Der argentinische Stürmer Nr. 10, Lionel Messi (l), und der englische Stürmer Nr. 09, Harry Kane (r), nach dem Halbfinalspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 zwischen England und Argentinien im Atlanta Stadium in Atlanta am 15. Juli 2026. - Foto: Odd Andersen/AFP via Getty Images
Harry Kane stand regungslos am Mittelkreis, die Hände in die Hüften gestützt. Sein Blick stur auf die andere Seite des Platzes gerichtet, wo sich Lionel Messi und dessen argentinische Teamkollegen für den Einzug in das WM-Finale feiern ließen.
Die von Kapitän Kane angeführten Engländer waren so nah dran am ersten Endspiel seit dem Triumph 1966. Bis zur 85. Minute führten die Three Lions durch den Treffer von Anthony Gordon – und fielen dann völlig auseinander.
„Wir spielen eine Stunde so gut und führen verdient. Aus irgendeinem Grund verlieren wir dann das Momentum. Das zieht sich nun schon durch die letzten vier, fünf Turniere“, sagte der Bayern-Stürmer konsterniert.
Der englische Stürmer Nr. 09, Harry Kane, und seine Teamkollegen nach der Niederlage.
Foto: Odd Andersen/AFP via Getty Images
Das Warten geht weiter
Enzo Fernandez und Lautaro Martinez stürzten England durch ihre von Lionel Messi vorbereiteten Tore in eine Schockstarre. „Je schöner die Reise, desto herzzerreißender ist das Ende“, resümierte Jude Bellingham.
Nun gerät aber erst einmal Trainer Thomas Tuchel in die Schusslinie der englischen Öffentlichkeit. Auf dem Papier ist er nicht besser als sein Vorgänger Gareth Southgate, der 2018 im Halbfinale in der Verlängerung an Kroatien gescheitert war.
Ex-Stürmer Chris Sutton nannte Tuchels Entscheidung, nach der Führung in der Defensive von einer Vierer- auf eine Fünferkette umzustellen eine „Coaching-Katastrophe“ und warf die Frage auf, ob der Deutsche noch der richtige Mann für den Job sei. Der „Mirror“ polterte: „Tuchels Wechsel gehen nach hinten los.“
Tuchel selbst nahm das alles äußerlich gelassen zur Kenntnis. „Es ist die Natur des Spiels. Sobald man verliert, wird man kritisiert“, sagte der 52-Jährige. „Keiner weiß, was bei anderen Entscheidungen passiert wäre. Es hat keinen Sinn, sich da zu beteiligen.“
Erst im Februar hatte Tuchel seinen Vertrag mit dem englischen Verband FA bis nach der Heim-EM 2028 verlängert. Nach dem WM-Aus erhielt er umgehend Unterstützung von Verbandsboss Mark Bullingham.
„Die Spieler und Thomas haben heute alles gegeben“, befand der Funktionär. Tuchel meinte: „Wir machen weiter bis zur EM.“ Übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll er dafür auch weiterhin das Vertrauen des Verbands genießen.
Das Turnier bescherte den Three Lions auch durchaus positive Erinnerungen. England gewann in einem epischen Achtelfinale bei Co-Gastgeber Mexiko im Aztekenstadion.
In der Hitze von Miami schoss man die Norweger in der Verlängerung aus dem Turnier. Die Mannschaft habe eine Mentalität, die man in Flaschen abfüllen und verkaufen könne, sagte Trainer Tuchel.
Der Trainer glaubte, die Spieler glaubten, ganz England erlebte bis zum Mittwoch einen euphorischen Jahrhundertsommer und glaubte an den Titel. Glaubte an das Ende von 60 Jahren Schmerz. Am Ende konnte auch Tuchel England nicht erlösen. „Wir müssen vier weitere Jahre warten“, sagte der Schwabe.
Tränen und Schweigen in der Kabine
Tuchel ist jedenfalls davon überzeugt, dass er das Problem in den Griff bekommt, obwohl England immer in dasselbe Muster verfällt. „Ich glaube nicht an einen Fluch oder dass sich Geschichte wiederholt. Es sind andere Spieler, andere Trainer, andere Gegner“, sagte Tuchel. Es sei auf dem Feld lösbar.
Zu einem anderen Schluss, als dass es ein mentales Problem ist, kann man momentan aber nicht kommen. Zwischen der Führung durch Gordon in der 55. Minute und dem Siegtor von Martinez (90.+2) hatte England sagenhaft schwache zwölf Prozent Ballbesitz.
(COMBO) Diese Bilderserie zeigt den argentinischen Stürmer Nr. 10, Lionel Messi, am 27. Juni 2026 in Arlington (l) sowie den englischen Stürmer Nr. 09, Harry Kane, am 17. Juni 2026 in Arlington.
Foto: Paul Ellis/AFP via Getty Images
Das Team habe das Momentum einfach nicht zurückbekommen, resümierte Tuchel. Englands Spieler hatten plötzlich etwas zu verlieren – und zerbrachen an diesem Druck.
Schweigend verschwand die Mannschaft in der Kabine. Dort flossen Tränen, viele Worte fielen nicht. So beschrieb es Verteidiger Dan Burns. „Nichts, was man da sagt, kann die Enttäuschung und den Schmerz nehmen“, sagte Tuchel.
Also gab er der Mannschaft mit, dass sie alles gegeben habe und zurückkommen werde. Wie man das im Sport eben so macht. (dpa/red)
Ein Arbeiter läuft am 18. Mai 2026 durch das Tunnelsystem des Onkalo-Endlagers in Eurajoki im Südwesten Finnlands. Wenn die finnische Behörde für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit (STUK) in ihrer abschließenden Bewertung grünes Licht gibt, kann eine Betriebsgenehmigung erfolgen. - Foto: Alessandro Rampazzo/AFP via Getty Images
In Kürze:
Das finnische Endlager „Onkalo“ soll etwa zum kommenden Jahreswechsel in Betrieb gehen.
Dort können weltweit erstmals hoch radioaktive Abfälle eingelagert werden – für mindestens 100.000 Jahre.
Die radioaktiven Brennelemente sind vierfach abgeschirmt. Drei Abschirmungen wurden bereits erfolgreich getestet, die vierte Schicht steckt im umgebenden Gestein.
Deutschland befindet sich nach wie vor auf der Standortsuche. Ein Ergebnis wird 2027 erwartet.
Wohin auf Dauer mit dem Atommüll? Diese Frage müssen sich alle Länder stellen, die aktuell Kernreaktoren betreiben oder in der Vergangenheit betrieben haben.
Der Antwort am nächsten ist Finnland. Dort soll schon Ende 2026 oder Anfang 2027 das weltweit erste tiefengeologische Endlager für hoch radioaktiven Atommüll in Betrieb gehen. Deutschland ist hingegen noch weit entfernt vom Betrieb eines solchen Endlagers.
Onkalo – die „Höhle“ unter Finnland
Das finnische Endlager trägt den Namen „Onkalo“, was auf Deutsch „Höhle“ bedeutet. Es befindet sich auf der Halbinsel Olkiluoto an der Südwestküste des Landes, wo sich auch die gleichnamigen Kernreaktoren Olkiluoto 1, 2 und 3 befinden.
Zumindest der Eingang von Onkalo ist an der Oberfläche zu erkennen. Der überwiegende Teil des Bauwerks befindet sich jedoch unter der Erdoberfläche – in rund 1,8 Milliarden Jahre altem Grundgestein.
Zunächst führen ein spiralförmiger Zugangstunnel sowie vier vertikale Schächte mehrere Hundert Meter in die Tiefe. Zu den Schächten gehören ein Personenschacht, zwei Lüftungsschächte und ein Schacht für die Uranbehälter. Insgesamt kommt das Tunnelsystem auf eine Länge von rund 50 Kilometern.
Grafische Darstellung des Endlagers Onkalo unter der Erdoberfläche. Das Bild links oben soll den heutigen Status quo darstellen, links unten den Zustand in einigen Tausend Jahren und rechts den Zustand in 100.000 Jahren.
Das eigentliche Endlager befindet sich in einer Tiefe von 400 bis 430 Metern. Dort will Posiva Oy, das finnische Entsorgungsunternehmen und Betreiber der Anlage, künftig bis zu 6.500 Tonnen Uran in Spezialbehältern verwahren.
Die besondere Herausforderung ist die Anforderung an die Langlebigkeit dieses Bauwerks. Es muss nicht nur über Jahrhunderte, sondern über viele Jahrtausende hinweg gewährleistet sein, dass keinerlei radioaktive Strahlung an die Oberfläche gelangt und die abgebrannten Brennelemente für mindestens 100.000 Jahre keine Bedrohung für Mensch und Natur darstellen.
Am 18. Mai 2026 waren ein Arbeiter und ein Besucher im Untergrund des Onkalo-Endlagers in Eurajoki im Südwesten Finnlands unterwegs, das voraussichtlich das weltweit erste Endlager für radioaktive abgebrannte Brennelemente sein wird. Das geologische Endlager für abgebrannte Brennelemente steht kurz vor der Inbetriebnahme.
Foto: Alessandro Rampazzo/AFP via Getty Images
Vier Schutzschichten für 100.000 Jahre
Für die Endlagerung der Brennstäbe hat sich Posiva für die sogenannte KBS-3V-Methode entschieden. Hintergrund dieses in Schweden entwickelten Konzepts ist, dass gleich mehrere Schutzschichten das Uran umschließen. „KBS“ steht für das schwedische Wort „Kärnbränslesäkerhet“ und bedeutet „Sicherheit von Kernbrennstoffen“. Die „3“ bezeichnet die Version und der Buchstabe „V“ die vertikale Platzierung der Kanister.
Zunächst werden die radioaktiven Brennstäbe in einen Behälter aus Gusseisen gelegt. Dieser ist äußerst stabil und soll auf Dauer möglichen äußeren Einflüssen standhalten. Anschließend kommt jeder Gusseisenbehälter in einen 12 Tonnen schweren Behälter aus Kupfer mit einer Wandstärke von 5 Zentimetern. Kupfer gilt als äußerst korrosionsbeständig.
Posiva will diese Kupferbehälter schließlich in das Endlager in rund 430 Metern Tiefe bringen. Dort kommen sie in ein rund 8 Meter tiefes, vertikales Loch mit einem Durchmesser von rund 1,75 Metern. In den Zwischenraum wird anschließend Bentonit gefüllt, das die dritte Schutzschicht darstellt. Die vierte und letzte Schicht ist das umgebende Gestein, konkret: kristalliner Gneis. Dies soll über ein Jahrhunderttausend eine effektive Abschirmung gewährleisten.
Das Uran wird zunächst in Gusseisen- und Kupferbehälter gepackt und tief unter der Erdoberfläche in einem Tunnelsystem in Bohrlöcher gelegt.
Aktuell befinden sich abgebrannte Brennstäbe aus Kernreaktoren noch in Abklingbecken und Zwischenlagern, wo sich ihre Radioaktivität bereits deutlich reduziert. In Onkalo werden die abgebrannten Brennstäbe zunächst in der oberirdischen Verkapselungsanlage in die Gusseisen- und Kupferbehälter eingepackt.
Anschließend gelangen die Kupferbehälter über den vertikalen Aufzugsschacht in die Tiefe. Dort nimmt ein ferngesteuertes Transportfahrzeug die Kapsel entgegen und bringt sie zum unterirdischen Behälterlager.
Die Bohrlöcher für die Endlagerung der Behälter in den unterirdischen Stollen bereiten speziell dafür gebaute Bohrmaschinen vor. Anschließend kommen die Bentonit-Lehmblöcke in das Endlagerloch. Bentonit verhindert, dass Wasser in die Nähe des Behälters gelangt, und schützt ihn so vor Gesteinsbewegungen.
Ein ferngesteuertes Transportfahrzeug bringt den Behälter vom Behälterlager zum Endlagertunnel und setzt den Behälter mit einer Genauigkeit von nur wenigen Millimetern in das Endlagerloch ein. Sobald der Behälter in Position ist, wird der obere Teil des Lochs ebenfalls mit Bentonit-Pufferblöcken verfüllt, sodass der Behälter komplett davon umgeben ist. Sind alle Bohrlöcher befüllt, wird auch der Stollen mit körnigem Bentonit-Ton aufgefüllt und versiegelt.
Erfolgreicher Test für die Einlagerung
In der ersten Junihälfte 2026 testete Posiva erstmalig die Einlagerung eines Behälters in ein Loch mit Bentonit-Puffer. Dieser Behälter enthielt noch keine Brennelemente.
Der technische Leiter von Posiva, Juha Riihimäki, teilte mit, dass die Installation auf Anhieb erfolgreich verlief. Er bezeichnete diesen Test als einen wichtigen Schritt für den Start des Endlagerungsvorgangs. Der eigentliche Installationsprozess sei ein Schlüsselelement für die langfristige Sicherheit der Endlagerung. Laut Riihimäki erfülle dieser Erfolg auch die regulatorischen Anforderungen.
