„Der Parnass“, 1511, von Raffael. Vatikanische Museen. In diesem Fresko übernahm Raffael Michelangelos Vorzeichnung zu „Die Erschaffung des Menschen“ für die Darstellung der Dichterin Sappho und der Muse Euterpe. - Foto: gemeinfrei
Erfolgreiche Menschen inspirieren auch andere dazu, über sich hinauszuwachsen. Hinter jedem Erfolg stehen Fleiß, harte Arbeit und diszipliniertes Engagement. Wenn wir uns mit den Besten eines Fachgebiets auseinandersetzen und ihre Arbeit studieren, werden unser eigener Erfolg und unsere Kreativität beflügelt. Sir Joshua Reynolds, Präsident der Royal Academy of Arts in London, sagte dazu treffend: „Je eingehender Sie sich mit den Werken herausragender Künstler vertraut machen, desto größer wird Ihre schöpferische Kraft sein.“
Über die Jahrhunderte hinweg haben die großen Meister eine Arbeitsethik entwickelt, von der alle profitieren können, die selbst nach Höherem streben.
Von den Meistern der Vergangenheit und Gegenwart lernen
Raffael, Michelangelo und Leonardo da Vinci gelten seit langem als die größten Künstler der Hochrenaissance.
Raffael (1483–1520) stand möglicherweise im Schatten seiner älteren und bereits etablierteren Kollegen; Leonardo war 31 Jahre älter als Raffael, und Michelangelo war acht Jahre älter als Raffael.
Raffael studierte zunächst in Florenz den künstlerischen Stil von Leonardo und Michelangelo und arbeitete hart daran, deren Techniken zu verfeinern. Im Allgemeinen ging Leonardo seine Kunst wie ein Wissenschaftler an; er beobachtete die Natur und versuchte, bei seiner Arbeit seine Subjektivität auszublenden. Im Gegensatz dazu ist Michelangelos Kunst ausdrucksstark und von menschlicher Erfahrung emotional geprägt.
Raffael ließ sich zudem von Leonardos Interesse an der menschlichen Psychologie und von Michelangelos Fähigkeit inspirieren, Gefühle durch seine Kunst zum Ausdruck zu bringen. Raffael integrierte die Ideen anderer Künstler so geschickt in seine Werke, dass er sie sich zu eigen machte. Dieses Talent machte ihn zu einem Rivalen anderer Künstler, insbesondere von Michelangelo. Bevor Michelangelo beispielsweise die Gelegenheit hatte, seine Komposition „Die Erschaffung Adams“ in der Sixtinischen Kapelle zu malen, übernahm Raffael Michelangelos Vorzeichnung und integrierte sie in sein Fresko „Der Parnass“ im Vatikan.
Raffaels Skizze von „Leda und der Schwan“ ist die einzige erhaltene direkte Kopie nach Leonardos Werk, die er selbst angefertigt hat – abgesehen von einer flüchtigeren Skizze auf einem Blatt mit weiteren Studien. Leda nimmt darin eine sogenannte Kontraposthaltung ein, bei der das Körpergewicht auf einem Bein ruht; diese Haltung geht auf die Kunst der Antike zurück. Für sein Gemälde „Die heilige Katharina von Alexandrien“ griff Raffael sowohl auf die antike Kunst als auch auf Leonardos „Leda“ zurück.
Werden Sie zum Experten auf Ihrem Gebiet
Der bedeutendste Tiermaler Großbritanniens, George Stubbs (1724–1806), widmete jedem seiner Motive – ob Pferd oder Mensch – größte Sorgfalt und Aufmerksamkeit und verlieh ihm seinen ganz eigenen Charakter.
Wie Leonardo da Vinci beschäftigte sich Stubbs intensiv mit der Anatomie anhand von Leichen. Zwischen etwa 1745 und 1751 untersuchte Stubbs erstmals Leichen, darunter auch die von schwangeren Frauen, im York County Hospital. Später beauftragte ein Arzt Stubbs, für eine Abhandlung über Geburtshilfe eine Serie von Föten im Mutterleib zu zeichnen und zu radieren.
Stubbs’ Pferdegemälde sind der Inbegriff seiner Naturstudien. 18 Monate lang untersuchte er in einer abgelegenen Scheune in Horkstow, Lincolnshire, die Kadaver von Pferden. Zunächst brachte er jeden Kadaver in eine Haltung, als wäre das Tier noch am Leben. Dann hob er ihn mithilfe eines Systems aus Flaschenzügen an und sezierte ihn Schritt für Schritt – von der Haut über Muskeln und Sehnen bis hinunter zu den Knochen – während er jede Phase zeichnerisch festhielt. Jeder Kadaver blieb ihm dabei elf Wochen lang als Studienobjekt erhalten.
Ein Pferd, von vorne betrachtet: zwei Écorché-Darstellungen, die die Muskeln und Blutgefäße zeigen, eine als Umrisszeichnung, die andere als Tonwertzeichnung, 1766, George Stubbs. Stich mit Radierung. Wellcome Collection.
Foto: gemeinfrei
Stubbs studierte die Anatomie des Pferdes, um es möglichst naturgetreu darstellen zu können und zugleich anderen Künstlern, Pferdezüchtern und Fachleuten eine Anleitung an die Hand zu geben. Aus diesen Arbeitszeichnungen und ausgearbeiteten Studien entstand 1766 seine umfassende Abhandlung „The Anatomy of the Horse“. Bis heute wird sie sowohl von Tierärzten als auch von Tierkünstlern hoch geschätzt.
Klarheit über die eigene Absicht
Alles in den Gemälden des französischen Künstlers Nicolas Poussin ist aus einem bestimmten Grund da; jedes einzelne seiner Bilder beruht auf einer bewussten Überlegung.
Für Poussin (1594–1665) waren seine Gemälde kein Ort für Leichtfertigkeit oder sinnliche Vergnügungen. Er war überzeugt, dass die Malerei sich den edelsten und ernsthaftesten Bestrebungen des Menschen widmen und dabei die der jeweiligen Situation angemessene Form finden müsse.
„Für ihn ist die formale Ordnung, ja selbst eine gewisse Pedanterie der Gestaltung, fast immer ein Mittel, Erfahrungen von tiefster geistiger, imaginativer und visueller Wirklichkeit mit größtmöglicher Klarheit und Ökonomie zum Ausdruck zu bringen. Seine Gemälde finden vielleicht ihr nächstes Gegenstück in der Musik Johann Sebastian Bachs“, schrieb der Kunsthistoriker Basil Taylor in „French Painting“.
„Die Verkündigung“, um 1655–1657, Nicolas Poussin. Öl auf Leinwand; 105,1 × 102,9 cm.
Foto: gemeinfrei
„Kurz gesagt, ist Poussins Kunst […] eine Verbindung von Poesie und Vernunft, Gefühl und Verstand, ein Gleichgewicht zwischen zwei Seiten ein und derselben Persönlichkeit“, schreibt Mary Sprinson de Jesús aus der Abteilung für europäische Malerei am Metropolitan Museum of Art in New York auf der Website des Museums.
Poussins künstlerische Auffassung entwickelte sich nicht zufällig. Harte Arbeit und seine unstillbare Neugier auf die großen Künstler, die ihm vorausgingen – auf die Meister der italienischen Renaissance wie Raffael, Michelangelo und Tizian ebenso wie auf die Kunst der alten Griechen und Römer – sowie jahrelanges Nachdenken machten Poussin zu einem international bekannten und hoch verehrten Künstler – zu seiner Zeit und darüber hinaus.
Die Auswahl der besten Mitarbeiter
Der flämische Künstler Peter Paul Rubens (1577–1640) schuf rund 1.400 Werke, manche Experten sprechen sogar von bis zu 1.800. Dieses überaus produktive Schaffen wäre ohne seine Werkstatt nicht möglich gewesen.
Rubens leitete eine der größten und erfolgreichsten Werkstätten seiner Zeit. Von der Gründung seiner Werkstatt am 15. Oktober 1598 bis zu seinem Tod am 30. Mai 1640 schuf er durchschnittlich drei Gemälde pro Monat, von kleinen Skizzen bis hin zu monumentalen Werken.
Statt junge Lehrlinge auszubilden, setzte Rubens auf erfahrene Werkstattmitarbeiter. An Bewerbern mangelte es ihm nie. Am 11. Mai 1611 schrieb Rubens an einen Freund: „Ich kann dir wahrheitsgemäß und ohne jede Übertreibung sagen, dass ich mehr als hundert [Mitarbeiter] ablehnen musste, darunter sogar einige meiner eigenen Verwandten und die meiner Frau.“
„Die heilige Teresa von Ávila kniet vor Christus und bittet für die Seelen im Fegefeuer“, Werkstatt von Peter Paul Rubens. Öl auf Holz; 64,1 × 48,9 cm. Geschenk von J. Pierpont Morgan, 1917; Metropolitan Museum of Art, New York.
Foto: gemeinfrei
Ähnlich wie in einer industriellen Fertigung gab es auch in den Werkstätten klar geregelte Abläufe, bei denen die Mitarbeiter häufig auf bestimmte Tätigkeiten spezialisiert waren – vom Mahlen der Pigmente und dem Aufspannen der Leinwände über die Herstellung von Leim, Firnis und Ölfarben bis hin zur Übertragung der Zeichnungen des Meisters auf die Leinwand und schließlich zum Malen.
Die Werkstattmitarbeiter stellten ihre Werkzeuge und Materialien selbst her, darunter Pinsel, Ölfarben, Firnisse und Leinwände.
Neben Rubens’ eigener Erfahrung beschrieben Abhandlungen aus der Renaissance ausführlich, welche Holzarten und Tierhaare, von Wildschweinborsten bis hin zu Eichhörnchenhaar, für die Herstellung verschiedener Pinsel am besten geeignet waren.
Auch wenn diese großen Meister schon vor langer Zeit gestorben sind, inspirieren ihre Kunst und ihre Arbeitsdisziplin noch bis heute andere dazu, Großes zu leisten.
Luke Lewis mit einigen seiner Kunstwerke. - Foto: Illustration von The Epoch Times, mit freundlicher Genehmigung von Luke Lewis
„Ist es reine Kunstfertigkeit oder einfach nur Wahnsinn?“ Mit dieser Frage wird Luke Lewis hin und wieder konfrontiert, wenn die Leute wissen wollen, wie viele Stunden er und seine Schüler in ihre Kunst investieren. Es sind Hunderte!
Doch für Lewis ist dies ein lohnenswerter Aufwand, den er in die Erschaffung seiner Werke steckt. Denn seine realistische Kunst zielt darauf ab, ein Motiv äußerst authentisch und detailgetreu wiederzugeben – insbesondere in einer Zeit, in der schnelle KI-Tools, soziale Medien und das Streben nach sofortiger Erfüllung eigener Bedürfnisse oft im Fokus der Gesellschaft stehen.
„Es spielt keine Rolle, ob man mithilfe von KI in einer Sekunde ein Kunstwerk erschaffen kann. Es spielt wirklich keine Rolle – denn die Menschen wissen es zu schätzen, wenn man 100 oder 200 Stunden seiner Zeit in etwas investiert und sieht, dass man es mit den eigenen Händen geschaffen hat“, so der Künstler gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.
Pandemie sorgt für kreativen Schub
Alles begann in der Corona‑Pandemie. Damals suchte Lewis einen Zeitvertreib. Was als Hobby anfing, hat sich inzwischen zu einer regelrechten Hommage an die Kunst entwickelt. Und mittlerweile gibt der gelernte Krankenpfleger sein Wissen auch an andere weiter.
Lewis hatte schon immer eine Vorliebe für Kunst, doch erst während der Pandemie bot sich dem 25-Jährigen die Gelegenheit, seine Fertigkeiten wirklich zu verfeinern.
„Ich hatte viel mehr Zeit zur Verfügung und wollte mich kreativ betätigen – und so begann ich zu zeichnen“, erinnert sich Lewis.
„Das bot mir in jener Zeit nicht nur eine Möglichkeit, mich abzulenken, sondern auch, um einen Zugang zu mir selbst zu finden.“
Luke Lewis im Interview mit The Epoch Times.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Alex Ang
Durch das Anschauen von YouTube-Tutorials habe er viel gelernt, sagt der Künstler. Mit seinem Atelier Luke’s Fine Arts verdient er inzwischen dreimal so viel wie damals als Krankenpfleger, wobei er erwähnt, dass er beide Berufe gleichermaßen mag.
Inspiriert von Ost und West
Erste Inspirationen fand der aus Perth stammende junge Mann bei einem Besuch der Sixtinischen Kapelle in Italien. Damals sei er „von der Kreativität so vieler Künstler geradezu durchdrungen“ worden. Ein anderes Mal besuchte er einen Tempel in Singapur und betrachtete dort Wachsfiguren.
„Die Präzision und Geduld, die nötig gewesen sein müssen, um all das zu erschaffen … das hat mich einfach tief beeindruckt. Und in jenem bestimmten Tempel, ganz oben im obersten Stockwerk, befand sich eine Skulptur aus Gold“, erinnert er sich. Die vielen Details hätten ihn förmlich „umgehauen“.
„Wenn das möglich ist, was können wir dann jetzt tun?“, fragte er sich. Sein Entschluss:
„Dann werde ich zu einem kleinen Teil dieses riesigen Puzzles und kann zugleich anderen Menschen dabei helfen, ebenfalls kreativ zu wirken.“
Was macht den Realismus so einzigartig?
Im Vergleich zu anderen Kunstrichtungen, bei denen der emotionale Ausdruck im Vordergrund steht, erfordert die realistische Kunst laut Lewis nicht nur Planung und Geduld, sondern auch einen Prozess des Ausprobierens.
„Man muss eine ganze Reihe technischer Fertigkeiten erlernen, um das zu erschaffen, was man sich vorgenommen hat“, sagt er. „Das bedeutet nicht, dass es sich um die beste oder herausragendste Technik oder Ähnliches handelt.“ Es sei einfach eine Tatsache, dass man die notwendigen Fähigkeiten beherrschen müsse.
Ein Gemälde von Luke Lewis.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Luke Lewis
„Hingegen suchen Menschen, die sich eher für abstrakte Kunst und Surrealismus und all diese Dinge interessieren, weniger nach diesen Fähigkeiten, sondern vielmehr nach einer Möglichkeit, sich auf andere Weise kreativ auszudrücken.“
Eine Herausforderung des Realismus bestehe darin, die „hässliche Phase“ zu überwinden, wenn Künstler bei ihrer Arbeit auf Hindernisse stoßen, erklärt er. „Wir versuchen, dich so weit zu bringen, vielleicht 10 Stunden oder 20 Stunden an einem Werk zu arbeiten“, fügt Lewis hinzu.
„An diesem Werk, das ich hier ausgestellt habe, arbeite ich nun schon seit sieben Monaten – etwa ein bis zwei Stunden täglich, mit einigen Unterbrechungen“, sagt der Künstler und deutet auf die Zeichnung eines Augenpaares.
In diesem Werk steckt monatelange Arbeit.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Alex Ang
„Mittlerweile habe ich weit über Hunderte Stunden daran gearbeitet. Doch es hat viele, viele Jahre gedauert, diese Ausdauer zu entwickeln, um so etwas erschaffen zu wollen.“
In den sozialen Medien wird er gelegentlich gefragt: Ist das noch Können – oder schon Wahnsinn? Der Künstler jedoch hält an seiner Überzeugung fest, dass sich der „unermüdliche Einsatz“ lohne und es stets Möglichkeiten gebe, sich neu zu orientieren und neue Fähigkeiten zu erlangen, damit das Ergebnis realistisch aussehe.
Elefanten.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Luke Lewis
Nach einem Prozess des Ausprobierens schuf Lewis ein beeindruckendes Porträt seiner Frau.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Alex Ang
Tradition im Aufwärtstrend
Mit seiner Botschaft steht Lewis nicht allein da. Auch anderen Künstlern ist es ein Bedürfnis, sich in Zeiten von KI und postmodernen Formen stark zu machen.
Der Epoch-Times-Reihe „Wie der Teufel die Welt beherrscht“ zufolge sympathisierten viele Verfechter modernistischer oder avantgardistischer Bewegungen mit marxistischen oder kommunistischen Theorien, die den Sturz traditioneller Formen und Überzeugungen vorantrieben. Pablo Picasso wird darin als Beispiel genannt.
Im Kapitel 11 „Die Vernichtung der Künste“ heißt es dazu: „Der Ausdruck ‚Avantgarde‘ wurde zuerst von sozialistischen Anhängern verwendet, um Kunstrichtungen zu beschreiben, die ihren eigenen politischen Bestrebungen entsprachen. Im späten 19. Jahrhundert brachten diese Einflüsse den Impressionismus hervor. Seit dieser Zeit haben die Künstler die Anforderungen zurückgewiesen, die an die traditionelle Ölmalerei gestellt wurden, einschließlich jener der Präzision, Proportionen, Struktur, Perspektive und Übergänge zwischen Licht und Schatten. Dann kamen Neoimpressionismus (Pointillismus) und Postimpressionismus auf, die die Erforschung der persönlichen Empfindungen und Gefühle des Künstlers in den Mittelpunkt stellten.“
Spätere Strömungen setzten diesen Trend fort, darunter der Expressionismus, der Fauvismus, der Dadaismus sowie der Kubismus. Letzterer wurde von Picasso mitbegründet, der im Jahr 1944 der Kommunistischen Partei Frankreichs beigetreten war. Unterdessen wurden traditionelle Maler und Bildhauer verdrängt: Der britische Maler John William Godward nahm sich das Leben und erklärte: „Die Welt ist nicht groß genug für mich und einen Picasso.“
Gemessen an der Beliebtheit des jungen Künstlers Luke Lewis gibt es jedoch offenbar wieder einen Aufschwung zurück zur Tradition.
„Als die Kamera erstmals herauskam, erlitt die Porträtmalerei einen herben Rückschlag. Aber nichts hat sie aufhalten können, sie wird immer weiterbestehen. Die Menschen werden deine Fertigkeit, mit Geduld etwas von Hand zu schaffen, immer zu schätzen wissen“, so der Künstler.
Die Werke griechischer Steinhauer faszinieren bis heute die Menschen. - Foto: Poike/iStock
In Kürze:
Die antiken Griechen sind heute für ihre Steinhauer und großen Werke weltberühmt, wobei Marmor zu den beliebtesten Materialien gehörte.
Vieles zur Bearbeitung der Steine übernahmen die hellenischen Handwerker von den Alten Ägyptern, entwickelte aber auch ab dem 4. Jh. v. Chr. neue Methoden.
Über die gesamte Herstellung betrachtet, war der Transport der Steinblöcke vermutlich der teuerste Aspekt.
Allgemein genossen Steinhauer ein hohes Ansehen in der antiken Gesellschaft.
Stein ist eines der frühesten Materialien, das der Mensch verarbeitet. Während unsere Vorfahren anfangs kleine messerähnliche Werkzeuge in Form von Faustkeilen und Kratzern herstellten, weitete sich die Bearbeitung von Steinen später auf Kunstgegenstände und Gebäude aus und das Handwerk der Steinhauer entstand.
