an unter anderem an eine gezielte Entlastung besonders stark von den hohen Preisen Betroffener durch Direktzahlungen.
Eine Morgenroutine kann viel mehr, als nur den Tag einzuläuten. - Foto: Olezzo/iStock
Routinen sind Ankerpunkte inmitten der Wirren des Lebens. Wie Rituale strukturieren sie die Zeit und unterscheiden eine Stunde von der anderen sowie einen Tag vom nächsten. Sie fördern Disziplin, die Grundlage für jeden Erfolg. Nicht ohne Grund hielten sich erfolgreiche Menschen wie Mark Aurel, Benjamin Franklin und Winston Churchill an strenge Tagesabläufe.
Unter allen möglichen Routinen haben Morgenroutinen die höchste Priorität und bieten die meisten Vorteile. Was man morgens unternimmt, prägt den gesamten Tag. Körperlich, emotional und spirituell sind wir morgens am frischesten und empfänglichsten für positive Einflüsse und Eindrücke. Diese beeinflussen Schritt für Schritt die Gesamtstruktur des Lebens. Es ist daher entscheidend, dieses Zeitfenster am Morgen zu nutzen, um sich in eine positive Richtung auszurichten.
Der Morgen steht schließlich für Wiedergeburt, Auferstehung und Neubeginn. Eine belebende Morgenroutine kann Körper und Seele in Einklang bringen und die Frische, die Strahlkraft und die Möglichkeit der Erneuerung würdigen, die jeder einzelne Tag bietet.
Die Wissenschaft spricht für den Morgen
Wie die National Alliance on Mental Illness (NAMI) erklärt, kann die Etablierung einer Morgenroutine nachweislich die Energie, Produktivität und positive Einstellung über den ganzen Tag hinweg verbessern. Die richtige Morgenroutine kann Ihrem Leben buchstäblich Jahre hinzufügen.
Was Sie bei den ersten Anzeichen der Morgendämmerung tun, wirkt sich stärker auf Ihre körperliche Gesundheit aus, als Sie vielleicht denken. Dr. Alex Wibberley hat vier Säulen einer gesunden, lebensverlängernden Morgenroutine umrissen: Kälteeinwirkung, Lichteinwirkung, Proteinkonsum und Bewegung. Er zählt zudem eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr als notwendige Grundlage für diese vier Säulen dazu.
Kälteeinwirkung direkt am Morgen – beispielsweise durch eine kalte Dusche – löst einen biologischen Prozess namens Hormesis aus. Hormesis bezeichnet die Reaktion des Körpers auf einen leichten Stressor wie beispielsweise Kälte, der ihn tatsächlich stärkt, ähnlich wie eine geringe Dosis eines Erregers das Immunsystem stärken kann und eine geringe Dosis von Muskelrissen tatsächlich den Muskelaufbau anregt. Die daraus resultierende Ausschüttung des Hormons Noradrenalin reduziert nachweislich Entzündungen im Körper, die eine der Hauptursachen für chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar Krebs sind.
Ebenso trägt Lichteinwirkung dazu bei, einen gesunden Tagesrhythmus zu etablieren, was zu einer besseren Zellgesundheit führt. Die Aufnahme von hochwertigem Eiweiß am Morgen fördert das Muskelwachstum – was aus mehreren Gründen wichtig ist, unter anderem weil eine geringe Muskelmasse ein starker Indikator für Sterblichkeit und Behinderung ist.
Den Sonnenaufgang zu beobachten, kann sowohl inspirierend als auch biologisch vorteilhaft sein.
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Fast alle Ratschläge zu Morgenroutinen – auch die von Wibberley – empfehlen irgendeine Form von Bewegung. Bewegung ist besonders wichtig nach dem Schlaf, währenddessen die Durchblutung nachgelassen hat. Sich morgens zu bewegen, regt den Blutfluss an, was unter anderem die allgemeine Körperfunktion verbessert, den kognitiven Verfall verlangsamt und die Stimmung hebt.
Alle vier Säulen werden durch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr unterstützt. Die meisten Menschen wachen morgens in einem dehydrierten Zustand auf, was das Herz zu stärkerer Arbeit zwingt und die geistige Klarheit beeinträchtigt.
Dies sind lediglich die körperlichen Vorteile einer gesunden Morgenroutine. Eine regelmäßige Morgenroutine bringt darüber hinaus zahlreiche psychologische Vorteile und steigert die Produktivität. Wie die NAMI hervorhebt, mindert eine feste Morgenroutine die „Entscheidungsmüdigkeit“. Morgengewohnheiten reduzieren die mentale Belastung, die erforderlich ist, um Dinge zu erledigen. Man muss nicht darüber nachdenken – man weiß automatisch, wie man seinen Tag produktiv beginnt.
Zu den weiteren Praktiken, die die Produktivität steigern und den Tag positiv in Gang bringen, gehören die geistige Anregung durch Musik und Lesen. Musik aktiviert das gesamte Gehirn, daher kann das Abspielen eines Lieblingsliedes eine hervorragende Möglichkeit sein, die Neuronen in Schwung zu bringen und gleichzeitig die Stimmung zu heben. Auch Lesen regt das Gehirn an, allerdings auf eine andere Weise. Es ist eine ruhige, meditative Tätigkeit, perfekt für die Stille des Morgens, wenn der Tag sanft erwacht, und es beruhigt den Geist, indem es ihn auf eine einzige Sache konzentriert. Gedichte, Bücher, aufbauende Artikel – alles, was erhebend und beruhigend wirkt, ist dafür geeignet.
Diese Lektüre lässt sich leicht mit einem noch wichtigeren Element verbinden: einer Form der Achtsamkeit oder spirituellen Übung, wie zum Beispiel dem Gebet, die den inneren Frieden weiter vertieft, die Seele beruhigt und Sie wieder auf die eigentlichen Ziele des Tages ausrichtet.
In vielen Ratschlägen zu Morgenroutinen wird empfohlen, nach dem Aufwachen eine Zeit lang auf das Handy und soziale Medien zu verzichten. Im Gegensatz zum Lesen eines Buches oder zum Beten überreizt das ständige Überprüfen des Handys das Gehirn. Es verstreut die Gedanken gleichzeitig in tausend Richtungen und verstärkt so Angst und Ablenkung. Es ist kognitiv zermürbend, den Tag mit E-Mails, Chats und dem allgemeinen digitalen „Lärm“ zu beginnen. Der übermäßige Dopaminausstoß durch die Nutzung digitaler Geräte kann Ihre Dopaminregulation für den Rest des Tages durcheinanderbringen.
Ein paar Minuten Achtsamkeit können dem ganzen Tag eine positive Richtung geben.
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Anstatt ruhig, konzentriert und ausgeglichen in den Tag zu starten, beginnen Sie ihn wie ein Güterzug, der aus den Gleisen schießt und dabei in Zeitlupe explodiert.
Vorschläge für die Tagesplanung
Ein solcher Ansatz behindert auch Ihre Fähigkeit, den Tag effektiv und konzentriert zu planen. In einem Interview mit dem bekannten amerikanischen Frauen- und Lifestyle-Magazin „Good Housekeeping“ erklärten Laura Vanderkam, Autorin von „What the Most Successful People Do Before Breakfast“ (zu Deutsch: Was die erfolgreichsten Menschen vor dem Frühstück tun), und Henna Pryor, Expertin für Leistung am Arbeitsplatz, dass erfolgreiche Menschen bereits früh am Tag Strategien entwickeln und wichtige Ziele festlegen.
Planen, Strategien entwickeln und ein wichtiges Ziel festlegen geben dem Tag Richtung und Struktur. Sie empfehlen außerdem, morgens einer kreativen Tätigkeit nachzugehen, da der Geist dann frisch ist und die kreativen Ideen nur so sprudeln.
Zusammenfassend stellt die NAMI daher folgende Beispiel-Morgenroutine vor:
06:55–07:00 Uhr: Langsam aufwachen.
07:00–07:15 Uhr: Die Vorhänge öffnen, Musik einschalten und sich auf irgendeine Weise körperlich betätigen.
07:15–07:30 Uhr: Als Frühstück etwas Obst und Mandeln essen.
07:30–08:00 Uhr: Lesen und Tee oder Wasser trinken, um den Geist anzuregen und den Körper mit Flüssigkeit zu versorgen.
08:00–08:30 Uhr: Duschen und sich für die Arbeit fertigmachen.
08:30–09:00 Uhr: Zu Fuß zur Arbeit gehen, um sich moderat zu bewegen.
09:00–09:15 Uhr: Die Arbeit mit einer Planungssitzung beginnen.
