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Erdgas-Probebohrung: Gemeinde schmettert Vorstoß ab


In Kürze:

  • Das Unternehmen Harbour Energy will mit einer Testbohrung in Langwedel nach Erdgas suchen.
  • Die Gemeinde lehnt das Vorhaben jedoch ab.
  • Über eine Regelung im Bundesberggesetz könnte Harbour Energy das Nein von Langwedel umgehen, allerdings unter Bedingungen.

 
In der niedersächsischen Gemeinde Langwedel ist ein Streit um eine geplante Probebohrung für die mögliche Förderung von Erdgas entbrannt.
Harbour Energy, ein Öl- und Gasunternehmen aus Großbritannien, hat bereits die ersten Schritte eingeleitet, um eine Testbohrung nach Erdgas durchzuführen. Das Vorhaben trägt die Bezeichnung Nindorf Z1. Der vorgesehene Standort dafür befindet sich zwischen den Ortschaften Holtebüttel und Langwedel-Förth, südlich der Autobahn 27.
Damit will das Unternehmen zunächst untersuchen, ob und wie viel Erdgas am ausgewählten Standort vorhanden und ob eine künftige wirtschaftliche Förderung realisierbar ist.
Erdgas

Karte mit dem Gebiet der umstrittenen Probebohrung bei Langwedel.

Das Gelände liegt in einer der wichtigsten Erdgasregionen Deutschlands. In diesem Gebiet um Langwedel fördert Harbour Energy seit 2024 Erdgas über seinen Förderbetrieb Gas Nord. Dazu zählen die Gasfelder Barrien, Bötersen, Hemsbünde, Rehden, Staffhorst-Nord, Weißenmoor und Völkersen.
Im Jahr 2025 förderte Niedersachsen laut dem Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie 4,19 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Das entsprach 98,6 Prozent der gesamten deutschen Erdgasförderung. Das in Deutschland gewonnene Erdgas deckte 2025 rund 4,8 Prozent des deutschen Erdgasbedarfs.

Absage der Gemeinde

Nach Aussage von Bürgermeister Andreas Brandt habe sich Harbour Energy den Bohrplatz selbst „schon vor vielen Jahren gesichert“. Bereits 2018 hatte die damalige DEA Deutsche Erdoel AG bei der Gemeinde beantragt, gemeindeeigene Wege als Zufahrt zu nutzen. Langwedel lehnte das ab. Nach der Fusion von DEA und Wintershall im Jahr 2019 ging das Vorhaben auf Wintershall Dea über. Deren deutsches E&P-Geschäft – einschließlich der entsprechenden Explorationsrechte – übernahm Harbour Energy im September 2024.
Bernhard Goldmann, Bauamtsleiter von Langwedel, sagte jedoch:
„Harbour Energy hat Einigkeit mit allen privaten Eigentümern erzielt. Nur mit uns noch nicht.“
Das bedeutet, dass die Gemeinde von Langwedel die Nutzung der Zufahrtswege verweigert, was das Vorhaben derzeit blockiert. Die Genehmigung für die geplante Bohrung ist allerdings befristet. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie hat die Frist bereits mehrfach verlängert. Wenn das Unternehmen nicht in absehbarer Zeit mit der Probebohrung beginnt oder das Vorhaben nicht vorankommt, könnte die Genehmigung erlöschen.
Brandt teilte mit, dass Harbour Energy wiederholt nachgefragt habe, ob sich die Meinung der Behörde geändert habe. Diese hält jedoch weiterhin an ihrer Absage fest und verweist darauf, dass sich an der Erdbebengefahr durch die Bohrung nach Gas nichts geändert habe.

Gesetzliche Ausnahme möglich

Das Nein von Langwedel muss in dem Streit jedoch nicht das letzte Wort sein. Für Harbour Energy könnte Paragraf 40 des Bundesberggesetzes einen Ausweg bieten. Danach kann die zuständige Bergbehörde die verweigerte Zustimmung eines Grundeigentümers – hier der Gemeinde – ersetzen, wenn öffentliche Interessen, insbesondere die Durchforschung nach nutzbaren Lagerstätten, die Aufsuchung erfordern. In diesem Fall könnte das Unternehmen die für die Probebohrung benötigten Gemeindeflächen trotz der verweigerten Zustimmung nutzen.
Allerdings könnte die Bürgerinitiative Langwedel das Vorhaben weiter erschweren. Die lokale Vereinigung fordert auf ihrer Website, vorsorglich ein Moratorium für neue Erdgasförderprojekte zu verhängen, bis gesetzliche Neuregelungen den Schutz von Mensch und Natur über wirtschaftliche Interessen stellen.
Ein ausreichendes öffentliches Interesse könnte etwa durch eine länger anhaltende Versorgungskrise bei Erdgas begründet werden. Ob eine solche Voraussetzung im konkreten Fall erfüllt ist, müsste die zuständige Bergbehörde prüfen. Die derzeit vergleichsweise niedrigen Füllstände der deutschen Gasspeicher könnten dabei als Teil der Versorgungslage berücksichtigt werden. Laut Bundesnetzagentur waren die Speicher am 2. Oktober zu 58 Prozent gefüllt. Die Behörde schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung jedoch weiterhin als gering ein.
Greift Paragraf 40, müsste Harbour Energy laut Gesetz zunächst eine Entschädigung leisten, deren Höhe die Bergbehörde festlegt. Erst danach dürfte die Erkundung beginnen.

Fracking bleibt umstritten

Mit der Debatte um heimisches Erdgas rückt auch das in Deutschland umstrittene Thema des Frackings in den Vordergrund. Darunter versteht man das hydraulische Aufbrechen von Gesteinsschichten, um darin eingeschlossene Öl- oder Gasvorkommen in der Tiefe zu erschließen.
Das in Deutschland geförderte Erdgas stammt aus sogenannten konventionellen Lagerstätten. Etwa ein Drittel der heimischen Fördermenge kommt jedoch aus Bohrungen, die mit Fracking stimuliert wurden – vor allem in sehr dichten Sandsteinen. Zuletzt wurde das Verfahren hierzulande 2011 eingesetzt. Ende 2025 umfassten die deutschen Erdgasreserven rund 29 Milliarden Kubikmeter.
Weitaus größer sind jedoch die Erdgasvorkommen, die Förderunternehmen durch Fracking erschließen könnten. Dazu zählen Kohleflözgas mit technisch erschließbaren Ressourcen von 450 Milliarden Kubikmetern sowie Schiefergas mit bis zu 2,3 Billionen Kubikmetern. Kommerzielles Fracking zur Erschließung solcher unkonventionellen Lagerstätten ist in Deutschland allerdings seit 2017 grundsätzlich verboten.
Im Jahr 2024 deckte Deutschland rund 95 Prozent seines Erdgasbedarfs durch Importe aus anderen Ländern. Ein Teil davon stammt aus Fracking, etwa das Flüssigerdgas aus den USA. Von dort kamen 2025 rund 96 Prozent der deutschen Flüssigerdgasimporte.
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Erdgas-Probebohrung: Gemeinde schmettert Vorstoß ab


In Kürze:

  • Das Unternehmen Harbour Energy will mit einer Testbohrung in Langwedel nach Erdgas suchen.
  • Die Gemeinde lehnt das Vorhaben jedoch ab.
  • Über eine Regelung im Bundesberggesetz könnte Harbour Energy das Nein von Langwedel umgehen, allerdings unter Bedingungen.

 
In der niedersächsischen Gemeinde Langwedel ist ein Streit um eine geplante Probebohrung für die mögliche Förderung von Erdgas entbrannt.
Harbour Energy, ein Öl- und Gasunternehmen aus Großbritannien, hat bereits die ersten Schritte eingeleitet, um eine Testbohrung nach Erdgas durchzuführen. Das Vorhaben trägt die Bezeichnung Nindorf Z1. Der vorgesehene Standort dafür befindet sich zwischen den Ortschaften Holtebüttel und Langwedel-Förth, südlich der Autobahn 27.
Damit will das Unternehmen zunächst untersuchen, ob und wie viel Erdgas am ausgewählten Standort vorhanden und ob eine künftige wirtschaftliche Förderung realisierbar ist.
Erdgas

Karte mit dem Gebiet der umstrittenen Probebohrung bei Langwedel.

Das Gelände liegt in einer der wichtigsten Erdgasregionen Deutschlands. In diesem Gebiet um Langwedel fördert Harbour Energy seit 2024 Erdgas über seinen Förderbetrieb Gas Nord. Dazu zählen die Gasfelder Barrien, Bötersen, Hemsbünde, Rehden, Staffhorst-Nord, Weißenmoor und Völkersen.
Im Jahr 2025 förderte Niedersachsen laut dem Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie 4,19 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Das entsprach 98,6 Prozent der gesamten deutschen Erdgasförderung. Das in Deutschland gewonnene Erdgas deckte 2025 rund 4,8 Prozent des deutschen Erdgasbedarfs.

Absage der Gemeinde

Nach Aussage von Bürgermeister Andreas Brandt habe sich Harbour Energy den Bohrplatz selbst „schon vor vielen Jahren gesichert“. Bereits 2018 hatte die damalige DEA Deutsche Erdoel AG bei der Gemeinde beantragt, gemeindeeigene Wege als Zufahrt zu nutzen. Langwedel lehnte das ab. Nach der Fusion von DEA und Wintershall im Jahr 2019 ging das Vorhaben auf Wintershall Dea über. Deren deutsches E&P-Geschäft – einschließlich der entsprechenden Explorationsrechte – übernahm Harbour Energy im September 2024.
Bernhard Goldmann, Bauamtsleiter von Langwedel, sagte jedoch:
„Harbour Energy hat Einigkeit mit allen privaten Eigentümern erzielt. Nur mit uns noch nicht.“
Das bedeutet, dass die Gemeinde von Langwedel die Nutzung der Zufahrtswege verweigert, was das Vorhaben derzeit blockiert. Die Genehmigung für die geplante Bohrung ist allerdings befristet. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie hat die Frist bereits mehrfach verlängert. Wenn das Unternehmen nicht in absehbarer Zeit mit der Probebohrung beginnt oder das Vorhaben nicht vorankommt, könnte die Genehmigung erlöschen.
Brandt teilte mit, dass Harbour Energy wiederholt nachgefragt habe, ob sich die Meinung der Behörde geändert habe. Diese hält jedoch weiterhin an ihrer Absage fest und verweist darauf, dass sich an der Erdbebengefahr durch die Bohrung nach Gas nichts geändert habe.

Gesetzliche Ausnahme möglich

Das Nein von Langwedel muss in dem Streit jedoch nicht das letzte Wort sein. Für Harbour Energy könnte Paragraf 40 des Bundesberggesetzes einen Ausweg bieten. Danach kann die zuständige Bergbehörde die verweigerte Zustimmung eines Grundeigentümers – hier der Gemeinde – ersetzen, wenn öffentliche Interessen, insbesondere die Durchforschung nach nutzbaren Lagerstätten, die Aufsuchung erfordern. In diesem Fall könnte das Unternehmen die für die Probebohrung benötigten Gemeindeflächen trotz der verweigerten Zustimmung nutzen.
Allerdings könnte die Bürgerinitiative Langwedel das Vorhaben weiter erschweren. Die lokale Vereinigung fordert auf ihrer Website, vorsorglich ein Moratorium für neue Erdgasförderprojekte zu verhängen, bis gesetzliche Neuregelungen den Schutz von Mensch und Natur über wirtschaftliche Interessen stellen.
Ein ausreichendes öffentliches Interesse könnte etwa durch eine länger anhaltende Versorgungskrise bei Erdgas begründet werden. Ob eine solche Voraussetzung im konkreten Fall erfüllt ist, müsste die zuständige Bergbehörde prüfen. Die derzeit vergleichsweise niedrigen Füllstände der deutschen Gasspeicher könnten dabei als Teil der Versorgungslage berücksichtigt werden. Laut Bundesnetzagentur waren die Speicher am 2. Oktober zu 58 Prozent gefüllt. Die Behörde schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung jedoch weiterhin als gering ein.
Greift Paragraf 40, müsste Harbour Energy laut Gesetz zunächst eine Entschädigung leisten, deren Höhe die Bergbehörde festlegt. Erst danach dürfte die Erkundung beginnen.

Fracking bleibt umstritten

Mit der Debatte um heimisches Erdgas rückt auch das in Deutschland umstrittene Thema des Frackings in den Vordergrund. Darunter versteht man das hydraulische Aufbrechen von Gesteinsschichten, um darin eingeschlossene Öl- oder Gasvorkommen in der Tiefe zu erschließen.
Das in Deutschland geförderte Erdgas stammt aus sogenannten konventionellen Lagerstätten. Etwa ein Drittel der heimischen Fördermenge kommt jedoch aus Bohrungen, die mit Fracking stimuliert wurden – vor allem in sehr dichten Sandsteinen. Zuletzt wurde das Verfahren hierzulande 2011 eingesetzt. Ende 2025 umfassten die deutschen Erdgasreserven rund 29 Milliarden Kubikmeter.
Weitaus größer sind jedoch die Erdgasvorkommen, die Förderunternehmen durch Fracking erschließen könnten. Dazu zählen Kohleflözgas mit technisch erschließbaren Ressourcen von 450 Milliarden Kubikmetern sowie Schiefergas mit bis zu 2,3 Billionen Kubikmetern. Kommerzielles Fracking zur Erschließung solcher unkonventionellen Lagerstätten ist in Deutschland allerdings seit 2017 grundsätzlich verboten.
Im Jahr 2024 deckte Deutschland rund 95 Prozent seines Erdgasbedarfs durch Importe aus anderen Ländern. Ein Teil davon stammt aus Fracking, etwa das Flüssigerdgas aus den USA. Von dort kamen 2025 rund 96 Prozent der deutschen Flüssigerdgasimporte.
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Niedrige Speicherstände: Reiche ordnet Gaseinspeicherung an

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) reagiert auf die niedrigen Füllstände der Gasspeicher in Deutschland und sichert die Gasversorgung stärker ab. Reiche habe in Absprache mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) entschieden, dass das bundeseigene Energieunternehmen Sefe angewiesen werde, vermehrt Erdgas einzuspeichern, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.

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Der zentrale Grund für diesen Schritt liege in den weiter andauernden geopolitischen Risiken. „Aus der Perspektive der Krisenvorsorge ist dieser Schritt ein wichtiger zusätzlicher Beitrag, um die Resilienz der deutschen Gasversorgung zu erhöhen.“ Zuerst hatte das „Handelsblatt“ darüber berichtet.

Sefe: Anweisung erhalten

Ein Sprecher von Sefe bestätigte, dass das Unternehmen vom Wirtschaftsministerium die Anweisung erhalten habe, bis zum 15. Dezember 8 Terawattstunden Gas zu beschaffen und einzuspeichern.
Zum Vergleich: Nach Angaben des Branchenverbands Initiative Energien Speichern haben die Speicher in Deutschland insgesamt ein Volumen von rund 247 Terawattstunden.

