Europäische Drehkreuze wie Frankfurt verlieren bei bestimmten Verkehren zunehmend an Bedeutung. (Archivbild) - Foto: Andreas Arnold/dpa
Der internationale Luftverkehr von Deutschland aus wird einer Studie zufolge immer häufiger über Drehkreuze außerhalb Europas abgewickelt. Grund dafür sind höhere Kosten, die innerhalb der EU infolge von Umweltauflagen für Luftverkehrsunternehmen anfallen, wie aus einer Analyse des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hervorgeht.
Demnach gingen im Jahr 2024 rund 54 Prozent der Flüge in Richtung Fernost und Südostasien von Deutschland aus über Drehkreuze, die nicht in der EU lagen, insbesondere über die Golfregion und die Türkei. Im Jahr 2019, also vor der Pandemie, lag dieser Anteil demnach noch bei knapp 44 Prozent und im Jahr 2010 sogar bei nur knapp 34 Prozent.
München und Frankfurt im Nachteil
Die deutschen Drehkreuze München und Frankfurt am Main verloren den Angaben zufolge an Bedeutung. Ihr Anteil an Flügen in Richtung Fernost und Südostasien von Deutschland aus fiel von rund 56 Prozent im Jahr 2010 auf rund 36 Prozent im Jahr 2024. Auch Flüge in Richtung Afrika landen demnach immer häufiger an Drehkreuzen außerhalb Europas zwischen.
Als Grund dafür führen die Autoren der Studie unter anderem das europäische Emissionshandelssystem an. Dabei müssten europäische Fluggesellschaften für Zubringerflüge zu ihren heimischen Drehkreuzen Emissionszertifikate erwerben. Bei Zubringern zu außereuropäischen Drehkreuzen wie Dubai sei das nicht der Fall. Europäische Airlines hätten hier einen Wettbewerbsnachteil.
Insbesondere in Deutschland hat sich der Luftverkehr der Studie zufolge nach der Corona-Krise deutlich langsamer erholt als im globalen Vergleich. „Der Report zeigt eine schleichende Abkopplung Deutschlands vom internationalen Luftverkehr“, sagte BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. „Wir brauchen niedrigere Standortkosten und ein Level-Playing-Field bei Klimaschutzregeln, damit für alle Wettbewerber die gleichen Bedingungen gelten.“ (dpa/red)
Wer die Medaille für den Medizin-Nobelpreis bekommt, wird stets als erstes im Nobelpreisreigen verkündet. (Archivbild) - Foto: Angela Weiss/Pool AP/dpa
Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die beiden Deutschen Peter Hegemann und Georg Nagel sowie den US-Forscher Karl Deisseroth. Ausgezeichnet werden ihre Entdeckungen im Bereich lichtgesteuerter Ionenkanäle und Optogenetik, wie das Karolinska-Institut in Stockholm mitteilte. Hegemann forscht an der Humboldt-Universität Berlin, Nagel an der Universität Würzburg. Die Forscher erhalten jeweils ein Drittel des Preisgelds von umgerechnet rund einer Million Euro.
Optogenetik ist eine Methode, mit der sich Zellen – meist Neuronen – mit Hilfe von Licht präzise an- oder abschalten lassen. Sie kombiniert genetische und optische Techniken, um in lebendem Gewebe und sogar in frei beweglichen Tieren gezielt zelluläre Aktivität zu steuern.
Hegemann und Nagel entdeckten das Protein Kanalrhodopsin (Channelrhodopsin), das Zellen empfindlich für Licht macht. Deisseroth setzte das Gen für dieses Protein in Neuronen von Ratten ein. Dadurch konnte er diese Nervenzellen mit Licht aktivieren.
Preisgeld kürzlich angehoben
Die bedeutendste Auszeichnung für Mediziner ist mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert, umgerechnet rund einer Million Euro. Die Nobelstiftung hat das Preisgeld kürzlich erst auf zwölf Millionen Kronen angehoben. „In diesem Jahr feiern wir das 125-jährige Bestehen des Nobelpreises. Aus diesem Anlass freuen wir uns, das Preisgeld um eine Million erhöhen zu können“, sagte die Geschäftsführerin der Nobelstiftung, Hanna Stjärne, im September. Der Betrag wurde seit der ersten Verleihung im Jahr 1901 schon mehrfach angepasst.
Erster Preis ging an deutschen Bakteriologen
Vor dem diesjährigen Preis haben seit 1901 insgesamt 232 Menschen den Medizin-Nobelpreis erhalten. Der erste ging an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring für die Entdeckung einer Therapie gegen Diphtherie.
Mit dem Medizin-Preis startete der Nobelpreis-Reigen. Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Preises benannt. Es folgen die für Literatur und für Frieden. Die Reihe der Bekanntgaben endet am kommenden Montag mit dem von der schwedischen Zentralbank gestifteten sogenannten Wirtschaftsnobelpreis.
Preisverleihung am 10. Dezember
Die feierliche Übergabe aller Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896). Bereits am 30. September waren in Stockholm die diesjährigen Träger des Right Livelihood Awards bekanntgegeben worden, der gemeinhin als Alternativer Nobelpreis bezeichnet wird. (dpa/red)
Das Raketensystem Starship von SpaceX startet von Starbase in Texas zu einem Testflug. (Archivbild) - Foto: Eric Gay/AP/dpa
Die Riesen-Rakete Starship des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX von Elon Musk hat es bei einem Testflug erstmals in eine Umlaufbahn der Erde geschafft.
Das größte jemals gebaute Raketensystem hob von einem Weltraumbahnhof im US-Bundesstaat Texas ab, dann lenkte die obere Raketenstufe in eine Umlaufbahn etwa 275 Kilometer über der Erde ein und stürzte schließlich rund drei Stunden später in einem Flammenball kontrolliert in den Pazifik. Die untere Raketenstufe war da bereits kontrolliert ins Meer nahe dem Startplatz gestürzt.
Eigentlich war eine rund zehnstündige Mission geplant gewesen, bei der die Rakete in die Erdumlaufbahn einlenken und die Erde insgesamt etwa sechsmal umrunden sollte.
Nach dem erfolgreichen Einlenken in die Umlaufbahn teilte SpaceX mit, dass das Starship schon nach rund drei Stunden wieder zur Erde zurückkehren solle – deutlich früher als ursprünglich geplant. Ein Grund dafür wurde zunächst nicht angegeben. Zuvor war eines der Triebwerke der Rakete ausgefallen.
Musk spricht von „erfolgreichem“ Test, NASA-Chef gratuliert
SpaceX-Gründer Musk sprach von einem „erfolgreichen“ ersten Orbitalflug des Starship. Auch der Chef der US-Raumfahrtbehörde NASA, Jared Isaacman, gratulierte SpaceX.
„Wunderschöner Start, das Ship in die Umlaufbahn gebracht und jeden Schritt auf sichere, verantwortungsbewusste und besonders inspirierende Weise gesteuert“, schrieb Isaacman auf dem Online-Portal X. „Die NASA und der Rest der interessierten Öffentlichkeit freuen sich darauf zu helfen, wo sie können, und darauf, dass die Starship-Missionen Routine werden.“
Im Rahmen der Mission wurden nach Angaben von SpaceX auch erstmals Starlink-Satelliten ausgesetzt. Diese sogenannten V3-Satelliten sollen nach ihrem Aussetzen ihre Antennen ausklappen, Solarpaneele entfalten und dann Verbindungen zur Erde und anderen Starlink-Satelliten herstellen.
Das habe auch alles so geklappt wie geplant, teilte Musk mit. Zuvor war das Aussetzen von Satelliten bei Tests schon mehrfach simuliert worden.
Raketensystem Starship ist größer als die Freiheitsstatue
Es war bereits der 14. Testflug des Starship. Das Raketensystem ist größer als die Freiheitsstatue in New York. Es besteht aus zwei Teilen, die sich nach dem Start trennen: Dem etwa 70 Meter langen Booster Super Heavy und der – ebenfalls Starship genannten – oberen Stufe, die rund 50 Meter misst.
Beide Teile sind so konzipiert, dass sie nach der Rückkehr zur Erde wiederverwendet werden können. Die US-Raumfahrtbehörde NASA will mit dem Starship Astronauten zum Mond schicken, während SpaceX zudem das Ziel verfolgt, eines Tages den Mars zu erreichen.
Erstmals war das Raketensystem im April 2023 getestet worden – und damals nach wenigen Minuten komplett explodiert. Bei weiteren Tests erreichte die obere Stufe das All und landete auch schon kontrolliert im Indischen Ozean. Mehrere Testflüge waren allerdings auch bereits deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. (dpa/red)
Der krisengeplagte Starliner soll wieder fliegen. (Archivbild) - Foto: Uncredited/NASA/AP/dpa
Das krisengeplagte Raumschiff „Starliner“ soll nach Plänen der US-Raumfahrtbehörde NASA 2028 wieder Astronauten zur Internationalen Raumstation bringen.
Zuvor sei noch in diesem Jahr oder Anfang 2027 eine unbemannte Testmission mit dem vom US-Unternehmen Boeing entwickelten und gebauten Raumschiff geplant, sagte NASA-Chef Jared Isaacman bei einer Pressekonferenz.
„Wir haben eng mit Boeing gearbeitet, um die Probleme, die auf vorherigen ‚Starliner‘-Flügen identifiziert wurden, anzugehen, und wir haben vor, mit diesem Raumschiff wieder zur Internationalen Raumstation und zukünftigen kommerziellen Zielen zu fliegen“, sagte Isaacman weiter. Teile des Raumschiffs würden dafür neugestaltet.
Der „Starliner“ war von Boeing im Auftrag der NASA als Alternative zum „Crew Dragon“ vom Raumfahrtunternehmen SpaceX von Elon Musk entwickelt worden, um Astronauten zur ISS zu bringen.
Bei dem Projekt kam es mehrfach zu Rückschlägen und jahrelangen Verzögerungen. Bemannte Testflüge wurden wegen technischer Probleme an Raumschiff und Rakete immer wieder verschoben.
2024 flogen dann die NASA-Astronauten Suni Williams und Barry Wilmore mit dem „Starliner“ zur ISS. Eigentlich sollten sie nur rund eine Woche bleiben.
Aufgrund technischer Probleme mit dem „Starliner“ entschied die NASA aus Sicherheitsgründen jedoch, sie mit einem anderen Raumschiff und erst rund neun Monate später wieder zur Erde zurückkehren zu lassen. Die NASA bewertete die Panne später als „Type-A-Zwischenfall, die höchste Kategorie der Raumfahrtbehörde für einen Zwischenfall.
Mindestens zwei Optionen für bemannte Flüge ins All zu haben, hat sich die NASA aber seit Jahren als Ziel vorgeschrieben.
Derzeit ist in erster Linie SpaceX mit seinen „Falcon“-Raketen und „Dragon“-Raumschiffen für die Nasa im Einsatz, diese könnten dem Unternehmen zufolge eingemottet werden, wenn das derzeit noch in der Testphase befindliche Starship von SpaceX bemannte Flüge routinemäßig durchführen kann. (dpa/red)
EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas sieht bislang keine breite Unterstützung für den Vorstoß von Ursula von der Leyen. (Archivbild) - Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Der von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgeschlagene Notfallmechanismus für Sicherheitskrisen unterhalb der Schwelle eines bewaffneten Angriffs stößt im Kreis der Mitgliedstaaten auf ein geteiltes Echo. Bei einem Verteidigungsministertreffen in Brüssel hätten sich einige Mitgliedstaaten für einen Mechanismus unterhalb des NATO- oder EU-Bündnisfalls ausgesprochen, erklärte die Außenbeauftragte Kaja Kallas im Anschluss auf einer Pressekonferenz. Viele hätten aber auch gesagt, dass sie zunächst wissen müssten, was genau vorgesehen sei, um beurteilen zu können, ob sie ihn unterstützten oder nicht.
Zudem hätten viele Teilnehmer des Treffens betont, dass ein möglicher neuer Mechanismus keine Doppelstrukturen zu denen der NATO schaffen dürfe, sagte Kallas. Auch habe es Mitgliedstaaten gegeben, die sich gar nicht geäußert hätten. Ob es eine Mehrheit für den Vorstoß der Kommissionspräsidentin gebe, könne sie deswegen nicht sagen.
Von der Leyen hatte Mitte des Monats in ihrer diesjährigen Rede zur Lage der Europäischen Union gesagt, die EU brauche einen Mechanismus analog zum Artikel 4 des NATO-Vertrags, und hatte dafür ein „Notfall-Sicherheitsprotokoll“ vorgeschlagen.
Dieses soll demnach vorsehen, dass alle Mitgliedstaaten zusammenkommen, wenn ein Mitgliedstaat ihn auslöst. Gemeinsam soll dann eine europäische Antwort koordiniert werden, um gegen eine weitere Eskalation abzuschrecken und die Auswirkungen abzumildern.