Am prägendsten für die europäische Kultur waren die Arbeiten griechischer Steinhauer. Vieles von ihrem Wissen hatten sie von älteren Hochkulturen wie den Ägyptern, doch verfeinerten sie das Handwerk und hoben es so auf ein ganz neues Niveau.
Antike Steinhauer ohne Scheu
Obwohl wir heute dank zahlreicher Schriftquellen vieles über die alten Griechen wissen, sind mit großer Sicherheit einige Methoden der antiken Steinbearbeitung im Laufe der Zeit verloren gegangen.
Eines ist jedoch früher wie heute gleich: Die Wahl des Werkzeuges hängt maßgeblich vom zu bearbeitenden Gestein ab. Besonderer Faktor ist dabei die Härte, die heute mit der Mohs-Skala und ihren zehn Referenzmineralen bestimmt wird.
Diese Härteskala reicht von Talk (Grad 1), dem weichsten Material bis zu Diamant (Grad 10), dem härtesten, natürlich vorkommenden Mineral. Für Gesteine mit dem Härtegrad 1 bis 6 reichen Werkzeuge aus Bronze für die Bearbeitung aus, während Materialien ab Mohshärte 7 nur noch mit Eisen oder Stahl zu bearbeiten sind.
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Diese Wiener Gedenktafel für den in Deutschland geborenen Mineralogen Carl Friedrich Christian Mohs (1773–1839) stellt seine Härteskala dar.
Wie selbstverständlich wagten sich antike Steinhauer ohne Angst auch an härtere Gesteine und fertigten daraus mit großer Handwerkskunst und Geschick äußerst raffinierte Stücke. Dazu gehören nicht nur riesige Tempel, realistische Statuen und millimetergenau gearbeitete Reliefs aus Marmor, sondern auch Schmuck aus teils gravierten Edelsteinen oder dünnwandige Trinkbecher.
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Mykenische Vase aus Marmor-ähnlichem Kalkstein, ca. 1750–1050 v. Chr., ausgestellt im Archäologischen Nationalmuseum in Athen.
Heute kommen dafür nicht selten modernste Techniken wie Hochleistungssägen und Diamantbohrer zum Einsatz. Doch wie haben die Menschen in der Antike das geschafft?
Vom Felsen zum Steinblock
Eines der beliebtesten Materialien der antiken Griechen war Marmor. Dieser lag nicht nur in Hülle und Fülle vor den Toren der antiken Städte, sondern war wegen seiner Eigenschaften auch gut zu bearbeiten.
Bereits ab dem 8. Jh. v. Chr. begannen griechische Steinhauer mit der Fertigung kunstvoller Skulpturen. Das dafür benötigte Material bekamen sie auf Bestellung aus den ihnen nächstgelegenen Steinbrüchen, von denen heute rund 20 bekannt sind. Lediglich für besondere Werke wie Tempel bediente man sich an hochwertigerem und weiter entfernt gelegenen Lagerstätten.
Die ersten griechischen Statue, sogenannte Kouroi, stammen aus der archaischen Epoche und waren stilistisch stark an ägyptische Skulpturen angelehnt.
Die Blöcke selbst wurden mittels nassen Keilen aus Holz oder Eisen sowie Bogenbohrern aus dem Felsen gebrochen. Ihre Größe orientierte sich zunächst an den damaligen Ochsenkarren, die für den Transport der tonnenschweren Brocken verwendet wurden. Später, als Holzschlitten und andere Methoden der Bewegung erfunden wurden, konnten auch größere und schwerere Steinblöcke bewegt werden.
Mit Keilen und Hämmern wurden auch in der Antike die Blöcke aus dem Felsen geschlagen.
Dieser Wandel zeigt sich auch an den Kunstwerken selbst. Während beispielsweise Säulen zunächst immer aus einzelnen Trommeln bestanden, die mittels Steckprinzip zusammengesetzt wurden, konnten kleinere Exemplare später am Stück gefertigt werden.
Nach dem Abbau beförderten sogenannte Drehhebel aus Holz die Steinblöcke auf die Transportmittel. Von dort ging es über eigens für den Abbau angelegte Straßen weiter. Dabei versuchte man, so wenig wie möglich über Land zu transportieren und mehr über Schiffe, die bis zu 450 Tonnen laden konnten. Um die Blöcke umzuladen, gab es in den Häfen Holzkräne.
All das machte den Transport vermutlich zum teuersten Punkt der gesamten Produktion. Nur selten fanden Halbfabrikate oder bereits fertige Werke den Weg zu ihrem Bestimmungsort, sodass die eigentlichen Arbeiten erst in lokalen Werkstätten stattfanden.
Aus einem Block wird Kunst
Die ersten griechischen Steinhauer arbeiteten wie ihre Kollegen aus dem Alten Ägypten gleichmäßig an einem Werk. Dies bedeutet, dass bei Statuen etwa nicht zuerst der Kopf, dann der Körper und zum Schluss die Füße gefertigt wurden, sondern alles gleichzeitig.
Zunächst malten die Steinhauer ihre Grundform auf den Block auf oder ritzten sie ein, um sie dann mit gröberen Werkzeugen wie Zweispitz und Spitzhammer schichtweise von allen Seiten „freizulegen“. Weitere Arbeiten wurden dann mit verschiedenen Meißeln vorgenommen und Feinheiten schließlich mit Zahneisen und Zahnflächen.
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Auch in späteren Epochen nutzen Steinhauer noch Spitzhammer für ihre Arbeit.
Die Werkzeuge eines Steinhauers: Holzhammer, Meißel und ein Zahneisen.
Foto: Zerbor/iStock
Ein tieferer Blick auf antike Marmorwerke lässt zudem einen weiteren Unterschied zu neuzeitlichen Stücken erkennen: Sie waren nicht poliert. Statt einer glänzenden Erscheinung hatten frühe antike Steinhauerprodukte leicht raue Oberflächen.
Archäologen vermuten, dass dies mit der Bemalung der marmornen Tempel und Statuen zu tun hat, denn diese waren früher nicht so hell wie wir heute denken. Vielmehr kamen zahlreiche Pigmente zum Einsatz, die den weißlichen Marmor in bunte Farben tauchten.
Erst ab dem 4. Jh. v. Chr. wurde auch bunter Marmor abgebaut. Etwa zeitgleich begannen die Steinhauer auch ihre Werke zu polieren, wie Bearbeitungsspuren an dem berühmten Parthenon in Athen zeigen.
Ein erneuter Wandel setzte ab dem 1. Jh. v. Chr. ein, als die Steinhauer das Prinzip der ganzheitlichen Bearbeitung verwarfen. Dank neuer Messverfahren, Schnüren, Loten und Holzrahmen übertrugen sie nun ein Gipsmodell, das als Vorlage dient, auf den Stein. Damit konnten sie erst die Vorderseite und dann die Rückseite einer Statue anfertigen.
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Dieses Grabrelief aus der Antikensammlung Berlin ist aus dem berühmten, cremefarbenen pentelischen Marmor.
In der hellenistischen Epoche erreichten die Steinhauer eine nie dagewesene Qualität, indem sie nicht nur Bewegung, sondern auch Emotionen täuschend echt darstellten.
Nach getaner Arbeit erhielten Statuen und Co. häufig Markierungen der Bildhauer. So sind unter anderem die Namen zahlreicher Künstler erhalten geblieben. Und diese Handwerker waren in der Gesellschaft hochgeachtet.
Einer der berühmtesten griechischen Bildhauer war Phidias (um 500–420 v. Chr.). Er war nicht nur der kreative Kopf für den Parthenon, sondern auch der Erbauer der Zeusstatue aus Gold und Elfenbein. Sie gehört zu den sieben antiken Weltwunder und war einst in Olympia zu sehen.
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Diese Skulptur soll den berühmten Bildhauer Phidias darstellen.
Und genau dort haben Archäologen auch die Werkstatt von Phidias entdeckt. In dem 32×18×15 Meter großen Bau befanden sich sogar noch Werkzeuge, Materialien und ein Becher mit der Beschriftung „ich gehöre Pheidias“.
Eine weitere Bildhauer-Werkstatt entdeckten Forscher kürzlich auf der griechischen Insel Paros, die für ihren weißen parischen Marmor bekannt ist. Hier arbeiteten Steinhauer zwischen 323 und 31 v. Chr. an ihren Stücken wie unter anderem Marmorreste und zahlreiche unvollendete Statuen zeigen.
Blick auf die ausgegrabenen Überreste der Werkstatt des Phidias.
Foto: banvega/iStock
Obwohl das antike Steinhauer-Handwerk nur einen Teil der damaligen künstlerischen Fertigkeiten abbildet und zahlreiche Stücke im Laufe der Zeit verloren gegangen sind, zählen sie heute zu den Meisterleistungen der Menschheit. Mit Mut setzten die Handwerker neue Maßstäbe und inspirierten Künstler noch tausende Jahre später. Ihr Können ist wahrhaft in Stein gemeißelt.
Buchvorstellung Jonas Schreiber "realtalk" am 25.08.26. - Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Jonas Schreiber
Die Schüler in Deutschland erzielten bei PISA so schlechte Ergebnisse wie nie zuvor. Inzwischen verfehlt etwa jeder dritte Jugendliche das Mindestniveau. Wie der Schulalltag an deutschen Schulen aussieht und was die Ursachen für die schlechten PISA-Ergebnisse sein könnten, darüber haben wir mit dem Realschullehrer und Buchautor Jonas Schreiber gesprochen.
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Herr Schreiber, wenn Sie an Ihr erstes Jahr als Lehrer zurückdenken, was hat sich seitdem im Schulalltag verändert?
Generell sind die Anforderungen an die Schüler deutlich reduziert worden. Das merke ich natürlich an den Prüfungen, die ich durchführe, aber auch daran, wie ich meine Arbeitsblätter gestalten muss. Die Lesekompetenzen sind zurückgegangen. Das heißt, ich muss deutlich mehr umgangssprachliche Wörter erklären, sei es auf Arbeitsblättern oder im Unterricht. Letztens hat beispielsweise ein Achtklässler gefragt, was eine Dachrinne ist.
Worauf führen Sie das zurück?
Das hat viele Ursachen. Ein Grund ist sicherlich das Elternhaus, in dem weniger vorgelesen wird. Zudem wird teilweise zu Hause überhaupt kein Deutsch gesprochen. In den PISA-Studien war von knapp 30 Prozent der Jugendlichen die Rede, bei denen zu Hause überwiegend kein Deutsch gesprochen wird.
Das erschwert den Spracherwerb und schränkt die Möglichkeiten, dem Unterricht zu folgen, ein. Hinzu kommen die wachsende Digitalisierung und die verstärkte Handynutzung, die Einfluss auf die Sprachentwicklung, die Lesekompetenz und die Fähigkeit, strukturiert zu denken, haben.
Aber was können Schüler heute leistungstechnisch nicht mehr oder nicht mehr so gut, was vor zehn Jahren noch selbstverständlich war?
Bildung wird nicht mehr so hoch gehängt. Das sagen mir die Schüler auch ins Gesicht. Wenn ich etwas jedoch nicht mehr so sehr schätze, dann gebe ich mir auch weniger Mühe und mache nur noch das Nötigste. Gleichzeitig werden die Prüfungsanforderungen herabgesetzt. Dadurch kommen die Schüler zwar leichter durchs Schulleben. Das reduziert aber logischerweise auch die Endergebnisse und somit die eigene Leistungsfähigkeit.
Was aber würde passieren, wenn man die Leistungsanforderungen hoch lässt und diese gar nicht erfüllt werden können?
Ich glaube, die Anforderungen wurden vor allem deshalb abgesenkt, damit niemand an seiner eigenen Leistungsgrenze scheitern muss. In den Medien wird das Abitur und das Studium immer als das Allerwichtigste dargestellt. Das sehe ich als Realschullehrer anders — auch handwerkliche Berufe werden gebraucht und sind genauso wertvoll.
Bei mir endet die Realschule mit der Mittleren Reife. Was danach kommt, entscheidet aber der Notenschnitt: Wer an die Fachoberschule will und von dort ans Studium, braucht in Deutsch, Mathematik und Englisch einen bestimmten Durchschnitt. Damit hängt an jeder einzelnen Note plötzlich eine Lebensentscheidung. Genau da entsteht der Druck — von den Eltern, die den akademischen Weg für ihr Kind schon festgelegt haben, obwohl eine praktische Ausbildung viel besser passen würde.
Diesen Druck spürt man als Lehrkraft bei jeder Schulaufgabe, und er wirkt immer in eine Richtung: mildere Aufgaben, großzügigere Bewertung, mehr Wiederholungsmöglichkeiten.
Kurzfristig kommen die Schüler dadurch leichter durch. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. Ein Mathematikprofessor hat mir erzählt, dass viele Studienanfänger die Grundkompetenzen in Mathematik gar nicht mitbringen und erst einmal ein Semester lang nachlernen müssen. Wir verlegen das Scheitern also nur nach hinten, dahin, wo es teurer wird. Eigentlich sollte jeder das machen, wofür er sich begeistert und was ihm Spaß macht.
Oft werden Lehrermangel, große Klassenstärken und die Herausforderung durch einen hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund als Gründe für eine schlechte Unterrichtsqualität genannt. Sind das tatsächlich die ausschlaggebenden Faktoren?
Sie haben jetzt viele Punkte genannt, die da reinspielen. Wenn ich mir allerdings die Hattie-Studie anschaue, eine der größten neuseeländischen Meta-Studien zu den Qualitätsfaktoren für gutes Lernen, dann ist die Anzahl der Lehrkräfte beziehungsweise die Klassenstärke nur eine sehr geringe Einflussgröße. Entscheidend sind stattdessen die Kompetenz der Lehrer und die Qualität der Beziehung zwischen Lehrer und Schüler.
Ich freue mich auch über Klassengrößen zwischen 15 und 20 Schülern. Doch ich weiß, dass dafür das nötige Lehrpersonal fehlt und dass dies extrem viel kosten würde. Ein weiterer Punkt ist die Migration. Seit Beginn der Migrationswelle im Jahr 2015 sind die Leistungsergebnisse in den Schulen gesunken.
An meinen Schulen lag der Migrationsanteil meistens zwischen 50 und 80 Prozent. Diese Schüler besitzen in der Regel bereits die deutsche Staatsbürgerschaft. Ob sie sich als Deutsche fühlen, ist eine andere Geschichte. Oft sagen mir diese Schüler offen ins Gesicht, dass sie keine Deutschen sind.
Dann erkläre ich ihnen: „Wenn du die deutsche Staatsbürgerschaft hast, dann bist du deutsch.“ Das ist ein komplexes Problem, das wir aktuell noch gar nicht angehen, das aber dringend gelöst werden muss. Diesen Schülern fehlt eine Identität innerhalb unserer Gemeinschaft. Das macht den Schulalltag zusätzlich schwierig.
Nach den PISA-Ergebnissen merkte Bundeskanzler Friedrich Merz an, dass Bildung und Erziehung nicht an den Staat „outgesourct“ werden könnten, sondern dass auch die Familie Verantwortung trage. Wie sehen Sie das?
Definitiv. Kindern, die zu mir kommen – sei es in der Realschule oder in der Grundschule – und kein Deutsch können, können wir nicht mehr so helfen, wie es notwendig wäre. Denn ich muss meinen Unterricht für die anderen Kinder durchziehen und dafür sorgen, dass die Klasse funktioniert.
Das bedeutet, dass wir deutlich früher mit sprachlicher Förderung beginnen müssen. Entweder als Gemeinschaft, wie es bereits in einigen Bundesländern mit Vorklassen vor der Grundschule praktiziert wird, in denen das Kind die deutsche Sprache lernt. Oder aber – und das ist auch mein Plädoyer – die Familie gewinnt wieder deutlich an Wertigkeit und übernimmt mehr Verantwortung.
Ein Negativbeispiel ist: Im Restaurant oder im Urlaub sieht man oft, dass viele Eltern ihren Kleinkindern oder Grundschulkindern ein Handy oder Tablet in die Hand drücken, damit das Kind ruhig ist und sie ihre Ruhe haben. Eigentlich müsste sich ein Elternteil mit dem Kind beschäftigen und es erziehen, dass es in besonderen Situationen oder an bestimmten Orten leise sein muss oder sich aufs Essen konzentriert. Das sollte selbstverständlich sein.
Welchen Einfluss haben digitale Geräte auf die Lernfähigkeit?
Aufgrund des Social-Media-Konsums ist die Aufmerksamkeitsspanne extrem gering geworden. Denn dort gibt es alle paar Sekunden einen neuen Reiz und Inhalt. Dadurch haben Kinder verlernt, sich über einen längeren Zeitraum mit etwas zu beschäftigen oder sich auf etwas zu konzentrieren. In der Schule haben sie dann Probleme, ein Arbeitsblatt konzentriert zu lesen und den Inhalt zu verstehen.
Ein anderes Thema ist die zunehmende Digitalisierung an Schulen. Bei uns hat jedes Kind ab der siebten Klasse die Möglichkeit, ein iPad zu bekommen. Ab der fünften Klasse gibt es sogenannte iPad-Koffer. Das heißt, wir sollen sehr viel mit iPads arbeiten. Als Lehrkraft habe ich natürlich die Herausforderung, zu kontrollieren, dass die 30 Kinder im Unterricht nicht mit den iPads spielen.
Gleichzeitig soll ich unterrichten, die Fortschritte der Schüler beobachten und herausfinden, wer Unterstützung braucht. Daher haben viele von uns Lehrern die Nutzung der iPads mittlerweile stark reduziert. Natürlich ist das iPad super geeignet, wenn die Schüler mal etwas suchen und recherchieren sollen.
Wie kann man die Motivation fördern, sich zu bilden, und wie kann man Freude am Lernen und an der Schule vermitteln?
Ich glaube, man muss viel Demut und Dankbarkeit vorleben, dafür, dass wir in einem Land leben dürfen, in dem es uns so gut geht und in dem wir uns nicht vor Krieg und Tod fürchten müssen.
Den Kindern sollten aber auch Grenzen gesetzt werden. Du kannst nicht heute das und morgen das haben. Wir kaufen dir nicht alles und auch nicht zu jeder Zeit, sondern zu besonderen Anlässen wie Geburtstagen oder Weihnachten gibt es Geschenke. Außerdem sollte Bildung als wertvolles und wichtiges Gut vermittelt werden, denn damit kannst du im Leben viel erreichen und Wissen anhäufen. Das sehe ich als Aufgabe des Elternhauses.
Wie würde Ihr idealer Schulalltag aussehen?
Die Bürokratie müsste deutlich reduziert werden. Gleichzeitig muss es wieder möglich sein, den Eltern transparent und direkt die Schulleistung und das Sozialverhalten ihrer Kinder zu vermitteln. Ich habe beides im Auftrag, Bildung und Erziehung, und stehe auch zu beidem — nur frisst die Erziehung inzwischen den größten Teil meiner Stunde: zuhören, warten können, jemanden ausreden lassen, alles Dinge, die früher von zu Hause kamen. Hinten runter fällt die Bildung — und genau dafür bin ich ausgebildet.
