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Die Botschaft der Blue Zones – Was hinter dem Geheimnis des langen Lebens steckt

Dan Buettners Konzept der „Blue Zones“ hat das weltweite Interesse an gesundem Altern und Langlebigkeit deutlich geprägt. Interessant dabei ist, wie es zu der Namensgebung der „Blauen Zonen“ kam und welcher Zusammenhang zwischen Ernährung, sozialem Zusammenhalt und Bewegung besteht. Die Altersforschung hat diese Thematik in den Fokus genommen.
Wer sich mit den Blue Zones beschäftigt, kommt auch an Longevity nicht vorbei. Doch der Demograf Saul Justin Newman stellt Buettners These mit eigenen Untersuchungen infrage. Er bezweifelt, dass die Altersangaben in den Langlebigkeitsregionen stimmen – und sorgt damit für weiteren Gesprächsstoff.

Blue Zones und Longevity: Zwei Ansätze – eine Botschaft?

Als Blue Zones werden fünf Regionen auf der Welt bezeichnet, die durch eine auffällig hohe Konzentration langlebiger Menschen gekennzeichnet sein sollen. Dazu zählen Sardinien, Okinawa, die Nicoya-Halbinsel, Ikaria und Loma Linda. Die Frage nach einem langen und gesunden Leben beschäftigt auch die Wissenschaft.
Die Longevity-Forschung fragt: „Wie lange können wir leben?“ Monique Breteler, Direktorin des Bereichs Populationsbezogene Gesundheitsforschung am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und Leiterin der Rheinland-Studie, sagt: „Es geht nicht in erster Linie darum, das Leben zu verlängern. Es geht darum, die Anzahl der gesunden Lebensjahre zu erhöhen.“ Sie sucht nicht nach der einen Wunderpille gegen das Altern, vielmehr versucht sie, die Prozesse des Alterns zu verstehen.

Der Weg ist komplexer, als Longevity verspricht

Wie komplex dieser Weg ist, zeigt eine Studie, an der Martin Hrabě de Angelis beteiligt war. Er leitet das Institut für Experimentelle Genetik bei Helmholtz Munich und hat den Lehrstuhl für Experimentelle Genetik an der TU München inne. Gemeinsam mit Forschern des DZNE und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) untersuchte sein Team an Mäusen drei Ansätze, denen eine alterungsverlangsamende Wirkung zugeschrieben wird. Die Ergebnisse erschienen 2022 im Fachjournal Nature Communications. Untersucht wurden:
  • das intermittierende Fasten,
  • ein Eingriff an einem zentralen Knotenpunkt des Zellstoffwechsels (mTOR), an dem auch das als Anti-Aging-Mittel gehandelte Medikament Rapamycin ansetzt,
  • ein Eingriff in die Freisetzung des Wachstumshormons.
Zwar fanden die Forscher einzelne Messwerte, etwa zu Bewegungsverhalten, Stoffwechsel oder Immunsystem, die sich unter den Behandlungen günstiger entwickelten. Dieser Effekt sei jedoch nicht auf eine Verlangsamung des Alterns zurückzuführen, sondern auf altersunabhängige Faktoren, erklärte DZNE-Forscher Dan Ehninger. Da die Behandlungen bereits bei jungen Mäusen wirkten, handle es sich um allgemein gesundheitsfördernde Effekte und nicht um ein Ansetzen an Alterungsmechanismen.
Die Studie legt nahe, dass sich das Altern nicht mit einem einzelnen Eingriff aufhalten lässt. Die Ergebnisse wurden allerdings an Mäusen gewonnen und lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen.
Im Zusammenhang mit den Blue Zones verweisen Buettner und seine Co-Autorin Tori Skemp auf frühere Zwillingsstudien, nach denen die Erblichkeit der Lebensdauer bei etwa 20 bis 25 Prozent liegt. Diese Einschätzungen sind inzwischen umstritten: Eine im Januar 2026 im Fachjournal Science veröffentlichte Studie des israelischen Weizmann-Instituts kommt zu dem Ergebnis, dass die Erblichkeit der intrinsischen Lebensspanne bei mehr als 50 Prozent liegt, wenn Todesfälle durch äußere Ursachen wie Unfälle oder Infektionen herausgerechnet werden.

