Vom Familiencamper bis zum Luxusreisemobil: Der Caravan Salon in Düsseldorf zeigt bis zum 6. September die ganze Bandbreite des mobilen Reisens. - Foto: Lynn Wu/Epoch Times
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Vom Familiencamper bis zum Luxusreisemobil: Der Caravan Salon in Düsseldorf zeigt die ganze Bandbreite des mobilen Reisens.
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Vom Familiencamper bis zum Luxusreisemobil: Der Caravan Salon in Düsseldorf zeigt die ganze Bandbreite des mobilen Reisens.
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Vom Familiencamper bis zum Luxusreisemobil: Der Caravan Salon in Düsseldorf zeigt die ganze Bandbreite des mobilen Reisens.
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„Vertraut, flexibel und frei“ – so beschreiben Yvonne und Marc Hilgers, was sie am Reisen im eigenen Fahrzeug schätzen. Auf dem Caravan Salon in Düsseldorf, der weltgrößten Messe für Reisemobile, Camper und Caravans, hat die vierköpfige Familie gerade einen neuen Wohnwagen gekauft.
Die Entscheidung fiel nicht spontan. Einen ähnlichen Grundriss hatte die Familie bereits im Urlaub ausprobiert. Wichtig waren eigene Schlafplätze für die Kinder, ein praktischer Innenraum und das Gefühl, unterwegs ein Stück Zuhause dabeizuhaben. Künftig soll der Caravan nicht nur in den großen Ferien zum Einsatz kommen.
Die Hilgers leben nahe der niederländischen Grenze; das Meer ist in etwa zwei Stunden erreichbar. So sind auch spontane Wochenendfahrten möglich.
Gerade den Kaufvertrag unterzeichnet: Familie Hilgers freut sich bereits auf die ersten Ausfahrten im eigenen Wohnwagen.
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„Man kann alles wie zu Hause einrichten, losfahren und im eigenen Bett schlafen“, sagt Yvonne Hilgers. Vieles könne dauerhaft im Fahrzeug bleiben.
Was die Familie gekauft hat, ist deshalb nicht nur ein Wohnwagen. Es ist die Möglichkeit, kurzfristig aufzubrechen.
Der Boom ist vorbei – der Markt bleibt groß
Die außergewöhnlichen Zuwächse in den Corona-Jahren sind inzwischen vorbei. Dennoch hält sich der deutsche Markt für Freizeitfahrzeuge trotz schwacher Konjunktur vergleichsweise stabil. Von Januar bis Juli 2026 wurden nach Angaben des Caravaning Industrie Verbandes (CIVD) 63.329 Reisemobile und Caravans neu zugelassen. Das waren 3 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Auf Reisemobile entfielen 50.118 Neuzulassungen, ein Rückgang um 3,3 Prozent. Bei den Caravans sank die Zahl um 1,9 Prozent auf 13.211. Europaweit bewegte sich der Markt mit mehr als 149.000 Neuzulassungen und einem Minus von 0,1 Prozent nahezu auf Vorjahresniveau.
Langfristig ist der Markt stark gewachsen. In Deutschland sind inzwischen laut CIVD weit mehr als 1,8 Millionen Freizeitfahrzeuge zugelassen.
Auch in Düsseldorf ist das Interesse sichtbar: Mehr als 85.000 Menschen kamen nach Angaben der Messegesellschaft am Preview Day und am ersten Messewochenende auf das Gelände. 834 Aussteller aus 41 Ländern präsentieren vom 28. August bis zum 6. September 2026 in 15 Hallen und auf dem Freigelände ihre Produkte.
80.000 Euro für den Urlaub
In den Messehallen zeigt sich, welche Summen inzwischen auch im mittleren Marktsegment üblich sind. Bei der Marke Weinsberg geben Käufer nach Angaben des Verkäufers Andreas Hens im Durchschnitt etwa 75.000 bis 80.000 Euro für ein Reisemobil aus.
„Wir verkaufen Luxus, Spaß und Urlaub“, sagt Hens. Besonders gefragt sei der teilintegrierte CaraCompact EDITION PEPPER. Der Hersteller bietet das Modell derzeit je nach Grundriss für 66.990 bis 68.990 Euro an. Ein Grund für dessen Erfolg sei die umfangreiche Ausstattung: Viele Käufer wollten ein möglichst vollständiges Fahrzeug, statt später zahlreiche Extras nachzurüsten.
Der Weinsberg CaraCompact gehört zu den gefragten Modellen auf der Messe.
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Auch Messeangebote spielen eine Rolle. Hens zeigt sich nach den ersten Tagen zufrieden und sieht die Branche wieder im Aufwind.
Ähnliches berichtet Philipp Hahn, der Reisemobile der Marken Carthago und Malibu verkauft. Am zweiten Messetag hatte er nach eigenen Angaben bereits drei Fahrzeuge verkauft, die meisten davon in einer Größenordnung um 80.000 Euro.
Auch Malibu bietet Reisemobile in einer ähnlichen Preisklasse an.
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Spontankäufe seien allerdings selten. „Die Kunden sind zu 100 Prozent informiert und haben sich ihr Budget bereits gesetzt“, sagt Hahn. Auf der Messe werde dann über Ausstattung und Preis verhandelt.
Nur wenige seiner Käufer finanzierten den Kauf, berichtet der Händler. Für einen großen Teil der Kundschaft ist das Reisemobil eine langfristig vorbereitete Investition.
Wenn das Reisemobil 2,2 Millionen Euro kostet
Wenige Hallen weiter beginnt eine andere Welt. Das Familienunternehmen VARIOmobil aus Bohmte bei Osnabrück fertigt hochpreisige Reisemobile weitgehend nach den individuellen Vorstellungen seiner Kunden.
Das deutsche Familienunternehmen VARIOmobil setzt auf Manufaktur und individuelle Kundenanfertigungen.
