Unsere Freiheit liegt darin, unsere Gedanken zu erkennen, zu entscheiden, ob wir ihnen folgen wollen oder nicht, und Raum für die Stille zu schaffen, die entsteht, wenn wir aufhören, ihnen nachzujagen. - Foto: WeBond Creations/iStock
Die zeitgenössische Kultur fordert uns immer wieder dazu auf, „auf unsere Gefühle zu hören“. Wenn du wütend bist, drücke es aus, wenn du traurig bist, schaffe Raum für dieses Gefühl, und wenn sich etwas „richtig anfühlt“, ist das vielleicht ein Zeichen, danach zu handeln.
Fernsehsendungen bestärken die Botschaft, dass „Gefühle ein innerer Kompass“ seien und der Weg zu einem authentischen Leben über deren Befolgung führe. Auch Karriereberatung beinhaltet oft den Rat, „seinem Herzen zu folgen“.
Aber nicht nur Gefühle spielen eine wichtige Rolle in unserem Leben, Gedanken tun dies auch. Wir leben in einer Zeit, in der Ideen als Währung gehandelt werden – Tweets, Podcastanalysen und geistreiche Gedanken ergießen sich in einem endlosen Strom durch unsere digitalen Feeds. Die Gesellschaft ermutigt uns, „laut zu denken“, Erkenntnisse mühelos und präzise formulieren zu können und ständig persönliche und kollektive Meinungen vorzubringen.
Auf der Suche nach der Quelle
Doch inwieweit gehören diese Gedanken und Gefühle wirklich zu uns? In einem seiner Vorträge berief sich der kanadische Psychologe Dr. Jordan Peterson auf den berühmten Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung (1875–1961), der gesagt habe: „Menschen haben keine Ideen – Ideen haben Menschen.“
Laut Peterson stammen mehr als 90 Prozent dessen, was wir denken, nicht von uns. Es kommt von unseren Eltern, Lehrern, Freunden und der Kultur, die wir über die Jahre aufgesogen haben. Wenn wir sprechen oder denken, sind das oft nicht „wir“. Vielmehr ist es die Stimme eines anderen, die durch uns spricht.
„Darüber sollte man wirklich einmal nachdenken. Denn dann möchte man beobachten, welche Gedanken einem durch den Kopf gehen, und herausfinden, woher sie stammen. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass sie einen genauso kontrollieren, wie eine Marionette vom Puppenspieler gesteuert wird“, so der klinische Psychologe und Autor weiter.
Wenn Gedanken wirklich unsere eigenen sind, warum tauchen sie dann oft unkontrollierbar, ungebeten und manchmal sogar gegen unseren Willen auf? Und warum ist es so schwer, sie zum Schweigen zu bringen, wenn wir es wollen?
Hier bietet die Wissenschaft eine Antwort. In den frühen 2000er-Jahren beobachteten Forscher der Washington University in St. Louis mittels funktioneller Magnetresonanztomografie ein markantes Phänomen. Selbst wenn wir nicht mit einer bestimmten Aufgabe beschäftigt sind, bleiben bestimmte Hirnregionen durchgehend aktiv.
Der US-amerikanische Neurologe Marcus E. Raichle, Hauptautor der Studie und einer der Begründer der Forschung zum sogenannten Default Mode Network, zeigte gemeinsam mit anderen Forschern, dass dieses Netzwerk eng mit drei wiederkehrenden geistigen Prozessen verbunden ist: dem spontanen Fluss von Gedanken und Assoziationen, selbstbezogenem Denken sowie dem Abruf autobiografischer Erinnerungen. Zahlreiche Studien haben diesen Zusammenhang seither bestätigt.
Selbst wenn wir keiner bestimmten Aufgabe nachgehen, bleiben bestimmte Hirnregionen konstant aktiv.
Foto: Jacob Wackerhausen/iStock
Es beflügelt also unsere Gedanken über die Vergangenheit oder die Zukunft und lässt unseren Geist frei zwischen verschiedenen Ideen schweifen. Doch es beantwortet nicht die grundlegende Frage: Woher kommen diese Gedanken eigentlich?
Das „Default Mode Network“ zaubert Gedanken nicht aus dem Nichts. Es orchestriert, verbindet und fügt lediglich Materialien zusammen. Diese stammen aus den Tiefen unserer Psyche und den Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens angesammelt haben.
In seinem Buch „Denken und Sprechen“ sprach der russische Entwicklungspsychologe Lew Wygotski (1896–1934) über unsere innere Stimme. Diese werde nicht aus dem Nichts geboren, erklärte Wygotski. Vielmehr werde sie aus externen Stimmen kultiviert. Und diese hörten wir schon seit unserer Kindheit.
Anfangs benutzt das Kind Sprache, um mit anderen – Eltern, Betreuern und Freunden – zu kommunizieren. Im Alter von etwa drei bis sieben Jahren beginnen Kinder, beim Spielen oder Problemlösen laut zu sich selbst zu sprechen. Wygotski nannte dies „egozentrische Rede“ – eine Sprache, die nicht mehr allein an andere gerichtet ist, sondern auch dazu dient, das Selbst zu leiten. Zum Beispiel: „Jetzt nehme ich diesen Klotz und dann baue ich einen Turm.“
Mit der Zeit verstummt diese egozentrische Rede und kehrt sich nach innen. Kinder müssen sie nicht mehr artikulieren – stattdessen „sprechen sie nach innen“. So wird die innere Stimme, die wir als Denken erkennen, geboren.
Wygotski betonte jedoch, dass diese interne Sprache eine markante Form hat. Sie ist abgekürzt, verdichtet und voller Auslassungen. Die Stimme denkt nicht den ganzen Satz: „Ich muss den Bleistift vom Tisch nehmen, um zu schreiben.“ Stattdessen sagt die interne Rede nur: „Bleistift … schreiben.“
Der entscheidende Punkt ist, dass Sprache an sich keine persönliche Erfindung ist. Kinder erschaffen nicht ihre eigenen Wörter oder Satzstrukturen. Sie lernen diese durch die Interaktion mit anderen. Selbst wenn sie laut zu sich selbst sprechen, recyceln Kinder Sprachmuster, die sie in ihrem Umfeld gehört haben. Die Wörter, die Sätze und sogar die Gewohnheit, Handlungen laut zu kommentieren, sind alle in früheren sozialen Kontexten verwurzelt. Mit anderen Worten: Die Stimme in unserem Kopf ist in erster Linie eine externe Stimme, die man verinnerlicht hat.¹
Neben diesem Prozess verinnerlichen wir auch die „Stimme“ unserer sozialen und moralischen Erwartungen. Der österreichische Psychoanalytiker Sigmund Freud beschrieb dies als das „Über-Ich“ – den Teil der Persönlichkeit, der sich in der Kindheit durch Identifikation mit elterlicher Autorität und später mit Erziehern und anderen Vorbildern entwickelt. Es ist daher nicht überraschend, dass Menschen die Stimme in ihrem Kopf manchmal als die ihrer Eltern wahrnehmen oder die von anderen bedeutenden Autoritätspersonen ihrer Vergangenheit erleben.²
Doch obwohl die innere Stimme „uns zu gehören“ scheint und in unserem Bewusstsein wirkt, haben wir keine vollständige Kontrolle darüber. Die Psychoanalyse zeigte, dass ein wesentlicher Teil der mentalen Aktivitäten außerhalb unseres Bewusstseins stattfindet. Sigmund Freud (1856–1936) formulierte dies in seinem berühmten Satz:
„Das Ich ist nicht Herr im eigenen Haus.“³
Das heißt, unser Bewusstsein hat keine vollständige Souveränität. Es gibt psychische Kräfte wie jene, die aus dem Unbewussten entstehen, die unsere Gedanken ohne bewusste Steuerung prägen.
Unsere innere Stimme wird durch äußere Stimmen geprägt, die wir bereits in unserer Kindheit hören.
Foto: Svetlana Mishchenko/iStock
Haben wir einen freien Willen?
Die Tatsache, dass wir nicht jeden einzelnen Gedanken „wählen“, hat Forscher dazu veranlasst, die Natur des freien Willens und die Autonomie des Denkens infrage zu stellen.
Der US-amerikanische Psychologe Daniel Wegner zum Beispiel erklärte, dass das Gefühl des bewussten Willens oft eine Illusion sei. Das Gehirn generiere Gedanken und Handlungen durch unbewusste Prozesse, und erst im Nachhinein erlebten wir das subjektive Gefühl, sie gewollt zu haben, als hätten wir diese Gedanken selbst initiiert. Diese Ansicht deckt sich mit der bereits erwähnten Freud’schen Erkenntnis, dass unbewusste Anteile in uns durch uns „sprechen“ und „denken“.
Wegner stützte sich jedoch nicht auf das Freud’sche Modell. Stattdessen untermauerte er seine Behauptungen mit einer Reihe von Experimenten und empirischen Belegen aus mehreren Fachbereichen. Ein klassisches Experiment, das dieses Thema beleuchtete, wurde in den 1930er- bis 1950er-Jahren von dem kanadischen Neurochirurgen Wilder Penfield durchgeführt.
Während einer Gehirnoperation an Epilepsiepatienten bei vollem Bewusstsein unter nur lokaler Betäubung stimulierte er sanft verschiedene Bereiche des Kortex (Hirnrinde) und fragte die Patienten, was sie dabei empfanden. Als er den motorischen Kortex stimulierte, bewegten sich die Hände, Beine oder das Gesicht des Patienten, manchmal sogar in komplexen koordinierten Bewegungen, die vollkommen willentlich aussahen.
Dennoch berichteten die Patienten, dass die Handlungen nicht von ihnen ausgegangen seien. Sie sagten sinngemäß: „Sie haben meine Hand bewegt; das wollte ich nicht tun.“ Das Experiment enthüllte, dass Bewegungen, sogar komplexe Bewegungen, ausgelöst werden können, ohne dass das Subjekt sie als „freiwillig“ erlebt.
Mit anderen Worten: Das Gefühl des „Willens“ ist möglicherweise eine nachträgliche Hinzufügung – etwas, das erst hinzugefügt wird, nachdem das Gehirn die Handlung bereits eingeleitet hat, und nicht die Ursache dafür.
Das berühmte Experiment des US-Neurowissenschaftlers Benjamin Libet in den 1980er-Jahren wies auf ein ähnliches Ergebnis hin.⁴ Er bat die Teilnehmer, einen Finger zu einem Zeitpunkt ihrer Wahl zu bewegen und den genauen Moment zu notieren, in dem sie die „Absicht“ verspürten, zu handeln.