Um die Verfahrenslizenz zu erhalten, muss Posiva laut Riihimäki nachweisen können, „dass die Installation des Endlagerungsbehälters sicher und nach Plänen erfolgen kann“. Das ist mit dem erfolgreichen Test geschehen.
Beim erfolgreichen Test für den Vollbetrieb hat Posiva einen leeren Behälter für Brennstäbe in einem Senkloch platziert.
Nach Angaben des Unternehmens sind für die kommenden Wochen einige abschließende, oberirdische Tests am Transportfahrzeug geplant. In der zweiten Jahreshälfte sollen schließlich tief im Inneren des Olkiluoto-Grundgesteins Inbetriebnahmetests stattfinden.
Das finnische Endlager verschlang Schätzungen zufolge bisher rund 1 Milliarde Euro. Rechnet man noch den jahrzehntelangen Betrieb mit den geplanten Einlagerungen hinzu, erhöhen sich die Gesamtkosten auf rund 5 Milliarden Euro.
Wie ist die Lage in Deutschland?
Deutschland ist hingegen noch weit entfernt von der Inbetriebnahme eines eigenen Endlagers für hoch radioaktiven Atommüll. Seit Inkrafttreten des Standortauswahlgesetzes (StandAG) im Jahr 2017 sucht die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) stattdessen weiterhin aus einer Vielzahl von Teilgebieten einen geeigneten Standort. Nach dem Ausschlussverfahren soll sie geeignete Standortregionen ausfindig machen. Der Vorschlag der BGE ist Ende 2027 zu erwarten.
Ein Endlager für hoch radioaktive Abfälle muss hierzulande strenge Mindestanforderungen erfüllen. Die Tiefe muss mindestens 300 Meter betragen. Ebenso muss das Grundgestein bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Infrage kommen nur Steinsalz, Tongestein und Kristallingestein. Eine Voraussetzung ist eine geringe Gebirgsdurchlässigkeit, also wie viel Wasser oder andere Flüssigkeiten das Gestein durchlässt.
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Navigator zur Endlagersuche für hoch radioaktiven Atommüll.
Bisher gibt es in der Bundesrepublik noch keinen favorisierten Standort für ein künftiges Endlager für hoch radioaktiven Atommüll. Doch die BGE hat bereits viele Regionen als ungeeignet eingestuft. Stand November 2025 haben aber bereits manche Regionen die Prüfung „weitestgehend bestanden“. Auf der Karte sind diese türkis markiert. Sie befinden sich im baden-württembergischen Schwarzwald, in Ostbayern sowie östlich von Heidelberg.
In Deutschland existieren aktuell damit lediglich 16 Zwischenlager für radioaktive Abfälle. In speziellen, oberirdischen Lagergebäuden stehen momentan auch die hoch radioaktiven Brennelemente in insgesamt 1.750 Castorbehältern.
Dabei wird zwischen zentralen und dezentralen Zwischenlagern unterschieden. Dezentrale Zwischenlager befinden sich an Standorten von Kernkraftwerken. Davon gibt es hierzulande zwölf. Die Zwischenlager wie Gorleben und Ahaus gelten als zentral. Zudem gibt es die Zwischenlager Jülich und Lubmin. Sie befinden sich in der Nähe einer ehemaligen kerntechnischen Anlage.
Alle Vierjährigen sollen künftig nach einheitlichen Standards getestet und gefördert werden. (Archivbild) - Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Mit Sprachtests für alle Vierjährigen und gezielter Förderung in den Kitas will Bundesministerin Karin Prien eine Trendwende in der Bildungspolitik erreichen. „Denn gute Bildung beginnt nicht erst in der Schule, sondern in der Kita“, sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.
Prien legte den Entwurf eines neuen Kita-Gesetzes vor, das für die Kinder den Übergang zur Grundschule erleichtern soll. Dafür verspricht der Bund bis 2034 insgesamt 9,25 Milliarden Euro. Hintergrund sind die extrem unterschiedlichen Bildungschancen für Kinder in Deutschland, die sich oft schon in der Grundschule zeigen und dann durch die gesamte Bildungslaufbahn ziehen.
„Das größte bildungspolitische Projekt“
„Das Kita-Startchancen-und-Qualitätsentwicklungsgesetz ist das größte bildungspolitische Projekt dieser Koalition“, sagte Prien. „Mit diesem Gesetz stärken wir Sprache als entscheidenden Schlüssel für jede Bildungsbiografie: Erstmals erfassen wir bundesweit den Sprachstand von Kindern und sorgen dafür, dass sie frühzeitig die Förderung erhalten, die sie brauchen.“
Prien hat den Entwurf länger vorbereitet und auch mit den für die Bildung zuständigen Ländern besprochen. Die CDU-Politikerin setzt damit Ziele aus dem Koalitionsvertrag von Union und SPD um. Grundgedanke dabei ist, dass Kinder nur mit ausreichenden Sprachkenntnissen in der Grundschule dem Unterricht folgen können.
Einheitliche Standards
Das Gesetz setzt an drei Punkten an: mehr Kinder in öffentliche Betreuung bringen, möglichst früh vor allem fehlende Sprachkenntnisse dingfest machen; und etwaige Probleme durch gezielte Hilfen ausgleichen. Die Tests, bei denen neben Sprachkenntnissen auch Bewegung und Entwicklungsstand ermittelt werden, sollen auch Vierjährige durchlaufen, die nicht in einer Kita sind.
Das alles soll dem Entwurf zufolge erstmals nach bundesweit einheitlichen Standards passieren. Besonderes Augenmerk soll auf Kitas liegen, die viele Kinder betreuen, die in schwierigen Lebensumständen aufwachsen. Auch alle anderen Kitas sollen aber etwas mehr Geld und Zeit für die neuen Tests und die Förderung bekommen.
30 Minuten pro Woche und Kind
Konkret heißt es im Entwurf: „Für die verbindliche Feststellung des Sprach- und Entwicklungsstands von Kindern spätestens im fünften Lebensjahr in Kindertageseinrichtungen und die anschließende Förderung der Kinder bei Förderbedarf werden den Kindertageseinrichtungen personelle Ressourcen für die Erhebung im Umfang von zwei Stunden je Kind sowie für die Planung und Begleitung der Förderung im Umfang von mindestens dreißig Minuten je Kind pro Woche zur Verfügung gestellt.“
Für Kitas mit „einem erhöhten Anteil von Kindern in herausfordernden Lebenslagen“ sind noch etwas mehr „zusätzliche personelle Ressourcen“ für sprachliche Bildung und andere Hilfen vorgesehen: je Einrichtung mit 80 Kindern sollen Fachkräfte für insgesamt mindestens 20 Stunden pro Woche zusätzlich finanziert werden, bei mehr als 80 Kindern für mindestens 40 Stunden und bei mehr als 120 Kindern mindestens 60 Stunden.
Erfahrungen aus Startchancen-Schulen
Diese besondere Förderung soll in mindestens zehn Prozent der Kitas in jedem Land zur Verfügung stehen. Kriterium dafür ist, ob dort besonders viele Kinder sind, die in finanzieller Bedürftigkeit aufwachsen, für die die Familiensprache nicht deutsch ist oder deren sprachliche Entwicklung auffällig ist. Kitas und Schulen sollen Daten über Ergebnisse der Sprach- und Entwicklungstests miteinander teilen können.
Mit dem neuen Gesetz übertrage man Erfahrungen der Bund-Länder-Zusammenarbeit aus dem schulischen Startchancen-Programm auf Kitas in herausfordernden Lagen, sagte Prien. Eine langfristig verlässliche Finanzierung schaffe Planungssicherheit für Länder und Kommunen.
„Verlässliche und qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung eröffnet Kindern bessere Zukunftschancen, entlastet Familien und ist für viele Mütter eine entscheidende Voraussetzung für den beruflichen Wiedereinstieg und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, betonte Prien. „Mit diesem Gesetz investieren wir in die Chancen unserer Kinder, in die Zukunft unserer Gesellschaft und in die wirtschaftliche Stärke unseres Landes.“
Der Paritätische Gesamtverband hält die finanziellen Zusagen im Gesetz für unzureichend. „Der Bund bestellt, aber bezahlt nicht“, erklärte der Verband in einer ersten Reaktion. „Die Anforderungen für die Kindertagesbetreuung sollen steigen, aber der Bund zieht sich langfristig aus der Finanzierung der Kitas zurück.“ Das sei im Gesamtergebnis enttäuschend. (dpa/red)
Kritik kommt unter anderem von Kanzleramtschef Thorsten Frei. (Archivbild) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) hat das Singen der DDR-Hymne bei einer AfD-Veranstaltung mit Sachsen-Anhalts Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und Parteichef Tino Chrupalla scharf kritisiert.
„Ich finde das extrem befremdlich“, sagte Frei am Mittwoch, 15. Juli, im Sender Welt TV. Es gelte insbesondere dann, „wenn das von politischen Repräsentanten gemacht wird, die damit ja ganz offensichtlich auch politische Botschaften verbinden möchten“.
Die AfD hatte am Dienstagabend in Dessau-Roßlau zu einer Podiumsdiskussion mit dem Kabarettisten Uwe Steimle eingeladen. Am Ende sollte eigentlich die deutsche Nationalhymne gesungen werden, Steimle stimmte jedoch die DDR-Nationalhymne „Auferstanden aus Ruinen“ an.
Siegmund und Chrupalla sangen sie teilweise mit Steimle und den Besucher der Veranstaltung mit. Anschließend wurde auch die deutsche Hymne gesungen.
Beleites: Hymne einer Diktatur
Deutliche Worte fand auch der Beauftragte des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Johannes Beleites: „Die Hymne der DDR war die Hymne einer Diktatur. Ich finde es sehr irritierend, dass sie am Ende einer Wahlkampfveranstaltung einer Partei, die den Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt stellen möchte, gesungen wird.“
Beleites sprach von einer „Missachtung der Opfer der SED-Diktatur“. Es sei zudem „eine Geringschätzung der Menschen, die für Freiheit und Demokratie ihr Leben riskiert oder lange Haftstrafen in Kauf genommen haben“.
Chrupalla verteidigte hingegen das Singen der DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“. Sie drücke genau die Hoffnung aus, die Bürger empfinden würden. „Wir möchten dafür sorgen, dass nicht weitere Ruinen entstehen – wie im Bereich der gesprengten Kernkraftwerke oder anderer kritischer Infrastruktur“, sagte der AfD-Chef dem „Stern“. (afp/red)
In Berlin wird über eine Therapie für das Gesundheitswesen gerungen, hier eine deutsche Arztpraxis. (Archivfoto) - Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Die Arztüberweisung soll digitalisiert werden. Ein entsprechendes Gesetz beschloss das Bundeskabinett am Mittwoch. Die elektronische Überweisung soll demnach schrittweise bis zum 1. September 2029 eingeführt werden.
Mit dem Gesetz will die Regierung auch insgesamt die Digitalisierung des Gesundheitswesens voranbringen. So sollen die elektronische Patientenakte (ePA) ausgebaut und Gesundheitsdaten besser genutzt werden.
Praxen, Krankenhäuser und Apotheken sind seit 1. Oktober 2025 verpflichtet, die ePA zu nutzen. Sie soll nun um verschiedene Anwendungen wie eine digitale Impfübersicht mit Erinnerung an bevorstehende Impfungen ergänzt werden.
Zudem sollen die Krankenkassen die Akte um weitere Angebote ausbauen dürfen.
Über die elektronische Akte sollen Versicherte künftig auch Termine buchen können.
Insgesamt will die Bundesregierung mit den geplanten Änderungen die technischen Voraussetzungen für ein digital gestütztes Primärversorgungssystems schaffen.
„Die Zukunft unseres Gesundheitswesens ist digital und vernetzt“, betonte Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU). „Die Nutzung digitaler Anwendungen soll sowohl für Leistungserbringer als auch für Versicherte zu einer Selbstverständlichkeit werden.“
Mit dem Gesetz „für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen“ muss sich als nächstes der Bundestag befassen.
Ein Primärversorgungssystem ist eines der großen Vorhaben Warkens: Die Hausärztin oder der Hausarzt soll künftig die erste Anlaufstation bei gesundheitlichen Problemen sein.
Ein Facharzt soll erst nach einer hausärztlichen Erstberatung aufgesucht werden können. Ziel ist es, die Zahl der Arztbesuche zu reduzieren und damit Kosten zu sparen. (afp/red)
Jeden Mittwoch trifft sich das Bundeskabinett. Dieses Mal soll es vor allem um Bürokratieabbau gehen. - Foto: Michael Kappeler/dpa
Das Kabinett hat die Finanzplanung für den Klima- und Transformationsfonds (KTF) beschlossen. Dieser soll insbesondere die klimafreundliche Umgestaltung der Wirtschaft finanzieren.
Der Regierungsentwurf sieht schrittweise sinkende Einnahmen und Ausgaben bis 2030 vor.
