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IWF rechnet mit anhaltendem hohen Energiepreisen


In Kürze:

  • IWF-Chefin Georgiewa rechnet kurzfristig nicht mit einer Entspannung bei den Energiepreisen.
  • Zusätzlich zum Irankrieg wirken noch weitere Faktoren preistreibend.
  • Strom und Gas werden im Winter laut ifo Institut voraussichtlich teurer werden.

 
Die hohen Energiepreise haben die Inflation in Deutschland im September auf 3,3 Prozent getrieben – der höchste Wert seit 2023 – laut vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Auch in anderen Ländern bewegen sich die Verbraucherpreise nach oben.
Ein Hauptgrund dafür ist der Irankrieg – und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge ist nicht mit zeitnaher Besserung zu rechnen.
„Der Preisdruck könnte sich weiter verstärken, da die Nachfrage mit dem Beginn der kalten Jahreszeit auf der Nordhalbkugel steigt und die Länder ihre Reserven wieder auffüllen“, so Kristalina Georgiewa laut Manuskript in einer Rede in Singapur am Mittwoch, 7. Oktober, im Vorfeld der Jahrestagung des IWF und der Weltbank.

IWF-Chefin kritisiert Schuldenpolitik

Der Krieg im Iran sei jedoch nicht der einzige Faktor, der potenziell die Inflation befeuere. Vielmehr seien es mehrere Elemente, die zusammenkämen. Der Boom um die Künstliche Intelligenz spiele dabei ebenso eine Rolle wie Zölle, Rüstungsausgaben und eine hohe Staatsverschuldung.
In diesem Kontext lobte Georgiewa die US-Notenbank Federal Reserve, die Europäische Zentralbank und Japans Notenbank dafür, ihre Leitzinsen zuletzt angehoben zu haben.
Die höheren Leitzinsen hätten die kurzfristigen Zinsen steigen lassen und damit die Kreditaufnahme verteuert, so Georgiewa. Trotz weltweit ausufernder Staatsverschuldung sehe sie „in den hoch verschuldeten Industrieländern keine entschlossenen Maßnahmen, obwohl dringend glaubwürdige mittelfristige Haushaltskonsolidierungspläne benötigt werden“.

Frankreichs Schulden bereiten Ökonomen Sorgen

Dieser Kommentar dürfte auch Frankreich gegolten haben. Dort wird die Gesamtschuldenquote der öffentlichen Haushalte im nächsten Jahr voraussichtlich auf 121,7 Prozent des BIP steigen. Das laufende Haushaltsdefizit könnte im ungünstigsten Fall auf rund 6,5 Prozent steigen.
Die Regierung von Premierminister Sébastien Lecornu hat für 2027 ein Budget vorgelegt, das Einsparungen im Umfang von 54 Milliarden Euro vorsieht. Allerdings spricht wenig für dessen politische Durchsetzbarkeit. Dem Regierungslager fehlt es an einer eigenen Mehrheit im Parlament und es gibt im Parlament weder links noch rechts davon eine ausgeprägte Bereitschaft, den Reformkurs zu unterstützen.
Renommierte Ökonomen haben angesichts von Frankreichs Verschuldung vor einer neuen Schuldenkrise gewarnt.
„Die Schuldenkrise in Frankreich ist sehr ernst“, sagte die Ökonomie-Professorin Ulrike Neyer von der Universität Düsseldorf in der Donnerstagsausgabe der „Rheinischen Post“. In Frankreich gebe es derzeit „eine dramatische Gemengelage aus hohen Schulden, extrem angespannter Haushaltslage, kaum Wirtschaftswachstum, politischen Instabilitäten“. Frankreich sei „derzeit das größte Problem im Euroraum“.
Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sieht vor allem langfristige Probleme. Daher sei ein Kurswechsel in der französischen Finanzpolitik „dringend notwendig“. Sorgen vor einer unmittelbar bevorstehenden Schuldenkrise in Frankreich seien aber übertrieben.

Unternehmen geben höhere Energiepreise an Kunden weiter

Dem ifo Institut zufolge geben Unternehmen die höheren Energiepreise zunehmend auch an ihre Kunden weiter. So stiegen die Preiserwartungen der vom Forschungsinstitut befragten Unternehmen von saisonbereinigt korrigierten 21,4 Punkten im August auf 22,7 im September.
Treibstoffe und Heizöl seien bereits jetzt deutlich teurer, im Winter werden laut ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser zufolge auch die Energieversorger ihre Preise für Strom und Gas weiter anheben. Die Rohölpreise seien bereits deutlich nach oben geschossen. Die Erdgas- und Strompreise erreichten Mitte September den höchsten Stand seit Ende 2022.
Die Preiserwartungen stiegen laut ifo auch in den meisten Wirtschaftsbereichen.
Bei energieintensiven Industrieunternehmen war das Plus besonders deutlich: Dort kletterte der Indikator auf 24,8 gegenüber saisonbereinigt 19,5 Punkten im August. Auch im Handel stieg der Preiserwartungsindikator von 30,0 auf 35,6 Punkte. Bei den nicht energieintensiven Unternehmen fiel die Erhöhung auf 20,4 von 19,2 Punkten moderater aus.
Rückläufig sind die Preiserwartungen bei den Dienstleistern – wo der Wert von 20,9 auf 19,8 Punkte sank.
Mit Material der Nachrichtenagenturen
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Umfrage: Mehrheit gegen Rot-Grün-Rot in Berlin

Die Deutschen lehnen eine mögliche Koalition aus Linken, Grünen und SPD in Berlin größtenteils ab. Das geht aus dem aktuellen „Spiegel“-Ipsos-Politikmonitor hervor.
Mit der Aussage, „SPD und Grüne sollten in Berlin mit der Linken eine Regierung bilden“, stimmten 31 Prozent der Befragten überhaupt nicht überein, weitere 11 Prozent eher nicht.
Gemeinsam lehnten so 42 Prozent der Befragten eine rot-grün-rote Regierung unter Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp ab.
Die Zustimmung zu dem Bündnis fiel mit 37 Prozent etwas geringer aus. 18 Prozent der Befragten stimmten einer Regierungsbildung voll und ganz zu, 19 Prozent eher. Weitere 9 Prozent sagten weder noch.

Quelle: „Spiegel“-Ipsos-Politikmonitor · 2.002 Befragte bundesweit, 30. September bis 4. Oktober 2026 · Rest zu 100 %: nicht ausgewiesen · eigene Darstellung

Berlin hatte Mitte September ein neues Abgeordnetenhaus gewählt, die Linke ging als klare Wahlsiegerin hervor. Wahlsiegerin Eralp hofft auf eine Koalition mit Grünen und SPD, allerdings zögern die Parteien nach Antisemitismusvorwürfen gegen die Linke.

SPD-Anhänger zurückhaltender

Wie uneins sich die politischen Lager über das linke Regierungsbündnis sind, zeigt auch die Aufschlüsselung nach Parteienpräferenz der Befragten.
Im „Spiegel“-Ipsos-Politikmonitor stimmten lediglich Wählende der Linken und Grünen mit großer Mehrheit für eine rot-grün-rote Regierung.
79 Prozent der Befragten Linken-Anhänger stimmten den Gesprächen voll oder eher zu, bei den Grünen waren es 78 Prozent. Mit nur 46 Prozent fiel die Zustimmung im SPD-Lager deutlich geringer aus.

