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Chinas Yuan erreicht Europas Finanzsystem: Deutsche Bank wird RMB-Clearingbank


In Kürze:

  • Deutsche Bank wird erste europäische RMB-Clearingbank und ermöglicht die direkte Abwicklung grenzüberschreitender Geschäfte in Yuan.
  • China will den Yuan international stärken und seine Abhängigkeit vom US-Dollar sowie vom dollarbasierten Finanzsystem verringern.
  • Der Dollar bleibt vorerst dominant: Experten sehen im Yuan-Clearing eher einen ergänzenden Zahlungsweg als eine echte Alternative zum Dollar.

 
Die Deutsche Bank hat zu Beginn der Woche mitgeteilt, dass die chinesische Zentralbank sie als Clearingbank für Geschäfte mit dem Renminbi (RMB) in Europa eingesetzt hat. Damit kann die Bank die direkte End-to-End-Verarbeitung und Abwicklung grenzüberschreitender RMB-Transaktionen für europäische Finanzinstitute und Unternehmen ermöglichen. Die Deutsche Bank fungiert damit als lokale Brücke zu Chinas Zahlungssystemen und bezeichnet sich als „erste ausländische Bank“, die diese Auszeichnung erhalten habe.

Yuan erhält direkten Zugang zu deutscher Finanzinfrastruktur

Nach Angaben der Deutschen Bank wird die neue Rolle ihre Position als wichtiges Bindeglied zwischen China und den europäischen Finanzmärkten stärken. Zugleich soll dies die Bedeutung Frankfurts als globales Finanzzentrum weiter ausbauen und die RMB-Clearing-Infrastruktur in Europa stärken. Die Ernennung soll effizientere RMB-Zahlungsströme ermöglichen und europäischen Finanzinstituten und Unternehmen den Zugang zu verlässlicher Offshore-RMB-Liquidität erleichtern.
Mit der Entscheidung erhält der chinesische Renminbi, international meist als Yuan bezeichnet, direkten Zugang zur Finanzinfrastruktur eines großen westlichen Landes. Zuvor oblag die internationale Verbreitung den chinesischen Banken selbst. Die Deutsche Bank wird nun zu einem bedeutenden Partner, weil sie Deutschlands größtes Geldinstitut und eine systemrelevante Großbank ist.
Für die kommunistische Führung in Peking ist diese Kooperation ein wichtiger Erfolg bei der Internationalisierung des Yuan. China versucht seit Jahren, die internationale Nutzung seiner Währung auszuweiten.

China will seine Währung international stärken

Durch die Zusammenarbeit können Geschäfte mit China direkt in Yuan abgewickelt werden. Eine Abwicklung über den US-Dollar ist dadurch bei bestimmten Transaktionen nicht mehr zwingend notwendig. Für China hat die Internationalisierung des RMB jedoch nicht nur wirtschaftliche, sondern auch strategische Bedeutung.
Peking möchte alternative Zahlungswege zum dollarbasierten Finanzsystem schaffen und damit langfristig auch die Reichweite amerikanischer Finanzsanktionen verringern. Ein Ersatz für den Dollar ist der Yuan allerdings nicht. Experten sehen im RMB-Clearing zunächst eher einen ergänzenden oder alternativen Zahlungsweg.
Die Vereinbarung könnte dennoch Schule machen. China hofft, dass weitere Banken in Deutschland, Europa, dem Nahen Osten und Asien folgen. Wenn immer mehr Finanzinstitute RMB-Clearing anbieten, könnte schrittweise ein alternatives internationales Abwicklungsnetz entstehen.
Sun Kuo-hsiang, Professor für Internationale Beziehungen und Handel an der Nanhua University in Taiwan, sieht die größten Hindernisse für den Yuan allerdings nicht bei der Zahl der Clearingbanken. Problematisch seien vielmehr „das Fehlen vollständig freier Kapitalströme und Währungskonvertibilität sowie die begrenzte Transparenz und Vorhersehbarkeit der chinesischen Finanzmärkte“, sagte er gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.

US-Dollar-Banknoten werden neben Stapeln von 100-Yuan-(RMB)-Banknoten in einer Bank in Huaibei, Provinz Anhui, China, gezählt.

