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Bald schließen die Türen für Schmerzpatienten: Was Betroffene tun können


In Kürze

  • 4,8 Millionen Patienten leiden in Deutschland an schweren chronischen Schmerzen.
  • Fast die Hälfte aller Behandlungsplätze ist durch die Krankenhausreform gefährdet.
  • Folgen für die Gesellschaft: Krankheitsausfälle, Frühverrentungen, steigende Kosten.
  • Brandbrief an Gesundheitsausschuss fordert Einlenken.
  • Es gibt Hilfe für Betroffene.

Die anstehende Krankenhausreform (KHAG) bedroht die stationäre Schmerzmedizin in Deutschland akut. Fast die Hälfte aller Behandlungsplätze ist gefährdet. Das neue Gesetz sieht keine eigenständige Leistungsgruppe für Schmerzpatienten vor.
Das bedeutet, vergütungsrechtlich würde die Grundlage für angemessene Entgelte fehlen. Krankenhäuser könnten für ihre spezialisierte Leistung nicht mehr adäquat bezahlt werden und viele Einrichtungen müssten sich aus der Schmerzmedizin zurückziehen.
Die bekannten Fachabteilungen wurden schon im letzten Jahr auf insgesamt 65 Leistungsgruppen verteilt. Diese sollen im Zuge des neuen Gesetzes nun auf 61 gekürzt werden. Spezialisierte Kliniken bringt dies in existenzielle Nöte und auch Patienten könnten schon bald vor verschlossenen Türen stehen.

Die Ist-Situation

Deutschland verzeichnet etwa 4,8 Millionen Patienten mit schweren chronischen Schmerzen. Nur für jeden Elften ist bislang eine Behandlung möglich. Jetzt drohen durch die Klinikreform rund 450 bestehende stationäre schmerzmedizinische Einrichtungen wegzufallen.
Prof. Dr. Dr. Joachim Nadstawek, Vorsitzender des Berufsverbands der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland (BVSD), erklärte:
„Der Gesetzgeber entscheidet sich damit sehenden Auges gegen eine ausreichende Versorgung von knapp 5 Millionen Schmerzpatienten.“
Der BVSD fordert das Bundesministerium für Gesundheit auf, seiner Aufsichtspflicht gerecht zu werden, um die schmerzmedizinische Versorgung in Deutschland zu verbessern. Nadstawek weiter:
„Es gibt zu wenige Schmerzärzte, keine Bedarfsplanung und der Nachwuchs fehlt.“

Komplexität ihrer Erkrankung

Weiterhin weist der BVSD darauf hin, dass die Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen besonderen Qualitätskriterien unterliegt. Demnach darf ein Arzt durch die Fallzahlbegrenzung max. 300 Fälle pro Quartal versorgen. Somit können in Deutschland von 1428 ambulant tätigen Schmerzärzten maximal 428.400 Patienten mit chronischen Schmerzen im Quartal versorgt werden.
Patienten mit chronischen Schmerzen benötigen aufgrund der Komplexität ihrer Erkrankung in der Regel ein weitaus höheres medizinisches Zeitbudget. Eine Anamnese (systematische Erfassung der Krankengeschichte eines Patienten zu Beginn einer medizinischen Behandlung) kann bis zu einer Stunde dauern.
Der BVSD-Vorsitzende Nadstawek gibt an, dass zwischen den ersten Symptomen einer chronischen Schmerzerkrankung und dem Beginn von qualifizierten schmerzmedizinischen Maßnahmen im Durchschnitt rund 3,5 Jahre liegen.
„In dieser Zeit irren die Patienten von einem Facharzt zum nächsten, von einer Behandlung zur anderen, und wenn sie Glück haben, führt sie ihr Weg zu einer qualifizierten schmerzmedizinischen Versorgung. Wir reden hier nicht von akuten Schmerzen, die in aller Regel gut behandelbar sind und wieder vergehen, sondern von schweren, beeinträchtigenden chronischen Schmerzen, die länger als 3 oder 6 Monate anhalten“, sagte Nadstawek in einer Pressekonferenz am 27. Juni 2025.
In einem gemeinsamen Brandbrief vom 26. Februar 2026 wird die sofortige Aufnahme einer eigenständigen Leistungsgruppe „Spezielle Schmerzmedizin“ in die Krankenhausreform gefordert. Folgende Organisationen haben den Aufruf verfasst:
  • Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland e. V. (BVSD)
  • Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. (DGS)
  • Interdisziplinäre Gesellschaft für orthopädische/unfallchirurgische und allgemeine Schmerztherapie e. V. (IGOST)
  • Deutsche Schmerzgesellschaft e. V.

