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Thüringer Anhörung macht Grenzen eines Parteiverbots sichtbar


In Kürze:

  • Der Justizausschuss des Thüringer Landtags hörte Sachverständige zu den rechtlichen Hürden eines möglichen AfD-Verbotsverfahrens.
  • Im Mittelpunkt standen unter anderem Artikel 21 Grundgesetz sowie die Frage, ob ein Teilverbot möglich wäre.
  • Die Anhörung zeigte: Ein Verbotsantrag wäre politisch folgenreich und müsste juristisch belastbar begründet werden.

 
Im Thüringer Landtag ging es bei der mündlichen Anhörung des Justizausschusses am Mittwoch, 30. September, vor allem um die Frage, ob ein Antrag gegen die AfD vor dem Bundesverfassungsgericht Aussicht auf Erfolg hätte.
Immer wieder wurde daraus aber auch eine politische und historische Grundsatzdebatte: Wann muss ein Staat handeln? Wann überschreitet eine Partei die Grenze des demokratischen Wettbewerbs? Und wann wird ein Verbotsverfahren selbst zum Risiko für die Demokratie?
Anlass war ein Antrag der Thüringer Linksfraktion an die Landesregierung, sich gegenüber der Bundesregierung und gemeinsam mit anderen Ländern im Bundesrat dafür einzusetzen, ein Verbotsverfahren gegen die AfD einzuleiten.
Der Thüringer Landtag kann ein solches Verfahren nicht selbst beantragen. Antragsberechtigt sind auf Bundesebene Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung. Der Justizausschuss hörte dazu mehrere Sachverständige – darunter Hans-Georg Maaßen, Ulrich Vosgerau und eine Vertreterin der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) –, sowie den Prominenten Hape Kerkeling an.
Der rechtliche Maßstab ist hoch. Nach dem Grundgesetz sind Parteien nur dann verfassungswidrig, wenn sie „nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden“. Entscheiden darf darüber allein das Bundesverfassungsgericht.

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„Fakten, Fakten, Fakten“

Hans-Georg Maaßen setzte den Ton der Gegenposition. Der Jurist und frühere Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz erinnerte an seine Rolle im zweiten Verbotsverfahren der rechtsextremen Partei NPD, das im Jahr 2017 endete. Wer über ein Parteiverbot rede, brauche eine Rechtsgrundlage, sagte Maaßen. Dafür borgte er sich das ehemalige Motto des „Focus“-Magazins: „Fakten, Fakten, Fakten.“
Seine zentrale Frage lautete: Gibt es bei der AfD eine „zweite Agenda“? Maaßen argumentierte, Programme und öffentliche Bekenntnisse der AfD enthielten Bezüge zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung.
Wer ein Verbot anstrebe, müsse deshalb beweisen, dass diese Bekenntnisse nur Fassade seien. Einzelne Zitate oder Aussagen von Funktionären reichten aus seiner Sicht nicht aus, solange nicht erkennbar werde, dass sie den Kurs der Partei tatsächlich prägten.
Aus dem Ausschuss kam die Nachfrage, wie Maaßen Äußerungen führender AfD-Politiker bewerte. Innenminister Georg Maier (SPD) hielt ihm Aussagen von AfD-Chefin Alice Weidel und dem AfD-Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier vor, in denen Gerichte und Verfassungsrichter scharf angegriffen wurden. Maaßen ordnete solche Aussagen überwiegend als politische Polemik ein. Kritik an Gerichten, auch harte, begründe für sich noch keine Ablehnung des Rechtsstaates.
Eine weitere Frage zielte auf frühere Mitglieder der NPD beziehungsweise ihrer Nachfolgepartei Die Heimat in der AfD.
Der ehemalige Vorsitzende der WerteUnion antwortete, ein Wechsel einzelner Personen „infiziere“ nicht automatisch eine Partei. Entscheidend sei, ob solche Personen Einfluss auf die politische Ausrichtung hätten. Erst wenn Funktionäre mit steuernder Wirkung oder größere Gruppen den Kurs prägten, könne daraus eine relevante Zurechnung entstehen.

Die Gesellschaft für Freiheitsrechte setzt auf das Gesamtbild

Anders argumentierte die GFF. Ihre Vertreterin, die Juristin Valentina Chiofalo, stellte das Gutachten der Organisation vor. Die GFF hat nach eigenen Angaben mehr als 3 Millionen öffentlich zugängliche Datenpunkte ausgewertet. Ihr Ergebnis: Die AfD verstoße nach dem Maßstab von Artikel 21 Absatz 2 Grundgesetz gegen Demokratieprinzip und Menschenwürde. Ein zulässiger Verbotsantrag hätte nach Einschätzung der GFF wahrscheinlich Erfolg.
Chiofalo nannte zwei Argumentationslinien. Zum einen gehe es um angebliche Forderungen von AfD-Vertretern nach strafrechtlicher Verfolgung politischer Gegner. Legitime Strafanzeigen seien nicht das Problem, sondern der Ruf nach Haft, Anklagebank und politischer Abrechnung wegen demokratisch getroffener Entscheidungen.
In der Anhörung wurde gefragt, ob solche Forderungen nicht noch zum normalen Meinungskampf gehörten. Chiofalo zog die Grenze dort, wo politische Entscheidungen nachträglich kriminalisiert werden sollten. Schon das „Damoklesschwert“ künftiger Strafverfolgung könne parlamentarische Entscheidungen beeinflussen.
Zum anderen habe die GFF eine Verletzung der Menschenwürde durch die AfD belegt. Dabei gehe es nicht um einzelne Aussagen von Vertretern, sondern um ein politisches Konzept. Chiofalo sprach von einem angeblichen ethnisch-kulturellen Volksverständnis, von behaupteter rechtlicher Abwertung bestimmter Deutscher mit Einwanderungsgeschichte sowie von Forderungen gegen Muslime und Schutzsuchende.
Beim Thema Kopftuchverbot unterschied die Juristin zwischen Regelungen für staatliche Amtsträger und Forderungen, Privatpersonen mit islamischem Kopftuch den Zugang zu öffentlichen Einrichtungen zu verwehren. Das sei kein allgemeiner Laizismus, sondern ziele auf die Verdrängung des Islams aus dem öffentlichen Raum.

Kerkeling: Verbotsverfahren reicht nicht aus

Besonders sichtbar wurde der Unterschied zwischen juristischer und gesellschaftlicher Perspektive bei Hape Kerkeling. Der Unterhalter sagte gleich zu Beginn, er spreche „nicht als Experte für Verfassungsrecht“, sondern als Nachfahre eines Opfers des Nationalsozialismus. Kerkeling argumentierte nicht juristisch anhand von Paragrafen, sondern sprach vor allem aus der historischen Erfahrung heraus.
Er erinnerte daran, dass Thüringen ein besonderer Ort der deutschen Demokratie- und Diktaturgeschichte sei. 1930 wurde hier mit Wilhelm Frick der erste NSDAP-Innenminister eines deutschen Landes ernannt; das KZ Buchenwald liegt nur wenige Kilometer entfernt.
Kerkeling sagte, eine Demokratie könne sich selbst abschaffen, wenn genügend Menschen wegschauten. Sein Kernargument lautete: Wer die Verbrechen der Jahre 1933 bis 1945 verharmlose oder umdeute, verlasse den Boden des Grundgesetzes.
Aus dem Ausschuss wurde er gefragt, ob ein Verbot das Gedankengut verschwinden lasse. Kerkeling verneinte, dass ein Verbotsverfahren allein ausreiche. Demokratie müsse täglich verteidigt werden. Zugleich hielt er ein Verbotsverfahren für notwendig.
Auf die Sorge, ob ein gescheitertes Verfahren die AfD stärken könne, antwortete er, er habe „große Hoffnung“, dass Karlsruhe der Partei keinen „Persilschein“ ausstelle.
Eine weitere Frage zielte auf die AfD-Wähler. Was werde aus ihnen, wenn eine Partei verboten werde? Kerkeling unterschied zwischen Organisation und Anhängerschaft. Die Wähler seien nicht verschwunden, müssten aber politisch wieder erreicht werden. Demokratische Parteien müssten zuhören und Sorgen ernst nehmen. Sein Appell ging damit über das Verbotsverfahren hinaus: Ein juristischer Schritt könne politische Arbeit nicht ersetzen.

Vosgerau warnt vor Karlsruhe als Versuchslabor

Ulrich Vosgerau, Rechtsanwalt und Staatsrechtslehrer, stellte sich entschieden gegen die Logik eines Verbotsantrags. Er hielt den Thüringer Antrag zwar nicht für verfassungswidrig, aber für rechtlich begrenzt wirksam. Thüringen könne das Verfahren nicht selbst einleiten; der Landtag könne seine Landesregierung auch nicht einfach im Bundesrat anweisen. In der Sache sah Vosgerau keine Erfolgsaussicht.
Besonders wandte er sich gegen die Vorstellung, man könne Karlsruhe erst einmal „prüfen lassen“. Ein Parteiverbotsverfahren sei kein unverbindliches Gutachten. Wer den Antrag stelle, müsse von der Verfassungsfeindlichkeit überzeugt sein. Vosgerau sagte: „Da kann man nicht sagen: Wir probieren das mal.“ Schon der Antrag greife tief in den politischen Wettbewerb ein.
Vosgerau stellte zudem die Möglichkeit eines Teilverbots infrage. Hintergrund ist Paragraf 46 Absatz 2 des Bundesverfassungsgerichtsgesetzes. Danach kann das Bundesverfassungsgericht die Feststellung der Verfassungswidrigkeit auf einen „rechtlich oder organisatorisch selbstständigen Teil einer Partei“ beschränken.
Der Staatsrechtler bezweifelte, dass diese Regelung vom Grundgesetz gedeckt sei, weil Artikel 21 Grundgesetz nur von Parteien spreche, nicht ausdrücklich von Landesverbänden oder Teilorganisationen. Aus seiner Sicht könnte ein Antragsteller dadurch das Risiko eines Verfahrens senken: Scheitere ein Verbot der Gesamtpartei, könne ein Teilerfolg gegen einen Landesverband politisch dennoch als Erfolg erscheinen.

Delegitimiert die AfD staatliche Institutionen?

In der Befragung wurde Vosgerau außerdem auf die These angesprochen, die AfD delegitimiere staatliche Institutionen. Er unterschied zwischen Kritik und verfassungsfeindlicher Delegitimierung. Regierung und staatliche Stellen hart anzugreifen, sei Recht der Bürger und Pflicht der Opposition, sagte er. Gefährlich werde es erst, wenn eine Partei die Grundordnung selbst beseitigen wolle.
Auch beim Volksbegriff widersprach Vosgerau der Verbotsargumentation. Das NPD-Urteil von 2017 dürfe nicht so gelesen werden, als sei jeder ethnisch-kulturelle Bezug automatisch verfassungswidrig. Problematisch werde es aus seiner Sicht erst, wenn Menschen wegen ihrer Herkunft ohne Einzelfallprüfung Rechte wie die Staatsangehörigkeit aberkannt werden sollten.
Schließlich verwies Vosgerau auf Artikel 146 Grundgesetz. Der Staatsrechtler argumentierte: Das Grundgesetz sehe selbst vor, dass es eines Tages durch eine neue Verfassung abgelöst werden könne. Artikel 146 sagt, dass das Grundgesetz an dem Tage sein Gültigkeit , an dem „eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden“ sei.
Daraus leitete Vosgerau eine grundsätzliche Frage ab: Wenn das deutsche Volk Träger der verfassunggebenden Gewalt bleibe und über eine neue Verfassung nachdenken dürfe, wie könne dann politisches Handeln in Richtung einer neuen Verfassung als verfassungsfeindlich verfolgt werden? Er formulierte zugespitzt, das Grundgesetz erkläre gewissermaßen „die Revolution“ für legal.
Das Bundesverfassungsgericht hat im NPD-Urteil von 2017 allerdings klargestellt, dass Artikel 146 während der Geltung des Grundgesetzes kein aktives Vorgehen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung legitimiert.
Parteien dürften über eine neue Verfassung und andere Staatsmodelle sprechen. Ein planvolles Vorgehen gegen Menschenwürde, Demokratieprinzip oder Rechtsstaatlichkeit bleibe jedoch verfassungsrechtlich relevant.
Das Bundesverfassungsgericht heißt es dazu:
„Auch wenn Art. 146 GG dem Verfassungsgeber die Möglichkeit einer völligen Neuschöpfung der Verfassung eröffnen sollte, wird dadurch für die Dauer der Geltung des Grundgesetzes ein auf die Beeinträchtigung oder Beseitigung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung gerichtetes aktives Handeln einer politischen Partei nicht legitimiert. Diese kann sich auf die Parteienfreiheit des Art. 21 Abs. 1 GG nur berufen, soweit ihr Handeln nicht gegen den unantastbaren Kernbestand einer freiheitlichen Demokratie gerichtet ist.“

Die Lehren aus dem NPD-Verfahren

Über der gesamten Anhörung stand das 2017er-NPD-Urteil. Das Bundesverfassungsgericht stellte damals zwar verfassungsfeindliche Ziele der Partei fest, verbot die Partei aber letztlich nicht. Es fehlten konkrete Anhaltspunkte von Gewicht, die einen Erfolg dieses Handelns möglich erscheinen ließen.
Ein Verbot verlange laut Gericht also mehr als verfassungsfeindliche Programmatik. Die Partei müsse über „hinreichende Wirkungsmöglichkeiten“ verfügen, die ein Erreichen der von ihr verfolgten verfassungsfeindlichen Ziele “nicht völlig aussichtslos erscheinen lassen“.
Genau hier sehen Befürworter eines Verfahrens den Unterschied zur AfD. Sie ist keine politisch bedeutungslose Kleinstpartei. Sie verfügt über Mandate, Fraktionen, Landesverbände, kommunale Verankerung und hohe Umfragewerte.
Aus Sicht der GFF spreche gerade dieses Potenzial dafür, die AfD am Karlsruher Maßstab anders zu bewerten als die NPD. Gegner halten dagegen, politische Stärke könne nicht den Nachweis verfassungswidriger Ziele ersetzen.
Weitere Sachverständige, die im Landtag am 30. September aussagten, waren die Juristen Chan-Jo Jun, Christian Conrad und Hendrik Cremer sowie die Rechtswissenschaftler Katrin Groh und Kyrill-Alexander Schwarz.

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Tankrabatt ab Oktober: Was Autofahrer jetzt wissen müssen


In Kürze:

  • Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel sinkt ab Oktober um 14 Cent je Liter.
  • Bund und Länder entlasten Bürger und Wirtschaft um rund 2,5 Milliarden Euro.
  • ADAC will bei Gesprächen zum Spritpreisdeckel ein Wörtchen mitreden.
  • Norwegen und die USA sind Deutschlands wichtigste Rohöllieferanten.

 
Angesichts der hohen Kosten für Treibstoffe hat die Bundesregierung die Energiesteuer auf Benzin und Diesel für drei Monate gesenkt und damit einen erneuten Tankrabatt eingeführt. Ab dem 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2026 wird die Abgabe um 14 Cent je Liter gesenkt. Regulär beträgt die Energiesteuer für Benzin 65,45 Cent je Liter, für Diesel 47,04 Cent. Zusammen mit dem wegfallenden Anteil der Mehrwertsteuer ergibt sich eine rechnerische Entlastung von etwa 17 Cent je Liter. Wer zum Beispiel 50 Liter tankt, könnte dadurch rechnerisch rund 8,50 Euro sparen – vorausgesetzt, die Entlastung wird vollständig an der Zapfsäule weitergegeben.

Einen Teil des Preisanstiegs abfedern

Denn die 17 Cent sind zunächst nur eine steuerliche Entlastung, sie bedeuten nicht automatisch eine Preissenkung an der Zapfsäule. Das Bundesfinanzministerium weist ausdrücklich darauf hin, dass die Energiesteuer nur ein Bestandteil des Kraftstoffpreises ist und die Weitergabe an die Kunden durch die Kraftstoffanbieter erfolgt.
Die Bundesregierung begründet die erneute Einführung eines Tankrabatts mit den stark gestiegenen Kraftstoffpreisen infolge des Iran-Nahost-Konflikts. Mit der Maßnahme soll ein Teil des Preisanstiegs für private Haushalte und Unternehmen abgefedert werden. Besonders profitieren sollen Pendler sowie Handwerks- und Logistikfirmen. Die Mindereinnahmen beziffert der Bund auf rund 2,5 Milliarden Euro. Anders als bei früheren Rabattaktionen werden dieses Mal auch die Länder an der Finanzierung beteiligt und tragen mit etwa 1,25 Milliarden Euro die Hälfte der Kosten. Sie müssen das Geld nicht direkt an den Bund zahlen, erhalten aber entsprechend weniger aus der Zuteilung der Umsatzsteuer.
Die im Mai und Juni 2026 erfolgte Senkung der Energiesteuer bewertete die Bundesregierung positiv. Die Reduzierung der Abgabe habe die Verbraucher „weitgehend“ erreicht und dazu beigetragen, Preisspitzen an den Tankstellen abzufedern. Grundlage dieser Einschätzung waren Untersuchungen des Bundeskartellamts und der unabhängigen Monopolkommission.

EU-Recht verhindert komplette Aussetzung der Energiesteuer

Die Monopolkommission und auch das ifo Institut haben bei der Weitergabe hingegen Defizite festgestellt. Zwar habe der Rabatt die Autofahrer „größtenteils erreicht, aber nicht vollständig“, schreibt das ifo Institut in einer Mitteilung. Das Institut begrüßte das Auslaufen des Tankrabatts zum 30. Juni. „Es war eine teure Maßnahme, die den Staat rund 1,6 Milliarden Euro gekostet hat. Die unvollständige Weitergabe beim Diesel bedeutet, dass ein Teil davon bei den Mineralölkonzernen gelandet ist“, sagte Christian Gréus, Doktorand am ifo Zentrum für Finanzwissenschaft, seinerzeit.
Eine komplette Aussetzung der Energiesteuer über einen bestimmten Zeitraum ist aufgrund der EU-Vorgaben nicht möglich. Nach EU-Recht müssen für Benzin mindestens 35,9 Cent je Liter und für Diesel mindestens 33,0 Cent je Liter erhoben werden. Die Einnahmen aus der Energiesteuer auf sonstige Energieerzeugnisse, zu denen insbesondere Benzin und Diesel zählen, beliefen sich 2025 auf rund 34,3 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor waren es etwa 32,1 Milliarden Euro.
Der ADAC beantwortete eine Anfrage von Epoch Times bis Redaktionsschluss nicht. In einer Pressemitteilung äußerte sich der Automobilclub positiv zur vorübergehenden Energiesteuersenkung. Sie sei „ein wichtiges Signal für bezahlbarere Mobilität und insbesondere für alle Pendler, die stark auf das Auto angewiesen sind“. Zugleich forderte der ADAC die Mineralölwirtschaft auf, die Entlastung vollständig an die Autofahrer weiterzugeben. „Das muss im Sinne der Verbraucherentlastung besser gelingen als beim letzten Mal“, mahnte der Club.

Aral und Circle K wollen Steuersenkung weitergeben

Epoch Times fragte bei den Ölkonzernen nach, wie sie mit der Weitergabe der Steuersenkung umgehen würden. Seitens Aral hieß es in der Antwort, dass der Konzern die Senkung der Energiesteuer „selbstverständlich vollumfänglich an die Kunden weitergeben“ werde. Ebenso sei Aral bei den Tankrabatten in diesem Jahr (1. Mai bis 30. Juni) sowie 2022 (1. Juni bis 31. August) verfahren.
Der Unternehmenssprecher betonte zugleich, dass die Preise an Deutschlands Tankstellen sich aus verschiedenen Komponenten zusammensetzten. Neben Steuern und Abgaben seien dies der Einkaufspreis für die Kraftstoffe sowie die Kosten für Logistik, Verwaltung und Vertrieb. Auch der „intensive Preiswettbewerb zwischen den Kraftstoffanbietern“ beeinflusse die Preise. Diese seien weltweit „nach wie vor sehr volatil und reagierten auf die angespannten geopolitischen Entwicklungen“.
Der Ölkonzern TotalEnergies hat eigenen Angaben zufolge sein Tankstellennetz an das kanadische Convenience-Store-Unternehmen Alimentation Couche-Tard Inc. mit seiner Marke Circle K verkauft und verwies an das zuständige Unternehmen Circle K Deutschland GmbH. Eine Sprecherin sagte, dass die Betriebsabläufe zur Umsetzung der gesetzlichen Regelungen ab dem 1. Oktober angepasst und vollständig umgesetzt würden.
„Kraftstoffe, die bereits vor dem 1. Oktober an unseren Servicestationen lagern, werden qua Gesetz mit dem bisherigen Steuersatz belegt. Alle Kraftstoffe, die ab dem 1. Oktober von uns eingekauft werden, verkaufen wir mit dem reduzierten Steuersatz“, versicherte die Sprecherin. Zu Preisgestaltung oder möglichen zeitlichen Effekten „nehmen wir aus wettbewerbsrechtlichen Gründen grundsätzlich keine Stellung“, hieß es zudem.
Weitere ebenfalls angeschriebene Ölkonzerne antworteten bis Redaktionsschluss nicht auf die Anfrage von Epoch Times.

Gespräche über Spritpreisdeckel

Der Tankrabatt läuft am 31. Dezember aus und soll anschließend direkt in einen vorläufigen Spritpreisdeckel übergehen. Dieser soll „spätestens“ zum 1. Januar 2027 nach dem Vorbild Belgiens oder Luxemburgs eingeführt werden, wie die Bundesregierung in einer Pressemitteilung ankündigt. Zuvor will die Regierung Gespräche mit Vertretern der Mineralölwirtschaft führen.
Der ADAC bringt sich auch bei diesem Thema ins Gespräch und erwartet, „in die Vorbereitungen für einen Spritpreisdeckel einbezogen zu werden, um sicherzustellen, dass die Verbraucherseite berücksichtigt wird“.

Nur 6 Prozent des Rohöls stammen aus Nahost

Deutschland bezieht sein Rohöl aus verschiedenen Ländern. Importe aus Russland liegen seit Anfang 2023 auf Eis. Russland war einst Hauptversorger Deutschlands. So lieferte das Land 2021 rund 27,7 Millionen Tonnen Rohöl. Das entsprach etwa 34 Prozent des damaligen deutschen Rohölbedarfs. Mit dem Beginn des Krieges in der Ukraine gingen die Lieferungen zurück. Mit dem Inkrafttreten des Embargos der Europäischen Union kamen sie vollkommen zum Erliegen.
Danach hat sich die Herkunft des deutschen Rohöls stärker auf verschiedene internationale Lieferanten verteilt. 2025 importierte Deutschland laut Statistischem Bundesamt rund 75,7 Millionen Tonnen. Die wichtigsten Lieferanten sind Norwegen mit 16,6 Prozent (12,5 Millionen Tonnen) und die USA mit 16,4 Prozent (12,4 Millionen Tonnen). Aus Libyen kommen 13,8 Prozent (10,4 Millionen Tonnen). Es folgen Kasachstan (10,3 Millionen Tonnen), Großbritannien (8,7 Millionen Tonnen) und Guyana (4,2 Millionen Tonnen). Lediglich 6,1 Prozent (4,6 Millionen Tonnen) stammen aus dem Nahen Osten. Der größte Lieferant ist dort der Irak mit 3,1 Millionen Tonnen. Aus den Vereinigten Arabischen Emiraten kamen 0,8, aus Saudi-Arabien 0,6 Millionen Tonnen.
Der Rohölpreis ist jedoch nur ein Bestandteil des Tankstellenpreises. Weil Rohöl auf dem globalen Markt gehandelt wird, können internationale Preisentwicklungen die Spritpreise hierzulande deutlich beeinflussen – auch wenn Deutschland nur einen vergleichsweise kleinen Teil seines Rohöls aus dem Nahen Osten bezieht. Hinzu kommen die Kosten für Raffination und Transport sowie die hohen Steuern auf Kraftstoffe.
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AfD-Verbotsverfahren: Expertenanhörung in Erfurt zu Für und Wider


In Kürze:

  • Der Thüringer Landtag befasst sich in einer Anhörung mit einem Antrag der Linken zu einem möglichen AfD-Verbotsverfahren.
  • Ein Verbot könnten nur Bundestag, Bundesrat oder Bundesregierung beim Bundesverfassungsgericht beantragen.
  • Befürworter und Skeptiker bewerten, ob ein Verfahren rechtlich tragfähig und politisch verantwortbar wäre.

 
Im Thüringer Landtag hat am Mittwoch, 30. September, eine öffentliche mündliche Anhörung vor dem Justizausschuss zu einem möglichen AfD-Verbotsverfahren begonnen. Grundlage ist ein Antrag der Linken-Fraktion vom Mai 2025. Darin wird die Landesregierung aufgefordert, sich gegenüber der Bundesregierung und im Bundesrat für die Einleitung eines Verbotsverfahrens gegen die AfD einzusetzen.
Eine Entscheidung über ein Parteiverbot fällt in Erfurt nicht. Die Anhörung der geladenen Experten soll den im Landtag vertretenen Parteien unter anderem Aufschluss darüber geben, wie aussichtsreich ein Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht wäre.
Geladen waren mehrere Sachverständige und weitere zu befragende Personen, darunter Juristen, Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen sowie Personen des öffentlichen Lebens.
Die Anhörung war in drei Blöcke aufgeteilt. Im ersten Block wurden die Juristen Chan-Jo Jun, Christian Conrad und Hendrik Cremer gehört. Im zweiten Block folgten die Gesellschaft für Freiheitsrechte und die Rechtswissenschaftlerin Kathrin Groh. Für den dritten Block waren der Unterhalter Hape Kerkeling, der frühere Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen, der Rechtswissenschaftler Kyrill-Alexander Schwarz und der Staatsrechtler Ulrich Vosgerau vorgesehen.
Der Landesverband der AfD in Thüringen stellt seit der Wahl 2024 die größte Fraktion im Erfurter Landtag.

