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Mahjong-Boom in den USA: Wie ein altes Spiel neue Freundschaften schafft

Während viele Menschen im Alter mit Einsamkeit und einem kleiner werdenden sozialen Umfeld kämpfen, entsteht in den USA eine ungewöhnliche Gemeinschaft rund um ein jahrhundertealtes Spiel aus China: Mahjong. In einem Vorort von Memphis treffen sich Frauen regelmäßig zum gemeinsamen Spielen, Lachen und Austauschen – nicht nur wegen der Spielsteine, sondern vor allem wegen der Verbindung untereinander.
Es ist ein Donnerstagnachmittag in einem Barbecue-Restaurant. Dutzende Frauen sitzen an Tischen, vor sich Reihen kleiner Spielsteine, und legen konzentriert Muster. Sie lachen, sprechen miteinander und bleiben ständig in Bewegung. „Lunch and Play“ nennt die Gruppe MahJ Squad 901 dieses gemeinsame Ritual.
Gegründet wurde die Gemeinschaft von den Schwestern Patricia Ford und Sandy Sissom kurz nach der Corona-Pandemie in der Nähe von Memphis. „Wir haben einfach angefangen zu spielen, und die Runde wurde immer größer und größer“, sagt Sissom. Heute bringen sie Mahjong auch anderen Menschen in der gesamten Region Mid-South näher.
Der Anstoß dafür kam aus einer persönlichen Erfahrung innerhalb der eigenen Familie. Die Schwestern beobachteten, wie ihre Mutter im Alter immer mehr Freunde verlor. „Wenn man älter wird, wird der Kreis kleiner“, sagt Sissom. Deshalb wollten sie eine Gemeinschaft schaffen, die groß und vielfältig genug ist, damit niemand das Gefühl hat, am Ende allein zurückzubleiben.
Mahjong ist dabei weniger das eigentliche Ziel als vielmehr das verbindende Element. Das Spiel schafft einen festen Anlass für regelmäßige Treffen, gemeinsame Erlebnisse und neue soziale Kontakte.
Mahjong – ausgesprochen etwa „Ma-dschong“ – entstand im China des 19. Jahrhunderts, vermutlich in der Region um Ningbo und Shanghai gegen Ende der Qing-Dynastie. Der Name bedeutet wörtlich „Sperling“. Einer verbreiteten Erklärung zufolge geht die Bezeichnung auf das Geräusch der Spielsteine beim Mischen zurück, das an das Klappern und Zwitschern einer aufgescheuchten Spatzenschar erinnert.

Mitglieder des MAHJ Squad 901 spielen Mahjong in einem Gemischtwarenladen in Memphis, Tennessee. Die Gruppe wurde von zwei Schwestern nach der COVID-19-Pandemie gegründet, um soziale Kontakte zu etablieren.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Patricia Ford, Jacki Thrapp/The Epoch Times

In Memphis wird allerdings nicht die klassische chinesische Variante gespielt, sondern American Mah Jongg, eine im 20. Jahrhundert in den USA entwickelte Form des Spiels. Sie unterscheidet sich unter anderem durch zusätzliche Jokersteine und eine jährlich wechselnde Spielkarte, auf der die gültigen Gewinnkombinationen festgelegt sind. Gespielt wird in der Regel zu viert. Ziel ist es, eine Hand aus 14 Steinen zusammenzustellen, die exakt einer der vorgegebenen Kombinationen auf der Karte entspricht.
Was zunächst einfach klingt, erfordert viel Übung und Konzentration. Da die Karte jedes Frühjahr erneuert wird, können sich die Spielerinnen nicht dauerhaft auf einmal gelernte Muster verlassen. Mit jeder neuen Saison müssen sie neue Kombinationen verstehen, Strategien anpassen und sich wieder auf die veränderten Regeln einstellen.