Was man sofort machen könnte: Erstens eine verpflichtende Vorklasse für jeden, der kein Deutsch kann: Wer bei der Einschulung kein Deutsch spricht, lernt es vorher — nicht nebenher im Regelunterricht, wo es weder ihm noch den anderen 29 Schülern hilft.
Zweitens verpflichtende Förderstunden am Nachmittag in den Kernfächern für die, die zurückliegen — verpflichtend, nicht freiwillig, denn freiwillig kommen genau die nicht, die es bräuchten. Das bindet wenige Lehrerstunden und wirkt sofort.
Warum haben Sie als Lehrer das Buch „Realtalk: Lehreralltag“ geschrieben?
Ich hatte einen Neuntklässler, der diese Klassenstufe bereits zum dritten Mal durchlief. Erneut war er dabei, das Klassenziel zu verfehlen. Der Vater bat daher um ein Gespräch. Pünktlich um 07:30 Uhr standen der Vater und ein Mann im Anzug vor der Tür. Vom Sohn war nichts zu sehen. Er kam wie so häufig zu spät.
Daraufhin sagte ich scherzhaft zur Schulleitung: „Der Herr im Anzug wird doch jetzt nicht der Anwalt sein.“ Tatsächlich war dies aber der Fall. Der Vater warf uns vor, wir würden dem Sohn mit Absicht schlechte Noten geben. Früher saßen Lehrer und Eltern gemeinsam zusammen und versuchten für das Kind eine gute Lösung zu finden.
Ich liebe meinen Beruf und möchte noch 40 Jahre als Lehrer arbeiten, denn es ist einfach schön, mit den Schülern zu arbeiten. Aber so, wie es jetzt ist, ist ein konstruktives Lehren nicht mehr möglich. Das sieht man auch an den mittlerweile hohen Aussteigerzahlen im Lehrberuf. Das Buch soll ein Weckruf sein, dass wir auf einem absteigenden Ast sind und wohin wir wieder zurück müssen.
Vielen Dank für das Interview!
Das Buchcover von „Realtalk: Lehreralltag“
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Jonas Schreiber
Im Jemen kämpfen die vom Iran unterstützten Huthi gegen die Regierung, die von Saudi-Arabien unterstützt wird. (Archivbild) - Foto: Osamah Abdulrahman/AP/dpa
HEUTE11:47 Uhr
Berufung zugelassen: Fall Høiby wird neu verhandelt
Ein Gericht hat die Berufung im Fall von Marius Borg Høiby, dem Sohn von Norwegens Königin Mette-Marit, zugelassen. Er war im Juni wegen zwei Vergewaltigungen, häuslicher Gewalt und weiterer Straftaten zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Der Termin ist noch offen. Momentan befindet sich Høiby in Untersuchungshaft – mit elektronischer Fußfessel im Zuhause der norwegischen Königsfamilie. Am Begräbnis von Königs Harald V. durfte er teilnehmen.
Der Fall Marius Borg Høiby wird neu verhandelt. (Archivbild)
Foto: Heiko Junge/NTB Scanpix/AP/dpa
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HEUTE11:39 Uhr
Warntag: Bundestagsdebatte für 35 Sekunden unterbrochen
Der Probealarm am bundesweiten Warntag hat die Debatte im Bundestag unterbrochen – für 35 Sekunden. Um 11:00 Uhr ertönte der Warnhinweis auch auf den Handys der Abgeordneten während einer Rede von Justizministerin Stefanie Hubig (SPD). Bundestagsvizepräsidentin Lindholz stoppte darauf ihre Redezeit und forderte die Anwesenden auf, ihre Handys auszustellen. Als es „leiser als Zwischenrufe“ war, ging es weiter.
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HEUTE11:35 Uhr
EU-Behörde: Asylanträge im ersten Halbjahr 2026 um 17 Prozent zurückgegangen
In den 27 EU-Staaten, der Schweiz und Norwegen sank die Zahl der Asyl-Erstanträge im ersten Halbjahr 2026 um 17 Prozent auf 332.000. Die meisten kamen von Afghanen (39.000) und Venezolanern (33.000). Gestellt wurden sie vor allem in Frankreich (69.000), Italien (66.000), Spanien und Deutschland (je 55.000). Die Anerkennungsrate lag laut EUAA im ersten Halbjahr 2026 bei 31 Prozent.
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HEUTE11:30 Uhr
Huthi rücken auf strategische wichtige Stadt im Jemen zu
Im Jemen nehmen die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und der Huthi-Miliz am Roten Meer zu, vor allem die Hafenstadt Mokka. Laut jemenitischen Militärkreisen zufolge wurde die Stadt von den Huthi eingenommen. Mokka liegt unmittelbar nördlich der Straße von Bab al-Mandab. Viele Bewohner der Stadt flüchten. Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition fliegt erneut Luftangriffe gegen Stellungen der Huthi.
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HEUTE11:22 Uhr
Schule auf Vulkaninsel Stromboli öffnet für nur ein Mädchen
In dem abgelegenen Ort Ginostra auf der italienischen Vulkaninsel Stromboli hat nach mehr als 20 Jahren wieder eine Schule geöffnet – für genau eine Schülerin, die sechs Jahre alte Aysha. Die Eltern des Mädchens hatten sich zuvor für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs in dem kleinen Ort eingesetzt. Bürgermeister Gullo hofft, die neue Schule könne ein erster Schritt sein, um den Bevölkerungsschwund auf den sieben bewohnten Inseln zu bremsen.
Viele Familien auf den kleinen Inseln der Inselgruppe sind von September bis Mai gezwungen, umzuziehen, damit ihre Kinder die Schule besuchen können. (Symbolfoto)
Foto: Carola Frentzen/dpa-tmn
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HEUTE10:57 Uhr
Bundeswehr plant 2027 Einführung von Palantir-Alternative
Die Bundeswehr prüft aktuell 30 Angebote KI-Software zur Echtzeitanalyse von Gefechtsfelddaten. Erste Tests sind 2027 geplant. Eine vollständige Alternative zu Palantir soll Mitte 2028 einsatzbereit sein. Der führende Anbieter, das US-Unternehmen Palantir, wurde von der Bundeswehr aus Souveränitätsgründen ausgeschlossen.
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HEUTE10:19 Uhr
Giffey: Berliner SPD steht solidarisch zu Krach
Die Berliner SPD steht trotz eines Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Hannover zu ihrem Spitzenkandidaten Steffen Krach. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey verweist auf die Unschuldsvermutung. Krach vermutet, dass es um den Vorwurf der Bestechlichkeit im Zusammenhang mit seinem früheren Amt als Regionspräsident in Hannover geht. Er weist zurück, Bestechungsgelder angenommen zu haben.
Der reale Umsatz im zulassungspflichtigen Handwerk in Deutschland ist im 2. Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,4 Prozent gesunken. Die Beschäftigung sank um 1,9 Prozent. Die stärksten Rückgänge gab es im Ausbaugewerbe, im Handwerk für den gewerblichen Bedarf und im Lebensmittelgewerbe. Einen realen Umsatzanstieg gab es beim Kfz-Gewerbe mit +0,4 Prozent. Im zulassungsfreien Handwerk ging der Umsatz um 0,8 Prozent zurück. Das teilte Destatis vorläufig mit.
HEUTE9:57 Uhr
Bahnsanierungen dauern länger
Die Generalsanierung wichtiger Bahnstrecken wird nach Aussage von Bahnchefin Evelyn Palla länger dauern als derzeit geplant. Die Überarbeitung des Konzepts werde derzeit mit dem Bundesverkehrsministerium abgestimmt und solle bald vorgestellt werden, sagte Palla vor Journalisten in Berlin. Genaue Jahreszahlen wollte sie nicht nennen.
HEUTE9:44 Uhr
Schwerlasttransporter verliert Brückenteil am Hermsdorfer Kreuz – A9/A4 blockiert
Ein Schwerlasttransporter hat bei der Überfahrt von der A4 auf die A9 am Hermsdorfer Kreuz ein Brückenteil verloren – die Bremse am Sattelauflieger blockierte, das geladene Brückenteil löste sich. Ein nachfolgendes Auto wurde beschädigt. Die Überfahrt von der A9 in Fahrtrichtung Berlin auf die A4 in Fahrtrichtung Frankfurt am Main ist laut Polizei wegen der Bergungsarbeiten bis auf Weiteres gesperrt. Eine Umleitung ist eingerichtet.
HEUTE9:33 Uhr
New York startet in die Fashion Week – erstmals ohne Pelze
Mit einer Modenschau von Designerlegende Ralph Lauren (86) ist die US-Ostküstenmetropole New York in die Fashion Week gestartet. Erstmals wird vollständig die Vorgabe des Berufsverbands der US-Modedesigner umgesetzt, wonach kein Pelz auf den Laufstegen gezeigt werden darf. Bei der Ralph-Lauren-Schau dominierten klassisch gehaltene Schnitte in den Farben Blau und Weiß; auch Gold-, Beige- und Rosa-Töne gab es zu sehen. Insgesamt werden Kollektionen von rund 70 Labels präsentiert.
David Lauren und Cynthia Erivo besuchen die Ralph-Lauren-Modenschau im Rahmen der New York Fashion Week am 9. September 2026 in New York City.
Foto: Michael Loccisano/Getty Images
HEUTE9:06 Uhr
AfD Berlin will Wohnungsvergabe erst nach Wahl definieren
Die AfD Berlin will geförderten Wohnraum vorrangig an Berliner vergeben. Man sei Berliner, „wenn man diese Stadt am Laufen hält, wenn man sie trägt“, sagt Spitzenkandidatin Kristin Brinker. Gearbeitet wird an einem Punktesystem, dass nach der Wahl fertig sein soll und unter anderem die Wohnsitzdauer, Einkommenshöhe, Kinderzahl, Pflegeverantwortung und Tätigkeit in systemrelevanten Bereichen berücksichtigt.
HEUTE8:55 Uhr
Inflationsrate von 2,9 Prozent im August
Das Statistische Bundesamt bestätigt die Inflationsrate für August 2026 mit 2,9 Prozent, im Juli waren es 2,8 Prozent. Haupttreiber waren Energiepreise, die binnen eines Jahres um 10,5 Prozent stiegen. Deutlich teurer wurden etwa Kraftstoffe (+27,7 Prozent), leichtes Heizöl (+49,6 Prozent) oder Lebensmittel wie Eier (+15,2 Prozent). Günstiger sind Butter (-29,9 Prozent), frisches Obst (-5,6 Prozent) und Molkereiprodukte (-5,5 Prozent).
HEUTE8:50 Uhr
Weinbaubetriebe in Rheinland-Pfalz können Prämie für dauerhafte Rodung bekommen
Das Land Rheinland-Pfalz zahlt 5.000 Euro pro Hektar für dauerhafte Rodungen. Der deutsche und der europäische Weinmarkt leiden unter einem Überangebot. Die aktuelle Prämie können Betriebe voraussichtlich ab November beantragen, eine Auszahlung „erfolgt spätestens im Oktober 2027“. Auch Bayern will für 2027 ein Rodungsprogramm anbieten.
In Rheinland-Pfalz wird laut Ministerium auf rund 64.600 Hektar Wein angebaut, es gibt rund 6500 landwirtschaftliche Betriebe mit Rebflächen..
Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
HEUTE8:47 Uhr
Deutlich weniger Empfänger von Asylbewerberleistungen
Ende 2025 erhielten rund 390.000 Menschen in Deutschland Asylbewerberleistungen – 15 Prozent weniger als 2024. 61 Prozent der Regelleistungsempfänger waren Männer und 39 Prozent Frauen. 31 Prozent waren minderjährig. Rund 214.800 Menschen erhielten besondere Leistungen (-15 Prozent), etwa bei Krankheit, Schwangerschaft und Geburt.
HEUTE8:00 Uhr
EU-Kommissarin stellt Serbien-Beitritt infrage
EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos stellt wegen der Beisetzung des verurteilten Kriegsverbrechers Ratko Mladic mit staatlichen Ehren in Belgrad die Beitrittsverhandlungen mit Serbien infrage. Es könne nicht sein, dass diejenigen verherrlicht würden, die so vielen Menschen Leid zugefügt hätten. Kritik aus der EU an der Beisetzung kam auch von Antonio Costa, Ursula von der Leyen sowie Manfred Weber.
HEUTE7:42 Uhr
Philippinen: 87 Menschen nach Brand auf Fähre vermisst
Nach dem Brand auf dem Passagierschiff „MV June Aster“ vor der philippinischen Provinz Palawan vor zwei Tagen werden noch 87 Menschen vermisst. Fünf Tote wurden geborgen, 42 weitere gerettet. Die philippinische Nachrichtenagentur PNA berichtete von 117 Passagieren und 17 Besatzungsmitgliedern. Die Rettungsarbeiten dauern weiter an, die Behörden ermitteln zur Unglücksursache. Die Fähre brannte völlig aus.
Die Unglücksursache ist noch unklar.
Foto: Uncredited/Philippine Coast Guard/AP/dpa
HEUTE7:24 Uhr
5.000 Dollar: Trump will US-Amerikaner bei Wahlsieg belohnen
Trump versprach auf dem Republikaner-Parteitag in Dalles jedem erwachsenen US-Bürgern „Trump-Dividende“ von 5.000 Dollar, falls die Republikaner im November die Kontrolle über den Kongress behalten. Er verteidigte den Iran-Krieg, warnt vor dem Kommunismus und warb um Stimmen. „Ich bitte euch, so zu tun, als stünde ich auf dem Stimmzettel“, sagte Trump.
HEUTE6:58 Uhr
Weltkriegsbombe in Hamburg entschärft – Zugverkehr und 2500 Anwohner betroffen
Im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld wurde eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Der Blindgänger britischer Bauart mit einem Gewicht von 500 Pfund wurde bei Tiefbauarbeiten gefunden und war mit einem Langzeitzünder versehen. Er befand sich auf einem erhöhten Bahndamm. Laut der Feuerwehr Hamburg bestand „ständige Detonationsgefahr“.
HEUTE6:38 Uhr
Milliardenschwere Maskenkäufe: BGH verhandelt in Streit aus Pandemie
Das Bundesgerichtshof verhandelt vier Corona-Streitfälle zu Maskenbestellungen im Frühling 2020. Lieferanten forderten Nachzahlungen, der Bund will teilweise Geld zurück. Die Folgen des BGH-Urteils könnten mehr als zwei Milliarden Euro Streitwert haben undFolgen für hunderte weitere Verfahren haben (VIII ZR 131/24 u.a.).
Heute billig zu haben, 2020 war es zeitweise teure Mangelware: FFP2-Masken. (Archivbild)
Foto: Daniel Karmann/dpa
HEUTE6:27 Uhr
Özdemir fordert Politik der „Disruption“
Der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) fordert nach dem Sieg der AfD in Sachsen-Anhalt einen grundlegenden Politikwechsel der demokratischen Parteien. Die Demokratie brauche jetzt „Disruption“. Die Ampelregierung trage auch eine Mitschuld.
HEUTE6:12 Uhr
Haushaltsberatungen gehen weiter
Der Bundestag berät heute über den Etat des Bundesinnenministeriums sowie die Ressorts Justiz, Landwirtschaft, Bildung, Wohnen und Gesundheit. Nach dem Abschluss der Beratung der Einzeletats am Freitag geht der Entwurf in die weiteren parlamentarischen Beratungen.
HEUTE6:00 Uhr
Bericht: Prien fordert mehr Schutz für Lehrkräfte vor Gewalt an Schulen
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hat im „Kölner Stadt-Anzeiger“ gefordert, Lehrer besser von Gewalt an Schulen zu schützen. Laut dem neuen Lagebild zur Kinder- und Jugendkriminalität in NRW sei die Gewalt gegen Lehrkräfte auf ein neues Rekordniveau gestiegen. Demnach wurden 865 Lehrerinnen und Lehrer in dem Bundesland im vergangenen Jahr als Opfer registriert.
HEUTE5:44 Uhr
EZB gibt Leitzinsentscheidung bekannt – Weitere Erhöhung erwartet
Die Europäische Zentralbank gibt bei ihrer auswärtigen Ratssitzung in Berlin ihre neue Leitzinsentscheidung bekannt (14:15 Uhr). Erwartet wird eine Anhebung, um die durch steigende Energiepreise angefachte Inflation abzuschwächen. Bei ihrerJuli-Sitzung beließ die EZB den Einlagenzins auf dem Niveau von 2,25 Prozent, nachdem sie ihn im Juni zum ersten Mal seit September 2023 um 0,25 Punkte angehoben hatte.
HEUTE5:13 Uhr
Mehr als jeder Vierte will aufs E-Auto umsteigen
International gesehen zeigen deutsche Autofahrer die größte Bereitschaft zum Umstieg auf Elektromobilität: 27 Prozent wollen wahrscheinlich als nächstes Auto ein Elektrofahrzeug kaufen oder leasen. Einer Studie vom Kartendienst Here Technologies und SBD Automotive zufolge bleiben die wichtigen Hürden die Sorgen um eine nicht ausreichende Reichweite (45 Prozent), die lokale Ladestationsdichte (40 Prozent) und hohe Anschaffungspreise (39 Prozent).
Wie ist die Stimmung im deutschen Handwerk? Und was fordert das Handwerk von der Politik? Darüber sprachen wir mit den Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Jörg Dittrich, der als Gast an der Klausurtagung der Bundesregierung teilnahm.
Hier verkauft Emily Harryman ihre Backwaren auf lokalen Veranstaltungen. - Foto: Emily Harryman
Wohlige Wärme und der Duft frischen Brotes und feiner Gewürze strömen Emily Harryman entgegen, wenn sie die Tür zu ihrer Backstube öffnet. Was einst das Esszimmer ihres Hauses in der texanischen Stadt Keller nahe Dallas war, dient nun als Herzstück der von zu Hause aus betriebenen kleinen Bäckerei „Plain Jane Bakes“ – was in etwa „einfach nur backen“ bedeutet.
Die Wände sind französischblau gestrichen, die Decke tapeziert mit hellgrünen Blattornamenten. Das große, nach Osten ausgerichtete Fenster flutet den Raum mit Licht und wirft Sonnenstrahlen auf die hölzernen Backregale, auf denen die Sauerteigbrote abkühlen können.
In der Ecke am Fenster steht der Ofen, ein kompakter Simply Bread L12, der ein Dutzend Laibe auf einmal fassen kann. Der Raum ist mit einer großen Kücheninsel aus dunklem Holz sowie mehreren Anrichten ausgestattet, in denen Emily Harryman ihre Zutaten und Backutensilien aufbewahrt.
Der Brotraum in Emily Harrymans Hausbäckerei.
Foto: Heidi Sears Photography
„Ich hätte mir nie vorgestellt, dass unser Esszimmer eine Hausbäckerei sein würde. Nun findet der gesamte Sauerteigprozess hier statt. Der Raum erfüllt mein Herz mit großer Freude“, sagt Harryman.