Der Gedanke des langen Lebens

Die Sehnsucht, dem Tod zu entkommen, beschäftigt die Menschheit bereits seit Jahrtausenden. Die Historikerin Daniela Angetter-Pfeiffer sagt: „Der Wunsch nach Langlebigkeit ist so alt wie die Menschheit selbst.“ Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Austrian Centre for Digital Humanities and Cultural Heritage der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) verweist dabei auf eines der frühesten Zeugnisse, das Gilgamesch-Epos. Es gilt als eine der ältesten schriftlichen Dichtungen der Welt, stammt aus Mesopotamien und wird etwa auf die Zeit zwischen 2100 und 1600 v. Chr. datiert. Auch in religiösen Texten taucht das Motiv des langen Lebens auf – etwa als Belohnung Gottes für Gehorsam.
„In den Büchern Mose ist immer wieder davon die Rede, dass man lange lebt, wenn man die Gebote einhält“, erklärt Angetter-Pfeiffer. Darüber hinaus empfahl auch Hippokrates Maßhalten, Bewegung und gutes Essen. Verschiedene Epochen beschäftigten sich also mit dem Gedanken des langen Lebens. Dabei war die Vorstellung, dass der Mensch selbst etwas zu seiner Gesundheit beitragen kann, bereits früh verbreitet. An einen Sieg über den Tod glaubten die frühen Menschen nicht. Für sie war klar, dass Altern ein natürlicher Prozess ist. Daran änderten selbst medizinische Fortschritte nichts, der Tod war Teil des Lebens. Der moderne Hype (Tech-Optimismus) rund um das Altern ist demnach eine moderne Verpackung für eine jahrtausendealte Frage: Wie kann man dem Verfall entkommen?

Blue Zones: Ursprung und Namensgebung

Der US-Journalist Dan Buettner rückte die Blue Zones im November 2005 mit einer Titelgeschichte im Magazin National Geographic unter dem Titel „The Secrets of Long Life“ („Die Geheimnisse eines langen Lebens“) in den Fokus. Grundlage war die Arbeit zweier Forscher, auf die auch der Name der „Blauen Zonen“ zurückgeht.
Der belgische Demograf Michel Poulain und der sardische Arzt Gianni Pes überprüften die Altersangaben zahlreicher Hundertjähriger auf Sardinien. Die Dörfer mit besonders vielen Langlebigen markierten sie auf einer Landkarte mit einem blauen Stift – daher der Name „Blue Zones“. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie 2004. Gemeinsam mit Buettner weiteten die beiden Forscher das Konzept später auf weitere Langlebigkeitsgebiete weltweit aus.

Die Gebiete der Langlebigkeit

1) Barbagia, Sardinien
Die Bergregion im Inneren Sardiniens weist Buettner zufolge die weltweit höchste Konzentration hundertjähriger Männer auf. Viele von ihnen waren Schäfer, die täglich mehrere Kilometer mit ihren Herden zurücklegten und sich überwiegend pflanzlich ernährten.
2) Okinawa, Japan
Die japanische Inselgruppe galt lange als Heimat der langlebigsten Frauen der Welt. Die Bewohner kennen das Konzept des „Ikigai“, das den Sinn des Lebens beschreibt. Sie pflegen lebenslange Freundschaften in sogenannten Moai-Gruppen, deren Mitglieder sich gegenseitig unterstützen – auch im Alter.
3) Nicoya-Halbinsel, Costa Rica
Die recht kleine Halbinsel weist Buettner zufolge die zweithöchste Konzentration hundertjähriger Männer auf. Die Bewohner sprechen vom „plan de vida“, ihrem Lebensplan oder Lebenssinn. Hinzu kommen viel Sonnenschein und Bewegung im Freien.
4) Ikaria, Griechenland
Eine griechische Insel mit auffällig vielen hochbetagten Bewohnern: Laut Buettner erreicht etwa jeder dritte Bewohner das 90. Lebensjahr. Für Ikaria wurden zudem vergleichsweise niedrige Demenzraten berichtet.