Angesichts von Sparzwängen sei es gelungen, im Einvernehmen mit den Ressorts die Programmausgaben anzupassen und auf klare Prioritäten auszurichten, hieß es dazu aus dem Bundesfinanzministerium. Das schaffe auch Spielraum für die notwendige Entlastung des Bundeshaushalts.
Finanziert vor allem aus CO2-Zertifikaten
Der Klima- und Transformationsfonds war unter der Ampel-Regierung aus dem Energie- und Klimafonds hervorgegangen – ein Sondervermögen des Bundes, das 2010 per Gesetz eingerichtet wurde.
Der KTF soll über den Bundeshaushalt hinaus Investitionen in den Klimaschutz und die Energiewende ermöglichen. Dazu zählt etwa der Ausbau erneuerbarer Energien, die Dekarbonisierung der Industrie, die energetischen Gebäudesanierung oder der Ausbau der Elektromobilität.
Finanziert wird der KTF vorwiegend durch Einnahmen aus der Versteigerung von CO2-Zertifikaten im Rahmen des europäischen Emissionshandels sowie seit 2025 auch durch Zuschüsse aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität.
Ausgaben von je rund 40 Milliarden Euro vorgesehen
Laut dem Regierungsentwurf sind im KTF in den Jahren 2027 bis 2029 Ausgaben von jeweils gut 40 Milliarden Euro vorgesehen.
Die größten Posten sind dabei der Klimaschutz im Gebäudebereich (13 Milliarden Euro im Jahr 2027) und Entlastungen bei den Energiekosten (13,3 Milliarden Euro im Jahr 2027). In diesen Bereichen sollen die Ausgaben bis 2030 auf gut zehn Milliarden beziehungsweise 11,6 Milliarden Euro sinken.
Die Einnahmen des Fonds sollen nach den Plänen der schwarz-roten Bundesregierung von 38,9 Milliarden im Jahr 2027 sukzessive auf 32,5 Milliarden Euro im Jahr 2030 sinken.
Zuletzt hatte es heftige Kritik von Umweltverbänden und seitens der Grünen an den Plänen von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) gegeben, aus dem KTF kommendes Jahr 2,7 Milliarden Milliarden Euro in den normalen Haushalt zu überführen.
Dies wird im Finanzministerium als Beitrag zur Konsolidierung des Bundeshaushalts gesehen. Allein für 2027 musste eine Lücke von 34 Milliarden Euro im Bundeshaushalt geschlossen werden.
Als weitere Einsparungen im KTF nennt das Ministerium eine höhere Effizienz bei der Mittelvergabe, eine schrittweise Reduzierung der Förderung in bestimmten Bereichen, etwa bei Wärmepumpen, sowie den Abbau bei der Förderung von Kleinstprogrammen.
Der KTF-Wirtschaftsplan soll nach der Sommerpause in den Bundestag eingebracht werden. (afp/red)
Die Polizei sperrte den Bereich ab. - Foto: Katharina Kausche/dpa
Die Dresdner Polizei hat am Morgen einen Mann mit einer Schusswaffe überwältigt. Wie die Polizeidirektion der Landeshauptstadt mitteilte, hatten Zeugen die Beamten alarmiert. Man habe sofort Einsatzkräfte zum Ort des Geschehens im Bereich um einen Supermarkt im Stadtteil Friedrichstadt geschickt, darunter Spezialkräfte für lebensbedrohliche Einsatzlagen. „Im Rahmen des Einsatzes machte bisherigen Erkenntnissen zufolge ein Beamter von der Dienstwaffe Gebrauch“, hieß es.
Der Mann wurde gefasst. Laut Polizei soll er bei dem Einsatz verletzt worden sein. Der Bereich um den Supermarkt ist von der Polizei gegenwärtig abgesperrt. Es sind mehrere Einsatzwagen vor Ort.
Unklar blieb zunächst, ob der Mann die Schusswaffe auf andere Menschen richtete, wie er verletzt wurde und wie viele Schüsse bei dem Einsatz fielen. Auch nähere Angaben zu seiner Person machte die Polizei zunächst nicht. (dpa/red)
Klopp soll neuer Bundestrainer werden. (Archivbild) - Foto: Tom Weller/dpa
Diese Aussage vom designierten Bundestrainer Jürgen Klopp lässt erahnen, worauf er einen wesentlichen Schwerpunkt in der Ausbildung der Nationalspieler für die Zukunft legen wird.
„Wir müssen den Bolzplatz ins Training packen, sonst wird nicht genug gekickt“, lautet die auf der DFB-Seite prominent und in großer Schrift platzierte Klopp-Forderung. „Dass das jetzt organisiert dargestellt werden muss im Kinder- und Jugendtraining, ist der Zeit geschuldet, in der wir uns befinden.“
Die Aussagen vom Internationalen Trainerkongress 2024 beschreiben einen Kerngedanken der „Trainingsphilosophie Deutschland“, mit der der Deutsche Fußball-Bund seine Talente entwickeln will. Nach drei enttäuschenden WM-Turnieren ist diese 2023 vorgestellte Strategie ein wesentlicher Baustein auf dem angestrebten Weg zurück in die Spitze.
Der Erfolg der Reformen wird sich letztlich nicht an Jugendtiteln messen lassen, sondern daran, wie viele Spieler in einigen Jahren Stammkräfte in Bundesliga und A-Nationalmannschaft sind.
Was fehlt im deutschen Fußball?
Deutschland bringt derzeit zu wenige außergewöhnliche Individualisten hervor. Die Taktisierung des Fußballs und gegnerorientierte Mannschaftstaktiken haben in den letzten Jahren die Entwicklung der Talente gebremst.
Ziel der Trainingsphilosophie ist: In kleinen Spielformen mit vielen Fußballaktionen, hoher Intensität und mutigem Handeln sollen junge Spieler Spielfreude, Entscheidungsverhalten und Individualität entwickeln. Durch die vielen direkten Duelle werden auch Zweikämpfe in den Vordergrund gestellt – wie es eben auch früher auf dem Bolzplatz war.
„Wir haben an den Realitäten vorbeitrainiert. Deshalb haben wir auch Positionen verloren“, sagte DFB-Direktor Hannes Wolf schon in der Anfangsphase des Projekts. Wolf ist die Schlüsselfigur der Reform.
Wie lange wird es dauern, bis Deutschland wieder Weltklasse ist?
Maßnahmen im Jugendbereich brauchen immer Zeit. Ein Musterbeispiel sind die Weltmeister von 2014. Anderthalb Jahrzehnte zuvor war das EM-Fiasko der Nationalmannschaft beim Vorrundenaus im Jahr 2000 der Startschuss für die Nachwuchsleistungszentren.
14 Jahre später wurde Deutschland mit reihenweise NLZ-Absolventen Weltmeister. Und danach? „Wir haben sicherlich nach dem WM-Titel 2014 den Fehler gemacht, dass wir dann den Schalter nicht umgelegt haben“, sagte DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig bereits im vergangenen Jahr. Passenderweise bei einem Termin zur Trainingsphilosophie.
Wie sieht es im Nachwuchs aus?
Es gibt sie, die Talente. Das unterstreichen etwa EM- und WM-Titel der U17 im Jahr 2023. Doch der Weg in den Profibereich bleibt hart. Finn Jeltsch ist der am weitesten entwickelte Feldspieler und hat sich beim VfB Stuttgart bereits in der Bundesliga etabliert.
Der damalige Kapitän Noah Darvich soll nach seiner Leihe zu Bundesliga-Aufsteiger SV Elversberg den nächsten Schritt machen. Viele Weltmeister spielen noch in Regionalligen, zweiten Mannschaften oder pendeln zwischen Nachwuchs- und Profikader.
Woran hapert es?
U21-Nationalcoach Antonio Di Salvo spricht oft über eine Basis: Jungprofis brauchen Spielzeit. Deutschland scheitert nicht daran, Talente hervorzubringen. Sondern daran, aus ihnen Top-Profis zu machen.
Di Salvo wies einst auf den fallenden Anteil junger deutscher Spieler in der Bundesliga hin – und auf den Anstieg des Anteils ausländischer U23-Spieler. „Das muss sich ändern, wenn wir mit den Nationalteams wettbewerbsfähig bleiben wollen“, forderte er.
Bundesliga-Geschäftsführer Marc Lenz mahnte am Ende der vergangenen Saison Besserungsbedarf an. „Die Nachwuchsarbeit in Deutschland ist gut, aber wir sehen da Luft nach oben“, sagte Lenz. Nur neun deutsche Clubs sind laut Liga unter den Top-100-Akademien in Europa. Die Anzahl der Talente in der Bundesliga sei „signifikant geringer“ als im Ausland.
Wie entwickelt sich die Einsatzzeit?
Während Deutschland 2021/22 bei den Einsatzzeiten heimischer U20- und U21-Spieler noch auf Platz fünf hinter Frankreich, England, Spanien und Italien lag, belegt es laut aktuellen Zahlen inzwischen Rang drei hinter Spanien und Frankreich.
Oft wird die These in den Raum gestellt, dass es Profitrainern an Mut mangele, die Toptalente einzusetzen. Ist es nur das?
„Wenn ein 19-Jähriger nicht mindestens so gut ist wie der 28-Jährige, dann wird ihn kein Trainer aufstellen“, betonte Wolf wiederholt. Deshalb müsse der 19-Jährige so gut ausgebildet werden, dass er besser als der 28-Jährige ist. Dann wird er spielen.
Was machen andere Nationen besonders gut?
Frankreich profitiert von einer riesigen Talentbasis und gibt jungen Spielern früh Verantwortung im Männerfußball. Spanien setzt seit Jahrzehnten auf Technik und Spielintelligenz, integriert Talente früh in seine Spielphilosophie.
England hat seine Nachwuchsausbildung mit dem EPPP (Elite Player Performance Plan) professionalisiert; die hohen Investitionen der Premier League in Akademien und Trainer haben die Entwicklung beschleunigt.
„Ich finde es grundsätzlich schwierig, sich zu viel an anderen zu orientieren“, erklärte Wolf wiederholt. Deutschland müsse bei seinen Rahmenbedingungen den eigenen Weg gehen.
Wie kann der neue U21-Wettbewerb helfen?
Dieser soll für Spieler im Übergang zwischen Nachwuchs- und Profifußball helfen, kann fehlende Bundesliga-Einsätze aber nicht ersetzen. „Orte zu schaffen, wo man spielen und sich entwickeln kann, das macht unglaublich Sinn“, sagte Wolf. Interessant: Er wendete sich bei seinen Worten im März auch an Klopp.
„Ich habe Jürgen schon gratuliert. Das ist wahrscheinlich die am schnellsten eingeführte Liga in der deutschen Fußballgeschichte.“ Klopp kennt ein solches Modell aus England, empfahl es Deutschland – und er zählt zu den prominentesten Unterstützern der Reform. (dpa/red)
Jürgen Klopp kann nur mit Einverständnis von Red-Bull-Chef Mintzlaff (r.) Bundestrainer werden. (Archivbild) - Foto: Jan Woitas/dpa
Auch die größte Hürde auf dem Weg zum Engagement von Jürgen Klopp als Bundestrainer ist genommen. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat nach dpa-Informationen beim Gipfeltreffen mit Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff eine Einigung erzielt.
Details zu den Resultaten des Termins der Bosse in München wurden bisher nicht bekannt. Aber die letzten Hindernisse eines Klopp-Wechsels von Red Bull zum Deutschen Fußball-Bund sind demnach aus dem Weg geräumt.
Klopp kann den Top-Job übernehmen, der nach dem frühen WM-Aus gegen Paraguay und dem folgenden Rücktritt von Julian Nagelsmann vakant ist. Er würde damit der 13. Chefcoach der Nationalmannschaft werden. Vor einer offiziellen Verkündung müssen allerdings noch die zuständigen DFB-Gremien zustimmen.
Jürgen Klopp ist bald neuer Bundestrainer.
Foto: Tom Weller/dpa
„Ein möglicher Vertrag muss final in einer gemeinsamen Sitzung von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der DFB GmbH und Co. KG beschlossen werden“, hatte der Verband bereits nach dem Treffen von Neuendorf und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke mit Klopp am vergangenen Samstag in New York klargemacht.
Kompensation für Red Bull noch nicht bekannt
Mit Mintzlaff dauerte die Klärung nur einen Sitzungstag. Zu welchen Bedingungen Red Bull Klopp aus dem bis 2029 datierten Vertrag als Head of Global Soccer entlassen wird, ist noch nicht bekannt. Zur Diskussion steht, inwiefern Klopp auch als Bundestrainer für das Unternehmen tätig sein kann oder ob eine Ablöse fällig wird. Diese wollte der DFB möglichst vermeiden.