Diese Routine stellt natürlich kein allgemeingültiges Rezept dar, sondern ist lediglich eine mögliche Umsetzung dieser Grundsätze. Jeder muss sie an seine individuellen Umstände und Bedürfnisse anpassen.
Es ist auch nicht immer möglich, alle hier vorgeschlagenen Maßnahmen umzusetzen. Wichtiger als die vollständige Anwendung ist die konsequente Umsetzung.
Benjamin Spall, Mitautor des Buchs „My Morning Routine: How Successful People Start Every Day Inspired“ (zu Deutsch: Meine Morgenroutine: Wie erfolgreiche Menschen jeden Tag voller Inspiration beginnen) sagte in einem Interview mit „Forbes“: „Die erfolgreichsten Morgenroutinen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie einfach und leicht einzuhalten sind.“ Er rät dazu, klein anzufangen. Beginnen Sie nicht gleich am ersten Morgen mit einem zweistündigen Training. Versuchen Sie es stattdessen mit 10 oder 15 Minuten und bauen Sie darauf auf.
Dennoch gibt es allgemeine Grundsätze, die ausnahmslos gelten. Spalls Untersuchungen ergaben, dass es wichtig ist, nicht zu lange aufzubleiben oder zu lange zu verschlafen. Die Befragten in seinem Buch gingen im Durchschnitt um 22:57 Uhr ins Bett, die durchschnittliche Aufstehzeit lag bei 06:24 Uhr. Wie „früh ins Bett gehen“ oder „früh aufstehen“ für jeden Einzelnen konkret aussieht, ist individuell verschieden, aber die Grundprämisse bleibt dieselbe.
Ihr Morgen kann sich verbessern, wenn Sie sich am Abend zuvor Zeit zur Entspannung nehmen.
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Jeder kann einen ruhigen, gesunden und energiespendenden Start in den Tag hinbekommen. Man muss nur von den Erfahrungen erfolgreicher Menschen etwas lernen und wissenschaftliche Erkenntnisse hinzuziehen – und ein wenig ausprobieren. Die Investition in Gedanken und Energie lohnt sich auf jeden Fall.
Der weltweit größte Auto-Zulieferer Bosch will die Belegschaft in seinem Nürnberger Werk halbieren und bis 2029 die Personalstärke um 900 Stellen reduzieren (Archivbild). - Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa
Der Automobilzulieferer Bosch will in seinem Nürnberger Werk in den nächsten drei Jahren gut die Hälfte seiner 1.800 Mitarbeiter abbauen. Bis 2029 sollen 900 Stellen gestrichen werden, kündigte das Unternehmen an. Der Stellenabbau in Nürnberg soll zusätzlich zum bereits angekündigten Abbau von konzernweit 22.000 Mitarbeitern erfolgen. Der Großteil davon trifft den Mobility-Sektor.
Zum Ende des ersten Halbjahres 2026 hatte Bosch bereits rund 6.500 Beschäftigte weniger als Ende 2025 – allerdings dennoch seinen Umsatz im Vorjahresvergleich um 3,6 Prozent steigern können. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen nach Steuern erstmals seit der Finanzkrise rote Zahlen geschrieben und unter dem Strich einen Verlust ausgewiesen.
Konkurrenz aus China
Bosch begründete den Schritt in Nürnberg mit dem fortschreitenden Wandel in der Automobilindustrie und dem zunehmenden Wettbewerb- und Preisdruck in der Branche. Vor allem Konkurrenten aus China setzen dem Zulieferer zu. Der weltweite Automarkt stagniere, die Nachfrage in Europa sei sogar rückläufig.
In Nürnberg stellt Bosch vor allem Komponenten für den Verbrennungsmotor sowie für Brennstoffzellen her. Durch den Wandel hin zu mehr Elektromobilität verlieren Verbrenner an Bedeutung. Die Brennstoffzelle für Wasserstoffantriebe konnte die in sie gesetzten Erwartungen bisher nicht erfüllen. Dies führe zu einem Personalüberhang in Nürnberg, der wirtschaftlich längerfristig nicht tragfähig sei, hieß es.
Sozialverträglich abbauen
Bosch kündigte sozialverträgliche Lösungen für den Abbau an. „Diese Entscheidung fällt uns überaus schwer, da sie für unser engagiertes Team in Nürnberg tiefgreifende Auswirkungen hat. Wir müssen jedoch unsere Strukturen an das veränderte Marktumfeld anpassen und unsere Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen“, heißt es in einer Mitteilung. (dpa/red)
Nach der Zwangsräumung einer 87-jährigen Frau in Madrid protestieren angesichts der Wohnungsknappheit und explodierender Mieten Demonstranten den dritten Tag mit einem Zeltlager vor dem Sitz der Regionalregierung.
Umfragen zufolge ist die Wohnungskrise für die Spanier schon seit geraumer Zeit das Problem Nummer eins im Land. Laut dem Immobilienportal Idealista haben sich die Durchsch…
Edeka erweitert sein Filialnetz um zahlreiche Tegut-Supermärkte. - Foto: Malin Wunderlich/dpa
Der Lebensmittelhändler Edeka darf 178 Filialen der Supermarktkette Tegut übernehmen. Das teilte das Bundeskartellamt in Bonn mit.
Die Schweizer Genossenschaft Migros hatte im März angekündigt, Tegut verkaufen zu wollen. Edeka wollte ursprünglich 202 der rund 300 Supermärkte der Kette erwerben und anschließend weiterbetreiben. Die Wettbewerbshüter äußerten jedoch Bedenken. Sie befürchteten, dass Edekas Marktanteil in einigen Regionen zu hoch sein und dadurch ein wirksamer Wettbewerb behindert werden könnte. Deshalb wurde eine Übernahme in der geplanten Form abgelehnt.
Edeka verpflichtete sich deshalb, 24 der vorgesehenen 202 Tegut-Standorte für einen Zeitraum von vier Jahren nicht zu erwerben. „Damit verhindern wir, dass es in den betroffenen Regionen durch die Übernahme zu Verschlechterungen für die Verbraucherinnen und Verbraucher kommt“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Die Behörde veröffentlichte keine Liste der Filialen, die Edeka übernehmen darf. Zum Übernahmepaket gehören auch das Tegut-Logistikzentrum, die Bäckerei Herzberger sowie die 41 personallosen „Teo“-Minimärkte.
Frist für Prüfverfahren verlängert
Das Bundeskartellamt hat die geplante Übernahme seit März nach eigenen Angaben intensiv untersucht. Hintergrund sind die Wettbewerbsverhältnisse und eine zunehmende Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel.
Der Behörde zufolge vereinten Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland) sowie Aldi (Nord und Süd) 2025 zusammen mehr als 90 Prozent der bundesweiten Umsätze auf sich.
Eine einzelmarktübergreifende kollektive Marktbeherrschung der führenden Lebensmitteleinzelhandels-Unternehmen habe sich jedoch nicht feststellen lassen, teilte das Kartellamt mit.
Entscheidung für Rewe steht noch aus
Auch andere deutsche Handelsketten wollen ihr Filialnetz um Tegut-Märkte erweitern. Die Smart-Store-Kette Tante Enso erhielt im Juni bereits die Freigabe für 36 Supermärkte.
Auch die Rewe-Gruppe möchte bis zu 40 Filialen übernehmen. Die Entscheidung steht noch aus. Auch in diesem Verfahren hatte das Kartellamt wettbewerbliche Bedenken geäußert. Rewe legte daraufhin ein Zusagenangebot vor, um diese auszuräumen. Die Prüffrist für das Verfahren wurde bis Ende Oktober verlängert. Was aus den übrigen Tegut-Filialen wird, ist noch unklar.
Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet und gehört seit 2013 zur Migros-Gruppe. Die Kette ist in sechs Bundesländern vertreten, die meisten Märkte befinden sich in Hessen. Laut Migros beschäftigt Tegut knapp 7.500 Menschen. Die Marke soll aufgegeben werden. (dpa/red)
In der Industrie wird der Jobabbau nicht mehr so stark vorangetrieben wie zuletzt. (Archivbild) - Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Auf dem deutschen Arbeitsmarkt tut sich etwas: Bei der Arbeitslosigkeit, seit mehr als drei Jahren kontinuierlich steigend, scheint sich dank einer günstigeren Konjunktur eine Entspannung abzuzeichnen.
Bei der Beschäftigung sieht das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung dagegen eine negative Entwicklung: Viele Babyboomer gehen in Rente, zu wenig junges Personal kommt nach. „Der Arbeitsmarkt schrumpft“, sagt der IAB-Forscher Enzo Weber.
