Am Freitagabend 23. Oktober fiel die Netzfrequenz gegen 22 Uhr stark ab.
Um diese Uhrzeit fällt die Frequenz bei viel Windstrom öfter stark ab.
Das liegt an einer gesetzlichen Lärmschutzregelung, die unter anderem Windkraftanlagen betrifft.
Abends, 22 Uhr in Deutschland: Immer wieder fällt beim Blick auf die Netzfrequenz auf, dass diese gerade zu dieser Tageszeit einen mehr oder weniger deutlichen Sprung nach unten macht.
So aktuell geschehen am Freitag, 23. Oktober. Innerhalb von 29 Sekunden fielen im deutschen beziehungsweise europäischen Verbundnetz um rund 2.800 Megawatt (MW) Leistung aus. Das führte zu einem Netzfrequenzsprung von 167 Millihertz (mHz) auf 49,88 Hertz (Hz).
Die Netzfrequenz sollte sich stets bei 50 Hz befinden. Das ist der Fall, wenn die Kraftwerke zu jeder Sekunde genau so viel Strom erzeugen, wie die Verbraucher gerade beziehen. Im Normalbetrieb sind Abweichungen von bis zu 0,150 Hz möglich. Diese gleichen die Netzbetreiber mit der sogenannten Primärregelleistung aus, deren Umfang rund 3.450 MW beträgt. Im konkreten Fall befand sich die Abweichung innerhalb dieses Bereiches, wodurch die Netzfrequenz binnen rund fünf Minuten stabilisiert werden konnte.
Mit Klick auf den folgenden Button stimmen Sie zu, dass der Inhalt von twitter geladen wird.
Droht sich die Frequenz jedoch über 50,2 oder unter 49,8 Hz zu bewegen, wie in der Vergangenheit mehrfach geschehen, müssen die Netzbetreiber weitreichendere Maßnahmen ergreifen. Das beinhaltet einerseits, Gebiete mit zu hohem Verbrauch vom Netz zu trennen, auch Brownout genannt. Andererseits müssen flexible Kraftwerke umgehend hochgefahren werden. Beides soll einen flächendeckenden Stromausfall vermeiden. Gelingt dies nicht, trennen sich technische Anlagen zum Selbstschutz automatisch vom Netz und es kann, wie auf der iberischen Halbinsel, zu einem nationalen oder gar internationalen Stromausfall kommen.
Vor allem in den Wintermonaten, wenn mehr Windstrom im Netz ist, kommt es öfter zu einem solchen Frequenzsprung. Die Regelmäßigkeit dieses 22-Uhr-Sprungs bestätigtezum Ende des vergangenen Winters der Netzfrequenzinformationsdienst RJ2. „In den letzten Monaten ließen sich vermehrt Auffälligkeiten in Form von Netzfrequenztrigger- und Frequenzsprungmeldungen um jeweils 22:00 Uhr (MEZ/MESZ) beobachten“, hieß es im März dieses Jahres auf der Webseite.
Der Grund für die regelmäßigen, abendlichen Frequenzsprünge liegt laut den RJ2-Fachexperten im Bereich der Windkraft – oder genauer gesagt an einer bürokratischen Regelung. Denn zu dieser Uhrzeit müssen viele Betreiber von Windkraftanlagen, die in der Nähe von Wohngebieten stehen, die Turbinen auf drosseln oder abschalten.
Die Vorschrift kommt von der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm, kurz TA Lärm. Demnach gelten allgemein für technische Anlagen im Freien in den Nachtstunden von 22 Uhr bis 6 Uhr niedrigere Lautstärkegrenzen als tagsüber. In Wohngebieten liegen die erlaubten Immissionsrichtwerte bei 35 bis 45 Dezibel (dB), je nach Art des Gebietes.
Anwohner könnten den Lärm als störend wahrnehmen, es könnte ihren Schlaf beeinträchtigen. Da die Lautstärke eines Windrades oft über dem erlaubten Richtwert liegt, muss der Betreiber eine Nachtruhe für seine betroffenen Anlagen einhalten. Manche Windräder haben direkt an der Turbine Dezibelwerte von mehr als 100 dB.
Erst ab 6 Uhr am Morgen endet die vorgeschriebene Nachtruhe, und die Anlagen dürfen sich wieder drehen und Strom in das Netz einspeisen.
Unterschiedliche Level
Wenn nun gleichzeitig mehrere Anlagen, die gerade viel Strom produzieren und ins Netz einspeisen, wegfallen, kommt es zu einem Netzfrequenzsprung. „Ein Netzfrequenzsprung tritt unmittelbar nach einer größeren Verbundnetzstörung oder bei ungewöhnlich starken Lastwechseln auf“, schreibt RJ2.
Der Netzfrequenzdienst hat dazu fünf Level eingeführt, die die Intensität des Frequenzsprungs veranschaulichen. Ein Sprung vom Level 1 liegt im Bereich von 1.400 bis 1.800 MW. Der Frequenzsprung vom Freitagabend lag im Bereich von Level 4, dem zweithöchsten Niveau.
Solche Sprünge treten mit zunehmender Anzahl an Windkraftanlagen immer häufiger auf. Jedes Level erhöht sich in 400 MW-Schritten. Höhere Level kommen seltener vor. Das letzte Mal, dass das Level 5 erreicht wurde, war am 24. März 2026. In 62 Sekunden fiel die Netzfrequenz um knapp 0,2 Hz beziehungsweise die Leistung um 3.200MW.
Einordnung der Netzfrequenzsprünge nach dem Netzfrequenzinformationsdienst RJ2.
Foto: mf/Epoch Times
Wie gefährlich sind die Frequenzsprünge?
Besonders hoch sind die Frequenzsprünge durch die Abschaltung von Windkraftanlagen meist dann, wenn viel Wind weht, also die Anlagen gerade viel Strom einspeisen.
Solche starken Frequenzsprünge stellen die Stabilität der Netze auf die Probe. Die Regelleistung – oft von flexiblen Gaskraftwerken – muss schnell genug einspringen können, um den Windkraftausfall zu kompensieren.
„Wenn dann beim Wechsel des Kraftwerkseinsatzes etwas schiefgeht, kann es eng werden“, merkte der Energiefachmann Herbert Saurugg kürzlich an. Besonders gefährdet sind Regionen mit vielen Windkraftanlagen. Dort kann es im Ernstfall zu regionalen Stromabschaltungen kommen, wenn die Netzbetreiber die Frequenz nicht schnell genug stabilisieren können.
Bevor es wirklich zu einem flächendeckenden Stromausfall – einem Blackout – kommt, ziehen die Versorger regional kontrollierte Abschaltungen, sogenannte Brownouts, vor.
Doch es gibt eine offensichtliche Lösung: eine gesetzliche Anpassung zur Staffelung der Abschalt- und Einschaltzeit der Windkraftanlagen. Die Frequenzsprünge entstehen vor allem dadurch, dass alle Anlagen um Punkt 22 Uhr abschalten. Die elektronischen Wechselrichter beenden augenblicklich die Einspeisung. So schnell sind die mechanischen Regelkraftwerke jedoch nicht. Sie benötigen einige Sekunden bis Minuten um, ihre Leistung hochzufahren.
Würden nun einige Anlagen bereits um 21:45 Uhr oder zumindest 21:55 Uhr abschalten und andere erst 22:05 Uhr oder gar 22:15 Uhr, wäre der Zeitraum von rund einer auf zehn oder 30 Minuten gestreckt. Dadurch hätten die Netzbetreiber deutlich mehr Spielraum, die Regelleistung hochzufahren. Die Netzakteure könnten den Leistungsabfall besser bewältigen. Analog könnten die Windräder am Morgen, so der Wind weiterhin weht, wieder gestaffelt zugeschaltet werden.
Wie viele Teilabschaltungen sinnvoll wären und welche Anlagen zuerst und zuletzt vom Netz gehen sollten, ist zum derzeitigen Zeitpunkt unklar und ist vom Gesetzgeber zu klären und zu regeln.
Der Sitz der Europäischen Kommission in Brüssel. Für die Modernisierung öffentlicher Verwaltungen waren aus dem europäischen Corona-Wiederaufbauprogramm rund 49 Milliarden Euro verplant. - Foto: Michael Kappeler/dpa
In Kürze:
EU-Schulden: Deutschland wird ein rechnerischer Finanzierungsanteil von 118 Milliarden Euro zugerechnet.
Haushaltsbelastung: Ab 2028 beginnt die Rückzahlung der Corona-Schulden, die bis 2058 abgeschlossen sein soll.
Erfolgskontrolle: Der Europäische Rechnungshof bemängelt fehlende Nachweise für den Nutzen vieler Verwaltungsreformen.
Ein Antrag auf Kindergeld, eine Baugenehmigung oder die Anmeldung eines Unternehmens: Wer in Deutschland etwas von einer Behörde benötigt, muss häufig Informationen angeben, die der Staat längst besitzt. Die Digitalisierung sollte solche Vorgänge vereinfachen. Behörden sollten Daten austauschen, Anträge schneller bearbeiten und Bürgern unnötige Wege ersparen.
Dafür stellte die Europäische Union während und nach der Corona-Zeit Milliardenbeträge bereit. Nach Angaben des Europäischen Rechnungshofs waren allein für Reformen und Investitionen in die öffentliche Verwaltung in den Mitgliedstaaten rund 49,1 Milliarden Euro zugesagt.
Das Geld stammt aus der europäischen Aufbau- und Resilienzfazilität, dem Kernstück des Wiederaufbauprogramms „NextGenerationEU“, das 2020 beschlossen wurde, um die wirtschaftlichen Folgen von Corona abzufedern. Daneben sollte es auch langfristige Verbesserungen ermöglichen, etwa durch modernere Behörden und digitale Dienstleistungen.
Finanziert wurde das Programm mit Geld, das sich die EU an den Finanzmärkten geliehen hatte. Einen Teil erhielten die Mitgliedstaaten als Kredite, die sie selbst zurückzahlen müssen. Andere Mittel wurden als Zuschüsse vergeben. Für die Rückzahlung der dafür aufgenommenen Schulden kommt der gemeinsame EU-Haushalt auf, in den auch Deutschland einzahlt.
Doch die Ergebnisse bleiben vielfach hinter den Erwartungen zurück. In einem gerade erst veröffentlichten Sonderbericht kommt der Europäische Rechnungshof zu dem Ergebnis, dass zahlreiche untersuchte Reformen bislang nur begrenzte Verbesserungen gebracht haben.
Von 14 genauer geprüften Maßnahmen in vier Ländern, einschließlich Deutschland, erzielten lediglich fünf erhebliche Ergebnisse. Acht brachten nur begrenzte Verbesserungen. Bei einer weiteren ließ sich kein entsprechender Erfolg nachweisen. Die Zahlen beziehen sich auf die untersuchten Projekte, nicht auf sämtliche geförderten Verwaltungsreformen.
Warum die EU gemeinsame Schulden aufnahm
Im Juli des Corona-Jahres 2020 einigten sich die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedsländer auf einen gemeinsamen Wiederaufbaufonds. Die EU-Kommission durfte bis zu 750 Milliarden Euro zu Preisen von 2018 am Kapitalmarkt aufnehmen. Im Juni 2021 begann die Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen, dafür Anleihen an Investoren auszugeben.
Das Programm wurde als außergewöhnliche und zeitlich begrenzte Antwort auf die Pandemie beschlossen. Finanziert wurden Investitionen in Energieversorgung, Verkehr, Digitalisierung, Bildung und staatliche Reformen.
Bis Ende Januar 2026 waren nach Angaben des Rechnungshofs 577 Milliarden Euro aus dem zentralen Förderinstrument für Maßnahmen verplant. Davon entfielen 360 Milliarden Euro auf Zuschüsse und 217 Milliarden Euro auf Darlehen.
Rund 50 Milliarden Euro waren für die öffentliche Verwaltung bestimmt.
Deutschland unterschätzte die technischen Probleme
Wie schwierig Verwaltungsreformen sein können, zeigt Deutschland. Hier sollten Behörden künftig Informationen austauschen können, damit Bürger ihre persönlichen Angaben nicht bei jedem Antrag erneut einreichen müssen. Dieses sogenannte Once-Only-Prinzip ist auch im deutschen Registermodernisierungsgesetz verankert.
Doch bei der Umsetzung stieß die Bundesregierung auf erhebliche Schwierigkeiten. Nach den Feststellungen des Europäischen Rechnungshofs hatte das zuständige Bundesministerium unterschätzt, wie unterschiedlich die Computersysteme der Länder und Kommunen aufgebaut sind. Die Landesministerien waren bei der ursprünglichen Planung nicht ausreichend beteiligt worden.
Vorhandene Programme konnten teilweise nicht wie vorgesehen genutzt werden. Stattdessen wurden neue technische Lösungen entwickelt. Das verzögerte die Umsetzung. Der Rechnungshof bewertet die bisherigen Ergebnisse der deutschen Registermodernisierung als begrenzt.
Besser fällt die Bewertung der Digitalisierung einzelner Verwaltungsleistungen aus. Deutschland konnte im Rahmen einer untersuchten Maßnahme 100 Leistungen der Länder und 115 des Bundes digitalisieren. Die geschätzten Kosten beliefen sich auf 2,52 Milliarden Euro. Allerdings umfasst der zugrunde gelegte Katalog insgesamt 575 Verwaltungsleistungen.
Brüssel misst die Umsetzung statt Erfolg
Ob die Digitalisierung den Bürgern und Unternehmen tatsächlich Zeit und Aufwand erspart, lässt sich bislang nur eingeschränkt beurteilen.
Der Europäische Rechnungshof bemängelt in seinem Sonderbericht, dass die tatsächlichen Verbesserungen bei den untersuchten Verwaltungsreformen nicht ausreichend gemessen wurden. Häufig wurde nur erfasst, ob eine technische Lösung eingeführt oder eine Verwaltungsleistung digitalisiert wurde. Weniger klar war dagegen, ob sich dadurch Bearbeitungszeiten verkürzten, Kosten sanken oder Verwaltungsverfahren einfacher wurden.
Ein Antrag kann beispielsweise online verfügbar sein, während die Bearbeitung innerhalb der Behörde weiterhin mehrere Wochen dauert.
Für Unternehmen ist jedoch nicht allein entscheidend, ob sie ein Formular digital einreichen können. Wichtiger ist, wie schnell sie etwa eine Baugenehmigung oder eine andere behördliche Entscheidung erhalten. Genau diese Wirkung der Digitalisierung lässt sich anhand der untersuchten Maßnahmen bislang nicht zuverlässig nachweisen.
Als die EU-Staaten im Juli 2020 den Corona-Wiederaufbaufonds beschlossen, sollte die gemeinsame Kreditaufnahme eine Ausnahme bleiben. In den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates hieß es, die der EU-Kommission übertragenen Befugnisse zur Kreditaufnahme seien „in Bezug auf Umfang, Dauer und Anwendungsbereich klar begrenzt“.
Die Kommission durfte demnach bis zu 750 Milliarden Euro zu Preisen von 2018 aufnehmen. Das Geld sollte „ausschließlich zur Bewältigung der Folgen der COVID-19-Krise“ verwendet werden. Zudem legten die Staats- und Regierungschefs fest, dass die Aufnahme neuer Nettokredite spätestens Ende 2026 endet.
Inzwischen nutzt die EU gemeinsame Anleihen auch für andere Aufgaben. Ein Beispiel ist die Unterstützung der Ukraine. Für die Jahre 2024 bis 2027 richtete sie zunächst ein Hilfsprogramm über 50 Milliarden Euro ein. Davon sind 33 Milliarden Euro als Darlehen und 17 Milliarden Euro als Zuschüsse vorgesehen.
Auch bei der europäischen Verteidigung kommt gemeinsame Kreditaufnahme zum Einsatz. Am 27. Mai 2025 beschloss der EU-Rat das Instrument für Sicherheitsmaßnahmen für Europa (SAFE). Es ermöglicht Darlehen von bis zu 150 Milliarden Euro für Verteidigungsinvestitionen der Mitgliedstaaten.
Die EU finanziert das Programm durch die Ausgabe eigener Anleihen. Die Empfängerstaaten müssen die Kredite zurückzahlen.
Hinzu kommt ein weiteres Darlehen von 90 Milliarden Euro für die Ukraine. Die EU-Staaten hatten sich im Dezember 2025 darauf verständigt.
Im April 2026 verabschiedete der Rat die abschließenden rechtlichen Voraussetzungen. Das Geld wird ebenfalls durch EU-Anleihen finanziert und durch den EU-Haushalt abgesichert. Vorgesehen sind 30 Milliarden Euro zur Unterstützung des ukrainischen Staatshaushalts und 60 Milliarden Euro für die Verteidigungsindustrie.
Allerdings unterscheiden sich die Programme. Bei SAFE müssen die Empfängerstaaten ihre Darlehen zurückzahlen. Beim Corona-Aufbauprogramm wurden dagegen auch umfangreiche Zuschüsse durch gemeinsame Schulden finanziert.
Eine vollständige Wiederholung des ursprünglichen Modells ist das deshalb nicht. Die Beispiele zeigen jedoch, dass die EU die gemeinsame Kreditaufnahme inzwischen auch für Aufgaben außerhalb der Pandemiebewältigung einsetzt.
Deutschland trägt einen Teil der EU-Schulden
Die gemeinsamen Schulden haben auch Folgen für Deutschland. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank beliefen sich die Schulden europäischer Institutionen Ende 2025 nach Abzug bestimmter Forderungen auf rund 477 Milliarden Euro. Davon entfiel rechnerisch ein Finanzierungsanteil von 118 Milliarden Euro auf Deutschland. Das entsprach 2,6 Prozent der Wirtschaftsleistung.
Diese Summe umfasst insbesondere Schulden für Zuschüsse aus dem Corona-Aufbaufonds und EU-Kredite an die Ukraine. Sie zählt nicht zur deutschen Staatsschuld nach den europäischen Maastricht-Regeln, weil die EU die Kredite aufgenommen hat.
Finanzielle Folgen können dennoch entstehen: Die Rückzahlung wird teilweise über den EU-Haushalt finanziert, zu dem Deutschland beiträgt. Die 118 Milliarden Euro sind allerdings keine unmittelbar fällige Forderung an den Bund.
Bundestag stimmte der Kreditaufnahme zu
Die europäische Verschuldung berührt auch die parlamentarische Haushaltskontrolle. Der Bundestag stimmte 2021 den rechtlichen Voraussetzungen des Corona-Aufbaufonds zu. Das Bundesverfassungsgericht bestätigte im Dezember 2022 die Verfassungsmäßigkeit dieser Zustimmung. Entscheidend war unter anderem, dass die Kreditaufnahme hinsichtlich Umfang, Zweck und Dauer begrenzt blieb.
Die einzelnen EU-Anleihen erscheinen jedoch nicht als neue Schulden im Bundeshaushalt. Zusätzliche Belastungen könnten sich später über Deutschlands Beiträge zum EU-Haushalt ergeben.
Rückzahlung bis 2058
Die planmäßige Tilgung der Schulden aus dem Corona-Aufbaufonds beginnt 2028 und soll spätestens 2058 abgeschlossen sein. Während die Empfängerstaaten ihre Darlehen selbst zurückzahlen, werden die Schulden für Zuschüsse aus dem EU-Haushalt bedient.
Für den EU-Haushalt 2028 bis 2034 sieht die Kommission jährlich rund 24 Milliarden Euro für Zinsen und Tilgung vor, also insgesamt 168 Milliarden Euro – bei einem Gesamtvolumen von knapp 2 Billionen Euro.
Der Vorschlag ist noch nicht beschlossen. Beim zweitägigen EU-Gipfel in Brüssel Mitte Oktober stand der auf sieben Jahre angelegte Haushalt im Mittelpunkt. Die wie erwartet harten Verhandlungen zwischen den „Sparsamen“, einschließlich Deutschlands, und den Mitgliedstaaten wie Frankreich, die ein größeres Budget fordern, blieben ergebnislos. EU-Ratspräsident António Costa wird nun nach Wegen suchen, noch bis Ende des Jahres einen Kompromiss zu finden.
Eine wichtige Rolle sollen neue Eigenmittel spielen. Nach dem Vorschlag der Kommission gehören dazu auch Einnahmen aus dem europäischen Emissionshandel sowie Abgaben im Zusammenhang mit Elektroschrott, Tabak und großen Unternehmen. Ohne zusätzliche Einnahmen könnte der Druck steigen, die Beiträge der Mitgliedstaaten zu erhöhen oder an anderer Stelle im EU-Haushalt zu sparen.
Mit dem Auslaufen des europäischen Wiederaufbauprogramms Ende 2026 endet zunächst die Finanzierung neuer Maßnahmen. Die bereits angestoßenen Verwaltungsreformen können jedoch über diesen Zeitpunkt hinaus fortgeführt werden. Welche langfristigen Ergebnisse die Investitionen erzielen, wird sich daher erst in den kommenden Jahren vollständig beurteilen lassen.
Die finanziellen Verpflichtungen aus dem Programm bestehen unabhängig davon fort. An der Finanzierung beteiligen sich die Mitgliedstaaten über ihre Beiträge zum gemeinsamen Haushalt, darunter auch Deutschland.
Bereitschaftspolizisten stehen am 17. Oktober 2026 während linksextremer Proteste neben einem gepanzerten Fahrzeug auf der Place Vauban in Paris. - Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times
In Kürze:
Nach Plünderungen mit 451 beschädigten Geschäften in Paris rät Polizeipräfekt Patrice Faure Händlern, für Samstag private Sicherheitskräfte zu engagieren.
Sicherheitsfirmen melden doppelt so viele Anfragen wie zuvor, Waffengeschäfte zehnmal so viele Bestellungen.
Macron räumt „Versäumnisse bei der Vorausschau“ ein. Am Samstag sollen nur gewerkschaftlich organisierte Demonstrationen auf geschützten Routen erlaubt sein.
Ladenbesitzer in Paris bereiten sich auf ein weiteres Wochenende mit linksextremen Protesten gegen die steigenden Lebenshaltungskosten vor. In der vergangenen Woche waren Demonstrationen in ganz Frankreich in Gewalt, Plünderungen und Brandstiftungen ausgeartet.
Nach Angaben der Stadtverwaltung wurden in Paris am 17. und 18. Oktober 451 Geschäfte beschädigt, 228 davon geplündert. Landesweit zählt die Regierung rund 3.000 betroffene Betriebe.
Am Donnerstag, 22. Oktober, verbarrikadierte nahezu jedes Geschäft entlang der Champs-Élysées seine Schaufenster mit Metallrollläden, Sicherheitsgittern oder Holzplatten, während verwunderte Touristen zusahen. Das beobachteten Reporter der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times vor Ort.
Chanel, Lacoste und Louis Vuitton waren in der vergangenen Woche ins Visier von Plünderern geraten.
Die Boutique der französischen Bekleidungsmarke Lacoste auf den Champs-Élysées in Paris ist am 22. Oktober 2026 mit Metallzäunen gesichert. Grund sind Proteste, die für Samstag, 24. Oktober, geplant sind.
Foto: Etienne Fauchaire/Epoch Times
In der Nähe der Place de la République schrauben Arbeiter Sperrholzplatten vor Fenster und Türen. Plakate auf den Platten laden Anwohner ein, einer WhatsApp-Gruppe der Nachbarschaft gegen Einbrüche beizutreten.
Nicht nur Geschäfte waren am 17. Oktober Ziel der Angriffe. In Paris verschafften sich Personen auch gewaltsam Zutritt zu Wohnhäusern, wie die Epoch Times beobachtete.
In einem Schreiben vom 21. Oktober an Pariser Kommunalpolitiker, über das „France Info“ berichtete, richtete Polizeipräfekt Patrice Faure eine Reihe von Empfehlungen an Ladenbesitzer entlang der Demonstrationsrouten. Sie sollten private Sicherheitskräfte engagieren, gegebenenfalls auch mit Hundeführern, ihre Rollläden schließen und erwägen, ihre Geschäfte am Samstag nicht zu öffnen.
Die Guerlain-Boutique auf der Champs-Élysées in Paris ist am 22. Oktober 2026 vor Protesten am Samstag verbarrikadiert.
Foto: Etienne Fauchaire/Epoch Times
Das verstärkte Polizeiaufgebot könne allein nicht den Schutz jedes einzelnen Betriebs garantieren, heißt es in dem Schreiben.
Der Rat löste Empörung bei Kritikern aus, die betonten, der Schutz der Bürger sei Aufgabe des Staates und nicht der Ladenbesitzer.
„Die Regierung verlangt von den Händlern, private Sicherheitsleute aus eigener Tasche zu bezahlen. Das ist das Eingeständnis, dass sie ihre grundlegendste Pflicht nicht mehr erfüllen kann: das französische Volk zu schützen“, schrieb Sarah Knafo, Europaabgeordnete und eine der führenden Figuren der Partei Reconquête, auf X.
„Können die Händler im Gegenzug aufhören, dem Staat Steuern zu zahlen?“, fügte sie hinzu.
David Lisnard, Vorsitzender der Partei Nouvelle Énergie, bezeichnete den Vorgang auf X als „inakzeptables Eingeständnis der Machtlosigkeit und vollständige Umkehr grundlegender Prinzipien“.
„Die Händler bezahlen die Reparaturen, zahlen Steuern, damit der Staat für ihre Sicherheit sorgt, und sollen nun ein drittes Mal für privaten Wachschutz zahlen“, erklärte er.
Faure räumte später eine „Ungeschicklichkeit“ in seiner Formulierung ein, betonte aber, der Schutz der Geschäftsinhaber bleibe Verantwortung und Priorität der Behörden.
Unbewaffnet und in der Unterzahl
Laut dem Branchenverband der französischen Sicherheitsunternehmen haben sich die Anfragen nach Angeboten seit den Krawallen verdoppelt.
„Die Anrufe in unserer Zentrale und die Anfragen per E-Mail haben sich vervielfacht“, sagte Raphaël Mashhadi, Geschäftsführer der Pariser Firma Gardiennage Paris RMS, gegenüber der Epoch Times.
