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Studie: Chaotisches Klima gibt es seit Anbeginn der Menschheit


In Kürze:

  • Die Neigung und das Taumeln der Erdachse sowie leichte Schwankungen der Umlaufbahn verändern das Klima der Erde in unterschiedlichen Zeiträumen.
  • Heute als Milankovitch-Zyklen bekannt, sorgten diese über Jahrmillionen für merkliche, aber gleichmäßige Klimaveränderungen.
  • Seit rund 2,7 Millionen Jahren ist das Klima wechselhafter und – bis heute – durch geologisch rasante Umbrüche gekennzeichnet.
  • Dieser Zeitraum spiegelt zugleich die Entwicklung des modernen Menschen wider, der sich seitdem den unterschiedlichen Bedingungen anpassen musste.

 
Vor etwa 2,7 Millionen Jahren geschah etwas Prägendes auf der Welt. Zu diesem Zeitpunkt sollen die Vorfahren der Menschen, die unsere heutige Zivilisation bilden, die Weltbühne betreten haben. Wie Forscher der Universität Cambridge herausfanden, fällt dieses Ereignis zudem mit einem abwechslungsreichen Weltklima zusammen, das von der Ausdehnung und dem Rückzug der kontinentalen Eisschilde auf der Nordhalbkugel geprägt war.
In der Folge schwankte das Klima der Erde zwischen warmen Zwischeneiszeiten und eisigen Eiszeiten hin und her. Doch besonders die Eiszeiten verliefen mit starken Temperaturschwankungen über geologisch kurze Zeiträume weitaus unregelmäßiger als bislang geahnt. Dazwischen lebte der Mensch, der es erfolgreich schaffte, sich regelmäßig an die neuen Bedingungen anzupassen.

Schwankungen in Sedimenten

Auf die Spur dieses wechselhaften Klimas kam das internationale Forscherteam um den Geowissenschaftsprofessor David Hodell von der Universität Cambridge durch die Analyse von Tiefseebohrkernen nahe Portugal. Diese enthalten feinste Schichten von Sedimenten, die sich seit 5,3 Millionen Jahren abgelagert haben. Sie liefern somit einen tieferen Einblick in die Vergangenheit als Eisbohrkerne, die nur bis in die glaziale Zeit zurückreichen.
Die chemischen Elemente in den Sedimenten, wie etwa Calcium, Titan, Zirkonium und Strontium, offenbarten, dass das Klima bis vor 2,7 Millionen Jahren stabil warm war. Erst danach gab es Hinweise auf starke Kälteeinbrüche, die die Vorboten der folgenden Eiszeit waren.
Ab vor 2,5 Millionen Jahren waren dann mehrere, aus geologischer Sicht schnelle Schwankungen innerhalb von tausend Jahren deutlich erkennbar. Von da an waren die Schwankungen ein beständiges Merkmal des eiszeitlichen Klimas. Untermauert wird das durch Beobachtungen in grönländischen Eiskernen.
„Glazialperioden waren nicht nur kalt, sie waren auch äußerst variabel mit starken Temperaturschwankungen über relativ kurze Zeiträume“, erklärt Prof. Hodell.

Eis stieß den Wandel des Klimas an

Eingeleitet wurde das Ganze durch die zyklischen Veränderungen der Erdumlaufbahn. Diese brachten eine neue Eiszeit und beeinflussten die Ausbreitung der irdischen Eisschilde. Belegt wird dies durch sogenanntes „Ice-Rafted Debris“, also Gesteinsmaterial, das von Eisbergen ins und über das Meer getragen wurde, bis diese schmolzen und sich in großen Mengen in den Ablagerungsschichten befanden.
Die Eisschilde seien dabei nicht nur groß genug gewesen, um den Ozean zu erreichen und Eisberge samt dem Geröll abzukalben, sondern auch, um mit dem zahlreichen geschmolzenen Eis die Ozeanzirkulation zu beeinflussen. Dies soll letztlich die abrupten Klimawendungen verursacht haben.
Laut Bohrkernen sei dies aber nur dann aufgetreten, wenn die Vergletscherung eine bestimmte Schwelle, den sogenannten „Sweet Spot“, überschritt. Dieser tritt ein, wenn die Eisschilde groß genug, die Meere kalt genug und die Ozeanzirkulation empfindlich genug sind, um instabil zu werden. Sobald dieser Punkt erreicht war, kam es zu einem wechselhaften Klima im Jahrtausendmaßstab.

