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Mein Leben als Farmer – Fakten über das Landleben

Vogelgesang. Saubere Luft. Wildtiere. Bewegung. Selbst angebaute Lebensmittel und sauberes Brunnenwasser. Adler am Himmel vor expressionistischem Hintergrund.
Es ist Sonnenaufgang. Ich gehe zur Scheune und lasse die Pferde auf die Koppel. Dann halte ich inne: Wildrosen hängen über dem Zaun und erstrahlen im Morgenlicht. Ein wunderbarer Moment.
Im Winter bedeutet Wärme: zwei Hunde, ein Kamin und feine Wolle.
Im Sommer verweilt das Licht am nördlichen Himmel noch lange nach der Schlafenszeit.
Eulen fliegen abends über unsere Einfahrt hinweg, wie Geister in der Luft.
Klimaanlage gibt es umsonst – nachmittags weht eine Brise von der Heuwiese herauf.
Ich muss jeden Morgen nur die Tür öffnen, und schon habe ich einen märchenhaften Lebensstil, der seit Jahrhunderten Menschen aus der Stadt aufs Land lockt. Als Junge in der Stadt habe ich oft davon geträumt, und vor zehn Jahren habe ich es endlich geschafft.

Unsere kleine Farm

Als Nicole und ich auf unsere Inselfarm zogen, sank mein Blutdruck um 20 Punkte. Ich habe aufgehört, monatlich 80 Dollar in einem „Fitnessstudio“ auszugeben, und meine „Work-outs“ in „Heimarbeit“ umgewandelt. Ich habe Dinge über Heu und Pferde, Brunnen und Wellness, Unkraut, Erde und Kies, Zäune, Brennholz und Füchse gelernt, von denen ich nie geahnt hätte, dass ich sie wissen wollte. Ich bin ein Experte für Small Talk mit Leuten, die Bagger und Bobcat-Radlader besitzen.
Bei meiner letzten Vorsorgeuntersuchung war mein Blutdruck so niedrig wie noch nie in meinem Erwachsenenleben. Noch nie. Ich ging nach Hause und aß zum Abendessen Salat aus eigenem Anbau und ein auf Kirschholz gegrilltes Steak. Dann brachte ich die Pferde mit einem Haufen Heu für die Nacht unter.
Meine Freunde aus der Stadt haben „Fitbit“-Schrittzähler. Ich habe Arbeit auf dem Hof.
In unserem Landkreis gibt es keine Ampeln. Ganz genau – null. Vier Autos an einer Kreuzung mit Stoppschild sind schon ein nerviger Stau.
So ist das Leben auf dem Land. Großartig, aber es hat auch seinen Preis. Es gelten andere Regeln als in der Stadt, in der mittlerweile etwa 80 Prozent der Amerikaner leben. Dennoch hegen Millionen von Menschen den Traum von einem friedlichen, idyllischen Leben auf dem Land.
Da ich nun schon seit zehn Jahren auf knapp elf Hektar auf einer kleinen Insel auf der „Owl Feather Farm“ (dt. Eulenfeder-Farm) lebe, kann ich bezeugen, dass all die ersehnten Schätze des Landlebens real sind, und ich würde nicht in die Stadt zurückkehren, selbst wenn man mir Millionen von Dollar dafür bieten würde.
Aber es gibt ein paar Dinge, die ein Greenhorn wissen sollte, bevor es seinen Pick-up sattelt, um aufs Land zu ziehen.

Man wird belästigt

„In diesem einen Nest könnten 2 Millionen Wespen stecken“, sagte der Schädlingsbekämpfer, während er ernst den Kopf schüttelte und auf das Gelbwespennest im Boden blickte, das sechs Meter entfernt lag. „Mal sehen, was ich tun kann.“
Seine Bemerkung war so beunruhigend, dass ich im Internet recherchierte. Zwei Millionen waren übertrieben. Es sind eher 200.000, wie sich herausstellte.
Denkt mal einen Moment darüber nach. Wer dieses Nest stört, wird vor Tausenden wütender Wespen davonlaufen müssen. Unser Hof ist chemiefrei, aber bei riesigen Gelbwespen- und Hornissennestern machen wir Ausnahmen. Wenn es an einem Haus, einer Scheune oder einem Schuppen hängt, heißt es: Tschüss.
Dieses hier befand sich im Obstgarten zu nahe an den Auslaufstrecken für Hunde und Ponys, und selbst unser großes polnisches Warmblutpferd mit rund 1,70 Meter Stockmaß würde bei 200.000 Gelbwespen in Schwierigkeiten geraten. Der Schädlingsbekämpfer musste es zweimal besprühen (das Nest war mehr als 60 Zentimeter tief). Am Ende siegte jedoch die chemische Kriegsführung.
„Natur, rot an Zahn und Klaue“, schrieb der legendäre britische Hofdichter Alfred Lord Tennyson und beschrieb damit eine Tatsache des Lebens, die moderne Stadtbewohner weitgehend übersehen.
Abgesehen von Gelbwespen findet man auf dem Land auch Mücken, Zecken, Hornissen, Bienen, Feldmäuse, Zuckerameisen, Waldameisen, Ratten, Spinnen und hier und da Skorpione und vieles mehr. Auf der „Owl Feather Farm“ haben wir Termiten, die jedes Jahr um den Labor Day herum fliegen und beunruhigend aussehen; glücklicherweise ist das nicht jene Art von Termiten, die dein Haus zum Frühstück verspeist. Aber trotzdem.
Jeden Herbst füllen sich Küche und Esszimmer mit Fruchtfliegen, weil, nun ja, unser Obstgarten große Mengen an Obst produziert. Wusstest du, dass eine weibliche Fruchtfliege im Laufe ihres Lebens bis zu 500 Eier legen kann?
Die Lösung ist: kein Obst im Haus. Aber was hat dann noch ein Obstgarten für einen Sinn?

Beeren-Diebe im Anmarsch

Größere Schädlinge kommen eher sporadisch vor. Einmal hatten wir einen Waschbären, den wir Barry tauften. Das war ein großer Kerl. Wir trugen mit unserer köstlichen, frischen Beerenernte im Hochsommer zu seinem Umfang bei. Eines Abends, beim Abendessen draußen am Picknicktisch, beobachteten wir, wie er auf dem Ast eines nahegelegenen Wildkirschbaums herumkletterte. Der Ast brach, und hinunter stürzte Barry, der Beeren-Dieb. Danach sahen wir ihn nie wieder.
In den meisten Teilen der Vereinigten Staaten sind Schlangen allgegenwärtig. Wir haben hübsche, völlig harmlose Strumpfbandnattern – oft fälschlicherweise als „Gartenschlangen“ bezeichnet, weil das ihr Lebensraum ist. Anderswo sollte man das Gras rund um das Haus am besten kurz mähen, damit man Klapperschlangen und anderes derartiges Getier sehen kann.
Viele unserer Bewohner sind reizende Geschöpfe – die kleinen Marienkäfer, die mitten im Winter in kleinen Schwärmen ins Haus kommen; die winzigen Frösche, die sechs Fuß hoch in einem Maisstängel sitzen; die Schwalben, die im selben Dachvorsprung wie die Hornissen nisten –, aber wir heißen sie willkommen, weil ihr Beruf darin besteht, 100 Mücken pro Stunde zu fressen. Was Schlangen angeht, so sind Schneckeneier die Lieblingsnahrung unserer Strumpfbandnattern. Sie sind Helden!
Wenn du eines dieser Wesen als äußerst beunruhigend empfindest, solltest du vielleicht lieber in der Stadt bleiben. Nur so als Tipp.