Sabotageakte, Cyberattacken oder Desinformationskampagnen
Der von der Kommissionspräsidentin als Vorbild für einen EU-Mechanismus erwähnte Artikel 4 sieht Beratungen vor, wenn sich ein NATO-Staat in seiner Sicherheit bedroht sieht. Konkret heißt es darin: „Die Parteien werden einander konsultieren, wenn nach Auffassung einer von ihnen die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit einer der Parteien bedroht ist.“
Kallas sagte nun, die Diskussion beim Verteidigungsministertreffen sei die erste grundlegende Diskussion zum Thema gewesen. Schlussfolgerung sei, dass man die Beratungen mit den Mitgliedstaaten auf verschiedenen Ebenen fortsetzen werde – mit den Botschaftern und in den anderen Formaten. Der neue Mechanismus würde ihren Angaben zufolge den bereits bestehenden Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrags ergänzen. In diesem heißt es: „Im Falle eines bewaffneten Angriffs auf das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats schulden die anderen Mitgliedstaaten ihm alle in ihrer Macht stehende Hilfe und Unterstützung (…).“
Der neue Mechanismus könnte damit etwa bei den sogenannten hybriden Angriffen Russlands Anwendung finden. Darunter fallen Sabotageakte, Cyberattacken oder Desinformationskampagnen, die unterhalb der Schwelle eines offenen militärischen Angriffs bleiben.
Zu den Teilnehmern des EU-Treffens, die sich klar für einen EU-Artikel-4-Mechanismus aussprachen, gehörte der polnische Verteidigungsstaatssekretär Paweł Zalewski. Er sagte, aus seiner Sicht sei es sehr sinnvoll, so etwas für den Fall hybrider Angriffe zu haben.
Er verwies dabei darauf, dass die EU ein breiteres Instrumentarium für mögliche Reaktionen hat. So kann die NATO beispielsweise keine Wirtschaftssanktionen verhängen. Der deutsche Verteidigungsstaatssekretär Sebastian Hartmann äußerte sich nicht öffentlich zum Thema.
Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen machte er bei den internen Beratungen deutlich, dass die Bundesregierung dem Vorstoß von der Leyens offen gegenübersteht, vor einer abschließenden Bewertung aber noch viele Fragen zu klären sind. (dpa/red)
Künstlerische Darstellung Kleiner Modularer Kernreaktoren (SMRs), die in einer Fabrik vorgefertigt und mittels Lkw zum Aufstellungsort transportiert werden können. - Foto: audioundwerbung/iStock
In Kürze:
In immer mehr Ländern werden SMR-Anlagen, kleine modulare Kernreaktoren, entwickelt.
Vorreiter sind Russland und China mit bereits laufenden Reaktoren.
In Kanada befindet sich ein Reaktor in der Bauphase und könnte 2030 fertig sein.
Rolls-Royce SMR hat mit mehreren europäischen Staaten bereits Verträge zum Bau von SMR-Anlagen geschlossen.
In Deutschland ist die kommerzielle Nutzung der Kernkraft weiterhin verboten.
Den neuen Trend in der Stromgewinnung durch Kernkraft markieren SMR, sogenannte Small Modular Reactors beziehungsweise kleine modulare Kernreaktoren. Sie sind deutlich kleiner und leistungsschwächer – der Definition nach maximal 300 Megawatt (MW) – als die Reaktoren großer konventioneller Kernkraftwerke. Allerdings sollen sie dafür flexibler einsetzbar und aufgrund Serienfertigung günstiger sein.
Diese Technologie steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. Weltweit gibt es kaum Anlagen, die sich bereits im kommerziellen Betrieb befinden. Dafür existieren umso mehr, die sich im Bau, in der Test- oder Planungsphase befinden.
Auch wenn Deutschland vor gut drei Jahren aus der kommerziellen Stromerzeugung durch Kernkraft ausgestiegen ist, setzen viele Länder weiterhin auf nukleare Brennstoffe. Einige Staaten wie Italien, Polen, Norwegen oder die Türkei wollen sogar einsteigen. Somit besitzt auch das Interesse an SMR-Anlagen eine internationale Tragweite.
Status Quo verschiedener Länder hinsichtlich Kernkraft. In Klammern jeweils die Anzahl der in Betrieb befindlichen Reaktoren.
Aktuell sind nur zwei kommerzielle SMR-Anlagen in Betrieb. Eine davon befindet sich im Nordosten von Russland – nicht an Land, aber auf See. Die „Akademik Lomonossow“ ist das erste und einzige in Betrieb befindliche schwimmende Kernkraftwerk mit kleinen modularen Reaktoren. Sie steht am Hafen der Stadt Pewek im Autonomen Kreis der Tschuktschen.
Der SMR besteht aus zwei Druckwasserreaktoren des Typs KLT-40S mit je 38,5 MW elektrischer Leistung, in Summe also 77 MW. Die Anlage läuft seit Mai 2020 und soll eine Lebensdauer von voraussichtlich 40 Jahren besitzen.
Das schwimmende Kernkraftwerk Akademik Lomonossow am Hafen der Stadt Pewek.
Der schwimmende Reaktor liefert Strom und Fernwärme für die abgelegene Arktisregion. Alle 3,5 Jahre ist der Austausch aller Brennelemente vorgesehen. Theoretisch kann diese Anlage eine Stadt mit bis zu 100.000 Einwohnern mit Strom versorgen.
Die zweite SMR-Anlage befindet sich in der chinesischen Stadt Rongcheng in der Provinz Shandong. Sie besteht ebenfalls aus zwei Reaktoren, die gemeinsam eine elektrische Leistung von 210 MW aufweisen. Im Gegensatz zur Akademik Lomonossow funktioniert das Kernkraftwerk Shidaowan auf Grundlage eines gasgekühlten Hochtemperatur-Kugelhaufenreaktors (HTR-PM).
Seit Dezember 2023 befindet sich der chinesische Reaktor im kommerziellen Betrieb. Es ist somit der weltweit erste HTR-PM in SMR-Form, die technische Grundlage hingegen wurde vor mehr als 50 Jahren in Deutschland entwickelt. Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei die Sicherheit der Anlage. Sollte der Primärkreislauf zum Erliegen kommen, kühlt er von selbst ab, sodass eine Kernschmelze nicht möglich ist. Auch wenn die Kühlmittelleitungen des Primärkreislaufs reißen, schmilzt der Reaktorkern nicht und kühlt sich durch natürliche Konvektion selbst ab.
Darüber hinaus sind weltweit aktuell keine anderen SMR-Anlagen im kommerziellen Betrieb. Doch das dürfte sich bald ändern. China und auch Russland wollen weitere SMR ans Netz bringen. So steht in der chinesischen Hafenstadt Changjiang auf der Insel Hainan der „Linglong One“ oder „ACP100“ kurz vor der Fertigstellung. Die Leistung des Druckwasserreaktors soll 125 MW betragen.
Nach mehreren Testläufen soll der ACP100 noch in diesem Jahr in Betrieb gehen. Mitte 2021 begannen die Bauarbeiten. Der Reaktor könne jährlich eine Milliarde Kilowattstunden Strom erzeugen – genug, um den Bedarf von 526.000 Haushalten zu decken. Neben der reinen Stromerzeugung soll die Anlage auch für Heizung, Dampferzeugung oder Meerwasserentsalzung ausgelegt sein.
Bis der nächste SMR in Russland betriebsbereit ist, dürften noch ein paar Jahre vergehen. Der neue „BREST-OD-300“, ein bleigekühlter schneller Reaktor mit 300 MW, befindet sich noch in der Bauphase. Die Fertigstellung ist auf Winter 2027/2028 angesetzt. Gleichzeitig plant das Land den Bau von weiteren schwimmenden SMR. Dazu hat die Maschinenbauabteilung der Kernenergiebehörde Rosatom bereits entsprechende RITM-200C-Reaktoren mit je 58 MW hergestellt.
In Asien will auch Usbekistan in die Kernkraft einsteigen. Dazu hat sich das zentralasiatische Land für russische RITM-200N-Reaktoren entschieden. Zunächst waren dort insgesamt sechs wassergekühlte Druckwasser-SMR mit je 55 MW angedacht. Inzwischen stellten die Beteiligten den Vertrag auf noch zwei RITM-200N-Reaktoren plus zwei größere VVER-1000-Rektoren am selben Standort. Wenn alles nach Plan verläuft, soll ein erster Reaktor Ende 2029 ans Netz gehen.
Amerika will nachziehen
Weitere Länder, die momentan SMR errichten, sind Kanada, die USA und Argentinien. In Kanada befindet sich der Darlington SMR-1 aktuell in der Bauphase. Es handelt sich um das Modell BWRX-300. Als Baubeginn nennt der Weltverband der Kernenergie den 26. Juni 2026. In den Monaten zuvor wurden bereits Vorarbeiten getätigt und das Fundament errichtet. Wenn die Anlage fertiggestellt ist, soll der Reaktor eine elektrische Leistung von 300 MW liefern – und könnte der erste SMR im Westen sein.
Im April 2026 erfolgte der Einhub der knapp 1.000 Tonnen schweren Grundplatte des SMR in Darlington, Kanada.
Ebenso baut das US-amerikanische Unternehmen TerraPower seit April 2026 im US-Bundesstaat Wyoming einen Natrium-Reaktor. Die Fertigstellung ist für 2030 vorgesehen – wobei die Anlage auf 345 MW Leistung kommen soll und somit über dem Limit eines SMR liegt. Zudem soll der natriumgekühlte Schnellreaktor seine Leistung vorübergehend für rund fünf Stunden auf 500 MW erhöhen kann. So soll die Anlage auf die täglichen Stromlastwechsel durch „erneuerbare“ Energiequellen flexibel reagieren können.
Die Genehmigung für den Natrium-Reaktor erfolgte im März 2026 durch die Nukleare Regulationsbehörde (NRC). Diese teilte der Epoch Times auf Anfrage mit, welche weiteren SMR-Projekte es aktuell in den Vereinigten Staaten gibt. Hierzu zählen eine Designzertifizierung des Unternehmens NuScale, wobei das Projekt 2023 eingestellt wurde, und ein Mikroreaktor von eVinci in der Planungsphase. Gleichzeitig prüft das NRC seit 2019 mehrere Berichte und Dokumente zu einem eigenen BWRX-300-Reaktor.
Darüber hinaus erhielt auch der Demonstrationsreaktor Hermes 2 des US-Unternehmens Kairos eine Baugenehmigung und befindet sich im Bau. Der 50-MW-Reaktor soll Google-Rechenzentren in Tennessee und Alabama versorgen und dazu beitragen, diese zu dekarbonisieren.
Seit 2014 versucht auch Argentinien mit dem CAREM-25 eine SMR-Anlage zu errichten. Gravierende technische und finanzielle Schwierigkeiten bremsten das Projekt vor einigen Monaten vorerst aus. Inzwischen plant das südamerikanische Land mit dem ACR-300 einen Leichtwasser-SMR mit 300 MW zu bauen. Auch hier ist nicht vor 2030 nicht mit der Fertigstellung zu rechnen. Die Kosten sind auf umgerechnet gut eine Milliarde Euro veranschlagt.
Deutschland hält sich raus
Das aktuelle deutsche Atomgesetz verbietet hierzulande die kommerzielle Stromerzeugung aus Kernenergie. Entsprechend existieren keine Pläne, auf deutschem Boden einen SMR zu errichten.
Lediglich flammen in der politischen Debatte vereinzelte Zustimmungen zu einer Rückkehr zur Kernkraft auf. So sprach sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder im März dieses Jahres für den Bau von SMR-Anlagen aus. Die in vielen Umfragen führende Oppositionspartei AfD befürwortet eine vollständige Rückkehr zur Kernkraft.
In Europa plant unter anderem Rumänien den Bau eines SMR geplant. Es traten zuletzt jedoch Komplikationen bei Grundstückskauf, Finanzierung und Zeitplan auf.
Konkrete Pläne zu SMR-Anlagen haben zudem Großbritannien, die Tschechische Republik und Schweden. Rolls-Royce SMR teilte der Epoch Times mit, dass das Unternehmen bereits „vertragliche Verpflichtungen“, mit diesen Ländern abgeschlossen habe. Laut eigenen Angaben sei Rolls-Royce SMR Europas führender Anbieter von SMR-Technologie.
„In Europa sollen unsere ersten Anlagen im Vereinigten Königreich und in der Tschechischen Republik Mitte der 2030er Jahre in Betrieb gehen“, teilte ein Sprecher von Rolls-Royce SMR mit. Die ersten Inbetriebnahmen seien voraussichtlich im Vereinigten Königreich mitsamt Netzeinspeisung zu erwarten.
Ein aktuelles Einstiegsland bei der Kernkraft ist die Türkei. Neben konventionellen Großreaktoren konzentriert sich das transkontinentale Land auch auf SMR. Bis 2050 will die Türkei eine SMR-Kapazität von insgesamt 5.000 MW erreichen. Interesse an der SMR-Technologie haben ebenfalls Belgien, Italien, Dänemark bekundet.
Noch befinden sich die meisten SMR-Anlagen in der Planungs- oder Bauphase. Mit weltweit gerade einmal zwei in Betrieb befindlichen Reaktoren kann bislang nicht von einer Massentauglichkeit die Rede sein. Die Komplikationen etwa in Argentinien und Rumänien zeigen, welche Schwierigkeiten es auf dem Weg bis dorthin noch gibt.
Rolls Royce SMR teilte hierzu optimistisch mit: „SMRs befinden sich bereits auf dem Weg von der Entwicklung zum Einsatz, wobei in Europa mehrere Projekte voranschreiten.“ Das Unternehmen rechnet mit einer „breiteren Einführung, sobald die ersten Projekte dieser Art fertiggestellt sind und nationale Programme im Laufe der 2030er Jahre ausgebaut werden“.