Niedrige Füllstände

Die Füllstände der Gasspeicher liegen aktuell auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau von knapp 58 Prozent. Das hat Sorgen über die Gasversorgung im Winter ausgelöst.
Normalerweise kaufen Großhändler im Sommer Erdgas günstig ein. Sie speichern es und verkaufen es im Winter mit Gewinn weiter, um auch die Kosten der Speicherung zu decken. Dieser sogenannte Sommer-Winter-Spread ist ein wichtiger wirtschaftlicher Anreiz für die Befüllung der Gasspeicher. Wegen des Iran-Kriegs aber ist die für die Versorgung wichtige Straße von Hormus weiterhin blockiert. Das sorgt für hohe Großhandelspreise.
Dadurch ist nach früheren Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft die Einspeicherung wirtschaftlich nur begrenzt attraktiv, da Gas im Sommer teurer eingekauft werden muss, als es nach derzeitigen Erwartungen für den Winter verkauft werden kann.

Vorbereitetes Instrument

Die Ministeriumssprecherin sagte, Reiche habe stets deutlich gemacht, dass das Ministerium die Entwicklung am Gasmarkt eng verfolge und für unterschiedliche Szenarien Instrumente vorbereitet habe, die bei Bedarf eingesetzt werden könnten – gerade mit Blick auf die geopolitische Lage. „Dieser Bedarf ist nun eingetreten.“ Die Beauftragung der Sefe mit zusätzlicher Beschaffung sei eines dieser vorbereiteten Instrumente.
Sefe werde selber entscheiden, welche Mengen zu welchem Zeitpunkt eingespeichert werden, diese durch zusätzliche Lieferungen beschaffen, sagte die Sprecherin. Die Erwartung an alle anderen Marktakteure, ihrer Verpflichtung nachzukommen, Gas für den Winter einzuspeichern, bleibe „ohne Wenn und Aber bestehen“.

„Vorkehrungen getroffen“

Reiche hatte vor drei Wochen die Handlungsfähigkeit der Regierung betont. „Wir haben Vorkehrungen getroffen für jedes Szenario“, sagte die CDU-Politikerin im Bundestag. In einem Bericht des Wirtschaftsministeriums für eine Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses des Bundestags hieß es Mitte September, nach aktuellem Erkenntnisstand sei eine Gasmangellage im kommenden Winter nicht zu erwarten.
Mitte September hatte es zudem geheißen, das Ministerium sei in Gesprächen mit Sefe, damit das Unternehmen mehr Gas einspeichere. Sefe teilte damals mit, Gas einzukaufen. Es habe aber keine Anweisung des Ministeriums erhalten.
Sefe hieß früher Gazprom Germania und war eine Tochter des russischen Staatskonzerns Gazprom. Im Zuge des Krieges in der Ukraine und der Energiekrise wurde das Unternehmen verstaatlicht. Die EU-Kommission hat bestimmt, dass der Bund Sefe bis Ende 2028 wieder weitgehend privatisieren muss.

Staatliche Gasreserve geplant

Reiche plant den Aufbau einer strategischen Gasreserve, um Risiken abzudecken. Die Ministerin hatte Krisensituationen genannt, bei denen Energieflüsse nach Deutschland gestört seien. Die Sprecherin des Ministeriums sagte, der Aufbau der Gasreserve werde nach der entsprechenden Gesetzesänderung im Jahr 2027 beginnen.
Die Finanzierung der Gasreserve ist offen. Reiche hatte der Deutschen Presse-Agentur gesagt, es gebe zwei Finanzierungsoptionen. Die eine sei eine Umlage über die Gaskunden, die zweite eine Finanzierung aus dem Bundeshaushalt. Vielleicht gebe es auch ein Mischmodell. (dpa/red)
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Aktuelle Versorgungslage: Reiche weist Staatsunternehmen zu Gasspeicherung an

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) reagiert auf die niedrigen Füllstände der Gasspeicher in Deutschland. Sie habe in Absprache mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) entschieden, dass das bundeseigene Energieunternehmen Sefe angewiesen werde, vermehrt Erdgas einzuspeichern, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.

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Der zentrale Grund für diesen Schritt liege in den weiter andauernden geopolitischen Risiken. „Aus der Perspektive der Krisenvorsorge ist dieser Schritt ein wichtiger zusätzlicher Beitrag, um die Resilienz der deutschen Gasversorgung zu erhöhen.“ Zuerst hatte das „Handelsblatt“ darüber berichtet.

Sefe: Anweisung erhalten

Ein Sprecher von Sefe bestätigte, dass das Unternehmen vom Wirtschaftsministerium die Anweisung erhalten habe, bis zum 15. Dezember 8 Terawattstunden Gas zu beschaffen und einzuspeichern.
Zum Vergleich: Nach Angaben des Branchenverbands Initiative Energien Speichern haben die Speicher in Deutschland insgesamt ein Volumen von rund 247 Terawattstunden.

Niedrige Füllstände

Die Füllstände der Gasspeicher liegen aktuell auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau von knapp 58 Prozent. Das hat Sorgen über die Gasversorgung im Winter ausgelöst.
Normalerweise kaufen Großhändler im Sommer Erdgas günstig ein. Sie speichern es und verkaufen es im Winter mit Gewinn weiter, um auch die Kosten der Speicherung zu decken. Dieser sogenannte Sommer-Winter-Spread ist ein wichtiger wirtschaftlicher Anreiz für die Befüllung der Gasspeicher. Wegen des Iran-Kriegs aber ist die für die Versorgung wichtige Straße von Hormus weiterhin blockiert. Das sorgt für hohe Großhandelspreise.
Dadurch ist nach früheren Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft die Einspeicherung wirtschaftlich nur begrenzt attraktiv, da Gas im Sommer teurer eingekauft werden muss, als es nach derzeitigen Erwartungen für den Winter verkauft werden kann.

Vorbereitetes Instrument

Die Ministeriumssprecherin sagte, Reiche habe stets deutlich gemacht, dass das Ministerium die Entwicklung am Gasmarkt eng verfolge und für unterschiedliche Szenarien Instrumente vorbereitet habe, die bei Bedarf eingesetzt werden könnten – gerade mit Blick auf die geopolitische Lage. „Dieser Bedarf ist nun eingetreten.“ Die Beauftragung der Sefe mit zusätzlicher Beschaffung sei eines dieser vorbereiteten Instrumente.
Sefe werde selber entscheiden, welche Mengen zu welchem Zeitpunkt eingespeichert werden, diese durch zusätzliche Lieferungen beschaffen, sagte die Sprecherin. Die Erwartung an alle anderen Marktakteure, ihrer Verpflichtung nachzukommen, Gas für den Winter einzuspeichern, bleibe „ohne Wenn und Aber bestehen“.

„Vorkehrungen getroffen“

Reiche hatte vor drei Wochen die Handlungsfähigkeit der Regierung betont. „Wir haben Vorkehrungen getroffen für jedes Szenario“, sagte die CDU-Politikerin im Bundestag. In einem Bericht des Wirtschaftsministeriums für eine Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses des Bundestags hieß es Mitte September, nach aktuellem Erkenntnisstand sei eine Gasmangellage im kommenden Winter nicht zu erwarten.
Mitte September hatte es zudem geheißen, das Ministerium sei in Gesprächen mit Sefe, damit das Unternehmen mehr Gas einspeichere. Sefe teilte damals mit, Gas einzukaufen. Es habe aber keine Anweisung des Ministeriums erhalten.
Sefe hieß früher Gazprom Germania und war eine Tochter des russischen Staatskonzerns Gazprom. Im Zuge des Krieges in der Ukraine und der Energiekrise wurde das Unternehmen verstaatlicht. Die EU-Kommission hat bestimmt, dass der Bund Sefe bis Ende 2028 wieder weitgehend privatisieren muss.

Staatliche Gasreserve geplant

Reiche plant den Aufbau einer strategischen Gasreserve, um Risiken abzudecken. Die Ministerin hatte Krisensituationen genannt, bei denen Energieflüsse nach Deutschland gestört seien. Die Sprecherin des Ministeriums sagte, der Aufbau der Gasreserve werde nach der entsprechenden Gesetzesänderung im Jahr 2027 beginnen.
Die Finanzierung der Gasreserve ist offen. Reiche hatte der Deutschen Presse-Agentur gesagt, es gebe zwei Finanzierungsoptionen. Die eine sei eine Umlage über die Gaskunden, die zweite eine Finanzierung aus dem Bundeshaushalt. Vielleicht gebe es auch ein Mischmodell. (dpa/red)
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EU-Energiekommissar ruft zum Energiesparen auf und spricht von „Preiskrise“


In Kürze:

  • Die Gasspeicher in der EU sind nur zu rund 70 Prozent gefüllt.
  • Die Sperrung der Straße von Hormus, die unsichere LNG-Versorgung aus Katar und die Konkurrenz aus Asien treiben die Preise.
  • Die EU-Kommission setzt auf freiwillige Einsparungen beim Gas- und Stromverbrauch und verweist auf nationale Notfallpläne.

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EU-Energiekommissar Dan Jørgensen hat die Mitgliedstaaten vor den möglichen Folgen „außergewöhnlich niedriger“ Füllstände in den Gasspeichern gewarnt. In einem Schreiben, das „Euronews“ vorliegt, forderte er die Regierungen der EU-Länder auf, Maßnahmen zu ergreifen oder fortzuführen, um die Einspeicherung zu stützen oder den Gas- und Stromverbrauch so lange wie nötig zu senken.
Zugleich ermutigte Jørgensen die Hauptstädte, die Spielräume der EU-Speicherregeln zu nutzen. Statt das Ziel von 90 Prozent um jeden Preis anzustreben, könne ein Füllstand von 80 Prozent ausreichen. So ließen sich Panikkäufe vermeiden, die die Preise zusätzlich in die Höhe treiben würden.

EU-Kommissar sieht aber keine akute Gefahr

In dem Brief ist die Rede von einer „Preiskrise, die mit einer Versorgungskrise zusammenhängt“. Zu den wesentlichen Gründen dafür zählen die anhaltenden Unsicherheiten rund um die Straße von Hormus. Vor Beginn des Irankriegs Ende Februar lief etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels durch die Meerenge, zudem ein großer Teil des weltweit gehandelten Flüssiggases (LNG), vor allem aus Katar. Seither passieren nur noch wenige Schiffe die Wasserstraße.
Jørgensen hatte bereits im März vor möglichen negativen Auswirkungen des Irankriegs auf die Versorgungslage in Europa gewarnt. Seither habe sich die Situation „nicht verbessert“. Derzeit sind die Gasspeicher in der EU nur zu rund 70 Prozent gefüllt, etwa 12 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Das geht aus aktuellen Daten des Branchenverbands Gas Infrastructure Europe hervor.
Nach Einschätzung der EU-Kommission kann ein Füllstand von 80 Prozent unter den derzeitigen Bedingungen für die Versorgungssicherheit im Winter ausreichen. Die EU gehe zudem mit einem widerstandsfähigeren Energiesystem in den Winter als vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine, heißt es in dem Schreiben. Allerdings bleibe die Lage im Nahen Osten instabil, und es sei ungewiss, wie sich die LNG-Produktion in Katar entwickle.

Hohe Nachfrage verschärft Wettbewerb um LNG

Weitere Faktoren, die den Wettbewerb um LNG verschärften, seien die Hitzewellen des vergangenen Sommers, die steigende Nachfrage aus Asien und Wartungsarbeiten an Anlagen in Norwegen. Der europäische Referenzpreis am niederländischen Handelspunkt TTF liegt mit gut 70 Euro pro Megawattstunde etwa 40 Euro höher als vor Beginn des Irankriegs. Analysten warnen vor Preisspitzen von mehr als 100 Euro pro Megawattstunde im Winter, falls die LNG-Exporte aus der Golfregion nicht steigen oder sich die Wartungsarbeiten in Norwegen verlängern.
Die EU-Kommission empfiehlt, auf Instrumente aus der Energiekrise 2022 zurückzugreifen. Ein geringerer Verbrauch zu Spitzenzeiten sowie Anreize für Verbraucher, ihren Energieverbrauch mithilfe intelligenter Zähler und passender Tarife zu verlagern, seien auch in diesem Jahr taugliche Strategien.
Außerdem seien niedrigere Temperaturen in öffentlichen Gebäuden, Einschränkungen bei Heizstrahlern im Freien und das nächtliche Abschalten nicht notwendiger öffentlicher Beleuchtung hilfreiche Sparmaßnahmen. Ein geringerer Stromverbrauch zu Spitzenzeiten bedeute, dass Kraftwerke weniger Gas verbrennen – das entlaste sowohl die Gasversorgung als auch die Strompreise.

EU verweist auf „freiwillige und gut geplante Nachfragereduktionen“ von 2022

Verbindliche Vorgaben will der EU-Kommissar jedoch nicht machen. Bereits 2022 hätten sich „freiwillige und gut geplante Nachfragereduktionen“ bewährt, auf diese Erfahrungen könne man auch in der aktuellen Lage zurückgreifen. Im äußersten Fall gebe es zudem nationale Notfallpläne mit weitergehenden Instrumenten, etwa abschaltbaren Gaslieferverträgen oder der Umstellung von Kraftwerken auf andere Brennstoffe. Jørgensen betonte in seinem Schreiben, derzeit bestünden „keine unmittelbaren Risiken für die Versorgungssicherheit“.
Auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) setzt auf eine stärkere Befüllung der Speicher. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus Regierungskreisen wurden mit dem bundeseigenen Gasimporteur SEFE und dem Energiekonzern Uniper höhere Einspeicherungen vereinbart. Einen staatlichen Gaseinkauf wie 2022 plant Reiche demnach nicht, stattdessen soll ein bestehendes Instrument, sogenannte Long Term Options, stärker genutzt werden. SEFE betonte, es handle sich um eine eigenständige kommerzielle Entscheidung, eine Anweisung des Ministeriums gebe es nicht.
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EU warnt vor niedrigen Gasspeichern und setzt auf freiwillige Einsparungen


In Kürze:

  • EU-Energiekommissar Dan Jørgensen warnt vor „außergewöhnlich niedrigen“ Gasspeicherständen, die EU-Speicher sind nur zu rund 70 Prozent gefüllt.
  • Die Sperrung der Straße von Hormus, die unsichere LNG-Versorgung aus Katar und die Konkurrenz aus Asien treiben die Preise.
  • Die EU-Kommission setzt auf freiwillige Einsparungen beim Gas- und Stromverbrauch und verweist auf nationale Notfallpläne.

 
EU-Energiekommissar Dan Jørgensen hat die Mitgliedstaaten vor den möglichen Folgen „außergewöhnlich niedriger“ Füllstände in den Gasspeichern gewarnt. In einem Schreiben, das „Euronews“ vorliegt, forderte er die Regierungen der EU-Länder auf, Maßnahmen zu ergreifen oder fortzuführen, um die Einspeicherung zu stützen oder den Gas- und Stromverbrauch so lange wie nötig zu senken.
Zugleich ermutigte Jørgensen die Hauptstädte, die Spielräume der EU-Speicherregeln zu nutzen. Statt das Ziel von 90 Prozent um jeden Preis anzustreben, könne ein Füllstand von 80 Prozent ausreichen. So ließen sich Panikkäufe vermeiden, die die Preise zusätzlich in die Höhe treiben würden.

