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Rätselhafte Relikte der Geschichte im Überblick

Nach derzeitigen Theorien leben die modernen Menschen seit etwa 200.000 Jahren auf der Erde. Ein Großteil unseres technischen Erfindungsreichtums sei jedoch erst mit der industriellen Revolution dazugewonnen. Doch auch vor mehreren tausend Jahren gab es hoch entwickelte Zivilisationen, die vermeintlich moderne Erfindungen und rätselhafte Relikte erschaffen haben.
Genau diese sind in der Wissenschaft auch als „Out-of-place-Artefakte“ bekannt. Damit werden prähistorische Objekte bezeichnet, die heute weltweit gefunden werden und ein Maß an technologischer Raffinesse aufweisen, was mit unserem heutigen Weltbild unvereinbar scheint.
Viele Wissenschaftler sehen in ihnen lediglich Naturphänomene oder moderne Fälschungen. Für andere wiederum sind es fragwürdige Interpretationen oder falsch datierte Objekte. Am interessantesten ist aber vielleicht eine dritte Deutung: Es seien Hinterlassenschaften einer oder mehrerer prähistorischer Zivilisationen, deren fortgeschrittenes Wissen im Laufe der Zeit verloren ging und erst wiederentdeckt werden muss.
Wir wenden uns an dieser Stelle mysteriösen Objekten zu, stellen Fakten und Theorien rund um die rätselhaften Relikte vor und werden den folgenden Überblick mit der Zeit erweitern.

Die wahre Suche nach dem Heiligen Gral

Für die einen gilt der Heilige Gral als Gegenstand einer Legende, für andere als Verbindung zu Jesus. Dass Letzteres möglicherweise greifbarer ist, als viele glauben, zeigt ein besonderer Kelch in der Kathedrale von Valencia.

Voynich-Manuskript: Ein Blick in das geheimnisvollste Buch der Welt

38.000 Wörter auf 232 Seiten beschäftigen die Menschen seit über 400 Jahren. Eine scheinbar unentzifferbare Schrift in fremder Sprache umfließt Zeichnungen von badenden Frauen und unbekannten Pflanzen. Doch was wollen uns das titellose Buch und sein Autor sagen?

30.000 Jahre vor Gizeh: Liegt die älteste Pyramide der Welt in Europa?

Zwischen Tunnelgängen, Energiefeldern und wissenschaftlicher Kritik hat sich das bosnische Visoko zu einem Ort entwickelt, an dem Glaube, Geschäft und Geschichte ineinanderfließen. Hier soll die älteste von Menschenhand erbaute Pyramide der Welt stehen. Epoch Times hat sich vor Ort ein Bild gemacht.

Fluch der Mumie – Wahrheit oder Fiktion?

Ein mutiger Entdecker, eine geheimnisvolle Kammer, eine gefräßige Kobra und eine mysteriöse Fluchtafel: Zusammen bilden sie den Mythos vom Fluch des Pharao. Bis heute konnten große Teile des Fluches erklärt werden, und doch bleiben Fragen offen.

Gewebe des Mysteriums: Das Turiner Grabtuch

Ein Stück Leinen trägt das mysteriöse „fotografische“ Bild eines Mannes, der offenbar die Wunden einer Kreuzigung erlitten hat. Handelt es sich dabei um Jesus Christus? Seit Jahrhunderten wird dieser heilige Gegenstand, auch als Grabtuch von Turin bekannt, intensiv erforscht, abgelehnt und verehrt.

Wurde die Schwerkraft schon 200 Jahre vor Newton entschlüsselt?

Isaac Newton gilt als Entdecker der Schwerkraft. Doch vielleicht war er nur der Erste, der sie in Worte fasste. Leonardo da Vinci, ein anderes Universalgenie, war ihm Jahre voraus und seine Ergebnisse waren erstaunlich nah an dem später berechneten Wert.

Menschen, Dinosaurier, Medizin: Die mysteriösen Ica-Steine

Sie sind zahlreich, hart und widersprüchlich: 11.000 Steine aus dem Süden Perus zeigen Motive, die die Wissenschaft nicht erklären kann – Dinge, die es damals noch nicht gegeben haben dürfte. Die Frage nach der Echtheit der Steine bleibt, auch weil die örtlichen Gesetze Fälschern in die Hände spielen.