Foto: AFP via Getty Images

Peking baut alternative Zahlungswege auf

Die chinesische Zentralbank hat als Teil ihres Fünfjahresplans angekündigt, den Yuan-Wechselkurs stabil zu halten und die Nutzung der Währung für internationalen Handel und Investitionen auszuweiten.
Bereits im Juni benannte die chinesische Zentralbank die Standard Bank und die Industrial and Commercial Bank of China gemeinsam als „Renminbi Clearing Bank of Africa“. Diese soll RMB-Transaktionen in 19 afrikanischen Ländern abwickeln.
China baut damit parallele Strukturen auf, um seine Abhängigkeit vom dollarbasierten Clearing zu verringern.
Zu den Aussichten, den Dollar und das darauf basierende SWIFT-System herauszufordern, erklärt Professor Sun: „Die Dominanz des Dollars beruht auf tief verankerten US-Kapitalmärkten, globaler Liquidität, rechtlichem Vertrauen, Reservewährungsstatus und starken Netzwerkeffekten.“ Das RMB-Clearing sei deshalb eher ein „ergänzender oder Backup-Kanal als ein Ersatz für den Dollar“.
Wenn chinesische und deutsche Unternehmen Transaktionen häufiger direkt in Yuan statt in US-Dollar abrechnen, kann China seine Abhängigkeit vom Dollar-System zumindest teilweise reduzieren. Eine wirkliche globale Rolle des Yuan würde jedoch voraussetzen, dass ausländische Zentralbanken und Investoren bereit sind, langfristig RMB-Vermögenswerte zu halten.
Dafür müsste China unter anderem den Kapitalverkehr stärker öffnen, die Konvertierbarkeit des Yuan erweitern und grenzüberschreitende Kapitalströme liberalisieren. Diese Schritte würden allerdings zugleich die Kontrolle Pekings über das Finanzsystem schwächen.

Mögliche Auswirkungen auf die USA

Die Internationalisierung des RMB verfolgt somit zwei Ziele: wirtschaftlich sollen Transaktionskosten reduziert werden, strategisch soll die Abhängigkeit von der US-Finanzinfrastruktur sinken.
Für Washington dürfte deshalb nicht allein die Deutsche Bank entscheidend sein. Größere Bedeutung hätte die Frage, ob weitere europäische Banken folgen. Ein wachsendes RMB-Clearing-Netz könnte die Abhängigkeit vom US-Finanzsystem in einzelnen Bereichen verringern und langfristig die Reichweite amerikanischer Finanzsanktionen schwächen.
Die USA dürften diese Entwicklung deshalb genau beobachten. Möglich wären stärkere regulatorische Kontrollen und eine engere Abstimmung mit europäischen Partnern bei Sanktionen, Geldwäschebekämpfung und China-bezogenen Finanzrisiken.
Besonders sensibel wäre die Nutzung solcher Strukturen zur Umgehung amerikanischer Sanktionen gegen Staaten wie Russland oder Iran. In einem solchen Fall könnten auch Sekundärsanktionen gegen beteiligte Finanzinstitute zum Thema werden.

Deutschland zwischen China, Europa und den USA

Deutschland befindet sich dabei in einem besonderen Spannungsfeld. China bleibt einer der wichtigsten Handelspartner des Landes. Rund 5.000 deutsche Unternehmen sind dort aktiv. Unternehmen wie BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen, BASF und Siemens verfügen über Produktionsstandorte, Lieferketten und langfristige Investitionen in China.

Mitarbeiter arbeiten am 17. Februar 2022 während einer Medientour an einer Produktionslinie im Mercedes-Benz-Automobilwerk in Peking.

Foto: Jade Gao / AFP

Gleichzeitig versucht Deutschland, strategische Abhängigkeiten zu reduzieren. Die politische Linie lautet zunehmend „De-Risking“ statt vollständiger Entkopplung.
Die Deutsche Bank bewegt sich mit ihrer neuen Rolle genau in diesem Spannungsfeld. Für deutsche und europäische Unternehmen kann eine bessere RMB-Clearingstruktur wirtschaftliche Vorteile bringen. Transaktionen mit chinesischen Geschäftspartnern können einfacher und effizienter abgewickelt werden.
Politisch entsteht dadurch jedoch ein Widerspruch: Während die EU über wirtschaftliche Sicherheit, Lieferkettenrisiken und strategische Abhängigkeiten von China spricht, baut eine große europäische Bank gleichzeitig eine Infrastruktur aus, die chinesische Finanzaktivitäten in Europa erleichtert.
Für Peking ist Deutschland deshalb ein wichtiger Partner. Wenn China die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland eng hält, wird es schwieriger, eine vollständig geeinte westliche Wirtschaftsfront gegen China zu bilden.
Die Ernennung der Deutschen Bank könnte damit zum Ausgangspunkt einer größeren Entwicklung werden. Entscheidend wird sein, ob weitere europäische Banken dem Beispiel folgen und der Yuan dadurch zunehmend Teil der europäischen Finanzinfrastruktur wird. Der Dollar dürfte dabei vorerst dominant bleiben.
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Europa zwischen China-Druck und Industriekrise: Die neue Handelskonfrontation