Brandbrief an den Gesundheitsausschuss

Ohne diese Maßnahme drohen rund 40 Prozent der stationären Schmerztherapie-Angebote zu schließen. Dies hätte katastrophale Folgen für 4,8 Millionen Menschen mit schweren chronischen Schmerzen.
Die Systematik der Leistungsgruppen zwingt schmerzmedizinische Einrichtungen dazu, die Kriterien fachfremder Leistungsgruppen wie Innere Medizin oder Chirurgie zu erfüllen, was weder medizinisch sinnvoll noch wirtschaftlich machbar ist.
Erste Abteilungen verschwinden bereits. In dem Brandbrief wird der Gesundheitsausschuss aufgefordert, sich im parlamentarischen Verfahren dafür einzusetzen, die Leistungsgruppe „Spezielle Schmerzmedizin“ in die Krankenhausreform aufzunehmen.

Signal an Millionen Betroffene

Weiterhin verdeutlicht der Brief, dass dies ein wichtiges Signal an Millionen von Betroffenen und an die behandelnden Fachkräfte sei. Die Einführung einer eigenen Leitungsgruppe mit bereits vorhandenen Qualitätskriterien könnte sofort bundesweit umgesetzt werden. Dies würde den Bundesländern und Kliniken Planungssicherheit geben, Folgekosten reduzieren und die Versorgung chronischer Schmerzpatienten langfristig sichern.
Chronischer Schmerz ist eine eigenständige Erkrankung und kein bloßes Symptom. Weniger Behandlungsplätze und längere Wartelisten bedeuten eine Zunahme an Leidensgeschichten, die nicht nur individuelle Schicksale darstellen. Krankheitsausfälle, Frühverrentungen und steigende Kosten belasten die gesamte Gesellschaft.
Dr. Jan Emmerich, Vorstandsmitglied des Berufsverbands für Physikalische und Rehabilitative Medizin (BVPRM), sagt:
„Die Schwächung der Schmerzmedizin im Krankenhaus wäre ein schwerer Einschnitt für eine adäquate Rehabilitation und Teilhabe der Patienten mit schweren chronischen Schmerzerkrankungen.“
Eine im Journal Diabetes publizierte Studie zu chronischen Nervenschmerzen zeigt in einer funktionellen MRT-Bildgebung deutlich, wie massiv sich die Schmerzverarbeitung im Gehirn nachweislich verschlimmert, sobald die Therapie eingestellt wurde.

Psychotherapeutische Versorgung

Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologische Schmerztherapie- und Forschung (DGPSF), Christiane Hermann, sorgt sich um die psychotherapeutische Versorgung von Schmerzpatienten. Demnach nimmt in der Behandlung von Schmerzen die Psychotherapie eine zentrale Rolle ein.
Dem „Deutschen Ärzteblatt“ gegenüber sagte sie: „Derzeit sind zwar 27.800 psychologische Psychotherapeuten in Deutschland ambulant tätig, die Wartezeiten für Schmerzpatientinnen- und -patienten sind jedoch häufig sehr lang – zumal viele von ihnen nicht schwerpunktmäßig Patientinnen und Patienten mit Schmerzerkrankungen behandeln oder nicht ausreichend für die Behandlung von Menschen mit chronischen Schmerzen qualifiziert sind.“
Heike Norda, Präsidentin des USVD SchmerzLOS e. V. – Unabhängige Vereinigung aktiver Schmerzpatienten in Deutschland, betont:
„Die Suizidalität unter Schmerzpatientinnen und -patienten ist bereits heute höher als in der Normalbevölkerung. Wenn Abteilungen und Kliniken wegbrechen, ist das eine Katastrophe.“