Erfurt entscheidet nicht über ein Verbot

Der rechtliche Rahmen setzt der Landespolitik enge Grenzen. Ein Parteiverbotsverfahren gegen eine bundesweit organisierte Partei können nach dem Bundesverfassungsgerichtsgesetz nur Bundestag, Bundesrat oder Bundesregierung beantragen.
Eine Landesregierung ist nur dann antragsberechtigt, wenn sich die Organisation einer Partei auf ihr eigenes Land beschränkt. Der Thüringer Antrag der Linksfraktion zielt deshalb nicht auf einen Alleingang des Landes. Er soll die Landesregierung politisch dazu bewegen, über den Bundesrat und gegenüber der Bundesregierung auf ein Verfahren hinzuwirken.
Nach Artikel 21 des Grundgesetzes sind Parteien verfassungswidrig, wenn sie „nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden,“. Über diese Frage entscheidet allein das Bundesverfassungsgericht.
Das Gericht hat diese Vorgaben in früheren Parteiverbotsverfahren präzisiert. Ein Verbot setzt nicht nur verfassungsfeindliche Ziele voraus. Eine Partei muss auch aktiv darauf hinarbeiten, diese Ziele zu erreichen.
Im NPD-Urteil von 2017 verlangte Karlsruhe zudem konkrete und gewichtige Anhaltspunkte dafür, dass ein Erfolg zumindest möglich erscheint. Die NPD wurde damals trotz verfassungsfeindlicher Zielsetzung nicht verboten, weil ihr nach Einschätzung des Gerichts die tatsächliche Durchsetzungskraft fehlte. Genau diese Frage der „Potentialität“ wäre auch bei einem möglichen AfD-Verfahren zentral.

AfD sieht Verfahren als aussichtslos

Der Landtagsabgeordnete Daniel Haseloff von der AfD hält ein mögliches Verbotsverfahren für „völlig aussichtslos“. Im Interview mit Epoch Times begründete er dies mit juristischen und gesellschaftlichen Einwänden. Aus seiner Sicht beruhe die Debatte in Thüringen wesentlich auf den Einstufungen des Landesverbandes durch den Verfassungsschutz aus dem Jahr 2021.
Genau dieses Fundament stellt Haseloff infrage. Er verwies auf den Untersuchungsausschuss zum Thüringer Verfassungsschutzpräsidenten Stephan Kramer (SPD). Dort sei aus Sicht der AfD deutlich geworden, dass die Einstufung des Landesverbandes „völlig rechtswidrig“ erfolgt sei. Das gesamte Fundament, auf dem ein Verbotsverfahren beruhen solle, sei deshalb „bröselig“.
Ein Vorgehen gegen einzelne Landesverbände sei nicht möglich. Für ein Verbot der Gesamtpartei gebe es zudem keine ausreichende Beweislast.

Jurist warnt vor vorschneller Bewertung

Deutlich zurückhaltender äußerte sich Ralph Hutschenreuther. Hutschenreuther ist Jurist und sitzt seit 2024 im Thüringer Landtag, eingezogen für das BSW. Inzwischen hat er zusammen mit anderen ehemaligen BSW-Abgeordneten die Fraktion Thüringen Gerecht gegründet.
Im Interview mit Epoch Times sagte Hutschenreuther die Erfolgsaussichten eines Verfahrens ließen sich nicht abschließend bewerten. Auch die Anhörung könne kein „abschließendes Ergebnis“ liefern, weil dort nicht alle Beweise gesichtet und bewertet würden.
Es gehe zunächst um rechtliche Grundlagen, mögliche Antragswege und die Frage, wer antragsberechtigt sei. Auch ein Verbot rechtlich oder organisatorisch selbstständiger Teilstrukturen sei umstritten. Ein solches Teilverbot habe es nach seiner Kenntnis bislang nicht gegeben. Am Ende müsse darüber das Bundesverfassungsgericht entscheiden.

CDU sieht offene Fragen

Auch die CDU-Abgeordnete Marion Rosin betonte im Interview mit Epoch Times, dass Thüringen nicht selbst über ein Parteiverbot entscheide. Man stehe am „Anfang eines Prozesses“. Die CDU-Fraktion wolle sich zunächst durch die Anhörung informieren und anschließend bewerten, wie weiter damit umzugehen sei.
Rosin verwies auf die Einschätzungen des Verfassungsschutzes, aber auch auf den Untersuchungsausschuss im Thüringer Landtag.
Gleichzeitig betonte sie, die Verfassung sei das „höchste Gut“ des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Sollten Parteien diese Grundlage nicht achten, könne ein Verbotsverfahren eine Lösung sein. Ob diese Voraussetzungen vorliegen, müsse jedoch sorgfältig geklärt werden.

Was ein Verbot für Wähler und Gesellschaft bedeuten könnte

Haseloff warnte, ein erfolgreiches Verbot würde vielen Bürgern die politische Alternative nehmen, die sie inzwischen wählten. Er bezweifelte, dass diese Wähler anschließend einfach zu anderen Parteien zurückkehren würden. Aus seiner Sicht werde ein Verbot zu einer „massiven Verdrossenheit“ führen.
Hutschenreuther sieht ebenfalls Gesprächsbedarf nach einem möglichen Verbot. Entscheidend sei die öffentliche Erklärung, dass nicht einzelne Wähler oder Meinungen verboten würden. Ein Parteiverbot treffe eine Organisation, nicht die politische Haltung jedes einzelnen Unterstützers.
Nach einem erfolgreichen Verfahren müsse der Bevölkerung deshalb erklärt werden, dass nicht Protest oder politische Unzufriedenheit verboten würden, sondern eine Organisation, die nach Karlsruher Bewertung gegen Grundwerte des Grundgesetzes verstößt. Gleichwohl räumte er ein, dass ein solches Verfahren das politische Klima komplizierter machen könne.
Rosin sagte, mögliche Spannungen seien selbstverständlich zu berücksichtigen. Gerade wegen der hohen Zustimmungswerte der AfD müsse die Politik sehr genau prüfen, ob der Zeitpunkt und der Weg richtig seien. Aufgrund der Wahlerfolge der AfD müsse geprüft werden, ob ein Verbotsverfahren die gesellschaftliche Polarisierung weiter verstärken könne.

Entscheidung liegt nicht in Erfurt

Das Deutsche Institut für Menschenrechte kommt in seiner schriftlichen Stellungnahme zu dem Ergebnis, die AfD habe sich seit ihrer Gründung fortlaufend radikalisiert und ziele darauf ab, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beseitigen. Die Voraussetzungen für ein Verbot nach Artikel 21 des Grundgesetzes lägen demnach vor.
Damit stehen zwei Ebenen nebeneinander: politisch die Frage, wie ein Verbot auf Wähler und Gesellschaft wirken würde; verfassungsrechtlich die Frage, ob die Voraussetzungen eines Parteiverbots erfüllt sind.
Ein mögliches Verfahren läge am Ende nicht in Erfurt, sondern beim Bundesverfassungsgericht. Der Thüringer Landtag kann mit der Anhörung Argumente sammeln und den Antrag der Linken-Fraktion weiter beraten. Ob daraus eine Initiative gegenüber Bundesregierung oder Bundesrat wird, bleibt offen.
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Achtung bei Kaffee und Tee: Ab dieser Temperatur steigt das Krebsrisiko

Tee- und Kaffeetrinker, die ihre Getränke sehr heiß, über 65 Grad Celsius, trinken, haben laut einer aktuellen Studie ein fast dreimal so hohes Risiko, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken, wie diejenigen, die ihre Getränke abkühlen lassen.
Der Konsum von sechs oder mehr sehr heißen Getränken pro Tag erhöhte das Risiko noch weiter.
Die Studie, die kürzlich im „International Journal of Cancer“ veröffentlicht wurde, begleitete 977.282 Teilnehmer aus Großbritannien über einen Zeitraum von durchschnittlich 11 bis 14 Jahren.

Wie könnte Hitze Krebs verursachen?

Sehr heiße Flüssigkeiten können die Schleimhaut der Speiseröhre schädigen, sagte Dr. Jason Korenblit, Facharzt für Gastroenterologie (Magen-Darm-Heilkunde) am Center for Digestive Health in Orlando, USA, der nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber der Epoch Times.
„Wiederholte Einwirkung kann einen Kreislauf aus Schädigung, Entzündung und Regeneration auslösen. Im Laufe der Zeit kann eine anhaltende Entzündung die DNA schädigen“, so Korenblit. „Und dies kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass abnormale Zellen überleben und sich schließlich zu Krebs entwickeln.“
Er betonte, dass es sich hierbei um eine vorgeschlagene Erklärung für den Zusammenhang handelt, da die britische Studie diesen Prozess nicht direkt gemessen hat. Die Forscher verfolgten Trinkgewohnheiten und Krebsdiagnosen. Sie führten keine Biopsie des Speiseröhrengewebes durch, um den Entzündungsprozess direkt zu beobachten.
Bei dem in dieser Studie mit der Getränketemperatur in Verbindung gebrachten Krebs handelte es sich um ein Plattenepithelkarzinom, das sich aus den Zellen der Speiseröhrenschleimhaut entwickelt.
Ein Befund, der die Hitzetheorie stützt: „Die Forscher fanden ähnliche Muster bei Menschen, die hauptsächlich Tee tranken, und solchen, die hauptsächlich Kaffee tranken“, sagte Korenblit. „Das spricht dafür, dass die Hitzeeinwirkung das wahrscheinliche Problem ist.“
Cancer Research UK empfiehlt, mit dem Trinken zu warten, bis sich ein heißes Getränk angenehm anfühlt, um mögliche Schäden zu vermeiden.
Die Autoren der Studie wiesen darauf hin, dass weitere Untersuchungen erforderlich sind, um festzustellen, welche Temperaturen das größte Risiko darstellen.
Im Vergleich dazu sind Rauchen und Alkohol gefährlichere Auslöser für Speiseröhrenkrebs als die Temperatur von Getränken. „Beides verursacht nachweislich Krebs. Wer raucht und trinkt, steigert sein Risiko noch einmal um ein Vielfaches“, erklärt Korenblit.

Sicherste Temperatur für Kaffee

Die Forscher definierten Temperaturen unter 60 Grad Celsius als sicheren Temperaturbereich.
Eine andere Studie mit 118 jungen Erwachsenen ergab, dass die meisten schwarzen Kaffee nur dann als zu heiß empfanden, wenn er mindestens 65 Grad Celsius hatte.
Zu den frühen Symptomen von Speiseröhrenkrebs können Sodbrennen, Verdauungsstörungen, Hals- oder Brustschmerzen sowie Gewichtsverlust gehören, so Korenblit; das Warnzeichen, das jedoch besondere Aufmerksamkeit verdient, sind neu auftretende oder sich verschlimmernde Schluckbeschwerden, insbesondere das Gefühl, dass die Nahrung im Hals stecken bleibt.
„Weitere Symptome können Schmerzen beim Schlucken, unerklärlicher Gewichtsverlust, Beschwerden hinter dem Brustbein, anhaltende Heiserkeit oder Husten sowie Sodbrennen oder Verdauungsstörungen sein“, fügte er hinzu. „Diese Symptome haben oft andere Ursachen, sollten aber abgeklärt werden.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Drinking Very Hot Tea or Coffee Triples Esophageal Cancer Risk“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Deutschlands Industrie baut ab – doch die Debatte kreist um Fachkräfte


In Kürze:

  • In der Autoindustrie arbeiteten Mitte 2026 über 40.000 Menschen weniger als ein Jahr zuvor – trotz anhaltender Klagen über Fachkräftemangel.
  • Viele offene Stellen passen nicht automatisch zu den Beschäftigten, die in Autoindustrie, Zulieferbetrieben oder Chemie ihre Stelle k.
  • Wichtig ist eine genaue Diagnose, ob Personal fehlt, Aufträge fehlen oder Standortkosten und Nachfrage nicht mehr stimmen.

 
Deutschland diskutiert seit Jahren über fehlende Fachkräfte. Zugleich streichen große Industriebetriebe Stellen, besonders in der Autoindustrie, bei Zulieferern und in der Chemie. Wie passt das zusammen?
Ende Juni 2026 arbeiteten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) nur noch 691.500 Menschen in der Automobilindustrie, 42.300 weniger als ein Jahr zuvor. Im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt sank die Beschäftigung in Betrieben mit mindestens 50 Beschäftigten binnen Jahresfrist um 144.100 auf 5,29 Millionen.
Diese Zahlen stehen auf den ersten Blick im Widerspruch zur Klage über fehlendes Personal. Sie widerlegen den Fachkräftemangel aber nicht. Denn der Arbeitsmarkt besteht aus vielen Teilmärkten: Qualifikationen, Berufserfahrung und Wohnort entscheiden darüber, ob ein Arbeitsuchender tatsächlich auf eine offene Stelle passt. Stellen fallen auch in Bereichen weg, deren Produkte weniger gefragt sind oder deren Kosten gestiegen sind.
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) stellte für 2025 in 157 Berufsgattungen Engpässe fest, nach 163 im Vorjahr. Betroffen seien insbesondere Gesundheit, Pflege, Bau und Handwerk. In der spannenden Metallbearbeitung, im IT-Vertrieb und in der Softwareentwicklung wurde dagegen kein Engpass mehr festgestellt. Der Begriff Fachkräftemangel beschreibt also keine allgemeine Lage, sondern viele einzelne Teilarbeitsmärkte.

Der Arbeitsmarkt sendet widersprüchliche Signale

Das zur BA gehörende Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), ermittelte für das zweite Quartal 2026 rund 1,02 Millionen offene Stellen. Gegenüber dem Höchststand Ende 2022 sei das ein Rückgang um 48 Prozent. Auf eine offene Stelle kämen zuletzt etwa 2,9 registrierte Arbeitslose.
Die Zahlen der BA zeigen jedoch, dass sich daraus kein einfacher Abwärtstrend ableiten lässt. Im August 2026 waren dort 656.000 offene Arbeitsstellen gemeldet, 25.000 mehr als ein Jahr zuvor. Diese Zahlen sagen allerdings nur: So viele offene Stellen sind bei der Bundesagentur gemeldet.
Sie sagen aber nicht, ob diese Stellen zu den Menschen passen, die in der Industrie ihre Arbeit verlieren. Ein Facharbeiter aus einem Autowerk kann nicht automatisch eine Stelle in der Pflege, im Handwerk oder in einer anderen Gegend Deutschlands übernehmen. Entscheidend ist, ob Ausbildung, Erfahrung, Wohnort und Gehalt zusammenpassen.
Der Fachkräftereport 2025/2026 der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) von Ende 2025 passt dazu. Von fast 22.000 antwortenden Unternehmen konnten 36 Prozent offene Stellen zumindest teilweise nicht besetzen, sieben Prozentpunkte weniger als zuvor. Zugleich meldeten 48 Prozent keinen Personalbedarf. Die DIHK verweist auch auf die schwache Konjunktur.
Damit wird sichtbar, warum der Begriff Fachkräftemangel allein zu wenig erklärt. Manche Unternehmen suchen weniger Personal, weil sie weniger Aufträge haben, weniger produzieren oder Investitionen verschieben. In solchen Fällen hilft es wenig, mehr Fachkräfte zu gewinnen.
Anders ist es, wenn Betriebe eigentlich genug Aufträge haben, diese aber wegen fehlender Meister, Monteure oder Pflegekräfte nicht annehmen können. Dann bremst der Personalmangel tatsächlich das Wachstum.

Unternehmen bauen Kapazitäten ab

Besonders sichtbar ist der Wandel in der Autoindustrie. Volkswagen vereinbarte Ende 2024, die Produktionskapazitäten deutscher Werke um 734.000 Fahrzeuge zu senken, und einigte sich auf einen „sozialverträglichen Abbau der Belegschaft“ an deutschen Standorten bis 2030 um mehr als 35.000. Als Gründe nannte das Unternehmen unter anderem den geschrumpften europäischen Automobilmarkt und stärkeren Wettbewerb. Es handelt sich um Planwerte.
Bosch beschrieb im September 2025 für seinen Mobilitätsbereich ebenfalls Überkapazitäten aufgrund einer „stark rückäufiger Nachfrage“. Betroffen seien Entwicklung, Produktion, Verwaltung und Vertrieb. Der zusätzliche „Abbaubedarf“ wurde auf etwa 13.000 Stellen beziffert, vor allem an deutschen Standorten und mit Fristen bis 2030.
In der Chemie ist der Befund ähnlich. BASF berichtete im Juli 2026, zwischen Januar 2024 und Ende Juni 2026 weltweit rund 7.000 Stellen abgebaut zu haben. Bei der BASF SE in Ludwigshafen sank die Beschäftigung in Vollzeitstellen im Mai 2026 unter 30.000.
Für deutsche Unternehmen folgt daraus: Mehr verfügbare Arbeitskräfte lösen keine Absatz- oder Kostenprobleme. Wenn ein Werk wegen geringerer Nachfrage oder zu hoher Kosten verkleinert wird, hilft keine zusätzliche Bewerberliste. Dann geht es um Energiepreise, Investitionen, Produktivität und die Frage, welche Wertschöpfung in Deutschland bleibt.

Warum offene Stellen und freie Arbeitskräfte oft nicht zusammenfinden

Offene Stellen allein sagen wenig darüber aus, ob entlassene Beschäftigte schnell wieder Arbeit finden. Entscheidend ist, ob eine neue Stelle zu ihrer Ausbildung, Erfahrung und ihrem Wohnort passt. Genau das lässt sich aus den verfügbaren Zahlen meist nicht erkennen.
Destatis-Zahlen zeigen, wie viele Menschen in einer Branche arbeiten. Unternehmen wie Volkswagen, Bosch oder BASF nennen, wo Stellen wegfallen. Sie sagen aber meist nicht genau, welche Berufe und Qualifikationen die Betroffenen haben. Deshalb bleibt offen, welche der gemeldeten freien Stellen für sie wirklich infrage kommen.
Die BA lieferte in ihrer Analyse Hinweise auf die Struktur des Problems. Im Jahresdurchschnitt 2025 entfiel etwa die Hälfte der gemeldeten Stellen für qualifizierte Tätigkeiten auf Engpassberufe. Unter den arbeitslosen Fachkräften suchte dagegen nur ungefähr jede fünfte Person Arbeit in einem solchen Beruf. Die BA verweist darauf, dass offene Stellen und arbeitslose Fachkräfte oft nicht im selben Beruf, mit derselben Qualifikation oder in derselben Region zusammenkämen.
Das IAB kommt zu einem ähnlichen Befund. Bei sozialversicherungspflichtigen Neueinstellungen außerhalb der Ausbildung stieg die durchschnittliche Zahl der Bewerbungen von 9 im Jahr 2022 auf 16 im Jahr 2025. Als grundsätzlich geeignet bewerteten die Arbeitgeber jedoch nur 28 Prozent der Bewerbungen. Mehr Bewerbungen garantieren also keine passende Besetzung.
Wer aus einem Industriebetrieb kommt, kann deshalb nicht automatisch in jeden Engpassberuf wechseln. Pflege, Handwerk oder Bildung verlangen häufig andere Abschlüsse, Zulassungen und praktische Erfahrungen als die bisherige Tätigkeit.
Auch die Verschiebung zwischen den Bereichen ist dokumentiert. Für das erste Quartal 2026 meldete Destatis im Bereich öffentlicher Dienst, Erziehung und Gesundheitswesen 181.000 Erwerbstätige mehr als ein Jahr zuvor. Außerhalb der Dienstleistungsbereiche ging die Erwerbstätigkeit zurück. Ob frühere Industriebeschäftigte dorthin wechseln, lässt sich daraus nicht ableiten.

Personalabbau erscheint nicht immer als Arbeitslosigkeit

Ein Teil des Stellenabbaus ist in der Arbeitslosenstatistik nur schwer zu erkennen. Unternehmen streichen Arbeitsplätze nicht immer über Kündigungen. Häufig laufen Stellen aus, weil Beschäftigte in Altersteilzeit gehen, regulär in Rente wechseln oder einen Aufhebungsvertrag unterschreiben. Für die Statistik macht das einen Unterschied: Der Arbeitsplatz fällt weg, aber die betroffene Person taucht nicht zwingend als arbeitslos auf.
Bei Volkswagen lässt sich dieser Weg gut nachvollziehen. Der VW-Vorstand nannte im Juni 2025 rund 20.000 vereinbarte Austritte bis 2030 an den sechs westdeutschen Standorten der Volkswagen AG. Davon sollten etwa 14.000 über Altersteilzeit erfolgen, fast 5.000 über reguläre Renteneintritte und knapp 1.300 über Aufhebungsverträge. So kann ein Unternehmen die Belegschaft verkleinern, ohne dass es zu einer großen Kündigungswelle kommt.
Auch der VW-Geschäftsbericht zeigt, warum Personalzahlen unterschiedlich gelesen werden können. Zum Jahresende 2025 wies der Konzern 628.893 aktive Beschäftigte weltweit aus. Zusätzlich gab es 16.925 Personen in der passiven Phase der Altersteilzeit. Diese Menschen gehören formal noch zur Belegschaft, arbeiten aber nicht mehr aktiv im Betrieb. Für die Produktion ist deshalb entscheidend, wie viele Beschäftigte tatsächlich eingesetzt werden können.
Ähnlich ist es bei BASF. Für die Beschäftigten der BASF SE in Ludwigshafen wurde ein Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen zunächst bis Ende 2028 vereinbart. Das schützt vor Kündigungen aus betrieblichen Gründen. Es heißt aber nicht, dass jede frei werdende Stelle neu besetzt wird. Ein Standort kann also kleiner werden, obwohl betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind.
Für Verbraucher ist ein solcher Industrieabbau oft nicht sofort sichtbar. Die Preise im Supermarkt oder beim Autohändler steigen deshalb nicht automatisch am nächsten Tag.
In den betroffenen Regionen kann der Rückgang aber spürbar werden: Wenn gut bezahlte Industriearbeitsplätze verschwinden, sinkt die Kaufkraft. Zulieferer bekommen weniger Aufträge. Unternehmen investieren vorsichtiger. Für Beschäftigte ist entscheidend, ob frei werdende Stellen wieder besetzt werden oder dauerhaft wegfallen. Investoren schauen dagegen darauf, ob der Personalabbau nur kurzfristig Kosten senkt oder ob das Unternehmen dadurch langfristig wettbewerbsfähiger wird.

Eine genauere Diagnose wäre der erste Schritt

Die Ausgangsfrage legt nahe, dass der Begriff Fachkräftemangel den industriellen Stellenabbau verdecken könnte. Die ausgewerteten Quellen unterstützen diese Deutung nicht. Statistiken, Unternehmensmitteilungen und Verbandsberichte benennen den Rückgang offen. Sie zeigen aber zugleich, dass der Begriff Fachkräftemangel zu grob ist, wenn damit sehr unterschiedliche Entwicklungen erklärt werden sollen.
Manche Unternehmen finden tatsächlich kein geeignetes Personal. Andere bauen Stellen ab, weil Aufträge fehlen, Kosten steigen oder Werke nicht mehr ausgelastet sind. Für die Wirtschaftspolitik macht das einen großen Unterschied. Gegen fehlende Bewerber gelten Ausbildung, Weiterbildung, Zuwanderung und bessere Vermittlung als mögliche Lösungen.
Für den Wirtschaftsstandort Deutschland folgt daraus vor allem ein Diagnoseproblem. Maßnahmen gegen Fachkräftemangel können nur dort wirken, wo tatsächlich geeignetes Personal fehlt. Wo Nachfrage, Kosten oder Auslastung ausschlaggebend sind, reichen sie nicht aus.
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Von Himalaya unter der Antarktis bis Lemuren singen Oper

Ein Gehirn = zwei Organe?

Dass linke und rechte Hirnhälfte unterschiedliche Funktionen steuern, ist bekannt. Auch, dass graue und weiße Substanz eigene Aufgaben haben, wissen wir. Aber hätten Sie gedacht, dass Ihr Gehirn eigentlich zwei unabhängige Organe sind? Demnach entwickelt sich das Hinterhirn, das unter anderem Herzschlag und Atmung steuert, aus anderen Zellen als das Mittel- und Vorderhirn, die uns Reflexe und Denkvermögen verleihen. Dennoch gehen beide im frühesten Entwicklungsstadium auf das sogenannte Ektoderm zurück, dessen Bildung beim Menschen etwa drei Wochen nach der Befruchtung beginnt. Bereits in dieser Phase „entstehen gleichzeitig zwei parallele Gehirnvorläufer“, so die Forscher aus Kalifornien, einschließlich unterschiedlicher aktiver Gene. Hühner, Zebrafische und Meereswürmer weisen diese Unterteilung ebenfalls auf. (ger)

Römischer Münzschatz in NRW entdeckt

Auf einem Acker bei Wesseling in Nordrhein-Westfalen haben Archäologen einen Schatz aus mehr als 900 römischen Silbermünzen ausgegraben. Der Großteil des Geldes stammt aus der Zeit von Kaiser Hadrian der 117–138 n. Chr. regierte und stellt mit insgesamt 3,1 Kilogramm Silber ein beträchtliches Vermögen dar. „Damit handelt es sich um den größten Münzschatz aus dieser Zeit in Deutschland, weltweit ist es der fünftgrößte“, erklärt Landesarchäologe Dr. Erich Claßen. Wieso und von wem das wertvolle Gut vergraben wurden, ist nicht bekannt. Der Schatzfund wird nun erstmalig im LVR-Landesmuseum Bonn gezeigt. (kms)

Ein Teil der über 900 entdeckten Münzen bei Wesseling in Nordrhein-Westfalen.

