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Die Arbeitsethik der großen Meister

Erfolgreiche Menschen inspirieren auch andere dazu, über sich hinauszuwachsen. Hinter jedem Erfolg stehen Fleiß, harte Arbeit und diszipliniertes Engagement. Wenn wir uns mit den Besten eines Fachgebiets auseinandersetzen und ihre Arbeit studieren, werden unser eigener Erfolg und unsere Kreativität beflügelt. Sir Joshua Reynolds, Präsident der Royal Academy of Arts in London, sagte dazu treffend: „Je eingehender Sie sich mit den Werken herausragender Künstler vertraut machen, desto größer wird Ihre schöpferische Kraft sein.“
Über die Jahrhunderte hinweg haben die großen Meister eine Arbeitsethik entwickelt, von der alle profitieren können, die selbst nach Höherem streben.

Von den Meistern der Vergangenheit und Gegenwart lernen

Raffael, Michelangelo und Leonardo da Vinci gelten seit langem als die größten Künstler der Hochrenaissance.
Raffael (1483–1520) stand möglicherweise im Schatten seiner älteren und bereits etablierteren Kollegen; Leonardo war 31 Jahre älter als Raffael, und Michelangelo war acht Jahre älter als Raffael.
Raffael studierte zunächst in Florenz den künstlerischen Stil von Leonardo und Michelangelo und arbeitete hart daran, deren Techniken zu verfeinern. Im Allgemeinen ging Leonardo seine Kunst wie ein Wissenschaftler an; er beobachtete die Natur und versuchte, bei seiner Arbeit seine Subjektivität auszublenden. Im Gegensatz dazu ist Michelangelos Kunst ausdrucksstark und von menschlicher Erfahrung emotional geprägt.
Raffael ließ sich zudem von Leonardos Interesse an der menschlichen Psychologie und von Michelangelos Fähigkeit inspirieren, Gefühle durch seine Kunst zum Ausdruck zu bringen. Raffael integrierte die Ideen anderer Künstler so geschickt in seine Werke, dass er sie sich zu eigen machte. Dieses Talent machte ihn zu einem Rivalen anderer Künstler, insbesondere von Michelangelo. Bevor Michelangelo beispielsweise die Gelegenheit hatte, seine Komposition „Die Erschaffung Adams“ in der Sixtinischen Kapelle zu malen, übernahm Raffael Michelangelos Vorzeichnung und integrierte sie in sein Fresko „Der Parnass“ im Vatikan.
Raffaels Skizze von „Leda und der Schwan“ ist die einzige erhaltene direkte Kopie nach Leonardos Werk, die er selbst angefertigt hat – abgesehen von einer flüchtigeren Skizze auf einem Blatt mit weiteren Studien. Leda nimmt darin eine sogenannte Kontraposthaltung ein, bei der das Körpergewicht auf einem Bein ruht; diese Haltung geht auf die Kunst der Antike zurück. Für sein Gemälde „Die heilige Katharina von Alexandrien“ griff Raffael sowohl auf die antike Kunst als auch auf Leonardos „Leda“ zurück.

Werden Sie zum Experten auf Ihrem Gebiet

Der bedeutendste Tiermaler Großbritanniens, George Stubbs (1724–1806), widmete jedem seiner Motive – ob Pferd oder Mensch – größte Sorgfalt und Aufmerksamkeit und verlieh ihm seinen ganz eigenen Charakter.
Wie Leonardo da Vinci beschäftigte sich Stubbs intensiv mit der Anatomie anhand von Leichen. Zwischen etwa 1745 und 1751 untersuchte Stubbs erstmals Leichen, darunter auch die von schwangeren Frauen, im York County Hospital. Später beauftragte ein Arzt Stubbs, für eine Abhandlung über Geburtshilfe eine Serie von Föten im Mutterleib zu zeichnen und zu radieren.
Stubbs’ Pferdegemälde sind der Inbegriff seiner Naturstudien. 18 Monate lang untersuchte er in einer abgelegenen Scheune in Horkstow, Lincolnshire, die Kadaver von Pferden. Zunächst brachte er jeden Kadaver in eine Haltung, als wäre das Tier noch am Leben. Dann hob er ihn mithilfe eines Systems aus Flaschenzügen an und sezierte ihn Schritt für Schritt – von der Haut über Muskeln und Sehnen bis hinunter zu den Knochen – während er jede Phase zeichnerisch festhielt. Jeder Kadaver blieb ihm dabei elf Wochen lang als Studienobjekt erhalten.