Bisher steht der Massentauglichkeit von SMR noch die Finanzierung im Weg. Das zeigen manche Projekte wie in Kanada und in Rumänien, die sich bei Folgeschätzungen kostspieliger entpuppten.
Eine aktualisierte Datenbank über SMR-Projekte und Unternehmen weltweit bietet das SMR-Dashboard der Nuklearen Energieagentur (NEA).
Künstlerische Darstellung von Plesiosauriern, die sich am Meeresboden ernähren. - Foto: Lente Artemieff (mit KI) | CC BY
In Kürze:
Vor der Küste Norwegens haben Forscher versteinertes Erbrochenes von 150 Millionen Jahre alten Urzeitechsen gefunden.
Verursacher waren sogenannte Plesiosaurier, die wie Eulen und Katzen heute, die unverdaulichen Überreste ihrer Nahrung ausspuckten.
Tiere übergeben sich nicht nur, wenn ihnen schlecht ist. Eulen, Katzen und andere Tiere werden so auch Gewölle los, also Sammlungen unverdaulicher Reste ihrer Nahrung. Das ist keine Erfindung der Neuzeit, wie der Paläontologe Dirk Knaust berichtet. Auch den Urzeitechsen war demnach wahrscheinlich öfter mal zum Speien. Sie hätten sich so etwa der Schalen gemampfter Muscheln entledigt.
Knaust ist Spezialist für fossile Spuren und analysierte in den vergangenen drei Jahrzehnten mehrere Tausend Meter Bohrkernproben aus der Nordsee. Für die aktuelle Analyse studierte er mehr als 20 Walnuss- bis Mango-große Klumpen aus versteinertem Erbrochenem, auch Regurgitalithe genannt. Über verschiedene Vergleiche schloss er auf ausgestorbene Meeresreptilien als Verursacher.
Ran an die Küste und losgewürgt
„Plesiosaurier könnten sich nach der Jagd zur Erholung oder zum Schlafen der Küste genähert haben, und wahrscheinlich haben sie sich dann erbrochen“, meint Knaust. „Wir beobachten heute bei Robben und Salzwasserkrokodilen ein ähnliches Verhalten, doch während diese an Land gehen, blieben Plesiosaurier aufgrund ihres Gewichts und ihrer Körperform wahrscheinlich unter Wasser.“
Plesiosaurier wurden bis zu zwölf Meter lang, hatten vier paddelförmige Flossen und einen langen Hals. Dieses Konzept erwies sich als sehr erfolgreich. Laut Paläontologen überlebten diese Kreaturen mehr als 140 Millionen Jahre und verschiedene Massenaussterben. Die Brocken von Erbrochenem führt Knaust auf sogenannte Kryptoklididen zurück – diese mittelgroßen Plesiosaurier lebten vor etwa 175 bis 100 Millionen Jahren.
Aus früheren Untersuchungen ist bekannt, dass Plesiosaurier wahrscheinlich mit nach unten geneigtem Kopf Muscheln und andere Dinge vom Meeresboden verschlangen. Mit den Zähnen zerkleinern konnten sie diese vermutlich nicht, sondern schluckten sie ganz. Später spuckten sie die Schalen als komprimierte Ballen aus, so wie Eulen das heute mit Haaren und Knochen ihrer Beute tun.
Bohrkernaufnahme von 160 Millionen Jahre altem Sand, der eine Ansammlung von Muscheln und Pflanzenresten enthält, die als Erbrochenes eines Plesiosauriers interpretiert wird.
„Durchforsten, was ausgestorbene Tiere ausgespuckt haben“
Die Klumpen enthielten zudem Überreste von Röhrenwürmern, Seelilien und Belemniten (tintenfischartige Kopffüßer). Diese Mischung und die Größe der Brocken deute auf Plesiosaurier als Verursacher, so die Forscher.
Das Erbrochene blieb demnach unter anderem deshalb erhalten, weil es stark verdichtet und mit Schleim überzogen war. Zudem seien einige Klumpen schnell von Sedimenten bedeckt worden und andere in von Krebstieren am Meeresboden hinterlassene, schützende Höhlen gelangt und dort versteinert.
„In den letzten zehn Jahren gab es zahlreiche Untersuchungen zu versteinerten Erbrochenen, doch die meisten davon konzentrierten sich auf Wirbeltiere, die andere Wirbeltiere fressen“, erklärte Knaust. „Dies ist das erste Mal, dass Erbrochenes von Plesiosauriern und die darin enthaltenen Schalentiere identifiziert wurden, und diese Lebewesen verraten uns eine Menge.“
Die untersuchten Fossilien stammen aus seichten Gewässern von Flussdeltas etwa 50 Kilometer vor der norwegischen Küste. Skelette von Plesiosauriern wurden aber weltweit gefunden – Knaust nimmt darum an, dass auch an vielen anderen Küsten Erbrochenes der Meeresriesen zu finden wäre. Und auch das sei nur der Anfang. „Wir können noch so viel mehr lernen, wenn wir das durchforsten, was ausgestorbene Tiere nach dem Abendessen wieder ausgespuckt haben.“ (dpa/red)
Die Studie erscheint am 23. September 2026 im Fachmagazin „Geological Magazine“.
Die Zentrale der Deutsche Bank. - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Internationale Investoren zeigen trotz einiger Hürden einer Umfrage zufolge großes Interesse an Europa. „Europa ist für die befragten Führungskräfte die attraktivste Region für Investitionen weltweit“, fasste Deutsche-Bank-Vorstand Alexander von zur Mühlen die Ergebnisse einer Erhebung für den Frankfurter Dax-Konzern zusammen. „Und innerhalb von Europa steht Deutschland deutlich an Position 1.“
Das Meinungsforschungsinstitut Kantar hat im Juli und August 1.200 Führungskräfte und Entscheidungsträger von Unternehmen aus 13 Märkten außerhalb Europas befragt.
Zwei Drittel dieser Unternehmen (67 Prozent) sind bereits in Europa investiert. Die anderen planen dies innerhalb der kommenden fünf Jahre.
„Je weiter weg ich von Europa bin, desto positiver wird die Stimmung, wenn man über Deutschland und Europa spricht“, sagte von zur Mühlen, der im Vorstand von Deutschlands größtem Geldhaus für die Regionen Asien-Pazifik, Europa, Naher Osten und Afrika sowie Deutschland zuständig ist.
„Die größte Bremse für Europa ist Europa selbst“
Lob gebe es von den Unternehmen für politische und wirtschaftliche Stabilität sowie für Innovationskraft. Kritisiert würden Hürden für das grenzüberschreitende Geschäft, hohe Kosten und langsame Genehmigungen.
„Die größte Bremse für Europa ist Europa selbst“, sagte von zur Mühlen. Wegen der Fragmentierung des Kontinents würden die Vorteile des Binnenmarktes nicht ausgeschöpft. „Das Kapital steht vor der Tür, aber Europa muss diese Tür jetzt öffnen“, sagte der Deutsche-Bank-Manager.
Angesprochen auf die jüngsten Landtagswahlen in Deutschland, bei denen die AfD sowohl in Sachsen-Anhalt als auch in Mecklenburg-Vorpommern stärkste Kraft geworden ist, sieht von zur Mühlen wachsenden Reformdruck.
„Und in dem Zusammenhang ist es wichtig: Populismus löst keinerlei Probleme“, betonte der Deutsche-Bank-Vorstand. „Wichtig ist, dass Europa, dass Deutschland nach außen eine Offenheit hat, eine Offenheit behält und nach innen den Reformdruck erhöht.“ (dpa/red)
Das Treffen mit dem finnischen Ministerpräsidenten Petteri Orpo (l) war für Kanzler Friedrich Merz der Gipfel-Auftakt. - Foto: Michael Kappeler/dpa
Die Europäer nehmen den Kampf um Einfluss in der Arktis auf. Bei einem Gipfeltreffen in der nordfinnischen Stadt Rovaniemi am Polarkreis wollen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und andere Spitzenvertreter mehrerer EU-Staaten heute darüber beraten, wie sich Europas Interessen in der Region sichern lassen.
Dabei geht es um neue Schifffahrtsrouten, aber auch um unerschlossene Rohstoffvorkommen und Sicherheitsbedrohungen durch militärische Aktivitäten Russlands und Chinas.
Die Reise zum Arktis-Gipfel war Kanzler Friedrich Merz wichtig, um ein Zeichen an die EU- und NATO-Partner zu senden, dass sich Deutschland auch in dieser Region engagiert – vor allem unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten.
Denn in dieser Hinsicht ist die Arktis Deutschland viel näher als man denkt. „Die Arktis kann als Sicherheitsraum inzwischen nicht mehr von Europa und der Ostsee abgetrennt werden“, sagt der Nordeuropa- und Sicherheitsexperte Tobias Etzold. Deshalb sind zu dem Gipfel etwa auch Staats- und Regierungschefs aus dem Baltikum eingeladen, um ihre Erfahrungen zu teilen. Ebenfalls erwartet wird die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen.
EU will eigene Interessen in Grönland verteidigen
Grönland ist zwar nicht Teil der Europäischen Union. Erst Anfang der Woche hatte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei einem Besuch auf der Arktisinsel aber eine engere Zusammenarbeit angekündigt – und ein Investitionspaket von 200 Millionen Euro. Genutzt werden soll es unter anderem für die Infrastruktur, die nötig ist, um wertvolle Rohstoffe zu bergen.
Neben Dänemark mit Grönland werden auch Norwegen mit Spitzbergen sowie Russland, die USA und Kanada zu den arktischen Polarstaaten gezählt. Dem 1996 für den Umweltschutz gegründeten Arktischen Rat gehören zudem Island, Schweden und Finnland an.
Gipfelgastgeber Finnland will bei den Gesprächen deutlich machen, dass die Arktis als ein integraler Bestandteil europäischer Sicherheit betrachtet werden muss und bei Weitem nicht mehr nur aus wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Perspektive. Als ein Beispiel für Bedrohungen gelten von Norwegen und Großbritannien offengelegte Aktivitäten russischer Unterseeboote im Hohen Norden im Frühjahr. Laut NATO-Kreisen hätten die Boote nahe Spitzbergen eine neuartige Technologie zur weitgehend spurenlosen Sabotage von Unterseekabeln erprobt.
Die Ergebnisse des Gipfels will die EU-Kommission für die Erarbeitung der geplanten neuen Arktis-Strategie nutzen. Vor allem Finnland will erreichen, dass europäische Eisbrecherfähigkeiten als konkretes Projekt darin aufgenommen werden. Die Finnen sehen Eisbrecher als Schlüssel für Europas Handlungsfähigkeit im Hohen Norden: Ohne sie lassen sich Versorgung, Handel und militärische Präsenz in weiten Teilen der Region nicht zuverlässig sichern.
Kommt eine europäische Eisbrecher-Flotte?
Kommissionspräsidentin von der Leyen hat bereits vor Längerem vorgeschlagen, höhere europäische Verteidigungsausgaben für eine „europäische Eisbrecher-Flotte“ beziehungsweise europäische Eisbrecherfähigkeiten zu nutzen, die Kommission arbeitet zudem an einem breiteren Paket für die Sicherheit der Arktis. Ein konkretes Beschaffungsprogramm oder eine festgelegte Zahl neuer Schiffe gibt es bislang allerdings nicht.
Anselm Küsters vom Centrum für Europäische Politik (cep) kommentiert zum Gipfel: „Wenn die EU-Staats- und Regierungschefs in Rovaniemi über die Arktis beraten, sollten sie den Blick von der Tagesordnung auf die Werften Helsinkis richten. Europas Souveränität entscheidet sich nicht unbedingt in teuren Chipfabriken und KI-Gigafactories, die es auch andernorts gibt, sondern gerade bei unscheinbaren Fähigkeiten, deren Ersatz Jahre dauern würde.“ Küsters verweist darauf, dass Finnland hier bereits über eine besondere Schlüsselkompetenz verfüge: Dort heimische Unternehmen hätten rund 80 Prozent der Eisbrecher weltweit entworfen und rund 60 Prozent gebaut.
Kernelemente der neuen EU-Arktispolitik
Aus der Gipfel-Delegation der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas heißt es zu dem Spitzentreffen: „Die Sicherheit der Arktis ist europäische Sicherheit, und Europa muss entsprechend handeln.“ Der Klimawandel bleibe eine zentrale Herausforderung und ein Kernelement der neuen EU-Arktispolitik. Zugleich müsse sich Europa aber einer härteren Sicherheitsrealität stellen, in der Russland die Arktis zunehmend militarisiere und China seine Präsenz und Ambitionen ausweite.