Das Bundesamt für Statistik veröffentlicht eine Auswertung, die jedoch zeigt, dass mehr als ein Viertel (27 Prozent) aller abhängig Beschäftigten im Jahr 2025 Wurzeln im Ausland hatte. Dies teilte das Bundesamt anhand von Daten aus dem Mikrozensus mit.
Beschäftigte mit Migrationshintergrund
In vielen Berufen hierzulande sind Menschen mit Einwanderungsgeschichte demnach sogar schon in der Mehrheit: Nach Angaben der Wiesbadener Behörde traf dies im vergangenen Jahr auf mehr als die Hälfte der Köchinnen und Köche zu (56 Prozent). Auch in der Lebensmittelherstellung (55 Prozent), in der Bodenverlegung (54 Prozent), im Gerüstbau (51 Prozent) sowie in der Fleischverarbeitung (51 Prozent) war es die Mehrheit der Beschäftigten.
Deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt liegt der Anteil der Beschäftigten mit Migrationshintergrund auch in weiteren sogenannten Engpassberufen, in denen Fachkräfte knapp sind: bei Berufskraftfahrern (41 Prozent), im Hotelservice (40 Prozent) sowie in der Kranken- und Altenpflege (33 Prozent). Eine Person hat nach Definition des Bundesamtes eine Einwanderungsgeschichte, wenn sie selbst oder beide Elternteile seit 1950 nach Deutschland eingewandert sind.
Im Vergleich zur Beschäftigung habe sich die Konjunktur etwas gefestigt. Belastend wirken laut IAB jedoch nach wie vor die hohe Unsicherheit und Strukturprobleme vor allem in der Industrie. Viele Branchen stecken dort in einer tiefgreifenden Transformation – etwa die in Deutschland besonders wichtige Autoindustrie, die den Übergang von Verbrennermotoren zur Elektromobilität gestalten muss.
Bundesagentur legt September-Statistik vor
Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist ein monatlich erhobener Frühindikator für die künftige Situation auf dem Arbeitsmarkt. Befragt werden alle deutschen Arbeitsagenturen nach ihren Erwartungen für die nächsten drei Monate. Die tatsächliche Situation auf dem Arbeitsmarkt im Monat September wird die Vorstandsvorsitzende der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, an diesem Mittwoch in ihrer monatlichen Statistik bekanntgeben.
Das Münchner Ifo-Institut sieht in seinem Beschäftigungsbarometer ebenfalls Licht am Ende des Tunnels. Die Unternehmen in Deutschland träten beim Stellenabbau auf die Bremse. Das Beschäftigungsbarometer ist den dritten Monat in Folge gestiegen und liegt nun bei 95,1 Punkten.
Zuletzt hatte es diesen Wert im August vergangenen Jahres erreicht. Höher lag es zum letzten Mal im Juli 2024. „Der Arbeitsmarkt stabilisiert sich“, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. „Eine echte Erholung ist aber noch nicht in Sicht“, schränkt er ein. „In der Industrie und im Handel werden weiterhin Stellen abgebaut.“
Dienstleistungssektor baut auf
Laut ifo-Institut sticht derzeit positiv der Dienstleistungssektor hervor: Der Anteil an Unternehmen, die Jobs aufbauen wollen ist dort höher, als der Anteil der Unternehmen, die Jobs abbauen wollen.
Zusätzliche Beschäftigte suchen laut Ifo unter anderem Ingenieurbüros sowie Rechts- und Steuerberatungen und Wirtschaftsprüfer. Auch die Leiharbeitsfirmen schöpften wieder etwas Hoffnung.
Industrie etwas zuversichtlicher
Auf dem Bau ist die Lage bei zuletzt wenig Veränderung noch leicht negativ. Im verarbeitenden Gewerbe ist der Saldo zwar mit minus 9,4 zwar klar negativ, noch vor zwei Monaten waren es aber minus 18,2. Besser als derzeit war der Wert für die Industrie zuletzt im März 2024.
Einstellungen sind laut Ifo vor allem in der Nahrungsmittelindustrie sowie bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen vorgesehen.
Am schlechtesten fällt der Saldo mit minus 12,8 im Handel aus. Auch hier ist dies aber einer der besten Werte der letzten Jahre. Abgesehen vom stagnierenden Handel gab es in der Ifo-Studie in allen Bereichen leichte Verbesserungen.
Dadurch ergibt sich auch für den Gesamtindex eine leichte Verbesserung um 0,3 Punkte. Der Stand von 95,1 wird dabei im Vergleich zum Jahr 2015 errechnet. Dessen Durchschnitt ist als 100 definiert. Die Schwelle von 100 hat darüber hinaus keine Bedeutung. (dpa/red)
«Keine Region ist gesellschaftlich und wirtschaftlich so eng mit der Türkei verbunden wie Nordrhein-Westfalen», sagte Wüst zum Auftakt seiner Reise. - Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat überraschend den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst zu einem Gespräch in seinem Palast in Ankara empfangen. Der Termin war kurzfristig von Wüsts Delegation bekanntgegeben worden. Es solle um die engen Beziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen und der Türkei, die wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie aktuelle politische Fragen gehen, hieß es.
Das Treffen ist protokollarisch sehr ungewöhnlich. Regionale Regierungschefs werden normalerweise nicht von Staatspräsidenten empfangen – zumindest gilt das für Länder vergleichbarer Bedeutung. Aber es gibt Ausnahmen. Mit dem Termin verleiht Erdogan dem Besuch von Wüst jedenfalls besondere Bedeutung.
Hauptanlass der dreitägigen Reise ist der 65. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens, mit dem die Zuwanderung hunderttausender türkischer Arbeitskräfte in die Bundesrepublik Deutschland eingeleitet wurde. Es ist die erste Reise eines nordrhein-westfälischen Regierungschefs in die Türkei und für Wüst der erste Türkei-Besuch überhaupt.
Ein Jahrestag ist Anlass für die Reise
Hauptanlass der dreitägigen Reise ist der 65. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens, mit dem die Zuwanderung hunderttausender türkischer Arbeitskräfte in die Bundesrepublik Deutschland eingeleitet wurde. Es ist die erste Reise eines nordrhein-westfälischen Regierungschefs in die Türkei und für Wüst der erste Türkei-Besuch überhaupt.
Wüst hat sich zu Beginn der Reise dafür ausgesprochen, ein „neues Kapitel“ in den deutsch-türkischen Beziehungen aufzuschlagen. „Wir wollen den Blick auf das Positive richten für eine gestärkte Zusammenarbeit in der Zukunft“, sagte der CDU-Politiker. In einer guten und engen Partnerschaft könne man kritische Fragen und Themen einfacher ansprechen und für Verbesserungen eintreten.
Wüst war am Morgen mit einer großen Delegation in einem Linienflieger von Düsseldorf nach Ankara aufgebrochen. Begleitet wird er unter anderem von einer hochkarätigen Wirtschaftsdelegation und mehr als 30 Journalisten.
Wüst bekräftigt: Möchte Ministerpräsident bleiben
Der nordrhein-westfälische Regierungschef wird seit Wochen als möglicher Nachfolger des massiv unter Druck stehenden Bundeskanzlers Friedrich Merz (CDU) gehandelt.
Zusammen mit den anderen sieben CDU-Ministerpräsidenten hat er dem Kanzler aber den Rücken gestärkt und sich gegen Personaldebatten ausgesprochen. Am Abend vor seiner Abreise bekräftigte er im ZDF: „Ich möchte Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen bleiben.“
Neue Tonlage seit Besuchen von Merz und Wadephul
Die deutsch-türkischen Beziehungen waren lange Zeit von offenen Differenzen geprägt. Die Antrittsbesuche von Kanzler Merz und Außenminister Johann Wadephul (CDU) vor einem Jahr brachten aber eine neue Tonlage. „Wir wollen insgesamt eine Positivagenda“, sagte der Außenminister damals. Und der Besuch des Kanzlers mit seiner Frau Charlotte in der türkischen Hauptstadt diente der Wiederbelebung einer echten strategischen Partnerschaft mit der Türkei. (dpa/red)
Das Werk in Marburg hatte Biontech einst selbst von Novartis übernommen, nun dürften dort Anfang 2028 die Lichter ausgehen. (Archivfoto) - Foto: Boris Roessler/dpa
Die monatelange Suche nach Käufern war erfolglos: Die drei deutschen Biontech-Standorte im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein, im hessischen Marburg und in Tübingen in Baden-Württemberg werden in einiger Zeit schließen. Betroffen sind nach Unternehmensangaben rund 1.800 Beschäftigte. In Tübingen soll nach Unternehmensangaben nun Ende 2027 Schluss sein, in Marburg Anfang 2028 und in Idar-Oberstein Ende 2028.