Man braucht nicht von allem zwei

Eigentlich braucht man drei.
Nehmen wir zum Beispiel eine Gripzange. Am besten hast du einen Satz im Garten, um widerspenstige Schlauchkupplungen in den Griff zu bekommen. Ein weiterer gehört in die Scheune für … widerspenstige Kupplungen, Punkt. Und ein dritter muss im Haus für allgemeine Zwecke sein, einschließlich widerspenstiger Schlauchkupplungen, wie zum Beispiel – hast du schon mal hinter die Waschmaschine und den Trockner geschaut? – ja, genau dort.
Hämmer? Mehr als drei, denn auf dem Land braucht man kleine und große. Acht könnten ausreichen.
Schraubendreher? Nun, vor langer Zeit hat irgendein Unruhestifter Kreuzschlitzschrauben erfunden und damit das Schraubendreher-Universum schlagartig verdoppelt, also reden wir hier von, ähm, mindestens einem Dutzend. Scheune, Haus, Garten.
Zwei Steckschlüsselsätze, englische Zollgrößen und metrische.
Die Arbeiten auf einem Bauernhof beginnen typischerweise mit Sonnenaufgang, insbesondere auf Höfen mit Nutztieren, die täglich gefüttert und versorgt werden müssen. Foto: Dejan Sarec/iStock

Die Arbeiten auf einem Bauernhof beginnen typischerweise mit Sonnenaufgang, insbesondere auf Höfen mit Nutztieren, die täglich gefüttert und versorgt werden müssen.

Foto: Dejan Sarec/iStock

Man braucht auch drei Hände

Apropos „Regel der Drei“: Die Natur hat den Hominiden zwar die großartige Anordnung mit dem opponierbaren Daumen geschenkt, dabei aber den offensichtlichen Bedarf an mehr als zwei solchen Gliedmaßen übersehen.
Ein Beispiel: Man nähert sich dem Koppel-Tor, um mit seinem Shetlandpony spazieren zu gehen. Man hält die Leine in einer Hand, braucht aber beide Hände, um das Tor zu öffnen. Nein, ich kann Cocoa nicht bitten, seine Leine mal kurz selbst zu halten. Ja, das ergibt drei Hände.
Ich empfehle wärmstens, so viele mit einer Hand bedienbare Vorrichtungen wie möglich zu entwickeln und anzubringen – vor allem Torverschlüsse und Türklinken. Fernbedienungen sind in Ordnung, aber denk daran, dass man eine Hand braucht, um die Fernbedienung zu bedienen, und wahrscheinlich zwei, um sie zu finden und zu holen, also … bleiben uns nur einhändig bedienbare Tore und Türen.

Man kann nie genug Zaun haben

Stark. Hoch. Uneinnehmbar. Ein sechs Fuß hoher Maschendrahtzaun, montiert auf verzinkten Stahlpfosten, die in Beton eingelassen sind, ist ideal (es sei denn, man züchtet Bisons, was nichts für Amateure ist und einen noch stärkeren, höheren Zaun von olympischem Kaliber erfordert).
Vergessen Sie nicht diese robusten Tore mit Riegeln, die nur von den fünf-fingrigen, mit einem opponierbaren Daumen ausgestatteten Wesen des Universums bedient werden können.
Warum? Deine Nachbarn finden deine Pferde zwar süß – aber nicht als Gäste.

Haustiere haben nur ein Hobby

Die allgemeine Kategorie lautet „Unfug“, aber seien wir genauer: Ausbrechen.
Eigentlich wollen sie gar nirgendwo hin – na ja, vielleicht die Straße hinunter, um im Maisfeld deines Nachbarn herumzustampfen. Es geht einfach, na ja, du weißt schon, um Freiheit.
Deshalb sind all diese Zäune und all diese Tore, für die man opponierbare Daumen braucht, so wichtig. Zäune auf Goldmedaillen-Niveau sind gut für die Wesen, die sie drinnen halten, und für die, die sie draußen halten. Du hilfst deinen Tieren dabei, gute Bürger zu sein. Wollen wir das nicht alle?
Familienbetriebe leben von der Lebensmittelproduktion, dem Landbesitz und der Tierhaltung. Oft ist die ganze Familie beteiligt. Foto: boggy22/iStock

Familienbetriebe leben von der Lebensmittelproduktion, dem Landbesitz und der Tierhaltung. Oft ist die ganze Familie beteiligt.

Foto: boggy22/iStock

Es wird Schlamm geben

Kies ist die Lösung. Nein, nicht Zement. Davon gibt es in der Stadt genug, weshalb vielen städtischen Haushalten eine wunderbare Einrichtung fehlt, die man „Schmutzraum“ nennt – dort, wo man Schuhe, Stiefel, Eimer, Jeans, Handschuhe und, wer weiß, vielleicht sogar eine Mütze, auf der irgendwie Schlamm gelandet ist, ablegt. Das ist durchaus möglich, glaubt mir.
Wenn euer Landhaus nicht mindestens einen Schmutzraum hat, ruft sofort einen Bauunternehmer an.
Zurück zum Schlamm. Das Schlamm-Überangebot lässt sich durch den geschickten, dosierten Einsatz von Kies lösen. Unsere Pferde versanken im Januar oben auf ihrer Koppel im Schlamm, bis wir einen Kiesweg für sie anlegten, auf dem sie laufen konnten. Dann haben wir die Situation noch weiter verbessert, indem wir einen unserer Baggerfahrer eine Abflussleitung, auch Drainagerohr genannt, verlegen ließen. Das trocknete die obere Hälfte der Koppel vollständig ab. Dann habe ich dasselbe für meinen Obstgarten gemacht.

Alle Tore sind jederzeit geschlossen. Punkt.