Außerirdische Erscheinung: Die mysteriösen Turmschädel

Aliens, Götter oder Schönheitsideal der Reichen und Mächtigen? Um die Entdeckung von Turmschädeln auf der ganzen Welt ranken sich zahlreiche Mythen. Auch Deutschland nimmt im europäischen Fundkontext eine besondere Rolle ein, wenngleich die berühmtesten Turmschädel aus Südamerika stammen.
 
Dieser Artikel dient als Überblick über die Artikel der Reihe „Rätselhafte Relikte“ und wird fortwährend um spannende Themen ergänzt. Neue Artikel werden oben eingefügt.
Kennen Sie weitere mysteriöse Funde aus der Geschichte, über die Sie bei uns mehr lesen wollen? Dann hinterlassen Sie uns gern eine Nachricht.
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Die wahre Suche nach dem Heiligen Gral


In Kürze:

  • Bis heute gibt es die Debatte, ob es den Heiligen Gral – jenen Kelch, aus dem Jesus während des letzten Abendmahls trank – jemals gab.
  • Zahlreiche Legenden und Geschichten lieferten bislang Einblicke rund um den bedeutungsvollen Gegenstand.
  • Bei einer in der Kathedrale von Valencia ausgestellten Reliquie soll es sich um dieses Gefäß handeln.

 
Der Heilige Gral ist seit jeher Inspiration für Legenden, Mythen und Gedichte. Nur wenige Gegenstände haben das literarische und kulturelle Bewusstsein des Westens so tiefgreifend geprägt wie er.
So ist er der Mittelpunkt von fantasievollen Romanzen wie „Perceval“ des mittelalterlichen Schreibers Chrétien de Troyes oder eines üppigen Gemäldes von Dante Rossetti. Sie alle scheinen die Grenzen zwischen der natürlichen und der übernatürlichen Welt zu verwischen.
In unserer kollektiven Vorstellung gilt der Gral als Symbol für moralische Prüfungen und spirituelle Sehnsucht an der Grenze zwischen den Welten. Was jedoch nur wenige wissen, ist, dass die Geschichten über die Suche nach ihm nicht gänzlich fiktiv sind.
„Die Jungfrau vom Heiligen Gral“ (1874) von Dante Gabriel Rossetti (1828–1882)

„Die Jungfrau vom Heiligen Gral“ (1874) von dem britischen Maler und Dichter Dante Gabriel Rossetti (1828–1882).

Ein Ritter als Zeuge

Die ursprüngliche Vorstellung von einer Suche nach dem Heiligen Gral wird oft der blühenden Fantasie eines mittelalterlichen Autors und Sängers zugeschrieben: Chrétien de Troyes (um 1140–1190). Einigen wird er vielleicht durch seine Werke über König Artus und Ritter Lancelot bekannt sein. Doch die letzte Geschichte, die er schrieb, handelte vom Heiligen Gral.
In „Perceval“, auch „Li Contes del Graal“ genannt, geht es um den jungen Ritter Perceval, der auf der Burg des „Fischerkönigs“ verweilt. Dort wird er Zeuge einer seltsamen Prozession prächtiger Gegenstände, darunter ein aufleuchtender goldener Gral oder Kelch.
Perceval versucht, herauszufinden, für wen und wozu der geheimnisvolle Gral bestimmt ist. Eine Antwort erhält der Leser jedoch nicht, denn Troyes starb, bevor er seine Erzählung vollenden konnte.

Fiktion oder Geschichte?

Andere Schreiber versuchten, die Geschichte zu vervollständigen, wodurch die heutige Gral-Literatur entstand. Diese prägte wiederum die uns heute geläufige Artus-Sage. Der spanische Kunsthistoriker Joan Duran-Porta von der Universität Barcelona stellte fest:
„Die Suche nach dem Gral, sei er nun physisch oder symbolisch, spielt seitdem eine große Rolle in diesem lebendigen Literaturkanon über magische Abenteuer.“
Durch die verschiedenen Weiterentwicklungen der Geschichte setzten viele Menschen im Laufe der Zeit diesen geheimnisvollen Kelch mit dem Gefäß gleich, das Jesus Christus beim letzten Abendmahl benutzte.
Aber ist das schon die ganze Geschichte? Ist der Gral, wie Duran-Porta argumentiert, einfach „ein literarisches Objekt“ und damit „das Produkt der Fantasie eines Dichters“?

