In Kürze:
- Die Gaspreise sind zuletzt wieder gestiegen.
- Neukunden spüren höhere Preise meist schneller als Bestandskunden.
- Ein Anbieterwechsel kann sich lohnen, insbesondere bei einem Arbeitspreis von über 12 Cent pro Kilowattstunde.
Niedrige Gasspeicherfüllstände und die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten: Das sind die Gründe für den jüngsten Preisanstieg beim Erdgas. Die Preise für den fossilen Brennstoff im Großhandel sind derzeit so hoch wie seit dem Ende der Energiekrise von 2022/2023 nicht mehr.
Sollte das aktuelle Preisniveau bestehen bleiben, drohen Haushalten höhere Heizkosten von bis zu 20 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Vergleichsportals Verivox.
Wann spüren Neu- und Bestandskunden die Erhöhung?
Die günstigsten Gaspreise für Neukunden sind seit Anfang März 2026 von rund 8 auf 10 Cent pro Kilowattstunde (Ct./kWh) gestiegen. Für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh bedeutet das Mehrkosten von rund 400 Euro pro Jahr.

Entwicklung der Gaspreise für Privathaushalte.
Foto: 1-gasvergleich.com
Es gibt jedoch einen Unterschied, wann Neukunden und wann Bestandskunden die gestiegenen Preise spüren. Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox, sagte:
„Am schnellsten steigen die Preise für Neukunden, da diese Angebote üblicherweise besonders streng kalkuliert sind. Mit der Zeit werden aber auch die Preise für Bestandskunden erhöht.“
Laut Verivox haben die meisten Haushalte mit Bestandskunden die Preissteigerungen im Gas-Großhandel noch nicht gespürt. Viele Gasversorger beschaffen Gas langfristig und geben Preissteigerungen erst mit Zeitverzug weiter. Flächendeckende Preiserhöhungen seien bisher nicht zu beobachten.
Woran orientieren sich die Gaspreise?
Richtungweisend für die Endverbrauchergaspreise ist der Erdgas-Terminkontrakt TTF. Vor dem Ausbruch des Irankrieges lagen dort die Gaspreise bei rund 3 Ct./kWh.
Im März stieg der Preis kurzzeitig auf rund 6 Ct./kWh, sank dann jedoch wieder und schwankte im Frühling zwischen 4 und 5 Ct./kWh. Seit Sommeranfang stieg er wieder an und liegt nun häufig über 6 Ct./kWh.
Wann besteht Grund zum Wechseln?
Somit ist zu erwarten, dass auch Bestandskunden in den kommenden Monaten mit einer Preiserhöhung für Gas rechnen müssen. Entsprechend sollten Verbraucher schon jetzt und in nächster Zeit prüfen, ob sie noch günstig beliefert werden oder nicht.
Matthias Bauer, Energieberater der Verbraucherzentrale BW teilte dem SWR mit: „Wer zwischen 8 und 10 Cent zahlt, hat einen günstigen Preis. Wer deutlich mehr als 12 Cent zahlt, sollte sich nach Alternativen umsehen.“ Gemeint ist hier der Arbeitspreis auf der Gasrechnung.
Wie findet man einen günstigeren Anbieter?
Einen günstigeren Gasanbieter finden Verbraucher am schnellsten und effektivsten über Vergleichsportale im Internet. Seriöse Portale sind hier Check24, Verivox, Gasvergleich.de oder der Gaspreisvergleich von Finanztip.
Der Gaskunde muss dafür zunächst seine Postleitzahl und teilweise den genauen Wohnort angeben sowie die Haushaltsgröße und den Jahresgasverbrauch. Wichtig sind auch die Filtereinstellungen wie die Laufzeit in Monaten, die monatliche oder jährliche Anzeige und die gewünschte Preisgarantie. Wenn steigende TTF-Gaspreise zu erwarten sind, empfiehlt sich die Wahl einer möglichst langen Preisgarantie.
Ebenso besteht die Möglichkeit, sich nur – meist etwas teurere – Ökogastarife anzeigen zu lassen oder nur regionale Anbieter. Der vom Gasanbieter berechnete Preis setzt sich normalerweise aus einem jährlichen Grundpreis und einem Arbeitspreis pro kWh zusammen. Hinzu kommen meist ein Neukunden- und ein Sofortbonus, die den Preis im ersten Jahr reduzieren.
Vor dem Wechsel sollte der Gaskunde seinen aktuellen Gastarif kennen. Entscheidend sind zudem das exakte Ende des bestehenden Gasvertrags und dessen Kündigungsfrist.
Wie Verbraucher noch sparen können
Neben dem Anbieterwechsel könnten manche Gaskunden auch ihren Gasverbrauch reduzieren. Hierbei hilft ein kontrollierter Verbrauch, etwa durch bewusstes Heizen. So ist in Räumen, in denen man sich nur selten oder kurz aufhält, das Heizen oft nicht nötig. Im Schlafzimmer reicht in der Regel eine Temperatur von 17 oder 18 Grad Celsius aus. In Räumen, in denen sich die Bewohner häufig aufhalten, empfiehlt sich eine Temperatur von 20 oder 21 Grad.
Darüber hinaus kann gerade bei älteren Gebäuden durch eine verbesserte Dämmung und neuere Fenster weiteres Einsparpotenzial der Heizkosten bestehen. Allerdings verursacht eine energetische Sanierung auch erhebliche Zusatzkosten, die zu berücksichtigen sind. Sie könnten sich erst langfristig auszahlen.
Gelegentliches Entlüften der Heizkörper kann die Heizeffizienz hingegen schon auf einfache Weise erhöhen. Bei manchen Heizkörpern sammelt sich im Laufe der Zeit Luft an. In diesem Fall wird der Heizkörper nicht mehr richtig warm. Das verbraucht mehr Energie und erhöht die Heizkosten. Beim Entlüften mit einem Entlüfterschlüssel sollte ein kleiner Behälter am Entlüftungsventil sein. Auch ein Lappen sollte bereitliegen. Der Thermostatkopf sollte beim Entlüften auf Stufe 5 stehen.
Gasspeicher rund halb voll
Die deutschen Gasspeicher sind momentan so leer wie noch nie im August. Aktuell liegt der bundesweite Füllstand bei 50,4 Prozent (Stand: 22. August 2026). Das sind 17,5 Prozent weniger als zum Vorjahreszeitpunkt.
„Der aktuelle Gasspeicherfüllstand ist mit Abstand der tiefste Füllstand zu dieser Zeit, der seit Aufzeichnung der Speicherfüllstände in Deutschland aufgetreten ist“, sagte kürzlich der Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern (INES), Sebastian Heinermann. „Es handelt sich somit um einen historischen Tiefstand.“
Zuletzt bezeichneten auch das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur dieses niedrige Füllstandsniveau als „sehr gering“ und „nicht zufriedenstellend“. Dennoch schätzt die Energiebehörde die Lage aktuell als stabil und die Versorgungssicherheit als gewährleistet ein.