Laut Tobias Etzold vom Experten-Netzwerk Forum Nordeuropäische Politik dürfte es auch um eine Botschaft an Trump gehen. „Die EU will gegenüber den USA ein Zeichen setzen, dass sie nicht untätig bleibt und anderen das Feld überlässt, sondern ihre Interessen in der Region wahrnimmt“, sagte er. (dpa/red)
Ist in Budapest dabei: Der deutsche Goldmedaillengewinner Julian Weber im Speerwurf der Männer bei den Leichtathletik-EM im Alexander Stadium in Birmingham am 15. August 2026. - Foto: Paul Ellis/AFP via Getty Images
Mit einem hohen Preisgeld, einem straffen Programm und den größten Stars ihrer Sportart will sich die Leichtathletik bei der erstmals ausgetragenen Ultimate Championship neu in Szene setzen. Mehrere Millionen US-Dollar Preisgeld werden ausgeschüttet, ein schwarzes Innenfeld und veränderte Regeln sollen für eine Show mit neuen Facetten sorgen.
Drei Abende vom 11. bis 13. September mit 26 Einzel- und zwei Mixed-Staffel-Wettbewerben in Budapest sollen zeigen, wie gut das Konzept funktioniert. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu einem Prestigeprojekt des Weltverbandes.
Was sind die Ultimate Championships?
Eine Art Superfinale der internationalen Leichtathletik. Die Idee: Olympiasieger, Weltmeister, Diamond-League-Sieger und weitere über die Weltrangliste qualifizierte Topathleten sollen am Ende der Freiluftsaison noch einmal direkt gegeneinander antreten. Das Teilnehmerfeld ist exklusiv. Die Besten der Besten soll gefunden werden.
Weltverband-Präsident Sebastian Coe will die Leichtathletik noch attraktiver machen. (Archivbild)
Foto: Marcus Brandt/dpa
Warum gibt es den neuen Wettbewerb?
Weniger Athleten, weniger Leerlauf, mehr Entscheidungen. Statt langer Wettkampftage mit Vorläufen und mehreren gleichzeitig stattfindenden Entscheidungen setzt der Weltverband auf kurze Sessions, die Topstars und direkte Duelle.
Auch die Präsentation wird verändert: Das Innenfeld des Stadions wird schwarz gestaltet, jeweils relevante Wettkampfflächen sollen optisch hervorgehoben werden. Hinzu sollen neue TV-Grafiken, Siegwahrscheinlichkeiten und mehr Show-Elemente kommen. Wie sehr die Stars im Fokus stehen, zeigt auch die Event-Hymne. Die singt Stabhochsprung-Weltrekordler Armand „Mondo“ Duplantis.
Warum sehen einige Leichtathleten das Event kritisch?
Eine WM umfasst in der Regel neun Wettkampftage mit 13 oder 14 Sessions. Daher konnten nicht alle Disziplinen berücksichtigt werden. Vor allem einige Wurfdisziplinen fallen der Verknappung zum Opfer. Das löst Kritik aus.
„Da aus World Athletics inzwischen World Running geworden ist, werde ich meine Saison nun beenden und mir die dringend benötigte Auszeit nehmen“, erklärte Diskuswurf-Europameisterin Jorinde van Klinken aus den Niederlanden am vergangenen Wochenende.
Auch Dreisprung-Olympiasieger Pedro Pichardo ging den Weltverband an. „Das ist keine Leichtathletik, und es ist nicht gut für unseren Sport. Hört auf, uns auszuschließen“, schrieb der Portugiese auf Instagram. Der Dreisprung der Männer ist genauso wenig Teil des dreitägigen Wettkampfprogramms wie das Diskuswerfen der Frauen.
Laut World Athletics ist das Ziel, in jeder Session eine Mischung von Disziplinen anzubieten, die Spannung erzeugt und das Publikum durchgehend ins Wettkampfgeschehen einbindet.
Das Ereignis soll alle zwei Jahre stattfinden und damit auch in Jahren ohne Freiluft-WM einen globalen Saisonhöhepunkt schaffen. Die klassische WM bleibt aber.
„Ich bin kein großer Fan davon, dass es jedes Jahr einen Wettkampf auf Weltniveau – also Olympia, WM oder das neue Format – gibt. Das erhöht einfach den Druck auf die Athletinnen und Athleten, die immer performen müssen“, sagte die verletzungsbedingt fehlende Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo dpa.
Welche Deutschen starten?
Hammerwurf-Vizeweltmeister Merlin Hummel, Speerwurf-Europameister Julian Weber, die Langhürdler Emil Agyekum und Owe Fischer-Breiholz sowie 1.500-Meter-Läufer Robert Farken sind dabei. Dazu kommt die deutsche 4×100-Meter-Mixed-Staffel. Insgesamt sind 381 Starterinnen und Starter aus 65 Nationen im Teilnehmerfeld.
Wie viel Geld gibt es zu gewinnen?
Insgesamt schüttet der Weltverband zehn Millionen US-Dollar (rund 8,6 Millionen Euro) aus – nach Angaben des Verbands das höchste Preisgeld, das jemals bei einer einzelnen Leichtathletik-Veranstaltung angeboten wurde.
Ein Sieg in einem Einzelwettbewerb bringt 150.000 Dollar, Platz zwei 75.000 und Platz drei 40.000 Dollar. Selbst Rang 16 wird noch mit 2.000 Dollar honoriert. Für einen Staffelsieg gibt es insgesamt 80.000 Dollar.
Speerwerfer Julian Weber ist ein deutscher Hoffnungsträger in Budapest. (Archivbild)
Foto: Sven Hoppe/dpa
Kann das Konzept funktionieren?
Sportlich spricht einiges dafür. Kleine Felder und hohe Preisgelder erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass viele der Besten tatsächlich gegeneinander antreten. Und eine Veranstaltung, die nach rund drei Stunden beendet ist, lässt sich leichter präsentieren als ein kompletter WM-Tag. Die ARD überträgt die drei Wettkampftage im Livestream und in der Mediathek.
Das Risiko liegt auf der anderen Seite genau in dieser Verknappung. Die Leichtathletik lebt auch von ihrer Vielfalt. Nicht alle olympischen Disziplinen bekommen einen Platz. Kleine Felder bedeuten zudem, dass viele international starke Athleten außen vor bleiben.
Und noch etwas kann nicht künstlich erzeugt werden: Prestige. Ein Olympiasieg oder WM-Titel hat seinen Wert über Jahrzehnte entwickelt. Ob Athleten und Zuschauer eines Tages ähnlich selbstverständlich von einem „Ultimate Champion“ sprechen, wird sich erst zeigen.
Warum könnte das Event auch für andere Traditionssportarten spannend sein?
Weil dort mehr getestet wird als nur ein neuer Wettkampf. Es wird versucht, eine alte Frage zu beantworten: Wie präsentiert man eine komplexe Sportart mit vielen Disziplinen so, dass sie auch außerhalb von Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften ein großes Publikum erreicht?
Drei Abende in Budapest werden darauf noch keine endgültige Antwort geben. Sie könnten aber zeigen, in welche Richtung es gehen könnte.
Die regelmäßigen Pisa-Studien machen immer wieder aufs Neue Kopfzerbrechen. (Symbolbild) - Foto: picture alliance/Jens Büttner/dpa
Deutschlands Schülerinnen und Schüler rutschen im internationalen Vergleich immer weiter ab: Die Ergebnisse von 15-Jährigen in Mathematik, Lesekompetenz und Naturwissenschaften waren „die niedrigsten, die je gemessen wurden“, wie es in der am Dienstag von der OECD in Paris veröffentlichten Pisa-Studie heißt.
Mit diesem Ergebnis rangiert Deutschland in allen drei Bereichen nahe am Durchschnitt aller rund 90 getesteten Länder. An der Spitze des internationalen Bildungsvergleichs liegen erneut Singapur und vier chinesische Regionen.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) testet in regelmäßigen Abständen die Kenntnisse und Fähigkeiten 15-jähriger Schülerinnen und Schüler in ihren Mitgliedstaaten und Partnerländern und veröffentlicht die Ergebnisse in der sogenannten Pisa-Studie.
Die Test-Ergebnisse seien aussagekräftig für den langfristigen Erfolg von Volkswirtschaften und Gesellschaften, betonen die Autoren.
Für die Pisa-Studie werden weltweit Hunderttausende Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren getestet. (Symbolbild)
Foto: picture alliance / dpa
In Mathe und Lesen schlechter als 2022
In Deutschland waren demnach die Durchschnittsergebnisse 2025 in Mathematik und Lesekompetenz niedriger als beim vorangegangenen Pisa-Test 2022. In den Naturwissenschaften lagen sie etwa gleichauf. Damit verstärke sich auf das gesamte Jahrzehnt betrachtet in Deutschland ein „negativer Trend“, hieß es weiter.
Insgesamt erreichten die in Deutschland getesteten Schüler in Naturwissenschaften im Durchschnitt 486 Punkte, im Lesen 465 Punkte und in Mathematik 464 Punkte. 2022 waren es 492 in Naturwissenschaften, 480 im Lesen und 475 in Mathematik.
Japan erreichte einen Mittelwert von 538 Punkten in Naturwissenschaften, 503 Punkten beim Lesen und 525 bei Mathematik.
Nur knapp 70 Prozent der deutschen Schülerinnen und Schüler erreichten laut Studie bei der Lesekompetenz die von der OECD als Mindestniveau definierte Fähigkeit, die Hauptaussage eines mittellangen Textes zu verstehen. In China erreichten dieses Niveau 93 Prozent.
Forscher zeigen sich vor allem alarmiert über den wachsenden Anteil junger Leute, denen Basiskompetenzen fehlen. Bei rund einem Drittel der 15-Jährigen gilt das fürs Lesen und in Mathematik, bei einem Viertel in Naturwissenschaften. Bei etwa einem Fünftel der Jugendlichen fehlt es in allen drei Testfeldern am Grundsätzlichen. Der Anteil habe sich seit 2015 im Lesen und in Mathematik verdoppelt.
Im OECD-Durchschnitt entspricht der in vielen Staaten verzeichnete Rückgang bei der Lesekompetenz laut Studie in etwa einem kompletten Schuljahr. Die Autoren sprechen von einem „besorgniserregenden“ Befund, da es gerade im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz (KI) darauf ankomme, Informationen zu bewerten und das Gelesene kritisch zu hinterfragen.
„Flüchtig Lesende“ nehmen zu
In allen teilnehmenden Ländern habe sich der Anteil der „flüchtig Lesenden“, die Texte hastig überfliegen und dann falsche Antworten geben, zwischen 2018 und 2025 nahezu verdoppelt. Die Autoren der Studie nennen mehrere Faktoren für den allgemeinen Rückgang der Lesefähigkeit, darunter längere Bildschirmzeiten und die Tatsache, dass weniger Zeit mit Lesen zum Vergnügen verbracht wird.
Dabei sei auch zu beobachten, dass eine abnehmende Lesekompetenz mit nachlassenden Fähigkeiten in den anderen Bereichen einhergeht: „Länder mit dem größten Leistungsrückgang in Lesekompetenz verzeichnen in der Regel auch den stärksten Leistungsabfall in Mathematik und Naturwissenschaften“, heißt es in der Studie.
Deutschland zählt nach Überzeugung der Autoren mit seinem mehrgliedrigen Schulsystem zu den Ländern, in denen die jeweilige Schulform die Leistungsunterschiede noch betone. Dies könne Ungleichheiten verschärfen, und es bestehe die Gefahr, dass es zwar „Inseln der Exzellenz“ gebe, die Bildungsqualität insgesamt aber leide.
Zwischen 2015 und 2025 habe sich in Deutschland der Leistungsabstand in Naturwissenschaften zwischen gesellschaftlich privilegierten und benachteiligten Schülerinnen und Schülern vergrößert, heißt es weiter in der Studie. Während die Leistungen der ersteren in etwa stabil blieben, sackten die der gesellschaftlich benachteiligten Schülerinnen und Schüler ab.
Ein Drittel der 15-Jährigen hält Schule für Zeitverschwendung
Somit ließen sich in Deutschland 19 Prozent der Leistungsunterschiede bei Naturwissenschaften mit dem gesellschaftlichen Hintergrund erklären, hieß es weiter. OECD-weit seien es lediglich zwölf Prozent. Auch der Schulverdruss ist in Deutschland ausgeprägter als im Durchschnitt: Ein Drittel der befragten 15-Jährigen hält Schule für eine „Zeitverschwendung“, im OECD-Schnitt sind es 24 Prozent, also nur knapp ein Viertel.
An dem 2025 organisierten Pisa-Test nahmen in Deutschland etwa 6.700 Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren teil. Insgesamt waren es mehr als 760.000 Jugendliche aus 91 Ländern und Volkswirtschaften. Die Pisa-Studie wurde bislang alle drei Jahre erstellt, künftig soll dies alle vier Jahre geschehen. (afp/dpa/red)
Sachsen-Anhalt hat gewählt. - Foto: Matthias Bein/dpa
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit dem starken Abschneiden der AfD und dem herben Absturz der CDU macht im Ausland Schlagzeilen. Medien wie die BBC und die englischsprachige Seite des arabischen Senders Al Jazeera pushten die ersten Prognosen auf die Handys ihrer Leserinnen und Leser. Auf vielen Online-Seiten war die Berichterstattung weit oben.