Der Gral hinter dem Mythos

Zugegebenermaßen sind die Erzählungen von britischen Rittern, die auf der Suche nach dem schwer fassbaren Kelch magische, nebelverhangene Moorlandschaften durchqueren, reine Erfindung.
Andererseits gibt es jedoch stichhaltige historische Belege dafür, dass eine „Suche“ nach dem Gral oder, um einen korrekteren Begriff zu verwenden, nach dem Heiligen Kelch tatsächlich stattgefunden hat. Mehr noch: Sie soll erfolgreich gewesen sein.
Nur ging es hier weniger darum, den Gral zu finden, als vielmehr darum, ihn Jahrhundert für Jahrhundert vor den Gefahren von Krieg, Tyrannen und Katastrophen zu bewahren. Dies ist die Geschichte des Heiligen Kelches von Valencia.
In einem Buntglasfenster ist der Heilige Gral dargestellt

In einem Buntglasfenster in der Kathedrale Saint-Corentin, Frankreich, ist der Heilige Gral dargestellt.

Eine religiöse Grundlage

Die Evangelien berichten davon, wie Jesus am Abend vor seiner Kreuzigung und seinem Tod mit seinen Jüngern das Passahfest feierte.
„Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“ (Matthäus 26, 26–28)
Der Überlieferung zufolge brachte der heilige Petrus († um 64–67) oder sein Nachfolger, der heilige Markus, den Kelch von Jerusalem nach Rom, wo er Teil der päpstlichen Liturgie wurde. Immer wieder taucht in den Gebeten und Messen dieser Zeit, die sich auf das Abendmahl beziehen, die Zeile „hoc praeclarum calicem“ („Ich nehme diesen herrlichen Kelch“) auf.
Aus anderen Zeiten und Orten ist dieser lobende Ausdruck dagegen nicht bekannt, womit er spezifisch für Rom zu sein scheint. Für viele deutet dies daher darauf hin, dass sich der Kelch Christi in Rom befand.
„Das letzte Abendmahl“ von Leonardo da Vinci

„Das letzte Abendmahl“ von Leonardo da Vinci.

Rettung vor den Römern

Einer Legende zufolge blieb der Heilige Kelch bis zur Zeit von Papst Sixtus II. († 258) im Besitz der frühen Päpste. Sixtus II. soll den Kelch sogar mehr als sein eigenes Leben geschätzt haben. Während der Christenverfolgung durch Kaiser Valerian schmiedete er einen Plan, damit der Kelch nicht in die Hände der Römer fiel. Einen derartigen Rettungsversuch unternahm er für sich selbst nicht und er starb später den Märtyrertod.
Sixtus vertraute die kostbare Reliquie seinem Diakon, dem heiligen Laurentius, an. Sein Auftrag: den Kelch außer Reichweite des römischen Kaisers zu bringen. Der aus Spanien stammende heilige Laurentius folgte der Anweisung und brachte den Kelch nach Huesca im Norden Spaniens.
Doch einige Jahrhunderte später geriet das heilige Relikt erneut in Gefahr. Als die Muslime 713 in Spanien einfielen, wurde der Kelch im Kloster San Juan de la Peña in den spanischen Pyrenäen versteckt. Erst 1399 übergaben die Mönche das Gefäß an König Martin I. von Aragon (1356–1410). Dieser bewahrte ihn zunächst in seinem Palast in Saragossa und später im Palast in Barcelona auf.

Replik des Heiligen Kelches von Valencia im Kloster San Juan de la Peña.

Sein zweiter Nachfolger, König Alfons der Großmütige (1396–1458), brachte den Kelch schließlich nach Valencia. Um seinen Krieg zu finanzieren, lieh sich der König Geld von der Kirche und gab den Kelch 1437 als Teil der Rückzahlung an die Kathedrale von Valencia.
Obwohl seine Reise 1437 endete, war der Kelch noch nicht außer Gefahr. Er überstand einen Sturz am Karfreitag 1744 und die Schändung der Kathedrale während des Spanischen Bürgerkriegs. Heute ruht der Kelch für alle sichtbar in dieser Kathedrale.