Quelle: „Spiegel“-Ipsos-Politikmonitor · 2.002 Befragte bundesweit, 30. September bis 4. Oktober 2026 · Rest zu 100 %: nicht ausgewiesen · eigene Darstellung

Noch seltener stimmten Anhänger der übrigen Parteien zu. Bei den BSW-Wählenden zeigten sich noch 38 Prozent offen, bei der CDU-Anhängerschaft 26 Prozent.
Bei der FDP stimmten 16 Prozent der Anhänger voll oder eher zu – im AfD-Lager konnten sich nur 7 Prozent für Rot-Grün-Rot begeistern.
Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos hatte im Auftrag des „Spiegel“ vom 30. September bis zum 4. Oktober bundesweit 2.002 Menschen befragt. (dts/red)
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Niedersachsen: 40-Jährige findet vier Meter lange Schlangenhaut auf Gehweg

In Braunschweig hat eine 40-Jährige auf einem Gehweg eine etwa vier Meter lange Schlangenhaut gefunden. Wie die Polizei in der niedersächsischen Stadt am Donnerstag mitteilte, handelt es sich um eine echte Schlangenhaut, die vermutlich von einem Netzpython stammt.
Die Anwohnerin fand die Schlangenhaut demnach am 5. Oktober und übergab sie anschließend der Polizei.
Die Beamten nahmen Ermittlungen wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz auf. Die Schlangenhaut wurde beschlagnahmt. Die Polizei suchte nach Zeugen, die Hinweise auf einen möglichen Besitzer der Schlange geben können.
Netzpythons zählen neben Anakondas zu den größten und schwersten Schlangenarten der Welt.
Die Würgeschlangen fressen hauptsächlich kleinere Tiere und Vögel, für Menschen sind sie nur sehr selten gefährlich. In Südostasien gab es in den vergangenen Jahren aber auch einige Todesfälle. (afp/red)
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Möglicher Puma in Bayern: Polizei sucht jetzt mit Hunden

Nach der möglichen Sichtung eines Pumas im bayerischen Landkreis Erding hat die Polizei am Donnerstag ihre Suche nach dem Tier fortgesetzt.
Die Beamten seien im Gemeindebereich Oberding nahe dem Münchner Flughafen auch mit Hunden unterwegs, um das gesichtete Tier aufzuspüren, teilte ein Sprecher in Ingolstadt mit. Er betonte, dass nach wie vor einem Verdacht nachgegangen werde.
Nachdem die Suche mit Einsatzkräften, Hubschraubern und Drohnen keine Spur des möglichen Pumas gebracht hatte, setzt die Polizei nun auf Hunde.

Rund 15 Einsatzkräfte vor Ort

Zwei Hundeführer sind mit ihren Schäferhunden im Einsatz, insbesondere um etwaige Beute oder Beuteteile zu finden, wie die Polizei mitteilte. Zudem suchen Beamte nach dem Tier.
Insgesamt seien derzeit rund 15 Personen vor Ort und sechs im Innendienst mit der Suche beschäftigt.
Dabei nehme man Rücksicht auf das Naturschutzgebiet und die dort lebenden Tiere, betonte der Leiter der Polizeiinspektion Erding, Sebastian Pinta. Die Hunde seien angeleint und suchten punktuell – ausgehend vom Ort der Sichtung.

Tierart weiterhin unklar

Bislang verlief die Suche im Notzinger Moos ohne Ergebnis. Auch Hinweise aus der Bevölkerung, von denen einige eingingen, haben bisher keine konkreten Spuren erbracht.
Bereits am Mittwoch hatten Einsatzkräfte das Naturschutzgebiet aus der Luft mit einem Hubschrauber und Drohnen sowie am Boden durchkämmt. Auch der Einsatz einer Wärmebildkamera in der Nacht blieb ohne Erfolg.
Ein Jäger hatte am späten Dienstagabend mit einem Nachtsichtgerät ein verdächtiges Tier gesehen und gefilmt. Ein Experte hält es nach Auswertung der Aufnahmen für möglich, dass es sich um einen Puma handelt.
Laut Landratsamt ist jedoch unklar, um welche Tierart es sich handelt. Auch woher das Tier stammen könnte, ist unbekannt. (dpa/afp/red)
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„Verrückt, aber ich wollte es versuchen“: Französin Huby entwickelt Raumkapsel

Falls in zwei Jahren wie geplant eine europäische Frachtkapsel an der Internationalen Raumstation ISS andockt, dann wird dies nicht zuletzt das Verdienst einer Französin sein.
Die Unternehmerin Hélène Huby hat vor fünf Jahren das Raumfahrtunternehmen The Exploration Company (TEC) gegründet, das Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Freitag in Bordeaux besuchen wollen.
„Wir planen das erste Andocken des Frachtfahrzeugs an die ISS im November 2028“, sagte die 48 Jahre alte Huby im September bei einem internationalen Weltraum-Treffen in Paris. Macron hatte sie dafür zur Sonderbotschafterin ernannt.

Ein Unternehmen auf Erfolgskurs

The Exploration Company hat 450 Millionen Dollar bei Investoren eingeworben und einen Vertrag in Höhe von 760 Millionen Euro mit der Europäischen Raumfahrtagentur ESA unterzeichnet. Darin ist festgehalten, dass die Nyx-Kapsel an Bord einer Ariane-6-Rakete ins All befördert werden soll.
Doch Huby hat längst größere Pläne: Die Raumkapsel Nyx soll langfristig auch Astronauten ins All befördern, dabei mehrfach nutzbar sein und auf verschiedene Trägerraketen passen. Auch eine eigene Trägerrakete soll entwickelt werden.
„Mein Traum: In zehn Jahren starten wir von Kourou mit unseren Raketen, mit einer bemannten Kapsel an der Spitze. Wir landen in Australien, starten erneut, dann landen wir in Indien und starten wieder“, sagte sie im März in einem Interview. Sie habe das Unternehmen gegründet, „um Europa einen Platz am Tisch der Weltraumnationen zu sichern“.

Hélène Huby (2.r) bei einer Rede am 10. September in Paris. Neben ihr Daniel Neuenschwander (l.), Direktor für bemannte Raumfahrt und Robotik bei der Europäischen Weltraumorganisation, François Jacq (2.v.l), Geschäftsführer des Centre National d’Études Spatiales, und der Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation, Josef Aschbacher (r).

Foto: Lou Benoist/AFP via Getty Images

Von Eliteschulen zum Orion-Raumschiff

Huby hat mehrere französische Eliteschulen durchlaufen und war am renommierten Lycée Henri IV zeitweise Mitschülerin von Macron. „Emmanuel war schon damals außergewöhnlich, er hatte eine große Ausstrahlung und innere Energie“, erinnerte sie sich später.
Ihre ersten Berufsjahre verbrachte sie unter anderem als Journalistin in Brüssel und bei einem Start-up in Deutschland, bis sie 2013 beim Luftfahrtunternehmen Airbus Vizechefin für die Raumfahrtstrategie wurde und sich fortan dem Weltall zuwandte.
Zeitweise war sie für das in Europa entwickelte Servicemodul des Orion-Raumschiffs der NASA zuständig, das wieder Astronauten zum Mond bringen soll. Das Servicemodul versorgt dabei die Raumkapsel mit Antrieb, Strom und Sauerstoff.

Eine europäische Alternative zu SpaceX

Huby sagte später, dass es frustrierend gewesen sei, auf alter Technologie aufzubauen und ein Modul zu entwickeln, das am Ende verglühen würde. Sie war fasziniert von SpaceX, das die teils wiederverwertbare Trägerrakete Falcon 9 auf den Markt brachte.
In ihr reifte die Idee, eine europäische Alternative zu SpaceX aufzubauen. „Ich wusste, dass es verrückt war, aber ich wollte es versuchen“, sagte sie 2024 dem Fachmagazin „Ars Technica“. Sie gründete The Exploration Company mit einem Team von vier Leuten und einem Startkapital von 50.000 Dollar.
Inzwischen ist sie ihrem Ziel ein großes Stück näher gekommen. Das Unternehmen brachte bereits zwei Testkapseln ins All: Die 40 Kilo schwere „Bikini“ wurde 2024 auf dem Jungfernflug der Ariane 6 ins All gebracht. Sie sollte die Rückkehr aus dem Orbit testen, verblieb aber wegen technischer Probleme der Ariane im All und wurde zu Weltraumschrott.
TEC-Chefin Hélène Huby im Jahr 2025. (Archiv)

TEC-Chefin Hélène Huby im Jahr 2025. (Archiv)

Foto: Matthias Balk/dpa

Auch Teilerfolge liefern Daten

Eine zweite Kapsel namens „Mission possible“ erreichte 2025 mit einer Falcon 9 den Orbit. Auch der kontrollierte Wiedereintritt in die Atmosphäre gelang. Doch dann gab es ein Problem mit dem Fallschirm, und die Kapsel ging im Pazifik verloren.
Für Huby waren es keine Fehlschläge, im Gegenteil: „Selbst ein Teilerfolg liefert Daten, die Risiken künftiger Flüge verringern“, betonte Huby, die es neben ihrer Arbeit auch noch schafft, vier Kinder großzuziehen, Tennis und Cello zu spielen.
Während die Raumfahrt ein Feld scharfer internationaler Konkurrenz geworden ist, vertritt Huby einen anderen Ansatz: „Unsere Mission ist es, Raumfahrzeuge über nationale Grenzen hinweg zu bauen, um Frieden und Kooperation im All zu fördern“, sagt sie. Auf der Website ihres Unternehmens prangt der Spruch: „Space for all“ – (Welt-) Raum für alle.  (afp/red)
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Die 15-Minuten-Formel: Wie Sie das Nachmittagstief stoppen und der clevere Kaffee-Trick vor dem Nickerchen

Zwei Stunden Mittagspause – wer kann sich das heute noch vorstellen? Während meiner Arbeit in einer traditionellen Apotheke auf dem Land erlebte ich genau das: Die Mitarbeiter sollten in Ruhe nach Hause gehen können, warm essen und eine echte Mittagsruhe halten.
Ich, damals Anfang 20, hatte dafür wenig Verständnis und wollte lieber moderne, flexible Arbeitszeiten. Früher nach Hause zu gehen oder später zu beginnen kam mir besser vor als den Arbeitstag mit einer so langen Pause zu unterbrechen.
Heute zeigt die moderne Forschung jedoch, was nicht nur die Apotheker der früheren Generationen wussten, sondern auch verschiedene Kulturen seit Jahrtausenden schätzen: Eine Mittagsruhe oder Mittagsschlaf – richtig gemacht – kann gesundheitliche Vorteile bringen und die Konzentration fördern.