Ordnung aus dem Chaos

Am Anfang jeder Partie steht der sogenannte „Charleston“: Dabei geben die Spielerinnen reihum nicht benötigte Steine weiter – drei nach rechts, drei an die gegenüberliegende Spielerin und drei nach links. Dieses kreisförmige Tauschen dient dazu, die eigene Hand zu ordnen und erste Strategien zu entwickeln, bevor der eigentliche Wettkampf mit Ziehen und Ablegen der Steine beginnt.
Wer als Erste eine gültige Kombination vervollständigt, ruft „Mahjong“ und gewinnt die Runde. Spielerinnen vergleichen das Spiel häufig mit einer Mischung aus Schach, Bridge und Rommé – kombiniert mit der sozialen Atmosphäre eines regelmäßigen Treffens, bei dem Strategie, Austausch und Geselligkeit zusammenkommen.
Die Schauspielerin Julia Roberts, die Mahjong bereits lange vor dem aktuellen Trend für sich entdeckte, beschrieb den Reiz des Spiels einmal als den Versuch, aus zufällig gezogenen Steinen Ordnung zu schaffen. Da sich die Spielsituation mit jedem Zug verändert, erfordert jede Runde neue Entscheidungen, Anpassungsfähigkeit und Konzentration.
Mahjong Spielerinnen in einem Restaurant in Memphis, Tennesse im Juni 2026.

Mahjong-Spielerinnen in einem Restaurant in Memphis, Tennesse, am 19.Juni 2026.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Patricia Ford, Jacki Thrapp/The Epoch Times

Mahjong hat Amerika schon einmal erobert

Dass ausgerechnet Mahjong diese Rolle übernimmt, ist in den USA nicht neu. Als das Spiel in den 1920er-Jahren nach Amerika gelangte, löste es eine landesweite Begeisterung aus, die den heutigen Aufschwung noch deutlich übertraf.
Joseph Park Babcock, ein Vertreter des Ölkonzerns Standard Oil, gehörte zu den Personen, die Mahjong in den Vereinigten Staaten populär machten. Er vereinfachte die Regeln für amerikanische Spieler und trug dazu bei, dass das Spiel schnell in wohlhabenden Gesellschaftskreisen Fuß fasste. Selbst im Weißen Haus spielten Präsident Warren G. Harding und seine Frau Mahjong.
Auch in Hollywood fand das Spiel Anhänger. Berichten zufolge gehörten Stummfilmstars wie Mildred Davis und Bessie Love zu den begeisterten Spielerinnen. In Los Angeles veranstaltete ein Gastronom für seine prominenten Gäste sogar eigene „Mahjong-Tees“, für die sie zeitgenössischen Berichten zufolge teilweise ihre Studioverpflichtungen unterbrachen.
Der Import nahm bald enorme Ausmaße an. Im Jahr 1923 waren Mahjong-Sets aus Shanghai das sechstgrößte Exportgut der Stadt in die Vereinigten Staaten. Die Nachfrage war so hoch, dass sogar Rinderknochen aus Kansas und Chicago nach China geliefert wurden, um daraus Spielsteine für den amerikanischen Markt herzustellen.
Der Revenue Act von 1924 belegte Mahjong-Sets mit einer zehnprozentigen Steuer. Diese Maßnahme sorgte für Unmut in der Branche. Die Bostoner Spielefirma Hillson legte sogar eine Petition dagegen ein – jedoch ohne Erfolg.
Doch die große Mahjong-Welle verschwand fast so schnell, wie sie entstanden war. Mit dem Börsencrash von 1929 und der folgenden Weltwirtschaftskrise verlor das Spiel seinen Status als gesellschaftliches Symbol der Wohlhabenden. Teure Spielsets und aufwendige Mahjong-Abende passten nicht mehr in eine Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit.
Mahjong verschwand jedoch nie vollständig. Es überlebte in kleineren Gemeinschaften, besonders unter jüdischen Frauen in New York. Dort wurde es nicht als vorübergehender Trend, sondern als soziales Ritual über Generationen hinweg weitergegeben. Man traf sich regelmäßig, spielte gemeinsam, tauschte sich aus und pflegte Freundschaften.