Der Heilige Kelch

Dieser Heilige Kelch besteht aus zwei Teilen: einem goldenen Sockel mit Henkeln und einem Becher. Der Becher selbst gilt als die Reliquie, die Jesus verwendet hat. Er besteht aus rotbraunem Achat, dessen natürliches Muster der gebänderten und mit Wirbeln versehenen Oberfläche des Jupiters ähnelt.
Eine archäologische Untersuchung aus den 1960er-Jahren ergab, dass der Kelch aus dem 1. oder 2. Jahrhundert v. Chr. stammt. Zudem sei er in der Nähe von Palästina und Ägypten – der einzigen Region, in der diese Art von Achat vorkommt – von Hand gefertigt worden. Er hat dieselbe Größe wie ein traditioneller jüdischer Kiddusch-Kelch (ein Segenskelch), und genau ein solcher sei beim letzten Abendmahl verwendet worden.
Der goldene Ständer ist dagegen deutlich jünger und stammt aus dem 11. Jahrhundert. Heute gehen Forscher davon aus, dass man im Mittelalter einen angemessenen Rahmen schaffen wollte, um den Kelch, den man als Reliquie betrachtete, zu präsentieren. Heute ruht er still im kühlen, schattigen Inneren einer besonderen Kapelle in der Kathedrale von Valencia und schimmert sanft in einer Kristallvitrine.

Der 17,5 Zentimeter hohe Kelch in seiner Vitrine.

Foto: Catalin Daniel Ciolca/iStock

Jahrhundert für Jahrhundert, von einem Hüter zum nächsten weitergereicht, immer wieder die Gefahren von Verfolgung und Krieg bestehend, ist der Kelch bis in unsere Tage erhalten geblieben. Für viele ist er damit eine greifbare Verbindung zur Zeit Jesu und eines der bestgehüteten Geheimnisse Valencias.
„Wenn es einen Kelch gibt, der der Überlieferung zufolge in den Händen Jesu war, dann ist der Heilige Kelch der Kathedrale von Valencia zweifellos der einzige, der alle Anforderungen erfüllt […]“, so die Kunsthistorikerin Dr. Ana Mafé.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Real Quest for the Holy Grail“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)
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Die San José: Der Heilige Gral der Schiffswracks


In Kürze:

  • Das Segelschiff „San José“ war zu Beginn des 18. Jahrhunderts Teil der berühmten spanischen Silberflotte.
  • Infolge des Erbkriegs wurde das spanische Schiff versehentlich mitsamt seiner milliardenschweren Ladung von den Engländern versenkt.
  • Mit seiner Wiederentdeckung liefern sich vier Parteien ein Tauziehen um den Besitz des Wracks und seiner kostbaren Schätze.

 
Vor der Küste von Kolumbien liegt der vermutlich größte Schatz der Welt, 600 Meter tief, unter Sand vergraben. Vor drei Jahrhunderten sank hier eines der schwerstbeladensten Kriegsschiffe Spaniens zusammen mit Hunderten Tonnen Edelmetallen und -steinen.
Für die hölzerne „San José“ war es eine Fahrt in den sicheren Untergang – eingeleitet durch einen unglücklichen Befehl. Ein mehrstündiger Kanonenbeschuss und eine Explosion rissen den stolzen Segler auseinander und die über 600 Menschen an Bord aus dem Leben. Was bis heute bleibt, ist ein Tauziehen um das Milliarden Euro teure Kriegsgrab, das als „Heiliger Gral der Schiffswracks“ gilt. Doch der Reihe nach.

Die „San José“ – gebaut für den Krieg

Im 17. Jahrhundert gehörte das königliche Spanien zu den größten Kolonialmächten Europas. Um seinen Einfluss zu erweitern und mit anderen Staaten zu konkurrieren, baute das Kontinente umspannende Reich stetig seine Schiffsflotte aus.
Eine der historisch wichtigsten Erweiterungen gab die spanische Krone im Dezember 1694 in Auftrag: den Bau zweier identischer Kriegsschiffe. Die beiden Dreimast-Vollschiffe mit den Namen „San José“ und „San Joaquín“ verfügten über jeweils zwei Decks und 64 Kanonen.
Die San José könnte so ähnlich ausgesehen haben wie diese venezianische Galeone

Die „San José“ könnte so ähnlich ausgesehen haben wie diese venezianische Galeone, nur größer, schwerer und stärker bewaffnet.

