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Muttersein bei früheren Generationen – ein Mittel gegen Einsamkeit und Zweifel

Nachdem sie Mutter geworden war, weinte Maggie Gordon-Walker jeden Tag, hielt es aber verborgen. Sie fühlte sich nicht unwohl, aber sie fühlte sich auch nicht wie sie selbst. 
Ein anspruchsvolles Baby, schlaflose Nächte, Momente des Zweifels – all das lässt sich leichter bewältigen, wenn man es mit anderen teilen kann. Doch Gordon-Walker hatte niemanden, der ihr half, den lebensverändernden Übergang zum Muttersein zu verstehen.

„Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen“

Während des größten Teils der Menschheitsgeschichte war das Muttersein nichts, was Frauen auf eigene Faust lernten. Die Kinderbetreuung wurde innerhalb von Familien und Gemeinschaften aufgeteilt. Großmütter, Tanten, Geschwister und Nachbarn spielten eine aktive Rolle und schufen ein System, in dem Wissen im Alltag weitergegeben wurde. Mütter lernten, indem sie Teil der Gemeinschaft waren.

Eine Großmutter schaut sich in den 1940er-Jahren mit ihrer kleinen Enkelin ein Bilderbuch an.

Foto: Frederic Hamilton/Hulton Archive/Getty Images

„Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen“, heißt es dazu im Volksmund. Frauen lernten die Grundlagen des Mutterseins, indem sie sich in diesem Umfeld bewegten. 
Gebären, Stillen, das Beruhigen eines weinenden Babys oder die Führung eines Haushalts mit mehreren Kindern – all das waren keine separaten Lektionen, sondern Teil des täglichen Lebens. In größeren Familien, die die Norm waren, gab es immer viele helfende Hände. 
Ältere Schwestern lernten, Babys auf der Hüfte zu tragen, während sie sich um die Kleinkinder kümmerten. Jüngere Kinder erhielten kleine, altersgerechte Aufgaben. Kochen, Putzen und die Organisation des Haushalts wurden nach Alter, Geschlecht und Fähigkeiten aufgeteilt. Alle halfen mit.

Depression und Einsamkeit

Heutzutage ist im Westen ein dörfliches Umfeld selten. Familien leben heute über Städte, Bundesländer und Länder verstreut. Viele Frauen müssen ihre Kinder weit entfernt von dem Ort großziehen, an dem sie selbst aufgewachsen sind. Wissen über Kindererziehung wird heute eher durch Artikel, Bücher, Experten und Online-Ratschläge vermittelt als durch den jahrelangen engen Kontakt zu älteren Generationen.
Da die Unterstützung durch mehrere Generationen nicht mehr in der Familienstruktur verankert ist, lastet ein Großteil der Mühen des Mutterseins auf einer einzigen Person.
Das hat seine Folgen: Die Rate der Wochenbettdepressionen hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Das erste Jahr aus nächster Nähe

„Das Leben als junge Mutter wird in unserer Gesellschaft oft romantisiert“, sagte Dr. Susan Hatters-Friedman, eine Psychiaterin für perinatale psychische Erkrankungen (PPE), gegenüber Epoch Times. „Von Müttern wird erwartet, dass sie glücklich sind.“
Die Realität sieht jedoch so aus, dass ein Neugeborenes meist alle paar Stunden oder öfters etwas braucht. Der Schlaf ist unterbrochen und der Körper der Frau erholt sich noch. Die Gefühle können von einem Moment zum nächsten schnell umschlagen. Das erste Jahr ist ein Kreislauf aus Füttern, Beruhigen und dem Herausfinden, wie es weitergeht – oft ohne viel Zeit, um das alles zu verarbeiten.
Muttersein