EU-Kommissar warnt vor angespannter Gasversorgung – sieht aber keine akute Gefahr

In dem Brief ist die Rede von einer „Preiskrise, die mit einer Versorgungskrise zusammenhängt“. Zu den wesentlichen Gründen dafür zählen die anhaltenden Unsicherheiten rund um die Straße von Hormus. Vor Beginn des Irankriegs Ende Februar lief etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels durch die Meerenge, zudem ein großer Teil des weltweit gehandelten Flüssiggases (LNG), vor allem aus Katar. Seither passieren nur noch wenige Schiffe die Wasserstraße.
Jørgensen hatte bereits im März vor möglichen negativen Auswirkungen des Irankriegs auf die Versorgungslage in Europa gewarnt. Seither habe sich die Situation „nicht verbessert“. Derzeit sind die Gasspeicher in der EU nur zu rund 70 Prozent gefüllt, etwa 12 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Das geht aus aktuellen Daten des Branchenverbands Gas Infrastructure Europe hervor.
Nach Einschätzung der EU-Kommission kann ein Füllstand von 80 Prozent unter den derzeitigen Bedingungen für die Versorgungssicherheit im Winter ausreichen. Die EU gehe zudem mit einem widerstandsfähigeren Energiesystem in den Winter als vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine, heißt es in dem Schreiben. Allerdings bleibe die Lage im Nahen Osten instabil, und es sei ungewiss, wie sich die LNG-Produktion in Katar entwickle.

Hohe Nachfrage verschärft Wettbewerb um LNG

Weitere Faktoren, die den Wettbewerb um LNG verschärften, seien die Hitzewellen des vergangenen Sommers, die steigende Nachfrage aus Asien und Wartungsarbeiten an Anlagen in Norwegen. Der europäische Referenzpreis am niederländischen Handelspunkt TTF liegt mit gut 70 Euro pro Megawattstunde etwa 40 Euro höher als vor Beginn des Irankriegs. Analysten warnen vor Preisspitzen von mehr als 100 Euro pro Megawattstunde im Winter, falls die LNG-Exporte aus der Golfregion nicht steigen oder sich die Wartungsarbeiten in Norwegen verlängern.
Die EU-Kommission empfiehlt, auf Instrumente aus der Energiekrise 2022 zurückzugreifen. Ein geringerer Verbrauch zu Spitzenzeiten sowie Anreize für Verbraucher, ihren Energieverbrauch mithilfe intelligenter Zähler und passender Tarife zu verlagern, seien auch in diesem Jahr taugliche Strategien.
Außerdem seien niedrigere Temperaturen in öffentlichen Gebäuden, Einschränkungen bei Heizstrahlern im Freien und das nächtliche Abschalten nicht notwendiger öffentlicher Beleuchtung hilfreiche Sparmaßnahmen. Ein geringerer Stromverbrauch zu Spitzenzeiten bedeute, dass Kraftwerke weniger Gas verbrennen – das entlaste sowohl die Gasversorgung als auch die Strompreise.

EU verweist auf „freiwillige und gut geplante Nachfragereduktionen“ von 2022

Verbindliche Vorgaben will der EU-Kommissar jedoch nicht machen. Bereits 2022 hätten sich „freiwillige und gut geplante Nachfragereduktionen“ bewährt, auf diese Erfahrungen könne man auch in der aktuellen Lage zurückgreifen. Im äußersten Fall gebe es zudem nationale Notfallpläne mit weitergehenden Instrumenten, etwa abschaltbaren Gaslieferverträgen oder der Umstellung von Kraftwerken auf andere Brennstoffe. Jørgensen betonte in seinem Schreiben, derzeit bestünden „keine unmittelbaren Risiken für die Versorgungssicherheit“.
Auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) setzt auf eine stärkere Befüllung der Speicher. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus Regierungskreisen wurden mit dem bundeseigenen Gasimporteur SEFE und dem Energiekonzern Uniper höhere Einspeicherungen vereinbart. Einen staatlichen Gaseinkauf wie 2022 plant Reiche demnach nicht, stattdessen soll ein bestehendes Instrument, sogenannte Long Term Options, stärker genutzt werden. SEFE betonte, es handle sich um eine eigenständige kommerzielle Entscheidung, eine Anweisung des Ministeriums gebe es nicht.
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Energie wird teurer: Strompreis schießt vor dem Winter nach oben


In Kürze:

  • Der Strompreis für Neukunden sprang jüngst auf einen Jahreshöchstwert.
  • Gründe sind der andauernde Irankrieg und die damit verbundene angespannte Lage an den Energiemärkten.
  • Auf dem höchsten Stand des Jahres befinden sich im laufenden Monat auch die Börsenstrompreise.
  • Auch beim Erdgas steigen die Preise.

 
Der September ist in diesem Jahr bislang der Monat mit den höchsten Strompreisen. Zuletzt stieg vor allem der Strompreis für Neukunden in Deutschland deutlich.

Höherer Strompreis für Neukunden

Laut Daten des Energievergleichsportals Verivox kletterte der Neukundenstrompreis von 25 Cent pro Kilowattstunde (Cent/kWh) am 16. September auf 30,84 Cent/kWh am 26. September. Das entspricht einem Anstieg von 23,4 Prozent in nur zehn Tagen. Der größte Sprung in diesem Zeitraum erfolgte am 18. September auf 29,65 Cent/kWh. Mit dem aktuellen Wert liegt der Preis erstmals in diesem Jahr über der 30-Cent-Marke. Das Portal „Strom-Report“ gibt den aktuellen Neukundenstrompreis für Privathaushalte mit 30,6 Cent/kWh an.

Die Entwicklung des Neukundenstrompreises für deutsche Privathaushalte von Mitte Februar bis 27. September 2026.

Den höheren Strompreis bestätigt auch das Portal „stromauskunft.de“. Demnach liegt dort der durchschnittliche Preis im günstigsten Tarif jetzt bei 30,26 Cent/kWh. Wie das Portal angibt, ist das eine Preissteigerung von knapp 12 Prozent im Vergleich zum Vormonat und von 10,6 Prozent zum Vorjahr.
Für Bestandskunden hat der aktuelle Preisanstieg zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen. Wer in den vergangenen Monaten einen neuen Stromvertrag für 25 Cent/kWh oder weniger abschließen konnte, behält diesen Tarif. Wie lange dieser gilt, hängt vom jeweiligen Vertrag ab. Sinkt der Strompreis in den kommenden Monaten, kann sich ein erneuter Tarifwechsel nach Ablauf der jeweiligen Vertragsbindung beziehungsweise im Rahmen der Kündigungsfrist lohnen. Bei weiter steigenden Preisen kann es allerdings für Stromkunden teuer werden.
Grund für diesen Preissprung ist die weiterhin angespannte Lage durch den nun schon rund sieben Monate andauernden Irankrieg. Zuletzt hat US-Präsident Donald Trump einen möglichen Einigungsvorschlag des Iran abgelehnt. Somit bleibt die Straße von Hormus, eine wichtige Meerenge für Öl- und Gastanker, geschlossen, auch wenn einzelnen Schiffen die Durchfahrt gelingt. Hinzu kommt: Mit dem sinkenden Stromertrag aus Solaranlagen müssen jetzt wieder mehr Gaskraftwerke einspringen.
Trotz des jüngsten Preisanstiegs haben die Strompreise noch nicht das Niveau von vor vier Jahren erreicht. Durch den Ukrainekrieg stieg der Neukundenstrompreis hierzulande Anfang Oktober 2022 sprunghaft auf bis zu 70 Cent/kWh.

Höhere Börsenstrompreise

Für die Bildung der Strompreise in Deutschland ist auch der Börsenstrompreis maßgeblich. Ein Blick auf das Energieportal „Energy-Charts“ zeigt, dass der September im Schnitt die bisher höchsten Börsenstrompreise des Jahres aufweist.
Bis dato ist der deutsche Monatspreis für September mit 142,32 Euro pro Megawattstunde (Euro/MWh) angegeben. Kein Monat in diesem Jahr war bisher teurer. Es ist unwahrscheinlich, dass die noch verbleibenden drei Septembertage an dieser Spitzenposition etwas ändern – nicht zuletzt wegen des gestiegenen Preisniveaus. Dreistellig waren sonst nur der August mit 126,89 Euro/MWh und der Januar mit 110,09 Euro/MWh.

Im September erreichte der Börsenstrompreis mit bislang 142,32 Euro pro Megawattstunde ein neues Jahreshoch. Stand: 27. September 2026.

Ebenso zeigt die Europakarte des Portals ähnlich hohe oder teilweise noch höhere Börsenstrompreise in anderen europäischen Ländern. In allen italienischen Gebotszonen liegen die Preise beispielsweise über 200 Euro/MWh – ebenfalls ein Jahreshöchststand.
Laut einer kürzlich erhobenen Umfrage des Energiedienstleisters Montel könnte Deutschland in diesem Herbst sogar ähnlich hohe Börsenstrompreise erleben wie 2022.

Auch Anstieg bei Gas

Ein weiterer rapider Preisanstieg war in den vergangenen Tagen beim Erdgaspreis „Natural Gas“ zu beobachten. Er ist vor allem für den nordamerikanischen Gasmarkt maßgeblich, betrifft über die US-LNG-Lieferungen aber auch Deutschland. Im August lag er noch bei rund 2,3 bis 2,5 Euro pro MMBtu (Million British Thermal Units, eine Maßeinheit für Energie bei Erdgas). Anschließend schwankte er im September meist um 2,5 Euro pro MMBtu.
Ein stärkerer Anstieg setzte schließlich ab dem 22. September ein. Aktuell beträgt der Preis 2,81 Euro pro MMBtu. Das entspricht rund 9,6 Euro/MWh. Zeitweise lag der Preis schon bei rund 3 Euro pro MMBtu.
Dieser neuerliche Preisanstieg ist allerdings weniger auf die Entwicklung des Krieges im Nahen Osten zurückzuführen. Vielmehr liegt das an einem gestiegenen Heiz- und somit Gasbedarf in den USA aufgrund niedrigerer Temperaturen. Gleichzeitig sank dort die tägliche Produktionsmenge und die Gasexporte stiegen. Das hat das Angebot im Inland verknappt und maßgeblich zum Preissprung beigetragen.
Mit dem beginnenden Herbst steigt zudem nun auch der Heizbedarf in Deutschland. In Europa ist hingegen der Terminkontrakt Dutch TTF Natural Gas Futures ausschlaggebend. Dieser weist bereits seit Mitte Juni – von rund 41 Euro/MWh kommend – einen überwiegend steigenden Trend auf. Mitte September erreichte er sein bisheriges Hoch von rund 82,5 Euro/MWh. Zuletzt sank er wieder auf 72 Euro/MWh.
Ein weiterer Preisanstieg ist hier jedoch nicht auszuschließen, da vor allem die deutschen Gasspeicher weiterhin nur mäßig gefüllt sind. Am 25. September betrug der durchschnittliche Füllstand hierzulande 57,15 Prozent. Das sind 19,3 Prozentpunkte weniger als zum selben Zeitpunkt des Vorjahres. Erst kürzlich hat die Bundesregierung aufgrund dieses Rückstandes zusätzliches Gas einkaufen lassen. Die Befüllung läuft allerdings langsam: In den vergangenen Tagen stieg der Füllstand um 0,0 bis 0,08 Prozentpunkte pro Tag.
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Niedrigere Spritpreise, Alkoholverbot an Bahnhöfen: Das ändert sich im Oktober


In Kürze:

  • Führungszeugnisse können ab Oktober auch digital beantragt werden.
  • Hecken dürfen wieder geschnitten werden.
  • EU untersagt Verwendung mancher Ewigkeitschemikalien.
  • Mehr Geld für Dachdecker und Gerüstbauer.

 
Im Oktober kommt das Alkoholverbot an Bahnhöfen, Kraftstoff soll wieder billiger werden, außerdem endet die Sommerzeit. Nachfolgend ein Blick auf die Neuerungen im kommenden Monat.

Tanken soll wieder billiger werden

Nach monatelangem Frust an der Zapfsäule gibt es für Autofahrer einen Lichtblick: Vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember soll die Energiesteuer auf Diesel und Benzin um rund 14 Cent pro Liter gesenkt werden. Einschließlich Mehrwertsteuer ergibt sich laut Regierung eine Entlastung von rund 17 Cent pro Liter. Bundestag und Bundesrat brachten dies unmittelbar vor dem letzten Septemberwochenende auf den Weg. Bereits im Frühjahr hatte es einen zweimonatigen Tankrabatt gegeben.

Alkoholverbot an Bahnhöfen

Bis Mitte Oktober soll an allen 5.400 Bahnhöfen in Deutschland ein Alkoholverbot eingeführt werden. Die Deutsche Bahn hatte im September mit der Anpassung der Hausordnungen in einigen Bahnhöfen begonnen. Inzwischen ist der Konsum von Alkohol etwa am Berliner Hauptbahnhof sowie an den Bahnhöfen in Kiel und Braunschweig verboten. Ausgenommen von dem Verbot bleibt der Ausschank in der Bahnhofsgastronomie. Auch das Mitführen von verschlossenen alkoholischen Getränken in Taschen bleibt erlaubt. Die Einhaltung sollen DB-Sicherheitskräfte und Bundespolizei überwachen. Bei Verstößen drohen Platzverweise und Hausverbote.

Elektronische Speicherung von Vollmachten und Verfügungen

Ab dem 1. Oktober können auf Wunsch der Vollmachtgeber elektronische Abschriften von Vorsorgevollmachten, Betreuungsverfügungen und Patientenverfügungen im Zentralen Vorsorgeregister (ZVR) der Bundesnotarkammer hinterlegt werden. Bislang können für registrierte Vorsorgeverfügungen nur wesentliche Angaben im Register eingetragen werden. Die Vorsorgedokumente selbst sind jedoch nicht einsehbar. Künftig kann etwa ein Arzt eine Patientenverfügung sofort elektronisch abrufen und entsprechend handeln. Die Registrierung im ZVR ist nach Angaben der Bundesnotarkammer kostenlos.

Elektronischer Immobilienhandel

Auch der Kauf und Verkauf von Immobilien wird digitaler. Künftig sollen Notare, Gerichte und Behörden die erforderlichen Dokumente und Daten vollständig elektronisch austauschen können. Papierunterlagen und Postwege sollen dadurch weitgehend entfallen. Die entsprechenden Regelungen beschloss der Bundestag in diesem Jahr. Ab dem 1. Januar 2027 wird der elektronische Austausch bundesweit Pflicht.

EU-Verbot von Ewigkeitschemikalien

Seit Oktober 2024 gilt eine EU-Verordnung, die schrittweise den Einsatz bestimmter per- und polyfluorierter Alkylverbindungen (PFAS) einschränkt. Diese Stoffe sind biologisch nicht abbaubar und werden deshalb auch Ewigkeitschemikalien genannt. Ab dem 10. Oktober wird die Verwendung bestimmter Stoffe in Textilien, Leder- und Schuhwaren, in Papierverpackungen für Lebensmittel wie Pizzakartons sowie in verschiedenen Kosmetika verboten.