Die Rückkehr

Nach der Corona-Pandemie nahm die Begeisterung für Mahjong erneut zu. Gruppen wie jene in Memphis trafen offenbar ein Bedürfnis vieler Frauen, ihre sozialen Kontakte wieder auszubauen und regelmäßige persönliche Begegnungen zurück in ihren Alltag zu holen.
Im April 2026 ermittelte die Spieleplattform Bam Good Time anhand öffentlicher Verzeichnisse 1.026 Mahjong-Clubs in den gesamten Vereinigten Staaten. Private Spielrunden und kleinere Gruppen dürften in dieser Zahl allerdings nicht vollständig erfasst sein.
Neben dem sozialen Aspekt bietet Mahjong auch eine geistige Herausforderung. Eine im Jahr 2020 veröffentlichte Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass ältere Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung nach zwölf Wochen regelmäßigem Mahjong-Spielen bei Tests zu exekutiven Funktionen bessere Ergebnisse erzielten als eine Vergleichsgruppe.
Mit der wachsenden Popularität entdecken auch Händler und Luxusmarken das Potenzial des Spiels. Marken wie Tiffany & Co., Prada und Coach bieten eigene Mahjong-Sets an. Hermès verkaufte beispielsweise Sets aus Palisanderholz und Kalbsleder für 42.000 US-Dollar. Louis Vuitton bietet ein handgefertigtes „Vanity Mahjong“-Set aus Corian und Holz für rund 63.000 US-Dollar an, das ausschließlich über einen Concierge-Service erhältlich ist.
Für die Freude am Spiel ist solcher Luxus jedoch nicht notwendig. Ein ansprechendes Set für vier Personen ist in den USA bereits ab etwa 50 US-Dollar und in Deutschland ab etwa 40 Euro erhältlich. Der eigentliche Wert von Mahjong liegt ohnehin weniger im Material der Steine als in der Regelmäßigkeit, mit der Menschen zusammenkommen.
„Es ist nicht nur etwas für alte Damen“, sagt Sissom und lacht. „Wir bringen es vielen jungen Frauen bei.“
Jüngere Spielerinnen lernen die Regeln von erfahrenen Mahjong-Spielerinnen, neue Teilnehmerinnen kommen hinzu – und aus einem einfachen Treffen an einem Donnerstagnachmittag entsteht allmählich ein festes Ritual.
Auch in Deutschland gibt es Freunde des chinesischen Gesellschaftsspiels Mahjong (oder auch Mah-Jongg geschrieben).

Auch in Deutschland gibt es Freunde des chinesischen Gesellschaftsspiels Mahjong (oder auch Mah-Jongg geschrieben).

Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Mahjong in Deutschland

Viele Menschen in Deutschland verbinden mit Mahjong vor allem ein Computerspiel, bei dem gleiche Steine paarweise vom Bildschirm entfernt werden. Mit dem traditionellen Mahjong, das von vier Personen mit Spielsteinen gespielt wird, hat diese digitale Variante jedoch nur wenig gemeinsam.
In Deutschland ist Mahjong bislang vor allem durch Vereine, Regionalgruppen und den Turnierbetrieb sichtbar. Seit 2002 gibt es die Deutsche Mah-Jongg Liga, die neue Spielrunden fördern und verschiedene Spielvarianten vermitteln möchte. Eine mit den USA vergleichbare Welle gemeinschaftlicher Mahjong-Treffen ist derzeit zwar nicht erkennbar, aber auch nicht ausgeschlossen – denn private Spielrunden erscheinen in keiner offiziellen Statistik.
Ob die neue amerikanische Begeisterung für Mahjong auch nach Deutschland überspringt, bleibt abzuwarten. Gesellschaftsspiele erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit, und für eine Partie braucht es nicht viel: vier Spieler, einen Satz Steine und die Bereitschaft, einige Stunden gemeinsam ohne Bildschirm zu verbringen.
In East Memphis wird derweil weiter gemischt, getauscht und überlegt. Aus den Steinen entstehen neue Kombinationen – und aus einzelnen Spielerinnen wächst eine Gemeinschaft.
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Wenn die Rente für die Heimkosten nicht reicht: Welche Möglichkeiten der Unterstützung es gibt


In Kürze:

  • Die Kosten für Pflegeplätze in Heimen steigen stetig.
  • Im Durchschnitt müssen Pflegebedürftige 3.364 Euro pro Monat selbst zahlen.
  • Das eigene Vermögen muss bis zu einer bestimmten Grenze eingesetzt werden.
  • Ein Reformpaket des Bundesgesundheitsministeriums setzt unter anderem auf mehr Prävention.