Ein Pferd, von vorne betrachtet: zwei Écorché-Darstellungen, die die Muskeln und Blutgefäße zeigen, eine als Umrisszeichnung, die andere als Tonwertzeichnung, 1766, George Stubbs. Stich mit Radierung. Wellcome Collection.

Foto: gemeinfrei

Stubbs studierte die Anatomie des Pferdes, um es möglichst naturgetreu darstellen zu können und zugleich anderen Künstlern, Pferdezüchtern und Fachleuten eine Anleitung an die Hand zu geben. Aus diesen Arbeitszeichnungen und ausgearbeiteten Studien entstand 1766 seine umfassende Abhandlung „The Anatomy of the Horse“. Bis heute wird sie sowohl von Tierärzten als auch von Tierkünstlern hoch geschätzt.

Klarheit über die eigene Absicht

Alles in den Gemälden des französischen Künstlers Nicolas Poussin ist aus einem bestimmten Grund da; jedes einzelne seiner Bilder beruht auf einer bewussten Überlegung.
Für Poussin (1594–1665) waren seine Gemälde kein Ort für Leichtfertigkeit oder sinnliche Vergnügungen. Er war überzeugt, dass die Malerei sich den edelsten und ernsthaftesten Bestrebungen des Menschen widmen und dabei die der jeweiligen Situation angemessene Form finden müsse.
„Für ihn ist die formale Ordnung, ja selbst eine gewisse Pedanterie der Gestaltung, fast immer ein Mittel, Erfahrungen von tiefster geistiger, imaginativer und visueller Wirklichkeit mit größtmöglicher Klarheit und Ökonomie zum Ausdruck zu bringen. Seine Gemälde finden vielleicht ihr nächstes Gegenstück in der Musik Johann Sebastian Bachs“, schrieb der Kunsthistoriker Basil Taylor in „French Painting“.

„Die Verkündigung“, um 1655–1657, Nicolas Poussin. Öl auf Leinwand; 105,1 × 102,9 cm.

Foto: gemeinfrei

„Kurz gesagt, ist Poussins Kunst […] eine Verbindung von Poesie und Vernunft, Gefühl und Verstand, ein Gleichgewicht zwischen zwei Seiten ein und derselben Persönlichkeit“, schreibt Mary Sprinson de Jesús aus der Abteilung für europäische Malerei am Metropolitan Museum of Art in New York auf der Website des Museums.
Poussins künstlerische Auffassung entwickelte sich nicht zufällig. Harte Arbeit und seine unstillbare Neugier auf die großen Künstler, die ihm vorausgingen – auf die Meister der italienischen Renaissance wie Raffael, Michelangelo und Tizian ebenso wie auf die Kunst der alten Griechen und Römer – sowie jahrelanges Nachdenken machten Poussin zu einem international bekannten und hoch verehrten Künstler – zu seiner Zeit und darüber hinaus.

Die Auswahl der besten Mitarbeiter

Der flämische Künstler Peter Paul Rubens (1577–1640) schuf rund 1.400 Werke, manche Experten sprechen sogar von bis zu 1.800. Dieses überaus produktive Schaffen wäre ohne seine Werkstatt nicht möglich gewesen.
Rubens leitete eine der größten und erfolgreichsten Werkstätten seiner Zeit. Von der Gründung seiner Werkstatt am 15. Oktober 1598 bis zu seinem Tod am 30. Mai 1640 schuf er durchschnittlich drei Gemälde pro Monat, von kleinen Skizzen bis hin zu monumentalen Werken.
Statt junge Lehrlinge auszubilden, setzte Rubens auf erfahrene Werkstattmitarbeiter. An Bewerbern mangelte es ihm nie. Am 11. Mai 1611 schrieb Rubens an einen Freund: „Ich kann dir wahrheitsgemäß und ohne jede Übertreibung sagen, dass ich mehr als hundert [Mitarbeiter] ablehnen musste, darunter sogar einige meiner eigenen Verwandten und die meiner Frau.“

„Die heilige Teresa von Ávila kniet vor Christus und bittet für die Seelen im Fegefeuer“, Werkstatt von Peter Paul Rubens. Öl auf Holz; 64,1 × 48,9 cm. Geschenk von J. Pierpont Morgan, 1917; Metropolitan Museum of Art, New York.