Auf der griechischen Insel Ikaria leben viele Hundertjährige

Foto: SAKIS MITROLIDIS/AFP/Getty Images

5) Loma Linda, Kalifornien, USA
In der Stadt östlich von Los Angeles lebt eine große Gemeinschaft von Siebenten-Tags-Adventisten. Die Glaubensgemeinschaft empfiehlt eine an der Bibel orientierte, überwiegend vegetarische Ernährung und regelmäßige Bewegung. Alkohol und Rauchen lehnt sie ab.
Laut Buettner gehören Ernährung, Lebensstil und ein gut funktionierendes soziales Umfeld zu den wichtigsten Gemeinsamkeiten der Blue Zones.

Die „Power 9“

Aus seinen Recherchen in den fünf Regionen leitete Buettner mit seinem Forscherteam neun Gemeinsamkeiten ab. Um sie der Öffentlichkeit verständlich zu machen, fasste er sie unter dem Begriff „Power 9“ zusammen.
1. Pflanzenbasierte Ernährung
Vollkornprodukte, Obst, viel Gemüse, Hülsenfrüchte und gutes Olivenöl bilden die Basis. Fisch, Fleisch und Milchprodukte kommen nur sparsam auf den Tisch. Gegessen wird vor allem, was in der Umgebung wächst und saisonal ist. Stark verarbeitete Lebensmittel spielen in der traditionellen Ernährung kaum eine Rolle.
2. Die 80-Prozent-Regel
Buettner beschreibt für Okinawa die sogenannte 80-Prozent-Regel („Hara hachi bu“): Die Menschen hören demnach auf zu essen, wenn sie sich weitgehend satt fühlen, aber noch nicht vollständig gesättigt sind. Damit verhindern sie ein Überessen und fördern zugleich ein gesundes Körpergewicht. Gemeinsame Mahlzeiten haben für sie einen hohen Stellenwert.
3. Moderater Alkoholkonsum
In einigen Blue Zones gehört moderater Alkoholkonsum, insbesondere Wein in Gesellschaft und zu Mahlzeiten, zur traditionellen Lebensweise. Eine Ausnahme bilden die Adventisten in Loma Linda, die auf Alkohol verzichten. Aus diesen Beobachtungen lässt sich keine allgemeine Empfehlung für Alkoholkonsum ableiten.
4. Natürliche tägliche Bewegung
Die Bewohner bewegen sich viel im Alltag: Sie gehen zu Fuß, fahren Fahrrad und arbeiten körperlich, etwa auf dem Feld oder im Garten. Viele haben einen eigenen Garten und verbringen viel Zeit an der frischen Luft.
5. Ikigai – Lebenssinn
„Plan de vida“ nennen es die Nicoyaner, „Ikigai“ die Menschen auf Okinawa. Beides beschreibt den Grund, morgens aufzustehen: Was macht mein Leben lebenswert? Wer seinen Sinn im Leben gefunden hat, lebt nach dieser Vorstellung ausgeglichener und zufriedener.
6. Feste Rituale
Auch in den Blue Zones gibt es Stress. Mit festen Ritualen beugen die Bewohner ihm vor und bauen ihn ab. Dazu zählen einfache Rituale wie Gebete, Meditation, Spaziergänge oder ein Mittagsschläfchen, die fest im Alltag verankert sind.
7. Familie an erster Stelle
Familie und enge soziale Beziehungen spielen in den von Buettner beschriebenen Blue Zones eine wichtige Rolle. Mehrere Generationen leben häufig eng miteinander und unterstützen sich gegenseitig. Buettner sieht darin einen wichtigen Bestandteil des sozialen Umfelds, das die Bewohner im Alltag unterstützt.

Gemeinsames Familienessen – auch Jahre nach der Kindheit ein Anker im Leben.