Zeitumstellung

Ende Oktober wird die Uhr umgestellt. Die Winterzeit beginnt in der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober, um 3.00 Uhr morgens werden die Uhren dann um eine Stunde zurückgedreht. Diese Nacht ist also eine Stunde länger. Im Anschluss an die Zeitumstellung wird es morgens früher hell, während die Sonne am Nachmittag früher untergeht.

Heckenschnitt-Verbot endet

Am 30. September läuft die im Bundesnaturschutzgesetz geregelte jährliche Schonzeit für Hecken und andere Gehölze aus. Ab dem 1. Oktober dürfen Hecken demnach wieder zurückgeschnitten werden. Ab dem 1. März des kommenden Jahres gilt dann wieder die Schonzeit, die dem Artenschutz dienen soll.

Microsoft stellt Support für bestimmte Produkte ein

Für zahlreiche Microsoft-Produkte und -Dienste endet im Oktober der Support. Ein wichtiger Termin für Nutzer ist der 13. Oktober: An diesem Tag endet unter anderem der Support für Office 2021 sowie für Windows 11 Home und Pro in der Version 24H2. Daneben stellt Microsoft den Support für eine Reihe von Unternehmensprodukten, Entwicklerwerkzeugen und Azure-Diensten ein. Danach gibt es für diese Produkte keine Sicherheitsupdates und keinen technischen Support mehr.

Digitales Führungszeugnis

Wer ein Führungszeugnis benötigt, kann es ab dem 1. Oktober auch digital beantragen und elektronisch ausstellen lassen. Es kann aber auch weiterhin persönlich bei einer Meldebehörde beantragt und in Papierform ausgestellt werden. Die Gebühr beträgt in beiden Fällen 13 Euro. Kostenlos ist es, wenn es für die Ausübung eines Ehrenamts benötigt wird.

Mehr Lohn für Dachdecker und Gerüstbauer

Laut einer Tarifeinigung der IG BAU mit den Arbeitgeberverbänden aus dem Jahr 2024 steigen die Tariflöhne für Dachdecker im Oktober dieses Jahres um 3,4 Prozent. Die Ausbildungsvergütung steigt um 50 Euro für Auszubildende im ersten und zweiten Lehrjahr und um 60 Euro im dritten Lehrjahr. Auch die Ecklöhne für Gerüstbauer steigen einer Einigung aus dem vergangenen Jahr zufolge um 4,4 Prozent.

Zwangsvollstreckung digitaler

Ab Oktober wird auch die Zwangsvollstreckung digitaler. So sollen künftig Gerichte, Gerichtsvollzieher, Anwälte, Behörden und Banken Dokumente in deutlich größerem Umfang elektronisch austauschen. Unter anderem müssen Kreditinstitute einen sicheren digitalen Übermittlungsweg für Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse bereitstellen. Der Bundestag hatte im März eine entsprechende Gesetzesänderung beschlossen. Die Neuregelung soll Papier einsparen und die beteiligten Stellen dazu anhalten, stärker digital zusammenzuarbeiten.

Heizperiode beginnt

Sie ist zwar nicht gesetzlich festgelegt, doch in vielen Mietverhältnissen gilt der Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 30. April als Heizperiode. In dieser Zeit muss der Vermieter grundsätzlich dafür sorgen, dass die Wohnung ausreichend beheizbar ist. Das gilt auch bei niedrigen Temperaturen außerhalb dieses Zeitraums.
 
Mit Material der Nachrichtenagenturen
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Gasspeicher nur zu 56 Prozent voll: Reiche lässt zusätzlich Gas einkaufen


In Kürze:

  • Deutschlands Gasspeicher sind derzeit zu 55,93 Prozent gefüllt.
  • Wirtschaftsministerin Reiche hat den bundeseigenen Gasimporteur Sefe zu zusätzlichen Einkäufen aufgefordert.
  • Der Bund setzt auf marktgetriebene Maßnahmen und will keinen groß angelegten staatlichen Gaseinkauf wie 2022.
  • Die Bundesnetzagentur bewertet die Versorgungslage weiterhin als stabil.

 
Angesichts des öffentlichen Drucks aufgrund niedriger Füllstände von Gasspeichern hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sich an den bundeseigenen Gasimporteur Sefe gewandt. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, hat Reiche Sefe dazu angehalten, „in kleinen Schritten“ Erdgas einzukaufen, um die Speicher aufzustocken. Bislang hatte Reiche stets eine Intervention der Bundesregierung in der Einkaufspolitik der Importeure abgelehnt.

Reiche für „minimalinvasiven“ Zukauf durch Sefe – Gasspeicher bei etwa 56 Prozent

Ziel sei es, den Füllstand der Gasspeicher auf einen Wert von über 70 Prozent zu heben. Derzeit liegt er der europäischen Monitoringstelle GIE/AGSI zufolge bei 55,93 Prozent. Die Einkäufe sollen bereits begonnen haben. Sie sollen möglichst kein Aufsehen unter anderen Marktteilnehmern erregen. Die Rede ist davon, die Befüllung „minimalinvasiv und kosteneffizient“ umzusetzen. In der Branche soll die vorsichtige Kehrtwende positiv aufgenommen worden sein.
Der derzeitige Füllstand liegt um etwa 27 Prozentpunkte unter dem langjährigen Mittel der Jahre 2017 bis 2021. Anfang September lag er sogar bei nur etwa 53 Prozent. Die Initiative Energien Speichern (INES) sprach vom niedrigsten Stand zu diesem Zeitpunkt seit Beginn der entsprechenden Aufzeichnungen.
Die Bundesnetzagentur bewertet trotz der niedrigen Füllstände die aktuelle Versorgungslage als stabil. Eine Gasmangellage sei derzeit nicht in Sicht. Allerdings sei es geboten, die Füllstände mit Blick auf den bevorstehenden Winter im Auge zu behalten.

Bund will Preistreiberei durch zu offensive Einkaufspolitik verhindern

Aufgrund der geopolitischen Lage kommen die üblichen Einkaufspraktiken in diesem Jahr nicht zum Tragen. Üblicherweise kaufen die Importeure im Sommer Gas zu günstigen Preisen auf, speichern es ein und behalten sich vor, Teile davon im Winter bei höherer Nachfrage zu höheren Preisen zu verkaufen.
In diesem Jahr war das Preisniveau jedoch auch im Sommer hoch, weshalb die Anreize zum Kauf ausblieben. Die Händler haben deshalb entschieden, nur geringe Mengen einzulagern und die Lage weiter zu beobachten. Reiche hatte staatliche Eingriffe zur Beschleunigung der Speicherbefüllung bisher abgelehnt, weil sie befürchtete, damit die Gaspreise noch weiter nach oben zu treiben.
Dennoch lehnt die Bundesregierung einen groß angelegten staatlichen Einkauf mit direkter Bewirtschaftung wie 2022 ab. Stattdessen setzt man auf „marktgetriebene Maßnahmen“. Die bundeseigenen Energieunternehmen Sefe und Uniper sollen ihre Möglichkeiten zur Einspeicherung stärker nutzen – wobei Uniper seine Speicher derzeit zu 63,41 Prozent gefüllt hat. Sefe hinkt mit 34,52 Prozent deutlich hinterher.

Gesetzliche Mindestbefüllung der Gasspeicher bis 1. November kaum noch machbar

Sogenannte Long Term Options (LTO) gelten als weitere mögliche Hebel. Damit kann der Marktmanager Trading Hub Europe die Gaslieferungen für einen späteren Zeitpunkt absichern. Händler erhalten bei dieser Konstruktion eine Vergütung dafür, bestimmte Gasmengen für einen festgelegten Zeitraum verfügbar zu halten und gegebenenfalls zusätzlich einzukaufen.
Macht der Berechtigte von der Option Gebrauch, muss der Händler das Gas bereitstellen und erhält dafür einen garantierten Höchstpreis. Das Bundeswirtschaftsministerium will die für Herbst geplante Ausschreibung um eine zusätzliche Gasmenge erweitern.
Per Gesetz gilt für die Hauptspeicher zum 1. November ein gesetzlicher Füllstand von 80 Prozent je Anlage – für sechs bestimmte Speicher gelten geringere Vorgaben von 45 Prozent. Zum 1. Februar müssen es 30 Prozent sein, bei bestimmten Speichern 45 Prozent. INES hält zum 1. November nur noch einen Füllstand von etwa 76 bis 77 Prozent für möglich – und das lediglich bei deutlich erhöhtem Einspeicherungstempo.

Bundesnetzagentur sieht derzeit keine Gasmangellage

Zu den Speicherinhalten kommen noch weitere Versorgungsoptionen wie Pipelinegas aus Norwegen und anderen europäischen Leitungen. Dazu kommen LNG-Importe über deutsche und europäische Terminals sowie vorhandene Gasnetze. Die Bundesnetzagentur geht derzeit davon aus, dass auf dem Weltmarkt ausreichend Gas verfügbar sein wird und auch ausreichend Importkapazität vorhanden sei.
Seit Juli 2025 gilt gemäß dem Notfallplan Gas wieder die Frühwarnstufe. Im Extremfall einer Verschärfung der Lage wären Maßnahmen zur Verbrauchsreduzierung denkbar. Geschützte Kunden – darunter auch Privathaushalte, Kliniken und soziale Einrichtungen – würden vorrangig versorgt. Für Großverbraucher drohen jedoch Abschaltungen.
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Umfrage: Energiepreise könnten auf 2022er-Niveau ansteigen


In Kürze:

  • Laut einer Montel-Umfrage kann Deutschland diesen Herbst ähnlich hohe Energie-Marktpreise sehen wie 2022.
  • Grund ist das weiterhin niedrige Füllstandsniveau der Gasspeicher.
  • LNG hat weitere Kapazitäten, dem steht jedoch ein Konkurrenzkampf der Märkte entgegen.
  • Der Staat will bei einer Gasmangellage erst dann eingreifen, wenn die Versorgungssicherheit wirklich bedroht ist.

 
Noch in diesem Herbst könnten die deutschen Energiepreise an der Strombörse den höchsten Stand seit der Energiekrise im Jahr 2022 erreichen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des europäischen Energienachrichtendienstes „Montel“.
Dies wäre selbst bei milden Wetterbedingungen der Fall, wie Branchenanalysten laut Montel schlussfolgerten. Milde Temperaturen über die Wintermonate bedeuten einen geringeren Energie- und Gasverbrauch als eisige Temperaturen.
Die relevante europäische Börse für den Preis des fossilen Brennstoffs ist der „Dutch TTF Natural Gas Future“ in Amsterdam. Aktuell liegt der Preis bei rund 80 Euro pro Megawattstunde (€/MWh). Vor Beginn des Irankrieges befand er sich im Bereich um 30 €/MWh. Besonders in den vergangenen Wochen zog der Preis deutlich an.

Niedrige Gasspeicher-Füllstände bereiten Sorge

Ausschlaggebend für das Umfrageergebnis sind vor allem die geringen Gasspeicher-Füllstände. Sie sind zu diesem Zeitpunkt im Jahr so niedrig wie noch nie zuvor.
Aktuell sind die deutschen Gasspeicher im Durchschnitt zu 55,6 Prozent (Stand: 12. September 2026)  gefüllt. Das sind 19,24 Prozentpunkte weniger als der Füllstand zum Vorjahreszeitpunkt. Die durchschnittliche tägliche Nettoänderung der vergangenen sieben Tage liegt bei +0,21 Prozentpunkte.
Energiepreise

Die Entwicklung der Füllstände der deutschen Gasspeicher. Stand: 13. September 2026.

Der größte Gasspeicher Deutschlands ist UGS Rehden. Er besitzt rund 20 Prozent der gesamten Gasspeicherkapazität Deutschlands. Dieser Porenspeicher in Niedersachsen weist momentan einen Füllstand von 9,4 Prozent auf.
Diese niedrigen Füllstände bereiten unter anderem dem Gasspeicher-Verband „INES“ große Sorgen. „Seit Beginn der Aufzeichnungen vor 15 Jahren wurde zu dieser Jahreszeit kein vergleichbar niedriger Speicherfüllstand verzeichnet“, so der Verband. „Die Wiederbefüllung ist damit im bisherigen Jahresverlauf deutlich hinter dem notwendigen Tempo zurückgeblieben.“
Sollte der Winter mild oder normal kalt werden, reicht das gespeicherte Gas den INES-Modellrechnungen zufolge locker aus. Im Falle eines sehr kalten Winters – also so kalt wie 2010 – würden die Speicherbestände aber nicht reichen.

LNG als Rettung – oder doch nicht?

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) rechnet allerdings weiterhin nicht mit einer Gasmangellage in diesem Winter. Bei einer Bundespressekonferenz am 25. August betonte das Ministerium, dass die „Versorgungssicherheit nicht allein am Faktor Speicherfüllstand“ abzulesen sei. „Entscheidend ist das Zusammenspiel von Speichern, laufenden Pipelineimporten, LNG-Importen, verfügbarer Infrastruktur, Nachfrage und dem europäischen Gasverbund“, so ein Sprecher.
Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur, wies zudem auf die mögliche Ausweitung von Flüssiggas (LNG)-Importen hin: „Die LNG-Terminals haben zurzeit eine Auslastung von etwa 45 Prozent. Da sind ausreichend Kapazitäten, zusätzliches Gas zu importieren.“
Hierbei ist jedoch zu erwähnen, dass LNG nur rund 12 Prozent der deutschen Gasimporte ausmacht. Somit würden höhere LNG-Importe Deutschlands Gaslieferungen insgesamt nur geringfügig stärken.
Allerdings weist das Ministerium auch auf die gestiegenen Gaskosten hin. „Die Preise sind seit der militärischen Eskalation im Nahen Osten erhöht und volatil. Gleichzeitig fehlen dem Weltmarkt infolge der Einschränkungen an der Straße von Hormus LNG-Mengen. Das erschwert und verteuert die Beschaffung und beeinflusst auch die Wirtschaftlichkeit der Einspeicherung“, heißt es.
Montel verwies im Rahmen seiner Umfrage auf einen möglichen LNG-Bieterwettkampf mit Asien, was wiederum die Märkte und Preise antreibe. Bereits bei der Dieselknappheit im Frühling dieses Jahres drehten Tankschiffe nach Asien ab, die ursprünglich europäische Häfen ansteuern wollten. Höhere Preisangebote aus Asien brachten die Händler dazu, Ladungen umzuleiten.

Wird der Staat eingreifen?

