Categories
vital

Neue Tablette zur COVID-Prophylaxe in den USA zugelassen

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat ein neues Medikament zugelassen, das Patienten einnehmen können, nachdem sie mit dem Coronavirus in Kontakt gekommen sind.
Laut der Website der FDA hat die Behörde am 29. Mai die Tablette Xocova, die auch unter dem Namen Ensitrelvir bekannt ist, zugelassen. Die Zulassung gilt für die sogenannte Postexpositionsprophylaxe nach Kontakt mit SARS-CoV-2.
Die Packungsbeilage und weitere Informationen wurden noch nicht veröffentlicht.

In Japan zugelassen

Xocova wird von dem japanischen Unternehmen Shionogi hergestellt. Shionogi teilte am 1. Juni mit, dass die Zulassung für die Postexpositionsprophylaxe bei Kindern und Erwachsenen ab 12 Jahren gilt.
Das Therapieschema dauert fünf Tage. Am ersten Tag werden drei Tabletten eingenommen. An den folgenden vier Tagen wird täglich eine Tablette eingenommen.
„Xocova ist die erste und einzige orale Therapieoption, die klinisch nachweislich dazu beiträgt, symptomatisches COVID-19 nach einer Exposition bei Studienteilnehmern zu verhindern, unabhängig vom Impfstatus oder der Grundimmunität durch eine frühere Infektion“, sagte Nathan McCutcheon, Präsident und CEO der US-Tochtergesellschaft von Shionogi.
„Mit Xocova können Menschen, die COVID-19 ausgesetzt sind, frühzeitig handeln, um sich zu schützen.“
Ensitrelvir war zuvor bereits in Japan zugelassen worden.
Shionogi teilte mit, die Zulassung beruhe unter anderem auf einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studie. In dieser wurde festgestellt, dass 2,9 Prozent der Personen, die nach Kontakt mit Corona-Infizierten Ensitrelvir erhielten, an der Krankheit erkrankten, verglichen mit 9 Prozent der Placebo-Empfänger.
Die im Mai veröffentlichten Studienergebnisse umfassten etwa 2.000 Personen. Praktisch alle wiesen Antikörper gegen SARS-CoV-2 oder das Spike-Protein auf, was darauf hindeutet, dass sie zuvor mit Corona infiziert waren und/oder eine COVID-19-Impfung erhalten hatten. Shionogi finanzierte die Studie.

Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Durchfall, Husten

Dr. Frederick Hayden, emeritierter Professor an der University of Virginia School of Medicine, der an der Studie mitgearbeitet hatte, erklärte am 1. Juni: „Ensitrelvir hemmt die Virusvermehrung und trägt so dazu bei, Menschen, die [dem Coronavirus] ausgesetzt waren, vor dem Ausbruch der Krankheit zu schützen.“
Er sagte außerdem, die Strategie der Postexpositionsprophylaxe „könnte jedem zugutekommen, der sich nicht COVID bekommen möchte“.
Hayden fügte hinzu: „Sie könnte nicht nur im häuslichen Umfeld nützlich sein, sondern auch in anderen Kontaktsituationen, wie zum Beispiel bei Ausbrüchen in Pflegeheimen, Einrichtungen der chronischen oder akuten Pflege sowie nach Expositionen im Zusammenhang mit Reisen.“
Zu den häufigsten Nebenwirkungen bei Personen, die das Medikament erhielten, gehörten Kopfschmerzen, Durchfall und Husten.
Shionogi zeigte sich zuversichtlich hinsichtlich des Sicherheitsprofils des Medikaments, da die Rate unerwünschter Ereignisse in der Studiengruppe, die die Pille erhielt, und der Placebo-Gruppe in etwa gleich war.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „FDA Approves Pill for COVID-19 Prevention“. (deutsche Bearbeitung: ks)
Categories
meinung

Kopfschmerzen: Was hilft, bevor die Tablette kommt


In Kürze:

  • Kopfschmerzen können vielerlei Ursachen haben. Ebenso vielfältig gestaltet sich die passende Behandlung.
  • Die wichtigste Überlegung ist deshalb nicht „Was nehme ich?“, sondern „Was für ein Kopfschmerz ist das überhaupt?“.
  • Schmerztabletten dürfen ihren Platz haben, sollten aber die Ausnahme und nicht die Regel sein.
  • Der Kopf ist kein defekter Apparat. Er ist ein empfindliches Warnsystem, das uns zuverlässig leitet, wenn wir darauf achten.