Foto: gemeinfrei

Ähnlich wie in einer industriellen Fertigung gab es auch in den Werkstätten klar geregelte Abläufe, bei denen die Mitarbeiter häufig auf bestimmte Tätigkeiten spezialisiert waren – vom Mahlen der Pigmente und dem Aufspannen der Leinwände über die Herstellung von Leim, Firnis und Ölfarben bis hin zur Übertragung der Zeichnungen des Meisters auf die Leinwand und schließlich zum Malen.
Die Werkstattmitarbeiter stellten ihre Werkzeuge und Materialien selbst her, darunter Pinsel, Ölfarben, Firnisse und Leinwände.
Neben Rubens’ eigener Erfahrung beschrieben Abhandlungen aus der Renaissance ausführlich, welche Holzarten und Tierhaare, von Wildschweinborsten bis hin zu Eichhörnchenhaar, für die Herstellung verschiedener Pinsel am besten geeignet waren.
Auch wenn diese großen Meister schon vor langer Zeit gestorben sind, inspirieren ihre Kunst und ihre Arbeitsdisziplin noch bis heute andere dazu, Großes zu leisten.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „4 Work Ethics for Success From Master Artists“. (redaktionelle Bearbeitung: ee)
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Mehr als eine Zahl – die Zehn als Spiegel menschlicher Sehnsucht

Manche Zahlen wirken zufällig und fast schon beliebig, andere hingegen wirken unausweichlich. Doch nur wenige von Letzteren verfügen über eine stille Autorität wie die Zehn. Sie begegnet uns im menschlichen Leben so selbstverständlich, dass wir kaum bemerken, wie tiefgreifend sie unser Denken prägt. Wir zählen in Zehnern, strukturieren in Zehnern und erstellen Top-10-Listen. Eine „glatte Zehn“ bedarf keiner Erklärung.

Ein universelles Muster

Hinter dieser Vertrautheit verbirgt sich möglicherweise etwas Tiefgründigeres, denn jenseits ihres praktischen Nutzens steht die Zehn für eine reichhaltige symbolische Geschichte. In Mathematik, Religion, Philosophie und Kultur präsentiert sie Ordnung in vollendeter Form – sie ist nicht nur das Ende einer Abfolge, sondern die Erschaffung eines stabilen und begreifbaren Ganzen.
Während die Neun an der Schwelle zur Transformation steht, fühlt sich die Zehn wie ein Ankommen an – der Moment, in dem sich die Teile schließlich zu einer erkennbaren Struktur zusammenfügen. Betrachten wir beispielsweise den menschlichen Körper: Wir besitzen zehn Finger, und es lässt sich kaum in Worte fassen, wie sehr diese einfache Tatsache unsere Zivilisation geprägt hat. Unser Dezimalsystem ist höchstwahrscheinlich aus dem Zählen an den Händen entstanden. Die Zehner wurden zu natürlichen Maßeinheiten, da der Körper selbst als Vorbild diente.

Ein Symbol der Harmonie: die 10-Punkte-Tetraktys, die auf Pythagoras zurückgehen soll.

In diesem Sinne ist die Zehn zutiefst menschlich. Sie schlägt eine Brücke zwischen der abstrakten Welt der Mathematik und der physischen Realität des Lebens. Wir tragen diese Zahl buchstäblich mit uns. Vielleicht symbolisiert sie deshalb häufig nicht nur eine Menge, sondern steht auch für Meisterschaft. „Bis zehn zählen“ bedeutet, die Fassung wiederzugewinnen.
Eine Top-10-Liste impliziert Wertigkeit und ein Popsong gilt erst dann wirklich als Hit, wenn er es in die Top 10 geschafft hat. In Umfragen werden wir regelmäßig dazu aufgefordert, Leistung, Zufriedenheit oder Wahrscheinlichkeit auf einer 10-Punkte-Skala zu bewerten. Auch bei der berühmten Frage zur Kundenzufriedenheit – „Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie … weiterempfehlen?“ – liegt die Skala von null bis zehn. Eine perfekte Punktezahl wird üblicherweise mit 10 angegeben. Die Zahl steht dabei nicht für Übermaß, sondern für Ausgewogenheit, einen Zustand, in dem die Dinge ihre angemessene Form erreicht haben.
Dieser Ansatz findet sich auch in der antiken Philosophie wieder. Die Pythagoreer betrachteten die Zehn als die vollkommenste aller Zahlen, dargestellt durch die Tetraktys (griechisch für „Vierheit“): ein Dreieck aus zehn Punkten, die in vier Reihen angeordnet sind. Für die Pythagoreer spiegelte die Tetraktys die Harmonie selbst wider, also die verborgene numerische Struktur hinter Musik, Geometrie und dem Kosmos. Darauf schworen sie ihre Eide.
Dabei handelte es sich nicht um Aberglauben. Auch die Griechen ahnten, dass Ordnung nicht willkürlich ist. Die Realität war von Mustern, Symmetrie und Begreifbarkeit geprägt. Die Zahl zehn stand für die Vollendung dieses Musters: Die Einheit entfaltete sich zur Fülle.