 
Wer im Alter pflegebedürftig ist und in einer Einrichtung betreut werden muss, für den wird die finanzielle Belastung immer größer. Nach Angaben des Verbands der Ersatzkassen (vdek) müssen Pflegebedürftige im ersten Jahr ihres Aufenthalts in einem Pflegeheim bundesweit durchschnittlich 3.364 Euro pro Monat selbst zahlen. Diese Zahl bezieht sich auf den durchschnittlichen Eigenanteil zum Stichtag 1. Juli 2026 und liegt damit 256 Euro höher als im Vorjahr.

Unterschiede in Bundesländern bei Eigenleistungen

Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um den Anteil, den Bewohner für die Pflege selbst bezahlen müssen. Der Gesamtbetrag setzt sich laut einem Bericht des Verbands aus mehreren Bestandteilen zusammen. Dazu gehören neben dem einrichtungseinheitlichen Eigenanteil für pflegebedingte Kosten auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung, die Investitionskosten der Pflegeeinrichtung sowie weitere Ausgaben wie die Ausbildungsumlage.
Die Höhe des Eigenanteils unterscheidet sich je nach Bundesland und Pflegeeinrichtung deutlich. Der vom vdek genannte Bundesdurchschnitt von 3.364 Euro bedeutet daher nicht, dass jeder Bewohner genau diesen Betrag zahlt. In Nordrhein-Westfalen liegt der durchschnittliche Eigenanteil im ersten Aufenthaltsjahr beispielsweise bei 3.671 Euro.
Mit zunehmender Dauer des Aufenthalts sinkt der Eigenanteil zwar, weil die Pflegeversicherung Zuschüsse zu den pflegebedingten Kosten zahlt, die Ausgaben für Unterkunft, Verpflegung und weitere Leistungen müssen die Bewohner jedoch weiterhin selbst tragen.

Entlastung durch „Hilfe zur Pflege“

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Finanzierung stationärer Pflege für viele Familien eine erhebliche Herausforderung darstellt. Reichen eigenes Einkommen oder Vermögen nicht aus, können Betroffene unter bestimmten Voraussetzungen „Hilfe zur Pflege“ in Form von Sozialhilfe beantragen.
Das ist möglich, wenn die Leistungen der Pflegeversicherung sowie eigenes Einkommen und Vermögen die Pflegekosten nicht decken. Zuvor muss das eigene Vermögen jedoch bis auf ein sogenanntes Schonvermögen von 10.000 Euro bei Alleinstehenden beziehungsweise 20.000 Euro bei Ehepaaren für die Pflege eingesetzt werden. Auch das Einkommen und Vermögen eines nicht dauerhaft getrennt lebenden Ehe- oder Lebenspartners werden geprüft. Dies ist im Sozialgesetzbuch XII, insbesondere in den Paragrafen 61 bis 66a, geregelt.
Zuständig für den Antrag auf „Hilfe zur Pflege“ ist das jeweilige Sozialamt. Antragsteller müssen dafür verschiedene Unterlagen und Nachweise einreichen. Dazu gehören unter anderem der Personalausweis oder Reisepass, der Bescheid über den Pflegegrad sowie, falls vorhanden, das Gutachten des Medizinischen Dienstes (MD).
Außerdem verlangt das Sozialamt Nachweise über Einkommen und Vermögen. Dazu zählen aktuelle Kontoauszüge, Unterlagen zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie Belege über regelmäßige Ausgaben. Je nach Wohnsituation können auch der Mietvertrag oder bei stationärer Pflege der Heimvertrag erforderlich sein. Stellt ein gesetzlicher Betreuer oder Bevollmächtigter den Antrag, müssen zusätzlich der Betreuerausweis oder die Vollmacht vorgelegt werden. Je nach Einzelfall kann das Sozialamt weitere Nachweise anfordern.