Was Betroffene tun können

Hilfe und Unterstützung finden Patienten bei ihrem Hausarzt. Er ist der erste Ansprechpartner, wenn eine gezielte stationäre Schmerztherapie nicht möglich ist. Er kann akute Rezepte ausstellen, Dosisanpassungen vornehmen oder direkt einen Schmerztherapeuten konsultieren.
Weiterhin kann der Kassenärztliche Notdienst unter der bundesweiten Rufnummer 116117 außerhalb der Sprechzeiten Hilfestellung geben. Über die Arztsuche der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) oder die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) finden Betroffene niedergelassene Schmerztherapeuten.
Eine Akuthilfe bietet zudem die Telefonseelsorge. Sie ist kostenfrei, anonym und rund um die Uhr unter der Rufnummer 0800/1110222 erreichbar.
Darüber hinaus bieten die Krankenkassen ebenso Unterstützung an und können bei der Vermittlung von ambulanten Pflegekräften, Physiotherapeuten oder Psychotherapeuten helfen. Über die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) können Betroffene verfügbare Therapeuten für eine Schmerzbewältigung finden.
Die Deutsche Schmerzliga bietet mit ihrem Schmerztelefon unter der Rufnummer 06431/4972400 eine weitere Möglichkeit zur Hilfe an.
In ihrem Text „Vom Warum zum Wozu“ thematisieren Claudia Bozzaro und Dominik Koesling von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie Psychotherapeutin Ursula Frede die innere Haltung im Umgang mit chronischen Schmerzen. Sie zitieren die Worte einer Schmerzpatientin, die nach einem Blinddarmdurchbruch und Narbenverwachsungen an chronischen Schmerzen leidet:
„Ich musste lernen zu leben, ungeachtet der Schmerzen. Ich habe nach dem Wozu gefragt. […] Für mich heißt, Sinn zu finden, meine Lebensaufgabe auch als kranker Mensch zu finden. Das gibt mir geistigen und seelischen Halt.“
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Das Aus für die stationäre Schmerztherapie: Was für Patienten jetzt wichtig wird


In Kürze

  • 4,8 Millionen Patienten leiden in Deutschland an schweren chronischen Schmerzen.
  • Fast die Hälfte aller Behandlungsplätze ist durch die Krankenhausreform gefährdet.
  • Folgen für die Gesellschaft: Krankheitsausfälle, Frühverrentungen, steigende Kosten.
  • Brandbrief an Gesundheitsausschuss fordert Einlenken.
  • Es gibt Hilfe für Betroffene.

Die anstehende Krankenhausreform (KHAG) bedroht die stationäre Schmerzmedizin in Deutschland akut. Fast die Hälfte aller Behandlungsplätze ist gefährdet. Das neue Gesetz sieht keine eigenständige Leistungsgruppe für Schmerzpatienten vor.
Das bedeutet, vergütungsrechtlich würde die Grundlage für angemessene Entgelte fehlen. Krankenhäuser könnten für ihre spezialisierte Leistung nicht mehr adäquat bezahlt werden und viele Einrichtungen müssten sich aus der Schmerzmedizin zurückziehen.
Die bekannten Fachabteilungen wurden schon im letzten Jahr auf insgesamt 65 Leistungsgruppen verteilt. Diese sollen im Zuge des neuen Gesetzes nun auf 61 gekürzt werden. Spezialisierte Kliniken bringt dies in existenzielle Nöte und auch Patienten könnten schon bald vor verschlossenen Türen stehen.

Die Ist-Situation

Deutschland verzeichnet etwa 4,8 Millionen Patienten mit schweren chronischen Schmerzen. Nur für jeden Elften ist bislang eine Behandlung möglich. Jetzt drohen durch die Klinikreform rund 450 bestehende stationäre schmerzmedizinische Einrichtungen wegzufallen.
Prof. Dr. Dr. Joachim Nadstawek, Vorsitzender des Berufsverbands der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland (BVSD), erklärte:
„Der Gesetzgeber entscheidet sich damit sehenden Auges gegen eine ausreichende Versorgung von knapp 5 Millionen Schmerzpatienten.“
Der BVSD fordert das Bundesministerium für Gesundheit auf, seiner Aufsichtspflicht gerecht zu werden, um die schmerzmedizinische Versorgung in Deutschland zu verbessern. Nadstawek weiter:
„Es gibt zu wenige Schmerzärzte, keine Bedarfsplanung und der Nachwuchs fehlt.“