Bekleidungsboutiquen, Lebensmittelgeschäfte und Hotels buchten Wachleute im Voraus, „zusätzlich zu physischen Schutzmaßnahmen wie Holzplatten“, sagte er. Eine zwölfstündige Nachtschicht koste 420 Euro vor Steuern, so Mashhadi. Ein eingeschlagenes Schaufenster könne dagegen nach seinen Angaben 10.000 bis 20.000 Euro kosten.
„Der Unterschied spricht für sich“, sagte er.
Die Louis-Vuitton-Boutique nahe den Champs-Élysées in Paris wird am 22. Oktober 2026 mit Metallbarrieren vor Protesten am Samstag gesichert.
Foto: Etienne Fauchaire/Epoch Times
Sicherheitsfirmen stoßen an ihre Grenzen
Cyril Baudouin, Chef von RPro Sécurité, sagte der Epoch Times, seine Geschäftstätigkeit sei um 5 bis 15 Prozent gestiegen. Anfragen, für die er kein Personal habe, werde er ablehnen. Den Appell nannte er „etwas unglücklich“ für Ladenbesitzer, die bereits Verluste erlitten hätten und nun selbst für ihren Schutz zahlen müssten.
„Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn der Staat die Leistung bezahlt oder private Sicherheitsfirmen dienstverpflichtet hätte, denn die Präfekten haben die Befugnis dazu“, sagte Baudouin.
Nach französischem Recht dürfen Sicherheitskräfte in der Regel nur auf dem Gelände tätig sein, für dessen Schutz sie engagiert wurden. Eine Waffe dürfen sie nur tragen, wenn Leben einer „außergewöhnlichen Gefahr“ ausgesetzt sind, und selbst dann nur mit Genehmigung des Präfekten für jeden einzelnen Einsatz.
„Wir können nicht so bewaffnet sein wie Polizisten und Gendarmen“, sagte Mashhadi.
Baudouin zufolge hätte eine Anordnung des Präfekten den Sicherheitskräften zumindest erlauben können, während der Proteste auf der Straße Pfeffergel mitzuführen.
„Ein einzelner Sicherheitsmann kann nichts ausrichten. Was wir gesehen haben, war nicht einmal eine Menschenmenge, sondern eine Horde von Randalierern, gewalttätigen Menschen, und es waren viele“, sagte Baudouin.
Die einzige Möglichkeit sei, das Personal in Sicherheit zu bringen, abzuschließen und die Polizei zu rufen. Wachleute dürften zwar einen Eingang versperren, aber niemanden schlagen. Schon eine einzige Anzeige könne sie die Zulassung kosten.
„Wir sind da, um vorzubeugen, abzuschrecken, zu alarmieren und zu helfen.“
Menschen verwüsten ein Geschäft während einer Kundgebung in der Nähe der Place de la République am 17. Oktober 2026 in Paris, Frankreich.
Foto: Carl Court/Getty Images
Geschäftsleute bewaffnen sich
Während manche auf private Sicherheitsfirmen setzen, nehmen andere die Sache selbst in die Hand: Sie bitten Freunde und Verwandte, ihre Läden zu bewachen, oder bewaffnen sich in einigen Fällen selbst.
Die Bestellungen in Waffengeschäften haben sich seit den Plünderungen verzehnfacht, sagte der Pariser Büchsenmacher Yves Gollety, Vorsitzender des nationalen Verbands der Waffenhändler, der Nachrichtenagentur AFP.
Die Käufer seien „im Wesentlichen Ladenbesitzer und Gastronomen, die von dem Geschehenen völlig traumatisiert sind“. Gummigeschosswerfer, Tränengaskartuschen und Teleskopschlagstöcke seien rasch ausverkauft.
Laut einer Umfrage des Instituts Elabe für den Sender „BFMTV“ glauben 61 Prozent der Franzosen, dass sie selbst für ihre Sicherheit sorgen müssen, weil die Polizei die Bevölkerung „nicht mehr schützen kann“. Die Hälfte fürchtet um ihre Sicherheit oder ihr Eigentum.
Vor der Boutique der französischen Luxusmarke Kenzo am Boulevard de la Madeleine in Paris sind am 18. Oktober 2026 ein mit Brettern vernageltes Fenster, zerbrochenes Glas und ein „Tax the Rich“-Graffito zu sehen.
Foto: Etienne Fauchaire/Epoch Times
Macron räumt Versäumnisse bei der Vorbereitung ein
Am Donnerstag, 22. Oktober, traf sich Macron im Élysée-Palast mit Vertretern der Nachrichtendienste. Anschließend räumte er ein, die Behörden hätten die Ausschreitungen vom Samstag, 17. Oktober, nicht ausreichend vorhergesehen.
Er sprach von „Versäumnissen bei der Vorausschau“ und von „Überraschungsmomenten“. Verantwortlich seien „politische und sogar aufrührerische Taten organisierter ultralinker Gruppen“, „deren Ziel es ist, die Republik zu stürzen“.
Für die Proteste am Samstag, 24. Oktober, kündigte Macron strengere Regeln an: Genehmigt würden nur Demonstrationen, die von Gewerkschaften organisiert werden. Ihre Routen würden so festgelegt, dass Geschäfte und öffentliche Gebäude geschützt sind. Alle anderen Versammlungen sollen nach seinen Worten verboten werden, wo immer dies möglich ist.
Aus China kommen viele Elektro- und Hybridautos nach Europa. (Archivbild) - Foto: XinHua/dpa
In Kürze:
Der wichtigste Trend in der Autoindustrie in diesem Jahrzehnt sei das explosive Wachstum der chinesischen Autoexporte, sagt Aktienanalyst Garrett Nelson gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.
Die Produktionskosten von BYD liegen laut dem Ökonomen Jeff Degner bei vergleichbaren Modellen 20 bis 30 Prozent unter denen europäischer Hersteller.
In den USA bleiben Elektroautos ein Nischenmarkt, in Brasilien expandiert BYD, Japan setzt weiterhin auf Hybride und Verbrenner.
Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) stiegen die weltweiten Verkaufszahlen von Elektrofahrzeugen 2025 um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und überstiegen 20 Millionen Einheiten. Einen Großteil des Zuwachses trug Europa bei, wo die Verkäufe sogar um 30 Prozent zulegten. Dennoch fällt es europäischen Autoproduzenten schwer, mit Elektroautos Gewinne zu erzielen.
Bei Volkswagen, Europas größtem Autobauer, sank die operative Umsatzrendite 2025 von 5,9 Prozent auf 2,8 Prozent. Das Unternehmen kündigte im September an, weltweit weitere rund 50.000 Stellen abzubauen – rund 7,5 Prozent seiner Belegschaft.
Stellantis, Europas zweitgrößter Hersteller, verbuchte im Rahmen seines E-Auto-„Neustarts“ in der zweiten Jahreshälfte 2025 Abschreibungen von 22,2 Milliarden Euro, die größtenteils auf Überinvestitionen in Elektroautos zurückzuführen waren.
Europas Autohersteller stehen zwischen zwei Gegenspielern: chinesischen Autobauern, die aggressiv Marktanteile erobern und die Gewinnmargen unter Druck setzen, und ihren eigenen Regierungen, die versucht haben, unabhängig von der Nachfrage der Verbraucher einen vollständigen Übergang zu E-Fahrzeugen zu erzwingen.
Europäische Klimavorgaben sollten den Umstieg auf Elektroautos beschleunigen: 2023 schrieb die EU vor, die CO₂-Emissionen aus dem Auspuff neuer Fahrzeuge ab 2035 vollständig zu eliminieren. Das kommt faktisch einem Verkaufsverbot für neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor gleich. Im Dezember 2025 schlug die EU-Kommission vor, diese Vorgabe auf eine 90-prozentige Emissionsreduzierung abzuschwächen; das Gesetzgebungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.
Als Reaktion auf diese und andere Vorgaben investierten die Autohersteller in neue Produktionslinien für Elektrofahrzeuge. Allein Volkswagen sagte 2023 für die Elektrifizierung seiner Flotte 193 Milliarden US-Dollar (rund 169 Milliarden Euro) zu.
„Ich denke, dass die europäischen Autohersteller den Preis dafür zahlen, dass sie mehr auf die Wünsche der Regulierungsbehörden achten als auf die Bedürfnisse ihrer Kunden“, sagte Jeff Degner, wissenschaftlicher Mitarbeiter am American Institute for Economic Research, gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times. Er bezeichnet einen Großteil des Geldes, das für den Übergang zu Elektrofahrzeugen ausgegeben wurde, als „staatlich induzierte Fehlinvestition“.
Die Zahl der verkauften E-Autos steigt seit Jahren. In China und den USA sanken die Zuwachsraten zuletzt, in Europa zogen die Verkäufe 2025 dagegen kräftig an.
Foto: ts/Epoch Times, Daten: IEA, CC BY 4.0
Nachfrage überschätzt, China unterschätzt
Stellantis-Chef Antonio Filosa sieht es ähnlich. „Die heute bekannt gegebenen Belastungen spiegeln größtenteils die Kosten dafür wider, dass wir das Tempo der Energiewende überschätzt haben, wodurch wir uns von den realen Bedürfnissen, Möglichkeiten und Wünschen vieler Autokäufer entfernt haben“, erklärte er im Februar bei der Bekanntgabe der Abschreibungen.
Die größten US-Autobauer Ford und General Motors waren beim Umstieg auf Elektroautos vorsichtiger als ihre europäischen Konkurrenten und zogen sich schneller zurück, als sich die Verluste häuften. Im Januar kündigte General Motors eine Abschreibung in Höhe von 6 Milliarden US-Dollar (rund 5,3 Milliarden Euro) an, kurz nachdem Ford eine Abschreibung von 19,5 Milliarden US-Dollar (rund 17,1 Milliarden Euro) bekannt gegeben hatte. Beide Unternehmen rückten damit von ihren Verpflichtungen im Bereich Elektrofahrzeuge ab.
Stephanie Valdez Streaty, Direktorin für Branchenanalysen bei Cox Automotive, sagte gegenüber der Epoch Times: „Die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen hat sich nicht in dem Tempo und unter den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entwickelt, von denen viele dieser ursprünglichen Verpflichtungen ausgegangen waren. Gleichzeitig sehen sich die europäischen Autohersteller einem deutlich wettbewerbsintensiveren Markt gegenüber.“
Chinesische Hersteller gewannen in Europa rasch an Boden. Nachdem sie vor einigen Jahren praktisch bei null begonnen hatten, entfielen bis Mai 2026 laut Streaty 20 Prozent der Verkäufe batterieelektrischer Fahrzeuge in der EU auf chinesische Marken.
Chinesische Autobauer haben sich die Mehrheit der weltweiten E-Auto-Verkäufe gesichert. Sie ziehen in Qualität und Ausstattung mit westlichen Herstellern gleich und unterbieten sie beim Preis. Einige chinesische Modelle wie der Seagull von BYD, der in China für rund 10.000 US-Dollar (rund 8.800 Euro) verkauft wird, sind nicht nur günstiger als die Konkurrenz, sondern überzeugen auch bei der Qualität. Das zeigen Testberichte von Publikationen wie „InsideEVs“ und „Top Gear Philippines“.
Für die europäischen Märkte hat BYD den Seagull überarbeitet und als Dolphin Surf neu aufgelegt. Das Modell kam zu einem reduzierten Einführungspreis von 22.400 US-Dollar (rund 19.600 Euro) auf den Markt und kostet inzwischen etwa 25.800 US-Dollar (rund 22.600 Euro). Damit liegt es unter dem Preis vergleichbarer europäischer Modelle wie des Citroën ë-C3, der ab etwa 26.200 US-Dollar (rund 23.000 Euro) erhältlich ist. Teurer ist es jedoch als Budgetmodelle wie der Dacia Spring für 20.100 US-Dollar (rund 17.600 Euro) und der Renault Twingo E-Tech für 21.800 US-Dollar (rund 19.100 Euro).
Chinas Autos überschwemmen den europäischen Markt
„Der wichtigste Trend in der Automobilindustrie in diesem Jahrzehnt ist bislang das explosive Wachstum der chinesischen Autoexporte“, sagte Garrett Nelson, Aktienanalyst beim Center for Financial Research and Analysis, gegenüber der Epoch Times. Er schätzt, dass China inzwischen mehr als 1 Million Fahrzeuge pro Monat exportiere.
„Sie haben sehr stark in Infrastruktur und Logistik investiert, um so viel mehr exportieren zu können als früher“, sagte Nelson.
Chinas Automobilexporte stiegen im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 53 Prozent; die Ausfuhren von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben haben sich laut Daten des chinesischen Regimes mehr als verdoppelt.
„Der europäische Markt wird regelrecht mit kostengünstigen chinesischen Elektroautos überschwemmt“, sagte Nelson. Die EU-Zölle in Höhe von 10 Prozent sowie weitere Abgaben auf chinesische Autos hätten Chinas Expansion nicht aufhalten können.
Von den mehr als 20 Millionen Elektrofahrzeugen, die 2025 weltweit verkauft wurden, entfielen laut der IEA mehr als 13 Millionen auf China. Mehr als die Hälfte der weltweiten Verkäufe entfiel auf in China hergestellte Fahrzeuge.
Fahrzeuge des chinesischen Elektroautoherstellers BYD im Hafen von Guangzhou in der südchinesischen Provinz Guangdong am 22. Februar 2025.
Foto: Pedro Pardo/AFP via Getty Images
Chinas Wettbewerbsvorteile
Die wichtigsten chinesischen Automarken sind BYD, Geely, SAIC und Changan. 2025 löste BYD Tesla als weltweit größten Verkäufer von batterieelektrischen Fahrzeugen ab.
Nach Einschätzung von Degner liegen die Produktionskosten von BYD bei vergleichbaren Modellen 20 bis 30 Prozent unter denen europäischer Autohersteller. Doch während die europäischen Regulierungsbehörden die heimischen Autohersteller zur Umstellung auf Elektrofahrzeuge drängten, erließen sie zugleich Vorschriften, die die Produktion in Europa erheblich verteuerten.
Dazu gehörte der staatlich verordnete Ausstieg aus der Kohle und anderen fossilen Brennstoffen zugunsten von Wind- und Solarenergie. Die Folge ist, dass Europäer heute einige der höchsten Energie- und Stromkosten in der industrialisierten Welt zahlen – ein Vielfaches der Kosten in China.
„Die Chinesen haben einen Wettbewerbsvorteil, aber dieser Wettbewerbsvorteil ist durch die hohen Kosten entstanden, die die europäischen Regulierungsbehörden auferlegen“, sagte Degner.
„Ich würde sagen, dass die Europäer sich nur selbst die Schuld geben können, denn sie haben – ob auf nationaler Ebene oder auf internationaler Ebene in der EU – genau die Art von Vorschriften eingeführt, die der [Auto-]Industrie insgesamt das Leben schwerer machen.“
Darüber hinaus hat China über Jahrzehnte eine weltweite Infrastruktur für den Abbau und den Transport von Batterierohstoffen wie Graphit, Lithium und Kobalt aufgebaut. Der Großteil dieser Rohstoffe wird zudem in China raffiniert, verarbeitet und zu Batterien weiterverarbeitet.
Außerdem profitieren chinesische Unternehmen von Skaleneffekten und einem riesigen Binnenmarkt.
Ein Beschäftigter arbeitet am 26. April 2026 im Werk von Leap Energy in Huzhou in der chinesischen Provinz Zhejiang an Batterien für Elektrofahrzeuge.
Foto: Adek Berry/AFP via Getty Images
Ein Bericht der Rhodium Group vom Februar hält zudem fest, dass chinesische Autobauer von einer weitreichenden vertikalen Integration des Fertigungsprozesses sowie von staatlichen Zuschüssen, steuerlichen Anreizen und vergünstigten Finanzierungen profitierten.
E-Fahrzeuge: In den USA ein Nischenmarkt
Elektrofahrzeuge sind in den USA nach wie vor ein Nischenmarkt. Die Fahrstrecken sind dort oft länger, und die Ladeinfrastruktur ist so lückenhaft, dass E-Auto-Besitzer auf längeren Fahrten „Reichweitenangst“ haben. Zudem gibt es Bedenken, dass die Nachfrage stark von staatlichen Vorgaben und Subventionen abhängt.
Die Trump-Regierung schaffte die bundesweiten Steuervergünstigungen für Käufer von Elektroautos ab und hob die von der Biden-Regierung eingeführten Vorschriften zu Abgasemissionen und Kraftstoffeffizienz auf, die viele benzinbetriebene Modelle faktisch vom Markt verdrängt hätten.
Im vierten Quartal 2025 brachen die Verkäufe von E-Autos in den USA gegenüber dem Vorjahresquartal um 45 Prozent ein. Im Gesamtjahr wurden rund 1,5 Millionen Elektrofahrzeuge verkauft, etwas weniger als 2024.
Laut der IEA war der Anstieg der Verkäufe in Europa teilweise auf politische Vorgaben zurückzuführen, insbesondere auf die 2025 in Kraft getretenen strengeren CO₂-Grenzwerte der EU, die eine Senkung um 15 Prozent gegenüber 2021 vorsehen.
Der starke Rückgang der US-Verkäufe fiel dagegen mit der Streichung der Steuergutschrift von 7.500 US-Dollar (rund 6.600 Euro) für den Kauf von Elektrofahrzeugen durch die Trump-Regierung zusammen.
„Sobald diese ausgelaufen war, fiel die Nachfrage von etwa 12 Prozent des US-Automarktes auf 6 Prozent innerhalb eines Jahres. Ich denke, das ist ein Indikator dafür, dass die allgemeine Akzeptanz von Elektrofahrzeugen bei den Verbrauchern noch nicht dort ist, wo sich die Regulierungsbehörden das wünschen“, sagte Degner.
Ein Markt, der so stark von staatlichen Anreizen abhängt, birgt für Autobauer ein erhebliches Risiko, wenn es um die Unternehmensstrategie und um Investitionen von womöglich Hunderten Millionen US-Dollar geht. Selbst Tesla, das Elektroautos profitabel verkauft, meldete im Juli einen Rückgang des operativen Ergebnisses um 57 Prozent.
BYD expandiert in Brasilien, Japan setzt weiterhin auf Hybride
Außerhalb der USA breiten sich Elektroautos dagegen in ganz Nord- und Südamerika rasch aus. Während Handelsschranken chinesische Autos bislang weitgehend von den USA fernhalten, gewinnen chinesische Hersteller in Brasilien, Mexiko und Kanada rasch an Boden.
BYD begann 2022 mit dem Verkauf von Elektrofahrzeugen in Brasilien, dem größten Automobilmarkt Südamerikas. Bis 2025 produzierten chinesische Automobilhersteller 85 Prozent der in Brasilien verkauften Elektrofahrzeuge, so ein Bericht der IEA.
Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva (M. l.) und der CEO des chinesischen Autoherstellers Great Wall Motor (GWM), Mu Feng (M. r.), bei der Einweihung des GWM-Autowerks in Iracemápolis am 15. August 2025.
Foto: Nelson Almeida/AFP via Getty Images
Jüngste Handelsabkommen Chinas mit Mexiko und Kanada haben diese Märkte für chinesische Autohersteller geöffnet; in Mexiko stiegen die Verkaufszahlen chinesischer Autos im vergangenen Jahr sprunghaft, so das Council on Foreign Relations.
„Das ist für US-Autobauer sehr besorgniserregend“, sagte Nelson. „Branchenverbände schlagen bereits Alarm, was das bedeuten könnte.“
„Auf dem US-Markt sehen wir angesichts der derzeit steigenden Benzinpreise einen Rückgang der Nachfrage nach Elektrofahrzeugen, aber einen deutlichen Anstieg der Nachfrage nach Hybridantrieben, die natürlich auch elektronische und Batteriekomponenten haben“, sagte Degner.
„Wenn man Bürokratie abbaut und den Zugang zu solchen Technologien und sicherlich auch zu solchen Bodenschätzen ermöglicht, gibt es reichlich Belege dafür, dass die USA mit BYD konkurrieren könnten, wenn diese Hindernisse beseitigt würden.“
Die USA könnten beim Zugang zu wichtigen Rohstoffen mit China gleichziehen, doch Abbauverbote und andere Vorschriften hätten diese Entwicklung aufgehalten, sagte Degner.
Die japanischen Autobauer Toyota, Honda und Nissan verfolgen eine andere Strategie. Sie haben den Markt für batterieelektrische Fahrzeuge weitgehend gemieden und sich stattdessen auf Hybride sowie herkömmliche Verbrenner konzentriert.
Was westliche Hersteller ändern müssten
Der Bericht der Rhodium Group mit dem Titel „Why Are Chinese EVs So Cheap?“ (auf Deutsch etwa: „Warum sind chinesische Elektrofahrzeuge so billig?“) widerspricht der Annahme, dass chinesische Automobilhersteller effizienter sind.
Gemessen am Umsatz pro Mitarbeiter lägen sie trotz eines hohen Automatisierungsgrades „deutlich hinter ihren westlichen Konkurrenten zurück“. Bei Tesla erwirtschafte ein Mitarbeiter beispielsweise mehr als sechsmal so viel Umsatz wie bei BYD.
Die Wettbewerbsvorteile chinesischer Autobauer beruhen laut dem Bericht vielmehr auf vertikaler Integration, der Kontrolle ihrer Lieferketten, dem riesigen Binnenmarkt und großzügigen Finanzierungen durch Zulieferer.
Um ähnliche Kostenstrukturen zu erreichen, müssten westliche Hersteller laut dem Bericht ähnliche Lieferketten aufbauen, insbesondere beim Abbau, der Raffination und der Verarbeitung von Mineralien. Sie müssten die Automatisierung vorantreiben, den Personalbestand reduzieren – oder sogar Fabriken in China errichten, wo Arbeitskräfte und Energie billiger sind.
„Die Erfahrungen Europas zeigen, wie wichtig es ist, flexibel zu bleiben, während sich der Markt entwickelt“, sagte Streaty. „Die Verbreitung von Elektrofahrzeugen nimmt weiter zu, aber wir sehen auch, dass die Hersteller ihre Strategien anpassen und an einem breiteren Mix von Antrieben festhalten. Diese Flexibilität ermöglicht es den Automobilherstellern, weiterhin in die Elektrifizierung zu investieren und gleichzeitig auf die aktuellen Kaufgewohnheiten der Verbraucher einzugehen.“
In der Nacht zum Sonntag (25. Oktober) werden die Uhren wieder zurückgestellt. - Foto: izzzy71/iStock
In Kürze:
Am Morgen des 25. Oktobers werden die Uhren im Rahmen der halbjährlichen Zeitumstellung um 3 Uhr auf 2 Uhr eine Stunde zurückgestellt.
Die „Sommerzeit“ wurde 1980 eingeführt, um Energie zu sparen, der tatsächliche Effekt ist bis heute umstritten.
Dass Sonnenstand und Uhrzeit ein halbes Jahr voneinander abweichen, hat spürbare Folgen.
Unsere innere Uhr orientiert sich vor allem am Licht und nicht daran, was auf dem Zifferblatt steht.
Für die Zeit nach der breit und lang diskutierten Abschaffung der Zeitumstellung kommt nur eine in Frage: die dauerhafte, vielfach zur „Winterzeit“ verkommenen, mitteleuropäische Normalzeit.
Am 25. Oktober werden die Uhren wieder zurückgestellt. Seit 1980 geht das jetzt so. Die Älteren werden sich noch erinnern: das war unter der Regierung von Helmut Schmidt. Wer jünger als 50 ist, kann sich daran schon nicht mehr erinnern, dass wir mal nur eine Uhrzeit hatten – und das war die Normalzeit, die wir ab dem 25.10. wieder haben.
Dann wird es um drei Uhr wieder zwei Uhr. Eine Stunde mehr Schlaf heißt es dann. Schön wär’s. Wer gewöhnlich um sechs Uhr aufwacht, kann nach der Umstellung bereits um fünf Uhr hellwach sein. Auf dem Wecker mag eine andere Uhrzeit stehen, aber verstanden hat ihr Körper das dann noch nicht.
Seit vielen Jahren setze ich mich dafür ein, diesen Irrsinn zu beenden und dauerhaft bei der mitteleuropäischen Normalzeit (MEZ) zu bleiben. Umgangssprachlich wird daraus oftmals die „Winterzeit“. Auch ARD und ZDF verwenden diesen Begriff, obwohl es sich um die MEZ handelt.
Für mich hat das Züge von Neusprech im Sinne George Orwells. Bereits die Wortwahl lenkt die Vorstellung: Wer will schon dauerhaft Winter? Das klingt nach Dunkelheit, Kälte und Verzicht. „Sommerzeit“ dagegen nach Grillabend und Lebensfreude.
1 / 2
Viele Menschen mögen den Winter wegen seines nass-kalten Wetters und der Dunkelheit nicht …
Foto: taranchic/iStock
2 / 2
… doch er hat auch märchenhaft schöne Seiten: klare Luft, glitzernde Landschaft, gedämpfte Stille.
Foto: bluejayphoto/iStock
Die Sonne lässt sich nicht umstellen
Das beliebteste Argument der Befürworter: „Ich möchte, dass es abends länger hell ist“. Was dabei übersehen wird: Die Sonne scheint durch das Verstellen der Uhr keine Minute länger. Wir verschieben nur unseren Tagesablauf gegenüber dem Sonnenstand.
Unsere innere Uhr orientiert sich vor allem am Licht und nicht daran, was auf dem Zifferblatt steht. Morgendliches Licht hilft dieser, sich auf den Tag einzustellen. Helligkeit am Abend kann jedoch dafür sorgen, dass wir später müde werden. Hinzu kommen die warmen Sommerabende, an denen man gerne länger draußen sitzt.
Durch die vorgestellte Uhr bleibt es scheinbar noch länger warm. Zusätzliche Wärme erzeugt die Zeitumstellung natürlich ebenso wenig wie zusätzliches Sonnenlicht. Gehen wir später ins Bett (während der Wecker weiterhin früh klingelt), wird die Schlafzeit kürzer. So können sich über die Tage unter der Woche Schlafdefizite aufbauen. Und was Schlafmangel bedeutet sollte eigentlich mittlerweile klar sein.