Großbritannien
„The Telegraph“: „Migrantenfeindliche AfD steuert in Ostdeutschland auf überwältigenden Wahlsieg zu“
BBC: „Seit dem Zweiten Weltkrieg hat in Deutschland noch nie eine Rechtsaußenpartei die Kontrolle über ein Bundesland übernommen. Eine Regierungsbeteiligung auf Landesebene würde Zuständigkeiten für die Polizei sowie für das Bildungs- und Kulturwesen mit sich bringen.“
„Financial Times“: „Prognosen zufolge wird die Alternative für Deutschland (AfD) bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stärkste Kraft. Dies wäre ein Durchbruch für die Partei der äußersten Rechten und zugleich ein schwerer Rückschlag bei den Wahlen für die etablierten politischen Parteien Deutschlands.“
„The Times“: „Sollten sich die Hochrechnungen bestätigen, wäre das Ergebnis eine persönliche Demütigung für Friedrich Merz, dem geraten worden war, den Wahlkampf fast gänzlich zu meiden – aus Angst, seine persönliche Unbeliebtheit könnte der AfD Auftrieb geben. Der Stimmenanteil der CDU hat sich im Vergleich zum Ergebnis bei der letzten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Jahr 2021 halbiert; damals konnte sie die AfD noch knapp abwehren.“
Polen
„Politische Wende in Deutschland?“, fragt das polnische Portal „Onet“. Und die „Gazeta Wyborcza“ schreibt: „Exit Polls: AfD gewinnt. Wird sie in der Lage sein, die Regierung zu bilden?“ Die Tageszeitung „Rzeczpospolita“ widmet der Wahl einen Live-Ticker.
Tschechien
„Aktualne.cz“: „Umbruch in Deutschland? Die AfD triumphiert Prognosen zufolge in einer Landtagswahl“
„Lidove noviny“: „Deutschland gehen die Zeit und das Geld aus. Es muss sich eingestehen, dass das bisherige Modell bereits nicht mehr funktioniert.“
„De Tijd“: „Das Ergebnis – das beste für die Anti-Einwanderungspartei seit ihrer Gründung im Jahr 2013 – ist ein herber Rückschlag für die CDU unter Bundeskanzler Friedrich Merz.
Die AfD hat von der Frustration über eine schwächelnde Wirtschaft und steigende Energiepreise profitiert, indem sie gesellschaftliche Missstände aufgegriffen und dazu aufgerufen hat, die Migration zu stoppen, Klimaschutzmaßnahmen einzustellen und die Beziehungen zu Russland wiederherzustellen.“
Niederlande
„de Volkskrant“: „Sollte die AfD die absolute Mehrheit verfehlen, wird die Regierungsbildung sehr schwierig. Die CDU müsste dann eine Minderheitsregierung mit der SPD und den Grünen bilden. In wichtigen Fragen wäre sie jedoch auf die Unterstützung der radikalen Linken angewiesen sowie möglicherweise auf die des BSW.
Das ist innerhalb der CDU ein äußerst heikles Thema. Zudem stellt sich die Frage, ob CDU-Ministerpräsident und Spitzenkandidat Sven Schulze dieses Wahlergebnis politisch überleben wird.“
Italien
„La Repubblica“: „Die schwarze Welle der AfD in Sachsen-Anhalt. (…) Die Wahllokale schlossen um 18.00 Uhr bei den Wahlen zum Landesparlament des ärmsten und zugleich ältesten Bundeslandes des Landes. Die Alternative für Deutschland liegt mit großem Vorsprung vorn: Sollte es ihr gelingen, allein zu regieren, wäre dies die erste rechtsextreme Regierung in Deutschland seit 1945.“
„La Stampa“: „Es handelt sich um das beste Ergebnis überhaupt für die Souveränisten in einem deutschen Bundesland, das den Weg für die erste rechtsextreme Regierung im Land seit 1945 ebnet und den Erfolg des lokalen Parteichefs Ulrich Siegmund krönt.“
Wie „La Repubblica“ und „La Stampa“ widmet auch die Zeitung „Corriere della Sera“ der Wahl in Sachsen-Anhalt einen Live-Ticker.
Spanien
„La Vanguardia“: „Die rechtsextreme AfD hat am Sonntag die deutsche Politiklandschaft mit einem Rekordsieg bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt aufgerüttelt. Laut ersten Prognosen des ZDF erzielte sie 44 % der Stimmen. Die CDU landete mit 18,5 % weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz.“
Portugal
„Público“: Wahlen in Sachsen-Anhalt: Nachwahlbefragungen sagen AfD 44 % voraus. Die Zahlen erlauben es uns noch nicht, festzustellen, ob die AfD das Land tatsächlich regieren könnte, aber Alice Weidel sagte bereits, dass die Partei ein Mandat zur Führung der Exekutive habe.“
Norwegen
NRK: „AfD steuert auf deutlichen Sieg in deutschem Bundesland zu. Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg könnte eine Rechtsaußenpartei in einem deutschen Bundesland an die Macht kommen.“
„Dagens Nyheter“: „Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg könnte eine radikal-rechte Partei in einem deutschen Bundesland die Macht übernehmen.“
Brasilien
„Folha de São Paulo“: „Extreme Rechte führt bei Landtagswahlen in Deutschland und könnte laut Prognosen nach fast einem Jahrhundert wieder an die Macht kommen“, titelt die Zeitung. „Die Wahl Siegmunds, der einen populistischen Wahlkampf auf TikTok geführt und dabei emotionale Erinnerungen an die ehemalige DDR geweckt hat, wäre ein seit dem Zweiten Weltkrieg beispielloses Ereignis in Deutschland.“
USA
„New York Times“: „Nach ersten Prognosen vom Sonntag dürfte die Partei „Alternative für Deutschland“ bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Osten Deutschlands auf den ersten Platz kommen, was die Möglichkeit eröffnet, dass die extreme Rechte zum ersten Mal seit dem Ende der Nazizeit in einem Teil des Landes die Macht übernehmen könnte. (…) Dieser Zuwachs ging fast ausschließlich zulasten der Christdemokraten, der Partei von Bundeskanzler Friedrich Merz, die heute Abend gemessen am Stimmenanteil mit Abstand die größten Verlierer sind.“
Die „New York Times“ setzt das Thema auf Platz zwei und begleitet die Entwicklungen im Live-Ticker, bei CNN steht der Ausgang der Wahl auch weit oben auf der Seite. Die „Washington Post“ räumte den Entwicklungen weniger Priorität ein, die Wahl war unter verschiedenen Nachrichten aus der Welt zu finden. (dpa/red)
Tadej Pogacar muss nach einem Sturz bei der Vuelta aufgeben. (Archivbild) - Foto: Philippe Magoni/AP/dpa
Tadej Pogacar saß mit blutenden Wunden an der linken Schulter und am Kopf auf dem Asphalt, dann schnappte er sich seine Rennmaschine und wollte den Traum vom Vuelta-Sieg nicht aufgeben.
Doch nichts ging mehr, die Schmerzen waren zu groß. Der Rad-Superstar stieg schließlich in den Krankenwagen und gab auf der achten Etappe der Spanien-Rundfahrt auf.
Im Krankenhaus hatte der Radstar dann die traurige Gewissheit. Die Saison dürfte für ihn gelaufen sein, denn Pogacar erlitt einen verschobenen Bruch des linken Schlüsselbeins und einen stabilen Bruch des siebten Halswirbels.
Das teilte sein UAE-Teamarzt Adrian Rotunno nach einer Untersuchung im Krankenhaus mit. Außerdem trug der Weltmeister eine Gehirnerschütterung und zahlreiche Abschürfungen davon.
„Er wird eine Operation am Schlüsselbein benötigen. Dieser Eingriff wird jedoch aufgrund der bei einer Gehirnerschütterung gebotenen Vorsichtsmaßnahmen zunächst zurückgestellt“, sagte Rotunno.
32 Kilometer vor dem Ziel gestürzt
Damit ist der große Topfavorit raus. Ähnlich wie seine Rivalen Jonas Vingegaard und Florian Lipowitz bei der Tour musste Pogacar nach einem heftigen Sturz bei der Vuelta aufgeben.
32 Kilometer vor dem Ziel in Xeraco war der slowenische Weltmeister nach einem Schlenker kopfüber zu Fall gekommen. Dabei hatte er noch zwei Fahrer vom Visma-Rennstall mitgerissen. Was die genaue Ursache war, blieb zunächst unklar. Womöglich ist Pogacar einem Stein am Straßenrand ausgewichen.
„Das schmerzt. Nicht das Ende, auf das irgendjemand gehofft hatte“, schrieb die Vuelta. Schnell gab es auf den Radsport-Portalen zahlreiche Genesungswünsche an Pogacar.
„Er wollte weitermachen, aber die Schulter hat unglaublich wehgetan. Er hat geblutet an der Augenbraue. Er musste genäht werden“, sagte UAE-Sportdirektor Matxin Fernandez und ergänzte mit Blick auf den Crash: „Dafür ist keiner verantwortlich. Das sind Sachen, die im Radsport passieren. Wir wissen nicht genau, was passiert ist.“
Pogacar hatte ersten Vuelta-Sieg vor Augen
Dabei war der 27-Jährige auf dem besten Weg, erstmals die Vuelta zu gewinnen. Nach drei Etappensiegen lag er vor der achten Etappe in der Gesamtwertung bereits 3:50 Minuten vor dem Spanier Enric Mas.
Die Spanien-Rundfahrt ist die einzige Grand Tour, die Pogacar in seiner Siegerliste noch fehlt. Ende Juli hatte er zum fünften Mal die Tour gewonnen, dazu gewann er 2024 den Giro d’Italia.
Nach dem Aus von Pogacar ist Mas nun neuer Spitzenreiter. Dahinter darf sich auch der viermalige Gesamtsieger Primoz Roglic Hoffnungen auf einen weiteren Erfolg machen. Die achte Etappe gewann nach 171 Kilometern von Pucol nach Xeraco der Franzose Bryan Coquard im Sprint vor Ex-Weltmeister Mads Pedersen. Kurz vor dem Zielsprint kam es noch zu einem heftigen Massensturz. Nur eine kleine Gruppe sprintete noch um den Sieg.
WM-Start in Montreal kaum möglich
Pogacar wurde nach dem Sturz ins Krankenhaus gebracht. Nach der Diagnose dürfte klar sein, dass er seinen Titel bei den Straßenrad-Weltmeisterschaften in Montreal am 27. September kaum verteidigen kann. Bei einem Schlüsselbeinbruch ist mit einer Pause von mindestens sechs Wochen zu rechnen. Der Ausnahmekönner hatte 2024 und 2025 jeweils das WM-Straßenrennen gewonnen.
Schwere Stürze haben bei Pogacar Seltenheitswert. 2023 war der Ausnahmekönner beim Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich gestürzt und hatte dabei einen Kahnbeinbruch erlitten. Ansonsten gingen die wenigen Stürze des Tour-Champions eher glimpflich aus, wie 2025 bei der Tour. Bei Rundfahrten hatte Pogacar bei 50 Starts das Rennen auch jeweils beendet.
Am Donnerstag hatte Pogacar noch Glück, als er sich auf der Abfahrt des Puerto El Bartolo versteuert hatte und in die Botanik musste. Bei dem Vorfall konnte er sich aber auf dem Rad halten und die Fahrt sofort wieder aufnehmen.
Sturz-Aus wie Vingegaard und Lipowitz
Die Bilder erinnerten ein wenig an die Szenen seiner Rivalen Vingegaard und Lipowitz. Beide waren bei der Tour gestürzt und hatten jeweils einen Schlüsselbeinbruch erlitten. Vingegaard hat inzwischen seine Saison schon beendet. Bei Lipowitz ist noch unklar, ob er diese Saison noch einmal eingreift. (dpa/red)
Die seit Jahren krisengeplagte deutsche Chemiebranche profitiert ohne eigenes Zutun von den Folgen des Irankriegs. (Symbolbild) - Foto: Florian Wiegand/dpa
Die Stimmung in der krisengeplagten deutschen Chemieindustrie hat sich schlagartig aufgehellt: Erstmals seit vier Jahren schätzten die Chemieunternehmen ihre aktuelle Geschäftslage im zu Ende gehenden August wieder positiv ein, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Der Indikator ist von minus 14,6 Punkten im Juli auf nunmehr plus 11,6 Punkte gestiegen. Ursache sind demnach durch den Iran-Krieg bedingte Ausfälle asiatischer Lieferungen. Der aus aktueller Geschäftslage und den Erwartungen für die kommenden Monate zusammengesetzte Indikator für das Geschäftsklima in der Branche stieg von minus 26,3 auf minus 2,4 Punkte.
Asiatische Konkurrenz leidet schwer unter Iran-Krieg
Ifo-Wissenschaftlerin Anna Wolf sprach von einer „Sonderkonjunktur“. Denn der Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus haben die Lieferung von Erdgas und anderen chemischen Grundstoffen nach Asien schwer beeinträchtigt. Folge sind Produktionsrückgänge. Außerdem hatte China Ausfuhrbeschränkungen für Schwefelsäure erlassen, eine für die Düngerherstellung und etliche andere Produkte benötigte Chemikalie.
Und da die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen nach wie vor die Schifffahrt im Roten Meer und damit den Zugang zum Suezkanal bedrohen, nehmen viele Schiffe aus Asien den weiten Umweg um die Südspitze Afrikas, mit entsprechend höheren Kosten und längeren Lieferzeiten.