Und dann kam der Mensch

Inmitten dieser Umbrüche entwickelte sich, was Wissenschaftler als Gattung Homo bezeichnen: der moderne Mensch. Möglicherweise spielte gerade dieser klimatische Wendepunkt eine entscheidende Rolle bei der späteren Entwicklung unserer Zivilisation.
So vermuten einige Forscher, dass rasche Veränderungen des Erdklimas und die damit einhergehenden eklatanten Veränderungen der Vegetation und Umwelt dazu führten, dass der Mensch kreative Wege finden musste, um zu dem zu werden, was er heute ist.
Die Studie erschien am 19. Februar 2026 im Fachmagazin „Science“.
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6.000 Jahre Sedimente zeigen: Europas Sommer werden länger


In Kürze:

  • Die Sommer in Europa werden länger und wärmer. Die Gründe dieser Klimaveränderung sind nicht abschließend geklärt.
  • Bereits vor 6.000 Jahren ereignete sich eine ähnliche Veränderung und die Bedingungen waren mit heute vergleichbar.
  • Forscher erwarten bis zum Ende des Jahrhunderts eine weitere Verlängerung des Sommers um bis zu 42 Tage.
  • Dabei verwenden sie eine Definition, die nur zwei Jahreszeiten kennt: Meere wärmer als Land und Land wärmer als Meere.

 
Bis zum Jahr 2100 könnte Europa mehr als einen zusätzlichen Monat an Sommertagen erhalten. Das zeigt eine Studie britischer Forscher, die sich auf Klimadaten aus den letzten Jahrtausenden stützt. Zwar ist allgemein bekannt, dass die Sommer in den vergangenen Jahrzehnten immer wärmer und länger geworden sind, wobei jedoch unterschiedliche Ursachen genannt werden.
Die neue Studie belegt diesen Trend und zeigt, dass es ähnliche Bedingungen bereits vor 6.000 Jahren in ganz Europa gab. Damals führte eine natürliche Erwärmung der Arktis zu einer Ausdehnung der warmen Jahreszeit auf durchschnittlich 195 Tage im Jahr. Diese Dauer ist mit heutigen Daten vergleichbar, denn die Forscher verwenden eine für viele unübliche Definition von Sommer.

Daten aus uraltem Seeschlamm

Um aufzudecken, ob die heutigen Veränderungen normal oder ungewöhnlich sind, analysierten die Forscher Daten eines Archivs der etwas anderen Art: uralte Schlammschichten, die am Grund europäischer Seen ruhen. Diese saisonal geschichteten Sedimente dokumentieren wie eine Art Kalender, wie sich Sommer und Winter in den letzten 10.000 Jahren verändert haben.
Im Mittelpunkt der Forschung steht ein zentraler Aspekt der Atmosphärenphysik, der sogenannte „breitengradabhängige Temperaturgradient“. Dabei handelt es sich um den Temperaturunterschied zwischen der Arktis und dem Äquator. Dieser Gradient trägt dazu bei, die starken Winde vom Atlantik nach Europa zu treiben, welche wiederum die Wettersysteme über den Kontinent lenken.
Da sich die Arktis bis zu viermal schneller erwärmt als der globale Durchschnitt, schwächt sich dieser Temperaturunterschied ab. Dies führt laut dem bisherigen Verständnis dazu, dass die Luftströmungen langsamer werden und mäandrieren. Die Folge sind beständigere Wetterlagen und länger anhaltend hohe Temperaturen. Pro Grad Celsius, um das die Temperaturdifferenz sinkt, verlängert sich der Sommer um sechs Tage.
Wenn die Forscher von Sommer sprechen, meinen sie allerdings nicht die kalendarische Definition von Juni bis August auf der Nordhalbkugel, was drei Monaten entspricht. Stattdessen definieren sie den Sommer anhand der Temperaturunterschiede zwischen Kontinent und Ozean. Genauer gesagt: Sommer ist, wenn die Temperaturen des Meeres niedriger sind und das Wasser einen kühlenden Effekt auf das Land hat. In Warnemünde wäre nach dieser Definition von März bis einschließlich Dezember Sommer.