Foto: Drazen Zigic/iStock

8. Gemeinschaftszugehörigkeit
Soziales Engagement wird in den Blue Zones großgeschrieben. Buettner hebt insbesondere die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft hervor. Nach seinen Angaben gehörte ein großer Teil der von seinem Team untersuchten Hundertjährigen einer religiösen Gemeinschaft an. Darin sieht er eine mögliche Quelle für soziale Unterstützung, Struktur und Gemeinschaft.
9. Lebenslange Freundschaften
Lebenslange Freundschaften, auf Okinawa „Moai“ genannt, sind für viele Okinawaner essenziell. Bereits im Kindesalter bilden sie kleine Gruppen, in denen sie sich gegenseitig unterstützen und bis ins hohe Alter regelmäßig treffen. Diese Netzwerke fördern ihr emotionales Wohlbefinden.

Die Integration der Blue-Zones-Erkenntnisse in den modernen Alltag

Dan Buettner betont, dass sich die Erkenntnisse aus den Blue Zones nicht mit eiserner Disziplin oder Diäten in den modernen Alltag übertragen lassen. Individuelle Disziplin sei wie ein Muskel, der irgendwann ermüde.
Buettner setzt vielmehr auf Veränderungen im Umfeld. Aus seiner Sicht wird das Verhalten des modernen Menschen stark durch seine Umgebung geprägt – durch Fast-Food-Ketten, Autokultur und sitzende Bürojobs. Mit sogenannten „Blue Zones Projects“ versucht er, Städte so umzugestalten, dass gesundes Verhalten leichter fällt.
Umgesetzt wurden Blue-Zones-Projekte unter anderem in Albert Lea (Minnesota), Fort Worth (Texas) und Naples (Florida). Die Projektbetreiber berichten von Verbesserungen etwa bei Körpergewicht, Rauchverhalten und Gesundheitskosten. Der oft genannte Zugewinn an Lebenserwartung in Albert Lea beruht allerdings nicht auf gemessenen Sterbedaten, sondern auf einer Hochrechnung per Online-Fragebogen.
„Man muss nicht in eine blaue Zone ziehen – man kann selbst eine schaffen“, erklärt Buettner in einem Interview mit The Style Mate.

Kritik an Dan Buettners These

Zu den prominentesten Kritikern gehört Saul Justin Newman, Forscher am Centre for Longitudinal Studies des University College London und am Oxford Institute of Population Ageing. Für seine Untersuchungen erhielt er 2024 den satirischen Ig-Nobelpreis für Demografie. Newman zufolge beruhen viele Angaben über extrem langlebige Menschen auf Fehlern. Die Zonen extremer Langlebigkeit fielen oft mit Regionen zusammen, die von Armut, schwacher Verwaltung und geringer Alphabetisierung geprägt gewesen seien. Newman vermutet dahinter Registrierungsfehler wie vertauschte Identitäten, falsche Geburtsurkunden oder nicht gemeldete Todesfälle, teils auch Rentenbetrug.
In einer weiteren Untersuchung wertete Newman die von den Vereinten Nationen gesammelten Bevölkerungsdaten von 236 Staaten und Gebieten aus den Jahren 1970 bis 2021 aus. Sein Ergebnis: Die Daten zum Überleben im hohen Alter seien in allen Zeiträumen von Auffälligkeiten geprägt. Der Anteil der Menschen, die vom Alter von 80 bis 84 Jahren aus das 100. Lebensjahr erreichen, sei in einer scheinbar willkürlichen Auswahl von Staaten am höchsten. Zu den zehn „Blauen Zonen“ mit der besten Überlebensrate bis 100 zählten demnach regelmäßig Thailand, Kenia und Malawi – Länder, die bei der allgemeinen Lebenserwartung weit hinten liegen. Hinzu kämen die Westsahara und Puerto Rico, wo Geburtsurkunden so unzuverlässig waren, dass sie als Rechtsdokument für ungültig erklärt wurden.
Newman interpretiert die über längere Zeiträume beobachteten Auffälligkeiten als Hinweis auf systematische Probleme bei der Erfassung von Alter und Sterblichkeit. Seiner Ansicht nach könnten solche Datenfehler Auswirkungen auf demografische und epidemiologische Analysen haben. Newmans Analyse der UN-Daten liegt bislang als Preprint vor und wurde noch keinem abgeschlossenen Peer-Review-Verfahren unterzogen. Die Blue-Zones-Forscher weisen die Kritik zurück und verweisen darauf, dass etwa die Altersangaben der sardischen Hundertjährigen mit einer strengen Methode überprüft worden seien.

