In Kürze
- China meldete im Juni rund 79.000 COVID-19-Fälle – deutlich mehr als im Vormonat.
- Experten bezweifeln die Aussagekraft der offiziellen Daten und warnen vor neuen Omikron-Untervarianten.
- Die Variante PQ.16.1.1 breitet sich laut Berichten in China und Südostasien aus.
Während COVID-19 in Europa im Alltag deutlich weniger präsent ist, steigen die gemeldeten Fälle in China wieder an. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden wurden im Juni landesweit rund 79.000 neue Infektionen registriert. Experten, die mit der englischsprachigen Epoch Times gesprochen haben, warnen zugleich vor neuen Omikron-Untervarianten und zweifeln an der Aussagekraft der offiziellen Zahlen aus Peking.
Das Chinesische Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention veröffentlichte am 8. Juli seinen Bericht zur COVID-19-Lage im Juni. Demnach wurden 79.000 Infektionen bestätigt. 130 Patienten erkrankten schwer. Zudem wurde ein Todesfall gemeldet, bei dem nach offiziellen Angaben sowohl Vorerkrankungen als auch eine COVID-19-Infektion eine Rolle spielten.
Im Mai hatten die Behörden noch 21.861 Infektionen, 35 schwere Krankheitsverläufe und ebenfalls einen Todesfall registriert. Auch wenn die offiziellen Zahlen aus China nicht als uneingeschränkt verlässlich gelten, deuten sie auf einen deutlichen Anstieg der Infektionen hin.
Omikron-Variante dominiert weiter
Alle im Juni untersuchten Virusproben gehörten zur Omikron-Variante des SARS-CoV-2-Virus. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden war dabei die Linie NB.1.8.1 mit ihren Unterlinien der am weitesten verbreitete Virusstamm.
Auch die jüngsten Überwachungsdaten zu akuten Atemwegsinfektionen zeigen, dass COVID-19 weiterhin eine wichtige Rolle spielt. Für die 27. Kalenderwoche 2026 (29. Juni bis 5. Juli) nennen die Behörden das Influenzavirus mit 11,6 Prozent als häufigsten Erreger. Es folgen SARS-CoV-2 mit 9,6 Prozent und Enteroviren mit 9,1 Prozent.

Die SARS-CoV-2-Variante PQ.16.1.1 breitet sich in China und Südostasien aus. Dr. Feng warnt vor möglichen Risiken durch die neue Omikron-Unterlinie und steigende Infektionszahlen. (Archivbild)
Foto: Jade Gao / AFP via Getty Images
Diskussionen über die offiziellen Zahlen
Der deutliche Anstieg der gemeldeten COVID-19-Fälle im Juni hat in den chinesischen sozialen Medien Diskussionen ausgelöst. Vor allem die Angabe, dass es im Zusammenhang mit COVID-19 nur einen Todesfall gegeben haben soll, wurde infrage gestellt.
Die Talkshow-Moderatorin Lin Buli schrieb am 12. Juli auf der Plattform Weibo: „Was ist mit den daraus resultierenden Folgeerscheinungen wie Störungen des Immunsystems, chronischer Müdigkeit, Tachykardie, Herzschmerzen, chronischem Husten, Allergien, Diabetes, Nierenschäden, Angstzuständen und Depressionen sowie Funktionsstörungen des autonomen Nervensystems?“
Auch der Gesundheits-Influencer Yixue Shouza äußerte sich auf Weibo. Der Blogger mit fast zwei Millionen Followern schrieb am 12. Juli, viele Menschen könnten eine Erkältung, die Grippe und COVID-19 nur schwer voneinander unterscheiden.
Zugleich warnte er davor, COVID-19 zu unterschätzen.
Steigende Fallzahlen auch in Taiwan
Auch Taiwan meldete zuletzt mehr COVID-19-Infektionen. In der Woche vom 6. Juli wurden 2.811 neue Fälle registriert. Davon verliefen 17 schwer; Todesfälle wurden nicht gemeldet.
Der taiwanesische Infektiologe Cheng Yuan-yu sagte der englischsprachigen Epoch Times, die COVID-19-Lage in der Region nehme insgesamt zu.
Mit Blick auf China erklärte er, die offiziell gemeldeten Zahlen zu schweren Krankheitsverläufen und Todesfällen seien angesichts der Bevölkerungszahl und der Zahl der gemeldeten Infektionen „viel zu niedrig“.
„Wir können nicht mit Sicherheit sagen, ob dies auf eine unzureichende Versorgung durch das Gesundheitssystem, ungenaue Statistiken oder die absichtliche Verschleierung der tatsächlichen Lage zurückzuführen ist“, sagte Cheng.
Zweifel an der Datenlage
China steht seit Beginn der Pandemie wegen seiner offiziellen COVID-19-Statistiken in der Kritik. Dazu gehören Vorwürfe, Infektionen und Todesfälle seit Anfang 2020 nicht vollständig erfasst zu haben. Deshalb ziehen Beobachter Berichte von medizinischem Personal und Einwohnern vor Ort als zusätzliche Hinweise auf die tatsächliche Lage im Land heran.