Was während des Mittagsschlafes passiert

Studien zeigen, dass, wenn man die Mittagsmüdigkeit nicht ignoriert, sondern für ein paar Minuten die Augen schließt, einiges in unserem Körper passiert.

In Ruhe und bei leichtem Dämmerschlaf beginnt sich der schlaffördernde Botenstoff Adenosin, der sich über den Vormittag angesammelt hat, wieder abzubauen.

Gleichzeitig kommt es zu charakteristischen Veränderungen des autonomen Nervensystems: das Stresshormon Cortisol, der Blutdruck und die Herzfrequenz sinken.

Das Ergebnis nach dem Aufwachen: Man fühlt sich entspannter und wieder aufnahmefähiger als zuvor.

Untersuchungen zeigen, dass man, um diesen Effekt zu erreichen, nicht unbedingt wirklich einschlafen muss; auch Ruhen mit geschlossenen Augen und ohne Bildschirm hilft.

Die biologischen Hintergründe des Mittagstiefs

Die Schlappheit rund um die Mittagszeit ist keineswegs Einbildung und auch ein leichtes Mittagessen wirkt dem nur bedingt entgegen.
Denn der biologische Effekt des Mittagstiefs ist nicht nur vom Energieverbrauch der Verdauung des Mittagessens abhängig, sondern auch von zwei anderen Systemen, die mittlerweile wissenschaftlich gut untersucht sind.
Zum einen sieht die innere Uhr des Gehirns im suprachiasmatischen Nukleus des Hypothalamus am frühen Nachmittag ein „kleines Schlaffenster“ vor, in dem Wachheit und Aufmerksamkeit abnehmen.
Zum anderen ist der Schlafdruck, der sich über den Energieverbrauch seit dem morgendlichen Aufstehen aufbaut, um diese Zeit besonders hoch. Durch den Energiestoffwechsel entstehen der Botenstoff Adenosin und verwandte Verbindungen. In hoher Konzentration hemmt dieser Botenstoff bestimmte neuronale Netzwerke im Gehirn.
Die Folgen sind spürbar: Die Konzentration lässt nach, der Schlafdruck steigt und die Augenlider werden langsam schwer.

Vorsicht: Zu lange zu schlafen macht den Effekt zunichte

Für einen gelungenen Mittagsschlaf ist es wichtig, nicht zu lange zu schlafen. Das optimale Zeitfenster liegt zwischen zehn und fünfzehn Minuten.
Denn mit zunehmender Schlafdauer steigt die Wahrscheinlichkeit, in tiefere Schlafstadien zu sinken. Aus solchen Tiefschlafphasen ist es schwieriger aufzuwachen und die Schlafträgheit ist dann stärker ausgeprägt.
Daher sollte unbedingt ein Wecker gestellt werden, um den gewünschten Erfrischungseffekt zu erreichen.

Tipps für direkt nach dem Aufwachen

Nach dem Aufwachen werden die wachheitsfördernden Systeme des Gehirns wieder aktiviert. Dazu gehören unter anderem noradrenerge und dopaminerge Netzwerke, die Wachheit und Aufmerksamkeit unterstützen.
Allerdings kann es ein paar Minuten dauern, um diese Effekte zu merken und wieder in die Gänge zu kommen. Um die Ausschüttung der wachmachenden Botenstoffe zu unterstützen und schneller richtig wach zu werden, kann man auf folgende Tricks zurückgreifen:
  • Helles Tageslicht nutzen durch beispielsweise ein paar Minuten an einem sonnigen Tag aus dem Fenster blicken direkt nach dem Aufwachen
  • Eine kurze Bewegungseinheit von 30 Sekunden einlegen – wie beispielsweise Kniebeugen oder leichte Dehnübungen
  • Für Kaffee-Profis: Wenn Sie an Kaffeetrinken gewöhnt sind, können Sie eine Tasse direkt vor dem Hinlegen trinken. Koffein braucht ungefähr zwanzig bis dreißig Minuten, bis es beginnt, im Körper zu wirken. Damit setzt die wachmachende Wirkung genau zum Ende des Mittagsschlafs ein.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Der Schaltsekunde steht das Aus bevor

Um unsere Uhren mit der astronomischen Zeit in Einklang zu halten, wurde immer wieder mal eine Schaltsekunde eingefügt. Doch damit soll Schluss sein.
Die Generalkonferenz für Maß und Gewicht (CGPM) will die abzuziehende oder zusätzliche Sekunde abschaffen, um für mehr Stabilität zu sorgen. Die finale Bestätigung soll am 15. Oktober im französischen Versailles erfolgen. Worum geht es genau?

Schaltsekunden gleichen Weltzeit und astronomische Zeit aus

Unsere Zeitmessung beruht auf zwei verschiedenen Grundlagen. Zum einen gibt es die Koordinierte Weltzeit UTC. Sie basiert auf der Messung von Atomuhren. Zum anderen gibt es die astronomische Zeit UT1, die Universalzeit, die durch die Erdrotation bestimmt wird.
Die Atomuhren liefern eine konstante Zeit. Die Rotationsgeschwindigkeit der Erde hingegen schwankt geringfügig, von Tag zu Tag, von Jahreszeit zu Jahreszeit und von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Das wiederum bedeutet, dass die beiden Zeitskalen leicht voneinander abweichen.
Um dem entgegenzuwirken, wurde festgelegt, dass UTC und UT1 maximal 0,9 Sekunden voneinander abweichen dürfen. Ist diese Differenz in etwa erreicht, soll jeweils eine Schaltsekunde die Zeiten wieder in Einklang bringen. Das ist seit der Einführung des Verfahrens 1972 genau 27 Mal geschehen, entschieden vom Internationalen Erdrotations- und Referenzsystemdienst (IERS). Zuletzt wurde Ende 2016 eine Schaltsekunde eingefügt.
Die zusätzliche Sekunde wurde in der Vergangenheit entweder am Ende des 30. Juni oder des 31. Dezember eingeschoben. Diese eine Minute hatte dann 61 statt der üblichen 60 Sekunden.

Schaltsekunden können IT-Störungen verursachen

Für Menschen bleibt sie meist unbemerkt, in Computersystemen kann sie Störungen verursachen. Auch kritische Infrastruktur wie Energieversorgung, Telekommunikation oder Verkehr brauchen laut Generalkonferenz CGPM eine konstante Zeit ohne Anpassungen.
Über sehr lange Zeiträume wird die Erdrotation durch Gezeitenkräfte von Mond und Sonne gebremst. In den vergangenen Jahren allerdings hat sich die Erdrotation laut CGPM leicht beschleunigt.

Es könnte auch erstmals eine Sekunde abgezogen werden

Es besteht Fachleuten zufolge die Möglichkeit, dass erstmals eine Sekunde abgezogen und nicht hinzugefügt werden müsste, um UTC und UT1 wieder anzugleichen.
Diese Situation gab es noch nie und ob der Abzug der Sekunde störungsfrei umgesetzt werden könnte, ist unklar. Die Industrie befürchtet der CGPM zufolge erhebliche technische Vorbereitungen und zusätzliche Kosten.
Laut Generalkonferenz steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Minus-Schaltsekunde in den nächsten Jahren notwendig würde. Um Risiken vorzubeugen, soll die Schaltsekunde deshalb rasch ganz abgeschafft werden – nach bisherigem Vorschlag zum 20. Mai 2027.

Die Weltzeit könnte ungenauer werden

Die Generalkonferenz schlägt vor, die Schaltsekunde gar nicht mehr zu verwenden, sondern eine kontinuierliche UTC ohne sprunghafte Ein-Sekunden-Korrekturen zu nutzen.
Dafür soll die Koordinierte Weltzeit künftig bis zu 3.600 Sekunden – also eine ganze Stunde – von der astronomischen Zeit abweichen dürfen.
Die Fachleute hoffen, dass die Zeiterfassung so für mehrere Jahrhunderte nicht angepasst werden muss. Dass sie überhaupt eine konkrete Sekundenzahl für die maximal erlaubte Differenz festlegen, liegt daran, dass manche Software einen solchen Maximalwert benötigt.