Für unsere Kinder und Jugendlichen ist es noch schlimmer. Während der Sommerzeit (MESZ) entspricht sieben Uhr morgens erst sechs Uhr Normalzeit. Der Schulbeginn wird gegenüber dem Sonnenstand also um eine Stunde vorgezogen. Dabei wäre gerade für Jugendliche das Gegenteil sinnvoll. In der Pubertät verschiebt sich der natürliche Schlafrhythmus nach hinten. Sie werden später müde und brauchen morgens länger, um wach zu werden. Das ist Biologie.
Untersuchungen zeigen seit Jahren, dass ein späterer Schulbeginn Jugendlichen mehr Schlaf ermöglichen und ihre Tagesmüdigkeit verringern kann. Wir erklären Bildung zu unserem wichtigsten Kapital in Deutschland und organisieren den Unterricht gegen deren biologischen Rhythmus. Mit der Sommerzeit verschärfen wir dieses Problem zusätzlich. Das muss man erst einmal fertigbringen.
Normalzeit ist keine Winterstrafe
Die Herbstumstellung fällt vielen leichter als das Vorstellen der Uhr im Frühjahr. Für die Frühjahrsumstellung sind auch gesundheitliche Risiken, etwa mehr Herzinfarkte in zeitlicher Nähe zum Wechsel, besser dokumentiert.
Trotzdem bleibt der wiederkehrende Eingriff völlig unnötig. Die amerikanische Fachgesellschaft für Schlafmedizin spricht sich ausdrücklich für eine dauerhafte Normalzeit aus. Sie passt besser zur menschlichen Tagesrhythmik.
Wer lediglich den Wechsel abschaffen und dafür die dauerhaft falsche Zeit (MESZ) festschreiben möchte, übersieht den entscheidenden Punkt, denn dann würde uns die vorgezogene Uhrzeit auch durch den Winter begleiten. Wo die Sonne im Dezember nach Normalzeit ungefähr um 8:30 Uhr aufgeht, erschiene sie bei dauerhafter MESZ erst um 9:30 Uhr.
Was jetzt beim Umgewöhnen hilft
Wer empfindlich auf die Herbstumstellung reagiert, kann Schlafenszeit und Aufstehen schon an den Tagen davor schrittweise um jeweils zehn bis fünfzehn Minuten nach hinten verschieben. Auch Mahlzeiten lassen sich etwas später legen. Nach dem Wechsel hilft ein regelmäßiger Tagesablauf. Der Versuch, die gewonnene Stunde unbedingt schlafend auszunutzen, erzeugt dagegen bei manchen Menschen zusätzlichen Druck.
Und wer ohnehin früh müde und früh wach wird, sollte nicht schon am frühen Abend auf dem Sofa einschlafen. Ein Spaziergang am späteren Nachmittag kann helfen, wach zu bleiben. Tageslicht und Bewegung gehören überhaupt zu den einfachsten Maßnahmen für einen stabilen Rhythmus. Den ganzen Tag im Halbdunkel sitzen und abends unter voller Beleuchtung auf den Bildschirm schauen? Genau das gibt dem Körper ziemlich widersprüchliche Anweisungen.
Für den gewöhnlichen Alltag empfehle ich Tageslicht am Morgen – sobald es verfügbar ist – und Bewegung im Freien. Abends darf die Wohnung dann allmählich dunkler werden. Bildschirmhelligkeit reduzieren, Blaulichtfilter am PC, Handy, etc. aktivieren und grelles Deckenlicht ausschalten.
Gedimmtes Licht und analoge Tätigkeiten am Abend helfen dem Körper herunterzufahren und sich auf den Schlaf vorzubereiten.
Foto: Pressmaster/iStock
Lange im Bett heißt noch nicht „gut geschlafen“
Mit zunehmendem Alter wird der Schlaf häufig leichter und störanfälliger. Kurzes Erwachen gehört dennoch zu einer normalen Nacht. Wer sich morgens an zwei Wachmomente erinnert, hat deshalb noch keine behandlungsbedürftige Schlafstörung.
Der Schlaf verläuft sowieso in wechselnden Stadien. In der ersten Nachthälfte liegt meist mehr Tiefschlaf, gegen Morgen werden die REM-Phasen länger, in denen lebhafte Träume besonders häufig sind. Es kommt deshalb auch darauf an, wie ungestört diese Abläufe stattfinden.
Und bitte verwechseln Sie Erschöpfung nicht mit Schläfrigkeit. Wer nach einem belastenden Tag völlig erledigt ist, kann trotzdem innerlich auf Hochtouren laufen. Sich dann vorsorglich zwei Stunden früher ins Bett zu legen, verlängert womöglich nur die Wachzeit auf dem Kissen. Entscheidend ist, ob ihre innere Uhr bereits auf Schlaf eingestellt ist.
Ein Klassiker aus der Praxis lautet: „Mit einem Glas Wein schlafe ich besser“. Häufig bedeutet das lediglich: Ich werde schneller schläfrig. Alkohol verändert jedoch die Schlafarchitektur, kann den späteren Schlaf unruhiger machen und Schnarchen sowie Atemaussetzer verstärken. Eine systematische Auswertung von 27 Studien fand Beeinträchtigungen des REM-Schlafs bereits bei niedrigen Alkoholmengen. Der Schlummertrunk hat also wie auch die Sommerzeit eine ziemlich geschickte Werbeabteilung.
Mein Vorschlag: Zwei Wochen keinen Alkohol am Abend und beobachten, wie erholt Sie morgens sind. Bei Einschlafproblemen lohnt außerdem ein Versuch ohne Koffein nach dem Mittagessen. Auch ein langer Sofaschlaf am späten Nachmittag kann die Nacht verkürzen. Dieser baut bereits einen Teil des Schlafdrucks ab, den wir abends brauchen.
Erwachsene sollten in der Regel 7 bis 9 Stunden schlafen.
Foto: oatawa/iStock
Melatonin stellt keine Uhr auf Knopfdruck
Beim Thema Schlaf wird inzwischen schnell nach Melatonin gefragt. Dieses körpereigene Hormon signalisiert die biologische Nacht. Helles Licht am Abend kann dessen Ausschüttung unterdrücken. Bevor ich über eine Einnahme nachdenken würde, frage ich eher nach der „Beleuchtung“ des Alltags, sprich Innenraum, Aufenthalt im Freien, usw.
Melatonin kann manchen Menschen beim Einschlafen helfen. Bei verschobenen Schlafrhythmen hängt seine Wirkung besonders vom Einnahmezeitpunkt ab. Mehr Milligramm bedeuten außerdem keineswegs zuverlässig mehr Erholung. Benommenheit am Morgen ist möglich – bei empfindlichen Menschen auch bei unter drei Milligramm. Deshalb würde ich eher mit einer niedrigen Dosis beginnen und zunächst prüfen, ob Melatonin zum jeweiligen Schlafproblem passt. Wer nach der Herbstumstellung ohnehin zu früh einschläft und zu früh aufwacht, sollte es nicht einfach möglichst früh am Abend nehmen. Das kann den Rhythmus weiter in die unerwünschte Richtung verschieben.
Mit dem zirkadianen Rhythmus sollen wiederkehrende körperliche Tätigkeiten wie Schlaf und Nahrungsaufnahme relativ konstant bleiben.
Foto: ger/Epoch Times; nach Pikovit44/iStock
Wenn nachts das Gedankenkarussell beginnt
„Noch vier Stunden bis zum Wecker.“ Später: „Jetzt nur noch drei.“ Wer nachts so rechnet, macht sich zusätzlichen Stress. Schlaf lässt sich sowieso nicht erzwingen, also drehen Sie die Uhr weg. Werden Sie zunehmend unruhig, stehen Sie vorübergehend auf, lesen bei gedämpftem Licht etwas Ruhiges und gehen zurück, sobald Sie schläfrig werden. Unerledigte Aufgaben lassen sich schon abends aufschreiben. Ich schätze außerdem das autogene Training nach Professor Schultz. Es braucht natürlich Übung und einen Lehrer, der es einem beibringt.
Lautes Schnarchen mit Atemaussetzern, ausgeprägte Tagesmüdigkeit, Schmerzen oder ständiger nächtlicher Harndrang verlangen dagegen eine Untersuchung. Bei anhaltender Schlaflosigkeit ist eine speziell darauf abgestimmte kognitive Verhaltenstherapie eine wirksame Behandlung. Sie geht über allgemeine Schlaftipps hinaus und hilft unter anderem, die Verbindung zwischen Bett, Grübeln und angestrengtem Einschlafen zu lösen.
Hilfreich kann zuvor ein einfaches Schlaftagebuch sein: morgens Schlafenszeit, längere Wachphasen und das Befinden am Tag grob notieren. Dazu Kaffee, Alkohol und Nickerchen festhalten. Keine nächtliche Buchführung, keine Jagd nach perfekten Messwerten. Nach zwei Wochen werden manche Zusammenhänge deutlicher.
Fazit
Guter Schlaf beginnt lange vor dem Zubettgehen. Mit dem Licht, dem Tagesablauf und der Frage, was uns wach hält. Die Politik könnte wenigstens mal aufhören, uns zweimal jährlich dazwischenzufunken und uns endlich die Normalzeit wiedergeben. Und wer es Abends länger hell möchte, darf seine Uhrzeit gerne alleine umstellen und nicht alle Bürger dazu verdammen das falsche Zeitsignal dauerhaft erdulden zu müssen.
Ein neues Buch des Autors und ehemaligen US-Beamten Jay Stratton beschäftigt sich mit UFOs und außerirdischen Lebensformen.
Seiner Aussage nach hätten gewisse Kreise der Öffentlichkeit rund 80 Jahre lang das Wissen vorenthalten.
Ein Astrophysiker bemängelt jedoch, dass Stratton keinerlei Beweise für seine Aussagen vorlege.
Seit jeher fragen sich die Menschen, ob es wirklich außerirdisches intelligentes Leben im Weltraum gibt. Brisante Antworten dazu will ein neues Buch aus den USA liefern. Es trägt den Titel „Out of the Shadows: Revealing the Truth About Non-Human Intelligent Life“ (auf Deutsch etwa: Aus dem Schatten heraus – Die Enthüllung der Wahrheit über nicht-menschliches intelligentes Leben).
Die am 13. Oktober offiziell erschienene Autobiografie stammt von Jay Stratton. Er war nach Angaben des Verlags der ranghöchste Beamte der US-Regierung im Bereich der Untersuchung von UFOs und UAPs sowie von außerirdischem intelligentem Leben. Seit einigen Jahren verwenden US-Behörden zunehmend den Begriff UAP (Unidentified Anomalous Phenomena, unbekannte anomale Phänomene) anstelle des geläufigen Begriffs UFO (Unidentified Flying Object, unbekanntes Flugobjekt).
Stratton war Mitbegründer des ersten offiziellen UAP-Untersuchungsprogramms der US-Regierung seit 1969. Über 32 Jahre lang diente er den USA auf dem Schlachtfeld und als hochrangiges Mitglied der Nationalen Geheimdienstgemeinschaft.
Jay Stratton nimmt am 18. November 2025 in New York City an einer Veranstaltung teil.
Foto: Dia Dipasupil/Getty Images
Laut der Beschreibung erzählt Stratton in dem Buch, wie er in seiner Laufbahn auf ein Video eines hochentwickelten Flugobjekts über einem Nuklearwaffenstandort gestoßen sei. Es habe Manöver ausgeführt, die zur damaligen Zeit nicht nachvollziehbar gewesen seien. Daraufhin habe er sich plötzlich mit der Untersuchung der bedeutendsten Bedrohung für die nationale Sicherheit konfrontiert gesehen, mit der er je zu gehabt habe.
Im Rahmen der Geheimhaltung der Luft- und Raumfahrtprogramme soll Stratton allmählich erfahren haben, dass es ein streng geheimes Programm zur Bergung und zum Reverse Engineering, also der Nachkonstruktion von nicht verständlicher Technologie, abgestürzter UAP gebewissenschaftlichen. Dieses Programm und die dahinterstehenden Kreise würden seit nunmehr 80 Jahren die Existenz von außerirdischem intelligentem Leben verheimlichen und vertuschen. Nicht einmal der US-Kongress und der Präsident wüssten darüber Bescheid.
Im Jahr 2024 wies jedoch das US-Verteidigungsministerium die Vorwürfe, die Wahrheit über UFOs vertuschen zu wollen, zurück. Demnach lägen nach verschiedenen Überprüfungen seit 1945 keine Beweise vor, wonach die US-Regierung oder private Unternehmen außerirdische Technologie heimlich geborgen oder Reverse Engineering betrieben hätten.
Am 13. Oktober ließ sich Stratton von dem Moderator Bret Baier des US-amerikanischen Nachrichtensenders „Fox News“ interviewen. Eine der ersten Fragen von Baier lautete schlicht: „Sind wir allein?“ Die direkte Antwort von Stratton:
„Nein, das sind wir nicht. Die Menschheit ist nicht die einzige intelligente Lebensform im Universum. Ebenso wissen wir nicht, zu welchem Zweck nicht-menschliche intelligente Lebensformen hierherkommen, und das gibt Anlass zur Sorge.“
Stratton erklärte dem Moderator, er habe nicht-menschliche Lebewesen und nicht-menschliche Flugobjekte mit eigenen Augen gesehen. Diese Flugobjekte befänden sich im Besitz der US-Regierung und einiger privater Auftragnehmern. Seiner Ansicht nach verfügten auch China und Russland über nicht-menschliche Flugobjekte und betrieben ebenfalls Reverse Engineering.
„Dieses Buch ist mir sehr wichtig, ich möchte den Menschen davon berichten“, schilderte Stratton in dem Interview. „Ich habe fast 20 Jahre lang hinter den Kulissen zu UAPs recherchiert, und jetzt möchte ich an die Öffentlichkeit treten, damit die Menschen erfahren, dass die Welt ein Recht darauf hat, die Wahrheit über UAPs und die Existenz nicht-menschlicher intelligenter Lebensformen zu erfahren.“
Stratton erklärte gegenüber mehreren Medien, dass er 1989, als er mit 17 Jahren zur Armee gegangen sei, nicht im Traum daran gedacht habe, dass sein Lebensweg ihn dazu führen würde, UAPs aufzuspüren. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2022 war er mindestens 16 Jahre lang an der UAP-Forschung des Verteidigungsministeriums und der Geheimdienste beteiligt.
Avi Loeb ist Astrophysiker an der Harvard University und Vorsitzender des neu gegründeten wissenschaftlichen UAP-Beirates der US-Regierung. Er veröffentlichte einen Artikel, in dem er Strattons Aussagen infrage stellte. Der Astrophysiker verlangte von Stratton konkrete Beweise. Loeb schrieb:
„Bitte legen Sie digitale Daten oder Sachbeweise vor – wir leben nicht mehr in einer Zeit, in der man Menschen allein mit mündlichen Aussagen überzeugen kann. Wir wollen Beweise sehen – Beweise, die plausibel belegen, dass UAPs von außerirdischer Technologie stammen.“
Loeb sagte, es stehe außer Frage, dass Stratton über umfangreiche Erfahrung und hohes fachliches Ansehen verfüge, „aber seine Aussagen werden nicht durch öffentlich zugängliche, überprüfbare Daten gestützt“. Der Astrophysiker fuhr fort: „Wir müssen die Flugobjekte, die Jay angeblich gesehen hat […], mit eigenen Augen sehen, bevor wir seine Aussagen akzeptieren können.“
Loeb fügte hinzu, dass er Stratton vor über einem Monat zu einem Treffen mit Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats für UAP eingeladen habe, jedoch keine Antwort von Stratton erhalten habe.
US-Präsident Trump erteilte im Februar dieses Jahres Anweisungen zu UAP-bezogenen Phänomenen und forderte die US-Regierung auf, Regierungsunterlagen zum Thema UAP, UFO und außerirdisches Leben ausfindig zu machen, zu prüfen, freizugeben und zu veröffentlichen.
Da viele dieser Unterlagen noch nicht analysiert und verifiziert wurden, können sie keine direkten und schnellen Antworten darauf liefern, ob außerirdisches Leben und außerirdische Technologien die Erde bereits besucht haben. Das US-Kriegsministerium hat bei einigen Videos bereits die Schlussfolgerung gezogen, dass es sich um „Ballons“, „Vögel“ oder andere für den Menschen erkennbare Objekte handle, doch viele Videos befinden sich weiterhin im Status „zur Analyse ausstehend“.
Ein im August von Forschern des wissenschaftlichen UAP-Beirats veröffentlichter wissenschaftlicher Bericht besagt jedoch, dass vielen der veröffentlichten Videos entscheidende Daten fehlten. Somit bleibt das Rätsel um UFOs vorerst noch ungelöst, doch das Interesse der Menschen daran ist ungebrochen.
Enthüllungsfilm vor dem Enthüllungsbuch
Stratton hat sich vor diesem Buch bereits im 2025 erschienenen Dokumentarfilm „The Age of Disclosure“ (Das Zeitalter der Enthüllung) zur Existenz von UFOs und außerirdischen Lebensformen geäußert. In diesem Dokumentarfilm kamen neben Stratton weitere 33 ranghohe Persönlichkeiten aus den USA zu Wort und äußerten ähnliche Erfahrungen. Dazu zählen US-Kongressabgeordnete, hochrangige Vertreter der US-Geheimdienste, des Verteidigungsministeriums und des Militärs, Wissenschaftler, technische Berater, Personen aus UAP-Projekten sowie Augenzeugen.
Strattons neues Buch gleicht einem Bericht aus erster Hand. Es soll dem Leser Enthüllungen hinter den Kulissen offenbaren. Zudem werden darin Begegnungen dargelegt, die Strattons Verständnis vom Platz der Menschheit im Universum tiefgreifend verändert und einen beunruhigenden Tribut von ihm und seiner Familie gefordert hätten.
Das Buchcover des neuen Buches „Out of the Shadows“ vom Autor und ehemaligen ranghohen US-Beamten Jay Stratton.
Maskierte Männer plündern am 17. Oktober 2026 während gewaltsamer Proteste einen Monoprix-Supermarkt am Boulevard Saint-Denis in Paris. - Foto: Etienne Fauchaire/Epoch Times
In Kürze:
Ein Pariser Gericht führt doppelt so viele Schnellverfahren durch, um rund 300 Verdächtige strafrechtlich zu verfolgen.
21-Jähriger vor Gericht: Polizei kann „uns nicht finden – wir sind zu gutorganisiert“.
Staatsanwalt: „Wir sind die Lachnummer der Welt und die Schande dieses Landes.“
Justizminister Darmanin beklagt zu milde Urteile, bittet die Staatsanwälte, Berufung einzulegen.
„Die Sache ist die: Wenn ich Steine werfe, kann ich nicht gleichzeitig Snapchat-Videos machen.“ Dies erklärte ein 21-Jähriger in einer Snapchat-Sprachnachricht, den man beschuldigt hatte, an den Unruhen vom Samstag, 17. Oktober, in Paris teilgenommen zu haben. „Ich bin mitten im Geschehen, da kann ich das nicht zeigen.“
Als die Aufnahme am Mittwoch, 21. Oktober, vor dem Pariser Strafgericht abgespielt wurde, erklärte Ryad K. dem Gericht, er habe das „einfach so gesagt – um zu betonen, dass ich nichts getan habe“.
Die vorsitzende Richterin entgegnete ihm, dass seine Wortwahl „dennoch aufschlussreich“ sei.
Vier Tage nach den schlimmsten städtischen Unruhen, die Frankreich seit Jahren erlebt hatte, arbeitete das Pariser Gericht immer noch die zahlreichen Festnahmen durch. Polizeibeamte führten einen Angeklagten nach dem anderen in einen Gerichtssaal, der mit Journalisten, Angehörigen und Mitgliedern der Öffentlichkeit überfüllt war.
Landesweit waren zwischen dem 17. und 21. Oktober rund 2.500 Personen in Gewahrsam genommen worden; 917 von ihnen wurden an die Staatsanwaltschaft überstellt und 174 inhaftiert, so Justizminister Gérald Darmanin.
Allein in Paris wurden bis zum 20. Oktober etwa 300 Verdächtige der Staatsanwaltschaft überstellt. Das Gericht hatte zudem die Zahl der täglichen Schnellverfahren von zwei auf vier verdoppelt.
„Nur zum Spaß“
Ryad K., ein französischer Staatsbürger nordafrikanischer Herkunft ohne Vorstrafen, arbeitet im Sicherheitsdienst. Er erklärte vor Gericht, er sei aus Südfrankreich nach Paris gekommen, um „ein paar Sachen abzuholen“.
Die Richterin fragte ihn, warum er diese Reise zu einer Zeit unternommen habe, in der, wie sie es ausdrückte, „sogar Ausländern davon abgeraten wird, noch nach Paris zu kommen, weil es so gefährlich ist, weil das Bild, das von unserer Stadt, von unserem Land vermittelt wird, so katastrophal ist“.
Das Gericht zeigte Videos von Ryad K., die mit seinem Handy aufgenommen und von der Polizei sichergestellt worden waren.
In einem Video jubelt er, während eine Gruppe von Männern einen Monoprix-Supermarkt plündert.
In einem anderen sagte er: „Wallah, jetzt ist der Louvre dran.“ In einem weiteren Video war er zu sehen, wie er sich auf den Weg zu dem berühmten Museum machte.
In einer Nachricht in den sozialen Medien schrieb er, dass die Polizei „uns nicht finden kann – wir sind zu gut organisiert“.
Auf die Frage, ob es ihm Freude bereite, zu sehen, wie „KriminalitätsichüberdenRespektvoranderenundderenEigentumhinwegsetzt“, sagte er, seine Äußerungen seien nur ein Witz gewesen und „nur zum Spaß“.
18. Oktober 2026, Paris – Feuer und Demonstranten in der Rue du Faubourg du Temple, im Zentrum der französischen Hauptstadt. Zuvor war es auf der Place de la République nach einer nicht genehmigten Demonstration zu Zusammenstößen gekommen.
Foto: Matthieu Rondel/AFP via Getty Images
Er gab zu, einen Schuh „in Richtung der Polizei“ geworfen zu haben, bestritt jedoch, auf die Beamten gezielt zu haben. Er erklärte außerdem, dass die von ihm getragene Sturmhaube eigentlich ein Halswärmer gewesen sei und dass er seine Rolle bei den Ausschreitungen in seinen Social-Media-Beiträgen übertrieben dargestellt habe, um ein bestimmtes Image zu vermitteln.
„Wenn mir ein Sicherheitsmitarbeiter sagt: ‚Ich habe mich von der Menge mitreißen lassen‘, macht mir das Sorgen“, sagte der Staatsanwalt. „Wir waren entsetzt, als wir die Bilder davon sahen, was aus Paris geworden ist. Wir sind die Lachnummer der Welt und die Schande dieses Landes.“
Der Staatsanwalt beantragte eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten, davon 12 Monate auf Bewährung.
Mit 21 „noch nicht alle gesellschaftlichen Regeln gelernt“
Der Anwalt von Ryad K. stellte seinen Mandanten als einen unreifen jungen Mann dar, der seine Taten bereue. „Er gibt sich großspurig und versucht, ein bestimmtes Image aufzubauen“, sagte der Anwalt und fügte hinzu: „In diesem Alter hat man noch nicht alle gesellschaftlichen Regeln gelernt, die für ein gutes Zusammenleben wichtig sind.“
Er bezeichnete den Strafmaßantrag der Staatsanwaltschaft als „unverhältnismäßig“ und forderte die Richter auf, nicht „nicht unter dem Eindruck aufgeheizter Emotionen zu entscheiden“.
Das Gericht verurteilte Ryad K. schließlich zu 100 Tagessätzen à 150 Euro, was einer Gesamtstrafe von 15.000 Euro entspricht. Bei Nichtzahlung der Geldstrafen droht eine Freiheitsstrafe. Außerdem wurde er strafrechtlich verurteilt und erhielt ein zweijähriges Aufenthaltsverbot für Paris.
Andere an diesem Tag verhandelte Fälle betrafen Plünderungen und Vandalismus in Geschäften wie Foot Locker, Louis Vuitton und Coach sowie Beleidigungen und Angriffe auf Polizeibeamte.
Die meisten Angeklagten bestritten die gegen sie erhobenen Vorwürfe. Unter den von der Epoch Times beobachteten Personen handelte es sich ausschließlich um französische Staatsbürger nordafrikanischer oder subsaharisch-afrikanischer Herkunft oder um Ausländer aus diesen Regionen.
Das Profil der Randalierer ist Teil einer politischen Debatte darüber geworden, wer hinter den Gewalttaten vom 17. Oktober steckt. Die französische Rechte hat die Ultralinke dafür verantwortlich gemacht, diese ausgelöst zu haben. Sie hat aber auch mit dem Finger auf Menschen mit Einwanderungshintergrund gezeigt.
Auch US-Präsident Donald Trump schaltete sich in die Debatte ein.
„Frankreich brennt!“, schrieb er am 18. Oktober auf Truth Social, machte dabei „die Einwanderung von Menschen aus einer völlig anderen Welt“ verantwortlich und forderte Frankreich auf, „die Grenzen zu schließen“.
Am folgenden Tag beschrieb er Frankreich als „von Migranten, Dschihadisten und Kommunisten erobert, geplündert und niedergebrannt“ und erklärte, bei den Unruhen gehe es um „Einwanderung, nicht um Schulen“.
Der französische Präsident Emmanuel Macron wies diese Behauptungen während eines Besuchs in Katar am Mittwoch, 21. Oktober, scharf zurück. Er verurteilte die seiner Meinung nach „inakzeptablen und sogar dummen“ Äußerungen ausländischer Staats- und Regierungschefs, die, wie er sagte, „auf Kosten Frankreichs Wahlkampf machen“.
Macron macht Ultralinke und Kriminelle für Unruhen verantwortlich
„Es gibt Leute, die behauptet haben, wir seien von Horden von Migranten und Islamisten überrannt worden, was völlig falsch ist“, sagte Macron. Als er von Reportern darauf angesprochen wurde, bestätigte Macron, dass Trump zu denjenigen gehörte, von denen er sprach.