Messungen der Hirnströme zeigten, dass das Gehirn etwa eine halbe Sekunde vor dem Bewusstsein des eigenen Handlungswillens mit der Vorbereitung der Handlung begann. Mit anderen Worten: Das subjektive Gefühl „Ich habe mich gerade entschieden“ kam erst, nachdem der neuronale Prozess bereits begonnen hatte.
Das Gehirn erzeugt Gedanken und Handlungen durch unbewusste Prozesse, und erst im Nachhinein erleben wir das subjektive Gefühl, sie gewollt zu haben.
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Dennoch wies Libet den freien Willen nicht zurück. Er stellte fest, dass, obwohl das Gehirn beginnt, die Handlung vor dem Entstehen des bewussten Gewahrseins vorzubereiten, das Bewusstsein jedoch immer noch etwa 200 Millisekunden vor dem Eintreten der Bewegung erscheint, was ein kurzes Zeitfenster schafft, in dem die Handlung noch gestoppt werden kann. Er nannte dies das „Veto-Recht“.
Auch wenn wir nicht jeden Gedanken oder jede Handlung bewusst einleiten, behalten wir dennoch die Fähigkeit, zu verhindern, dass sie ausgeführt werden. Er schrieb:
„Die Existenz einer Veto-Möglichkeit steht außer Zweifel.“
Libet merkte auch an, dass viele Teilnehmer berichteten, einen Drang zum Handeln zu verspüren, sich aber dazu entschlossen, ihn zu unterdrücken.
Aus philosophischer Sicht legt dies nahe, dass unsere Verantwortung möglicherweise nicht bei der Entstehung der Gedanken selbst beginnt. Sie beginnt eher bei unserer Fähigkeit, innezuhalten, zu regulieren und zu wählen: Welchen Gedanken erlauben wir, zu Handlungen zu werden? Diese Idee stimmt mit vielen moralischen und religiösen Traditionen überein, die einen größeren Wert auf Selbstbeherrschung als auf die Kontrolle der Gedanken selbst legen.
Manchmal können die Stimme oder die Gedanken in unserem Kopf so intensiv werden, dass sie uns völlig fremd erscheinen. In der Psychopathologie sind Phänomene wie Stimmenhören, sogenannte auditive Halluzinationen, oder Gedankeneingebung, also die Erfahrung, dass Gedanken scheinbar von einer äußeren Kraft „eingeflößt“ werden, gut dokumentiert.
Diese Phänomene treten besonders im Zusammenhang mit Schizophrenie auf. Aber die Idee, dass unsere Gedanken oder unsere innere Stimme aus einer externen Quelle stammen könnten, ist nicht auf Krankheitsbilder beschränkt. Sie findet sich in der Philosophie, der klassischen Literatur und den religiösen Schriften immer wieder. Generationen von Denkern haben sich damit auseinandergesetzt. Wohnen Vernunft, Inspiration und Intuition dem Individuum inne? Oder werden sie uns von externen Kräften – Gott, Musen oder anderen Entitäten – gegeben?
Eine der bekanntesten diesbezüglichen Überlieferungen stammt von dem griechischen Philosophen Sokrates (469–399 v. Chr.).
Wie Platon in seinen Dialogen beschrieb, behauptete Sokrates, dass er sein Leben lang von einer inneren Stimme begleitet wurde. Er nannte sie Daimonion. Diese Stimme erschien immer als Warnung und hielt ihn davon ab, bestimmte Handlungen auszuführen. Jedoch befahl sie ihm niemals, etwas Bestimmtes zu tun.
Platon berichtete auch von der berühmten Verteidigungsrede des Sokrates vor Gericht:
„Hiervon ist nun die Ursache, was ihr mich oft und vielfältig sagen gehört habt, daß mir etwas Göttliches und Daimonisches widerfährt, was auch Meletos in seiner Anklage auf Spott gezogen hat. Mir aber ist dieses von meiner Kindheit an geschehen: eine Stimme nämlich, welche jedesmal, wenn sie sich hören läßt, mir von etwas abredet, was ich tun will, – zugeredet aber hat sie mir nie. Das ist es, was sich mir widersetzt, daß ich nicht soll Staatsgeschäfte betreiben. Und sehr mit Recht scheint es mir sich dem zu widersetzen: Denn wißt nur, ihr Athener, wenn ich schon vor langer Zeit unternommen hätte Staatsgeschäfte zu betreiben, so wäre ich auch schon längst umgekommen und hätte weder euch etwas genutzt noch auch mir selbst.“
Wir hören eine innere Stimme, die uns leitet oder warnt, ob wir sie nun als Wirken der moralischen Vernunft oder als Verkörperung einer göttlichen Macht verstehen.
Foto: Panasevich/istock
Über die Generationen hinweg wurden verschiedene Interpretationen von Sokrates’ Daimonion vorgeschlagen. Platonische Philosophen sahen darin einen göttlichen Schutzgeist. Frühe christliche Schriftsteller interpretierten es als Schutzengel⁵ und zu anderen Zeiten umgekehrt als täuschenden Dämon. Andere legten nahe, es sei nichts weiter als eine poetische Beschreibung seines Gewissens oder einer tiefen moralischen Intuition. Platon selbst ließ es für Interpretationen offen.
Sicher jedoch ist, dass die Erfahrung real ist. Wir hören eine innere Stimme, die uns leitet oder warnt, ob wir sie nun als das Wirken moralischer Vernunft oder als die Verkörperung einer göttlichen Kraft verstehen.
Sokrates selbst wählte die transzendente Interpretation: Seine Stimme war nicht allein die seine, sondern ein Ausdruck göttlicher Präsenz in ihm. Schon in der Antike glaubte man, dass Dichter und Künstler keine vollständige Kontrolle über ihre Ideen besäßen. Stattdessen würden sie von Musen oder göttlichen Entitäten geleitet.
Homers „Odyssee“ etwa beginnt mit einer direkten Anrufung der Muse. Sie wird gebeten, die Geschichte durch den Dichter zu erzählen.⁶ In Platons Dialog „Ion“ entwickelt Sokrates diese Idee weiter.⁷ Der Dichter ist demnach ein Glied in einer Kette göttlicher Inspiration. Die Muse „berührt“ die Seele des Dichters, der Dichter ist erfüllt von Aufregung und singt. Somit gibt er die Botschaft an das Publikum weiter.
Mit anderen Worten: Das Gedicht und die Idee sind nicht wirklich die des Dichters. Sie sind Ausdruck einer göttlichen Kraft, die durch ihn wirkt. Eine ähnliche Idee taucht in der biblischen Tradition auf. Die Propheten begannen ihre Prophezeiungen wiederholt mit „Und das Wort des Herrn kam zu mir und sprach …“
Die Propheten formulierten ihre Ideen nicht aus eigener Kraft. Sie hörten das Wort Gottes manchmal als eine tatsächliche Stimme, wie etwa Moses am brennenden Dornbusch. Manchmal erschien es als Vision und manchmal als eine subtile innere Erfahrung, wie der Prophet Elia es beschrieb.
Jahrhunderte später untersuchte der russische Romanautor Fjodor Dostojewski diese Idee in einem düsteren Kontext. In dem Roman „Die Brüder Karamasow“ porträtierte der Autor ein langes Gespräch zwischen Iwan Karamasow, dem gequälten Intellektuellen, und dem Teufel.⁸ Es ist unklar, ob dies ein echter Dämon, eine Halluzination oder das Spiegelbild einer psychischen Erkrankung ist.
August 2024, Bad Homburg: Eine Statue des russischen Schriftstellers Fjodor Michailowitsch Dostojewski vom Künstler Nikolai Karlychanow in einem öffentlichen Park.
Foto: travelview/iStock
Der Teufel offenbart sich als Iwans Doppelgänger, der mit der Stimme seiner Zweifel, seiner Verzweiflung und seines Spotts spricht, als hätte die innere Stimme eine eigene Form angenommen. Iwan ruft aus: „Du bist meine Halluzination. Du bist die Verkörperung meines Ich, übrigens nur eines Teiles meines Ich […] meiner Gedanken und Gefühle, aber nur der niedrigsten und dümmsten. Von diesem Gesichtspunkte aus könntest du mich sogar interessieren, wenn ich nur Zeit hätte, mich mit dir abzugeben […].“
Doch dann nimmt der Austausch eine dunklere Wendung. Der Teufel, die innere Stimme, erzählt Iwan Details, die Iwan selbst nicht bewusst wusste. Iwan ist erschüttert und äußert, dass dies nicht von ihm kommen könne. Der Teufel antwortet mit einer scharfen psychologischen Einsicht: Manchmal könne er ihm als „Ich“ mit seiner inneren Stimme in seinem Traum originelle Dinge erzählen, die er nie gewusst habe, und doch sei der Teufel niemand anderes als er selbst in seinem Traum.
In dem Roman „Die Dämonen“ entwickelt Dostojewski eine ähnliche Idee in symbolischen Begriffen: Revolutionäre und gottlose Ideen werden als „Dämonen“ beschrieben, die in die Seelen junger Menschen eindringen und von ihnen Besitz ergreifen.
Aus seiner Perspektive sind kollektive Ideologien fast wie fremde Entitäten – dunkle spirituelle Kräfte, die die Gestalt von Ideen annehmen und in das menschliche Bewusstsein einziehen.
Den Pfeil herausziehen
In einem Vortrag von Eckhart Tolle, einem populären deutschen spirituellen Lehrer und Autor von Selbsthilfebüchern, fragte ihn eine Frau, wie es sein könne, dass sie Gedanken und Emotionen wie Eifersucht, Wettbewerbsdenken und Angst erlebe, die sich nicht wirklich wie ihre eigenen anfühlten. Sie fragte sich, woher diese wohl kämen und ob sie ein unvermeidlicher Teil des Lebens selbst seien.
Tolle antwortete mit einer buddhistischen Geschichte: Ein Mann wurde mit einem vergifteten Pfeil angeschossen. Doch anstatt diesen vom Arzt herausziehen zu lassen, wollte der Mann erst noch herausfinden, wer ihn geschossen hatte und warum und was für ein Pfeil das war. Die Botschaft des Buddhas sei jedoch gewesen, dass es das Wichtigste sei, den Pfeil herauszuziehen, nicht, seine Ursprünge zu untersuchen.
Der Buddhismus betont in der Tat die Vergänglichkeit von Gedanken und die Tatsache, dass sie kein festes „Selbst“ haben. Die meditative Praxis lehrt Menschen, Gedanken zu beobachten, wie sie erscheinen und verschwinden, genau auf die Weise, wie sie kamen, ohne sich mit ihnen zu identifizieren und ohne sich von ihnen „vergiften“ zu lassen.
