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Warum Herbstmüdigkeit ein Hormon-Ungleichgewicht sein kann

Ich erinnere mich an einen Nachmittag im vergangenen Oktober, als Maria S. meine Praxis betrat. Die zierliche Grundschullehrerin, die sonst für ihren Elan bekannt war, wirkte matt.
Sie erzählte mir, dass sie sich jeden Morgen wie unter einer schweren Decke aus dem Bett quälen müsse. Sobald im Herbst die Blätter fielen, leide sie unter Heißhunger auf Süßes, einer gedrückten Stimmung und einem dichten Nebel im Kopf, der sie durch den Tag begleite.
Das Frustrierende war, dass ihre bisherige Suche nach Hilfe erfolglos geblieben war.
Man hatte ihr Blut untersucht, die Schilddrüse kontrolliert und schließlich die Diagnose einer Winterdepression gestellt, verbunden mit dem Rat, sich einfach mehr zusammenzureißen.
Nach einer ausführlichen ganzheitsmedizinischen Anamnese wurde klar, dass der Zustand von Marias S. jedoch kein psychisches Versagen war, sondern typische Zeichen einer inneren Uhr, deren biologische Zahnräder durch das schwindende Herbstlicht ins Stocken geraten waren.

Das hormonelle Missverständnis im herbstlichen Schattenreich

Die klassische Medizin betrachtet die herbstliche Lethargie oft als bloße Befindlichkeitsstörung.
Doch die moderne Chronobiologie, also die Wissenschaft von den inneren Rhythmen des Körpers, offenbart ein weitaus tieferes Problem, das wir als das zirkadiane Paradoxon bezeichnen. Der Begriff „zirkadian“ leitet sich vom Lateinischen ab und bedeutet „rund um einen Tag“.
Wenn im Oktober die Tage kürzer werden und das natürliche Licht drastisch abnimmt, gerät das fein abgestimmte hormonelle Wechselspiel in unserem Gehirn aus den Fugen.
Im Zentrum dieses Geschehens steht die Zirbeldrüse. Dieses winzige Organ im Gehirn hat die Aufgabe, das stimmungsaufhellende Nervenhormon Serotonin bei Dunkelheit in das Schlafhormon Melatonin umzuwandeln.
Das Paradoxon des modernen Menschen besteht nun darin, dass wir uns auch tagsüber in schwach beleuchteten Innenräumen aufhalten. Dadurch erhält der Körper das falsche Signal, die Melatoninproduktion einfach ungebremst fortzusetzen, während der Serotoninspiegel aufgrund des Lichtmangels regelrecht einbricht.
Diese hormonelle Schieflage sorgt dafür, dass die Betroffenen tagsüber im permanenten Halbschlaf verharren, während sie nachts paradoxerweise oft sogar unter Einschlafstörungen leiden.

Die entkoppelte Achse zwischen Auge und Gehirn

Um die Tiefe dieser Störung zu begreifen, müssen wir den Weg betrachten, den das Licht in unserem Körper nimmt. Spezielle lichtempfindliche Zellen in unserer Netzhaut registrieren die Wellenlängen des Lichts, insbesondere den blauen Anteil des Tageslichts.
Diese Zellen leiten die Signale direkt an unseren obersten biologischen Taktgeber weiter: den suprachiasmatischen Nukleus, kurz SCN, der im Zwischenhirn sitzt.
Dieser SCN fungiert, vereinfacht gesagt, als die Hauptuhr unseres Körpers und steuert die Aktivität der Zirbeldrüse. Dass eine solche Störung der inneren Uhr gravierende körperliche Spuren hinterlässt, belegen moderne wissenschaftliche Untersuchungen.
In einer Studie untersuchte der Forscher, wie empfindlich das Gehirn auf spezifische Lichtwellenlängen reagiert und wie dadurch die geistige Leistungsfähigkeit und die nächtliche Regeneration beeinträchtigt werden.
Wenn nun im Herbst das morgendliche Startsignal der Hauptuhr ausbleibt, weil das Auge zu wenige Lichtreize registriert, wird der Körper nicht richtig wach.
Diese chronobiologische Entkopplung betrifft keineswegs nur die Stimmung, sondern greift tief in den gesamten Stoffwechsel ein.
Eine groß angelegte epidemiologische Untersuchung aus dem Jahr 2024 liefert Hinweise auf die körperlichen Gefahren einer instabilen inneren Uhr.
Die Daten von über 84.000 Teilnehmern ergaben einen Zusammenhang, dass unregelmäßige Schlaf-Wach-Rhythmen das Risiko für Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes erhöhen, da die Empfindlichkeit der Zellen für das blutzuckersenkende Hormon Insulin direkt an den zentralen Takt der inneren Uhr gekoppelt ist.
Wer die Herbstmüdigkeit und die innere Uhr ignoriert, gefährdet somit möglicherweise langfristig seine Gesundheit.