Was die Wissenschaft stützt

Bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass viele Prinzipien des Blue-Zones-Konzepts unabhängig von den Beobachtungen auf Okinawa oder Sardinien durch eigene Studien gestützt werden. Beim Thema Ernährung zeigte die spanische PREDIMED-Studie mit 7.447 Teilnehmern und erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko, dass eine mediterrane Ernährung mit zusätzlichem Olivenöl oder Nüssen im Vergleich zu einer fettreduzierten Kontrollgruppe mit einem niedrigeren Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse verbunden war. Die ursprüngliche Veröffentlichung von 2013 wurde 2018 wegen methodischer Probleme bei der Randomisierung zurückgezogen und nach einer Neuauswertung mit korrigierten Daten erneut veröffentlicht.
Diese Evidenz geht weit über die Beobachtungen auf Ikaria hinaus. Auch zur Bewegung gibt es Erkenntnisse: In den Blue Zones ist moderate, tägliche Bewegung fester Bestandteil des Alltags. Das deckt sich mit epidemiologischen Daten wie denen der US-Gesundheitserhebung NHANES. Sie zeigen, dass bereits regelmäßige körperliche Aktivität und die Vermeidung von Inaktivität mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden sind.
Weiterhin zeigen große Metaanalysen, dass enge soziale Beziehungen und soziale Einbindung mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden sind: Einsamkeit, soziale Isolation und schwache oder fehlende Beziehungen erhöhen demnach das Sterberisiko. Auch für die Bedeutung eines Lebenssinns, wie ihn Ikigai und plan de vida beschreiben, gibt es Belege. Laut einer prospektiven Analyse des Rush Memory and Aging Project in Chicago hatten ältere Menschen mit einem ausgeprägten Lebenssinn ein deutlich geringeres Alzheimer-Risiko.
Die CALERIE-Studie zeigt, dass eine über zwei Jahre tatsächlich erreichte durchschnittliche Kalorienreduktion von etwa 12 Prozent bei gesunden, nicht adipösen Erwachsenen unter anderem die Insulinsensitivität verbesserte und Entzündungsmarker senkte. Die Studie hatte ursprünglich eine Reduktion der Kalorienzufuhr um 25 Prozent zum Ziel.
Die verschiedenen Studien liefern damit Hinweise darauf, dass Ernährung, Bewegung, soziale Beziehungen und weitere Lebensstilfaktoren mit Gesundheit und Langlebigkeit zusammenhängen können. Am Beispiel Okinawa zeigt sich jedoch, dass dieser Lebensstil nicht von selbst fortbesteht. Das moderne Leben, verarbeitete Lebensmittel und Fast-Food-Ketten haben auch vor Okinawa nicht haltgemacht, die traditionelle Lebensweise wird zunehmend verdrängt. Jüngere Okinawaner haben heute keine höhere Lebenserwartung mehr als der japanische Durchschnitt und kämpfen wie im Westen vermehrt mit Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen. Das Leben ist einem ständigen Wandel unterworfen. Inwieweit man sein Leben nach einem Trend oder Hype ausrichtet, darf jeder für sich selbst entscheiden. Ein kritischer Blick auf die Datenlage kann dabei jedoch hilfreich sein.
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Zell-Verjüngung entdeckt: Körper verwandelt alte Zellen zurück in frische Stammzellen