 
„Nimm Deutschland die Schmerzmittel weg und es wäre ein einziges Brüllhaus“, pflegte mein Großvater, seines Berufes Chirurg, zu sagen. Und in der Tat, der Griff zur Schmerztablette ist für Millionen Menschen mit Kopfschmerzen so selbstverständlich geworden wie der Griff zur Kaffeetasse. Das erscheint menschlich, schließlich will man seine Schmerzen loswerden.
Nur sollte man sich ab und zu daran erinnern, dass „frei verkäuflich“ nicht „harmlos“ bedeutet. Acetylsalicylsäure, vielen als Aspirin bekannt, kann den Magen reizen und Blutungen begünstigen. Diclofenac steht seit Jahren wegen möglicher Herz-Kreislauf-Risiken in der Diskussion. Paracetamol wirkt auf viele sanft, bis man die Leber fragt, was sie von Überdosierungen hält. Und Ibuprofen ist für manche zum Alltagsbegleiter geworden, als wären es Bonbons mit Beipackzettel.
Die Dimensionen sind beachtlich. Allein Ibuprofen kam zuletzt in Deutschland auf rund 48 Millionen verkaufte Packungen pro Jahr. Dies sind mehr als 130.000 Packungen pro Tag. Und das ist nur ein Wirkstoff.
Man fragt sich manchmal, ob überhaupt noch jemand ohne Schmerzen durchs Leben geht oder ob wir nur gelernt haben, jeden Warnhinweis des Körpers sofort chemisch zu eliminieren. Dabei ist die Tablette nicht automatisch der Feind, sondern der Automatismus ist es.

Erst einordnen, dann handeln

Kopfschmerzen sind kein einzelnes Problem. Sie sind ein Signal mit vielen möglichen Ursachen. Manchmal fehlt schlicht Wasser, manchmal ist der Nacken verspannt wie ein Brett oder der Blutzucker im Keller, manchmal kündigt sich eine Migräne an. Bei anderen Menschen ist gerade die häufige Einnahme von Schmerzmitteln Teil des Problems.
Die wichtigste Überlegung wäre deshalb nicht „Was nehme ich?“, sondern „Was für ein Kopfschmerz ist das überhaupt?“.
Spannungskopfschmerzen fühlen sich häufig dumpf und drückend an, oft beidseitig, manchmal wie ein zu enges Band um den Kopf. Sie kommen gern nach Bildschirmarbeit („flackerfreie Monitore“ wären gut), Stress, Schlafmangel, langem Sitzen, Zähneknirschen oder einer verspannten Nackenmuskulatur. Migräne dagegen ist oft stärker, pulsierend, einseitig, begleitet von Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit oder dem Bedürfnis, sich in einen dunklen Raum zurückzuziehen.
Natürlich gibt es Kopfschmerzen, bei denen man nicht experimentieren sollte. Plötzlich einschießender stärkster Kopfschmerz, Fieber, Nackensteifigkeit, Lähmungen, Sprachstörungen, Verwirrtheit, Kopfschmerzen nach einem Sturz oder ein völlig neues Kopfschmerzbild nach dem 50. Lebensjahr gehören abgeklärt.
Kopfschmerzen können viele Ursachen haben

Kopfschmerzen können viele Ursachen haben, unter anderem einen steifen Nacken.

