Wurde der Held der Schweiz: Torhüter Gregor Kobel. - Foto: Darryl Dyck/The Canadian Press/dpa
Gregor Kobel grinste verlegen, als er in der Interviewzone mit der deutschen Torhüter-Legende Oliver Kahn verglichen wurde. „Ich bin früh in Deutschland gewesen, deshalb bin ich geprägt von der Schule“, sagte der Torhüter nach dem 4:3-Elfmeterkrimi gegen Kolumbien, bei dem Kobel mit seiner Parade die Schweiz ins erste WM-Viertelfinale seit 1954 geführt hatte. Und dort geht es gegen keinen Geringeren als Lionel Messi mit Weltmeister Argentinien.
Sommer-Nachfolger startet direkt durch
Nach jahrelangem Warten als Nummer zwei hinter Yann Sommer hat der 28-Jährige von Borussia Dortmund direkt etwas geschafft, was Vorgänger Sommer immer verwehrt blieb: der Einzug in die Runde der letzten Acht bei einer WM. „Greg hat sich von Spiel zu Spiel reingesteigert. Er hat zwei, drei Big Saves gehabt. Das haben wir gewusst, dass er beim Elfmeter ein sehr, sehr guter Torhüter ist“, lobte Trainer Murat Yakin.
Der Chefcoach fügte an: „Wir haben uns das Ziel vorgenommen. Jedes kleine Puzzlestück hat zusammengepasst.“ Und das größte und wichtigste Teil an diesem hauptsächlich von der Spannung geprägten Achtelfinal-Nachmittag von Vancouver war Kobel selbst.
Akanji vergibt schon wieder vom Punkt
Schon in den 120 intensiven Minuten ohne besonders hochwertigen Fußball rettete der Torhüter seine Vorderleute immer wieder mit starken Paraden. Und beim Nervenkrimi vom Punkt hielt Kobel gegen den eingewechselten Cucho Hernandez, was bei ihm selbst und seinen Mitspielern zu einer Gefühlsexplosion führte.
Wohl besonders dankbar für Kobels Glanztat gegen Hernandez war Mitspieler Manuel Akanji. Der Verteidiger hat nach der EM 2021 und der EM 2024 schon zum dritten Mal bei einem Elfmeterschießen für die Schweiz vergeben.
„Ich bin überglücklich über die Mannschaft, wie sie reagiert hat. Mein Elfmeter war katastrophal, ich habe im letzten Moment die Entscheidung gewechselt“, sagte Akanji, der wie Deutschlands Jonathan Tah gegen Paraguay weit über das Tor schoss. Er habe schon diesmal anderen den Vortritt überlassen wollen, stellte nun aber mit einem Grinsen klar: „Das war mein letzter Elfmeter.“
Doch anders als 2021 (Niederlage gegen Spanien) und 2024 (Niederlage gegen England) ging die Sache für die Nati diesmal gut aus. Dank Kobel und dank der vier weiteren Schützen um Rubén Vargas, der den entscheidenden Elfmeter zum 4:3 verwandelte. „Etwas Schöneres kann man als Trainer nicht erfüllen. Wir stehen hier mit einem historischen Moment“, sagte ein glücklicher Yakin in der Pressekonferenz.
Messi und Xhaka schon 2014 bei WM-Duell dabei
Doch während Mitfavorit Kolumbien nach der Nullnummer plus Krimi vom Punkt überraschend früh die Heimreise antreten muss, bekommt die Schweiz ihr Spiel der Spiele. Am Sonntag (3.00 Uhr/MESZ) geht es in Kansas City gegen den amtierenden Titelträger um Superstar Messi. „Es ist der Titelverteidiger. Es geht nicht besser. Die Challenge wird immer noch schwieriger, aber wir sind für die Challenge bereit“, sagte der 30 Jahre alte Akanji.
In Brasilien 2014 setzte sich die Albiceleste damals knapp mit 1:0 in der Runde der letzten 16 durch. Messi selbst legte das Siegtor von Ángel Di María vor. Bei den Schweizern mit damals 21 Jahren dabei: Granit Xhaka, der die Nati heute als Kapitän anführt und gegen Kolumbien sein 151. Länderspiel bestritten hat. Im Football-Tempel der Kansas City Chiefs warten nicht nur Messis Weltmeister auf die Schweiz, sondern auch zehntausende in himmelblau gekleidete Fans.
Kolumbiens Trainer: „Man bezahlt für seine Fehler“
Den von beiden Seiten erhofften Südamerika-Klassiker zwischen Argentinien und Kolumbien hat die Schweiz relativ humorlos verhindert. Auch in den 120 Minuten war das Yakin-Team gegen die höher eingeschätzten Kolumbianer zumindest nicht unterlegen. „Man bezahlt für seine Fehler“, stellte Trainer Nestor Lorenzo fest.
Die Fehler, das waren in diesem Fall vor allem die vergebenen Elfmeter von Hernandez und Abwehrturm Davinson Sanchez, der die Latte traf. Das Team um Bayern-Star Luis Diaz hatte bis zum Achtelfinale ein starkes Turnier gespielt und jedes seiner vier Spiele diktiert, dabei nur ein Gegentor kassiert.
Dabei blieb es auch gegen die Schweiz. Doch für den ersehnten Sprung ins Duell mit dem südamerikanischen Rivalen Argentinien reichte es nicht. „Wir hätten ein Tor schießen sollen“, sagte Lorenzo. Das hätte an diesem Nachmittag in Vancouver genügt.
NATO-Generalsekretär Rutte fordert mehr Risikobereitschaft von der Rüstungsindustrie. - Foto: Hussein Malla/AP/dpa
NATO-Generalsekretär Mark Rutte fordert angesichts der Bedrohungen durch Länder wie Russland, China und Nordkorea eine „Revolution“ in der transatlantischen Verteidigungsindustrie.
„Das Summen der Maschinen muss zu einem Dröhnen werden“, sagte der Niederländer am Rande des diesjährigen Bündnisgipfels in der Türkei. Das klinge dramatisch, sei aber machbar.
Als konkrete Schritte für die Revolution nannte Rutte unter anderem weitere langfristige Bestellungen, Investitionen und Bürokratieabbau. Gleichzeitig müsse aber die Industrie bereit sein, mehr Risiken einzugehen. „Die Nachfrage ist da, und das wissen Sie“, sagte er an Vertreter der Verteidigungsindustrie gerichtet.
Zugleich verwies Rutte auf in den vergangenen Jahren erzielte Fortschritte. „Allein im vergangenen Jahr haben wir gesehen, dass 37 Milliarden Dollar in die Stärkung unserer verteidigungsindustriellen Basis investiert wurden“, erklärte er. So gebe es zusätzliche Produktionsfläche in der Größe von mehr als 2.000 Fußballfeldern.
Als ein konkretes Positivbeispiel nannte Rutte die Munitionsproduktion. „Unseren Prognosen zufolge wird das Bündnis bis zum kommenden Jahr in der Lage sein, jährlich rund vier Millionen Artilleriegeschosse zu produzieren“, sagte er. Dies entspreche fast einer Verdopplung im Vergleich zum vergangenen Jahr.
Den Wert von am Rande des Gipfels angekündigten Rüstungsprojekten bezifferte Rutte auf mehrere Dutzend Milliarden Dollar.
Rutte: Kooperation von China und Russland „sollte uns beunruhigen“
Zu den Bedrohungen sagte Rutte, Russland stecke fast die Hälfte seines Staatshaushalts in seine Kriegsmaschinerie, und die Verteidigungsindustrie arbeite rund um die Uhr.
Zudem bauten China und Nordkorea ihre nuklearen Fähigkeiten aus, und auch beim Iran müsse man trotz der Angriffe der USA wachsam bleiben. „Diese Länder arbeiten zunehmend zusammen“, sagte Rutte. „Das sollte uns alle beunruhigen.“ (dpa/red)
Sprach ruhig und besonnen zu den Medien: Folarin Balogun. - Foto: Ted S. Warren/AP/dpa
Folarin Balogun zögerte keine Sekunde und blieb in der Interviewzone von Seattle vor dem riesigen Pulk an Reportern stehen.
Der amerikanische Stürmer, dessen einkassierte Sperre nach einem Anruf von US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Boss Gianni Infantino zu einem WM-Skandal wurde, hatte nach dem 1:4 gegen Belgien die Größe, sich den Fragen der versammelten Weltpresse zu stellen.
„Wir haben die Entscheidung akzeptiert, als ich die Rote Karte gesehen habe, und wir haben die Entscheidung akzeptiert, als uns gesagt wurde, dass ich spielen kann“, stellte der 25 Jahre alte Fußballprofi klar.
Balogun spielte beim WM-Aus im Achtelfinale sportlich schwach – und wurde an einem einzigartigen Fußball-Tag im Lumen Field trotzdem zu einem der Gewinner.
Torjäger Balogun traf gegen Bosnien – und Rot sah (Archivbild).
Foto: Julio Cortez/AP/dpa
Infantino sah im Stadion zu
Nach Abpfiff unterhielt sich Balogun mit Belgiens Trainer Rudi Garcia über die Ausnahmesituation, die es in den 30 Stunden vor Anpfiff für beide Seiten zu bewältigen gab. „Er kam zu mir, das hat mir gefallen. Er ist nicht schuld. Er hat nichts falsch gemacht. Ich schätze ihn“, sagte Garcia über die Unterredung auf dem Rasen.
Der Furor der Belgier richtete sich stattdessen ausschließlich gegen die FIFA-Funktionäre um Präsident Infantino, der zwar im Stadion live dabei war, aber diesmal nicht auf den großen Videoleinwänden eingeblendet wurde.