Diagnostik: Ein einfacher Cortisoltest reicht oft nicht aus

Ein zentraler Baustein in der Diagnostik und Therapie des zirkadianen Paradoxons ist die sogenannte Cortisol-Aufwachreaktion.
Normalerweise schießt das körpereigene Aktivitäts- und Stresshormon Cortisol in den ersten 30 Minuten nach dem Erwachen steil nach oben – ein von der Natur genial eingerichteter Mechanismus, um uns Energie, Fokus und Wärme für den Tag zu schenken.
Im Herbst jedoch fällt dieser wichtige Hormonschub bei vielen Patienten schwächer aus, weil die innere Uhr mangels Lichtreizes den Startbefehl verweigert. Anstatt einer gesunden Dynamik zeigt sich ganzheitlich betrachtet eine Erschöpfung der Nebennieren, welche das Cortisol produzieren.
Um dieses Problem sichtbar zu machen, reicht eine einfache, punktuelle Cortisolbestimmung im Blut am Vormittag nicht aus, da die Werte im Blut über den Tag zu stark schwanken.
Hier setzt die ganzheitsmedizinische Labordiagnostik an, indem sie ein exaktes Tagesprofil mittels Speichelproben erstellt.
Im Speichel wird dann das biologisch aktive, freie Cortisol gemessen, was diagnostische Klarheit liefert.
Die Relevanz dieser präzisen morgendlichen Hormonwerte für die Immunabwehr zeigte eine Studie, die im Jahr 2024 veröffentlicht wurde. Ein abgeflachtes Cortisolprofil am Morgen bei Kindern steht in Zusammenhang mit einer Begünstigung von Autoimmunprozessen. Wenn das morgendliche Cortisolsignal versagt, leidet das gesamte System unter biologischem Stress.
Dass dieser chronische Stress und die daraus resultierende Verschiebung der Hormonachsen auch Gewichtsprobleme nach sich ziehen können, zeigte eine Tierstudie, die ebenfalls aus dem Jahr 2024 stammt.
Die Störung des zirkadianen Rhythmus der Nebennierenhormone führte selbst ohne erhöhte Kalorienzufuhr zu einer deutlichen Zunahme der Fettmasse und zu ausgeprägter Insulinresistenz bei den untersuchten Mäusen, was eine mögliche biochemische Erklärung des quälenden Heißhungers meiner Patientin Maria S. im Herbst sein könnte.
Ihr Körper versuchte verzweifelt, den mangelnden inneren Antrieb durch schnelle Kohlenhydrate auszugleichen.