Füllstände unter 20 Prozent reduzieren bereits die Entnahmekapazität der Gasspeicher. Fehlt der Druck, kann der Betreiber weniger Gas herausleiten. Laut dem Energieexperten Stefan Spiegelsperger lässt ein bundesweit durchschnittlicher Speicherfüllstand von 50 Prozent eine Entnahmekapazität von rund 6.900 Gigawattstunden pro Tag (GWh/d) zu.
Bei 20 Prozent sind es noch rund 3.000 GWh/d und bei 10 Prozent nur noch rund 1.500 GWh/d. Zur Einordnung: An einigen kalten Tagen mussten die Gasspeicherbetreiber im vergangenen Jahr teils mehr als 3.000 GWh/d entnehmen.
Mehrere Prognosen gehen aktuell von einem deutlichen Absinken unter die 20-Prozent-Marke in diesem Winter aus. Doch das BMWE will zunächst nicht in das Marktgeschehen eingreifen. „Die Wintervorsorge bleibt zunächst Aufgabe des Marktes“, betonte der Sprecher. „Staatliche Gaskäufe können zusätzliche Nachfrage schaffen, Preise erhöhen und private Einspeicherung verdrängen.“
Allerdings habe die Versorgungssicherheit auch unter schwierigeren Bedingungen „oberste Priorität“. Der Sprecher ergänzte: „Wenn sich zentrale Risikofaktoren für die Versorgungssicherheit deutlich verschärfen, kann und wird der Staat reagieren.“
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Bundesnetzagentur: Gasversorgung im Winter gesichert

Die Bundesnetzagentur ist Bedenken entgegengetreten, dass Deutschlands Gasspeicher in diesem Winter nicht ausreichen könnten für die Gasversorgung. „Wir haben jetzt schon etwas mehr Gas in den Speichern als wir im gesamten letzten Winterhalbjahr aus den Speichern entnommen haben“, sagte Behördenchef Klaus Müller der Deutschen Presse-Agentur in Bonn. „Und in den nächsten Wochen bleibt Zeit für weitere Einspeicherungen.“
Aktuell sind etwas mehr als 136 Terawattstunden Gas eingespeichert, das sind gut 55 Prozent ihrer Kapazitäten. Im gesamten letzten Winter wurden laut Netzagentur knapp 134 Terawattstunden entnommen.
Im Vergleich zu den Vorjahren ist der Gasspeicher-Füllstand niedrig. Deswegen sind in den vergangenen Tagen Bedenken geäußert worden, dass die eingespeicherte Gasmenge möglicherweise nicht reicht bis zum Frühjahr. Auch die Möglichkeit von staatlich angeordneten Bestellungen wurde diskutiert – diese sind zwar möglich, dürften aber teuer werden.

Gasterminals an den Küsten könnten Abhilfe schaffen

Der Gasspeicher-Betreiberverband Ines sprach kürzlich von „historisch niedrigen Füllständen“ und mahnte andere Regeln an, damit sich das Einspeichern von Gas wieder lohnt. Der Vergleich mit Füllmengen der Vergangenheit ist aber etwas misslich, da es an Deutschlands Küsten inzwischen Schiffsterminals für Flüssigerdgas (LNG) gibt und dadurch Extrakapazitäten recht schnell vom Weltmarkt importiert werden können. Außerdem gibt es noch Pipelines etwa aus Norwegen.
Auf die Möglichkeit von LNG-Importen wies auch Behördenchef Müller hin: „Die LNG-Terminals haben zurzeit eine Auslastung von etwa 45 Prozent. Da sind ausreichend Kapazitäten, zusätzliches Gas zu importieren.“
Wie das Bundeswirtschaftsministerium auch ist Müller derzeit nicht für einen staatlichen Eingriff. Vielmehr setzt er auf den freien Markt. „Es ist eine Aufgabe der Händler, die Speicher zu füllen“, sagte der Behördenchef und betonte, dass die Händler Lieferverpflichtungen gegenüber Stadtwerken und Industriebetrieben haben. „Diesen Verpflichtungen können sie über Lieferungen über Pipelines, LNG-Importe oder Ausspeicherungen nachkommen.“ Die müssten sie erfüllen und sorgten daher vor. „Staatliche Eingriffe wären in jedem Fall teuer“, so Müller. (dpa/red)
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Energiehilfen kosteten Staat mehr als 50 Milliarden Euro

Die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen in der Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 haben die Bundesregierung rund 50,4 Milliarden Euro gekostet.
Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Haushaltspolitikers Sebastian Schäfer hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuvor hatte die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Das Geld floss in die Entlastung von Verbrauchern und die Stabilisierung der Märkte.

„Brandmauer“ gegen Preise und „Doppelwumms“

Die Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und FDP reagierte damals auf die massiv gestiegenen Energiepreise. Vizekanzler und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sprach von einer „Brandmauer gegen hohe Preissteigerungen“, Kanzler Olaf Scholz (SPD) nannte das Paket mit Energiepreisbremsen sowie Unternehmenshilfen einen „Doppelwumms“.
Moskau war lange ein wichtiger Gas- und Öllieferant für Europa gewesen, doch nach dem Überfall auf die Ukraine und der Unterstützung westlicher Politiker für das Land verschlechterten sich die Beziehungen. Russland drosselte die Gaslieferungen über den Sommer immer weiter, bis es im September 2022 zum Lieferstopp über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 kam.

Größter Posten Strompreisbremse

Den größten Posten machte der aktuellen Auskunft zufolge die Ende 2022 beschlossene Strompreisbremse mit 16,3 Milliarden Euro aus. Damit sicherte der Staat Haushalten und kleineren Unternehmen 80 Prozent ihres bisherigen Verbrauchs zu einem garantierten Bruttopreis von 40 Cent pro Kilowattstunde.
Für Industriekunden lag die Grenze bei 13 Cent für 70 Prozent des bisherigen Verbrauchs. Die Strompreisbremse wurde durch eine Abschöpfung der Erlöse etwa von Ökostrom-Produzenten mitfinanziert, die stark von hohen Preisen profitiert hatten.

14,3 Milliarden Euro für die Gaspreisbremse

Für die Gaspreisbremse gab der Bund 14,3 Milliarden Euro aus. Damit garantierte der Staat Verbrauchern und Wirtschaft eine Preisobergrenze für große Teile ihres Gasverbrauchs. Haushalten sowie kleinen und mittleren Unternehmen wurde so für 80 Prozent ihres bisherigen Verbrauchs ein Gas-Bruttopreis von 12 Cent pro Kilowattstunde zugesichert.
Für Wärmekunden betrug der Preis bis zur 80-Prozent-Grenze 9,5 Cent. Für die restlichen 20 Prozent des Verbrauchs galt der ganz normale Vertragspreis – das sollte dafür sorgen, dass es weiter einen Anreiz zum Gassparen gab.
Die beiden Bremsen galten für das gesamte Jahr 2023. Der Bundestag verlängerte sie bis Ende März 2024. Doch schon wenige Tage später kassierte die Bundesregierung den Schritt wieder. Grund war ein weitreichendes Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem November 2023, das riesige Lücken in den Bundeshaushalt riss – die Regierung musste kurzfristig sparen.

Ein Dezember ohne Abschlagszahlung

Weitere 8,5 Milliarden Euro kostete die Soforthilfe, mit der die Bundesregierung im Dezember 2022 einmalig die Abschlagszahlungen für Gas übernahm. Gas- und Fernwärmekunden wurden für den Monat Dezember 2022 vollständig von ihrer Abschlagszahlung freigestellt, sie mussten also nichts zahlen. Anspruch auf Soforthilfe hatten vor allem Privathaushalte sowie kleine und mittelständische Unternehmen, aber auch Sozial-, Forschungs- und Bildungseinrichtungen.
Insgesamt listet das Finanzministerium 27 Posten auf. Dazu gehören auch mehr als sechs Milliarden Euro für die „Energiepreispauschale“ an Rentner. Nicht berücksichtigt sind unter anderem niedrigere Steuereinnahmen durch die zeitweise Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas.

Warnung vor neuen Energieabhängigkeiten

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Schäfer warnt indes vor neuen einseitigen Abhängigkeiten bei der Energieversorgung. „Wir dürfen uns nie wieder in solch einseitige und riskante Abhängigkeiten begeben“, sagte Schäfer der dpa. Der Import von Öl und Gas habe über Jahre Milliarden in die Kriegskasse des russischen Präsidenten Wladimir Putin gespült und zugleich Europas Sicherheit und politische Handlungsfähigkeit geschwächt.
Aus den Erfahrungen müsse der Staat Konsequenzen ziehen und Risiken frühzeitig erkennen, strategische Abhängigkeiten verringern und die Widerstandsfähigkeit stärken. Eine vorausschauende Haushaltspolitik müsse auch die finanziellen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Folgen unzureichender Vorsorge berücksichtigen, forderte Schäfer. (dpa/red)
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Verband: Komplett leere Gasspeicher im Februar sind möglich

Deutschlands Gasspeicher könnten einer Branchenschätzung zufolge Anfang Februar vollständig leer sein, sollte der Winter sehr kalt werden.
Das geht aus einem Papier des Gasspeicher-Verbandes INES hervor, das mehrere Szenarien durchrechnet und in Berlin veröffentlicht wurde. Ausgangspunkt der Schätzung ist, dass der Füllstand am 1. November bei 77 Prozent liegen wird.
Sollte der Winter warm oder normal kalt werden, so reicht das gespeicherte Gas den Modellrechnungen zufolge locker aus. Im Falle eines sehr kalten Winters – also so kalt wie 2010 – würden die Speicherbestände aber nicht reichen, warnt die Initiative Energien Speichern (INES).
Die Gasspeicher sind ein Standbein für die Energieversorgung der Industrie und Haushalte. Über neue Flüssigerdgas-Terminals (LNG) an Deutschlands Küsten können recht zügig Extra-Kapazitäten vom Weltmarkt beschafft werden. Außerdem bekommt Deutschland Gas über Pipelines, etwa aus Norwegen. Sollte also absehbar sein, dass die Gasspeicher bedenklich leer werden, dürften Extra-Kapazitäten vom Weltmarkt gekauft werden. Das wäre eine teure Sache.

Gasspeicher sind derzeit nur gut zur Hälfte befüllt

Derzeit sind die Gasspeicher nur mäßig gefüllt: Am 6. September lag der Wert den Angaben zufolge bei rund 54 Prozent und damit etwa 19 Prozentpunkte niedriger als ein Jahr zuvor.
Zum 1. November könnten die Speicher nur noch zu maximal 77 Prozent gefüllt werden – mehr sei technisch gar nicht mehr möglich. Damit die 77 Prozent erreicht werden, müsste das zuletzt recht langsame Befüllungstempo deutlich anziehen, heißt es von dem Verband.
Gebucht haben die Gasfirmen den Angaben zufolge einen Speicheranteil von 83 Prozent. Dass sie einen Teil ihrer bezahlten Lagerkapazitäten ungenutzt lassen, verdeutlicht die schwierige Lage.
Die Gaspreise sind selbst im Sommer so hoch, dass sich das alte Gasspeicher-Geschäftsmodell – im Sommer billig kaufen und im Winter teuer verkaufen – nicht mehr lohnt. Die hohen Gaspreise liegen am Irankrieg und anderen globalen Verwerfungen.

Gasbetreiber haben Forderungspapier auf den Tisch gelegt

Die Gasspeicher-Betreiber fordern von der Politik Erleichterungen und Anreize, um das Einspeichern von Gas attraktiver zu machen. „Die Speicherbefüllung muss wirtschaftlich tragfähig sein, damit sie von Marktakteuren auch tatsächlich realisiert werden kann“, sagt INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann.
Von der Bundesnetzagentur heißt es, dass ein Zusammenspiel von Pipelineimporten, Speichern, LNG-Importen, Infrastruktur und Nachfrage entscheidend sei für die Versorgungssicherheit.
Außerdem weist die Behörde darauf hin, dass die Befüllung der Speicher grundsätzlich eine Aufgabe der Gashändler sei. „Sie haben Lieferverpflichtungen gegenüber Stadtwerken, Versorgern, Industrie und anderen Kunden und müssen sich ausreichend absichern“, so die Bundesnetzagentur.
Auf dem Weltmarkt sei ausreichend Gas verfügbar, und es seien ausreichend Importmöglichkeiten vorhanden, so die Netzagentur. Die Gasversorgung in Deutschland sei stabil und die Versorgungssicherheit aktuell gewährleistet. (dpa/red)
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KI-Boom treibt Gasbedarf: Was Musks Pläne für Europa bedeuten


In Kürze:

  • SpaceX will in den kommenden drei Jahren rund 2,8 Milliarden US-Dollar in Gasturbinen und weitere Ausrüstung investieren.
  • Die Anlagen sollen vor allem xAI mit Strom versorgen und die KI-Rechenzentren unabhängiger vom öffentlichen Netz machen.
  • Der wachsende Energiebedarf von KI-Rechenzentren könnte langfristig die Nachfrage nach Erdgas und LNG erhöhen.
  • Unmittelbare Auswirkungen auf die Gasversorgung Deutschlands und der EU sind durch das Projekt allerdings nicht zu erwarten.

 
Der SpaceX-Konzern von Elon Musk will Börsenunterlagen zufolge über die kommenden drei Jahre rund 2,8 Milliarden US-Dollar für zusätzliche Gasturbinen und Ausrüstung ausgeben. Etwa 2 Milliarden davon sollen auf mobile Gasturbinen entfallen. Zugutekommen soll die Investition vor allem xAI. Die Tochtergesellschaft von SpaceX soll diese verwenden, um Strom direkt an ihren Rechenzentren zu erzeugen. Auf diese Weise will man von möglichen Netzengpässen unabhängig sein.

Streit mit Verbänden um Gasturbinen-Projekt von SpaceX

xAI betreibt unter anderem die großen KI-Rechenzentren „Colossus“ in Memphis und Southaven in Mississippi. Diese kommen unter anderem dem Chatbot Grok zugute. Die Rechenzentren sind auf schnellen Zugang zu enormen Strommengen angewiesen. Wie „Yahoo News“ berichtet, liefen in Southaven zuletzt etwa 60 Gasturbinen. Zudem ist ein dauerhaftes Kraftwerk mit einem Leistungspotenzial von knapp 1,2 Gigawatt vorgesehen. Für dieses würden 41 größere Turbinen benötigt.
Gegen einen Teil des Projekts haben Umweltverbände und Bürgerrechtsgruppen wie NAACP geklagt. Sie halten den Betrieb bis auf Weiteres für nicht zulässig, weil US-Umweltbehörden diesen erst genehmigen müssten. xAI steht hingegen auf dem Standpunkt, die mobile Aufstellung der Turbinen sei auch ohne eine solche möglich. Diese Auslegung würde die Rechtslage in Mississippi zulassen.
Die US-Umweltschutzbehörde EPA hingegen kam auf der Grundlage von Berichten zu der Schlussfolgerung, dass der Betrieb gegen Bundesrecht verstoße. Noch 2015 hatte Musk in einem Gespräch mit dem Entertainer Neil deGrasse Tyson die Nutzung fossiler Brennstoffe als das „mit Abstand dümmste Experiment der Geschichte“ bezeichnet. Er begründete dies mit begrenzten Ressourcen und der Unausweichlichkeit der Transformation zu sauberer Energie.