Getty Images/Jelena Stanojkovic
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„Es finden gleichzeitig biologische, psychologische und soziale Veränderungen statt“, meinte Anne Welsh, eine auf die psychische Gesundheit von Müttern spezialisierte klinische Psychologin, zu Epoch Times. Eine Frau erlerne die Babypflege und gewöhne sich parallel dazu an eine neue Version ihrer selbst.
Sei eine Frau mit anderen Müttern in Kontakt, würde sich diese Erfahrung in Gesprächen und einem gemeinsamen Verständnis widerspiegeln.
„Wenn niemand da ist, der diese Erfahrung widerspiegelt, kann man sich unglaublich einsam fühlen“, sagte Welsh. „Nach außen hin kann alles sehr kompetent und gefasst wirken. Im Inneren herrscht oft Erschöpfung und das Gefühl, damit ganz allein zu sein.“
Einsamkeit hat eine klinische Bedeutung. So steigt das Risiko für postpartale Depressionen und Angstzustände, wenn beständige Unterstützung fehlt. Das Fehlen zwingt viele Frauen dazu, über ihre Gefühle zu schweigen.
So ging es auch Gordon-Walker. Nach außen hin gab sie vor, dass alles in Ordnung sei, doch innerlich brach sie zusammen.

Das wiederfinden, was verloren gegangen ist

Gordon-Walker gründete schließlich „Mothers Uncovered“, eine von Gleichgesinnten geleitete Müttergruppe.
Was Müttergruppen bieten, ähnelt der ursprünglichen Form des Dorfes. Es finden Gespräche in Echtzeit zwischen Frauen statt, die sich in derselben Situation befinden. Sie besprechen, was funktioniert und was nicht, sowie die Fragen, die neue Eltern nachts wachhalten.
Gordon-Walker ist nicht die Einzige mit einem Bedarf an Gemeinschaft. „Mütter kommen immer wieder, weil sie sich gesehen, unterstützt, gefeiert und wirklich geschätzt fühlen“, sagte Cindy Utterback der Epoch Times. Sie ist Vorsitzende der Muttergruppe „Posh Mama Club“ in Kalifornien.
Vertrautheit schaffe Struktur. Die Frauen würden sich austauschen, in Kontakt bleiben und sich daran erinnern, was in der Woche zuvor besprochen wurde. Obwohl die Gespräche kurz seien, könnten die Frauen eine Verbindung zu anderen Müttern aufbauen, die sich verlässlich anfühlt.
„Diese Geborgenheit hilft ihnen, aus sich herauszukommen, stärker und selbstbewusster zu werden. Einige von ihnen übernahmen sogar Führungsrollen in unserer Gemeinschaft“, sagte sie.

Warum gegenseitige Unterstützung funktioniert – und wo ihre Grenzen liegen

Studien zufolge verringert beständige gegenseitige Unterstützung das Risiko psychischer Probleme und stärkt das Selbstvertrauen einer Mutter in den ersten Monaten nach der Geburt. 
Insbesondere wenn Frauen im letzten Schwangerschaftsdrittel und in den ersten sechs Monaten nach der Geburt über ein starkes Unterstützungsnetzwerk verfügen, bringt es viele Vorteile. Sie
  • erleben weniger Stress und Ängste, 
  • bewältigen die alltäglichen Anforderungen des Mutterseins konsequenter 
  • und fühlen sich in ihrer neuen Rolle stabiler. 
Es ändert nichts daran, wie sie ihr Baby pflegen. Wenn sich eine Mutter allerdings auf eine größere Gemeinschaft verlassen kann, beeinflusst es ihr Selbstbild und die Wahrnehmung ihrer Situation positiv.
Psychologin Welsh beschreibt die Unterstützung durch Gleichgesinnte als eine Form der Spiegelung: Die eigenen Erfahrungen in anderen Menschen widergespiegelt zu sehen, helfe dabei, das zu normalisieren, was sich sonst wie ein persönliches Versagen anfühlen könnte. In schwierigen Momenten frage eine Mutter nicht mehr: „Was mache ich falsch?“, sondern beginne zu erkennen, dass vieles, was sie erlebe, Teil des Prozesses sei.
Moderne Müttergruppen haben jedoch ihre Grenzen. Sie erfordern insbesondere Aufwand. Unterstützung muss gesucht, geplant und aufrechterhalten werden – und das in einer Phase, in der Zeit und Energie ohnehin schon knapp sind. Diese zusätzlichen Schritte könnten es erschweren, Kontinuität aufrechtzuerhalten.
Kontinuität sei aber genau das, was Unterstützung sinnvoll mache, meinte die PPE-Psychiaterin Hatters-Friedman dazu. Eine sporadische Beziehung habe nicht denselben schützenden Effekt wie die beständige, allgegenwärtige Präsenz, die früher entstand, als man nahe der Familie lebte.
Es gibt auch eine Generationskluft, die Gruppen nicht ohne Weiteres überbrücken könnten. Als Familien noch größer und stärker in Gemeinschaften eingebettet waren, nahmen Kinder Wissen über Jahre hinweg langsam auf, indem sie den Älteren zuschauten – eine informelle Lehre, die heute nicht mehr stattfindet.