Dass Verkäufe der Werke nicht realisiert werden konnten, liege im Wesentlichen an dem aktuell schwierigen Markt- und Investitionsumfeld, erklärte Biontech. Um die Standortschließungen sozialverträglich zu gestalten, seien mit dem Konzernbetriebsrat ergänzende Abfindungskonditionen vereinbart worden. Details dazu nannte Biontech zunächst nicht.
Werk in Marburg mit viel Geschichte
In dem Marburger Werk wurden bislang Covid-19-Impfstoffe auf mRNA-Basis sowie Plasmid-DNA, ein wichtiges Ausgangsmaterial für mRNA-Impfstoffe und Zelltherapien, hergestellt. Es befindet sich auf dem Gelände der historischen Behringwerke in Marburg. Biontech hatte es einst vom Schweizer Pharmakonzern Novartis übernommen und Millionen investiert.
In Idar-Oberstein werden unter anderem Therapeutika für frühe klinische Entwicklungsphasen produziert und beim Standort in Tübingen handelt es sich um den Sitz von Curevac, den einstigen Konkurrenten im Rennen um einen Corona-Impfstoff. Im Sommer 2025 hatte Biontech dessen Übernahme angekündigt, die milliardenschwere Transaktion zog sich über Monate hin.
Dass Biontech die drei Standorte nicht weiter betreiben will, hatten die Mainzer schon im Frühjahr bekanntgegeben. Sie begründeten das mit einer zu geringen Auslastung, Überkapazitäten, Kosteneinsparungen sowie dem Fokus auf der Krebsmedizin. Damals warf Curevac-Gründer Ingmar Hoerr Biontech Täuschung vor. Bei der Übernahme von Curevac sei vereinbart worden, ein gemeinsames Unternehmen zu schaffen, das sich gegenseitig befruchte. Das sei über den Haufen geworfen worden.
Interne Experten und professionelle Makler hätten die Verkäufe der Standorte ausgelotet, erklärte Biontech. Es seien internationale, nationale und mittelständische Firmen und Investoren angesprochen worden, die unter anderem in der Herstellung von mRNA, Antikörpern und Plasmiden sowie in der Zell- und Gentherapie tätig seien. Für alle Standorte habe es Prüfungen und vertrauliche Gespräche gegeben, zum Abschluss kam es in den Fällen von Marburg, Tübingen und Idar-Oberstein nicht.
Impfstoff-Nachfrage geht seit Jahren zurück
Anders war das bei der Tochtergesellschaft JPT Peptide Technologies GmbH in Berlin, einem Anbieter von Dienstleistungen für die Forschung, Entwicklung und Analyse von Peptiden. Das sind kurze Ketten aus Aminosäuren. Die Belegschaft mit rund 130 Stellen wurde von der Dubag Group mit Sitz in München übernommen.
Einst hatte Biontech gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer die erste Marktzulassung für einen Impfstoff gegen Covid-19 bekommen und verdiente damit Milliarden. Das Unternehmen wurde weltbekannt wie auch die Mitbegründer, das Ehepaar Ugur Sahin und Özlem Türeci. Doch seit einigen Jahren geht die Nachfrage nach dem Covid-19-Impfstoff zurück, und ein anderes zugelassenes Produkt hat das Unternehmen bis dato nicht.
Biontech mit weltweit rund 7.200 Beschäftigten befindet sich seit Jahren in einem Wandlungsprozess samt Umstrukturierung. Geforscht wird an einer ganzen Reihe neuer Produkte, vor allem in der Onkologie. Außerdem setzt das Unternehmen auf Immuntherapien auf mRNA-Basis sowie Antikörper-Wirkstoff-Konjugate. Dabei sollen Wirkstoffe einer Chemotherapie mit Hilfe von Antikörpern gezielter an Krebszellen gebracht werden.
Das alles kostet viel Geld, entsprechend fährt Biontech Verluste ein. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres stand unter dem Strich ein Minus von 1,35 Milliarden Euro (Vorjahr: 802,4 Mio.) – und das in einer Zeit, in der die zentralen Köpfe Sahin und Türeci Biontech verlassen werden. Sie tun das spätestens Ende dieses Jahres und planen, sich in einem neuen Unternehmen der Entwicklung der nächsten Generation von Medikamenten auf mRNA-Basis zu widmen.
Sahin und Türeci gehen neue Wege
Seit vergangener Woche ist klar, dass die neue Firma den Namen Arife tragen und ihren Hauptsitz ebenfalls in Mainz haben wird. Sahin und Türeci wollen Anteilseigner von Biontech bleiben.
Sahins Nachfolger als Vorstandsvorsitzender bei Biontech wird spätestens zum 1. Februar 2027 Guido Oelkers werden. Er arbeitete in den 1990er Jahren unter anderem für die Hoechst AG, die es nicht mehr gibt und kommt nun von dem schwedischen Biopharma-Unternehmen Swedish Orphan Biovitrum (Sobi), an dessen Spitze er seit 2017 stand. (dpa/red)
Elif Eralp hat Strafanzeige gegen Innenminister Alexander Dobrindt gestellt. (Archivbild) - Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Die Berliner Linken-Politikerin Elif Eralp und ihr Landesverband haben nach Angaben ihres Anwalts Strafanzeige gegen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt gestellt.
Der CSU-Politiker soll sich dem Schriftsatz zufolge eine Aussage über Eralp als „Antisemitin“ zu eigen gemacht haben. Dies erfülle den Tatbestand der üblen Nachrede und Beleidigung, sagte Anwalt Jasper Prigge dpa.
Dabei geht es um eine Passage der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“ vom 24. September, in der es zu Wortgefechten zwischen Dobrindt und der Linken-Bundestagsfraktionschefin Heidi Reichinnek kam.
Moderatorin Illner versprach sich dabei, korrigierte sich aber sofort: „Elif Eralp sagt, sie ist Antisemitin… Sie ist keine Antisemitin.“ Darauf sagte Dobrindt: „Na doch.“
Anwalt Prigge argumentiert, Dobrindt habe sich Illners Versprecher zu eigen gemacht. Das sei „üble Nachrede“ im Sinne des Strafgesetzbuchs. Dobrindt stelle eine falsche Tatsachenbehauptung auf. Um eine „Beleidigung“ im Sinne des Strafgesetzbuchs handele es sich, weil die Bezeichnung als Antisemitin „in erheblichen Maße ehrabträglich“ sei.
Weiter heißt es im Schriftsatz: „Die Tat ist schließlich auch geeignet, das öffentliche Wirken von Frau Eralp erheblich zu er schweren. Die Verbreitung der Falschbehauptung durch den Innenminister im Fernsehen, Frau Eralp würde sagen, sie sei Antisemitin, ist geeignet, ihre Integrität als politische Amtsträgerin und damit die Regierungsbildung im Land Berlin zu beeinträchtigen.“
Dobrindt reagierte auf die Anzeige nicht inhaltlich. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte lediglich, man habe die Medienberichterstattung über die Anzeige zur Kenntnis genommen.
Zu Dobrindts Aussage in der Sendung sagte der Sprecher nur: „Die Worte stehen für sich.“ Die Frage, ob Dobrindt Eralp tatsächlich für eine Antisemitin halte, ließ der Sprecher ebenfalls unbeantwortet.
Eralp war mit der Linken bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin am 20. September mit 25,7 Prozent der Stimmen stärkste Kraft geworden und strebt das Amt der Regierenden Bürgermeisterin in einer rot-grün-roten Koalition an.
Gegen ihre Partei werden Antisemitismus-Vorwürfe erhoben, unter anderem, weil ein propalästinensischer Rapper bei einer Parteiveranstaltung zu Gewalt gegen die israelische Armee aufgerufen habe.
Eralp hatte sich vor und nach der Wahl von jeglichem Antisemitismus und von Gewaltaufrufen distanziert und angekündigt, jüdisches Leben in Berlin schützen zu wollen. Sie hatte auch das Existenzrecht Israels bekräftigt.
Dobrindt hatte vergangene Woche in Kloster Banz gesagt, die Linkspartei in Berlin dulde „ganz offensichtlich Antisemiten und Extremisten in ihrem Umfeld“. (dpa/red)
Die Plattform „Archetyp Market“ im Darknet wurde 2025 von den Behörden abgeschaltet. (Symbolbild) - Foto: Jenny Tobien/dpa
Tonnenweise Drogen mit einem Umsatzvolumen von 330 Millionen Euro: Der mutmaßliche Betreiber einer gigantischen Drogenplattform im Darknet hat zum Auftakt des Prozesses am Frankfurter Landgericht ein umfassendes Geständnis abgelegt.