Grundlegende Probleme in Deutschland ungelöst
Da kein Ende des Kriegs in Sicht ist, rechnen die deutschen Chemieunternehmen laut Ifo mit einer Fortsetzung der Sonderkonjunktur. Das bedeutet demnach jedoch nicht, dass die grundlegenden Strukturprobleme in Deutschland gelöst wären. Der Umfrage zufolge ist daher weiterer Stellenabbau in der Chemiebranche zu erwarten.
Das Ifo-Institut befragt für seine Konjunkturprognosen jeden Monat mehrere tausend Unternehmen in allen Branchen außer der Landwirtschaft. (dpa/red)
Kein Boykott: Die U20-WM der Fußballerinnen findet offenbar auch mit Teams aus Europa statt. (Archivbild) - Foto: Jan Woitas/dpa
Die Verbände der Europäischen Fußball-Union UEFA werden ihre Boykott-Drohung wegen der inzwischen gescheiterten Investorenpläne von FIFA-Präsident Gianni Infantino zurückziehen. Das verlautete aus UEFA-Kreisen kurz vor der Auslosung der Champions League in Monaco. Mit einer offiziellen Verkündung wird am Donnerstag nach einem Treffen der Nationalverbände gerechnet.
Zuvor hatten der britische Sender Sky News und „The Times“ über das Ende der Boykott-Drohung berichtet. Damit kann die in wenigen Tagen beginnende WM der U20-Juniorinnen in Polen mit den Teams aus Europa stattfinden. Der Protest gegen den umstrittenen Führungsstil Infantinos werde aber fortgesetzt, versicherten Personen aus dem UEFA-Umfeld. Ein Gegenkandidat für die Präsidentschaftswahlen wird von der Infantino-Opposition derzeit gesucht.
UEFA spricht von FIFA-Garantien
Zudem wollte sich der Kontinentalverband zusichern lassen, dass es nie wieder zu Versuchen kommen dürfe, den Sport auf diese Weise zu verzerren, wie die UEFA mitgeteilt hatte. Entsprechende Garantien habe man nun erhalten.
Infantino steht seit seinem Alleingang bei dem vor allem in Europa scharf kritisierten Investorenthema massiv unter Druck, vor allem unter den europäischen Verbänden ist der Wunsch nach einer Ablösung des 56-Jährigen bei der Wahl am 18. März 2027 in Marokkos Hauptstadt Rabat groß.
Turnier in Polen ohne DFB-Team
Die Weltmeisterschaft der Nachwuchs-Fußballerinnen findet vom 5. bis 27. September statt. Deutschland ist bei der Endrunde mit 24 Teams, darunter sechs aus Europa, nicht dabei. Für das danach nächste FIFA-Turnier, die Frauen-WM im kommenden Sommer in Brasilien, hat sich die DFB-Elf von Bundestrainer Christian Wück bereits qualifiziert.
Nach dem Bekanntwerden der inzwischen zurückgenommenen Pläne über die Einbindung von privaten Investoren für zukünftige WM-Geschäfte hatten die 55 Mitgliedsverbände der UEFA mit einem Boykott aller Wettbewerbe des Weltverbands FIFA gedroht.
FIFA reagiert erfreut
Schon vor der offiziellen UEFA-Bestätigung reagierte der Weltverband auf die Wendung. „Die FIFA freut sich, dass alle qualifizierten Mannschaften an der bevorstehenden FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft teilnehmen werden.
Die FIFA ist fest davon überzeugt, dass Fußball die Kraft hat, Menschen zu vereinen – selbst unter schwierigen Umständen – und freut sich darauf, alle Mannschaften und Spielerinnen in Polen willkommen zu heißen“, sagte ein Sprecher. (dpa/red)
Gewann insgesamt vier WM-Medaillen: Darja Varfolomeev. - Foto: Marijan Murat/dpa
Mit der Goldmedaille um den Hals sang Darja Varfolomeev bei der Siegerehrung inbrünstig die deutsche Nationalhymne mit und genoss die Ovationen des begeisterten Publikums. Mit insgesamt drei Gold-Triumphen und einmal Bronze sorgte die 19 Jahre alte Ausnahmeathletin bei der Heim-WM in der Rhythmischen Sportgymnastik einmal mehr für Superlative.
„Ich bin sehr glücklich. Ich habe mich heute sehr sicher auf der Fläche gefühlt. Egal mit welchem Gerät: Ich habe immer gewusst, dass ich es schaffen kann“, sagte Varfolomeev und richtete einen speziellen Gruß an die Fans: „Ich bin dankbar für diese besondere Atmosphäre. Ihr wart immer an meiner Seite und habt mich beflügelt.“
Nach dem Sieg im Mehrkampf am Freitag war sie zum Abschluss der Titelkämpfe in Frankfurt am Main auch mit dem Band und dem Ball die Beste. Zudem gab es Bronze mit dem Reifen. Die Olympiasiegerin avancierte damit zum umjubelten WM-Star in der mit 4.500 Zuschauern ausverkauften Festhalle.
Varfolomeev begeistert das Publikum
Im Trophäenschrank von Varfolomeev, die als Zwölfjährige aus Westsibirien zunächst allein nach Deutschland kam und der Sportart hierzulande mit ihren Erfolgen zu großer Popularität verholfen hat, liegen nun bereits 14 WM-Goldmedaillen und 17 weitere internationale Plaketten. Eine atemraubende Ausbeute in ihrer noch jungen Karriere.
Auch vor heimischer Kulisse in Frankfurt hielt Varfolomeev dem Druck mit beeindruckender Nervenstärke stand. Mit ihren Auftritten brachte die Vorzeigeathletin vom TSV Schmiden die Stimmung auf den Rängen beinahe zum Überkochen. Jede technische Schwierigkeit, von denen Varfolomeev einige im Repertoire hatte, wurde vom euphorischen Publikum mit lauten Jubelschreien gefeiert.
Auch bei der Jury kamen ihre Vorstellungen gut an. Im Band-Finale legte sie als zweite Starterin 30,500 Punkte vor und lag am Ende hauchdünn vor der Bulgarin Stiljana Nikolowa (30,450). Einige Stunden zuvor hatte sie für ihre fehlerfrei vorgetragene Ball-Übung 30,350 Punkte erhalten. Damit verwies Varfolomeev die unter neutraler Flagge startenden Russinnen Sofija Ilterjakowa (29,800) und Maria Borisowa (29,150) deutlich auf die weiteren Medaillenplätze.
Zum Start des Finaltages hatte Varfolomeev mit dem Reifen ebenfalls einen starken Auftritt hingelegt. 30,400 Punkte bedeuteten Rang drei. Zur Goldmedaille, die Taisiia Onofriichuk aus der Ukraine gewann, fehlten nur 0,3 Zähler. Zweite wurde Titelverteidigerin Sofia Raffaeli aus Italien (30,500).
Gruppe geht leer aus
Nur in der Entscheidung mit den Keulen musste die Sportlerin des Jahres von 2024 tatenlos zuschauen, wie sich Nikolowa den WM-Sieg sicherte. Wegen eines kleinen Fehlers hatte Varfolomeev in der Qualifikation nur Rang neun belegt und das Finale knapp verpasst.
Für sie war das ein ärgerlicher Schönheitsfleck. „Natürlich wollte ich in allen vier Gerätefinals dabei sein“, hatte sie nach dem kleinen Fauxpas am Donnerstag eingeräumt. Der war aber spätestens nach dem glanzvollen WM-Abschluss vergessen.
Im Schatten von Varfolomeev ging die deutsche Gruppe leer aus. Nach Platz vier im Mehrkampf am Samstag reichte es für das Quintett mit Alisa Datsenko, Anja Kosan, Alina Ott, Helena Ripken und Anna-Maria Shatokhin auch in den Gerätefinals nicht zur erhofften Medaille. Am Ende standen Platz sechs mit drei Reifen und zwei Paar Keulen sowie Rang acht mit fünf Bällen. Gold ging in beiden Entscheidungen an Brasilien. Den Mehrkampf-Titel hatte sich am Vortag Spanien gesichert. (dpa/red)
Amanal Petros ist der neue Marathon-König Europas. - Foto: Sven Hoppe/dpa
Amanal Petros ist erstmals Marathon-Europameister. Der WM-Zweite gewann in Birmingham das Rennen über die prestigeträchtige Distanz von 42,195 Kilometern mit einem Meisterschaftsrekord von 2:09:11 Stunden.
Der 31-Jährige siegte überlegen nach einem fast 20 Kilometer langen Sololauf vor dem Italiener Pietro Riva (2:09:18 Stunden) und Gashau Ayale (2:09:21 Stunden) aus Israel. Samuel Fitwi wurde als zweitbester deutscher Läufer Neunter.
Richard Ringer, der vor vier Jahren in München Gold gewann, belegte Platz zehn. In der Teamwertung landete Deutschland hinter Israel auf Rang zwei.
Richard Ringer (l-r), Samuel Fitwi und Amanal Petros waren beim EM-Marathon in einer Spitzengruppe dabei.
Foto: Sven Hoppe/dpa
Glücklicher Petros über harte Strecke: „Riesengroße Herausforderung“
„Diese Strecke war furchtbar. Es tut überall weh. Ich glaube, ich muss jetzt gleich zum Physio. Die Gelenke tun richtig weh“, sagte Petros nach seinem Gold-Coup in der ARD.
Die hügelige und kurvige Strecke sei eine „riesengroße Herausforderung“ gewesen, sagte der glückliche Sieger, der sich auf 2.500 Metern Höhe in Kenia vorbereitete. Petros holte die fünfte deutsche Goldmedaille bei der EM in Großbritannien.
Nach Ringer ist er erst der zweite deutsche Europameister im Marathon. Der in jungen Jahren aus Afrika geflüchtete Läufer, der bei der WM vor fast einem Jahr in Tokio schon Gold vor Augen hatte und überraschend Silber bejubelte, ließ sich dieses Mal den Titel nach einer wirkungsvollen Tempoverschärfung nicht mehr nehmen. Vor vier Jahren in München war er noch denkbar knapp Vierter geworden.
Bei den Frauen feierte die Finnin Alisa Vainio in 2:22:26 Stunden einen überlegenen Start-Ziel-Sieg. Beste Deutsche war Laura Hottenrott als 16. in 2:31:15 Stunden. In der Teamwertung kam die DLV-Auswahl nicht unter die Top drei.
Die Finnin Alisa Vainio feierte einen Start-Ziel-Sieg.
Foto: Sven Hoppe/dpa
Schwieriger Kurs im Stadtzentrum
Kurz nach dem Start im Herzen der Stadt wurden die Läufer auf eine fünf Kilometer lange, wellige Runde mit Auf und Ab und vielen Kurven geschickt, die sie achtmal absolvieren mussten. Die Frauen starteten bei angenehmen Temperaturen um 14 Grad 40 Minuten vor den Männern.
Dort setzten sich Petros, Ringer und Fitwi nach einigen Kilometern an die Spitze, wo sich eine Gruppe bildete. Später stieß etwas überraschend auch noch Simon Boch dazu.
Als Petros nach gut 25 Kilometern an einer Bergaufpassage das Tempo verschärfte, sprengte der 31-Jährige die Gruppe. Ringer machte sich allein auf die Verfolgung, wurde aber schnell eingeholt.
Keiner kann Petros mehr folgen
Vorn zog Petros davon und strebte unaufhaltsam seinem ersten internationalen Titel entgegen. Fitwi und Ringer fielen zurück und konnten in die Vergabe der weiteren Medaillen nicht mehr eingreifen.
Im Frauen-Rennen diktierte Alisa Vainio vom Start weg das Rennen und hatte am Ende fast fünf Minuten Vorsprung. Fabienne Königstein ging anfangs mit, ließ die WM-Fünfte angesichts des hohen Tempos aber frühzeitig ziehen. Später fiel Königstein dann weit zurück und gab auf. (dpa/red)
In Kanada und den USA wüten häufig verheerende Waldbrände. - Foto: Haven Daley/AP/dpa
Je schneller Wälder brennen, desto intensiver brennen sie einer Studie zufolge auch. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie, die eine Gruppe um Jonathan Coop von der Western Colorado University in Gunnison (Colorado) im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlicht hat, die Waldbrände in Kanada und den USA intensiv untersucht hat.
So nehmen mit einer sich erhöhenden Ausbreitungsgeschwindigkeit auch die Intensität der Feuer, der Anteil der stark verbrannten Fläche sowie die Entfernung zu überlebenden Samenbäumen zu.
Waldbrände breiten sich unterschiedlich schnell aus
Die aktuelle Brandsaison habe die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, wie sich die Entwicklung von Waldbränden verändere, darunter, wie sie sich ausbreiten, schreiben die Studienautoren.
Wie diese Faktoren zusammenhängen, untersuchten sie bei der Auswertung von Satellitenaufnahmen von 3.499 größeren Waldbränden in Kanada und in den westlichen USA, einschließlich Alaskas, im Zeitraum von 2012 bis 2023.
Sie bestimmten die tägliche verbrannte Fläche mit einer Auflösung von 30 Metern. Dabei unterschieden sie auch Flächen, die von Nadelbäumen dominiert wurden, von anderen Waldflächen.
Mit einer sich erhöhenden Ausbreitungsgeschwindigkeit nimmt auch die Intensität der Feuer zu.