Was würde die neue Regelung bedeuten?

Wird die Schaltsekunde abgeschafft, werden sich UTC und UT1 nach und nach weiter voneinander entfernen. Die Uhrzeit würde stärker vom Stand der Sonne am Himmel abweichen – für den Alltag wäre das noch für lange Zeit bedeutungslos.
Und: Schon heute stimmt die gesetzliche Uhrzeit wegen der Breite der Zeitzonen, der geografischen Lage eines Ortes und der Sommerzeit nicht genau mit der örtlichen Sonnenzeit überein.
Auswirkungen könnte die Änderung vor allem für diejenigen haben, die mit der astronomischen Zeit arbeiten – etwa Astronomen oder Fachleute der Geodäsie, der Vermessung der Erdoberfläche. (dpa/red)
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Immer mehr Menschen mit Zahlungsschwierigkeiten

Immer mehr Menschen in Deutschland geraten in Zahlungsschwierigkeiten.
Ende 2025 hatte die Schufa zu 8,1 Prozent der Erwachsenen mindestens einen Negativeintrag gespeichert, ein Jahr zuvor waren es 7,9 Prozent. Das geht aus dem neuen Risiko- und Kreditkompass der Auskunftei hervor, über den das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtet.
Rund 88.000 Menschen beantragten demnach 2025 Privatinsolvenz, so viele wie seit 2021 nicht mehr.

Ruhrgebiet stark betroffen

„Von einer Pleitewelle der Deutschen kann keine Rede sein“, sagte Schufa-Chefin Tanja Birkholz dem Nachrichtenmagazin. Bei einem wachsenden Teil der Bevölkerung verfestigten sich die Belastungen zunehmend.
Am stärksten betroffen sei das Ruhrgebiet, wie Schufa-Daten für alle 400 Kreise und kreisfreien Städte zeigen, über die der „Focus“ ebenfalls berichtet.
In Duisburg habe fast jeder fünfte Erwachsene einen Negativeintrag (19,9 Prozent), so viele wie nirgendwo sonst, gefolgt von Gelsenkirchen (19,4 Prozent). Am niedrigsten sei der Anteil im oberbayerischen Landkreis Eichstätt (3,6 Prozent).

Mehr Kleinkredite unter 1.000 Euro

Das gesamte Wachstum am Markt für Ratenkredite trügen inzwischen Kleinkredite unter 1.000 Euro, zu denen auch „Buy now, pay later“-Angebote zählen. 2025 seien 7,5 Millionen solcher Verträge geschlossen worden, elf Prozent mehr als im Vorjahr, heißt es in dem Risiko- und Kreditkompass der Schufa.
74.000 Menschen zahlten mehr als zehn Ratenkredite gleichzeitig ab, 28-mal so viele wie vor fünf Jahren. Birkholz nannte Kleinkredite „zunächst einmal praktische Finanzierungsmöglichkeiten“.
Problematisch werde es, wenn Verbraucher den Überblick verlören oder mehr Verbindlichkeiten eingingen, als sie langfristig tragen könnten, so die Schufa-Chefin weiter.

Klarna und PayPal müssen stärker prüfen

Claudio Zeitz-Brandmeyer vom Verbraucherzentrale Bundesverband warf den Anbietern, allen voran Klarna und PayPal, vor, bislang „nicht genau genug hingeschaut“ zu haben, ob sich ihre Kunden die Finanzierungen leisten können.
Ab dem 20. November müssen Anbieter auch bei Kleinkrediten die Kreditwürdigkeit prüfen und Kunden mit Zahlungsproblemen an eine Schuldenberatung verweisen.
Die Beratungsstellen seien aber schon heute am Limit, warnte Ines Moers von der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung. Nur etwa jeder zehnte Überschuldete erhalte eine Beratung, Wartezeiten von mehreren Monaten seien keine Ausnahme. (dts/red)
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Linke, Grüne und SPD machen Weg für Sondierungsgespräche frei – Fischer und Thierse warnen


In Kürze:

  • Nach einer Woche von Vorgesprächen scheint in Berlin der Weg für Sondierungen über ein rot-grün-rotes Bündnis frei.
  • Linke, Grüne und SPD haben sich laut Parteikreisen auf ein Handlungspaket bei antisemitischen Vorfällen geeinigt.
  • Auch ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD hätte rechnerisch eine knappe Mehrheit.
  • Frühere Spitzenpolitiker wie Fischer und Thierse fordern Grüne, SPD und CDU auf, ein gemeinsames Bündnis zu prüfen.

 
Zweieinhalb Wochen nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus dürfte der Weg für rot-grün-rote Sondierungsgespräche zur Regierungsbildung frei sein. Nach einem Treffen von Linken, Grünen und SPD am Mittwoch verständigten sich die Parteien auf ein Handlungspaket, das im Fall antisemitischer Vorfälle greifen soll, und räumten damit ein zentrales Hindernis für den Beginn von Sondierungen beiseite. Das berichtet die deutsche Presseagentur unter Berufung auf Informationen aus Parteikreisen. Zuerst hatte der „Tagesspiegel“ über die Einigung berichtet.

Linke hatte verbindlicher Verständigung als Voraussetzung zugestimmt

Zuvor hatte der Landesparteitag der Linken grundsätzlich Sondierungen für ein mögliches rot-grün-rotes Bündnis zugestimmt. Die Berliner Grünen und die Landes-SPD trafen ähnliche Beschlüsse.
Die Linke war mit 25,7 Prozent der abgegebenen Stimmen als deutlich stärkste Kraft aus der Abgeordnetenhauswahl am 20. September hervorgegangen.
Neben Rot-Grün-Rot würde jedoch auch ein sogenanntes Kenia-Bündnis von CDU, Grünen und SPD über eine knappe Mehrheit im Abgeordnetenhaus verfügen.
Sowohl SPD als auch Grüne hatten eine verbindliche Verständigung aller drei Parteien über den Kampf gegen den Antisemitismus und den Schutz jüdischen Lebens zur Grundvoraussetzung für den Beginn von Sondierungen gemacht. Die Linke hatte diesem Vorgehen zugestimmt.
Wie der rbb am Sonntag berichtete, haben in der Vorwoche erste Dreierrunden im Rahmen der Vorgespräche stattgefunden. Am Samstag hatten die Parteien mitgeteilt, sich auf einen „gemeinsamen Weg“ verständigt zu haben.

„Berliner Appell“ warnt vor Linken-Regierung

Prominente frühere Politiker von Grünen, SPD und CDU haben sich gegen eine Koalition unter der Führung der Linken ausgesprochen.
In dem als „Berliner Appell für Verantwortung“ betitelten Text warnen unter anderem der erste grüne Bundesaußenminister Joschka Fischer, der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse von der SPD und der frühere CDU-Kanzleramtschef Peter Altmaier vor einer solchen Koalition.
Die Unterzeichner drücken ihre Befürchtung aus, dass eine Regierung unter Führung der Berliner Linken „ein Klima erzeugt, in dem nicht mehr die Sicherheit von Jüdinnen und Juden in Berlin garantiert werden kann“.
Die Linke Berlin sei eine „in Teilen antisemitische Partei“. Weiter heißt es in dem Appell: „CDU, Bündnisgrüne und SPD haben jetzt die Aufgabe, ernsthaft zu prüfen, wie sie vor diesem Hintergrund gemeinsam Verantwortung für Berlin übernehmen können.“

Merz: „Ich kann es mir nicht vorstellen“

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) warnt ebenfalls vor einem von der Linken geführten Regierungsbündnis in Berlin.
Diese Warnung meine er „sehr ernst“, sagte der Kanzler am Mittwoch in Berlin bei einer Veranstaltung des „Handelsblatts“ und der „WirtschaftsWoche“. „Ich kann es mir nicht vorstellen.“
Merz ordnete seine Äußerungen auch vor dem Hintergrund des dritten Jahrestags des Hamas-Großangriffs auf Israel ein. „Gerade an diesem Tag sollen diese unverhandelbaren Grundsätze unseres Gemeinwesens allen Ernstes verhandelt werden, sollen in Teilen zur Disposition gestellt werden für ein Regierungsbündnis mitten in unserer Hauptstadt?“, fragte Merz. Da fehlten ihm „die Worte“.