Nicht nur xAI braucht immer mehr Strom für seine Rechenzentren

Die KI-Revolution hat nun offenbar zu einem Umdenken geführt. Gasturbinen lassen sich in relativ kurzer Zeit installieren. Außerdem können sie Strom unabhängig von der Verfügbarkeit von Solarstrom und Windenergie liefern. Mobile Anlagen sollen helfen, umfangreiche Umweltprüfungen oder Netzanschlussverfahren zu umgehen. Zudem bindet diese Infrastruktur xAI an Gaslieferungen, Gasleitungen, Speicher oder LNG-Terminals.
Der weltweite Ausbau von KI-Rechenzentren erhöht den Strombedarf nicht nur bei Elon Musk. Die Internationale Energieagentur (IAE) erwartet, dass sich der Verbrauch von Rechenzentren insgesamt bis 2030 auf etwa 945 Terawattstunden mehr als verdoppeln wird. Erdgas und Kohle könnten zusätzlichen Bedarf zusammen zu mehr als 40 Prozent decken. In Europa würden erneuerbare Energien und Kernenergie eine größere Rolle spielen müssen.
Einer Analyse der EZB zufolge könnte in einem extremen Szenario der wachsende Strombedarf der weltweiten Rechenzentren auch Auswirkungen auf die Versorgungslage in Europa haben. Sollte der zunehmende Bedarf vollständig durch Gas gedeckt werden, würde dies die Marktpreise für Gas in Europa und Asien um etwa 9 Prozent erhöhen. Allerdings sei dies eher ein Stressszenario und der KI-bedingte Anstieg an diesem Szenario wäre im Verhältnis zum gesamten Gasmarkt begrenzt.

Größere Nachfrage nach Gasturbinen für Rechenzentren könnte Weltmarkt beeinflussen

Steigt die Gasnachfrage in den USA bedingt durch die Rechenzentren stark, könnte dies jedoch bei angespanntem Weltmarkt für eine stärkere Nachfragekonkurrenz zwischen Europa und Asien führen. Dies würde höhere LNG-Preise und größere Preisschwankungen in kalten Wintern oder bei Lieferausfällen befürchten lassen.
Dies ist allerdings ein perspektivisches mögliches Szenario. Kurzfristige und unmittelbare Auswirkungen auf die Gasversorgung Deutschlands und der EU hat das Musk-Projekt nicht. Steigt der Bedarf, könnte jedoch auch xAI weltweit Erdgas oder LNG langfristig vom europäischen Markt abzieht.
Da die USA ein zentraler LNG-Lieferant für Europa sind, könnte eine stärkere Inlandsnachfrage nach Gas mittelbar die Exportmengen oder die Preisbildung beeinflussen. Dies ist jedoch kein Automatismus. Es kommt auch auf Faktoren wie zusätzliche Fördermengen, LNG-Exportkapazitäten, Wetter, asiatische Nachfrage und langfristige Lieferverträge an.
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Erdgas aus Norwegen: Uniper und Equinor schließen Vertrag

Der Energiekonzern Uniper hat mit dem norwegischen Öl- und Gasförderer Equinor einen langfristigen Erdgas-Liefervertrag abgeschlossen. Demnach liefert Equinor von 2027 an jährlich mehr als 30 Terawattstunden Erdgas nach Deutschland, wie Uniper in Düsseldorf mitteilte. Über das finanzielle Volumen machte Uniper keine Angaben.
Das Gas soll über bestehende Pipelines nach Deutschland kommen. Der Vertrag hat eine Laufzeit von 15 Jahren. Er wurde laut Uniper am Montag im norwegischen Stavanger unterzeichnet.
„Mit dieser Vereinbarung stärken wir die langfristige Gasversorgung Deutschlands und vertiefen zugleich unsere Zusammenarbeit mit Equinor“, erklärte Unternehmenschef Michael Lewis der Mitteilung zufolge.

Uniper ist einer der größten Gasgroßhändler Europas

30 Terawattstunden sind eine große Menge: In Deutschland wurde im vergangenen Jahr laut Bundesnetzagentur Erdgas mit einem Energiegehalt von insgesamt 864 Terawattstunden verbraucht.
Uniper ist einer der größten Gasgroßhändler Europas. Das Unternehmen beliefert unter anderem Stadtwerke, große Industriekunden sowie Kraftwerksbetreiber.
Equinor gehört zu 67 Prozent dem norwegischen Staat. Uniper ist derzeit fast vollständig in deutschem Staatsbesitz. Bis Ende 2028 muss Deutschland seine Anteile aber wieder auf höchstens 25 Prozent plus eine Aktie verringert haben.

Norwegen lieferte 2025 rund 44 Prozent des Gasverbrauchs

Norwegen ist derzeit der größte Erdgaslieferant Deutschlands. Im vergangenen Jahr kamen rund 44 Prozent des nach Deutschland gelieferten Erdgases über Pipelines aus dem skandinavischen Land.
Norwegisches Erdgas erreicht Deutschland auch als Flüssigerdgas (LNG) per Schiff über die deutschen LNG-Terminals.
Im laufenden Jahr belief sich bis Ende Juli der Anteil Norwegens an allen LNG-Lieferungen direkt nach Deutschland laut Energiewirtschaftsverband BDEW auf 4,1 Prozent. Größter LNG-Lieferant sind 2026 weiterhin die USA mit einem Anteil von 87,6 Prozent. (Gesamtjahr 2025: 94,3 Prozent). (dpa/red)
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Sind die Gasspeicher halb voll oder halb leer?

Normalerweise kaufen Großhändler im Sommer Erdgas günstig ein. Sie speichern es und verkaufen es im Winter mit Gewinn weiter. So haben sich in der Vergangenheit die Speicher durch den Markt fast von selbst gefüllt – und wieder geleert.
Derzeit sind die Preise wegen des Iran-Kriegs jedoch sehr hoch, so dass eine Einspeicherung nicht attraktiv ist. Die Folge: Die Speicher sind deutlich geringer gefüllt als sonst zu dieser Jahreszeit. Was das bedeutet, wird gerade viel diskutiert. Ein Überblick.

Wie voll sind die deutschen Gasspeicher?

Am Donnerstagmorgen waren die deutschen Gasspeicher zu 50,2 Prozent gefüllt. Das ist nach Angaben des Gasspeicher-Branchenverbands Ines der niedrigste Stand für die Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011.
„Der aktuelle Gasspeicherfüllstand ist mit Abstand der tiefste Füllstand zu dieser Zeit, der seit Aufzeichnung der Speicherfüllstände in Deutschland aufgetreten ist“, sagt der Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern (Ines), Sebastian Heinermann, der Deutschen Presse-Agentur. „Es handelt sich somit um einen historischen Tiefstand.“ Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag der Füllstand zum gleichen Datum bei 67,4 Prozent.

Gibt es Vorgaben, wie voll die Speicher sein sollten?

Ja, es gibt eine Verordnung, wonach die deutschen Gasspeicher am 1. November zu durchschnittlich 70 Prozent gefüllt sein sollen. Am 1. Februar sollen es noch 30 Prozent sein, in einigen Speichern 40 Prozent. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums sind derzeit ungefähr 74 Prozent der Speicherkapazitäten von Gasgroßhändlern gebucht.
Wenn absehbar ist, dass diese Reservierungen nicht genutzt werden, müssen die Speicherbetreiber die nicht genutzten Speicherkapazitäten dem sogenannten Marktgebietsverantwortlichen zur Verfügung stellen.
Dabei handelt es sich um das Unternehmen Trading Hub Europe (THE), das für die Gasmarktorganisation in Deutschland zuständig ist. Im Extremfall würde THE dann in staatlichem Auftrag Gas einkaufen und einspeichern wie schon 2022.

Was bedeuten die Füllstände für Haushaltskunden?

Erstmal nichts. Die Haushalte haben Lieferverträge mit Versorgungsunternehmen. Diese liefern ihnen zu einem bestimmten Preis Erdgas ins Haus. Ob dieses Gas zwischendurch in einem unterirdischen Speicher gelagert war oder quasi direkt per Pipeline aus Norwegen oder den Niederlanden kommt, spielt keine Rolle und lässt sich auch nicht genau bestimmen.
Auf die Haushalte auswirken könnte sich aber die Ursache für die vergleichsweise geringen Füllstände, nämlich der hohe Erdgaspreis auf den Weltmärkten: „Dass die Gaspreise demnächst auf breiter Basis steigen, damit ist wegen der gestiegenen Großhandelspreise zu rechnen“, sagt der Energieexperte Thomas Zwingmann von der Verbraucherzentrale NRW.
Die Preise für Neukunden stiegen bereits. „Ob auch Bestandskunden Erhöhungen bekommen, hängt von der Einkaufsstrategie der Versorger ab“, so Zwingmann weiter. Bei Preiserhöhungen haben Verbraucherinnen und Verbraucher ein Sonderkündigungsrecht. Zwingmann rät, dann mit Hilfe von Vergleichsportalen Preise zu vergleichen und bei guten Angeboten den Anbieter zu wechseln.

Droht ein Gasmangel im Winter?

„Nach aktuellem Erkenntnisstand ist eine Gasmangellage im kommenden Winter nicht zu erwarten“, schreibt das Bundeswirtschaftsministerium in einem aktuellen Papier. Die Lage sei aber weniger komfortabel als in den vergangenen beiden Wintern, räumt das Ministerium ein.
„Insbesondere geopolitische Entwicklungen und außergewöhnliche Wetter- oder Infrastrukturszenarien können zu zusätzlichen Belastungen führen.“ Das Ministerium beobachtet deshalb nach eigenen Angaben unter anderem die Entwicklung der Speicherstände, der Importmengen und der internationalen Märkte ganz genau.

Warum ist Gas im Großhandel gerade so teuer?

Das liegt am Iran-Krieg. Die für den Welthandel mit Flüssigerdgas (LNG) wichtige Meerenge Straße von Hormus ist weiter geschlossen. Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht.
Laut Gas- und Wasserstoffwirtschaft werden durch die Straße etwa 30 Prozent des weltweit verschifften Rohöls und 20 Prozent des globalen Flüssigerdgases transportiert. Selbst wenn das Flüssiggas aus der Region nur zu einem geringen Teil in die EU geht, treibt die weltweite Nachfrage die Preise hoch.

Wer ist zuständig für den Gaseinkauf?

Der Gasmarkt funktioniert grundsätzlich wie bei allen frei verkäuflichen Waren: Die Produzenten verkaufen das Erdgas an Großhändler, die es nach Deutschland importieren und zum Beispiel an Stadtwerke und andere Energieversorger weiterverkaufen.
Mit diesen Firmen schließen Haushaltskunden dann ganz normale Lieferverträge ab. Große Firmenkunden haben oft auch direkte Lieferverträge mit Großhändlern wie etwa Uniper.

Woher kommt Gas nach Deutschland?

Deutschlands wichtigster Gaslieferant war im vergangenen Jahr laut Bundesnetzagentur Norwegen (44 Prozent). Fast alles gelangte dabei per Pipelines nach Deutschland. Dahinter folgten die Niederlande (24 Prozent) und Belgien (21 Prozent) als Transitländer: Dieses Pipeline-Gas dürfte zum Großteil zunächst per Schiff als verflüssigtes Erdgas die EU erreicht haben.
Rund zehn Prozent der Erdgasimporte kamen über die deutschen Importterminals nach Deutschland, fast alles davon kam aus den USA, dem größten LNG-Produzenten der Welt. Auch in Deutschland selbst wird Erdgas gefördert, allerdings handelt es sich um vergleichsweise geringe Mengen.

Sind diese Versorgungswege sicher?

Das ist einer der Knackpunkte. Der energiepolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Michael Kellner, fürchtet, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) treibe das Land tiefer in die Abhängigkeit von den USA und ihrem unberechenbaren Präsidenten Donald Trump. „Das ist keine gute Idee“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.
„Auch extreme Gefahrenlagen sind nicht auszuschließen. Im letzten Jahr ist im Winter ein Terminal ausgefallen, weil die Ostsee gefroren war und Eisbrecher ausfielen“, betont Kellner. Auch die Gefahr von Terroranschlägen auf Infrastruktur und Versorgungswege steige.
Der Markt sei weiterhin gestört. Die Speicher seien zu leer. „Das kann für Deutschland teuer werden.“ Kellner schlug in diesem Zusammenhang vor, dass die Ministerin einen Gipfel mit den Versorgungsunternehmen einberuft und sich um eine beschleunigte Befüllung der Gasspeicher kümmert. (dpa/red)
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Geringe Gasspeicherstände: Ministerium appelliert an Händler

Mit Blick auf niedrige Gasspeicherstände sehen Bundeswirtschaftsministerium und Bundesnetzagentur die Wirtschaft in der Pflicht. Die Füllung der deutschen Speicher, die aktuell rund zur Hälfte ausgelastet sind, sei „sehr gering“, räumte eine Sprecherin des Ministeriums in Berlin ein. „Wir beobachten die Lage genau, auch im geopolitischen Kontext, und fordern die Händler auf einzuspeichern.“ Derzeit seien ungefähr 74 Prozent der Speicherkapazitäten gebucht.

Warum das Gas so teuer ist

Die wegen des Iran-Kriegs blockierte Meerenge, die Straße von Hormus, erschwert den internationalen Transport von Gas und Öl, was die Preise in die Höhe treibt. Für Händler, die normalerweise im Sommer Gas kaufen, um es in der Heizperiode im Winter zu verkaufen, ist der Einkauf deshalb derzeit wenig attraktiv.
Der Preis für europäisches Erdgas stieg am Mittwoch auf das höchste Niveau seit der Anfangsphase des Iran-Kriegs. Der richtungweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat wurde an der Börse in Amsterdam zu 64,60 Euro je Megawattstunde (MWh) gehandelt. Das ist der höchste Stand seit Mitte März.

Auch Netzagentur sieht Händler in der Pflicht

Zum 1. November müssten die deutschen Gasspeicher nach gesetzlichen Vorgaben eigentlich zu jeweils 80 Prozent gefüllt sein, mit einigen festgelegten Ausnahmen.
Netzagentur-Chef Klaus Müller nimmt ebenfalls die Händler in die Pflicht. „Es ist ausreichend Gas verfügbar. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Gashändler seinen Kunden erklären möchte, dass es im Winter nicht genug Gas gibt, weil er nicht ausreichend vorgesorgt hat“, sagte er zu „t-online“. „Ich erwarte, dass die Gashändler ihrer Verantwortung nachkommen.“

Russland war lange wichtigster Gaslieferant

Deutschlands wichtigster Gaslieferant war lange Russland, der mit Ausbruch des Ukraine-Kriegs aber wegbrach. Im Frühjahr 2022 wurden deshalb auf Betreiben des damaligen Wirtschaftsministers Robert Habeck (Grüne) Füllstandsvorgaben eingeführt, die seither gelockert wurden.
Auf die Frage, ob die Gasversorgung für den Winter gesichert sei, äußerte sich eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums nicht klar, sondern appellierte an die Verantwortung der Händler. Das Haus von Ministerin Katherina Reiche (CDU) argumentiert, dass Deutschland inzwischen Gas aus mehreren Quellen beziehe. „Fast die Hälfte unseres Gasbedarfs kommt aus Norwegen.
Dazu bekommen wir Pipeline-Gas aus Frankreich und aus Belgien.“ Dazu werde über die deutschen Terminals Flüssiggas (LNG) importiert, das zu einem Großteil aus den USA stammt.