In diesem Sinne bietet der Buddhismus eine dritte Sichtweise: Gedanken sind weder intern noch extern. Sie entstehen und vergehen, ohne einem dauerhaften Selbst zu gehören. Tolle bot auch eine modernere, metaphysische Erklärung an und erklärte der Frau, dass viele ihrer Gedanken nicht wirklich ihre seien. Sie entsprängen dem kollektiven Bewusstsein oder energetischen Wesenheiten. Wenn jene mit etwas im Menschen in Resonanz träten, verbänden sie sich damit und verstärkten es. So könne sich aus einer kleinen Verärgerung schnell großer Zorn entwickeln.
Die meditative Praxis lehrt, Gedanken zu beobachten, wie sie kommen und gehen, ohne sich mit ihnen zu identifizieren.
Foto: valio84sl/iStock
Laut Tolle ist das, was wir als „unseren Geist“ erleben, tatsächlich etwas viel Breiteres. Es existiere außerhalb von uns und beeinflusse uns dennoch. Viele Gedanken sind nicht persönlich, und die damit verbundenen Emotionen sind es auch nicht, obwohl wir sie als solche erleben.
Tolle sprach auch von kollektiven Gedankenformen, die ganze Völker in Besitz genommen hätten, und brachte die Beispiele des sowjetischen Kommunismus und des Maoismus in China. Millionen Menschen hätten in gleichen Mustern gedacht. In der heutigen Kultur würden kollektive Gedanken durch Medien verbreitet und zu fast unanfechtbaren Grundannahmen. Wenn man sich dessen nicht bewusst sei, könne das verheerend sein.
Am Ende wissen wir vielleicht nie, „wessen“ Gedanken in uns wohnen. Sind es unsere, die anderer, die des Unbewussten oder die des kollektiven Geistes? Aber wenn wir in der Lage sind, innezuhalten, zu beobachten und uns selbst zu fragen, woher diese Stimme, die ich jetzt in meinem Kopf höre, kommt, zeigen wir bereits ein Maß an Freiheit von diesen Gedanken.
Vielleicht liegt unsere Freiheit nicht in der absoluten Kontrolle über unsere Gedanken, sondern genau in der Fähigkeit, sie zu erkennen, zu wählen, ob man sich ihnen anschließt oder nicht, und Raum für die Stille zu schaffen, die eintritt, wenn wir aufhören, ihnen nachzujagen.
Gegrillte Maiskolben, ein beliebtes Sommergericht. - Foto: bhofack2/iStock
Und um es kurz zu machen: Maiskolben aus der Heißluftfritteuse haben mich absolut begeistert. Diese Zubereitungsmethode ist sehr zeitsparend und das Ergebnis ist überraschend gut. Man muss nicht warten, bis der Topf mit Wasser kocht oder der Grill vorgeheizt ist, denn das Ergebnis aus der Heißluftfritteuse – oder Airfryer – vereint das Beste aus beiden Welten: zartknusprige Körner, dazu leicht gebräunte Stellen und dezent angebrannte Ränder. Von allen Zubereitungsmethoden für Maiskolben ist die Heißluftfritteuse mein neuer Favorit.
Doch was macht sie so besonders?
Maiskolben aus der Heißluftfritteuse lassen sich kinderleicht und blitzschnell zubereiten. Da Maiskolben in der Heißluftfritteuse so schnell gar sind, empfiehlt es sich, sie als letztes Gericht Ihres Abendessens anzurichten. Ich lasse sie gern garen, während ich die restlichen Speisen auf den Tisch stelle und anrichte. So sind die Maiskolben noch dampfend heiß, wenn das Essen beginnt.
Und das Beste ist: Sie passen eigentlich zu jedem Abendessen. Ob pur serviert oder mit ausgelassener Butter und einer Prise Salz bestreut – Maiskolben sind eine klassische Sommerbeilage, die sich vielseitig kombinieren lässt. Man kann die Körner auch vom Kolben trennen und für Salate, Pasta oder andere Beilagen verwenden.
Wenn ich Maiskolben kaufe, achte ich darauf, dass sie sich für ihre Größe schwer anfühlen. Das bedeutet in der Regel, dass die Körner saftig und frisch sind. Kolben mit blassen, trockenen oder lose daliegenden Hüllblättern sollte man meiden.
Fühlt sich die Spitze des Maiskolbens weich an oder hat er gar matschige Stellen, lasse ich ihn liegen. Ideal ist es, wenn man im Hochsommer direkt beim Bauern einkaufen kann. Frisch geernteter Mais ist deutlich süßer.
Hier ist das Rezept für vier Portionen:
Vorbereitungszeit: 5 Minuten
Garzeit: 6 bis 8 Minuten
Zutaten:
4 Maiskolben 1 bis 2 Esslöffel ungesalzene Butter 1 Teelöffel Olivenöl 1 Teelöffel grobes Meersalz (oder etwas weniger Tafelsalz), plus etwas Salz zum Servieren
Es ist warm in Deutschland - ein Sonnenschirm am Strand des Seebades auf der Insel Rügen - Foto: Stefan Sauer/dpa
Den zweiten Tag in Folge hat der Deutsche Wetterdienst nach vorläufigen Angaben einen Temperaturrekord in Deutschland registriert.
Der vorläufige Höchstwert von 41,5 Grad wurde um 16:20 Uhr in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt gemessen, wie der Wetterdienst auf Anfrage mitteilte.
Gestern war mit 41,3 Grad in Saarbrücken bereits ein neuer Rekordwert gemessen worden.
Auch die Messstation im Saarbrücker Stadtteil Burbach wies dem Sprecher zufolge am Samstag mit 41,4 Grad erneut einen höheren Wert aus. Zuvor waren zudem im rheinland-pfälzischen Andernach und in Genthin in Sachsen-Anhalt sehr hohe Temperaturen von 41,1 Grad gemessen worden.
Die Daten sind erst vorläufig
Nicht ausgeschlossen ist, dass die Temperaturen am Samstag noch weiter steigen. Der Rekord am Freitag war gegen 17:00 Uhr gemessen worden.
Die Daten sind noch vorläufig. Insbesondere bei möglichen neuen Temperaturrekorden würden die Messstationen stets kontrolliert, sagte der DWD-Sprecher. Die offizielle Bestätigung, ob tatsächlich ein neuer Temperaturrekord vorliegt, dürfte daher erst nach dem Wochenende vorliegen.
Frühere Berechnungsmodelle des DWD hatten bereits für heute die Möglichkeit ergeben, dass sogar die 42 Grad geknackt werden könnten. Der Schwerpunkt der Hitzewelle verschiebt sich derzeit mehr und mehr nach Osten.(afp/red)
Es ist warm in Deutschland - ein Sonnenschirm am Strand des Seebades auf der Insel Rügen - Foto: Stefan Sauer/dpa
Den zweiten Tag in Folge hat der Deutsche Wetterdienst nach vorläufigen Angaben einen Temperaturrekord in Deutschland registriert.
Der vorläufige Höchstwert von 41,5 Grad wurde um 16:20 Uhr in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt gemessen, wie der Wetterdienst auf Anfrage mitteilte.
Gestern war mit 41,3 Grad in Saarbrücken bereits ein neuer Rekordwert gemessen worden.
Auch die Messstation im Saarbrücker Stadtteil Burbach wies dem Sprecher zufolge am Samstag mit 41,4 Grad erneut einen höheren Wert aus. Zuvor waren zudem im rheinland-pfälzischen Andernach und in Genthin in Sachsen-Anhalt sehr hohe Temperaturen von 41,1 Grad gemessen worden.
Die Daten sind erst vorläufig
Nicht ausgeschlossen ist, dass die Temperaturen am Samstag noch weiter steigen. Der Rekord am Freitag war gegen 17:00 Uhr gemessen worden.
Die Daten sind noch vorläufig. Insbesondere bei möglichen neuen Temperaturrekorden würden die Messstationen stets kontrolliert, sagte der DWD-Sprecher. Die offizielle Bestätigung, ob tatsächlich ein neuer Temperaturrekord vorliegt, dürfte daher erst nach dem Wochenende vorliegen.
Frühere Berechnungsmodelle des DWD hatten bereits für heute die Möglichkeit ergeben, dass sogar die 42 Grad geknackt werden könnten. Der Schwerpunkt der Hitzewelle verschiebt sich derzeit mehr und mehr nach Osten.
Auch Dänemark verzeichnet einen neuen Rekord
Auch in Dänemark ist am Samstag mit 37,0 Grad ein neuer Temperaturrekorden verzeichnet worden. Er sei in Odum nördlich der Stadt Aarhus gemessen worden, teilte das Dänische Meteorologische Institut (DMI) im Onlinedienst X mit.
Die bisherige Rekordtemperatur seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1874 war demnach im August 1975 mit 36,4 Grad erreicht worden.
Tschechien ist ebenfalls warm
An einer Wetterstation in Doksany nördlich von Prag wurden 40,6 Grad Celsius gemessen, wie der nationale Wetterdienst mitteilte. Die Temperaturen stiegen aber noch weiter an. „Daher ist dies womöglich noch nicht der Endwert“, fügte die Behörde hinzu.
Die bisherige Höchstmarke in Tschechien liegt bei 40,4 Grad Celsius. Der Wert wurde 2012 in Dobrichovice südwestlich der Hauptstadt gemessen. Der am Samstag gemessene Wert von mehr als 40 Grad Celsius ist dem Wetterdienst zufolge für den Monat Juni ein Novum.
Anwohner und Rettungskräfte durchsuchen zwei Tage nach den Erdbeben in Venezuela Trümmer in La Guaira. - Foto: Juan Pablo Arraez/AP/dpa
Auf einem Video aus der besonders schlimm betroffenen Küstenstadt La Guaira ist zu sehen, wie Rettungskräfte den Säugling am Freitagabend bei Scheinwerferlicht und unter dem Applaus ihrer Kollegen aus einem Trümmerberg befreiten.
Die Einsatzkräfte bildeten eine Menschenkette, um das in eine Decke gewickelte Baby von dem Schutthaufen herunterzureichen. Sie machten es dann vorsichtig mit Feuchttüchern sauber.
Nach Angaben des Internetnutzers, der das Video in den Onlinenetzwerken veröffentlichte, hatte das erst 18 Tage alte Baby 32 Stunden unter den Trümmern festgesteckt und war bei seiner Rettung unverletzt. Die Mutter des Säuglings wurde eine Stunde später gerettet.
Die zwei Beben hatten sich am Mittwoch im Abstand von nur 39 Sekunden westlich der Hauptstadt Caracas ereignet. Die Erdstöße hatten eine Stärke von 7,2 und 7,5, es gab zudem dutzende Nachbeben. Zahlreiche Gebäude stürzten ein. Die venezolanischen Behörden gaben die Zahl der Toten zuletzt mit mindestens 920 an.