Kinder können zum Elternunterhalt herangezogen werden

Auch Kinder von Pflegebedürftigen können zur Begleichung von Pflegekosten verpflichtet werden. Dieser sogenannte Elternunterhalt greift jedoch nicht grundsätzlich. Das im Jahr 2020 in Kraft getretene Angehörigen-Entlastungsgesetz (§ 94 Abs. 1a SGB XII) sieht vor, dass Kinder erst ab einem Jahreseinkommen von mehr als 100.000 Euro brutto herangezogen werden.
In bestimmten Fällen kann auch Wohngeld eine Entlastung bieten. Es kommt infrage, wenn das eigene Einkommen niedrig ist, aber kein Anspruch auf Sozialhilfe oder Grundsicherung besteht. Auch Bewohner eines Pflegeheims können diese Unterstützung erhalten, wenn sie dort dauerhaft leben und die Unterkunftskosten nicht bereits durch andere Sozialleistungen gedeckt sind. Wohngeld dient ausschließlich der Entlastung bei den Wohnkosten.
Eine weitere Option ist das Pflegewohngeld, welches jedoch derzeit nur von drei Bundesländern angeboten wird. Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein unterstützen damit Bewohner von Pflegeheimen mit geringem Einkommen bei den Investitionskosten. Da es sich um eine landesrechtliche Leistung handelt, unterscheiden sich die Voraussetzungen und die Höhe je nach Bundesland.
Das Bundesgesundheitsministerium nennt die Personalkosten als einen wesentlichen Grund für die steigenden Kosten in Pflegeheimen. Pflegekassen und Einrichtungen vereinbaren die Pflegesätze regelmäßig neu. Dabei werden unter anderem die Lohnentwicklung und höhere Personalkosten berücksichtigt. Steigen die Gehälter der Pflegekräfte, erhöht sich auch der finanzielle Aufwand der Pflegeheime – und damit die Eigenanteile der Bewohner.

31.000 offene Stellen in der Pflege

Im Mai des vergangenen Jahres veröffentlichte die Bundesagentur für Arbeit einen Bericht zur Arbeitsmarktsituation in Pflegeberufen. Demnach waren im Jahr 2025 rund 1,8 Millionen Pflegekräfte in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das entspricht einem Plus von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Während die Zahl der Beschäftigten in der Pflege weiter stieg, stagnierte sie in anderen Bereichen aufgrund der schwächelnden Wirtschaft.
Die Zahl der offenen Stellen lag im Jahresdurchschnitt dem Bericht zufolge bei etwa 31.000. Gleichzeitig waren im Jahresmittel 60.000 Beschäftigte aus dem Pflegebereich arbeitslos – 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Wie die Behörde erläutert, passen Angebot und Nachfrage häufig nicht zusammen. Gesucht werden vor allem examinierte Pflegefachkräfte oder Pflegeassistenzkräfte. Mehr als die Hälfte der Erwerbslosen sucht dagegen eine Tätigkeit in der Pflege, für die kein Berufsabschluss erforderlich ist.
Die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will die Pflegeversicherung mit einem Reformpaket finanziell stabilisieren. Dabei setzt sie verstärkt auf Prävention, damit Pflegebedürftigkeit später eintritt. Zudem sollen die Leistungen für die häusliche Pflege in flexiblere Budgets gebündelt werden. Angehörige sollen durch eine professionelle Pflegebegleitung stärker unterstützt werden. Die Reform soll außerdem die Ausgaben begrenzen und die Finanzierung sichern. Ab 2028 sollen Pflegeleistungen regelmäßig an die Preisentwicklung angepasst werden.
Darüber hinaus will Warken Anreize für zusätzliche private Pflegeversicherungen schaffen. So sollen gezahlte Beiträge möglicherweise als Vorsorgeaufwand steuerlich absetzbar werden. Diese Regelung ist innerhalb der Bundesregierung jedoch noch nicht abschließend geklärt.
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Hundertjährige überführt in Nordrhein-Westfalen Telefonbetrüger