Foto: Marcel Zanjani/LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland

Himalaya unter der Antarktis

99,5 Prozent der Antarktis ist heute von Eis bedeckt. Daher lassen sich Rückschlüsse auf die Geologie im Untergrund nur anhand voreiszeitlicher Spuren und Fernerkundungen wie Bohrkernen ziehen. Ein solches Blickfenster machten sich Geologen um Bei Chen von der Australischen Nationaluniversität zunutze. Ihre Studie ergab, dass sich unter der Eisdecke 650 bis 450 Millionen Jahre alte Schichten befinden, die zu jener Zeit entstanden, als sich der Großkontinent Gondwana bildete. Dabei könnte ein Gebirge von der Größe des Himalayas entstanden sein, das später vollständig erodierte und heute nur noch als riesige Ansammlung von Sediment unter dem Ewigen Eis ruht. (kms)

Selbst heilende Pilz-Kleidung

Rund 65 Prozent aller Fasern auf dem Weltmarkt sind aus Kunststoff, was der Umwelt schadet. Um die Textilindustrie nachhaltiger zu machen, suchen Forscher seit Langem nach Alternativen – einschließlich Pilzen. Bisherige Bemühungen scheiterten daran, dass bei der Herstellung die Pilzzellen starben und ein zerbrechliches Endprodukt entstand. Nun haben chinesische Forscher das fadenförmige Myzel der Puppen-Kernkeule (Cordyceps militaris) benutzt, um flexible, lebende Stoffbahnen zu fertigen. Ihr Stoff konnte jegliche Farben annehmen, vor UV-Strahlen schützen und Muster wachsen lassen. Außerdem konnte der Prototyp eines Kleides seine eigenen Risse mit Wasser und Pilzflicken heilen. Trotz der positiven Ergebnisse handelt es sich bei der Entwicklung noch nicht um ein tragfähiges und alltagstaugliches Kleidungsstück. (ts)

T. rex war Warmblüter

Für viele erinnern Dinosaurier optisch eher an Echsen als an die Vorfahren unserer Vögel. Dabei war der König der Fleischfresser – Tyrannosaurus rex – ein gar nicht so kaltblütiges Reptil, wie viele denken. Tatsächlich haben US-amerikanische Paläontologen um Robert Eagle ganz ohne Messen der Körpertemperatur entdeckt, dass T. rex ein Warmblüter war. Hierfür fühlten sie „Thomas“, einem Tyrannosaurus-Skelett aus Los Angeles auf den Zahn. Denn ein warmblütiges Tier weist in seinem Zahnschmelz weniger chemische Bindungen auf als ein kaltblütiges Tier. Das Ergebnis: 36 °C – fast genauso viel wie bei Menschen. Damit ist der Beweis erbracht, dass der Tyrann unter den Echsen ein schneller Räuber war und keine träge, sich in der Sonne aalende Bestie. (kms)

Sonne wird vorhersehbar

Zu wissen, wann unsere Sonne erneut in ihrem Aktivitätsmaximum ist, hilft den Menschen, sich auf mögliche technische Störungen durch Sonneneruptionen vorzubereiten. Um deren Vorhersage zu verbessern, haben sich Forscher um Sandra Chapman von der University of Warwick mit dem elfjährigen Sonnenzyklus und seinem alles andere als sanften Wechsel beschäftigt. Dabei entdeckten sie, dass der abrupte „Umschaltpunkt“ von einem zum nächsten Zyklus und die Zahl seiner Sonnenflecken einen Hinweis auf die Stärke des kommenden Zyklus liefert. Was genau das für die Zukunft bedeutet, wird sich in zwei Jahren zeigen: dann beginnt der neue Zyklus 26. Erste Prognosen deuten auf eine ähnlich starke Sonne wie im aktuellen Zyklus hin. (ts)
Sonneneruption, aufgenommen von der Sonde «Solar Orbiter»

Sonneneruption, aufgenommen von der Sonde „Solar Orbiter“

Foto: Solar Orbiter/EUI Team/ESA & NASA/dpa

Was wäre, wenn Yellowstone ausbricht?

Vor etwa 631.000 Jahren ereignete sich in der heutigen USA eine Katastrophe: der Supervulkan Yellowstone brach aus. Würde unsere moderne Zivilisation ein solches Ereignis überleben? Dieser Frage gingen Ilan Kelman, Professor für Gesundheit, und der Geologe Matthew Blackett nach. Beide kommen zu dem Entschluss: „Ja, aber …“ Zunächst sorgt der Ausbruch für enorme Mengen Asche und weit verwüstete Landschaften. Alle Überlebenden werden in den folgenden Monaten mit Erkrankungen durch schlechte Luft, verschmutztes Wasser und andere Spätfolgen konfrontiert. Lieferketten und Stromnetze brechen zusammen, Industrie und Landwirtschaft kommen zum Erliegen und die globale Temperatur sinkt um bis zu 1,5 °C. Insgesamt könnte die Weltbevölkerung auf 7,9 Milliarden Menschen sinken – davon hätten 4,8 Milliarden keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser. (kms)

Lemuren performen wie Opernsänger

Oft staunen wir, wie Opernsänger mit Leichtigkeit in höchsten Tönen singen. Nun haben Forscher der University of Warwick herausgefunden, dass der Indri (Indri indri), der weltweit einzige bekannte singende Lemur, offenbar eine auffallend ähnliche Gesangstechnik einsetzt. Dabei koordinieren die Primaten aus Madagaskar ihre Mundöffnung mit der Frequenz ihrer Gesänge. Kurz gesagt: Je höher die Tonhöhe des Gesangs, desto weiter öffnen Indris ihren Mund, um ihn zu singen. Dieses Talent nutzen die Affen, um sich über große Entfernungen mit anderen Gruppen austauschen zu können. (kms)

Der Indri ist weltweit der einzige bekannte singende Lemur.

Foto: Artush/iStock

Unordnung für grünen Wasserstoff

Platin, Iridium und Ruthenium sind für die Wasserelektrolyse ebenso wichtig wie verflucht: Sie sind (zu) teuer. Eine mögliche Lösung fanden indische Forscher um Prof. Ranganathan in sogenanntem einschichtigen amorphen Kohlenstoff. Anders als die höchst geordnete Struktur in Graphen verfügt dieser über Unregelmäßigkeiten, Verzerrungen sowie Berge und Täler. Genau jene begünstigen laut Berechnungen die Bildung von Wasserstoff und könnten – so sich die Ergebnisse bestätigen – die Platinmetalle als Katalysatoren ersetzten. Ob, und wann sie tatsächlich zum Einsatz kommen ist offen. Sowohl die experimentelle Bestätigung als auch Untersuchungen zur Gesamtreaktion, zur Herstellung und zur Haltbarkeit stehen aktuell noch aus. (ts)

Beeren gegen Fett

Fettansammlung in Muskelzellen stellt ein großes Gesundheitsproblem dar, das durch Faktoren wie fettreiche Ernährung, Bewegungsmangel und Alterung begünstigt wird. Sie verringern die Fähigkeit des Körpers, Glukose und Fettsäuren effizient zu verwerten, was die metabolische Flexibilität und die Insulinresistenz beeinträchtigt. Ein einfaches Mittel dagegen, kommt aus dem Obstregal, wie eine neue Studie aus Japan zeigt. Laut den Forschern um Professor Takakazu Mitani hilft das natürlich vorkommende Polyphenol in Heidelbeeren, Trauben und anderen Beeren eine übermäßige Fettansammlung zu verhindern. (ger)

Beeren verhindern eine übermäßige Fettansammlung in den Muskeln.

Foto: Zakharova_Natalia/iStock

Erde wird runder – und weniger rund

Entgegen der kindlichen Vorstellung ist der Erdball keine perfekte Kugel, sondern an ihren Polen leicht abgeflacht und am Äquator gewölbt. Doch natürliche Prozesse wie schmelzendes Eis oder Plattentektonik verändern die Form. Und um das besser zu verstehen, hat der griechische Geologe Prof. Christoforos Kotsakis satellitengestützte Messdaten untersucht. Dabei entdeckte er, dass sich die Pole zu heben und der Äquator abzusenken scheint, womit die Erdmasse runder wird. Gleichzeitig flacht laut Daten das masseabhängige Schwerefeld stärker ab, womit die tatsächliche Erdform möglicherweise unrunder wird. (ts)

Sprache entstand am Lagerfeuer

Sprache und Feuer gelten als Marker des Menschseins – und beides könnte in puncto Erfindung enger miteinander verknüpft sein, als bislang erwartet. Eine Theorie besagt, dass unsere Vorfahren zunächst mittels Gesten kommunizierten. Das ist jedoch zeitlich begrenzt, denn im Dunkeln sind Handzeichen schwer bis nicht mehr wahrnehmbar. Forscher um Catherine Hobaiter von der Universität St. Andrews vermuten deshalb, dass Geschichtenerzählen am Lagerfeuer wesentlich zur Sprachentwicklung beitrug. Weil das Licht zu schwach war, hätten die frühen Menschen zu den Gesten auch Laute benötigt, um sich zu unterhalten. Dies wiederum soll letztlich die sozialen Bindungen untereinander gestärkt und Wissen vermittelt haben, wodurch der Mensch zu seinem erfindungsreichen Ich kam. (kms)

Einer Theorie zufolge könnte Lagerfeuer bei der Entwicklung der Sprache geholfen haben.

Foto: Dmytro Aslanian/iStock

Strand, Meer, Mars

Weite Sandstrände und das Rauschen der Wellen im weiten Ozean: Was wie Urlaub in der Südsee klingt, soll die Vergangenheit des Mars vor Milliarden Jahren gewesen sein. Den Beweis wollen chinesische Forscher mit ihrem Rover „Zhurong“ erbracht haben, der 2021 auf dem Roten Planeten landete. Seine Bilder zeigen Schichten, die nicht wie Sanddünen, Einschlagskrater oder Lavaströme aussehen. Vielmehr seien sie Spuren von Wellen, die an der Küste brandeten und allmählich die von den Flüssen ins Meer gespülten Sedimente verteilten und ablagerten. Dies stützt die Annahme, dass der Mars einst große eisfreie Gewässer besaß und nicht wie heute ein zumindest oberflächlich kalter, trockener und staubiger Planet war. (ts)

Gehen bringt Verdauung in Schwung

Die Darmgesundheit spielt eine entscheidende Rolle für das allgemeine Wohlbefinden, wobei Verstopfung eines der am weitesten verbreiteten Verdauungsprobleme ist. Dennoch bleibt sie oft unbemerkt oder unbehandelt, bis sie das tägliche Leben beeinträchtigt. Unter den vielen Ansätzen zur Behandlung von Verstopfung sticht körperliche Aktivität als eine der einfachsten und am häufigsten empfohlenen Maßnahmen hervor, wie eine neue Studie von japanischen Forschern untermauert. So zeigten Yohei Otaka und Kollegen, dass bereits wenige Minuten Bewegung nach dem Essen den Darm in Schwung bringt. Wie passend, dass dies die letzte Meldung in dieser Übersicht ist. (ger)

Bereits wenige Minuten laufen kann die Verdauung in Bewegung bringen und Verstopfungen vorbeugen.

Foto: Anton Borisov/iStock

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DDR-Wochenkrippen: „Das Kollektiv stand über dem Individuum“

In der DDR wurden Millionen Kinder kurz nach der Geburt in Krippen zur Tagesbetreuung gegeben. In sogenannten Wochenkrippen und -heimen waren Kleinkinder von Montag bis Freitag untergebracht, um den Müttern eine Berufstätigkeit im sozialistischen Staat zu ermöglichen. Epoch Times sprach mit dem Bestsellerautor und Journalisten Alexander Teske, der selbst in einer solchen Einrichtung untergebracht war, über sein neues Buch „Die Wochenkinder: Frühe Trennung, späte Folgen”.

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Manche Stimmen, so schreiben Sie selbst in Ihrem Buch, wollten Sie davon abhalten. Warum haben Sie es trotzdem geschrieben?
Dieses Thema ist mir ein absolutes Herzensanliegen. Natürlich glaube ich nicht, dass alles Unglück in meinem Leben auf die DDR-Wochenkrippe zurückzuführen ist. Aber natürlich hat sie uns geprägt. Im Laufe der Zeit habe ich sehr viele andere Wochenkinder kennengelernt und gemerkt, wie schwer traumatisiert sie teilweise sind und dass sie nicht gehört werden. Mit dem Buch wollte ich ihnen eine Stimme geben.
Ich möchte, dass sich die Menschen mit den Lebensgeschichten auseinandersetzen. Therapeuten sollen davon erfahren, denn viele Betroffene waren zum Beispiel 20 Jahre in Therapie, ohne dass das Thema je angesprochen wurde, weil der Therapeut es nicht kannte. Ich möchte auch erreichen, dass Gelder für die Forschung in diesem Bereich bereitgestellt werden. Das gibt es eben auch nur, wenn ein Thema gesellschaftlich relevant ist. Außerdem wollte ich, dass das Thema in den Medien breit diskutiert wird, damit das Verständnis füreinander wächst – auch zwischen Ost und West. Denn es gibt noch sehr viel Unverständnis füreinander.
Studien zeigten früh die Nachteile. Warum hielten die Entscheidungsträger trotzdem am System fest?
Es gab damals recht schnell Studien zum Zustand der Kinder in Wochenkrippen. Sie zeigten, dass Kinder dort nicht gut aufgehoben waren. Im Vergleich zu Tageskrippen und noch mehr im Vergleich zu Kindern, die zu Hause aufwuchsen, entwickelten sie sich motorisch und verbal schlechter. Zudem waren die Kinder viel häufiger krank.
Ich erkläre mir das zum einen mit einer wirtschaftlichen Notwendigkeit. Die sowjetisch besetzte Zone, später DDR, war viel stärker von Reparationen betroffen als die Westzonen. Millionen gut ausgebildeter Menschen wanderten daraufhin nach Westdeutschland aus – bis zum Mauerbau. Die DDR wollte das ökonomisch auffangen, indem sie die Arbeitskraft der Frauen nutzte. Dies wurde als Gleichberechtigung dargestellt. In Wirklichkeit mussten sich die Frauen zusätzlich um die Hausarbeit und die Kindererziehung kümmern und besetzten trotzdem keine Entscheiderpositionen. Schließlich arbeiteten 90 Prozent der Frauen in der DDR.
Daher mussten Betreuungsplätze geschaffen werden. Anfangs schaffte es die DDR jedoch nicht, allen einen Tageskrippenplatz anzubieten. Wochenkrippen sollten dies ausgleichen und dienten der Kinderbetreuung für Schichtarbeiterinnen, aber auch für die privilegierte Führungsschicht aus Partei- und Staatsfunktionären sowie für Kulturschaffende. Sie sollten sich auf den Aufbau des Sozialismus konzentrieren können, ohne sich um die Kindererziehung kümmern zu müssen.
Es gab auch sehr kritische Stimmen innerhalb der DDR. So schlugen DDR-Forscherinnen Alarm. Sie wurden jedoch mundtot gemacht. Ihre Studien verschwanden in der Schublade und ihnen wurde mit einem Karriereende gedroht. Dann fügten sie sich.
Zum anderen gab es natürlich auch ideologische Gründe. Das kann man bei Karl Marx und den Vordenkern des Sozialismus nachlesen. Die Familie galt als bürgerliche Keimzelle, die es zu überwinden und zu zerschlagen galt. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, war, die Kinder in Institutionen zu geben, sie dort fremdbetreuen zu lassen und auch ideologisch zu beeinflussen. Das begann in der Wochenkrippe und setzte sich in Sportinternaten bis hin zu perfiden Einrichtungen wie dem Jugendwerkhof fort.
Wie muss man sich einen typischen Tagesablauf in einer Wochenkrippe vorstellen?
Es gab strenge Pläne des Gesundheitsministeriums, später dann des Bildungsministeriums. Die Pläne wurden sklavisch eingehalten. Um 6 Uhr wurden die Kinder geweckt, um 06:20 Uhr gefüttert und um 06:40 Uhr gewickelt. Danach ging es in das Laufgitter. Den Erzieherinnen blieb nur wenig Zeit, um sich um die Kinder zu kümmern, eine individuelle Betreuung war nicht möglich. Zunächst kümmerte man sich um die Kinder, die am lautesten waren.
Es war praktisch Akkordarbeit. Wenn ein Kind in die Hose machte, musste es warten, bis wieder Wickelzeit war. Wenn es Hunger hatte, musste es warten, bis es etwas zu essen gab. Und umgekehrt: Wenn ein Kind noch keinen Hunger hatte, musste es trotzdem essen.
Offiziell war der Betreuungsschlüssel eins zu vier, also vier Säuglinge auf eine Betreuerin. Aus den Akten wissen wir jedoch, dass dieser Betreuungsschlüssel häufig nicht eingehalten werden konnte. Die Einrichtungen waren überbelegt, da es zu wenige Plätze und zu viele Kinder gab. Auf dem Papier sollte jedes Kind nur eine Bezugsperson haben, doch 90 Prozent der Kinder hatten ständig wechselnde Bezugspersonen.

In den DDR-Wochenkrippen herrschte ein strenger Ablauf. Eine individuelle Betreuung gab es nicht.

Foto: BVG Archiv

Welche konkreten Nachwirkungen zeigen sich bei den Betroffenen aufgrund der Zeit in der Wochenkrippe?
Dazu gibt es nur eine einzige Studie der Universität Rostock. Diese hat ergeben, dass 92 Prozent der Betroffenen mindestens eine psychische Diagnose im Laufe ihres Lebens hatten – also etwa doppelt so viele wie in der Normalbevölkerung.
Ehemalige Wochenkinder gehören überproportional oft zu den Menschen mit unsicherer Bindung. Sie haben doppelt so häufig Probleme, langfristige, gesunde Beziehungen zu führen. Einige von ihnen haben vier oder mehr psychische Diagnosen im Laufe ihres Lebens, darunter schwere Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen und Angststörungen. Vieles blieb jedoch im Dunkeln. Denn an dieser Studie haben nur Betroffene teilgenommen, die sich freiwillig gemeldet haben.
Viele Betroffene haben ein sehr normales Leben geführt und waren durchaus leistungsbereit. Deshalb hört man oft den Spruch: „Aus euch ist ja was geworden, es hat euch nicht geschadet.“ Doch nach 50 oder 60 Lebensjahren holt die eigene Biografie diese Menschen dann ein und die damaligen Erlebnisse beschäftigen sie stark. Dann versuchen sie, mit ihren Eltern, soweit das noch möglich ist, darüber ins Gespräch zu kommen, und sie fragen sich auch: Was habe ich möglicherweise an meine eigenen Kinder weitergegeben?
Sowohl im Nationalsozialismus als auch im Sozialismus wurde das Kind primär als künftiges Werkzeug des Staates und nicht als eigenständiges Subjekt betrachtet. Sehen Sie dadurch Nachwirkungen in unserer Gesellschaft?
Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an die Töpfchendebatte von Herrn Pfeiffer. Der Kriminologe Christian Pfeiffer hatte in den 1990er-Jahren behauptet, im Osten seien viele rechtsradikal, weil sie alle zur gleichen Zeit kollektiv aufs Töpfchen hätten gehen müssen. Das war natürlich stark verkürzt und hat viel kaputtgemacht, weil es in dieser Einfachheit schlichtweg falsch ist. Aber ein Körnchen Wahrheit ist natürlich dran, denn das Aufwachsen in einer Diktatur hat uns geprägt und ist nicht spurlos an uns vorübergegangen.
Darum gibt es im Osten starke Abwehrreflexe gegen Kritik und Aufarbeitung. Dann heißt es schnell: „Jetzt willst du die DDR wieder schlechtmachen.“ Das ist überhaupt nicht mein Anliegen. Wir sollten einfach darüber sprechen und das Verständnis füreinander erhöhen.
Im Westen gibt es ein großes Unverständnis, wenn man in den Osten schaut, beispielsweise über die aktuellen Wahlergebnisse. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass wir nicht in einer Demokratie aufgewachsen sind. Das Familienbild war ein anderes, die Kirchen hatten weniger Einfluss und vieles mehr. Ein Mosaiksteinchen ist dabei auch die Kinderbetreuung und das dabei vermittelte Bild. Die DDR wollte Menschen, die funktionieren. Das Kollektiv stand über dem Individuum. Das blieb natürlich nicht ohne Folgen.
Wie erklären Sie sich den unterschiedlichen Blick auf die Wochenkrippen bei Menschen mit Ostbiografie? 
Das hängt natürlich immer damit zusammen, wie sehr man sich mit seiner Vergangenheit auseinandergesetzt hat. Habe ich Therapieerfahrung? Wie sehr bin ich bereit, mein Leben aufzuarbeiten? Ich war ja auch bei prominenten Wochenkindern, zum Beispiel bei dem Schauspieler Jan Josef Liefers. Er nennt es, in die „Dreckecken seiner Seele“ zu schauen.
Oder bin ich eher der Typ „Verdrängung“? Ich möchte auch niemandem ein Trauma einreden. Das gleiche Erlebnis prägt Kinder unterschiedlich. Manche hatten wenigstens am Wochenende ein liebevolles Umfeld zu Hause, andere nicht. Letztere waren in der Krippe vielleicht sogar besser aufgehoben. Für die meisten Kinder wäre es aber natürlich besser gewesen, wenn sie zu Hause aufgewachsen wären.
Die Abwehrreflexe hängen vermutlich damit zusammen, wie nah ich dem SED-System gestanden habe, ob ich beispielsweise selbst Erzieherin war und jetzt meine Lebensleistung angegriffen sehe. Auch Mütter von damals fühlen sich natürlich angegriffen. Wenn ich mein Kind früh in die Krippe gegeben habe, neige ich natürlich dazu, zu sagen: „Es ging nicht anders, das war normal, das haben alle gemacht.“
Denn es ist sehr schmerzhaft, sich Fehler einzugestehen. Ich wünsche allen, dass sie darüber ins Gespräch kommen können, ohne sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. Leider ist es so, dass man bestimmte Dinge nicht wiedergutmachen kann. Das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ist häufig zerbrochen. Es fehlt das liebevolle, herzliche Verhältnis.
Gibt es nach dem Prozess der Aufarbeitung und Auseinandersetzung etwas Wertvolles, für das Sie dankbar sind?
Es gibt den bekannten Spruch: „Was dich nicht umbringt, macht dich stark.“ Tatsächlich kann das Aufwachsen in einer Diktatur einen natürlich auch sehr stark und sehr resilient machen. Es hat mich dazu angeregt, über verschiedene Dinge intensiv nachzudenken und natürlich dankbar zu sein für das, was funktioniert. Ich bin sehr dankbar, dass es mir trotz allem gelungen ist, ein relativ glückliches Leben zu führen. Und ich wünsche allen Betroffenen, dass ihnen das auch gelingt.
Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Erik Rusch.