Die ganzheitliche Re-Synchronisation als möglicher Ausweg

Der ganzheitliche Weg aus diesem hormonellen Teufelskreis führt nicht über chemische Aufputschmittel, sondern in Richtung einer gezielten, natürlichen Steuerung unserer Umweltreize.
Wir müssen der inneren Uhr das Signal geben, das ihr die Natur im Herbst vorenthält.
Neben der Nutzung von speziellen Tageslichtlampen mit 10.000 Lux direkt nach dem Aufwachen, die das schläfrig machende Melatonin stoppen und das wach machende Cortisol anregen, bietet die ganzheitliche Medizin weitere Hebel.
Ein entscheidender Ansatz ist die gezielte Ernährungstherapie: Durch die Zufuhr der Aminosäure L-Tryptophan über Nahrungsmittel wie Cashewkerne, Bananen oder Haferflocken liefern wir dem Körper den wichtigsten Baustoff, um wieder genügend Serotonin zu bilden.
Ergänzend dazu helfen pflanzliche Wirkstoffe, sogenannte Adaptogene – also Pflanzen, die den Körper bei der Anpassung an Stress unterstützen. Dazu gehören die Rosenwurz (Rhodiola rosea) oder Ashwagandha, welche die Nebennieren unterstützen und helfen, die Cortisolantwort am Morgen sanft zu harmonisieren.
Auch die Reiztherapie nach Kneipp – wie kalte Kniegüsse oder ein kaltes Armbad am Morgen – kann einen starken Impuls für das Nervensystem setzen und es in den Wachmodus bringen.
Wie effektiv eine solche kombinierte zirkadiane Intervention aus Lichtsteuerung und Verhaltensanpassung die menschliche Leistungsfähigkeit und Stimmung restrukturieren kann, zeigte eine klinische Interventionsstudie an der Schnittstelle von Hochleistungssport und Chronobiologie aus dem Jahr 2025.
Durch die gezielte morgendliche Exposition mit hellem Licht in Kombination mit einer abendlichen Einschränkung von blauem Licht elektronischer Geräte konnten eine signifikante Verbesserung der Stimmungslage, eine Reduktion der Tagesmüdigkeit und eine Stabilisierung des Nervensystems nachgewiesen werden.
Für Maria S. bedeutete diese Kombination den Wendepunkt: Nach drei Wochen konsequenter morgendlicher Licht- und Ernährungsumstellung, ergänzt durch pflanzliche Unterstützung und tägliche Kneipp-Güsse, kehrte ihre Lebensenergie wieder zurück. Der herbstliche Nebel in ihrem Kopf löste sich auf, weil ihre Hormone wieder im Takt der Natur schwangen.

Ganzheitliche Tipps für die innere Uhr

Ein wertvoller, sofort umsetzbarer Praxistipp lautet: Nutzen Sie das hormonelle Zeitfenster der ersten Stunde nach dem Erwachen. Trinken Sie direkt nach dem Aufstehen ein großes Glas lauwarmes Wasser mit einem Spritzer Zitronensaft, machen Sie eine kurze kalte Waschung des Gesichts oder der Arme und frühstücken Sie tryptophanhaltige Haferflocken im Schein einer Tageslichtlampe.
Meiden Sie dagegen abends ab 20 Uhr rigoros das bläuliche Displaylicht von Smartphones, um die Zirbeldrüse nicht vor dem Schlafen zu verwirren.
Sollte die Müdigkeit dennoch bestehen bleiben, kann es hilfreich sein, bei einem Ganzheitsmediziner oder einem auf Chronobiologie spezialisierten Facharzt ein Cortisol-Tagesprofil im Speichel bestimmen zu lassen.

Fazit

Herbstmüdigkeit ist kein unabänderliches Schicksal, sondern kann ein messbares Hormonungleichgewicht sein.
Wer lernt, seine innere Uhr durch das strategische Zusammenspiel von Licht, gezielter Ernährung und natürlichen Reizen wieder mit den Naturgesetzen zu synchronisieren, löst das zirkadiane Paradoxon auf und kann seine vitale Lebenskraft auch in der dunklen Jahreszeit zurückgewinnen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker. (redaktionelle Bearbeitung cs)
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Gesund altern: Fünf weniger bekannte Biomarker können dabei helfen


In Kürze:

  • Starke Hände sind ein Prädikator für eine gute Immunabwehr sowie ein gesundes Herz und Gehirn.
  • Auch der Ruhepuls und Cortisolspiegel sind wichtige Messwerte bei Gesundheit und Langlebigkeit.
  • Zudem lassen uns ein gutes Verhältnis von Taille zu Körpergröße und ausreichend Nährstoffe langsamer altern und verlängern unser Leben.
  • Es gibt verschiedene Möglichkeiten, alle Indikatoren zu messen und zu verbessern.

 
Wussten Sie, dass bestimmte Biomarker bereits Jahre vor dem Auftreten von Symptomen auf eine Erkrankung hinweisen können? Doch schon kleine, messbare Veränderungen dieser Werte können sowohl die Lebenserwartung als auch die Lebensqualität entscheidend verbessern.
Hier sind fünf Werte, die es sich zu beobachten lohnt – und was Sie tun können, um sie in die richtige Richtung zu lenken.