Keine herumstreunenden Pferde, Hunde oder Rehe an Orten, an denen sie nichts zu suchen haben.
Schließt die Tore immer, unter allen Umständen.
Noch Fragen?
Foto: Gut gebaute Zäune sind unerlässlich, um Nutztiere zu schützen und Ausbrüche zu verhindern. Foto: xeni4ka/iStock

Foto: Gut gebaute Zäune sind unerlässlich, um Nutztiere zu schützen und Ausbrüche zu verhindern. Foto: xeni4ka/iStock

Keine schwächlichen, hübschen Stadtautos

Wenn ihr irgendwo an typischen Landstraßen wohnt, solltet ihr euch am besten ein Landauto zulegen – ein robustes, zuverlässiges Nutzfahrzeug, das rauen Bedingungen standhält. Moderne Fahrzeuge mit selbsttragender Karosserie (sogar viele sogenannte SUVs) zerfallen bei regelmäßigen Fahrten auf unebenen Straßen in ihre Einzelteile. Sie bestehen aus Blechteilen. Was du brauchst, ist ein geschweißter Leiterrahmen aus hochfestem Stahl unter deinem Fahrzeug. Ich habe ein solches Fahrzeug, das bereits über 500.000 Kilometer zurückgelegt hat, 40.000 davon auf Straßen, auf denen sich viele Stadtmenschen weigern würden, zu fahren.
Früher wurden alle Fahrzeuge auf diese Weise gebaut, aus dem einfachen Grund, dass sie lange halten. Unzuverlässige, überkomplizierte moderne Autos lassen einen im Stich, wenn man es am wenigsten erwartet – aus unverständlichen Gründen, die einen verzweifeln lassen.
Mein Vater wollte sein ganzes Leben lang einen Mercedes, und nachdem er endlich einen bekommen hatte, saßen er und meine Mutter einen halben Tag lang fest, bis ein sehr kluger Mechaniker die Pannenhilfe anrief und herausfand, dass das Auto nicht anspringt, wenn der Tankdeckel nicht vollständig festgeschraubt ist. Nein, das ist kein Scherz.
Gib dein Geld für erstklassige Reifen und Batterien aus, nicht für glänzenden Luxus. In neunzig Prozent der Fälle – oder sogar noch öfter – sind schlechte Reifen oder Batterien die Ursache für Pannen, und selbst wenn du den Pannendienst dazu bringst, dich zu retten, kann es einen Tag dauern, bis er da ist.
Ja, du brauchst wirklich Fahrzeuge mit Allradantrieb. Die Schneepflüge des Landkreises werden erst morgen, übermorgen oder nächste Woche hier sein. Und die räumen nicht nur deine Einfahrt nicht frei, sondern hinterlassen auch eine zwei Fuß hohe Schneewehe an der Einmündung in die Kreisstraße.
Dürfen Sie ein schickes Stadtauto haben? Klar, wenn es Ihr Zweitwagen ist. Nehmen Sie es mit in den Urlaub nach Palm Springs in Kalifornien.

Stadtmenschen werden das nicht glauben …

Bei uns dürfen im Garten keine Knochen für die Hunde liegen bleiben. Das lockt Geier an.
Du kannst dir zum Abendessen keine Pizza bestellen, egal wie müde du bist. Es gibt keinen Lieferservice.
Der Supermarkt schließt im Winter um 17 Uhr. Etwas vergessen? Pech gehabt.
Nein, wir können kein Hochgeschwindigkeits-Breitband bekommen. Na ja, wir könnten schon, aber es kostet umgerechnet fast 80.000 Euro, die Leitung bis zu unserem Haus zu verlegen.
Nein, wir haben keinen 5G-Mobilfunkempfang; es gibt keinen Hochleistungsmast in Sichtweite. Eigentlich wollen wir das auch gar nicht. Die letzten Menschen ohne durchgebratene Gehirne werden zur Landbevölkerung zählen.
Brauchst du ein neues Kleid für die Hochzeit deiner Schwester? Das bedeutet einen Ausflug in die Stadt. Möglicherweise mit Übernachtung.

Ford

Vor langer Zeit, in einem weit entfernten Universum, gab es in Amerika zwei Arten von Menschen: Ford-Fans und Chevy-Fans. Letztere ergötzten sich an einem Spott, der behauptete, der Firmenname der Ersteren sei ein Akronym für „Fix or Repair Daily“ (täglich reparieren oder ausbessern).
Ich werde nicht verraten, zu welchem Lager ich gehörte, aber ich benutze das heute als Mem für das Landleben. Um die bekannte US-Komikerin Gilda Radner (1946–1989) zu zitieren: „Es ist immer irgendetwas.“
Zum Beispiel bin ich gerade dabei, eine kleine Mulde im Wald mit einem Meter hohem Gras zu mähen – hoch genug, um einen alten Baumstumpf zu verbergen, auf den ich den Aufsitzmäher aufhocke – ganz so wie einen alten britischen MGB-Sportwagen auf einen Bordstein.
Es gelang mir, den Rasenmäher herunterzuschieben (eine Anstrengung, die einer Stunde im Kraftraum eines Fitnessstudios entspricht). Jetzt ist aber das Messer stumpf wie ein Schnürsenkel und sitzt schief in der Halterung. Da man einen Hebebock braucht, um darunterzukommen, und ich keinen habe, muss der Mäher in die Werkstatt.
Ich nähere mich mit Cocoa, unserem Shetlandpony, dem mit einer Hand zu öffnenden Tor des Paddocks. Ich stelle fest, dass die Schwerkraft letzte Nacht außergewöhnlich stark war (Vollmond?) und es sich um einen Zoll durchgebogen hat. Es lässt sich nicht öffnen. Es muss dringend eine Scharnierreparatur her – und das sind nicht einfach irgendwelche gewöhnlichen Küchenschrankscharniere, nein, ganz und gar nicht. Es sind zwei massive verzinkte Stahlplatten, die mit irgendwelchen Schrauben an altem Scheunenholz befestigt sind.
Erinnerst du dich an all die Schraubendreher und die Gripzange? Hol sie mal.
Am nächsten Tag: Im Sturm der letzten Nacht ist ein Baum auf den Paddockzaun gefallen.

Kochen lernen

Meine Bekannten aus der Stadt sind entsetzt, aber uns fehlen viele Annehmlichkeiten des modernen Lebens, die die meisten Menschen des 21. Jahrhunderts als selbstverständlich ansehen. Die Lebensmittelversorgung ist das beste Beispiel: Der nächste Kurierfahrer befindet sich in einem anderen Landkreis (für mich sogar in einem anderen Land – Kanada).
Wenn wir nicht kochen, essen wir nichts.
So unverständlich das für Stadtmenschen auch erscheinen mag, ist es doch ein Glücksfall. Fast jeden Abend steht etwas aus dem Garten oder Obstgarten auf dem Tisch, und es ist biologisch, nachhaltig, gesund, gentechnikfrei und – das Beste von allem – äußerst lecker.
Das Fehlen von Uber Eats ist nicht der Grund für unseren zweitausend Quadratmeter großen Garten und Obstgarten, aber es ist die Antwort darauf. Dazu kommen die Eier aus Freilandhaltung und das Fleisch von Weidetieren, das wir von lokalen Bauernhöfen beziehen (manchmal sogar von dem großen Hof direkt nebenan), und wir vermissen die uneingeschränkte Auswahl an Lebensmitteln im Supermarkt kein bisschen.
Das Aushängeschild unter den Abendessen auf der „Owl Feather Farm“ ist gebratene Lammschulter mit Chilischoten, Kartoffeln, Möhren, Pastinaken, Meersalz, Salbei und Thymian – alles innerhalb von drei Meilen um unsere Küche herum geerntet.
Wir haben noch nicht gelernt, Pizza zu backen. Wir sind vielleicht die letzte amerikanische Familie, die das beliebteste Gericht der Vereinigten Staaten nie isst. Aber hey, es gibt keine Streitereien wegen Ananasscheiben auf der Pizza oder so was.
Viele ländliche Haushalte verwenden Lebensmittel aus der Region, darunter Gemüse , Obst, Eier und Fleisch aus der Umgebung. Foto: Filkina Natalia/iStock