Foto: Langen Müller Verlag, Canva; Montage: Epoch Times

Alexander Teske
Langen Müller Verlag
21. September 2026
Paperback
272 Seiten
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Hopfen, Malz und 0,5 Prozent: Zwei Braumeister über alkoholfreies Bier

Während auf dem Münchner Oktoberfest noch bis zum 4. Oktober gefeiert wird, steckt die deutsche Brauwirtschaft in einem tiefgreifenden Wandel. Der Absatz von alkoholhaltigem Bier sank im ersten Halbjahr 2026 laut Statistischem Bundesamt um 2,2 Prozent, nachdem die Produktion bereits 2025 um 5,8 Prozent zurückgegangen war.
Gegen den Trend wächst ein Segment: alkoholfreies Bier. Dessen Produktion stieg 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamts um 6,5 Prozent auf gut 616 Millionen Liter. Der Deutsche Brauer-Bund, der die gesamte Branche erfasst, nennt ein Plus von 7,6 Prozent auf 750 Millionen Liter. Alkoholfreies Bier kommt damit auf einen Marktanteil von rund 11 Prozent und ist nach Pils und Hellem die drittbeliebteste Sorte.
Auch auf der Wiesn wird es in der Maß ausgeschenkt, wo das Festbier in diesem Jahr zwischen 14,80 und 15,90 Euro kostet. Innerhalb der EU bleibt Deutschland laut Eurostat dennoch mit Abstand der größte Bierproduzent.
Wie alkoholfreies Bier heute gebraut wird und warum in Bayern keine Zusatzstoffe ins Bier dürfen, erklären Franz Amberger, Technischer Leiter und Braumeister der Flötzinger Brauerei in Rosenheim, und Michael Stangl, Braumeister von Camba Bavaria im Chiemgau.
Ist das Bier aus Bayern wirklich Kult in der ganzen Welt?
Michael Stangl: „Das Bier aus Bayern ist Kult, in der ganzen Welt! Wir hatten diese Woche Amerikaner bei uns, die unser bayerisches Bier im wahrsten Sinne des Wortes gefeiert haben.“
Aber was macht das bayerische Bier eigentlich so besonders gegenüber Bier aus anderen Bundesländern oder aus aller Welt?
Michael Stangl: „Das bayerische Reinheitsgebot von 1516 ist bei uns verpflichtend im Lebensmittelgesetz festgeschrieben. Das bedeutet: Außer Hopfen, Malz und Wasser kommt nichts anderes hinzu.“
Ist das nicht überall so, in allen deutschen Brauereien?
Michael Stangl: Nein, dem ist nicht so. In den anderen Bundesländern kann man bei der Lebensmittelbehörde Ausnahmen beantragen, um noch weitere Zusätze hinzufügen zu dürfen. Bei uns in Bayern ist das nicht möglich. Das gilt übrigens auch für den Export ins Ausland. Wir sind eine Lohnbrauerei, wir brauen und füllen auch für andere Brauereien ab.
Wenn wir Bier für Italien oder Griechenland herstellen, halten wir uns trotzdem zu 100 Prozent an das bayerische Reinheitsgebot – denn alles Bier, das in Bayern gebraut wird, folgt dem Reinheitsgebot von 1516.
Auch wenn im Ausland vielleicht Zusätze hinzugefügt werden, um einen bestimmten Geschmack zu erzeugen: Bei uns geht das nicht. Selbst auf Kundenwunsch dürfen wir keine Zusätze beimischen, solange das Bier in Bayern gebraut wird. Das darf der Kunde dann erst bei sich zu Hause tun und sein Bier nach dem individuellen Geschmack seines Landes anpassen.
Wie kann es dann sein, dass Bier von unterschiedlichen Brauereien so unterschiedlich schmeckt? Man meint ab und zu, es seien Bananen, Orangen oder andere Früchte enthalten.
Michael Stangl: „Das liegt vor allem am Hopfen. Weil wir uns strikt an das Reinheitsgebot halten, sind geschmackliche Neuerungen nur über die Zutaten oder über die Brauereitechnik möglich. Durch gezielte Züchtung lassen sich dem Hopfen heute ganz unterschiedliche Geschmacksrichtungen und Noten verleihen – er kann nach Banane, Orange, Mandarine oder anderen Früchten schmecken und riechen. Diese Aromen übertragen sich dann natürlich aufs Bier, dem der Hopfen so seine ganz persönliche Note gibt.“
Und wie verhält es sich mit dem alkoholfreien Bier? Das schmeckt heute ja ganz anders als noch vor zehn Jahren.
Michael Stangl: Ja, damals wurde alkoholfreies Bier mit Gärunterbrechung gebraut. Das bedeutet: Sobald der Alkohol in der Biermaische zu gären begann, wurde der Gärprozess unterbrochen. Das Bier wurde dann gefiltert und in Flaschen abgefüllt. Dadurch bekam es einen ganz eigenen Geschmack – stark hopfig, malzig – und nicht mehr richtig nach Bier.
Heutzutage möchte man mit dem alkoholfreien Bier so nah wie möglich an den Geschmack von alkoholhaltigem Bier herankommen. Bei uns in der Camba Brauerei wird der Brauprozess heute mit der Vollgärung des Alkohols in der Maische durchgezogen, aber in der Rezeptur wird darauf geachtet, dass nach der Gärung maximal 0,5 Prozent Alkohol vorhanden sind – also so wenig Zucker beziehungsweise Malz, dass die Hefe nur bis maximal 0,5 Prozent Alkohol vergären kann.
Danach wird dem kalten Bier noch einmal zusätzlich Hopfen hinzugegeben, um ihm eine besondere Würze zu verleihen. Nach zwei bis drei Tagen wird das fertige Gemisch zentrifugiert statt gefiltert, damit nur die festen Stoffe entfernt werden und nicht die Schwebestoffe, sprich die Geschmacksstoffe. Danach folgt die Abfüllung – und schließlich der Genuss beim Kunden.
Wer setzt eigentlich den Trend beim Biergeschmack – und dabei, was überhaupt getrunken wird?
Franz Amberger: Die Trends setzt immer der Kunde, wir sind nur die, welche es produzieren.
Stellt die Flötzinger Brauerei ihr alkoholfreies Bier auf die gleiche Art her wie Camba Bavaria?
Franz Amberger: Nein, wir machen es anders. Wir lassen den Gärprozess zwar auch voll durchlaufen, sodass am Ende das gleiche Bier herauskommt wie jedes andere, nicht alkoholfreie Bier. Aber dann entziehen wir dem Bier durch Vakuum-Verdampfung den Alkohol zu 100 Prozent. Danach fügen wir dem Bier wieder ein Mutterbier hinzu – also normales, nicht alkoholfreies Bier –, sodass am Ende 0,5 Prozent Alkohol enthalten sind.
Aber warum heißt es dann alkoholfreies Bier, wenn 0,5 Prozent Alkohol enthalten sind?
Franz Amberger: Weil der Gesetzgeber sagt: Wenn nicht mehr als 0,5 Volumenprozent Alkohol im Bier enthalten sind, ist es nach Definition noch alkoholfreies Bier.
Was ist also der Trend? Wird alkoholfreies Bier in einigen Jahren das normale Bier vom Markt verdrängen?
Franz Amberger: Nein, ich denke nicht. Auch wenn der Alkohol bei uns in der Gesellschaft negativ besetzt ist, ist er doch in unserer und in der weltweiten Kultur ein fester Bestandteil des Lebens. Normales Bier fördert in Maßen die Geselligkeit, den Humor und macht auch den Geist mal wieder frei. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei den Frühlings- und Herbstfesten irgendwann nur noch alkoholfreies Bier und alkoholfreie Getränke getrunken werden. Woher käme dann die Stimmung, das Ausgelassene, das Heitere im Zwischenmenschlichen? Es ist doch wie immer: Nur der übervolle Genuss einer Sache ist schädlich. Also, meine Meinung: a Bier in Maßen und nicht in Massen schadet einem nicht.
Und wie sieht das Camba Bavaria?
Michael Stangl: Ich kann der Aussage von Herrn Amberger nur zustimmen, es kommt immer auf die Menge an, ob es ein Genuss ist oder nicht.
 
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Hubert Kirmaier.
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Die Botschaft der Blue Zones – Was hinter dem Geheimnis des langen Lebens steckt

Dan Buettners Konzept der „Blue Zones“ hat das weltweite Interesse an gesundem Altern und Langlebigkeit deutlich geprägt. Interessant dabei ist, wie es zu der Namensgebung der „Blauen Zonen“ kam und welcher Zusammenhang zwischen Ernährung, sozialem Zusammenhalt und Bewegung besteht. Die Altersforschung hat diese Thematik in den Fokus genommen.
Wer sich mit den Blue Zones beschäftigt, kommt auch an Longevity nicht vorbei. Doch der Demograf Saul Justin Newman stellt Buettners These mit eigenen Untersuchungen infrage. Er bezweifelt, dass die Altersangaben in den Langlebigkeitsregionen stimmen – und sorgt damit für weiteren Gesprächsstoff.

Blue Zones und Longevity: Zwei Ansätze – eine Botschaft?

Als Blue Zones werden fünf Regionen auf der Welt bezeichnet, die durch eine auffällig hohe Konzentration langlebiger Menschen gekennzeichnet sein sollen. Dazu zählen Sardinien, Okinawa, die Nicoya-Halbinsel, Ikaria und Loma Linda. Die Frage nach einem langen und gesunden Leben beschäftigt auch die Wissenschaft.
Die Longevity-Forschung fragt: „Wie lange können wir leben?“ Monique Breteler, Direktorin des Bereichs Populationsbezogene Gesundheitsforschung am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und Leiterin der Rheinland-Studie, sagt: „Es geht nicht in erster Linie darum, das Leben zu verlängern. Es geht darum, die Anzahl der gesunden Lebensjahre zu erhöhen.“ Sie sucht nicht nach der einen Wunderpille gegen das Altern, vielmehr versucht sie, die Prozesse des Alterns zu verstehen.

Der Weg ist komplexer, als Longevity verspricht

Wie komplex dieser Weg ist, zeigt eine Studie, an der Martin Hrabě de Angelis beteiligt war. Er leitet das Institut für Experimentelle Genetik bei Helmholtz Munich und hat den Lehrstuhl für Experimentelle Genetik an der TU München inne. Gemeinsam mit Forschern des DZNE und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) untersuchte sein Team an Mäusen drei Ansätze, denen eine alterungsverlangsamende Wirkung zugeschrieben wird. Die Ergebnisse erschienen 2022 im Fachjournal Nature Communications. Untersucht wurden:
  • das intermittierende Fasten,
  • ein Eingriff an einem zentralen Knotenpunkt des Zellstoffwechsels (mTOR), an dem auch das als Anti-Aging-Mittel gehandelte Medikament Rapamycin ansetzt,
  • ein Eingriff in die Freisetzung des Wachstumshormons.
Zwar fanden die Forscher einzelne Messwerte, etwa zu Bewegungsverhalten, Stoffwechsel oder Immunsystem, die sich unter den Behandlungen günstiger entwickelten. Dieser Effekt sei jedoch nicht auf eine Verlangsamung des Alterns zurückzuführen, sondern auf altersunabhängige Faktoren, erklärte DZNE-Forscher Dan Ehninger. Da die Behandlungen bereits bei jungen Mäusen wirkten, handle es sich um allgemein gesundheitsfördernde Effekte und nicht um ein Ansetzen an Alterungsmechanismen.
Die Studie legt nahe, dass sich das Altern nicht mit einem einzelnen Eingriff aufhalten lässt. Die Ergebnisse wurden allerdings an Mäusen gewonnen und lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen.
Im Zusammenhang mit den Blue Zones verweisen Buettner und seine Co-Autorin Tori Skemp auf frühere Zwillingsstudien, nach denen die Erblichkeit der Lebensdauer bei etwa 20 bis 25 Prozent liegt. Diese Einschätzungen sind inzwischen umstritten: Eine im Januar 2026 im Fachjournal Science veröffentlichte Studie des israelischen Weizmann-Instituts kommt zu dem Ergebnis, dass die Erblichkeit der intrinsischen Lebensspanne bei mehr als 50 Prozent liegt, wenn Todesfälle durch äußere Ursachen wie Unfälle oder Infektionen herausgerechnet werden.

Der Gedanke des langen Lebens

Die Sehnsucht, dem Tod zu entkommen, beschäftigt die Menschheit bereits seit Jahrtausenden. Die Historikerin Daniela Angetter-Pfeiffer sagt: „Der Wunsch nach Langlebigkeit ist so alt wie die Menschheit selbst.“ Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Austrian Centre for Digital Humanities and Cultural Heritage der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) verweist dabei auf eines der frühesten Zeugnisse, das Gilgamesch-Epos. Es gilt als eine der ältesten schriftlichen Dichtungen der Welt, stammt aus Mesopotamien und wird etwa auf die Zeit zwischen 2100 und 1600 v. Chr. datiert. Auch in religiösen Texten taucht das Motiv des langen Lebens auf – etwa als Belohnung Gottes für Gehorsam.
„In den Büchern Mose ist immer wieder davon die Rede, dass man lange lebt, wenn man die Gebote einhält“, erklärt Angetter-Pfeiffer. Darüber hinaus empfahl auch Hippokrates Maßhalten, Bewegung und gutes Essen. Verschiedene Epochen beschäftigten sich also mit dem Gedanken des langen Lebens. Dabei war die Vorstellung, dass der Mensch selbst etwas zu seiner Gesundheit beitragen kann, bereits früh verbreitet. An einen Sieg über den Tod glaubten die frühen Menschen nicht. Für sie war klar, dass Altern ein natürlicher Prozess ist. Daran änderten selbst medizinische Fortschritte nichts, der Tod war Teil des Lebens. Der moderne Hype (Tech-Optimismus) rund um das Altern ist demnach eine moderne Verpackung für eine jahrtausendealte Frage: Wie kann man dem Verfall entkommen?

Blue Zones: Ursprung und Namensgebung

Der US-Journalist Dan Buettner rückte die Blue Zones im November 2005 mit einer Titelgeschichte im Magazin National Geographic unter dem Titel „The Secrets of Long Life“ („Die Geheimnisse eines langen Lebens“) in den Fokus. Grundlage war die Arbeit zweier Forscher, auf die auch der Name der „Blauen Zonen“ zurückgeht.
Der belgische Demograf Michel Poulain und der sardische Arzt Gianni Pes überprüften die Altersangaben zahlreicher Hundertjähriger auf Sardinien. Die Dörfer mit besonders vielen Langlebigen markierten sie auf einer Landkarte mit einem blauen Stift – daher der Name „Blue Zones“. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie 2004. Gemeinsam mit Buettner weiteten die beiden Forscher das Konzept später auf weitere Langlebigkeitsgebiete weltweit aus.

Die Gebiete der Langlebigkeit

1) Barbagia, Sardinien
Die Bergregion im Inneren Sardiniens weist Buettner zufolge die weltweit höchste Konzentration hundertjähriger Männer auf. Viele von ihnen waren Schäfer, die täglich mehrere Kilometer mit ihren Herden zurücklegten und sich überwiegend pflanzlich ernährten.
2) Okinawa, Japan
Die japanische Inselgruppe galt lange als Heimat der langlebigsten Frauen der Welt. Die Bewohner kennen das Konzept des „Ikigai“, das den Sinn des Lebens beschreibt. Sie pflegen lebenslange Freundschaften in sogenannten Moai-Gruppen, deren Mitglieder sich gegenseitig unterstützen – auch im Alter.
3) Nicoya-Halbinsel, Costa Rica
Die recht kleine Halbinsel weist Buettner zufolge die zweithöchste Konzentration hundertjähriger Männer auf. Die Bewohner sprechen vom „plan de vida“, ihrem Lebensplan oder Lebenssinn. Hinzu kommen viel Sonnenschein und Bewegung im Freien.
4) Ikaria, Griechenland
Eine griechische Insel mit auffällig vielen hochbetagten Bewohnern: Laut Buettner erreicht etwa jeder dritte Bewohner das 90. Lebensjahr. Für Ikaria wurden zudem vergleichsweise niedrige Demenzraten berichtet.

Auf der griechischen Insel Ikaria leben viele Hundertjährige

Foto: SAKIS MITROLIDIS/AFP/Getty Images

5) Loma Linda, Kalifornien, USA
In der Stadt östlich von Los Angeles lebt eine große Gemeinschaft von Siebenten-Tags-Adventisten. Die Glaubensgemeinschaft empfiehlt eine an der Bibel orientierte, überwiegend vegetarische Ernährung und regelmäßige Bewegung. Alkohol und Rauchen lehnt sie ab.
Laut Buettner gehören Ernährung, Lebensstil und ein gut funktionierendes soziales Umfeld zu den wichtigsten Gemeinsamkeiten der Blue Zones.

Die „Power 9“

Aus seinen Recherchen in den fünf Regionen leitete Buettner mit seinem Forscherteam neun Gemeinsamkeiten ab. Um sie der Öffentlichkeit verständlich zu machen, fasste er sie unter dem Begriff „Power 9“ zusammen.
1. Pflanzenbasierte Ernährung
Vollkornprodukte, Obst, viel Gemüse, Hülsenfrüchte und gutes Olivenöl bilden die Basis. Fisch, Fleisch und Milchprodukte kommen nur sparsam auf den Tisch. Gegessen wird vor allem, was in der Umgebung wächst und saisonal ist. Stark verarbeitete Lebensmittel spielen in der traditionellen Ernährung kaum eine Rolle.
2. Die 80-Prozent-Regel
Buettner beschreibt für Okinawa die sogenannte 80-Prozent-Regel („Hara hachi bu“): Die Menschen hören demnach auf zu essen, wenn sie sich weitgehend satt fühlen, aber noch nicht vollständig gesättigt sind. Damit verhindern sie ein Überessen und fördern zugleich ein gesundes Körpergewicht. Gemeinsame Mahlzeiten haben für sie einen hohen Stellenwert.
3. Moderater Alkoholkonsum
In einigen Blue Zones gehört moderater Alkoholkonsum, insbesondere Wein in Gesellschaft und zu Mahlzeiten, zur traditionellen Lebensweise. Eine Ausnahme bilden die Adventisten in Loma Linda, die auf Alkohol verzichten. Aus diesen Beobachtungen lässt sich keine allgemeine Empfehlung für Alkoholkonsum ableiten.
4. Natürliche tägliche Bewegung
Die Bewohner bewegen sich viel im Alltag: Sie gehen zu Fuß, fahren Fahrrad und arbeiten körperlich, etwa auf dem Feld oder im Garten. Viele haben einen eigenen Garten und verbringen viel Zeit an der frischen Luft.
5. Ikigai – Lebenssinn
„Plan de vida“ nennen es die Nicoyaner, „Ikigai“ die Menschen auf Okinawa. Beides beschreibt den Grund, morgens aufzustehen: Was macht mein Leben lebenswert? Wer seinen Sinn im Leben gefunden hat, lebt nach dieser Vorstellung ausgeglichener und zufriedener.
6. Feste Rituale
Auch in den Blue Zones gibt es Stress. Mit festen Ritualen beugen die Bewohner ihm vor und bauen ihn ab. Dazu zählen einfache Rituale wie Gebete, Meditation, Spaziergänge oder ein Mittagsschläfchen, die fest im Alltag verankert sind.
7. Familie an erster Stelle
Familie und enge soziale Beziehungen spielen in den von Buettner beschriebenen Blue Zones eine wichtige Rolle. Mehrere Generationen leben häufig eng miteinander und unterstützen sich gegenseitig. Buettner sieht darin einen wichtigen Bestandteil des sozialen Umfelds, das die Bewohner im Alltag unterstützt.

Gemeinsames Familienessen – auch Jahre nach der Kindheit ein Anker im Leben.

Foto: Drazen Zigic/iStock

8. Gemeinschaftszugehörigkeit
Soziales Engagement wird in den Blue Zones großgeschrieben. Buettner hebt insbesondere die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft hervor. Nach seinen Angaben gehörte ein großer Teil der von seinem Team untersuchten Hundertjährigen einer religiösen Gemeinschaft an. Darin sieht er eine mögliche Quelle für soziale Unterstützung, Struktur und Gemeinschaft.
9. Lebenslange Freundschaften
Lebenslange Freundschaften, auf Okinawa „Moai“ genannt, sind für viele Okinawaner essenziell. Bereits im Kindesalter bilden sie kleine Gruppen, in denen sie sich gegenseitig unterstützen und bis ins hohe Alter regelmäßig treffen. Diese Netzwerke fördern ihr emotionales Wohlbefinden.

Die Integration der Blue-Zones-Erkenntnisse in den modernen Alltag

Dan Buettner betont, dass sich die Erkenntnisse aus den Blue Zones nicht mit eiserner Disziplin oder Diäten in den modernen Alltag übertragen lassen. Individuelle Disziplin sei wie ein Muskel, der irgendwann ermüde.
Buettner setzt vielmehr auf Veränderungen im Umfeld. Aus seiner Sicht wird das Verhalten des modernen Menschen stark durch seine Umgebung geprägt – durch Fast-Food-Ketten, Autokultur und sitzende Bürojobs. Mit sogenannten „Blue Zones Projects“ versucht er, Städte so umzugestalten, dass gesundes Verhalten leichter fällt.
Umgesetzt wurden Blue-Zones-Projekte unter anderem in Albert Lea (Minnesota), Fort Worth (Texas) und Naples (Florida). Die Projektbetreiber berichten von Verbesserungen etwa bei Körpergewicht, Rauchverhalten und Gesundheitskosten. Der oft genannte Zugewinn an Lebenserwartung in Albert Lea beruht allerdings nicht auf gemessenen Sterbedaten, sondern auf einer Hochrechnung per Online-Fragebogen.
„Man muss nicht in eine blaue Zone ziehen – man kann selbst eine schaffen“, erklärt Buettner in einem Interview mit The Style Mate.

Kritik an Dan Buettners These

Zu den prominentesten Kritikern gehört Saul Justin Newman, Forscher am Centre for Longitudinal Studies des University College London und am Oxford Institute of Population Ageing. Für seine Untersuchungen erhielt er 2024 den satirischen Ig-Nobelpreis für Demografie. Newman zufolge beruhen viele Angaben über extrem langlebige Menschen auf Fehlern. Die Zonen extremer Langlebigkeit fielen oft mit Regionen zusammen, die von Armut, schwacher Verwaltung und geringer Alphabetisierung geprägt gewesen seien. Newman vermutet dahinter Registrierungsfehler wie vertauschte Identitäten, falsche Geburtsurkunden oder nicht gemeldete Todesfälle, teils auch Rentenbetrug.
In einer weiteren Untersuchung wertete Newman die von den Vereinten Nationen gesammelten Bevölkerungsdaten von 236 Staaten und Gebieten aus den Jahren 1970 bis 2021 aus. Sein Ergebnis: Die Daten zum Überleben im hohen Alter seien in allen Zeiträumen von Auffälligkeiten geprägt. Der Anteil der Menschen, die vom Alter von 80 bis 84 Jahren aus das 100. Lebensjahr erreichen, sei in einer scheinbar willkürlichen Auswahl von Staaten am höchsten. Zu den zehn „Blauen Zonen“ mit der besten Überlebensrate bis 100 zählten demnach regelmäßig Thailand, Kenia und Malawi – Länder, die bei der allgemeinen Lebenserwartung weit hinten liegen. Hinzu kämen die Westsahara und Puerto Rico, wo Geburtsurkunden so unzuverlässig waren, dass sie als Rechtsdokument für ungültig erklärt wurden.
Newman interpretiert die über längere Zeiträume beobachteten Auffälligkeiten als Hinweis auf systematische Probleme bei der Erfassung von Alter und Sterblichkeit. Seiner Ansicht nach könnten solche Datenfehler Auswirkungen auf demografische und epidemiologische Analysen haben. Newmans Analyse der UN-Daten liegt bislang als Preprint vor und wurde noch keinem abgeschlossenen Peer-Review-Verfahren unterzogen. Die Blue-Zones-Forscher weisen die Kritik zurück und verweisen darauf, dass etwa die Altersangaben der sardischen Hundertjährigen mit einer strengen Methode überprüft worden seien.

Was die Wissenschaft stützt

Bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass viele Prinzipien des Blue-Zones-Konzepts unabhängig von den Beobachtungen auf Okinawa oder Sardinien durch eigene Studien gestützt werden. Beim Thema Ernährung zeigte die spanische PREDIMED-Studie mit 7.447 Teilnehmern und erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko, dass eine mediterrane Ernährung mit zusätzlichem Olivenöl oder Nüssen im Vergleich zu einer fettreduzierten Kontrollgruppe mit einem niedrigeren Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse verbunden war. Die ursprüngliche Veröffentlichung von 2013 wurde 2018 wegen methodischer Probleme bei der Randomisierung zurückgezogen und nach einer Neuauswertung mit korrigierten Daten erneut veröffentlicht.
Diese Evidenz geht weit über die Beobachtungen auf Ikaria hinaus. Auch zur Bewegung gibt es Erkenntnisse: In den Blue Zones ist moderate, tägliche Bewegung fester Bestandteil des Alltags. Das deckt sich mit epidemiologischen Daten wie denen der US-Gesundheitserhebung NHANES. Sie zeigen, dass bereits regelmäßige körperliche Aktivität und die Vermeidung von Inaktivität mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden sind.
Weiterhin zeigen große Metaanalysen, dass enge soziale Beziehungen und soziale Einbindung mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden sind: Einsamkeit, soziale Isolation und schwache oder fehlende Beziehungen erhöhen demnach das Sterberisiko. Auch für die Bedeutung eines Lebenssinns, wie ihn Ikigai und plan de vida beschreiben, gibt es Belege. Laut einer prospektiven Analyse des Rush Memory and Aging Project in Chicago hatten ältere Menschen mit einem ausgeprägten Lebenssinn ein deutlich geringeres Alzheimer-Risiko.
Die CALERIE-Studie zeigt, dass eine über zwei Jahre tatsächlich erreichte durchschnittliche Kalorienreduktion von etwa 12 Prozent bei gesunden, nicht adipösen Erwachsenen unter anderem die Insulinsensitivität verbesserte und Entzündungsmarker senkte. Die Studie hatte ursprünglich eine Reduktion der Kalorienzufuhr um 25 Prozent zum Ziel.
Die verschiedenen Studien liefern damit Hinweise darauf, dass Ernährung, Bewegung, soziale Beziehungen und weitere Lebensstilfaktoren mit Gesundheit und Langlebigkeit zusammenhängen können. Am Beispiel Okinawa zeigt sich jedoch, dass dieser Lebensstil nicht von selbst fortbesteht. Das moderne Leben, verarbeitete Lebensmittel und Fast-Food-Ketten haben auch vor Okinawa nicht haltgemacht, die traditionelle Lebensweise wird zunehmend verdrängt. Jüngere Okinawaner haben heute keine höhere Lebenserwartung mehr als der japanische Durchschnitt und kämpfen wie im Westen vermehrt mit Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen. Das Leben ist einem ständigen Wandel unterworfen. Inwieweit man sein Leben nach einem Trend oder Hype ausrichtet, darf jeder für sich selbst entscheiden. Ein kritischer Blick auf die Datenlage kann dabei jedoch hilfreich sein.
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Studie untersucht: Kann man ab 75 Jahren die Einnahme von Statinen einstellen?