Seit der Gründung ihres Unternehmens im Jahr 2024 ist Harrymans Brotbackraum mehr als nur ein Ort, an dem sie Brot backt, Kurse gibt und die Rezepte für ihr kommendes Kochbuch „Plain Jane Sourdough: Simple Ingredients and Techniques for Stunning Artisanal Bread“ perfektioniert (auf Deutsch etwa: „Schlichtweg Sauerteig: Einfache Zutaten und Techniken für beeindruckendes Handwerksbrot“). Es ist der Höhepunkt einer langen Reise, die in der bescheidenen Küche am Meer begann, in dem Haus, das ihre Großeltern bauten.
Emily Harryman ist Autodidaktin im Sauerteigbacken und betreibt heute eine erfolgreiche kleine Bäckerei in ihrem Esszimmer.
Foto: Heidi Sears Photography
Dekorative Anfänge
Harrymans Liebe zum Essen wurde durch regelmäßige Besuche bei ihren Großeltern entfacht, die in einer kleinen Küstenstadt unweit von San Francisco lebten. „Meine Oma war sehr leidenschaftlich beim Kochen. Jedes Mal, wenn wir zu Besuch waren, setzten wir uns ins Wohnzimmer und wählten ein Rezept aus einer der Food-Zeitschriften von ihrem Couchtisch aus, das wir ausprobieren wollten“, erinnert sich Harryman.
Obwohl die Rezepte nicht immer erfolgreich waren, hatte der Geist der Gastfreundschaft ihrer Großmutter einen tiefgreifenden Effekt auf Harryman. Sie erinnerte sich, dass ihre Großeltern „eine Freundin hatten, eine Witwe, die ständig zu den Mahlzeiten herüberkam. Sie stellten immer sicher, dass sie sich angenommen und umsorgt fühlte.“
Davon inspiriert übernahm Harryman, wenn sie von der Schule kam, die Verantwortung für die Mahlzeiten und entdeckte bald, dass ihre wahre Leidenschaft dem Backen galt. Nach Kursen im Tortendekorieren bekam Harryman Anfragen für Geburtstagstorten von Mitschülern. Dann, in ihrem Abschlussjahr an der Highschool, wurde sie gebeten, eine Hochzeitstorte zu machen. „Sie war fast einen Meter hoch und von ,Alice im Wunderland‘ inspiriert. Das öffnete viele Türen für andere Jobs und Hochzeiten“, erzählt sie.
Harryman dekorierte weiterhin Torten, während sie noch auf ein College außerhalb von Pittsburgh, Pennsylvania, ging. Ihre Fähigkeiten verschafften ihr und ihrem Mitbewohner Tristan 2016 einen Auftritt in einer Folge der beliebten Food-Network-Show ‚Cake Wars‘. Das Duo trat in einer Folge, die dem Videospiel Minecraft gewidmet war, gegen professionelle Bäcker an. „Wie durch ein Wunder haben wir gewonnen!“, sagt Harryman.
2016 war auch das Jahr, in dem sie ihren Ehemann Issac traf. Nachdem sie geheiratet hatten, zog das Paar nach Texas. Ein paar Jahre später ging es bereits zurück nach Pennsylvania, wegen eines neuen Jobs.
Harryman gab das Backen auf, während sie versuchten, eine Familie zu gründen. Sie erlitt mehrere Fehlgeburten, bevor sie dann doch drei gesunde Kinder zur Welt brachte. Ein Jobverlust im Jahr 2022 zwang die Familie zurück nach Texas für eine Arbeit mit signifikanter Gehaltskürzung.
Für die Familie bedeutete das, dass sie eine zusätzliche Einnahmequelle benötigte, um über die Runden zu kommen. So wandte sich Emily Harryman 2024 wieder voll dem Backen zu. Doch diesmal ging es nicht um das Dekorieren von Torten. Sie begann, Sauerteigbrote zu backen.
Der Grundstein für Harrymans Sauerteig-Abenteuer wurde gelegt, als ihr College-Mitbewohner Tristan sie wieder an die natürlichen, unverarbeiteten Zutaten heranführte, die sie in der Küche ihrer Großmutter gesehen hatte.
Durch die Mutterschaft wuchs in ihr das Bewusstsein, welche Zutaten sie ihren kleinen Kindern zu essen gab. „Es gibt so viele Konservierungsstoffe, so viele genetisch veränderte Zutaten, so viele Dinge, die auf unser Essen gesprüht werden, dass ich … Dinge kaufen wollte, die so ziemlich nah an dem sind, wie Gott sie geschaffen hat“, sagt Harryman.
Harryman begann ihr Bäckereiunternehmen, um ihre Familie zu ernähren. Heute gibt sie ihr Wissen über Sauerteigbacken über soziale Medien und ein neues Kochbuch weiter.
Foto: Heidi Sears Photography
Diese einfache Philosophie der „echten Zutaten“ sollte der Schlüssel zu Harrymans Erfolg mit Sauerteig sein. Die Aussicht, eine eigene Sauerteigbäckerei zu gründen, empfand sie als beängstigend, weil „es so viele verschiedene Gedanken dazu gibt, wie man Sauerteig macht. Als Anfänger ist das schrecklich, weil man nicht weiß, was richtig ist. Aber sobald man seinen Prozess im Griff hat, ist es wie Radfahren.“
Harrymans eigener Prozess beginnt mit einer Mischung aus Weißmehl, Roggenmehl und Wasser, die zum Fermentieren stehen gelassen wurde. Natürliche, darmfreundliche Bakterien begannen, den Zucker und die Proteine des Mehls zu fressen, wodurch ein blubberndes Teiggemenge entsteht, das als Sauerteigstarter bekannt ist.
Der Starter muss immer wieder verwendet und gefüttert werden, damit die Fermentation aktiv bleibt. Wenn der Sauerteig in einen Brotteig eingearbeitet wird, wirkt er als Triebmittel und verleiht dem Brot seinen charakteristischen säuerlichen Geschmack.
Das Cover zu Emily Harrymans Buch “Plain Jane Sourdough”.
Foto: Heidi Sears Heidi Sears Photography
Aus diesem Sauerteig wird das treffend benannte „Plain Jane“ hergestellt, ein unverfälschtes Sauerteig-Landbrot, das der Star der Harryman Backwaren ist. Sie entwickelte außerdem ihre eigene Variante des „Miche“, eines rustikalen französischen Brotes, sowie ein „Herbes de Provence“, ein einfaches Brot mit Kräutern.
Ursprünglich bot sie ein umfangreicheres Sortiment mit einer Auswahl an Scones, Keksen und Spezialbroten an, reduzierte dieses jedoch schließlich auf Anraten ihres Mannes. „Ich musste es einfach halten. Das Brot verkaufte sich ohnehin immer am besten“, erklärt Harryman.
Sauerteig, wie sich herausstellte, war eine Neuheit in Keller, Texas. Harryman begann, die Laibe über Hausbestellungen und auf lokalen Märkten zu verkaufen. In den ersten Monaten des Unternehmens hatte Harryman weder einen Backraum noch einen Backofen. Sie arbeitete mehr als 13 Stunden am Tag, um die Laibe in ihrem Einbau-Doppel-Backofen in der Küche eins nach dem anderen zu backen.
Es war harte Arbeit, aber das zusätzliche Geld verschaffte der Familie das dringend benötigte finanzielle Polster – und das alles, ohne dass Harryman das Haus verlassen oder auf den Heimunterricht ihrer Kinder verzichten musste – beides war für sie nicht verhandelbar. „Das Geschäft musste etwas sein, das meiner Familie zugutekommt und mich nicht von ihr fernhält“, sagt sie.
Neben ihrem lokalen Erfolg, wurde Harryman auch zu einer Sensation in den sozialen Medien. Ihr Instagram-Kanal „Plain Jane Bakes“ schnellte in zwei Jahren von null auf 59.000 Follower hoch. Das war genug, dass ein unabhängiger Verlag sich Harrymans Kochbuchidee annahm.
„Plain Jane Sourdough“ ist eine Liebeserklärung und zugleich ein praktischer Leitfaden zum Sauerteigbacken. Sie widmete das Buch ihrer Großmutter. „Ich wollte versuchen, meinen Weg so weiterzugeben, wie meine Großmutter mir ihren vermittelt hat“, sagt Harryman. „Ich hoffe, dass es den Lesern in der Küche eine Hilfe und beim Lesen eine Ermutigung sein wird.“
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht vor Beginn der Klausurtagung der Bundesregierung im Schloss Neuhardenberg. - Foto: Kay Nietfeld/dpa
In Kürze:
Wirtschaft und KI: Die Bundesregierung will Wettbewerbsfähigkeit, industrielle KI und technologische Souveränität stärken.
Reformen im Fokus: Bürokratieabbau, Mittelstand, Handwerk, Start-ups und Wohnungsbau stehen ebenfalls auf der Agenda.
Konfliktpotenzial: Bei Dürre, Klimaschutz und der geplanten Rentenreform liegen Union und SPD beziehungsweise Teile der Union auseinander.
Am Dienstag, 25. August, beginnt auf Schloss Neuhardenberg die auf zwei Tage anberaumte Kabinettsklausur zum Ende der parlamentarischen Sommerpause. Bereits in den Jahren 2003 und 2004 hatten in dem klassizistisch überformten Barockschloss Kabinettsklausuren stattgefunden. Damals hieß der Bundeskanzler Gerhard Schröder – und die Hauptthemen waren Rentenstabilisierung und die Hartz-IV-Reform.
Wie die damalige Regierung Schröder steht auch das Kabinett Merz unter Zugzwang. Bundeskanzler Friedrich Merz hat angekündigt, die Wirtschaftspolitik in den Mittelpunkt der Tagung zu stellen. Dabei stünden Wettbewerbsfähigkeit, Souveränität, Schlüsseltechnologien und notwendige Reformen im Vordergrund. Im offiziellen Papier heißt es, Deutschland solle „ein starkes Industrieland“ bleiben und auch im KI-Zeitalter Wohlstand und sichere Arbeitsplätze bieten.
Bundeskanzler Friedrich Merz gibt bei seiner Ankunft in Neuhardenberg zur zweitägigen Kabinettsklausur auf Schloss Neuhardenberg eine Stellungnahme ab. Die Bundesregierung steht unter Druck, Reformen bei Steuern, Pflege und Bürokratie voranzutreiben.
Foto: Sean Gallup/Getty Images
Merz will zur Kabinettsklausur Wirtschaftspolitik in den Mittelpunkt stellen
Im Rahmen der Klausurtagung wird es auch Impulsvorträge von Gästen aus der Wirtschaft geben – unter anderem durch die CEOs von Siemens, Roland Busch, und Cohere, Aidan Gomez. Geplant sind außerdem Vorführungen zu technologischen Entwicklungen in Bereichen wie KI, Drohnenabwehr und digitalen Anwendungen – unter anderem auch von BKA und Zoll.
Am Mittwoch wird der Tag mit einer Diskussion beginnen, an der Handwerksverbandspräsident Jörg Dittrich, Investoren und Vertreter von Start-ups zu Wort kommen. Für 12:00 Uhr ist im Anschluss an eine weitere Kabinettssitzung eine Pressekonferenz mit Friedrich Merz, Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt geplant.
Schon am ersten Tag wird die industrielle Nutzung von Künstlicher Intelligenz einer der Schwerpunkte sein. Deutschland soll nach dem Willen der Bundesregierung zu einem führenden Standort industrieller KI werden. Dafür sollen auch die CEOs von Siemens und Cohere Impulse liefern.
KI, Forschung und Technologie sollen kein Neuland bleiben
Um diesem Ziel näherzukommen, müsste Deutschland seine digitale Infrastruktur und Rechenkapazitäten ausbauen. Ein weiterer Fokus müsste auf der Förderung strategischer Schlüsseltechnologien liegen. Entscheidend für das Schicksal des KI-Standorts Deutschland wird eine bessere Verbindung von Forschung und industrieller Anwendung sein, heißt es in der Regierungsankündigung weiter.
Als zentrale Einsatzbereiche für KI hat die Bundesregierung Verwaltung, Sicherheit und Verteidigung identifiziert. Durch bessere Bedingungen für Aufbau und Anwendung von KI in Deutschland hofft man auch auf eine Stärkung der technologischen Souveränität Deutschlands und Europas.
Neben der KI soll die Technologie- und Forschungspolitik der Bundesregierung auch weitere Bereiche forcieren. So will man auch in Quantentechnologie und Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusion und klimaneutraler Energieerzeugung Forschung stärker mit dem Markt verbinden. Die europäische Kapitalmarktunion sowie Projekte wie der „Deutschlandfonds“ und der geplante „EU-Industrie-Accelerator“ sollen innovativen Unternehmen erforderliches Kapital leichter zugänglich machen.
Kabinettsklausur nach Kritik aus Verbänden unter Erfolgsdruck
Auf der Tagesordnung der Kabinettsklausur soll auch der Abbau von Bürokratie stehen. Hier hat sich die Bundesregierung einen Abbau der Kostenbelastung für Unternehmen um 25 Prozent vorgenommen. Im November 2025 beschloss das Kabinett mehr als 40 Maßnahmen in diesem Bereich. Diese sollen dem im Vorfeld der Klausur veröffentlichten Regierungsvermerk zufolge jährlich rund 9,8 Milliarden Euro an Entlastung bringen.
Die Bundesregierung kündigt auch an, Mittelstand und Handwerk im Rahmen der Tagung ein besonderes Augenmerk zu widmen. Aus den entsprechenden Verbänden hatte es zuletzt deutliche Kritik an ausbleibenden Reformen gegeben. Das Kabinett will sich nun mit der Gewinnung von Fachkräften, Fragen der Ausbildung und der Modernisierung überbetrieblicher Bildungsstätten befassen.
Aus der Bundesregierung heißt es, in Deutschland gebe es derzeit etwa eine Million Handwerksbetriebe mit rund sechs Millionen Beschäftigten. Der weitere Schwerpunkt auf Start-ups ergebe sich nicht zuletzt aus dem Umstand, dass allein im ersten Halbjahr 2026 in Deutschland 3.053 Start-ups gegründet worden seien. Das seien 52 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders stark vertreten seien darunter KI- und Softwareunternehmen.
Reaktion auf Hitze und Dürre als potenzielles Konfliktthema
Die Bundesregierung wird sich auch mit dem Wohnungsbau und Maßnahmen zur schnelleren Abwicklung von Bauverfahren befassen. Bis Ende August soll auch das Konzept für eine Bundeswohnungsbaugesellschaft stehen, die nach den Plänen 100.000 Wohnungen pro Jahr bauen soll.
Ein potenzielles Konfliktthema ist die Dürre, über die am Mittwoch beraten werden soll. Die SPD-Minister drängen auf eine Grundgesetzänderung, die dem Klimaschutz eine noch zentralere Rolle einräumen soll. Die Union will zunächst die vorhandenen Möglichkeiten ausschöpfen. Hier ist – wie auch Regierungssprecher Steffen Kornelius im Vorfeld betonte – mit keiner Beschlussfassung zu rechnen. Zunächst müsse man Folgen von Hitze und Dürre detailliert untersuchen.
Vor allem die Ministerpräsidenten in den ostdeutschen Ländern werden mit großem Interesse auf die Kabinettsgespräche zu den geplanten Rentenreformen blicken. In ihren Reihen gibt es heftige Widerstände gegen die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren.
Bas gegen Aufschnüren des Rentenpakets – CDA fordert „faire“ Reformen
Bundessozialministerin Bärbel Bas will hingegen an der vereinbarten Reform festhalten und das Paket nicht mehr aufschnüren. Unterdessen hat auch CDA-Chef Dennis Radtke gemahnt, Reformen dürften nicht dazu führen, dass „vor allem diejenigen belastet werden, die arbeiten und Beiträge zahlen“. Reformen müssten „fair sein“, so Radtke.
Der CDA-Vorsitzende forderte die Koalitionsparteien auf, nach Ende der Sommerpause auch an ihrem Erscheinungsbild zu arbeiten. Die Zielbestimmung müsse lauten: „Weniger öffentliche Selbstbeschäftigung, weniger tägliche neue Einzelvorschläge – dafür mehr gemeinsamer Kurs.“
Das Handwerk steuert auf das vierte Jahr in Folge mit steigenden Neuvertragszahlen bei der Ausbildung zu. (Archivbild) - Foto: Monika Skolimowska/dpa
Im Handwerk steigen gegen den Trend in der Gesamtwirtschaft die Ausbildungszahlen. Handwerkspräsident Jörg Dittrich sprach von einem Lichtblick in einer insgesamt schwierigen Lage. „Wir steuern auf das vierte Jahr in Folge mit steigenden Neuvertragszahlen zu“, sagte Dittrich der Deutschen Presse-Agentur.
Zwischen Januar und Juni 2026 seien bereits knapp 67.800 neue Ausbildungsverträge in die Lehrlingsrollen eingetragen – über 3.160 Verträge beziehungsweise 4,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
„Einen so hohen Juni-Wert hatten wir zuletzt 2018. Das ist eine nachdrückliche Botschaft: Junge Menschen entscheiden sich bewusst für das Handwerk.“ Obwohl das Ausbildungsjahr in vielen Bundesländern bereits Anfang August beginne, sei ein Ausbildungsstart noch bis weit in den Herbst hinein möglich.
„Allein über die Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern werden derzeit noch Auszubildende für 20.460 offene Ausbildungsstellen gesucht.“
Gegen den Trend
In einigen Kammerbezirken gebe es sogar zweistellige Zuwächse. Handwerk biete sichere und gute Jobs, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. „Ein Beispiel ist ein Elektromeister aus Stuttgart mit einem Betrieb von 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Er hatte über Jahre Schwierigkeiten, seine drei oder vier Ausbildungsplätze im Umfeld der Automobilindustrie zu besetzen. Jetzt hat er 90 Bewerbungen.“ Hintergrund ist, dass viele Industriebranchen in einer Krise stecken.
Dittrich nannte mehrere Gründe für die steigenden Ausbildungszahlen im Handwerk. „Erstens: KI. Junge Menschen erkennen, dass das Handwerk eine echte Alternative bietet, wenn sie einen sicheren Job haben wollen.“
Zweitens seien die Imagekampagne des Handwerks und Werbebemühungen offensichtlich in der Gesellschaft angekommen. Drittens hätten sich die Verdienst- und Karrieremöglichkeiten im Handwerk verbessert.
„Und viertens: Teile der Industrie haben die Zahl ihrer Ausbildungsplätze aufgrund der Weltmarktlage massiv verringert.“
Mehr Geld für Bildungszentren
Die Verantwortung des Handwerks bei der Ausbildung müsse entsprechend gewürdigt werden, forderte Dittrich. Die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung müsse endlich gesetzlich verankert werden.
„Und sie muss an der finanziellen Ausstattung deutlich werden.“ Die Bildungszentren hätten erheblichen Sanierungsbedarf.
„Dieser darf nicht nur benannt, sondern muss auch finanziell hinterlegt werden. Es kann nicht sein, dass wir junge Menschen in Bildungszentren schicken, die 30, 40 oder 50 Jahre alt sind und dringend modernisiert werden müssen“, sagte Dittrich.