Ein wiederkehrendes Merkmal

Wenn sich der Temperaturkontrast zwischen der Arktis und den mittleren Breiten abschwächt, verlängert sich der Sommer in Europa effektiv. Laut der aktuellen Studie scheint dies jedoch kein modernes Phänomen zu sein, sondern ein wiederkehrendes Merkmal des irdischen Klimas.
„Was sich heute jedoch unterscheidet, sind die Geschwindigkeit, die Ursache und die Intensität des Wandels“, sagte Dr. Laura Boyall, eine der Autorinnen der Studie und ehemalige Doktorandin am Royal Holloway, einem College der Universität London.
Als Grund für die zusätzlichen Sommertage sehen Klimaforscher derzeit nicht nur natürliche, sondern auch menschliche Einflüsse. In der Studie heißt es: „Die Ursachen für den aktuellen dekadischen Trend zu längeren und extremeren Sommern in Europa werden intensiv diskutiert.“ Und weiter:
„Dies wird auf Veränderungen in der sommerlichen atmosphärischen Zirkulation in den mittleren Breiten als Reaktion auf die arktische Verstärkung und die Abschwächung der Breitengrad-Temperaturgradienten sowie auf den Rückgang der Aerosolemissionen über Europa seit den 1980er Jahren zurückgeführt. Die kausalen Zusammenhänge bleiben jedoch ungewiss […]“.

Unsere Sommer werden länger – seit Jahrtausenden

Allein aufgrund der natürlichen Klimaveränderung erhält Europa derzeit also zusätzliche Sommertage, wie es sie bereits vor 6.000 Jahren gab. Laut den Forschern kämen bis zu 42 weitere Sommertage hinzu, wenn sich die globalen Temperaturen wie in den Klimamodellen SSP1-2.6, SSP2-4.5 und SSP5-8.5 erhöhen würden.
Letzteres ist auch als „Katastrophenszenario“ und vermeintliches „Weiter wie bisher“-Szenario bekannt und wurde von den IPCC-Autoren kürzlich selbst als unrealistisch eingestuft. Epoch Times berichtete.
„Wir wissen seit vielen Jahren, dass die Sommer in ganz Europa länger und heißer werden. Aber es herrscht große Unsicherheit über das Wie oder Warum“, sagte die leitende Forscherin Dr. Celia Martin-Puertas. „Unsere Forschung hat gezeigt, dass die Jahreszeiten in Europa über Jahrtausende hinweg vom Temperaturgradienten bestimmt wurden.“
Die Studie erschien am 19. November 2026 in der Fachzeitschrift „Nature Communications“.

Zweite Untersuchung, noch mehr Sommer

Der Trend zu längeren Sommern wird durch eine zweite Studie von Forschern der University of British Columbia, USA, bestätigt. Unabhängig von den Daten der britischen Forscher kommen Hauptautor Ted Scott und sein Team ebenfalls auf sechs Tage mehr Sommer – allerdings seit 1990 und pro Jahrzehnt. Dies gehe aus einer Analyse von Temperaturdaten aus den Jahren 1961 bis 2023 von Land- und Küstengebieten hervor. Im Vergleich zu 1990 gebe es heute im Schnitt somit etwa 21 Tage mehr Sommer. Dies ist mit der von Boyall und Kollegen erwarteten Entwicklung vergleichbar.
Allerdings zeige sich dies laut Scott am auffälligsten anhand von Temperaturdaten aus Großstädten.
Demnach verlängerte sich der Sommer in Sydney, Australien, um 50 Tage: Im Jahr 2023 gab es etwa 130 Sommertage, während es im Jahr 1990 nur etwa 80 waren. Damit der Durchschnitt bei 21 Tagen liegt, muss sich der Sommer an anderer Stelle erheblich weniger ausgedehnt haben.
Demnach verlängerte sich der Sommer in Sydney, Australien, um 50 Tage – im Jahr 2023 seien es etwa 130 Sommertage gewesen, gegenüber 80 Tagen im Jahr 1990. Damit daraus ein Durchschnitt von 21 Tagen wird, muss sich der Sommer an anderer Stelle erheblich weniger ausgedehnt haben.
Unabhängig davon ergab die Studie, dass der Wechsel der Jahreszeiten immer abrupter werde. Welche Rolle dabei der Städteausbau und die -struktur sowie die Versiegelung von Oberflächen spielen, bleibt unerwähnt.