Gasreserve geplant

Man sei jederzeit in der Lage zu reagieren, versicherte die Sprecherin. „Oberste Priorität ist die Versorgungssicherheit für den Winter zu gewährleisten.“ Künftig soll eine strategische Gasreserve die Versorgung sichern. Die Finanzierung ist aber noch unklar.
Die deutschen ebenso wie die europäischen Füllstände liegen aktuell deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Laut jüngsten Daten des europäischen Verbands der Gasinfrastrukturbetreiber (GIE) lag der Füllstand am 17. August bei 61,37 Prozent. Vor einem Jahr waren es knapp 74 Prozent.

Deutsche Reserven unter europäischem Niveau

Die deutschen Gasreserven sind deutlich geringer: Hier meldete die GIE für den 17. August einen Füllstand der Speicher von 50,06 Prozent, nachdem sie vor einem Jahr zu knapp 67 Prozent gefüllt waren.
Der Branchenverband Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber Gas (FNB-Gas) schrieb dazu in einer aktuellen Pressemitteilung, dass die gesetzliche Einspeichervorgabe zum 1. November 2026 kaum noch zu erreichen sei, „selbst bei einer Einspeicherung von bis zu 1,2 TWh pro Tag – dem höchsten Wert, der im Markt je beobachtet wurde“. Aktuell liegen die Einspeicherungen deutlich niedriger.
Die Linksfraktion macht Ministerin Reiche schwere Vorwürfe. Der energiepolitische Sprecher Jörg Cezanne sagte der „Rheinischen Post“ (Donnerstag): „Es ist kaum zu fassen, dass sich Katherina Reiche selbst dann nicht von ihrer Marktgläubigkeit lossagt, wenn doch die internationalen Gasmärkte durch die Kriege Russlands und der USA vollkommen durcheinandergeraten sind.
In einer derart unsicheren Weltmarktsituation auf einen milden Winter oder auf funktionierende LNG-Märkte zu bauen, damit die halbleeren Speicher ausreichen, ist ein Poker mit der sicheren Versorgung von Wirtschaft und Bevölkerung.“
Das Vergleichsportal Verivox erwartet höhere Gaspreise für Verbraucher. Für Neukunden hätten sich die Preise seit Beginn des Iran-Kriegs bereits verteuert. Bei den meisten Haushalten seien die Preissteigerungen aus dem Gas-Großhandel aber noch nicht angekommen, weil viele Gasversorger Preisanstiege erst mit Verzögerungen weitergäben.
„Sollte das aktuelle Preisniveau der Großhandelspreise jedoch noch länger bestehen bleiben, sind auch früher oder später auch für Bestandskunden Preiserhöhungen zwischen 10 und 20 Prozent zu erwarten“, so Verivox. (dpa/red)
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Leer wie nie im August: INES mit Sorgen um Gasspeicherstand


In Kürze:

  • Deutschlands Gasspeicherstand ist mit aktuell knapp 50 Prozent auf extrem niedrigem Niveau für Mitte August.
  • Warnende Worte kommen vom Gasspeicherverband INES.
  • Der Gasspeicherbetreiber VNG zeigt sich hingegen optimistisch.
  • Eine Reichweitenprognose zeigt leere Speicher in der zweiten Februarhälfte 2027.

 
Die deutschen Gasspeicher weisen einen durchschnittlichen Füllstand von rund 49,4 Prozent (Stand: 16. August 2026) vor. Die Speicher der gesamten Europäischen Union sind zu 60,4 Prozent gefüllt.
Das ist so niedrig wie noch nie zu diesem Zeitpunkt im Jahr seit Beginn der Datenreihe im Jahr 2011. In Deutschland ist der aktuelle Füllstand damit 16,3 Prozentpunkte niedriger als zum Vorjahreszeitpunkt.

Die Entwicklung des durchschnittlichen Füllstands der deutschen Gasspeicher.

Warnung von INES vor Engpass

Deswegen und angesichts der sich fortsetzenden Sperrung der Straße von Hormus warnte nun der Gasspeicherverband Initiative Energien Speichern (INES) vor einem Engpass im kommenden Winter. Deutschland steuere aktuell auf erhebliche Risiken in der Gasversorgung zu, sagte INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann.
Die Einspeicherung dauert voraussichtlich nur noch wenige Wochen. Im vergangenen Jahr war der herbstliche Hochpunkt des mittleren Speicherfüllstandes Ende September erreicht. Mit sinkenden Temperaturen im Herbst und dem Beginn der Heizsaison erhöht sich der Gasbedarf erheblich.
Demnach ist es fraglich, ob die Füllstände in diesem Herbst die 60-Prozent-Marke erreichen. Üblich seien laut Heinermann mehr als 90 Prozent zum Start der kalten Jahreszeit.
Selbst wenn die Speicher auf rund 78 Prozent vor dem Winter gefüllt werden, reichten die Reserven bei einem kalten Winter nur bis Anfang Februar, sagte Heinermann. Im Extremfall müsse die Bundesnetzagentur behördlich über die Zuteilung knapper Mengen entscheiden, um die Versorgung von Haushaltskunden abzusichern.

Preise auf hohem Niveau

Als Kernproblem sieht der INES-Geschäftsführer die momentan fehlenden wirtschaftlichen Anreize zur Einspeicherung. Durch die Sperrung der Straße von Hormus ist das Gasangebot auf dem Weltmarkt gesunken, was die Gaspreise stark ansteigen ließ. Aktuell liegt der Preis am niederländischen TTF-Markt bei rund 61,4 Euro pro Megawattstunde (€/MWh). Vor Beginn des Irankrieges lag der Preis noch im Bereich von 30 €/MWh.
Gleichzeitig liegen die Preise für Gaslieferungen im kommenden Winter derzeit leicht unter den aktuellen Einkaufspreisen. Richtet sich der Blick allein auf die Großhandelspreise, dann bestünden keine wirtschaftlichen Anreize, für den Winter Gas zu speichern.
Im Gegenteil: Das Preisgefüge setze Anreize, jetzt vor dem Winter Gas auszuspeichern, sagte Heinermann. Das bedeute, dass jetzt ein Anreiz bestehe, Gas lieber zu verkaufen, als Versorgungssicherheit im kommenden Winter zu gewährleisten. Heinermann fordert daher eine zügige Reform, die das Einspeichern wirtschaftlich attraktiver macht und die Speichernutzer stärker auf Versorgungssicherheit ausrichtet.
Die Lage hat zuletzt Deutschlands Gasimportrate entsprechend sinken lassen. Während die Speicherbetreiber bis Anfang Mai noch meist stabil über 3.000 Gigawattstunden pro Tag (GWh/Tag) importierten, sind es inzwischen nur noch rund 2.300 GWh/Tag. Abzüglich rund 600 GWh/Tag an Gasexporten liegen die Nettoimporte aktuell bei rund 1.700 GWh/Tag.

Die tägliche Menge an Gasimporten in Deutschland vom 1. April bis zum 15. August 2026 in Gigawattstunden.

Für den Wirtschaftsstandort Deutschland wäre es höchst problematisch, wenn Industriekunden nicht mehr auf eine verlässliche und bezahlbare Gasversorgung auch im Winter vertrauen könnten, so der INES-Geschäftsführer. Das könnte die Abwanderung von Unternehmen in Deutschland weiter beschleunigen.

Entwarnung von Gasspeicherbetreiber

Weitaus optimistischer zeigt sich der Gasspeicherbetreiber VNG. Der Unternehmensverbund für Gas und Gasinfrastruktur mit Hauptsitz in Leipzig setzt sich aus mehr als 20 Gesellschaften in Deutschland und Europa zusammen. Stephan Haupt, VNG-Geschäftsführer für Handel und Vertrieb, teilte kürzlich mit:
„Das schaffen wir – noch. Also für die mitteldeutschen Speicher mit den hohen Leistungskennzahlen haben wir noch ein bisschen Zeit, in die Befüllung zu gehen.“
Allerdings bereite ihm der Blick auf den gesamtdeutschen Speichermarkt etwas Sorgen. „Weil wir da auch ziemlich große Speicher in Niedersachsen und Bayern haben, die deutlich langsamer und deutlich leerer in der Befüllungsleistung sind als die Speicher, die wir in Mitteldeutschland haben“, sagte Haupt. Dennoch schließt er einen Versorgungsengpass aus.
Auch die Bundesnetzagentur gibt in ihrer aktuellen Lagebewertung an, dass die Versorgungssicherheit gewährleistet ist. Sie sieht derzeit keinen Anlass für eine Warnung vor einem Engpass im Winter. Zur Entwicklung der Einspeicherung hat zuletzt nur Klaus Müller, Chef der Energiebehörde, am 27. Juni auf X über das Erreichen der 40-Prozent-Marke informiert. In der Vergangenheit verwies die Behörde stets auf die kurzfristig verfügbaren Flüssiggaskapazitäten auf dem Weltmarkt als Sicherheit.

Prognose zeigt sinkende Speicherstände

Wie sich der Füllstand der Gasspeicher in den kommenden Monaten auf Grundlage der aktuellen Gegebenheiten entwickeln könnte, zeigt die Reichweitenprognose des Portals „Gasspeicher Dashboard“.
Relevant für die Entwicklung der Füllstände ist einerseits die Außentemperatur. Je niedriger die Temperaturen, desto mehr Gas verbrauchen die Gaskunden. Die Speicher leeren sich dann schneller. Ebenso beeinflusst die bereits erwähnte Nettoimportrate den Füllstand. Je höher sie ist, umso stärker füllen oder umso weniger entleeren sich die Speicher.
Gibt man diese Parameter entsprechend den aktuellen und zum Vorjahr vergleichbaren Daten ein, ergibt die Prognose einen Wende- oder Hochpunkt von 55,3 Prozent um den 10. Oktober 2026. Dann beginnen die Speicher sich langsam wieder zu entleeren. Zum 1. November liegt der Füllstand demnach noch bei 54 Prozent, rund 26 Prozentpunkte unter der Füllstandsvorgabe der Bundesnetzagentur.
Der Füllstand würde laut der Prognose am 19. Januar 2027 die 20-Prozent-Marke unterschreiten. Je niedriger der Füllstand ab diesem Niveau ist, umso weniger Gas können die Betreiber den Speichern physisch entnehmen.
In diesem Szenario wären die Speicher schließlich vom 24. Februar bis Anfang April 2027 vollständig entleert – bei einem normalen Winter und sofern die Bundesregierung keine rechtzeitigen Notfallmaßnahmen einleiten würde. Es ist jedoch zu erwarten, dass das Ministerium frühzeitig die nötigen Hebel umlegt, um im Falle eines sich abzeichnenden Engpasses die Versorgungssicherheit über den kompletten Winter hindurch zu gewährleisten.
Mit Material der Nachrichtenagenturen dts.
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Leer wie nie im August: INES mit Sorgen um Gasspeicherstand


In Kürze:

  • Deutschlands Gasspeicherstand ist mit aktuell knapp 50 Prozent auf extrem niedrigem Niveau für Mitte August.
  • Warnende Worte kommen vom Gasspeicherverband INES.
  • Der Gasspeicherbetreiber VNG zeigt sich hingegen optimistisch.
  • Eine Reichweitenprognose zeigt leere Speicher in der ersten Märzhälfte 2027.

 
Die deutschen Gasspeicher weisen einen durchschnittlichen Füllstand von rund 49,7 Prozent (Stand: 15. August 2026) vor. Die Speicher der gesamten Europäischen Union sind zu 60,8 Prozent gefüllt.
Das ist so niedrig wie noch nie zu diesem Zeitpunkt im Jahr seit Beginn der Datenreihe im Jahr 2011. In Deutschland ist der aktuelle Füllstand damit 16,4 Prozentpunkte niedriger als zum Vorjahreszeitpunkt.

Die Entwicklung des durchschnittlichen Füllstands der deutschen Gasspeicher.

Warnung von INES vor Engpass

Deswegen und angesichts der sich fortsetzenden Sperrung der Straße von Hormus warnte nun der Gasspeicherverband Initiative Energien Speichern (INES) vor einem Engpass im kommenden Winter. Deutschland steuere aktuell auf erhebliche Risiken in der Gasversorgung zu, sagte INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann.
Die Einspeicherung dauert voraussichtlich nur noch wenige Wochen. Im vergangenen Jahr war der herbstliche Hochpunkt des mittleren Speicherfüllstandes Ende September erreicht. Mit sinkenden Temperaturen im Herbst und dem Beginn der Heizsaison erhöht sich der Gasbedarf erheblich.
Demnach ist es fraglich, ob die Füllstände in diesem Herbst die 60-Prozent-Marke erreichen. Üblich seien laut Heinermann mehr als 90 Prozent zum Start der kalten Jahreszeit.
Selbst wenn die Speicher auf rund 78 Prozent vor dem Winter gefüllt werden, reichten die Reserven bei einem kalten Winter nur bis Anfang Februar, sagte Heinermann. Im Extremfall müsse die Bundesnetzagentur behördlich über die Zuteilung knapper Mengen entscheiden, um die Versorgung von Haushaltskunden abzusichern.

Preise auf hohem Niveau

Als Kernproblem sieht der INES-Geschäftsführer die momentan fehlenden wirtschaftlichen Anreize zur Einspeicherung. Durch die Sperrung der Straße von Hormus ist das Gasangebot auf dem Weltmarkt gesunken, was die Gaspreise stark ansteigen ließ. Aktuell liegt der Preis am niederländischen TTF-Markt bei rund 61,4 Euro pro Megawattstunde (€/MWh). Vor Beginn des Irankrieges lag der Preis noch im Bereich von 30 €/MWh.
Gleichzeitig liegen die Preise für Gaslieferungen im kommenden Winter derzeit leicht unter den aktuellen Einkaufspreisen. Richtet sich der Blick allein auf die Großhandelspreise, dann bestünden keine wirtschaftlichen Anreize, für den Winter Gas zu speichern.
Im Gegenteil: Das Preisgefüge setze Anreize, jetzt vor dem Winter Gas auszuspeichern, sagte Heinermann. Das bedeute, dass jetzt ein Anreiz bestehe, Gas lieber zu verkaufen, als Versorgungssicherheit im kommenden Winter zu gewährleisten. Heinermann fordert daher eine zügige Reform, die das Einspeichern wirtschaftlich attraktiver macht und die Speichernutzer stärker auf Versorgungssicherheit ausrichtet.
Die Lage hat zuletzt Deutschlands Gasimportrate entsprechend sinken lassen. Während die Speicherbetreiber bis Anfang Mai noch meist stabil über 3.000 Gigawattstunden pro Tag (GWh/Tag) importierten, sind es inzwischen nur noch rund 2.300 GWh/Tag. Abzüglich rund 600 GWh/Tag an Gasexporten liegen die Nettoimporte aktuell bei rund 1.700 GWh/Tag.

Die tägliche Menge an Gasimporten in Deutschland vom 1. April bis zum 15. August 2026 in Gigawattstunden.

Für den Wirtschaftsstandort Deutschland wäre es höchst problematisch, wenn Industriekunden nicht mehr auf eine verlässliche und bezahlbare Gasversorgung auch im Winter vertrauen könnten, so der INES-Geschäftsführer. Das könnte die Abwanderung von Unternehmen in Deutschland weiter beschleunigen.