Auf den rund 39 Meter langen und über 11,5 Meter breiten Seglern dienten nach ihrer Fertigstellung im Jahr 1700 jeweils circa 550 Seemänner und Soldaten. Der erste Einsatz erfolgte im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges (1701–1714), in dem die beiden Schwesterschiffe bis zum März 1706 erfolgreich die iberischen Seegebiete im Mittelmeer verteidigten.
Im Anschluss daran erteilte die spanische Krone den Kapitänen der „San José“ und „San Joaquín“ einen wichtigen Auftrag. Sie sollten den neuen Vizekönig von Peru und den Erzbischof von Santa Fe sicher nach Cartagena de Indias in Kolumbien bringen. Die Flotte aus zehn Handels- und drei Kriegsschiffen erreichte unter der Führung des Flaggschiffs „San José“ nach rund sechs Wochen und mehr als 4.000 Seemeilen sicher ihr Ziel.

Im Dienst der Spanischen Silberflotte

Bis zum Januar 1708 verblieb die „San José“ im neuen Heimathafen von Cartagena de Indias, bis sie Teil der Spanischen Silberflotte wurde. Deren Schiffe transportierten in der Regel zweimal jährlich Rohstoffe und edle Güter aus den Kolonien nach Spanien. Im Gegenzug gelangten auf dem Rückweg zahlreiche Alltagswaren von Europa nach Mittel- und Südamerika sowie Asien.
Doch nicht selten kam es zu Verlusten von Schiffen und Waren – etwa durch Unwetter oder Überfälle. Um Letzterem vorzubeugen, reisten die mit edlen Gütern beladenen Handelsschiffe ab dem 16. Jh. zusammen mit gut ausgerüsteten Kriegsschiffen in einer Art Konvoi.
Diese Schutzmaßnahme wurde 1543 gesetzlich vorgeschrieben, nachdem italienische Piraten drei Schiffe des berühmten Hernán Cortés (1485–1547) kaperten und die Schätze erbeuteten. Cortés ist dafür bekannt, dass er in Mittel- und Südamerika das Gold der Azteken suchte, raubte und nach Spanien schickte. Dieses war für Spanien enorm wichtig, um seine teure Kriegspolitik zu finanzieren.

Hernán Cortés (1485–1547) suchte im Auftrag der spanischen Krone in Mittel- und Südamerika das Gold der Azteken.

„San José“ zwischen Thronstreit und Geldnot

Zwischen 1701 und 1714 befand sich Spanien im Streit um die Nachfolge des Throns von Karl II. (1661–1700). Denn der König aus dem Hause der Habsburger war trotz zweier Ehen kinderlos und damit ohne Erbe geblieben.

Weil Karl II. (1661–1700), König von Spanien, ohne Erbe blieb, kam es zum Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714).

Doch gleich zwei Parteien sahen sich in der ungeregelten Nachfolge als rechtmäßige Erben des Throns: der französische Prinz Philipp von Anjou (1683–1746) aus dem Hause Bourbon und der österreichische Erzherzog Karl (1685–1740) aus dem Hause der Habsburger.
Spanien und Frankreich standen damit letztlich England, den Niederlanden und dem Heiligen Römischen Reich gegenüber. Um das iberische Königreich während des Krieges zu schwächen, begannen seine Gegner, die spanische Silberflotte zu attackieren und zu plündern.
Ziel war es, die zwingend für den Krieg benötigten Gold- und Silberlieferungen abzufangen und Spanien so in große finanzielle Not zu bringen. Dieses Vorhaben gelang – aber nicht so, wie sich die Engländer ihre Mission vorgestellt hatten.

Bis zu 23 Milliarden Euro schwer

Im Mai 1708 begab sich die „San José“ und ihre Crew ungeahnt auf ihre letzte große Fahrt. Zunächst war sie in einem Konvoi aus elf Handels- und sieben Kriegsschiffen auf dem Weg nach Portobelo in Panama. Dort wurde die spanische Flotte mit Reichtümern beladen.
Das meiste und wertvollste bargen traditionell die Kriegsschiffe des Konvois, da diese militärisch am besten ausgerüstet waren. So kam es, dass allein die „San José“ mit über 300 Tonnen Gold und Silber sowie mehr als 100 Kisten mit peruanischen Smaragden beladen war. Heute besitzt diese Ladung einen geschätzten Wert zwischen 4 und 23 Milliarden Euro. Könnte eine Person den gesamten Schatz ihr Eigen nennen, würde sie schlagartig zu den 100 reichsten Menschen der Welt gehören. Ein ähnliches Vermögen besitzen Peter Thiel (PayPal), Stefan Quandt (BMW) oder Melinda Gates.
Im Anschluss sollte der Konvoi mitsamt Schatz zunächst wieder in den Heimathafen von Cartagena einlaufen, wo die Schiffe umfassend gewartet werden sollten. Berichten zufolge war die „San José“ wie viele andere Schiffe der spanischen Flotte des 18. Jahrhunderts in einem schlechten Zustand.
Danach sah die Reiseroute eine Überfahrt zum Zwischenhafen in Havanna sowie die finale Fahrt nach Cádiz, Spanien, vor. Doch so weit sollte die „San José“ nie kommen. Bereits 30 Kilometer vor Cartagena lauerten englische Kriegsschiffe auf den spanischen Konvoi.
Die angedachte Reiseroute der San José