La Guaira wurde besonders schwer zerstört. Wie die venezolanische Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez in der Nacht zum Samstag ankündigte, werden 14.000 Soldaten und Polizisten in den gleichnamigen Bundesstaat entsandt, um dort für Sicherheit zu sorgen. (afp/red)
Der Bahnverkehr ist laut einem Bundespolizeisprecher eingestellt. (Symbolbild) - Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Wegen eines Böschungsbrands nahe dem Stuttgarter Hauptbahnhof ist der Bahnverkehr eingestellt worden. Das teilte ein Sprecher der Bundespolizei mit. Betroffen von der Sperrung sind sowohl S-Bahn als auch Nah- und Fernverkehr, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte. Der Fernverkehr wird demnach großteils über Esslingen am Neckar umgeleitet.
Wie die Bahn am Mittag auf X mitteilte, wurde der S-Bahn-Verkehr in der Innenstadt zeitweise gestoppt. Die Löscharbeiten des Böschungsbrands dauerten am Nachmittag an. Zwischen dem Stuttgarter Hauptbahnhof und Stuttgart-Vaihingen sowie zwischen Bad Cannstatt / Feuerbach und dem Stuttgarter Hauptbahnhof ist laut der Bahn weiterhin kein S-Bahn-Verkehr möglich. Außerhalb dieser Abschnitte wird demnach versucht, einen eingeschränkten Betrieb aufzubauen.
Laut dem Bundespolizeisprecher war eine starke Rauchentwicklung zu sehen. Die Feuerwehr Stuttgart teilte auf X mit, dass die Brandstelle schwer zu erreichen gewesen sei. Die Deutsche Bahn stellte deshalb einen Zug zur Verfügung, damit die Einsatzkräfte zu dem etwa 10 Quadratmeter großen Böschungsbrand gelangen konnten, wie ein Bahnsprecher sagte.
Gleissperrungen wegen Vegetationsbrand bereits am Vortag
Bereits am Freitag hatte ein Kurzschluss an einer Oberleitung den Bahnverkehr am Stuttgarter Hauptbahnhof zeitweise schwer beeinträchtigt. Zwischenzeitlich waren 12 von 16 Gleisen des Kopfbahnhofs gesperrt, auf S-Bahn-Linien gab es massive Störungen. Auslöser war laut Feuerwehr ein Vegetationsbrand im Gleisvorfeld, den Bahnmitarbeiter gelöscht hatten. Die Bundespolizei ermittelt zur Brandursache. (dpa/red)
Auch am Sonntag bleibt es mit Werten um 40 Grad weiter sehr heiß - Abkühlung ist aber in Sicht. (Symbolbild) - Foto: Moritz Frankenberg/dpa
Nahezu ganz Deutschland schwitzt am Wochenende bei Temperaturen um 40 Grad – Abkühlung versprechen die Meteorologen erst zum Start in die neue Woche. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartete im Tagesverlauf Temperaturen von bis zu 41 Grad an. Lokal seien auch 42 Grad nicht ausgeschlossen. Die Deutsche Bahn und weitere Eisenbahnunternehmen raten wegen der Hitze von nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr ab.
Noch vor 12 Uhr am Mittag berichtete eine DWD-Sprecherin bereits von hohen Werten. Um 11.45 Uhr seien es bereits 36,0 Grad im niedersächsischen Faßberg oder auch 36,3 Grad in Röllbach in Unterfranken gewesen, sagte sie der dpa.
Die Deutsche Bahn und weitere Eisenbahnunternehmen rieten wegen der Hitze am Wochenende von nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr ab. „Die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland ist an diesem Wochenende stark von der Rekord-Hitze betroffen. Auch der Schienenverkehr leidet unter den Extrem-Temperaturen“, heißt es in der online veröffentlichten Bahn-Mitteilung. Das Bahnunternehmen National Express, das Regionalzüge in Nordrhein-Westfalen betreibt, wollte wegen der Hitze am Samstagnachmittag den Betrieb für sechs Stunden einstellen.
Verbreitete Gewittergefahr in der Nacht auf Sonntag
Etwas kühler sollte es den Angaben zufolge nur im äußersten Norden des Landes sein. Am Nachmittag und Abend werden in Nordseenähe und von den westlichen Mittelgebirgen bis in den Nordosten hinein kräftige Gewitter erwartet. Auch Unwetter mit heftigem Starkregen, Hagel und Sturmböen seien nicht auszuschließen, warnt der DWD.
Am späteren Abend und in der Nacht steigt dann im Norden und Nordwesten des Landes die Unwettergefahr durch verbreitete Gewitter. Die Temperaturen bringen bei Werten zwischen 26 und 17 Grad in der Nacht zum Sonntag nur wenig Abkühlung. Lediglich in einigen Senken- und Muldenlagen wird es noch kühler.
Waldbrandgefahr in Teilen des Landes sehr hoch
Auch am Sonntag erwartet die Menschen von Franken bis nach Brandenburg wieder hohe Temperaturen: 39 bis 41 Grad, in der Lausitz bis 42 Grad, melden die Meteorologen. Im Rest des Landes fallen die Temperaturen auf Höchstwerte zwischen 32 und 38 Grad. Erneut besteht im Tagesverlauf die Gefahr schwerer Gewitter mit schweren Sturmböen, heftigem Starkregen und großkörnigem Hagel. Richtung Osten und Südosten ist es demnach länger sonnig und trocken.
Anhaltende Trockenheit lässt auch die Waldbrandgefahr in Teilen Deutschlands steigen. Vor allem in Brandenburg, in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns sowie in Sachsen und Sachsen-Anhalt steht auf dem Waldbrand-Gefahrenindex mit Blick auf Sonntag die höchste Warnstufe. Zum Start in die neue Woche soll das Risiko für Waldbrände deutschlandweit wieder sinken.
Regen bringt zum Wochenstart Abkühlung
In der folgenden Nacht soll es vor allem über der Mitte Deutschlands hinweg bis in den Osten und im Süden ungemütlich werden. Der DWD warnt dort vor schweren Unwettern mit Sturmböen, Starkregen und teils anhaltendem kräftigem Regen. Tiefstwerte zwischen 23 und 17 Grad werden erwartet.
Zum Start in die neue Woche bringen vereinzelte Schauer im Nordwesten sowie Regen und teils kräftige Gewitter im Rest des Landes eine spürbare Abkühlung. Mit 25 bis 29 Grad sei zu rechnen, lokal im Osten und Südosten auch bis 31 Grad. An der Küste ist es erneut etwas kühler. (dpa/red)
Nach dem Mord an einem Ehepaar und ihrer kleinen Tochter in Rom fahndet die italienische Polizei nach einem Verdächtigen, bei dem es sich um einen Bekannten der Familie handeln soll. - Foto: Valentina Stefanelli/LaPresse via ZUMA Press/dpa
Eheleute und ihre kleine Tochter sind in ihrer Wohnung in Rom mit einer Machete umgebracht worden. Nur der älteste Sohn der Familie aus Bangladesch habe sich schwer verletzt retten können, berichtete die italienische Zeitung „La Repubblica“. Er werde in einem Krankenhaus behandelt, sei aber nicht in Lebensgefahr.
Aufgrund seiner Angaben fahnde die Polizei mit einem Großaufgebot nach einem Verdächtigen, bei dem es sich um einen Bekannten der Familie handeln soll, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete.
Das Motiv der Bluttat war zunächst unklar. Der Täter könne von der ermordeten Frau besessen gewesen sein oder die Tat habe etwas mit dem 20-jährigen Sohn zu tun, schrieb die Zeitung. Nachbarn der Wohnung im Stadtteil Pineta Sacchetti im Nordwesten Roms hätten von einem lautstarken Streit kurz vor dem Angriff mit der Machete berichtet. (dpa/red)
Autonome Linksextremisten errichten Barrikaden. Vor dem AfD-Parteitag mobilisiert die Szene bundesweit und darüber hinaus. (Symbolbild) - Foto: Sebastian Willnow/dpa
In Kürze:
Anonymer „Indymedia“-Aufruf kündigt massiveProteste gegen den AfD-Parteitag in Erfurt an.
Darin werden Blockaden und Dachbesetzungen für Thüringen sowie für den 6. September ein Sturm auf den Magdeburger Landtag nach der Wahl angekündigt.
Die Polizei rechnet mit mehr als 50.000 Gegendemonstranten.
Thüringens Innenminister betont, dass Blockaden nicht von der Versammlungsfreiheit gedeckt seien.
Im Vorfeld des Bundesparteitags der AfD am Wochenende des 4. und 5. Juli in Erfurt steigt offenbar die Bereitschaft extremistischer und gewaltbereiter Kräfte zur Eskalation. Auf der Plattform „Indymedia“ erschien jüngst ein Aufruf, in dem für diesen Tag die „größte Mobilisierung in der Geschichte der antifaschistischen Bewegung“ angekündigt wurde. Zudem wurde für den Fall einer absoluten Mehrheit der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September eine Erstürmung des Landtags angedroht.
Militante Proteste gegen AfD-Parteitag: Verstärkung aus dem Ausland angekündigt
Inwiefern der Aufruf authentisch ist und es tatsächlich derartige Ambitionen in der linksextremen Szene gibt, ist unklar.
In dem Beitrag von „Berliner“ unter der Überschrift „Tag X in Erfurt naht“ vom Dienstag, 23. Juni, gibt sich der Autor sicher, dass es gelingen werde, „erstmals ein Zusammentreffen der AfD komplett zu verhindern“. Weiter heißt es in dem Text, man habe die Proteste gegen das G7-Treffen in Genf Anfang des Monats zum Erfahrungsaustausch genutzt.
Antifa-Aktivisten aus Italien, Frankreich und der Schweiz hätten zugesagt, zum Protest des AfD-Parteitags nach Deutschland zu kommen. Dort wollten sie die deutschen Gruppen „mit ihrer Erfahrung in europäischen Kämpfen unterstützen“. Der Autor des Beitrages ersucht darum, auf Ankündigungen vor Ort und in eigenen Kommunikationskanälen zu achten. So wolle man der Polizei „nicht die Option bieten, sich auf Überraschungsaktionen unsererseits vorzubereiten“.
G20 und „Rigaer 94“ als Modelle für die linke Szene
Gänzlich im Unklaren über die eigenen Vorhaben lässt man diese dann aber doch nicht. So kündigt der Beitrag jetzt den strategischen Ansatz an, Hausdächer von Gebäuden entlang der Anfahrtsroute zu besetzen. Immerhin habe die Vergangenheit gezeigt, dass es den Einsatzkräften stets gelungen sei, Proteste auf der Straße zu unterbinden.