Viele ländliche Haushalte verwenden Lebensmittel aus der Region, darunter Gemüse, Obst, Eier und Fleisch aus der Umgebung.

Foto: Filkina Natalia/iStock

Es geht um Verantwortung, nicht um Besitz

Zu unserem elf Hektar großen Grundstück gehört über ein Hektar alter Tannen- und Kiefernwald. Einige der größeren Bäume haben ein Alter erreicht, das sie zu Urwald macht. Heutzutage ist das schon eine ziemliche Seltenheit. Mit einer Höhe von mehr als 30 Metern sind sie für menschliche Verhältnisse ewig und unvergänglich. Einer davon könnte sogar der größte seiner Art sein.
Jedes Frühjahr hat eine Fuchsfamilie im Wald am Fuße der Pferdeweide einen Bau, in dem sie ihre Jungen aufzieht. Die kleinen Füchse spielen auf der Wiese und tollen herum. Dieselben Füchse sorgen dafür, dass keine Kaninchen unseren Garten leerfressen.
Unser Picknicktisch steht unter einem jahrhundertealten Birnbaum, der noch aus der Pionierzeit stammt – ein prächtiges Exemplar. Er steht jedes Jahr im Mai in voller Blüte und trägt im Oktober herrliche Früchte. Darunter zu sitzen ist, als befände man sich in einer alten Landkirche.
Die Singvögel im Kiefernwäldchen neben dem Hauptschlafzimmer, die Kolibris, die um Haus und Garten herumschwirren, die Merline, die kleinen Zwergfalken, die über die Heuwiese gleiten, und die Schwalben, die in der Scheune nisten – sie alle bedeuten uns sehr viel.
Jeden Morgen schlendert aus dem Wald ein junger Hirschbock daher, den wir Claude genannt haben. Er schließt sich unseren beiden Pferden an und so verbringen sie gemeinsam den Vormittag mit Grasen und Weiden. Die Nachmittagsbrise rauscht in den Pappelblättern und raschelt ein Lied. Der gute, tiefschwarze Boden im unteren Obstgarten ist der Grund, warum unser Gravenstein-Apfelbaum in fünf Jahren gut sechs Meter gewachsen ist.
Wir sind nicht die „Besitzer“ all dieser Wunder. Es wäre zwar zutreffend, zu sagen, dass sie uns gehören, aber sagen wir lieber, dass wir alle Hüter füreinander sind – jedes Lebewesen hier auf unserem Hof zusammen mit dem Boden, dem Wasser, dem Himmel und der Luft, die uns alle erhalten. Unsere Seelen sind untrennbar miteinander verbunden, wie Edelsteine an einer unendlichen goldenen Kette. Das ist der berühmte Kreislauf des Lebens, und wir sind ganz und gar Teil davon.
Ansonsten liegen zumindest kleine Farmer auch mal in der Sonne. Foto: sonyae/iStock

Ansonsten liegen zumindest kleine Farmer auch mal in der Sonne.

Foto: sonyae/iStock

Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Facts of Life About Life in the Country“.Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)
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Forscher entdecken Zusammenhang: Fehlender Blinddarm könnte Alzheimer begünstigen

Der Blinddarm wurde lange Zeit als weitgehend rudimentäres Organ abgetan, doch tatsächlich könnte er eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der Gehirngesundheit und beim Schutz vor kognitivem Verfall spielen.
Bei einer Analyse von Daten von fast 10.000 Personen stellten die Forscher fest, dass die Antworten auf grundlegende Gesundheitsfragebögen es ermöglichten, Menschen mit Alzheimer mit relativ hoher Genauigkeit von denen ohne Alzheimer zu unterscheiden.
Die Forscher nutzten dabei maschinelles Lernen, um 120 verschiedene Variablen zu analysieren, darunter Ernährung, Schlaf, Vitaminaufnahme, Krankengeschichte und allgemeine Lebensstilfaktoren.
Einige der stärksten Signale im Modell kamen aus unerwarteten Richtungen.
Die Blinddarmoperation stach dabei als stärkster einzelner Risikofaktor hervor – noch vor Lebensstil und Krankengeschichte.

Blinddarm – ein unterschätztes Organ?

Die Forscher vermuten, dass der Blinddarm als Reservoir für nützliche Darmbakterien dient und dem Mikrobiom hilft, sich nach Krankheiten, Infektionen oder der Einnahme von Antibiotika zu erholen.
„Wenn er entfernt wird, verliert das Mikrobiom einen wichtigen Regenerationsmechanismus, nämlich seine Fähigkeit, gesunde mikrobielle Gemeinschaften nach einer Krankheit, einer Infektion oder der Einnahme von Antibiotika wiederherzustellen“, sagte Kaveh Khalilpour, Co-Leiter der Studie und außerordentlicher Professor an der University of Technology Sydney, in einer Erklärung.

Welche Gesundheitsfaktoren noch hervorstachen

Die in der Fachzeitschrift „Alzheimer’s & Dementia: Diagnosis, Assessment & Disease Monitoring“ veröffentlichte Studie ergab, dass alltägliche Gesundheitsinformationen, insbesondere Ernährung und Krankengeschichte, dabei helfen könnten, Muster zu identifizieren, die mit dem Alzheimer-Risiko in Verbindung stehen.
Abgesehen von dem überraschenden Risikofaktor Blinddarmoperation erwiesen sich die Krankengeschichte und die Ernährung als die stärksten Risikoprädiktoren. Häufige chronische Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und Depressionen gehörten zu den stärksten Indikatoren.
Beim Faktor Ernährung zeigte sich: Es war nicht ein einzelnes Lebensmittel oder ein Nährstoff, die die Ergebnisse bestimmten, sondern langfristige Ernährungsgewohnheiten waren am wichtigsten, wobei Milchprodukte und andere Laktosequellen eine besonders schützende Wirkung zu haben schienen.
Eine Ernährung, die reich an Vollwertkost, pflanzlichem Eiweiß und Omega-3-Fettsäuren war, stand ebenfalls mit einem geringeren Alzheimer-Risiko in Verbindung, während verarbeitete Lebensmittel, raffinierter Zucker und gesättigte Fette mit einem höheren Risiko assoziiert wurden.
Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass das Alzheimer-Risiko das Ergebnis einer Anhäufung vieler kleiner Faktoren im Laufe der Zeit ist, so Karimi.
„Unsere Studie untermauert die wachsenden Hinweise darauf, dass die Pflege der Darmgesundheit durch gesunde Ernährung, die Behandlung chronischer Erkrankungen und die Verringerung von Entzündungen ein wichtiger Teil der Senkung des langfristigen Risikos sein könnte“, sagte Khalilpour.