Foto: Darryl Dyck/The Canadian Press via AP/dpa
Im Untersuchungszeitraum betrug die verbrannte Gesamtfläche der betrachteten Brände 43,2 Millionen Hektar. Davon waren 32,1 Millionen Hektar von Nadelbäumen dominiert, wobei mehr als ein Drittel mit hoher Intensität abbrannte.
Die Feuer entwickelten sich sehr unterschiedlich: So reichte die Fläche, die bei einem einzelnen Brand an einem Tag verbrannte, von 25 bis 141.257 Hektar. Die Ausbreitungslänge in gerader Linie lag bei 131 bis 61.878 Metern.
Die zehn Ereignisse mit der schnellsten täglichen Brandausbreitung, bei denen jeweils eine Strecke von mehr als 32 Kilometern innerhalb von 24 Stunden zurückgelegt wurde, verbrannten zusammen 547.000 Hektar Nadelwald. Sieben dieser Ereignisse fanden 2023 in Kanada und zwei im Jahr 2020 im Westen der USA statt.
Die schnellsten Brände in Wäldern breiten sich bei großer Trockenheit und starkem Wind über Baumkronen aus. „Da Kronenfeuer die Baumkronen vernichten, sind sie für die Bäume in den meisten nordamerikanischen Nadelwäldern im Allgemeinen tödlich und können nach dem Brand Landschaften mit großen, stark verbrannten Flächen hinterlassen“, schreibt das Team um Coop.
Mit der Ausbreitungsgeschwindigkeit steigen neben der Intensität des Feuers auch der Anteil der stark verbrannten Fläche, in der so gut wie keine Bäume überleben, wie die Forscher mit hoher statistischer Wahrscheinlichkeit feststellten. Da auf diesen Flächen auch die Samen der Bäume verbrannt sind, erhöht sich die Entfernung zum nächsten samentragenden Baum.
Durch die Vernichtung der Samen können sich auf lange Sicht die Ökosysteme ändern. Es gibt Baumarten, die besser als andere an die Situation nach einem Waldbrand angepasst sind. So lösen Brände, die nicht ganze Bäume vernichten, etwa bei der Unterart Latifolia der Küstenkiefer (Pinus contorta) und bei der Schwarzfichte (Picea mariana) die Verbreitung von Samen aus.
Auch Laubbäume wie Gambel-Eiche (Quercus gambelii) oder die Amerikanische Zittelpappel (Populus tremuloides), die Samen über einen großen Bereich streuen kann, können zu den Gewinnern nach Waldbränden gehören.
„Unsere Ergebnisse unterstreichen den wachsenden Bedarf, unerwünschte Auswirkungen wirksam zu reduzieren, die nach Bränden entstandenen Landschaften so zu gestalten, dass die Funktionen des Waldökosystems erhalten bleiben, und die sozioökologische Anpassung zu fördern“, betonen die Wissenschaftler.
Coop zufolge können die Studienergebnisse auch auf Europa übertragen werden. „Insbesondere lässt sich beobachten, dass das Brennen von Nadelwäldern unter zunehmend warmen und trockenen Bedingungen zu explosiven Waldbränden führen kann – also zu solchen, die sich sowohl schnell ausbreiten als auch eine hohe Brandintensität aufweisen“, teilte er der dpa auf Anfrage mit.
Kirsten Thonicke vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) schließt ähnliche Effekte, wie sie in der Studie gefunden wurden, für große, zusammenhängende Waldgebiete in Europa nicht aus.
„Der Unterschied in Europa liegt in der besseren Zugänglichkeit der Standorte“, sagt die Forscherin. „Hier könnten Maßnahmen zur unterstützenden Wiederaufforstung – etwa durch Pflanzungen oder das Abwerfen von Samenbomben aus der Luft – hilfreicher sein“, sagt die Potsdamer Forscherin. (dpa/red)
Eine junge Frau schaut durch eine Sonnenfinsternisbrille und betrachtet die Mittagssonne. - Foto: Patrick Pleul/dpa
Bei der Sonnenfinsternis am Mittwochabend spielt in Deutschland das Wetter mit. Es gebe weiterhin Hochdruck-Einfluss, sagt Nils Damke, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst.
In Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen werden dann demnach zwar höhere Wolkenfelder aufziehen. Bei der Sonnenfinsternis stören diese laut Damke aber wahrscheinlich nicht. Der Rest von Deutschland habe einen klaren Himmel.
Am Abend – je nach Ort in Deutschland – ab etwa 19:15 Uhr schiebt sich der Mond vor die Sonne und sorgt für eine partielle Sonnenfinsternis. Dabei werden rund 85 bis 90 Prozent der Sonne bedeckt sein. Das Maximum wird zwischen etwa 20:00 Uhr und 20:15 Uhr erwartet.
Das Schauspiel endet mit Sonnenuntergang je nach Ort gegen 20:30 bis 21:00 Uhr. Da die Sonne sehr tief steht, benötigt man einen freien Blick nach Westen bis Nordwesten, am besten auf einer Anhöhe.
Weitgehend freie Sicht gibt es auch auf den in der Nacht folgenden Sternschnuppenstrom der Perseiden – die dann ihr Maximum haben. Während im äußersten Norden laut Damke Wolken den Blick auf die Sternschnuppen versperren können, ist der Himmel im Rest von Deutschland frei von Wolken.
Der Strom ist von 23:00 Uhr bis 4:00 Uhr morgens am besten zu beobachten, wobei Astronomen mit bis zu hundert Sternschnuppen pro Stunde rechnen. In diesem Jahr stört auch kein Mondlicht die Beobachtungen, denn es ist Neumond, wie bei jeder Sonnenfinsternis.
Leichte Bewölkung ist nicht so schlimm
Weitgehend gutes Wetter ist auch zur totalen Sonnenfinsternis in Spanien vorhergesagt, die einen Streifen des Landes gegen 20.30 Uhr komplett verdunkeln wird. Nach der Prognose des Wetterdienstes Aemet wird es in weiten Teilen des Landes überwiegend klar oder nur gering bewölkt sein.
Auch auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln, wo die Finsternis ebenfalls total zu sehen sein wird, sind die Wetteraussichten gut. In Teilen Nord- und Ostspaniens werden jedoch Wolken erwartet.
Mit einer selbstgebauten Lochkamera lässt sich die vom Mond partiell verdeckte Sonne auf Papier projizieren. (Archivbild)
Foto: Ole Spata/dpa/dpa-tmn
Eine leichte Bewölkung sei bei einer partiellen Sonnenfinsternis nicht so schlimm, sagt der Sonnenexperte der europäischen Raumfahrtbehörde (Esa), Daniel Müller, dpa.
„Also wenn es so leichte Schleierwolken sind, macht das eigentlich keinen großen Unterschied. Da sieht man dann eben auch durch so eine Sonnenfinsternisbrille immer noch die teilweise verfinsterte Sonne.“ Diese sei das A und O bei einer Sonnenfinsternis und zwingend nötig.
Bei sehr dunklen Wolken würde man nichts sehen. „Aber auch dann dauert die partielle Sonnenfinsternis sehr viel länger als die totale. Da hat man auch gute Chancen, dass am selben Ort sich irgendwie die Bewölkung verändert. Also wahrscheinlich genauso gute Chancen, wie wenn man dann noch mit dem Auto irgendwo anders hinfahren würde.“
Bei einer Sonnenfinsternis stehen Sonne, Mond und Erde exakt auf einer Linie. „Das heißt, der Mond schiebt sich zwischen uns auf der Erde und die Sonne und wirft dabei seinen Schatten auf die Erde“, erklärt Sonnenexperte Müller. Die bislang letzte totale Sonnenfinsternis, die europäisches Festland traf, war 1999 auch in Teilen Süddeutschlands und Österreichs zu sehen.
Kernschatten ist rasend schnell
Diesmal verläuft die totale Phase von Nordsibirien über die Arktis an Grönland und Island entlang und durchquert Spanien. „Der Kernschatten des Mondes rast dabei sehr schnell“, sagt Müller. Er brauche daher nur ungefähr anderthalb Stunden über diesen gesamten Pfad auf der Erdkugel.
„Aber an einem einzelnen Ort ist diese Totalität relativ kurz bei dieser Sonnenfinsternis, so zwischen anderthalb Minuten auf Mallorca und maximal etwas über zwei Minuten westlich von Island.“
Das Himmelsschauspiel sollte man sich nur mit besonderen Sonnenfinsternisbrillen ansehen. (Archivbild)
Foto: Axel Heimken/dpa
Dabei sei eine Sonnenfinsternisbrille zwingend nötig. „Man sollte nicht denken, dass man mit normalen Sonnenbrillen in die Sonne gucken sollte, auch nicht mit irgendwie selbstgemachten Filtern wie alten Röntgenbildern oder Rettungsdecken“, sagt Müller.
Er schlägt vor, eine kleine Lochkamera zu bauen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gibt im Internet eine Video-Anleitung dazu, wie man aus einer röhrenförmigen Chipsbox eine Lochkamera baut. Zudem bieten zahlreiche Planetarien und Sternwarten am Mittwochabend zur „Langen Nacht der Astronomie“ Beobachtungen der Sonnenfinsternis an.
Bei einer Sonnenfinsternis könne man „kurz vor der Totalität oder sicher auch bei 88 oder 90 Prozent partieller Sonnenfinsternis teilweise sehen, dass einfach die Lichtquelle Sonne sehr viel kleiner geworden ist“, sagt Müller.
„Und das sieht man daran, dass zum Beispiel Schatten auf einmal viel schärfer aussehen, viel mehr wie Scherenschnitte, weil eben auch die große Lichtquelle Sonne auf einmal zusammengeschrumpft ist zu einer kleinen Sichel.“ (dpa/red)
Totale Sonnenfinsternis am 2. Juli 2019 über dem Observatorium La Silla der Europäischen Südsternwarte in Chile. Die Kombination mehrerer polarisierter Aufnahmen zeigt die feinen Strukturen in der Sonnenkorona in besonderem Detail. - Foto: ESA/CESAR, CC BY 4.0
In Kürze:
Am 12. August verdunkelt der Neumond die Sonne. Über Teilen von Grönland, Island und Spanien, einschließlich Mallorca, zeigt sich dies als totale Sonnenfinsternis.
Weltweit wiederholt sich ein derartiges Himmelsspektakel etwa alle 18 Monate, über Deutschland jedoch erst im Jahr 2081 wieder.
Während der knapp zweiminütigen Totalität kann die 1 Million Grad heiße Sonnenkorona gesehen werden – und womöglich gleichzeitig Sternschnuppen.
Der direkte Blick in die Sonne kann das Augenlicht unmittelbar und dauerhaft schädigen. Zertifizierte Sonnenfilter sind um ein Vielfaches dunkler als improvisierte Lösungen.
Mehrere Millionen Menschen können in Europa am 12. August ein ganz besonderes Himmelsschauspiel erleben, das es zuletzt im Jahr 1999 gegeben hat: eine totale Sonnenfinsternis. Auf dem europäischen Festland wird sie allerdings nur einen schmalen Streifen quer durch Spanien komplett verdunkeln.
Auch in Deutschland wird die Sonne durch den Mond verdeckt, aber nur zu rund 85 bis 90 Prozent. Die stärkste Bedeckung gibt es im äußersten Südwesten, in Freiburg sind es gut 90 Prozent. Eine besondere Zugabe bietet der Himmel kurze Zeit danach mit einem großen Sternschnuppenstrom.
Sonnenfinsternis, Sonnenuntergang, Sternschnuppen
In Deutschland startet die partielle Sonnenfinsternis im Nordosten – sie erreicht um 19:12 Uhr Greifswald und um 19:23 Uhr München. Ihr Maximum wird etwa in der Zeit zwischen 20:05 Uhr und 20:15 Uhr erwartet. Das Schauspiel endet in ganz Deutschland mit dem Sonnenuntergang in den Minuten um 21:00 Uhr. Die partielle Sonnenfinsternis ist im Großteil Europas, aber auch in Nordamerika und in Westafrika zu sehen.
1 / 4
Verlauf und Sichtbarkeit der Sonnenfinsternis am 12. August 2026. Der Kernschatten des Mondes wandert mit etwa 2.000 Kilometer pro Stunde von Russland über Grönland und Island nach Spanien, bevor er sich im Mittelmeer verliert.
Foto: Grzegorz Nykiel/Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
2 / 4
Der Höhepunkt der diesjährigen totalen Sonnenfinsternis liegt in der Nähe von Island. Auf dem spanischen Festland ist sie kurz vor Sonnenuntergang sichtbar. Auf den Balearen endet sie erst nach Sonnenuntergang.
Die Finsternis am 12. August 2026 ist in Teilen Spanien als totale Sonnenfinsternis beobachtbar (blauer Bogen).
Foto: nach PeterHermesFurian/iStock
4 / 4
Zeitlicher Verlauf der partiellen Sonnenfinsternis am 12. August 2026 für ausgewählte deutsche Städte.
Foto: kms/Epoch Times
Da die Sonne während der Sonnenfinsternis in Deutschland relativ tief am Horizont steht, ist sie am besten von einer Anhöhe aus mit freiem Blick nach Nordwesten oder Westen zu sehen – nötig ist dafür eine Sonnenfinsternisbrille. Auch zahlreiche astronomische Einrichtungen in ganz Deutschland laden in der „Langen Nacht der Astronomie“ zur Beobachtung der Sonnenfinsternis in Deutschland ein, einige bieten zudem Liveübertragungen aus Spanien an.