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Auf dem Caravan Salon zeigt die Manufaktur den Vario Perfect 1200 QS Platinum. Das 12 Meter lange und 26 Tonnen schwere Reisemobil auf einem Mercedes-Benz-Actros-Fahrgestell kostet in der ausgestellten Ausführung rund 2,2 Millionen Euro. Vier ausfahrbare Wohnraumerker vergrößern den Innenraum; im Heck befindet sich eine Garage, in der selbst ein Sportwagen Platz findet.
Das deutsche Familienunternehmen VARIOmobil setzt auf Manufaktur und individuelle Kundenanfertigungen.
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VARIOmobil setzt nicht auf große Stückzahlen, sondern auf Einzelanfertigung. Nach Angaben von Nicolas Mix, der zur dritten Generation der Eigentümerfamilie gehört, beschäftigt das Unternehmen rund 75 Mitarbeiter und baut jährlich nur etwa zehn bis zwölf Fahrzeuge. Die Lieferzeit liege derzeit bei etwa zweieinhalb Jahren.
Die Messe diene deshalb weniger dem unmittelbaren Verkauf. „Kontakte werden geknüpft, die Interessenten kommen her und machen sich ein Bild“, sagt Mix. Die eigentliche Planung erfolge später im Werk. Dort würden Grundriss und Ausstattung mit dem Kunden entwickelt.
Der Offroad-Caravan EXP-8 des australischen Herstellers BruderRV kostet in Deutschland ab 275.000 Euro.
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Noch deutlicher tritt der Wunsch nach Unabhängigkeit bei den geländegängigen Wohnwagen des australischen Herstellers BruderRV hervor. Dessen EXP-8 kostet in Deutschland ab 275.000 Euro.
Der Offroad-Caravan verfügt nach Angaben des europäischen Vertriebspartners Camp Impuls über eine 1.680-Watt-Solaranlage, einen Batteriespeicher von bis zu 20 Kilowattstunden und einen 350-Liter-Frischwassertank. Das patentierte Fahrwerk soll bis zu dreimal mehr Federweg als herkömmliche Systeme dieser Art ermöglichen.
Autarkie ist das Stichwort beim geländegängigen Wohnwagen.
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Das Stichwort lautet Autarkie: möglichst lange reisen, ohne auf Strom- und Wasserversorgung eines Campingplatzes angewiesen zu sein. „Die Leute wollen raus, sie wollen in die Natur und weg von den Ballungsräumen“, sagt die Händlerin.
Die schwache Konjunktur spüre sie im hochpreisigen Segment bislang wenig. „Die Leute, die Geld haben, haben es immer noch.“
Freiheit – aber nicht umsonst
Warum Menschen bereit sind, so viel Geld für ihre Freizeit auszugeben, lässt sich auf der Messe bei den Besuchern erfahren.
Lars und Sabine Schöning aus Schleswig-Holstein reisen seit sechs Jahren mit ihrem Sohn Erik im eigenen Reisemobil. Nun sucht die Familie nach einem neuen Fahrzeug. Neue Modelle kosteten häufig bereits in der Grundausstattung zwischen 60.000 und 80.000 Euro, sagt Lars Schöning, Geschäftsführer eines Dienstleistungsunternehmens.
Für die Familie liegt der Wert vor allem in der Unabhängigkeit. „Man hat das Gefühl, frei entscheiden zu können, wo man morgen hinfährt“, sagt Schöning. Route und Aufenthaltsdauer ließen sich ändern, ohne an Flüge oder Hotels gebunden zu sein.
Viele Käufer schätzen die Freiheit und Ungebundenheit, die das mobile Reisen bietet.
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Ganz ohne Planung geht es allerdings nicht mehr. Stell- und Campingplätze seien voller geworden. „Es ist nicht mehr so leicht wie früher, einfach irgendwohin zu fahren“, sagt Schöning.
Dennoch seien längere Reisen ohne feste Reservierungen weiterhin möglich. Die Familie sei etwa die Atlantikküste entlang bis nach Lissabon gefahren, ohne vorher Stellplätze zu buchen. „Es gibt noch ein bisschen Freiheit.“
Dass ein Reisemobil vor allem eine günstige Alternative zum Hotel sei, hält Schöning für überholt. Wer 100.000 Euro für ein Fahrzeug ausgebe, könne für dieses Geld viele andere Reisen unternehmen. Der Reisemobilmarkt richte sich heute vielfach an die gehobene Mittelschicht.
Entscheidend sei etwas anderes: „Ich glaube, das hat damit zu tun, dass wir Menschen Individuen sind und uns individuell ausleben wollen.“
Eine günstigere Alternative bietet das Dachzelt – schon ab 999 Euro.
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Ähnlich ambivalent fällt die Bilanz eines selbstständigen Paares aus Solingen aus. Die beiden besitzen drei Freizeitfahrzeuge: einen selbst ausgebauten VW-Bus für kürzere Fahrten, ein Reisemobil für längere Reisen und einen Wohnwagen, der dauerhaft in den Niederlanden steht.
Sie schätzen das eigene Bett, die Möglichkeit zur Selbstversorgung und die freie Wahl der Route. „Man hat wirklich sein eigenes Haus dabei“, sagt die Frau. Doch die zunehmende Beliebtheit hat aus ihrer Sicht auch Nachteile. Campingplätze seien voller und teurer geworden.
Auf einem Platz in Kroatien, auf dem sie früher rund 100 Euro bezahlt hätten, koste ein Stellplatz in der Hauptsaison inzwischen bis zu 350 Euro. Für diesen Preis könne man auch in einem Hotel übernachten, sagt ihr Mann.