Daher wolle man sich auf Strategien besinnen, „die wir von G20 bis R94 bereits erprobt haben“. Im Umfeld des G20-Gipfels in Hamburg 2017 ist es den Einsatzkräften nur eingeschränkt gelungen, Eskalationen früh zu unterbinden, sobald sich die militanten Aktivisten auf Gebäude begeben hatten.
Beim linksradikal besetzten Haus „Rigaer Straße 94“ (R94) in Berlin wurden bei Polizeieinsätzen wiederholt Beamte von den Dächern aus mit Steinen oder Pyrotechnik beworfen und verletzt.
Sturm auf Landtag als militante Drohkulisse
In dem anonymen Beitrag auf „Indymedia“ heißt es außerdem: „Nach Erfurt ist vor Magdeburg.“ Der 6. September, der Tag der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, wird als der „Tag der voraussichtlichen faschistischen Machtübernahme in Deutschland“ bezeichnet. An diesem werde man „mit einer großen Schar von Antifas aus ganz Deutschland den Magdeburger Landtag stürmen“.
Ungewiss ist, ob es sich bei der Ankündigung um mehr als eine militante Drohkulisse handelt. Spätestens mit diesem Aufruf ist damit zu rechnen, dass die Einsatzkräfte damit beginnen werden, sich auf ein solches Szenario vorzubereiten.
Bis heute gab es in der deutschen Nachkriegsgeschichte auch keinen Fall, in dem ein Sturm eines überregionalen Parlaments gelungen wäre. Es kam auf kommunaler Ebene mehrfach zu Provokationen, etwa in Dortmund. Dort hatten sich Rechtsextreme nach der Kommunalwahl 2014 und Linksextreme nach der Bundestagswahl 2025 kurzfristig widerrechtlich Zutritt zum Rathaus verschafft. Die Einsatzkräfte konnten die Situation jedoch schnell unter Kontrolle bekommen.
Der versuchte sogenannte Sturm auf den Reichstag, der spontan von Teilnehmern während einer Demonstration gegen die Corona-Politik im August 2020 geprobt worden sein soll, scheiterte schon auf den Treppen des Gebäudes.
Mehr Gegendemonstranten als zum AfD-Parteitag 2024 erwartet
Die Polizei scheint die Ankündigung auf „Indymedia“ ernst zu nehmen.
So rechnet Thüringen mit bis zu 50.000 Gegendemonstranten. Eine solche Teilnehmerzahl würde noch über der Größenordnung der Proteste gegen den AfD-Parteitag 2024 in Essen liegen.
Von den meisten Demonstrationen und Veranstaltungen gehe kein Eskalationsrisiko aus. Hinter ihnen stehen mehrere Parteien, zivilgesellschaftliche Organisationen, Kirchen oder Gewerkschaften. In Erfurt seien an dem Wochenende 31 Versammlungen mit aktuell rund 24.000 Teilnehmern angemeldet worden, sagte Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU). Dabei gehe es aber nicht nur um Gegendemonstrationen zu dem AfD-Parteitag. Zudem seien für Freitag und Samstag zwei große Konzerte geplant. Damit stehe der Landeshauptstadt ein Wochenende bevor, das „so noch nie stattgefunden hat“.
Warnung vor „Horrorszenarien“
Landespolizeipräsident Thomas Quittenbaum ging davon aus, dass zu den angemeldeten 24.000 Versammlungsteilnehmern eine weitere Zahl „von ähnlicher Größe“ zu erwarten sei. Die Erfahrung zeige, dass „ein gewisser Prozentsatz“ auch Gewaltbereitschaft zeigen werde. „Für Gewalt ist in dieser Stadt kein Platz“, warnte der Polizeichef. „Darauf haben wir uns vorbereitet.“
Ein Bündnis „Widersetzen“, das auch von Linken-Bundestagsabgeordneten unterstützt wird, ruft dazu auf, durch Blockaden den Parteitag zu verhindern. Genaue Zahlen zu Teilnehmern und möglichen gewaltbereiten Demonstranten wollte Quittenbaum nicht nennen.
In einem Gespräch mit dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ betonte Maier, Verhinderungsblockaden seien „nicht von der Versammlungsfreiheit gedeckt“. Mit Blick auf den AfD-Parteitag kündigte der Minister an, die Einsatzkräfte würden „das Versammlungsrecht durchsetzen“.
Innenminister Maier kritisierte über soziale Medien verbreitete „Horrorszenarien“, dass „bürgerkriegsähnliche Zustände“ zu erwarten seien.
Das sogenannte Wehrdienst-Modernisierungsgesetz trat zum 1. Januar in Kraft. (Archivbild) - Foto: Jens Kalaene/dpa
Der CDU-Verteidigungspolitiker Thomas Röwekamp hat bis Mitte 2027 eine Entscheidung gefordert, ob sich durch den neuen freiwilligen Wehrdienst die Rekrutierungsziele der Bundeswehr erreichen lassen.
Er habe daran „unverändert erhebliche Zweifel“, sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag der Nachrichtenagentur AFP. Wenn der freiwillige Wehrdienst nicht ausreiche, „dann werden wir zur Wehrpflicht zurückkehren müssen“. Darüber müsse „bis zum 31. Juli nächsten Jahres“ entschieden werden.
Bundeswehr-Bilanz
Die Bundeswehr hatte am Mittwoch eine erste Bilanz für den am 1. Januar gestarteten neuen Wehrdienst vorgelegt. Demnach wurden fast 300.000 Fragebögen an den ersten betroffenen Jahrgang verschickt, in denen das Interesse für die Bundeswehr bekundet werden konnte. 530 Angeschriebene verpflichteten sich dabei für einen freiwilligen Wehrdienst im laufenden Jahr.
„Es ist auf jeden Fall angezeigt, dass wir jetzt erstmal ein Jahr, einen vollen Jahrgang abwarten“, sagte Röwekamp zu den Zahlen. „Erst dann wird man ein Gesamtbild zeichnen können. Im ersten Halbjahr nächsten Jahres müssen wir aber nochmal sehr grundlegend über die Frage reden, ob wir mit der Freiwilligkeit die sehr ambitionierten Aufwuchsnotwendigkeiten bei der aktiven Truppe und den Reservistinnen und Reservisten erreichen.“
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will über den neuen Wehrdienst die Nato-Vorgabe erreichen, bis 2035 im Krisen- oder Kriegsfall 460.000 Soldaten bereitzustellen. Dazu soll die Zahl der aktiven Soldatinnen und Soldaten von derzeit rund 185.000 auf mindestens 260.000 steigen. Die Zahl der Reservisten soll von 60.000 auf 200.000 erhöht werden.
Er halte es „für machbar“, über den freiwilligen Wehrdienst „am Ende das Aufwuchsziel für die Reservistinnen und Reservisten zu erreichen“, sagte Röwekamp. „Meine große Sorge ist der Aufwuchs bei den Zeit- und Berufssoldaten – weil das diejenigen sind, die den Kampfjet fliegen, das Schiff navigieren, den Panzer fahren, die Patriot-Abwehrstellung bedienen.“
Hier müsse „im Prinzip jedes Jahr das Ziel von 10.000 zusätzlichen Soldatinnen und Soldaten“ erreicht werden.
Wehrpflicht bleibt als Option
Das Gesetz zum neuen Wehrdienst sieht zwar keine Rückkehr zu der seit 2011 ausgesetzten allgemeinen Wehrpflicht vor. Es öffnet aber die Tür zu einer sogenannten Bedarfswehrpflicht für den Fall, dass angestrebte Personalstärken über das Freiwilligen-Modell nicht erreicht werden. Nötig dafür wäre ein neuer Bundestagsbeschluss.
Bei der Bedarfswehrpflicht würde nur ein Teil der wehrdienstfähigen jungen Männer verpflichtet. „Wir müssen nicht einen ganzen Jahrgang von 350.000 Männern einziehen“, sagte Röwekamp dazu. „Die Erfahrung zeigt, dass von den Wehrdienstleistenden letztlich ein Viertel bereit ist, Zeit- oder Berufssoldat zu werden, nachdem sie die Truppe kennengelernt haben.“
Mit Blick auf Schülerproteste gegen den Wehrdienst äußerte Röwekamp gleichzeitig Verständnis, dass es bei jungen Menschen „eine Verunsicherung“ gebe.
„Wir haben seit dem Aussetzen der Wehrpflicht im Jahr 2011 mit der jungen Generation gar nicht mehr über die Fragen von Krieg und Frieden und Verteidigungsnotwendigkeit geredet“, sagte er. „Und deswegen treffen wir sie damit relativ unvorbereitet.“
Er werbe „deshalb sehr dafür, dass wir mit dieser Generation reden und nicht nur über sie reden“, sagte der CDU-Politiker. Ziel müsse es sein, junge Menschen zu überzeugen, „dass das nicht irgendein Parteiprogramm ist, sondern wegen der Bedrohung durch Russland eine militärische Notwendigkeit“. (afp/red)
Bratislava Flughafen. (Archivbild) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Porsche will die Produktion des wichtigen SUV-Modells Cayenne offenbar mit allen drei Antriebsvarianten von Bratislava nach Leipzig verlagern. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf Arbeitnehmerkreise. Der Sportwagenhersteller wolle so die Auslastung des Werks in Sachsen langfristig absichern.
Voraussetzung sei allerdings, dass die Arbeitnehmerseite sich auf eine spürbare Absenkung der Löhne einlasse, weil die Entgelthöhen in der Slowakei deutlich unter dem Niveau der deutschen Porsche-Mitarbeiter lägen.
Dass Porsche-Chef Leiters die gesamte Produktion des Cayenne trotzdem aus der Slowakei abziehen wolle, gründe auf den Überkapazitäten in Deutschland. Porsche habe das Problem, dass weder das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen, in dem die Sportwagen vom Band laufen, noch die SUV-Fabrik in Leipzig ansatzweise ausgelastet sei.
Verhandlungen über Löhne laufen
Das Unternehmen selbst wollte sich auf Anfrage der FAZ nicht zu dem Plan äußern. Ein Sprecher bestätigte aber laufende Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite. Auch der Gesamtbetriebsrat bestätigte die Gespräche.
„Allerdings sind noch einige Themen offen, über die es zu diskutieren gilt“, ließ der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats Ibrahim Aslan mitteilen. „Im Sinne der Belegschaft und des Unternehmens ist es unser Anliegen, zügig voranzukommen. Wann und wie das der Fall sein wird, hängt von den nächsten Wochen ab.“
Klar sei aber, dass vor allem das Werk in Leipzig eine Durststrecke überstehen müsse. Bis die neuen Modelle kämen, dauere es noch, und die Verlagerung der Cayenne-Produktion sei ebenfalls keine kurzfristige Lösung.