Belgien darf nach einer reifen Leistung weiter auf den ganz großen Wurf hoffen, nachdem die WM beim 3:2 nach 0:2-Rückstand im Sechzehntelfinale gegen Senegal eine Runde zuvor quasi beendet schien. „Ich möchte den USA zu einer guten WM gratulieren, sie waren gut, unabhängig von diesem letzten Spiel“, sagte Trainer Garcia ohne jeden Anflug von Genugtuung.
Die USA sind bei der WM draußen, doch der Skandal bleibt. Balogun hatte beim 2:0-Erfolg des US-Teams gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte gesehen. Doch nachdem Trump bei Infantino angerufen hatte, annullierte die FIFA kurzerhand die Sperre, ohne dafür eine echte inhaltliche Begründung zu nennen.
„Ich habe um eine Überprüfung gebeten, weil ich nicht dachte, dass es ein Foul war“, sagte Trump auf einer Pressekonferenz im Oval Office.
Belgien bejubelt den Einzug ins Viertelfinale.
Foto: Ted S. Warren/AP/dpa
Klopp: Stellt alles infrage
„Es darf nicht dazu kommen, dass Staaten eingreifen. Das geht nicht“, sagte Ex-Weltmeister Bastian Schweinsteiger während der Live-Übertragung in der ARD. Auch der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp hatte das Vorgehen in aller Schärfe kritisiert.
„Wenn das wirklich Trump und Infantino miteinander ausgemacht haben, das ist verrückt. Das stellt alles infrage“, hatte Klopp bei „MagentaTV“ gesagt. Weiter erklärte Klopp: „Diese beiden Menschen, die beide keine Ahnung von Fußball haben, sollten gar nichts damit zu tun haben.“
Gerade für den schwer in der Kritik stehenden Präsident Infantino dürfte das Thema längst nicht beendet sein. Schon vor dem Anpfiff war die Welle der Empörung so groß wie selten zuvor. Auch die UEFA verurteilte den Vorgang scharf und sagte, eine „rote Linie“ sei überschritten worden.
Die Leidtragenden waren am Ende vor allem die US-Profis um Balogun, die völlig verunsichert wirkten. Sinnbildlich dafür stand vor allem der krasse Aussetzer von Torhüter Matt Freese vor dem 1:3 von Hans Vanaken, das die Partie letztlich entschied.
Ibrahimovic spricht von „Reality-Check“
Die Profis, von Kapitän Tim Ream über Tyler Adams bis zu Balogun selbst, versicherten in ihren Interviews, der Skandal und der beispiellose mediale Rummel über eineinhalb Tage habe keinerlei Auswirkung auf die Leistung gehabt. Auf dem Rasen sah das anders aus.
„Das war die schlechteste Leistung der USA, aber sie haben niemanden enttäuscht. Es war wie ein Reality-Check heute“, sagte Fußball-Kultfigur Zlatan Ibrahimovic bei Fox. Der Schwede hatte vor zweieinhalb Wochen noch behauptet, das Team von Mauricio Pochettino habe das Zeug zum Weltmeister. Vor 66.925 Fans in Seattle bekamen die USA gezeigt, wie weit sie von der Weltspitze entfernt sind.
Der abgefälschte Freistoß von Tillman ließ den Co-Gastgeber hoffen.
Foto: Abbie Parr/AP/dpa
Zwei Tore von „König Charles“
Ein Freistoßtor von Malik Tillman (31. Minute) war viel zu wenig, denn Belgien zeigte seine beste Leistung im Turnier. Nach zwei Toren von Charles De Ketelaere (9./33.) sowie Treffern von Vanaken (57.) und Romelu Lukaku (90.+3) wartet nun im Viertelfinale am 10. Juli in Inglewood bei Los Angeles Europameister Spanien auf die Belgier. De Ketelaere hatte in den bisherigen WM-Spielen durchweg enttäuscht und wurde aus dem Nichts zu „König Charles“.
Gemessen daran, wie viel auf Balogun innerhalb kurzer Zeit eingeprasselt war, wirkte der Stürmer von AS Monaco erstaunlich reflektiert und besonnen. „Heute haben wir den Fans nicht viel gegeben, über das sie hätten jubeln können. Das ist das Enttäuschende, dass wir vier Jahre warten müssen“, sagte Balogun.
Balogun selbst hatte immerhin den Freistoß zum 1:1 herausgeholt, kurz vor der Halbzeit aber eine riesige Chance zum 2:2 vergeben. Kurz vor dem Schlusspfiff wurde er ausgewechselt, die Partie war da längst entschieden. (dpa/red)
Lionel Messi (#10) aus Argentinien kämpft gegen Sidny Lopes Cabral (#13) aus Kap Verde um den Ball während des Achtelfinalspiels der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 zwischen Argentinien und Kap Verde im Miami Stadium am 3. Juli 2026 in Miami Gardens, Florida. - Foto: Darrian Traynor/Getty Images
Wenn der Fußball-Weltmeister Argentinien am 7. Juli sein nächstes WM-Spiel gegen Ägypten bestreitet, wird er ein kleines Andenken mit nach Atlanta nehmen. Denn Lionel Messi trug aus dem Sechzehntelfinal-Drama gegen Kap Verde eine Beule am Kopf davon.
Argentiniens Superstar war mit dem Kopf gegen das Knie eines Gegenspielers geprallt. Das Bild hatte aber nach dem aufreibenden 3:2-Sieg nach Verlängerung vor allem einen Symbolwert: Der WM-Debütant Kap Verde zerrte den Titelverteidiger Argentinien ganz dicht an einen Abgrund, in dem eine der größten Sensationen der Fußball-Geschichte lauerte.
„Auf dem Spielfeld treten sie mich, aber jetzt wollen sie mein Trikot“
Hinterher, als der Kopf zwar schmerzte, aber der Knockout gerade noch abgewendet war, hatte Messi schon wieder gute Laune.
„Auf dem Spielfeld treten sie mich, aber jetzt wollen sie mein Trikot“, sagte der 39-Jährige mit einem Lachen, als Kap Verdes Spieler ihn noch im Stadion von Miami abgepasst hatten, um gemeinsame Fotos mit dem berühmtesten Spieler der Welt mit nach Hause nehmen zu können.
Lionel Messi nach dem Sieg gegen Kap Verde.
Foto: Marta Lavandier/AP/dpa
Der Weltmeister-Bonus: Vor- oder Nachteil?
Messi und Co. sind gleich zu Beginn der K.o.-Phase völlig unerwartet ins Straucheln geraten. Und das wirft vor dem Ägypten-Spiel eine alte Frage neu auf: Ist es bei diesem XXL-Turnier mit 48 Teams und einem langen Weg von acht Spielen bis zum WM-Triumph ein Nachteil, nahezu komplett auf die Weltmeister von 2022 zu setzen?
Einen Kader nominiert zu haben, in dem neun Profis über 30 aber kein Stammspieler jünger als 25 Jahre ist? Oder bringt das der Elf genau die Erfahrung, die ihr in harten Momenten wie gegen Kap Verde hilft?
Erkennbar ist: Die Argentinier spielen nicht mit der Intensität der Franzosen. Sie sind auch kein „fehlerfreies Uhrwerk“, wie Österreichs Trainer Ralf Rangnick den Europameister Spanien huldvoll nannte.
Messi selbst sprach das nach dem Kap-Verde-Spiel recht schonungslos an: „Wir konnten sie nicht gut unter Druck setzen. Unsere Mannschaftsteile standen etwas zu weit auseinander. Sie hatten immer einen freien Mann, weil wir nicht dagegenhalten konnten.“
Das tut weh: Lionel Messi mit Beule am Kopf nach dem Sieg gegen Kap Verde.
Foto: Rebecca Blackwell/AP/dpa
Abhängigkeit von Messi
Die Abhängigkeit von einem 39-jährigen Spieler ist verblüffend. Denn: Der eine Sturmpartner Messis, Julian Alvarez, erhielt vor dem Turnier ein 150-Millionen-Euro-Angebot von Real Madrid. Der zweite Angreifer Lautaro Martinez schoss Inter Mailand mit 17 Saisontoren zur italienischen Meisterschaft. Neben Messi aber gehen sie beinahe unter.
Sieben von bislang elf Turniertoren schoss Argentiniens Kapitän. Der große Unterschied zu seinem ewigen Antagonisten Cristiano Ronaldo ist nur: Bei den Portugiesen scheinen einige Mitspieler nur darauf zu warten, dass er endlich aufhört. Bei den Argentiniern aber „genießen wir jeden Tag, an dem wir mit ihm zusammenspielen“, sagte sein Teamkollege Rodrigo De Paul über Messi.
Das nächste Duell: Messi gegen Salah
Auch das zeigt: Diese Mannschaft ist über den WM-Triumph in Katar und zwei Erfolge bei der Copa America 2019 und 2024 eng zusammengewachsen. Trainer Lionel Scaloni etwa war nach dem Thriller gegen Kap Verde völlig gelassen.
„Man muss immer das Positive herausstellen“, sagte er. „Und diese Mannschaft hat heute ihren Charakter und ihren Wert gezeigt. Das Beste an dieser Mannschaft ist: Sie macht immer weiter, immer weiter, immer weiter.“ Die argentinische Zeitung „Pagina12“ schrieb vor dem Ägypten-Spiel sehr zuversichtlich: „Die Weltmeisterschaft hat gerade erst begonnen“.
Mohamed Salah (#10) aus Ägypten applaudiert den Fans nach dem Sieg seiner Mannschaft im Elfmeterschießen im Spiel zwischen Australien und Ägypten im Dallas Stadium am 3. Juli 2026 in Arlington, Texas.