Er sei der Gründer und Betreiber des Online-Marktplatzes „Archetyp Market“ gewesen, sagte der 31-Jährige. „Das war ein großer Fehler und ich bereue meine Taten zutiefst.“ Alles habe als kleines persönliches Projekt begonnen und eine rasante Entwicklung genommen.
„Archetyp Market“ galt als weltweit größter Drogen-Handelsplatz
Bei der Plattform handelte es sich laut Anklage zum Zeitpunkt der Abschaltung im Sommer 2025 um den weltweit größten Handelsmarktplatz für Drogen und Arzneimittel. Gegründet wurde dieser im November 2020.
Der Angeklagte, ein in Minden geborener Betriebswirt, war im Juni 2025 von einer Spezialeinheit der spanischen Nationalpolizei in Barcelona festgenommen worden.
Zugleich gab es nach damaligen Angaben des Bundeskriminalamts Durchsuchungen im In- und Ausland und weitere Festnahmen. Die Serverinfrastruktur befand sich demnach in den Niederlanden.
20 Millionen Euro soll der Angeklagte verdient haben
Den Gesamtumsatz bezifferten die Ermittler auf etwa 330 Millionen Euro. Es soll mehr als 600.000 Konten von Kunden aus aller Welt und 2,3 Millionen Bestellungen gegeben haben.
Konkret wurden demnach etwa 6,9 Tonnen, 3,2 Millionen Pillen, 2,2 Millionen Tabs und 326 Liter diverser Drogen – beispielsweise Kokain, Heroin, Crystal Meth, Fentanyl und Crack gehandelt. Darunter waren auch diverse Cannabisprodukte, Arzneimittel oder Dopingmittel.
Der heute 31-Jährige soll die Plattform verantwortet und gemeinsam mit mehreren Moderatoren betrieben haben. Er selbst soll laut den Ermittlungen Einnahmen von etwa 20 Millionen Euro erzielt haben.
Bezahlt in Kryptowährung Monero
Die Bezahlung erfolgte nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft szenetypisch in der Kryptowährung Monero. Wie der Angeklagte in seiner Einlassung erkläre, registrierten sich die Besteller und zahlten ihr Guthaben in ein Wallet ein. Daraufhin suchten sie sich Waren aus und gaben Lieferadresse ein. Die Bestellung sei dann von den Verkäufern akzeptiert und verschickt worden.
Er selbst habe mit 17 Jahren zum ersten Mal illegale Drogen konsumiert, sagte der Angeklagte. Er habe aber keine Drogen im Darknet verkauft. Auf der Plattform habe er sich den Usernamen „ASNT“ gegeben, als Abkürzung für „Apfelsaft naturtrüb“, weil er das Getränk damals getrunken hatte.
Kurz vor der Festnahme seien die Pläne laut seiner Anwälte immer konkreter geworden, die Plattform abzuschalten. Eine Belastung, an die niemand denke, sei das große Geheimnis vor Familie und Freunden, sagte er. Es klinge komisch, aber die Festnahme habe ihm ein Gefühl von Entlastung und Ruhe gegeben.
Laut Betäubungsmittelgesetz kann für das bandenmäßige unerlaubte Handeln mit Drogen in nicht geringer Menge eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren bis zu 15 Jahren verhängt werden. Ein Geständnis gilt oftmals strafmildernd. Das Urteil wird voraussichtlich im Oktober erwartet.
Das Ermittlungsverfahren führte die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft, daher findet der Prozess am Frankfurter Landgericht statt. (dpa/red)
Die Energiekrise wird dauern, sagt EU-Kommissar Dan Jørgensen. - Foto: Wiktor Dabkowski/ZUMA Press Wire/dpa
In Kürze:
Die Gasspeicher in der EU sind nur zu rund 70 Prozent gefüllt.
Die Sperrung der Straße von Hormus, die unsichere LNG-Versorgung aus Katar und die Konkurrenz aus Asien treiben die Preise.
Die EU-Kommission setzt auf freiwillige Einsparungen beim Gas- und Stromverbrauch und verweist auf nationale Notfallpläne.
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EU-Energiekommissar Dan Jørgensen hat die Mitgliedstaaten vor den möglichen Folgen „außergewöhnlich niedriger“ Füllstände in den Gasspeichern gewarnt. In einem Schreiben, das „Euronews“ vorliegt, forderte er die Regierungen der EU-Länder auf, Maßnahmen zu ergreifen oder fortzuführen, um die Einspeicherung zu stützen oder den Gas- und Stromverbrauch so lange wie nötig zu senken.
Zugleich ermutigte Jørgensen die Hauptstädte, die Spielräume der EU-Speicherregeln zu nutzen. Statt das Ziel von 90 Prozent um jeden Preis anzustreben, könne ein Füllstand von 80 Prozent ausreichen. So ließen sich Panikkäufe vermeiden, die die Preise zusätzlich in die Höhe treiben würden.
EU-Kommissar sieht aber keine akute Gefahr
In dem Brief ist die Rede von einer „Preiskrise, die mit einer Versorgungskrise zusammenhängt“. Zu den wesentlichen Gründen dafür zählen die anhaltenden Unsicherheiten rund um die Straße von Hormus. Vor Beginn des Irankriegs Ende Februar lief etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels durch die Meerenge, zudem ein großer Teil des weltweit gehandelten Flüssiggases (LNG), vor allem aus Katar. Seither passieren nur noch wenige Schiffe die Wasserstraße.
Jørgensen hatte bereits im März vor möglichen negativen Auswirkungen des Irankriegs auf die Versorgungslage in Europa gewarnt. Seither habe sich die Situation „nicht verbessert“. Derzeit sind die Gasspeicher in der EU nur zu rund 70 Prozent gefüllt, etwa 12 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Das geht aus aktuellen Daten des Branchenverbands Gas Infrastructure Europe hervor.
Nach Einschätzung der EU-Kommission kann ein Füllstand von 80 Prozent unter den derzeitigen Bedingungen für die Versorgungssicherheit im Winter ausreichen. Die EU gehe zudem mit einem widerstandsfähigeren Energiesystem in den Winter als vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine, heißt es in dem Schreiben. Allerdings bleibe die Lage im Nahen Osten instabil, und es sei ungewiss, wie sich die LNG-Produktion in Katar entwickle.
Hohe Nachfrage verschärft Wettbewerb um LNG
Weitere Faktoren, die den Wettbewerb um LNG verschärften, seien die Hitzewellen des vergangenen Sommers, die steigende Nachfrage aus Asien und Wartungsarbeiten an Anlagen in Norwegen. Der europäische Referenzpreis am niederländischen Handelspunkt TTF liegt mit gut 70 Euro pro Megawattstunde etwa 40 Euro höher als vor Beginn des Irankriegs. Analysten warnen vor Preisspitzen von mehr als 100 Euro pro Megawattstunde im Winter, falls die LNG-Exporte aus der Golfregion nicht steigen oder sich die Wartungsarbeiten in Norwegen verlängern.
Die EU-Kommission empfiehlt, auf Instrumente aus der Energiekrise 2022 zurückzugreifen. Ein geringerer Verbrauch zu Spitzenzeiten sowie Anreize für Verbraucher, ihren Energieverbrauch mithilfe intelligenter Zähler und passender Tarife zu verlagern, seien auch in diesem Jahr taugliche Strategien.
Außerdem seien niedrigere Temperaturen in öffentlichen Gebäuden, Einschränkungen bei Heizstrahlern im Freien und das nächtliche Abschalten nicht notwendiger öffentlicher Beleuchtung hilfreiche Sparmaßnahmen. Ein geringerer Stromverbrauch zu Spitzenzeiten bedeute, dass Kraftwerke weniger Gas verbrennen – das entlaste sowohl die Gasversorgung als auch die Strompreise.
EU verweist auf „freiwillige und gut geplante Nachfragereduktionen“ von 2022
Verbindliche Vorgaben will der EU-Kommissar jedoch nicht machen. Bereits 2022 hätten sich „freiwillige und gut geplante Nachfragereduktionen“ bewährt, auf diese Erfahrungen könne man auch in der aktuellen Lage zurückgreifen. Im äußersten Fall gebe es zudem nationale Notfallpläne mit weitergehenden Instrumenten, etwa abschaltbaren Gaslieferverträgen oder der Umstellung von Kraftwerken auf andere Brennstoffe. Jørgensen betonte in seinem Schreiben, derzeit bestünden „keine unmittelbaren Risiken für die Versorgungssicherheit“.
Auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) setzt auf eine stärkere Befüllung der Speicher. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus Regierungskreisen wurden mit dem bundeseigenen Gasimporteur SEFE und dem Energiekonzern Uniper höhere Einspeicherungen vereinbart. Einen staatlichen Gaseinkauf wie 2022 plant Reiche demnach nicht, stattdessen soll ein bestehendes Instrument, sogenannte Long Term Options, stärker genutzt werden. SEFE betonte, es handle sich um eine eigenständige kommerzielle Entscheidung, eine Anweisung des Ministeriums gebe es nicht.
Jens Spahn (CDU). - Foto: Matthias Kehrein/Epoch Times
Der frühere Unionsfraktionschef Jens Spahn zieht sich aus dem Haushaltsausschuss des Bundestags zurück. Eine entsprechende Nachricht des CDU-Politikers an die Unionsabgeordneten im Ausschuss, über die zuerst der „Spiegel“ berichtete, liegt dpa vor.
In der Nachricht schreibt Spahn: „Liebe Kolleginnen und Kollegen, nach reiflicher Überlegung über das Wochenende werde ich auf meinen Sitz im HHA verzichten. Alles rund um meine Person ist aktuell so politisiert, dass ein normales Arbeiten kaum möglich sein wird. Zudem merke ich an und in mir selber, dass mein Rücktritt im Juli noch viel zu frisch ist, um wieder voll durchzustarten, als wäre nichts gewesen.“
In Absprache mit Fraktionschef Thorsten Frei werde er sich vorerst auf seine Arbeit im Wahlkreis und auf seine Familie konzentrieren, schrieb Spahn weiter.
„Mit welchen inhaltlichen Schwerpunkten es für mich weitergeht, entscheiden wir mit etwas zeitlichem Abstand“, fügte er hinzu. Unterzeichnet ist die Nachricht mit „Euer Jens“.
Unruhe wegen Abwesenheit im Haushaltsausschuss
Spahn reagiert mit dem Schritt auf Aufregung wegen seiner Abwesenheit an zwei Tagen der vergangenen Sitzungswoche im Plenum.
Anlass war die Veröffentlichung eines Fotos von Spahn bei „BILD“, das ihn während der laufenden Sitzungswoche des Bundestags mit seinem Sohn auf dem Arm auf der italienischen Insel Sardinien zeigen soll. „BILD“ zog das Foto später zurück. Es sei „in einem privaten Rahmen entstanden“, mit der Veröffentlichung habe „BILD“ gegen „seine eigenen Regeln verstoßen“, hieß es.
Spahns Abwesenheit sorgte laut dpa für Irritationen unter Abgeordneten von CDU und CSU. Nach Berichten von „Stern“, „Spiegel“ und ARD kam es am Freitag zu einer Aussprache in der Fraktions-Arbeitsgruppe Haushalt, nachdem mehrere der 14 Mitglieder den Rauswurf Spahns aus dem Bundestagsausschuss gefordert haben sollen.
Die Fraktionsführung habe interveniert, am Ende sei eine Art Bewährungsfrist bis Ende des Jahres vereinbart worden, berichteten die Medien übereinstimmend. Es soll Forderungen nach einem freiwilligen Rückzug Spahns aus dem Ausschuss gegeben haben.
Spahn war im Juli als Fraktionschef zurückgetreten, nachdem er und sein Mann mit Hilfe einer Leihmutter Eltern geworden waren – was Empörung auslöste. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Die Union tritt dafür ein, dass dieses Verbot beibehalten wird. Anfang September teilte die Fraktionsführung mit, dass Spahn den Posten im Haushaltsausschuss bekommt. (dpa/red)
Die Falun-Gong-Praktizierende Xin Qin zeigt Verletzungen an ihren Händen und Beinen. Sie soll am 24. September 2026 in Washington von mutmaßlich pro-Peking eingestellten Demonstranten angegriffen worden sein. - Foto: Chang Chun für The Epoch Times
In Kürze:
Xin Qin berichtet von einem Angriff während einer Demonstration in Washington.
Ihren Angaben zufolge waren mehrere Pro-Peking-Demonstranten an dem Vorfall beteiligt.
Die Polizei nahm eine mutmaßliche Angreiferin fest und leitete Ermittlungen ein.
Pro-Peking-Demonstranten sollen eine Menschenrechtsaktivistin angegriffen und verletzt haben, die während des Trump-Xi-Gipfels auf Menschenrechtsverletzungen in China aufmerksam machen wollte. Der Vorfall ereignete sich am ersten Tag des Gipfels, kurz nachdem US-Präsident Donald Trump und der chinesische Staatschef Xi Jinping ihre bilateralen Gespräche beendet hatten.
Bei der verletzten Frau handelt es sich um Xin Qin, eine Falun-Gong-Praktizierende, die am 24. September ein Foto von anderen Demonstranten machte, die gegenüber dem Hauptsitz der US-Umweltschutzbehörde EPA in Washington ruhig Banner hochhielten.
Die mutmaßliche Attacke
Die mutmaßliche Angreiferin habe Xin wiederholt aufgefordert, zurückzuweichen, und sei dabei dicht an sie herangetreten, erzählte Xin der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times. Nachdem Xin fünf oder sechs Schritte zurückgegangen sei, habe die Frau sie plötzlich rückwärts zu Boden gezogen. Dabei sei sie mit Hand und Schulter auf dem Boden aufgeschlagen.
Xin sagte, daraufhin hätten sich drei oder vier weitere Pro-Peking-Demonstranten eingemischt, sie geschlagen und sogar in das Bein gebissen, während sie am Boden gelegen habe.
„Es war einfach verrückt“, sagte Xin. Sie habe während der ganzen Zeit beide Hände vor der Brust halten müssen, um zu verhindern, dass die Gruppe ihr Portemonnaie und ihr Telefon an sich nahm.
Selbst als die Polizei eintraf, hätten die Angreifer nicht aufgehört, fügte sie hinzu. Xin habe dabei Schürfwunden an der Hand und an den Beinen erlitten, sagte sie, auch ihr Telefon sei zertrümmert worden.
„Jeder Teil meines Körpers tut weh“, sagte sie.
Xin Qin, eine Falun-Gong-Praktizierende, zeigt ihre Verletzungen einen Tag, nachdem sie am 25. September 2026 in Washington während einer Menschenrechtsdemonstration von Unterstützern der Kommunistischen Partei Chinas angegriffen worden war.
Foto: Samira Bouaou/The Epoch Times
Ein Polizist legte der mutmaßlichen Angreiferin Handschellen an, während ein anderer Beamter Xin aufhalf.
Folgen des Angriffs
Xins Gesicht sei angeschwollen, ihre Augen seien gerötet gewesen. Außerdem hätten die Demonstranten versucht, die Falun-Gong-Banner mit großen Regenschirmen zu verdecken, sagte ein Falun-Gong-Praktizierender der Epoch Times. Ein Reporter beobachtete, wie zwei Polizisten eine Frau mit einer großen roten chinesischen Flagge wegschickten.
Zuvor hatte die Pro-Peking-Seite an diesem Tag zudem ein kommunistisches Lied gespielt, das sich über „amerikanische Imperialisten“ als „Räuber“ lustig machte.
Falun Gong, auch Falun Dafa genannt, ist eine traditionelle spirituelle Schule mit meditativen Übungen und geistigen Lehren, die auf den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht beruhen.
Im Jahr 1999 ordnete das chinesische kommunistische Regime eine brutale Ausrottungskampagne gegen Falun Gong an. Millionen Praktizierende fielen willkürlicher Inhaftierung, Zwangsarbeit, Folter und sogar dem Tod durch erzwungene Organentnahme zum Opfer.
Unterstützer der Kommunistischen Partei Chinas entreißen am 25. September 2026 einem prodemokratischen Aktivisten eine Flagge anlässlich der Ankunft des chinesischen Staatschefs Xi Jinping im Nationalarchiv in Washington.
Foto: Samira Bouaou/The Epoch Times
Warnungen vor chinesischer Repression in den USA
Der Vorfall ereignete sich am ersten Tag des Gipfels, kurz nachdem die Staats- und Regierungschefs der beiden Länder ihre bilateralen Gespräche beendet hatten.