Eine französische Studie, die im Juli in „The Lancet Healthy Longevity“ veröffentlicht wurde, liefert neue Gedankenanstöße dazu, wie sicher es sein kann, die Einnahme von Statinen ab einem bestimmten Alter einzustellen, wenn man zuvor noch nie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hat.
Französische Forscher fanden heraus, dass Erwachsene ab 75 Jahren, die die Einnahme des Medikaments beendeten, in den folgenden drei Jahren nicht häufiger starben als diejenigen, die es weiterhin einnahmen.
Entgegen den Erwartungen vieler Ärzte und Patienten führte das Absetzen jedoch auch nicht zu einer Verbesserung des Wohlbefindens; ihre Lebensqualität, ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sowie ihre Symptome blieben in etwa gleich wie bei denjenigen, die das Medikament weiter einnahmen.

Was geschah, als sie das Medikament absetzten?

Die Forscher begleiteten 1.160 Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von etwa 80 Jahren, von denen keiner eine diagnostizierte Herzerkrankung in der Vorgeschichte hatte. Die Hälfte wurde nach dem Zufallsprinzip der Gruppe zugeordnet, die das Statin weiter einnahm, die andere Hälfte setzte das Medikament ab.
Nach drei Jahren zeigten die beiden Gruppen sehr ähnliche Ergebnisse: 7,2 Prozent der Personen, die die Einnahme von Statinen beendet hatten, waren verstorben, verglichen mit 7,9 Prozent derjenigen, die das Medikament weiterhin einnahmen – ein Unterschied, der so gering war, dass die Forscher das Absetzen als „nicht unterlegen“ gegenüber der Fortsetzung der Einnahme einstuften, was bedeutet, dass es das Sterberisiko nicht statistisch relevant über einen zuvor festgelegten Schwellenwert hinaus erhöhte.
Die Forscher stellten auch keinen nennenswerten Unterschied in der Lebensqualität fest. Diejenigen, die die Einnahme abbrachen, berichteten nicht, dass sie weniger Nebenwirkungen wahrnahmen oder sich körperlich oder geistig besser fühlten als diejenigen, die das Medikament weiter einnahmen.
Auch die Häufigkeit von Muskelproblemen, Diabetes, kognitiven Beeinträchtigungen und schweren Infektionen unterschied sich zwischen den Gruppen nicht ausschlaggebend.
Ein Wert veränderte sich jedoch deutlich: Das Low-Density-Lipoprotein (LDL), das umgangssprachlich oft vereinfachend als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet wird und zur Plaquebildung in den Arterien beitragen kann, stieg bei denjenigen, die das Medikament absetzten, um etwa 50 Prozent, von rund 115 Milligramm auf 171 Milligramm pro Deziliter über einen Zeitraum von drei Jahren. Auch Herzinfarkte traten in der Gruppe, die das Medikament absetzte, etwas häufiger auf, wobei der Unterschied als nicht signifikant eingestuft wurde: 2,1 Prozent erlitten einen Herzinfarkt, verglichen mit 1,4 Prozent derjenigen, die die Einnahme fortsetzten. Die Studiengröße reichte jedoch nicht aus, um eindeutig festzustellen, ob dieser Unterschied einen tatsächlichen Anstieg des Risikos widerspiegelte oder lediglich auf Zufall zurückzuführen war.
„Die einfachste Art, diese Studie falsch zu interpretieren, ist die Annahme, dass es ab dem 75. Lebensjahr keine Rolle mehr spielt, ob jemand ein Statin einnimmt“, sagte Dr. Michael Nanna, Kardiologe an der Yale School of Medicine und korrespondierender Autor eines begleitenden Kommentars, der in „The Lancet Healthy Longevity“ veröffentlicht wurde, gegenüber der Epoch Times per E-Mail.

Warum 75 keine magische Grenze ist

Statine senken das LDL-Cholesterin, was im Laufe der Zeit die Ablagerung von Fettplaques in den Arterien verlangsamen und das Risiko verringern kann, dass eine dieser Plaques einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslöst.
Allerdings dauert es Jahre, bis sich dieser Schutz rentiert, und wie viel er wert ist, hängt zum Teil davon ab, wie lange eine Person voraussichtlich noch leben wird und welche anderen Gesundheitsprobleme sie möglicherweise zuerst betreffen.
Denn ältere Erwachsene unterscheiden sich stärker in ihrem Gesundheitszustand. Studien zeigen, dass bei älteren Menschen größere individuelle Unterschiede bestehen als bei Menschen mittleren Alters oder jüngeren Menschen. Ein aktiver 85-Jähriger mit hohem kardiovaskulären Risiko kann möglicherweise mehr davon profitieren, weiterhin ein Statin einzunehmen, als ein 75-Jähriger mit fortgeschrittener Erkrankung oder schwerer Gebrechlichkeit.
„Die Entscheidung sollte auf die Person zugeschnitten sein, nicht auf ihr Geburtsdatum“, sagte Nanna.
Die Forscher betonen, dass ihre Ergebnisse in größeren Studien mit längerer Nachbeobachtungszeit sowie bei älteren Erwachsenen mit höherem kardiovaskulären Risiko oder schlechterem Gesundheitszustand als die Teilnehmer dieser Studie bestätigt werden müssen.

Wann ein Absetzen sinnvoll sein kann

Zu wissen, wann ein präventives Medikament abgesetzt werden sollte, ist eine der schwierigeren Entscheidungen in der Altersmedizin, und diese Studie gilt nicht für alle. Denn ausgeschlossen aus der Studie wurden Personen, die bereits einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder eine andere nachgewiesene Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten; für diese Patienten sprechen nach wie vor stärkere Argumente für die Fortsetzung der Statintherapie.
Für einige ältere Erwachsene, die sich für ein Absetzen entscheiden, kann die Einnahme eines Medikaments weniger den Einnahmeplan vereinfachen und das Risiko von Wechselwirkungen zwischen Medikamenten verringern. Und Nanna sagte, das Gespräch sollte in beide Richtungen gehen: Ärzte sollten „die Unsicherheit ehrlich erklären und fragen, was für den Patienten am wichtigsten ist“.
Bei Menschen, die Statine zur Vorbeugung eines ersten kardiovaskulären Ereignisses einnehmen, wägen Ärzte Faktoren wie Diabetes, Blutdruck, Rauchverhalten, Cholesterinwerte, Nierenerkrankungen und Familienanamnese ab – manchmal in Verbindung mit bildgebenden Untersuchungen, die zeigen, wie viel Plaque sich gegebenenfalls in den Arterien eines Patienten angesammelt hat.
Sie berücksichtigen außerdem, wie gut eine Person das Medikament verträgt, ob es mit anderen eingenommenen Medikamenten Wechselwirkungen geben könnte, wie viele andere Medikamente eingenommen werden, ob die Person gebrechlich ist und wie gut ihr körperlicher und geistiger Gesundheitszustand ist.
„Für jemanden im Alter von 75 Jahren oder älter, der noch keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hat, aber aufgrund eines erhöhten Risikos bereits vor dem 75. Lebensjahr ein Statin einnehmen musste, ist die Fortsetzung der Statin-Therapie sinnvoll, sofern keine lebensverkürzende Erkrankung vorliegt“, schrieb hingegen Dr. Ariela Orkaby, Geriaterin und Forscherin am Brigham and Women’s Hospital, die nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber Epoch Times in einer E-Mail.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Can You Stop Taking Statins After Age 75? Study Offers Some Reassurance.“ (deutsche Bearbeitung kr)
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Energie wird teurer: Strompreis schießt vor dem Winter nach oben


In Kürze:

  • Der Strompreis für Neukunden sprang jüngst auf einen Jahreshöchstwert.
  • Gründe sind der andauernde Irankrieg und die damit verbundene angespannte Lage an den Energiemärkten.
  • Auf dem höchsten Stand des Jahres befinden sich im laufenden Monat auch die Börsenstrompreise.
  • Auch beim Erdgas steigen die Preise.

 
Der September ist in diesem Jahr bislang der Monat mit den höchsten Strompreisen. Zuletzt stieg vor allem der Strompreis für Neukunden in Deutschland deutlich.

Höherer Strompreis für Neukunden

Laut Daten des Energievergleichsportals Verivox kletterte der Neukundenstrompreis von 25 Cent pro Kilowattstunde (Cent/kWh) am 16. September auf 30,84 Cent/kWh am 26. September. Das entspricht einem Anstieg von 23,4 Prozent in nur zehn Tagen. Der größte Sprung in diesem Zeitraum erfolgte am 18. September auf 29,65 Cent/kWh. Mit dem aktuellen Wert liegt der Preis erstmals in diesem Jahr über der 30-Cent-Marke. Das Portal „Strom-Report“ gibt den aktuellen Neukundenstrompreis für Privathaushalte mit 30,6 Cent/kWh an.

Die Entwicklung des Neukundenstrompreises für deutsche Privathaushalte von Mitte Februar bis 27. September 2026.

Den höheren Strompreis bestätigt auch das Portal „stromauskunft.de“. Demnach liegt dort der durchschnittliche Preis im günstigsten Tarif jetzt bei 30,26 Cent/kWh. Wie das Portal angibt, ist das eine Preissteigerung von knapp 12 Prozent im Vergleich zum Vormonat und von 10,6 Prozent zum Vorjahr.
Für Bestandskunden hat der aktuelle Preisanstieg zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen. Wer in den vergangenen Monaten einen neuen Stromvertrag für 25 Cent/kWh oder weniger abschließen konnte, behält diesen Tarif. Wie lange dieser gilt, hängt vom jeweiligen Vertrag ab. Sinkt der Strompreis in den kommenden Monaten, kann sich ein erneuter Tarifwechsel nach Ablauf der jeweiligen Vertragsbindung beziehungsweise im Rahmen der Kündigungsfrist lohnen. Bei weiter steigenden Preisen kann es allerdings für Stromkunden teuer werden.
Grund für diesen Preissprung ist die weiterhin angespannte Lage durch den nun schon rund sieben Monate andauernden Irankrieg. Zuletzt hat US-Präsident Donald Trump einen möglichen Einigungsvorschlag des Iran abgelehnt. Somit bleibt die Straße von Hormus, eine wichtige Meerenge für Öl- und Gastanker, geschlossen, auch wenn einzelnen Schiffen die Durchfahrt gelingt. Hinzu kommt: Mit dem sinkenden Stromertrag aus Solaranlagen müssen jetzt wieder mehr Gaskraftwerke einspringen.
Trotz des jüngsten Preisanstiegs haben die Strompreise noch nicht das Niveau von vor vier Jahren erreicht. Durch den Ukrainekrieg stieg der Neukundenstrompreis hierzulande Anfang Oktober 2022 sprunghaft auf bis zu 70 Cent/kWh.

Höhere Börsenstrompreise

Für die Bildung der Strompreise in Deutschland ist auch der Börsenstrompreis maßgeblich. Ein Blick auf das Energieportal „Energy-Charts“ zeigt, dass der September im Schnitt die bisher höchsten Börsenstrompreise des Jahres aufweist.
Bis dato ist der deutsche Monatspreis für September mit 142,32 Euro pro Megawattstunde (Euro/MWh) angegeben. Kein Monat in diesem Jahr war bisher teurer. Es ist unwahrscheinlich, dass die noch verbleibenden drei Septembertage an dieser Spitzenposition etwas ändern – nicht zuletzt wegen des gestiegenen Preisniveaus. Dreistellig waren sonst nur der August mit 126,89 Euro/MWh und der Januar mit 110,09 Euro/MWh.

Im September erreichte der Börsenstrompreis mit bislang 142,32 Euro pro Megawattstunde ein neues Jahreshoch. Stand: 27. September 2026.

Ebenso zeigt die Europakarte des Portals ähnlich hohe oder teilweise noch höhere Börsenstrompreise in anderen europäischen Ländern. In allen italienischen Gebotszonen liegen die Preise beispielsweise über 200 Euro/MWh – ebenfalls ein Jahreshöchststand.
Laut einer kürzlich erhobenen Umfrage des Energiedienstleisters Montel könnte Deutschland in diesem Herbst sogar ähnlich hohe Börsenstrompreise erleben wie 2022.

Auch Anstieg bei Gas

Ein weiterer rapider Preisanstieg war in den vergangenen Tagen beim Erdgaspreis „Natural Gas“ zu beobachten. Er ist vor allem für den nordamerikanischen Gasmarkt maßgeblich, betrifft über die US-LNG-Lieferungen aber auch Deutschland. Im August lag er noch bei rund 2,3 bis 2,5 Euro pro MMBtu (Million British Thermal Units, eine Maßeinheit für Energie bei Erdgas). Anschließend schwankte er im September meist um 2,5 Euro pro MMBtu.
Ein stärkerer Anstieg setzte schließlich ab dem 22. September ein. Aktuell beträgt der Preis 2,81 Euro pro MMBtu. Das entspricht rund 9,6 Euro/MWh. Zeitweise lag der Preis schon bei rund 3 Euro pro MMBtu.
Dieser neuerliche Preisanstieg ist allerdings weniger auf die Entwicklung des Krieges im Nahen Osten zurückzuführen. Vielmehr liegt das an einem gestiegenen Heiz- und somit Gasbedarf in den USA aufgrund niedrigerer Temperaturen. Gleichzeitig sank dort die tägliche Produktionsmenge und die Gasexporte stiegen. Das hat das Angebot im Inland verknappt und maßgeblich zum Preissprung beigetragen.
Mit dem beginnenden Herbst steigt zudem nun auch der Heizbedarf in Deutschland. In Europa ist hingegen der Terminkontrakt Dutch TTF Natural Gas Futures ausschlaggebend. Dieser weist bereits seit Mitte Juni – von rund 41 Euro/MWh kommend – einen überwiegend steigenden Trend auf. Mitte September erreichte er sein bisheriges Hoch von rund 82,5 Euro/MWh. Zuletzt sank er wieder auf 72 Euro/MWh.
Ein weiterer Preisanstieg ist hier jedoch nicht auszuschließen, da vor allem die deutschen Gasspeicher weiterhin nur mäßig gefüllt sind. Am 25. September betrug der durchschnittliche Füllstand hierzulande 57,15 Prozent. Das sind 19,3 Prozentpunkte weniger als zum selben Zeitpunkt des Vorjahres. Erst kürzlich hat die Bundesregierung aufgrund dieses Rückstandes zusätzliches Gas einkaufen lassen. Die Befüllung läuft allerdings langsam: In den vergangenen Tagen stieg der Füllstand um 0,0 bis 0,08 Prozentpunkte pro Tag.
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SMR: So steht es weltweit um die Mini-Kernkraftwerke


In Kürze:

  • In immer mehr Ländern werden SMR-Anlagen, kleine modulare Kernreaktoren, entwickelt.
  • Vorreiter sind Russland und China mit bereits laufenden Reaktoren.
  • In Kanada befindet sich ein Reaktor in der Bauphase und könnte 2030 fertig sein.
  • Rolls-Royce SMR hat mit mehreren europäischen Staaten bereits Verträge zum Bau von SMR-Anlagen geschlossen.
  • In Deutschland ist die kommerzielle Nutzung der Kernkraft weiterhin verboten.

 
Den neuen Trend in der Stromgewinnung durch Kernkraft markieren SMR, sogenannte Small Modular Reactors beziehungsweise kleine modulare Kernreaktoren. Sie sind deutlich kleiner und leistungsschwächer – der Definition nach maximal 300 Megawatt (MW) – als die Reaktoren großer konventioneller Kernkraftwerke. Allerdings sollen sie dafür flexibler einsetzbar und aufgrund Serienfertigung günstiger sein.
Diese Technologie steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. Weltweit gibt es kaum Anlagen, die sich bereits im kommerziellen Betrieb befinden. Dafür existieren umso mehr, die sich im Bau, in der Test- oder Planungsphase befinden.
Auch wenn Deutschland vor gut drei Jahren aus der kommerziellen Stromerzeugung durch Kernkraft ausgestiegen ist, setzen viele Länder weiterhin auf nukleare Brennstoffe. Einige Staaten wie Italien, Polen, Norwegen oder die Türkei wollen sogar einsteigen. Somit besitzt auch das Interesse an SMR-Anlagen eine internationale Tragweite.
Kernkraft Länder, Europa, Karte

Status Quo verschiedener Länder hinsichtlich Kernkraft. In Klammern jeweils die Anzahl der in Betrieb befindlichen Reaktoren.

Foto: Canva/Epoch Times, Daten: World Nuclear Association

Bestehende SMR in Russland und China

Aktuell sind nur zwei kommerzielle SMR-Anlagen in Betrieb. Eine davon befindet sich im Nordosten von Russland – nicht an Land, aber auf See. Die „Akademik Lomonossow“ ist das erste und einzige in Betrieb befindliche schwimmende Kernkraftwerk mit kleinen modularen Reaktoren. Sie steht am Hafen der Stadt Pewek im Autonomen Kreis der Tschuktschen.
Der SMR besteht aus zwei Druckwasserreaktoren des Typs KLT-40S mit je 38,5 MW elektrischer Leistung, in Summe also 77 MW. Die Anlage läuft seit Mai 2020 und soll eine Lebensdauer von voraussichtlich 40 Jahren besitzen.

Das schwimmende Kernkraftwerk Akademik Lomonossow am Hafen der Stadt Pewek.

Foto: Bildschirmfoto/Google Maps

Der schwimmende Reaktor liefert Strom und Fernwärme für die abgelegene Arktisregion. Alle 3,5 Jahre ist der Austausch aller Brennelemente vorgesehen. Theoretisch kann diese Anlage eine Stadt mit bis zu 100.000 Einwohnern mit Strom versorgen.
Die zweite SMR-Anlage befindet sich in der chinesischen Stadt Rongcheng in der Provinz Shandong. Sie besteht ebenfalls aus zwei Reaktoren, die gemeinsam eine elektrische Leistung von 210 MW aufweisen. Im Gegensatz zur Akademik Lomonossow funktioniert das Kernkraftwerk Shidaowan auf Grundlage eines gasgekühlten Hochtemperatur-Kugelhaufenreaktors (HTR-PM).
Seit Dezember 2023 befindet sich der chinesische Reaktor im kommerziellen Betrieb. Es ist somit der weltweit erste HTR-PM in SMR-Form, die technische Grundlage hingegen wurde vor mehr als 50 Jahren in Deutschland entwickelt. Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei die Sicherheit der Anlage. Sollte der Primärkreislauf zum Erliegen kommen, kühlt er von selbst ab, sodass eine Kernschmelze nicht möglich ist. Auch wenn die Kühlmittelleitungen des Primärkreislaufs reißen, schmilzt der Reaktorkern nicht und kühlt sich durch natürliche Konvektion selbst ab.

Weitere SMR im Bau

Darüber hinaus sind weltweit aktuell keine anderen SMR-Anlagen im kommerziellen Betrieb. Doch das dürfte sich bald ändern. China und auch Russland wollen weitere SMR ans Netz bringen. So steht in der chinesischen Hafenstadt Changjiang auf der Insel Hainan der „Linglong One“ oder „ACP100“ kurz vor der Fertigstellung. Die Leistung des Druckwasserreaktors soll 125 MW betragen.
Nach mehreren Testläufen soll der ACP100 noch in diesem Jahr in Betrieb gehen. Mitte 2021 begannen die Bauarbeiten. Der Reaktor könne jährlich eine Milliarde Kilowattstunden Strom erzeugen – genug, um den Bedarf von 526.000 Haushalten zu decken. Neben der reinen Stromerzeugung soll die Anlage auch für Heizung, Dampferzeugung oder Meerwasserentsalzung ausgelegt sein.
Bis der nächste SMR in Russland betriebsbereit ist, dürften noch ein paar Jahre vergehen. Der neue „BREST-OD-300“, ein bleigekühlter schneller Reaktor mit 300 MW, befindet sich noch in der Bauphase. Die Fertigstellung ist auf Winter 2027/2028 angesetzt. Gleichzeitig plant das Land den Bau von weiteren schwimmenden SMR. Dazu hat die Maschinenbauabteilung der Kernenergiebehörde Rosatom bereits entsprechende RITM-200C-Reaktoren mit je 58 MW hergestellt.
In Asien will auch Usbekistan in die Kernkraft einsteigen. Dazu hat sich das zentralasiatische Land für russische RITM-200N-Reaktoren entschieden. Zunächst waren dort insgesamt sechs wassergekühlte Druckwasser-SMR mit je 55 MW angedacht. Inzwischen stellten die Beteiligten den Vertrag auf noch zwei RITM-200N-Reaktoren plus zwei größere VVER-1000-Rektoren am selben Standort. Wenn alles nach Plan verläuft, soll ein erster Reaktor Ende 2029 ans Netz gehen.

Amerika will nachziehen

Weitere Länder, die momentan SMR errichten, sind Kanada, die USA und Argentinien. In Kanada befindet sich der Darlington SMR-1 aktuell in der Bauphase. Es handelt sich um das Modell BWRX-300. Als Baubeginn nennt der Weltverband der Kernenergie den 26. Juni 2026. In den Monaten zuvor wurden bereits Vorarbeiten getätigt und das Fundament errichtet. Wenn die Anlage fertiggestellt ist, soll der Reaktor eine elektrische Leistung von 300 MW liefern – und könnte der erste SMR im Westen sein.

Im April 2026 erfolgte der Einhub der knapp 1.000 Tonnen schweren Grundplatte des SMR in Darlington, Kanada.

Ebenso baut das US-amerikanische Unternehmen TerraPower seit April 2026 im US-Bundesstaat Wyoming einen Natrium-Reaktor. Die Fertigstellung ist für 2030 vorgesehen – wobei die Anlage auf 345 MW Leistung kommen soll und somit über dem Limit eines SMR liegt. Zudem soll der natriumgekühlte Schnellreaktor seine Leistung vorübergehend für rund fünf Stunden auf 500 MW erhöhen kann. So soll die Anlage auf die täglichen Stromlastwechsel durch „erneuerbare“ Energiequellen flexibel reagieren können.
Die Genehmigung für den Natrium-Reaktor erfolgte im März 2026 durch die Nukleare Regulationsbehörde (NRC). Diese teilte der Epoch Times auf Anfrage mit, welche weiteren SMR-Projekte es aktuell in den Vereinigten Staaten gibt. Hierzu zählen eine Designzertifizierung des Unternehmens NuScale, wobei das Projekt 2023 eingestellt wurde, und ein Mikroreaktor von eVinci in der Planungsphase. Gleichzeitig prüft das NRC seit 2019 mehrere Berichte und Dokumente zu einem eigenen BWRX-300-Reaktor.
Darüber hinaus erhielt auch der Demonstrationsreaktor Hermes 2 des US-Unternehmens Kairos eine Baugenehmigung und befindet sich im Bau. Der 50-MW-Reaktor soll Google-Rechenzentren in Tennessee und Alabama versorgen und dazu beitragen, diese zu dekarbonisieren.
Seit 2014 versucht auch Argentinien mit dem CAREM-25 eine SMR-Anlage zu errichten. Gravierende technische und finanzielle Schwierigkeiten bremsten das Projekt vor einigen Monaten vorerst aus. Inzwischen plant das südamerikanische Land mit dem ACR-300 einen Leichtwasser-SMR mit 300 MW zu bauen. Auch hier ist nicht vor 2030 nicht mit der Fertigstellung zu rechnen. Die Kosten sind auf umgerechnet gut eine Milliarde Euro veranschlagt.

Deutschland hält sich raus

Das aktuelle deutsche Atomgesetz verbietet hierzulande die kommerzielle Stromerzeugung aus Kernenergie. Entsprechend existieren keine Pläne, auf deutschem Boden einen SMR zu errichten.
Lediglich flammen in der politischen Debatte vereinzelte Zustimmungen zu einer Rückkehr zur Kernkraft auf. So sprach sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder im März dieses Jahres für den Bau von SMR-Anlagen aus. Die in vielen Umfragen führende Oppositionspartei AfD befürwortet eine vollständige Rückkehr zur Kernkraft.

Heiße Kandidaten in Europa

In Europa plant unter anderem Rumänien den Bau eines SMR geplant. Es traten zuletzt jedoch Komplikationen bei Grundstückskauf, Finanzierung und Zeitplan auf.
Konkrete Pläne zu SMR-Anlagen haben zudem Großbritannien, die Tschechische Republik und Schweden. Rolls-Royce SMR teilte der Epoch Times mit, dass das Unternehmen bereits „vertragliche Verpflichtungen“, mit diesen Ländern abgeschlossen habe. Laut eigenen Angaben sei Rolls-Royce SMR Europas führender Anbieter von SMR-Technologie.
„In Europa sollen unsere ersten Anlagen im Vereinigten Königreich und in der Tschechischen Republik Mitte der 2030er Jahre in Betrieb gehen“, teilte ein Sprecher von Rolls-Royce SMR mit. Die ersten Inbetriebnahmen seien voraussichtlich im Vereinigten Königreich mitsamt Netzeinspeisung zu erwarten.
Ein aktuelles Einstiegsland bei der Kernkraft ist die Türkei. Neben konventionellen Großreaktoren konzentriert sich das transkontinentale Land auch auf SMR. Bis 2050 will die Türkei eine SMR-Kapazität von insgesamt 5.000 MW erreichen. Interesse an der SMR-Technologie haben ebenfalls Belgien, Italien, Dänemark bekundet.

Wann sind SMR massentauglich?