Komplexität ihrer Erkrankung

Weiterhin weist der BVSD darauf hin, dass die Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen besonderen Qualitätskriterien unterliegt. Demnach darf ein Arzt durch die Fallzahlbegrenzung max. 300 Fälle pro Quartal versorgen. Somit können in Deutschland von 1428 ambulant tätigen Schmerzärzten maximal 428.400 Patienten mit chronischen Schmerzen im Quartal versorgt werden.
Patienten mit chronischen Schmerzen benötigen aufgrund der Komplexität ihrer Erkrankung in der Regel ein weitaus höheres medizinisches Zeitbudget. Eine Anamnese (systematische Erfassung der Krankengeschichte eines Patienten zu Beginn einer medizinischen Behandlung) kann bis zu einer Stunde dauern.
Der BVSD-Vorsitzende Nadstawek gibt an, dass zwischen den ersten Symptomen einer chronischen Schmerzerkrankung und dem Beginn von qualifizierten schmerzmedizinischen Maßnahmen im Durchschnitt rund 3,5 Jahre liegen.
„In dieser Zeit irren die Patienten von einem Facharzt zum nächsten, von einer Behandlung zur anderen, und wenn sie Glück haben, führt sie ihr Weg zu einer qualifizierten schmerzmedizinischen Versorgung. Wir reden hier nicht von akuten Schmerzen, die in aller Regel gut behandelbar sind und wieder vergehen, sondern von schweren, beeinträchtigenden chronischen Schmerzen, die länger als 3 oder 6 Monate anhalten“, sagte Nadstawek in einer Pressekonferenz am 27. Juni 2025.
In einem gemeinsamen Brandbrief vom 26. Februar 2026 wird die sofortige Aufnahme einer eigenständigen Leistungsgruppe „Spezielle Schmerzmedizin“ in die Krankenhausreform gefordert. Folgende Organisationen haben den Aufruf verfasst:
  • Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland e. V. (BVSD)
  • Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. (DGS)
  • Interdisziplinäre Gesellschaft für orthopädische/unfallchirurgische und allgemeine Schmerztherapie e. V. (IGOST)
  • Deutsche Schmerzgesellschaft e. V.

Brandbrief an den Gesundheitsausschuss

Ohne diese Maßnahme drohen rund 40 Prozent der stationären Schmerztherapie-Angebote zu schließen. Dies hätte katastrophale Folgen für 4,8 Millionen Menschen mit schweren chronischen Schmerzen.
Die Systematik der Leistungsgruppen zwingt schmerzmedizinische Einrichtungen dazu, die Kriterien fachfremder Leistungsgruppen wie Innere Medizin oder Chirurgie zu erfüllen, was weder medizinisch sinnvoll noch wirtschaftlich machbar ist.
Erste Abteilungen verschwinden bereits. In dem Brandbrief wird der Gesundheitsausschuss aufgefordert, sich im parlamentarischen Verfahren dafür einzusetzen, die Leistungsgruppe „Spezielle Schmerzmedizin“ in die Krankenhausreform aufzunehmen.

Signal an Millionen Betroffene

Weiterhin verdeutlicht der Brief, dass dies ein wichtiges Signal an Millionen von Betroffenen und an die behandelnden Fachkräfte sei. Die Einführung einer eigenen Leitungsgruppe mit bereits vorhandenen Qualitätskriterien könnte sofort bundesweit umgesetzt werden. Dies würde den Bundesländern und Kliniken Planungssicherheit geben, Folgekosten reduzieren und die Versorgung chronischer Schmerzpatienten langfristig sichern.
Chronischer Schmerz ist eine eigenständige Erkrankung und kein bloßes Symptom. Weniger Behandlungsplätze und längere Wartelisten bedeuten eine Zunahme an Leidensgeschichten, die nicht nur individuelle Schicksale darstellen. Krankheitsausfälle, Frühverrentungen und steigende Kosten belasten die gesamte Gesellschaft.
Dr. Jan Emmerich, Vorstandsmitglied des Berufsverbands für Physikalische und Rehabilitative Medizin (BVPRM), sagt:
„Die Schwächung der Schmerzmedizin im Krankenhaus wäre ein schwerer Einschnitt für eine adäquate Rehabilitation und Teilhabe der Patienten mit schweren chronischen Schmerzerkrankungen.“
Eine im Journal Diabetes publizierte Studie zu chronischen Nervenschmerzen zeigt in einer funktionellen MRT-Bildgebung deutlich, wie massiv sich die Schmerzverarbeitung im Gehirn nachweislich verschlimmert, sobald die Therapie eingestellt wurde.