Nicht nur eine Frage des Alters
Dass sich nicht nur Ruheständler für die Urlaubsform interessieren, zeigen Evelien und Jarno aus Belgien. Das junge Paar möchte im kommenden Jahr seinen ersten Campervan kaufen und sieht sich in Düsseldorf ein Fahrzeug für rund 75.000 Euro an.
Entscheidend sind weniger luxuriöse Extras als praktische Fragen: Wegen Jarnos Körpergröße achten beide vor allem auf genügend Stehhöhe und ein ausreichend langes Bett.
Mit dem Camper wollen sie Europa bereisen – mindestens einmal im Monat für ein Wochenende und zusätzlich auf längeren Touren. Gerade die Möglichkeit, kurzfristig aufzubrechen, macht die hohe Investition für sie interessant.
Laut CIVD spricht Caravaning heute eine breitere Interessentengruppe an.
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Auch der Industrieverband CIVD beobachtet nach eigenen Angaben eine breiter gewordene Interessentengruppe. Caravaning spreche heute Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und gesellschaftlicher Schichten an, teilte der Verband auf Anfrage mit.
Der Wunsch nach Flexibilität, Individualität und Freiheit beim Reisen habe bereits vor der Pandemie zugenommen; Corona habe diese Entwicklung verstärkt.
Nicht jeder Interessent will jedoch sofort kaufen. Michael und Kerstin Bialk denken mit Blick auf den bevorstehenden Ruhestand über ein kompaktes Reisemobil oder einen kleinen Wohnwagen nach.
Bevor sie mehrere Zehntausend Euro investieren, wollen sie zunächst ein Fahrzeug mieten und damit längere Reisen unternehmen. Eine Finanzierung kommt für sie nicht infrage.
Denn zum Kaufpreis kommen Stellplatz, Wartung, Prüfungen und Reparaturen. Ein Freizeitfahrzeug müsse regelmäßig und über viele Jahre genutzt werden, damit sich die Anschaffung für sie rechne. „Es ist wirklich die Frage: Wie lange fährt man, wie lange nutzt man das?“, sagt Kerstin Bialk nüchtern.
Das Ehepaar Bialk wägt die Investition nüchtern ab.
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Auch Heinrich und Christian Haider aus Bayern betrachten die Rechnung langfristig. Vater und Sohn betreiben einen Autoglasbetrieb und sind seit Jahren mit Reisemobil beziehungsweise Wohnwagen unterwegs.
Die gestiegenen Anschaffungspreise schrecken sie nicht grundsätzlich ab. Wer ein Fahrzeug zehn oder zwölf Jahre intensiv nutze, bewerte die Kosten anders. Am Ende überwiegt für sie jedoch ebenfalls das Lebensgefühl: „Ein Wohnwagen oder Camper ist einfach Freiheit.“
Ein Wirtschaftsfaktor für die Regionen
Die Ausgaben für die Fahrzeuge sind nur ein Teil des Geschäfts. Nach einer vom CIVD vorgestellten Untersuchung des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr wurden 2025 rund 56 Millionen Übernachtungen auf deutschen Campingplätzen gezählt. Hinzu kamen rund 20 Millionen Übernachtungen auf Reisemobilstellplätzen außerhalb von Campingplätzen.
Caravaning-Urlauber sorgten der Untersuchung zufolge 2025 für einen Umsatz von knapp 23 Milliarden Euro in Deutschland, nach rund 21 Milliarden Euro im Jahr zuvor.
Etwa 7,8 Milliarden Euro ihrer Ausgaben flossen unmittelbar in die jeweiligen Urlaubsregionen – unter anderem in Gastronomie, Einzelhandel, Freizeitangebote und Dienstleistungen.
Trotz unterschiedlicher Budgets ähneln sich die Bedürfnisse: Freiheit, Vertrautheit und das eigene Bett.
Foto: Lynn Wu/Epoch Times
Auch die Infrastruktur ist gewachsen. Die Zahl der Reisemobilstellplätze in Deutschland hat nach Angaben des CIVD innerhalb von 20 Jahren um mehr als 80 Prozent zugenommen.
Damit ist aus dem mobilen Urlaub ein bedeutender Wirtschaftsfaktor geworden. Zugleich zeigen die Gespräche auf der Messe, dass sich hinter sehr unterschiedlichen Budgets ähnliche Bedürfnisse verbergen: mit dem eigenen Bett und einer vertrauten Umgebung unterwegs zu sein und die Möglichkeit, morgen woandershin zu fahren.
Ganz grenzenlos ist diese Freiheit nicht. Sie kostet beim Kauf mehrere Zehntausend Euro, verlangt Wartung und einen Stellplatz und trifft in der Hochsaison auf zunehmend volle Campingplätze. Für Yvonne und Marc Hilgers überwiegt dennoch das, was sie mit ihrem neuen Caravan verbinden: „vertraut, flexibel und frei“.
Ein ehemaliges Fischerboot für den Aalfang liegt am 30. Juli 2026 bei Neuss am Ufer des Rheins im trockenen Schlamm. Der Rhein führt nach außergewöhnlich heißem Wetter so wenig Wasser wie nie zuvor. - Foto: Ina Fassbender/AFP via Getty Images
In Kürze:
Rekordpegel: Der Rhein erreicht historische Tiefstände und gibt alte Wracks frei.
Schifffahrt: Geringe Wasserstände erschweren den Gütertransport und erhöhen die Transportkosten.
Hitze: Westeuropa erlebt den heißesten Juni und Juli seit Beginn der Aufzeichnungen.
Der Rhein führt im August so wenig Wasser wie seit Beginn der Messungen nicht mehr. Das Niedrigwasser legt am Niederrhein nicht nur alte Schiffswracks frei, sondern beeinträchtigt zunehmend auch die Schifffahrt und den Gütertransport.