Die Darm-Hirn-Verbindung

Die Forscher untersuchten zudem die Darm-Hirn-Achse – ein bidirektionales Kommunikationssystem, das das Verdauungs- und das Immunsystem mit dem Gehirn verbindet.
„Wenn wir darmbezogene Muster beobachten, die mit dem Alzheimer-Risiko in Verbindung stehen, glauben wir, dass diese möglicherweise als Frühwarnsignal fungieren und uns zeigen, wie sich allgemeine Gesundheits- und Lebensstilfaktoren im Laufe der Zeit auf das Gehirn auswirken“, sagte Khalilpour.
In einer kleineren explorativen Analyse von Darmmikrobiomdaten aus etwa 2.000 Proben zeigten Menschen, die unter Alzheimer litten, Anzeichen, die mit einer Dysbiose, also einem Ungleichgewicht der Darmbakterien, übereinstimmten.
Dazu gehörten eine geringere mikrobielle Vielfalt und deutlich reduzierte Konzentrationen nützlicher Bakterien wie Roseburia und Faecalibacterium – Bakteriengattungen, die kurzkettige Fettsäuren produzieren, Substanzen, die helfen, Entzündungen im Körper zu kontrollieren.
„Die mikrobielle Vielfalt war verringert und es hatte sich ein entzündungsförderndes mikrobielles Milieu etabliert, das offenbar in der Lage ist, über die Darm-Hirn-Achse schädliche Signale an das Gehirn zu senden“, sagte Karimi.
Wenn er gut funktioniert, unterstützt ein gesunder Darm das Immunsystem und hält Entzündungen im Gehirn in Schach.
„Der Darm hilft bei der Regulierung von Entzündungen, unterstützt das Immunsystem und produziert wichtige Chemikalien, die die Funktionsweise des Gehirns beeinflussen“, sagte Khalilpour.
Diese Signale existierten nicht isoliert, merkte er an. Die Darmgesundheit spiegele viele Aspekte des täglichen Lebens wider, die im Laufe der Zeit zusammenwirkten.

Ausblick: Ein neuer Weg für das Screening

Sollten sich die Ergebnisse in zukünftigen Studien bestätigen, könnten sie zu einfacheren und kostengünstigeren Methoden, das Alzheimer-Risiko früher zu erkennen, beitragen.
„Im Gegensatz zu genetischen Risikofaktoren liegen diese auf einer Zeitachse, in die eingegriffen werden kann“, so Faezeh Karimi, Dozentin an der University of Technology Sydney, gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times per E-Mail. Das mache sie potenziell umsetzbar. Mit der Zeit, so sagte sie, könne es möglich werden, Risiken nicht nur früher zu erkennen, sondern auch einzugreifen, bevor sich Krankheitsprozesse vollständig etabliert hätten.
Die Forscherin wies darauf hin, dass, obwohl das Modell kein diagnostisches Instrument sei, es auf eine Zukunft hindeute, in der einfache Gesundheitsfragebögen dazu beitragen könnten, Risikomuster früher und kostengünstiger zu erkennen.
Khalilpour sagte: „Das Ziel ist nicht nur, intelligentere Vorhersageinstrumente zu entwickeln, sondern auch, bessere öffentliche Gesundheitssysteme aufzubauen, die Risiken früher erkennen, Präventionsstrategien lenken und ein gesünderes Altern auf Bevölkerungsebene unterstützen können.“

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Removing the Appendix Linked to Higher Alzheimer’s Risks“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Gesund altern: Fünf weniger bekannte Biomarker können dabei helfen


In Kürze:

  • Starke Hände sind ein Prädikator für eine gute Immunabwehr sowie ein gesundes Herz und Gehirn.
  • Auch der Ruhepuls und Cortisolspiegel sind wichtige Messwerte bei Gesundheit und Langlebigkeit.
  • Zudem lassen uns ein gutes Verhältnis von Taille zu Körpergröße und ausreichend Nährstoffe langsamer altern und verlängern unser Leben.
  • Es gibt verschiedene Möglichkeiten, alle Indikatoren zu messen und zu verbessern.

 
Wussten Sie, dass bestimmte Biomarker bereits Jahre vor dem Auftreten von Symptomen auf eine Erkrankung hinweisen können? Doch schon kleine, messbare Veränderungen dieser Werte können sowohl die Lebenserwartung als auch die Lebensqualität entscheidend verbessern.
Hier sind fünf Werte, die es sich zu beobachten lohnt – und was Sie tun können, um sie in die richtige Richtung zu lenken.

1. Griffkraft

Die Griffkraft ist die Kraft, die Muskeln in Hand und Unterarm ausüben, wenn wir etwas festhalten.
Studien zufolge ist diese Kraft ein wichtiger Biomarker, der eine Vielzahl von Faktoren widerspiegelt. Dazu gehören der allgemeine Gesundheitszustand, kognitive Beeinträchtigungen und die Gesamtmortalität.
Laut einer Studie aus dem Jahr 2015 steigt mit jedem Rückgang der Griffkraft um 5 Kilogramm
  • das allgemeine Sterberisiko um 16 Prozent,
  • das Risiko für einen kardiovaskulären Tod um 17 Prozent,
  • das Risiko für einen nicht-kardiovaskulären Tod um 17 Prozent.
Demnach erweist sich die Griffkraft als stärkerer Prädiktor für die kardiovaskuläre Mortalität als der Blutdruck.
Der Zusammenhang ist umgekehrt proportional und konsistent: Mit nachlassender Griffkraft steigt das Risiko. Eine stärkere Griffkraft ist hingegen mit einer besseren Immunfunktion, Herz-Kreislauf-Gesundheit und kognitiver Leistungsfähigkeit sowie niedrigerer Gesamtsterblichkeit verbunden.