Psychotherapeutische Versorgung

Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologische Schmerztherapie- und Forschung (DGPSF), Christiane Hermann, sorgt sich um die psychotherapeutische Versorgung von Schmerzpatienten. Demnach nimmt in der Behandlung von Schmerzen die Psychotherapie eine zentrale Rolle ein.
Dem „Deutschen Ärzteblatt“ gegenüber sagte sie: „Derzeit sind zwar 27.800 psychologische Psychotherapeuten in Deutschland ambulant tätig, die Wartezeiten für Schmerzpatientinnen- und -patienten sind jedoch häufig sehr lang – zumal viele von ihnen nicht schwerpunktmäßig Patientinnen und Patienten mit Schmerzerkrankungen behandeln oder nicht ausreichend für die Behandlung von Menschen mit chronischen Schmerzen qualifiziert sind.“
Heike Norda, Präsidentin des USVD SchmerzLOS e. V. – Unabhängige Vereinigung aktiver Schmerzpatienten in Deutschland, betont:
„Die Suizidalität unter Schmerzpatientinnen und -patienten ist bereits heute höher als in der Normalbevölkerung. Wenn Abteilungen und Kliniken wegbrechen, ist das eine Katastrophe.“

Was Betroffene tun können

Hilfe und Unterstützung finden Patienten bei ihrem Hausarzt. Er ist der erste Ansprechpartner, wenn eine gezielte stationäre Schmerztherapie nicht möglich ist. Er kann akute Rezepte ausstellen, Dosisanpassungen vornehmen oder direkt einen Schmerztherapeuten konsultieren.
Weiterhin kann der Kassenärztliche Notdienst unter der bundesweiten Rufnummer 116117 außerhalb der Sprechzeiten Hilfestellung geben. Über die Arztsuche der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) oder die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) finden Betroffene niedergelassene Schmerztherapeuten.
Eine Akuthilfe bietet zudem die Telefonseelsorge. Sie ist kostenfrei, anonym und rund um die Uhr unter der Rufnummer 0800/1110222 erreichbar.
Darüber hinaus bieten die Krankenkassen ebenso Unterstützung an und können bei der Vermittlung von ambulanten Pflegekräften, Physiotherapeuten oder Psychotherapeuten helfen. Über die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) können Betroffene verfügbare Therapeuten für eine Schmerzbewältigung finden.
Die Deutsche Schmerzliga bietet mit ihrem Schmerztelefon unter der Rufnummer 06431/4972400 eine weitere Möglichkeit zur Hilfe an.
In ihrem Text „Vom Warum zum Wozu“ thematisieren Claudia Bozzaro und Dominik Koesling von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie Psychotherapeutin Ursula Frede die innere Haltung im Umgang mit chronischen Schmerzen. Sie zitieren die Worte einer Schmerzpatientin, die nach einem Blinddarmdurchbruch und Narbenverwachsungen an chronischen Schmerzen leidet:
„Ich musste lernen zu leben, ungeachtet der Schmerzen. Ich habe nach dem Wozu gefragt. […] Für mich heißt, Sinn zu finden, meine Lebensaufgabe auch als kranker Mensch zu finden. Das gibt mir geistigen und seelischen Halt.“
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Sitzsteifheit trotzen: 5 einfache Übungen für eine entspannte Hüfte


In Kürze:

  • Langes Sitzen macht Muskeln und Gelenke steif, so auch die Hüfte.
  • Halten wir sie regelmäßig in einer statischen Position, kann das langfristig unsere Beweglichkeit und Lebensqualität beeinträchtigen.
  • Fünf einfache Dehnübungen können helfen, die Hüfte zu lockern und eine bestmögliche Funktionsfähigkeit zu bewahren.

 
In vielen Berufen verbringen wir heutzutage viel Zeit im Sitzen. Zu Hause angekommen, verleiten uns der Fernseher, soziale Medien und andere Online-Angebote oft dazu, weiterhin inaktiv zu bleiben.
Solch ein sitzender Lebensstil kann chronische Gesundheitsprobleme wie etwa Fettleibigkeit, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit sich bringen. Darüber hinaus gibt es noch ein weiteres ernstes Problem: Verspannungen. 
Langes Sitzen hält die Hüfte in der Regel in einer statischen Position. Und dieses lange Verweilen in einer Position bekommt den Muskeln und Gelenken überhaupt nicht.
Wenn unsere Hüfte lange genug stillhält, kann sie pathologisch steif werden – eine Gefahr für unsere Mobilität, funktionelle Unabhängigkeit und allgemeine Lebensqualität.