Eine Hundertjährige hat in Nordrhein-Westfalen Telefonbetrüger überführt. Sie erkannte die Betrugsmasche, wie die Polizei Hagen am Freitag mitteilte. Demnach wurde die Frau am Donnerstag von einem Unbekannten angerufen. Dieser schilderte ihr, dass ein schwerstkranker Nachbar Geld für eine anstehende Behandlung bräuchte.
Nachdem sich der Anrufer bei der Frau über Wertsachen und Bargeld erkundigt hatte, durchschaute die Hundertjährige den Betrug und legte auf. (afp/red)
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Von der Kindheit bis ins hohe Alter – wie unsere Träume mit uns reisen


In Kürze:

  • Aktiver Prozess: Träume sind keine Zufallsprodukte, sondern ein geordneter Vorgang, bei dem Logik und Vernunft pausieren.
  • Lebensbegleiter: Von kindlichen Urängsten über den Stress der Jugend bis zur Ruhe des Alters spiegeln Träume unsere psychische Entwicklung wider.
  • Wandel der Erinnerung: Häufigkeit und Vielfalt von Träumen erreichen ihren Höhepunkt im frühen Erwachsenenalter.

 
Früh am Morgen reiben wir uns die Augen. Eben noch war er gefühlt ganz nah, dieser Traum. Doch kaum sind wir vollständig aus dem Schlaf erwacht, beginnt er, sich zu verflüchtigen. Und bald, nach dem Aufstehen, ist er fast nicht mehr greifbar. Was wir soeben noch bildhaft und emotional nachhallend im Kopf hatten, entzieht sich nach kürzester Zeit unserer Erinnerung.
„Träume sind Schäume“, lautet ein volkstümliches Sprichwort, das bis zu den Brüdern Grimm zurückverfolgt werden kann. Doch gerade ihre flüchtige und schwer greifbare Natur macht sie seit Jahrhunderten zu einem Gegenstand besonderer Faszination. Auch die Wissenschaft versucht weiterhin, herauszufinden, was im schlafenden Gehirn geschieht und wie sich das Träumen im Kielwasser des Lebensflusses fortentwickelt.
So verändern sich die flüchtigen Nachtbilder im Laufe eines Lebens auf bemerkenswerte Weise. Was ein Kind träumt, unterscheidet sich grundlegend von dem, was einen älteren Menschen nachts „beschäftigt“. Die Wissenschaft bezeichnet dies als Kontinuitätshypothese. Erstmals 1971 formuliert, besagt sie, dass unsere Träume das widerspiegeln, was wir im Wachleben wahrnehmen und empfinden. Wer im Urlaub entspannt, sieht Sonne und Sand. Wer sich im Berufsleben sorgt, wird im Schlaf ins Büro versetzt. Was uns tagsüber bewegt, taucht nachts wieder auf – und so wandelt sich das Traumleben mit jedem Lebensabschnitt.

Das schlafende Gehirn ist hoch aktiv

Rund ein Drittel des Lebens verbringen wir schlafend, einen großen Teil davon träumend. Jede Nacht durchläuft unser Gehirn mehrere Schlafzyklen. Dazu gehören vier bis sechs REM-Phasen, die sogenannten „Rapid Eye Movements“, in denen sich die Augen im Schlaf schnell hin und her bewegen, die übrigen Muskeln aber zum Schutz wie gelähmt sind, während das Gehirn auf Hochtouren arbeitet.
In erster Linie bietet der REM-Schlaf die Bühne für lebhafte, emotionale und bisweilen bizarre Träume. Forscher vermuten, dass die geschlossenen Augen den visuellen Szenen im Traum „folgen“. Doch auch im Nicht-REM-Schlaf träumen wir, nur dass es dann nicht von außen beobachtbar ist.
Was beide Zustände gemeinsam haben: Träume entstehen, wenn hintere Bereiche der Großhirnrinde aktiv bleiben, während der präfrontale Kortex, zuständig für rationales Denken und Selbstkontrolle, heruntergefahren ist. Das erklärt, warum Träume so selten logisch sind – und warum sich darin sogar konkrete Inhalte ablesen lassen.
Die Aktivierung ähnlicher Netzwerke wie im Wachzustand erklärt außerdem, warum geträumte Gesichter, Räume oder Bewegungen oft täuschend real erscheinen. Sicher ist: Träumen ist ein aktiver, geordneter Prozess, den die Forschung heute in Hirnscans sichtbar machen kann.