Foto: Molly Darlington/Getty Images
Der nächste Gegner Ägypten strahlt nicht den Spirit von Kap Verde aus, hat dafür aber mehr individuellen Glanz. Stürmerstar und Liverpool-Legende Mohamed Salah (34) wurde nach dem eigenen Weiterkommen gegen Australien gefragt, wen aus seiner Generation er denn favorisiere bei dieser WM? Messi? Ronaldo? Harry Kane? Oder Neymar? Für die Antwort musste er nicht lange überlegen: „Messi!“ (dpa/red)
Im Sommer-Hochbetrieb sorgt das neue EU-Grenzverfahren für zusätzliche Wartezeiten am Flughafen. (Symbolbild) - Foto: Andreas Arnold/dpa
Die europäischen Flughäfen sehen einen kritischen Punkt erreicht. Ihr Verband ACI berichtet von Wartezeiten von bis zu 5 Stunden für Passagiere, Menschenschlangen in Terminalgebäuden und auf dem Flughafenvorfeld, verpassten Anschlussflügen. Ursache soll neben dem starken Passagierandrang im Sommer das neue Grenzsystem der EU sein, das an den Schengen-Außengrenzen zu aufwändigeren Kontrollen einzelner Reisender führt.
Um welche Kontrollen geht es?
Zum besseren Schutz ihrer Außengrenzen hat die EU seit Oktober 2025 schrittweise ein neues digitales Verfahren zur Ein- und Ausreise (Entry-Exit-System – EES) von Bürgern eingeführt, die nicht aus dem Schengenraum kommen. Bei diesen Menschen werden vor jedem Grenzübertritt biometrische Merkmale (Fingerabdruck, Foto) und Passdaten erfasst, was pro Person derzeit länger dauert als das frühere Verfahren. Der Stempel im Pass entfällt hingegen. Schon in den ersten Monaten wurden laut EU-Kommission tausende Einreisen verweigert und hunderte Verdächtige identifiziert.
Das Problem ist vor allem, dass die Schritte des neuen Verfahrens bislang meist am Flughafen stattfinden müssen. Vor dem eigentlichen Grenzübertritt sind sogenannte Self-Service-Kioske eingerichtet, an denen sich die Reisenden selbst vorregistrieren müssen. Die dafür nötige Infrastruktur scheint nicht von allen Mitgliedsländern gleichermaßen gut vorbereitet worden zu sein. Eine entsprechende EU-App, mit der Reisende ihre Daten und Merkmale schon vorab eingeben können, ist bislang nur von Schweden und Portugal übernommen worden. „Die Kontrollen dauern einfach länger“, sagt ein Sprecher der Bundespolizei. Ausreichend Personal stelle man zur Verfügung.
Was gilt für Bürger aus dem Schengenraum?
Zum Schengenraum gehören die Kernterritorien von 25 EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz. Deutsche und Staatsangehörige der anderen Mitgliedsländer müssen bei Ein- und Ausreise nicht durch das neue EU-Grenzsystem. Bei Reisen ins Schengen-Ausland stehen den Menschen andere Kontroll-Verfahren zur Verfügung. Die Bundespolizei Frankfurt empfiehlt die Teilnahme an dem vollautomatischen System Easypass. Hier wird kurz der Pass gescannt und live mit dem Gesicht des oder der Reisenden abgeglichen. Grenzbeamte greifen nur noch bei Zweifelsfällen oder zu Stichproben ein. Zu längeren Wartezeiten komme es dort nicht.
Besonders Flughäfen in klassischen Urlaubsländern wie Griechenland, Portugal und Italien, aber auch Frankreich und Belgien setzten die Erfassung biometrischer Daten immer wieder aus. Wohl auch um Urlauber und Touristen vor allem aus Großbritannien nicht weiter zu verärgern. Britischen Medienberichten zufolge reduzierten etwa griechische und portugiesische Flughäfen die Kontrollen auf das Nötigste, um die Reisenden nicht abzuschrecken.
Die Aussetzung von Teilen der Kontrollen ist nach EU-Regeln erlaubt, wenn etwa die notwendigen Kapazitäten fehlen und sich große Schlangen bilden. Eigentlich nur für sechs Stunden, allerdings kann die temporäre Ausnahme beliebig oft und hintereinander wiederholt werden.
Wie läuft es in Deutschland?
Vergleichsweise gut. Die EU hat Deutschland vor einigen Wochen sogar als Musterschüler bezeichnet. Aber auch hier sind nach Angaben der Bundespolizei die Kontrollen in Einzelfällen schon ausgesetzt worden. Der Frankfurter Flughafen bittet EES-Reisende, mindestens drei Stunden vor Abflug am Terminal zu sein.
Schlangen an der Ausreise bilden sich immer wieder. Der Betreiber Fraport versucht zu verhindern, dass sich EU-Bürger falsch einreihen und so unnötige Wartezeiten erdulden müssten. In den Terminals sind dafür eine größere Zahl von Lotsen und anderen Servicekräften unterwegs. Nach Einschätzung der Berliner Flughafen-Chefin und ADV-Vorsitzenden Aletta von Massenbach sind die Abfertigungszeiten deutlich angestiegen und es komme zu „unzumutbar langen Wartezeiten“.
Trotz immer wieder aufflammender Kritik hält die Europäische Kommission seit Monaten an ihrer Bewertung fest: Grundsätzlich laufe das System gut. In den meisten EU-Staaten seien die Auswirkungen auf Reisende begrenzt, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Wo Mitgliedsländer nicht in der Lage seien, die nötige Infrastruktur und Kapazität bereitzustellen, sei die EU-Kommission bereit zu unterstützen. Zudem soll es im Hinblick auf die Sommerreisezeit in den nächsten Tagen ein Treffen mit Vertretern der Branche geben, fügte er hinzu. Grundsätzlich hatten demnach alle Mitgliedsländer vor Einführung des neuen EU-Grenzsystems ihre Bereitschaft signalisiert.
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen räumte am Freitag ein, dass es noch einiges zu tun gebe, um gemeinsam mit den Mitgliedstaaten technische Probleme zu lösen. Das System habe aber nicht die Regeln zur Ein- und Ausreise geändert, sondern sorge für Transparenz.
Was fordern die Flughäfen?
Der europäische Flughafenverband ACI verlangt, dass Mitgliedstaaten zumindest in den Hauptreisemonaten Juli und August die Kontrollen vollständig aussetzen dürfen. Zudem müsse ein vorläufiger Mechanismus eingerichtet werden, der es den Grenzkontrollbehörden erlaubt, das Verfahren bei besonders großem Andrang anzuhalten. Dieser Mechanismus solle erst wieder abgeschafft werden, wenn das EES und die Vorregistrierungs-App überall voll funktionsfähig seien.
Der deutsche Flughafenverband ADV fordert Bundesinnenministerium und Bundespolizei auf, die bestehenden Flexibilitätsmöglichkeiten konsequent zu nutzen. Von Massenbach sagt: „Europas Sicherheitsarchitektur muss hohe Sicherheitsstandards gewährleisten, ohne die Leistungsfähigkeit des Luftverkehrs und die Reisequalität für internationale Passagiere unnötig zu beeinträchtigen.“ (dpa/red)
Beim Nato-Gipfel im vergangenen Jahr bekam der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nur nationale Unterstützungszusagen - aber keine des Bündnisses. Das soll in Ankara nun anders werden. (Archivbild) - Foto: Kay Nietfeld/dpa
Die von Russland angegriffene Ukraine soll beim Nato-Gipfel in Ankara ein neues Versprechen für milliardenschwere Militärhilfen bekommen. Darauf verständigten sich Vertreter der 32 Bündnisstaaten wenige Tage vor dem Spitzentreffen in Brüssel in den abschließenden Beratungen über die geplante Gipfelerklärung, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr.
Konkret sieht die geplante Zusage vor, über zwei Jahre hinweg eine Mindestfinanzierung in Höhe von 70 Milliarden Euro pro Jahr für militärische Ausrüstung, Unterstützung und Ausbildung bereitzustellen – also insgesamt 140 Milliarden Euro.
Ein EU-Hilfspaket wird dabei allerdings mitgerechnet. Über dieses soll die Ukraine bis Ende 2027 rund 60 Milliarden Euro für verteidigungsrelevante Ausgaben bekommen. Unter dem Strich blieben damit noch rund 80 Milliarden Euro, die Nato-Staaten aus ihren nationalen Haushalten stemmen müssten.
Deutschland wird Löwenanteil tragen
Weil die USA unter US-Präsident Donald Trump die Finanzierung von Ukraine-Hilfen weitestgehend gestoppt haben, wird Deutschland von der Summe aller Voraussicht nach den größten Anteil übernehmen.
Für dieses Jahr hat die Bundesregierung bereits jetzt 11,5 Milliarden Euro für Artillerie, Drohnen, gepanzerte Fahrzeuge und andere Ausrüstung eingeplant. Das ist laut Verteidigungsministerium der höchste Betrag seit dem russischen Angriff.
Der Einigung auf die Unterstützungszusage für die Ukraine waren monatelange Diskussionen vorausgegangen, in denen sich Deutschland stark für ein neues Versprechen eingesetzt hatte.
Zwischenzeitlich hatte dabei auch der Vorschlag auf dem Tisch gelegen, dass alle Bündnisstaaten einen bestimmten Anteil ihres Bruttoinlandsprodukts für die Unterstützung der Ukraine bereitstellen. Das wollten aber unter anderem Länder wie Frankreich nicht akzeptieren.
Viele wichtige Rüstungsgüter kommen aus den USA
Nun soll auf Freiwilligkeit gesetzt werden, um die Unterstützungszusage zu erfüllen. Frankreich will nach Angaben von Diplomaten auch deswegen keine konkrete BIP-Quote mittragen, weil es die sogenannte Purl-Initiative der Nato nicht gut findet. Diese sieht vor, dass in den USA hergestellte Munition und Waffen an die europäischen Verbündeten und Kanada verkauft werden – und diese sie dann der Ukraine zur Verfügung stellen.
