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Bäckerei im eigenen Haus: Amerikanerin verrät das Geheimnis ihres guten Sauerteigs

Wohlige Wärme und der Duft frischen Brotes und feiner Gewürze strömen Emily Harryman entgegen, wenn sie die Tür zu ihrer Backstube öffnet. Was einst das Esszimmer ihres Hauses in der texanischen Stadt Keller nahe Dallas war, dient nun als Herzstück der von zu Hause aus betriebenen kleinen Bäckerei „Plain Jane Bakes“ – was in etwa „einfach nur backen“ bedeutet.
Die Wände sind französischblau gestrichen, die Decke tapeziert mit hellgrünen Blattornamenten. Das große, nach Osten ausgerichtete Fenster flutet den Raum mit Licht und wirft Sonnenstrahlen auf die hölzernen Backregale, auf denen die Sauerteigbrote abkühlen können.
In der Ecke am Fenster steht der Ofen, ein kompakter Simply Bread L12, der ein Dutzend Laibe auf einmal fassen kann. Der Raum ist mit einer großen Kücheninsel aus dunklem Holz sowie mehreren Anrichten ausgestattet, in denen Emily Harryman ihre Zutaten und Backutensilien aufbewahrt.
Der Brotraum in Emily Harrymans Hausbäckerei. Foto: Heidi Sears Photography

Der Brotraum in Emily Harrymans Hausbäckerei.

Foto: Heidi Sears Photography

„Ich hätte mir nie vorgestellt, dass unser Esszimmer eine Hausbäckerei sein würde. Nun findet der gesamte Sauerteigprozess hier statt. Der Raum erfüllt mein Herz mit großer Freude“, sagt Harryman.
Seit der Gründung ihres Unternehmens im Jahr 2024 ist Harrymans Brotbackraum mehr als nur ein Ort, an dem sie Brot backt, Kurse gibt und die Rezepte für ihr kommendes Kochbuch „Plain Jane Sourdough: Simple Ingredients and Techniques for Stunning Artisanal Bread“ perfektioniert (auf Deutsch etwa: „Schlichtweg Sauerteig: Einfache Zutaten und Techniken für beeindruckendes Handwerksbrot“). Es ist der Höhepunkt einer langen Reise, die in der bescheidenen Küche am Meer begann, in dem Haus, das ihre Großeltern bauten.
Emily Harryman ist eine Autodidaktin im Sauerteigbacken und betreibt heute eine erfolgreiche kleine Bäckerei in ihrem Esszimmer. Foto: Heidi Sears Photography

Emily Harryman ist Autodidaktin im Sauerteigbacken und betreibt heute eine erfolgreiche kleine Bäckerei in ihrem Esszimmer.

Foto: Heidi Sears Photography

Dekorative Anfänge

Harrymans Liebe zum Essen wurde durch regelmäßige Besuche bei ihren Großeltern entfacht, die in einer kleinen Küstenstadt unweit von San Francisco lebten. „Meine Oma war sehr leidenschaftlich beim Kochen. Jedes Mal, wenn wir zu Besuch waren, setzten wir uns ins Wohnzimmer und wählten ein Rezept aus einer der Food-Zeitschriften von ihrem Couchtisch aus, das wir ausprobieren wollten“, erinnert sich Harryman.
Obwohl die Rezepte nicht immer erfolgreich waren, hatte der Geist der Gastfreundschaft ihrer Großmutter einen tiefgreifenden Effekt auf Harryman. Sie erinnerte sich, dass ihre Großeltern „eine Freundin hatten, eine Witwe, die ständig zu den Mahlzeiten herüberkam. Sie stellten immer sicher, dass sie sich angenommen und umsorgt fühlte.“
Davon inspiriert übernahm Harryman, wenn sie von der Schule kam, die Verantwortung für die Mahlzeiten und entdeckte bald, dass ihre wahre Leidenschaft dem Backen galt. Nach Kursen im Tortendekorieren bekam Harryman Anfragen für Geburtstagstorten von Mitschülern. Dann, in ihrem Abschlussjahr an der Highschool, wurde sie gebeten, eine Hochzeitstorte zu machen. „Sie war fast einen Meter hoch und von ,Alice im Wunderland‘ inspiriert. Das öffnete viele Türen für andere Jobs und Hochzeiten“, erzählt sie.
Harryman dekorierte weiterhin Torten, während sie noch auf ein College außerhalb von Pittsburgh, Pennsylvania, ging. Ihre Fähigkeiten verschafften ihr und ihrem Mitbewohner Tristan 2016 einen Auftritt in einer Folge der beliebten Food-Network-Show ‚Cake Wars‘. Das Duo trat in einer Folge, die dem Videospiel Minecraft gewidmet war, gegen professionelle Bäcker an. „Wie durch ein Wunder haben wir gewonnen!“, sagt Harryman.
2016 war auch das Jahr, in dem sie ihren Ehemann Issac traf. Nachdem sie geheiratet hatten, zog das Paar nach Texas. Ein paar Jahre später ging es bereits zurück nach Pennsylvania, wegen eines neuen Jobs.
Harryman gab das Backen auf, während sie versuchten, eine Familie zu gründen. Sie erlitt mehrere Fehlgeburten, bevor sie dann doch drei gesunde Kinder zur Welt brachte. Ein Jobverlust im Jahr 2022 zwang die Familie zurück nach Texas für eine Arbeit mit signifikanter Gehaltskürzung.
Für die Familie bedeutete das, dass sie eine zusätzliche Einnahmequelle benötigte, um über die Runden zu kommen. So wandte sich Emily Harryman 2024 wieder voll dem Backen zu. Doch diesmal ging es nicht um das Dekorieren von Torten. Sie begann, Sauerteigbrote zu backen.