„Dörfer“ wieder aufbauen

Neben Müttergruppen denken Mütter über verschiedene Wege nach, ihre eigenen „Dörfer“ wieder aufzubauen.
Für manche Frauen beginnt das mit formellen Gruppen wie kirchlichen Treffen, Spielgruppen in der Nachbarschaft und strukturierten Organisationen. 
Für andere ist es weniger formell: eine kleine Gruppe von Frauen, die sich regelmäßig trifft, oder ein paar Freundinnen, die sich verpflichten, sich gegenseitig nach dem Befinden zu erkundigen. 
Ein wöchentlicher Spaziergang oder sogar ein kurzer Anruf können dazu beitragen, die nötige Beständigkeit aufzubauen, damit Mütter Wege finden, mit ihrer neuen Lebenssituation besser zurechtzukommen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Modern Motherhood Lost Generational Wisdom—and Mothers Want It Back“. (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Kopfschmerzen: Was hilft, bevor die Tablette kommt


In Kürze:

  • Kopfschmerzen können vielerlei Ursachen haben. Ebenso vielfältig gestaltet sich die passende Behandlung.
  • Die wichtigste Überlegung ist deshalb nicht „Was nehme ich?“, sondern „Was für ein Kopfschmerz ist das überhaupt?“.
  • Schmerztabletten dürfen ihren Platz haben, sollten aber die Ausnahme und nicht die Regel sein.
  • Der Kopf ist kein defekter Apparat. Er ist ein empfindliches Warnsystem, das uns zuverlässig leitet, wenn wir darauf achten.

 
„Nimm Deutschland die Schmerzmittel weg und es wäre ein einziges Brüllhaus“, pflegte mein Großvater, seines Berufes Chirurg, zu sagen. Und in der Tat, der Griff zur Schmerztablette ist für Millionen Menschen mit Kopfschmerzen so selbstverständlich geworden wie der Griff zur Kaffeetasse. Das erscheint menschlich, schließlich will man seine Schmerzen loswerden.
Nur sollte man sich ab und zu daran erinnern, dass „frei verkäuflich“ nicht „harmlos“ bedeutet. Acetylsalicylsäure, vielen als Aspirin bekannt, kann den Magen reizen und Blutungen begünstigen. Diclofenac steht seit Jahren wegen möglicher Herz-Kreislauf-Risiken in der Diskussion. Paracetamol wirkt auf viele sanft, bis man die Leber fragt, was sie von Überdosierungen hält. Und Ibuprofen ist für manche zum Alltagsbegleiter geworden, als wären es Bonbons mit Beipackzettel.
Die Dimensionen sind beachtlich. Allein Ibuprofen kam zuletzt in Deutschland auf rund 48 Millionen verkaufte Packungen pro Jahr. Dies sind mehr als 130.000 Packungen pro Tag. Und das ist nur ein Wirkstoff.
Man fragt sich manchmal, ob überhaupt noch jemand ohne Schmerzen durchs Leben geht oder ob wir nur gelernt haben, jeden Warnhinweis des Körpers sofort chemisch zu eliminieren. Dabei ist die Tablette nicht automatisch der Feind, sondern der Automatismus ist es.