Unterschiedliche Schlafphasen werden in einem sogenannten Hypnogramm dargestellt. Hier folgt auf die Wachphase (W) etwas Leichtschlaf (N1), unterbrochen von erneutem Wachwerden, schließlich Tiefschlaf (N3) sowie REM-Schlaf (R).

Die Schlafphasen sind von charakteristischen Hirnwellenmustern geprägt (v.o.l.n.u.r). Leichter Schlaf (N1): Kurz nach dem Einschlafen geht das Gehirn zu Theta-Wellen (4–7 Hz) über; Übergangsphase (N2): Zu Theta-Wellen gesellen sich sogenannte Schlafspindeln (rot unterstrichen) und K-Komplexe; Tiefschlaf (N3): Delta-Wellen (0,1–4 Hz) mit hoher Amplitude treten in den Vordergrund; REM-Schlaf (R): Gehirnwellen ähneln dem Leichtschlaf, ergänzt durch schnelle willkürliche Bewegungen der Augäpfel (1–4 Hz, rot unterstrichen). Die Diagramme umfassen jeweils 30 Sekunden, EEG-Daten durch roten Kasten hervorgehoben.

Foto: ts/Epoch Times nach MrSandman/Wikimedia Commons/gemeinfrei

Eine traumhafte Reise durchs Leben

Die Grundlagenforschung zum kindlichen Träumen geht auf den Schlafforscher David Foulkes zurück, der von den 1970er- bis in die 1990er-Jahre systematisch untersuchte, wie Kinder träumen. Seinen Erkenntnissen zufolge sind die Träume der Kleinsten vergleichsweise schlicht. In ihnen kommen Tiere, statische Objekte und einfache Handlungen vor. Auch sorgen Monster und dunkle Gänge häufig für bedrohliche Szenarien. Doch das ändert sich im Laufe der Entwicklung rasch. Kinder träumen anders als Erwachsene – intensiver, ängstlicher und oft in Wiederholungen.
Michael Schredl, wissenschaftlicher Leiter des Schlaflabors am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim, vermutet, dass Kinder im Verlauf ihrer psychischen Entwicklung den Umgang mit Furcht erst lernen müssen. „Das kleine Kind schreit, wenn es Angst hat und schon sprechen kann, nach der Mutter oder dem Vater.“
Je älter das Kind werde, desto mehr sei es selbst beim Umgang mit Angstgefühlen gefordert. „Diese Fähigkeiten zur Selbstständigkeit treten dann natürlich auch im Traum auf. Die Studienlage zeigt, dass im Mittel die Alptraumhäufigkeit ab dem 10. Lebensjahr abnimmt. Welche Bilder für Ängste gewählt werden, ist sehr variabel. Träume sind sehr kreativ, besonders wenn es um die Erzeugung von Angstgefühlen beim Traum-Ich geht.“
Mit der Pubertät verändern sich diese Muster erneut. In dieser Zeit passiere natürlich viel im Körper, aber auch in der Psyche. Hormonelle Einflüsse und körperliche Veränderungen, Beziehungen zum anderen Geschlecht und auch Leistungsanforderungen beeinflussen die allgemeine Befindlichkeit – und auch die Traumwahrnehmung. So durchleben Teenager im Traum beispielsweise Stresssituationen aus dem Schulalltag, familiäre Konflikte oder den ersten Liebeskummer.