Bereits vor dem Treffen hatten Abgeordnete und Aktivisten Bedenken darüber geäußert, dass das Regime rund um den Besuch abweichende Meinungen auf US-amerikanischem Boden unterdrücken könnte. „Menschen, die sich in diesem Land befinden, sollten sich keine Sorgen darüber machen müssen, ob sie zum Ziel der Repression durch eine ausländische Regierung werden“, sagte der demokratische Abgeordnete James McGovern aus Massachusetts in einem Interview am 23. September, kurz vor der Ankunft Xi Jinpings.
„Wir sagen der Welt, dass dies ein Ort ist, an dem die Rede- und Meinungsfreiheit respektiert wird, und wir wissen, dass China direkt daran beteiligt ist, Menschen hier zu bedrohen und ihre Familien in China zu bedrohen“, sagte er.
Anstatt ein Staatsbankett zu veranstalten, solle US-Präsident Donald Trump Xi Jinping über „alle Beweise“ für die transnationale Repression durch das chinesische Regime in den Vereinigten Staaten informieren, schlug er vor.
„Das muss aufhören. Dies ist nicht Präsident Xis Land“, sagte McGovern und fügte hinzu, dass die Menschen hier frei sein sollten, ihre Überzeugungen zum Ausdruck zu bringen, ohne Repressalien befürchten zu müssen.
Xin sagte, sie habe nach dem Angriff Krämpfe in den Händen gehabt und sei ins Krankenhaus gebracht worden.
Nach eigenen Angaben war ihr Sehvermögen durch den Angriff vorübergehend beeinträchtigt. Als der Arzt ihre persönlichen Daten aufnahm, habe sie Schwierigkeiten gehabt, den richtigen Ausweis zu finden, da sie nicht lesen konnte, was darauf stand.
Zwei Tage nach dem mutmaßlichen Angriff sagte Xin, sie könne ihren rechten Ellenbogen noch immer nicht bewegen. Auch Nacken und Schulter schmerzten weiterhin.
Demonstranten identifizierten die mutmaßliche Angreiferin als chinesische Einwanderin, die in New York City lebt. Als die Polizei kam, um die Frau festzunehmen, tat sie laut einem Falun-Gong-Praktizierenden, der den Vorfall beobachtet hatte, so, als würde sie ohnmächtig werden.
Die Polizei habe Ermittlungen eingeleitet, sagte Xin.
Menschenrechtsaktivisten berichteten, dass die mutmaßliche Pro-Peking-Angreiferin bereits mehrfach Kritiker des chinesischen Regimes ins Visier genommen habe, darunter auch andere Falun-Gong-Praktizierende.
Eine chinesische Bittstellerin aus Shanghai sagte aus, die Frau habe ihr während des früheren USA-Besuchs von Xi Jinping im Jahr 2023 in San Francisco auf den Fuß getreten und sie am Kopf geschlagen.
Zeugen zufolge hätten chinesische Konsulate und prochinesische Netzwerke Menschen zur Begrüßung rekrutiert und ihnen dafür Bargeld sowie vollständig bezahlte Reisen angeboten. Ähnliche Vorwürfe waren bereits im Zusammenhang mit anderen Auslandsreisen hochrangiger chinesischer Funktionäre erhoben worden.
Zweiter ähnlicher Vorfall innerhalb von drei Tagen
Es war bereits der zweite Vorfall dieser Art innerhalb von drei Tagen.
Am 22. September soll ein Mann in Toronto die Banner einer Falun-Gong-Praktizierenden entfernt haben. Sie protestierte vor dem chinesischen Konsulat. Der Mann trug eine Jacke, auf der eine chinesische Flagge abgebildet war. Als die Frau versuchte, ihn aufzuhalten, soll er sie geschubst und bedroht haben. Dabei soll sie sich am Kinn verletzt haben.
Auf einem Video ist zu hören, wie er sagt: „Ich werde dich erschießen, tot, ob du es glaubst oder nicht.“ Außerdem soll er eine weitere Frau getreten haben, die versuchte, ihn zu filmen.
Demonstranten nehmen am 26. September 2026 in der Nähe der Puerta del Sol in Madrid an einer Protestkundgebung gegen Zwangsräumungen und die Wohnungskrise teil. Auf den Schildern steht: „Leerstehendes Gebäude zur Spekulation“. - Foto: Oscar Del Pozo/AFP via Getty Images
Auf dem Puerta del Sol im Herzen der spanischen Hauptstadt Madrid ist ein Protestcamp mit hunderten Bewohnern entstanden. Die Demonstranten diskutieren, halten Reden, beschriften Protestplakate, während Helfer zwischen den Zelten Essen und Getränke verteilen. Grund für die Proteste ist die Wohnungskrise in Spanien – und der Auslöser die Zwangsräumung der Wohnung einer 87-Jährigen.
Seitdem die Rentnerin Maricarmen Abascal vergangene Woche nach 70 Jahren aus ihrer Wohnung in Madrid geworfen wurde, kommt Spanien nicht zur Ruhe. Der Fall führt das Ausmaß der Wohnungsnot und Mietenexplosion in dem Land vor Augen. „Wir alle sind Maricarmen“, steht auf Protestplakaten.
Menschen versammeln sich neben einem Transparent: „Keine weitere Maricarmen“. Die 87-Jährige wurde aus ihrer Madrider Wohnung vertrieben. Die Demonstranten campieren am 27. September 2026 vor dem Sitz der Regionalregierung von Madrid auf der Puerta del Sol in Madrid, um gegen Zwangsräumungen und die Wohnungskrise zu protestieren.
Foto: Thomas Coex/AFP via Getty Images
Demonstranten: „Wir bleiben hier so lange, wie es nötig ist“
Die Zwangsräumung von Maricarmens Wohnung sei „der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat“, sagt der 24-jährige Mietrechtsaktivist Alberto Macías. „Sie sind dabei, die ganze Arbeiterklasse aus unseren Stadtvierteln zu werfen, wo wir immer gewohnt haben.“ Die Demonstranten fordern von der Regierung schnelles Handeln: „Wir bleiben hier so lange, wie es nötig ist“, sagt Macías.
Auch Promis lassen sich im Protestcamp blicken, am Sonntag schaut Regie-Legende Pedro Almodóvar vorbei. „Es ist absolut unerträglich für die spanische Gesellschaft, dieses Problem einen weiteren Tag zu haben“, sagt er mit Blick auf die Wohnungskrise.
Erinnerungen werden wach an die Bewegung der Empörten (Indignados) im Jahr 2011: Damals hatten Demonstranten aus Protest gegen Einschnitte bei Sozialprogrammen und Korruption wochenlang auf der Puerta del Sol campiert. Aus der landesweiten Bewegung ging später die Linkspartei Podemos hervor.
Problem Nummer 1: Wohnraum
Drastisch gestiegene Mieten und Wohnraummangel sind Umfragen zufolge für die Spanier schon seit geraumer Zeit das Problem Nummer eins im Land. Laut dem Immobilienportal Idealista haben sich die Durchschnittsmieten in Spanien in zehn Jahren fast verdoppelt. Die spanische Zentralbank schätzt, dass landesweit mehr als 700.000 Wohnungen fehlen.
Vor allem für junge Menschen wird es deswegen immer schwieriger, eine eigene Wohnung zu mieten oder gar zu kaufen. Sie müssen – auch wenn sie gute Jobs haben – weiter bei ihren Eltern leben oder in Wohngemeinschaften ziehen.
Und während die Gründe für die Krise komplex sind, machen viele Menschen auf hohe Gewinne spekulierende Investmentfonds für die Lage verantwortlich. Von „Geierfonds“ sprechen Aktivisten und linke Politiker.
Protestaktion gegen Zwangsräumungen und die Wohnungskrise: In Madrid protestieren viele Menschen vor dem Sitz der Regionalregierung auf der Puerta del Sol am 27. September 2026.
Foto: Thomas Coex/AFP via Getty Images
Der sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez hat für den 29. September im Kabinett ein Gesetzesdekret gegen die Wohnungskrise angekündigt. Bei seinen Sozialisten und dem linken Koalitionspartner Sumar gehen die Meinungen darüber auseinander, wie weit die Maßnahmen gehen sollen.
Erst vor wenigen Wochen hatten sich die Sozialisten im Parlament bei einer Abstimmung über einen Sumar-Gesetzesvorschlag enthalten, der Investmentfonds den Kauf von Wohnungen verbieten sollte.
Sánchez setzt auf die öffentliche Empörung
Sánchez führt eine Minderheitsregierung, die im Parlament auf die Unterstützung anderer Parteien mit unterschiedlichen ideologischen Ausrichtungen angewiesen ist. Darunter die Linkspartei Podemos, die Geierfonds enteignen will, und die katalanische Regionalpartei Junts, die davor warnt, „kleine Besitzer zu kriminalisieren“.