Purl war im vergangenen Sommer gestartet worden, um US-Forderungen nachzukommen. Trump hatte zuvor deutlich gemacht, dass die USA aus seiner Sicht viel zu lange einen deutlich zu großen Anteil an der Ukraine-Unterstützung hatten. Deswegen sollten nun die anderen Alliierten für weitere US-Militärhilfen zahlen.
Europäer wollen mehr Verantwortung übernehmen
Die in einem schriftlichen Verfahren angenommene Gipfelerklärung soll am kommenden Mittwoch zum Abschluss des zweitägigen Spitzentreffens der Staats- und Regierungschefs in Ankara veröffentlicht werden.
Neben der Unterstützungszusage für Ukraine enthält der abgestimmte Entwurf nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auch Formulierungen, die klar machen sollen, dass die europäischen Alliierten künftig deutlich mehr Verantwortung für die Verteidigung und Abschreckung ihres Kontinents tragen werden. Ein stärkeres Europa in einer stärkeren Nato, lautet dabei das Motto.
Zudem soll es um einen Ausbau der Kapazitäten der Rüstungsindustrie gehen. Russland soll wie schon im vergangenen Jahr als dauerhafte Bedrohung für die euroatlantische Sicherheit beschrieben werden.
Ärger wegen Iran-Krieg
Der von den USA und Israel begonnene Iran-Krieg wird den Planungen zufolge nur knapp im Zusammenhang mit dem Ziel einer freien Schifffahrt durch die für Öl- und Gaslieferungen wichtige Straße von Hormus thematisiert werden.
Trump hatte zuletzt wiederholt großen Unmut über die ausgebliebene Unterstützung von Alliierten für den US-Krieg gegen den Iran gezeigt. US-Regierungsvertreter wie Verteidigungsminister Pete Hegseth und Außenminister Marco Rubio bezeichneten den Kurs von Verbündeten als „beschämend“ und kündigten eine Neubewertung der US-Beziehungen zur Nato an.
Die bislang letzte finanzielle Nato-Unterstützungszusage für die Ukraine hatte es beim letzten Nato-Gipfel mit Trumps Vorgänger Joe Biden im Jahr 2024 gegeben.
Die Bündnisstaaten einigten sich damals darauf, „mit Hilfe proportionaler Beiträge“ innerhalb eines Jahres eine „elementare Mindestfinanzierung in Höhe von 40 Milliarden Euro“ bereitzustellen. Beim Gipfel im vergangenen Jahr kam mit Trump keine entsprechende Einigung zustande.
Dass das in diesem Jahr anders werden wird, hatte am Mittwoch bereits Nato-Generalsekretär Mark Rutte am Rande von Gesprächen mit Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius in Berlin angekündigt.
In einer Pressekonferenz sagte er ohne konkrete Zahlen zu nennen: „Auf dem Gipfel in der kommenden Woche werden die Bündnispartner zusagen, der Ukraine nachhaltige, verlässliche und langfristige Sicherheitsunterstützung zu leisten.“ Er begrüße dabei ausdrücklich die starke Führungsrolle Deutschlands in dieser Frage. (dpa/red)
Rund 150 Passagiere und Besatzungsmitglieder waren an Bord. (Archivbild) - Foto: Patrick Post/AP/dpa
Der Hantavirus-Ausbruch ist aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beendet. Seit dem 25. Mai seien keine neuen Fälle im Zusammenhang mit dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ aufgetreten, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf.
Drei Todesfälle, darunter eine Deutsche
Insgesamt seien mehr als 650 Kontaktpersonen in rund 30 Ländern identifiziert und beobachtet worden. Am Donnerstag sei die letzte Kontaktperson negativ auf das Virus getestet worden. Die Gesamtzahl der Infektionen liegt nach Angaben der WHO bei 13, darunter drei Todesfälle. Eine der Toten war eine Frau aus Deutschland.
Auch nach dem Ende dieses Ausbruchs werde die WHO weiter in der Hantavirus-Forschung aktiv bleiben, sagte Tedros. Die Organisation koordiniert eine internationale Studie zu dieser Krankheit. Dies werde bei der Entwicklung von Diagnosemethoden, Medikamenten und Impfstoffen helfen, sagte er.
Auf einer in Argentinien begonnenen Kreuzfahrt des Schiffes „Hondius“ der niederländischen Reederei Oceanwide Expeditions hatten sich mehrere Menschen mit dem Hantavirus angesteckt. Es handelte sich um den südamerikanischen Andes-Typ. Das Andesvirus gilt als einziges Hantavirus, das vereinzelt auch von Mensch zu Mensch übertragen wird. Üblicherweise werden Hantaviren von Nagetieren übertragen, etwa durch Kotpartikel in aufgewirbeltem Staub.
Rund 150 Menschen aus 23 Ländern waren auf der „Hondius“. Wegen des Ausbruchs legte das Schiff im Mai an der Insel Teneriffa an, von wo aus die Menschen an Bord unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen in ihre Heimatländer kamen. Schon vor Wochen hatte die WHO das Risiko für die breite Bevölkerung als gering bewertet und bekräftigt, dass keine Gefahr einer großen Ansteckungswelle oder Pandemie bestehe. (dpa/red)
Wirbt für den neuen Spiderman-Film: Fußball-Star Lionel Messi. - Foto: Tony Gutierrez/AP/dpa
Fußball-Star Lionel Messi auf luftigen Abwegen: Der Argentinier spielt in einem Werbespot für den neuen Spiderman-Film mit.
Der Kapitän des Weltmeisters und der Hauptdarsteller Tom Holland sind in einem Clip zum Film „Spider-Man: Brand New Day“ zu sehen, der am 29. Juli in die Kinos kommt.
Der 39-jährige Messi spielt darin sich selbst, wie er mit einem Handy in der Hand in ein New Yorker Café kommt, um Spiderman zu suchen.
Die Filmfigur Peter Parker (Holland) verschwindet – sichtlich überwältigt vom prominenten Besuch, kurz in einem Nebenzimmer – kommt als Superheld zurück und springt dann mit Messi durch eine Hochhausschlucht. (dpa/red)
Vier Prozent der Gepäckstücke gehen auf Nimmerwiedersehen verloren. (Symbolbild) - Foto: Marijan Murat/dpa
Wenn eine Fluggesellschaft Koffer verliert oder beschädigt, kann sie das teuer zu stehen kommen: Im Durchschnitt entstünden Kosten von rund 260 Dollar (knapp 230 Euro) pro Gepäckstück, schreibt der Dienstleister Sita in Genf in seinem neuen Gepäck-Report.
Er macht folgende Rechnung auf: Pro Passagier verdienten Fluggesellschaften nach Abzug aller Kosten nur 8 Dollar. Nach dieser Rechnung mache also ein verlorenes oder beschädigtes Gepäckstück den Profit aus bis zu 30 verkauften Tickets zunichte. Weltweit schätzt Sita die Kosten für die Airlines pro Jahr auf 6,3 Milliarden Dollar. Im Jahr davor waren es allerdings noch 7,9 Milliarden Dollar.
Sita erfasst die fehlgeleiteten und verspätet zugestellten Gepäckstücke, die mehr als 75 Prozent ausmachen, die beschädigten Stücke (21 Prozent) sowie auch die, die auf Nimmerwiedersehen verschwinden (4 Prozent).
Bessere Vernetzung senkt die Fehlerquote
Die Zahl der Gepäckprobleme geht nach Angaben von Sita stetig zurück, im vergangenen Jahr um 19 Prozent im Jahresvergleich. Und es gab auch weniger Probleme mit Gepäckstücken als im letzten Jahr vor der Pandemie, 2019, obwohl 2025 mehr Passagiere befördert wurden.
Der Vergleich: 2019 gingen bei knapp 4,5 Millionen geförderten Passagieren weltweit 26 Millionen Gepäckstücke verloren oder wurden beschädigt, 2025 waren es bei knapp 5 Millionen Passagieren 24 Millionen.
Probleme vorbeugen oder sie schneller lösen könne man durch die bessere Datenvernetzung von Fluggesellschaften, Flughäfen und den dortigen Dienstleistern, um den Standort von jedem Gepäckstück zu jedem Zeitpunkt zu kennen. Dabei könnten auch Programme mit Künstlicher Intelligenz helfen. (dpa/red)
Vespa-Fans fahren am Kolosseum vorbei. - Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa
Mit einer großen Vespa-Parade ist in Rom der 80. Geburtstag des italienischen Kult-Motorrollers gefeiert worden. Bei hochsommerlichen Temperaturen fuhren zahlreiche Fans aus aller Welt auf ihren Vespas durch die italienische Hauptstadt. Die Route führte unter anderem am Kolosseum und den Kaiserforen vorbei. Zu der Parade wurden Zehntausende Teilnehmer erwartet.
Die mehrtägigen Feierlichkeiten zum Jubiläum der Vespa hatten bereits am Donnerstag begonnen. Im Norden Roms war dafür ein Vespa Village eingerichtet worden, in dem sich Fans und Mitglieder von Vespa-Clubs aus aller Welt trafen. Dort fanden Ausstellungen und Treffen der Teilnehmer statt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt
1946 rollten im Stammwerk des Herstellers Piaggio im toskanischen Pontedera die ersten Modelle vom Band. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Vespa als günstiges Fortbewegungsmittel für die breite Masse entwickelt. Sie entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem Kultfahrzeug. Seit Produktionsbeginn wurden laut Piaggio fast 20 Millionen Exemplare verkauft.