Praktische Tipps für mehr Griffkraft

Die Griffkraft lässt sich verbessern, und zwar ganz praktisch mit passivem Hängen, im Sportjargon auch Dead Hang genannt. Dabei hängt man, solange es geht, mit gestreckten Armen und entspannten Schultern mit dem ganzen Körpergewicht an einer Stange. Das ist schwieriger, als es klingt.
Deswegen langsam anfangen, ein paar Sekunden reichen schon. Die Dauer mit der Zeit auf zwei Minuten steigern. Wie lange man hängen kann, hängt von Alter, Geschlecht und Fitnessniveau ab.
Andere Übungen, um verschiedene Griffarten und die damit verbundenen Muskeln zu trainieren, sind:
  • schwere Gegenstände beim Gehen tragen, wie zum Beispiel alle Einkaufstüten auf einmal,
  • einen Ball drücken,
  • Handmuskeltrainer verwenden,
  • Klettern,
  • Armdrücken.

2. Ruhepuls

Der Ruhepuls ist ein weiterer Messwert, der einen signifikanten Prädiktor für Gesundheit und Langlebigkeit darstellt. Er umfasst die Anzahl der Herzschläge pro Minute im Ruhezustand.
Mehrere großangelegte Langzeitstudien haben gezeigt, dass ein höherer Ruhepuls ein unabhängiger Risikofaktor für die Sterblichkeit ist, da er aus verschiedenen Gründen erhöht sein kann. Diese Gründe umfassen unter anderem Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen und viele andere chronische Erkrankungen.
„Er kann auch ein Indikator nicht nur für körperlichen, sondern auch für psychischen Stress sein“, sagte Studienautor Dr. Magnus T. Jensen gegenüber Epoch Times. Jensen ist ein dänischer Kardiologe und Professor und beschäftigt sich in seiner Forschung unter anderem mit dem Ruhepuls.
In einer Studie aus dem Jahr 2013 stellten Jensen und seine Kollegen fest, dass Männer mit einem Puls von über 90 Schlägen pro Minute im Vergleich zu Männern mit sehr niedrigem Puls – unter 50 Schlägen pro Minute – ein etwa dreimal so hohes Sterberisiko hatten. Letztlich fanden sie heraus, dass das Sterberisiko mit jedem Anstieg des Ruhepulses um 10 Schläge pro Minute um etwa 16 Prozent zunahm.
Als die Autoren die Ergebnisse um Fitness, körperliche Aktivität und andere Risikofaktoren bereinigten, blieb der Zusammenhang bestehen: Selbst unter Menschen mit dem gleichen Fitnesslevel hatten Personen mit einem höheren Ruhepuls ein höheres Risiko für einen vorzeitigen Tod.
Bei Erwachsenen liege der Ruhepuls normalerweise zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute, könne aber sehr individuell sein, so Jensen.
„Sie sind Ihr eigener Maßstab“, sagte er. „Wenn Sie also wissen, dass Ihr Ruhepuls bei 60 liegt und Ihr Puls erhöht ist, dann wissen Sie: OK, hier stimmt etwas nicht, oder?“

Leicht zugänglicher Indikator

Der Ruhepuls sei zudem ein nützlicher Indikator für Gesundheit und Langlebigkeit, da er von jedem leicht gemessen werden könne, so der Kardiologe weiter.
„Man kann ihn am Handgelenk, am Hals oder mit einem tragbaren Gerät messen – er ist also sehr leicht zugänglich“, meinte er.
Wie kann man den Ruhepuls am wirksamsten senken? „Durch Bewegung“ ist Jensens Antwort. Auch andere Lebensstilfaktoren würden eine Rolle spielen, wie Rauchen, Alkoholkonsum und Stress – sowohl körperlicher als auch psychischer Art, fügte er hinzu.

3. Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergröße

Jahrzehntelang war der Body-Mass-Index (BMI) in der Medizin der Standardmaßstab für die Körperzusammensetzung. Der BMI hat jedoch ein grundlegendes Manko: Er kann nicht zwischen Muskeln und Fett unterscheiden und sagt nichts darüber aus, wo sich das Fett befindet.
Diese Unterscheidung ist enorm wichtig, denn viszerales Fett – das Bauchfett, das sich um unsere inneren Organe ansammelt – ist weitaus gefährlicher als das Fett, das der Körper an anderen Stellen speichert. Es steht in engem Zusammenhang mit Entzündungen, Insulinresistenz, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Funktionsverlust und vorzeitigem Tod.
Laut einer Studie aus dem Jahr 2025 besteht ein Zusammenhang zwischen dem Verhältnis von Taille zu Körpergröße und körperlicher Leistungsfähigkeit. Demnach funktionierten die körperlichen Systeme bei Personen mit höheren Werten tendenziell schlechter.
Es zeigte sich auch, dass das Verhältnis von Taille zu Körpergröße bei Männern, Frauen, allen ethnischen Gruppen und Kindern über 5 Jahren ein besserer Prädiktor für die Sterblichkeit ist als der BMI. Das ist das Forschungsergebnis der Ernährungswissenschaftlerin Margaret Ashwell, die dazu beitrug, das Verhältnis von Taille zu Körpergröße zu einem weltweit anerkannten Indikator für Gesundheit und Langlebigkeit zu machen.

Das Maßband herausholen

Um diesen Biomarker zu messen, braucht es nur ein Maßband. Dazu den Taillenumfang unterhalb der Rippen und oberhalb der Hüftknochen in Zentimetern messen und die Zahl durch die Körpergröße in Zentimetern teilen.
Idealerweise sollte der Bauchumfang weniger als die Hälfte der Körpergröße betragen. Optimal sei ein Wert zwischen 0,4 und 0,5, so Ashwell zu Epoch Times.
Wer außerhalb dieses Bereichs liege oder seinen Bauchumfang um ein paar Zentimeter reduzieren möchte, sollte genauso vorgehen wie beim Abbau jeder anderen Art von Fett, so die Ernährungswissenschaftlerin weiter.

4. Cortisol

Cortisol ist ein Steroidhormon, das der Körper als Reaktion auf körperlichen und emotionalen Stress ausschüttet. In kurzen Schüben ist es gesund und notwendig, da es die Konzentration schärft und Energie liefert, wenn wir sie am dringendsten brauchen. Wenn der Cortisolspiegel jedoch chronisch hoch oder schlecht reguliert ist, kann dies langfristig den Körper „abnutzen“ – ein Prozess, der als allostatische Belastung bezeichnet wird.
Die nachgelagerten Auswirkungen können schwerwiegend sein: Ein ständig erhöhter Cortisolspiegel kann
  • die Telomere (die Schutzkappen an den Enden unserer DNA) verkürzen und die Zellalterung beschleunigen,
  • chronische Entzündungen begünstigen,
  • die Immunfunktion unterdrücken,
  • Muskeln abbauen,
  • den Blutzucker erhöhen,
  • das viszerale Fett vermehren,
  • die Alterung des Gehirns beschleunigen, wodurch wir anfälliger für neurodegenerative Erkrankungen werden.
Neben den Cortisolspitzen sind auch die Cortisolschwankungen im Laufe des Tages wichtig. Bei einem gesunden Verlauf erreicht der Cortisolspiegel morgens seinen Höchstwert, sinkt dann allmählich ab, und erreicht gegen Mitternacht seinen Tiefpunkt. Ungesunde Cortisolwerte sind auch solche, die den ganzen Tag über niedrig bleiben oder nachts ansteigen.