Backen von Grund auf

Der Grundstein für Harrymans Sauerteig-Abenteuer wurde gelegt, als ihr College-Mitbewohner Tristan sie wieder an die natürlichen, unverarbeiteten Zutaten heranführte, die sie in der Küche ihrer Großmutter gesehen hatte.
Durch die Mutterschaft wuchs in ihr das Bewusstsein, welche Zutaten sie ihren kleinen Kindern zu essen gab. „Es gibt so viele Konservierungsstoffe, so viele genetisch veränderte Zutaten, so viele Dinge, die auf unser Essen gesprüht werden, dass ich … Dinge kaufen wollte, die so ziemlich nah an dem sind, wie Gott sie geschaffen hat“, sagt Harryman.
Harryman begann ihr Bäckereiunternehmen, um ihre Familie zu ernähren. Heute gibt sie ihr Wissen über Sauerteigbacken über soziale Medien und ein neues Kochbuch weiter. Foto: Heidi Sears Photography

Harryman begann ihr Bäckereiunternehmen, um ihre Familie zu ernähren. Heute gibt sie ihr Wissen über Sauerteigbacken über soziale Medien und ein neues Kochbuch weiter.

Foto: Heidi Sears Photography

Diese einfache Philosophie der „echten Zutaten“ sollte der Schlüssel zu Harrymans Erfolg mit Sauerteig sein. Die Aussicht, eine eigene Sauerteigbäckerei zu gründen, empfand sie als beängstigend, weil „es so viele verschiedene Gedanken dazu gibt, wie man Sauerteig macht. Als Anfänger ist das schrecklich, weil man nicht weiß, was richtig ist. Aber sobald man seinen Prozess im Griff hat, ist es wie Radfahren.“
Harrymans eigener Prozess beginnt mit einer Mischung aus Weißmehl, Roggenmehl und Wasser, die zum Fermentieren stehen gelassen wurde. Natürliche, darmfreundliche Bakterien begannen, den Zucker und die Proteine des Mehls zu fressen, wodurch ein blubberndes Teiggemenge entsteht, das als Sauerteigstarter bekannt ist.
Der Starter muss immer wieder verwendet und gefüttert werden, damit die Fermentation aktiv bleibt. Wenn der Sauerteig in einen Brotteig eingearbeitet wird, wirkt er als Triebmittel und verleiht dem Brot seinen charakteristischen säuerlichen Geschmack.
Das Cover zu Emily Harrymanns Buch “Plain Jane Sourdough”. Foto: Heidi Sears Heidi Sears Photography

Das Cover zu Emily Harrymans Buch “Plain Jane Sourdough”.

Foto: Heidi Sears Heidi Sears Photography

Aus diesem Sauerteig wird das treffend benannte „Plain Jane“ hergestellt, ein unverfälschtes Sauerteig-Landbrot, das der Star der Harryman Backwaren ist. Sie entwickelte außerdem ihre eigene Variante des „Miche“, eines rustikalen französischen Brotes, sowie ein „Herbes de Provence“, ein einfaches Brot mit Kräutern.
Ursprünglich bot sie ein umfangreicheres Sortiment mit einer Auswahl an Scones, Keksen und Spezialbroten an, reduzierte dieses jedoch schließlich auf Anraten ihres Mannes. „Ich musste es einfach halten. Das Brot verkaufte sich ohnehin immer am besten“, erklärt Harryman.
Sauerteig, wie sich herausstellte, war eine Neuheit in Keller, Texas. Harryman begann, die Laibe über Hausbestellungen und auf lokalen Märkten zu verkaufen. In den ersten Monaten des Unternehmens hatte Harryman weder einen Backraum noch einen Backofen. Sie arbeitete mehr als 13 Stunden am Tag, um die Laibe in ihrem Einbau-Doppel-Backofen in der Küche eins nach dem anderen zu backen.
Es war harte Arbeit, aber das zusätzliche Geld verschaffte der Familie das dringend benötigte finanzielle Polster – und das alles, ohne dass Harryman das Haus verlassen oder auf den Heimunterricht ihrer Kinder verzichten musste – beides war für sie nicht verhandelbar. „Das Geschäft musste etwas sein, das meiner Familie zugutekommt und mich nicht von ihr fernhält“, sagt sie.
Neben ihrem lokalen Erfolg, wurde Harryman auch zu einer Sensation in den sozialen Medien. Ihr Instagram-Kanal „Plain Jane Bakes“ schnellte in zwei Jahren von null auf 59.000 Follower hoch. Das war genug, dass ein unabhängiger Verlag sich Harrymans Kochbuchidee annahm.
„Plain Jane Sourdough“ ist eine Liebeserklärung und zugleich ein praktischer Leitfaden zum Sauerteigbacken. Sie widmete das Buch ihrer Großmutter. „Ich wollte versuchen, meinen Weg so weiterzugeben, wie meine Großmutter mir ihren vermittelt hat“, sagt Harryman. „Ich hoffe, dass es den Lesern in der Küche eine Hilfe und beim Lesen eine Ermutigung sein wird.“
Emily Harryman mit ihrer Familie. Foto: Heidi Sears Photography

Emily Harryman mit ihrer Familie.

Foto: Heidi Sears Photography

Der Artikel erschien im Original im „American Essence Magazine“ der Epoch Times und online bei theepochtimes.com unter dem Titel „Successful Home Bakery Entrepreneur Reveals the Key to Mastering Sourdough Baking“. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)