Lange galt in der Medizin ein Grundsatz: Gehen einem Gewebe die Stammzellen aus, ist der Schaden unumkehrbar. Neue Ergebnisse israelischer Forscher stellen dieses Dogma nun auf den Kopf. Der Körper kann offenbar gealterte Zellen verjüngen und wieder in frische Stammzellen verwandeln. Damit besitzt er die Fähigkeit, sich gewissermaßen von innen heraus selbst zu regenerieren.
Konkret beobachtete das Forschungsteam dieses Phänomen an der Hornhaut des Auges: Reife, bereits gealterte Zellen verwandelten sich dort wieder in aktive Stammzellen, um die Verletzung zu heilen. Der entscheidende Impuls kommt dabei vom Immunsystem. Bestimmte Abwehrzellen (die sogenannten Makrophagen), die eigentlich Krankheitserreger bekämpfen, senden Signale aus. Diese veranlassen die gealterten Zellen dazu, wieder in den Stammzell-Zustand zurückzukehren.
„Wir waren überrascht, als wir entdeckten, dass sich die Hornhaut selbst nach der Zerstörung all ihrer Stammzellen regenerieren kann“, erklärt Studienautorin Ruby Shalom-Feuerstein in einer Stellungnahme.
Während die Entdeckung hauptsächlich auf Experimenten mit Mäusen basiert, verwendeten die Forscher in Laborstudien auch menschliche Hornhautepithelzellen, um ihre Ergebnisse zu validieren.
Zukünftige Studien müssen zeigen, ob auch andere reife Zellen in Stammzellen umprogrammiert werden können, so die Forscher. Es ist die erste Studie, die zeigt, dass reife Zellen ebenfalls in ihren früheren Zustand zurückkehren können, sagten sie.

Ein Grund zum Optimismus

Krishna Surapaneni, Facharzt für Augenheilkunde und Chirurg für Katarakt, Hornhaut und Refraktionschirurgie in Houston, USA, bezeichnete die Ergebnisse als „wirklich spannend“, merkte jedoch an, dass es sich hierbei noch weitgehend um eine Studie an Mäusen handele, mit lediglich ersten, vielversprechenden Anzeichen bei menschlichen Zellen im Labor. Die Forscher untersuchen nun, ob derselbe natürliche Regenerationsprozess auch beim Menschen existiert und wie er letztendlich genutzt werden könnte.
„Die Kluft zwischen einem bei Mäusen funktionierenden Mechanismus und einer sicheren, zuverlässigen Behandlung für Patienten ist groß“, sagte Surapaneni. „Und sie lässt sich in Jahren messen, nicht in Monaten.“
Dennoch stellt die Studie die Annahme in Frage, dass der Verfall unumkehrbar ist, sobald ein Gewebe seine Stammzellen verliert. „Wenn reife Zellen dazu gebracht werden können, wieder eine reparierende Rolle zu übernehmen, verändert das unsere Sichtweise auf die Heilung im Auge und möglicherweise auch darüber hinaus“, sagte Surapaneni.

Toxine und Stressoren können den Prozess behindern

Andere Forschungsarbeiten zur zellulären Reprogrammierung deuten darauf hin, dass bestimmte Toxine, Umwelteinflüsse und metabolische Stressoren nicht nur Stammzellen schneller altern lassen, sondern auch eine Rückbildung gealterter Zellen in einen Stammzellzustand behindern können:
  • Oxidativer Stress: Tabakrauch, Pestizide, Schwermetalle und Strahlung können oxidativen Stress auslösen, der DNA, Proteine und Zellmembranen schädigt und zu genomischer Instabilität führt, wodurch es für eine Zelle schwieriger wird, sich zurückzusetzen.
  • Epigenetische Veränderungen: Die Rückbildung in den Stammzellzustand erfordert, dass eine Zelle ihr epigenetisches „Gedächtnis“ ihrer reifen Identität löscht. Eine anhaltende Belastung durch schädliche Chemikalien, Stoffwechselnebenprodukte und chronische Entzündungen kann das Epigenom einer Zelle so verändern, dass sie in ihrem aktuellen Zustand „feststeckt“.
  • Anreicherung von Zellabfällen: Eine schlechte Stoffwechselgesundheit in Verbindung mit toxischer Belastung kann zu einer Anreicherung von Fetttröpfchen und fehlgefalteten Proteinen führen. Wenn die Abfallbeseitigungssysteme einer Zelle überlastet sind, kann der für die Umwandlung in eine Stammzelle erforderliche Erneuerungsprozess ins Stocken geraten.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „How Aged Cells Revert to Stem Cells to Repair the Body“. (deutsche Bearbeitung kr)