Die üblichen Verdächtigen

Regulierungsstörungen treten oft schon Jahre vor einer klinischen Diagnose auf. Der Cortisolspiegel lässt sich allerdings durch Änderungen des Lebensstils beeinflussen. Wichtig dafür sind
  • Stressbewältigung,
  • ausreichend Schlaf,
  • eine gesunde Ernährung,
  • regelmäßige Bewegung,
  • positive Beziehungen,
  • ausreichend Flüssigkeit, da Flüssigkeitsmangel den Spiegel vorübergehend erhöhen kann.
Normalerweise kann ein Arzt den Cortisolspiegel über Blut, Urin oder Speichel messen lassen. Doch es gibt auch Cortisoltests für zu Hause, wobei in der Regel Speichel über den Tag verteilt entnommen wird, um den Spiegel zu verfolgen. Diese Tests können dabei helfen, einen Überblick über den Cortisolspiegel zu bekommen und zu zeigen, wann man sich an einen Arzt wenden sollte.

5. Nährstoffmangel

Ein Mangel an lebenswichtigen Nährstoffen – darunter Vitamine, Mineralstoffe und essenzielle Fettsäuren – kann uns anfälliger für Krankheiten machen und vorzeitig altern lassen.
Dabei sollte man zwischen Mangel und Unterversorgung unterscheiden, meinte Matt Kaeberlein, Langlebigkeitsforscher und Professor für Pathologie, zu Epoch Times.
Ein echter Mangel führe zu klinisch erkennbaren Funktionsstörungen. Eine Unterversorgung hingegen – also suboptimale, aber nicht kritisch niedrige Werte – könne die Gesundheit über Jahre oder Jahrzehnte hinweg unbemerkt beeinträchtigen, ohne eine offensichtliche Diagnose auszulösen.
Ihm zufolge gebe es einige Nährstoffe, auf die wir achten sollten, sowohl wegen ihrer Auswirkungen auf die Langlebigkeit als auch weil viele von uns nicht genug davon zu sich nehmen. Dazu gehören Vitamin D, Omega-3 und Magnesium.
  • Ein Mangel an Vitamin D kann die Telomere verkürzen und altersbedingte DNA-Schäden verstärken. Außerdem erhöht er das Risiko für altersbedingte Krankheiten und einen vorzeitigen Tod.
  • Omega-3-Fettsäuren können die Langlebigkeit fördern, indem sie den biologischen Alterungsprozess verlangsamen, chronische Entzündungen senken und die kardiovaskuläre sowie kognitive Gesundheit verbessern.
  • Magnesium ist unerlässlich für die DNA-Replikation und -Reparatur. Zudem senkt es Entzündungen, unterstützt die Mitochondrienfunktion, stärkt das Herz-Kreislauf-System und fördert die Stoffwechselgesundheit, was es für ein langes, gesundes Leben entscheidend macht.

Ernährung vor Ergänzung

„Das Ziel sollte eine wohlüberlegte Nahrungsergänzung sein, die auf der Ernährung, den Risikofaktoren und – sofern möglich – geeigneten Biomarker-Tests basiert“, sagte Kaeberlein dazu.
Er empfiehlt eine abwechslungsreiche, hochwertige Ernährung. Diese reiche bei den meisten Menschen aus, um den Bedarf an den meisten Vitaminen und Mineralstoffen zu decken. „Generell sollte die Ernährung an erster Stelle stehen“, so der Langlebigkeitsforscher.
Manche Personen bedürfen einer Nahrungsergänzung. Es sei allerdings am besten, diese erst nach einer Untersuchung durchzuführen, fügte er hinzu.

Fazit

Die meisten dieser Messgrößen erfordern weder ein Labor noch teure Tests und können zu Hause erfasst werden. Sie alle reagieren auf dieselben grundlegenden Maßnahmen: regelmäßige Bewegung, guten Schlaf, eine nährstoffreiche Ernährung, Stressbewältigung und die konsequente Beobachtung, wie sich der Körper im Laufe der Zeit verändert.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „5 Lesser-Known Health Metrics That Can Help Predict Longevity“. (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Das energetische Geheimnis eines gesünderen Lebens – Medizinerin erklärt

Dr. Molly Maloof ist Ärztin, Pädagogin, Dozentin und Unternehmerin in den USA. Sie betreibt eine Praxis für Präzisionsmedizin, auch personalisierte Medizin genannt, und betreut Klienten in der Bay Area, Los Angeles, Atlanta und Jackson.
Auf ihrer Website erklärt die Präzisionsmedizinerin, seit 2012 mit über 50 Unternehmen in den Bereichen digitale Gesundheit, Biotech und Consumer-Wellness zusammengearbeitet zu haben. Ziel sei es gewesen, „eine Brücke zwischen innovativer Wissenschaft und praktischer Anwendung im Alltag“ zu bauen.
Die ehemalige Dozentin zum Thema „Live Better Longer: Enhancing Healthspan for Longer Lifespan“ (Länger besser leben: Die Gesundheitsspanne verlängern für ein längeres Leben) an der amerikanischen Eliteuniversität Stanford lud zu einem Kurs über Selbstmanagement ein.
Ihr Anliegen dabei ist es, den Teilnehmern Tipps und Praktiken zur Verbesserung ihrer Anpassungsfähigkeit zu geben sowie ihnen Möglichkeiten vorzustellen, wie sie mit schwierigen Situationen umgehen können. Durch die Anwendung bestimmter Ideen und Praktiken soll es ermöglicht werden, die krankheitsfreie Lebensphase eines Menschen zu verlängern. Sie erklärt:
„Ihre Transformation beginnt, wenn Sie aufhören, sich mit einem kranken, suboptimalen oder durchschnittlichen Gesundheitszustand zufriedenzugeben, und anfangen, nach Optimalität zu streben.“
EpochTV sprach in der Sendung „The Upgrade“ mit Dr. Molly Maloof. Hier eine gekürzte Version des Interviews.