Irritationen nach Wahlparty in Neukölln

In den Reihen von Grünen und SPD hatte es teilweise erhebliche Vorbehalte gegen ein mögliches Bündnis unter Führung der Linken gegeben. Grund waren insbesondere antisemitische Vorfälle und Äußerungen aus den Reihen der Partei während des Wahlkampfs. Vor allem der Bezirksverband Neukölln geriet diesbezüglich mehrfach in die Kritik.
Wenige Tage nach der Wahl hatte die Vorsitzende der Linken in Berlin, Kerstin Wolter, laut der „Jüdischen Allgemeinen“ die Schwerpunkte der Vorgespräche erläutert. So gehe es bei den ersten Terminen um Sicherheit und Schutz jüdischen Lebens und den Kampf gegen Antisemitismus. Zudem seien auch Sicherheit und Schutz muslimischen Lebens, der LGBTQ*-Community und der Kampf gegen Rassismus Kernthemen.
Grünen-Fraktionschefin Bettina Jarasch und SPD-Landesvorsitzende Bettina König erklärten, dass man auch Themen wie Organisierte Kriminalität und gesellschaftlicher Zusammenhalt erörtert habe.
Zuvor hatte eine öffentliche Wahlparty des Linken-Bezirksverbandes Neukölln für Irritationen gesorgt.
Ein führender Aktivist des Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees hatte sich dort eingefunden. Dieses bildet nach Einschätzung des Verfassungsschutzes ein gemeinsames Dach für Anhänger von Vereinigungen wie die Volksfront zur Befreiung Palästinas und die Hamas, die beide von der EU als Terrororganisationen geführt werden.
Außerdem warf ein Chatverlauf Fragen über eine mögliche Nähe des Neuköllner Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak zum sogenannten Clanmilieu auf. Der Politiker hat sich mittlerweile aus dem Innenausschuss zurückgezogen.

Grüne und SPD: Linke muss noch weitere Zugeständnisse machen

Die Parteiführung der Linken hatte mehrfach klargestellt, dass sie sich zum Existenzrecht Israels und zum Schutz jüdischen Lebens bekenne. Neben der Antisemitismus-Thematik gibt es jedoch noch weitere Vorbehalte bei den potenziellen Koalitionspartnern.
Grünen-Co-Parteichefin Franziska Brantner verweist unter anderem auf Forderungen, die im Wahlkampf von Teilen der Linken erhoben wurden. Gegenüber dem „SPIEGEL“ erklärte sie Ende September: „Wir werden weder den Verfassungsschutz noch die Polizei abschaffen lassen, das ist für uns nicht akzeptabel.“
Ein weiterer Punkt ist jener der von der Linken geforderten Vergesellschaftung privater Wohnungsunternehmen mit einem Bestand von mehr als 3.000 Einheiten. Dagegen sperrt sich vor allem die SPD.

Eralp wäre erste Regierende Bürgermeisterin der Linkspartei in Berlin

Auch der Beginn regulärer Sondierungen stellt keine Garantie dafür dar, dass es auch zu Koalitionsverhandlungen und am Ende tatsächlich zu einer rot-grün-roten Koalition kommen würde.
Die Linke war in Berlin bislang in mehreren Koalitionsregierungen als Juniorpartner beteiligt. In den 2000er-Jahren regierte sie – teilweise noch als PDS – unter dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit. Von 2016 bis 2023 war die Linke gemeinsam mit den Grünen an SPD-geführten Koalitionsregierungen beteiligt.
Elif Eralp wäre, sollte es zu einem rot-grün-roten Bündnis kommen, die erste Regierende Bürgermeisterin in Berlin, die von der Linken gestellt würde.
Mit Material der Nachrichtenagenturen
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Bis nach Mitternacht am Draht: erstes Ferngespräch

Erst hörte Thomas Watson nichts, dann blieb er bis weit nach Mitternacht am Apparat. Sein berühmtes Telefonat mit Alexander Graham Bell jährt sich am Freitag zum 150. Mal. Das erste Ferngespräch über eine Telegrafenleitung fand am 9. Oktober 1876 statt.
Bell saß in seinem Labor in Boston (US-Staat Massachusetts), sein Assistent Watson rund zwei Meilen entfernt in Cambridge. Verbunden waren die beiden über eine private Telegrafenleitung der Walworth Manufacturing Company.

Erster Telefonsender und -empfänger, erfunden von Alexander Graham Bell (1876).

Foto: Hein Nouwens/iStock

So schilderte es Watson später in seinem Bericht über die Anfänge des Telefons. Als er das Gerät anschloss, blieb es zunächst still. Erst nachdem er ein weiteres Bauteil aus dem Stromkreis entfernt hatte, kam Bells Ruf durch: „Ahoi, ahoi!“ Watson antwortete – und der Versuch war geglückt.

Bis Mitternacht gequatscht

Die beiden Erfinder legten offenbar nicht gleich wieder auf. Watson schrieb, sie hätten aus Freude über die geglückte Verbindung bis weit nach Mitternacht weitergeredet.
Am nächsten Morgen habe die Vermieterin in Boston weniger nächtlichen Lärm verlangt – mit der Drohung, dass sie das Labor sonst räumen müssten.
Watson zufolge verbreitete sich der Ruf des Telefons rasch bis ins Ausland: Viele Neugierige pilgerten auf den Dachboden des billigen Wohnhauses, in dem Bell sein Labor hatte.
Die Liste der Wissenschaftler, die das Telefon dort sehen wollten, lese sich wie das Mitgliederverzeichnis der „American Association for the Advancement of Science“, witzelte er. (dpa/red)
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Nach Koalitionstreffen: Fraktionschefs für zügige Reformen und gegen Extremismus

Nach den mehr als vierstündigen Beratungen im Koalitionsausschuss haben sich die Fraktionsspitzen von Union und SPD zu einer zügigen Umsetzung der Reformvorhaben bekannt und sich klar von jeglichem politischen Extremismus abgegrenzt. „Wir sind uns bewusst, dass unsere Demokratie in diesen Tagen vor einer historischen Bewährungsprobe steht“, heißt es in einer gemeinsamen Nachricht von Unionsfraktionschef Thorsten Frei, SPD-Fraktionschef Matthias Miersch und CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann an die Bundestagsabgeordneten, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „Wir sind fest entschlossen, unser Land nicht den Extremisten zu überlassen.“
Die Koalition sei sich einig, dass wirtschaftliches Wachstum, sichere Arbeitsplätze und der gesellschaftliche Zusammenhalt im Zentrum des weiteren Arbeitsprogramms der Koalition stehen müsse. „Deshalb hat der Koalitionsausschuss sämtliche aktuellen Themen besprochen, um die damit verbundenen Vorhaben zügig zum Abschluss zu bringen.“

Frei: „Gut war’s“

Die Spitzen von Union und SPD hatten ihre Beratungen am Abend gegen 22.00 Uhr beendet. Hauptthemen der Sitzung waren die weitere Umsetzung der im Juli bereits beschlossenen Reformvorhaben, der Haushalt 2027, aber auch die Nachwehen der Landtagswahlen im September, aus denen die AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern und die Linke in Berlin jeweils als stärkste Parteien hervorgegangen sind.
Unionsfraktionschef Frei sagte beim Verlassen des Kanzleramts zum Verlauf der Beratungen: „Gut war’s.“ Schon am Abend war die Stimmung auch von anderer Seite als „gut“ und „sehr konstruktiv“ beschrieben worden.

Erstes Treffen seit mehr als drei Monaten

Der Koalitionsausschuss ist das wichtigste Gremium des schwarz-roten Bündnisses neben dem Kabinett. Der Kanzler hatte vor dem ersten Treffen der Spitzenrunde seit mehr als drei Monaten trotz teils drastischer Verluste von Union und SPD bei den Landtagswahlen ein neues Bekenntnis zum vereinbarten Reformkurs gefordert. Er gehe davon aus, dass der Koalitionsvertrag und das bestehende Reformpaket „unverändert die Geschäftsgrundlage für die Arbeit der Koalition“ bleiben, sagte der CDU-Chef bei einer Veranstaltung des „Handelsblatts“ und der „WirtschaftsWoche“ in Berlin.
Die SPD hatte nach den Landtagswahlen Änderungen an dem Paket angemahnt. Ihr geht zum Beispiel die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren gegen den Strich. Dass weitreichende inhaltliche Vereinbarungen getroffen wurden, gilt aber als unwahrscheinlich. Schon vor der Sitzung hatte es geheißen, dass man sich allenfalls auf einen Zeitplan für das weitere Vorgehen verständigen werde.
Merz hatte deutlich gemacht, dass er nicht mit einer kompletten Umsetzung der Pläne bis Weihnachten rechnet. Er hoffe aber, „dass wir das im Frühjahr nächsten Jahres in trockenen Tüchern haben“. Die Vorstände der Koalitionsfraktionen hatten sich noch Ende August bei einer Klausurtagung in Münster darauf verständigt, das ganze Paket bis Ende des Jahres durch den Bundestag zu bringen. Es enthält Regelungen für die Bereiche Rente, Pflege, Arbeitsmarkt und Steuern.