Die Zehn in der Religion

Derselbe Gedanke erscheint auch in religiösen Traditionen. In den hebräischen Schriften findet man die Zehn Gebote – keine Empfehlungen, sondern grundlegende Prinzipien, die sowohl das individuelle Verhalten als auch das Gemeinschaftsleben ordnen sollen. Bezeichnenderweise sind es genau zehn und nicht sieben oder zwölf. Diese Zahl vermittelt Vollständigkeit. In ihrer Gesamtheit bilden die Zehn Gebote ein lückenloses moralisches Regelwerk.
In der biblischen Geschichte über Ägypten wirden zehn Plagen beschrieben, die der Erlösung vorausgehen. Diese Abfolge ist nicht zufällig. Sie ist vielmehr Ausdruck eines umfassenden Urteils über ein korruptes System. Erst nach der zehnten Plage bricht ein neues Kapitel an. Auch in der biblischen Genealogie zeigt sich dieses Muster: Die Genesis beschreibt zehn Generationen von Adam bis Noah und weitere zehn bis Abraham, was darauf hindeutet, dass sich die Geschichte in geordneten Etappen und nicht in zufälliger Abfolge entfaltet.
In der hinduistischen Tradition wird Vishnu traditionell mit zehn Avataren, das heißt Erscheinungsformen, die im Laufe der Zeitalter auftauchen, um das kosmische Gleichgewicht von Gut und Böse wiederherzustellen, in Verbindung gebracht. Auch hier steht die Zehn für Vollkommenheit – jedoch nicht im Sinne von Starre, sondern als vollständige Entfaltung der Ordnung im Laufe der Geschichte.
Im Christentum gibt es das Gleichnis der zehn Jungfrauen, in dem es um Wachsamkeit und Vorsorge angesichts eines nahenden Tages der Abrechnung geht. Die Zehn steht hier für die Gesamtheit der Menschen, die auf ein Urteil warten – einige klug und vorbereitet, die anderen töricht.

Vollendung ohne Beständigkeit

Die symbolische Kraft der Zehn besteht zudem außerhalb eindeutig religiöser Zusammenhänge ungebrochen. Im Sport wird sie oft mit Führungsstärke und Kreativität in Verbindung gebracht. Im Fußball gehört das Trikot mit der „10“ traditionell dem Spielmacher, also jener Person, durch die das Spiel gestaltet und geordnet wird – wie Pelé, Maradona, Messi und Platini.
Im Turnen und Wasserspringen steht eine Zehn für eine fehlerfreie Ausführung, für die perfekte Leistung ohne sichtbaren Fehler, wie bei Nadia Comăneci. Die 14-jährige Rumänin erntete für ihre Darbietung am Stufenbarren als erste Turnerin überhaupt bei den Olympischen Spielen in Montreal 1976 eine glatte Zehn.

Nadia Comăneci schrieb 1976 Olympiageschichte.