Entwarnung von Gasspeicherbetreiber

Weitaus optimistischer zeigt sich der Gasspeicherbetreiber VNG. Der Unternehmensverbund für Gas und Gasinfrastruktur mit Hauptsitz in Leipzig setzt sich aus mehr als 20 Gesellschaften in Deutschland und Europa zusammen. Stephan Haupt, VNG-Geschäftsführer für Handel und Vertrieb, teilte kürzlich mit:
„Das schaffen wir – noch. Also für die mitteldeutschen Speicher mit den hohen Leistungskennzahlen haben wir noch ein bisschen Zeit, in die Befüllung zu gehen.“
Allerdings bereite ihm der Blick auf den gesamtdeutschen Speichermarkt etwas Sorgen. „Weil wir da auch ziemlich große Speicher in Niedersachsen und Bayern haben, die deutlich langsamer und deutlich leerer in der Befüllungsleistung sind als die Speicher, die wir in Mitteldeutschland haben“, sagte Haupt. Dennoch schließt er einen Versorgungsengpass aus.
Auch die Bundesnetzagentur gibt in ihrer aktuellen Lagebewertung an, dass die Versorgungssicherheit gewährleistet ist. Sie sieht derzeit keinen Anlass für eine Warnung vor einem Engpass im Winter. Zur Entwicklung der Einspeicherung hat zuletzt nur Klaus Müller, Chef der Energiebehörde, am 27. Juni auf X über das Erreichen der 40-Prozent-Marke informiert. In der Vergangenheit verwies die Behörde stets auf die kurzfristig verfügbaren Flüssiggaskapazitäten auf dem Weltmarkt als Sicherheit.

Prognose zeigt sinkende Speicherstände

Wie sich der Füllstand der Gasspeicher in den kommenden Monaten auf Grundlage der aktuellen Gegebenheiten entwickeln könnte, zeigt die Reichweitenprognose des Portals „Gasspeicher Dashboard“.
Relevant für die Entwicklung der Füllstände ist einerseits die Außentemperatur. Je niedriger die Temperaturen, desto mehr Gas verbrauchen die Gaskunden. Die Speicher leeren sich dann schneller. Ebenso beeinflusst die bereits erwähnte Nettoimportrate den Füllstand. Je höher sie ist, umso stärker füllen oder umso weniger entleeren sich die Speicher.
Gibt man diese Parameter entsprechend den aktuellen und zum Vorjahr vergleichbaren Daten ein, ergibt die Prognose einen Wende- oder Hochpunkt von 57 Prozent um den 25. Oktober 2026. Dann beginnen die Speicher sich langsam wieder zu entleeren. Zum 1. November liegt der Füllstand demnach noch bei 56,7 Prozent, rund 23 Prozentpunkte unter der Füllstandsvorgabe der Bundesnetzagentur.
Der Füllstand würde laut der Prognose am 23. Januar 2027 die 20-Prozent-Marke unterschreiten. Je niedriger der Füllstand ab diesem Niveau ist, umso weniger Gas können die Betreiber den Speichern physisch entnehmen.
In diesem Szenario wären die Speicher schließlich vom 11. März bis 5. April 2027 vollständig entleert – bei einem normalen Winter und sofern die Bundesregierung keine rechtzeitigen Notfallmaßnahmen einleiten würde. Es ist jedoch zu erwarten, dass das Ministerium frühzeitig die nötigen Hebel umlegt, um im Falle eines sich abzeichnenden Engpasses die Versorgungssicherheit über den kompletten Winter hindurch zu gewährleisten.
Mit Material der Nachrichtenagenturen dts.
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Fritz Vahrenholt: Die selbstverschuldete Gasmangellage


In Kürze:

  • Die deutschen Gasspeicher sind so leer wie selten zu dieser Zeit. Bereits jetzt zeichnet sich eine Gasmangellage im kommenden Winter ab.
  • Weltpolitische Krisen erschweren die Wiederbefüllung und gefährden das Geschäftsmodell der Speicherbetreiber.
  • Deutschland bezieht selbst kein Gas aus Russland, erhält aber dennoch über Umwege russisches Gas. Diese Importe fallen ab Januar 2027 weg.
  • Einheimisches Gas könnte Deutschland für Jahrzehnte versorgen, die Förderung bleibt jedoch verboten.
  • Zugleich setzt die Methanverordnung der EU die Versorgungssicherheit unter Druck.
  • Die USA seien bereit, Europa zu versorgen, aber nicht unter derart „verrückten“ Bedingungen.

 
Die Temperaturen im Juni 2026 überstiegen das langfristige Mittel um +0,46 Grad Celsius. Die Abweichung der globalen Mitteltemperatur vom 30-jährigen Mittel der Satellitenmessungen ist damit im Vergleich zu Mai gesunken (+0,53 Grad Celsius), liegt aber höher als im April (+0,39 Grad Celsius).
Die Temperaturen im Juni 2026 überstiegen das langfristige Mittel um +0,46 Grad Celsius. Der kurzfristige Abkühlungstrend bleibt weiter intakt, der langfristige Trend liegt unverändert bei +0,16 Grad Celsius pro Jahrzehnt, wobei die aktuell Temperaturabweichung leicht über dem Erwartungswert liegt.

Die Temperaturen im Juni 2026 überstiegen das langfristige Mittel um +0,46 Grad Celsius. Der kurzfristige Abkühlungstrend bleibt weiter intakt, der langfristige Trend liegt unverändert bei +0,16 Grad Celsius pro Jahrzehnt, wobei die aktuell Temperaturabweichung leicht über dem Erwartungswert liegt.

Die US-amerikanische Ozeanbehörde NOAA hat die für den Pazifik erwarteten El Niño-Konditionen inzwischen bestätigt und rechnet damit, dass diese bis zum Frühjahr nächsten Jahres andauern. El Niño ist eine natürliche, zyklische Erwärmung des tropischen Pazifiks, die sich alle drei bis fünf Jahre ereignet und in der Regel mit einem globalen Temperaturausschlag von 0,2 Grad Celsius verbunden ist.
Davon scheinbar unberührt, beträgt der durchschnittliche Temperaturanstieg seit 1979 weiterhin 0,16 Grad Celsius pro Jahrzehnt.

Die Befüllung der deutschen Gasspeicher bis zur Heizsaison wird schwierig

Der Füllstand der deutschen Gasspeicher beträgt zurzeit lediglich 44 Prozent. Dies liegt deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, denn die Füllstände lagen früher zu diesem Zeitpunkt bei 60 Prozent. Die Befüllung im Jahr 2026 startete zum einen von einem sehr niedrigen Niveau von rund 20 Prozent. Zum anderen zögern die Gasspeicherbetreiber, Gas einzukaufen, da die Gaspreise seit der Hormus-Krise hoch sind.
Das Geschäftsmodell der Betreiber bestand darin, preiswertes Gas im Sommer einzukaufen und zu einem in der Regel höheren Preis im Winter zu verkaufen. Jetzt droht sogar das Gegenteil. Sollte es zu einer Entspannung am Persischen Golf kommen, werden die Gaspreise im Winter niedriger als im Sommer liegen, sodass den Betreibern Verluste drohen.
Der Verband der Speicherbetreiber INES gab daher im Juli bekannt, dass bis zur Heizsaison technisch nur noch ein Niveau von 76 Prozent erreicht werden kann. Die Betreiber stellen fest:
„Die derzeitigen Preisentwicklungen setzen kaum Anreize zur Einspeicherung von Gas und gefährden damit die Versorgungssicherheit für den kommenden Winter.“

Gasmangellage schon heute absehbar?

Bei einem kalten Winter prognostiziert der Verband schon heute eine Gasmangellage von bis zu 2 Terawattstunden pro Tag im Februar/März 2027. Es fehlten dann bis zu 40 Prozent des in Deutschland täglich benötigten Erdgases. In diesem Fall droht die Abschaltung des Gases für die Industrie, die etwa 2 Terawattstunden Gas pro Tag verbraucht.
Der INES-Geschäftsführer Heinermann sieht bei einem außergewöhnlich kalten Winter die Risiken erheblich steigen: „Deshalb müssen bereits heute die Voraussetzungen geschaffen werden, um die Speicher stärker zu befüllen.“
Die tägliche Einspeisung in die Speicher beläuft sich zurzeit auf 0,2 Prozentpunkte. Bei diesem Tempo würde bis zum 1. November – noch etwas über 100 Tage – noch nicht einmal der gesetzlich vorgeschriebene Füllstand von 70 Prozent erreicht. Die Bundesnetzagentur erklärt dennoch, die Versorgungssicherheit sei gewährleistet.

Deutschland bezieht immer noch relevante Mengen Gas aus Russland

Über die viel gepriesenen deutschen LNG-Terminals bezieht Deutschland etwa 10 bis 13 Prozent seines Erdgases. Etwa 40 Prozent kommen aus Norwegen. Weitere 40 Prozent kommen aus den Niederlanden und Belgien. Dort wird es als LNG angelandet und durch Pipelines nach Deutschland transportiert.

Tägliche Gasimporte Deutschlands nach Ländern. Der Direktimport aus Russland (grau) wurde 2022 eingestellt. Parallel dazu ist die Gesamtimportmenge (orange) erheblich gesunken. LNG (rosa) ist seither die viertwichtigste Bezugsquelle – ein Teil dessen stammt über Umwege dennoch aus Russland.

Foto: Bundesnetzagentur

Es wird jedoch kaum diskutiert, dass Belgien über Zeebrügge vier Zehntel seines LNG-Imports aus Russland bezieht, ebenso die Niederlande mit 13 Prozent seines Imports. Insofern erhalten wir indirekt immer noch erhebliche Mengen – rechnerisch ergeben sich rund 10 Prozent – unseres Gases aus Russland.
Frankreich importiert seinerseits ein Drittel des LNGs aus Russland. Dieser Import soll nach den Plänen der EU ab 1. Januar 2027 beendet werden. Das wird sich dann tendenziell in höheren Preisen niederschlagen.

Monatliche LNG-Importe aus Russland ausgewählter Länder in Milliarden Kubikmetern. Seit Januar 2021 hat sich das Gesamtvolumen erhöht, sowohl in Summe für Belgien, die Niederlande und Frankreich als auch für Europa insgesamt.

Foto: IEEFA

Gas-Notfallreserve ab 1. Januar 2027 geplant …

Das Bundeswirtschaftsministerium plant eine strategische Erdgasreserve, um auf Gasversorgungskrisen besser vorbereitet zu sein. Die Gasreserve soll 24 Terawattstunden umfassen, etwa 10 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazität. Die Kosten für den Gaseinkauf und die Einspeicherung sollen etwa 1,5 Milliarden Euro betragen, die über einen Aufschlag auf die Gaspreise für den Verbraucher finanziert werden sollen. Das entsprechende Gesetz soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten.
Die Maßnahme ist nicht von der Hand zu weisen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Energiepolitik der letzten vier Bundesregierungen die Krisenanfälligkeit der Gasversorgung massiv erhöht hat. Denn aufgrund des Ausstiegs aus der Kernenergie und des notwendigen Backups für Wind- und Solarenergie werden in den nächsten Jahren zahlreiche Gaskraftwerke zu bauen sein.
Die Bundesnetzagentur hat erklärt, dass die Versorgungssicherheit in Deutschland nur gewährleistet werden kann, „wenn bis 2035 zusätzliche steuerbare Kapazitäten von 22.400 MW bis 35.500 MW errichtet werden“. 35.500 Megawatt Gaskraftwerke verbrauchen etwa 15 Milliarden Kubikmeter zusätzliches Gas. Zum Vergleich: Der Jahresverbrauch Deutschlands lag 2025 bei 85 Milliarden Kubikmetern Gas.

… aber Fracking bleibt verboten

Erschwerend kommt hinzu, dass die früheren Regierungsparteien es für richtig hielten, die Erdgasförderung durch Fracking in Deutschland zu verbieten. Ministerin Reiche kann sich eine Lockerung des Fracking-Verbots vorstellen.
Der Kanzler geht jedoch auf Distanz. Auch sein Finanzminister hat sich – wie die SPD insgesamt – gegen Fracking ausgesprochen. Der Wahlkreis von Lars Klingbeil (Heidekreis) liegt in einem Gebiet vielversprechender Schiefergasvorkommen.
Nun bekommt die Ministerin starke Unterstützung durch ein von der Friedrich-Naumann-Stiftung in Auftrag gegebenes Gutachten des ehemaligen Präsidenten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Prof. Hans-Joachim Kümpel. Er kommt zu dem Ergebnis, dass
  • die Technik der Förderung des Schiefergases aus mehr als 1.000 Meter Tiefe eine Gefährdung des Grundwassers (bis zu 100 Meter Tiefe) ausschließt,
  • das Erdbebenrisiko beim Fracking um ein Vielfaches niedriger ist als bei der herkömmlichen Erdgasförderung,
  • Deutschland eine förderbare Gesamtmenge von 1.000 Milliarden Kubikmetern aufweist, was einer Förderdauer von 50 Jahren bei einer jährlichen Fördermenge von 20 Milliarden Kubikmetern entspricht,
  • deutlich kostengünstiger wäre als der heutige Weltmarktpreis.
Das Gutachten kann man hier kostenlos herunterladen.

Verschärft ein Erdgaslieferstopp wegen der EU-Methanverordnung die Gasmangellage?

Die EU hat eine Verordnung erlassen, wonach ab 1. Januar 2027 der Methanausstoß bei der Förderung, der Verarbeitung und dem Transport von Rohöl und Erdgas aus Klimaschutzgründen zu reduzieren ist. Und das soll nicht nur in Europa gelten, sondern für Importeure, die nachweisen sollen, dass in den außereuropäischen Förderländern diese neuen, erheblich strengeren EU-Standards erfüllt sind.
Während Importeure wie SEFE, Uniper und Shell davor warnen, dass „ein erheblicher Teil der weltweiten Gasversorgung de facto nicht konform sein wird“ und es zu erheblichen Lieferengpässen kommen könnte, will die EU ihre Verordnung mit horrenden Strafzahlungen von bis zu 20 Prozent des Jahresumsatzes durchsetzen.
Am 24. Juni haben die USA, Katar, Nigeria und Algerien in einem gemeinsamen Brief an die EU-Kommission Änderungen der Importregeln verlangt, andernfalls werde Europa massive Versorgungsrisiken mitten im Januar 2027 eingehen. Immerhin sind 43 Prozent des Erdgasverbrauchs in Europa betroffen. Der US-Energieminister Chris Wright nannte die Regeln „crazy“ – verrückt. Die USA seien bereit, Europa zu versorgen, aber nicht zu diesen Bedingungen.
Ministerin Reiche hat sich richtigerweise bei der EU für ein Aussetzen der Verordnung ausgesprochen. Ihr SPD-Kollege, Umweltminister Schneider, hat sich im Namen der Bundesregierung für die Beibehaltung der EU-Verordnung ausgesprochen und hat seine Ministerkollegin für ihre Initiative öffentlich gerügt.
Wenn wir im Januar 2027 Versorgungsprobleme bekommen werden, wissen wir, bei wem wir uns zu bedanken haben.
Dieser Artikel erschien im Original auf klimanachrichten.de unter dem Titel „Fritz Vahrenholt: Die selbstverschuldete Gasmangellage“. (redaktionelle Bearbeitung: ts/Epoch Times)