Weitere Stellenstreichungen geplant
Nachdem Porsche in den vergangenen Monaten bereits die Verträge von mehreren 100 Zeitarbeitern nicht verlängert habe, wolle das Unternehmen bis August 200 Arbeitsplätze mit freiwilligen Aufhebungsverträgen und Abfindungsangeboten abbauen. Zudem sollten bis zu 400 Mitarbeiter mit einer sogenannten „Drehscheibe“ zeitweise nach Wolfsburg abgeordnet werden.
Die Maßnahmen seien alle Teil einer umfassenden Neuausrichtung, die Leiters in allen Einzelheiten auf einem Kapitalmarkttag im Oktober vorstellen wolle.
Der Porsche-Chef wolle die Zahl der verschiedenen Modellvarianten reduzieren, die Entwicklung des Herstellers umbauen und Synergien mit der Muttergesellschaft VW nutzen. Vor allem aber plane er einen weiteren Stellenabbau.
Am Stammsitz in Zuffenhausen und im Entwicklungszentrum in Weissach stehen nach Informationen der FAZ aus Unternehmenskreisen Stellen in niedriger vierstelliger Höhe zur Disposition. (dts/red)
Vespa-Fans fahren am Kolosseum vorbei. - Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa
Mit einer großen Vespa-Parade ist in Rom der 80. Geburtstag des italienischen Kult-Motorrollers gefeiert worden. Bei hochsommerlichen Temperaturen fuhren zahlreiche Fans aus aller Welt auf ihren Vespas durch die italienische Hauptstadt. Die Route führte unter anderem am Kolosseum und den Kaiserforen vorbei. Zu der Parade wurden Zehntausende Teilnehmer erwartet.
Die mehrtägigen Feierlichkeiten zum Jubiläum der Vespa hatten bereits am Donnerstag begonnen. Im Norden Roms war dafür ein Vespa Village eingerichtet worden, in dem sich Fans und Mitglieder von Vespa-Clubs aus aller Welt trafen. Dort fanden Ausstellungen und Treffen der Teilnehmer statt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt
1946 rollten im Stammwerk des Herstellers Piaggio im toskanischen Pontedera die ersten Modelle vom Band. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Vespa als günstiges Fortbewegungsmittel für die breite Masse entwickelt. Sie entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem Kultfahrzeug. Seit Produktionsbeginn wurden laut Piaggio fast 20 Millionen Exemplare verkauft.
Angemeldet für die Parade waren mehr als 60 Vespa-Clubs aus aller Welt. Auch deutsche „vespisti“ – so nennen sich Vespa-Liebhaber – sollten dabei sein. Etwa 600 bis 800 offiziell angemeldete Fans aus Deutschland hatten zuvor ihre Teilnahme bestätigt, auch zahlreiche Fans ohne Vespa wollten nach Rom reisen.
Audrey Hepburn flitzte auf der Vespa durch Rom
Für Italien gilt die Vespa als Nationalsymbol. Im Ausland ist der Zweirad-Roller auch sehr beliebt. Für viele gilt er als Inbegriff italienischen Lebensgefühls. Zur internationalen Bekanntheit verholfen hat auch das Kino: Im Film „Ein Herz und eine Krone“ flitzten Audrey Hepburn und Gregory Peck 1953 auf der Vespa durch Rom. Auch in anderen Produktionen kam die Vespa später vor. (dpa/red)
Israel und der Libanon haben sich in Washington auf ein Abkommen geeinigt. (Archivbild) - Foto: Bilal Hussein/AP/dpa
Israel, der Libanon und die USA haben in Washington ein Rahmenabkommen unterzeichnet, das den Weg zu einem israelisch-libanesischen Friedensabkommen ebnen soll. Die zentralen Vereinbarungen des 14 Punkte umfassenden Textes:
„Dauerhafter Frieden“
Israel und der Libanon bekräftigen mit Unterstützung der USA „ihr gemeinsames Ziel, einen dauerhaften Frieden und Sicherheit zu erreichen“. Die Nachbarländer, die sich formell seit 1948 im Kriegszustand befinden, „erklären ihre Absicht, den Konflikt endgültig zu beenden, die ihm zugrunde liegenden Ursachen anzugehen und damit jeden Kriegszustand zwischen ihnen formell zu beenden“.
„Verifizierte Entwaffnung“
Dazu sieht das Rahmenabkommen vor, „irreversible Fortschritte“ bei der Lösung aller Streitpunkte zwischen Israel und dem Libanon zu erzielen. Dies soll durch direkte bilaterale Gespräche erreicht werden, die von den USA vermittelt und unterstützt werden.
Die libanesische Armee soll nach einer „verifizierten Entwaffnung nichtstaatlicher bewaffneter Gruppen und der Beseitigung der damit verbundenen Infrastruktur“ – gemeint ist insbesondere die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz – die Souveränität „über das gesamte libanesische Staatsgebiet wiederherstellen“.
Dies werde es der israelischen Armee ermöglichen, sich „schrittweise aus dem libanesischen Staatsgebiet zurückzuziehen“. Die dafür erforderlichen Schritte sowie Überprüfungsmechanismen sollen noch festgelegt werden.
Testgebiete
Die libanesische Armee soll schrittweise die „vollständige und effektive Sicherheitsverantwortung“ in sogenannten Testgebieten im Libanon übernehmen, aus denen die israelische Armee sich dann „schrittweise und verifiziert“ zurückzieht. Auf zwei solche Testgebiete haben sich beide Seiten bereits verständigt, weitere Gebiete sollen gemeinsam festgelegt werden. Die libanesische Armee soll die Sicherheitsverantwortung für die Gebiete übernehmen, sobald die Entwaffnung nichtstaatlicher bewaffneter Gruppen abgeschlossen und überprüft ist.
In den Gebieten unter libanesischer Kontrolle sollen dem Abkommen zufolge „international unterstützte Wiederaufbaubemühungen“ beginnen. Libanesische Zivilisten sollen „sicher“ dorthin zurückkehren können. Die USA wollen „eng mit beiden Ländern zusammenzuarbeiten, um diesen Prozess zu verifizieren und zu unterstützen“.
Arbeitsgruppen
Die libanesische Regierung bekräftigt in dem Abkommen ihre Absicht, ihre Souveränität über das libanesische Staatsgebiet vollständig wiederherzustellen. Konkret wird auf das „Gewaltmonopol des Staates“ und erneut auf die Entwaffnung nichtstaatlicher Gruppen verwiesen.
Solche Gruppen sollen im ganzen Land künftig keine Rolle mehr in Militär- und Sicherheitsfragen spielen und über „keinerlei bewaffnete Fähigkeiten“ verfügen. Um dies zu erreichen, bittet der Libanon um die Unterstützung internationaler und insbesondere arabischer Partner – unter Führung der USA.
Israel und der Libanon sollen zudem Arbeitsgruppen einsetzen, um ein umfassendes Friedens- und Sicherheitsabkommen auszuarbeiten. Sie sollen zudem umgehend ergänzende Formate für „laufende direkte Kontakte“ einrichten, die von den USA unterstützt werden.
„Keine territorialen Bestrebungen“
Israel versichert in dem Abkommen, seine Militäreinsätze im Libanon seien „ausschließlich“ eine Folge der Angriffe nichtstaatlicher bewaffneter Gruppen im Libanon, insbesondere der Hisbollah, sowie der von ihnen ausgehenden Bedrohung und ihrer „feindlichen Absichten“.
Die „Beseitigung dieser Bedrohung“, insbesondere durch die Entwaffnung der Gruppen und weitere Sicherheitsvereinbarungen zwischen beiden Ländern, werde zukünftig auch die „Notwendigkeit“ für Militäreinsätze oder eine Präsenz israelischer Soldaten im Libanon beseitigen. Die israelische Regierung erklärt, „dass sie im Libanon keine territorialen Bestrebungen hat“. (afp/red)
Raupen mit Brennhaaren breiten sich aus: Warum jetzt manche Spielplätze und Parks gesperrt werden. Foto iStock Ralf Geithe
In Kürze:
Sperrungen in vielen Regionen: Wegen des Eichenprozessionsspinners werden derzeit Spielplätze, Parks und Waldwege vorübergehend gesperrt oder abgesichert.
GesundheitsgefahrdurchBrennhaare: Die feinen Haare der Raupen können Juckreiz, Hautausschläge, Augenreizungen und Atembeschwerden verursachen – auch ohne direkten Kontakt mit den Raupen.
Abstandhalten: Es empfiehlt sich, Nester nicht zu berühren, Warnschilder zu beachten und bei Beschwerden nach Kontakt Haut und Kleidung gründlich zu reinigen sowie bei stärkeren Symptomen ärztliche Hilfe zu suchen.
Der Spielplatz ist geschlossen, der Lieblingspark nur eingeschränkt nutzbar oder der Waldweg plötzlich abgesperrt – der Grund ist derzeit in vielen Regionen Deutschlands derselbe: der Eichenprozessionsspinner.
Die unscheinbare Raupe sorgt in diesem Sommer wieder aufgrund ihrer Gefahren für Augen, Haut und Atemwege für zahlreiche Sperrungen und Bekämpfungsmaßnahmen. Der ursprünglich aus Südosteuropa kommende Falter profitiert von langen Trockenperioden und milden Frühjahren. Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist von April bis Juli unterwegs, wie es beim Umweltbundesamt heißt.
In vielen Städten und Gemeinden werden zurzeit Spielplätze, Parks, Friedhöfe, Sportanlagen oder Waldwege vorsorglich gesperrt. In Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg wurde vom Hubschrauber aus bakterienbasiertes Insektizid über viele Hundert Hektar Fläche versprüht. In anderen Regionen wurden vorbeugend gezielt Eichen, etwa in Kindergärten sowie auf Friedhöfen und an Sportplätzen, besprüht. In Leipzig kommen in diesem Jahr Fadenwürmer als Gegenmittel in Grünanlagen zum Einsatz, andernorts werden die Nester von befallenen Bäumen gesaugt.
Gefährlich für Mensch und Tier ist nicht der spätere Nachtfalter, sondern die Raupe. Ab dem dritten Larvenstadium entwickelt sie hunderttausende winzige Brennhaare mit Widerhaken. Diese enthalten ein Nesselgift und können durch den Wind über weite Strecken verteilt werden – selbst wenn die Raupen längst verschwunden sind.