1. Griffkraft

Die Griffkraft ist die Kraft, die Muskeln in Hand und Unterarm ausüben, wenn wir etwas festhalten.
Studien zufolge ist diese Kraft ein wichtiger Biomarker, der eine Vielzahl von Faktoren widerspiegelt. Dazu gehören der allgemeine Gesundheitszustand, kognitive Beeinträchtigungen und die Gesamtmortalität.
Laut einer Studie aus dem Jahr 2015 steigt mit jedem Rückgang der Griffkraft um 5 Kilogramm
  • das allgemeine Sterberisiko um 16 Prozent,
  • das Risiko für einen kardiovaskulären Tod um 17 Prozent,
  • das Risiko für einen nicht-kardiovaskulären Tod um 17 Prozent.
Demnach erweist sich die Griffkraft als stärkerer Prädiktor für die kardiovaskuläre Mortalität als der Blutdruck.
Der Zusammenhang ist umgekehrt proportional und konsistent: Mit nachlassender Griffkraft steigt das Risiko. Eine stärkere Griffkraft ist hingegen mit einer besseren Immunfunktion, Herz-Kreislauf-Gesundheit und kognitiver Leistungsfähigkeit sowie niedrigerer Gesamtsterblichkeit verbunden.

Praktische Tipps für mehr Griffkraft

Die Griffkraft lässt sich verbessern, und zwar ganz praktisch mit passivem Hängen, im Sportjargon auch Dead Hang genannt. Dabei hängt man, solange es geht, mit gestreckten Armen und entspannten Schultern mit dem ganzen Körpergewicht an einer Stange. Das ist schwieriger, als es klingt.
Deswegen langsam anfangen, ein paar Sekunden reichen schon. Die Dauer mit der Zeit auf zwei Minuten steigern. Wie lange man hängen kann, hängt von Alter, Geschlecht und Fitnessniveau ab.
Andere Übungen, um verschiedene Griffarten und die damit verbundenen Muskeln zu trainieren, sind:
  • schwere Gegenstände beim Gehen tragen, wie zum Beispiel alle Einkaufstüten auf einmal,
  • einen Ball drücken,
  • Handmuskeltrainer verwenden,
  • Klettern,
  • Armdrücken.

2. Ruhepuls

Der Ruhepuls ist ein weiterer Messwert, der einen signifikanten Prädiktor für Gesundheit und Langlebigkeit darstellt. Er umfasst die Anzahl der Herzschläge pro Minute im Ruhezustand.
Mehrere großangelegte Langzeitstudien haben gezeigt, dass ein höherer Ruhepuls ein unabhängiger Risikofaktor für die Sterblichkeit ist, da er aus verschiedenen Gründen erhöht sein kann. Diese Gründe umfassen unter anderem Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen und viele andere chronische Erkrankungen.
„Er kann auch ein Indikator nicht nur für körperlichen, sondern auch für psychischen Stress sein“, sagte Studienautor Dr. Magnus T. Jensen gegenüber Epoch Times. Jensen ist ein dänischer Kardiologe und Professor und beschäftigt sich in seiner Forschung unter anderem mit dem Ruhepuls.
In einer Studie aus dem Jahr 2013 stellten Jensen und seine Kollegen fest, dass Männer mit einem Puls von über 90 Schlägen pro Minute im Vergleich zu Männern mit sehr niedrigem Puls – unter 50 Schlägen pro Minute – ein etwa dreimal so hohes Sterberisiko hatten. Letztlich fanden sie heraus, dass das Sterberisiko mit jedem Anstieg des Ruhepulses um 10 Schläge pro Minute um etwa 16 Prozent zunahm.
Als die Autoren die Ergebnisse um Fitness, körperliche Aktivität und andere Risikofaktoren bereinigten, blieb der Zusammenhang bestehen: Selbst unter Menschen mit dem gleichen Fitnesslevel hatten Personen mit einem höheren Ruhepuls ein höheres Risiko für einen vorzeitigen Tod.
Bei Erwachsenen liege der Ruhepuls normalerweise zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute, könne aber sehr individuell sein, so Jensen.
„Sie sind Ihr eigener Maßstab“, sagte er. „Wenn Sie also wissen, dass Ihr Ruhepuls bei 60 liegt und Ihr Puls erhöht ist, dann wissen Sie: OK, hier stimmt etwas nicht, oder?“

Leicht zugänglicher Indikator

Der Ruhepuls sei zudem ein nützlicher Indikator für Gesundheit und Langlebigkeit, da er von jedem leicht gemessen werden könne, so der Kardiologe weiter.
„Man kann ihn am Handgelenk, am Hals oder mit einem tragbaren Gerät messen – er ist also sehr leicht zugänglich“, meinte er.
Wie kann man den Ruhepuls am wirksamsten senken? „Durch Bewegung“ ist Jensens Antwort. Auch andere Lebensstilfaktoren würden eine Rolle spielen, wie Rauchen, Alkoholkonsum und Stress – sowohl körperlicher als auch psychischer Art, fügte er hinzu.

3. Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergröße

Jahrzehntelang war der Body-Mass-Index (BMI) in der Medizin der Standardmaßstab für die Körperzusammensetzung. Der BMI hat jedoch ein grundlegendes Manko: Er kann nicht zwischen Muskeln und Fett unterscheiden und sagt nichts darüber aus, wo sich das Fett befindet.
Diese Unterscheidung ist enorm wichtig, denn viszerales Fett – das Bauchfett, das sich um unsere inneren Organe ansammelt – ist weitaus gefährlicher als das Fett, das der Körper an anderen Stellen speichert. Es steht in engem Zusammenhang mit Entzündungen, Insulinresistenz, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Funktionsverlust und vorzeitigem Tod.
Laut einer Studie aus dem Jahr 2025 besteht ein Zusammenhang zwischen dem Verhältnis von Taille zu Körpergröße und körperlicher Leistungsfähigkeit. Demnach funktionierten die körperlichen Systeme bei Personen mit höheren Werten tendenziell schlechter.
Es zeigte sich auch, dass das Verhältnis von Taille zu Körpergröße bei Männern, Frauen, allen ethnischen Gruppen und Kindern über 5 Jahren ein besserer Prädiktor für die Sterblichkeit ist als der BMI. Das ist das Forschungsergebnis der Ernährungswissenschaftlerin Margaret Ashwell, die dazu beitrug, das Verhältnis von Taille zu Körpergröße zu einem weltweit anerkannten Indikator für Gesundheit und Langlebigkeit zu machen.

Das Maßband herausholen

Um diesen Biomarker zu messen, braucht es nur ein Maßband. Dazu den Taillenumfang unterhalb der Rippen und oberhalb der Hüftknochen in Zentimetern messen und die Zahl durch die Körpergröße in Zentimetern teilen.
Idealerweise sollte der Bauchumfang weniger als die Hälfte der Körpergröße betragen. Optimal sei ein Wert zwischen 0,4 und 0,5, so Ashwell zu Epoch Times.
Wer außerhalb dieses Bereichs liege oder seinen Bauchumfang um ein paar Zentimeter reduzieren möchte, sollte genauso vorgehen wie beim Abbau jeder anderen Art von Fett, so die Ernährungswissenschaftlerin weiter.

4. Cortisol

Cortisol ist ein Steroidhormon, das der Körper als Reaktion auf körperlichen und emotionalen Stress ausschüttet. In kurzen Schüben ist es gesund und notwendig, da es die Konzentration schärft und Energie liefert, wenn wir sie am dringendsten brauchen. Wenn der Cortisolspiegel jedoch chronisch hoch oder schlecht reguliert ist, kann dies langfristig den Körper „abnutzen“ – ein Prozess, der als allostatische Belastung bezeichnet wird.
Die nachgelagerten Auswirkungen können schwerwiegend sein: Ein ständig erhöhter Cortisolspiegel kann
  • die Telomere (die Schutzkappen an den Enden unserer DNA) verkürzen und die Zellalterung beschleunigen,
  • chronische Entzündungen begünstigen,
  • die Immunfunktion unterdrücken,
  • Muskeln abbauen,
  • den Blutzucker erhöhen,
  • das viszerale Fett vermehren,
  • die Alterung des Gehirns beschleunigen, wodurch wir anfälliger für neurodegenerative Erkrankungen werden.
Neben den Cortisolspitzen sind auch die Cortisolschwankungen im Laufe des Tages wichtig. Bei einem gesunden Verlauf erreicht der Cortisolspiegel morgens seinen Höchstwert, sinkt dann allmählich ab, und erreicht gegen Mitternacht seinen Tiefpunkt. Ungesunde Cortisolwerte sind auch solche, die den ganzen Tag über niedrig bleiben oder nachts ansteigen.