Angemeldet für die Parade waren mehr als 60 Vespa-Clubs aus aller Welt. Auch deutsche „vespisti“ – so nennen sich Vespa-Liebhaber – sollten dabei sein. Etwa 600 bis 800 offiziell angemeldete Fans aus Deutschland hatten zuvor ihre Teilnahme bestätigt, auch zahlreiche Fans ohne Vespa wollten nach Rom reisen.
Audrey Hepburn flitzte auf der Vespa durch Rom
Für Italien gilt die Vespa als Nationalsymbol. Im Ausland ist der Zweirad-Roller auch sehr beliebt. Für viele gilt er als Inbegriff italienischen Lebensgefühls. Zur internationalen Bekanntheit verholfen hat auch das Kino: Im Film „Ein Herz und eine Krone“ flitzten Audrey Hepburn und Gregory Peck 1953 auf der Vespa durch Rom. Auch in anderen Produktionen kam die Vespa später vor. (dpa/red)
Kimi Antonelli startet als WM-Führender in Österreich. - Foto: Denes Erdos/AP/dpa
Formel-1-Spitzenreiter Kimi Antonelli hat seine starke Form mit der schnellsten Trainingszeit vor dem Großen Preis von Österreich bestätigt.
Zwei Wochen nach seinem Ausfall in Barcelona setzte sich der Italiener in 1:07,014 Minuten mit einer knappen Viertelsekunde vor Oscar Piastri im McLaren durch. Bei Sommerhitze mit Temperaturen von knapp über 32 Grad in Spielberg raste Weltmeister Lando Norris im zweiten McLaren auf Rang drei.
Der viermalige Weltmeister Max Verstappen belegte auf dem Red-Bull-Ring seines Rennstalls mit 0,550 Sekunden Rückstand den vierten Platz.
Der Niederländer erlebte einen schwierigen Tag, an dem ihn nicht nur sein unbequemer Sitz störte. Zuvor war er zweimal wegen Kupplungsproblemen in der Boxengasse liegengeblieben.
Zudem beschwerte er sich mehrfach am Funk und sagte schon im ersten Training am Mittag unter anderem: „Ich habe kein Gefühl fürs Auto. Die Reifen sind heiß, aber bauen keinen Grip auf.“
Antonelli mit Vorsprung in der Gesamtwertung
Ferrari-Superstar Lewis Hamilton, der zuletzt in Spanien gewonnen hatte, wurde Fünfter. Der Rheinländer Nico Hülkenberg steuerte seinen Audi auf Platz 14.
Vor dem achten Saisonlauf am Sonntag (15.00 Uhr/Sky) führt der 19-jährige Antonelli in der WM-Wertung mit 41 Punkten Vorsprung vor Hamilton, weitere neun Zähler dahinter folgt George Russell im zweiten Mercedes. Verstappen hat als Siebter bereits 101 Punkte Rückstand auf Antonelli.
Wegen der hohen Temperaturen gab der Automobil-Weltverband Fia bereits eine Hitzewarnung für den Grand Prix heraus. Das erlaubt den Fahrern den Einsatz von Kühlwesten, die aber längst nicht alle nutzen werden. In den Cockpits werden im Rennen Temperaturen von über 50 Grad erwartet. (dpa/red)
Ein E5-Treffen auf Spitzenebene gab es zuletzt 2025 - damals mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj. (Archivbild) - Foto: Ben Stansall/Pool AFP/AP/dpa
Zwei Wochen vor dem NATO-Gipfel in der Türkei stimmen sich die Staats- und Regierungschefs fünf europäischer Mitgliedstaaten in Berlin ab.
Bei dem Treffen auf Einladung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wird es um die weitere Unterstützung der Ukraine, die Rolle der Europäer bei der Lösung des Iran-Konflikts und die Lastenverteilung zwischen den NATO-Staaten gehen.
Es ist das erste Spitzentreffen der E5-Staaten seit dem bislang letzten NATO-Gipfel im Juni 2025 in Den Haag. Damals war auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dabei. Die Gruppe besteht aus den vier europäischen G7-Ländern und Polen, das an Russland grenzt und sich als Interessenvertreter der osteuropäischen Staaten versteht.
Die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Ukrainekriegs werden bisher von einer kleineren Gruppe, der E3, im Namen der Europäer vorangetrieben. Ihr gehören nur Deutschland, Frankreich und Großbritannien an, was auf Kritik bei Italien und Polen stößt. Das dürfte in Berlin Thema werden.
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk besteht darauf, dass Polen mit am Tisch sitzt. „Polen ist ein absolut unverzichtbares Bindeglied, um ernsthaft über die Zukunft der Ukraine und der Region zu sprechen“, sagte er vor zwei Wochen laut der Nachrichtenagentur PAP.
Wer in Sachen Ukraine für Europa spricht, ist seit einiger Zeit Streitthema. Beim EU-Gipfel in Brüssel sorgte vergangene Woche EU-Ratspräsident António Costa für Aufsehen, weil sein Team unabgesprochen Kontakt zu Russland aufgenommen hatte. Von einigen EU-Staaten wie Irland und Österreich bekam er Unterstützung dafür. Die deutsche Delegation sah die Initiative dagegen als Affront gegen die E3.
Neben Tusk, dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni reist auch der britische Premierminister Keir Starmer nach Berlin, der seinen Rücktritt angekündigt hat.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte wird aus Washington zugeschaltet, wo er sich anschließend mit US-Präsident Donald Trump trifft. Die USA erwarten von den Europäern, mehr für die Bündnisverteidigung zu tun. Gleichzeitig sind sie verärgert über aus ihrer Sicht mangelnde Unterstützung der Verbündeten im Irankrieg.
Staaten wie Frankreich, Großbritannien und Deutschland wollen das kompensieren, indem sie bei einer anhaltenden Waffenruhe mit Minenjagdbooten und Kriegsschiffen für mehr Sicherheit in der Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman, der Straße von Hormus, sorgen wollen.
Rutte versuchte vor seinem Treffen mit Trump, die Wogen zu glätten. „Was die NATO angeht, weiß ich, dass es Enttäuschung gibt, aber wir sollten auch bedenken, dass es sich hierbei um Einzelfälle handelt“, sagte er dem US-Sender Fox News. (dpa/red)
Online-Händler haben ein großes Problem mit kriminellen Kunden (Symbolbild). - Foto: Sina Schuldt/dpa
Der Online-Handel weltweit leidet unter einer wachsenden Zahl betrügerischer Kunden. Nach einer Analyse des US-Cybersicherheits-Dienstleisters LexisNexis Risk Solutions tragen dazu sowohl die Konjunkturflaute als auch die organisierte Kriminalität bei.
Internationale Banden werben demnach gezielt Menschen an, die beim Online-Shopping betrügen oder Kriminellen ihre Identität zur Verfügung stellen.
Das Unternehmen betreibt ein „Digital Identity Network“ zur Überprüfung von Online-Identitäten und -Einkäufen, Grundlage der Analyse waren demnach 116 Milliarden Transaktionen im vergangenen Jahr.
Organisierte Banden haben den Online-Handel entdeckt
Echte Kunden – im Gegensatz zu Tätern, die mit gestohlenen beziehungsweise gefälschten Identitäten arbeiten oder anderweitig betrügen – machten demnach 2025 weltweit 38,8 Prozent aller Betrugsfälle aus, knapp zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. In Europa liegt die Quote dieser sogenannten first party-Betrugsfälle nun bei knapp 52 Prozent.
„Einerseits treibt die Krise manche Leute dazu, nach Betrugsmöglichkeiten zu suchen“, sagt Jason Lane-Sellers, Cyberbetrugsexperte bei dem Unternehmen.
„Und es gibt Gruppen, die von Kriminellen gezielt angesprochen werden, etwa Menschen mit schlechter Bonität oder Studenten. Die Täter zahlen 50 Euro extra und weisen die Leute ein.“
Das trifft auch den deutschen Online-Handel. Ein Sprecher des E-Commerce-Verbands BEVH bestätigt die Einschätzung des britischen Cyber-Experten: „Tatsächlich ist es so, dass Studenten oder Rentner für die Betrugsmasche angeworben werden. Viele wissen gar nicht, dass sie Teil eines Betrugs werden sollen, sondern bekommen einfach ein Geldangebot, wenn sie ihre Daten zur Verfügung stellen.“
Betrug sei ein wachsendes und erhebliches Problem, sagt auch Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbands Bayern. „Der Online-Handel boomt und legt auch dieses Jahr weiter zu. Da gibt es einige, die sich vom Kuchen ein Stück abschneiden wollen, und nicht nur auf legale Weise.“
Eine gängige Masche: Auf Rechnung oder Kredit gelieferte Ware wird nicht bezahlt, beziehungsweise als nicht bestellt reklamiert. „Leute, die die neuesten Sportschuhe bestellen und anschließend behaupten, die Ware sei nie eingetroffen, oder sie hätten nie bestellt“, sagt Lane-Sellers.
Günstige Kreditangebote Anreiz für Kriminelle
Das trifft auch die Finanzbranche, die mit günstigen Kreditangeboten Kunden wirbt: „Es ist heute möglich, teure Mobiltelefone mit einem Zwei-Jahres-Kreditvertrag ohne Anzahlung zu bestellen“, sagt der Fachmann.
„Viele dieser Attacken treffen Finanzdienstleister. Die größten Auswirkungen sehen wir bei Dienstleistungen wie „Buy now pay later“ und Ein- oder Zwei-Jahres-Kreditverträgen.“
Zudem kommt es nach Lane-Sellers Worten häufig vor, dass unehrliche Käufer für angeblich nicht gelieferte Ware Rückzahlung ihres Geldes fordern. „Solange ein Unternehmen nicht nachweisen kann, dass ein Kunde vorsätzlich betrogen hat, ist es sehr schwierig, betrügerische Rückerstattungsansprüche anzufechten.“
Die Beweislast liegt beim Händler, wie auch Ohlmann vom Handelsverband Bayern sagt. Im Online-Betrug erschwindelte – oder auch in einem stationären Laden gestohlene – Ware landet dann häufig wieder im Netz.