Noch befinden sich die meisten SMR-Anlagen in der Planungs- oder Bauphase. Mit weltweit gerade einmal zwei in Betrieb befindlichen Reaktoren kann bislang nicht von einer Massentauglichkeit die Rede sein. Die Komplikationen etwa in Argentinien und Rumänien zeigen, welche Schwierigkeiten es auf dem Weg bis dorthin noch gibt.
Rolls Royce SMR teilte hierzu optimistisch mit: „SMRs befinden sich bereits auf dem Weg von der Entwicklung zum Einsatz, wobei in Europa mehrere Projekte voranschreiten.“ Das Unternehmen rechnet mit einer „breiteren Einführung, sobald die ersten Projekte dieser Art fertiggestellt sind und nationale Programme im Laufe der 2030er Jahre ausgebaut werden“.
Bisher steht der Massentauglichkeit von SMR noch die Finanzierung im Weg. Das zeigen manche Projekte wie in Kanada und in Rumänien, die sich bei Folgeschätzungen kostspieliger entpuppten.
Eine aktualisierte Datenbank über SMR-Projekte und Unternehmen weltweit bietet das SMR-Dashboard der Nuklearen Energieagentur (NEA).
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Die Arbeitsethik der großen Meister

Erfolgreiche Menschen inspirieren auch andere dazu, über sich hinauszuwachsen. Hinter jedem Erfolg stehen Fleiß, harte Arbeit und diszipliniertes Engagement. Wenn wir uns mit den Besten eines Fachgebiets auseinandersetzen und ihre Arbeit studieren, werden unser eigener Erfolg und unsere Kreativität beflügelt. Sir Joshua Reynolds, Präsident der Royal Academy of Arts in London, sagte dazu treffend: „Je eingehender Sie sich mit den Werken herausragender Künstler vertraut machen, desto größer wird Ihre schöpferische Kraft sein.“
Über die Jahrhunderte hinweg haben die großen Meister eine Arbeitsethik entwickelt, von der alle profitieren können, die selbst nach Höherem streben.

Von den Meistern der Vergangenheit und Gegenwart lernen

Raffael, Michelangelo und Leonardo da Vinci gelten seit langem als die größten Künstler der Hochrenaissance.
Raffael (1483–1520) stand möglicherweise im Schatten seiner älteren und bereits etablierteren Kollegen; Leonardo war 31 Jahre älter als Raffael, und Michelangelo war acht Jahre älter als Raffael.
Raffael studierte zunächst in Florenz den künstlerischen Stil von Leonardo und Michelangelo und arbeitete hart daran, deren Techniken zu verfeinern. Im Allgemeinen ging Leonardo seine Kunst wie ein Wissenschaftler an; er beobachtete die Natur und versuchte, bei seiner Arbeit seine Subjektivität auszublenden. Im Gegensatz dazu ist Michelangelos Kunst ausdrucksstark und von menschlicher Erfahrung emotional geprägt.
Raffael ließ sich zudem von Leonardos Interesse an der menschlichen Psychologie und von Michelangelos Fähigkeit inspirieren, Gefühle durch seine Kunst zum Ausdruck zu bringen. Raffael integrierte die Ideen anderer Künstler so geschickt in seine Werke, dass er sie sich zu eigen machte. Dieses Talent machte ihn zu einem Rivalen anderer Künstler, insbesondere von Michelangelo. Bevor Michelangelo beispielsweise die Gelegenheit hatte, seine Komposition „Die Erschaffung Adams“ in der Sixtinischen Kapelle zu malen, übernahm Raffael Michelangelos Vorzeichnung und integrierte sie in sein Fresko „Der Parnass“ im Vatikan.
Raffaels Skizze von „Leda und der Schwan“ ist die einzige erhaltene direkte Kopie nach Leonardos Werk, die er selbst angefertigt hat – abgesehen von einer flüchtigeren Skizze auf einem Blatt mit weiteren Studien. Leda nimmt darin eine sogenannte Kontraposthaltung ein, bei der das Körpergewicht auf einem Bein ruht; diese Haltung geht auf die Kunst der Antike zurück. Für sein Gemälde „Die heilige Katharina von Alexandrien“ griff Raffael sowohl auf die antike Kunst als auch auf Leonardos „Leda“ zurück.

Werden Sie zum Experten auf Ihrem Gebiet

Der bedeutendste Tiermaler Großbritanniens, George Stubbs (1724–1806), widmete jedem seiner Motive – ob Pferd oder Mensch – größte Sorgfalt und Aufmerksamkeit und verlieh ihm seinen ganz eigenen Charakter.
Wie Leonardo da Vinci beschäftigte sich Stubbs intensiv mit der Anatomie anhand von Leichen. Zwischen etwa 1745 und 1751 untersuchte Stubbs erstmals Leichen, darunter auch die von schwangeren Frauen, im York County Hospital. Später beauftragte ein Arzt Stubbs, für eine Abhandlung über Geburtshilfe eine Serie von Föten im Mutterleib zu zeichnen und zu radieren.
Stubbs’ Pferdegemälde sind der Inbegriff seiner Naturstudien. 18 Monate lang untersuchte er in einer abgelegenen Scheune in Horkstow, Lincolnshire, die Kadaver von Pferden. Zunächst brachte er jeden Kadaver in eine Haltung, als wäre das Tier noch am Leben. Dann hob er ihn mithilfe eines Systems aus Flaschenzügen an und sezierte ihn Schritt für Schritt – von der Haut über Muskeln und Sehnen bis hinunter zu den Knochen – während er jede Phase zeichnerisch festhielt. Jeder Kadaver blieb ihm dabei elf Wochen lang als Studienobjekt erhalten.

Ein Pferd, von vorne betrachtet: zwei Écorché-Darstellungen, die die Muskeln und Blutgefäße zeigen, eine als Umrisszeichnung, die andere als Tonwertzeichnung, 1766, George Stubbs. Stich mit Radierung. Wellcome Collection.

Foto: gemeinfrei

Stubbs studierte die Anatomie des Pferdes, um es möglichst naturgetreu darstellen zu können und zugleich anderen Künstlern, Pferdezüchtern und Fachleuten eine Anleitung an die Hand zu geben. Aus diesen Arbeitszeichnungen und ausgearbeiteten Studien entstand 1766 seine umfassende Abhandlung „The Anatomy of the Horse“. Bis heute wird sie sowohl von Tierärzten als auch von Tierkünstlern hoch geschätzt.

Klarheit über die eigene Absicht

Alles in den Gemälden des französischen Künstlers Nicolas Poussin ist aus einem bestimmten Grund da; jedes einzelne seiner Bilder beruht auf einer bewussten Überlegung.
Für Poussin (1594–1665) waren seine Gemälde kein Ort für Leichtfertigkeit oder sinnliche Vergnügungen. Er war überzeugt, dass die Malerei sich den edelsten und ernsthaftesten Bestrebungen des Menschen widmen und dabei die der jeweiligen Situation angemessene Form finden müsse.
„Für ihn ist die formale Ordnung, ja selbst eine gewisse Pedanterie der Gestaltung, fast immer ein Mittel, Erfahrungen von tiefster geistiger, imaginativer und visueller Wirklichkeit mit größtmöglicher Klarheit und Ökonomie zum Ausdruck zu bringen. Seine Gemälde finden vielleicht ihr nächstes Gegenstück in der Musik Johann Sebastian Bachs“, schrieb der Kunsthistoriker Basil Taylor in „French Painting“.

„Die Verkündigung“, um 1655–1657, Nicolas Poussin. Öl auf Leinwand; 105,1 × 102,9 cm.

Foto: gemeinfrei

„Kurz gesagt, ist Poussins Kunst […] eine Verbindung von Poesie und Vernunft, Gefühl und Verstand, ein Gleichgewicht zwischen zwei Seiten ein und derselben Persönlichkeit“, schreibt Mary Sprinson de Jesús aus der Abteilung für europäische Malerei am Metropolitan Museum of Art in New York auf der Website des Museums.
Poussins künstlerische Auffassung entwickelte sich nicht zufällig. Harte Arbeit und seine unstillbare Neugier auf die großen Künstler, die ihm vorausgingen – auf die Meister der italienischen Renaissance wie Raffael, Michelangelo und Tizian ebenso wie auf die Kunst der alten Griechen und Römer – sowie jahrelanges Nachdenken machten Poussin zu einem international bekannten und hoch verehrten Künstler – zu seiner Zeit und darüber hinaus.

Die Auswahl der besten Mitarbeiter

Der flämische Künstler Peter Paul Rubens (1577–1640) schuf rund 1.400 Werke, manche Experten sprechen sogar von bis zu 1.800. Dieses überaus produktive Schaffen wäre ohne seine Werkstatt nicht möglich gewesen.
Rubens leitete eine der größten und erfolgreichsten Werkstätten seiner Zeit. Von der Gründung seiner Werkstatt am 15. Oktober 1598 bis zu seinem Tod am 30. Mai 1640 schuf er durchschnittlich drei Gemälde pro Monat, von kleinen Skizzen bis hin zu monumentalen Werken.
Statt junge Lehrlinge auszubilden, setzte Rubens auf erfahrene Werkstattmitarbeiter. An Bewerbern mangelte es ihm nie. Am 11. Mai 1611 schrieb Rubens an einen Freund: „Ich kann dir wahrheitsgemäß und ohne jede Übertreibung sagen, dass ich mehr als hundert [Mitarbeiter] ablehnen musste, darunter sogar einige meiner eigenen Verwandten und die meiner Frau.“

„Die heilige Teresa von Ávila kniet vor Christus und bittet für die Seelen im Fegefeuer“, Werkstatt von Peter Paul Rubens. Öl auf Holz; 64,1 × 48,9 cm. Geschenk von J. Pierpont Morgan, 1917; Metropolitan Museum of Art, New York.

Foto: gemeinfrei

Ähnlich wie in einer industriellen Fertigung gab es auch in den Werkstätten klar geregelte Abläufe, bei denen die Mitarbeiter häufig auf bestimmte Tätigkeiten spezialisiert waren – vom Mahlen der Pigmente und dem Aufspannen der Leinwände über die Herstellung von Leim, Firnis und Ölfarben bis hin zur Übertragung der Zeichnungen des Meisters auf die Leinwand und schließlich zum Malen.
Die Werkstattmitarbeiter stellten ihre Werkzeuge und Materialien selbst her, darunter Pinsel, Ölfarben, Firnisse und Leinwände.
Neben Rubens’ eigener Erfahrung beschrieben Abhandlungen aus der Renaissance ausführlich, welche Holzarten und Tierhaare, von Wildschweinborsten bis hin zu Eichhörnchenhaar, für die Herstellung verschiedener Pinsel am besten geeignet waren.
Auch wenn diese großen Meister schon vor langer Zeit gestorben sind, inspirieren ihre Kunst und ihre Arbeitsdisziplin noch bis heute andere dazu, Großes zu leisten.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „4 Work Ethics for Success From Master Artists“. (redaktionelle Bearbeitung: ee)
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„Ungeskriptet“: Medienaufsicht beendet Prüfung von Ben Berndts Höcke-Interview


In Kürze:

  • Die Landesanstalt für Medien NRW hat ihre Prüfung des Höcke-Interviews im Podcast „ungeskriptet“ abgeschlossen.
  • Anlass war eine nachweislich falsche Aussage Höckes zur SA, die im Interview nicht eingeordnet oder korrigiert worden war.
  • Nach Auffassung der Medienaufsicht wurde die Aussage inzwischen durch die öffentliche Debatte umfassend aufgearbeitet und richtiggestellt.
  • Für Podcaster Ben Berndt wird es deshalb vorerst keine weiteren medienaufsichtsrechtlichen Maßnahmen geben.

 
Für den Podcaster Ben Berndt wird es keine Konsequenzen vonseiten der Landesanstalt für Medien NRW geben. Wie die Einrichtung am Mittwoch, 24. September, mitteilte, ist ihre Prüfung bezüglich des Interviews mit AfD-Politiker Björn Höcke in der Sendung „ungeskriptet by Ben“ vom 29. April 2026 abgeschlossen. Dabei seien Fragen hinsichtlich der Einhaltung der journalistischen Sorgfaltspflicht durch den Podcaster aufgetreten. Die Landesanstalt hatte Berndt deshalb am 15. Juni ein Hinweisschreiben mit der Bitte um Stellungnahme übermittelt.

Keine Einordnung oder Überprüfung der Höcke-Aussage

In der Sendung war Höcke unter anderem auf gegen ihn gerichtete Strafverfahren vor deutschen Gerichten zu sprechen gekommen. In diesem Kontext hatte er dort die nachweislich falsche Tatsachenbehauptung verbreitet, die nationalsozialistische SA habe „kein Motto“ gehabt. Der Politiker wurde rechtskräftig zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er den Sinnspruch „Alles für Deutschland“ in zustimmender Weise verwendet habe. Diesen hatte die SA unter anderem auf ihren Dolchen verwendet.
Die Landesanstalt hatte die Prüfung mit der Begründung eingeleitet, dass die 4 Stunden und 36 Minuten lange Sendung nicht live ausgestrahlt worden sei. Dies hätte ihrer Auffassung nach ausgereicht, um mit zumutbarem Aufwand eine „Einordnung oder Überprüfung“ der Höcke-Aussage vorzunehmen. Die journalistische Sorgfaltspflicht gebiete es, „nachweislich falsche Tatsachenbehauptungen einzuordnen, zu hinterfragen oder zu korrigieren“.
Dass dies in der Sendung selbst nicht geschehen sei, habe Anhaltspunkte für eine mögliche Verletzung von Paragraf 19 des Medienstaatsvertrages geschaffen. Das Schreiben vom 15. Juni sollte, so die Medienaufsicht, als „mildestes Mittel“ dem Anbieter Gelegenheit geben, einen möglichen Verstoß zu beseitigen oder dazu Stellung zu nehmen.

Medienaufsicht sieht nachträgliche Einordnung durch öffentliche Debatte

Mittlerweile ist die Angelegenheit aus Sicht der Medienaufsicht geklärt. Im Zuge der öffentlichen Debatte, so heißt es in der Erklärung, „Debatte wurde die betreffende Aussage umfassend aufgearbeitet und richtiggestellt“. Es sei in der Berichterstattung wiederholt zur Sprache gekommen, dass die SA eine Losung gehabt habe und Höcke für deren Verwendung rechtskräftig verurteilt worden sei.
Damit sei „die im Interview selbst unterbliebene Einordnung der Falschaussage inzwischen öffentlich erfolgt“. Vor diesem Hintergrund sehe die Landesanstalt für Medien NRW „derzeit von weiteren medienaufsichtsrechtlichen Maßnahmen in vorliegendem Fall ab“.
Allerdings weist die Landesanstalt für Medien NRW erneut auf die Reichweite des Medienstaatsvertrages hin. Dieser bestimme, dass „journalistisch-redaktionelle Angebote im Netz […] denselben Sorgfaltsanforderungen unterliegen wie herkömmliche journalistische Medienangebote“.

Medienaufsicht sieht objektive Kriterien erfüllt

Nachdem Berndt das Schreiben erhalten hatte, hatte er von „Zensur“ gesprochen. Er äußerte insbesondere, dass diese ihn aufgefordert habe, seine gesamten bislang veröffentlichten Inhalte auf Einhaltung der journalistischen Sorgfaltspflichten zu prüfen. Bis heute hat Berndt etwa 300 Gespräche mit Persönlichkeiten aus Politik, Kultur, Gesellschaft und Diplomatie geführt. Viele davon dauerten mehrere Stunden.
Der Podcaster hatte es in Abrede gestellt, dass es sich bei seinem Podcast um ein journalistisches Format handele. Er äußerte, „ungeskriptet“ habe eher den Charakter eines Alltagsgesprächs „wie bei einem Kaffee“ – bei dem allerdings eine Kamera mitläuft.
Aus Sicht der Medienaufsicht hingegen erfüllt die Sendung die objektiven Kriterien für ein journalistisch-redaktionelles Telemedium. Solche Angebote unterliegen der journalistischen Sorgfaltspflicht, wenn sie „geschäftsmäßig angeboten“ werden und darin „regelmäßig Nachrichten oder politische Informationen enthalten sind“.
Seit 2020 hat die Medienanstalt zufolge zwei Verfahren gegen journalistisch-redaktionelle Telemedien geführt. Von diesen sei eines eingestellt worden. In den meisten Fällen hätten Adressaten von Hinweisen nach dem Medienstaatsvertrag entsprechende Inhalte angepasst. Ben Berndt hatte ein solches Vorgehen jedoch abgelehnt und einen Anwalt eingeschaltet.
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Spannungen in Ceuta steigen: „Es wird einen Aufstand geben“


In Kürze:

  • Nach dem Massenzustrom von Migranten im Juli demonstrierten über 1.000 Einwohner in Ceuta am 20. September 2026 für deren Ausweisung.
  • Die anhaltende Präsenz von Tausenden Menschen in der kleinen spanischen Enklave belastet die Infrastruktur und erhöht die Kriminalitätsrate.
  • Während Migranten Ceuta als Tor nach Europa sehen, fühlen sich Einheimische von der Zentralregierung und Brüssel im Stich gelassen.

 
Hinter einem großen Transparent mit der Aufschrift „SOS – Invasion in Ceuta“ zogen am 20. September mehr als 1.000 Demonstranten in Richtung der marokkanischen Grenze. Sie forderten, dass die Migranten, die derzeit an den Stränden, auf den Straßen und in den öffentlichen Räumen der spanischen Enklave leben, zurückgeschickt werden.
Spanische Flaggen und Flaggen Ceutas wehten über der Menge, während sie durch die Stadt zog. Die Demonstranten skandierten Parolen wie „Ceuta ist spanisch“ und „Eindringlinge, raus hier!“ und richteten einen Großteil ihrer Wut gegen den sozialistischen spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez.
Der Marsch wurde vom örtlichen Verband der Nachbarschaftsvereine organisiert. Er fand über sieben Wochen nach dem massenhaften Grenzübertritt statt, bei dem rund 70.000 Menschen – überwiegend junge Männer – innerhalb von zwei Tagen von Marokko nach Ceuta gelangten.
Die meisten kehrten innerhalb weniger Tage nach Marokko zurück. Tausende blieben.
In der rund 83.000 Einwohner zählenden Stadt an der nordafrikanischen Küste hat die anhaltende Anwesenheit der Migranten den Druck auf Wohnraum, öffentliche Räume und andere lokale Ressourcen deutlich erhöht. Viele Einwohner sind deshalb zunehmend verärgert und sagen, ihr Alltag habe sich grundlegend verändert.

„Unsere eigene Regierung verrät uns“

„Ich bin hier, weil unsere Regierung nicht zu uns steht“, sagte Ramón, ein 56-jähriger Beamter, gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times, als er sich dem Marsch anschloss.
„Unsere Straßen sind nicht mehr sicher, und unsere Kinder sitzen in ihren Häusern fest.“
Unter den Demonstranten, die in Richtung Grenze zogen, war auch der 16-jährige Daniel, der sagte, die Situation habe ihm das Gefühl gegeben, er könne wegen der mangelnden öffentlichen Sicherheit nichts mehr „tun kann“.
Seine Mutter, Ana Belén, eine 43-jährige Mitarbeiterin im Gesundheitswesen, richtete ihren Zorn gegen die Regierung in Madrid. „Unsere eigene Regierung verrät uns“, sagte sie gegenüber Epoch Times.
„Ihre oberste Pflicht ist es, das Vaterland zu verteidigen, und nicht, die Rechte von Eindringlingen über unsere Sicherheit und unsere Bürgerrechte zu stellen. Wir zahlen unsere Steuern, und dafür sind sie bestimmt. In einer normalen Welt würden die Mitglieder dieser Regierung wegen Hochverrats vor Gericht gestellt.“
Das Büro von Sánchez reagierte nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.
Hier und da in der Menge trugen Demonstranten die blau-goldene Flagge der Europäischen Union.

Ein Demonstrant trägt eine spanische Flagge als Umhang und eine „Make Ceuta Great Again“-Kappe während eines Marsches in Richtung der Grenze von Tarajal in Ceuta, Spanien, am 20. September 2026.

Foto: Etienne Fauchaire/Epoch Times

Ceuta und Melilla – das weiter östlich an der nordafrikanischen Küste liegt – verfügen über die einzigen bedeutenden Landgrenzen der Europäischen Union zu Afrika. Diejenigen, die EU-Flaggen trugen, sagten, sie wollten damit betonen, dass das, was in Ceuta geschah, nicht einfach nur ein spanisches Problem sei.

Gefühl der Verlassenheit

„Ceuta ist Teil Europas“, sagten mehrere Demonstranten gegenüber Epoch Times und äußerten die Hoffnung, dass andere europäische Regierungen Druck auf Madrid ausüben würden, damit es handele.
„Wir tragen EU-Flaggen, weil die Regierung von Pedro Sánchez nichts unternimmt; daher hoffen wir, dass andere europäische Länder eingreifen“, sagte Ramón.
Doch die Appelle an Europa gingen mit einem Gefühl der Verlassenheit einher. „Ich bin Spanierin und ich bin Europäerin, und wir fühlen uns von unserer Regierung, von Europa, von allen völlig im Stich gelassen“, sagte Ana Belén.
Als sich der Marsch in Richtung Grenze fortsetzte, richtete sich ein Teil dieser Wut auf ein anderes Ziel.
Die Spannungen stiegen, als Vertreter von Nichtregierungsorganisationen eintrafen, um die Demonstration zu beobachten, was bei einigen Demonstranten laute Rufe auslöste. Mehrere Demonstranten erklärten gegenüber Epoch Times, sie seien der Ansicht, dass Organisationen zur Unterstützung von Migranten zur Krise beigetragen hätten, indem sie sich für Maßnahmen einsetzten, die es Migranten erleichterten, in Spanien zu bleiben.
„Diese linken NGOs werden großzügig finanziert und üben Druck auf unsere Regierung und unsere Politiker aus, Migranten zu legalisieren“, erklärte Alejandro, ein 27-jähriger Einwohner von Ceuta, gegenüber Epoch Times. „Genau das ist der Anreiz, der sie hierherbringt.“
Vertreter der NGOs in Ceuta reagierten nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme.
Ein Demonstrant fordert bei einem Protest von über 1.000 Einwohnern an der Grenze bei Tarajal die Ausweisung von Migranten und kritisiert Ministerpräsident Pedro Sánchez als „Verräter“.

Ein Demonstrant fordert bei einem Protest von über 1.000 Einwohnern an der Grenze bei Tarajal die Ausweisung von Migranten und kritisiert Ministerpräsident Pedro Sánchez als „Verräter“.

Foto: Etienne Fauchaire/Epoch Times

Sicherheitsbedenken als „subjektiv“ abgetan

Viele Demonstranten richteten ihre Wut am Sonntag zudem gegen den spanischen Innenminister Fernando Grande-Marlaska, der am 8. September das Unsicherheitsgefühl der Einwohner von Ceuta als „subjektiv“ bezeichnet hatte.
Fünf Tage später veröffentlichte der Notrufdienst 112 von Ceuta Zahlen, die einen starken Anstieg der Zahl der Vorfälle zeigten, die er zwischen dem Beginn der Massenüberquerungen am 30. Juli und dem 10. September bearbeitet hatte, wie die spanische Nachrichtenagentur EFE berichtete. Die Zahl lag um 532,6 Prozent höher als im gleichen Zeitraum des Jahres 2025.
In diesem Zeitraum wurden mehr als 7.000 Vorfälle bearbeitet, während die Notrufzentrale mehr als 9.200 Anrufe von Einwohnern entgegennahm, die Probleme in der ganzen Stadt meldeten. Laut dem Bericht machten Übergriffe 19,2 Prozent der Fälle aus und Fälle von Hausfriedensbruch 11,8 Prozent.
Einwohner wie José, ein Rentner, der mit Epoch Times sprach, erleben diese Veränderung tagtäglich.
„Die Straßen in manchen Stadtvierteln sind gefährlich“, sagte er. „Was das Zusammenleben angeht, ist die Situation schlichtweg unhaltbar. Es ist sehr schwer, wirklich sehr schwer.“
José sagte, er wolle, dass die Migranten nach Marokko zurückgeschickt werden, und argumentierte, dass ein Verbleib nur andere dazu ermutige, die gleiche Reise zu versuchen.

Kampf um einen Platz im neuen Lager

Der Protest fand nur zwei Tage nach einer chaotischen Polizeiaktion statt, die den Druck verdeutlichte, den der Zustrom von Migranten auf die Enklave ausübt.
Kurz vor 7 Uhr morgens am 18. September begann die Polizei, Tausende Migranten von zwei Stränden in Richtung eines neu errichteten Zeltlagers am Hafen zu verlegen. Was als geordneter Zug begann, artete schnell in einen Ansturm aus, als die Migranten losrannten, um als Erste die Anlage zu erreichen.
Es gab einen offensichtlichen Grund für das Gedränge: Das neue Lager bot nur Platz für 1.700 Menschen, während allein am Strand von El Trampolín nach Angaben der Stadtverwaltung rund 4.500 Migranten in provisorischen Siedlungen übernachtet hatten.
Junge Männer versuchten, sich durch die Polizeisperre zu schlängeln und den Weg zu den Toren zu nehmen. Die Bereitschaftspolizei reagierte mit Schlagstöcken und feuerte Gummigeschosse in die Luft, während sie versuchte, die Menge unter Kontrolle zu halten. Aufnahmen der Auseinandersetzung verbreiteten sich rasch in den sozialen Medien und erzielten Millionen Aufrufe.
„Wir sind wirklich am Limit“, sagte Paula, eine Hausfrau aus der Nachbarschaft, am nächsten Tag gegenüber Epoch Times. „Was hier passiert ist, war schrecklich.“
Der Platzmangel im Lager spiegelt die umfassendere Herausforderung wider, vor der die Stadt steht.
Migranten vor den Zelten des neuen Aufnahmezentrums „Los Rosales“ in Ceuta am 12. September 2026 nach ihrer Verlegung aus dem Lager Loma Colmenar.