Foto: kieferpix/iStock

Der 10-Minuten-Check

Bei den meisten alltäglichen Kopfschmerzen lohnt sich ein einfacher 10-Minuten-Check: Habe ich heute genug getrunken? Habe ich seit Stunden nichts Vernünftiges gegessen? Sitze ich seit dem Morgen vor dem Bildschirm? Ist der Nacken verspannt? Presse ich die Zähne zusammen? Kam der Schmerz nach Rotwein, Alkohol, Parfüm, Reinigungsmitteln, wenig Schlaf oder einem stressigen Gespräch? Ist Licht plötzlich unangenehm? Wird mir übel? Habe ich in den letzten Wochen auffallend oft Schmerzmittel genommen?
Diese Fragen wirken banal. In der Praxis erlebe ich aber sehr häufig, dass manche Patienten zum Beispiel den Zusammenhang zwischen ihren Kopfschmerzen und dem Rotwein oder Käse immer noch nicht erkennen. Dahinter können biogene Amine wie Histamin oder Tyramin stehen. Sie entstehen vor allem in gereiften, fermentierten oder länger gelagerten Lebensmitteln und können bei empfindlichen Menschen Gefäße, Nerven und Entzündungsbotenstoffe beeinflussen.
Ein weiterer unterschätzter Auslöser sitzt nicht im Kopf, sondern im Kiefer. Wer nachts die Zähne zusammenpresst oder knirscht, lässt Kaumuskulatur, Schläfenregion und Nacken die ganze Nacht arbeiten. Am Morgen meldet sich dann der Kopf – nicht weil dort zwingend die Ursache liegt, sondern weil der Kiefer das Nervensystem über Stunden gereizt hat.
Hier helfen keine großen Theorien, sondern Beobachtung: Druckschmerz an den Kaumuskeln, empfindliche Zähne, verspannte Schläfen, morgendliche Kopfschmerzen. Manchmal ist eine zahnärztliche Abklärung sinnvoll, manchmal helfen Kieferentspannung, Wärmeanwendungen, manuelle Behandlung (Massage, Osteopathie, Chiropraktik) oder schlicht das Bewusstsein, dass der Mund nachts nicht zum Schraubstock werden muss.

Was akut helfen kann

Bei Spannungskopfschmerzen sind einfache Maßnahmen oft erstaunlich wirksam: Wärme in den Nacken, sanfte Bewegung, Schultern lösen, Augen vom Bildschirm nehmen, frische Luft, ruhige Atmung.
Bei einem heißen, pulsierenden Kopf empfinden viele eher Kälte als angenehm: eine kühle Auflage auf Stirn oder Schläfen, Ruhe, Abdunkeln. Nicht jeder Kopfschmerz benötigt dasselbe. Ein verspannter Nacken verlangt oft Wärme, ein überreizter Migränekopf eher Abschirmung und Kühle.
Ein Klassiker, der deshalb in jede Hausapotheke gehört, ist Pfefferminzöl. Dünn auf Stirn und Schläfen aufgetragen – nicht in Augennähe –, kann es bei Spannungskopfschmerzen spürbar entlasten. Der kühlende Reiz wirkt nicht nur angenehm, er beeinflusst auch die Schmerzverarbeitung über die Haut und die Kälterezeptoren. Wer empfindliche Haut hat, testet vorsichtig.

Pfefferminzöl ist ein Klassiker und schneller Helfer bei Kopfschmerzen.

Foto: Madeleine_Steinbach/iStock

Auch Magnesium hat seinen Platz. Es ist zwar kein Schmerzmittel im klassischen Sinn, setzt aber eher dort an, wo Muskulatur und Nervensystem „übererregt“ sind. Bei Neigung zu Migräne, innerer Unruhe oder Krämpfen sowie Beschwerden vor der Regel oder hartnäckiger Nackenverspannung kann ein Versuch sinnvoll sein. Manche vertragen Magnesiumcitrat gut, andere eher Magnesiumglycinat. Äußerlich kann Magnesiumöl in Nacken und Schultern eingerieben werden, wenn die Haut es zulässt.
Der alte Hausmittelklassiker Kaffee mit Zitrone hat ebenfalls einen rationalen Kern. Koffein kann bei manchen Kopfschmerzen kurzfristig helfen, vor allem wenn es früh eingesetzt wird. Die Zitrone ist eher der traditionelle Begleiter als der pharmakologische Hauptdarsteller. Wer allerdings täglich viel Kaffee trinkt, kennt auch die Kehrseite: Kopfschmerzen durch Entzug, Überreizung oder unregelmäßigen Konsum.
In der Naturheilkunde gibt es sogar noch eine deutlich ungewöhnlichere Kaffeevariante, und zwar den Kaffeeeinlauf. Manche Patienten schwören darauf, besonders wenn Kopfschmerz mit „Verdauungsstau“, Völlegefühl oder Leber-Galle-Themen zusammenfällt. Ich würde daraus kein Allheilmittel machen, aber es erinnert daran, dass der Kopf oft nur der Ort ist, an dem sich ein größeres Regulationsproblem meldet.
Kaffee mit Zitrone ist ein alter Hausmittelklassiker bei Kopfschmerzen

Kaffee mit Zitrone ist ein alter Hausmittelklassiker bei Kopfschmerzen, hilft jedoch nicht jedem.