Nachwehen der Wahlen belasten Koalition

Schon vor der Sitzung war angekündigt worden, dass auch die Nachwehen der Wahlen in Sachsen-Anhalt und Berlin Thema sein dürften. Am Dienstag wurde in Sachsen-Anhalt erstmals ein AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten gewählt – in geheimer Wahl. Es gibt den Verdacht, dass er auch Stimmen aus der CDU bekommen hat. Die SPD ist deswegen in Aufruhr.
In der Union wiederum gibt es Verärgerung darüber, dass die SPD möglicherweise eine Koalition mit der Linken in Berlin bilden wird. Die Berliner Linke wird von der Union als in Teilen antisemitisch und linksextrem ansehen. Laut CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann widerspricht das dem Koalitionsvertrag, der jede Zusammenarbeit mit „verfassungsfeindlichen“ und „demokratiefeindlichen“ Parteien ausschließt. (dpa/red)
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194-jährige Schildkröte: Was Jonathan übers Altern verrät

Jonathan ist geschätzte 194 Jahre alt – und auf seine alten Tage ein begehrtes Forschungsobjekt. Wissenschaftler versprechen sich von der Aldabra-Riesenschildkröte (Aldabrachelys gigantea) Aufschluss über das Altern – genauer gesagt darüber, wie dieser Prozess bei einem Lebewesen abläuft, das ein solch stolzes Alter erreicht hat.
Aktuell soll Jonathan das älteste bekannte Landtier der Welt sein, wie es im Fachjournal „Science Advances“ heißt. Nach Schätzung von Forschern ist er im Jahr 1832 geschlüpft – und damit ein Zeitgenosse von Charles Darwin (1809-1882) und Queen Victoria (1819-1901).
Vor 144 Jahren war die Schildkröte von den Seychellen aus als Geschenk für den Gouverneur nach St. Helena, eine Vulkaninsel im Südatlantik und britisches Überseegebiet, gebracht worden.

Mit Futter gelockt und Proben entnommen

Ein Team unter anderem mit Forschern der Universität Cambridge und der Longevity-Forschungsorganisation Kallel analysierte nun genetische Proben der Schildkröte, die aus Abstrichen im Wangenbereich genommen wurden.
Man habe Jonathan mit der Aussicht auf Futter gelockt, bis er sein Maul weit genug geöffnet habe, um Abstriche nehmen zu können, heißt es in einer Mitteilung zur Studie. Die Entnahme von Blutproben sei wegen behördlicher Beschränkungen nicht möglich gewesen.
Die Forscher glichen die Genproben des alten Jonathan auch mit genetischen Proben von vier anderen Schildkröten ab – einem Jungtier, einem zwölf Jahre alten Tier und zwei älteren Männchen, die aber noch deutlich jünger als Jonathan waren.
Alle leben ebenfalls nicht in freier Wildbahn, sondern in Zoos oder ähnlichen Einrichtungen. Erstaunlicherweise ähnelte das sogenannte Epigenom von Jonathan stark jenem der jüngeren Schildkröten. Das Epigenom besteht aus Markierungen an der DNA, die beeinflussen, welche Gene aktiviert und welche deaktiviert werden.
Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte Jonathan auf der Insel St. Helena.

Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte Jonathan auf der Insel St. Helena.

Foto: A.L. Innes/EurekAlert/dpa

Über zwei Jahrhunderte sehr stabil

Üblicherweise verändere sich das Epigenom im Zuge des Alterungsprozesses, schreiben die Autoren. Dies sei einer der Gründe, weshalb in älteren Körpern Dinge nicht mehr so gut funktionierten wie in jüngeren.
Als umso bemerkenswerter bewerten die Experten den Zustand von Jonathans Epigenom: „Wir haben festgestellt, dass die an der Energieproduktion und der DNA-Reparatur beteiligten Genregulatoren bei Jonathan über fast zwei Jahrhunderte hinweg unglaublich stabil geblieben sind“, sagte Co-Autor Justin Gerlach von der Universität Cambridge.
Bei der Analyse entdeckte das Team 287 Gen-Varianten, die die üblichen Alterungsprozesse verringern. Sie seien unter anderem dafür verantwortlich, DNA-Schäden zu reparieren, Entzündungen zu verringern oder Krebs zu unterdrücken. Nach Angaben des Teams war es das erste Mal, dass das Epigenom einer Riesenschildkröte detailliert untersucht worden ist.
Trotz dieser genetischen Erkenntnisse bleibt der Grund, weshalb Jonathan so alt geworden ist, ein Rätsel. Gerlach sagte auch:
„Er könnte die außergewöhnlich älteste Riesenschildkröte aller Zeiten sein, oder aber völlig normal: Bis vor kurzem hat niemand das Alter von Schildkröten dokumentiert.“
Vorerst gehen die Forscher davon aus, dass Jonathan mit seinen fast 200 Jahren etwa doppelt so alt ist, wie die meisten seiner Artgenossen typischerweise werden.

Hoffnung auf übertragbare Erkenntnisse

Stephen Clark, Gründer von Kallel, erklärte, Ziel sei die Übertragung solcher Erkenntnisse in Behandlungsmöglichkeiten für Menschen.
Von Erkenntnissen über die genetischen Codes von Alterungsprozessen bei einer Schildkröte bis hin zu solchen praktischen Anwendungen dürfte es jedoch noch ein sehr weiter Weg sein. (dpa/red)
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Namen gesucht: Drei Tigerbabys in Niedersachsen vorgestellt

Im Tierpark Ströhen im niedersächsischen Wagenfeld sind am Mittwoch, 7. Oktober, drei knapp sieben Wochen alte Sibirische Tiger während ihrer tierärztlichen Untersuchung vorgestellt worden. Wie eine Sprecherin des Tierparks mitteilte, sind die zwei männlichen und eine weiblichen Tiger wohlauf. Sie seien nun vom Tierarzt geimpft, untersucht und gechippt worden.
Die Tigerbabys kamen am 20. August zur Welt und verbrachten die erste Zeit weitgehend ungestört in ihrer Wurfbox. Das Tierpflegeteam beobachtete die Tigerfamilie in dieser Zeit vor allem aus der Distanz. Für die Elterntiere Amara und Antaris ist es der dritte gemeinsame Wurf.

Erste Erkundungen der Tigerbabys

Inzwischen trägt Amara ihre Jungen auch in Bereiche, die von Besuchern eingesehen werden können. Immer häufiger wagen sich die Drillinge zudem auf eigenen Pfoten aus der Wurfbox und erkunden ihre nähere Umgebung. Noch haben die kleinen Tiger keine Namen; der Tierpark bittet um Vorschläge.
„Amara hat bereits zweimal Zwillinge großgezogen, diese Erfahrung merkt man ihr an. Dass es diesmal eins mehr ist, bringt sie nicht aus der Ruhe“, sagt Großkatzen-Tierpfleger Jürgen Grimberg.

Die Geburt fällt in eine Zeit, in der Tiger verstärkt in den Fokus des Artenschutzes rücken.

Foto: Tierpark Ströhen

Mittlerweile seien die Tiere auch im Gehege für Besucher zu sehen, wobei der Nachwuchs häufig in der Nähe der Mutter bleibe, sagte die Sprecherin des Tierparks. Die Tiger seien noch sehr klein und schliefen viel. Beim Heranwachsen entwickle sich der Spieltrieb erst allmählich.
Noch etwa ein halbes Jahr leben die Tigerbabys laut Sprecherin definitiv im Tierpark Ströhen. Im Anschluss werde geklärt, in welche anderen Zoos der Tigernachwuchs vermittelt werden könne.
Sibirische Tiger, auch Amurtiger genannt, gelten als stark gefährdet, Schätzungen zufolge lebten 2023 in freier Wildbahn noch rund 700 Tiere. Der Bestand in Zoos wird weltweit auf insgesamt 1.500 Tiere geschätzt. Mithilfe des internationalen Tigerzuchtbuchs, das im Zoo Leipzig geführt wird, wird die Aufzucht in Zoos und Tierparks weltweit koordiniert.