Die üblichen Verdächtigen

Regulierungsstörungen treten oft schon Jahre vor einer klinischen Diagnose auf. Der Cortisolspiegel lässt sich allerdings durch Änderungen des Lebensstils beeinflussen. Wichtig dafür sind
  • Stressbewältigung,
  • ausreichend Schlaf,
  • eine gesunde Ernährung,
  • regelmäßige Bewegung,
  • positive Beziehungen,
  • ausreichend Flüssigkeit, da Flüssigkeitsmangel den Spiegel vorübergehend erhöhen kann.
Normalerweise kann ein Arzt den Cortisolspiegel über Blut, Urin oder Speichel messen lassen. Doch es gibt auch Cortisoltests für zu Hause, wobei in der Regel Speichel über den Tag verteilt entnommen wird, um den Spiegel zu verfolgen. Diese Tests können dabei helfen, einen Überblick über den Cortisolspiegel zu bekommen und zu zeigen, wann man sich an einen Arzt wenden sollte.

5. Nährstoffmangel

Ein Mangel an lebenswichtigen Nährstoffen – darunter Vitamine, Mineralstoffe und essenzielle Fettsäuren – kann uns anfälliger für Krankheiten machen und vorzeitig altern lassen.
Dabei sollte man zwischen Mangel und Unterversorgung unterscheiden, meinte Matt Kaeberlein, Langlebigkeitsforscher und Professor für Pathologie, zu Epoch Times.
Ein echter Mangel führe zu klinisch erkennbaren Funktionsstörungen. Eine Unterversorgung hingegen – also suboptimale, aber nicht kritisch niedrige Werte – könne die Gesundheit über Jahre oder Jahrzehnte hinweg unbemerkt beeinträchtigen, ohne eine offensichtliche Diagnose auszulösen.
Ihm zufolge gebe es einige Nährstoffe, auf die wir achten sollten, sowohl wegen ihrer Auswirkungen auf die Langlebigkeit als auch weil viele von uns nicht genug davon zu sich nehmen. Dazu gehören Vitamin D, Omega-3 und Magnesium.
  • Ein Mangel an Vitamin D kann die Telomere verkürzen und altersbedingte DNA-Schäden verstärken. Außerdem erhöht er das Risiko für altersbedingte Krankheiten und einen vorzeitigen Tod.
  • Omega-3-Fettsäuren können die Langlebigkeit fördern, indem sie den biologischen Alterungsprozess verlangsamen, chronische Entzündungen senken und die kardiovaskuläre sowie kognitive Gesundheit verbessern.
  • Magnesium ist unerlässlich für die DNA-Replikation und -Reparatur. Zudem senkt es Entzündungen, unterstützt die Mitochondrienfunktion, stärkt das Herz-Kreislauf-System und fördert die Stoffwechselgesundheit, was es für ein langes, gesundes Leben entscheidend macht.

Ernährung vor Ergänzung

„Das Ziel sollte eine wohlüberlegte Nahrungsergänzung sein, die auf der Ernährung, den Risikofaktoren und – sofern möglich – geeigneten Biomarker-Tests basiert“, sagte Kaeberlein dazu.
Er empfiehlt eine abwechslungsreiche, hochwertige Ernährung. Diese reiche bei den meisten Menschen aus, um den Bedarf an den meisten Vitaminen und Mineralstoffen zu decken. „Generell sollte die Ernährung an erster Stelle stehen“, so der Langlebigkeitsforscher.
Manche Personen bedürfen einer Nahrungsergänzung. Es sei allerdings am besten, diese erst nach einer Untersuchung durchzuführen, fügte er hinzu.

Fazit

Die meisten dieser Messgrößen erfordern weder ein Labor noch teure Tests und können zu Hause erfasst werden. Sie alle reagieren auf dieselben grundlegenden Maßnahmen: regelmäßige Bewegung, guten Schlaf, eine nährstoffreiche Ernährung, Stressbewältigung und die konsequente Beobachtung, wie sich der Körper im Laufe der Zeit verändert.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „5 Lesser-Known Health Metrics That Can Help Predict Longevity“. (redaktionelle Bearbeitung: as)