Foto: Ramann/iStock

Wenn die Kopfschmerzen wiederkommen

Bei wiederkehrender Migräne sollte man nicht erst aktiv werden, wenn der Kopf schon brennt. Dann ist das Nervensystem oft längst in Fahrt. Neben den klassischen Migränemitteln, die ihre Berechtigung haben können, lohnt sich die vorbeugende Ebene.
Riboflavin, also Vitamin B2, wird in Studien häufig hoch dosiert eingesetzt, oft mit 400 Milligramm täglich. Auch Coenzym Q10 und Magnesium werden in der Migräneprophylaxe diskutiert. Das sind zwar keine Akutmittel, aber Bausteine für Menschen, die immer wieder in dasselbe Muster rutschen.
Bei den Heilpflanzen ist Zurückhaltung klüger als Sammelleidenschaft. Es gibt eine ganze Reihe pflanzlicher Mittel, die bei Kopfschmerzen und Migräne infrage kommen können, und schon darüber ließe sich ein eigener Artikel schreiben.
Ingwer kann bei Übelkeit und beginnender Migräne hilfreich sein. Mutterkraut und Pestwurz werden eher zur Vorbeugung diskutiert, wobei Pestwurz nur als geprüftes, pyrrolizidinalkaloidfreies Präparat infrage kommt. Weidenrinde enthält salicylatähnliche Verbindungen und passt deshalb auch nicht zu jedem.

Ingwer kann bei Übelkeit und beginnender Migräne hilfreich sein, ist aber nicht für jede Person geeignet.

Foto: juefraphoto/iStock

Ähnlich verhält es sich mit Schüßler-Salzen und homöopathischen Mitteln. Auch hier erlebe ich in der Praxis immer wieder, dass Patienten mit dem passenden Mittel deutlich besser zurechtkommen, gerade wenn Kopfschmerzen nach bestimmten Mustern auftreten: nach Stress, bei Wetterwechsel, vor der Regel, nach Ärger, bei Erschöpfung oder mit ausgeprägter Nackenverspannung.
Entscheidend ist dabei das Wort „passend“. Wer wahllos Globuli oder Salze nimmt, was ich in der Praxis öfter erlebe, betreibt meist „Hoffnung mit Etikett“. Wer aber das Beschwerdebild in der Gesamtheit genau anschaut, findet hier manchmal erstaunlich einfache Hilfen.

Muster erkennen

Ein besonders wichtiger Punkt wird gern verdrängt: Schmerzmittel selbst können Kopfschmerzen unterhalten. Wer an zu vielen Tagen im Monat Schmerzmittel oder Migränemittel nimmt, riskiert einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch. Ausgerechnet das Mittel, das kurzfristig hilft, kann langfristig Teil des Problems werden. Das ist eigentlich alles bekannt, wird aber dennoch häufig ignoriert.
Ein Kopfschmerztagebuch wäre eine gute Idee. Notieren Sie für einige Wochen: Wann trat der Schmerz auf? Wie stark war er? Was haben Sie gegessen? Wie war der Schlaf? Gab es Stress, Alkohol, Wetterwechsel, Zyklusbezug, Duftstoffe, Bildschirmarbeit, Nackenverspannung? Welche Mittel wurden genommen? Erst wenn Muster sichtbar werden, kann man gezielter handeln.
Auch Akupunktur, Biofeedback, Entspannungsverfahren, Osteopathie oder manuelle Therapie können bei chronischen Kopfschmerzen sinnvoll sein, besonders wenn Spannung, Kiefer, Nacken, Stressregulation und vegetative Übererregung beteiligt sind. Man muss und sollte den Kopf nicht immer nur „chemisch“ ruhigstellen. Manchmal muss man dem ganzen System beibringen, wieder herunterzufahren.

Kopfschmerzen sind Hinweise

Kopfschmerzen sind lästig, manchmal quälend, selten willkommen. Aber sie sind vor allem Hinweise. Wer diese Hinweise beobachtet, erkennt oft die Zusammenhänge.
Die Tablette darf ihren Platz haben, sollte aber die Ausnahme und nicht die Regel sein. Denn der Kopf ist kein defekter Apparat. Er ist ein empfindliches Warnsystem. Und manchmal beginnt die beste Behandlung damit, ihm endlich zuzuhören und die entsprechenden Konsequenzen daraus abzuleiten.