Migranten vor den Zelten des neuen Aufnahmezentrums „Los Rosales“ in Ceuta am 12. September 2026 nach ihrer Verlegung aus dem Lager Loma Colmenar.

Foto: Antonio Sempere/AFP via Getty Images

Ein dichtes Lager aus Zelten und Planen bedeckt am 19. September 2026 den Strand Playa de Benítez in Ceuta (Spanien).

Ein dichtes Lager aus Zelten und Planen bedeckt am 19. September 2026 den Strand Playa de Benítez in Ceuta (Spanien).

Foto: Etienne Fauchaire/Epoch Times

Von den rund 70.000 Menschen, die am 30. und 31. Juli nach Ceuta gelangten, kehrten laut spanischen Behörden etwa 90 Prozent innerhalb von drei Tagen nach Marokko zurück.
Die Schätzungen darüber, wie viele geblieben sind, wurden immer weiter nach oben korrigiert. Die spanische Regierung beziffert die Zahl der Migranten mittlerweile auf 10.000. Die Regierung von Ceuta geht dagegen von mindestens 13.000 Menschen aus, die sich in der Enklave aufhalten – einem Gebiet von nur 7 Quadratmeilen mit rund 83.000 Einwohnern.
Und trotz der Bemühungen, Tausende Menschen in offiziellen Unterkünfte unterzubringen, sind die improvisierten Siedlungen, die Teil des Stadtbildes von Ceuta geworden sind, nicht verschwunden.

„Eine eigene Stadt“

In weiten Teilen der Enklave haben sich informelle Lager etabliert, die, wie mehrere Einwohner gegenüber Epoch Times beschrieben, „eine eigene Stadt“ bilden.
Entlang der Strände von Benítez und El Trampolín haben sich nur wenige Schritte vom Meer entfernt Reihen improvisierter Unterkünfte gebildet. Schilfstangen und Reet bilden die Gerüste der dicht gedrängten Hütten, während Pappe, Stoffbahnen, Plastik und Klebeband dazu dienen, die Lücken zu schließen und einen gewissen Schutz vor der Witterung zu bieten.
Die Lager haben eine eigene rudimentäre Wirtschaft entwickelt. An provisorischen Ständen entlang des Strandes werden Zigaretten, Lebensmittel, Getränke und andere Dinge des täglichen Bedarfs zu niedrigen Preisen verkauft.
Provisorische Zelte drängen sich am 19. September 2026 am Strand Playa de Benítez in Ceuta (Spanien), nachdem mehr als 2.000 Menschen keinen Platz in dem neuen, für 1.700 Personen ausgelegten Lager am Hafen erhalten hatten.

Provisorische Zelte drängen sich am 19. September 2026 am Strand Playa de Benítez in Ceuta (Spanien), nachdem mehr als 2.000 Menschen keinen Platz in dem neuen, für 1.700 Personen ausgelegten Lager am Hafen erhalten hatten.

Foto: Etienne Fauchaire/Epoch Times

Nur wenige Schritte von der Siedlung Benítez entfernt betreibt der 52-jährige Jalid ein kleines Restaurant.
„Sie haben uns unser tägliches Leben geraubt, sie haben uns unseren Sommer geraubt, sie haben den Kindern die Parks genommen“, sagte er gegenüber Epoch Times.
„Ich nenne das keine Krise. Ich nenne es eine Invasion.“
Im Lager selbst beschrieben die Männer, die mit der Epoch Times sprachen, ihre Zeit in Ceuta jedoch als vorübergehend.
Keiner von ihnen gab an, sich in der Enklave ein Leben aufbauen zu wollen. Stattdessen sahen sie Ceuta als Tor zum europäischen Festland und als Aussicht auf Löhne, die weit über dem lagen, was sie zu Hause verdienen konnten.
Der 39-jährige Mustapha sagte, er habe in Marokko als Pizzabäcker gearbeitet und etwa 350 Euro im Monat verdient. Yassine, ein 22-jähriger Mechaniker, und Ahmed, ein 23-jähriger Stuckateur, gaben an, jeweils rund 300 Euro im Monat verdient zu haben.
Alle drei sagten, niedrige Löhne und begrenzte wirtschaftliche Perspektiven hätten sie dazu getrieben, die Reise anzutreten, nachdem in den sozialen Medien Beiträge über die Massenüberquerung weit verbreitet worden waren.
Was sie in Ceuta vorfanden, war weit entfernt von der Zukunft, auf die sie gehofft hatten.
Sie beschrieben das Leben im Strandlager als einen täglichen Kampf, geprägt von schlechten hygienischen Verhältnissen, geringer Sicherheit und manchmal nur einer Mahlzeit pro Tag. Gelegentlich komme es zu Schlägereien unter den Migranten, sagten sie, oft nach Diebstählen.
Ceuta, 19. September 2026: Ein improvisierter Unterschlupf aus Schilf und Plastikplanen am Strand Playa de Benítez. (Gesicht auf Wunsch unkenntlich gemacht)

Ceuta, 19. September 2026: Ein improvisierter Unterschlupf aus Schilf und Plastikplanen am Strand Playa de Benítez. (Gesicht auf Wunsch unkenntlich gemacht)

Foto: Etienne Fauchaire/Epoch Times

Jalid sagte, dass viele der Männer, die nur ein Stück entfernt von seinem Restaurant lebten, vielleicht gar nicht mit der Absicht gekommen seien, Ärger zu machen. Doch für ihn ändert das kaum etwas daran, was ihre Ankunft für die Menschen bedeutet, die bereits dort leben.
„Es gibt wahrscheinlich viele gute Menschen unter ihnen“, sagte er, „aber alle verfolgen rücksichtslos ihre eigenen Interessen, ohne sich darum zu kümmern, wie sich ihre Anwesenheit auf die Menschen auswirkt, die hier leben, oder dass sie illegal und gewaltsam hierhergekommen sind.“

„Es wird einen Aufstand geben“

Dieses Gefühl der Frustration spiegelte sich während des gesamten Marsches am Sonntag wider. Nach mehr als sieben Wochen, in denen sie mit den Folgen der massenhaften Grenzübertritte leben mussten, sagten viele Demonstranten, sie hätten es satt, darauf zu warten, dass die Regierung die Situation löse.
„Wir halten es nicht mehr aus, deshalb sind wir hier an die Grenze gekommen, damit man uns zuhört“, sagte Miguel Ángel, ein Verkäufer, gegenüber Epoch Times. „Aber wenn nichts passiert, müssen wir dann die Sache selbst in die Hand nehmen?“
Ceuta, 20. September 2026: Einwohner demonstrieren mit spanischen und lokalen Flaggen entlang der Küstenstraße Richtung Tarajal-Grenze.

Ceuta, 20. September 2026: Einwohner demonstrieren mit spanischen und lokalen Flaggen entlang der Küstenstraße Richtung Tarajal-Grenze.

Foto: Etienne Fauchaire/Epoch Times

Demonstranten spannen eine große spanische Flagge auf und schwenken spanische Flaggen sowie Flaggen von Ceuta und der EU vor dem Grenzübergang Tarajal am Ende eines Marsches in Ceuta, Spanien, am 20. September 2026.

Demonstranten spannen eine große spanische Flagge auf und schwenken spanische Flaggen sowie Flaggen von Ceuta und der EU vor dem Grenzübergang Tarajal am Ende eines Marsches in Ceuta, Spanien, am 20. September 2026.

Foto: Etienne Fauchaire/Epoch Times

Ana Belén beschrieb eine Stadt, deren Geduld am Ende ist.
„Wenn jemand illegal in dein Land einreist, sollte er innerhalb von 48 Stunden zurückgeschickt werden“, sagte sie. „Wir brauchen Taten, keine Worte. Die Einwohner haben die Reden satt. Wenn nichts passiert, wird es einen Aufstand geben.“
Für sie ließ sich die Veränderung, die Ceuta in den vergangenen Wochen durchgemacht hatte, einfach zusammenfassen.
„Wir, die Einwohner von Ceuta, leben derzeit so, als befänden wir uns in einem einzigen großen Flüchtlingslager“, sagte sie.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „On the Streets of Ceuta, Tensions Rising Amid Migrant Crisis“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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KI-Entwicklung verlangsamen: Ist das realistisch?

Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasanter als je zuvor – und mit ihr die Fragen nach Kontrolle, Sicherheit und den Grenzen des technisch Machbaren. Im Gespräch mit Epoch Times ordnet der deutsche Wirtschaftspsychologe, Unternehmer und KI-Experte Christoph Burkhardt ein, wie ernst es Unternehmen wie Anthropic und OpenAI mit ihren eigenen Warnungen vor der Technologie meinen, welche Risiken der Einsatz von KI in kritischer Infrastruktur wie Energie, Telekommunikation und Logistik birgt und warum autonome KI-Agenten aus seiner Sicht eine der größten Gefahren der kommenden Jahre darstellen.
Burkhardt, der seit Jahren im Silicon Valley lebt und arbeitet, gründete unter anderem das Unternehmen TinyBox, die Burkhardt Group sowie 2023 das AI Impact Institute. Er tritt zudem international als Keynote-Speaker zu Künstlicher Intelligenz, Innovation und Zukunftstechnologien auf und veröffentlichte 2025 das Buch „AI Done Right“.
Anthropic-CEO Dario Amodei fordert die KI-Branche auf, die Entwicklung von KI-Modellen zu verlangsamen, da die Fähigkeiten der Systeme schneller wachsen könnten als unsere Möglichkeiten, sie zu verstehen und zu kontrollieren. Sehen Sie diese Gefahr auch – und ist das überhaupt realistisch?
Das ist eine gute Frage. Die Gefahr, dass sich KI selbstständig macht und außerhalb unserer Kontrolle operiert, besteht natürlich ab einem bestimmten Punkt. Auf der anderen Seite sehen sich gerade Anthropic und OpenAI in einem Kampf um das Überleben. Aus der PR-Brille gesehen ist es natürlich sinnvoll, Forderungen zu machen und nach Regulierung zu fragen. Aber ob es hier wirklich um einen ernst gemeinten Versuch geht, die Geschwindigkeit der Entwicklung rauszunehmen, halte ich für unrealistisch, da beide Unternehmen um die Spitze kämpfen müssen.
KI ist mittlerweile in so vielen Bereichen aktiv eingebunden. KI allgemein zurückzufahren macht nicht in allen Bereichen Sinn.
KI wird zunehmend in kritischen Bereichen der Gesellschaft eingesetzt – Energie, Telekommunikation, Internet, Logistik und Lebensmittelversorgung. Birgt das nicht ein Risiko für unsere Infrastruktur, und wie kann eine rein friedliche Nutzung zum Wohle der Menschheit sichergestellt werden?
Das ist eine der größten Fragen überhaupt. Diese Sicherheit kann die KI, so wie sie heute gebaut ist, gar nicht gewährleisten. Eine 100-prozentig zuverlässige Künstliche Intelligenz, so wie es sich Europa wünscht, kann es aufgrund der statistischen Arbeitsweise von diesen Modellen gar nicht geben. Da ist immer noch eine Fehlerquote drin. Aber dass wir die 100-Prozent-Lösung in allen Systemen, zu allen Zeiten – vor allem bei allen kritischen Systemen – in den nächsten anderthalb Jahren hinbekommen, ist nicht abzusehen.
Wenn man das autonome Fahren als Beispiel nimmt, war für die Amerikaner schnell klar: Wenn das Auto besser fährt als der Mensch, ist das gut genug. Genau das ist die Frage, die sich uns stellt: Was ist für uns gut genug? Bei mancher kritischen Infrastruktur werden wir sehr nah an die 100 Prozent heranmüssen und wahrscheinlich noch sehr viel Mensch mit im Kreislauf lassen müssen.
Das heißt, wir brauchen sehr viele Menschen, die die Maschinen beobachten, und sehr viel Maschine, die auch den Menschen beobachtet, um Fehler auszumerzen. Und die Frage ist: Kann die Maschine helfen, diese Fehler zu beseitigen? Dann hat sie absolut eine Berechtigung, da zu sein.
Interessant wird es natürlich bei Cyberattacken, die über die Landesgrenzen hinausgehen. Da besteht eine tatsächliche Gefahr. Dieselben Leute, die die Cyberattacken mit KI kontrollieren und ansetzen, müssen uns auch in der Verteidigung vor Cyberattacken schützen. Wer da gewinnt, ist noch völlig unklar. Aber es sind beide Seiten, die massiv aufrüsten.
Die KI hat sich in wenigen Jahren mit Riesensprüngen entwickelt. Können unsere Sicherheitsmechanismen mit diesem Tempo mithalten?

Ich glaube tatsächlich, dass das in den nächsten zwei bis fünf Jahren eine große Herausforderung wird. Da werden wir sicher sehr viele Betrugsfälle sehen. Sie [die KI] gewinnt Vertrauen schneller, als wir das jemals zuvor mit einer Technologie hatten.

Beim Internet war noch klar, dass wir uns einloggen und dann unsere Daten preisgeben. Bei KI ist das alles nicht mehr so sichtbar, was wir da eigentlich preisgeben. Und die größte Gefahr, die ich sehe, ist, dass Menschen nicht mitkommen zu verstehen, dass sie gerade mit einer Maschine interagieren – und deshalb nicht erkennen und sehr bewusst entscheiden, was sie ihr geben und was sie ihr nicht geben.

Wenn wir uns heute anschauen, was die Hauptnutzung von Chatbots wie ChatGPT und Co. ist – nämlich die Nutzung für ein persönliches Gespräch –, dann sind das die persönlichsten Daten überhaupt.

Wir vergessen zu schnell, dass wir eben nicht mit einem Menschen interagieren. Und ich glaube, wir brauchen eine große Bildungsoffensive, um Leuten das klarzumachen und sie genauso wie beim Internet vor diesen Fallen zu warnen. Und das müssen wir viel, viel schneller machen, als wir es beim Internet getan haben.
Ich sehe auch, dass die EU-Regulierung da schneller greifen muss, um diese Leitplanken aufzusetzen, damit Leute in bestimmten Fällen besser geschützt sein können, als sie es heute sind. Wenn wir zum Beispiel überlegen, dass generierte Texte ein Wasserzeichen oder eine Art Wasserzeichen enthalten sollten, das man nicht entfernen kann – solche Sachen halte ich für absolut wichtig.
Genauso, dass, wenn wir künstliche Filmschnipsel generieren, in denen aber echte Menschen auftauchen, es einen Mechanismus geben muss, an dem man erkennt, dass das KI-generiert ist. Also, das Labeling muss passieren.
Mehrere KI-Entwickler haben eingeräumt, dass ihre Modelle unbeabsichtigt in fremde Unternehmens-IT eingedrungen sind, ähnlich einem Hackerangriff. Wie können sich Privatanwender davor schützen, Opfer eines außer Kontrolle geratenen KI-Modells zu werden?
Das eine sind die großen Unternehmen, deren Agenten gerade abhauen. Es ist fast schon so, dass man das auf deren Seite als Bestätigung der eigenen Fähigkeiten sieht, wenn die Agenten so gut sind, dass sie sogar ihre eigenen Systeme verlassen und Dinge tun, zu denen sie nicht angeleitet wurden. Und es ist auch kein Zufall, dass wir das erst bei Anthropic sehen und zwei Wochen später bei OpenAI dasselbe passiert. Denn im Grunde ist das eine Entwicklung, die fast schon gepusht wird, dass das jetzt passieren soll.
Die größte Gefahr besteht in völlig autonomen Agenten, die einfach selbst entscheiden, was sie tun. Das ist eine Entwicklung, die können wir uns in fast keinem Bereich leisten. Das Problem ist, wir selbst als Nutzer können das nicht steuern. Das muss entweder reguliert werden oder es muss von den Unternehmen selbst eingestellt werden. Da sehe ich im Moment im Silicon Valley noch nicht genug Druck, zu sagen, das stellen wir selbst ab. Es ist eher so, dass man die agentische Intelligenz so stark nach vorne bringen will, dass sie auch autonom funktioniert. Und das ist eine große Gefahr. Die sehe ich auch, aber die liegt leider nicht in der Hand der Nutzer.
Der Ruf nach gemeinsamen Standards für Kleinunternehmen im Umgang mit KI-Modellen wird lauter. Wie könnten solche Standards aussehen?
Wenn ich es noch mal mit dem Internet vergleichen würde: Wir haben jetzt die ersten Standards dafür gesetzt, wie Leute eine Website online stellen. Wir stehen noch ganz am Anfang. Das fühlt sich zwar so an, als würde das wahnsinnig schnell gehen, aber wir haben immer noch gar nichts gesehen.
Die Welt wird in fünf Jahren völlig anders aussehen, und es ist einfach heute nicht absehbar, was wir da eigentlich regulieren. Wir können versuchen, grundsätzliche Standards zu schaffen, so wie wir es bei Strom und Internet auch hinbekommen haben, damit zumindest die ganze Welt teilhaben kann und die Anwendung dieser Modelle auf möglichst viele Köpfe verteilt wird. Das ist aus meiner Sicht die größte Hoffnung, die wir haben.
Je mehr Leute sich beteiligen, desto mehr Leute schaffen Alternativen und finden gute Anwendungen. Die Gefahr ist, dass wir auch in diesen Bereichen wieder zu viele Monopolisten bekommen, die mit sehr wenigen Köpfen entscheiden, was die anderen machen müssen.
Wenn Maschinen immer mehr menschliche Fähigkeiten kopieren, der Mensch aber selbst zunehmend technologisch denken muss – geht dabei nicht auch ein Stück Menschsein verloren? Ist das ein Szenario?
Das ist ein Szenario. Und ich glaube auch, dass wir Menschen in den letzten 20 Jahren wahrscheinlich sehr dazu getrieben haben, sich eigentlich wie Maschinen zu benehmen. Und jetzt kommt der große Knall: Alle, die sich wie eine Maschine benehmen – vor allem in ihrer Arbeit, ihrem Erzeugnis, ihrem Wert in der Wertschöpfung –, werden durch eine Maschine ersetzt, die eben genau dasselbe kann.
Was wir im Gegenzug eigentlich brauchen, ist, dass wir als Menschen verstehen, was uns menschlich macht und was unsere Intelligenz auch völlig anders macht als die Intelligenz einer Maschine. Also unser kreatives Element, wirklich Neues zu schaffen, das Originelle zu entwickeln – das ist eine Fähigkeit, die der KI noch fehlt. Wir wissen nicht, ob sie da jemals hinkommt.
Wir sehen es zum Beispiel im Customer Service: Die ganzen Bots, die jetzt bei uns ans Telefon gehen, wissen Kunden nicht immer zu schätzen. Schafft man eine Hotelrezeption einfach ab, geht plötzlich die Loyalität der Gäste zurück, weil sie sich eigentlich das individuelle Gespräch mit der Person an der Rezeption wünschen.
Und was sehen wir daraus? Das ist eigentlich eine große Chance für uns. Nämlich dass alles, was kein Mensch für einen anderen Menschen macht, die Maschine abnimmt – und was übrig bleibt, sind eben die Fertigkeiten, für die Menschen eigentlich gemacht sind: zu interagieren, kollektiv zu denken, kollektive Intelligenz zu bauen, Ideen weiterzuentwickeln.
Deswegen haben wir ja Unternehmen, die nicht nur aus Einzelpersonen und 25 Agenten bestehen. Das ist sehr, sehr selten passiert und nur in ganz kleinen Nischen, und es kann nicht das Modell für viele Leute und viele Unternehmen werden. Das ist unrealistisch, weil wir als Menschen immer noch etwas an den Tisch bringen: Einzigartigkeit.
Wir haben einzigartige Lernerfahrungen, einzigartige Informationen über die Welt, die erst wertvoll werden, wenn wir sie mit anderen Leuten teilen, die diese Informationen nicht haben. Und das macht die Maschine nicht. Das heißt, aus Menschen das herauszuholen, was uns einzigartig und wertvoll macht – das wird die große Aufgabe der nächsten Jahre sein.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Erik Rusch.
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So entfliehen Sie der Handysucht – auch langfristig


In Kürze:

  • Digitale Entgiftungskuren nützen nur kurzfristig, da man nach dem Verzicht wieder in das normale Leben mit Bildschirmen zurückkommt.
  • Auch Zwang hilft wenig, weil das Gehirn schon auf schnelle Entspannung durch das Handy eingestellt ist.
  • Um die Macht der Gewohnheit zu brechen, sollte man schauen, welche Belohnung man von der Bildschirmzeit erwartet – und ob sie tatsächlich eintritt.
  • Verschiedene Tipps können helfen, langfristig nicht bei jeder freien Minute das Handy zu zücken.

 
Eine digitale Auszeit bringt kurzzeitig viel: Nach ein paar Tagen ohne soziale Medien, endloses Scrollen oder Gaming schlafen viele Menschen besser und fühlen sich geistig weniger zerstreut. 
Auch merken sie erst da, wie viel Aufmerksamkeit ihre Bildschirme zuvor in Anspruch genommen haben. 
Doch dann schleicht sich das echte Leben wieder ein, und man landet wieder bei den alten Gewohnheiten. 
Die Herausforderung besteht also nicht nur darin, sich vom Bildschirm zu lösen. Es geht vielmehr darum, die Gewohnheiten und Belohnungen zu ändern, die uns wieder in die digitale Abhängigkeit zurückziehen.

Warum Willenskraft oft versagt

„Bei Entgiftungskuren wird der Bildschirm als das Problem und der vollständige Verzicht als die Lösung betrachtet“, erklärte Dr. Judson Brewer in einer E-Mail gegenüber Epoch Times. „Aber bei Gewohnheiten geht es nicht wirklich um die Droge. Es geht um den zugrunde liegenden, belohnungsbasierten Lernkreislauf“, so der Suchtpsychiater, Neurowissenschaftler und Autor von „The Craving Mind“.
Viele Menschen greifen zum Handy, sobald sie Langeweile, Einsamkeit oder Unsicherheit empfinden. Mit der Zeit lernt das Gehirn, diese Gefühle mit der schnellen Entspannung zu verbinden, die ein Handy bieten kann.
„Das Gehirn hat bereits gelernt, dass das Greifen nach dem Handy zuverlässig für Ablenkung oder Stimulation sorgt“, sagte Brewer. „Man ist nicht willensschwach. Das eigene Gehirn ist gut trainiert.“
Erlernte Gewohnheiten lassen sich noch schwerer überwinden, weil Menschen nach einer digitalen Entgiftung in Umgebungen zurückkehren, die mit digitalen Reizen übersättigt sind. Benachrichtigungs-Pop-ups, vibrierende Handys, automatisch abspielende Videos und endlose Feeds erinnern die Menschen nicht nur daran, ihre Geräte zu überprüfen. Sie verstärken auch kontinuierlich die Gewohnheiten, die sie abzulegen versuchen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Suchtverhalten lassen sich digitale Reize kaum vermeiden, da Handys und Bildschirme fest im Alltag verankert sind.
„Wie Pawlow’sche Hunde beginnen wir bei Suchtreizen zu sabbern und müssen dann enorme Willenskraft aufbringen, um zu widerstehen“, meinte Dr. Anna Lembke in einer E-Mail an Epoch Times.
„Diese Suchtreize selbst setzen Dopamin im Belohnungssystem des Gehirns frei, was den Verzicht umso schwieriger macht“, ergänzte die medizinische Leiterin für Suchtmedizin an der Stanford University School of Medicine und Autorin von „Die Dopamin-Nation: Balance finden im Zeitalter des Vergnügens“.

Automatische Bildschirmgewohnheiten erkennen

Die Tendenz, in alte Gewohnheiten zurückzufallen, bedeute nicht, dass digitale Entgiftungskuren nutzlos sind, erklärte Dr. Clifford Sussman gegenüber Epoch Times.
Schon wenige Tage fernab von hochstimulierenden digitalen Inhalten könnten genügend Abstand schaffen, um zu erkennen, wie automatisch die eigenen Bildschirmgewohnheiten geworden sind, so der Entwicklungspsychiater und Pionier bei der Erkennung und Behandlung von Internet-Spielsucht.
Doch im Gegensatz zu Ansätzen, die auf völligem Verzicht basieren, müssen die meisten Menschen irgendwann wieder an die Bildschirme zurückkehren – für Arbeit, Schule und den Alltag.
Genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung, und hier kann eine dauerhafte Veränderung geschehen.

Sich fragen: Was steckt hinter der Gewohnheit?