Erst einordnen, dann handeln

Kopfschmerzen sind kein einzelnes Problem. Sie sind ein Signal mit vielen möglichen Ursachen. Manchmal fehlt schlicht Wasser, manchmal ist der Nacken verspannt wie ein Brett oder der Blutzucker im Keller, manchmal kündigt sich eine Migräne an. Bei anderen Menschen ist gerade die häufige Einnahme von Schmerzmitteln Teil des Problems.
Die wichtigste Überlegung wäre deshalb nicht „Was nehme ich?“, sondern „Was für ein Kopfschmerz ist das überhaupt?“.
Spannungskopfschmerzen fühlen sich häufig dumpf und drückend an, oft beidseitig, manchmal wie ein zu enges Band um den Kopf. Sie kommen gern nach Bildschirmarbeit („flackerfreie Monitore“ wären gut), Stress, Schlafmangel, langem Sitzen, Zähneknirschen oder einer verspannten Nackenmuskulatur. Migräne dagegen ist oft stärker, pulsierend, einseitig, begleitet von Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit oder dem Bedürfnis, sich in einen dunklen Raum zurückzuziehen.
Natürlich gibt es Kopfschmerzen, bei denen man nicht experimentieren sollte. Plötzlich einschießender stärkster Kopfschmerz, Fieber, Nackensteifigkeit, Lähmungen, Sprachstörungen, Verwirrtheit, Kopfschmerzen nach einem Sturz oder ein völlig neues Kopfschmerzbild nach dem 50. Lebensjahr gehören abgeklärt.
Kopfschmerzen können viele Ursachen haben

Kopfschmerzen können viele Ursachen haben, unter anderem einen steifen Nacken.

Foto: kieferpix/iStock

Der 10-Minuten-Check

Bei den meisten alltäglichen Kopfschmerzen lohnt sich ein einfacher 10-Minuten-Check: Habe ich heute genug getrunken? Habe ich seit Stunden nichts Vernünftiges gegessen? Sitze ich seit dem Morgen vor dem Bildschirm? Ist der Nacken verspannt? Presse ich die Zähne zusammen? Kam der Schmerz nach Rotwein, Alkohol, Parfüm, Reinigungsmitteln, wenig Schlaf oder einem stressigen Gespräch? Ist Licht plötzlich unangenehm? Wird mir übel? Habe ich in den letzten Wochen auffallend oft Schmerzmittel genommen?
Diese Fragen wirken banal. In der Praxis erlebe ich aber sehr häufig, dass manche Patienten zum Beispiel den Zusammenhang zwischen ihren Kopfschmerzen und dem Rotwein oder Käse immer noch nicht erkennen. Dahinter können biogene Amine wie Histamin oder Tyramin stehen. Sie entstehen vor allem in gereiften, fermentierten oder länger gelagerten Lebensmitteln und können bei empfindlichen Menschen Gefäße, Nerven und Entzündungsbotenstoffe beeinflussen.
Ein weiterer unterschätzter Auslöser sitzt nicht im Kopf, sondern im Kiefer. Wer nachts die Zähne zusammenpresst oder knirscht, lässt Kaumuskulatur, Schläfenregion und Nacken die ganze Nacht arbeiten. Am Morgen meldet sich dann der Kopf – nicht weil dort zwingend die Ursache liegt, sondern weil der Kiefer das Nervensystem über Stunden gereizt hat.
Hier helfen keine großen Theorien, sondern Beobachtung: Druckschmerz an den Kaumuskeln, empfindliche Zähne, verspannte Schläfen, morgendliche Kopfschmerzen. Manchmal ist eine zahnärztliche Abklärung sinnvoll, manchmal helfen Kieferentspannung, Wärmeanwendungen, manuelle Behandlung (Massage, Osteopathie, Chiropraktik) oder schlicht das Bewusstsein, dass der Mund nachts nicht zum Schraubstock werden muss.