„Geklaute Ware wird massenhaft online verscherbelt.“
Die Zunahme von Betrugsfällen durch echte Kunden bedeutet allerdings nicht, dass Identitätsdiebstahl oder die kriminelle Übernahme von Online-Accounts auf dem Rückzug wären. In dieser Hinsicht verlegen sich die Banden laut LexisNexis Risk Solutions mittlerweile wieder häufiger auf Attacken gegen Desktop-Computer.
Unternehmen könnten in Apps für Mobilgeräte mehr Signale und Daten auslesen, was potenziell bessere Sicherheitsprofile zur Betrugsdetektion ermögliche, sagt Lane-Sellers. „Während Kunden möglicherweise glauben, dass traditionelle Desktop-Rechner für höherwertige Transaktionen sicherer sind als ihre mobilen Geräte.“ (dpa/red)
Mit dem Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran ist Hoffnung auf eine Deeskalation verbunden. - Foto: Michael Buholzer/KEYSTONE/EDA/POOL/dpa
Der von Saudi-Arabien finanzierte Nachrichtenkanal „Al-Arabija“ hat nach eigenen Angaben den Text des Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran erhalten, das am Freitag in der Schweiz unterzeichnet werden soll.
„Al-Arabija“ veröffentlichte die 14 Punkte des Dokuments am Dienstagabend. Auch der Finanzdienst „Bloomberg“ veröffentlichte einen gleichlautenden Text.
Von offiziellen Seiten lag dazu bisher keine Bestätigung vor. Washington und Teheran einigen sich demnach unter anderem auf folgende Schritte:
Ein „sofortiges und dauerhaftes Ende des Kriegs an allen Fronten, auch im Libanon“. Beide Seiten und ihre Verbündeten werden demnach ab Unterzeichnung „keine feindlichen Handlungen mehr gegeneinander unternehmen“ und von „Gewalt gegeneinander absehen“.
Eine endgültige Vereinbarung soll ausgehandelt werden. Die Verhandlungen darüber sollen für höchstens 60 Tage andauern. Der Zeitraum ist, wenn beide Seiten zustimmen, verlängerbar.
Umgehend nach Unterzeichnung sollen die USA ihre Seeblockade gegen iranische Häfen im Persischen Golf aufheben und den Schiffsverkehr innerhalb von 30 Tagen auf die „volle Kapazität wiederherstellen“. 30 Tage nach einer endgültigen Vereinbarung sollen die USA ihre Truppen zudem aus den „umliegenden Gebieten“ abziehen.
Der Iran soll seinerseits nach Unterzeichnung „sofortige Schritte“ unternehmen, damit sich der Verkehr von Handelsschiffen durch die Straße von Hormus in beide Richtungen innerhalb von 30 Tagen auf ein Niveau vor Kriegsbeginn normalisiert. Dabei wird auch erwähnt, dass der Iran „technische Hürden beseitigen und Minen neutralisieren“ muss.
Die USA sollen mit Partnerländern an einem umfassenden Plan arbeiten, um den Wiederaufbau im Iran und dessen wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Die USA und Partner sollen dabei eine Finanzierung in Höhe von mindestens 300 Milliarden US-Dollar sicherstellen. Der Mechanismus zur Umsetzung soll innerhalb von 60 Tagen ausgearbeitet werden und Teil der endgültigen Vereinbarung sein.
Die USA verpflichten sich dem Text zufolge, „alle Arten von Sanktionen“, die derzeit gegen den Iran bestehen, aufzuheben, darunter auch solche aus Resolutionen des UN-Sicherheitsrats und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), wie auch „alle einseitigen US-Sanktionen“ gegen Teheran. Der Zeitplan für die Aufhebung dieser Sanktionen soll Teil der endgültigen Vereinbarung sein.
„Die Islamische Republik Iran wiederholt, dass sie niemals Atomwaffen herstellen wird“, heißt es im Papier. Die USA und der Iran hätten sich darauf geeinigt, dass die Frage des hochangereicherten Urans und „aller anderen, gegenseitig vereinbarten Fragen mit Atom-Bezug, darunter auch die nuklearen Bedürfnisse des Irans“ in der endgültigen Vereinbarung „angemessen“ beantwortet werden.
Bis zu dieser endgültigen Vereinbarung sollen beide Seiten den jetzigen „Status quo“ halten – der Iran bei seinem Atomprogramm und die USA, indem sie keine neuen Sanktionen verhängen oder ihre Truppen in der Region verstärken.
Sofort nach Unterzeichnung erteilt das US-Finanzministerium Ausnahme-Genehmigungen für den Export von iranischem Rohöl, Erdölerzeugnissen und Derivaten. Diese Ausnahmen sollen auch für alle damit verbundenen Dienstleistungen gelten wie Banktransfers, Versicherungen und Transport.
Die USA verpflichten sich, während der Gespräche über eine endgültige Vereinbarung „eingefrorene oder beschränkte Vermögenswerte“ des Irans freizugeben und „voll verfügbar“ zu machen für Verwendung durch die iranische Zentralbank.
Offiziell wurde das Dokument bisher nicht veröffentlicht und die darin genannten Punkte und Formulierungen könnten sich noch ändern. US-Präsident Donald Trump sagte am Dienstag am Rande des G7-Gipfels in Frankreich, dass er das „sehr wichtige“ Dokument in den nächsten Tagen veröffentlichen wolle. (dpa/red)
Ein Fahrzeug steht beim Anti-G7-Protest in Genf in Flammen am 14.06.2026 - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Bei den Protesten gegen den G7-Gipfel im französischen Evian sind im schweizerischen Genf nach Polizeiangaben „mehrere“ Menschen festgenommen worden. Zur genauen Zahl machte die Polizei am Sonntagabend keine Angaben. Es habe keine Verletzten gegeben. Die Sachschäden gab die Polizei als „begrenzt“ an „angesichts der großen Zahl identifizierter Störer“.
Am Sonntagnachmittag hatten nach Angaben der Polizei etwa 20.000 Menschen an einer zunächst weitgehend friedlichen Demonstration in Genf teilgenommen. Die Proteste sind am Sonntag bereits kurz nach dem Start in Gewalt umgeschlagen.
Unter anderem wurde am Rand der Demoroute ein Auto in Brand gesetzt. Zudem wurden trotz Holzbarrikaden bereits erste Geschäfte von den Demonstranten eingeschlagen. Unter den Protestlern sind auch zahlreiche vermummte Personen, die mit Schutzbrillen und Gasmasken ausgestattet sind.
Die Demonstranten hatten sich zunächst im „Parc de la Perle du Lac“ am Genfer See versammelt und waren dann Richtung Innenstadt gezogen, wobei die Demonstrationsstrecke großflächig mit Zäunen versehen wurde.
Die Polizei ist in Genf am Sonntag und in den kommenden Tagen mit einem Großaufgebot im Einsatz, um gegen mögliche Ausschreitungen wie im Jahr 2003, als der G8-Gipfel in Évian tagte, vorgehen zu können.
Der G7-Gipfel wird zwar von Frankreich ausgerichtet, aber die 10.000-Einwohner-Stadtgemeinde Évian ist in mehrere Schutzzonen aufgeteilt und weiträumig abgeriegelt, die Anwohner wurden mit Sonderausweisen ausgestattet.
Die Proteste verlagerten sich deshalb wie schon 2003 in die Schweiz – wobei neben Genf und Lausanne am Sonntag auch in Städten wie Zürich, St. Gallen, Bern, Luzern, Zug, Basel, Biel oder Aarau Anti-G7-Veranstaltungen stattfanden.
G7-Sicherheitsalarm in Genf – Angst vor Krawallen wie 2003
Genfer Geschäftsinhaber befürchten Krawalle wie 2003. (Archivbild)
Foto: Baz Ratner/AP/dpa
In der Schweizer Grenzstadt Genf wollen am Sonntag Tausende Gegner des G7-Gipfels im französischen Évian gegen Kapitalismus, Ausbeutung und vieles mehr protestieren. Das Treffen der Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Japan und den USA beginnt am Montag.
Die „No G7“-Koalition aus rund 60 Gruppen will gemäß Manifest unter anderem gegen US-Militärbasen in Europa demonstrieren, für höhere Mindestlöhne, kostenlose Verhütungsmittel, grenzenlose Freizügigkeit für Arbeitende aus aller Welt und die Streichung der Angabe des Geschlechts aus allen Ausweisdokumenten. Die G7 erwähnen sie in ihrem Manifest auch.
Das sei eine „illegitime und überholte Institution, ein privater Club, der nicht mehr der heutigen Welt entspricht“. Dort fällten „Großmächte Entscheidungen zugunsten der privilegiertesten Minderheit der Welt und zum Nachteil von mehr als 90 Prozent der Bevölkerung.“
Die Polizei rechnet mit rund 50.000 Teilnehmenden. Laut Wettervorhersage scheint in Genf die Sonne, bei 28 Grad.
Genfer sind sauer auf die Franzosen
Die G7-Gegner protestieren in Genf rund 50 Kilometer vom Gipfelort Évian entfernt, weil Frankreich zu dem Anlass keine Demonstration dulden wollte, wie die Genfer Regierung kritisiert.
Frankreich sei auch auf ihre Bitten um finanzielle Beteiligung an den Sicherheitskosten nicht eingegangen. Der Gewerbeverband (FER) hat in einem Brief empört dagegen protestiert, dass Genf die Demonstration überhaupt erlaubt hat.