Laut aktuellen Daten der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes erreichte der Pegel Duisburg-Ruhrort am 10. August einen Rekordtiefstand von 145 Zentimetern. Auch an den Messstellen in Düsseldorf und Köln wurden neue Tiefststände registriert. Das Niedrigwasser lässt an mehreren Stellen des Niederrheins Bereiche sichtbar werden, die normalerweise vom Wasser bedeckt sind.
Zwei Wracks mit zwei düsteren Geschichten
Zwischen Neuss und Dormagen, nahe der Mündung des Silbersees in den Rhein, ist dadurch erneut ein alter Aalschokker zu sehen, wie der WDR berichtet. Das Schiff soll den Namen „Conny“ getragen haben und wurde bis in die 1990er-Jahre von einem der letzten Rheinfischer zum Aalfang genutzt.
Um das Wrack rankt sich eine ungewöhnliche Geschichte. Der damalige Fischer soll nach einem Beziehungsstreit versucht haben, seine frühere Partnerin und deren neuen Freund zu töten. Nach seiner Haftentlassung bemühte er sich offenbar darum, Geld für die Bergung seines Schiffes aufzutreiben. Später verschwand der Mann spurlos.
Da der Aalschokker weit außerhalb der Fahrrinne liegt, ist er für die Schifffahrt kein Hindernis. Bereits 2003 und 2022 war der Aalschokker bei besonders niedrigem Wasserstand deutlich zu sehen.
Luftaufnahme eines ehemaligen Aalfischerbootes, das bei Neuss im trockenen Schlamm am Ufer des Rheins liegt. Die Aufnahme entstand am 30. Juli 2026, als der Rhein nach außergewöhnlich heißem Wetter einen historischen Tiefstand erreichte.
Foto: Ina Fassbender/AFP via Getty Images
Ein weiteres historisches Wrack liegt bei Emmerich im Kreis Kleve. Die „De Hoop“ ist 131 Jahre alt und wurde bereits 2018 nach einer extremen Trockenperiode wieder sichtbar.
Das Frachtschiff sank im Winter 1895 nach einer Explosion. Die „De Hoop“ hatte gemeinsam mit mehreren anderen Schiffen Dynamit geladen. Beim Umladen beziehungsweise Verstauen der Ladung kam es auf dem benachbarten Schiff „De Elisabeth“ zur Explosion. Die „De Hoop“ geriet daraufhin in Brand und sank. Nach historischen Angaben kamen vermutlich 16 Menschen ums Leben.
Erst wenn der Rhein extrem wenig Wasser führt, kommen die beiden Schiffswracks zum Vorschein. Wer die aktuellen Pegelstände beobachten will, kann die Messwerte der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes für unter anderem Emmerich und Düsseldorf abrufen.
Niedrigwasser wird zum Problem für die Schifffahrt
Die extrem niedrigen Wasserstände haben inzwischen auch direkte Folgen für die Binnenschifffahrt. Am für die Schifffahrt wichtigen Pegel Kaub wird im Laufe der Woche erstmals ein einstelliger Wasserstand erwartet, wie der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB), Jens Schwanen, der „Rheinischen Post“ sagte.
Bei solchen Pegelständen könne die gewerbliche Schifffahrt in der betroffenen Region keinen regulären Gütertransport mehr durchführen. Auch Tagesausflugs- und Kreuzfahrtschiffe seien betroffen. Es könnte de facto zu einer Zweiteilung des Rheins kommen.
Nach Einschätzung des BDB ist der Rhein dadurch faktisch nicht mehr durchgängig befahrbar. Zwischen den ARA-Häfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen sowie Nordrhein-Westfalen bis etwa Köln kann der Verkehr über den Rhein und das westdeutsche Kanalnetz weiterhin stattfinden. Weiter südlich bestehen Verbindungen unter anderem über Neckar, Mosel und Main sowie den Main-Donau-Kanal.
Das Niedrigwasser belastet die deutsche Wirtschaft bereits seit Wochen. Binnenschiffe können bei geringen Wasserständen weniger Ladung aufnehmen. Dadurch steigen die Transportkosten, gleichzeitig geraten Lieferketten stärker unter Druck.
Niedrigwasser am Rhein bei Tolkamer in den Niederlanden am 5. August 2026.
Foto: Hesham Elsherif/Getty Images
Handel fordert mehr Lang-Lkw
Angesichts der angespannten Situation auf den Wasserwegen fordert der Handelsverband Deutschland (HDE), sogenannte Lang-Lkw dauerhaft zuzulassen.
Solche Lastwagen können deutlich mehr Ladung aufnehmen als herkömmliche Lkw. Der HDE argumentiert, dass bei einer Verlagerung von Transporten vom Schiff auf Straße und Schiene zusätzliche Engpässe entstehen könnten. Hinzu kommt der seit Jahren bestehende Mangel an Lkw-Fahrern.
HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth fordert deshalb eine dauerhafte Regelung für Lang-Lkw. Bisher ist deren Einsatz nur auf bestimmten Strecken und unter zeitlich begrenzten Genehmigungen möglich.
Herkömmliche Lkw dürfen maximal 18,75 Meter lang sein, Lang-Lkw können bis zu 25,25 Meter erreichen. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums können zwei Lang-Lkw drei Fahrten mit herkömmlichen Lastwagen ersetzen. Die mögliche Kraftstoffersparnis wird mit 15 bis 25 Prozent angegeben.
Westeuropa erlebt heißesten Juni und Juli seit Messbeginn
Parallel zum extremen Niedrigwasser hat Westeuropa einen weiteren Temperaturrekord verzeichnet. Nach Angaben des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus waren Juni und Juli 2026 zusammengenommen die heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen.
Die Durchschnittstemperatur der beiden Monate lag bei 21,62 Grad Celsius und damit über dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2022. Gleichzeitig war die Bodenfeuchtigkeit im Juli deutlich niedriger als während der damaligen Dürre.