Was akut helfen kann

Bei Spannungskopfschmerzen sind einfache Maßnahmen oft erstaunlich wirksam: Wärme in den Nacken, sanfte Bewegung, Schultern lösen, Augen vom Bildschirm nehmen, frische Luft, ruhige Atmung.
Bei einem heißen, pulsierenden Kopf empfinden viele eher Kälte als angenehm: eine kühle Auflage auf Stirn oder Schläfen, Ruhe, Abdunkeln. Nicht jeder Kopfschmerz benötigt dasselbe. Ein verspannter Nacken verlangt oft Wärme, ein überreizter Migränekopf eher Abschirmung und Kühle.
Ein Klassiker, der deshalb in jede Hausapotheke gehört, ist Pfefferminzöl. Dünn auf Stirn und Schläfen aufgetragen – nicht in Augennähe –, kann es bei Spannungskopfschmerzen spürbar entlasten. Der kühlende Reiz wirkt nicht nur angenehm, er beeinflusst auch die Schmerzverarbeitung über die Haut und die Kälterezeptoren. Wer empfindliche Haut hat, testet vorsichtig.

Pfefferminzöl ist ein Klassiker und schneller Helfer bei Kopfschmerzen.

Foto: Madeleine_Steinbach/iStock

Auch Magnesium hat seinen Platz. Es ist zwar kein Schmerzmittel im klassischen Sinn, setzt aber eher dort an, wo Muskulatur und Nervensystem „übererregt“ sind. Bei Neigung zu Migräne, innerer Unruhe oder Krämpfen sowie Beschwerden vor der Regel oder hartnäckiger Nackenverspannung kann ein Versuch sinnvoll sein. Manche vertragen Magnesiumcitrat gut, andere eher Magnesiumglycinat. Äußerlich kann Magnesiumöl in Nacken und Schultern eingerieben werden, wenn die Haut es zulässt.
Der alte Hausmittelklassiker Kaffee mit Zitrone hat ebenfalls einen rationalen Kern. Koffein kann bei manchen Kopfschmerzen kurzfristig helfen, vor allem wenn es früh eingesetzt wird. Die Zitrone ist eher der traditionelle Begleiter als der pharmakologische Hauptdarsteller. Wer allerdings täglich viel Kaffee trinkt, kennt auch die Kehrseite: Kopfschmerzen durch Entzug, Überreizung oder unregelmäßigen Konsum.
In der Naturheilkunde gibt es sogar noch eine deutlich ungewöhnlichere Kaffeevariante, und zwar den Kaffeeeinlauf. Manche Patienten schwören darauf, besonders wenn Kopfschmerz mit „Verdauungsstau“, Völlegefühl oder Leber-Galle-Themen zusammenfällt. Ich würde daraus kein Allheilmittel machen, aber es erinnert daran, dass der Kopf oft nur der Ort ist, an dem sich ein größeres Regulationsproblem meldet.
Kaffee mit Zitrone ist ein alter Hausmittelklassiker bei Kopfschmerzen

Kaffee mit Zitrone ist ein alter Hausmittelklassiker bei Kopfschmerzen, hilft jedoch nicht jedem.