In Kürze:

  • Die EU verschärft ihren Kurs gegen China und plant neue Schutzmaßnahmen für Europas Industrie.
  • Eine CER-Studie warnt vor einem „China-Schock 2.0“ für deutsche Schlüsselbranchen.
  • Mittelständler klagen über wachsenden Konkurrenzdruck durch chinesische Unternehmen.

 
Die Europäische Union stellt sich auf eine deutlich konfrontativere Wirtschaftspolitik gegenüber China ein. Hintergrund ist die wachsende Sorge in Brüssel und den europäischen Hauptstädten, dass zentrale Industriezweige Europas gegenüber staatlich gestützten chinesischen Konzernen zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Besonders Deutschland gerät dabei in den Fokus.
„Deutschland ist das Epizentrum des zweiten China-Schocks“, schreiben die Autoren Sander Tordoir und Brad Setser des Londoner Thinktanks Centre for European Reform (CER) in ihrer neuen Studie „China-Schock 2.0 – die Kosten der Selbstzufriedenheit Deutschlands“. Demnach geraten deutsche Schlüsselindustrien wie Automobilbau, Maschinenbau, Chemie und Luftfahrt zunehmend unter Druck, weil chinesische Unternehmen ihren deutschen Konkurrenten gleichzeitig auf dem chinesischen Markt, auf Drittstaatenmärkten und inzwischen auch innerhalb Europas Marktanteile abnehmen.
Die Autoren beschreiben eine Entwicklung, die weit über normale internationale Konkurrenz hinausgeht. Chinesische Unternehmen verdrängen europäische Hersteller inzwischen gleichzeitig auf dem chinesischen Binnenmarkt, auf Drittstaatenmärkten und zunehmend auch innerhalb Europas selbst. Besonders betroffen sind jene Branchen, die über Jahrzehnte den Kern der deutschen Industrie ausgemacht haben: Automobilbau, Maschinenbau, Chemie, Elektrotechnik und Luftfahrt.
„Doch Berlin wehrt sich nicht, obwohl der Schock die wirtschaftliche Sicherheit des Landes in so wichtigen Branchen untergräbt“, schreiben die Studienautoren. Nach ihrer Einschätzung hat Deutschland die strukturelle Herausforderung durch Chinas industriepolitische Offensive lange unterschätzt und zu stark auf die bisherigen Vorteile enger Wirtschaftsbeziehungen gesetzt.
In Brüssel hingegen wächst die Bereitschaft, den europäischen Binnenmarkt stärker gegen chinesische Überkapazitäten und staatlich subventionierte Exporte abzuschirmen. Die Debatte hat in den vergangenen Wochen deutlich an Schärfe gewonnen. Erst Mitte Mai billigte das Europäische Parlament neue Schutzmaßnahmen für den europäischen Stahlmarkt. Die neuen Regeln sehen vor, zollfreie Importquoten deutlich zu reduzieren und Strafzölle auf zusätzliche Einfuhren massiv anzuheben. Hintergrund sind nach Angaben der EU-Kommission globale Überkapazitäten, die vor allem auf die stark ausgeweitete chinesische Stahlproduktion zurückgeführt werden. Als im Oktober letzten Jahres die Maßnahmen von der Europäischen Kommission auf den Weg gebracht wurden, machte die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen deutlich:
„Ein starker, dekarbonisierter Stahlsektor ist für die Wettbewerbsfähigkeit, die wirtschaftliche Sicherheit und die strategische Autonomie der Europäischen Union von entscheidender Bedeutung. Globale Überkapazitäten schaden unserer Industrie. Wir müssen jetzt handeln.“
Weitere handelspolitische Instrumente werden vorbereitet. Vor allem Frankreich drängt seit Längerem auf eine härtere Linie gegenüber Peking. Nach Informationen von „Euractiv“ haben Frankreich, die Niederlande, Spanien, Italien und Litauen nun kurz vor einer Strategiedebatte der EU-Kommission Ende Mai über China ein gemeinsames Papier vorgelegt, in dem sie eine deutlich robustere europäische Handelspolitik fordern. Das regelbasierte Welthandelssystem werde zunehmend durch „unfaire Handelspraktiken“ untergraben, heißt es darin. Die Staatengruppe schlägt deshalb ein sektorübergreifendes europäisches Schutzinstrument vor, das unter Berufung auf nationale Sicherheitsinteressen zusätzliche Zölle oder Importquoten ermöglichen würde, etwa bei strategisch wichtigen Rohstoffen wie Seltenen Erden. Deutschland beteiligt sich nicht an diesem Vorstoß.