„Alle Menschen, die derzeit schlecht über unser Land reden, sind Menschen, die unser Land nicht lieben“, fügte der französische Staatschef hinzu. Macron führte die Gewalt stattdessen zurück auf „aufrührerische Elemente aus ultralinken Splittergruppen, denen sich viele Kriminelle angeschlossen haben“.
Angesichts der Kritik an ihrem Umgang mit den Unruhen setzt die französische Regierung nun auf ein entschlossenes Vorgehen der Justiz, um potenziellen Plünderern im Vorfeld einer weiteren für den 24. Oktober geplanten Protestwelle eine klare Botschaft zu senden.
„Unsere Richter sprechen in Ihrem Namen Recht, und sie wissen, was Sie erwarten“, sagte Macron in seiner Ansprache vom 18. Oktober an die französische Öffentlichkeit.
Strafverteidiger besorgt vor „voreiligen Urteilen“
Justizminister Darmanin hat die Staatsanwälte aufgefordert, gegenüber den an den Gewalttaten Beteiligten „größtmögliche Härte“ zu zeigen.
Einige Strafverteidiger zeigten sich jedoch gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times besorgt über die eilige Durchführung von Schnellverfahren für Hunderte Angeklagte. Das berge die Gefahr eines juristischen Vorgehens, das die individuellen Handlungen jedes Angeklagten außer Acht ließe und dazu führen könnte, dass einige allein aufgrund von Indizienbeweisen strafrechtlich verfolgt würden.
Die Regierung wolle „ganz klar“ zeigen, dass gegen die Plünderer vorgegangen werde, auch wenn dies zu „voreiligen Urteilen“ führe, erklärte Rechtsanwalt Julié gegenüber der Epoch Times. Rechtsanwalt Delage sagte, der Regierung ginge es nur um Zahlen.
Allerdings haben einige der ersten Urteilsverkündungen bereits Vorwürfe hervorgerufen – wegen übermäßiger Milde.
Darmanin erklärte am 20. Oktober gegenüber dem französischen TV-Sender „CNews“, er sei mit einigen der Urteile „nicht zufrieden“ und habe die Staatsanwälte gebeten, Berufung dagegen einzulegen.
Der 19-Jährige erinnert sich an den Tag, an dem er seiner Mutter sagte, dass er die Schule abbrechen wolle.
Sie stammt aus einer Unternehmerfamilie, in der ein guter Schulabschluss dennoch wichtig war. Auch Beckers Vater hat als Arzt gearbeitet und vor seiner Selbstständigkeit promoviert.
Becker sah für sich jedoch einen anderen Lebensweg. Bereits mit 16 Jahren hatte er sich neben der Schule selbstständig gemacht. Als er mit seinen IT-Dienstleistungen immer erfolgreicher wurde und die Aufträge ihn zunehmend beanspruchten, entschied er sich, sich ganz auf seine Kunden und das Unternehmertum zu konzentrieren. Und diese Entscheidung bereut er bis heute nicht.
Die Zahlen, die Becker nennt, sind bemerkenswert: Nach seinen Angaben stieg der Jahresumsatz von rund 10.000 Euro im Jahr 2023 auf 100.000 Euro 2024 und 1 Million Euro 2025. Für 2026 rechnet er sogar mit 6 Millionen Euro. „Wir sind sehr, sehr gut dabei“, sagt er.
Was 2023 als Einzelunternehmen begann, entwickelte sich zur BIT-Systems GmbH, die nach eigener Beschreibung ein deutschlandweit tätiges, auf den Mittelstand spezialisiertes IT-Systemhaus ist.
Seit 2026 baut Becker unter dem Namen BIT Group weitere Geschäftsfelder auf, darunter Personalvermittlung und Softwareentwicklung. Neben Wiesbaden ist der Standort München hinzugekommen. Die Anzahl der Festangestellten stieg nach seinen Angaben auf 55.
„Irgendwann fragt auch keiner mehr nach dem Alter“
Kaum ist Becker aus Amsterdam zurück, wartet schon der nächste Termin. Seine Stimme klingt dennoch energiegeladen und vor allem selbstbewusst.
Er war auf einer Fachmesse für Cybersicherheit, eingeladen von einem Geschäftspartner. Für ihn gehört es zum Alltag, technologische Entwicklungen im Blick zu behalten. Zugleich ist es für ihn besonders schön zu sehen, „wenn auch unsere Arbeit in der Branche so ein bisschen wertgeschätzt wird“.
Im Schnitt besucht Becker monatlich 20 potenzielle Neukunden.
Foto: BIT-Systems GmbH
Dass er erst 19 Jahre alt ist, sorgt auch dort noch immer für Erstaunen. In einer Runde mit zahlreichen Branchenkollegen habe der Geschäftspartner sein Alter verraten und hinzugefügt: „Der macht den gleichen Umsatz wie ihr.“ Diese Anekdote erzählt Becker am Rande des Gesprächs mit Stolz, als die Frage aufkommt, ob sein junges Alter in der oft als konservativ geltenden deutschen Unternehmerwelt zum Nachteil werden könne.
„Das Schwierigste war es, den ersten Kunden rumzukriegen. Danach ging es dann relativ zügig weiter.“
Nach drei Jahren in der Branche erhält er viele Weiterempfehlungen von Kunden. Stolz ist er darauf, dass sein IT-Systemhaus in dieser Zeit keinen einzigen Kunden verloren habe. Für stetiges Wachstum setzt er aber auch auf Kaltakquise, um neue Kunden zu gewinnen.
Rund 20 Gespräche mit potenziellen Neukunden führt Becker zurzeit nach eigenen Angaben jeden Monat. Aus etwa jedem zweiten werde ein Auftrag.
Häufig begleitet ihn dabei der technische Leiter oder ein Spezialist für Softwareentwicklung, der das entscheidende Know-how mitbringt „und auch ein bisschen Reputation schafft“.
„Irgendwann fragt auch keiner mehr nach deinem Alter“, sagt Becker lächelnd.
Die 80-Stunden-Woche eines Gen-Z-Unternehmers
Wenn es sein Terminkalender erlaubt, beginnt Becker den Tag im Büro in Wiesbaden.
Dort verschafft er sich einen Überblick über laufende Projekte und mögliche Störungen. Nach seiner Erfahrung treten technische Probleme besonders häufig morgens auf.
Anschließend folgen Gespräche mit Mitarbeitern, Führungskräften und Auszubildenden, bevor am Nachmittag die Außentermine anstehen. „Ich mache keine Technik mehr. Ich mache nur noch Vertrieb und Management“, sagt Becker.
Die Kunden stammen aus unterschiedlichen Branchen: von spezialisierten Technologieunternehmen über größere Fleischereien bis hin zu Tierkliniken.
Trotz seines jungen Alters wird Becker von Geschäftspartnern und Kunden geschätzt.
Foto: BIT-Systems GmbH
Sobald ein Vertrag geschlossen ist, übernimmt das technische Team. Mit rund 40 Mitarbeitern bildet es die mit Abstand größte Abteilung des Unternehmens.
Die Mitarbeiter kümmern sich um sämtliche IT-Probleme der Kunden – von Hard- und Software über die Verwaltung der IT-Systeme bis hin zu Lösungen für die Cybersicherheit. Darunter sind auch mehrere Auszubildende.
Hinzu kommen Mitarbeiter im Management, Backoffice, Recruiting und Vertrieb, die zusammen das 55-köpfige Team bilden. Das Durchschnittsalter im Unternehmen schätzt Becker auf rund 30 Jahre.
Den Abend lässt Becker gern „mit etwas Sinnvollem ausklingen“. So trifft er sich mit Beratern, Geschäftspartnern oder Kunden zum Essen, wo ein persönliches, freundschaftliches Verhältnis das Geschäftliche abrundet.
So kommt der junge Unternehmer nach eigenen Angaben schnell auf rund 80 Arbeitsstunden pro Woche.
„Ich war immer der, der am meisten gearbeitet hat“
Woher nimmt er diese Motivation – als Angehöriger der Generation Z, die in der heutigen Arbeitswelt eher bekannt ist für ihren Fokus auf „Work-Life-Balance“?
Bei dieser Frage erinnert sich Becker gern an die Zeit, als er noch als Schüler bei einem der größten IT-Systemhauskonzerne Deutschlands ein Praktikum begann. Zunächst musste er lediglich Laptops von A nach B bringen. Später durfte er Kunden zeigen, wie ihre IT-Infrastruktur aussehen sollte. Zunehmend betreute er die Projekte selbstständig.
„Ich war vielleicht nicht der, der am schnellsten war. Am Anfang gar nicht. Aber ich war immer der, der am meisten gearbeitet hat“, erzählt er lächelnd.
Von seiner Familie sei er „wortwörtlich“ zur Selbstständigkeit erzogen worden. Ob Vater oder Mutter, Großmutter väterlicherseits oder Großvater mütterlicherseits – viele seiner Familienmitglieder waren selbstständig. „Das liegt so ein bisschen bei uns, in der Natur der Sache.“
Doch neben dem familiären Hintergrund ist es vor allem die Freude an seiner Arbeit, die ihn antreibt. „Es ist das Thema IT und jetzt auch das Thema Vertrieb und Partnermanagement. Das sind Sachen, die machen mir einen unglaublichen Spaß.“
Aus dieser Begeisterung erwächst bei dem jungen Unternehmer der Wunsch, den Kunden eigene Lösungen anzubieten – aus seiner Sicht näher am Kunden, schneller und effizienter, vor allem aber preislich „transparent und fair“.
Im November 2023 machte sich Becker mit 16 Jahren als Einzelunternehmer selbstständig. Als Minderjähriger musste er dafür eine gerichtliche Genehmigung einholen. Seine Eltern begleiteten ihn dabei. Auf die Frage, ob sie ihrem Sohn das zutrauten, antworteten beide mit „Ja“.
Ohne ihre Zustimmung, erfuhr er später, wäre sein Vorhaben kaum möglich gewesen.
Als Becker jedoch in der zwölften Klasse die Schule abbrechen wollte, um sich ganz auf sein Unternehmen zu konzentrieren, stieß er nicht zuletzt bei seiner Mutter auf erheblichen Widerstand.
Wie durch Zauberhand wirkten schließlich die Worte einer Taxifahrerin, die ihn seit fast einem Jahr regelmäßig zu Kundenterminen fuhr. Sie sagte zu seiner Mutter:
„Hören Sie, Frau Becker, ich fahre den Jungen jeden Tag von A nach B, und das mache ich seit knapp einem Jahr. Sie können davon ausgehen, wenn er so weitermacht wie jetzt, dann kann das gar nicht schiefgehen.“
Schließlich unterschrieb seine Mutter die Abmeldung.
Mut und Vertrauen: Ein Rezept gegen den Fachkräftemangel?
Was seine Eltern ihm mit 16 Jahren zutrauten, traut er heute seinen Mitarbeitern zu: Verantwortung zu übernehmen, Fehler zu machen und daran zu wachsen.
Denn neue Kunden zu gewinnen, ist nur die eine Hälfte des Geschäfts. Die andere besteht darin, genügend qualifizierte Beschäftigte für die umfangreichen Kundenaufträge zu finden.
Gerade in der IT-Branche ist das keine Selbstverständlichkeit: Nach einer Prognose des Digitalverbands Bitkom dürfte der deutsche IT-Markt im Jahr 2026 um 5,4 Prozent auf knapp 171 Milliarden Euro wachsen. Zugleich bleiben Fachkräfte knapp. Die von Bitkom bezifferte Zahl der unbesetzten IT-Stellen liegt 2026 bei rund 79.000.
„Die Lösung für den Fachkräftemangel ist es nicht, die guten Leute einzustellen. Die Lösung für den Fachkräftemangel ist es, die Leute einzustellen, die man hat. Und diese Leute so lange zu qualifizieren, bis man daraus eine Fachkraft hat“, sagt Becker überzeugt.
Mindestens vier Auszubildende nimmt sein Unternehmen nach eigenen Angaben jedes Jahr auf. Hinzu kommen Praktikanten und Quereinsteiger. Dabei sollen die jungen Leute nicht bloß zuschauen. Vom ersten Tag an erhalten sie praktische Aufgaben.
Im Umgang mit seinem Team spielen Mut und Vertrauen eine wichtige Rolle.
Foto: BIT-Systems GmbH
Für jeden Auszubildenden sieht Becker nach eigenen Angaben während der dreijährigen Ausbildung Schulungen im Wert von mindestens 10.000 Euro vor. Zuvor bespricht er mit jedem individuell, in welche Richtung er sich beruflich entwickeln möchte.
Stolz berichtet er auch, dass seine Auszubildenden regelmäßig zu den Besten ihrer Berufsschulklassen gehörten.
„Ich erwarte auch von jedem Mitarbeiter, der bei uns ist, dass er jeden Tag auf die Arbeit kommt und sagt: ‚Ich mache das gerne noch einen weiteren Tag.‘ Wenn er es nicht gerne noch einen weiteren Tag macht, dann wird der Kunde das merken.“
Bei der Personalauswahl zählt für ihn nicht allein der Lebenslauf:
„Es kommt darauf an, was sie im Kopf haben. Es kommt nicht darauf an, was sie da auf Papier stehen haben.“
Damit gibt er im Umgang mit seinen Mitarbeitern jenes „amerikanische Mindset“ weiter, das er selbst durch seine Eltern erfahren hat.
Die Expansion: Keine „Angst vor Scheitern“?
Um sich auch langfristig für das schnelle Wachstum des Geschäfts notwendige Personal zu sichern, ist Becker dabei, eine Münchner Personalvermittlung zu übernehmen.
Er bezeichnet die Entscheidung als eines der „zwei schlauen Dinge“, die er Anfang des Jahres gemacht habe.
Auch eine eigenständige Tochtergesellschaft für Softwareentwicklung und ein auf IT-Lösungen für Tierarztpraxen spezialisierter Geschäftsbereich gehören zum sich vollziehenden Wandel des IT-Systemhauses BIT-Systems GmbH zur breiter aufgestellten BIT Group.
Insgesamt möchte Becker im kommenden Jahr „mindestens“ 10 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften.
Den Ausbau finanziert Becker aus laufenden Einnahmen und Bankkrediten, ganz ohne externe Investoren. „Also ich bin, wenn Sie so möchten, hoch verschuldet“, sagt er schmunzelnd.
Damit führt das Gespräch unweigerlich zur aktuellen Debatte über den Wirtschaftsstandort Deutschland. Der deutschstämmige US-Investor Peter Thiel sprach in einem Interview sinngemäß davon, dass in Deutschland weniger Gründer als in den USA ihre Unternehmen zu internationaler Größe ausbauten. Als mögliche Gründe nannte er eine Angst vor dem Scheitern, aber auch vor dem Erfolg.
„Angst vor Scheitern gibt es in Deutschland ohne Ende.“ Auch Becker stimmt zu.
„Wir sind in Deutschland meiner Meinung nach in einer Gesellschaft, die von Angst und durch Angst geprägt ist. Der Deutsche ist klassisch zurückhaltend, sauber und ordentlich strukturiert, aber definitiv niemand, der nach vorne prescht.“
Umso dankbarer ist Becker seinen unternehmerisch tätigen Eltern und Großeltern, die ihm vorlebten, mit Risiken und Ängsten umzugehen. „Ich habe ja gesehen, dass es funktionieren kann.“
Andererseits habe er auch keine Angst davor, dass seine Pläne scheitern könnten. „Wenn es nicht funktioniert, mache ich das, was alle anderen auch machen und gehe arbeiten.“
Standort Deutschland: Zwischen Krise und Zuversicht
Die Angst vor dem Erfolg hänge vielmehr mit den Rahmenbedingungen zusammen, die das Wachstum junger Unternehmen in Deutschland erschweren.
In den USA sei Kapital von institutionellen und privaten Investoren wesentlich leichter zugänglich, sagt Becker. In Deutschland erschwerten zudem hohe Steuern, Bürokratie und politische Unsicherheit das Wachstum.
„Wir haben die Bürokratie erschaffen. Wir leben sie auch“, sagt Becker. Seiner Meinung nach habe sich Deutschland damit „selbst einen Strick um den Hals gelegt“. Manchen politischen Entscheidungsträgern fehle aus seiner Sicht außerdem wirtschaftliche und unternehmerische Erfahrung.
Allerdings unterscheide sich sein Geschäftsmodell von dem eines klassischen Start-ups, das ein bestimmtes Produkt entwickelt und mithilfe von Wagniskapital schnell in großer Stückzahl verkaufen kann. „Bei uns muss der gesamte Apparat wachsen und das muss er mit einer gewissen Effizienz“, urteilt er nüchtern. Sonst werde das Unternehmen zu teuer und könne die Kunden nicht mehr zu dem zugesicherten Preis bedienen.
„Es sind ganz andere Dynamiken in der Firma. Der Kunde kommt zu uns mit einem von 20.000 Problemen. Wir müssen eine Lösung für dieses Problem finden. Dafür gibt es aber kein Schema F. Das heißt, jeder Kunde ist in sich einzigartig.“
Diese Kundennähe und die breite Aufstellung seiner IT-Dienstleistungen binden ihn an den Standort Deutschland und ermöglichen es ihm zugleich, hier weiterzuwachsen.
Pascal Becker will sein IT-Unternehmen weiter ausbauen – und sieht seine Zukunft am Standort Deutschland.
Foto: BIT-Systems GmbH
Um Risiken zu streuen, setzt er jedoch schon früh gezielt auf Kunden aus zukunftsträchtigen Branchen, darunter spezialisierte Technologieunternehmen und der medizinische Bereich. „Sie nutzen jeden Tag Produkte von unseren Kunden, ohne das zu wissen“, sagt er.
Sein Ziel: Er will ein solides mittelständisches Unternehmen aufbauen, das langfristig Bestand hat.
„Wir haben eine Krise.“ Der 19-Jährige erwartet zweifelsohne schwierige Jahre für Deutschland, bleibt aber zuversichtlich:
„Ich bin fest überzeugt, dass man sich da wieder aus der Krise rausarbeiten kann.“
„KI ist ein Werkzeug, nicht die Lösung“
Als IT-Unternehmer kommt auch Becker an Künstlicher Intelligenz nicht vorbei.
Gerade in der Cybersicherheit sieht er großes Potenzial. KI-gestützte Systeme können Daten aus unterschiedlichen Quellen auswerten und dabei helfen, verdächtige Vorgänge schneller zu erkennen. Auch intern nutzt sein Unternehmen Chatbots und KI-basierte Wissensdatenbanken.
Eine Grenze zieht Becker jedoch beim Kundenkontakt. Wer bei seinem Unternehmen anruft, soll weiterhin mit einem Menschen sprechen:
„Der Mensch braucht jetzt Hilfe und er braucht Hilfe von einem anderen Menschen.“
Ein KI-Chatbot könnte nach seiner Einschätzung so viel Arbeit übernehmen, dass sich mindestens 20 Prozent des Personals anderweitig einsetzen ließen. Trotzdem verzichtet er auf einen solchen Assistenten als erste Anlaufstelle.
Hinter den Kulissen soll KI die Arbeit beschleunigen. Im direkten Kundenkontakt bleibt für Becker der Mensch entscheidend. „KI ist ein Werkzeug, nicht die Lösung.“
„Eine Last, die man gerne trägt“
Bei allen Wachstumsplänen will Becker die Menschen hinter seinem Unternehmen nicht aus dem Blick verlieren.
Drei Mitarbeiter seien von Anfang an dabei gewesen und gehörten heute zum Führungsteam. Den Erfolg allein für sich zu beanspruchen, wäre deshalb falsch, sagt er. Gemeinsam hätten sie etwas aufgebaut, auf das inzwischen viele Menschen angewiesen seien.
Denn hinter den 55 Beschäftigten stehen auch Familien, deren Lebensunterhalt vom Unternehmen abhängt. Mit jedem neuen Auftrag, jeder Einstellung und jeder Investition wächst daher auch Beckers Verantwortung. „Das ist ein Risiko. Das ist eine Last, die man gerne trägt. Aber es ist eine Last“, sagt er.
Abschrecken lässt er sich davon nicht. Für Becker gehören Verantwortung und unternehmerische Freiheit zusammen. Fehler habe er auf seinem Weg durchaus gemacht.
Elon Musk, CEO von SpaceX, am 29. September 2026 in Washington, D.C. - Foto: Madalina Kilroy/Epoch Times
Die Aktien von SpaceX und Tesla legten Mitte der Woche kräftig zu, nachdem Milliardär Elon Musk eine mögliche Fusion der beiden Billionen-Dollar-Unternehmen ins Spiel gebracht hatte.
An der Wall Street wird seit Langem über eine mögliche Fusion spekuliert, die zwei zentrale Teile des Geschäftsimperiums des zeitweise als Billionär gehandelten Unternehmers unter einem gemeinsamen Konzerndach zusammenführen würde.
In einer Telefonkonferenz mit Analysten am Dienstag, 20. Oktober, deutete Musk an, dass ein Zusammenschluss der beiden Unternehmen eine „gute Idee“ sei.
Sonderausschüsse eingesetzt
Musk bestätigte, dass die Verwaltungsräte von SpaceX und Tesla unabhängige Ausschüsse eingesetzt hätten, um über eine mögliche Fusion zu diskutieren. „Manche Leute gehen davon aus, dass eine Fusion von SpaceX und Tesla bereits beschlossene Sache ist, aber ich halte das für übertrieben“, sagte Musk zu den Analysten.
„Die Sonderausschüsse haben noch keine Einigung über die Bedingungen einer Transaktion erzielt. Und natürlich gibt es keine Garantie dafür, dass sie dies tun werden.“
Neben den Fusionsgesprächen zeigten sich die Anleger erfreut über die soliden Ergebnisse von SpaceX im dritten Quartal, die die Schätzungen der Wall Street übertrafen.
Tesla hat seine Ergebnisse für das dritte Quartal am Mittwoch, 21. Oktober, vorgelegt. Die SpaceX-Aktie legte um bis zu 10 Prozent zu, während Tesla um etwa 3 Prozent stieg.
Hinter den Kulissen einer möglichen Fusion
Eine Fusion werde seit der Ankündigung des Börsengangs von SpaceX Anfang dieses Jahres allgemein erwartet, sagte Daniel Newman, CEO des auf große Technologieunternehmen spezialisierten Analyseunternehmens The Futurum Group.
Angesichts der langfristigen Vision der Unternehmen – die Besiedlung des Weltraums, der Bau von Robotern und die Weiterentwicklung Künstlicher Intelligenz – würde ihre Zusammenarbeit wahrscheinlich viele Vorteile mit sich bringen, was auch Musk bestätigte.
Ein Tesla Cybercab fährt am 4. Oktober 2026 auf der Autobahn in Hayward, Kalifornien.
Foto: Josh Edelson/AFP via Getty Images
Außerdem haben die beiden Unternehmen bereits zahlreiche Geschäfte miteinander getätigt. SpaceX hat Megapack-Batterien und Cybertrucks im Wert von 1 Milliarde US-Dollar (rund 0,9 Milliarden Euro) von Tesla gekauft. Zudem wurde Tesla zum SpaceX-Aktionär, als seine Investition von 2 Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) in xAI in SpaceX-Aktien umgewandelt wurde. Musks KI-Modell „Grok“ ist zudem in vielen Tesla-Fahrzeugen kostenlos vorinstalliert.
Gemeinsam mit Intel haben SpaceX und Tesla bereits eine Partnerschaft bei Terafab geschlossen, einer Halbleiterfertigungsanlage, die Chipdesign, Speicherproduktion und Chipmontage unter einem Dach vereint.
Das Joint Venture hat sich zum Ziel gesetzt, bis Juni 2027 seinen ersten SRAM-Chip zu testen und Chips für selbstfahrende Fahrzeuge, humanoide Roboter und KI-Rechenzentren im Orbit zu produzieren.
Raketentriebwerke am Tesla Roadster
„Die Raketentriebwerke am Tesla Roadster gaben einen guten Vorgeschmack darauf, wie er die Zusammenarbeit der Unternehmen in der Zukunft sieht“, sagte Newman gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.
Eine Sonderanfertigung des neuen Tesla Roadster kann schweben und über Autos „springen“.
Foto: Tesla
Vergangene Woche stellte Tesla einen fliegenden Sportwagen vor, der mithilfe der Kaltgas-Triebwerke von SpaceX rückwärts gerichtete Saltos und Sprünge vollführte.
„Unter dem Strich vereinen die beiden Unternehmen die Bereiche Weltraum, KI, Autonomie und Robotik und wären wohl das weltweit am besten positionierte Unternehmen für die kommenden Entwicklungen“, so Newman.
Eines der weltweit größten Unternehmen
Wenn die größte Fusion aller Zeiten zustande käme, würde das fusionierte Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von fast 4 Billionen Dollar (rund 3,6 Billionen Euro) sofort zu einem der größten börsennotierten Unternehmen der Welt aufsteigen und mit Alphabet, Amazon und Microsoft konkurrieren.
Die größten börsennotierten Unternehmen der USA
Eine mögliche Fusion von SpaceX und Tesla würde das Unternehmen zu einem der größten der Welt machen:
Die Schätzungen zur Marktkapitalisierung entsprechen Stand 21. Oktober 2026.
Foto: Andrew Moran/Epoch Times; erstellt mit Datawraper
Abgesehen von einer enorm hohen Marktkapitalisierung würde ein gemeinsames Unternehmen von SpaceX und Tesla zu einem verzweigten Industrie- und Technologiegiganten mit rund 155.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von etwa 153 Milliarden Dollar (rund 136 Milliarden Euro) werden.
Zugleich haben beide Unternehmen weiterhin einen hohen Kapitalbedarf. In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 belief sich der negative Cashflow von SpaceX auf insgesamt rund 35 Milliarden Dollar (rund 31 Milliarden Euro), nachdem 48 Milliarden Dollar (rund 43 Milliarden Euro) ausgegeben worden waren – größtenteils für KI-bezogene Infrastruktur.
Im zweiten Quartal lag der freie Cashflow von Tesla bei minus 1,1 Milliarden Dollar (rund 1 Milliarde Euro).