In der Genfer Innenstadt herrscht schon seit Tagen Ausnahmezustand: Hunderte Luxusgeschäfte und Banken, aber auch Hotels und Supermärkte haben ihre Fassaden und Schaufenster aus Sorge vor Ausschreitungen mit Sperrholzplatten verbarrikadiert.
Dies geht auf Erinnerungen an das Jahr 2003 zurück, als Chaoten bei einer Demonstration Schaden in Millionenhöhe anrichteten. Auch damals war es ein Protest gegen einen Gipfel in Évian. 2003 war Russland noch dabei, deshalb hieß die Veranstaltung G8.
Die Ereignisse von 2003 seien ein Trauma für die Genfer Polizei, sagte die Polizeichefin des Kantons, Monica Bonfanti. Sie bekommt dieses Mal Verstärkung aus der ganzen Schweiz, auch von der Armee. Es sollen mehr als 7.000 Sicherheitskräfte auf den Straßen sein.
G7-Delegationen reisen über Genf an
Ihre Aufgabe ist nicht nur die Bewältigung der Demonstration. Sie müssen auch die Sicherheit der anreisenden Staatschefs garantieren. Genf ist der nächstgelegene Flughafen zu Évian, und die meisten Delegationen sollen dort am Montag eintreffen.
Genf ist wie eine Enklave auf französischem Gebiet. Die Schweizer haben die rund 30 Grenzübergänge bis auf sieben geschlossen und führten schon am Freitag Personenkontrollen in der Stadt durch. (dpa/dts/red)
In der Schweizer Grenzstadt Genf wollen am Sonntag Tausende Gegner des G7-Gipfels im französischen Évian gegen Kapitalismus, Ausbeutung und vieles mehr protestieren. Das Treffen der Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Japan und den USA beginnt am Montag.
Die „No G7“-Koalition aus rund 60 Gruppen will gemäß Manifest unter anderem gegen US-Militärbasen in Europa demonstrieren, für höhere Mindestlöhne, kostenlose Verhütungsmittel, grenzenlose Freizügigkeit für Arbeitende aus aller Welt und die Streichung der Angabe des Geschlechts aus allen Ausweisdokumenten. Die G7 erwähnen sie in ihrem Manifest auch.
Das sei eine „illegitime und überholte Institution, ein privater Club, der nicht mehr der heutigen Welt entspricht“. Dort fällten „Großmächte Entscheidungen zugunsten der privilegiertesten Minderheit der Welt und zum Nachteil von mehr als 90 Prozent der Bevölkerung.“
Die Polizei rechnet mit rund 50.000 Teilnehmenden. Laut Wettervorhersage scheint in Genf die Sonne, bei 28 Grad.
Genfer sind sauer auf die Franzosen
Die G7-Gegner protestieren in Genf rund 50 Kilometer vom Gipfelort Évian entfernt, weil Frankreich zu dem Anlass keine Demonstration dulden wollte, wie die Genfer Regierung kritisiert.
Frankreich sei auch auf ihre Bitten um finanzielle Beteiligung an den Sicherheitskosten nicht eingegangen. Der Gewerbeverband (FER) hat in einem Brief empört dagegen protestiert, dass Genf die Demonstration überhaupt erlaubt hat.
In der Genfer Innenstadt herrscht schon seit Tagen Ausnahmezustand: Hunderte Luxusgeschäfte und Banken, aber auch Hotels und Supermärkte haben ihre Fassaden und Schaufenster aus Sorge vor Ausschreitungen mit Sperrholzplatten verbarrikadiert.
Dies geht auf Erinnerungen an das Jahr 2003 zurück, als Chaoten bei einer Demonstration Schaden in Millionenhöhe anrichteten. Auch damals war es ein Protest gegen einen Gipfel in Évian. 2003 war Russland noch dabei, deshalb hieß die Veranstaltung G8.
Die Ereignisse von 2003 seien ein Trauma für die Genfer Polizei, sagte die Polizeichefin des Kantons, Monica Bonfanti. Sie bekommt dieses Mal Verstärkung aus der ganzen Schweiz, auch von der Armee. Es sollen mehr als 7.000 Sicherheitskräfte auf den Straßen sein.
G7-Delegationen reisen über Genf an
Ihre Aufgabe ist nicht nur die Bewältigung der Demonstration. Sie müssen auch die Sicherheit der anreisenden Staatschefs garantieren. Genf ist der nächstgelegene Flughafen zu Évian, und die meisten Delegationen sollen dort am Montag eintreffen.
Genf ist wie eine Enklave auf französischem Gebiet. Die Schweizer haben die rund 30 Grenzübergänge bis auf sieben geschlossen und führten schon am Freitag Personenkontrollen in der Stadt durch. (dpa/red)
Eine endgültige Entscheidung über eine Amtsenthebung Khans sollen die Vertragsstaaten auf einer Sondersitzung treffen. - Foto: Peter Dejong/AP/dpa
Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes, Karim Khan, ist wegen des Verdachts auf sexuelle Übergriffe mit sofortiger Wirkung von seinem Dienst suspendiert worden.
Eine endgültige Entscheidung über eine mögliche Amtsenthebung sollen die Vertragsstaaten auf einer Sondersitzung treffen. Das teilte das Präsidium der Vertragsstaaten des Gerichts in Den Haag mit. Die Sondersitzung soll so schnell wie möglich stattfinden.
Gutachten dazu blieb unveröffentlicht
2024 hatte eine enge Mitarbeiterin dem britischen Juristen sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Er soll sie mehrfach und über einen längeren Zeitraum hinweg bedrängt und zu sexuellen Handlungen gezwungen haben.
Eine Kommission der Vereinten Nationen hatte die Vorwürfe untersucht. Diese hatte im Dezember 2025 ihren Bericht vorgelegt. Der Bericht wurde bisher nicht veröffentlicht.
Drei Richter des Weltstrafgerichts hatten auf der Grundlage der Untersuchung ein Rechtsgutachten vorgelegt. Auch dieses wurde nicht veröffentlicht.
Khan (56) lässt sein Amt seit gut einem Jahr vorläufig ruhen und wollte zurückkommen, wenn die Vorwürfe geklärt sind. Er bestreitet alle Vorhaltungen.
Khan war seit 2021 Chefankläger und hatte unter anderem einen Haftbefehl gegen Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin erlassen.
Vor allem wegen des Haftbefehls gegen Netanjahu verstärkten die USA ihren Druck auf das Gericht und verhängten Sanktionen gegen Mitarbeiter und Richter.
125 Staaten haben den Grundlagenvertrag des Strafgerichtshofes unterzeichnet, darunter alle EU-Staaten. Die USA, Russland und Israel gehören dem Gericht nicht an. (dpa/red)
Die Internationale Raumstation kreist hier über der kanadischen Provinz Quebec. - Foto: -/NASA/dpa
Plötzlich musste es schnell gehen, 400 Kilometer über der Erde. Wegen neuer Lecks an einem russischen Modul der Internationalen Raumstation ISS zogen sich mehrere Astronauten vorsorglich in das angedockte Dragon-Raumschiff zurück.
Druckverlust gehört neben Feuer an Bord zu den ernsten Gefahren auf dem Außenposten der Menschheit. Für Raumfahrtexperten ist der jüngste Vorfall zwar kein Grund zur Panik – er zeige aber grundlegende Herausforderungen der bemannten Raumfahrt. Hier sind drei Dinge, die wir daraus lernen können:
Erstens: Die ISS kommt in die Jahre
Die Internationale Raumstation ist seit mehr als 25 Jahren dauerhaft bewohnt. Viele ihrer Module stammen aus den späten 1990er oder frühen 2000er Jahren. Entsprechend nehmen Verschleißerscheinungen zu.
„Die Notwendigkeit einer permanenten Überwachung ist im All mindestens genauso wichtig wie auf der Erde“, erinnert Europas früherer Raumfahrtchef Jan Wörner. „Mangelnde Sorgfalt kann hier nicht einfach durch Sperrung auf Zeit verschoben werden.“
Experten verweisen darauf, dass insbesondere ältere Bauteile des fliegenden Labors zunehmend überwacht und gewartet werden müssen. Der betroffene Übergangstunnel des russischen Servicemoduls Swesda gilt schon seit Jahren als Problemfall. Immer wieder wurden dort kleine Luftverluste registriert und repariert.
Hinzu kommen die enormen Belastungen des Weltraumbetriebs. Extreme Temperaturschwankungen, Materialermüdung, Strahlungseinflüsse und zahlreiche An- und Abdockmanöver hinterlassen Spuren.
Nach russischen Angaben hat das betroffene Andocksystem deutlich mehr Ankopplungen erlebt als andere Module der Station. Der Vorfall in der Schwerelosigkeit zeigt damit auch die Grenzen einer Infrastruktur, die deutlich länger genutzt wird als ursprünglich vorgesehen.
Zweitens: Internationale Zusammenarbeit trägt auch im Krisenfall
Bemerkenswert ist nicht nur das Leck selbst, sondern auch der Umgang damit. Die Sicherheitsprotokolle griffen wie vorgesehen.
Während russische Kosmonauten die Reparaturen vorbereiteten, begaben sich US-Astronauten vorsorglich in das angedockte „Dragon“-Raumschiff von SpaceX. Damit stand jederzeit ein sicherer Rückzugsort sowie die Möglichkeit einer schnellen Rückkehr zur Erde bereit.
In der Dragon-Kapsel kam die SpaceX-Crew 12 im Februar auf die ISS.
Foto: Uncredited/NASA/dpa
Der Zwischenfall verdeutlicht zudem, dass die internationale Zusammenarbeit im All weiter funktioniert. Sicherheitsrelevante Informationen werden auf der ISS ausgetauscht, Entscheidungen koordiniert getroffen und Notfallpläne gemeinsam umgesetzt.