Fünf Übungen gegen Sitzsteifheit und für eine entspannte Hüfte

Die folgenden Übungen helfen, Verspannungen in der Hüfte zu lösen. Der Beckenbereich dehnt und lockert sich, was uns hilft, die bestmögliche Flexibilität, Funktionsfähigkeit und größere Unabhängigkeit zu erreichen.

1. 90/90-Sitz

Diese Übung ist eine äußerst effektive Hüftdehnung. Um ihre Wirkung zu entfalten, nutzt sie Drehbewegungen und bestimmte Körperhaltungen. Zudem eignet sie sich gut, um Verspannungen zu lindern, die durch langes Sitzen entstehen.
Video: Ceridwen Hunter/The Epoch Times
Schritt 1: Auf dem Boden sitzen; die Füße stehen etwa 90 Zentimeter auseinander. Hüfte und Knie um 90 Grad beugen und die Fersen auf den Boden stellen.
Schritt 2: Die Fersen nicht bewegen und den Körper dabei nach rechts drehen und die Beine absenken, bis sie den Boden berühren. Der Körper rollt dabei auf die Seite der Beine.
Schritt 3: Die rechte Hand auf den Boden legen, sich sanft nach vorn beugen und die Hüftmuskeln stark dehnen. Diese Position etwa 10 Sekunden lang halten und dann in die Ausgangsposition zurückkehren.
Schritt 4: Auf die linke Seite rollen und die Bewegung wiederholen. Das Vorbeugen und Halten auf der rechten und dann auf der linken Seite zählt als eine Wiederholung.
Schritt 5: Drei Wiederholungen durchführen und dabei auf jeder Seite verweilen.
Abwandlungen: Wer bei dieser Dehnung nicht ganz bis zum Boden kommt, kann seine Knie zunächst so weit wie möglich nach vorn bringen und die Position nicht 10, sondern etwa 20 Sekunden lang halten. Dies ermöglicht es oft, dass sich verspannte Muskeln und Gelenke etwas besser lockern können.

2. Figur-4-Dehnung auf dem Stuhl 

Diese Übung sorgt für eine tiefe Dehnung des Musculus piriformis, eines birnenförmigen Gesäßmuskels, der für die Außenrotation der Hüfte zuständig ist. Dies kann zusätzliche Beweglichkeit in der Hüfte schaffen und auch Hüftschmerzen drastisch lindern.
Video: Ceridwen Hunter/The Epoch Times
Schritt 1: Sich auf die Mitte oder die Vorderkante eines stabilen Stuhls setzen. Das rechte Bein über das linke Bein kreuzen, wobei sich der rechte Knöchel direkt hinter dem linken Knie befindet. Wer die Position nicht leicht einnehmen kann, kann sein Bein mit den Armen bewegen. Den Knöchel an Ort und Stelle halten und das rechte Knie so weit wie möglich nach unten sinken lassen.
Schritt 2: Langsam aus der Hüfte so weit wie angenehm nach vorn beugen und dabei den Rücken gerade halten. Diese Dehnung eine Minute lang – oder so lange, wie man sie bequem aushalten kann – halten. Dann in die Ausgangsposition zurückkehren und die Dehnung auf der linken Seite wiederholen.
Schritt 3: Pro Seite drei einminütige Dehnungen ausführen.
Abwandlungen: Wer nicht tief in die Dehnung kommt, kann sich einfach so weit wie möglich hineinbewegen und die Dehnung halten, wobei der Rücken gerade bleibt. Mit etwas Übung gewinnt man an Flexibilität.

3. Siegeskniebeuge (Victory squat)

Diese sowohl herausfordernde als auch lohnende Halteübung ist auch als Göttinnenpose bekannt. Sie ist ein wahres Wundermittel für die Hüfte.
Video: Ceridwen Hunter/The Epoch Times
Schritt 1: Die Beine stehen etwa 90 Zentimeter auseinander, die Füße sind um etwa 45 Grad zur Seite gedreht.
Schritt 2: So tief wie angenehm in die Hocke gehen und darauf achten, dass die Knie in die gleiche Richtung wie die Füße zeigen. Gleichzeitig die Arme in einer „V“-Form über den Kopf heben.
Schritt 3: Die Hocke etwa 60 Sekunden oder so lange wie möglich halten und dann in die Ausgangsposition zurückkehren. Jede gehaltene Hocke zählt als ein Satz.
Schritt 4: Jeweils drei Sätze zu je 60 Sekunden durchführen.
Abwandlungen: Wer nicht sehr tief gehen kann, geht einfach so tief, wie es möglich ist. Darauf achten, dass die Knie während der Kniebeugedehnung nach außen zeigen, anstatt nach innen zu knicken, was für die Hüfte unangenehm sein kann.