„Eine komplexe Organisation“
Eine Fusion von SpaceX und Tesla könnte laut Ryan Zurrer, Gründer der auf alternative Anlagen spezialisierten Firma Dialectic, die zu den frühen Investoren von SpaceX gehörte, eine „komplexe Organisation“ schaffen, deren Führung eine Herausforderung darstellen würde.
Er fügte hinzu, dass ein wahrscheinliches Szenario darin bestehe, dass die beiden Unternehmen als getrennte Einheiten innerhalb des Konglomerats agieren und dann technische Ressourcen gemeinsam nutzen würden.
„Ich sehe keine große Vermischung der Marken“, sagte Zurrer der Epoch Times.
Der Start des SpaceX-Raumschiffs Starship 14 am 28. September 2026 auf der SpaceX-Starbase in Starbase, Texas.
Foto: Ronaldo Schemidt/AFP via Getty Images
Die Sicht der Wall Street
Ein Deal würde Musks Einfluss auf Tesla stärken. Während er bei SpaceX 84 Prozent der Stimmrechte kontrolliert, beträgt sein Anteil an Tesla 20 Prozent.
Trotz des weitverbreiteten Optimismus an der Wall Street könne eine Fusion von SpaceX und Tesla Risiken für die Aktionäre mit sich bringen, warnt Robert Johnson, Finanzprofessor am Heider College of Business der Creighton University in Omaha, Nebraska.
„Man kann die Aussichten des einen Unternehmens positiv und die des anderen negativ einschätzen“, sagte er der Epoch Times.
„Solange es sich um getrennte Unternehmen handelt, kann man in das eine investieren und das andere meiden (oder leerverkaufen). Das fusionierte Unternehmen bietet einem Anleger nicht diese Möglichkeit.“
Laut dem Finanzportal „MarketBeat“ haben Wall-Street-Analysten zum Stand vom 21. Oktober unterschiedliche Erwartungen für beide Unternehmen.
Die Konsensbewertung für SpaceX lautet „Moderate Buy“ (moderater Kauf) mit einem Kurspotenzial von 43 Prozent innerhalb von zwölf Monaten.
Tesla hat eine „Hold“-Bewertung (Halten) und eine Kurspotenzial von 7 Prozent innerhalb von 12 Monaten.
Einer Fusion müssten Aktionäre mit mindestens 50 Prozent aller ausstehenden Tesla-Aktien zustimmen – nicht nur die Mehrheit der abgegebenen Stimmen –, etwas, was Musk als „eine ziemlich hohe Hürde“ bezeichnete.
Die Prognosemärkte erwarten eine offizielle Fusion bis spätestens Dezember 2027.
Monatelang wälzte sich Magdel van Vuuren nachts stundenlang im Bett umher. Die Lösung für ihre Schlaflosigkeit und ihr Übergewicht lag jedoch nicht in teuren Medikamenten – sondern in einer überraschend einfachen Umstellung ihrer Abendroutine. - Foto: Illustration von Lumi Liu
Das wirksamste Schlafmittel im Leben von Magdel van Vuuren war weder ein teures Nahrungsergänzungsmittel noch eine neue Matratze. Es war die einfache Umstellung ihrer Essgewohnheiten.
Monatelang kroch van Vuuren jeden Abend ins Bett – in der verzagten Hoffnung, dies sei nun endlich die Nacht, in der sie Ruhe finden würde. Stattdessen wälzte sie sich stundenlang wach, während die Frustrationen wuchsen. Und je schlechter sie schlief, desto mehr kletterte auch die Waage nach oben.
Der Rat ihres Arztes klang fast zu einfach, um zu funktionieren: Essen Sie abends spätestens um 18 Uhr zu Abend.
Schon nach wenigen Wochen zeigte sich die Wende. „Meine Phasen des Wachliegens wurden kürzer und ich merkte nach und nach, wie ich wieder leichter durchschlafen konnte“, erzählt sie. In den folgenden Monaten schmolzen auch die überflüssigen Kilos dahin. Die Veränderung war so tiefgreifend, dass sie diese Gewohnheit über Jahre beibehielt.
Van Vuurens Fall steht stellvertretend für einen rasant wachsenden Forschungszweig: Wer die letzte Mahlzeit mehrere Stunden vor der Nachtruhe einnimmt, schenkt dem Organismus die nötige Zeit, die Verdauung in Ruhe abzuschließen. Der Körper kann seine Energien dann auf das konzentrieren, wofür die Nacht eigentlich gedacht ist: Regeneration und tiefen Schlaf.
Unser Stoffwechsel läuft nicht rund um die Uhr im selben Tempo – er ist eng an unsere innere Uhr gekoppelt, den sogenannten zirkadianen Rhythmus.
Ob Kohlenhydrate, Fette oder der reine Energieumsatz: Die gesamte Verwertung wird von diesem inneren Taktgeber gesteuert. Am Morgen läuft die Verwertung auf Hochtouren. Die Betazellen der Bauchspeicheldrüse schütten nach dem Essen besonders effektiv Insulin aus und die Zellen nehmen den Nährstoff Zucker bereitwillig auf. Zudem ist der sogenannte thermische Effekt der Nahrung morgens am höchsten: Ein größerer Teil der aufgenommenen Kalorien wird direkt in Körperwärme umgewandelt, anstatt auf den Hüften zu landen.
Kurz gesagt: Morgens kann unser Organismus Nahrung nicht nur leichter verarbeiten, er verzeiht Kalorien auch eher als am späten Abend.
Wer entgegen diesem natürlichen Rhythmus isst, bringt die feinfühligen Stoffwechselprozesse aus dem Takt, mit spürbaren Folgen für die Gesundheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Jerome Menet, Professor für Biologie an der Texas A&M University.
Er vergleicht den Körper mit einer Fabrik, die nachts eigentlich stillsteht: Rollt um Mitternacht plötzlich ein Lkw voller neuer Rohstoffe auf den Hof, muss der Betrieb zähneknirschend wieder hochfahren – Arbeiter werden aus dem Schlaf gerufen und Maschinen unter Zusatzaufwand reaktiviert.
Doch nicht nur die Uhrzeit entscheidet. Mindestens ebenso wichtig ist eine feste Routine. „Es kommt nicht nur darauf an, wann wir essen, sondern dass wir es möglichst immer zur selben Zeit tun“, erklärt Jamie Zeitzer, Schlafforscher an der Stanford University.
Sobald sich feste Essenszeiten eingespielt haben, kann die innere Uhr die Verdauung vorausschauend hochfahren – was dem gesamten Körper zugutekommt.
1. Besserer Schlaf
Für van Vuuren war der spürbar bessere Schlaf das erste Anzeichen der Wende – eine Beobachtung, die sich wissenschaftlich lückenlos belegen lässt.
Eine Studie unter Leitung der University of Michigan bestätigt den Zusammenhang: Wer in der Stunde vor dem Zubettgehen noch isst, wälzt sich nachts häufiger wach und schläft insgesamt schlechter.
Die Ursache liegt in einem biologischen Zielkonflikt. Sobald es dunkel wird, fährt der Körper die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin hoch. Das signalisiert dem Organismus, die Insulinproduktion herunterzufahren. Wer nun knapp vor dem Schlafen noch isst, zwingt den Körper zu einem Spagat: Er soll für die Nachtruhe den Insulinspiegel senken, braucht aber gleichzeitig Insulin, um die späte Mahlzeit zu verarbeiten.
Wer das Abendessen dagegen früh beendet, gibt dem Magen-Darm-Trakt genügend Vorlauf, um die Arbeit vor der Nachtruhe abzuschließen. „Man verlangt vom Körper nicht mehr, zwei gegensätzliche Aufgaben auf einmal zu erledigen“, erklärt Dr. Sunil Kumar, Facharzt für Lebensstilmedizin.
Erst wenn die Verdauung ruht, kann sich der Organismus ungestört seinen eigentlichen Nachtaufgaben widmen: Zellen reparieren, das Immunsystem stärken, Erinnerungen im Gehirn verankern und Stoffwechselgifte aus dem Denkorgan abtransportieren.
2. Weniger Reflux
Studien zeigen: Je kürzer die Spanne zwischen der letzten Mahlzeit und dem Schlafengehen ist, desto heftiger können die Symptome des sogenannten Refluxes ausfallen. Die Ursache ist reine Physik. Liegt der Körper waagerecht und der Magen ist noch voll, schwappt der saure Mageninhalt schwerkraftbedingt leichter zurück in die Speiseröhre. Das stört den Schlaf, oft selbst dann, wenn Betroffene das klassische Brennen in der Brust gar nicht bewusst wahrnehmen.
3. Stabilere Blutzuckerwerte
Menschen mit Diabetes oder dessen Vorstufen (Prädiabetes) können davon profitieren, das Abendessen nach vorne zu verlegen.
In einer Studie verglichen Forscher zwei Gruppen: Die einen aßen vier Stunden vor dem Schlafengehen zu Abend, die anderen erst eine Stunde vor der Nachtruhe. Das Ergebnis war eindeutig: Bei den Spätessern lag der Blutzuckerspiegel um 8,3 Prozent höher.
4. Abnehmen
Die Wirkung des Insulins spielt auch beim Abnehmen eine Rolle. Da das Insulin mehr Zeit hat, abgebaut zu werden, wenn das Abendessen früh eingenommen wird, verbrennt der Körper über Nacht mehr Fett, anstatt es zu speichern.
Eine kleine Studie ergab, dass Menschen, die früher am Tag aßen, einen größeren Anteil an Fett verbrannten, obwohl sie insgesamt nicht mehr Kalorien verbrannten.
In einer 14-wöchigen Studie an Erwachsenen mit Adipositas verloren diejenigen, die den Großteil ihrer Mahlzeiten früher am Tag zu sich nahmen, mehr Gewicht als diejenigen, die ihre Mahlzeiten über einen längeren Zeitraum verteilten. Unter den Teilnehmern, die die Studie abschlossen, verloren die „frühen Esser“ mehr Körperfett und Fett im Rumpfbereich.
5. Leichtere Verdauung
Wie gut sich der Magen und der Darm bewegen, wie die Verdauungsenzyme funktionieren und wie gut man Nährstoffe aufnehmen kann – all das verändert sich im Laufe des Tages. Sogar das Darmmikrobiom folgt einem täglichen Rhythmus, der davon geprägt ist, wann gegessen wird.
Denn das Verdauungssystem schaltet gegen Abend einen Gang zurück.
6. Bessere Gehirngesundheit
Einige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Fasten dazu beitragen kann, den kognitiven Verfall zu verzögern und sogar das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit zu verlangsamen.
Ein vorgeschlagener Mechanismus ist, dass die nächtliche Fastenphase die Produktion von BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor) unterstützt – einem Protein, das das Wachstum und die Gesundheit der Gehirnzellen fördert.
Höhere BDNF-Werte könnten im Laufe der Zeit zu weniger „Brain Fog“ (Gehirnnebel) und einer größeren Widerstandsfähigkeit gegenüber neurodegenerativen Erkrankungen führen, erklärte Jaz Robbins, ganzheitliche Ernährungsberaterin und Psychologin, gegenüber der Epoch Times.
Robbins wies zudem auf einen möglichen psychologischen Effekt hin. Die Förderung der Gehirngesundheit kann beeinflussen, wie wir uns fühlen und denken. Fasten wird mit größerer geistiger Klarheit und einer positiveren, widerstandsfähigeren Lebenseinstellung in Verbindung gebracht. Dies könnte teilweise mit der neuroendokrinen Reaktion zusammenhängen, die das Fasten im Körper auslöst.
„Das ist zweifellos mein liebster Vorteil des Nachtfastens“, sagte Robbins.
Ist ein früheres Abendessen für jeden das Richtige?
Ein früheres Abendessen mag für manche Menschen gut funktionieren, ist aber nicht unbedingt für jeden das Richtige.
Schichtarbeiter, Schwangere, Sportler im intensiven Training und alle mit einer Vorgeschichte von Essstörungen benötigen möglicherweise einen individuelleren Ansatz. Zu starre Essensfenster können mehr schaden als nützen, sagte Kumar.
„Ein früheres Abendessen ist ein Rhythmus, keine Regel“, sagte er. Der Experte plädiert deshalb dafür, die Mahlzeit zeitlich vorzuziehen, statt sie ersatzlos ausfallenzulassen. Wer die Gewohnheit langfristig durchhält, verbindet damit einen echten Gewinn – wie spürbar besseren Schlaf – anstatt das Ganze als ein Diktat des Verzichts zu begreifen, das man mit aller Macht durchziehen muss.
So etablieren Sie einen neuen Essrhythmus
Wenn Sie versuchen möchten, das Abendessen vorzuverlegen, muss das kein zusätzlicher Stressfaktor sein. Ein gelegentliches spätes Abendessen macht die Vorteile nicht zunichte.
Richten Sie sich nach Ihrer Schlafenszeit, nicht nach der Uhr: Wenn Sie normalerweise um 22 Uhr schlafen gehen, sollten Sie versuchen, gegen 18 Uhr mit dem Abendessen fertig zu sein. Gehen Sie später ins Bett, kann auch Ihr frühes Abendessen später stattfinden.
Streben Sie Beständigkeit statt Präzision an: Jeden Tag etwa zur gleichen Zeit zu essen ist genauso wichtig wie die Frage, wie früh Sie essen.
Passen Sie sich der Jahreszeit und Ihrem Körperrhythmus an: Achten Sie besonders im Winter auf Veränderungen, wenn die früher einsetzende Dunkelheit den Biorhythmus verschieben kann. Berücksichtigen Sie Schlafgewohnheiten, Lichteinwirkung und Verdauung gemeinsam, anstatt sich starr nur nach der Uhr zu richten.
Morgens fit statt müde – auch in der dunklen Jahreszeit kann die innere Uhr wieder in den Takt finden. Foto:istock Yuliia Kaveshnikova
Ich erinnere mich an einen Nachmittag im vergangenen Oktober, als Maria S. meine Praxis betrat. Die zierliche Grundschullehrerin, die sonst für ihren Elan bekannt war, wirkte matt.
Sie erzählte mir, dass sie sich jeden Morgen wie unter einer schweren Decke aus dem Bett quälen müsse. Sobald im Herbst die Blätter fielen, leide sie unter Heißhunger auf Süßes, einer gedrückten Stimmung und einem dichten Nebel im Kopf, der sie durch den Tag begleite.
Das Frustrierende war, dass ihre bisherige Suche nach Hilfe erfolglos geblieben war.
Man hatte ihr Blut untersucht, die Schilddrüse kontrolliert und schließlich die Diagnose einer Winterdepression gestellt, verbunden mit dem Rat, sich einfach mehr zusammenzureißen.
Nach einer ausführlichen ganzheitsmedizinischen Anamnese wurde klar, dass der Zustand von Marias S. jedoch kein psychisches Versagen war, sondern typische Zeichen einer inneren Uhr, deren biologische Zahnräder durch das schwindende Herbstlicht ins Stocken geraten waren.
Das hormonelle Missverständnis im herbstlichen Schattenreich
Die klassische Medizin betrachtet die herbstliche Lethargie oft als bloße Befindlichkeitsstörung.
Doch die moderne Chronobiologie, also die Wissenschaft von den inneren Rhythmen des Körpers, offenbart ein weitaus tieferes Problem, das wir als das zirkadiane Paradoxon bezeichnen. Der Begriff „zirkadian“ leitet sich vom Lateinischen ab und bedeutet „rund um einen Tag“.
Wenn im Oktober die Tage kürzer werden und das natürliche Licht drastisch abnimmt, gerät das fein abgestimmte hormonelle Wechselspiel in unserem Gehirn aus den Fugen.
Im Zentrum dieses Geschehens steht die Zirbeldrüse. Dieses winzige Organ im Gehirn hat die Aufgabe, das stimmungsaufhellende Nervenhormon Serotonin bei Dunkelheit in das Schlafhormon Melatonin umzuwandeln.
Das Paradoxon des modernen Menschen besteht nun darin, dass wir uns auch tagsüber in schwach beleuchteten Innenräumen aufhalten. Dadurch erhält der Körper das falsche Signal, die Melatoninproduktion einfach ungebremst fortzusetzen, während der Serotoninspiegel aufgrund des Lichtmangels regelrecht einbricht.
Diese hormonelle Schieflage sorgt dafür, dass die Betroffenen tagsüber im permanenten Halbschlaf verharren, während sie nachts paradoxerweise oft sogar unter Einschlafstörungen leiden.
Die entkoppelte Achse zwischen Auge und Gehirn
Um die Tiefe dieser Störung zu begreifen, müssen wir den Weg betrachten, den das Licht in unserem Körper nimmt. Spezielle lichtempfindliche Zellen in unserer Netzhaut registrieren die Wellenlängen des Lichts, insbesondere den blauen Anteil des Tageslichts.
Diese Zellen leiten die Signale direkt an unseren obersten biologischen Taktgeber weiter: den suprachiasmatischen Nukleus, kurz SCN, der im Zwischenhirn sitzt.
Dieser SCN fungiert, vereinfacht gesagt, als die Hauptuhr unseres Körpers und steuert die Aktivität der Zirbeldrüse. Dass eine solche Störung der inneren Uhr gravierende körperliche Spuren hinterlässt, belegen moderne wissenschaftliche Untersuchungen.
In einer Studie untersuchte der Forscher, wie empfindlich das Gehirn auf spezifische Lichtwellenlängen reagiert und wie dadurch die geistige Leistungsfähigkeit und die nächtliche Regeneration beeinträchtigt werden.
Wenn nun im Herbst das morgendliche Startsignal der Hauptuhr ausbleibt, weil das Auge zu wenige Lichtreize registriert, wird der Körper nicht richtig wach.
Diese chronobiologische Entkopplung betrifft keineswegs nur die Stimmung, sondern greift tief in den gesamten Stoffwechsel ein.
Eine groß angelegte epidemiologische Untersuchung aus dem Jahr 2024 liefert Hinweise auf die körperlichen Gefahren einer instabilen inneren Uhr.
Die Daten von über 84.000 Teilnehmern ergaben einen Zusammenhang, dass unregelmäßige Schlaf-Wach-Rhythmen das Risiko für Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes erhöhen, da die Empfindlichkeit der Zellen für das blutzuckersenkende Hormon Insulin direkt an den zentralen Takt der inneren Uhr gekoppelt ist.
Wer die Herbstmüdigkeit und die innere Uhr ignoriert, gefährdet somit möglicherweise langfristig seine Gesundheit.
Diagnostik: Ein einfacher Cortisoltest reicht oft nicht aus
Ein zentraler Baustein in der Diagnostik und Therapie des zirkadianen Paradoxons ist die sogenannte Cortisol-Aufwachreaktion.
Normalerweise schießt das körpereigene Aktivitäts- und Stresshormon Cortisol in den ersten 30 Minuten nach dem Erwachen steil nach oben – ein von der Natur genial eingerichteter Mechanismus, um uns Energie, Fokus und Wärme für den Tag zu schenken.
Im Herbst jedoch fällt dieser wichtige Hormonschub bei vielen Patienten schwächer aus, weil die innere Uhr mangels Lichtreizes den Startbefehl verweigert. Anstatt einer gesunden Dynamik zeigt sich ganzheitlich betrachtet eine Erschöpfung der Nebennieren, welche das Cortisol produzieren.
Um dieses Problem sichtbar zu machen, reicht eine einfache, punktuelle Cortisolbestimmung im Blut am Vormittag nicht aus, da die Werte im Blut über den Tag zu stark schwanken.
Hier setzt die ganzheitsmedizinische Labordiagnostik an, indem sie ein exaktes Tagesprofil mittels Speichelproben erstellt.
Im Speichel wird dann das biologisch aktive, freie Cortisol gemessen, was diagnostische Klarheit liefert.
Die Relevanz dieser präzisen morgendlichen Hormonwerte für die Immunabwehr zeigte eine Studie, die im Jahr 2024 veröffentlicht wurde. Ein abgeflachtes Cortisolprofil am Morgen bei Kindern steht in Zusammenhang mit einer Begünstigung von Autoimmunprozessen. Wenn das morgendliche Cortisolsignal versagt, leidet das gesamte System unter biologischem Stress.
Dass dieser chronische Stress und die daraus resultierende Verschiebung der Hormonachsen auch Gewichtsprobleme nach sich ziehen können, zeigte eine Tierstudie, die ebenfalls aus dem Jahr 2024 stammt.
Die Störung des zirkadianen Rhythmus der Nebennierenhormone führte selbst ohne erhöhte Kalorienzufuhr zu einer deutlichen Zunahme der Fettmasse und zu ausgeprägter Insulinresistenz bei den untersuchten Mäusen, was eine mögliche biochemische Erklärung des quälenden Heißhungers meiner Patientin Maria S. im Herbst sein könnte.
Ihr Körper versuchte verzweifelt, den mangelnden inneren Antrieb durch schnelle Kohlenhydrate auszugleichen.
Die ganzheitliche Re-Synchronisation als möglicher Ausweg
Der ganzheitliche Weg aus diesem hormonellen Teufelskreis führt nicht über chemische Aufputschmittel, sondern in Richtung einer gezielten, natürlichen Steuerung unserer Umweltreize.
Wir müssen der inneren Uhr das Signal geben, das ihr die Natur im Herbst vorenthält.
Neben der Nutzung von speziellen Tageslichtlampen mit 10.000 Lux direkt nach dem Aufwachen, die das schläfrig machende Melatonin stoppen und das wach machende Cortisol anregen, bietet die ganzheitliche Medizin weitere Hebel.
Ein entscheidender Ansatz ist die gezielte Ernährungstherapie: Durch die Zufuhr der Aminosäure L-Tryptophan über Nahrungsmittel wie Cashewkerne, Bananen oder Haferflocken liefern wir dem Körper den wichtigsten Baustoff, um wieder genügend Serotonin zu bilden.
Ergänzend dazu helfen pflanzliche Wirkstoffe, sogenannte Adaptogene – also Pflanzen, die den Körper bei der Anpassung an Stress unterstützen. Dazu gehören die Rosenwurz (Rhodiola rosea) oder Ashwagandha, welche die Nebennieren unterstützen und helfen, die Cortisolantwort am Morgen sanft zu harmonisieren.
Auch die Reiztherapie nach Kneipp – wie kalte Kniegüsse oder ein kaltes Armbad am Morgen – kann einen starken Impuls für das Nervensystem setzen und es in den Wachmodus bringen.
Wie effektiv eine solche kombinierte zirkadiane Intervention aus Lichtsteuerung und Verhaltensanpassung die menschliche Leistungsfähigkeit und Stimmung restrukturieren kann, zeigte eine klinische Interventionsstudie an der Schnittstelle von Hochleistungssport und Chronobiologie aus dem Jahr 2025.
Durch die gezielte morgendliche Exposition mit hellem Licht in Kombination mit einer abendlichen Einschränkung von blauem Licht elektronischer Geräte konnten eine signifikante Verbesserung der Stimmungslage, eine Reduktion der Tagesmüdigkeit und eine Stabilisierung des Nervensystems nachgewiesen werden.
Für Maria S. bedeutete diese Kombination den Wendepunkt: Nach drei Wochen konsequenter morgendlicher Licht- und Ernährungsumstellung, ergänzt durch pflanzliche Unterstützung und tägliche Kneipp-Güsse, kehrte ihre Lebensenergie wieder zurück. Der herbstliche Nebel in ihrem Kopf löste sich auf, weil ihre Hormone wieder im Takt der Natur schwangen.
Ganzheitliche Tipps für die innere Uhr
Ein wertvoller, sofort umsetzbarer Praxistipp lautet: Nutzen Sie das hormonelle Zeitfenster der ersten Stunde nach dem Erwachen. Trinken Sie direkt nach dem Aufstehen ein großes Glas lauwarmes Wasser mit einem Spritzer Zitronensaft, machen Sie eine kurze kalte Waschung des Gesichts oder der Arme und frühstücken Sie tryptophanhaltige Haferflocken im Schein einer Tageslichtlampe.
Meiden Sie dagegen abends ab 20 Uhr rigoros das bläuliche Displaylicht von Smartphones, um die Zirbeldrüse nicht vor dem Schlafen zu verwirren.
Sollte die Müdigkeit dennoch bestehen bleiben, kann es hilfreich sein, bei einem Ganzheitsmediziner oder einem auf Chronobiologie spezialisierten Facharzt ein Cortisol-Tagesprofil im Speichel bestimmen zu lassen.
Fazit
Herbstmüdigkeit ist kein unabänderliches Schicksal, sondern kann ein messbares Hormonungleichgewicht sein.
Wer lernt, seine innere Uhr durch das strategische Zusammenspiel von Licht, gezielter Ernährung und natürlichen Reizen wieder mit den Naturgesetzen zu synchronisieren, löst das zirkadiane Paradoxon auf und kann seine vitale Lebenskraft auch in der dunklen Jahreszeit zurückgewinnen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker. (redaktionelle Bearbeitung cs)
Ein an der Stanford University entwickelter Bluttest misst das biologische Alter von elf Organen. - Foto: wassam siddique/ iStock
Das biologische Alter einzelner Organe lässt sich anhand von Blutproben untersuchen. Eine Studie aus dem Jahr 2025 und eine aktuelle Folgestudie aus dem Jahr 2026, beide im Fachjournal „Nature Medicine“ veröffentlicht, zeigen, dass sich damit unter anderem das Risiko für Alzheimer, Herzinsuffizienz sowie das Sterberisiko bis zu zehn Jahre im Voraus abschätzen lassen – lange bevor erste Beschwerden auftreten.
Der Test basiert auf der Analyse spezifischer Proteine im Blut. Sie verraten, wie schnell Herz, Gehirn oder andere Organe altern und ob sie anfälliger für chronische Erkrankungen sind.
Wie der Bluttest funktioniert und was die Ergebnisse bedeuten
Im Rahmen der ersten Studie haben Forscher das Blut von fast 45.000 Menschen im Alter von 40 bis 70 Jahren untersucht. Sie wollten wissen: Altert jedes Organ genauso schnell wie der Mensch selbst?