„Es ist bemerkenswert, dass die Zusammenarbeit auf Ingenieurniveau funktioniert – vielleicht auch ein Modell zur Bewältigung irdischer Krisen“, betont Wörner, einst Generaldirektor der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa.
Die ISS sei zu wichtig, um sie im Politikstreit aufzugeben. „Es ist bedauerlich, dass viele andere wissenschaftliche Projekte sofort aufgegeben wurden: Auch in Krisenzeiten müssen Verbindungen bestehen bleiben! Diese Rolle fällt im Moment nur der ISS zu.“
Drittens: Trotz Marsplänen an den Alltag im All denken
Die Aufmerksamkeit der Raumfahrt richtet sich derzeit häufig auf Mondmissionen und langfristige Pläne für bemannte Flüge zum Mars. Der Zwischenfall auf der ISS erinnert jedoch daran, dass die größten Herausforderungen oft im täglichen Betrieb liegen.
Lebenswichtige Systeme müssen rund um die Uhr funktionieren, kleine Materialfehler früh erkannt und Reparaturen unter schwierigen Bedingungen durchgeführt werden.
Gerade für künftige Langzeitmissionen liefern solche Vorfälle wichtige Erkenntnisse. Je weiter sich Astronauten von der Erde entfernen, desto weniger können sie auf schnelle Hilfe von außen hoffen.
Die Erfahrungen mit den ISS-Lecks helfen deshalb, künftige Raumfahrzeuge und Raumstationen robuster zu machen. Der aktuelle Vorfall ist vor allem eine Erinnerung daran, dass bemannte Raumfahrt nicht nur aus spektakulären Zielen besteht, sondern auch aus kontinuierlicher Wartung, Vorsorge und Sicherheitsarbeit.
„Auf der ISS werden täglich Forschungen durchgeführt, die auf der Erde wichtig sind“, meint Experte Wörner. Der Vorfall lehre, dass Redundanz nicht nur für einzelne Elemente, sondern auch für ganze Systeme von Bedeutung ist.
„Deshalb muss rasch an der Nachfolge der Station gearbeitet werden.“ Ein Ortswechsel von der ISS zur chinesischen Raumstation „Tiangong“ (Himmelspalast) wie einst im Raumfahrt-Thriller „Gravity“ sei technisch – und politisch – leider nicht möglich. (dpa/red)
Laut Merz soll Deutschland 2035/36 erneut versuchen, einen Sitz im Sicherheitsrat zu bekommen. - Foto: Kay Nietfeld/dpa
Nach der gescheiterten Kandidatur für den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wird sich Deutschland für die Periode 2035/36 erneut um einen Sitz im mächtigsten UN-Gremium bewerben. Das kündigte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Rande eines EU-Westbalkan-Gipfels in Montenegro an.
Deutschland war am Mittwoch in der UN-Generalversammlung in New York mit seiner Kandidatur für einen Sitz im Rat in den nächsten beiden Jahren bereits im ersten Wahlgang unerwartet deutlich Österreich und Portugal unterlegen.
Deutschland kam nur auf 104 Stimmen. Für die nötige Zweidrittelmehrheit wären 127 Stimmen nötig gewesen. Für Portugal stimmten 134 Länder, Österreich kam auf 131 Stimmen. Insgesamt hat die Weltorganisation 193 Mitgliedsstaaten.
Deutschland bisher sechsmal im Sicherheitsrat
Die Bundesrepublik war bereits sechsmal im Sicherheitsrat vertreten, zuletzt 2019 und 2020. Durchgefallen war Deutschland laut Diplomaten bisher noch nie.
Deutschland bewirbt sich in der Regel alle acht Jahre für den Sicherheitsrat. Für die kommenden Jahre stehen bereits ausreichend Kandidaten aus jener UN-Regionalgruppe in den Startlöchern, in der auch Deutschland antritt. Für 2029/30 kandidieren für die beiden betreffenden Sitze Australien und Finnland.
Auch für alle möglichen weiteren Kandidaturen bis Mitte der 2030er Jahre haben bereits jeweils zwei Staaten ihre Kandidaturen erklärt. Für den Wahlzeitraum 2035/36 hat bislang nur Schweden erklärt, zu kandidieren.
Merz stellt sich klar hinter Wadephul
„Wir werden das diesmal längerfristig von Anfang an gut vorbereiten“, kündigte Merz die neuerliche Bewerbung an. Vor dem Hintergrund der Kandidatur Schwedens ergänzte er, er werde in der Europäischen Union dafür werben, „dass es bei diesen beiden Ländern bleibt. Dass es also nicht wieder konkurrierende Bewerbungen aus Europa, insbesondere konkurrierende Bewerbungen aus der Europäischen Union gibt.“
Der Kanzler stellte sich klar hinter Außenminister Johann Wadephul (CDU) und dankte diesem ausdrücklich „für sein großes Engagement über ein Jahr“.
Die aktuelle Bewerbung sei von Deutschland vor vielen Jahren, aber auch sehr spät erklärt worden. Seine schwarz-rote Regierung habe die Kandidatur sozusagen übernommen und sich im Koalitionsvertrag entschieden, an ihr festzuhalten. „Wie wir im Ergebnis gesehen haben, hat das nicht ausgereicht. Wir wollen es beim nächsten Mal besser machen“, versprach Merz.
Merz: Lassen Gründe für Scheitern analysieren
Die Gründe für das Scheitern lasse man jetzt im Auswärtigen Amt ausführlich analysieren, sagte Merz. Wadephul und er persönlich hätten „alles getan, um diese Bewerbung erfolgreich werden zu lassen“.
Der Außenminister habe kaum eine Kabinettssitzung ausgelassen, um alle Mitglieder zu bitten, die Bewerbung zu unterstützen. Man habe nur ein Jahr Zeit gehabt, „in einem schwierigen Umfeld unsere Bewerbung noch einmal mehrheitsfähig zu machen. Das ist uns in der Kürze der Zeit leider nicht gelungen.“
Wadephul war von New York aus nach Mexiko weitergereist, um politische Gespräche zu führen. Von dort wollte er am späten Abend deutscher Zeit nach Berlin zurückfliegen.
Wadephul in Mexiko
Gestern hatte Wadephul bei einer Pressekonferenz in Mexiko-Stadt Vorschlägen auch aus den eigenen Reihen widersprochen, nach dem Scheitern Gelder für die Vereinten Nationen zu kürzen.
Über die Höhe des finanziellen Engagements entscheide das Parlament, aber er sei dafür, „dass wir bei den UN genauso engagiert bleiben wie bisher“, sagte er. „Die Vereinten Nationen bleiben für uns die entscheidende Institution auf internationaler Ebene, die sich für Frieden, für Menschenrechte und für internationale Sicherheit einsetzt.“
Auch Merz hatte direkt nach dem Scheitern der Kandidatur versichert, Deutschland werde seine Verantwortung in den UN unverändert wahrnehmen. „Deutschland bleibt ein verlässlicher Stützpfeiler des multilateralen Systems. Diese Verantwortung tragen wir mit Entschlossenheit“, erklärte er in Berlin. (dpa/red)
Staatliche Industriesubventionen haben laut OECD in den Jahren 2023 und 2024 Höchststände erreicht. (Symbolbild) - Foto: Jens Büttner/dpa
Chinesische Industrieunternehmen haben in den vergangenen rund zwanzig Jahren deutlich mehr staatliche Unterstützung erhalten als ihre internationale Konkurrenz.
Drei bis acht Mal mehr Subventionen
Zwischen 2005 und 2024 bekamen Chinas Unternehmen im Verhältnis zu ihrem Umsatz im Schnitt drei bis acht Mal mehr Subventionen als ihre Wettbewerber in OECD-Ländern, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der weite Teile Europas sowie unter anderem die USA und Japan angehören, mitteilte.
In ihrem Bericht bezeichnete die OECD die Schätzung zu chinesischen Unternehmen als konservativ – die tatsächlichen Unterschiede könnten also noch größer sein.
60 Prozent der Marktanteilsgewinne durch Förderung
Auch im Vergleich zu Schwellenländern wie Brasilien, Indien und Indonesien lägen die Subventionen für chinesische Firmen deutlich höher. Fachleute und heimische Industrievertreter kritisieren seit längerem, dass China mit Subventionen und gewaltigen Überkapazitäten den Markt verzerre.
Rund 60 Prozent der globalen Marktanteilsgewinne von chinesischen Unternehmen in dem untersuchten Zeitraum seien auf die Förderung zurückzuführen, teilte die OECD weiter mit.
OECD warnt vor staatlichen Industriesubventionen
Allgemein hätten Industriesubventionen zuletzt Höchststände erreicht, gab die OECD an. Nach einem Rekordhoch im Jahr 2023 beliefen sich die Subventionen in 15 wichtigen Industriesektoren im Jahr 2024 demnach auf insgesamt 108 Milliarden US-Dollar, was 1,3 Prozent der Umsatzerlöse der Unternehmen entspreche.
Zu den am stärksten subventionierten Sektoren gehören Erneuerbare-Energien-Anlagen, Halbleiter und Schwerindustrien. Vor allem die Herstellung von Photovoltaikmodulen, Halbleitern, Aluminium und Stahl sowie der Schiffbau werde im Verhältnis zum Umsatz der Firmen stark gefördert.
OECD-Generalsekretär Mathias Cormann warnte: „Umfangreiche und anhaltende Industriesubventionen können globale Märkte verzerren, unfaire Wettbewerbsvorteile schaffen und auf der Angebotsseite zu Überkapazitäten beitragen.“
Die OECD erfasst die Subventionen für die 525 der weltweit größten Industrieunternehmen in einer Datenbank. Dazu gehören staatliche Zuschüsse, Steuervergünstigungen und zinsvergünstigten Kredite. (dpa/red)