Europa sucht neue Schutzinstrumente

Die CER-Studie legt nun nahe, dass gerade diese Abhängigkeit zu einem Problem geworden ist. Deutschland befinde sich in einer wirtschaftlichen Lage, die in der Nachkriegsgeschichte nahezu beispiellos sei. Die Industrieproduktion sinke seit Jahren, während sich die Exporte deutlich schwächer entwickeln als früher. Besonders schwer wiege der Verlust von Marktanteilen in China selbst. Deutsche Unternehmen würden dort zunehmend durch heimische chinesische Anbieter ersetzt, die technologisch aufholten und zugleich von massiver staatlicher Förderung profitierten.
Nach Darstellung der Autoren ist der aktuelle Entwicklungsschub Chinas keineswegs vorübergehender Natur. Vielmehr basiere er auf tiefgreifenden strukturellen Faktoren. Während viele westliche Volkswirtschaften ihren Schwerpunkt zunehmend auf Dienstleistungen gelegt hätten, investiere China weiterhin massiv in industrielle Produktionskapazitäten. Die Volksrepublik baue ihre Stellung als globale Fertigungsmacht systematisch aus, selbst in jenen Hightech-Bereichen, die bislang als Domäne westlicher Industrien galten.
Besonders deutlich wird dies nach Auffassung der CER-Ökonomen im Automobilsektor. Chinas Autoexporte seien in den vergangenen Jahren explosionsartig gestiegen. Noch vor Kurzem hätten Analysten erwartet, dass China erst gegen Ende des Jahrzehnts rund zehn Millionen Fahrzeuge jährlich exportieren werde. Tatsächlich habe das Land dieses Niveau bereits 2025 erreicht.
Dabei gehe es längst nicht mehr nur um einfache oder günstige Fahrzeuge. Vor allem bei Elektroautos und Batterietechnologien entwickeln chinesische Hersteller erhebliche Wettbewerbsvorteile. China verfüge inzwischen über Produktionskapazitäten von rund 55 Millionen Fahrzeugen pro Jahr, deutlich mehr als der heimische Markt aufnehmen könne. Damit entstehe ein erheblicher Exportdruck auf die internationalen Märkte.

Chinas Industrieoffensive trifft deutsche Schlüsselbranchen

Für Deutschland hat diese Entwicklung besondere Brisanz. Kaum eine große Volkswirtschaft ist so stark von industrieller Wertschöpfung und Exporten abhängig wie die Bundesrepublik. Der Fahrzeugbau, der Maschinenbau und die Chemieindustrie bilden das Rückgrat vieler Regionen. Gerade dort wächst der Konkurrenzdruck aus China besonders stark. Die CER-Studie spricht von einer „schleichenden Erosion“ traditioneller deutscher Industrievorteile.
Hinzu kommt, dass China seine Industrie nach Ansicht der Autoren nicht allein über Marktmechanismen stärkt. Vielmehr spielt staatliche Industriepolitik eine zentrale Rolle. Peking unterstützt strategisch wichtige Branchen mit direkten Subventionen, günstigen Krediten staatlicher Banken, verbilligtem Zugang zu Energie und Rohstoffen sowie einer gezielten Steuerung von Investitionen. Der Internationale Währungsfonds schätzt die chinesischen Industriesubventionen inzwischen auf rund 4,4 Prozent der Wirtschaftsleistung, ein Volumen von etwa 800 Milliarden Dollar jährlich.
Besonders kritisch sehen die Autoren die Kombination aus staatlicher Förderung und schwacher Binnennachfrage in China. Weil der private Konsum vergleichsweise niedrig bleibt, entstehen enorme industrielle Überkapazitäten, die über Exporte auf die Weltmärkte gedrückt werden. Während Chinas Exportvolumen seit der Pandemie massiv gestiegen ist, stagnieren die Importe weitgehend.
Die Folge ist ein wachsender globaler Verdrängungswettbewerb. Europäische Unternehmen verlieren nicht nur Marktanteile in China, sondern zunehmend auch in Europa selbst. Gerade deutsche Hersteller spüren das inzwischen deutlich. Die CER-Autoren verweisen darauf, dass Deutschland traditionell von Chinas Industrialisierung profitiert hat. Deutsche Maschinenbauer, Chemiekonzerne und Automobilhersteller haben über Jahre vom chinesischen Wachstum profitiert. Dieses Modell funktioniert jedoch nicht mehr. China importiert heute deutlich weniger Industriegüter als früher und baut stattdessen eigene Produktionskapazitäten auf.