Die Folgen bei Kontakt können erheblich sein. So können Juckreiz, Schwellungen, Brennen und Hautausschläge sowie Quaddeln entstehen. Bei Kontakt mit den Augen können Rötungen und Reizungen bis zu Bindehautentzündungen die Folge sein. Husten und Atemwegsbeschwerden bis zu Bronchitis, Asthma und Atemnot können nach Kontakt auftreten.
Besonders problematisch: Mit jedem weiteren Kontakt kann die Empfindlichkeit des Körpers zunehmen. Der Wirkstoff in den Brennhaaren bleibt zudem über Monate oder sogar Jahre in alten Nestern oder im Unterholz aktiv.
Die Raupen leben fast ausschließlich auf Eichen und bewegen sich oft in großen Gruppen in langen Reihen über Stamm und Äste hintereinander – daher stammt auch ihr Name „Prozessionsspinner“.
Typische Merkmale der graubraunen Raupen ab dem dritten Stadium sind die langen, feinen Haare. Erkennbar sind sie an kompakten Gespinsten am Stamm oder in Astgabeln von Eichen.
Wer solche Nester entdeckt, sollte ausreichend Abstand halten und sie keinesfalls selbst entfernen.
Der Eichenprozessionsspinner ist ein Nachtfalter, dessen Raupen zur Verteidigung giftige Härchen (Brennhaare) ausbilden.
Foto: Ben-Schonewille/iStock
Achtung: Nicht jedes Gespinst ist gefährlich
Immer wieder werden harmlose Gespinste mit denen des Eichenprozessionsspinners verwechselt. Häufig handelt es sich aber um Gespinstmotten. Deren Raupen sind weißlich, nahezu haarlos und besitzen schwarze Punkte. Sie spinnen ganze Zweige oder Sträucher ein, stellen für Menschen aber keine Gesundheitsgefahr dar.
Der entscheidende Unterschied: Während Gespinstmotten viele Baum- und Straucharten befallen, lebt der Eichenprozessionsspinner fast ausschließlich auf Eichen. Seine Nester befinden sich meist direkt am Stamm oder in Astgabeln und wirken deutlich kompakter.
Was sollte man tun?
Wer Warnschilder oder Absperrungen sieht, sollte diese unbedingt beachten. Befallene Bereiche sollten möglichst gemieden werden. Wer dennoch mit den Brennhaaren in Kontakt gekommen ist, sollte seine Kleidung wechseln und bei 60 Grad waschen sowie gründlich duschen. Auch Autos, die in der Nähe eines befallenen Baums standen, sollten sorgfältig von innen und außen gereinigt werden,
Aponet.net empfiehlt, bei Beschwerden kühlende Umschläge zur Linderung auf die betroffene Hautstelle aufzutragen. Bei starken Hautreaktionen, Atemproblemen oder allergischen Beschwerden ist ärztliche Hilfe ratsam.
Wer wissen möchte, ob in seiner Region aktuell mit dem Eichenprozessionsspinner zu rechnen ist, kann die Prognosekarte des Deutschen Wetterdienstes nutzen. Sie zeigt den Entwicklungsstand der Raupen und das potenzielle Befallsrisiko.
Das brandenburgische Gesundheitsministerium empfiehlt, bei Entdeckung eines Befalls diesen dem zuständigen Amt oder der betroffenen Gemeinde zu melden.
Auch die Steuer auf Sekt soll den Plänen zufolge um 20 Prozent angehoben werden. (Archivbild) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will die Alkoholsteuer weniger stark anheben als zuletzt von der Expertenkommission des Gesundheitsministeriums empfohlen. Das ergibt sich aus einem Gesetzentwurf des Finanzministeriums, aus dem das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ zitiert. Danach soll die Steuer auf Spirituosen im kommenden Jahr um 20 Prozent steigen.
Dadurch würde beispielsweise eine Flasche Wodka mit einem Alkoholgehalt von 40 Volumenprozent im Einzelhandel um knapp einen Euro teurer. Die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzte Expertenkommission hatte dagegen für 2027 einen Anstieg um mehr als 40 Prozent vorgeschlagen. Bis 2029 sah der Vorschlag sogar eine Verdoppelung der Steuer vor.
Eine Erhöhung um 20 Prozent bedeutet, dass die Alkoholsteuer von 13,03 Euro je Liter Reinalkohol auf 15,64 Euro steigt. Bezogen auf eine 0,7-Liter-Flasche und eine Spirituose mit 40 Volumenprozent – unter anderem Wodka, Whisky oder Rum – würde die Steuerlast inklusive Mehrwertsteuer um 87 Cent steigen.
Auch die Steuer auf Sekt, Champagner, mit Alkohol versetzte Likörweine sowie sogenannte Alkopops soll den Plänen zufolge um 20 Prozent angehoben werden. Die Biersteuer will Klingbeil dagegen nicht erhöhen. Wein soll weiter steuerfrei bleiben.
Die Mehreinnahmen für den Staat sollen sich auf jährlich rund 400 Millionen Euro summieren. Im Gesetzentwurf heißt es, die Steuererhöhung diene der „Konsolidierung des Bundeshaushalts 2027 und des Finanzplanes bis 2030“. (dts/red)
Christian Lindner hält die Empfehlungen der Rentenkommission nicht für ein schlüssiges Gesamtpaket. (Archivbild) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Der frühere Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) würde das Gesetzespaket, bestehend aus allen 33 Empfehlungen der Rentenkommission, nicht unterschreiben. Das sagte er dem „Tagesspiegel“.
„Nein, das Ergebnis der Kommission würde ich mir nicht einfach so zu eigen machen“, sagte Lindner. Er kritisiert vor allem die Einbeziehung der Selbstständigen und die Erhöhung der Rentenversicherungsbeiträge durch die Kapitalrente.
Die Einbeziehung der Selbstständigen in die gesetzliche Rente werde das Demografieproblem nicht lösen, sondern verschärfen, sagte der ehemalige FDP-Vorsitzende. Zwar komme kurzfristig mehr Geld ins System, später würden aber Anwartschaften fällig.
Anders als Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hält Lindner das Rentenpaket daher auch nicht für ein „Gesamtkunstwerk“. Er würde nicht von einem Kunstwerk sprechen, sagte er. Es sei „ein gutes Werkstück“.
Aus seiner Sicht enthält der Vorschlag der Alterssicherungskommission neben einigen Rückschritten aber auch Impulse für mehr Generationengerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Er sei gespannt, was davon am Ende des politischen Prozesses stehen werde, sagte Lindner dem „Tagesspiegel“.
Nun wünsche er Freude und Fortune, daraus eine echte Rentenreform zu machen. Ihn selbst reizt die Aufgabe nicht. „Jetzt widme ich mich neuen, spannenden Aufgaben, die mich intellektuell herausfordern.“ (dts/red)
Zentralverband des Deutschen Handwerks. (Archivbild) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Handwerkspräsident Jörg Dittrich verlangt von der Bundesregierung viel weitgehendere Einsparungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung als bislang geplant. Das berichtet die „Welt am Sonntag“.
„Halbherzige Schritte bringen uns nicht weiter“, sagte Dittrich der Zeitung.
Die Finanzkommission Gesundheit habe im März Sparmaßnahmen mit einem Volumen von 40 Milliarden Euro präsentiert, aufgegriffen worden seien davon nur 16 Milliarden Euro. Die vorgeschlagenen Einsparungen seien notwendig, um die Beiträge spürbar zu senken, so Dittrich. Tiefgreifende strukturelle Eingriffe seien jetzt unvermeidbar.
Handwerk leidet
Die Lohnzusatzkosten lägen bereits bei knapp 43 Prozent, Tendenz weiter steigend. „Wir brauchen dringend das politische Ziel, wieder in Richtung 40 Prozent zu kommen“, sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Das lohnintensive Handwerk leide unter steigenden Sozialbeiträgen besonders.
Die Vorschläge der Rentenkommission lobte Dittrich grundsätzlich. Auch die Abschaffung der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte sieht er positiv. „Es war der falsche Reflex, aus jedem Einzelfall eine Regel für alle zu machen. Von daher unterstütze ich die Abschaffung der Rente mit 63“, sagte Dittrich, der einen Dachdeckerbetrieb in Dresden führt. Allerdings würden die Vorschläge in der aktuellen Krisenlage kein Wachstum schaffen.
Kritik am Aus für Minijobs
Kritisch äußerte sich Dittrich zum empfohlenen Aus für Minijobs. „Da habe ich die Sorge, dass eine Abschaffung Schwarzarbeit fördert“, sagte er.
Über die kleine Gruppe, die dauerhaft nur Minijobs annehme und später auf die Unterstützung der Gemeinschaft angewiesen sei, könne man reden. Aber deshalb gleich alle Minijobs abzuschaffen, wäre falsch. Viele Minijobber seien Studenten oder Menschen mit einem Hauptjob, die sich etwas dazuverdienen wollten.
Zur Verteidigung des umstrittenen Steuerbonus für Handwerkerleistungen habe sein Verband dem Finanzministerium vorgeschlagen, eine Bagatellgrenze einzuführen und den Bonus digital abzuwickeln, um Verwaltungskosten zu sparen, sagte Dittrich.
Zudem könne man zum Beispiel gesetzlich vorgeschriebene Prüfleistungen wie beim Schornsteinfeger herausnehmen. Es gebe keinen Grund, warum diese Ausgaben steuerlich absetzbar sein sollten. Die Abschaffung des Steuerbonus hatte in der Vergangenheit unter anderem der Bundesrechnungshof gefordert, da das Ziel der Bekämpfung von Schwarzarbeit nicht erreicht worden sei. (dts/red)
Die Polizei in Berlin ist überfordert. - Foto: Soeren Stache/dpa
In Kürze:
Täglich werden nach Angaben der GdP 400 bis 500 Berliner Polizeivollzugsbeamte für den Objektschutz eingesetzt.
Die Gewerkschaft sieht dadurch die Einsatzfähigkeit der Polizei im regulären Dienst gefährdet.
Als Ursachen nennt sie den gestiegenen Schutzbedarf infolge internationaler Krisen sowie bewaffnete Erpressungsserien im Bandenmilieu.
Die GdP fordert mehr Unterstützung durch den Bund, den verstärkten Einsatz moderner Technik und eine Neuordnung der Zuständigkeiten.
Der Berliner Landesverband der Gewerkschaft der Polizei (GdP) schlägt Alarm. Da seinen Angaben zufolge täglich zwischen 400 und 500 Vollzugsbeamte der Polizei in den Objektschutz eingebunden seien, leide der reguläre Polizeidienst. Es entstünden erhebliche Personallücken, heißt es in einer Presseerklärung.