Dafür nutzten sie ein Computerprogramm. Dieses schaut sich bestimmte Eiweiße (Proteine) im Blut an, die von einzelnen Organen stammen. So lässt sich ermitteln, welches biologische Alter Herz, Lunge oder Gehirn tatsächlich haben.
Das überraschende Ergebnis: Jedes Organ altert anders
Bei etwa jedem Dritten war mindestens ein Organ biologisch deutlich älter oder jünger als für das jeweilige Lebensalter üblich. Das ist entscheidend, denn wie alt ein einzelnes Organ ist, sagt besser voraus, ob wir krank werden, als unser Alter im Pass.
Das Gehirn: War das Gehirn stark gealtert, war das Risiko für Alzheimer mehr als dreimal so hoch. Auch das Risiko, in den nächsten 15 Jahren zu sterben, war fast dreimal so hoch.
Herz und Lunge: Ein stärker gealtertes Herz ging viel häufiger mit einer späteren Herzschwäche einher. Eine biologisch ältere Lunge erhöhte das Risiko für die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD.
Die Muskeln: Laut der Folgestudie erkrankten Menschen, deren Blut ein „gealtertes“ Profil der Skelettmuskelzellen zeigte, fast 13-mal häufiger an der Nervenerkrankung ALS (amyotrophe Lateralsklerose) als Menschen mit „jugendlichem“ Profil.
Warum sieht man das im Blut?
Wenn Organe zu schnell altern oder Schaden nehmen, werden Zellen geschädigt oder sterben ab. Dabei gelangen bestimmte Stoffe ins Blut.
Ein Beispiel dafür ist ein Eiweiß namens Neurofilament Light aus dem Gehirn. Wenn Gehirnzellen geschädigt werden – etwa bei einem Schlaganfall –, tritt dieses Eiweiß ins Blut über. Hohe Blutwerte dieses Eiweißes können daher auf eine Schädigung von Nervenzellen hinweisen.
Die Ergebnisse zeigen: Das biologische Alter eines Organs sagte das Krankheitsrisiko besser voraus als jede andere untersuchte Größe – auch besser als das bloße Alter im Pass.
Für Tony Wyss-Coray, Studienleiter und Neurologe an der Stanford University, liegt der Schlüssel genau hier: Die Messungen sollen den Weg für eine maßgeschneiderte Vorsorge ebnen, solange noch Zeit zum Handeln bleibt. „Wir könnten eingreifen, bevor überhaupt erste Symptome auftreten, und so Krankheiten wie Alzheimer womöglich verhindern“, sagte der Forscher gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.
Der eigentliche Wert des Tests liege darin, das „schwächste Glied“ im Körper aufzuspüren, also gezielt jene Organe zu identifizieren, die überdurchschnittlich schnell altern. Genau dort steige das Risiko für Leiden wie Herzerkrankungen, Diabetes, Alzheimer oder verschiedene Krebsarten. Noch gibt es allerdings eine Einschränkung: „Bisher wurden die meisten unserer Modelle an Menschen über 50 entwickelt, weshalb Handlungsempfehlungen vorerst nur für diese Altersgruppe gelten“, so Wyss-Coray.
Außerdem beweist ein statistischer Zusammenhang noch nicht, dass sich Krankheiten tatsächlich verhindern lassen, wenn man das Altern der Organe bremst. Die Forscher betonen deshalb, dass vor einer breiten Anwendung des Tests noch weitere Studien nötig sind.
Ein Mann erhält eine Corona-Impfung. (Symbolbild) - Foto: MilanMarkovic/iStock
Fast sechs Jahre nach Beginn der COVID-19-Impfkampagne hat das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Ergebnisse der SafeVac-2.0-Beobachtungsstudie veröffentlicht. Die Untersuchung, die auf Englisch in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Vaccine“ erschienen ist, basiert auf Angaben von über 730.000 geimpften Personen in Deutschland.
Teilnehmer gaben Impfreaktionen und mögliche Impfkomplikationen an, die über eine Smartphone-App pseudonymisiert erfasst wurden.
Laut der Studie sei bei 68 Prozent der Impfungen mindestens ein „unerwünschtes Ereignis“ gemeldet worden. Unter unerwünschten Ereignissen (auf Englisch: Adverse Events) versteht man medizinisch ungünstige Vorfälle, die bei Patienten bzw. Versuchspersonen etwa im Rahmen klinischer Studien nach Verabreichung eines Arzneimittels auftreten.
4.007.149 mögliche Impfnebenwirkungen
Insgesamt seien 4.007.149 unerwünschte Ereignisse gemeldet worden. Davon hätten 88 Prozent aus „erwarteten lokalen und systemischen Reaktionen“ bestanden, heißt es weiter. Bei 0,36 Prozent der Impfungen hätten die Teilnehmer die Notwendigkeit einer medizinischen Versorgung gemeldet.
Für die App samt Studie, die vom Bundesgesundheitsministerium mit 1,6 Millionen Euro finanziert wurde, konnte man sich vom Start der Impfkampagne im Dezember 2020 bis zum September 2022 registrieren.
In der jetzt veröffentlichten Abschlussstudie kommen die Studienautoren zu dem Schluss, dass die systematische und kontinuierliche Datenerfassung durch die App eine „nahezu in Echtzeit erfolgende Überwachung unerwünschter Ereignisse, unabhängig von deren Kausalität, ermöglicht“ habe.
Zudem „stützten die Studienergebnisse die Einschätzung, dass die Corona-Impfstoffe ein günstiges Sicherheitsprofil aufweisen“.
Um die App nutzen zu können, mussten volljährige Smartphone-Nutzer innerhalb von 48 Stunden nach der ersten Impfung die App herunterladen und sich registrieren. Danach hatten Nutzer zwölf Monate Zeit, mögliche Impfnebenwirkungen zu melden.
Die über die App gesammelten Daten sollten dem PEI als zuständiger Bundesbehörde für alle Sicherheitsaspekte von Impfstoffen schnell ein mögliches Risikosignal zur Verträglichkeit von Corona-Impfstoffen liefern.
Für den Datenanalysten Tom Lausen kommen die Daten jedoch zu spät und ohne wichtige Vergleichswerte: „SafeVac sollte schnell Sicherheitsdaten liefern und gemeinsam mit der Krankenkassenstudie RiCO die Anforderungen an eine nationale Nutzen-Risiko-Abwägung der EU-Kommission erfüllen.“
Die jetzt vorgelegte SafeVac-Auswertung erscheine jedoch erst fast sechs Jahre nach Studienbeginn – und „ausgerechnet mit einer beruhigenden Sicherheitsbilanz“, obwohl „medizinisch überprüfte Diagnosen, geeignete Risikovergleiche und eine vollständige Nachbeobachtung fehlen“ würden, so der Sachverständige in der Corona-Enquetekommission im Deutschen Bundestag.
Zudem kritisiert Lausen, dass eine unabhängige Datenauswertung durch die fehlende rasche Veröffentlichung der Daten nicht möglich gewesen sei und nun ein leitender PEI-Verantwortlicher als Mitautor die Ergebnisse des eigenen Systems liefere.
„Mitautor der jetzt veröffentlichten Datenauswertung ist Dirk Mentzer, der bereits während der COVID-19-Impfkampagne Leiter des Referats Pharmakovigilanz I beim PEI war und seit 2023 die zuständige Sicherheitsabteilung leitet“, so Lausen.
Damit ziehe ein leitender Mitverantwortlicher der Überwachung selbst die “beruhigende Bilanz“. Lausen hält daher eine vollständige Transparenz sowie eine kritische Aufarbeitung der Gründe für die späte Veröffentlichung für erforderlich.
Die zwei weiteren Mitautoren der Studie sind aktuelle oder ehemalige Mitarbeiter beim PEI unter Mentzer als Abteilungsleiter.
Journalisten klagten auf Datenherausgabe
Bis zur jetzigen abschließenden Auswertung hatte das PEI nur Zwischenergebnisse veröffentlicht, obwohl die Datenauswertung nach eigenen Angaben schon länger abgeschlossen gewesen sei.
Die Behörde hatte die bis dahin nicht erfolgte Veröffentlichung der Abschlussauswertung offiziell mit der Komplexität der Datenanalyse und laufenden rechtlichen Prozessen begründet.
Da das PEI Einsicht in die pseudonymisierten Daten verwehrte, zogen Journalisten wie Bastian Barucker und Privatpersonen wie Franziska Meyer-Hesselbarth mit Auskunftsklagen vor Gericht.
Wohnhochhaus in Berlin mit dem Fernsehturm im Hintergrund. Die geplante Vergesellschaftung großer privater Wohnungsbestände sorgt für Streit über Entschädigungen und mögliche Folgen für den Immobilienmarkt. - Foto: Christophe Gateau/dpa
In Kürze:
Die mögliche rot-grün-rote Koalition in Berlin plant die Vergesellschaftung großer privater Wohnungsbestände. Die Entschädigung soll auf 16 Milliarden Euro begrenzt werden.
Drei Wirtschaftsstudien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Umstritten sind die Finanzierung und mögliche Folgen für Banken, Investoren und den Wohnungsbau.
2027 soll ein Finanzierungskonzept vorliegen. Ob die Vergesellschaftung die Mieter entlastet und welche Kosten dem Land entstehen, ist bislang offen.
Berlin könnte zum ersten Bundesland werden, das große private Wohnungsbestände auf Grundlage des Grundgesetzes vergesellschaftet. Linke, Grüne und SPD, die voraussichtlich Anfang November Koalitionsgespräche aufnehmen werden, haben sich in ihrem Sondierungspapier vom Samstag, 17. Oktober, auf entsprechende Pläne für eine mögliche rot-grün-rote Regierung verständigt.
Die Parteien einigten sich zudem auf einen Neubau von 100.000 Wohnungen und einen Mietendeckel für landeseigene Immobilien.
Die Vergesellschaftung könnte wirtschaftliche Folgen über die Hauptstadt hinaus haben. Neben den Wohnungskonzernen und Mietern wären möglicherweise auch Banken, Versicherungen und andere Investoren betroffen.
Die Entschädigung soll laut Sondierungspapier auf insgesamt 16 Milliarden Euro begrenzt werden. Unsicher ist jedoch, wie hoch die Kosten der Entschädigung tatsächlich für das Land Berlin ausfallen werden.
Zugleich steht Berlin vor der Aufgabe, seinen angespannten Haushalt zu sanieren.
Wie sich eine Vergesellschaftung wirtschaftlich auswirken würde, ist umstritten. Untersuchungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC und des Kiel Instituts für Weltwirtschaft weisen auf erhebliche Risiken hin. Eine Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung hält die Übernahme großer Wohnungsbestände dagegen unter bestimmten Voraussetzungen für finanzierbar.
Rechtliche Grundlage ist Artikel 15 des Grundgesetzes. Er erlaubt, Grund und Boden durch ein Gesetz in Gemeineigentum zu überführen. Die deutsche Verfassung verlangt dabei eine Regelung über „Art und Ausmaß der Entschädigung“. Eine Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände auf dieser Grundlage hat es in Deutschland bislang nicht gegeben.
Den politischen Ausgangspunkt bildet der Berliner Volksentscheid von 2021. Damals stimmten 57,6 Prozent der Abstimmenden – insgesamt 1.035.950 Menschen – dafür, große private Wohnungsbestände in Gemeineigentum zu überführen.
Die Abstimmung führte allerdings nicht unmittelbar zu einer Eigentumsübertragung.
Linke, Grüne und SPD haben sich nun auf eine höhere Schwelle verständigt. Im Sondierungspapier heißt es: „Die Anwendung gilt bei privaten Unternehmen ab 10.000 Wohnungen.“ Zusätzlich dürfen die Unternehmen jeweils 10.000 Wohnungen behalten. Genossenschaften, gemeinwohlorientierte Anbieter sowie Wohnungen, die nach dem 1. Januar 2021 gebaut wurden oder künftig entstehen, bleiben ausgenommen.
Die Initiative begrüßt die grundsätzliche Einigung, kritisiert jedoch die Einschränkungen. „Das war längst überfällig“, erklärte Sprecherin Bana Mahmood zur geplanten Vergesellschaftung. Nach Berechnungen der Initiative würden rund 70.000 Wohnungen weniger erfasst als ursprünglich vorgesehen. Das widerspreche dem Ergebnis des Volksentscheids, so Mahmood.
Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen lehnt das Vorhaben dagegen ab. Verbandssprecher David Eberhard erklärte gegenüber dem rbb, der Wohnungsmangel lasse sich nur durch Neubau beheben. Auch die Entschädigungsobergrenze hält er für unrealistisch. Nach seinen Angaben könnten rund 160.000 Wohnungen betroffen sein.
Bei 160.000 Wohnungen entsprächen 16 Milliarden Euro rechnerisch durchschnittlich 100.000 Euro je Wohnung. Ob die vorgesehene Summe ausreicht, hängt jedoch vom Wert der betroffenen Immobilien ab. Dabei spielen unter anderem Lage, Gebäudezustand und Mieteinnahmen eine Rolle.
Das Kiel Institut errechnete für ihr im September erschienenes Gutachten für den Berliner Bestände, die von dem Gesetzentwurf der Initiative betroffen wären, einen Verkehrswert von rund 40,2 Milliarden Euro. Bei einer angenommenen Entschädigung von 50 Prozent des Verkehrswerts ergäben sich etwa 20,1 Milliarden Euro. Diese Modellrechnung bezieht sich allerdings auf einen anderen Wohnungsbestand als die aktuellen politischen Pläne.
Zu einer deutlich niedrigeren Bewertung gelangen Sebastian Dullien, Patrick Kaczmarczyk, Tom Krebs und Achim Truger in ihrem IMK Policy Brief. Sie errechnen für rund 210.000 Wohnungen eine Entschädigung von 13,5 Milliarden Euro. Grundlage sind nicht die möglichen Verkaufspreise, sondern die Erträge, die sich bei dauerhaft begrenzten Mieten erzielen ließen.
Die Forscher gehen von einer durchschnittlichen Nettokaltmiete von 7,08 Euro je Quadratmeter aus. In ihre Berechnung fließen unter anderem die Kosten für Verwaltung, Instandhaltung und Modernisierung ein. Berücksichtigt wird auch der verbleibende Grundstückswert.
Welche Entschädigung verfassungsrechtlich erforderlich wäre, ist umstritten. Eine vom Berliner Senat eingesetzte Expertenkommission kam 2023 zu dem Ergebnis, dass bei einer Vergesellschaftung andere Maßstäbe gelten könnten als bei einer Enteignung, die durch Artikel 14 des Grundgesetzes geregelt wird.
„In ihrer Mehrheit ist die Kommission der Auffassung, dass für die Höhe der Entschädigung im Falle einer Vergesellschaftung andere Anforderungen bestehen als im Falle einer Enteignung“, heißt es im Abschlussbericht. Eine Entschädigung unterhalb des Verkehrswerts hielt die Mehrheit grundsätzlich für zulässig. Über die Berechnung gab es unterschiedliche Auffassungen.
IMK hält Finanzierung für möglich
Das IMK hat auch untersucht, wie die Wohnungen übernommen und anschließend verwaltet werden könnten. Von drei geprüften Modellen bevorzugen die Wissenschaftler eine Lösung, bei der die sechs bestehenden landeseigenen Wohnungsgesellschaften die Bestände bewirtschaften. Berlin könnte damit auf vorhandene Strukturen und Erfahrungen zurückgreifen.
Nach der Studie von Ende September 2026 müsste das Land für die angenommene Entschädigung von 13,5 Milliarden Euro rund 4 Milliarden Euro Eigenkapital bereitstellen. Weitere 9,5 Milliarden Euro würden die Wohnungsgesellschaften über Kredite finanzieren.
Die übernommenen Wohnungen könnten nach den Modellrechnungen jährlich einen Reinertrag von 543 Millionen Euro erwirtschaften. Davon wären 345 Millionen Euro für Zinsen und Tilgung der Wohnungsgesellschaften vorgesehen. Von den verbleibenden 198 Millionen Euro müsste das Land unter anderem einen eigenen jährlichen Schuldendienst von 135 Millionen Euro bestreiten.
Unter diesen Voraussetzungen wäre die Übernahme nach Einschätzung des IMK ohne laufende Zuschüsse aus dem Landeshaushalt finanzierbar. Die Autoren halten fest: „Die Überführung der Wohnungsbestände in Gemeineigentum ist unter den hier angenommenen Parameterwerten wirtschaftlich und fiskalisch tragfähig ohne Landeszuschüsse.“
Die möglichen Berliner Koalitionspartner beabsichtigen sicherzustellen, dass der Träger der Vergesellschaftung seine finanziellen Verpflichtungen dauerhaft erfüllen kann. Im Sondierungspapier verlangen sie, dass dies auch bei einer „Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen im Zeitverlauf“ gewährleistet bleibe.
Zu den Unsicherheiten gehören steigende Kreditzinsen sowie höhere Ausgaben für Reparaturen und Modernisierungen. Hinzu kommt die angespannte Haushaltslage. Im Sondierungspapier erklären die Parteien: „Der Haushalt befindet sich zugleich in einer Schieflage, die wir beheben müssen.“ Für 2027 nennen sie ein Entlastungspotenzial von 900 Millionen Euro, ab 2028 jährlich 500 Millionen Euro.
Das IMK verweist auf eine Besonderheit der Schuldenbremse: Nimmt das Land Kredite auf, um sich an einem öffentlichen Unternehmen zu beteiligen, stehe den Schulden ein Vermögenswert gegenüber. Solche finanziellen Transaktionen würden bei der Berechnung der zulässigen Kreditaufnahme herausgerechnet. Die Schulden und ihre Zinskosten blieben jedoch bestehen.
Auch die Rechtsform der künftigen Verwaltung spielt eine Rolle. Bei einer neu gegründeten Anstalt öffentlichen Rechts könnten deren Schulden nach europäischen Statistikregeln dem Staat zugerechnet werden. Kredite, etwa für die Sanierung des Wohnungsbestands oder für Neubauten, könnten dann im Extremfall dazu führen, dass Deutschland die europäischen Fiskalregeln verletzt. Bei der Nutzung bestehender Wohnungsgesellschaften schätzt das IMK dieses Risiko geringer ein.
PwC weist zudem auf mögliche Folgen für private Kreditgeber hin. Wohnungsunternehmen nutzen Immobilien häufig als Sicherheit für Bankkredite. Bei einer gesetzlichen Übertragung müsste deshalb geklärt werden, was mit diesen Sicherheiten geschieht.
Sollten Banken dadurch höhere Risiken erwarten, könnten sie künftig höhere Zinsen verlangen oder strengere Kreditbedingungen stellen. Das könnte neue Bauprojekte verteuern. Ob solche Reaktionen tatsächlich eintreten und über Berlin hinausreichen, ist allerdings nicht belegt.
Auch die IMK-Autoren halten höhere Finanzierungskosten und einen Rückzug privater Investoren für denkbar, warnen jedoch davor, historische Verstaatlichungen in anderen Ländern wie Frankreich in den 1980er-Jahren unmittelbar mit dem Berliner Vorhaben gleichzusetzen.
Ein Eigentümerwechsel schafft zunächst keine zusätzlichen Wohnungen. Das IMK sieht dennoch einen möglichen Nutzen: „Eine Überführung von Wohnungsbeständen privater Wohnungsbauunternehmen kann helfen, den Bestand öffentlicher Wohnungen schneller als durch Neubau zu erhöhen und deshalb stärker und schneller den Mietmarkt insgesamt zu beeinflussen“, schreiben die Forscher.
Öffentliche Wohnungsgesellschaften können Mieten dauerhaft begrenzen. Ein größerer Bestand günstiger Wohnungen könnte zudem den Mietspiegel beeinflussen, an dem sich viele zulässige Mieterhöhungen orientieren. Davon könnten auch Menschen profitieren, die nicht in einer vergesellschafteten Wohnung leben.
Das Kiel Institut untersuchte dagegen, wie sich zusätzliche Investitionen in den Neubau auswirken könnten. In einem Modell mit 40 Milliarden Euro bis 2045 errechneten die Wissenschaftler rund 71.000 fertiggestellte Wohnungen, davon etwa 28.000 zusätzliche. Die Angebotsmieten könnten dadurch 2045 um 2,2 bis 8,7 Prozent niedriger liegen als ohne das Programm. Das bedeutet nicht zwangsläufig sinkende Mieten, sondern zunächst einen niedrigeren Wert gegenüber dem Vergleichsszenario.
Auch das IMK hält Neubau für unverzichtbar. Die Wissenschaftler weisen allerdings darauf hin, dass die Übernahme großer Wohnungsbestände Personal und Verwaltungskapazitäten beansprucht, die dann möglicherweise für Neubauprojekte fehlen.
Linke, Grüne und SPD wollen zwischen 2026 und 2031 insgesamt 100.000 Baugenehmigungen erreichen, aus denen ebenso viele Wohnungen entstehen sollen.
Die politische Einigung legt bislang nur den Rahmen fest. Wie viele Wohnungen tatsächlich übernommen werden, welche Entschädigung die bisherigen Eigentümer erhalten und wie die Übernahme finanziert werden soll, muss noch konkretisiert werden.
Der vorläufige Fahrplan der drei Parteien sieht vor, dass die möglichen Koalitionspartner 2027 ein Finanzierungskonzept vorlegen. Mitte 2028 soll der Gesetzentwurf ins Berliner Abgeordnetenhaus eingebracht werden. Ein Jahr nach der Verkündung soll das Gesetz in Kraft treten.
Das weitere Vorgehen hängt auch davon ab, ob es überhaupt zu einer rot-grün-roten Regierung kommen wird. Offen ist zudem, ob die Bundesregierung ein Gesetz gegen Vergesellschaftung von Wohnraum auf den Weg bringen wird und ob die Berliner Pläne einer gerichtlichen Überprüfung standhalten werden.
(v. l. n. r.) Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender von Mercedes-Benz, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und NVIDIA-Vorstandsvorsitzender Jensen Huang am 19. Oktober 2026 in Berlin beim Investitionsgipfel. - Foto: Nadja Wohlleben/Getty Images
In Kürze:
230 Milliarden Euro: Beim Investitionsgipfel kündigt Bundeskanzler Merz umfangreiche Investitionen von Unternehmen in Deutschland an.
Weniger neue Projekte: Trotz steigender Kapitalzuflüsse sinkt die Zahl ausländischer Investitionsprojekte. Auch die heimischen Investitionen bleiben schwach.
Standort unter Druck: Hohe Energiekosten, Bürokratie und internationale Konkurrenz belasten Deutschland. Viele Industriebetriebe planen verstärkt Investitionen im Ausland.
Rund 230 Milliarden Euro wollen international tätige Unternehmen nach Angaben von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in Deutschland investieren. Diese Summe nannte Merz am Dienstag, 20. Oktober, zum Abschluss des Investitionsgipfels in Berlin. Unter den genannten Unternehmen waren Amazon, Microsoft, Nvidia, RWE und der französische Pharmakonzern Sanofi. „Deutschland ist ein guter Standort für Investitionen und für die Unternehmen aus der ganzen Welt“, erklärte Merz vor der Presse.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) formulierte seine Einschätzung noch knapper: „Deutschland ist zurück.“
Die bisherigen Investitionszahlen zeigen allerdings, dass die wirtschaftliche Entwicklung weiterhin von Schwierigkeiten geprägt ist.
IW: Investitionsausfälle von 420 Milliarden Euro
Seit Jahren bleiben die Investitionen in Deutschland hinter dem früheren Wachstumstrend zurück. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sind Deutschland seit 2020 Investitionen von rund 420 Milliarden Euro entgangen. Unternehmen hätten demnach 470 Milliarden Euro weniger investiert als nach dem Trend der Jahre vor den Krisen zu erwarten gewesen wäre; der Staat investierte rund 50 Milliarden Euro mehr.
Zugleich ist die Zahl neuer ausländischer Investitionsprojekte in Deutschland im vergangenen Jahr um 9,3 Prozent auf 1.564 gesunken, wie die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade & Invest im aktuellen FDI-Report berichtet. Allerdings, so der Report, gingen die Projektzahlen auch weltweit zurück.
Die von Merz genannten 230 Milliarden Euro könnten die Entwicklung verbessern. Bislang handelt es sich jedoch um Investitionszusagen. Wie viel Geld tatsächlich fließt, über welchen Zeitraum sich die Vorhaben erstrecken und welcher Anteil bereits zuvor geplant war, geht aus der Stellungnahme der Bundesregierung nicht hervor.
Für die wirtschaftliche Wirkung ist weniger die angekündigte Summe entscheidend als die Frage, wo und wie das Geld eingesetzt wird. Neue Fabriken erweitern die Produktionskapazitäten und können Arbeitsplätze schaffen. Der Kauf bestehender Unternehmensanteile führt dagegen zunächst nur zu einem Eigentümerwechsel. Investitionen in Rechenzentren stärken zwar die digitale Infrastruktur, schaffen aber vergleichsweise wenige dauerhafte Arbeitsplätze.
Ob die angekündigten Milliarden Deutschlands Wirtschaft langfristig stärken, hängt deshalb in erster Linie davon ab, ob sie zusätzliche Produktion, Beschäftigung und Wertschöpfung ermöglichen.
Kapitalzuflüsse steigen, neue Projekte gehen zurück
Auf den ersten Blick haben sich die internationalen Investitionen in Deutschland deutlich erholt. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank flossen 2025 rund 86 Milliarden Euro an ausländischen Direktinvestitionen ins Land. Das waren nach Berechnungen des IW rund die Hälfte mehr als 2024.
Allerdings war das Jahr 2024 besonders schwach ausgefallen. Gemessen am Median der Jahre 2015 bis 2024 lagen die Investitionen nur knapp 11 Prozent höher. Ob sich dieser Anstieg auch in den kommenden Jahren fortsetzt, bleibt abzuwarten.
Deutliche Unterschiede zeigen sich auch bei den Herkunftsländern der Investoren. Unternehmen aus Großbritannien investierten nach Berechnungen des IW rund 26 Milliarden Euro in Deutschland, rund das Vierfache so viel wie im Vorjahr. Aus den USA kamen dagegen nur noch 11,8 Milliarden Euro, ein Rückgang um knapp 44 Prozent.