Besonders trocken war es unter anderem in Frankreich, Spanien, Österreich, Ungarn, Großbritannien und Irland. In mehreren europäischen Ländern wurden zudem ungewöhnlich niedrige Flusspegel und Einschränkungen bei Schifffahrt, Bewässerung und Stromerzeugung gemeldet.
Bad Ischl, Österreich – 2. August 2026: Boote liegen im stark zurückgegangenen Wasser des Nussensees. Hitze und ausbleibender Regen lassen die Wasserstände in der Region deutlich sinken.
Am günstigsten von den acht größten Städten Deutschlands ist Leipzig mit 10,50 Euro pro Quadratmeter. (Archivbild) - Foto: Jan Woitas/dpa
Die Angebotsmieten in deutschen Großstädten entwickeln sich sehr unterschiedlich. Während Köln, Hamburg und Düsseldorf im Jahresvergleich mit deutlichen Zuwächsen herausstechen, verzeichnet Berlin einen Rückgang, wie aus dem Greix-Mietpreisindex vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) hervorgeht.
Im zweiten Quartal 2026 stiegen die Angebotsmieten in Köln um 6,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, in Hamburg um 5,1 Prozent und in Düsseldorf um 4,1 Prozent.
Damit liegen die drei Städte deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 3,0 Prozent. Berlin dagegen verzeichnete im selben Zeitraum ein Minus von 0,8 Prozent. Zwischen der Mietpreisentwicklung in Köln und Berlin liegt somit ein Gefälle von fast sieben Prozentpunkten.
Insgesamt stiegen die Angebotsmieten in den 37 untersuchten Städten und Regionen im zweiten Quartal 2026 um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal und um 3,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Da die allgemeine Teuerung zuletzt ebenfalls anzog, verbleibe real – also nach Abzug der Inflation – im Jahresvergleich nur ein Plus von 0,3 Prozent, so das IfW. Im Quartalsvergleich sei es sogar bereits das zweite reale Minus in Folge.
In München und Frankfurt gab es Anstiege um 3,7 beziehungsweise 2,8 Prozent. Leipzig legte ebenfalls um 2,8 Prozent zu. In Stuttgart gingen die Mieten um 1,3 Prozent nach oben.
Absolut betrachtet bleiben die Mietpreise in München am höchsten: Die durchschnittliche Kaltmiete lag dort im zweiten Quartal bei 23,70 Euro pro Quadratmeter.
Es folgen Frankfurt (17,80 Euro), Hamburg (16,50 Euro) und Stuttgart (16,30 Euro). Köln kommt auf 16,00 Euro, Berlin auf 15,30 Euro, Düsseldorf auf 14,90 Euro.
Am günstigsten von den acht Metropolen ist Leipzig mit 10,50 Euro pro Quadratmeter. Der gewichtete Durchschnitt aller 37 ausgewerteten Städte und Regionen liegt bei 14,30 Euro pro Quadratmeter.
Dabei zeigt sich laut IfW, dass ein hohes Preisniveau und eine starke Preisdynamik nicht zwingend zusammenfallen müssen: Stuttgart etwa gehöre trotz zuletzt kaum steigender Mieten weiter zu den teuersten Mietmärkten Deutschlands. (dpa/red)
Der nordrhein-westfälische AfD-Chef Martin Vincentz macht dem Bundesvorstand schwere Vorwürfe. (Archivbild) - Foto: Thomas Banneyer/dpa
In Kürze:
Der AfD-Bundesvorstand fordert den Abbruch der laufenden Aufstellungsversammlung in Nordrhein-Westfalen.
Hintergrund sind Berichte über mögliche Drohungen gegen Delegierte und Bedenken hinsichtlich der Zulassung der Landesliste.
Landeschef Martin Vincentz lehnt einen Abbruch ab und verweist auf rechtliche Risiken.
Der Streit zeigt die Spannungen innerhalb des Landesverbandes.
Der AfD im einwohnerstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen droht eine Verschärfung eines innerparteilichen Konflikts, der Auswirkungen auf den Wahlantritt zur Landtagswahl haben könnte. In NRW wird am 25. April 2027 ein neuer Landtag gewählt.
Aktuelle Umfragen sehen für die AfD mögliche deutliche Zugewinne voraus. Nach derzeitiger Einschätzung könnte sich die Zahl ihrer Sitze im Düsseldorfer Landtag von aktuell 12 deutlich erhöhen. Voraussetzung dafür ist jedoch die Zulassung einer vollständigen Landesliste.
In der Vergangenheit kam es bei der AfD bereits zu Problemen mit Landeslisten: In Sachsen wurde die Liste 2019 nur teilweise zugelassen, in Bremen scheiterte der Wahlantritt zur Bürgerschaftswahl 2023 vollständig.
Vorstand warnt Vincentz vor Nichtzulassung der Landesliste für NRW
Der Bundesvorstand verweist offenbar auf frühere Probleme mit Landeslisten und fordert deshalb den AfD-Landesverband Nordrhein-Westfalen auf, die begonnene Nominierungsversammlung für die Landtagswahl 2027 abzubrechen. Die Versammlung hatte am vergangenen Wochenende in Marl (11./12. Juli) begonnen.
In einem Schreiben an Landeschef Martin Vincentz warnen die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla vor der „drohenden Gefahr einer Nichtzulassung der Landesliste“. Nach Angaben des Bundesvorstands gebe es mehrere übereinstimmende Berichte, wonach stimmberechtigte Delegierte unter Druck gesetzt oder bedroht worden seien.
Auch Vincentz soll nicht ausgeschlossen haben, dass es zu Vorfällen gekommen sein könnte. Der Bundesvorstand sieht deshalb das Risiko einer späteren Anfechtung der Liste und fordert den Landesverband auf, seine ablehnende Haltung gegenüber einer Vermittlung zu überdenken.