Erstmals wieder Tiger ausgewildert

Im Sommer 2026 wurde im kasachischen Ile-Balkhash-Naturreservat erstmals seit mehr als 70 Jahren wieder ein Tiger ausgewildert. Dort war einst der in den 1950er-Jahren ausgestorbene Kaspische Tiger heimisch. Genetische Untersuchungen zeigen, dass beide Tigerunterarten sehr eng miteinander verwandt sind und der Sibirische Tiger der nächste lebende Verwandte des Kaspischen Tigers ist.
Deshalb soll diese Unterart im wiederhergestellten Lebensraum langfristig eine neue Tigerpopulation begründen und die ökologische Rolle des verschwundenen Kaspischen Tigers übernehmen.
„Unsere drei Jungtiere sind kleine Botschafter einer großen Artenschutzgeschichte“, sagt Nils Ismer, Inhaber des Tierparks Ströhen.
Die Rückkehr des Tigers nach Kasachstan zeige, dass Auswilderungen selbst bei Arten möglich seien, die in ganzen Regionen bereits verschwunden waren, so Ismer. „Solche Entwicklungen machen Hoffnung und verdeutlichen zugleich, wie wichtig es bleibt, Lebensräume zu bewahren und die verbliebenen Tigerbestände zu schützen.“ (afp/ks)
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Pestverdacht: Gespräch zwischen Trump und Putin angekündigt

Ein Termin für ein Gespräch von Kremlchef Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump über den Lungenpest-Verdacht nach dem Tod einer Wissenschaftlerin in Sibirien ist russischen Angaben zufolge offen. Moskau und Washington hätten sich noch nicht auf ein Telefongespräch geeinigt, es sei unklar, wann es stattfinden werde, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow der staatlichen Nachrichtenagentur Tass. Zuvor hatte Trump angekündigt, dass er einen Termin für ein Telefonat habe und dieses sehr bald stattfinden werde.
Seit Jahresbeginn gab es laut Kreml-Angaben fünf Telefonate der beiden Präsidenten, das bislang letzte am 8. September. Ein Gespräch könne schnell arrangiert werden, sollte eine entsprechende Initiative vorliegen.
Die 28 Jahre alte Wissenschaftlerin, die am Institut zur Bekämpfung von Pestkrankheiten arbeitete, war am Freitag im Kreiskrankenhaus der Stadt Schelechow bei Irkutsk in Sibirien gestorben. Nach Angaben der für Seuchenbekämpfung zuständigen russischen Behörde ist der Tod der Frau nicht auf einen Pesterreger zurückzuführen. Als Todesursache nannte sie eine „Lungenentzündung unbekannter Herkunft“.

Trump über Biowaffen-Spekulation: „Wir werden es bald herausfinden“

Trump geht nicht von einem Zusammenhang zwischen dem mutmaßlichen Pestfall in Russland und biologischen Waffen aus. Auf die Journalistenfrage, ob es sich bei dem russischen Verdachtsfall um eine Biowaffe handeln könne, sagte Trump am Mittwoch in Washington: „Wir glauben das nicht. Wir werden es bald herausfinden, aber wir glauben es nicht.“
Die USA hatten von den Russen Aufklärung über den Fall verlangt. Trump sagte dazu: „Wenn man ihnen zuhört, ist es unter Kontrolle. Aber Sie wissen, Leute haben das schon früher über andere Dinge gesagt“, fügte er unter Anspielung auf Chinas anfängliche Reaktionen auf die Corona-Pandemie hinzu. „China hat nicht viel gesagt, und Russland sagt auch nicht viel“, ergänzte er.

WHO bittet um Informationen über möglichen zweiten Fall

Das US-Außenministerium hatte die russischen Behörden bereits zuvor aufgefordert, Informationen schnell und transparent mitzuteilen. Am Mittwochabend hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Russland um Informationen über einen möglichen weiteren Todesfall durch eine Lungenentzündung in Irkutsk gebeten. Sie bezog sich auf einen Medienbericht, der wie in diesem Fällen üblich systematisch geprüft und als glaubhaft eingeschätzt worden sei.
Lungenpest ist eine schwere Form der durch das Bakterium Yersinia pestis verursachten Pest. Sie kann entstehen, wenn sich die Infektion auf die Lunge ausbreitet. Die Erkrankung ist mit Antibiotika behandelbar, wenn die Therapie früh beginnt. Die Pest kommt laut Robert Koch-Institut (RKI) noch in Ländern Afrikas, Amerikas und Asiens vor, in Deutschland nicht. (dpa//afp/red)
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Atomabschreckung wird wichtiger: Frankreich stimmt sich mit Partnern ab

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zwei Einrichtungen bei Bordeaux besuchen, die eng mit der nuklearen Abschreckung verbunden sind. Die ArianeGroup stellt dort unter anderem die atomwaffenfähigen Interkontinentalraketen M51 her. Macron hatte am Dienstag auf einer Fregatte einem Teststart beigewohnt. Im Forschungszentrum Laser Megajoule können die physikalischen Bedingungen von Atomwaffenexplosionen simuliert werden. Atomare Abschreckung ist in den vergangenen Jahren wieder wichtiger geworden.

Wie sieht Frankreichs Atommacht aus?

Frankreich kann sowohl Rafale-Kampfjets als auch seine vier U-Boote mit Atomantrieb mit Atomwaffen bestücken. Die atomwaffenfähigen Rafale-Geschwader sind derzeit im ostfranzösischen Saint-Dizier stationiert. Bis 2035 soll ein zweiter Stützpunkt für atomwaffenfähige Rafale-Geschwader im ostfranzösischen Luxeuil eingerichtet werden.
Die Atomboote haben ihren Stützpunkt in Île Longue an der Atlantikküste. Eines der U-Boote ist immer in den Weltmeeren unterwegs, wobei der Einsatzort geheimgehalten wird. 2036 soll ein weiteres U-Boot namens „Invincible“ in Betrieb genommen werden.
Für die Konzeption und Produktion der Atomsprengköpfe ist in erster Linie das Forschungszentrum CEA Valduc nördlich von Dijon zuständig.
Macron gab im März bekannt, dass er die Zahl der Gefechtsköpfe erhöhen wolle, aber keine Details dazu öffentlich nennen werde. Zur atomaren Abschreckung Frankreichs zählt immer auch die strategische Uneindeutigkeit: Der Feind soll im Ungewissen gelassen werden.

Inwiefern will Frankreich bei der nuklearen Abschreckung mit anderen EU-Staaten zusammenarbeiten?

Die nukleare Abschreckung Frankreichs hatte von Beginn an eine „europäische Dimension“, die Macron jedoch stärker betonte als seine Vorgänger. Schon 2020 regte er einen „strategischen Dialog“ mit anderen europäischen Ländern an. Dieser stieß anfänglich auf wenig Interesse, was sich angesichts der geopolitischen Lage aber änderte. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte gleich zu Beginn seiner Amtszeit, dass er diesen Dialog führen wolle.
Im März kündigte Macron eine engere Zusammenarbeit mit Deutschland und sieben weiteren europäischen Ländern an und sprach von einer „vorgelagerten Abschreckung“. Dazu zählte er etwa gemeinsame Militärübungen und Besuche strategischer Orte.
Macron sprach zudem vage von einer „situationsbedingten Stationierung von Elementen der strategischen Kräfte“. Dies könnte bedeuten, dass mit Atomwaffen bestückte französische Kampfflugzeuge punktuell Militärstützpunkte in Partnerländern nutzen können. Von einer dauerhaften Stationierung französischer Atomwaffen in anderen Ländern ist derzeit nicht die Rede.
Inzwischen gibt es mit etwa einem Dutzend Ländern Gespräche über eine Zusammenarbeit bei der nuklearen Abschreckung, neben Deutschland auch mit Großbritannien, Polen, Schweden, den Niederlanden, Belgien, Griechenland, Norwegen und Finnland. Auch Estland und Litauen haben Interesse.
Dabei behält sich Frankreich die alleinige Entscheidungshoheit über die Atomwaffen vor. Von seinen Verbündeten erwartet Frankreich eine größere Unterstützung im konventionellen Bereich, etwa durch Waffen mit großen Reichweiten.
Die nukleare Abschreckung Frankreichs soll das Konzept der Nato nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen, betont die französische Regierung.
Im vergangenen Dezember hatten etwa erstmals britische Militärs an einer französischen Nuklear-Übung teilgenommen. Auch die Bundeswehr sollte noch in diesem Jahr auf konventionelle Weise an einer Atomübung teilnehmen. Einen offiziellen Termin dafür gibt es nicht.

Wer hat weltweit wie viele Atomwaffen?