Im Frühjahr war im Parlament – unter anderem am Widerstand von Junts – ein Gesetzentwurf gescheitert, der bestimmte Mietverträge verlängert und Mieterhöhungen beschränkt hätte.
Sánchez hofft, dass er jetzt angesichts der öffentlichen Empörung über den Fall Maricarmen parlamentarische Hürden überwinden kann. Das für Dienstag angekündigte Gesetzesdekret wird zwar durch einen Kabinettsbeschluss gültig, muss dann aber vom Parlament bestätigt werden. Auf die Unterstützung der oppositionellen konservativen Volkspartei PP und der ultrarechten Partei Vox kann Sánchez nicht setzen.
Maricarmen: „Kämpft, verteidigt das, was euch gehört“
Im Protestcamp auf dem Platz Puerta del Sol gibt es Zweifel zu dem Gesetz. „Wir müssen sehen, was wirklich in dem Dekret stehen wird, und wie sie versuchen, es uns zu verkaufen“, sagt der 28-jährige Sergio, der seinen Nachnamen nicht nennen will. Und die gleichaltrige María warnt an die Adresse der Politiker: „Wir werden uns nicht mit Krümeln zufrieden geben.“
Unterstützung bekommen die Demonstranten von Maricarmen. Am 23. September war ihre Wohnung zwangsgeräumt worden, nachdem ein Investor die Immobilie erworben hatte und die Miete um 275 Prozent auf 2650 Euro monatlich erhöhen wollte.
In einem Onlinevideo – aufgenommen in dem Krankenhaus, in dem die 87-Jährige seit der Zwangsräumung wegen Erschöpfung behandelt wird – ruft sie die Protestierenden nun auf, den Widerstand fortzusetzen: „Ich bitte euch alle um Mut, kämpft, verteidigt das, was euch gehört.“(afp/red)
Demonstranten nehmen am 26. September 2026 in der Nähe der Puerta del Sol in Madrid an einer Protestkundgebung gegen Zwangsräumungen und die Wohnungskrise teil. Auf den Schildern steht: „Leerstehendes Gebäude zur Spekulation“. - Foto: Oscar Del Pozo/AFP via Getty Images
Auf dem Puerta del Sol im Herzen der spanischen Hauptstadt Madrid ist ein Protestcamp mit hunderten Bewohnern entstanden. Die Demonstranten diskutieren, halten Reden, beschriften Protestplakate, während Helfer zwischen den Zelten Essen und Getränke verteilen. Grund für die Proteste ist die Wohnungskrise in Spanien – und der Auslöser die Zwangsräumung der Wohnung einer 87-Jährigen.
Seitdem die Rentnerin Maricarmen Abascal vergangene Woche nach 70 Jahren aus ihrer Wohnung in Madrid geworfen wurde, kommt Spanien nicht zur Ruhe. Der Fall führt das Ausmaß der Wohnungsnot und Mietenexplosion in dem Land vor Augen. „Wir alle sind Maricarmen“, steht auf Protestplakaten.
Menschen versammeln sich neben einem Transparent: „Keine weitere Maricarmen“. Die 87-Jährige wurde aus ihrer Madrider Wohnung vertrieben. Die Demonstranten campieren am 27. September 2026 vor dem Sitz der Regionalregierung von Madrid auf der Puerta del Sol in Madrid, um gegen Zwangsräumungen und die Wohnungskrise zu protestieren.
Foto: Thomas Coex/AFP via Getty Images
Demonstranten: „Wir bleiben hier so lange, wie es nötig ist“
Die Zwangsräumung von Maricarmens Wohnung sei „der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat“, sagt der 24-jährige Mietrechtsaktivist Alberto Macías. „Sie sind dabei, die ganze Arbeiterklasse aus unseren Stadtvierteln zu werfen, wo wir immer gewohnt haben.“ Die Demonstranten fordern von der Regierung schnelles Handeln: „Wir bleiben hier so lange, wie es nötig ist“, sagt Macías.
Auch Promis lassen sich im Protestcamp blicken, am Sonntag schaut Regie-Legende Pedro Almodóvar vorbei. „Es ist absolut unerträglich für die spanische Gesellschaft, dieses Problem einen weiteren Tag zu haben“, sagt er mit Blick auf die Wohnungskrise.
Erinnerungen werden wach an die Bewegung der Empörten (Indignados) im Jahr 2011: Damals hatten Demonstranten aus Protest gegen Einschnitte bei Sozialprogrammen und Korruption wochenlang auf der Puerta del Sol campiert. Aus der landesweiten Bewegung ging später die Linkspartei Podemos hervor.
Problem Nummer 1: Wohnraum
Drastisch gestiegene Mieten und Wohnraummangel sind Umfragen zufolge für die Spanier schon seit geraumer Zeit das Problem Nummer eins im Land. Laut dem Immobilienportal Idealista haben sich die Durchschnittsmieten in Spanien in zehn Jahren fast verdoppelt. Die spanische Zentralbank schätzt, dass landesweit mehr als 700.000 Wohnungen fehlen.
Vor allem für junge Menschen wird es deswegen immer schwieriger, eine eigene Wohnung zu mieten oder gar zu kaufen. Sie müssen – auch wenn sie gute Jobs haben – weiter bei ihren Eltern leben oder in Wohngemeinschaften ziehen.
Und während die Gründe für die Krise komplex sind, machen viele Menschen auf hohe Gewinne spekulierende Investmentfonds für die Lage verantwortlich. Von „Geierfonds“ sprechen Aktivisten und linke Politiker.
Protestaktion gegen Zwangsräumungen und die Wohnungskrise: In Madrid protestieren viele Menschen vor dem Sitz der Regionalregierung auf der Puerta del Sol am 27. September 2026.
Foto: Thomas Coex/AFP via Getty Images
Der sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez hat für den 29. September im Kabinett ein Gesetzesdekret gegen die Wohnungskrise angekündigt. Bei seinen Sozialisten und dem linken Koalitionspartner Sumar gehen die Meinungen darüber auseinander, wie weit die Maßnahmen gehen sollen.
Erst vor wenigen Wochen hatten sich die Sozialisten im Parlament bei einer Abstimmung über einen Sumar-Gesetzesvorschlag enthalten, der Investmentfonds den Kauf von Wohnungen verbieten sollte.
Sánchez setzt auf die öffentliche Empörung
Sánchez führt eine Minderheitsregierung, die im Parlament auf die Unterstützung anderer Parteien mit unterschiedlichen ideologischen Ausrichtungen angewiesen ist. Darunter die Linkspartei Podemos, die Geierfonds enteignen will, und die katalanische Regionalpartei Junts, die davor warnt, „kleine Besitzer zu kriminalisieren“.
Im Frühjahr war im Parlament – unter anderem am Widerstand von Junts – ein Gesetzentwurf gescheitert, der bestimmte Mietverträge verlängert und Mieterhöhungen beschränkt hätte.
Sánchez hofft, dass er jetzt angesichts der öffentlichen Empörung über den Fall Maricarmen parlamentarische Hürden überwinden kann. Das für Dienstag angekündigte Gesetzesdekret wird zwar durch einen Kabinettsbeschluss gültig, muss dann aber vom Parlament bestätigt werden. Auf die Unterstützung der oppositionellen konservativen Volkspartei PP und der ultrarechten Partei Vox kann Sánchez nicht setzen.
Maricarmen: „Kämpft, verteidigt das, was euch gehört“
Im Protestcamp auf dem Platz Puerta del Sol gibt es Zweifel zu dem Gesetz. „Wir müssen sehen, was wirklich in dem Dekret stehen wird, und wie sie versuchen, es uns zu verkaufen“, sagt der 28-jährige Sergio, der seinen Nachnamen nicht nennen will. Und die gleichaltrige María warnt an die Adresse der Politiker: „Wir werden uns nicht mit Krümeln zufrieden geben.“
Unterstützung bekommen die Demonstranten von Maricarmen. Am 23. September war ihre Wohnung zwangsgeräumt worden, nachdem ein Investor die Immobilie erworben hatte und die Miete um 275 Prozent auf 2650 Euro monatlich erhöhen wollte.
In einem Onlinevideo – aufgenommen in dem Krankenhaus, in dem die 87-Jährige seit der Zwangsräumung wegen Erschöpfung behandelt wird – ruft sie die Protestierenden nun auf, den Widerstand fortzusetzen: „Ich bitte euch alle um Mut, kämpft, verteidigt das, was euch gehört.“(afp/red)