Auch die Standortstudie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY zeigt eine rückläufige Entwicklung. Im vergangenen Jahr kündigten ausländische Unternehmen in Deutschland nur noch 548 Investitionsprojekte an, 10 Prozent weniger als 2024 und so wenig wie seit 2009 nicht mehr.
Im europäischen Vergleich lag Deutschland damit hinter Frankreich mit 852 und Großbritannien mit 730 Projekten. Als Gründe für die schwache Entwicklung nennt EY unter anderem hohe Energie- und Arbeitskosten, die Steuerbelastung und bürokratische Hürden.
Bundeskanzler Friedrich Merz und NVIDIA-CEO Jensen Huang stoßen auf der Bühne des „Invest In Germany Summit“ an, auf dem sie am 19. Oktober 2026 in Berlin eine strategische Zusammenarbeit zwischen der deutschen Bundesregierung, NVIDIA und einer Gruppe deutscher Unternehmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz für die deutsche Industrie bekannt gaben.
Foto: Nadja Wohlleben/Getty Images
Die heimischen Investitionen bleiben schwach
Für den Zustand des Produktionsstandorts sind die tatsächlich getätigten Anlageinvestitionen besonders aufschlussreich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gingen die Bruttoanlageinvestitionen 2025 preisbereinigt um 0,5 Prozent zurück.
Bei Maschinen, Geräten und Fahrzeugen betrug das Minus 2,3 Prozent, bei Bauten 0,9 Prozent. Die Werte berücksichtigen Preisänderungen und zeigen damit die reale Entwicklung der Investitionstätigkeit.
Wenn Unternehmen über längere Zeit zu wenig investieren, hat das Folgen. Maschinen und Anlagen veralten, neue Technologien kommen später zum Einsatz. Dadurch wird es schwieriger, die Produktion effizienter zu gestalten und im internationalen Wettbewerb mitzuhalten. Langfristig kann das auch Arbeitsplätze und Lohnsteigerungen gefährden.
Investitionen des Staates in Straßen, Schienen oder Stromnetze können die Wirtschaft unterstützen. Sie ersetzen aber nicht die Investitionen, die Unternehmen selbst tätigen müssen.
Internationale Unternehmen kritisieren Standortkosten
Wie internationale Unternehmen den Wirtschaftsstandort Deutschland einschätzen, zeigt eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Appinio im Auftrag des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens KPMG mit dem Titel „Business Destination Germany 2026“. Dafür wurden im November 2025 400 Finanzvorstände und kaufmännische Leiter der deutschen Tochtergesellschaften internationaler Konzerne befragt. Sie bewerteten den Standort Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern.
Aus den Antworten errechnet KPMG eine Punktzahl, die zeigt, wie attraktiv Deutschland als Unternehmensstandort eingeschätzt wird. Der Standortindex reicht von minus zehn bis plus zehn Punkten. Je höher der Wert, desto besser die Bewertung. Im Jahr 2017 erreichte Deutschland noch 3,1 Punkte, 2023 waren es 1,2 Punkte. Inzwischen sind es 0,2 Punkte. Die befragten Unternehmen sehen Deutschland damit kaum noch im Vorteil gegenüber anderen EU-Ländern.
Kritik äußerten die Befragten insbesondere an Energiekosten, Bürokratie und digitaler Infrastruktur. Rund 70 Prozent ordneten Deutschland bei diesen Faktoren unter den fünf schwächsten EU-Standorten ein. Bei den Energiekosten sahen 43 Prozent Deutschland sogar auf dem letzten Platz. Mehr als die Hälfte bewertete die wirtschaftliche Lage der eigenen deutschen Tochtergesellschaft als schlecht oder sehr schlecht. Es handelt sich um Einschätzungen der befragten Führungskräfte, nicht um eine amtliche Kostenmessung.
Welche Standortfaktoren für Unternehmen besonders wichtig sind, hängt von ihrer Branche ab. Für eine Chemiefabrik spielen beispielsweise die Energiepreise eine große Rolle. Ein Forschungszentrum braucht dagegen vor allem gut ausgebildete Fachkräfte und die Nähe zu Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen. Deutschland bietet weiterhin einen großen Markt, erfahrene Zulieferer und eine gut ausgebaute Forschungslandschaft. Ob sich eine Investition lohnt, hängt deshalb davon ab, welche Bedingungen ein Unternehmen benötigt.
Bundeskanzler Friedrich Merz hält am 19. Oktober 2026 in Berlin auf der Bühne des „Invest In Germany Summit“ eine Rede.
Foto: Nadja Wohlleben/Getty Images
Die deutsche Industrie investiert verstärkt im Ausland
Während die Bundesregierung um ausländisches Kapital wirbt, richten viele heimische Industriebetriebe ihre Investitionspläne auf andere Länder aus. Nach einer Sonderauswertung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) vom April 2026 planen 43 Prozent der befragten Industriebetriebe für 2026 Investitionen im Ausland. Das sind drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Grundlage ist eine Befragung von rund 1.700 Unternehmen.
Besonders stark hat das Motiv der Kostensenkung zugenommen. Von den Betrieben mit Auslandsinvestitionsplänen nennen 41 Prozent niedrigere Kosten als wesentlichen Grund. Im Vorjahr waren es 35 Prozent. Laut DIHK ist dies der höchste Wert seit Beginn der entsprechenden Erhebung im Jahr 2003.
„Die sinkende Wettbewerbsfähigkeit des heimischen Standorts zwingt Unternehmen zu Verlagerungen ins Ausland“, erklärt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Er verweist auf „steigende Kosten, strukturelle Probleme und eine schwache Konjunktur“.
Die Befragung liefert dafür konkrete Hinweise: Von den Unternehmen, die aus Kostengründen im Ausland investieren wollen, planen 47 Prozent einen Beschäftigungsabbau in Deutschland. 44 Prozent wollen ihre inländischen Investitionen reduzieren.
Weltweit investieren Unternehmen wieder mehr Geld im Ausland. Nach dem „World Investment Report 2026“ der Vereinten Nationen vom Juli 2026 stiegen diese Investitionen 2025 um 6 Prozent auf rund 1,6 Billionen US-Dollar (1,4 Billionen Euro). In den Industrieländern betrug der Zuwachs 11 Prozent. Allerdings floss ein großer Teil des zusätzlichen Geldes in wenige milliardenschwere Projekte, vor allem in Rechenzentren und Technik für Künstliche Intelligenz.
Davon kann auch Deutschland profitieren. Der Bau solcher Anlagen bringt Aufträge für Bauunternehmen, Energieversorger und Hersteller technischer Ausrüstung. Allerdings entstehen dabei nicht unbedingt so viele dauerhafte Arbeitsplätze wie in großen Fabriken.
Ferner können solche Investitionen deutschen Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnen, ihre Produktion zu modernisieren sowie neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.
Investitionsgipfel weckt Erwartungen
Vor diesem Hintergrund sollen die beim Investitionsgipfel angekündigten Milliardenbeträge zeigen, dass international tätige Konzerne weiterhin auf Deutschland setzen.
Ob daraus ein nachhaltiger Anstieg der Investitionen entsteht, hängt jedoch nicht allein von den Zusagen der Unternehmen ab. Auch die Kosten für Energie, bürokratische Anforderungen und die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte beeinflussen, wo neue Produktionsstätten entstehen.
Der Gipfel kann deshalb zunächst als Ausdruck des Investitionsinteresses großer Unternehmen gelten. Wie stark davon die deutsche Wirtschaft profitiert, wird sich erst mit der Umsetzung der Projekte zeigen.
Deutschlands Bevölkerung wird laut Prognose wieder schrumpfen. Bis 2045 könnte die Bundesrepublik wieder unter 82 Millionen Einwohner zählen. - Foto: Votimedia/iStock, Epoch Times
Erdkruste ist viermal verrutscht
Als Globus ist unsere Erde fest eingespannt und die Rotationsachse eindeutig. Im All ist sie hingegen weit weniger fest, als das Modell vermuten lässt. Vor allem im Zeitraum von Hunderten Millionen Jahren zeigt sich die sogenannte echte Polwanderung, sprich die Verschiebung der Rotationsachse gegenüber der Erdkruste, deutlich. Wie schnell Pole und Achse wanderten, war jedoch lange strittig. Forscher der Universität von Oslo identifizierten jüngst vier Phasen – im geologischem Maßstab – besonders schneller Polwanderung. Während der Superkontinent Pangäa im späten Karbon und Perm wohl nicht zu einer Verschiebung führte, kam es vor allem in der Kreidezeit „wiederholt zu schnellen Bewegungen“. Sowohl Ursachen als auch Folgen bleiben unklar. (kms)
Ein Kondor und ein Schwan wiegen beide etwa elf Kilogramm. Dennoch legt der Kondor jeden Kilometer seiner Flugstrecke mit etwa einem Fünftel des Energieaufwands des Schwans zurück. Doch warum ist das so? Eine Studie von Max-Planck-Forscher belegt, dass der Unterschied in der Luft liegt. Während der Kondor Aufwinde nutzt und kaum Flügelschläge benötigt, ist der Schwan 99 Prozent der Zeit mit Schwingbewegungen beschäftigt. Damit zeigt sich, dass Fliegen mit der passenden Dynamik der Atmosphäre die energetisch günstigste Fortbewegungsart ist. In den Augen der Forscher könnte dies erklären, wie wetterbedingte Veränderungen beeinflussen, wohin und wann Tiere wandern. (kms)
Zwei der schwersten flugfähigen Vögel der Welt, der Andenkondor (l.) und der Trompeterschwan (r.), haben zwar etwa die gleiche Masse, aber einen sehr unterschiedlichen Energieaufwand beim Fliegen.
Foto: kms/Epoch Times; nach Donyanedomam, Gerald DeBoer/iStock
81,8 Millionen Deutsche bis 2045
2019 sprach das Berlin-Institut von einem „demografischen Zwischenhoch“. Deutschland wuchs, die Bevölkerung sollte auf absehbare Zeit weitgehend stabil bleiben. Sieben Jahre später hat sich die Perspektive verändert: Bis 2045 dürfte die Bevölkerung auf rund 81,8 Millionen Menschen sinken. Gut zwei Drittel der 400 Kreise und kreisfreien Städte verlieren laut neuer Prognose an Bevölkerung. Besonders im Osten entwickeln sich die Regionen immer unterschiedlicher, aber auch der Westen habe Verluste zu beklagen. Während Dahme-Spreewald, Leipzig, Potsdam, Dresden, Frankfurt am Main und Düsseldorf wachsen, werde die Bevölkerung in Suhl und im Saarland sinken. Ganz anders sieht das in Bayern aus: 18 der 20 am besten aufgestellten Kreise und Städte liegen heute im südlichen Freistaat. (ger)
Allein im Jahr 2021 starben 4,71 Millionen Menschen weltweit an den Folgen einer Antibiotikaresistenz. Umso dringlicher suchen Mediziner nach einer Lösung, die womöglich in mittelalterlichen Büchern steckt. Denn: ein altes Heilmittel namens „Balds Augensalbe“ ist in der Lage, Bakterien unschädlich zu machen und sie daran zu hindern, eine Resistenz gegen die Salbe aufzubauen. Ausschlaggebend für die Wirkung ist die Kombination aus vier Naturstoffen – zwei Lauchgewächsen, Wein und Rindergalle –, welche einen starken Anti-Biofilm bilden und die Vermehrung der Bakterien verhindern. Die Forscher wollen künftig nicht die mittelalterliche Salbe in Umlauf bringen, sondern die Erkenntnisse um die Wirkungsweise von biologischen Cocktails auf moderne Wirkstoffe anwenden. (kms)
In der altenglischen medizinischen Handschrift „Bald’s Leechbook“ aus dem 10. Jahrhundert steht das Rezept für eine Augensalbe geschrieben, die noch heute gegen multiresistente Keime hilft.
Sie tickt, fliegt vorbei oder rinnt durch die Finger: Zeit ist sprachlich schwer zu fassen und in der Physik wird es noch etwas komplizierter. Doch egal, ob sie relativ ist, vorwärts oder rückwärts läuft, sie beginnt mit dem Urknall. Oder doch nicht? Was wäre, wenn der Urknall nur ein weiterer Moment in einer unendlichen Zeit ist? Im sogenannten Multiversum markiert der Urknall das Ende der unendlichen Ausdehnung in einem Raumbereich. Außerhalb dessen geht die Ausdehnung weiter und impliziert, dass es weitere Urknalls und Universen geben kann. In der sogenannten Konformen Zyklischen Kosmologie hingegen dehnt sich ein Universum nur soweit aus, bis es ein Gleichgewicht erreicht, das schließlich in einem neuen Urknall gipfelt. In beiden Fällen ist es sehr wahrscheinlich, dass andere Universen existieren, wir sie aber entweder aufgrund der immerwährenden Ausdehnung zwischen uns und ihnen oder der zeitlichen Abfolge nie nachweisen, geschweige denn besuchen werden können. (ts)
Eis ist billig und reichlich vorhanden. Es hat jedoch eine große Schwäche: Risse können sich schnell ausbreiten und das Eis ohne Vorwarnung brechen lassen. Nun haben israelische Wissenschaftler „BioPykrete“ entwickelt – eine Mischung aus Eis und Zellstoff, das bereits im Zweiten Weltkrieg experimentell erforscht wurde. Das Material ist laut Studie etwa zehnmal stabiler als normales Eis, kann 70-mal mehr Energie aufnehmen und verformt sich allmählich, bevor es zerbricht. Dies soll eines Tages ein biologisch abbaubares Baumaterial für die kältesten Orte der Erde ermöglichen. (ts)
Israelische Forscher haben ein „Super-Eis“ entwickelt, dass robuster als normales Eis ist.
Foto: Chen Adar
Haut ist bei Männern und Frauen unterschiedlich
Die Haut ist das größte Organ des Menschen und erneuert sich ständig, sichtbar etwa an abgestorbenen Hautschuppen. Das ist bei Männern und Frauen gleich, doch wer wie Dan Engelmann genauer hinsieht, stellt erhebliche Unterschiede fest. Gemeinsam mit Kollegen untersuchte er fünf Monate lang die Teilung und Reifung von Hautzellen. Nicht nur erkannten sie, dass Hautstammzellen sowohl neue Stammzellen als auch bisher nur in der Theorie bekannte Übergangszellen bilden, die später zu Hautzellen werden, sondern auch, dass diese Prozesse bei Männlein und Weiblein unterschiedlich schnell ablaufen. Als mögliche Ursachen nannten sie die Geschlechtshormone, wobei Testosteron maßgeblich den Reife- und Östrogen den Teilungsprozess beeinflusste. Die Unterschiede erklären, warum Wunden bei Frauen meist schneller heilen, nicht aber mögliche Auswirkungen auf Ausschläge, Hautkrebs oder andere Hautkrankheiten. (ger)
Auf der Erde wachsen über 370.000 Pflanzenarten – 75 Prozent davon sind Bedecktsamer, auch Blütenpflanzen genannt. Doch wie und wann kam es zu dieser blühenden Vielfalt? Eine neue Studie zeigt, dass die Bedecktsamer während der Blütezeit der Dinosaurier allmählich ältere Pflanzengruppen verdrängten, die zuvor Millionen Jahre lang das Land beherrschten. Dabei spielten scheinbar Klimaveränderungen eine tragende Rolle. So ergab die Analyse versteinerte Pollen und Sporen, dass es während der beiden wärmsten Erdzeiträume sowohl zu Massenaussterben als auch zu einem explosionsartigen Anstieg der Pflanzenvielfalt kam. Wieso ausgerechnet die Blütenpflanzen dominierten, ist unklar. Die Forscher weisen darauf hin, dass das neue Wissen nicht auf die Moderne übertragen werden kann, da vor über 100 Millionen Jahren andere irdische Bedingungen herrschten. (kms)
Auf der Welt gibt es rund 300.000 verschiedene Arten von Blütenpflanzen.
Foto: southtownboy/iStock
Starke Sonne machte Leben
Fünf Basen bilden die Erbsubstanz allen bekannten Lebens: Sowohl DNA als auch RNA bestehen aus Adenin, Cytosin, Guanin sowie Thymin beziehungsweise Uracil. Warum ausgerechnet diese Fünf die Basis allen Lebens bilden, ist bis heute ungeklärt. Eine mögliche Ursache sehen Forscher der University of Wisconsin–Madison in rund 150 Millionen Kilometer Entfernung: im Licht der Sonne, insbesondere im UV-Licht, das früher aufgrund fehlender Ozonschicht umso intensiver schien. Im Labor zeigten die fünf Basen indes sehr unterschiedliche Lichtbeständigkeiten und damit kein einheitliches Bild. Im Allgemeinen waren DNA-Bausteine jedoch stabiler als RNA-Bausteine, sodass Prof. Zoe R. Todd und Kollegen vermuten, dass das UV-Licht zumindest beim Übergang zur heutigen DNA-dominierten Welt eine wegweisende Rolle einnahm. (ts)
Archäologen staunten nicht schlecht, als sie kürzlich das durchlochte Schulterblatt eines Neandertalers in den Händen hielten. Der Fund überdauerte beinahe unversehrt rund 75.000 Jahre unter siebeneinhalb Metern Gestein in einer irakischen Höhle. Laut den Forschern stammt das 15 mm breite Loch von einem Holzspeer, der von vorn in den Körper eindrang und Arterien und die Lunge verletzte. Das etwa 45 Jahre alte Opfer hatte keine Chance und starb an dem sehr wahrscheinlich beabsichtigten „Herzschuss“. Was zu der zwischenmenschlichen Gewalttat führte, bleibt für immer unklar. (kms)
Bereits vor 300.000 Jahren nutzten Menschen Holzspeere zum Jagen wie diese Exemplare aus Schöningen in Niedersachsen zeigen.
Diebe versuchen in der Regel nichts am Tatort zurückzulassen, weder Wertsachen noch verwertbare Spuren. Dank neuster Technik können Forensiker ihnen auch dann auf die Schliche kommen, wenn weder Fingerabdrücke noch Haare zurückbleiben. Den Beweis lieferten Forscher in Oslo und Australien mittels sogenannter eDNA. Der Begriff bedeutet Umwelt-DNA und umfasst unter anderem jene winzigen Partikel, die wir mit jedem Atemzug ausstoßen und die stundenlang in der Luft schweben können. Anhand 391 eDNA-Proben aus simulierten Testeinbrüchen beschrieben die Forscher unter welchen Bedingungen eDNA die klassischen Methoden ergänzen kann und welche Forschung noch nötig ist, damit Einbrecher künftig nur noch dann sicher sind, wenn sie gar nicht erst am Tatort erscheinen. (ts)
Der Verzicht auf Fleisch könnte die Wahrscheinlichkeit, 100 Jahre alt zu werden, geringfügig senken – allerdings nur bei gebrechlichen, untergewichtigen Senioren. Das ergab eine 20 Jahre dauernde Beobachtungsstudie an mehr als 5.000 Ü-80-jährigen Chinesen. Im hohen Alter sei es demnach wichtiger, kräftig zu bleiben und Muskelmasse zu erhalten, als Krankheiten langfristig vorzubeugen. Ältere Menschen, die Fisch, Eier oder Milchprodukte zu sich nahmen, wurden genauso häufig Hundertjährige wie Fleischesser, was darauf hindeutet, dass wichtige Nährstoffe den Ausschlag geben könnten. Damit zeigt sich, dass sich der Nährstoffbedarf eines Menschen im Laufe seines Lebens entsprechend dem Alter signifikant ändert. (ger)
Laut einer neuen Studie ist es für Senioren vorteilhaft, regelmäßig Fisch und Fleisch sowie Eier oder Milchprodukte in ihre Ernährung zu integrieren.
Dr. Dr. Rainer Zitelmann am 14. April 2026 in Berlin. - Foto: Frank Nürnberger
Brennende Autos, geplünderte Läden, demolierte Gebäude, Straßenschlachten mit der Polizei – was als Schülerprotest begann, ist zum Teil in Gewaltexzesse ausgeartet, an denen sich Anarchisten, Linksextreme und migrantische Gruppen beteiligen. Darüber sprach Epoch Times mit dem Historiker und Soziologen Dr. Dr. Rainer Zitelmann.
In Frankreich haben sich aus Schülerprotesten landesweite Ausschreitungen mit Plünderungen entwickelt, hinter denen laut Regierung und Polizei ein Zweckbündnis aus kommunistischen Organisationen, radikalen Linken und migrantischen Gruppen aus den Vororten steht. Was treibt diese Gruppen an?
Die ursprünglichen Schülerproteste gegen schlechte Schulbedingungen werden inzwischen von zahlreichen politischen Organisationen unterstützt und für ganz andere Ziele genutzt. Recherchen haben 54 beteiligte oder unterstützende Organisationen identifiziert, darunter die Französische Kommunistische Partei (PCF), die linksextreme Partei La France Insoumise (LFI), die trotzkistischen Gruppen Révolution Permanente und die Neue Antikapitalistische Partei (NPA) sowie die Gewerkschaft CGT. Von den 54 Organisationen sind lediglich 16 Schüler- oder Jugendgruppen. Es ist ein Bündnis von Antikapitalisten und Islamisten, denen es um den Sturz des Kapitalismus geht, nicht um die Schulfragen. Als neues „revolutionäres Subjekt“ haben die Linksextremen Migranten entdeckt, besonders aus dem arabischen Raum.
Sind die jetzigen Ausschreitungen noch mit einer Unzufriedenheit über die eigene Lebenssituation und dem Wunsch nach Reformen zu erklären?
Die Verhältnisse in Frankreich schreien nach Protesten. Aber diese sollten sich besser gegen den Sozialismus richten, denn die Staatsquote in Frankreich beträgt 57,2 Prozent (2025) und gehört damit zu den höchsten in Europa. Hinzu kommt eine Staatsverschuldung von 115,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – ein Ergebnis jahrzehntelanger staatlicher Ausgabenpolitik und Verschwendung von Steuergeldern. Das Problem: Das Versagen des Staates wird als Versagen des Kapitalismus geframt. Hinzu kommt, dass in Frankreich der Sozialneid so groß ist wie in kaum einem anderen Land. Eine Befragung, die ich bei Ipsos MORI beauftragt habe, ergab, dass in keinem der untersuchten Länder der Sozialneid gegen Reiche so groß ist wie in Frankreich (Deutschland war an zweiter Stelle). Dieser Hass gegen Reiche entlädt sich in den Plünderungen und Brandschatzungen in Luxusgeschäften.
In Marseille drangen Randalierer in das Rathaus ein und riefen laut Agenturberichten in Anspielung auf die Französische Revolution von 1789: „Es ist Revolution! Wir stürmen die Bastille.“ Sehen Sie in den aktuellen Ereignissen Parallelen zur Französischen Revolution und den Mobs aus radikalen Revolutionären, die damals Paris ausplünderten und die Stadt verwüsteten?
Die Französische Revolution von 1789 begann mit großen Ideen, die auch aus liberaler Sicht zu begrüßen sind: Freiheit, Gleichheit vor dem Gesetz, Abschaffung feudaler Privilegien und Schutz des Eigentums. Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 war ein historischer Fortschritt. Doch unter den Jakobinern unter Robespierre wurde aus dem Versprechen der Freiheit eine Schreckensherrschaft mit politischen Säuberungen, Massenhinrichtungen und der systematischen Verfolgung Andersdenkender. An letztere Tradition können die linksextremen Kräfte in Frankreich mit ihrer Gewalt in der Tat anknüpfen, mit den ersteren haben sie nichts zu tun.
Mittlerweile gibt es auch in Deutschland aus linken Kreisen Aufrufe, die Proteste nach Deutschland in 21 Städte zu tragen. Warum können kommunistische oder sozialistische Ideen gerade in der heutigen Zeit an Attraktivität gewinnen und wie hoch schätzen Sie das Risiko ein, dass sich die Ausschreitungen auch nach Deutschland verlagern könnten?
Die Partei Die Linke begrüßt ausdrücklich die sogenannten Proteste und zeigt damit, dass sie eine extremistische, gewaltverherrlichende und gewaltbereite Partei ist. Das Bündnis mit Islamisten und die Mobilisierung von Migranten war ja auch das Rezept der Linken Partei in Berlin, nur dass sie ihre Ziele zunächst mit Wahlen erreichen will, allerdings stets unterstützt von den gewalttätigen Schlägertrupps der sogenannten Antifa. Ich fürchte, wir sehen derzeit in Frankreich, Belgien und Mailand Deutschlands Zukunft. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen über Auswanderung nachdenken.
Als ich vor acht Jahren in meinem Buch „Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung“ vor einer Renaissance des Sozialismus warnte, meinten viele Kritiker, ich sähe Gespenster, der Sozialismus sei mausetot, ich fechte die Kämpfe des Kalten Krieges noch einmal neu aus. Leider behielt ich mit meinen Warnungen Recht. In der Weltmetropole des Kapitalismus, New York, wurde ein Marxist als Bürgermeister gewählt, in Berlin wurde die ehemalige SED, die sich heute Linke nennt, zur stärksten Partei. Ende der 80er- und in den 90er-Jahren sahen die Menschen, dass der Sozialismus gescheitert ist. Eine junge Generation weiß davon nichts, weil sie in den Schulen kaum etwas davon hört. Ich habe in den letzten Jahren Vorträge in über 30 Ländern gehalten und überall gefragt, wer etwas in der Schule vom größten sozialistischen Experiment der Geschichte gehört hat, Maos „Großem Sprung nach vorne“, bei dem 45 Millionen Menschen starben. Wo auch immer ich sprach, ob in Seoul oder New York, in Madrid oder Warschau, in Mailand oder Santiago de Chile: Fast keiner meldete sich, kaum jemand hatte davon gehört.
Zu Ihrer Frage, ob sich die Ausschreitungen nach Deutschland verlagern können: Ich denke nicht, dass dies jetzt im großen Maßstab passiert, obwohl einige Leute, vor allem Die Linke, sich dies sehr wünschen. Aber ich fürchte, wir sehen jetzt in Frankreich das, was wir in einigen Jahren in Deutschland erleben werden.