Zuletzt hatte es geheißen, dass es nicht um eine Abfindung in Millionenhöhe für Red Bull ginge, sondern eher symbolhafte Aktivitäten mit Klopp als Repräsentant möglich wären. Ein entsprechendes Statement ließ nach dem persönlichen Treffen von Neuendorf mit Mintzlaff vorerst auf sich warten.
Die Zusammenkunft mit dem Top-Manager war der nächste Schritt im ausgemachten Klopp-Fahrplan des DFB. „Beide Seiten sind zuversichtlich, dass die Verhandlungen – vorbehaltlich einer Einigung mit Klopps derzeitigem Arbeitgeber Red Bull – letztlich erfolgreich abgeschlossen werden können“, hieß es in einer Mitteilung des Verbandes.
„Eckpunkte“-Einigung mit Klopp: Bernd Neuendorf (l) und Hans-Joachim Watzke haben in New York ihr Ziel erreicht. (Archivbild)
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Klopp-Treffen mit Mintzlaff beim WM-Finale
Erwartet wird auch noch eine direkte Zusammenkunft von Klopp mit Mintzlaff. Diese dürfte allerdings nicht mehr maßgeblich für ein grundsätzliches Zustandekommen des großen Sommer-Deals sein. Red-Bull-Geschäftsführer Mintzlaff soll zum WM-Finale reisen, das am Sonntag in East Rutherford vor den Toren von New York stattfindet.
Eine finale Einigung scheint schon vorher möglich. Auch eine Präsentation Klopps als Bundestrainer könnte schon in der kommenden Woche nach dessen Rückkehr nach Deutschland stattfinden.
BVB-Chef: Klopp als „Rundum-Problemlöser-Paket“
Sportchef Lars Ricken von Klopps ehemaligen Arbeitgeber Borussia Dortmund sieht nach der erneut verkorksten Weltmeisterschaft besonders die Bundesliga-Vereine in der Pflicht. Klopp als wahrscheinlich künftiger Bundestrainer sei zwar das „Rundum-Problemlöser-Paket“. Doch könne er allein nicht Heilsbringer des deutschen Fußballs sein, sagte Ricken beim BVB-Trainingsauftakt.
„Der Nationaltrainer ist dafür verantwortlich, dass die Spieler, die er zur Verfügung hat, das maximale Ergebnis rausholen“, führte Ricken aus. „Für die Ausbildung der Spieler kann der DFB natürlich gewisse Leitplanken vorgeben. Aber letztendlich sind wir als Vereine dafür verantwortlich und in der Pflicht, die Spieler so auszubilden, dass sie auch bei einer Weltmeisterschaft den Unterschied machen.“
Erfolgreich von Mainz bis Liverpool
Klopp war nach vielen Jahren als Vereinstrainer seit Januar 2025 für Red Bull tätig. Der Job des Nationaltrainers wäre Neuland für ihn. Klopp führte den FSV Mainz 05 in die Bundesliga (2004). Mit Dortmund wurde er zweimal deutscher Meister (2011, 2012) und einmal DFB-Pokalsieger (2012).
2015 wechselte er nach England und übernahm den FC Liverpool. Auch die Reds leitete er als Chefcoach zum Meistertitel (2020) und Pokalsieg (2022). Der größte Triumph gelang ihm 2019 mit dem Gewinn der Champions League, dem sportlich bedeutendsten Titel im Club-Fußball.
Die ersten vier Länderspiele in der kommenden Saison finden innerhalb von zehn Tagen zwischen dem 24. September und 4. Oktober mit den Partien der Nations League in den Niederlanden, zweimal gegen Griechenland und gegen Serbien statt. Klopp hätte also noch ausreichend Zeit, mit potenziellen Stützen des Neustarts wie DFB-Kapitän Joshua Kimmich zu sprechen. (dpa/red)
Bei Erlangen musste am 14. Juli auf dieser Straße der Verkehr umgeleitet werden, nachdem im Zuge eines Unwetters Bäume umgestürzt sind. - Foto: Bernd März/Fotoreportextremwetter.tv/dpa
Bei einem schweren Unwetter in der Region um Nürnberg sind am Dienstagabend mehrere Menschen verletzt worden. Ein Mensch sei in Nürnberg von einem umstürzenden Baum getroffen und mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert worden, teilte die Feuerwehr mit.
Betroffen von der „sehr plötzlich entstandenen Extremwetterlage“ am Abend waren nach Angaben der Feuerwehr die Städte Nürnberg, Fürth und Erlangen sowie die Landkreise Nürnberger Land und Erlangen-Höchstadt.
Innerhalb von fünf Stunden ging bei der Integrierten Leitstelle Nürnberg demnach die Rekordzahl von rund 3.000 Notrufen ein.
Die Feuerwehr rückte zu rund 1.100 Einsätzen wegen umgestürzter Bäume, vollgelaufener Kellern, überfluteter Straßen sowie Schäden an Dächern aus. Zudem hätten sich zahlreiche Verkehrsunfälle ereignet.
Auch der Nürnberger Flughafen war betroffen. Dort mussten nach Angaben der Feuerwehr Sturmschäden an Gebäuden, Überschwemmungen infolge des Starkregens sowie Schäden an der Infrastruktur beseitigt werden. Der Flugbetrieb wurde zeitweise eingestellt.
Drei Flüge wurden nach Angaben des Flughafens umgeleitet, vier Flüge verspäteten sich. Später am Abend lief der Flugbetrieb wieder an.
Heute weitere Gewitter erwartet
Der Deutsche Wetterdienst rechnet in seiner aktuellen Vorhersage damit, dass es heute Früh in Sachsen und im Süden des Landes gewittrige Regenfälle mit Starkregengefahr geben wird. Örtlich sind demnach auch Unwetter möglich.
Bis in die Vormittagsstunden könnte es laut DWD am Erzgebirge und in der Oberlausitz sowie von Oberschwaben bis in den Süden Oberbayerns gewittrige Regenfälle geben. Dabei ist Starkregen zwischen 20 und 35 Liter pro Quadratmeter binnen kurzer Zeit möglich. Vereinzelt könne es auch extremen Starkregen mit mehr als 40 Liter pro Quadratmeter geben, hieß es.
Die gewittrigen Regenfälle im Süden und Sachsen sollen dann aber bis zum Mittag nachlassen. Ab dem Nachmittag sind dann vor allem in der Südhälfte wieder einzelne kräftige Gewitter möglich.
Örtlich besteht Unwettergefahr durch heftigen Starkregen, Hagel und orkanartige Böen. Im übrigen Bundesgebiet soll es weitgehend trocken bleiben. (afp/dpa/red)
Bundeskanzler und Ministerpräsident erinnern an die Flutnacht. - Foto: Boris Roessler/dpa
Es ist ein Tag der Trauer, des Mutmachens, des Zuhörens, aber auch der Versprechen: Am fünften Jahrestag der tödlichen Flut in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Ahrtal der Opfer der Flutnacht vom Juli 2021 gedacht und die Konsequenzen daraus hervorgehoben.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) bat im Beisein von Merz bei der zentralen Gedenkveranstaltung auf dem Marktplatz von Bad Neuenahr-Ahrweiler die Menschen für das Versagen des Staates um Entschuldigung und erntete dafür Applaus.
Mehrere Hundert Menschen nehmen an der Gedenkfeier teil.
Foto: Hannes P. Albert/dpa
Merz spricht von Pflicht staatlicher Organisationen
Kanzler Merz sicherte in seiner Rede vor rund 1.000 Menschen allen von Natur- und Klimakatastrophen bedrohten oder betroffenen Menschen Unterstützung zu.
„Ich möchte es mit Nachdruck sagen: Kein Mensch, keine Stadt, keine Region darf und soll in unserem Land alleine bleiben mit der Furcht vor Katastrophen und Naturgewalten, mit der Furcht vor den Folgen des Klimawandels, den wir erleben“, sagte er.
Steinmeier, der zuvor in der Kapelle des Friedhofs in Ahrweiler einen Kranz niederlegte, sagte: „Dieser Tag ist auch ein Auftrag an uns alle, mit unseren Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass Hochwasserkatastrophen mit den Folgen, wie wir sie hier erlebt haben, sich möglichst nicht wiederholen.“
Die Flut in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen war eine der verheerendsten Naturkatastrophen in der jüngeren deutschen Geschichte. Nach tagelangem Starkregen verwandelte sich vor allem die Ahr in ihrem engen Tal in eine verheerende Sturzflut.
Mindestens 136 Menschen kamen in Rheinland-Pfalz ums Leben, 49 in Nordrhein-Westfalen. Mehrere Hundert wurden verletzt. Eine Person aus der Ahr-Region gilt bis heute als vermisst. Viele Überlebende kämpfen noch immer mit psychischen Folgen.
Der Staat habe damals sein Versprechen nicht eingehalten, seine Bürger zu schützen, sagte Ministerpräsident Schnieder.
„Der Staat hat in dieser Frage und in dieser Nacht versagt.“
Fehlbarkeit habe dazu geführt, dass das Ahrtal nicht auf diese Katastrophe vorbereitet gewesen sei. Schnieder war zum Zeitpunkt der Flutkatastrophe CDU-Landtagsabgeordneter.
Ausstellung zeigt Porträts von Menschen aus der Region
Sowohl Schnieder als auch der Bundespräsident waren am Vormittag bei der Eröffnung der Fotoausstellung „We Ahr Strong. Fünf Jahre, ein neuer Blick“ in Altenahr im Kreis Ahrweiler. Sie zeigt Porträts von Menschen aus der Region und erzählt unter anderem, was ihnen in der schweren Zeit geholfen hat, worauf sie stolz oder welche Zukunftsvisionen sie haben.
Der 89-jährige Eberhard Schimanski aus Ahrweiler erzählte: „Alles, was ich geliebt habe, ging in dieser einen schrecklichen Nacht verloren.“
Seine Frau sei ihm in einer Flutwelle aus den Armen gerissen worden. Mittlerweile blickt er mit Zuversicht in die Zukunft. „Mir ist das Leben noch mal geschenkt worden, nach fünf Jahren nach dieser Flut.“
Eberhard Schimanski verlor in der Flutnacht alles, was er liebte.
Foto: Hannes P. Albert/dpa
„Fünf Jahre später ist der Schmerz und das Leid nicht vergessen“, sagte Steinmeier. „Aber wenn wir hier sind, dann erinnern wir nicht nur an den Ort einer Katastrophe, sondern auch an einen Ort, der ein beeindruckendes Maß an Solidarität erfahren hat.“
Die Flut miterlebt hat die parteilose Landrätin des Kreises Ahrweiler, Cornelia Weigand. Damals war sie noch Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr. Die Ausstellung zeige, dass von der Flut mehr geblieben sei als Zerstörung.
„Manche Verluste sind unersetzlich.“
Sie bat den Bund um Öffnung der Aufbauhilfefonds für Hochwasserrückhaltebecken.
Schnieder bei Lebenshilfe in Sinzig
Allein zwölf Menschen waren in der Flutnacht in der Lebenshilfe in Sinzig ums Leben gekommen. Am späten Nachmittag besuchte Schnieder das neu renovierte Haus der Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung am Unterlauf der Ahr.
„Das war die schlimmste Nacht, die ich je in meinem Leben erlebt habe“, sagte Carola Körbel, die damals in der Einrichtung wohnte. „Einer der gestorben ist, ist mein bester Freund gewesen.“ Das Wasser sei so hoch gewesen, sagte sie und zeigt mit ihrer Hand eine Höhe über ihrem Kopf.
Schnieder stattete auch der Lebenshilfe in Sinzig einen Besuch ab, allein dort waren in der Flutnacht zwölf Menschen ums Leben gekommen.
Foto: Thomas Frey/dpa
Katastrophenschutz besser aufgestellt
Nach der Flut wurden Reformen im Katastrophenschutz angestoßen, darunter ein Sirenen-Förderprogramm und die Einführung von Cell Broadcast als Warnsystem.
Damit können Warnmeldungen direkt an alle Mobiltelefone gesendet werden, die zu einem Zeitpunkt in einem bestimmten Gebiet im Netz sind. In Rheinland-Pfalz entstand in der Folge unter anderem auch ein neues Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz.
Merz betonte, es sei Pflicht staatlicher Organisationen, Vorsorge zu treffen, wo Gefahren die Vorsorgekraft des Einzelnen übersteigen würden. In den von der Flutkatastrophe betroffenen Gebieten erwarte man zu Recht, dass die Bundespolitik über die Aufbauhilfefonds hinaus ihren Anteil an der Unterstützung der Betroffenen leiste. (dpa/red)
Die Bundesstraße durch das Ahrtal ist hinter einem Tunnel von der Sturzflut im Juli weggerissen worden. (Archivbild) - Foto: Thomas Frey/dpa
Das Hochwasser im Jahr 2021 zählt zu den größten Katastrophen der Bundesrepublik. Mehr als 180 Menschen starben im Ahrtal in Rheinland-Pfalz und in den betroffenen Gebieten Nordrhein-Westfalens.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erinnerte gemeinsam mit dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Gordon Schnieder (CDU) in Bad Neuenahr-Ahrweiler an die damaligen Ereignisse.