Der Verlust der alten Arbeitsteilung

Besonders heikel ist die Lage für Deutschland auch deshalb, weil sich die wirtschaftspolitische Debatte bislang stark auf andere Themen konzentriert hat. Hohe Energiepreise, Bürokratie und schwaches Wachstum dominieren die Diskussion. Die CER-Studie bestreitet nicht, dass diese Faktoren relevant sind. Sie argumentiert jedoch, dass der wachsende Konkurrenzdruck aus China inzwischen mindestens ebenso bedeutsam ist. Deutschland leide zunehmend unter dem Verlust internationaler Nachfrage nach seinen Industrieprodukten.
Die Sorgen der CER-Ökonomen decken sich mit aktuellen Daten der staatlichen Förderbank KfW. Deren jüngste Sonderauswertung zum Mittelstand zeigt, dass sich inzwischen fast jedes fünfte kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland wachsendem Konkurrenzdruck aus China ausgesetzt sieht. Besonders betroffen sind das Verarbeitende Gewerbe sowie der Groß- und Einzelhandel.
Bemerkenswert ist dabei, dass chinesische Konkurrenten nach Einschätzung der Unternehmen längst nicht mehr nur über niedrige Preise konkurrieren. Zunehmend geht es auch um Qualität und technologische Leistungsfähigkeit. Rund 13 Prozent der Mittelständler sehen sich bereits einem verstärkten Qualitätswettbewerb aus China ausgesetzt. Im Verarbeitenden Gewerbe liegt der Anteil deutlich höher.
„Der deutsche Mittelstand fühlt sich von chinesischen Konkurrenten zunehmend unter Druck gesetzt. Um die Unternehmen vor Benachteiligungen im Wettbewerb zu schützen, müssen auf EU-Ebene angemessene handels- und industriepolitische Antworten gefunden werden“, sagt KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher.

Mittelstand zwischen Preisdruck und Innovationszwang

Zugleich warnt Schumacher davor, die Probleme allein über handelspolitische Schutzmaßnahmen lösen zu wollen. „Mindestens genauso wichtig ist die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen.“
Tatsächlich wächst die Unsicherheit über die eigene Zukunftsfähigkeit vieler Unternehmen deutlich. Mehr als 40 Prozent der international tätigen Mittelständler rechnen inzwischen mit einer Verschlechterung ihrer Wettbewerbsposition in den kommenden drei Jahren. Nur noch knapp ein Viertel erwartet Verbesserungen. Vor wenigen Jahren war das Verhältnis noch nahezu umgekehrt.
Besonders pessimistisch blicken energieintensive Unternehmen sowie Firmen mit direkten chinesischen Wettbewerbern in die Zukunft. Optimistischer sind dagegen jene Unternehmen, die kontinuierlich in Forschung und Entwicklung investieren. Die KfW sieht darin einen Hinweis darauf, dass Innovationsfähigkeit entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen bleibt.
Die CER-Studie formuliert die strategische Alternative ungewöhnlich offen: Deutschland und die EU müssten entweder ihre Industrie gezielt schützen und ihre wirtschaftspolitischen Instrumente deutlich ausbauen – oder akzeptieren, dass chinesische Überkapazitäten langfristig Teile der europäischen Industrie verdrängen und damit erhebliche wirtschaftliche und soziale Folgen auslösen.