4. Happy-Baby-Pose

Diese Pose des „glücklichen Babys“ macht Spaß und ist intuitiv. Zudem ist sie sehr stabil und effektiv.
Video: Ceridwen Hunter/The Epoch Times
Schritt 1: Sich auf eine feste, stützende Unterlage legen; Hüfte und Knie sind angewinkelt, die Füße flach auf dem Boden und die Arme an den Seiten.
Schritt 2: Die Knie so hoch wie möglich anheben und die Außenseiten der Füße fassen. Die Hüfte anwinkeln und die Knie hochhalten. Dabei die Füße sanft auseinander und so weit nach unten ziehen, wie es angenehm ist. Diese Position 10 Sekunden lang halten und dann in die Ausgangsposition zurückkehren. Jedes Halten der Dehnung zählt als eine Wiederholung.
Schritt 3: Insgesamt fünf Wiederholungen ausführen.
Abwandlungen: Wer die Knöchel nicht ganz erreichen kann, kann so weit wie möglich an seinem Bein nach unten greifen. Als Variante kann er die Hände auch an der Innenseite der Füße über den Fußgewölben platzieren – einfach ausprobieren, was am besten funktioniert. Wer noch mehr Freude in die Übung bringen möchte, kann gern von einer Seite zur anderen schaukeln.

5. Froschstellung

Diese Übung sorgt für eine wunderbare, tiefe Dehnung und lässt sich hervorragend abwandeln.
Video: Ceridwen Hunter/The Epoch Times
Schritt 1: Auf Händen und Knien beginnen. Die Knie so weit wie möglich spreizen, ohne dass es unangenehm wird. Die Füße sind noch etwas weiter auseinander.
Schritt 2: Den Unterkörper in Position halten und auf die Ellbogen hinuntergehen. Man sollte eine gute Dehnung spüren, die in der Hüfte und den inneren Oberschenkeln beginnt. Dies betrachten wir als Ausgangsposition.
Schritt 3: Nun die Dehnung verstärken. Dafür den Körper aus der aktuellen Position nach hinten bewegen, um sich tiefer in die Dehnung zu „setzen“. So weit nach hinten gehen, wie es angenehm ist, und die Dehnung etwa 10 Sekunden lang halten. Danach wieder in die Ausgangsposition zurückkehren. Jedes „Sitzen“ und Halten zählt als eine Wiederholung.
Schritt 4: Fünf Wiederholungen durchführen.
Abwandlungen: Genau auf seine Bewegungen achten und weder die Haltezeiten noch die Bewegungen überstürzen. Nur so tief in die Dehnung gehen, wie es angenehm ist. Es kann hilfreich sein, während der „Sitzphase“ tief zu atmen, um sich zu entspannen.
Bei Bedarf kann man zur Entlastung Polster, wie zum Beispiel gefaltete Handtücher, unter die Knie legen. Ruhig mit der Fußposition experimentieren.

Drei- bis idealerweise fünfmal pro Woche ausführen

Zusammen können diese Übungen helfen, eine steife Hüfte zu lockern und einem die nötige Beweglichkeit und Unabhängigkeit zu geben. 
Ich empfehle, sie mindestens dreimal pro Woche durchzuführen, idealerweise fünfmal. Ich ermutige Sie, sie auszuprobieren, denn ich glaube, sie werden Ihnen gefallen. Viel Erfolg, und ich hoffe, sie tun Ihnen gut.
Über das Fitnessmodel: Aerowenn Hunter ist Gesundheitsredakteurin und Fitnessmodel für die englischsprachige Ausgabe der Epoch Times. Sie ist seit 30 Jahren zertifizierte Yogatherapeutin.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Hip to Be Square: 5 Hip-Opening Exercises to Help Undo a Day of Sitting“. (redaktionelle Bearbeitung: as)