Schnieder hat um Entschuldigung für das Versagen des Staates gebeten. Es sei das Versprechen des Staates, seine Bürger zu schützen, sagte Schnieder am Dienstagabend bei einer Gedenkveranstaltung in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dieses Versprechen sei bei der Katastrophe nicht eingehalten worden – „dafür bitte ich als Ministerpräsident um Entschuldigung“.
Dank an die Helfer
„Die Flut von 2021 war eine Warnung, eine unmissverständliche“, sagte Steinmeier bei einer Gedenkstunde im Landtag von NRW in Düsseldorf in Bezug auf den Klimaschutz. Deutschland müsse sich „besser schützen – mit Warnsystemen, die jeden erreichen, mit einem Hochwasserschutz, der auf diese Verhältnisse eingestellt ist, mit Kommunen, die vorbereitet sind“, sagte der Bundespräsident.
Er lobte die „Solidarität in ungeahntem Ausmaß“ der Menschen untereinander. Aus dem ganzen Land seien Menschen gekommen, mit Schaufeln, Eimern, Werkzeug und Kuchen und hätten angepackt, „auch als die Fernsehkameras längst wieder abgezogen waren“, sagte er.
(l-r) Rheinland-Pfalz’ Ministerpräsident Gordon Schnieder, seine Stellvertreterin Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Pascal Rowald, Bürgermeister von Bad Neuenahr am 14. Juli 2026 auf dem Weg zur Friedhofskapelle in Ahrweiler.
Foto: Boris Roessler/POOL/AFP via Getty Images
Auch NRWs Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) forderte mehr Anstrengungen für den Klimaschutz. „Das ist die große Lehre auch aus der Hochwasserkatastrophe vor fünf Jahren“, sagte Wüst in der Gedenkstunde. Ein reiner Wiederaufbau reiche nicht. „Es muss besser werden als vorher.“
Wüst dankte den Helfern, die bis an den Rand der Erschöpfung vor fünf Jahren gearbeitet hätten. Aus allen Ecken Deutschlands hätten sich Menschen auf den Weg gemacht, die einfach helfen wollten. Die überwältigende Hilfsbereitschaft habe den Betroffenen gezeigt, dass sie nicht allein sind.
Um 19 Uhr findet in Bad Neuenahr-Ahrweiler auf dem Marktplatz eine Gedenkveranstaltung statt. Neben Schnieder und mehreren rheinland-pfälzischen Kabinettsmitgliedern wird auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erwartet.
184 Tote, 18 Milliarden Euro Schäden
Im Ahrtal kamen 135 Menschen ums Leben, in Nordrhein-Westfalen gab es 49 Todesopfer. Zu den 184 Toten kommen mehr als 800 zum Teil schwer verletzte Menschen und Schäden von mehr als 18 Milliarden Euro.
In Rheinland-Pfalz waren 65.000 Menschen betroffen, in Nordrhein-Westfalen mehr als 20.000 Haushalte – viele der Betroffenen verloren sämtliches Hab und Gut.
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Aufräumarbeiten nach der Flutkatastrophe in Ahrtal, Deutschland. 4. September 2021.
Foto: Thomas Lohnes/Getty Images
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Im stark verwüsteten Ahrtal gehen die Aufräumarbeiten unvermindert weiter.
Foto: Thomas Frey/dpa/dpa
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Die Ahr im zerstörten Ort Marienthal.
Foto: Philipp von Ditfurth/dpa/dpa
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Auf einem Sportplatz im Ahrtal werden Wohncontainer für Flutopfer aufgestellt.
Foto: Thomas Frey/dpa/dpa
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Meterhoch türmen sich im Juli 2021 Wohnwagen, Gastanks, Bäume und Schrott an einer Brücke über der Ahr in Altenahr.
Foto: Boris Roessler/dpa
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Trotz des verheerenden Hochwassers fehlt den Menschen in Deutschland laut Fachleuten das Risikobewusstsein für extreme Wetterereignisse.
Foto: Thomas Frey/dpa
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Das Ahrtal nach dem Hochwasser 2021.
Foto: Thomas Lohnes/Getty Images
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Eine Frau hält das Porträt ihrer verstorbenen Tochter bei einer Mahnwache zum Gedenken an die Opfer von 2021. In Mainz sind 135 Kreuze als Erinnerung niedergelegt worden.
Foto: Andreas Arnold/dpa
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Dernau im Ahrtal, 4. August 2021. Die zerstörten Bahngleise lassen die Wucht des Wassers erahnen, der Flutschatten am Haus links den Wasserstand – auf Höhe der Mitte der Fenster im ersten Obergeschoß.
Foto: Thomas Lohnes/Getty Images
Kein Ende des Wiederaufbaus
Bei Privatleuten ist der Wiederaufbau größtenteils abgeschlossen. In den Kommunen dagegen läuft der Wiederaufbau von Straßen, Brücken und öffentlichen Gebäuden weiter. Ein Ende ist noch nicht abzusehen.
Insbesondere beim Wiederaufbau der Brücken geht es viel langsamer voran als gedacht. Das ist im Fall neuer Hochwasser gefährlich: Die bisher errichteten Provisorien könnten bei starkem Hochwasser mitgerissen werden und dann als Bollwerk Wasser anstauen.
Schon die beim Hochwasser 2021 zerstörten Brücken galten wegen ihrer Bauweise als ein Grund dafür, dass die Fluten so verheerend ausfielen – es sammelte sich dort rasch Treibgut, das Wasser staute sich stark. Die neuen Brücken sollen deshalb deutlich mehr Wasser durchlassen – Planung und Bau brauchen viel Zeit.
Die alte Landgrafenbrücke in Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde durch die Flutkatastrophe 2021 total zerstört. (Archivbild)
Foto: Thomas Frey/dpa
Wie viel Geld floss für die Aufbauhilfe?
Der Bund legte kurz nach der Katastrophe den mit 30 Milliarden Euro gefüllten Fonds Aufbauhilfe 2021 auf. Nach jüngsten Angaben der Bundesregierung flossen aus diesem Vermögen bislang aber nur 6,2 Milliarden Euro ab.
Inzwischen können keine neuen Anträge mehr gestellt werden, es werden allerdings noch laufende Anträge abgearbeitet. Das Land Nordrhein-Westfalen bewilligte daneben 4,7 Milliarden Euro, das Land Rheinland-Pfalz 3,7 Milliarden Euro an Wiederaufbauhilfe.
Viele Menschen starben 2021, weil es keine ausreichende Warnung vor dem Hochwasser gab. Seit 2023 werden als Konsequenz aus der Hochwasserkatastrophe Warnungen an die Bevölkerung über Cell Broadcast verschickt. Auch wenn Nutzer nicht die Warnapp Nina installiert haben, bekommen sie trotzdem eine automatische Warnung. Diese geht zielgenau in bestimmten Funkzellen.
Außerdem wurde bei der Sirenentechnik der Trend umgekehrt. Über Jahre hatten Städte und Gemeinden ihre Sirenen abgebaut – nach der Hochwasserkatastrophe wurden auch mit Hilfe eines Förderprogramms des Bundes wieder tausende neue Sirenen errichtet. Allein das am meisten betroffene Rheinland-Pfalz installierte fast 900 neue Sirenen.
Hier verlief die Ahrtalbahn. Sie wurde völlig zerstört.
Foto: Matthias Kehrein
Bevölkerungsschutz hat sich verbessert
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe stuft den Schutzstatus in Deutschland als besser ein als vor 2021.
Als zentrale Konsequenz schaffen Bund, Länder und Kommunen trotz der föderalen Struktur in Deutschland einheitliche Standards für das Krisenmanagement – unklare Zuständigkeiten galten als eines der Hemmnisse für eine effektive Hilfe. Ein im Mai beschlossener Pakt für den Bevölkerungsschutz soll dafür sorgen, dass es weitere Verbesserungen gibt.
Sind die betroffenen Regionen nun sicher vor Hochwasser?
Eine aktuelle Studie der Deutschen Umwelthilfe stuft das Hochwasserrisiko im besonders betroffenen Landkreis Ahrweiler auch fünf Jahre später als hoch ein. Insgesamt hat nach dieser Studie ein Viertel aller Landkreise in Deutschland ein hohes Risiko für schwere Hochwasser.
Viele Bundesländer setzen auf technische Maßnahmen, etwa den Bau von Deichen. Nach einer Studie des BUND floss hier in den vergangenen Jahren das meiste Geld.
Allerdings halten es die Umweltschützer für wesentlich sinnvoller, den Flüssen größere Ausweichflächen zu geben und Auenlandschaften wiederherzustellen. Kritiker werfen den Kommunen vor, weiterhin zu viele Flächen zu versiegeln, indem dort gebaut wird.(afp/red)
Auswanderung beginnt nicht an der Grenze, sondern im Kopf. Immer mehr Fachkräfte stellen sich die Frage: Bleiben oder gehen? - Foto: iStock/BalkansCat
In Kürze:
67 Prozent der Beschäftigten können sich laut einer Umfrage vorstellen, im Ausland zu arbeiten.
Besonders auswanderungsbereit sind gut qualifizierte Fachkräfte und Besserverdiener.
Die wichtigsten Gründe für den Wegzug: mehr Netto, geringere Steuer- und Abgabenlast, bessere Lebensqualität.
Bei den Rückwanderungen nach Deutschland sind qualifizierte Fachkräfte unterrepräsentiert.
Deutschland, ein Auswanderungsland? Nicht die Masse macht Sorgen, sondern wer über einen Weggang nachdenkt. 2025 wanderten laut Statistischem Bundesamt knapp 290.000 deutsche Staatsangehörige aus – ein Rekordwert, seitdem die Wanderungszahlen veröffentlicht werden. Wenn man die knapp 192.000 Rückkehrer abzieht, verzeichnet Deutschland damit einen Nettoverlust von rund 97.000 deutschen Staatsangehörigen. Zum Vergleich: 2024 lag dieser Wert noch bei 81.000 Personen, die gingen.
Warum immer mehr Beschäftigte den Blick ins Ausland richten
Zwar erlebt Deutschland bislang keine Massenabwanderung seiner Fachkräfte, dennoch stellen sich mehr Beschäftigte zunehmend eine Frage, die vor zehn oder 20 Jahren deutlich seltener gestellt wurde: Warum eigentlich hierbleiben? Vor allem Besserverdiener und gut Qualifizierte planen oder sind bereits dabei, ihr Heimatland zu verlassen.
Konkret: 67,2 Prozent der Befragten einer Indeed-Erhebung können sich grundsätzlich einen Job im Ausland vorstellen, so das aktuelle Ergebnis der Umfrage der Stellenplattform unter 1.000 Beschäftigten. Dass viele nicht nur mit dem Gedanken spielen, sondern bereits Taten folgen lassen wollen, zeigt, dass rund 30 Prozent der Befragten innerhalb eines Jahres aktiv nach Stellen gesucht haben. Jeder Zehnte hat bereits Bewerbungen verschickt.
Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, doch sie deutet auf einen Stimmungswandel hin: Gerade diejenigen, die vielversprechende Chancen auf dem internationalen Arbeitsmarkt haben, prüfen zunehmend Alternativen.
Denn nicht Menschen ohne Perspektive denken über einen Wechsel nach, sondern gerade gut qualifizierte Fachkräfte und Besserverdiener. Mehr als die Hälfte der Haushalte mit über 6.000 Euro monatlichem Nettoeinkommen hat laut der Befragung den internationalen Arbeitsmarkt bereits sondiert oder sucht konkret nach Alternativen im Ausland.
Nicht Karriere, sondern Lebensqualität und Steuerlast
In Deutschland wird seit Jahren über Fachkräftemangel diskutiert. Die politische Debatte kreist vorwiegend um Einwanderung, Ausbildung und demografischen Wandel. Sehr viel seltener wird eine andere Frage gestellt, die sich auch angesichts dieser Umfrageergebnisse auftut: Warum verliert Deutschland Menschen, die bereits hier sind?
Aufschluss darüber können möglicherweise weitere Ergebnisse der Indeed-Umfrage geben. Den Ausreisewilligen geht es demnach um eine bessere Bezahlung (50,8 Prozent) als in Deutschland, eine höhere Lebensqualität (50,7 Prozent) und um eine geringere Steuer- und Abgabenlast (41,5 Prozent).
Mehr als 70 Prozent der Umfrageteilnehmer monieren in Bezug auf den heimischen Arbeitsmarkt, dass die steuerliche Belastung hierzulande in keinem angemessenen Verhältnis zum Verdienst steht. Lediglich 24 Prozent der Befragten sehen im Ausland bessere berufliche Aufstiegsmöglichkeiten.