Die 1708 angedachte Reiseroute der „San José“.

Foto: Epoch Times; dikobraziy/iStock

Die letzte Fahrt – hinein in den Untergang

Am Nachmittag des 8. Juni 1708 trafen die Engländer und Spanier schließlich aufeinander. Inwieweit diese Situation für die Besatzung der „San José“ überraschend kam, ist nicht bekannt. Laut historischen Quellen meldete der Statthalter von Cartagena vor dem Auslaufen der Schiffe in Panama, dass britische Schiffe in den nahen Gewässern gesichtet worden waren. Dennoch gaben die Kapitäne der Silberflotte mit ihren 600 Reisenden an Bord den Befehl, die Leinen zu lösen.
Insgesamt standen sich bei der Seeschlacht von Cartagena de Indias sieben spanische Kriegsschiffe mit rund 2.600 Seeleuten und 312 Kanonen, und vier englische Kriegsschiffe mit circa 1.500 Seemännern und 192 Kanonen gegenüber. Das wesentliche Kampfgeschehen fand jedoch unter den beiden Flaggschiffen „San José“ und Expedition statt.
Die San José wurde in der Schlacht von Cartagena de Indias versenkt

Gemälde zur Schlacht von Cartagena de Indias (1708) von dem britischen Maler Samuel Scott (1703–1772).

Die Briten, kommandiert von Charles Wager (1666–1743), eröffneten das Kanonenfeuer und versuchten im Rahmen des Angriffs, der auch als Wager’s Action bekannt ist, die „San José“ zu entern und den Schatz zu erbeuten.
Nach wenigen Stunden des Gefechts kam es jedoch zu einer Explosion und die „San José“ sank binnen kürzester Zeit. Von den mehr als 600 Menschen an Bord, konnten die britischen Schiffe lediglich elf Personen retten – alle anderen versanken mitsamt dem Schatz in den Fluten.
Andere Schiffe des spanischen Konvois wurden von den Briten erobert, von den Spaniern selbst versenkt oder konnten entkommen. So schaffte es unter anderem das zweite reich beladene Schiff, die San Joaquín, sicher in den Hafen von Cartagena. Auf der spanischen Seite starben insgesamt über 700 Menschen, mehr als 500 wurden verletzt und rund 200 gefangengenommen.

Charles Wager (1666–1743) kommandierte das britische Flaggschiff Expedition, das die „San José“ versenkte.

Tauziehen um das Wrack

Aufgrund der milliardenschweren Ladung war das Kriegsgrab ein begehrtes Ziel von Schatztauchern und Historikern. Doch es gab ein Problem: Der Fundort der „San José“ war unbekannt.
1979 handelten US-amerikanische Investoren von Sea Search-Armada deshalb einen Vertrag mit dem kolumbianischen Staat aus, in dessen Gewässern die „San José“ liegen sollte. Dieser erlaubte der privaten Firma, nach dem Wrack zu suchen. Bei einem Erfolg sollte die Firma einen Anteil am Gewinn erhalten.
Bereits zwei Jahre später meldeten die Mitglieder von Sea Search-Armada um den renommierten Historiker Dr. Eugene Lyon, dass sie das Wrack lokalisieren konnten. Kolumbien zog daraufhin seine Erlaubnis zurück und untersagte der Firma, weitere Forschungen durchzuführen.
In dem Wrack der San José könnten unter anderem Goldmünzen wie diese geladen gewesen sein

In dem Wrack der „San José“ könnten unter anderem Goldmünzen wie diese geladen gewesen sein.