Nach der Sonnenfinsternis können sich Himmelsgucker auf ein weiteres Ereignis freuen: Der Meteorstrom der Perseiden hat in der Nacht vom 12. auf 13. August seinen Höhepunkt, wobei mit bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde zu rechnen ist. Die besten Beobachtungszeiten sind die Stunden von 23 Uhr bis 4 Uhr. In den frühen Abendstunden und mit bloßen Augen sind in unseren Breiten indes weit weniger zu sehen.
Die totale Sonnenfinsternis startet im nördlichen Sibirien, wo die Sonne gerade noch als Mitternachtssonne über dem Horizont zu sehen ist. In Deutschland ist es dann etwa 19 Uhr. Der Schatten des Mondes zieht am Nordpol vorbei sowie über den Osten Grönlands und den Westen Islands. Er erreicht Nordspanien, einen Zipfel von Portugal und zieht dann quer über die iberische Halbinsel und über die Balearen hinweg. Die totale Finsternis endet kurz nach 20:30 Uhr im Mittelmeer.
Am längsten dauert die Totalität mit 2 Minuten und 18 Sekunden etwa 100 Kilometer westlich der isländischen Küste vor der Inselgruppe Hvallátur.
An Land ist ein etwas erhöhter Standort ideal, da man von dort aus den Schatten des Mondes herannahen sehen kann. Er bewegt sich in Spanien mit einer Geschwindigkeit von etwa 2.500 Kilometern pro Stunde über die Erdoberfläche, umgerechnet etwa 42 Kilometer pro Minute.
Wer die totale Sonnenfinsternis vom heimischen Sofa aus betrachten möchte, kann sie per Livestream der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) verfolgen. Sie wird die Sonnenfinsternis vom Observatorio Astrofísico de Javalambre in Teruel, Spanien, übertragen und dabei fortlaufend Teleskopaufnahmen senden. Epoch Times wird diesen Livestream ebenfalls verbreiten.
Ein kosmischer Reigen
Bei einer Sonnenfinsternis steht der Mond auf einer Linie zwischen Sonne und Erde, sodass der Schatten des Mondes auf die Erde fällt. Deutschland liegt am 12. August nur im Halbschatten, der Mond bedeckt also nur einen Teil der Sonne. Im Kernschatten dagegen ist die Sonne völlig vom Mond bedeckt, die Sonnenfinsternis ist total.
1 / 3
Bei einer totalen Sonnenfinsternis wie im August 2026 fällt die sogenannte Umbra des Mondes auf die Erdoberfläche. In diesem schmalen Bereich wird die gesamte Sonne verdunkelt. Jenseits des Kernschatten ist die Finsternis partiell.
Ist der Mond weiter entfernt, erreicht der Kernschatten des Mondes die Oberfläche nicht. In einem kleinen Bereich verdeckt der Mond dann den Kern der Sonne, während einer schmaler Ring sichtbar bleibt. Jenseits dessen ist die Sonnenfinsternis wiederum partiell.
Bei einer partiellen Sonnenfinsternis verdeckt der Mond nur einen Teil der Sonne. Der Bereich des Kernschattens, der eine totale oder ringförmige Sonnenfinsternis erzeugen kann, geht an der Erde vorbei.
Es ist ein astronomischer Zufall, dass der Mond die Sonne nahezu exakt verdecken kann. Denn der Sonnendurchmesser ist zwar einerseits etwa 400-mal größer als der des Mondes, aber andererseits ist die Sonne rund 400-mal weiter von der Erde entfernt als der Mond. Deshalb erscheinen beide Himmelskörper von der Erde aus gesehen in etwa gleich groß. Doch es gibt leichte Abweichungen.
Weil die Umlaufbahn des Mondes um die Erde nicht exakt kreisförmig, sondern leicht elliptisch ist, schwankt die Entfernung Erde–Mond etwas. Deshalb ändert sich auch die scheinbare Größe des Mondes am Himmel. Steht der Erdtrabant bei einer Finsternis gerade nahe dem erdfernsten Punkt seiner Bahn, so ist er geringfügig zu klein, um die Scheibe der Sonne vollständig abzudecken. Die Folge: Statt zu einer totalen kommt es zu einer – nicht minder beeindruckenden – ringförmigen Finsternis.
1 / 7
Bei einer ringförmigen Sonnenfinsternis bleibt der Rand der Sonnenscheibe sichtbar. Das Restlicht genügt, dass die Korona nicht sichtbar wird …
Foto: Pitris/iStock
2 / 7
Die Breite des Sonnenkreises hängt vom Abstand zwischen Erde und Sonne ab.
Foto: Natacha Pisarenko/AP/dpa
3 / 7
Kurz vor einer totalen Sonnenfinsternis zeigen sich die sogenannten Bailyschen Perlen. Dabei scheinen die Sonnenstrahlen durch die Mondkrater und erzeugen einzelne Lichtpunkte …
Foto: Fernando Llano/AP
4 / 7
… Diese Erscheinung ist auch „Diamantring-Effekt“ bekannt …
Foto: jzalopa/iStock
5 / 7
… Erst wenn diese letzten Sonnenstrahlen hinter dem Mond verschwunden sind, zeigt sich die Sonnenkorona und es ist sicher, seine Schutzbrille abzunehmen.
Foto: NASA
6 / 7
Eine Sonnenfinsternis ist auch bei (leichter) Bewölkung zu sehen, wie diese partielle Finsternis über der Siegessäule in Berlin.
Foto: Jens Büttner/dpa
7 / 7
Durch geeignete Filter erscheint die Sonne bei einer partiellen Finsternis wie der Mond. Dieses Bild entstand während der Sonnenfinsternis am 8. April 2024 über Washington, DC.
Foto: Chip Somodevilla/Getty Images
Eine Finsternis alle 18 Monate – aber erst 2081 wieder über Deutschland
Damit es zu einer Finsternis kommen kann, muss der Mond von der Erde aus gesehen in der gleichen Richtung stehen wie die Sonne, es muss also Neumond sein. Doch nicht bei jedem Neumond kommt es zu einer Sonnenfinsternis. Denn die Bahn des Mondes liegt ein wenig schief im All, sie ist um etwa 5 Grad gegen die Bahn der Erde gekippt. Daher zieht der Erdtrabant sozusagen meistens oberhalb oder unterhalb der Sonne vorbei. Nur zwei- bis fünfmal pro Jahr kommt es zu Sonnenfinsternissen.
Dabei fällt nicht immer auch der Kernschatten auf die Erde. Eine totale Sonnenfinsternis gibt es nur etwa alle 18 Monate – irgendwo auf der Erde. An einem bestimmten Ort kommen sie selten vor, da der Kernschatten mit einem Durchmesser von rund 200 Kilometern sehr klein ist.
Die bislang letzte totale Sonnenfinsternis war von Deutschland aus am 11. August 1999 zu sehen, die nächste wird erst am 3. September 2081 sein. Kuriosum am Rande: Bereits am 2. August nächsten Jahres ist wieder eine totale Sonnenfinsternis in Spanien zu sehen, jedoch nur im äußersten Süden. Der Höhepunkt wird sich in der Nähe von Luxor, Ägypten, zeigen. Am 26. Januar 2028 gibt es in Spanien eine ringförmige Sonnenfinsternis.
1 / 2
Karte der totalen Sonnenfinsternis am 2. August 2027, die auch als Welt-Sonnenfinsternis bezeichnet wird. Nicht nur ist sie auf einem Großteil der Erde sichtbar, sie erreicht mit bis zu über 6 Minuten absolute Dunkelheit auch nahezu das astronomisch mögliche Maximum.
Sonnenfinsternisse der 2020er-Jahre. Die zufällige Überlappung dreier Finsternispfade wie in Spanien in weniger als drei Jahren ist ein Glücksfall. Totale Finsternisse: blau, ringförmige Finterenisse: rot. Im April 2023 ereignete sich eine sogenannte hybride Sonnenfinsternis.
1 Million Grad heißes Plasma und Reste eines Kometen
Bei Eintritt der Totalität kommt es schlagartig zu einer Abnahme der Helligkeit – innerhalb von Sekunden herrscht eine Art späte Dämmerung und einige helle Sterne und Planeten erscheinen am Himmel. Besonders auffällig ist bei dieser Finsternis die Venus, die in einem Abstand von etwa 45 Grad links von der Sonne aufleuchtet.
Um die schwarze Scheibe der vom Mond verdunkelten Sonne herum erstrahlt während der Totalität die Korona. Bei diesem Strahlenkranz handelt es sich um die äußere Atmosphäre der Sonne, extrem dünn verteiltes Gas, das aufgrund seiner hohen Temperatur von über 1 Million Grad leuchtet. Diese Temperatur ist überraschend hoch, da die Oberfläche der Sonne lediglich 6.000 Grad Celsius heiß ist.
Dieses Jahr kommt noch ein anderes Himmelsspektakel dazu: der Meteorstrom der Perseiden. Bereits ungefähr eine Stunde nach der abendlichen Sonnenfinsternis lohnt sich daher der erneute Blick in den Himmel. Obwohl die Sternschnuppen bereits seit Mitte Juli fallen, erreichen sie erst im Zeitraum vom 9. bis 15. August sehenswert hohe Raten.
Das Maximum liegt 2026 in der Nacht vom 12. auf den 13. August und fällt damit mit der Sonnenfinsternis zusammen. Obwohl es auch während der Totalität nicht „schwarz wie die Nacht“ wird, ist nicht ausgeschlossen, dass helle Exemplare in diesen knapp zwei Minuten sichtbar über den Himmel ziehen.
Ihren Namen „Perseiden“ verdanken sie ihrem gemeinsamen, vermeintlichen Ursprung am Himmel im Sternbild Perseus. In Wirklichkeit gehen die im Volksmund auch Laurentius-Tränen genannten Sternschnuppen auf den Kometen 109P/Swift-Tuttle zurück, der auf seiner Bahn um die Sonne winzige Partikel ausgestoßen hat. Jedes Jahr im Sommer fliegt die Erde durch diese Staubfahne, wobei einige in der Erdatmosphäre verglühen.
Beim direkten Blick in die Sonne drohen augenblicklich Schäden
Ohne eine spezielle Sonnenfinsternisbrille kann ein Blick in die Sonne die Augen stark schädigen. Auch die hohe Abdeckung der Sonne während der Sonnenfinsternis durch den Mond in Deutschland oder die einsetzende Dämmerung ist kein Grund die Augen weniger gut zu schützen. „Der direkte Blick in die Sonne kann das Auge auch dann schädigen“, warnt Daniela Weiskopf vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).
Ohne Schutz „erzeugen die von der Augenlinse gebündelten Sonnenstrahlen eine gezielte Hitze in der Netzhaut, die die Sehzellen in kürzester Zeit schädigen kann“, ergänzt der Direktor der Augenklinik der Universitätsmedizin Göttingen, Hans Hoerauf. Sie seien dann nicht mehr funktionsfähig. „Es können sich irreversible Vernarbungen am Ort des schärfsten Sehens bilden.“
„Die Sonnenfinsternisbrillen sollten nach der europäischen Norm DIN EN ISO 12312-2:2015 mit entsprechender CE-Kennzeichnung versehen sein“, sagt Hoerauf. Die Schutzbrille müsse intakt sein und die Folie dürfe keine Kratzer, Löcher und Risse haben.
„Hochgefährlich ist übrigens auch die direkte Beobachtung der Sonne durch Ferngläser, Teleskope oder Kameras. Diese Geräte bündeln die Sonnenstrahlen zusätzlich.“ Sie taugen jedoch dazu, das Bild der Sonne – für eine begrenzte Zeit – auf eine Leinwand oder Ähnliches abzubilden.
Ferngläser oder Feldstecher ermöglichen die risikoarme Beobachtung der Sonnenfinsternis, solange sie ausschließlich als Projektoren dienen. Wer direkt hindurch sieht, riskiert dauerhafte Augenschäden! Dennoch sollte auch die Projektion zeitlich begrenzt bleiben, da sich die Optik ebenfalls erhitzt und Schaden nehmen kann.
Foto: ts/Epoch Times
1.000-mal dunkler als eine Sonnenbrille
Das BfS warnt in diesem Zusammenhang auch vor Tipps, die derzeit wieder verstärkt in den sozialen Netzen und im Internet kursieren: Kein zuverlässiger Schutz für die Augen, sondern gefährlich seien etwa schwarze Filmstreifen, mit Kerzenruß geschwärzte Gläser, gefaltete Rettungsdecken, Sonnenbrillen, Schweißerbrillen oder Gletscherbrillen, Röntgenbilder und CDs. Sie alle bieten – obwohl scheinbar undurchsichtig – nicht die gleichen Filtereigenschaften wie spezielle Sonnenfilter.
Für die direkte Beobachtung durch ein Fernglas oder das Fotografieren mit Teleobjektiv taugen diese jedoch nicht. Dafür geeignete Sonnenfilter lassen nur noch etwa ein Hunderttausendstel des Lichts durch und sind damit um ein Vielfaches „schwärzer“ als die vermeintlichen Alternativen und etwa um das Tausendfache dunkler als normale Sonnenbrillen.