Was sich in den vergangenen Jahren verändert hat
Ein Blick zurück zeigt, wie stark sich die Motive verändert haben. Eine Erhebung von 2008, die in einen Bericht der OECD von 2015 einfloss, zeigt: Zu dieser Zeit erwarteten noch 70 Prozent der damals Befragten im Ausland eine bessere Stellung am Arbeitsmarkt, inklusive besserer Verdienst- und Entwicklungsmöglichkeiten. Zu dieser Zeit verbanden 25 bis 40 Prozent Deutschland mit hohen Steuern, Bürokratie und fehlender Offenheit in der Gesellschaft.
Zudem zitiert der OECD-Bericht eine Studie, in der zwischen 2009 und 2013 knapp 9.000 in Deutschland geborene Personen befragt wurden: Würden Sie bei Gelegenheit gern dauerhaft ins Ausland ziehen? Das Ergebnis: 83 Prozent wollten in Deutschland bleiben, 15 Prozent wünschten sich, lieber anderswo zu leben. Von denjenigen, die ihre Auswanderungspräferenz in den Jahren 2010, 2011 oder 2013 äußerten (insgesamt 728 Befragte), planten lediglich 4 Prozent, innerhalb der nächsten zwölf Monate tatsächlich ins Ausland zu ziehen.
Von denen, die ins Ausland gingen, waren schon damals viele gut ausgebildete Menschen, beschrieb die OECD in ihrem Bericht von 2015. Darin steht auch:
„Erwerbstätige deutsche Auswanderer üben häufig Berufe mit hohem Qualifikationsniveau aus.“
Bei den Rückwanderungen hingegen seien allerdings „Personen mit hoher Beschäftigungsfähigkeit unterrepräsentiert“.
Kurz gesagt: Schon damals verließen überdurchschnittlich häufig gut qualifizierte Erwerbstätige Deutschland. Unter den Rückkehrern waren Hochqualifizierte dagegen seltener vertreten.
Bereits vor mehr als zehn Jahren empfahl die OECD deshalb eine Politik, die die Bedürfnisse deutscher Auswanderer stärker berücksichtigt und eine Rückkehr erleichtert. Heute wirkt diese Empfehlung aktueller denn je.
Aktuell konzentriert sich die politische Debatte in Deutschland vordergründig darauf, wie Fachkräfte gewonnen und zusätzliche Steuereinnahmen generiert werden können. Aktuell werden höhere steuerliche Belastungen für Vermögende und Gutverdiener geplant. Zudem ist die Rede von einer möglichen Erhöhung der Mehrwertsteuer, genauso wie von höheren Steuern für Zigaretten und Alkohol. Nach dem aktuellen Regierungsentwurf des Bundeshaushalts 2027 sollen zukünftig außerdem Kryptogewinne genauso wie Kapitaleinkünfte besteuert werden.
Ebenso wird debattiert, die zehnjährige Haltefrist bei Immobilien abzuschaffen. Das bedeutet, dass Immobilienverkäufe künftig unabhängig von der Haltedauer immer mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert würden.
Weit weniger diskutiert wird darüber, welche Signale dadurch an diejenigen gesendet werden, die bereits heute einen erheblichen Teil der Steuern und Sozialabgaben tragen und aufgrund ihrer Qualifikation oft auch weltweit gefragt sind.
Für einen Teil dieser Leistungsträger könnten solche Ankündigungen den Eindruck verstärken, dass sich die Rahmenbedingungen in Deutschland weiter verschlechtern.
Hinzu kommt ein weiterer, volkswirtschaftlicher Aspekt, der in der Debatte kaum thematisiert wird: Hinter jeder hochqualifizierten Fachkraft, die Deutschland verlässt, stehen oft Jahre staatlich finanzierter Ausbildung, Berufserfahrung und damit Wissen, das das Land verlässt.
Viele Kunden, die Fernwärme beziehen, erlebten bereits einen Preisschock: Die Preise haben sich massiv erhöht. - Foto: Thomas Kienzle/AFP via Getty Images
In Kürze:
Fernwärme ist eine wichtige Säule der Wärmewende in Deutschland.
Von aktuell rund 10 Prozent Anteil an der Wärmeversorgung sollen daraus künftig fast fünfmal so viel werden.
Nord- und vor allem ostdeutsche Regionen sind am weitesten mit der Verbreitung.
Das größte Ausbaupotenzial liegt in Ballungsgebieten.
Deutschland befindet sich mitten in einem energetischen Großumbau. Ein zentraler Block davon ist die Wärmewende. Ziel ist es, fossile Brennstoffe möglichst weit zu reduzieren, um eine Dekarbonisierung in der Wärmeversorgung von privaten Haushalten und Unternehmen zu erreichen.
Eine Heizvariante, die in Zukunft eine größere Bedeutung haben soll, ist die Fernwärme. Schon jetzt ist sie nach Gas und Öl die drittwichtigste Heizart in der Bundesrepublik, wenn man nur den Wohnungsbestand betrachtet.
Wie groß ihr Potenzial sein könnte, ermittelte kürzlich das Forschungsinstitut Prognos. Laut ihrem neuen Fernwärmeatlas wäre künftig fast jede zweite Wohnung in Deutschland mit Fernwärme beheizbar.
Fernwärme zu 10 Prozent verbreitet
Im Jahr 2023 deckte die Fernwärme bundesweit 10 Prozent der gesamten Wärmenachfrage ab. Fernwärme kommt meist in Mehrfamilienhäusern zum Einsatz. Bei den Wohnungen lag der Anteil bei 15 Prozent, der aller Gebäude bei 6 Prozent. Bei den Wohnungen stieg diese Quote im darauffolgenden Jahr auf rund 15,5 Prozent. Dass hier ein eher langsames Wachstum stattfindet, zeigt sich am Anteil des Jahres 1998, der damals schon bei 14,3 Prozent lag.
Im Osten und Norden Deutschlands ist die Fernwärme stärker ausgebaut. Damit sind diese Regionen auch prädestiniert für den weiteren Fernwärmeausbau. Berlin, Hamburg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen sind die Bundesländer mit den höchsten Fernwärmeanteilen – heute und morgen.
Manche Städte besitzen bereits ein ausgeprägtes Fernwärmenetz. Klarer Spitzenreiter ist Flensburg im Norden Schleswig-Holsteins mit einem Versorgungsanteil von 94 Prozent. Auf Platz zwei mit einem Fernwärmeanteil von 74 Prozent liegt Wolfsburg in Niedersachsen. Dahinter folgen Rostock, Mannheim und Kiel mit jeweils 51 bis 55 Prozent. Von den Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern besitzen 98 Prozent bereits ein Fernwärmenetz.
Foto: Prognos AG, Fernwärmeatlas, 2026 – in Kooperation mit Handelsblatt und Tagesspiegel Background.
Im Jahr 2020 zählte die Bundesrepublik insgesamt rund 3.800 Wärmenetze. Eine aktuellere Zahl liegt nicht vor. Eine Gesamtzahl der Städte und Ortschaften mit einem oder mehreren Wärmenetzen, ist nicht veröffentlicht. Im Hauptbericht 2024 des Energieeffizienzverbandes für Wärme, Kälte und KWK kommen alle Bundesländer in Summe auf eine Wärmenetzlänge von mehr als 35.000 Kilometer.
In Zukunft halb Deutschland mit Fernwärme versorgt?
Bis zum Jahr 2045 möchte die Bundesregierung die Zahl der angeschlossenen Haushalte etwa verdreifachen und damit knapp ein Viertel des Wärmebedarfs durch Fernwärme decken. Laut Prognos könne der Anteil bis dahin sogar auf knapp 48 Prozent ansteigen. Damit wären rund 20 Millionen Wohnungen an ein Fernwärmenetz angeschlossen.
Davon liegen heute schon rund 11 Millionen Wohnungen in Gebieten mit einem vorhandenen Wärmenetz. Davon wiederum sind rund 6,4 Millionen Haushalte bereits angeschlossen. Die übrigen 4,6 Millionen Wohnungen könnten durch die sogenannte Verdichtung, also die nachträglichen Anschlüsse weiterer Gebäude an eine bestehende Fernwärmeleitung hinzukommen.
In Energie ausgedrückt, lag Deutschlands gesamter Wärmebedarf im Jahr 2023 bei 552 Terawattstunden (TWh). Die Fernwärme lieferte rund 52 TWh oder rund zehn Prozent. Das zukünftige Fernwärmepotenzial wird auf rund 200 TWh geschätzt.
Foto: Prognos AG, Fernwärmeatlas, 2026 – in Kooperation mit Handelsblatt und Tagesspiegel Background.
Laut Prognos könnte in 55 kreisfreien Städten der Fernwärmeanteil künftig bei über 75 Prozent liegen, sofern diese ihre Potenziale vollständig ausschöpfen. Insgesamt haben Städte bessere Voraussetzungen für Fernwärme als Landkreise mit dünnerer Besiedelung – eben aufgrund der höheren Ballungsdichte. Daher ist der Fernwärmeanteil in den Städten im Schnitt vier- bis fünfmal höher als in den Landkreisen.
Je höher die Anschlussdichte, desto wirtschaftlicher die Fernwärme. Wenn mehr Gebäude sich auf einer bestimmten Fläche befinden, ist die Verlegung der Rohre pro angeschlossenem Gebäude günstiger.
10 Bundesländer oder 264 Landkreise (66 Prozent) könnten laut Prognos-Prognose in Zukunft ihre Fernwärme zudem zu mehr als der Hälfte aus lokalen „erneuerbaren“ Energien erzeugen. Zusätzlich könnten auch Luft-Wärmepumpen genutzt werden.
Um das Fernwärmepotenzial besser ausschöpfen zu können, müssen Betreiber vielerorts erst die Netze ausbauen. Manche Regionen besitzen noch gar kein oder kaum ein Fernwärmenetz. Das ist vor allem in ländlichen und dünn besiedelten Gegenden in West- und Süddeutschland der Fall.
Besonders schwach ist die Fernwärme im Bundesland Rheinland-Pfalz ausgebaut. Hier liegt der Fernwärmeanteil nach Wärmeverbrauch bei nur 3 Prozent. Kaum besser sieht es mit jeweils 5 Prozent in Hessen und Niedersachsen aus. Auch in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen liegt der Fernwärmeanteil noch im einstelligen Prozentbereich.
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Fernwärmeanteile nach Wärmeverbrauch in den verschiedenen Bundesländern.
Foto: Prognos AG, Fernwärmeatlas, 2026 – in Kooperation mit Handelsblatt und Tagesspiegel Background.
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Bestand und Ausbaupotenziale der Bundesländer bei der Fernwärme.
Foto: Prognos AG, Fernwärmeatlas, 2026 – in Kooperation mit Handelsblatt und Tagesspiegel Background.
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Das Fernwärmepotenzial von Wohnungen nach Regionen.
Foto: Prognos AG, Fernwärmeatlas, 2026 – in Kooperation mit Handelsblatt und Tagesspiegel Background.
Das mengenmäßig größte Ausbaupotenzial besitzt das bevölkerungsstärkste Bundesland NRW. Besonders das Rhein-Ruhrgebiet ist das größte deutsche Ballungszentrum mit entsprechend großem Fernwärmeausbaupotenzial. Mit Berlin, Rhein-Main, Hamburg, München und Stuttgart leben in diesen Ballungszentren rund die Hälfte der deutschen Bevölkerung.
Wie funktioniert Fernwärme überhaupt?
Die Fernwärme besitzt eine zentrale Heizstruktur. An einem Ort entsteht die Wärme, die über ein Rohrsystem direkt zu angeschlossenen Wohnhäusern und Betrieben gelangt. Dort heizt sie Räume über die üblichen Heizsysteme und kann zugleich für Warmwasser sorgen.
Die Erzeugungseinheit ist meist eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage, die Wärme aus Erdgas, Kohle, Biomasse, Müllverbrennung oder industrieller Abwärme gewinnt und aufgrund ihrer Größe effektiver arbeitet als verteilte Einzelanlagen. Der Wärmetransport erfolgt über Wasserleitungen.
Das neue Heizwerk Memmingen-Benningen wurde am 12. März 2026 eingeweiht. Es kombiniert einen Hackschnitzelkessel mit lokalen erneuerbaren Energiequellen, darunter ein nahegelegener Solarpark.
Foto: Sean Gallup/Getty Images
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Die zentral erzeugte Wärme gelangt durch gut isolierte Wasserleitungen zu den Verbrauchern.
Foto: joruba/iStock
Zwei große Ziele
Das Forschungsinstitut hat im Zuge der Transformation der Fernwärme zwei klare Ziele benannt. Das erste Ziel stellt wie erwähnt den Ausbau der Wärmenetze und den Anschluss von weiteren Kunden dar, während das zweite Ziel die Dekarbonisierung der Fernwärmeerzeugung ist.