„Dieser Sanierungsstau muss genauso ernst genommen werden wie bei maroden Brücken. Die Bildungszentren müssen saniert werden und dafür ist die Ausfinanzierung bisher nicht gegeben.“
Dittrich wandte sich gegen Kürzungen. So solle das Programm „Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen“ Ende 2027 auslaufen. Über Jahre entstandene regionale Netzwerke dürften nicht aufs Spiel gesetzt werden. (dpa/red)
„Die Vorsteher der Tuchmacherzunft“ (1662) von Rembrandt van Rijn. - Foto: gemeinfrei
In den unruhigen Jahrhunderten nach dem Untergang des Römischen Reiches war die Wirtschaft in Europa vorwiegend landwirtschaftlich geprägt. Doch ab dem 11. Jahrhundert erlebten Städte, Handel und Gewerbe einen kräftigen Aufschwung – und mit ihnen die Zünfte und Gilden, die bis ins 16. Jahrhundert hinein ihre Blütezeit hatten. Diese Arbeiterverbände sicherten sich einen zentralen Platz im wirtschaftlichen, politischen, religiösen und gesellschaftlichen Leben des Mittelalters. Sie schafften es zumindest für eine gewisse Zeit, Stabilität und Qualität in den frühen Formen der Industrie aufrechtzuerhalten.
„Zünfte hatten einen wesentlichen Zweck: den Schutz vor Wettbewerb“, schrieb Paul Murray Kendall in dem Aufsatz „The Age of Chivalry and The Renaissance“. Detaillierte und streng durchgesetzte Vorschriften legten Arbeitszeiten, Preise, Qualitätsstandards sowie die Anzahl der Lehrlinge und Gesellen fest, die ein Meister beschäftigen durfte. Durch die Aufrechterhaltung von Qualitätsstandards, Lohnsätzen und Arbeitsvorschriften sowie durch die Einschränkung des Wettbewerbs sorgten die Zünfte für Stabilität und Gerechtigkeit in den diversen Wirtschaftszweigen. Henri Pirenne schrieb dazu in „Economic and Social History of Medieval Europe“: „Das Ideal waren stabile Verhältnisse in einer stabilen Wirtschaft.“
Es gab zwei Hauptarten mittelalterlicher Zünfte beziehungsweise Gilden: Kaufmannsgilden und Handwerkszünfte. Die Kaufmannsgilden entstanden zuerst. Gegen Ende des sogenannten dunklen Zeitalters schlossen sich umherziehende Händler zusammen, um sich gegenseitig Schutz zu bieten und ihre Interessen gemeinsam zu vertreten. Aus diesen zunächst lockeren Vereinigungen entwickelten sich nach und nach rechtlich anerkannte Körperschaften, die den Handel in ihrer jeweiligen Stadt regelten und überwachten. Aus den reisenden Händlern wurden schließlich wohlhabende Kaufleute, die ihre Waren durch Beauftragte vertreiben ließen, während sie selbst in den aufstrebenden Städten zunehmend wirtschaftlichen Einfluss und politische Macht gewannen.
Kontrolle, Qualität und Schutz vor Konkurrenz
Wie in der Ausgabe der „Catholic Encyclopedia“ von 1913 erläutert wird, ließen die Kaufmannsgilden das Recht auf den Kauf und Verkauf von Lebensmitteln offen, regulierten jedoch den Handel mit praktisch allen anderen Waren. Die Gilden schränkten den Handel mit den Waren ein, auf die sie sich spezialisiert hatten, und verhängten Geldstrafen gegen diejenigen, die beim Handel ohne Mitgliedschaft in der örtlichen Gilde erwischt wurden.
Gegen Ende des 11. Jahrhunderts begannen sich Zünfte von Handwerkern und Kunsthandwerkern zu bilden, die sich an den Kaufmannsgilden orientierten. Diese Berufsverbände entstanden unter dem Einfluss zweier gleichzeitig wirkender Faktoren: Einerseits wollten die Stadtverwaltungen das Handwerk in ihren Gebieten regulieren, andererseits suchten die Handwerker den Zusammenhalt, um sich gegenseitig zu unterstützen, wohltätige Aufgaben zu übernehmen und sich gegen die Konkurrenz neuer Marktteilnehmer zu behaupten.
„Die dringende Notwendigkeit, zusammenzuhalten, um dem Wettbewerb durch Neuankömmlinge standzuhalten, muss sich von Beginn des industriellen Zeitalters an bemerkbar gemacht haben“, schrieb Pirenne. Somit „lässt sich der Ursprung der Zünfte auf das Wirken zweier Faktoren zurückführen: staatliche Autorität und freiwilliger Zusammenschluss“.
Die Handwerkszünfte behielten die Ausübung ihres jeweiligen Handwerks ihren Mitgliedern und ausschließlich diesen vor. Die Zünfte wollten die Handwerker nicht nur vor äußerer Konkurrenz schützen, sondern auch vor Wettbewerb untereinander. Sie regelten, welche Arbeiten Handwerker ausführen durften und welche Qualitäts- und Preisvorgaben dabei einzuhalten waren.
Wie Pirenne hervorhob, „behielt sich die Zunft den städtischen Markt ausschließlich für lokale Handwerker vor, schloss ihn für ausländische Produkte aus und sorgte gleichzeitig dafür, dass kein Mitglied des Berufsstands auf Kosten der anderen reich wurde“. Somit stellte die strenge Regulierung der Arbeit der Handwerker nicht nur die Qualität der Produkte sicher, sondern bewahrte auch eine relative Gleichheit unter allen Mitgliedern des Berufsstands.
Diese Vorschriften wurden durch unangekündigte Besuche städtischer Aufseher sowie durch die ständige Beobachtung durch die Öffentlichkeit durchgesetzt: Die Zunftmitglieder waren verpflichtet, an ihrem Fenster zu arbeiten, sodass man sie dabei beobachten konnte. Bei Betrug oder Nachlässigkeit drohten strenge Strafen. Die Zünfte unterhielten eigene Gerichtssysteme, um Zunftmitglieder, die des Betrugs, der mangelhaften Ausführung, des unlauteren Wettbewerbs oder anderer Verstöße für schuldig befunden wurden, zu verurteilen und sie gegebenenfalls mit Geldstrafen zu belegen.
Heimat des Handwerks
Für nahezu jeden mittelalterlichen Handwerksberuf – Färber, Glasbläser, Goldschmiede, Pflasterer, Tischler, Kistenbauer, Sattler und Schneider – gab es eine entsprechende Zunft. Sie alle hatten ihre eigene Zunft.
Ein Färber, 1433.
Foto: gemeinfrei | Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung, Band 1. Nürnberg 1426–1549. Stadtbibliothek Nürnberg
Diese Zünfte prägten die Identität der Arbeiter nicht nur auf wirtschaftlicher Ebene. Oft verfügten sie über Zunfthäuser, in denen Bankette, Veranstaltungen und Versammlungen stattfanden. Die Zünfte wählten zudem Schutzheilige aus und verfügten unter Umständen sogar über eine eigene Kapelle für ihre Andachten. An religiösen Festtagen zogen die Zünfte gemeinsam in Prozessionen unter ihrem jeweiligen Banner oder Wappen.
Darüber hinaus erfüllten Zünfte wichtige soziale und karitative Aufgaben und bildeten eine Art Sicherheitsnetz für Bedürftige. Sie kümmerten sich um Kranke und Waisen und boten ihren Mitgliedern eine für die damalige Zeit bemerkenswerte soziale Absicherung. Im Krankheitsfall konnten sie mit Unterstützung rechnen, Witwen erhielten Versorgung und häufig wurden sogar die Bestattungskosten von der Zunft übernommen. Die Zünfte bemühten sich zudem darum, dass solche Unterstützungsleistungen gar nicht erst erforderlich wurden. So engagierten sich die Bergwerkszünfte beispielsweise für sichere und menschenwürdige Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder.
Einige Zünfte und Gilden übten auch politische Macht aus, insbesondere die Kaufmannsgilden. Manche Zünfte und Gilden waren selbstverwaltet und besetzten häufig wichtige Positionen in der Kommunalverwaltung mit ihren Mitgliedern, um die Interessen ihrer Branchen zu vertreten. Die Politik der Zünfte und Gilden selbst wurde von einer Handvoll Amtsträgern und einem Rat von Beratern bestimmt.
Aufstieg, Erstarrung und Niedergang
Im Zunftwesen kam es selten vor, dass ein einzelner Handwerker seine Kollegen in Bezug auf Reichtum oder Status in erheblicher Weise übertraf. Wie Pirenne es formulierte, verschaffte das Zunftwesen „den Arbeitern eine sichere Stellung und hinderte sie daran, darüber hinaus aufzusteigen“. Das Kapital eines Handwerkers bestand aus seinem eigenen Haus, seiner Werkstatt und seinen Werkzeugen. Hinsichtlich der Anzahl der Mitarbeiter, die er einstellen durfte, und der Größe des Betriebs, den er aufbauen konnte, gab es strenge Begrenzungen.
Dennoch bot das Zunftwesen Möglichkeiten zum sozialen Aufstieg. Wer ein Handwerk erlernen wollte, trat in der Regel bereits als Jugendlicher, manchmal sogar als Kind, als Lehrling in die Werkstatt eines Meisters ein. Unter dessen Anleitung arbeitete er dann in seinem Gewerbe. Die Meister besaßen ihre eigene Werkstatt, verfügten über Werkzeuge und Materialien und galten als erfahrene, hoch angesehene Handwerker. Als selbstständige Unternehmer gehörten sie zum exklusiven Kreis der Zunftmitglieder und genossen sowohl fachliches Ansehen als auch gesellschaftliches Prestige. In ihrer Werkstatt arbeiteten in der Regel ein oder zwei Lehrlinge sowie ein Geselle.
Ein mittelalterlicher Bäcker mit seinem Lehrling. The Bodleian Library, Oxford, England.
Foto: gemeinfrei
Die Gesellen – bezahlte Arbeiter, die ihre Lehre abgeschlossen hatten, aber noch nicht den Meistertitel erlangt hatten – standen zwischen Lehrlingen und Meistern. Um diese Stufe zu erreichen, mussten sie ihre Kompetenz unter Beweis stellen, indem sie ein Werkstück anfertigten, das von den anderen Zunftmitgliedern geprüft und genehmigt wurde. Dieses Werkstück wurde als „Meisterstück“ bezeichnet und ermöglichte es einem angehenden Handwerker, vom Gesellen zum Meister aufzusteigen und eine eigene Werkstatt zu eröffnen.
Die „Encyclopedia Britannica“ stellte fest: „In ihrer Blütezeit vom 12. bis zum 15. Jahrhundert sorgten die mittelalterlichen Kaufmannsgilden und Handwerkszünfte in ihren Städten und Gemeinden für eine gute Verwaltung und eine stabile wirtschaftliche Grundlage. Sie unterstützten wohltätige Einrichtungen und bauten Schulen, Straßen und Kirchen.“
Gleichzeitig neigte das Zunftwesen dazu, technischen Neuerungen entgegenzustehen, da diese zu Ungleichheiten unter den Handwerkern führen konnten. Im Laufe der Zeit legten die Meister zudem immer höhere Hürden für den Aufstieg innerhalb der Zunft fest – vom Lehrling zum Gesellen und vom Gesellen zum Meister. Das System erstarrte zunehmend, wurde immer weniger praktikabel und immer ungerechter. Im Laufe der Jahrhunderte verlor es an Einfluss und Bedeutung. Als die Zünfte während und nach der Aufklärung offiziell abgeschafft wurden, besaßen sie längst nicht mehr die Macht und das Gewicht früherer Zeiten.
Alte Ordnung mit modernen Fragen
Trotz ihrer Mängel sind Zünfte ein interessantes historisches Beispiel für eine wirtschaftliche Einheit, die im besten Fall sowohl den Interessen der Produzenten als auch denen der Verbraucher dienen konnte. Sie dämpften die verheerenden Auswirkungen eines ungebremsten industriellen oder technologischen Wachstums, das oft mit der Ausbeutung von Arbeitern einherging, und wahrten gleichzeitig die Freiheit von Arbeitern und Unternehmern, ihre Situation zumindest bis zu einem gewissen Grad voranzubringen und zu verbessern. Durch ihre religiösen und sozialen Dimensionen erhielten die Arbeiter zudem eine Identität und ein Gemeinschaftsgefühl. In Zeiten der Not wurden ihre Bedürfnisse gedeckt, ohne dass sie auf Almosen angewiesen waren.
In der späteren Debatte zwischen Kapitalismus und Sozialismus nahmen die Zünfte eine interessante Zwischenposition ein. Durch das Zunftsystem wurde verhindert, dass einzelne Unternehmen so viel Macht und Reichtum erlangten, dass sie andere aus dem Geschäft drängten oder eine Vielzahl von Arbeitnehmern unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen ausbeuteten.
In einem Zunftsystem könnte es nie zu einer Situation kommen, in der Unternehmen so mächtig sind wie Regierungen, wie wir es derzeit bei den „Big Tech“-Unternehmen beobachten. Gleichzeitig übergaben die Zünfte die Produktionsmittel weder an den Staat noch an die Gemeinschaft. Die einzelnen Arbeiter behielten das Eigentum an ihren Betrieben und ein gewisses Maß an Freiheit, um ihren Lebensstandard zu verbessern. Sie waren nicht vom Staat abhängig und, obwohl die Zunft den Arbeitern viel abverlangte, nicht von ihr versklavt. Sie gab ihnen ebenso viel, wie sie von ihnen verlangte.
Die Branche will, dass das Sonntagsbackverbot aufgehoben wird. - Foto: Soeren Stache/dpa
Das Handwerk drängt auf eine schnelle Abschaffung des „Sonntagsbackverbots“. „Im Koalitionsvertrag steht, dass für Bäcker und Konditoren das Sonntagsbackverbot aufgehoben wird. Bitte umsetzen“, sagte Handwerkspräsident Jörg Dittrich.
„Ich verstehe nicht, warum wir immer noch weiter darüber diskutieren. Es ist eine große Ungerechtigkeit, dass Backstationen an der Tankstelle sonntags Teiglinge aufbacken dürfen und dem Handwerksbäcker erklärt wird: Du darfst es nicht, weil du Bäcker bist.“
Arbeitszeitgesetz erlaubt nur drei Stunden, um Backwaren herzustellen
Es werde mit zweierlei Maß gemessen, sagte Dittrich. „Es soll mir bitte keiner erzählen, dass die Zukunft Deutschlands davon abhängt, ob einige Hundert Menschen sonntags einige Stunden arbeiten. Zumal viele Beschäftigte diese Zeiten bewusst wählen, weil sie dafür gute Zuschläge erhalten und mehr Geld verdienen, und dafür beispielsweise an einem anderen Tag frei haben.“
Nach dem Arbeitszeitgesetz dürfen Bäckereien bisher an Sonn- und Feiertagen nur bis zu drei Stunden Backwaren herstellen und an diesem Tag verkaufen.
Im Koalitionsvertrag heißt es, der sogenannte Ausnahmekatalog im Arbeitszeitgesetz für Sonn- und Feiertagsbeschäftigung solle um das Bäckereihandwerk erweitert werde. Die Spitzen der Koalition hatten Anfang Juli vereinbart, dass die Änderungen für Bäckereien zum 1. Januar 2027 in Kraft treten sollen.
Bisher fehlt ein Gesetzentwurf. Mitte Juni war ein erster Entwurf zur Änderung des Arbeitszeitgesetzes aus dem zuständigen Arbeitsministerium durchgesickert.
Demnach sollen Beschäftigte an Sonn- und Feiertagen künftig bis zu fünf Stunden für die Herstellung von Backwaren sowie bis zu drei Stunden für das Austragen und Ausfahren eingesetzt werden können.
Aus Kreisen des Ministeriums wurde darauf verwiesen, dass der bekanntgewordene Entwurf in einem frühen Stadium sei und im Haus noch abgestimmt werde. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks hatte kritisierte, es drohe erneut eine Sonderregelung mit andauernden Wettbewerbsnachteilen.
CDU, CSU und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, für mehr Flexibilität „die Möglichkeit einer wöchentlichen anstatt einer täglichen Höchstarbeitszeit“ zu schaffen. Gewerkschaften lehnen eine Abschaffung des Acht-Stunden-Tags vehement ab. Sie warnen etwa vor einer Aufweichung des Gesundheitsschutzes.
„Niemand möchte den generellen Acht-Stunden-Tag abschaffen“, sagte Dittrich. „Aber in Zeiten von Digitalisierung, Work-Life-Balance und Disruption in vielen Bereichen muss es aus meiner Sicht doch machbar sein, Betrieben und Beschäftigten mehr Flexibilität einzuräumen und ihnen die Chance zu geben, neue Modelle auszuprobieren.“ Der Acht-Stunden-Tag solle erhalten bleiben, aber es müsse mehr Flexibilität geben.
„Gesundheitsschutz wird ab einer gewissen Grenze ein Totschlagargument gegen Veränderungen“, sagte der Handwerkspräsident. „Auch eine monotone Tätigkeit kann bereits nach kurzer Zeit zu Belastungen führen. Pauschal den Gesundheitsschutz als Argument ins Feld zu führen, greift heutzutage zu kurz.“ (dpa/red)
Bundeskanzler Friedrich Merz bei einer Kabinettssitzung (Symbolbild). - Foto: via dts Nachrichtenagentur
HEUTE11:43 Uhr
Merz schließt Kabinettsumbildung nicht aus
Bundeskanzler Friedrich Merz schließt nach dem Rücktritt von Jens Spahn eine Kabinettsumbildung nicht aus. Zu Kanzleramtschef Thorsten Frei, der als möglicher Nachfolger von Spahn genannt wird, sagte Merz, dass er nicht wisse, wer Frei zum „Top-Kandidaten“ ernannt habe – er höre das „zum ersten Mal“. Merz schloss diese Personallösung auch nicht aus.
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HEUTE11:05 Uhr
SPD will im Herbst Vermögens- und Erbschaftssteuer angehen
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf kündigt harte Debatten mit der Union nach der Sommerpause über die Vermögensteuer und eine höhere Erbschaftsteuer an. Ende 2026 wird ein Urteil aus Karlsruhe zur Erbschaftsteuer. Spätestens dann werde auch die Union eingestehen müssen, „dass wir eingreifen müssen“. Die Vermögensteuer wird seit 1997 de facto nicht mehr erhoben.
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HEUTE10:45 Uhr
Italiens Gemeinden mit Millionen-Einnahmen durch Temposünder
Eine der wichtigsten Einnahmequellen für italienische Gemeinden sind Bußgelder wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen. Nach einer Analyse von Facile.it kamen die Kommunalen dabei 2025 auf 284 Millionen Euro. An der Spitze stehen Florenz (19,7 Millionen Euro), Bologna (9,2 Millionen) und Mailand (6,9 Millionen). Überraschend sei Villapiana in der Provinz Cosenza: etwas mehr als 5.600 Einwohner, fast 7 Millionen Euro Einnahmen.
Ein Supersportwagen von TS Automobili Modena in Norditalien. Die italienische Region Emilia-Romagna gilt das „Motor Valley“, ein Gebiet, das eine der höchsten Konzentrationen an Luxus-Sportwagen und -Motorrädern der Welt aufweist – und auch die Heimat von Lamborghini und Ferrari, Maserati, Ducati ist.