Die Turbinen des Lebens

Dr. Molly Maloof, es freut mich, Sie bei uns begrüßen zu dürfen. Ich bin sehr neugierig auf Ihre Definition von Energie. Inwieweit bestimmt Energie die Gesundheit grundlegend?
Ohne Energiefluss in jeder einzelnen Zelle sind Sie nicht am Leben. Das ist der Unterschied zwischen einer lebenden und einer toten Person. Wenn wir Luft atmen, Wasser trinken und Nahrung essen, zerlegen wir die Nahrung durch Verdauung in Substrate.
Diese Substrate werden durch das gespeist, was man Elektronentransportkette nennt, was uns im Grunde hilft, Energie zu produzieren. Die Elektronentransportkette transportiert Elektronen in den Mitochondrien, um eine ATP-Turbine [ATP steht für Adenosintriphosphat] anzutreiben. Diese Turbine erzeugt die Energiewährung der Zelle, und das erzeugt einen elektrochemischen Gradienten.
Wenn also ein elektrochemischer Gradient erzeugt wird, erhalten Sie eine Batterie. Sie erhalten auch einen Kondensator, wenn Sie einen Ladungsunterschied zwischen zwei Platten haben. Ohne Batterien und Kondensatoren sind wir also grundlegend nicht am Leben. Das ist der Unterschied zwischen jemandem, der aufblüht, und jemandem, der sich abmüht.

Lebensstil hat mehr Einfluss als Genetik

Wir dachten früher, alles drehe sich um unsere Gene, und unsere Gene bestimmten unser Schicksal. Aber wir lernen gerade, dass unsere Gene wahrscheinlich nicht für mehr als 10 bis 30 Prozent unserer zukünftigen Gesundheit verantwortlich sind.
Es ist größtenteils der epigenetische Ausdruck unserer Gene, der unsere Gesundheit bestimmt. Und vieles davon basiert auf unserem Lebensstil. Unsere Mitochondrien sind diese Minisupercomputer in jeder Zelle.
Sie sind nicht nur Teil unseres Stoffwechsels. Sie spüren und integrieren die Umwelt und bestimmen, wohin die Energie fließt: Sind wir sicher? Sind wir unsicher? Produzieren wir Stresshormone, um der Gefahr zu entkommen, oder produzieren wir Sexualhormone, um uns fortzupflanzen? Sie sind also ein zentraler Regulator der Gesundheit und des Lebens.
Wenn man mehr Energie haben will, muss man also an seiner Batterie arbeiten. Wie können wir das angehen, sowohl körperlich als auch mental?
Sehr wichtig ist es, sicherzustellen, dass man mehr gute Dinge, die Energie liefern, zu sich nimmt und die schlechten Dinge, die die mitochondriale Funktion schädigen, entfernt.
Wie die Leute bereits wissen, ist unsere Umwelt sehr toxisch. Trinken Sie also reines, sauberes Wasser. Und ich spreche nicht von Flaschenwasser. In Flaschenwasser ist viel Mikroplastik. Man kann sich ein eigenes Wasserfiltersystem zulegen, sich Luftfiltersysteme anschaffen, sogar die Kleidung und Lebensmittel überprüfen und versuchen, Giftquellen aus dem Leben zu entfernen, wie Pestizide in Obst und Gemüse.
Das sind Kleinigkeiten, die man tun kann, um zu vermeiden, dass Toxine die Mitochondrienfunktion beeinträchtigen. Man kann sich sogar auf Schwermetalle testen lassen.
Aber darüber hinaus muss man auch sicherstellen, dass die Verdauung ordnungsgemäß funktioniert. Denn wenn die Verdauung nicht richtig funktioniert und man keine Nährstoffe aufnimmt, können die Mitochondrien nicht richtig arbeiten, da sie B-Vitamine und eine Vielzahl anderer Mineralien benötigen, wie Elektrolyte zum Beispiel.
Wir brauchen Natriumchlorid und Kalium, um richtig zu funktionieren. Und dann ist Bewegung entscheidend. Jeder weiß bereits, dass wir uns bewegen sollten. Aber sie wissen nicht immer, warum.

Signale, Gedanken und Botschaften

Mitochondrien reagieren auf Signale, die sie erhalten, und sind quasi Vorhersagemaschinen. Sie wollen herausfinden: Was muss ich heute tun, um sicherzustellen, dass ich morgen gesund bin und morgen die Energie habe, die ich brauche, um das zu tun, was ich tue?
Und das sind die Botschaften, die die Mitochondrien durch Bewegung erhalten. Sagen Sie den Mitochondrien, dass Sie für morgen mehr Energie brauchen. Jedes Mal, wenn Sie sich bewegen, senden Sie ein Signal, dass sich Ihr Körper an den Bedarf anpasst, indem er Ihre Energiespeicher erhöht.
Davon abgesehen brauchen wir alle auch Erholung. Man kann eine Maschine nicht 24/7 betreiben und erwarten, dass sie gut funktioniert. Wenn Menschen nicht richtig schlafen, erhalten sie nicht die reparativen Funktionen, die notwendig sind, damit ihr Körper ordnungsgemäß funktioniert. Und während des Schlafs findet so viel epigenetische Aktivität statt. Man muss die Maschine also ab und zu ausschalten, richtig?
Darüber hinaus würde ich sagen, dass die Botschaften, die wir uns selbst durch unsere Gedanken senden, für die Gesundheit entscheidend sind.
Wenn wir Botschaften senden, dass wir krank sind, dass wir uns unwohl fühlen, dass wir nicht aufblühen, dass wir uns abmühen, dass wir schwach sind, werden unsere Zellen darauf reagieren, indem sie das glauben und entsprechend handeln.
Unsere Gedanken spielen also eine wirklich wichtige Rolle, ebenso wie die Menschen, mit denen wir uns umgeben. Wir sind elektrochemische, elektromagnetische Wesen, also können wir die Energie anderer Menschen spüren.
Wir können das EEG spüren, wir können das EKG spüren. Das sind elektromagnetische Felder, die von der Verdrahtung unseres Körpers ausgehen. Wir können tatsächlich die Emotionen anderer Menschen spüren. Sich mit wütenden oder schwierigen Menschen zu umgeben, wird also nicht die Bedingungen schaffen, unter denen Ihr Körper gesund bleibt, und Sie werden buchstäblich den emotionalen Zustand von jemand anderem absorbieren.

Natur, Beziehungen, Nahrung – unterschätzte Heilmittel

Ich denke, das Wichtigste für ein langes Leben sind unsere Beziehungen, unsere Bewegungsgewohnheiten, unser Schlaf und unsere Ernährung. Gerade die einfachsten Grundlagen sind entscheidend. Die meisten Menschen brauchen etwas mehr Eiweiß und deutlich mehr Gemüse. Und ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist so einfach und wird doch so oft vernachlässigt.
Die Natur ist ein oft unterschätztes Heilmittel, das fast jeder Arzt seinen Patienten empfehlen sollte. Denn sie reduziert Stress direkt und ist eines der besten Mittel, um das Nervensystem zu regulieren. Denn unsere Umgebung bietet viele subtile, aber nicht immer aktive Reize sie wirkt auf subtile Weise.
Beziehungen und menschliche Berührung sind sehr wichtig und werden so oft übersehen.
Das Interview führte Makai Allbert. Es erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What Actually Makes You Live Longer: Dr. Molly Maloof“. Die vorliegende Version ist gekürzt. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)