Bezüglich ersterem sollen besonders die Neuanschlüsse baldmöglichst mehr Tempo erfahren. Vor fünf Jahren lag die jährliche Zubaurate bei 25.000 bis 35.000 neuen Anschlüssen in Wohn- und Nichtwohngebäuden. Anvisiert sind bis zum Jahr 2030 jedoch rund 100.000 neue Gebäude pro Jahr, was einer Verdrei- bis Vervierfachung entspricht. Wie hoch die Chancen stehen, dass ein Fernwärmenetz tatsächlich gebaut wird, hängt allerdings unter anderem von Faktoren wie der Finanzierung ab.
Das Zweite soll die Klimabilanz verbessern. Dafür streben die Akteure eine Reduzierung der Verwendung fossiler Brennstoffe an. Gleichzeitig spielen bei der Fernwärmeerzeugung laut Prognos erneuerbare Energien und Abwärme eine immer größere Rolle. Das erklärte Ziel der Bundesregierung ist die Klimaneutralität der Fernwärmeversorgung bis 2045.
Doch selbst wenn eine Fernwärmeleitung existiert oder neu gebaut wird, ist nicht immer garantiert, dass in einer Region auch alle Gebäude daran angeschlossen werden. Hierzu äußerte sich Stefan Beismann, Firmenkundenvorstand bei der DZ-Bank, gegenüber dem „Handelsblatt“. Er warnte:
„Wenn man ein Fernwärmenetz auf 10.000 Abnehmer auslegt, aber dann entscheiden sich 7.000 Bürger in dem Gebiet für eine Wärmepumpe, wird sich das Netz unter den heutigen Bedingungen nicht rentieren.“
Beismann machte deshalb klar, dass Landesbürgschaften ein wichtiger Baustein dafür sein könnten, dass Stadtwerke einen besseren Zugang zu Finanzierungen für Fernwärmeprojekte bekämen.
Weitere Möglichkeiten seien Haftungsfreistellungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie eine Finanzierung über die kommunalen Träger. Deshalb dürften die kommunalen Wärmepläne auch nur grobe Anhaltspunkte sein.
Fernwärme bietet den Verbrauchern Vor- und Nachteile. Das Gute daran ist, dass diese Heizart einen hohen Komfort bietet. Im Gegensatz zu einer Öl- oder Gasheizung gibt es keinen Heizkessel und andere Komponenten. Nur ein Wärmetauscher befindet sich im Gebäude. Das spart Platz.
Hinzu kommt eine staatliche Förderung für den Anschluss ans Fernwärmenetz. Die Boni sind dieselben wie bei der Förderung für Wärmepumpen. Je nachdem, für welche Boni die Bedingungen erfüllt sind, kann die Förderquote bis zu 70 Prozent betragen.
Fernwärme ist auf Verbraucherseite wartungsarm und läuft meist zuverlässig. Technisch ist teils auch die Fernkälteversorgung möglich, sodass weder eine eigene Heizungs- noch Klimaanlage nötig ist. Im Schadensfall hat der Verbraucher jedoch praktisch keine Möglichkeit, selbst aktiv zu werden.
Zugleich haben Fernwärmekunden keine Anbieterwahl wie Gaskunden. Es herrscht ein Quasi-Monopol mit fester Bindung an den entsprechenden Netzbetreiber. Daher sind Fernwärmeverträge größtenteils langfristiger Natur und zeigen selbst regional große Preisunterschiede. Die Umstellung auf ein anderes Heizsystem ist immer mit erheblichen Kosten einer kompletten Neuanschaffung verbunden.
Der Preis bildet sich aus einem Grund- und einem Arbeitspreis, ähnlich wie beim Stromtarif. Demnach variiert der Arbeitspreis typischerweise zwischen 12 und 20 Cent pro Kilowattstunde. Im Zuge der Energiekrise erlebten viele Fernwärmekunden Anfang 2024 eine hohe Nachzahlungsaufforderung von teils über 1.000 Euro sowie Tarifanpassungen nach oben.
Das zeigt, dass die Fernwärme aktuell noch stark an die Preise für fossile Energieträger gebunden ist. Mit der geplanten Dekarbonisierung soll die Fernwärme künftig weniger anfällig für Krisen dieser Art sein. Inwiefern das gelingt und wie sich die Preise für diese Heizart entwickeln werden, bleibt abzuwarten.
Die EU-Kommission schlägt eine Reform des europäischen Emissionshandels für Industrie und Luftverkehr vor. (Symbolbild) - Foto: Michael Kappeler/dpa
Die EU-Kommission hat weitere deutsche Staatshilfen für die Produktion von Halbleitern genehmigt. Bund und Länder dürfen vier Standorte in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Hessen und Bayern mit insgesamt 659 Millionen Euro fördern, wie die Kommission am Dienstag mitteilte. Gehen die Profite der neuen Produktion über aktuelle Erwartungen hinaus, soll Geld zurück an den Staat fließen.
Förderung für vier Standorte
Mehr als die Hälfte der nun genehmigten Mittel fließen in den Neubau einer Halbleiterfabrik im Raum Aachen. Weitere 214 Millionen Euro gehen an den Ausbau einer Fabrik in Itzehoe. In Hessen wird die Herstellung optischer Geräte für die Chipherstellung gefördert, in einer Fabrik bei München sollen zwei spezielle Halbleiter produziert werden.
Staatshilfen sind in der EU nur erlaubt, wenn sie einem übergeordneten Ziel dienen, in diesem Fall dem Aufbau einer europäischen Halbleiterindustrie. Deutschland hat in den vergangenen Monaten und Jahren bereits eine Reihe von Förderungen an die Branche vergeben.
Die größte Subvention fließt mit fünf Milliarden Euro an das Halbleiterwerk der taiwanischen Firma TSMC in Dresden. (afp/red)
Angehörige der französischen Streitkräfte fahren am 14. Juli 2026 mit gepanzerten Mehrzweckfahrzeugen vom Typ VBMR Griffon bei der jährlichen Militärparade zum Nationalfeiertag auf der Avenue des Champs-Élysées in Paris. - Foto: Ludovic MARIN / AFP via Getty Images
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und 23 weitere Staats- und Regierungschefs haben am Dienstag, in Paris die bislang größte Militärparade zum französischen Nationalfeiertag mitverfolgt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte die Spitzenvertreter der Partnerländer in der Pro-Ukraine-Koalition zu den Feierlichkeiten am 14. Juli eingeladen.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (Mitte) gestikuliert neben dem britischen Premierminister Keir Starmer (links), dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (3. von links) und seiner Frau Olena Selenska (2. von links), der Präsidentin der französischen Nationalversammlung, Jaçel Braun-Pivet (4. von links), der Frau des französischen Präsidenten, Brigitte Macron (Mitte-rechts), dem Präsidenten des französischen Senats, Gérard Larcher (3. von rechts), und dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz (2. von rechts) auf der Place de la Concorde während der jährlichen Militärparade zum französischen Nationalfeiertag am 14. Juli 2026 in Paris.
Foto: Benoit Tessier / POOL / AFP via Getty Images
Etwa 500 Soldaten aus Ländern, die zur sogenannten Koalition der Willigen zählen, marschierten bei der Parade auf der Prachtstraße Champs-Elysées mit.
Bundeswehr beteiligt sich an Parade
Zu den Teilnehmern zählten 21 Bundeswehrsoldaten des Artilleriebataillons 295 aus Stetten am kalten Markt, das der Deutsch-Französischen Brigade untersteht. Auch vier Flugzeuge der Bundeswehr flogen bei der Flugschau mit: ein Eurofighter, eine A400M und zwei C-130J.
Die Kunstfliegerstaffel Patrouille de France eröffnete wie üblich die Militärparade mit einem Flug über die Champs-Elysées, bei dem sie blau-weiß-rote Rauchwolken am Himmel hinterließ – die französischen Nationalfarben. Die neun Alphajets wurden von zwei Mirage-Jets begleitet, in denen ukrainische Kopiloten saßen, die in Frankreich ausgebildet worden waren. Unter den Fußtruppen waren 25 ukrainische Soldaten der Präsidentengarde.
Auf der Ehrentribüne saß Macron neben seiner Frau Brigitte, umgeben von zahlreichen Staats- und Regierungschefs, unter ihnen der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der britische Premierminister Keir Starmer, der polnische Regierungschef Donald Tusk und seine dänische Kollegin Mette Frederiksen.
Rekordbeteiligung bei der Militärparade
Insgesamt marschierten rund 6700 Teilnehmer zu Fuß mit, so viele wie nie zuvor. Auf dem Programm standen zudem 98 Flugzeuge, 31 Hubschrauber und 315 Fahrzeuge.
Frankreich wolle auf diese Weise „die Wiederaufrüstung Frankreichs, seine strategische Autonomie und das strategische Erwachen Europas“ würdigen, betonte der Elysée.
Es ist zugleich für Macron der letzte Nationalfeiertag im Amt, im Frühjahr 2027 stehen Präsidentschaftswahlen in Frankreich an.
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Truppen bereiten sich am 14. Juli 2026 in Paris auf der Avenue des Champs-Élysées – mit dem Arc de Triomphe im Hintergrund – auf die jährliche Militärparade zum Bastille-Tag vor.
Foto: Ludovic MARIN / AFP via Getty Images
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Foto: Ludovic MARIN / AFP via Getty Images
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Französische Streitkräfte fahren am 14. Juli 2026 während der jährlichen Militärparade zum Bastille-Tag auf der Avenue des Champs-Élysées in Paris gepanzerte Mehrzweckfahrzeuge vom Typ VBMR Griffon.
Erstmals mussten sich Zuschauer zuvor anmelden, um einen QR-Code zu erhalten, der ihnen Zugang verschafft. Die Präsenz der zahlreichen Staats- und Regierungschefs spreche für verschärfte Sicherheitsmaßnahmen, erklärte der Staatsrat.
Weitere Unterstützung für die Ukraine
Am Vortag hatten etwa zwei Dutzend Staats- und Regierungschefs der Ukraine-Unterstützerkoalition sich bei einem Treffen in Paris auf eine weitere Unterstützung für Kiew verständigt.
Macron gab bekannt, dass die Ukraine 16 französische Rafale-Kampfjets kaufen wolle. Die geplante internationale Schutztruppe soll in den kommenden Monaten erstmals gemeinsame Manöver in Nachbarländern der Ukraine unternehmen. (afp/red)
China beherrscht den Markt für zahlreiche wichtige Rohstoffe, während die EU bei der Förderung und Verarbeitung stark abhängig bleibt. (Archivbild) - Foto: Leonie Asendorpf/dpa
Die Europäische Union ist nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts nicht ausreichend mit einer eigenen Förderung von Rohstoffen wie Kobalt, Germanium und Seltenen Erden versorgt. Die Rohstoffe kämen „fast vollständig aus dem Ausland“, teilte das Institut zu einer am Dienstag, den 14. Juli, veröffentlichten Studie mit. Die EU laufe deshalb Gefahr, ihre selbst gesteckten Ziele für die Rohstoffversorgung zu verfehlen.
Ziele für mehr Unabhängigkeit
Brüssel hat eine Liste der Rohstoffe aufgestellt, die für Batterien, Halbleiter, erneubare Energien und die Rüstungsindustrie unverzichtbar sind. Bis 2030 will die EU zehn Prozent ihres Bedarfs dieser Rohstoffe selbst aubbauen, 40 Prozent selbst verarbeiten und ein Viertel selbst recyceln. Außerdem sollen nicht mehr als 65 Prozent eines Rohstoffs von einem einzigen Lieferanten stammen.
China dominiert den Markt
Neun der vom Ifo untersuchten Rohstoffe werden der Studie zufolge bislang gar nicht in Europa abgebaut. Die Anteile der EU an der weltweiten Förderung bleiben marginal, während China den Weltmarkt für zahlreiche der wertvollen Metalle dominiert und Patente für die Verarbeitung hält.
Ifo warnt vor langwieriger Erschließung
„Europa sollte bereits heute stabile Partnerschaften mit rohstoffreichen Ländern aufgebaut haben und eigene Vorkommen systematisch erschließen, bisher gibt es aber kaum mehr als Absichtserklärungen und zu viele Unklarheiten“, erklärte Ifo-Forscherin Isabella Gourevich. In der EU gebe es zwar zahlreiche unerschlossene Vorkommen, die Erschließung einer Mine dauere aber bis zu 18 Jahre.
EU sucht neue Handelspartner
Die EU hat in den vergangenen Monaten mehrere Handelsabkommen geschlossen, die auf die Versorgung mit Rohstoffen abzielen. Australien sagte der EU zu, die Zölle auf Rohmaterialien zu senken und von Exportbeschränkungen abzusehen. Im Handel mit Indonesien sicherte sich die EU nach Angaben aus Brüssel eine Vorzugsbehandlung, auch wenn Ausfuhrzölle bestehen bleiben. (afp/red)
In Neu Wulmstorf brannte ein Verteilerkasten der Deutschen Bahn, die Polizei geht von Brandstiftung aus. - Foto: Sebastian Peters/NEWS5/dpa
Ein mutmaßlicher Brandanschlag an der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Cuxhaven hat den Zugverkehr lahmgelegt. Im niedersächsischen Neu Wulmstorf habe in der Nacht ein Verteilerkasten gebrannt, teilte die Polizei mit. Die Behörde geht von Brandstiftung aus.