Und doch birgt die Zehn einen subtilen Warnhinweis. Denn sobald Perfektion erreicht ist, kann sie zur Starre verleiten. Systeme, die umfassend ausgereift sind, stehen Veränderungen oft im Weg. Strukturen, die Ordnung schaffen sollen, können zu Formen der Kontrolle verhärten. Der Wunsch nach einer perfekten Bewertung, einer perfekten Gesellschaft oder einem perfekt geordneten Leben kann die Unfähigkeit verschleiern, mit Unsicherheit oder Veränderungen zurechtzukommen. Tatsächlich wurden die Zehn Gebote, so wunderbar sie auch sind, in den Händen der jüdischen Sadduzäer, Gelehrten und Pharisäer zu genau jenen Hindernissen im Leben, denen sich Christus entgegenstellte.
In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Zehn von der Neun. Die Neun bleibt dynamisch und steht am Rande des Wandels. Die Zehn hingegen strebt nach Beständigkeit. Sie möchte, dass die Dinge geordnet, geklärt und gesichert sind. Genau darin liegen sowohl ihre Stärke als auch ihre Gefahr.
Wir Menschen brauchen Ordnung. Ohne sie versinkt das Leben im Chaos. Sprache, Recht, Architektur, Musik und Wissenschaft hängen alle von stabilen Strukturen ab. Die Zivilisation selbst benötigt einen Rahmen, der die Zeit überdauert. Doch das Leben geht über alle von uns geschaffenen Rahmenbedingungen hinaus. Im Glauben endgültige Vollkommenheit erreicht zu haben, werden wir von der Realität eines Besseren belehrt. Neue Probleme tauchen auf und plötzlich stehen Fragen im Raum. Die Menschen verändern sich. Die Geschichte schreitet voran.
Vielleicht ist dies der Grund, warum die Zehn oft nicht nur für ein Ende, sondern zugleich auch für den Beginn eines neuen Zyklus steht. In der Arithmetik kehren wir, sobald wir die Zehn erreichen, zur Eins zurück – jedoch auf einer höheren Ebene. Die Abfolge beginnt von Neuem, wiederholt sich jedoch nicht einfach. Vielmehr wurde etwas weitergetragen.
Mit anderen Worten: Die Zehn verkörpert ein Paradoxon – sie steht für Vollendung, aber nicht für Beständigkeit; für Errungenschaft, aber nicht für ein endgültiges Ziel. Genau wie das Leben selbst, zumindest hier auf der Erde.
Die alten Griechen haben das besser verstanden, als wir es manchmal tun. Ihr Wort „Kosmos“ bezeichnete nicht nur „das Universum“, sondern eine geordnete und schöne Anordnung – daher auch der Begriff „Kosmetik“ in unserer Sprache. Ordnung war wichtig, da das Chaos stets zurückzukehren drohte. Harmonie musste gepflegt werden und galt nicht als selbstverständlich, ebenso wie in unserem Alltag, in dem das Schminken Ordnung symbolisiert: Schönheit muss gepflegt werden.
Unsere heutige Zeit schwankt oft unruhig zwischen diesen beiden Polen hin und her. Einerseits sehnen wir uns nach Ordnung, nach klaren Systemen, messbaren Ergebnissen und stabilen Identitäten. Andererseits fürchten wir, in zu starren Systemen gefangen zu sein, in denen es keinen Raum für unerwartete Ereignisse gibt. Die Zehn erinnert uns leise daran, dass wahre Ordnung nicht mechanisch ist. Sie ist lebendig. Eine gute Struktur sperrt Energie nicht ein, sondern lenkt sie. Eine gute Gesellschaft schränkt die Freiheit nicht ein, sondern ermöglicht Entfaltung. Ein gutes Leben ist kein Leben, in dem es keine Unsicherheit gibt, sondern ein Leben, in dem Sinnhaftigkeit und Offenheit nebeneinander bestehen.
All dies könnte erklären, warum die Zehn nach wie vor so viel Beachtung findet. Sie spricht eine der tiefsten Sehnsüchte des Menschen an: die Hoffnung, dass das Leben einen sinnvollen Verlauf nehmen kann. Nicht perfekt im Sinne von unveränderlich oder fehlerfrei, sondern vollkommen genug, um Bestand zu haben und als Fundament für die Zukunft zu dienen.
Denn letzten Endes liegt die Bedeutung der Zehn nicht in der Zahl selbst, sondern in der Erkenntnis, was sie über uns offenbart – dass wir Menschen Wesen sind, die sich nach Ordnung inmitten des Ungewissen sehnen. Wir zählen, klassifizieren, ordnen, messen und bauen, weil wir danach streben, Muster zu entdecken, die das Dasein begreifbar machen. Die Zehn ist eines der großen Symbole dieser Sehnsucht. Sie ist die Zahl, die uns sagt, dass die Teile zusammenpassen können, auch wenn die Geschichte selbst noch nicht abgeschlossen ist.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Why the Number 10 Represents Order, Completion, and Human Aspiration“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sua)