Eskalation nach Kampfabstimmung um Platz 13
Die Versammlung begann zunächst vergleichsweise ruhig. Mehrere Listenplätze konnten ohne größere Auseinandersetzungen und teilweise ohne Gegenkandidaturen besetzt werden. Anhänger und Kritiker von Landeschef Vincentz hatten die ersten zehn Plätze im Vorfeld untereinander aufgeteilt.
Später entwickelte sich der Parteitag jedoch zunehmend unruhig. Auslöser war die verlorene Kampfkandidatur des Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich gegen den Vincentz-Vertrauten Klaus Esser um Listenplatz 13.
Gegen Esser läuft ein Parteiausschlussverfahren. Dabei geht es unter anderem um den Vorwurf falscher Angaben zu seinem Studienabschluss. Im weiteren Verlauf kam es unter Delegierten und teilweise auch öffentlich auf der Versammlung zu lautstarken Auseinandersetzungen, gegenseitigen Vorwürfen und Beleidigungen.
Bis Listenplatz 22 konnten weitere Kandidaten gewählt werden. Vor der Wahl des 23. Listenplatzes wurde die Versammlung jedoch unterbrochen. Rund 100 Personen kandidierten für diesen Platz, um den weiteren Verlauf der Aufstellung zu verzögern.
Hintergrund war eine sogenannte „Filibuster“-Taktik von Gegnern des Landeschefs Martin Vincentz. Diese werfen ihm vor, mit seiner Delegiertenmehrheit einen großen Teil der Landespartei politisch ins Abseits zu drängen.
Mit rund 66 Prozent der Delegiertenstimmen wurde Martin Vincentz vom Parteitag zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl gewählt. In einem internen Gutachten des Bundesamtes für Verfassungsschutz zur bundesweiten Einstufungsentscheidung im vergangenen Jahr wird der NRW-Landesverband als vergleichsweise weniger auffällig beschrieben. Vincentz selbst wird darin nur einmal erwähnt.
Vincentz setzt darauf, diesen Kurs beizubehalten. Ähnlich positioniert sich sein Vertrauter Christian Loose, der auf Listenplatz 3 gewählt wurde und auf dem Bundesparteitag in Riesa vor verfassungswidrigen Positionen, etwa im Zusammenhang mit einem möglichen Kopftuchverbot, gewarnt hatte.
Die Gegner von Vincentz ordnen sich hingegen dem sogenannten „patriotischen“ Lager zu. Sie stehen einer stärkeren Anpassung politischer Positionen mit Blick auf Regierungsfähigkeit und die Bewertung durch den Verfassungsschutz kritischer gegenüber.
Matthias Helferich als zentraler Vertreter der Vincentz-Gegner
Das prominenteste Gesicht dieses Lagers ist der Dortmunder Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich. In einem internen Gutachten des Bundesamtes für Verfassungsschutz wird er knapp 40-mal erwähnt. Nachdem Medien über Chatnachrichten berichteten, in denen Helferich sich nach Darstellung der Berichte positiv auf den Nationalsozialismus bezogen haben soll, verhängte der Bundesvorstand zeitweise eine Ämtersperre gegen ihn.
Nach Bekanntwerden der Chatinhalte verließ Helferich freiwillig die AfD-Fraktion im 20. Deutschen Bundestag. Nach der Bundestagswahl 2025 wurde er jedoch wieder in die neu gebildete Fraktion aufgenommen. Ein Antrag im Bundesvorstand auf Einleitung eines Parteiausschlussverfahrens erhielt keine Mehrheit.
Auch ein Verfahren seines Landesverbandes scheiterte vor dem Bundesschiedsgericht der Partei. Die Rechercheplattform Correctiv berichtet, dass Helferich Unterstützung aus Teilen der Parteiführung erhalten habe, darunter vom früheren Vorsitzenden des offiziell aufgelösten „Flügels“, Björn Höcke, sowie von AfD-Bundessprecherin Alice Weidel.
Der Bundesvorstand fordert weiterhin, dass sich der Landesverband mit den Vincentz-Gegnern auf eine sogenannte „Konsensliste“ verständigt. Weidel und Tino Chrupalla boten dabei Unterstützung an, um eine neue Aufstellungsversammlung organisatorisch und finanziell zu ermöglichen.
AfD-Landeschef will Forderung Weidels nicht nachkommen
Landeschef Vincentz zeigt sich unterdessen entschlossen, ab Freitag, 10:00 Uhr die Nominierungsversammlung fortzusetzen. In einem Antwortschreiben erklärte er, der Landesvorstand sei rechtlich nicht in der Lage, eine bereits begonnene Wahlversammlung wieder zu beenden. Es drohe vielmehr im Fall eines Abbruchs eine Situation wie in Bremen. Nach Angaben aus dem Landesverband wurde die Versammlung anschließend fortgesetzt.
Vincentz kritisierte den Bundesvorstand dafür, sich nicht von der nach wie vor andauernden „Operation Filibuster“ zu distanzieren. In mehreren Kreisverbänden werde nach wie vor für diese mobilisiert. Der Landeschef äußert sich auch Gerüchten, wonach der Bundesvorstand am Montag sogar die Absetzung des NRW-Landesvorstandes beraten solle. Dazu sagte Vincentz: „Einer Amtsenthebung eines Landesvorstands, der nichts anderes tut, als geltendes Wahl- und Satzungsrecht zu befolgen, fehlt jede Grundlage – sie wäre ein Rechtsverstoß des Bundesvorstandes.“
Ein marokkanischer Fan hält im New Yorker Stadtteil Queens eine Leuchtfackel mit dem Mund, nachdem die Mannschaft das Viertelfinalspiel der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Frankreich verloren hat. - Foto: Ryan Murphy/AP/dpa
In Kürze:
Frankreich blieb nach dem WM-Viertelfinale Marokkos trotz hoher Sicherheitsvorkehrungen weitgehend von größeren Ausschreitungen verschont.