Eine Bahnsprecherin sagte, das Feuer habe die Schieneninfrastruktur beschädigt, Zugfahrten im Abschnitt zwischen Hamburg-Neugraben und Buxtehude in Richtung Stade seien derzeit nicht möglich, eine Prognose zur Dauer der Sperrung auch nicht. Zuvor hatte die „Hamburger Morgenpost“ berichtet.
Schienenersatzverkehr rollt
Für den betroffenen S-Bahn Verkehr der Linie S5 wurde nach Bahn-Angaben ein Schienenersatzverkehr mit Bussen und Taxen zwischen Neugraben und Stade eingerichtet. Zwischen Pinneberg und Hammerbrook war demnach die S5 den Angaben zufolge im Zehn-Minuten-Takt unterwegs, zwischen Hammerbrook und Wilhelmsburg waren wegen geplanter Bauarbeiten Busse als Ersatzverkehr im Einsatz. Letzteres betraf auch die Linie S3.
Die Züge der RE5 zwischen Hamburg und Cuxhaven über Harburg, Buxtehude und Stade fuhren laut Bahn ebenfalls nicht. Zwischen Stade und Cuxhaven wurde ein Schienenersatzverkehr eingesetzt. Die Bahn riet Reisenden, sich vor Fahrtantritt zu informieren und eine längere Fahrtzeit einzuplanen.
Polizei: Signalleitungen wurden beschädigt
Nach Polizeiangaben meldete ein Zeuge gegen 1.15 Uhr Feuerschein an einem Technikgebäude eines Bahnübergangs. Als die ersten Rettungskräfte eintrafen, war dieses Feuer nahezu erloschen – allerdings brannte in 50 Metern Entfernung ein Verteilerkasten.
Dieses Feuer beschädigte den Angaben zufolge Signalleitungen, der Zugverkehr wurde daher unterbrochen. Die Feuerwehr löschte den Brand.
Die Polizei sicherte Spuren an den Brandstellen. Diese Spuren sprächen für Brandstiftung, sagte ein Polizeisprecher. Die Täterschaft sei aber noch unklar. Die Polizei sucht seinen Worten zufolge dringend nach Zeugen.
Mutmaßlicher Brandanschlag auf Bahnstrecke auch in NRW
In Nordrhein-Westfalen hatte am Wochenende ebenfalls ein mutmaßlicher Brandanschlag eine wichtige Bahnstrecke lahmgelegt, zahlreiche Kabel an der Hauptstrecke zwischen Düsseldorf und Köln wurden von Bränden in Kabelschächten beschädigt.
Es kam auch zu einem Böschungsbrand, der von der Feuerwehr gelöscht wurde. Sicherheitskreise vermuteten einen Sabotageakt.
Auf der linken Plattform indymedia.org tauchte ein mutmaßliches Bekennerschreiben auf, die Ermittler gingen davon aus, dass der Brand vorsätzlich gelegt wurde. Am frühen Samstagabend wurde die gesperrte Strecke für Züge freigegeben. (dpa/red)
Foodwatch untersucht seit Jahren die Vermarktung von Lebensmitteln und kritisiert irreführende Werbung sowie ungesunde Produkte für Kinder. (Archivbild) - Foto: John Macdougall /AFP via Getty Images
Eine Umfrage der Verbraucherorganisation Foodwatch hat ein Nahrungsergänzungsmittel der Marke LaVita zur „dreistesten Werbelüge“ des Jahres gekürt. 39 Prozent der gut 66.000 Teilnehmer an der Online-Umfrage stimmten für das „Mikronährstoffkonzentrat“ als Kandidat für den Negativpreis „Goldener Windbeutel“, wie Foodwatch am Dienstag, den 14. Juli mitteilte.
Nach Angaben der Organisation besteht das Produkt größtenteils aus Fruchtsaftkonzentrat und kostet dennoch umgerechnet 100 Euro pro Liter.
„LaVita kassiert Verbraucher mit dem Wunsch nach Gesundheit kräftig ab“, erklärte Alina Nitsche von Foodwatch. „Der Saft steht beispielhaft für die Abzocke mit irreführenden Gesundheitsversprechen.“
Das als „Saubertrank“ beworbene Produkt besteht zu 70 Prozent aus Fruchtsaftkonzentrat sowie aus zugesetzten Vitaminen und Nährstoffen – „teilweise überdosiert“, wie Foodwatch ergänzt.
„Der Markt für Lebensmittel mit Vitaminzusatz und Supplements boomt, kontrolliert wird er kaum“, kritisiert Nitsche. „Bund und Länder müssen die Lebensmittelüberwachung endlich so ausstatten, dass sie Verbrauchertäuschung stoppen kann.“
Auch Backpulver und Joghurt auf der Negativliste
Auf Platz zwei im Negativranking landete mit 21,9 Prozent der abgegebenen Stimmen das „Airfryer Backin Backpulver“ von Dr. Oetker. Es wird als Innovation für die Heißluftfritteuse beworben, unterscheidet sich laut Foodwatch aber nicht vom „deutlich günstigeren“ Standardbackpulver. Der Preis ist demnach mindestens doppelt so hoch.
Knapp dahinter mit 20,8 Prozent landete der Joghurt Matcha Mango von Andechser Natur. Die vermeintlich zentrale Zutat Matcha macht laut Foodwatch nur 0,1 Prozent des Joghurts aus. Für die grünliche Farbe sorgt demnach auch das Algenpulver Spirulina.
Die Organisation verleiht den „Goldenen Windbeutel“ seit 2009, um auf das Problem der Verbrauchertäuschung im Lebensmittelbereich hinzuweisen. (afp/red)
Die Bundesstraße durch das Ahrtal ist hinter einem Tunnel von der Sturzflut im Juli weggerissen worden. (Archivbild) - Foto: Thomas Frey/dpa
Das Hochwasser im Jahr 2021 zählt zu den größten Katastrophen der Bundesrepublik. Mehr als 180 Menschen starben im Ahrtal in Rheinland-Pfalz und in den betroffenen Gebieten Nordrhein-Westfalens.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erinnert heute gemeinsam mit dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Gordon Schnieder (CDU) in Bad Neuenahr-Ahrweiler an die damaligen Ereignisse. Er wird auch bei einer Gedenkstunde im Landtag von NRW in Düsseldorf dazu sprechen.
Um 19 Uhr findet in Bad Neuenahr-Ahrweiler auf dem Marktplatz eine Gedenkveranstaltung statt. Neben Schnieder und mehreren rheinland-pfälzischen Kabinettsmitgliedern wird auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erwartet.
184 Tote, 18 Milliarden Euro Schäden
Im Ahrtal kamen 135 Menschen ums Leben, in Nordrhein-Westfalen gab es 49 Todesopfer. Zu den 184 Toten kommen mehr als 800 zum Teil schwer verletzte Menschen und Schäden von mehr als 18 Milliarden Euro.
In Rheinland-Pfalz waren 65.000 Menschen betroffen, in Nordrhein-Westfalen mehr als 20.000 Haushalte – viele der Betroffenen verloren sämtliches Hab und Gut.
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Aufräumarbeiten nach der Flutkatastrophe in Ahrtal, Deutschland. 4. September 2021.
Foto: Thomas Lohnes/Getty Images
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Im stark verwüsteten Ahrtal gehen die Aufräumarbeiten unvermindert weiter.
Foto: Thomas Frey/dpa/dpa
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Die Ahr im zerstörten Ort Marienthal.
Foto: Philipp von Ditfurth/dpa/dpa
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Auf einem Sportplatz im Ahrtal werden Wohncontainer für Flutopfer aufgestellt.
Foto: Thomas Frey/dpa/dpa
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Meterhoch türmen sich im Juli 2021 Wohnwagen, Gastanks, Bäume und Schrott an einer Brücke über der Ahr in Altenahr.
Foto: Boris Roessler/dpa
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Trotz des verheerenden Hochwassers fehlt den Menschen in Deutschland laut Fachleuten das Risikobewusstsein für extreme Wetterereignisse.
Foto: Thomas Frey/dpa
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Das Ahrtal nach dem Hochwasser 2021.
Foto: Thomas Lohnes/Getty Images
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Eine Frau hält das Porträt ihrer verstorbenen Tochter bei einer Mahnwache zum Gedenken an die Opfer von 2021. In Mainz sind 135 Kreuze als Erinnerung niedergelegt worden.
Foto: Andreas Arnold/dpa
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Dernau im Ahrtal, 4. August 2021. Die zerstörten Bahngleise lassen die Wucht des Wassers erahnen, der Flutschatten am Haus links den Wasserstand – auf Höhe der Mitte der Fenster im ersten Obergeschoß.
Foto: Thomas Lohnes/Getty Images
Kein Ende des Wiederaufbaus
Bei Privatleuten ist der Wiederaufbau größtenteils abgeschlossen. In den Kommunen dagegen läuft der Wiederaufbau von Straßen, Brücken und öffentlichen Gebäuden weiter. Ein Ende ist noch nicht abzusehen.
Insbesondere beim Wiederaufbau der Brücken geht es viel langsamer voran als gedacht. Das ist im Fall neuer Hochwasser gefährlich: Die bisher errichteten Provisorien könnten bei starkem Hochwasser mitgerissen werden und dann als Bollwerk Wasser anstauen.
Schon die beim Hochwasser 2021 zerstörten Brücken galten wegen ihrer Bauweise als ein Grund dafür, dass die Fluten so verheerend ausfielen – es sammelte sich dort rasch Treibgut, das Wasser staute sich stark. Die neuen Brücken sollen deshalb deutlich mehr Wasser durchlassen – Planung und Bau brauchen viel Zeit.
Die alte Landgrafenbrücke in Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde durch die Flutkatastrophe 2021 total zerstört. (Archivbild)
Foto: Thomas Frey/dpa
Wie viel Geld floss für die Aufbauhilfe?
Der Bund legte kurz nach der Katastrophe den mit 30 Milliarden Euro gefüllten Fonds Aufbauhilfe 2021 auf. Nach jüngsten Angaben der Bundesregierung flossen aus diesem Vermögen bislang aber nur 6,2 Milliarden Euro ab.
Inzwischen können keine neuen Anträge mehr gestellt werden, es werden allerdings noch laufende Anträge abgearbeitet. Das Land Nordrhein-Westfalen bewilligte daneben 4,7 Milliarden Euro, das Land Rheinland-Pfalz 3,7 Milliarden Euro an Wiederaufbauhilfe.
Viele Menschen starben 2021, weil es keine ausreichende Warnung vor dem Hochwasser gab. Seit 2023 werden als Konsequenz aus der Hochwasserkatastrophe Warnungen an die Bevölkerung über Cell Broadcast verschickt. Auch wenn Nutzer nicht die Warnapp Nina installiert haben, bekommen sie trotzdem eine automatische Warnung. Diese geht zielgenau in bestimmten Funkzellen.
Außerdem wurde bei der Sirenentechnik der Trend umgekehrt. Über Jahre hatten Städte und Gemeinden ihre Sirenen abgebaut – nach der Hochwasserkatastrophe wurden auch mit Hilfe eines Förderprogramms des Bundes wieder tausende neue Sirenen errichtet. Allein das am meisten betroffene Rheinland-Pfalz installierte fast 900 neue Sirenen.
Hier verlief die Ahrtalbahn. Sie wurde völlig zerstört.
Foto: Matthias Kehrein
Bevölkerungsschutz hat sich verbessert
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe stuft den Schutzstatus in Deutschland als besser ein als vor 2021.
Als zentrale Konsequenz schaffen Bund, Länder und Kommunen trotz der föderalen Struktur in Deutschland einheitliche Standards für das Krisenmanagement – unklare Zuständigkeiten galten als eines der Hemmnisse für eine effektive Hilfe. Ein im Mai beschlossener Pakt für den Bevölkerungsschutz soll dafür sorgen, dass es weitere Verbesserungen gibt.
Sind die betroffenen Regionen nun sicher vor Hochwasser?
Eine aktuelle Studie der Deutschen Umwelthilfe stuft das Hochwasserrisiko im besonders betroffenen Landkreis Ahrweiler auch fünf Jahre später als hoch ein. Insgesamt hat nach dieser Studie ein Viertel aller Landkreise in Deutschland ein hohes Risiko für schwere Hochwasser.
Viele Bundesländer setzen auf technische Maßnahmen, etwa den Bau von Deichen. Nach einer Studie des BUND floss hier in den vergangenen Jahren das meiste Geld.
Allerdings halten es die Umweltschützer für wesentlich sinnvoller, den Flüssen größere Ausweichflächen zu geben und Auenlandschaften wiederherzustellen. Kritiker werfen den Kommunen vor, weiterhin zu viele Flächen zu versiegeln, indem dort gebaut wird.(afp/red)