Variante PQ.16.1.1
Dr. Feng, ein in China tätiger Arzt im Bereich der Seuchenbekämpfung und -prävention, sieht die SARS-CoV-2-Variante PQ.16.1.1 mit Sorge. Aus Angst vor möglichen Repressalien nannte er gegenüber der englischsprachigen Epoch Times nur seinen Nachnamen.
Nach öffentlich zugänglichen Informationen handelt es sich bei PQ.16.1.1 um eine stark mutierte Omikron-Unterlinie des SARS-CoV-2-Virus und einen Nachkommen der Variante NB.1.8.1. Sie trat Anfang 2026 erstmals auf und breitet sich vor allem auf dem chinesischen Festland sowie in Südostasien aus. Kennzeichnend sind mehrere Mutationen im Spike-Protein.
„Die COVID-Fälle haben sich in letzter Zeit vervierfacht“, sagte Feng. „Dieser spezielle Stamm ist tödlich, weil die Menschen mehrere Infektionen hinter sich haben und ein kritischer Wendepunkt erreicht wurde.“
Wiederholte Infektionen im Fokus
COVID-19 ist nach Einschätzung von Dr. Feng nie verschwunden. Über die Jahre habe es immer wieder Infektionen gegeben. Zudem berichteten Anwohner von wiederholten Erkrankungen.
„Während die Sterblichkeitsrate von PQ.16.1.1 bei Personen, die sich zum ersten Mal mit COVID-19 angesteckt haben, unter 1 Prozent liegt, kann eine nachfolgende Infektion mit diesem Stamm bei Personen, die bereits drei- oder mehrmals an COVID-19 erkrankt waren, zu schweren Symptomen oder sogar zum Tod führen“, erklärte Feng.
Neue Virusvarianten werden beobachtet
Auch Xiaoxu Sean Lin, ehemaliger Mikrobiologe der US-Armee und außerordentlicher Professor für Biomedizin am Fei Tian College Northern Campus, verfolgt die Entwicklung aufmerksam. Gegenüber der englischsprachigen Epoch Times sagte er, dass mehrere Genomüberwachungsplattformen derzeit verschiedene neue SARS-CoV-2-Stämme nachweisen. Dazu gehörten RF.5, RV.1, PQ.16.1.1, RE.1.1.5 sowie deren verwandte Nachfolgestämme.
„Dennoch finden diese angesichts weltweit rückläufiger Testzahlen und einer sich verlagernden öffentlichen Aufmerksamkeit nicht genügend Beachtung“, sagte Lin. „Die Risiken, die von der anhaltenden Mutation des Virus ausgehen, werden unterschätzt.“
Hinweise auf mögliche Symptome
Nach Einschätzung von Lin könnten sich die mutierten Varianten in Richtung „einer stärkeren Affinität zum Nervensystem oder zu Magen-Darm-Gewebe“ entwickeln.
Er rät Menschen mit plötzlicher Müdigkeit, ungewöhnlichen Kopfschmerzen – sei es während des Schlafs oder beim Aufwachen –, unerklärlichen Verdauungsbeschwerden, Appetitlosigkeit oder kurzzeitigen grippeähnlichen Symptomen, sich ärztlich untersuchen und einen Test auf das Virus durchführen zu lassen.
Sorge vor mehreren Erregern
Nach Angaben von Feng müssen auf dem chinesischen Festland derzeit mehrere Krankheitserreger besonders beobachtet werden. Er nannte Diphtherie als „größte Sorge in diesem Jahr“.
Außerdem verwies er auf das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV), Influenza, verschiedene COVID-19-Varianten, Norovirus und Masern sowie mögliche Koinfektionen.
Kombination kann gefährlich werden
Xiaoxu Sean Lin sagte, dass eine COVID-19-Infektion in Verbindung mit einer Atemwegserkrankung wie Diphtherie schwerwiegende Folgen haben könne.
„Eine Schädigung des Atemwegsepithels kann es bakteriellen oder toxinvermittelten Erkrankungen erleichtern, schwere lokale Schäden zu verursachen. Die verstärkte Entzündungs- und Immunreaktion kann das Risiko von Komplikationen erhöhen, die Lunge, Herz und Nervensystem betreffen. Zudem können sich überschneidende Symptome die Diagnose von Diphtherie erschweren und verzögern.“
Weiter erklärte Lin: „[Für den Einzelnen] ergibt sich die größte Gefahr aus der Kombination von Atemwegs- und Immunstress durch COVID sowie der durch das Diphtherietoxin verursachten Atemwegsobstruktion, Myokarditis und Neurotoxizität. Diese Situation sollte als potenzieller medizinischer Notfall behandelt werden und nicht als routinemäßige Atemwegsinfektion, die zu Hause überwacht werden kann.“
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „China Reported 79,000 COVID-19 Cases in June, Causing Public Concern“. (Deutsche Bearbeitung: vm)