Foto: Marco Bertorello/AFP via Getty Images
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HEUTE10:09 Uhr
Weltweite Reisewarnung für US-Bürger
Das US-Außenministerium gab wegen den steigenden Spannungen mit dem Iran am 18. Juli eine weltweite Reisewarnung für seine Bürger heraus. US-Bürger sollten nicht nur im Nahen Osten, sondern weltweit „erhöhte Vorsicht walten lassen“. Außenminister Marco Rubio fügte auch an, dass iranische Proxy-Netzwerke „immer eng mit linken militanten Gruppen auf der ganzen Welt verbunden sind“.
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HEUTE10:03 Uhr
Militär in Kuwait meldet Abwehr iranischer Angriffe
Das Militär in Kuwait meldet, neue iranische „feindliche Raketen- und Drohnenangriffe“ abzuwehren. In Kuwait-Stadt ertönte Sirenenalarm. Die iranischen Streitkräfte hatten zuvor laut Staatsfunk gesagt, als Reaktion auf jüngste US-Attacken hätten sie US-Militärstützpunkte in Kuwait mit Drohnen angegriffen.
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HEUTE9:45 Uhr
Nach Sturz von DB-Mitarbeiter: GDL fordert Konsequenzen
Die Lokführergewerkschaft fordert rechtliche Konsequenzen nach dem Sturz eines Bahners aus einem fahrenden Zug. Es sei kein Sicherheitsgipfel oder rund Tisch nötig, sondern „Entscheidungen der Justiz“, sagte GDL-Chef Mario Reiß. „Wir brauchen Gesetzesänderungen und wir brauchen das Durchgriffsrecht.“
Südkoreas Regierung will die Landeswährung langfristig zu einer „frei konvertierbaren Währung“ zu machen. Das teilte das Finanzministerium mit und stellte einen Fahrplan zur Internationalisierung des Won vor. Dieser sieht auch vor, dass Ausländer die Währung künftig im Ausland ohne größere Hürden erwerben und nutzen können.
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HEUTE8:40 Uhr
Hagel-Verletzte bei Konzert in Mailand
Wegen eines heftigen Hagelschauers ist ein Konzert des puerto-ricanischen Sängers Bad Bunny in Mailand abgebrochen worden. Rund 80.000 Menschen mussten das Ippodromo SNAI San Siro verlassen. Laut Feuerwehr wurden mehrere Zuschauer von großen Hagelkörnern am Kopf getroffen und verletzt. Bad Bunny (32) ist für seinen Musik-Mix aus Reggaeton, Latin Trap und Pop bekannt.
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HEUTE8:03 Uhr
TV-Legende Gottschalk ist „momentan krebsfrei“
„Wetter dass“-Legende Thomas Gottschalk ist nach eigenen Angaben „momentan krebsfrei“. Die jüngste Untersuchung habe ergeben, dass er keinerlei Krebszellen mehr im Körper habe, sagte Gottschalk. „Das ist eine gute Nachricht, und ich bin natürlich entsprechend froh, dass ich diese Auskunft geben kann.“
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HEUTE7:37 Uhr
Merz sucht neuen Fraktionsvorsitzenden
Nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn will Kanzler Friedrich Merz die Nachfolge zügig klären – vor seiner Ende Juli geplanten Urlaubszeit. Genannt werden häufig Kanzleramtschef Thorsten Frei sowie Generalsekretär Carsten Linnemann, auch Innenminister Alexander Dobrindt ist im Gespräch. Übergangsweite übernahm Spahns Stellvertreter Alexander Hoffmann die Amtsgeschäfte.
Am 12. Juli brach in der Restaurant-Bar „Rong Beer Na Lat Phrao“ in Bangkok während eines Konzerts ein Brand aus. Mittlerweile wird von 34 Toten gesprochen, laut Behörden wurden 77 weitere Menschen verletzt. Ein Bauexperte sagte AFP, es seien keine Sicherheitssysteme vorhanden gewesen, die bei Veranstaltungen mit Live-Musik und vielen Menschen notwendig seien.
Kriminaltechniker untersuchen am 13. Juli 2026 die Brandspuren in der Bar „Rong Beer Na Lat Phrao“ in Bangkok.
Foto: Lillian Suwanrumpha/AFP via Getty Images
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HEUTE6:45 Uhr
Russland greift Kiew an
Einen Tag nach ukrainischen Angriffen auf Russland mit mehreren Toten hat die russische Armee Kiew mit ballistischen Raketen angegriffen. Laut Bürgermeister Klitschko und den Behörden lösten die Angriffe Brände aus und beschädigten Gebäude. Russlands Verteidigungsministerium teilte mit, Ziele seien ein großes Logistikzentrum der Post für die Lagerung von Bauteilen für Waffen sowie mehrere Betriebe für die Produktion von Raketenkomponenten gewesen.
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HEUTE6:27 Uhr
Brand im Müritz-Nationalpark – Hubschraubereinsatz beendet
Trotz Fortschritten bei den Löscharbeiten wird der Waldbrand im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern nach Behördenangaben am östlichen Rand weiter „aktiv bekämpft“. Etwa 370 Einsatzkräfte und eine Spezialeinheit aus Niedersachsen sind im Einsatz, die Hubschrauber ziehen ab. Weiterhin gebe es aber keinen Niederschlag, die Fläche wird weiterhin benässt.
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HEUTE5:45 Uhr
USA und Iran wollen Rache – neue US-Luftangriffe
Nach dem Tod zweier US-Soldaten durch iranischen Beschusses und der US-Bombardements im Iran schwören beide Seiten Rache. Das US-Militär griff in der achten Nacht in Folge Ziele im Iran an, wie das Regionalkommando CENTCOM auf X mitteilte. Sie zielten auch darauf ab, die iranischen Revolutionsgarden „schnell zu bestrafen“.
Das US-Militär greift nach dem Tod zweier US-Soldaten erneut im Iran an. (Archivbild)
Foto: Mahdi Negahban/Mehr News Agency/AP/dpa
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Steigende Ausbildungszahlen im Handwerk
Im Handwerk steigen gegen den Trend in der Gesamtwirtschaft die Ausbildungszahlen. Zwischen Januar und Juni 2026 wurden knapp 67.800 neue Ausbildungsverträge in die Lehrlingsrollen eingetragen. Das sind über 3.160 Verträge (+4,9 Prozent) mehr als im Vorjahreszeitraum.
Das Bundeskanzleramt in Berlin – der Sitz von Bundeskanzler Friedrich Merz. - Foto: via dts Nachrichtenagentur
HEUTE9:45 Uhr
Nach Sturz von DB-Mitarbeiter: GDL fordert Konsequenzen
Die Lokführergewerkschaft fordert rechtliche Konsequenzen nach dem Sturz eines Bahners aus einem fahrenden Zug. Es sei kein Sicherheitsgipfel oder rund Tisch nötig, sondern „Entscheidungen der Justiz“, sagte GDL-Chef Mario Reiß. „Wir brauchen Gesetzesänderungen und wir brauchen das Durchgriffsrecht.“
Südkoreas Regierung will die Landeswährung langfristig zu einer „frei konvertierbaren Währung“ zu machen. Das teilte das Finanzministerium mit und stellte einen Fahrplan zur Internationalisierung des Won vor. Dieser sieht auch vor, dass Ausländer die Währung künftig im Ausland ohne größere Hürden erwerben und nutzen können.
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HEUTE8:40 Uhr
Hagel-Verletzte bei Konzert in Mailand
Wegen eines heftigen Hagelschauers ist ein Konzert des puerto-ricanischen Sängers Bad Bunny in Mailand abgebrochen worden. Rund 80.000 Menschen mussten das Ippodromo SNAI San Siro verlassen. Laut Feuerwehr wurden mehrere Zuschauer von großen Hagelkörnern am Kopf getroffen und verletzt. Bad Bunny (32) ist für seinen Musik-Mix aus Reggaeton, Latin Trap und Pop bekannt.
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HEUTE8:03 Uhr
TV-Legende Gottschalk ist „momentan krebsfrei“
„Wetter dass“-Legende Thomas Gottschalk ist nach eigenen Angaben „momentan krebsfrei“. Die jüngste Untersuchung habe ergeben, dass er keinerlei Krebszellen mehr im Körper habe, sagte Gottschalk. „Das ist eine gute Nachricht, und ich bin natürlich entsprechend froh, dass ich diese Auskunft geben kann.“
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HEUTE7:37 Uhr
Merz sucht neuen Fraktionsvorsitzenden
Nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn will Kanzler Friedrich Merz die Nachfolge zügig klären – vor seiner Ende Juli geplanten Urlaubszeit. Genannt werden häufig Kanzleramtschef Thorsten Frei sowie Generalsekretär Carsten Linnemann, auch Innenminister Alexander Dobrindt ist im Gespräch. Übergangsweite übernahm Spahns Stellvertreter Alexander Hoffmann die Amtsgeschäfte.
Am 12. Juli brach in der Restaurant-Bar „Rong Beer Na Lat Phrao“ in Bangkok während eines Konzerts ein Brand aus. Mittlerweile wird von 34 Toten gesprochen, laut Behörden wurden 77 weitere Menschen verletzt. Ein Bauexperte sagte AFP, es seien keine Sicherheitssysteme vorhanden gewesen, die bei Veranstaltungen mit Live-Musik und vielen Menschen notwendig seien.
Kriminaltechniker untersuchen am 13. Juli 2026 die Brandspuren in der Bar „Rong Beer Na Lat Phrao“ in Bangkok.
Foto: Lillian Suwanrumpha/AFP via Getty Images
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HEUTE6:45 Uhr
Russland greift Kiew an
Einen Tag nach ukrainischen Angriffen auf Russland mit mehreren Toten hat die russische Armee Kiew mit ballistischen Raketen angegriffen. Laut Bürgermeister Klitschko und den Behörden lösten die Angriffe Brände aus und beschädigten Gebäude. Russlands Verteidigungsministerium teilte mit, Ziele seien ein großes Logistikzentrum der Post für die Lagerung von Bauteilen für Waffen sowie mehrere Betriebe für die Produktion von Raketenkomponenten gewesen.
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HEUTE6:27 Uhr
Brand im Müritz-Nationalpark – Hubschraubereinsatz beendet
Trotz Fortschritten bei den Löscharbeiten wird der Waldbrand im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern nach Behördenangaben am östlichen Rand weiter „aktiv bekämpft“. Etwa 370 Einsatzkräfte und eine Spezialeinheit aus Niedersachsen sind im Einsatz, die Hubschrauber ziehen ab. Weiterhin gebe es aber keinen Niederschlag, die Fläche wird weiterhin benässt.
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HEUTE5:45 Uhr
USA und Iran wollen Rache – neue US-Luftangriffe
Nach dem Tod zweier US-Soldaten durch iranischen Beschusses und der US-Bombardements im Iran schwören beide Seiten Rache. Das US-Militär griff in der achten Nacht in Folge Ziele im Iran an, wie das Regionalkommando CENTCOM auf X mitteilte. Sie zielten auch darauf ab, die iranischen Revolutionsgarden „schnell zu bestrafen“.
Das US-Militär greift nach dem Tod zweier US-Soldaten erneut im Iran an. (Archivbild)
Foto: Mahdi Negahban/Mehr News Agency/AP/dpa
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Steigende Ausbildungszahlen im Handwerk
Im Handwerk steigen gegen den Trend in der Gesamtwirtschaft die Ausbildungszahlen. Zwischen Januar und Juni 2026 wurden knapp 67.800 neue Ausbildungsverträge in die Lehrlingsrollen eingetragen. Das sind über 3.160 Verträge (+4,9 Prozent) mehr als im Vorjahreszeitraum.
Ein Bundeswehr-Hubschrauber wirft Löschwasser über einem Waldbrand im Müritz-Nationalpark ab - Foto: Jens Büttner/dpa
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HEUTE7:21 Uhr
Nach Brand in Bangkoker Lokal: 34 Tote
Am 12. Juli brach in der Restaurant-Bar „Rong Beer Na Lat Phrao“ in Bangkok während eines Konzerts ein Brand aus. Mittlerweile wird von 34 Toten gesprochen, laut Behörden wurden 77 weitere Menschen verletzt. Ein Bauexperte sagte AFP, es seien keine Sicherheitssysteme vorhanden gewesen, die bei Veranstaltungen mit Live-Musik und vielen Menschen notwendig seien.
Kriminaltechniker untersuchen am 13. Juli 2026 die Brandspuren in der Bar „Rong Beer Na Lat Phrao“ in Bangkok.
Foto: Lillian Suwanrumpha/AFP via Getty Images
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HEUTE6:45 Uhr
Russland greift Kiew an
Einen Tag nach ukrainischen Angriffen auf Russland mit mehreren Toten hat die russische Armee mehrere Ziele in der ukrainischen Hauptstadt Kiew mit ballistischen Raketen angegriffen. Laut Bürgermeister Klitschko und den Behörden lösten die Angriffe Brände aus und beschädigten Gebäude in mehreren Stadtteilen.
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Brand im Müritz-Nationalpark – Hubschraubereinsatz beendet
Trotz Fortschritten bei den Löscharbeiten wird der Waldbrand im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern nach Behördenangaben am östlichen Rand weiter „aktiv bekämpft“. Etwa 370 Einsatzkräfte und eine Spezialeinheit aus Niedersachsen sind im Einsatz, die Hubschrauber ziehen ab. Weiterhin gebe es aber keinen Niederschlag, die Fläche wird weiterhin benässt.
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USA und Iran wollen Rache – neue US-Luftangriffe
Nach dem Tod zweier US-Soldaten durch iranischen Beschusses und der US-Bombardements im Iran schwören beide Seiten Rache. Das US-Militär griff in der achten Nacht in Folge Ziele im Iran an, wie das Regionalkommando CENTCOM auf X mitteilte. Sie zielten auch darauf ab, die iranischen Revolutionsgarden „schnell zu bestrafen“.
Das US-Militär greift nach dem Tod zweier US-Soldaten erneut im Iran an. (Archivbild)
Foto: Mahdi Negahban/Mehr News Agency/AP/dpa
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Steigende Ausbildungszahlen im Handwerk
Im Handwerk steigen gegen den Trend in der Gesamtwirtschaft die Ausbildungszahlen. Zwischen Januar und Juni 2026 wurden knapp 67.800 neue Ausbildungsverträge in die Lehrlingsrollen eingetragen. Das sind über 3.160 Verträge (+4,9 Prozent) mehr als im Vorjahreszeitraum.
Ein Bundeswehr-Hubschrauber wirft Löschwasser über einem Waldbrand im Müritz-Nationalpark ab - Foto: Jens Büttner/dpa
HEUTE6:45 Uhr
Russland greift Kiew an
Einen Tag nach ukrainischen Angriffen auf Russland mit mehreren Toten hat die russische Armee mehrere Ziele in der ukrainischen Hauptstadt Kiew mit ballistischen Raketen angegriffen. Laut Bürgermeister Klitschko und den Behörden lösten die Angriffe Brände aus und beschädigten Gebäude in mehreren Stadtteilen.
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Brand im Müritz-Nationalpark – Hubschraubereinsatz beendet
Trotz Fortschritten bei den Löscharbeiten wird der Waldbrand im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern nach Behördenangaben am östlichen Rand weiter „aktiv bekämpft“. Etwa 370 Einsatzkräfte und eine Spezialeinheit aus Niedersachsen sind im Einsatz, die Hubschrauber ziehen ab. Weiterhin gebe es aber keinen Niederschlag, die Fläche wird weiterhin benässt.
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USA und Iran schwören sich Rache – neue US-Luftangriffe
Nach dem Tod zweier US-Soldaten durch iranischen Beschusses und der US-Bombardements im Iran schwören beide Seiten Rache. Das US-Militär griff in der achten Nacht in Folge Ziele im Iran an, wie das Regionalkommando CENTCOM auf X mitteilte. Sie zielten auch darauf ab, die iranischen Revolutionsgarden „schnell zu bestrafen“.
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Steigende Ausbildungszahlen im Handwerk
Im Handwerk steigen gegen den Trend in der Gesamtwirtschaft die Ausbildungszahlen. Zwischen Januar und Juni 2026 wurden knapp 67.800 neue Ausbildungsverträge in die Lehrlingsrollen eingetragen. Das sind über 3.160 Verträge (+4,9 Prozent) mehr als im Vorjahreszeitraum.
Eine traditionelle Metzgerei bietet viele Produkte aus eigener Herstellung an, darunter Wurst, Braten, Salate und Suppen. - Foto: Lynn Wu/Epoch Times
Es ist kurz nach 11 Uhr an einem gewöhnlichen Wochentag in der Markthalle Berlin-Tegel. Die Halle wirkt sauber und geordnet. Einige Fachgeschäfte präsentieren ihre Waren liebevoll dekoriert. In den Gastronomien stehen die Stühle noch kopfüber auf den Tischen. In den Gängen sind bereits Kunden unterwegs. Gelegentlich wartet jemand kurz an einer Theke, bis die Bedienung fertig ist. Ansonsten schlendern die Besucher entspannt durch die Halle, mit Einkaufstrolley, Stoffbeutel oder Plastiktüten in der Hand. Die meisten sind deutlich über 50 Jahre alt. Sie wissen genau, zu welchem Stand sie gehen und was sie kaufen wollen.
Wolfgang Büttner (Name geändert) gehört zu ihnen. Der pensionierte Zollbeamte ist in Tegel aufgewachsen und kommt mindestens einmal pro Woche hierher. Gerade hat er Bratheringe und ein Fischbrötchen gekauft. Später will er noch zum Metzger und zum Feinkoststand.
„Diese speziellen Sachen bekommt man hier natürlich optimal, auch wenn sie teurer sind.“ Teurer als im Supermarkt oder Discounter, räumt er ein. „Aber es schmeckt anders.“ Und er sei froh, „dass es diese Geschäfte noch gibt“.
Er sagt das fast beiläufig und ahnt nicht, dass die Fischhändlerin, bei der er gerade eingekauft hat, nur noch wenige Monate weitermachen wird.
„Wir hören auf“
„Wir hören auf“, sagt Pamela Dieckmann nüchtern.
Seit 17 Jahren arbeitet sie im Fischhandel, seit zehn Jahren betreibt sie ihr „Fisch Tegel“ in der Markthalle. Lachs, Matjes, hausgemachte Fischsalate und belegte Fischbrötchen – vieles stellt sie selbst her. Doch Ende des Jahres soll Schluss sein.
Die Konkurrenz der Supermärkte sei spürbar. Dort gebe es inzwischen Fisch, Käse, Feinkost und immer häufiger Produkte, die früher Spezialgeschäften vorbehalten gewesen seien. Ausschlaggebend sei das jedoch nicht.
Pamela Dieckmann betreibt „Fisch Tegel“ seit zehn Jahren.