Was die Forschung misst

Auch der kanadische Schlafforscher Tore Nielsen untersuchte diese Auswirkungen, unter anderem dokumentiert in einer der größten Studien auf diesem Gebiet. Knapp 29.000 Teilnehmer im Alter von 10 bis 79 Jahren füllten einen detaillierten Fragebogen aus. Das Ergebnis war eindeutig: Die Häufigkeit des detaillierten Traumerlebens und die Erinnerung daran steigen von der Jugend bis ins frühe Erwachsenenalter und nehmen danach kontinuierlich ab.
Ebenso schwindet die Vielfalt der Traumthemen linear mit dem Alter, wie die Forschungsergebnisse zeigten, bei Männern früher als bei Frauen. Die gewonnenen Erkenntnisse basierten allerdings ausschließlich auf der Selbstauskunft der Probanden, ohne Schlaflabormessungen. Nielsen selbst wies darauf hin, dass der Rückgang der Traumerinnerung stärker ausfällt, als es die biologischen Veränderungen des REM-Schlafs allein erklären könnten. Offenbar spielen neben dem Schlaf auch psychologische und lebensstilbedingte Faktoren eine Rolle.
Im Erwachsenenleben werden Träume in der Regel etwas alltäglicher. So neigen Erwachsene dazu, häufiger vom Zuspätkommen zu träumen, oder sie suchen vergeblich etwas, das sie dringend brauchen. Dabei handelt es sich um klassische Alltagsfrustrationen, die sich, entsprechend der Kontinuitätshypothese, direkt aus dem Wachleben speisen. Im hohen Alter berichten viele Menschen dann von sogenannten weißen Träumen. Sie erinnern sich zwar daran, geträumt zu haben, können aber, unabhängig von dem, was sie geträumt haben, kaum noch Inhalte benennen.

Träume bewusst erleben

Grundsätzlich ist es jedoch möglich, Träume vollständig zu erinnern und ins menschliche Bewusstsein zu integrieren. Schlafmediziner empfehlen dafür einfache Rituale. Schon wenige Stichworte in einem Traumtagebuch, direkt nach dem Aufwachen, können ausreichen, um Muster sichtbar zu machen, wie zum Beispiel das Benennen wiederkehrender Orte oder Situationen aus dem Alltag. So werde es möglich, sich mit den Träumen auseinanderzusetzen und ihnen, im Falle eines Albtraums, vielleicht den Schrecken zu nehmen.
Es lässt sich zudem direkt in den Ablauf und Inhalt von Träumen eingreifen. Bei diesem Phänomen handelt es sich um luzides Träumen. Der Schlafende macht sich durch ein wenig Übung gezielt bewusst, dass er träumt, indem er sich jeweils am Tage wiederholt fragt, ob er wach ist oder träumt. Diese Strategie geht nach einer Weile automatisch ins Traumerleben über. Schredl empfehle das luzide Träumen gerne Menschen, die ausloten wollen, was das eigene Bewusstsein leisten und wie man es vertiefen kann.

Vom vergangenen und geträumten Abschied

Im Alter werden die Träume der meisten Menschen entspannter. „Das hängt mit der Lebensqualität zusammen: Wenn das Älterwerden im Wachzustand entspannt ist, sind es die Träume auch.“ Aber es gebe auch Ausnahmen. So können sich auch 20 Jahre nach der Pensionierung noch vereinzelt stressige Berufsträume einstellen. Hier rät Schredl: „Es empfiehlt sich, von vorneherein in jungen Jahren einen Job zu suchen, der Spaß macht und nicht mit einer Dauerbelastung verbunden ist.“
Zum Ende des Lebens nimmt das Träumen wiederum noch einmal eine besondere Qualität an. So träumen Menschen im Hospiz häufig vom Abschied, von Reisen oder von Begegnungen mit längst Verstorbenen.
Der Schlafforscher der Universität Mannheim sieht darin weder Zufall noch bloße Romantik. „Auch hier gilt, dass die Träume alles aufgreifen, sowohl den konstruktiven Umgang mit der Begrenztheit des Lebens als auch die Ängste im Alltag. Das kann ein wichtiger Hinweis sein: Die Qualität der Träume kann anzeigen, ob ein Mensch vermehrt emotionale Unterstützung für seinen Weg braucht.“ So bleibt das Träumen ein lebenslanger und bedeutungsvoller Begleiter, mit viel Raum für eine bewusste und begleitende Gestaltung, bis zuletzt.