Foto: Ramann/iStock

Wenn die Kopfschmerzen wiederkommen

Bei wiederkehrender Migräne sollte man nicht erst aktiv werden, wenn der Kopf schon brennt. Dann ist das Nervensystem oft längst in Fahrt. Neben den klassischen Migränemitteln, die ihre Berechtigung haben können, lohnt sich die vorbeugende Ebene.
Riboflavin, also Vitamin B2, wird in Studien häufig hoch dosiert eingesetzt, oft mit 400 Milligramm täglich. Auch Coenzym Q10 und Magnesium werden in der Migräneprophylaxe diskutiert. Das sind zwar keine Akutmittel, aber Bausteine für Menschen, die immer wieder in dasselbe Muster rutschen.
Bei den Heilpflanzen ist Zurückhaltung klüger als Sammelleidenschaft. Es gibt eine ganze Reihe pflanzlicher Mittel, die bei Kopfschmerzen und Migräne infrage kommen können, und schon darüber ließe sich ein eigener Artikel schreiben.
Ingwer kann bei Übelkeit und beginnender Migräne hilfreich sein. Mutterkraut und Pestwurz werden eher zur Vorbeugung diskutiert, wobei Pestwurz nur als geprüftes, pyrrolizidinalkaloidfreies Präparat infrage kommt. Weidenrinde enthält salicylatähnliche Verbindungen und passt deshalb auch nicht zu jedem.

Ingwer kann bei Übelkeit und beginnender Migräne hilfreich sein, ist aber nicht für jede Person geeignet.

Foto: juefraphoto/iStock

Ähnlich verhält es sich mit Schüßler-Salzen und homöopathischen Mitteln. Auch hier erlebe ich in der Praxis immer wieder, dass Patienten mit dem passenden Mittel deutlich besser zurechtkommen, gerade wenn Kopfschmerzen nach bestimmten Mustern auftreten: nach Stress, bei Wetterwechsel, vor der Regel, nach Ärger, bei Erschöpfung oder mit ausgeprägter Nackenverspannung.
Entscheidend ist dabei das Wort „passend“. Wer wahllos Globuli oder Salze nimmt, was ich in der Praxis öfter erlebe, betreibt meist „Hoffnung mit Etikett“. Wer aber das Beschwerdebild in der Gesamtheit genau anschaut, findet hier manchmal erstaunlich einfache Hilfen.

Muster erkennen

Ein besonders wichtiger Punkt wird gern verdrängt: Schmerzmittel selbst können Kopfschmerzen unterhalten. Wer an zu vielen Tagen im Monat Schmerzmittel oder Migränemittel nimmt, riskiert einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch. Ausgerechnet das Mittel, das kurzfristig hilft, kann langfristig Teil des Problems werden. Das ist eigentlich alles bekannt, wird aber dennoch häufig ignoriert.
Ein Kopfschmerztagebuch wäre eine gute Idee. Notieren Sie für einige Wochen: Wann trat der Schmerz auf? Wie stark war er? Was haben Sie gegessen? Wie war der Schlaf? Gab es Stress, Alkohol, Wetterwechsel, Zyklusbezug, Duftstoffe, Bildschirmarbeit, Nackenverspannung? Welche Mittel wurden genommen? Erst wenn Muster sichtbar werden, kann man gezielter handeln.
Auch Akupunktur, Biofeedback, Entspannungsverfahren, Osteopathie oder manuelle Therapie können bei chronischen Kopfschmerzen sinnvoll sein, besonders wenn Spannung, Kiefer, Nacken, Stressregulation und vegetative Übererregung beteiligt sind. Man muss und sollte den Kopf nicht immer nur „chemisch“ ruhigstellen. Manchmal muss man dem ganzen System beibringen, wieder herunterzufahren.

Kopfschmerzen sind Hinweise

Kopfschmerzen sind lästig, manchmal quälend, selten willkommen. Aber sie sind vor allem Hinweise. Wer diese Hinweise beobachtet, erkennt oft die Zusammenhänge.
Die Tablette darf ihren Platz haben, sollte aber die Ausnahme und nicht die Regel sein. Denn der Kopf ist kein defekter Apparat. Er ist ein empfindliches Warnsystem. Und manchmal beginnt die beste Behandlung damit, ihm endlich zuzuhören und die entsprechenden Konsequenzen daraus abzuleiten.