Foto: Lynn Wu/Epoch Times
„Es ist nicht so, dass sich das Geschäft nicht lohnt. Aber wir sind an unsere Grenzen gestoßen und haben einfach keine Möglichkeit, Personal zu finden.“
In diesem Moment steht sie allein hinter der Theke, wiegt Ware ab, verpackt und kassiert. Zeit für ein längeres Gespräch hat sie kaum. Im Betrieb arbeiten nur noch ihre Tochter und eine weitere Angestellte. Urlaub, Krankheit oder andere Ausfälle werden schnell zur organisatorischen Herausforderung.
„Immer weniger Menschen wollen im Einzelhandel arbeiten. Fachbereiche wie Fisch oder Käse machen es nicht einfacher. Die junge Generation hat andere Vorstellungen.“ Sie glaubt, dass dies der Hauptgrund dafür sei, dass viele Fachgeschäfte verschwinden.
Damit bestätigt sie die Befürchtung, die Wolfgang Büttner schon länger beschäftigt. Er kommt regelmäßig hierher, auch in der Hoffnung, die verbliebenen Fachgeschäfte unterstützen zu können. „Ich kenne die Markthalle noch von früher, bevor sie umgebaut wurde.“
Die ständige Fluktuation der Stände habe er über Jahre beobachtet. „Praktisch nur noch Imbisse und die wenigen Spezialisten sind übrig geblieben – Obst, Fisch und Fleisch.“ Und er fürchtet, dass auch diese irgendwann verschwinden könnten.
Probleme mit Personal
Ein paar Schritte weiter steht Marco Stark hinter seiner Fleischtheke. Der Familienbetrieb besteht seit 1997. Vor einigen Jahren hat Stark ihn von seinem Vater übernommen.
Seit halb sechs Uhr morgens ist er bereits im Markt. Vor seiner Theke bildet sich selten eine Schlange. Eine Pause kann er sich dennoch nicht gönnen. Alle paar Minuten tritt ein Kunde heran, fragt nach einer hausgemachten Wurstsorte oder möchte wissen, welches Stück Fleisch sich für den Sonntagsbraten eignet. Stark schneidet, wiegt und berät. Zwischendurch plaudert er mit Stammkunden.
Marco Stark hat die Familienmetzgerei von seinem Vater übernommen.
Foto: Lynn Wu/Epoch Times
„Mit Rewe oder Edeka kann man beim Preis kaum mithalten“, sagt er. Darum gehe es vielen Kunden aber gar nicht. „Vielen ist wichtig, was sie kaufen und wo sie es kaufen. Die Kunden merken den Unterschied.“
Mehr als 40 Wurstsorten, Schmalz, Kassler und verschiedene Braten stellt der Betrieb selbst her. Genau das unterscheidet handwerkliche Fachgeschäfte heute von den Kühlregalen der Supermärkte: Eigenproduktion, Fachwissen und persönliche Beratung.
An Kundschaft mangelt es ihm nicht. Sein Problem liegt woanders.
„Die Kunden kommen zu uns, weil sie eine fachkundige Beratung möchten.“
Menschen aus der jüngeren Generation, die sich für Lebensmittel interessieren und bereit sind, früh mit der Arbeit zu beginnen, seien trotz intensiver Suche immer schwerer zu finden.
Studie spricht vom „sterbenden Lebensmittelhandwerk“
Dass Lebensmittelhandwerk und Fachhandel unter Druck stehen, ist keine neue Entwicklung. Besonders im ländlichen Raum zeigt sich das Problem oft noch deutlicher.
Bereits 2022 berichtete die Bäckerin Sylvia Eckstein aus dem sächsischen Auerbach, dass sie ihren Familienbetrieb schließen musste. Als Gründe nannte sie steigende Rohstoff-, Energie- und Personalkosten, fehlenden Nachwuchs sowie zunehmende Bürokratie und zahlreiche Auflagen.
Szenen, in denen eine Bäckerin bereits um 1:30 Uhr nachts mit der Vorbereitung von Brot und Brötchen beginnt, werden immer seltener. In Städten ist dies aufgrund von Lärmschutzauflagen häufig nicht mehr möglich. Auch die Inhaberin, die genau weiß, wie viele Brötchen eine Familie benötigt und welche Kuchen- oder Brotsorten ihre Kunden bevorzugen, wird zur Ausnahme.
Rund um die Markthalle Berlin-Tegel dominieren inzwischen Bäckereiketten. Selbst dort, wo einzelne Geschäfte noch ihre ursprünglichen Namen tragen, gehören sie häufig zu größeren Unternehmensverbünden. Die Waren werden zentral produziert und morgens in die Filialen geliefert.
Bäckereien und Fleischereien dienen seit Generationen als Orte der Begegnung.
Foto: Lynn Wu/Epoch Times
Die Entwicklung wird auch durch eine Studie der Universität Freiburg belegt. Zwischen 1998 und 2023 sank die Zahl der handwerklichen Fleischereien um 47 Prozent, die Zahl der Bäckereien sogar um 57 Prozent. Die Forscher sprechen vom „sterbenden Lebensmittelhandwerk“.
Parallel dazu gingen Ausbildungszahlen und Beschäftigung zurück. Im Bäcker- und Fleischerhandwerk ist die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungen in den vergangenen zwei Jahrzehnten um mehr als 75 Prozent gesunken.
Auch die Marktanteile verschieben sich. Während spezialisierte Fachgeschäfte Umsatz verlieren, bauen Supermärkte und Discounter ihre Position kontinuierlich aus.
Damit verschwindet nicht nur ein Geschäftsmodell, sondern auch ein Stück gelebte Alltagskultur.
Die Freiburger Forscher betonen, dass kleine und mittlere Unternehmen sowie Handwerksbetriebe gerade im ländlichen Raum nicht nur Wertschöpfung und Arbeitsplätze sichern, sondern auch zur Nahversorgung und sozialen Infrastruktur beitragen. Bäckereien und Fleischereien dienen seit Generationen als Orte der Begegnung und stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
„Es wird nur abgepacktes Fleisch geben“
Eine Entwicklung, die auch Wolfgang Büttner mit Bedauern verfolgt:
„„Ich bin hier in Tegel groß geworden. Meine Mutter hatte in den 1950er-Jahren einen Marktstand. Damals gab es noch einen richtigen Wochenmarkt. Jeden Morgen wurden die Planen gespannt und die Stände aufgebaut. Und es gab sehr viele Einzelhandelsgeschäfte, einen Kartoffelhändler, einen Schuhmacher oder mehrere Obststände.“
Auch die alte Markthalle habe er noch erlebt. „Dann wurde alles abgerissen und neu gebaut. Es hat sich stark verändert und das Angebot ist deutlich kleiner geworden.“
Er vermutet, dass auch die Mieten eine Rolle spielen und sich viele kleine Betriebe die Kosten nicht mehr leisten können. Ein düsteres Szenario wäre für ihn: „Der Mieter geht hier raus und dann kommt ein Nagelstudio oder ein Friseur rein.“ Im Märkischen Viertel nebenan sei genau das bereits zu beobachten.
„„Es wäre schade, wenn es so weit kommt. Dann wäre man nur noch auf Supermärkte angewiesen. Abgepacktes Fleisch, in Folie eingeschweißt oder Ähnliches.“
Noch nicht ganz hoffnungslos?
Die Freiburger Studie nennt mehrere Ursachen für den Strukturwandel. Kleine Handwerksbetriebe leiden unter hohen Hygiene-, Dokumentations- und Bürokratieauflagen, die ursprünglich für industrielle Produktionsstrukturen entwickelt wurden. Gleichzeitig verändert sich das Konsumverhalten. Immer mehr Verbraucher greifen zu schnell verfügbaren Convenienceprodukten, was großen Handels- und Lebensmittelkonzernen zugutekommt.
Hinzu kommen Wettbewerbsnachteile bei Personal, Kapital und Innovationen.
Seit Jahren fordern Branchenverbände mehr Entbürokratisierung, Innovationsförderung sowie bessere Folgen- und Kostenabschätzungen neuer Regelungen statt zusätzlicher Detailvorgaben. Die seit 2020 geltende Bonpflicht sowie in einigen Kommunen eingeführte Verpackungssteuern gelten in vielen Betrieben als Beispiele für einen wachsenden bürokratischen Aufwand, der kleine Fachgeschäfte überproportional belastet.
Um Beschäftigte in Mangelberufen zu halten, sind laut Bertelsmann Stiftung höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Aufstiegsmöglichkeiten nötig. Darüber hinaus könne eine stärkere gesellschaftliche Wertschätzung beruflicher Ausbildung entscheidend sein, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.
Ganz hoffnungslos sehen die Freiburger Forscher die Entwicklung jedoch nicht. Immer wieder gelingt es Bäckereien, Fleischereien und anderen Handwerksbetrieben, Wege zu finden, sich im Strukturwandel neu aufzustellen.
„Wir sind ein Luxussegment“
Christian Görs ist einer von ihnen. Mit einer Erweiterung seines Geschäftsmodells, familiärer Unterstützung und viel Beharrlichkeit blickt der Metzgermeister überraschend optimistisch in die Zukunft. Trotz aller Herausforderungen glaubt er sogar an eine Renaissance seines Berufs.
Seit fast 30 Jahren ist er in der Branche tätig und betreibt inzwischen zwei Metzgerfachgeschäfte in den westlichen Berliner Bezirken.
Etwas optimistischer blickt Christian Görs in die Zukunft.
Foto: Lynn Wu/Epoch Times
Hinter den Verkaufstheken befindet sich noch eine kleine Manufaktur. Kutter, Kochkessel, Kühlräume und Wurstfüller gehören zum Maschinenpark, mit dem Görs seine Produkte selbst herstellt. Handwerk bedeutet für ihn heute nicht den Verzicht auf Technik. Die kontinuierliche Modernisierung des Betriebs erfordere jedoch gerade für Unternehmen seiner Größe Mut und Investitionsbereitschaft.
Vor einigen Jahren hat er sein Angebot zudem um einen Cateringservice erweitert. Das sei eine Reaktion auf den Konsumwandel, den er in fast drei Jahrzehnten in der Branche erlebt habe.
„Was an der Bedientheke weniger geworden ist, hat man beim Catering mehr. Wenn eine Fleischerei sagt, so etwas machen wir nicht, dann ist das falsch. Man muss sich den Bedürfnissen der Kundschaft von heute anpassen.“
Der Preis sei heute oft nicht mehr das entscheidende Argument. „Das Drumherum wird wichtiger. Denn wir sind ein Luxussegment.“
Damit meint er auch, dass er in seinem Bezirk inzwischen fast der einzige verbliebene Fleischer sei. Kunden, denen Qualität und persönliche Nähe wichtig seien, kämen gezielt zu ihm.
In seinem Betrieb arbeiten rund ein Dutzend Mitarbeiter. Das Personalproblem, das andere Betriebe beklagen, kennt er kaum.
„„Wir haben in der Familie das Glück, dass wir Nachwuchs haben. Ich habe drei Söhne, zwei arbeiten bereits mit. Dieses Glück hat nicht jeder.“
Zugleich achte er sehr auf das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter. Nach eigener Aussage zahlt er bessere Löhne als viele Supermärkte.
Ein Tellerwäscher kann „der glücklichste Mensch sein“
Allerdings berichtet auch er von Problemen bei der Ausbildung junger Menschen. „Viele wollen den ganzen Tag aufs Handy schauen und fragen als Erstes: Wann ist Feierabend?
Deshalb würden manche Kollegen nur noch Lehrlinge aus dem Familien- oder Bekanntenkreis einstellen. „Es ist schlimm. Die Gesellschaft verliert an Disziplin, Respekt und Ordnung.“
Auch bei seinen Söhnen beobachte er eine veränderte Einstellung zur Arbeit. „Ich habe früher mit einer 80-Stunden-Woche angefangen. Heute ist Work-Life-Balance wichtig. Nach 35 oder 40 Stunden ist Schluss. Es ist nicht mehr wie zu meiner Zeit, von morgens bis abends, von Montag bis Sonntag.“
Gleichzeitig sieht er einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel. Früher hätten sich deutlich mehr junge Menschen für einen Handwerksberuf entschieden. Heute wollten viele studieren und stellten erst nach dem Abschluss fest, dass sie dennoch keinen passenden Job fänden.
Für Görs spiegelt sich darin ein Wandel der Werte wider. Jungen Menschen werde häufig vermittelt, dass gute Noten und ein Studium der entscheidende Weg zum Erfolg seien.
„Aber kaum jemand sagt dir, dass du glücklich werden musst mit dem, was du tust.“ Seiner Ansicht nach könne sogar ein Tellerwäscher „der glücklichste Mensch sein“, wenn Familie, Gesundheit und Lebenszufriedenheit stimmten.
Deshalb appelliert er an die Politik, das Handwerk stärker zu fördern und jungen Menschen wieder Perspektiven in diesen Berufen aufzuzeigen.
Seine Söhne habe er überzeugen können, weil er ihnen vorgelebt habe, dass sich Fleiß lohnen könne. „Die sehen ja, dass es funktionieren kann, wenn man fleißig ist und auch ein bisschen Glück hat.“
„Es wird eine Renaissance geben“
Görs ist überzeugt, dass das Ansehen des Handwerks bereits wieder steigt.
„Es ist gerade am Kippen.“
Auch in seinem persönlichen Umfeld habe er solche Erfahrungen gemacht, dass wieder junge Menschen vom Studium ins Handwerk wechselten.
Görs glaubt, dass viele junge Menschen die positiven Seiten des Handwerks wiederentdecken werden, „dass es Spaß macht, mit Kunden zu arbeiten, nette Kollegen zu haben und stolz auf das eigene Produkt zu sein“.
Für ihn gilt noch immer die alte Redewendung, dass Handwerk goldenen Boden habe. Ein Fliesenleger, der nach Feierabend auf seine Arbeit blicke und sagen könne, dass er gute Arbeit geleistet habe, empfinde Zufriedenheit und Stolz.
„„Das ist ein Stück Glück.“
Ein Stück Glück bedeutet die Fleischerei auch für seinen Kunden Frank Meißner. Seit rund 20 Jahren kauft er hier jede Woche ein und möchte Görs als letzte verbliebene Fleischerei in seiner Umgebung nicht missen.
„Hier wird noch eigene Wurst hergestellt, die sehr lecker schmeckt. Das würde man vermissen.“ Doch nicht nur die Produkte seien wichtig, auch die Gespräche mit dem Metzger und den Mitarbeitern. „Da hat man immer etwas zu lachen.“
Frank Meißner ist froh, dass er seit 20 Jahren bei der Metzgerei Görs einkaufen kann – und hoffentlich noch viele Jahre lang.
Foto: Lynn Wu/Epoch Times
Genau darin sieht Christian Görs die Zukunft des Fleischerhandwerks. Mit Fleiß, familiärer Unterstützung und einer bodenständigen Haltung könne ein solcher Betrieb weiterhin bestehen. „Das hat alles Hand und Fuß. Man hat eine Daseinsberechtigung.“
Wenige Kilometer entfernt kauft Wolfgang Büttner an diesem Vormittag seine Bratheringe, sein Fischbrötchen und später noch Fleisch für das Wochenende. Die Stände, die er seit Jahrzehnten kennt, gibt es noch, die Menschen hinter den Theken ebenfalls – noch.
Zentralverband des Deutschen Handwerks. (Archivbild) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Handwerkspräsident Jörg Dittrich verlangt von der Bundesregierung viel weitgehendere Einsparungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung als bislang geplant. Das berichtet die „Welt am Sonntag“.
„Halbherzige Schritte bringen uns nicht weiter“, sagte Dittrich der Zeitung.
Die Finanzkommission Gesundheit habe im März Sparmaßnahmen mit einem Volumen von 40 Milliarden Euro präsentiert, aufgegriffen worden seien davon nur 16 Milliarden Euro. Die vorgeschlagenen Einsparungen seien notwendig, um die Beiträge spürbar zu senken, so Dittrich. Tiefgreifende strukturelle Eingriffe seien jetzt unvermeidbar.
Handwerk leidet
Die Lohnzusatzkosten lägen bereits bei knapp 43 Prozent, Tendenz weiter steigend. „Wir brauchen dringend das politische Ziel, wieder in Richtung 40 Prozent zu kommen“, sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Das lohnintensive Handwerk leide unter steigenden Sozialbeiträgen besonders.
Die Vorschläge der Rentenkommission lobte Dittrich grundsätzlich. Auch die Abschaffung der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte sieht er positiv. „Es war der falsche Reflex, aus jedem Einzelfall eine Regel für alle zu machen. Von daher unterstütze ich die Abschaffung der Rente mit 63“, sagte Dittrich, der einen Dachdeckerbetrieb in Dresden führt. Allerdings würden die Vorschläge in der aktuellen Krisenlage kein Wachstum schaffen.
Kritik am Aus für Minijobs
Kritisch äußerte sich Dittrich zum empfohlenen Aus für Minijobs. „Da habe ich die Sorge, dass eine Abschaffung Schwarzarbeit fördert“, sagte er.
Über die kleine Gruppe, die dauerhaft nur Minijobs annehme und später auf die Unterstützung der Gemeinschaft angewiesen sei, könne man reden. Aber deshalb gleich alle Minijobs abzuschaffen, wäre falsch. Viele Minijobber seien Studenten oder Menschen mit einem Hauptjob, die sich etwas dazuverdienen wollten.
Zur Verteidigung des umstrittenen Steuerbonus für Handwerkerleistungen habe sein Verband dem Finanzministerium vorgeschlagen, eine Bagatellgrenze einzuführen und den Bonus digital abzuwickeln, um Verwaltungskosten zu sparen, sagte Dittrich.
Zudem könne man zum Beispiel gesetzlich vorgeschriebene Prüfleistungen wie beim Schornsteinfeger herausnehmen. Es gebe keinen Grund, warum diese Ausgaben steuerlich absetzbar sein sollten. Die Abschaffung des Steuerbonus hatte in der Vergangenheit unter anderem der Bundesrechnungshof gefordert, da das Ziel der Bekämpfung von Schwarzarbeit nicht erreicht worden sei. (dts/red)
Künstliche Intelligenz kann zwar Sätze liefern, aber noch lange keinen eigenen Gedanken ersetzten. - Foto: Markus Langemann, Михаил Руденко/iStock; Montage: Epoch Times
Die Empörungskurve schlägt wieder aus. Dieses zuverlässig zuckende Seismogramm unserer öffentlichen Nervosität. Steil. Erwartbar. Fast schon vorschriftsmäßig. Es geht um Medien, um Journalisten, um Texte, um künstliche Intelligenz – und also, wie immer, wenn ein Werkzeug sichtbar wird, das zuvor nur heimlich benutzt wurde, um Moral.
Stephan-Andreas Casdorff war mal Herausgeber und davor Chefredakteur des Berliner „Tagesspiegels“. Zuletzt war er dort freier Redakteur; ein Mann also, dem die Freiheit nicht nur beruflich zugestanden wurde, sondern der sie sich, wenn man den Berichten folgt, auch in einem Umfang nahm, welcher der Redaktion dann doch zu groß wurde. Er ließ Texte mit KI generieren. Das Blatt trennte sich von ihm. Nun ist er, publizistisch gesprochen, vogelfrei.