Lediglich bei Grenoble wurden zwei Personen festgenommen; eine Schießerei in Marseille stand nach bisherigen Erkenntnissen nicht im Zusammenhang mit dem Spiel.
In Düsseldorf und London kam es dagegen zu Ausschreitungen mit verletzten Polizeibeamten und mehreren Festnahmen.
Trotz des Ausscheidens der marokkanischen Fußball-Nationalmannschaft im Viertelfinale der FIFA-WM 2006 in Foxborough sind Ausschreitungen in Frankreich weitgehend ausgeblieben. Allerdings gab es Vorfälle in Düsseldorf und London, bei denen Polizeibeamte verletzt wurden und es zu Festnahmen kam.
In Frankreich hatten viele Gemeinden schon im Vorfeld der Weltmeisterschaft rigorose Sicherheitsvorschriften erlassen, um Krawalle zu verhindern. Zu solchen war es in mehreren Großstädten am Rande der WM 2022 in Katar gekommen. Auch das Finale der Champions League 2026, in dem Paris Saint-Germain den Titel geholt hatte, war von Ausschreitungen begleitet.
Heikle historische Beziehungen zwischen Marokko und Frankreich
Lediglich im Raum Grenoble, einem der Schwerpunkte der Ausschreitungen nach dem Champions-League-Finale, soll es zwei Festnahmen nach Gewalttaten gegeben haben. In Aulnoye-Aymeries starb ein 17-jähriges Mädchen, das während einer Siegesfeier von einem Lkw gestürzt war. Der Fahrer wurde wegen des Verdachts des Fahrens unter Alkoholeinfluss festgenommen. Eine Schießerei mit vier Verletzten in Marseille, als in Schwarz gekleidete Unbekannte während der Spielübertragung eine Imbissbar stürmten, hatte keinen Bezug auf das sogenannte Hochrisikospiel.
In Frankreich leben zwei Millionen Menschen mit marokkanischer Familiengeschichte. Paris hatte seit dem 19. Jahrhundert versucht, die Oberhoheit über die Maghreb-Region zu erlangen. Frankreich und Spanien teilten Marokko in Protektorate auf. Beide Länder schlugen Berberaufstände nieder, Frankreich verbannte noch 1953 Sultan Mohammed V. ins Exil.
Die Fremdherrschaft ist zwar im kollektiven Gedächtnis der marokkanischen Gemeinschaft präsent. Allerdings war die Wiederherstellung der Unabhängigkeit – anders als in Algerien – nicht von einem blutigen Kolonialkrieg begleitet. Im Jahr 1956 erlangte Marokko seine Souveränität, der seit 1961 regierende König Hassan II. bemühte sich um eine enge Zusammenarbeit mit Frankreich und der Europäischen Gemeinschaft.
Mehrere Gemeinden in Frankreich trafen Vorkehrungen im Vorfeld des Marokko-Spiels
Frankreichs Gemeinden hatten versucht, möglichen Ausschreitungen durch unterschiedliche Maßnahmen von vornherein entgegenzuwirken. So hatte Clermont-Ferrand für die Zeit der WM Ausgangsbeschränkungen verhängt. An Tagen mit Hochrisikospielen schränkte man temporär auch den ÖPNV ein. Paris untersagte große Public-Viewing-Veranstaltungen und genehmigte lediglich kleinere lokale Veranstaltungen.
In Düsseldorf soll es allerdings im Anschluss an die Viertelfinalbegegnung zu Würfen mit Böllern, Flaschen und teilweise auch Molotowcocktails gekommen sein. Entlang einer Fanmeile in Oberbilk hatten 1.500 Fußballbegeisterte erst friedlich gefeiert. Später soll die Stimmung jedoch teilweise gekippt sein und es sei zu den Ausschreitungen gekommen. Drei Polizeibeamte seien dabei verletzt worden. Die Einsatzkräfte waren mit einem Großaufgebot im Einsatz. Es kam zu zwei Festnahmen.
Auch in London kam es zu einem Fall der „gewaltsamen Unruhestiftung“. Dabei soll ein Polizeibeamter verletzt worden sein. Die Einsatzkräfte nahmen vier Personen fest. Bilder in sozialen Medien zeigten einige Dutzende Personen in der Edgware Road nahe dem Hyde Park.
Diese warfen Flaschen und andere Gegenstände in Richtung der Polizei. Außerdem bewarfen die als Fußballfans eingeordneten Personen die Beamten mit Feuerwerkskörpern. Polizeiangaben zufolge kam es zu den Zusammenstößen, nachdem einige Personen begonnen hatten, den Straßenverkehr zu behindern.
Bundesarbeitsministerin Bas schildert, wie sie mit Anfeindungen umgeht. (Archivbild) - Foto: Jens Büttner/dpa
In Kürze:
Bärbel Bas wirbt für ein gemeinsames Rentensystem, in das alle Bürger einzahlen sollen.
Die Ministerin lehnt eine pauschale Anhebung des Rentenalters ab und setzt stattdessen auf Reformen innerhalb des bestehenden Systems.
Bas berichtet von massiven persönlichen Anfeindungen und sieht dabei auch frauenfeindliche Motive.
Am Montag, 1.6., war Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas zu Gast beim sogenannten Ständehaus-Treffen der „Rheinischen Post“ (RP) in Düsseldorf. Die Ministerin nutzte die Gelegenheit, um vor mehr als 100 geladenen Gästen RP-Chefredakteur Moritz Döbler Rede und Antwort zu stehen.