Wer seine Bildschirmgewohnheiten ändern will, sollte seinem Verhalten mit Neugier begegnen, empfiehlt der Suchtpsychiater Brewer.
Dafür sollte er den Drang zum Scrollen nicht mit aller Kraft unterdrücken. Vielmehr sollte er genauer und ohne Vorurteile darauf achten, welche Belohnung er sich von der Bildschirmzeit verspricht, und ob diese tatsächlich eintrifft.
„Oft stellt man fest, dass die Belohnung viel weniger befriedigend ist, als sie das Gehirn vorhersagte“, meinte Brewer. „Diese Diskrepanz zwischen erwarteter und tatsächlicher Belohnung ist es, die das Lernen aktualisiert.“
Beispielsweise greift jemand vielleicht nach seinem Handy, weil er erwartet, Langeweile oder Angst zu lindern. 30 Minuten später stellt er allerdings fest, dass er sich abgelenkter, emotional erschöpfter oder überforderter fühlt als zuvor. Wenn man diesen Widerspruch erkennt – was den Drang auslöste, was man sich erhofft hatte, wie man sich tatsächlich fühlte –, schwächt das nach und nach den Automatismus.
„Die Gewohnheit verliert ihre Macht nicht durch Zwang, sondern durch klarere Vernunft“, sagte Brewer dazu.

Die freie Zeit füllen

Sich der Gewohnheit bewusst zu werden, kann diese schwächer machen. Doch das allein kann nicht die Zeit und Aufmerksamkeit füllen, die frei werden, wenn man das Scrollen aufgibt.
Einer der verwirrendsten Aspekte einer digitalen Entgiftung ist die Erkenntnis, wie viel leeren Raum Bildschirme routinemäßig einnehmen: beim Warten auf den Kaffee, beim Mittagessen, in Pausen zwischen Aufgaben oder abends im Bett. Sobald diese Gewohnheiten unterbrochen werden, stehen viele Menschen vor stundenlanger unstrukturierter Zeit, die sie nicht zu füllen wissen.
Deshalb ermutigt Sussman seine Patienten, sich in solchen Fällen nicht komplett neu zu erfinden, sondern auf bereits bestehenden Interessen aufzubauen. 
Das kann bedeuten, einem Sportverein beizutreten, ehrenamtlich tätig zu werden, einen Malkurs zu besuchen, mit Freunden zu kochen oder einfach mehr Zeit mit anderen Menschen zu verbringen, ohne dass Geräte im Mittelpunkt der Interaktion stehen.
Das Ziel sei nicht einfach, eine Stimulationsquelle zu entfernen, sondern andere Aktivitäten zu finden, die sich wirklich lohnend anfühlen, so der Psychiater.

Tipps für mehr Selbstkontrolle

Darüber hinaus empfiehlt Lembke verbindliche praktische Barrieren. Diese helfen, Menschen von ihren zwanghaftesten digitalen Verhaltensweisen fernzuhalten. Dazu gehört:
  • Handys außerhalb des Schlafzimmers aufladen.
  • Social-Media-Apps vom Startbildschirm entfernen.
  • Soziale Medien nur zu bestimmten Tageszeiten nutzen.
  • Gerätefreie Zonen rund um Mahlzeiten und Schlaf schaffen.
Es ist auch wichtig, andere Personen an Bord zu holen. Familienmitglieder oder Partner können helfen, indem sie gemeinsame Grenzen setzen. Eltern können zudem die Gewohnheiten vorleben, die sie bei ihren Kindern sehen möchten. Denn Familiennormen sind in der Regel wirksamer als Regeln, die sich nur an Kinder richten.

Sich nicht von Rückfällen entmutigen lassen

Menschen, die versuchen, ihre Bildschirmgewohnheiten zu ändern, verfallen oft wieder in alte Muster: Gelöschte Apps werden neu installiert, Abende werden nach einer stressigen Woche mit Scrollen vergeudet. Auch können sie in vertraute Routinen zurückfallen, von denen sie dachten, sie hätten sie sich abgewöhnt.
„Rückfälle sind Teil der Verhaltensänderung“, so Sussman. „Wichtig ist, zu verstehen, was den Rückfall ausgelöst hat und wie schnell man sich davon erholt.“
Eine gesündere Beziehung zur Technik entsteht nicht allein durch eine dramatische Entgiftungskur am Wochenende. Sie entwickelt sich schrittweise: durch größeres Bewusstsein, bessere Routinen, ein unterstützendes Umfeld und wiederholte Kurskorrekturen.
Das Ziel ist nicht, ein Leben ohne Handy zu leben. Das Ziel ist vielmehr ein Leben, in dem das Handy nicht mehr die automatische Antwort auf jeden leeren Moment ist.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Digital Detox Is Easy Short-Term. Here’s How to Make It Last.“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Wie 2 Minuten heute Ihr morgiges Ich beflügeln können

Zwar gibt es keine Garantie dafür, dass der morgige Tag einfach wird, aber es gibt ein paar Dinge, die Sie heute tun können, um die Chancen zu Ihren Gunsten zu verbessern. Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass diese kleinen Momente des Belohnungsaufschubs zu den wichtigsten Bausteinen für ein erfolgreiches und glückliches Leben gehören.
Wenn Sie sich heute 2 Minuten Zeit nehmen, um den morgigen Tag besser zu gestalten, tun Sie Ihrem zukünftigen Ich etwas Gutes. Sie sagen damit: „Liebes zukünftiges Ich, ich wünsche dir einen tollen Tag, und ich bin bereit, dir dabei zu helfen.“ Wie großartig ist es doch, wenn Ihr Lieblingsmensch (Sie selbst) jeden einzelnen Tag auf Sie achtet?
Das Schöne an diesen kleinen Gesten ist nicht die Zeit, die Sie dadurch sparen, sondern der kleine Schwung, den sie Ihnen zu Beginn des Tages verleihen. Wenn Sie sich gut fühlen, tun Sie Gutes – und das setzt sich fort, indem Sie gute Entscheidungen treffen, die sich gegenseitig verstärken. Die folgenden Punkte sollen Ihnen lediglich als Inspiration dienen – ein paar Dinge, die meiner Frau und mir besonders geholfen haben.

Sieben Maßnahmen für ein besseres Morgen

Diese Liste hat nichts besonders Magisches an sich. Wenn es Ihnen so geht wie mir, werden Sie wahrscheinlich sogar denken, dass die Maßnahmen nicht mutig genug sind und die Schritte zu klein, um wirklich etwas zu bewirken. Das ist die Denkweise von jemandem, der auf die perfekte Idee wartet, bevor er handelt. Wenn Sie diese Tipps jedoch einmal ausprobiert haben, werden Sie vielleicht nie wieder darauf verzichten wollen.

1. Sehen Sie sich den Kalender für morgen an

Werfen Sie einen Blick auf den Zeitplan und prüfen Sie, was auf dem Programm steht. Allein schon das Bewusstsein dafür, was ansteht und wo Sie sein müssen, vermeidet Überraschungen. Achten Sie darauf, dass Sie zwischen den einzelnen Terminen genügend Zeit haben – etwas Puffer, damit Sie unterwegs auch den Duft der Rosen genießen können.

2. Erstellen Sie eine Prioritätenliste

Ich halte nichts von detaillierten Plänen oder langen To-do-Listen. Wenn Sie das bevorzugen, nur zu. Alles, was Sie wirklich brauchen, ist, die wichtigen Dinge aufzuschreiben, die Sie erledigen müssen. Der Schlüssel liegt nicht darin, sich alles zu notieren, sondern darin zu entscheiden, was am wichtigsten ist. Das dauert nur ein paar Minuten.
Ein paar wichtige Punkte für den kommenden Tag planen... Foto: stockbusters/iStock

Planen Sie ein paar wichtige Punkte für den kommenden Tag.

Foto: Stockbusters/iStock

3. Legen Sie Ihre Kleidung für den nächsten Tag bereit

Das Heraussuchen Ihrer Kleidung spart Ihnen keine Zeit. Sie werden es ohnehin entweder am Abend oder am Morgen erledigen. Es ist jedoch angenehm, morgens aufzuwachen und die Kleidung bereits ausgesucht und sorgfältig gefaltet vorzufinden, sodass Sie sie nur noch anziehen müssen. Wenn Sie Sportkleidung haben, legen Sie diese zusammen mit Ihren Turnschuhen bereit, um dich zum Sport zu motivieren.
Bereit für einen neuen Tag. Foto: Dinara Ilikaeva/iStock

Bereit für einen neuen Tag.

Foto: Dinara Ilikaeva/iStock

4. Räumen Sie Ihren Hauptwohnbereich auf

Die Vorzüge eines aufgeräumten Hauses lassen sich schon mit 2 Minuten Aufwand erzielen, indem Sie den Hauptraum aufräumen. Für die meisten von uns ist das entweder die Küche oder das Wohnzimmer. Wenn dies der einzige aufgeräumte Rückzugsort in Ihrem Haus ist, werden Sie ihn vielleicht umso mehr genießen – und sich inspiriert fühlen, einen weiteren Raum in Angriff zu nehmen.

5. Bereiten Sie Ihre Kaffeemaschine vor dem Schlafengehen vor

Ich trinke keinen Kaffee, aber meine Frau schwört auf diesen kleinen Trick. Jeden Abend, nachdem sie sich die Zähne geputzt hat, geht sie in die Küche und bereitet alles für ihren morgendlichen Kaffee aus der French Press vor. Wenn sie dann aufwacht, kann sie sich innerhalb weniger Minuten ein warmes Getränk zubereiten.

6. Stellen Sie Dinge, die wegmüssen, neben die Haustür

Der rote Faden, der all diese Gewohnheiten verbindet, ist, dass es viel einfacher ist, etwas bereits Angefangenes zu beenden, als ganz von vorn anzufangen. Wenn Sie die überfälligen Bücher aus der Bibliothek oder Amazon-Rücksendepakete direkt neben der Haustür stapeln, werden Sie sich wahrscheinlich dazu veranlasst fühlen, sie auch dorthin zu bringen, wo sie hingehören. Diese 2 Minuten Mühe heute erhöhen Ihre Chancen, die Aufgabe morgen zu erledigen, erheblich.

7. Fassen Sie alle spontanen Gedanken kurz zusammen

Eine häufige Quelle von Angst oder Ablenkung sind flüchtige Gedanken, die Ihnen durch den Kopf schwirren, während Sie versuchen, Ihren Alltag zu bewältigen. Da Sie zu beschäftigt sind, um ganz innezuhalten und darüber nachzudenken, nagen sie den ganzen Tag an Ihnen. Allein das Wissen, dass Sie sich später Zeit nehmen werden, um diese zufälligen Gedanken zu verarbeiten, kann Erleichterung bringen und Ihrem Gehirn signalisieren, dass es sich nicht so viele Sorgen machen muss.
Diese zweiminütigen Gewohnheiten sind meiner Erfahrung nach so wirkungsvoll, dass Sie wahrscheinlich schon überzeugt sein werden, wenn Sie einfach eine davon nach dem Zufallsprinzip auswählen und ausprobieren. Sie zeigen, dass der schwierigste Teil darin besteht, überhaupt anzufangen. Sobald Sie in Bewegung sind und etwas Schwung haben, fällt es Ihnen leicht, weiterzumachen. Grübeln Sie also nicht zu viel über Ihre Gewohnheiten nach. Fangen Sie einfach an, ein paar kleine Routinen aufzubauen, und schauen Sie, wohin sie Sie führen.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „2-Minute Habits for an Easier Tomorrow“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Streit um Staatsanwälte: Wie viel Einfluss darf die Politik haben?


In Kürze:

  • Nach den AfD-Wahlsiegen fordert der Deutsche Richterbund, das ministerielle Weisungsrecht in einzelnen Strafverfahren abzuschaffen und damit Staatsanwaltschaften stärker vor politischer Einflussnahme zu schützen.
  • Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2019: Deutsche Staatsanwaltschaften gelten beim Europäischen Haftbefehl wegen möglicher Weisungen der Exekutive nicht als ausreichend unabhängig.
  • Über den Reformweg besteht Uneinigkeit: Während der Richterbund Einzelweisungen abschaffen will, setzen die Länder auf strengere gesetzliche Grenzen, Dokumentation und mehr Transparenz.

 
Staatsanwälte sind in Deutschland anders als Richter nicht unabhängig von Weisungen. Nach Paragraf 146 des Gerichtsverfassungsgesetzes (GVG) müssen sie den dienstlichen Anweisungen ihrer Vorgesetzten nachkommen. Beim Generalbundesanwalt und den Bundesanwälten liegt die Aufsicht laut Paragraf 147 beim Bundesjustizminister, bei den Staatsanwaltschaften der Länder bei den jeweiligen Landesjustizministern.
Diese seit Jahren in der Kritik stehende Verbindung zwischen Staatsanwaltschaften und politischer Leitung steht erneut zur Debatte.

Reaktion auf Sachsen-Anhalt: Richterbund fordert Abschaffung

Anlass ist eine Äußerung von Sven Rebehn, dem Bundesgeschäftsführer des Deutschen Richterbundes (DRB): Er hat nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ seine Forderung bekräftigt, das Weisungsrecht gegenüber Staatsanwaltschaften abzuschaffen.
Der DRB hatte dies bereits im April 2026 als Teil seiner „Weimarer Forderungen zur Resilienz der Justiz“ verlangt. Der Verband befürchte, dass die Weisungsbefugnis der Ministerien in den „falschen Händen“ die Strafverfolgung anfällig für politischen Missbrauch mache. Erst durch eine Abschaffung würde laut dem DRB Deutschland den „europäischen Standards für eine politisch unabhängige Strafverfolgung“ genügen.
Wie weit darf die politische Leitung eines Justizministeriums auf Staatsanwaltschaften einwirken? Und wie ließe sich ohne ein Weisungsrecht gewährleisten, dass Strafverfolgungsbehörden demokratisch kontrolliert bleiben?

Staatsanwälte sind keine Richter

Das deutsche Recht unterscheidet bei der Unabhängigkeit deutlich zwischen Richtern und Staatsanwälten. Richter sind nach Artikel 97 des Grundgesetzes „unabhängig und nur dem Gesetze unterworfen“. Für Staatsanwälte gilt diese Garantie nicht in gleicher Weise. Sie sind gesetzlich in eine Weisungshierarchie eingebunden.
Gleichzeitig können Staatsanwaltschaften bei der Strafverfolgung nicht frei entscheiden. Nach Paragraf 152 Absatz 2 der Strafprozessordnung müssen sie grundsätzlich einschreiten, wenn „zureichende tatsächliche Anhaltspunkte“ für eine Straftat vorliegen. Dieses sogenannte Legalitätsprinzip gehört zu den zentralen Regeln des deutschen Strafverfahrens.
Umstritten ist deshalb nicht die Bindung der Staatsanwälte an Recht und Gesetz. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob eine politische Leitung zusätzlich die Möglichkeit haben sollte, auf die Behandlung einzelner Verfahren einzuwirken.

Europäischer Gerichtshof setzte dem deutschen Modell Grenzen

Eine Zäsur brachte der 27. Mai 2019. Damals entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH), das höchste Gericht der Europäischen Union, über die Stellung deutscher Staatsanwaltschaften. Gegenstand der Entscheidung war der Europäische Haftbefehl, mit dem eine Person in einem anderen EU-Mitgliedstaat zur Strafverfolgung oder Strafvollstreckung gesucht und überstellt werden kann.
Der Gerichtshof kam zu dem Ergebnis, dass deutsche Staatsanwaltschaften die dafür geltenden Anforderungen an die Unabhängigkeit nicht erfüllten, da die Gefahr besteht, dass sie bei der Entscheidung unmittelbar oder mittelbar Einzelweisungen der Exekutive erhielten.
Der EuGH musste keinen konkreten politischen Eingriff nachweisen. Für seine Beurteilung war bereits die rechtliche Möglichkeit einer solchen Weisung von Bedeutung.
Das Urteil erklärte das deutsche Weisungssystem allerdings nicht insgesamt für unionsrechtswidrig. Es betraf nur die Frage, ob deutsche Staatsanwaltschaften als „ausstellende Justizbehörde“ für das Ausstellen eines Europäischen Haftbefehls gelten können.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hamburg spricht mit Pressevertretern im Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg im Januar 2026. (Archivfoto)

Foto: Morris MacMatzen/Getty Images

Ampelregierung plante einen Mittelweg

Die Ampelregierung unter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) plante, das Weisungsrecht nicht abzuschaffen, sondern genauer einzugrenzen. Das damalige Bundesjustizministerium unter Marco Buschmann (FDP) veröffentlichte im Mai 2024 einen Referentenentwurf zur Erhöhung der Transparenz von Anweisungen gegenüber Staatsanwaltschaften.
Der Entwurf sah vor, die Voraussetzungen für Weisungen ausdrücklich im Gerichtsverfassungsgesetz festzuschreiben. Zulässig sollten sie unter anderem sein, um rechtswidrige Entscheidungen zu verhindern oder wenn ein tatsächlicher oder rechtlicher Entscheidungs- beziehungsweise Beurteilungsspielraum bestehe.
Externe Weisungen sollten zudem grundsätzlich in Textform erfolgen und begründet werden. Das Ministerium entschied sich damit für den Ansatz: Weisungsrecht behalten, Grenzen genauer bestimmen sowie Eingriffe nachvollziehbar machen und dokumentieren.
Der Richterbund widersprach. In einer Stellungnahme vom Mai 2024 argumentierte er, eine bloße Begrenzung und Dokumentation des Weisungsrechts reiche nicht aus. Das Grundproblem bleibe bestehen, solange ein Minister auf ein konkretes Strafverfahren einwirken könne.
Nach Auffassung des Verbandes könne bereits die Möglichkeit politischer Einflussnahme das Vertrauen in die Objektivität der Strafverfolgung beeinträchtigen. Der Richterbund bestreitet zudem, dass ministerielle Weisungen überhaupt notwendig seien, um eine ausreichende demokratische Legitimation der Staatsanwaltschaften sicherzustellen.
Zu einer Änderung des Gerichtsverfassungsgesetzes kam es nicht – ein halbes Jahr später brach die Ampel auseinander.

Länder wollen klarere Regeln

Die Diskussion um das Weisungsrecht setzt sich 2026 auf Ebene der Länder fort. Auf der Justizministerkonferenz im Juni warb Mecklenburg-Vorpommern dafür, das externe Weisungsrecht „gesetzlich konkreter zu fassen“. Das Justizministerium des Landes teilte nach der Konferenz mit, dass die Initiative Zustimmung erhalten habe.
Damit unterscheidet sich dieser Ansatz von der Forderung des Richterbundes. Der DRB verlangt die komplette Abschaffung des ministeriellen Weisungsrechts. Die Länder setzen auf eine gesetzliche Nachschärfung.
Mecklenburg-Vorpommern geht in der eigenen Praxis weiter. Justizministerin Jacqueline Bernhardt (Die Linke) teilte Anfang 2026 mit, auf die Ausübung des externen Weisungsrechts gegenüber den Staatsanwaltschaften zu verzichten. Nach Angaben ihres Ministeriums habe Bernhardt seit ihrem Amtsantritt keine entsprechende Weisung erteilt.
Die gesetzliche Grundlage des Weisungsrechts wird dadurch nicht aufgehoben. Sie ist weiterhin in den Paragrafen 146 und 147 GVG geregelt. Ein Landesministerium kann seine eigene Praxis beschränken, nicht aber das bundesrechtlich geregelte Weisungsrecht abschaffen.
Ermittelt wird von der Staatsanwaltschaft Hannover.

Vor dem Gebäude der Staatsanwaltschaft Hannover. (Archivfoto)

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Auch die AfD legte einen Gesetzentwurf vor

Die Forderung nach einer Aufhebung des Weisungsrechts kommt nicht allein vom Richterbund. Im November 2024 brachte die AfD-Fraktion einen Gesetzentwurf zur „Beendigung des externen Weisungsrechts gegenüber Staatsanwälten“ in den Bundestag ein.
Die Dienstaufsicht der Justizministerien sollte danach grundsätzlich erhalten bleiben. Ausgeschlossen werden sollte jedoch die Befugnis, Weisungen zur Sachbehandlung einzelner Verfahren zu erteilen.
Bei der Forderung, das Weisungsrecht einzuschränken, überschneiden sich damit die Positionen unterschiedlicher Akteure. Daraus lässt sich jedoch keine Übereinstimmung über die Begründung oder die künftige Stellung der Staatsanwaltschaften ableiten.

Drei Modelle im Überblick

Aus den vorliegenden Gesetzen, Entwürfen und Stellungnahmen ergeben sich drei Modelle. Nach geltendem Recht bleibt das Weisungsrecht bestehen. Der Reformansatz des Bundesjustizministeriums von 2024 und die Initiative der Länder von 2026 sehen vor, daran grundsätzlich festzuhalten, die Befugnisse aber enger zu fassen und transparenter zu machen.
Der Richterbund geht weiter und fordert, ministerielle Weisungen in einzelnen Strafverfahren vollständig abzuschaffen.
Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs von 2019 zwingt Deutschland nicht zu einer vollständigen Abschaffung. Sie hat aber eine Schwachstelle des deutschen Systems sichtbar gemacht: Schon die Möglichkeit einer politischen Einflussnahme kann zum Problem werden, wo eine von der Regierung unabhängige Entscheidung verlangt wird.
Wie LTO am 13. September berichtete, plane das Bundesjustizministerium am Weisungsrecht festzuhalten. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat verfassungsrechtliche Bedenken gegen die Forderung des DRB geäußert.
Damit bleibt vorerst eine Konstruktion bestehen, deren Grenzen seit Jahren diskutiert werden.
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Nahrungsergänzungsmittel könnte Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs zu einem längeren Leben verhelfen

Forscher untersuchten in einer kleinen Pilotstudie, die im Fachjournal Nature Cancer veröffentlicht wurde, Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs im fortgeschrittenen Stadium und beobachteten einen überraschenden Effekt: Wenn Erkrankte zusätzlich zu ihrer normalen Chemotherapie die Aminosäure L-Glutamin einnahmen, lebten sie im Schnitt 22 Monate, fast doppelt so lange wie mit der Standardtherapie allein (8 bis 13 Monate).

Neben der längeren Lebensspanne zeigte sich ein weiterer Effekt: Die Hälfte der 16 Studienteilnehmer konnte ihr Gewicht stabil halten. Bei dieser Krebsart ist ein starker Gewichts- und Muskelverlust sonst die Regel.

Die Aminosäure wird im Körper natürlich gebildet und unterstützt die Verdauung. In hochdosierter Form ist sie in den USA bereits als Medikament gegen Sichelzellanämie zugelassen. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) lehnte laut einem Statement hingegen die Zulassung für den Einsatz gegen Sichelzellanämie aufgrund hoher Abbrecherquoten und damit verbundener methodischer Mängel im Studiendesign ab, woraufhin der Hersteller den Antrag zurückzog.

Die Energiequelle des Krebses wird gegen ihn eingesetzt

Die Rolle der Aminosäure L-Glutamin bei Bauchspeicheldrüsenkrebs wirkt fast wie ein Widerspruch in der Krebsforschung. Denn ausgerechnet dieser Baustein gilt eigentlich als „Treibstoff“ für Tumore: Bauchspeicheldrüsenkrebszellen sind abhängig von L-Glutamin und nutzen es bevorzugt, um zu wachsen und zu überleben. Krebskranken also zusätzlich L-Glutamin zu geben, klang in der Fachwelt daher erst einmal wie ein Widerspruch.

Ursprünglich verfolgten die Forscher auch ein ganz anderes Ziel: Es ging nicht darum, den Tumor direkt anzugreifen, sondern den Darm zu schützen. Sowohl die Krebserkrankung selbst als auch die schwere Chemotherapie greifen die Verdauung stark an und Betroffene verlieren oft viel an Körpergewicht. Da L-Glutamin dafür bekannt ist, die Regeneration der Darmschleimhaut zu fördern, sollte die Gabe der Aminosäure vor allem diese schweren Nebenwirkungen lindern.

Dabei stießen die Wissenschaftler auf ein überraschendes Ergebnis: Wurden die Krebszellen hohen Dosen an L-Glutamin ausgesetzt, reagierten sie plötzlich deutlich empfindlicher auf die Chemotherapie. Das passte zu den Beobachtungen bei den Patienten, deren Tumore sich im Behandlungsverlauf messbar verkleinerten.

Ein weiterer Schlüssel scheint im Mikrobiom zu liegen – der Bakteriengemeinschaft in unserem Darm. Die Forscher entdeckten eine Verbindung zwischen den dortigen Bakterien und dem Erfolg der Krebstherapie. Vieles deutet darauf hin, dass L-Glutamin die Darmflora positiv beeinflusst. Diese im Darm angesiedelten Mikroben spielen eine entscheidende Rolle dabei, wie unser Körper Verdauung, Entzündungen und letztlich auch das Ansprechen auf Medikamente steuert.

Experte mahnt zur Vorsicht

Unabhängige Forscher halten die Beobachtungen zwar für aufschlussreich, mahnen aber zur Zurückhaltung.
„Ich würde die Ergebnisse eher als vielversprechend denn als praxisverändernd bezeichnen“, sagte Dr. Jaekyung Cheon, assoziiertes Mitglied der Abteilung für gastrointestinale Onkologie am Moffitt Cancer Center in Tampa, Florida, der nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber der Epoch Times.
„Bei nur 16 Patienten können einige wenige Patienten mit außergewöhnlich gutem Ansprechen die Ergebnisse erheblich beeinflussen“, sagte Cheon.
Vor allem könne ohne eine randomisierte Kontrollgruppe nicht festgestellt werden, ob die positiven Ergebnisse tatsächlich auf L-Glutamin zurückzuführen seien, fügte er hinzu.
„Diese Ergebnisse erfordern weitere Untersuchungen in einer größeren randomisierten Studie, bevor die klinische Praxis geändert wird.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Common Supplement May Help Pancreatic Cancer Patients Live Longer“. (deutsche Bearbeitung: kr)