Ähnlich wie Claas Relotius, der sich die Freiheit nahm, Texte für den Spiegel – immerhin – noch selbst zu erfinden.
Die gewollte Täuschung
Nachdem das „ZDF heute journal“ mit einem Beitrag über die US-Einwanderungsbehörde ICE versuchte, ein ungekennzeichnetes, KI-generiertes Video als echt zu verkaufen, nimmt also indessen auch in der „gedruckten“ Welt die gewollte Täuschung Fahrt auf.
Mario Voigt ist Ministerpräsident in Thüringen. Nun soll er eine Neujahrsansprache, eine Trauerrede für einen Amtsvorgänger, Gastbeiträge für Mainstreammedien und sogar eine Rede zum Holocaust-Gedenktag vom Algorithmus denken lassen.
Karsten Wildberger, ehemaliger Geschäftsführer beim Mutterkonzern von MediaMarkt und Saturn, ist seit einem Jahr Bundesdigitalminister. Der erste Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung. Jüngst machte er Schlagzeilen, weil er wohl konsequenterweise seinem Amt folgend, die Reden im Bundestag, Gastbeiträge im Handelsblatt und in der FAS angeblich weitgehend von einer künstlichen Intelligenz hat erstellen lassen.
Nun, ich will mich nicht in die lange Reihe der Echauffierten eingliedern, was erwartbar wäre von einem Kolumnisten. Gestatten Sie mir also keine Empörung, sondern eine Einordnung.
Das Ansehen der Berufsgruppe der Journalisten rangiert nach einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2025 ohnehin weit abgeschlagen nach Müllmännern, Richtern und Technikern. Diese haben nach Meinung vieler mehr Bodenhaftung durch Wegräumen, Entscheiden oder Reparieren.
Der schreibende und funkende Nachwuchs werkelt ohnehin längst am Prekariatsrand, auch ein Grund, warum Sie im Hörfunk bei kleineren Sendern nicht mehr sicher sein dürfen, nur echte Stimmen zu hören. Eher auch den digitalen Klon, statt das Menschliche.
Echter als Erdbeerjoghurt?
Da stellt sich mir die Frage: Warum erwartet man ausgerechnet von jenem Berufszweig eine Echtheit, die man nicht mal von den Fabrikanten von Erdbeerjoghurt erwartet? Deren Aroma stammt zumeist auch aus dem Chemielabor. Und nur Hollywood-Solitäre wie Tom Cruise stunteten sich selbst, der Rest betrügt den Zuschauer mit einem Stuntdouble.
Auch Milli Vanilli haben nur so getan, als ob sie das könnten, was man glaubte zu hören. Ein Prinzip, das man aus der Politik schon lange kennt. Sie sprechen Reden, die andere für sie erdacht haben. Albrecht Müller, Mitherausgeber bei den „NachDenkSeiten“, machte es damals für den Wirtschaftsminister Karl Schiller. Dieter Bohlen, mehr Pop als Politik, ließ seinen Millionenseller „Nichts als die Wahrheit“ von Katja Kessler schreiben, einer Journalistin.
In der Republik der Auftragstexte ist Authentizität schon lange kein Zustand mehr, sondern eine Behauptung. Wenn also heute Texte von Journalisten nicht selbst verfasst werden, ist das nahezu erwartbar gewesen.
Das neue Informationsgold
Was bleibt, ist der Erkenntnisgewinn, dass künstliche Intelligenz zwar Sätze liefern kann, aber noch lange keinen eigenen Gedanken ersetzt. Ich bin überzeugt: Echte, also analoge humane Netzwerke werden das neue Informationsgold.
Menschen, die man mit eigenen Ohren und Augen sieht, wie sie ihre Gedanken formulieren, wie sie ihre Musik zu Gehör bringen. Mit allen imperfekten Zwischentönen, die das wahre Menschsein ausmachen.
Unmanipuliert, unoptimiert und nicht geglättet. Potenzielle Fehlbarkeit ist das künftige Prädikatsmerkmal. Handwerk hat gerade deshalb goldenen Boden, weil es uns künftig spüren lässt, dass wir uns von Humanoiden unterscheiden.
Die Lebensmittelbranche in Deutschland befindet sich laut Studie in einem tiefgreifenden Wandel. (Archivbild) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Die Lebensmittelverarbeitung in Deutschland durchläuft einen tiefgreifenden Strukturwandel, der das gesamte Ernährungssystem krisenanfälliger macht.
Das ergab eine Studie der Humboldt-Professur für Nachhaltige Ernährungswirtschaft an der Universität Freiburg, wie die Hochschule am Freitag mitteilte.
Zahl der Betriebe stark gesunken
Die Zahl der Unternehmen in der Lebensmittelverarbeitung ist demnach zwischen 2002 und 2022 bundesweit um 44 Prozent auf rund 25.000 gesunken, im Bäcker- und Fleischerhandwerk sogar um bis zu 60 Prozent.
Gleichzeitig konzentrieren große Industrieunternehmen und Handelskonzerne zunehmend Marktanteile und Macht auf sich. Im Jahr 2022 entfielen 83 Prozent des Sektorumsatzes von 238,5 Milliarden Euro auf nur 795 Großunternehmen, die selbst lediglich drei Prozent aller Firmen ausmachten.
Die Forscher um Arnim Wiek warnen vor negativen Folgen für die Versorgungssicherheit, die Artenvielfalt und die öffentliche Gesundheit. So nehme die Verfügbarkeit nährstoffreicher, handwerklich hergestellter Produkte ab, während der Anteil industriell verarbeiteter Lebensmittel mit hohem Zucker-, Salz- und Fettgehalt steige.
Forscher fordern mehr Unterstützung
Die Wissenschaftler bewerten bisherige politische Maßnahmen als unzureichend und fordern eine stärkere Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen sowie Handwerksbetriebe.
In ihrer Studie identifizieren sie vier zentrale Handlungsfelder: die Bekämpfung von Problemursachen statt kurzfristiger Projekte, eine bessere Ausrichtung von Förderprogrammen und Regulierung auf kleinere Betriebe sowie eine systematische Erfolgskontrolle von Maßnahmen. (dts/red)
Dirk Schmidt berät mittelständische Unternehmen und Handwerksbetriebe in Krisen- und Veränderungsphasen. - Foto: privat
In Kürze:
Unternehmensberater Dirk Schmidt sieht Handwerk und Mittelstand durch steigende Kosten, Fachkräftemangel und wirtschaftliche Unsicherheit belastet.
Viele Unternehmer würden Krisen unterschätzen oder zu lange hoffen, dass sich die Lage von selbst verbessert, warnt Schmidt im Interview.
Sein Appell: Probleme früh erkennen, offen kommunizieren und rechtzeitig Unterstützung holen, bevor aus wirtschaftlichem Druck eine Existenzkrise wird.
Mit mehr als 40 Jahren Erfahrung im Mittelstand weiß Unternehmensberater Dirk Schmidt, wie schnell wirtschaftliche Krisen zur Belastungsprobe werden können. Sein Appell: Nicht abwarten, bis die Probleme außer Kontrolle geraten, sondern früh handeln, Hilfe annehmen und den Mut haben, neue Wege zu gehen.
Herr Schmidt, wie geht es dem Mittelstand aus Ihrer Sicht derzeit?
Die Lage ist momentan sehr ambivalent. Es gibt durchaus Branchen, die weiterhin stabil oder sogar wachstumsstark unterwegs sind, etwa Teile der Chemieindustrie oder Unternehmen, die im Bereich der Rüstungsindustrie tätig sind. Dort wird investiert, dort gibt es Aufträge und eine gewisse Planungssicherheit. Gleichzeitig sehen wir aber einen relativ harten Schnitt in den klassischen mittelständischen Bereichen, insbesondere in der Bauwirtschaft und im Handwerk.
Viele Betriebe halten sich aktuell mit Sanierungs- und Bestandsarbeiten über Wasser, aber der eigentliche wirtschaftliche Aufschwung, der normalerweise von einer starken Bauwirtschaft ausgeht, bleibt aus. Das merken inzwischen sehr viele Unternehmen deutlich. Die Unsicherheit ist groß, Investitionen werden verschoben und gerade kleinere Betriebe geraten dadurch zunehmend unter Druck.
Viele Unternehmer sprechen davon, gleichzeitig von mehreren Krisen getroffen zu werden. Wie ernst ist die Lage tatsächlich?
Die Lage ist schon ernst. Allein die Entwicklung bei den Zinsen sorgt derzeit für große Probleme. Wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen weiter erhöht, wird die Kapitalbeschaffung für Mittelstand und Handwerk immer schwieriger. Gleichzeitig können viele Unternehmen diese steigenden Kosten gar nicht vollständig an ihre Kunden weitergeben.
Trotzdem muss man auch ehrlich sagen: Nicht alle Probleme lassen sich allein auf politische oder wirtschaftliche Rahmenbedingungen schieben. Ein Teil der Verantwortung liegt auch bei den Unternehmen selbst. Wer heute glaubt, sein Unternehmen noch genauso führen zu können wie vor zwanzig oder dreißig Jahren, wird langfristig Schwierigkeiten bekommen. Die Welt hat sich verändert. Geschäftsmodelle müssen sich verändern. Kundenverhalten hat sich verändert. Geschwindigkeit und Wettbewerb haben sich verändert. Viele Unternehmer verlassen sich aber noch zu stark auf alte Routinen oder darauf, dass es „schon irgendwie wieder laufen wird“. Das reicht heute nicht mehr aus.
Was meinen Sie konkret damit?
Viele Unternehmen leiden aus meiner Sicht an einer gewissen Betriebsblindheit. Das ist gar kein Vorwurf, sondern oft schlicht eine Folge des enormen Tagesgeschäfts. Die Unternehmer sind permanent mit Bürokratie, Mitarbeitern, Kundenanforderungen und operativen Problemen beschäftigt. Dadurch fehlt häufig die Zeit, sich wirklich strategisch mit dem Unternehmen auseinanderzusetzen. Viele sitzen abends am Schreibtisch und stellen fest, dass sie den ganzen Tag gearbeitet haben, aber an den eigentlichen Zukunftsfragen ihres Unternehmens wieder nicht vorangekommen sind. Genau daraus entstehen langfristig Probleme.
Man arbeitet nur noch im Unternehmen, aber nicht mehr am Unternehmen. Und irgendwann merkt man dann plötzlich, dass sich der Markt verändert hat, die Kalkulation nicht mehr stimmt oder wichtige Mitarbeiter verloren gehen.
Mit welchen Problemen kommen Unternehmen aktuell am häufigsten zu Ihnen?
Ein großes Thema ist definitiv der Verlust von Fachpersonal. Ich hatte erst vor Kurzem ein Mandat, bei dem sich mehrere Abteilungsleiter gegen die neue Geschäftsführung gestellt haben. Innerhalb weniger Wochen haben rund 30 Mitarbeiter gekündigt. Das war natürlich ein massiver Einschnitt.
In solchen Situationen geht es zunächst darum, überhaupt wieder Stabilität herzustellen. Die Kunden verlieren Vertrauen, die Mitarbeiter werden unsicher und die Geschäftsführung steht unter enormem Druck. Genau dort muss man sehr schnell strukturiert handeln.
Daneben begegnen mir aber auch viele klassische Probleme: unzureichende Liquiditätsplanung, fehlende Kostenkontrolle oder Schwächen in der Vermarktung. Was mich immer wieder erstaunt: Viele kleinere Betriebe kennen ihre tatsächliche Kostenstruktur nicht mehr genau. Stundenlöhne werden kalkuliert, weil sie „schon immer so kalkuliert wurden“. Dabei arbeiten manche Unternehmen längst defizitär, ohne es überhaupt zu merken. Das bedeutet konkret: Mit jedem Auftrag verdienen sie faktisch kein Geld mehr, obwohl sie ausgelastet sind. Das ist natürlich brandgefährlich.
Welche Fehler machen Unternehmen in Krisenzeiten besonders häufig?
Der größte Fehler ist meistens, zu lange zu warten. Viele Unternehmer hoffen darauf, dass sich die Situation von selbst wieder verbessert. Sie hoffen auf neue Aufträge, auf bessere Zeiten oder darauf, dass die Stammkunden schon bleiben werden. Aber die Realität ist: Auch die Kunden stehen unter Druck. Auch sie investieren vorsichtiger. Deshalb reicht Hoffnung allein heute nicht mehr aus.
Hinzu kommt, dass viele Unternehmer in Krisenzeiten in alte Muster zurückfallen. Sie versuchen, Lösungen anzuwenden, die früher funktioniert haben, die in einer schnellen und dynamischen Wirtschaftswelt aber nicht mehr greifen.
Außerdem fehlt oft die Kommunikation. Wenn ich heute mit Unternehmern Bankgespräche vorbereite und feststelle, dass sie kaum Kontakt zu ihrem Firmenkundenberater haben, dann ist das ein Problem. Banken, Mitarbeiter, Lieferanten und alle relevanten Partner müssen wissen, wohin sich das Unternehmen entwickeln will. Wer erst spricht, wenn die Krise bereits eskaliert ist, hat meistens wertvolle Zeit verloren.
Warum ist der externe Blick von Beratern aus Ihrer Sicht so wichtig?
Weil Unternehmer in schwierigen Situationen oft nicht mehr mit der nötigen Distanz auf ihr eigenes Unternehmen schauen können. Das ist vollkommen menschlich. Wenn Aufträge wegbrechen oder Liquidität verschwindet, entsteht schnell Unsicherheit oder sogar Panik.
Ein externer Berater kennt das Unternehmen zunächst nicht emotional. Er geht analytisch hinein, vergleicht Strukturen mit Branchenwerten und erkennt oft sehr schnell, wo die eigentlichen Probleme liegen. Dadurch entsteht wieder Klarheit.
Und häufig bringt allein diese Klarheit schon Ruhe zurück ins Unternehmen. Denn viele Unternehmer spüren zwar, dass etwas nicht stimmt, können die Ursachen aber nicht sauber einordnen.
Können Sie ein Beispiel nennen, bei dem ein Unternehmen stabilisiert werden konnte?
Ja, beispielsweise bei einem Ingenieurbüro, bei dem innerhalb kürzester Zeit ein Großteil der Planungsabteilung gekündigt hatte. Die Kunden waren entsprechend verunsichert und die Geschäftsführung stand massiv unter Druck.
Wir haben zunächst die Situation analysiert und dann mit Interimskräften gearbeitet, um den Betrieb kurzfristig zu stabilisieren. Parallel dazu haben wir intensiv mit den Kunden gesprochen und Vertrauen zurückgewonnen.
Heute ist das Unternehmen wieder deutlich stabiler aufgestellt, stellt neue Ingenieure ein und arbeitet mit einer wesentlich klareren Kosten- und Personalstruktur.
Ein anderes Beispiel war ein Metallbaubetrieb, dessen Geschäftsführer krankheitsbedingt langfristig ausfiel. Gemeinsam mit einem Rechtsanwalt habe ich das Unternehmen zeitweise mitgeführt. Gleichzeitig lief bereits die Vorbereitung einer Übergabe an einen leitenden Mitarbeiter.
Dann kam zusätzlich noch der Ukrainekrieg hinzu, was die Situation weiter verschärfte. Trotzdem konnten wir das Unternehmen stabilisieren und die Übergabe erfolgreich begleiten. Heute existiert der Betrieb weiterhin und entwickelt sich wieder positiv.
Sie appellieren immer wieder daran, frühzeitig Hilfe zu suchen. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Weil ich selbst aus dem Handwerk komme und die Belastungen des Tagesgeschäfts sehr gut kenne. Ich bin praktisch in diese Verantwortung hineingewachsen. Mein Vater hatte Anfang der Achtzigerjahre einen schweren Unfall, kurz bevor er sich selbstständig machen wollte. Dadurch musste ich sehr früh Verantwortung im Familienbetrieb übernehmen.
Später entstand daraus ein Unternehmen mit über dreißig Mitarbeitern. Deshalb weiß ich genau, wie schnell man im Alltag den Blick für strategische Entwicklungen verlieren kann.
Viele Probleme entstehen schleichend. Erst werden kleine Warnzeichen ignoriert, dann verschiebt man Entscheidungen und irgendwann wird aus einem lösbaren Problem eine echte Existenzkrise.
Deshalb ist es so wichtig, regelmäßig jemanden von außen auf das Unternehmen schauen zu lassen – nicht erst dann, wenn die Krise bereits voll da ist.
Welche Warnsignale nehmen Sie bei Unternehmern besonders ernst?
Wenn Probleme permanent relativiert werden. Oder wenn Unternehmer anfangen, ihre Situation deutlich besser darzustellen, als sie objektiv ist. Dann gehen bei mir sofort die Alarmglocken an.
Oft erkennt man die tatsächliche Lage übrigens gar nicht zuerst in Zahlen oder Bilanzen, sondern in Gesprächen – mit langjährigen Mitarbeitern oder auch mit Familienangehörigen. Dort merkt man schnell, ob Unsicherheit, Überforderung oder strukturelle Probleme vorhanden sind.
Was macht die aktuelle Situation psychologisch mit vielen Unternehmern?
Viele Unternehmer wirken momentan tatsächlich wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange. Sie verharren in einer Art Schockstarre und hoffen, dass sich die Lage von selbst wieder stabilisiert.
Aber genau dieses Abwarten ist gefährlich. Denn wirtschaftliche Probleme lösen sich selten von allein. Und wenn zu spät reagiert wird, geht es irgendwann nicht mehr nur um das Unternehmen, sondern oft auch um die private Existenz.
Viele Geschäftsführer haften heute faktisch persönlich. Das bedeutet: Im schlimmsten Fall verlieren sie nicht nur den Betrieb, sondern auch ihr privates Vermögen oder ihre Immobilie. Und genau diese Konsequenzen werden häufig unterschätzt.
Welche Botschaft möchten Sie mittelständischen Unternehmen mitgeben?
Deutschland wird ohne einen starken Mittelstand keinen wirtschaftlichen Aufschwung erleben. Mittelstand und Handwerk sind das Fundament unserer Wirtschaft.
Deshalb ist es so wichtig, diese Unternehmen zu stabilisieren und zukunftsfähig aufzustellen. Aber das funktioniert nur, wenn Unternehmer bereit sind, Veränderungen zuzulassen und sich frühzeitig Unterstützung zu holen.
Wer Probleme rechtzeitig erkennt und handelt, hat fast immer deutlich bessere Chancen, sein Unternehmen erfolgreich durch schwierige Zeiten zu führen.
Das Interview führte Patrick Langendorf.
Dirk Schmidt ist Unternehmensberater in Gießen und Frankfurt am Main mit mehr als 40 Jahren Erfahrung im Handwerk und Mittelstand. Er begleitete zahlreiche Betriebe durch wirtschaftliche Krisen, Umstrukturierungen und Unternehmensnachfolgen. Schmidt kennt die Herausforderungen mittelständischer Unternehmen nicht nur aus der Beratung, sondern auch aus eigener unternehmerischer Verantwortung im Familienbetrieb. Heute unterstützt er Firmen dabei, wirtschaftlich stabil und zukunftsfähig zu bleiben.