Das Treffen, das 2002 von Duisburg nach Düsseldorf verlegt wurde, fand bereits mehr als 100-mal statt. Zu den prominenten Gästen der Veranstaltung gehörten unter anderem Altkanzler Gerhard Schröder, Olaf Scholz und Angela Merkel sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie Regisseur Sönke Wortmann. Die Treffen im früheren Landesparlamentsgebäude sind als Talk-Abende mit Gala-Dinner konzipiert.
Bas wirbt für künftige Bürgerversicherung im Bereich der Rente
Ministerin Bas nutzte die Gelegenheit, um für die Politik der Regierungskoalition zu werben. Darüber hinaus sprach sie über weitere Ziele, die sie als direkt gewählte Abgeordnete für Duisburg verfolgen will. Ein besonderes Anliegen ist ihr dabei ein gemeinsames Rentensystem: „Wenn alle einzahlen, dann hätten wir mehr im Topf und der Staat muss nicht so viel zuzahlen.“
Damit stellt Bas die Sonderregelungen infrage, die für Beamte sowie einige freie Berufe wie Ärzte und Rechtsanwälte gelten. Sie räumt ein, dass diese historisch gewachsen seien und Betroffene in jungen Jahren auf Einkommen verzichtet hätten. Dennoch seien Beamtenpensionen von bis zu 70 Prozent im Vergleich zu deutlich niedrigeren gesetzlichen Renten nicht mehr darstellbar.
Die Ministerin betonte, sie halte es für sinnvoll, wenn alle Bürger in ein einheitliches System einzahlen würden. Gerade Gutverdiener profitierten derzeit von Sonderregelungen in der Rentenversicherung. Ihr sei jedoch bewusst, dass der Weg zu einer Bürgerversicherung noch weit sei. Dabei komme es nicht nur auf den Bund an: „Wir sind darauf angewiesen, dass alle Länder mitmachen. Deshalb muss man mit den Ministerpräsidenten darüber reden, wenn man das will. Und dann müssen die Länder auch Beiträge zahlen.“
Koalition hält an Rentenempfehlung fest
Eine pauschale Anhebung des Rentenalters lehnt Bas ab, stattdessen solle es auf die Beitragsjahre ankommen. Gleichzeitig gab sie zu bedenken, dass dies zu einer ungleichen Belastung führen könne, etwa für Frauen, die wegen familiärer Sorgearbeit nicht auf ausreichende Beitragszeiten kommen.
Die Ministerin hofft, dass das Rentenniveau von 48 Prozent gehalten werden könne. Dies wäre insbesondere für die Menschen im Osten bedeutend, da diese historisch keine anderen Ansprüche hätten aufbauen können. Bas gab erneut ihrer Hoffnung auf eine einstimmige Empfehlung der Rentenkommission für ein Reformkonzept Ausdruck – diese wolle sie, sollte es sie geben, 1:1 umsetzen.
Bärbel Bas sprach auch über persönliche Angriffe und Hassnachrichten, die sie auf elektronischem Wege erreichen. Sie sei für manche aufgrund ihres Einsatzes für sozialen Ausgleich „ein personifiziertes Feindbild“ geworden. Die teilweise „sehr persönlichen“ Nachrichten reichten bis hin zu Vergewaltigungsfantasien. Die Ministerin ist sich sicher, dass hinter Angriffen dieser Art auch eine spezifisch frauenfeindliche Motivation steht.
Bas will jungen Frauen und engagierten Kommunalpolitikern Vorbild sein
Häufig komme der früheren Bürogehilfin, die sich zur Bundestagspräsidentin und nunmehr Ministerin hochgearbeitet hatte, der Gedanke, es ohne ihre exponierte Position leichter zu haben. Allerdings wolle sie engagierten Kommunalpolitikern und jungen Frauen auch ein Vorbild sein, weshalb man den Urhebern von Hassbotschaften keinen Gefallen tun dürfe: „Wir dürfen uns nicht zurückziehen und den Populisten das Feld überlassen.“
Vor allem in sozialen Medien und sogenannten Alternativportalen war die Ministerin zuletzt mehrfach unter Beschuss geraten. Auslöser war ihre Aussage in einer Fragestunde im Bundestag, es wandere „niemand in unsere Sozialsysteme“ ein. Bas verwies damit darauf, dass es rechtlich nicht möglich sei, ohne Weiteres Anspruch auf deutsche Sozialleistungen zu erwerben.
Auf Kritik, wonach es in Deutschland regelmäßig dokumentierte Fälle von teilweise organisiertem Sozialmissbrauch durch Nicht-Staatsangehörige gebe, relativierte sie ihre Aussage. In ihrer Rede vor dem DGB-Bundeskongress betonte Bas, dass sie „natürlich Sozialleistungsmissbrauch in diesem Land scharf ablehne und auch bekämpfen“ werde.
Debatte über Assimilation und „Einheitsbraun“
Anfeindungen löste auch eine Aussage beim „Aktionstags Zusammenhalt in Vielfalt“ am 21. Mai aus. In einer Rede zum UNESCO-Welttag der kulturellen Vielfalt kommentierte Bas Forderungen nach mehr kultureller Homogenität mit den Worten, man werde sich „gegen dieses sogenannte Einheitsgrau wehren, manche würden sogar sagen: Einheitsbraun“.
Bas betonte zugleich, Integration sei „keine Einbahnstraße“. Einwanderer müssten die Sprache lernen und sich einbringen, während auch die Aufnahmegesellschaft Offenheit zeigen müsse.
Kritik kommt vom Beamtenbund
Scharfe Kritik an Bas Forderung, Beamte in die Rentenversicherung einzubeziehen, kommt vom Deutschen Beamtenbund (dbb). Dessen Bundesvorsitzender Volker Geyer sprach von „populistischen Forderungen“. Es würden „hier mal wieder gezielt Vorurteile gegen Beamte geschürt und gefühlte Ungerechtigkeiten instrumentalisiert“. Zudem würde eine Einbeziehung die öffentlichen Haushalte enorm belasten.