„Wir schaffen es nicht mehr“, warnt GdP-Landeschef Stephan Weh. Die Politik müsse endlich eine Debatte über Kernaufgaben führen. Außerdem müsse sie realisieren, dass „der Staat, und hier ganz speziell die Polizei, nicht für alles herhalten kann“.
„Internationale Bedrohungslage“ macht immer mehr Hilfe beim Objektschutz nötig
Vor einem Jahr räumte Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel ein, dass Berlins Polizei aufgrund zunehmender Aufgaben im Objektschutz belastet sei. Grund dafür sei die „internationale Bedrohungslage“. Zu dem Zeitpunkt – von 2024 auf 2025 – stieg die Zahl der für den Objektschutz abgestellten Vollzugsbeamten von 304 auf 384.
Für den Objektschutz gibt es üblicherweise Tarifbeschäftigte, zuletzt war die Rede von 1.483 Personen, wie der rbb berichtete. Diese reichten jedoch nicht mehr aus für die stetig steigende Zahl an Objekten, die besonderen Schutz benötigen. Dazu kommen saisonale Engpässe.
Der Polizei zufolge gab es im März 2026 in Berlin 1.132 als gefährdet eingestufte Objekte, die besonderer Schutzmaßnahmen bedurften. Einige davon stellen grundsätzlich Objekte mit erhöhtem Schutzbedarf dar – etwa die knapp 170 Botschaften und weitere diplomatische Einrichtungen in der Bundeshauptstadt.
Kriege in Nahost sowie politische Radikalisierung machen mehr Schutz nötig
Geopolitische Verwerfungen und zunehmende Tendenzen der Polarisierung und Radikalisierung haben die Zahl schutzbedürftiger Objekte zuletzt deutlich anwachsen lassen. Ein Aspekt war dabei der Krieg in der Ukraine. Einer der Hauptfaktoren für den zusätzlichen Bedarf an Objektschutz war das Massaker der Hamas in israelischen Grenzgebieten zu Gaza am 7. Oktober 2023 und die seitdem folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen in der Region.
Zuletzt ist die Zahl der schutzbedürftigen Objekte mit jüdischem oder israelischem Bezug auf insgesamt 174 angestiegen. Dazu zählen unter anderem Synagogen, Schulen oder Kindergärten. Auch Regierungsgebäude von Bund und Land binden Objektschutzkräfte.
In einigen Fällen bemühen sich Betreiber von Einrichtungen auch von sich aus um Mithilfe – beispielsweise in Form von Videokameras, Ehrenamtlichen am Eingang oder abgestimmten Sicherheitskonzepte mit Behörden. Manchmal müssen jedoch auch dauerhaft leer stehende oder ungenutzte Gebäude von Polizeivollzugsbeamten bewacht werden. Besonders in solchen Fällen wächst – wie aus der Erklärung der Berliner GdP hervorgeht – Fragen laut, ob hier der Polizeivollzug statt etwa privater Sicherheitsdienste bemüht werden müsse.
BAO Ferrum zieht Vollzugsbeamte auch zum Schutz mutmaßlicher Straftäter heran
Zu den fortdauernden Schutzaufträgen aufgrund geopolitischer Konflikte und politischer Radikalisierung kämen jedoch auch solche, die kriminelle Strukturen selbst beträfen. So gebe es – häufig kurzfristig angepasste – Schutzaufträge im Berliner Bandenmilieu. Zwischen 50 und 150 Beamte umfasse außerdem der tägliche Personalbedarf im Kontext der sogenannten Besonderen Aufbauorganisation (BAO) Ferrum.
Das lateinische Wort „Ferrum“ steht für Eisen und die Besondere Aufbauorganisation bezieht sich dabei vorwiegend auf das, was man früher als „Schieß-Eisen“ bezeichnete. Es geht um eine Serie bewaffneter Angriffe und Erpressungen gegen Geschäftsleute sowie 558 Schusswaffendelikte. So viele hatten bis Ende Mai in der Bundeshauptstadt laut „Berliner Zeitung“ stattgefunden.
Etwa die Hälfte der Erpressungen soll türkische oder türkeistämmige Geschäftsleute betreffen. Häufig bestehe auch ein internationaler Bezug, da Tatverdächtige häufig aus der Türkei stammen oder gezielt zur Tatbegehung von dort einreisten.
GdP: Überforderung beim Objektschutz gefährdet Einsatzfähigkeit
Die BAO Ferrum fordere zum Schutz gefährdeter Personen regelmäßig zusätzliche Polizeikräfte an, schildert die GdP. Dieses Personal fehle in Revieren. Dadurch würden die Einsatzhundertschaften geschwächt, die Kriminalpolizei müsse teilweise den Objektschutz übernehmen – und am Ende sinke die allgemeine Einsatzfähigkeit.
GdP-Landeschef Weh kritisiert, dass Polizeibeamte teilweise Wohnhäuser und Betriebe von Personen schützen müssten, die teilweise selbst polizeibekannt seien. Diese würden nun häufig selbst zum Ziel von Erpressungen. Die Polizeigewerkschaft fordert für solche Fälle einen Stufenplan. Gefährdete sollten eigene Sicherheitsdienste beauftragen. Erst, wenn deren Potenziale nicht ausreichten, sollte staatlicher Polizeischutz infrage kommen. Bei konkreten Gefährdungen von Leib und Leben müsse weiterhin die Polizei eingreifen.
Weh fordert, dass der Bund den Schutz von Botschaften und bundespolitisch oder international bedeutsamen Einrichtungen selbst übernimmt. Außerdem tritt er für einen deutlich stärkeren Einsatz KI-gestützter Videoüberwachung ein. Diesbezüglich hat Polizeipräsidentin Slowik Meisel Gesprächsbereitschaft signalisiert. Generell fordert die Gewerkschaft jedoch auch eine politische Debatte darüber, welche Aufgaben zwingend Polizeivollzugsbeamte wahrnehmen müssten und welche etwa auch Private übernehmen könnten.
Burkina Faso sowie die Nachbarstaaten Mali und Niger werden von Militärjuntas regiert. (Archivbild) - Foto: Sophie Garcia/AP/dpa
Nach Jahren angespannter Beziehungen hat Burkina Faso die diplomatischen Beziehungen zur früheren Kolonialmacht Frankreich abgebrochen.
Die Entscheidung trete noch am Freitag, 26. Juni, in Kraft, hieß es in einer im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung der Militärjunta. Darin warf die Junta Frankreich „unablässigen Aktivismus“ gegen die Interessen Burkina Fasos und „neokoloniale Ambitionen“ vor, die sich in der „aktiven Unterstützung für subversive Netzwerke und die Terroristen“ zeigten, „die unser Land und die Sahelzone in Trauer stürzen“.
Die Junta betonte in ihrer Erklärung, die Entscheidung betreffe „ausschließlich den institutionellen Rahmen der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten“. Die „historischen, menschlichen, kulturellen und sozialen Verbindungen“ zwischen den Menschen in Burkina Faso und Frankreich würden dadurch nicht in Frage gestellt. Zugleich versicherte die Regierung, sie werde den Schutz ausländischer Staatsangehöriger gewährleisten.
Nach Angaben des französischen Außenministeriums sind mehr als 2000 Franzosen im Konsularregister in Burkina Faso eingetragen. Mehr als 6000 burkinische Staatsangehörige leben demnach in Frankreich.
„Feindselige und unbegründete“ Entscheidung
Das französische Außenministerium bezeichnete den Schritt der Militärführung in Ouagadougou als „feindselige und unbegründete“ Entscheidung. Diese stehe für die „besorgniserregende Entwicklung“ der Behörden in Burkina Faso, erklärte das französische Außenministerium. Die gebotenen „Gegenmaßnahmen“ würden derzeit geprüft.
Burkina Faso wird wie mehrere westafrikanische Länder seit Jahren von tödlicher Gewalt durch Dschihadistengruppen erschüttert, die mit dem islamistischen Terrornetzwerk Al-Kaida und der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Verbindung stehen.
Seit dem Putsch von Hauptmann Ibrahim Traoré im September 2022 haben sich die Beziehungen zwischen Ouagadougou und Paris immer weiter verschlechtert.
Burkina Faso hatte bereits 2023 die Abberufung des französischen Botschafters Luc Hallade verlangt, ein Militärabkommen mit Paris aufgekündigt und den Abzug der französischen Armee erreicht, die lange im Kampf gegen Dschihadisten eingesetzt gewesen war. Mehrere überwiegend französische Medien wurden zeitweise oder dauerhaft suspendiert, darunter France 24, TV5 Monde und Radio France Internationale.
Burkina Faso sowie die Nachbarstaaten Mali und Niger werden von Militärjuntas regiert. Seit deren Machtübernahme haben sich die Staaten von Frankreich und der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas abgewandt. Sie gründeten die Allianz der Sahel-Staaten und suchten neue Partner, insbesondere im militärischen Bereich, darunter Russland, die Türkei und der Iran. (afp/red)
Minijobs sind für die Gastronomie unverzichtbar. (Archivbild) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) kündigt Widerstand gegen die geplante Abschaffung der Minijobs an. Das berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagsausgabe). Hintergrund sind die Empfehlungen der Rentenkommission zu möglichen Reformen der Altersvorsorge, die unter anderem die Abschaffung der Minijobs vorsehen.
Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Jana Schimke sagte den Funke-Zeitungen: „Wir werden mit aller Kraft für den Erhalt der Minijobs kämpfen.“
Hotellerie und Gastronomie auf Minijobs angewiesen
In der Branche arbeite die Hälfte aller Beschäftigten auf Minijob-Basis, das seien 1,1 Millionen Menschen. Sie sicherten insbesondere Abendstunden, Wochenenden, Veranstaltungen und saisonale Spitzen. „Es ist nicht möglich, dieses Angebot ohne unsere Minijobber aufrechtzuerhalten“, so Schimke.
Sie stellte zudem klar, Minijobs seien bereits heute grundsätzlich rentenversicherungspflichtig. Arbeitgeber zahlten schon heute einen pauschalen Rentenbeitrag von 15 Prozent, zusätzlich zum Krankenversicherungsbeitrag von 13 Prozent.
„Es gibt also keine Versorgungslücke, wie behauptet“, sagte sie. Es sei Aufgabe der Politik, „weitsichtige, praxistaugliche und tragfähige Entscheidungen zu treffen, die Beschäftigung nicht gefährden, sondern fördern“.
Die Kommission hatte am Dienstag ihre Empfehlungen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) übergeben. Beide kündigten nach dem einstimmigen Beschluss der Kommission an, die 33 Empfehlungen auch umzusetzen. (dts/red)