2015 verkündete die kolumbianische Regierung, dass das Wrack der „San José“ vor der Halbinsel Barú von der Marine entdeckt worden war. Per Gerichtsbeschluss erklärte Kolumbien die „San José“ zu ihrem Eigentum und stufte den Fund als Staatsgeheimnis ein, womit Untersuchungen durch unabhängige, internationale Forschergruppen untersagt sind.
„Das archäologische Erbe und andere kulturelle Ressourcen, die die nationale Identität geprägt haben, gehören der Nation und sind unveräußerlich, können nicht beschlagnahmt werden und verjähren nicht“, hieß es sodann in Artikel 72 der kolumbianischen Verfassung
Bis 2022 reichte Sea Search-Armada mehrere Klagen wegen Vertragsbruchs ein und verwies darauf, dass das Wrack tatsächlich an dem von ihnen im Jahr 1981 ermittelten Fundort liege.

„Wenn zwei sich streiten …“

Nicht nur der kolumbianische Staat und die private Firma Sea Search-Armada ringen um den Anspruch des Wracks, sondern auch Spanien. Das Mutterland der „San José“ verweist dabei auf offizielle Übereinkommen – etwa die Konvention zum Schutz des Kulturerbes unter Wasser der UNESCO von 2001.
Laut Artikel 1, 3 und 9 sind Schiffe und ihre Ladung Teil des Unterwasserkulturerbes und mögliche Eingriffe müssen dem Eigentumsstaat gemeldet werden. Bezüglich des Eigentumsstaates verweist die UNESCO auf das internationale UN-Seerechtsübereinkommen (UNCLOS).
Darin ist in Artikel 91 geregelt, dass Schiffe „die Staatsangehörigkeit des Staates [besitzen], dessen Flagge sie führen“. Weiterhin besagt Artikel 149, dass alle archäologischen und historischen Gegenstände, zu bewahren oder zu verwerten sind, „wobei den Vorzugsrechten des Herkunftsstaates oder -landes, des Staates, aus dem die Kultur stammt, oder des Staates, aus dem die historischen und archäologischen Fundstücke stammen, besondere Beachtung zu schenken ist“.
Die kolumbianische Regierung hat jedoch weder jemals die UNESCO-Konvention noch das UN-Seerechtsübereinkommen unterzeichnet, womit rechtlich betrachtet keine widrigen Handlungen vorgenommen werden.
30 Kilometer vor Cartagena ist die San José 1708 gesunken

Ein Blick auf das heutige Cartagena in Kolumbien.

Foto: RoNeDya/iStock

Mit dem bolivianischen Volksstamm der Qhara Qhara erhebt zudem eine vierte Partei Anspruch auf die Ladung der „San José“. Als Begründung führen die Indigenen an, dass sie vor über 300 Jahren von den Spaniern gezwungen wurden, die Edelmetalle und -steine aus ihren Minen abzubauen, und die Rohstoffe somit aufgrund ihrer Herkunft Bolivien gehörten. Die UN-Konventionen unterstützen diese Lesart nicht, denn Rohstoffe sind keine Kulturgüter.

Erforschung der Geschichte der „San José“

Aufgrund nationaler Bestimmungen wird die „San José“ seit ihrer (Wieder-)Entdeckung im Alleingang vom Kolumbianischen Institut für Anthropologie und Geschichte (ICANH) untersucht. Demnach liege das Wrack ungeplündert neben weiteren gesunkenen, kleineren Schiffen am Meeresboden.
Zunächst erkundeten die kolumbianischen Forscher das Wrack mit einem autonomen Unterwasserfahrzeug, um die Ausmaße der Fundstelle und die Verteilung der Artefakte am Grund zu beurteilen. Dabei wurde das ICANH verpflichtet, eine umfassende Liste mit allen zum Wrack gehörenden Objekten anzufertigen.
Später folgte die Bergung ausgewählter Funde – etwa von Bronzekanonen, spanischen Münzen und chinesischem Porzellan. Anschließende Untersuchungen sollten klären, wann und wie die Gegenstände hergestellt wurden und wie ihre Erhaltung nach 300 Jahren ist.
Ob in Zukunft weitere Funde geborgen werden oder eine Ausgrabung unter Wasser durchgeführt wird, um die Geschichte der „San José“ weiter aufzudecken, ist bislang unbekannt. Sicher ist nur, dass die bisher geborgenen Funde in einem Museum in Cartagena ausgestellt werden sollen.