Ein ausgebranntes Auto am Monument Porte Saint-Denis in Paris am 18. Oktober 2026, einen Tag nach den gewaltsamen Protesten und den weit verbreiteten Zerstörungen in der französischen Hauptstadt. - Foto: Etienne Fauchaire / Epoch Times
In Kürze:
Bei gewalttätigen Protesten in Frankreich seien am Wochenende zahlreiche Geschäfte geplündert und verwüstet worden.
Landesweit waren bis zum Abend des 18. Oktober 2.397 Menschen festgenommen worden.
997 Polizisten, Militärpolizisten und Feuerwehrleute seien verletzt worden.
Handelsverband: Rund 1.500 Unternehmen waren betroffen und Schäden in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro seien entstanden.
Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Gewalt und sagte den betroffenen Geschäftsinhabern Unterstützung zu.
Am Sonntag lagen auf der Place de la République, in Paris, noch immer leere Tränengaskartuschen verstreut. Reinigungskräfte kehrten Glasscherben rund um das Marianne-Denkmal zusammen. Dessen steinerner Sockel war durch Wurfgeschosse beschädigt worden.
Die englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times sprach mit Yoni, der lediglich seinen Vornamen nennen wollte. In seinem Marmorgeschäft Pierres Exclusives waren Ausstellungsstücke zertrümmert worden.
„Wir hatten mit etwas Ähnlichem gerechnet und alles getan, um das Geschäft zu schützen. Aber hier gab es nichts zu stehlen, sondern nur Dinge, die man kaputt schlagen konnte“, sagte er.
Ein Marmortisch im Wert von 25.000 Euro lag in Trümmern.
„Als wir heute Morgen hier ankamen, waren immer noch Menschen im Laden“, berichtete Yoni.
Apotheke geplündert – Schäden in sechsstelliger Höhe
Im 3. Arrondissement stand Fabien Carême zwischen den Überresten seiner Apotheke.
„Ich verstehe nicht, warum jemand eine Apotheke plündern sollte. Sie ist schließlich eine der ersten Anlaufstellen für die medizinische Versorgung“, sagte er der Epoch Times. Carême schätzt, dass allein die verlorenen Warenbestände einen Schaden von nahezu 150.000 Euro verursacht haben.
„Damit haben sie meinen kleinen Betrieb für lange Zeit lahmgelegt.“
Auch Camille Michelin, Inhaber des Optikergeschäfts Opti’Shop, bezifferte seine Verluste auf mehr als 50.000 Euro. „Das ist ein gut laufendes Unternehmen. Und sie plündern alles, sie schlagen alles kurz und klein“, sagte er.
Michelin und seine drei Mitarbeiter waren am Abend des 17. Oktober noch im Geschäft, als die Menschenmenge vorbeizog.
„Wir wurden mit Hass konfrontiert und mit Gesten bedroht, die darauf hindeuteten, dass man uns die Kehle durchschneiden wollte“, berichtete er.
Das Denkmal auf der Place de la République in Paris ist am 18. Oktober mit Parolen wie „Tod den Faschisten“ und „Antifa“ beschmiert.
Foto: Etienne Fauchaire / Epoch Times
Die Plünderungen setzten sich in der Nacht fort. Bis zum Nachmittag des 18. Oktober registrierte die Pariser Polizei drei weitere geplünderte Geschäfte und nahm 25 Menschen fest. Die Festgenommenen seien überwiegend Jugendliche aus den Vororten gewesen, die nach geeigneten Orten für Plünderungen gesucht hätten, teilte die Polizei mit.
Ein Geschäft in der Rue Beaurepaire wurde innerhalb weniger Sekunden leer geräumt. Hunderte Demonstranten versammelten sich erneut auf der Place de la République.
Die Polizei setzte Tränengas und einen Wasserwerfer ein und schickte die Bereitschaftspolizeieinheit CRS 8 zum Einsatz. Auf dem Boulevard Voltaire brannten Barrikaden aus Mülltonnen. In angrenzenden Straßen gingen Leihfahrräder in Flammen auf.
Alexandre Bompard, Vorsitzender des französischen Handelsverbands FCD, schätzte, dass rund 1.500 Unternehmen von den Ausschreitungen betroffen waren. Der Gesamtschaden belaufe sich auf mehrere 100 Millionen Euro. Nach Angaben der Pariser Polizei beteiligten sich zwischen 500 und mehr als 1.000 Menschen an den Ausschreitungen in der Hauptstadt.
Am 18. Oktober 2026 liegen Barrikadenreste vor einem verwüsteten McDonald’s in Paris – einen Tag nach gewaltsamen Protesten der extremen Linken.
Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times
Nachdem die eigentliche Demonstration beendet war, begannen kleinere, schwarz gekleidete Gruppen, Geschäfte zwischen der Place de la République und der Place de la Bastille aufzubrechen. Weitere Personen schlossen sich an, um zu plündern.
„Ganze Straßenzüge wurden systematisch verwüstet“, sagte der Bürgermeister Emmanuel Grégoire vor Journalisten.
Brandanschlag auf historisches Rathaus in Limoges
Auch aus anderen Teilen Frankreichs wurden schwere Ausschreitungen gemeldet. In Limoges in Zentralfrankreich wurde das historische Rathaus aus dem Jahr 1883, das unter Denkmalschutz steht, in Brand gesetzt. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich nach Angaben der Präfektur noch gewählte Amtsträger und Mitarbeiter im Gebäude.
Der Bürgermeister von Limoges, Guillaume Guérin, erklärte am 18. Oktober vor Journalisten, etwa 700 maskierte und bewaffnete linksextreme Aktivisten hätten sich unter eine Demonstration mit 5.000 Teilnehmern gemischt. Die Polizei sei nicht in der Lage gewesen, sie aufzuhalten.
„Das war vorsätzliche Brandstiftung. Ein versuchter Mord an den gewählten Vertretern der Republik“, sagte Guérin.
Auch aus Bordeaux, Lille und Marseille wurden Angriffe auf Gebäude der örtlichen politischen Verwaltung sowie Plünderungen gemeldet.
Bis zum Abend des 18. Oktober zählte das französische Innenministerium landesweit 2.397 Festnahmen. Zudem seien 997 Polizisten, Militärpolizisten und Feuerwehrleute verletzt worden, sieben von ihnen schwer.
Innenminister Laurent Nuñez erklärte, Gruppen von Randalierern hätten sich auf Grundlage einer „sehr deutlichen Aufforderung der extremen Linken“ gebildet. Im Laufe des Nachmittags seien Plünderer und weitere Straftäter hinzugekommen, die die Situation ausgenutzt hätten.
Macron verurteilt Gewalt – Streit zwischen Regierung und Opposition
Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Gewalt in einer Ansprache am Sonntag. Zugleich sagte er den betroffenen Geschäftsinhabern Unterstützung zu und kündigte an, die Verantwortlichen für die Gewalt und Zerstörung zur Rechenschaft zu ziehen.
Premierminister Sébastien Lecornu kritisierte Jean-Luc Mélenchon, den Vorsitzenden der linken Partei La France insoumise LFI. Mélenchon habe die Gewalt aus Sicht Lecornus gerechtfertigt.
Mélenchon bezeichnete den Brandanschlag auf das Rathaus in Limoges seinerseits als Verbrechen. Eine ausdrückliche Verurteilung der Ausschreitungen insgesamt lehnte er jedoch ab. Stattdessen machte er die Regierung für die Ereignisse verantwortlich.
Die rechte Politikerin Marine Le Pen warf Mélenchons Partei LFI direkt vor, mit den Randalierern in Verbindung zu stehen.
Am 17. Oktober kam es in mehreren Großstädten Frankreichs zu Gewalt und Plünderungen.
Laut Sicherheitskreisen bildeten Ultralinke, radikale Linke und Jugendliche aus den Vororten eine vorübergehende Allianz, die die Gewalt verstärkt habe.
Landesweit demonstrierten 550.000 Menschen, davon 110.000 in Paris – die Nachrichtendienste hatten nur mit 230.000 gerechnet.
Am 17. Oktober kam es in Paris, Lyon, Marseille, Limoges und anderen Teilen Frankreichs zu Gewalttaten. Verstärkt worden sein sollen sie durch das Zusammentreffen linksextremer Aktivisten und Jugendlicher aus den Vororten.
Diese Einschätzung stammt aus Sicherheits- und Polizeikreisen. Mehrere Medien befragten deren Vertreter zu den Vorfällen. Anlass waren die Zerstörungen und Plünderungen am Rande der Demonstrationen „gegen die hohen Lebenshaltungskosten“.
Bei den Auseinandersetzungen sollen demnach Gruppen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund zusammengekommen sein und so die Sicherheitskräfte überfordert haben. Dieses Zweckbündnis gilt als eine der Erklärungen für das Ausmaß der Gewalt.
Die gesammelten Zeugenaussagen beschreiben jedoch auch eine spontane und unorganisierte Mobilisierung, deren Dimension die Nachrichtendienste nicht vollständig erfasst hätten.
Das Zusammentreffen verschiedener Gruppen im Mittelpunkt der Sicherheitsanalyse
Mehrere Sicherheits- und Polizeiquellen, die von „BFMTV“ befragt wurden, berichten, dass Mitglieder der extremen Linken, die außerhalb der politischen Parteien stehen, gemeinsam mit Jugendlichen aus den Vororten an den Ausschreitungen beteiligt gewesen seien.
Ihre Analyse konzentriert sich auf die an den Gewalttaten beteiligten Gruppen und nicht auf alle Teilnehmer dieses nationalen Mobilisierungstages.
Eine von „20 Minutes“ zitierte Quelle beschreibt es so: „Dieses Bündnis zwischen der Ultralinken, der radikalen Linken und Jugendlichen aus den Vororten ist völlig neu.“ Diesem Bericht zufolge hätten radikale Aktivisten Zulauf von weiteren gewalttätigen Demonstranten sowie von Jugendlichen aus den Vororten erhalten.
„Le Parisien“ beschreibt seinerseits eine ultralinke Bewegung, die nach Schätzung des Inlandsnachrichtendienstes Renseignement territorial in Frankreich aus etwa 5.000 Personen bestehe.
Diese lose Gruppierung vereint radikale, potenziell gewalttätige Splittergruppen, die außerhalb der linksextremen Parteien stehen. Die Tageszeitung identifiziert den Antifaschismus als eines ihrer gemeinsamen Merkmale.
Diese Zahl bezieht sich auf die landesweite Bewegung, nicht nur auf die Teilnehmer an den Ausschreitungen vom 17. Oktober.
Eine Mobilisierung, größer als erwartet
Auch das Ausmaß der Kundgebungen soll die Lage beeinflusst haben. Medienberichten zufolge demonstrierten landesweit 550.000 Menschen, davon 110.000 in Paris. Die Nachrichtendienste hätten mit 150.000 Teilnehmern in den Regionen und 80.000 in der Hauptstadt gerechnet. Die Beteiligung lag somit deutlich über ihren Erwartungen.
Nach Darstellung der Sicherheitsquellen war die Gefahr von Ausschreitungen zwar erkannt worden, die Nachrichtendienste hätten jedoch das Ausmaß der Annäherung zwischen den verschiedenen beteiligten Gruppen nicht richtig eingeschätzt.
Menschen verwüsten ein Geschäft während einer Kundgebung in der Nähe der Place de la République am 17. Oktober 2026 in Paris, Frankreich.
Foto: Carl Court/Getty Images
In mehreren Großstädten kam es zu Gewalttaten und Plünderungen, die Ordnungskräfte sollen überfordert gewesen sein. Die Diskrepanz zwischen den Prognosen und der tatsächlichen Lage geht somit über die bloße Frage der Anzahl der Demonstranten hinaus.
Soziale Netzwerke werden als Faktoren angeführt, die diese Dynamik erklären. TikTok soll die Mobilisierung beschleunigt haben, Telegram sei vor und während der Versammlungen genutzt worden. Eine Sicherheitsquelle spricht von einer „Explosion spontaner und unorganisierter Wut“.
Kritik an den Nachrichtendiensten
Nach den Ereignissen räumte der französische Präsident Emmanuel Macron am 18. Oktober „ein Versagen der Nachrichtendienste“ ein. Premierminister Sébastien Lecornu schloss sich dieser Einschätzung am 19. Oktober an.
Die Kritik richtet sich insbesondere gegen die Fähigkeit der Dienste, eine Mobilisierung vorherzusehen, bei der eine hohe Teilnehmerzahl mit der Anwesenheit gewalttätiger Gruppen unterschiedlicher Ausprägung einherging.
Ein hochrangiger Polizeibeamter, der von „Le Parisien“ befragt wurde, führt das Versagen auf die geschwächte Aufklärung durch menschliche Quellen zurück, also durch Informanten und verdeckte Ermittler vor Ort. Im Jahr 2008 wurden in Frankreich die „Renseignements généraux“ aufgelöst, ein polizeilicher Nachrichtendienst, der unter anderem politische und soziale Bewegungen beobachtete. Zudem verweist er auf Personalmangel und Hindernisse durch verschlüsselte Messengerdienste.
Eine Quelle aus Sicherheitskreisen hebt ihrerseits den Zeitaufwand hervor, der für die Überprüfung von Falschinformationen nötig sei, die online kursieren.
Die sicherheitspolitische Analyse verbindet das Vorgehen radikaler Aktivisten, das Eintreffen weiterer gewalttätiger Teilnehmer und die durch soziale Netzwerke ermöglichte Beschleunigung der Ereignisse. Diese Kombination, die laut den befragten Quellen nicht ausreichend vorhergesehen wurde, wird als Erklärung für die Ausweitung der Gewalttaten am 17. Oktober angeführt.
Die drei Verteidiger Serhii K.s v.l. Lars Brögeler, Nicola Canestrini, Jes Meyer-Lohkamp. - Foto: Matthias Kehrein/Epoch Times
Vor dem Gerichtsgebäude demonstriert das BSW, das einen Untersuchungsausschuss fordert. Pro-ukrainische Gruppen sehen den Angeklagten als Helden und konstatieren, dass Recht nicht immer Gerechtigkeit bedeutet, stellen Russland mit Terroristen gleich und kritisieren Donald Trumps Diesel-Deal mit Russland, der der Kriegspartei neue Einnahmen zur Fortführung des Krieges liefern würde. Für manche ist der Anschlag auf die Nordstream-Pipelines ein spannender Kriminalfall mit internationalen Verwicklungen. Bevor er als Hollywoodfilm in die Kinos kommt (dazu später mehr), wird er seit dem 14. Oktober vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg verhandelt.
Die drei Verteidiger Serhii K.s.
Foto: Matthias Kehrein/Epoch Times
Serhii K. salutiert
Über 100 Medienvertreter aus aller Welt haben sich für den Prozessauftakt angemeldet, so Pressesprecherin Marayke Frantzen. Auch am OLG Hamburg ist das ein Zuspruch, der nicht alltäglich ist. Eine lange Schlange bildet sich beim Sicherheitscheck. Vor dem Hochsicherheitsgerichtssaal 237 dann eine weitere Schlange, nach einer Stahltür dann ein weiterer Körperscanner. Die 120 Zuschauer sind durch eine Glasscheibe vom Gerichtssaal abgetrennt.
Serhii K. wird aus einem Sicherheitstrakt direkt in den Gerichtssaal geführt, wo der ehemalige Offizier der ukrainischen Armee erst einmal salutiert. Dann bildet er mit seiner Hand den Dreizack, später hält er eine präparierte Mappe in den Farben Blau und Gelb vor sich.
Angeklagter darf nichts sagen
Die Vorsitzende Richterin Anne Meier-Göring trägt die Anklage in ruhigem Ton vor: Der Angeschuldigte ist als Mittäter eines Kriegsverbrechens des Angriffs gegen zivile Objekte, des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, der Zerstörung von Bauwerken sowie der Störung öffentlicher Betriebe hinreichend verdächtig. Eine mehrjährige Haftstrafe droht.
Der Ton aus dem Gerichtssaal wird in einen Medienraum übertragen – inklusive ukrainischer Simultanübersetzung der Gerichtsdolmetscherin für den Angeklagten. In dem schmucklosen kleinen Raum lauschen ein Dutzend Journalisten, die im Gerichtssaal keinen Platz mehr gefunden haben, konzentriert den Eröffnungsvorträgen der Verteidigung. Eine uniformierte Justizmitarbeiterin trägt Sorge, dass nicht mitgeschnitten wird. Ein Bild wie ein Stillleben, Bildschirmschoner mit Südseepalmen. Sonst nur Ton.
„Heute steht erstmals im Ukrainekrieg ein Mensch vor Gericht, dem ein Kriegsverbrechen nach Völkerstrafrecht vorgeworfen wird. – Kein Russe. – Kein Mensch ist bei den Explosionen getötet worden. – Welcher Maßstab gilt hier?“, sagt ein Verteidiger mit energischem Ton.
Später stellt Verteidiger Jes Meyer-Lohkamp einen Antrag auf Verfahrenseinstellung. Der Grund: Sein Mandant hat durch seine ehemaligen Vorgesetzten eine unbefristete Verschwiegenheitspflicht erhalten und kann sich daher nicht angemessen verteidigen, ohne in der Ukraine eine mehrjährige Haftstrafe zu riskieren.
Überhaupt fuße die Anklage ausschließlich auf Indizien, nicht auf Beweisen, erklärt die Verteidigung später vor der Presse. Auf der Yacht seien keinerlei Spuren von Serhii K. gefunden worden.
Großers Medieninteresse beim Nordstream-Fall.
Foto: Matthias Kehrein/Epoch Times
Regel ist Regel
In der großen „Säulenhalle“ nebenan – das Gebäude ist fast 150 Jahre alt – haben sich rund 20 Kameraleute mit ihren Stativen für die späteren Stellungnahmen der Verfahrensbeteiligten positioniert. Ein ganzer Pulk an Mikrofonen ist davor aufgestellt. Warten gehört zum Geschäft und diese Zeit wird genutzt, um die Ausrüstung startklar zu machen.
Damit der normale Betrieb im Gebäude ungestört weiterlaufen kann, hat das Gericht mit Absperrband einen Bereich für die Medienleute definiert. – Und auch Regeln, deren Befolgung von den Justizmitarbeitern mit Nachdruck eingefordert werden: „Nicht von Außerhalb des Absperrbandes in den Bereich innerhalb fotografieren“, erklärt die ältere Dame, die das Geschehen von einer Bank aus beobachtet, und zur Erledigung ihrer Pflicht immer wieder aufstehen muss. Auch wenn man außerhalb direkt neben dem Band steht: Regel ist Regel.
Personen, die Justizbeamte aufnehmen, oder in die Gänge des Gerichtsgebäudes hineinfotografieren, werden aufgefordert, das Material zu löschen. Doch davon lässt sich keiner der Kollegen ernsthaft aus der Ruhe bringen. Es gibt eben solche und solche: Manche halten sich direkt an die Regeln, die anderen versuchen die Grenzen des Möglichen auszuloten.
Großer Medienauflauf
Große Agenturen, öffentlich-rechtliche und private Fernsehstationen sind vor Ort – auch Sender der Kriegsparteien, aus China und den USA. In einer Schalte erfährt man von einem Kollegen, dass der Angeklagte ein sportlicher Typ sei und seine Körperdaten stets mit der App einer Smartwatch erfasst habe. Ausgerechnet in der Tatzeit hätten die Daten gefehlt.
Die Kollegin eines anderen Senders mutmaßt, dass der Prozess politische Konsequenzen im Verhältnis Deutschlands als größtem Unterstützer der Ukraine im Krieg gegen Russland verursachen könnte.
„War and everything“, sagt ein BBC-Mitarbeiter auf die Nachfrage, warum der Sender von der Insel in Hamburg präsent ist. Die Zuschauer des ORF, eines öffentlich-rechtlichen Senders aus Österreich, interessiere der spannende Fall, glaubt die Redakteurin. Der dänische Sender ist ebenfalls vor Ort – Dänemark hat Untersuchungen angestellt, den Fall aber fallen lassen.
Umringt von Medienvertretern: Ilia Nowikow aus dem Verteidigerteam.
Foto: Matthias Kehrein/Epoch Times
Ein Verteidiger wirft Fragen auf
13:16 Uhr. Die Vorsitzende Richterin beschließt nach drei Stunden Dauer den ersten Prozesstag. Die Pressevertreter eilen zu ihren Kameras und warten auf die Statements. Plötzlich bildet sich eine Traube um den zum Verteidigerteam gehörenden ukrainischen Anwalt Ilia Nowikow. Die Pressesprecherin versucht, ihn zu bewegen, vor die Mikrofone zu treten, damit alle Medienvertreter ein gutes Bild und einen guten Ton haben. Nowikow: „Ich würde gegen unsere Kooperationsregeln verstoßen, wenn ich vor meinen Kollegen auftrete.“
Auf Englisch sagt er dennoch: „Dieser Prozess wird wahrscheinlich erste Regeln festlegen, wie man Unterwasserpipelines im Sinne des Gemeinwohls angreifen darf und wie nicht“, sagt er sarkastisch. „Es ist allgemein bekannt und unumstritten, dass der derzeitige Krieg […] ein wesentlicher Bestandteil dieses Prozesses sein wird. Das Thema wird nicht ausgeklammert. Niemand gibt vor, dass dieser Krieg nichts mit den Ereignissen rund um die russische Gasleitung am 22. September zu tun hat.“
Er fährt fort: „Mein Kollege Herr Canestrini sagte heute, dass die Anklage geändert wurde, nachdem er aus Italien ausgeliefert worden war. Ursprünglich wurde ihm ein Angriff auf die staatliche Souveränität Deutschlands vorgeworfen, was Artikel 88 des deutschen Strafgesetzbuchs entspricht. Und derzeit sieht die Anklage ganz anders aus. Er wird nach internationalem Recht wegen Kriegsverbrechen angeklagt.“
Und später: „Wenn man eine Person nach dem Völkerrecht wegen Kriegsverbrechen anklagen will, muss man sich sehr sicher sein, dass die Welt so funktioniert. Und in diesem Fall, unter Berücksichtigung des aktuellen Krieges und der Art und Weise, wie die Russen diese bestimmte Pipeline nutzen, um sie als Instrument politischer Erpressung und des Drucks auf Deutschland und Europa insgesamt einzusetzen – diese Fragen sind nicht einfach.“
„Snake Island“
Im Gerichtssaal sind derweil einige Besucher der Aufforderung, den Raum zu verlassen, nicht nachgekommen – offensichtlich Sympathisanten von Serhii K. Erst durch Nachdruck der Justizbediensteten verlassen diese den Raum.
Generalbundesanwalt Stefan Schmidt.
Foto: Matthias Kehrein/Epoch Times
Zurück in der „Säulenhalle“: Hier trägt Generalbundesanwalt Stefan Schmidt in roter Robe die Gründe für das Verfahren erneut vor und stellt sich einigen wenigen Nachfragen. Danach folgen die Ausführungen der drei Verteidiger, die sich viel Zeit für die Fragen der Medienvertreter nehmen und später für Einzelinterviews bereit stehen.
Bis Ende Januar ist eine Reihe weiterer Termine anberaumt. Parallel zu diesem Fall betreibt die Bundesstaatsanwaltschaft ein Auslieferungsverfahren gegen einen weiteren mutmaßlichen Tatbeteiligten, der ebenfalls in Hamburg vor Gericht gestellt werden könnte. Sein Name ist Volodymyr Z. Er soll laut „Legal Tribune Online“ am 19. August 2026 in Pula, Kroatien, auf dem Set beziehungsweise in der Nähe des Drehorts von „Snake Island“ festgenommen worden sein, wo er laut anderer Medienangaben als Berater tätig war.
Der Hollywood-Film des Regisseurs Doug Liman (Die Bourne Identität, Edge of Tomorrow) mit Adrien Brody und Sean Penn wurde vor allem in Zagreb, Kroatien, gedreht. Die Handlung des politischen Action-Thrillers, die in den Monaten vor der russischen Invasion beginnt: Ein Team ukrainischer Taucher soll eine gefährliche Unterwassermission rund um eine Pipeline-Sabotage durchführen.
Zur Erinnerung
Ein Kommando von sieben Personen – darunter Berufstaucher, einem Skipper und einem Sprengstoffexperten – soll laut Anklageschrift am 22. September 2022 nahe der dänischen Insel Bornholm schwere Schäden an drei der vier Röhren von Nordstream 1 und 2 herbeigeführt haben. Von der als Basisstation verwendeten Segelyacht Andromeda aus haben dazu die vier Taucher Hochleistungssprengstoff an den in 80 Metern Tiefe auf dem Ostseeboden liegenden Röhren angebracht.
Die Sprengsätze detonierten erst vier Tage später – vielleicht ein Grund dafür, dass der Angeklagte Serhii K., der das Kommando angeführt haben soll, zu einem früheren Zeitpunkt nichts Falsches behauptete, wenn er sagte, er sei zum Zeitpunkt der Sprengung in der Ukraine gewesen.
Der Plan sei nach Beginn des russischen Angriffs im Auftrag staatlicher Stellen in der Ukraine entstanden, um zu verhindern, dass Russland die Einnahmen aus dem Handel mit Erdgas zur Finanzierung seiner Kriegsführung nutzt.
Beide Röhren enthielten zum Zeitpunkt der Sprengung zwar Gas, die Lieferung über Nordstream 1 war jedoch Anfang September gestoppt worden. Nordstream 2 war zwar fertiggestellt, hat jedoch nie Gas nach Deutschland geliefert.
Warum wird in Deutschland verhandelt? Weil die von Russland aus durch die Ostsee verlaufenden Pipelines in Lubmin bei Greifswald enden und wesentliche Vorbereitungshandlungen wie die Charter der Yacht in Rostock lagen. Der Ort der Sprengung war nicht in Dänemark, sondern in den ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ) Dänemarks und Schwedens. Warum wird in Hamburg verhandelt? Weil das Land Mecklenburg-Vorpommern keinen eigenen Staatsschutzsenat hat, aber eine Abmachung mit Schleswig-Holstein und Hamburg, wonach der Staatsschutzsenat der Hansestadt für solche Verfahren der drei Länder zuständig ist.