Weltweit verfügen neun Staaten über Atomwaffen: Russland, die USA, China, Frankreich, Großbritannien, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea. Seit dem Brexit ist Frankreich das einzige EU-Land im Besitz von Atomwaffen.
Nach Angaben des schwedischen Friedensforschungsinstituts Sipri setzten alle neun Staaten 2025 ihre Programme zur Modernisierung und Aufrüstung ihrer nuklearen Arsenale fort.
Seit dem Ende des Kalten Krieges wurden jährlich mehr Atomsprengköpfe ausgemustert als neue produziert. Sipri geht davon aus, dass sich diese Tendenz in den kommenden Jahren umkehrt und der weltweite Atomwaffenbestand wieder zunimmt.
Russland ist weiterhin die größte Atommacht, Sipri schätzt den militärischen Bestand im laufenden Jahr auf 4400 Atomsprengköpfe. Die USA verfügen demnach über 3700, China über 620 und Frankreich über 290 Sprengköpfe. (afp/red)
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Erbschaftsteuer auf dem Prüfstand: Bundesverfassungsgericht verhandelt ab Montag

Es ist eines der heißesten Eisen in Deutschland – nun landet die Steuer aufs Erbe vor dem Bundesverfassungsgericht. Am Montag und Dienstag verhandelt Karlsruhe über gleich zwei Aspekte. Es geht um die Vorteile, die Firmenerben gegenüber anderen Erben haben, und um regionale Unterschiede. Viele empfinden die aktuellen Regelungen als ungerecht, doch wie sie verbessert werden können, ist umstritten. Fragen und Antworten:

Worum geht es in Karlsruhe?

Das erste Verfahren wurde von der bayerischen Landesregierung begonnen. Diese hält die Freibeträge beim Erben und Schenken angesichts der gestiegenen Immobilienpreise für zu niedrig und die Steuern für zu hoch. Der Betrag, bis zu dem keine Steuer bezahlt werden muss, ist unterschiedlich – je nach Verwandtschaftsgrad. Witwer und Witwen beispielsweise erben bis zu 500.000 Euro steuerfrei vom verstorbenen Ehepartner, für Kinder gilt ein Freibetrag von 400.000 Euro.
Bayern findet, dass der Bund hier nicht die Gesetze machen sollte. Immobilienpreise seien regional unterschiedlich – das müsse berücksichtigt werden. Über diesen Fall verhandelt das Gericht am Montag. (Az. 1 BvF 1/23) Im zweiten Verfahren geht es um die Privilegien für Firmenerben. Denn wer betriebliches Vermögen erbt, muss meist deutlicher weniger Steuern darauf zahlen als die Erben von Privatvermögen. Darüber verhandelt das Gericht am Dienstag. (Az. 1 BvR 804/22)

Wie sehen diese Privilegien aus?

Wenn die Firma mindestens fünf Jahre lang fortgeführt wird und der an die Angestellten gezahlte Lohn insgesamt nicht zu stark sinkt, bleiben 85 Prozent des geerbten Betriebsvermögens steuerfrei. Wird die Firma sieben Jahre lang gehalten, entfällt die Erbschaftsteuer sogar ganz. Kleine Betriebe mit weniger als sechs Beschäftigten müssen die Lohnregelung nicht erfüllen.
Die Idee dahinter ist, dass Arbeitsplätze und Investitionen erhalten bleiben. Diese Regelungen gelten für Betriebsvermögen bis zu 26 Millionen Euro. Bei höheren Summen greift die sogenannte Verschonungsbedarfsprüfung. Wenn der Erbe nachweist, dass er sie aus seinem verfügbaren Vermögen nicht bezahlen kann, wird die Steuer erlassen. Im vergangenen Jahr wurden im Rahmen der Verschonungsbedarfsprüfung insgesamt 3,7 Milliarden Euro Steuern erlassen, wie das Statistische Bundesamt feststellte.

Wer wandte sich an das Verfassungsgericht?

Es handelt sich um einen Erben von Wertpapieren und Immobilieneigentum. Dieser erbte von seiner Tante und sollte etwa 47.000 Euro Steuern darauf zahlen. Seine Klage vor dem Finanzgericht in Münster hatte keinen Erfolg. Der Erbe reichte schließlich eine Verfassungsbeschwerde ein.

Wie bewerten Wissenschaft und Wirtschaft die Lage?

Die sogenannten Wirtschaftsweisen forderten in ihrem Jahresgutachten 2025/2026 eine Reform, „um für eine gleichmäßigere Besteuerung aller Vermögensarten zu sorgen“. Dazu sollte „die steuerliche Begünstigung von Betriebsvermögen deutlich verringert werden“, erklärte der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im vergangenen Jahr.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) ist dagegen der Ansicht, dass die Privilegierung von Betriebsvermögen verfassungsgemäß ist und dem Gemeinwohl dient. „Der Erhalt von Unternehmen, ihrer Investitionskraft und der mit ihnen verbundenen Arbeitsplätze ist ein legitimes Ziel“, erklärte der BDI vor einigen Tagen.

Entschied das Bundesverfassungsgericht schon einmal über die Erbschaftsteuer?

Schon dreimal – in den Jahren 1995, 2006 und 2014 – stufte es zu dem Zeitpunkt geltende Regelungen als verfassungswidrig ein. Das Gesetz wurde daraufhin jeweils reformiert.

Wann wird diesmal eine Entscheidung erwartet?

Entschieden wird nicht am Montag oder Dienstag. Die Urteilstermine stehen noch nicht fest. Meist werden Urteile in Karlsruhe einige Wochen bis Monate nach der mündlichen Verhandlung verkündet.

Welche politischen Folgen könnten die Urteile haben?

Wenn das Gericht die aktuellen Regeln beanstandet, müssten sie geändert werden. Das könnte kompliziert werden, weil die Koalitionspartner Union und SPD hier unterschiedlicher Meinung sind – tendenziell ist die SPD für eine Reform und die Union dagegen. Auch innerhalb der Parteien, vor allem der CDU, herrscht aber beim Thema Erbschaftsteuer keine Einigkeit. Berlin dürfte am Montag und Dienstag gespannt und womöglich nervös nach Karlsruhe schauen. (afp/red)
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PISA-Ergebnisse im Einbruch – andere Leistungstests zeigen besseres Bild


In Kürze:

  • Die PISA-Ergebnisse haben sich international verschlechtert – eine Ausnahme ist Estland.
  • Migration und soziale Medien erklären den Rückgang nur teilweise.
  • Hinterfragt wird, wie wichtig der PISA-Test für die 15-Jährigen ist – der keine Folgen für sie hat.
  • Ähnliche Tests mit 16- bis 19-Jährigen zeigen deutliche Verbesserungen der Teilnehmer.
  • Der Unterschied ist die Motivation: Die jungen Erwachsenen werden für ihre Teilnahme bezahlt.

 
Die PISA-Ergebnisse in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen bei 15-Jährigen haben deutlich nachgelassen. Doch andere Leistungstests bestätigen den Absturz nicht in gleichem Maße.
Forscher suchen nach einer Erklärung – und stoßen dabei auch auf die Frage, wie ernst Jugendliche einen Test nehmen, der keine Folgen für sie hat.

Ein deutlicher Rückgang

Der Rückgang ist international zu beobachten. Im Lesen ist das durchschnittliche PISA-Ergebnis seit 2018 um 28 Punkte gesunken. Das entspricht etwa anderthalb Jahren Lernfortschritt. In Mathematik entspricht der Rückgang etwa einem Jahr.
Länder wie Frankreich, Deutschland und die Niederlande verzeichnen ihre bisher niedrigsten Ergebnisse. In diesen Ländern ist der Anteil der 15-Jährigen, die grundlegende Kenntnisse in Leseverständnis und Mathematik nicht erreichen, auf fast jeden Dritten gestiegen.
An der Spitze stehen vor allem asiatische Bildungssysteme: Singapur, Taiwan, China, Südkorea und Japan. Estland ist das bestplatzierte europäische Land.
„Die Esten nehmen diese Prüfungen sehr ernst“, sagt Eve Eisenschmidt, Professorin für Bildungsmanagement an der Pädagogischen Hochschule Tallinn, gegenüber Epoch Times.
PISA wird von der OECD seit 2000 durchgeführt und untersucht unter anderem die Kompetenzen von 15-Jährigen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Ein allgemeiner Abwärtstrend begann 2018.

Andere Tests zeigen ein anderes Bild

Wie viel des PISA-Rückgangs tatsächlich auf schlechtere Leistungen zurückgeht, ist nicht eindeutig.
Bildungsforscher Gabriel Heller Sahlgren weist auf zwei Auffälligkeiten hin: Zum einen zeigen andere, vergleichbare Leistungsmessungen keinen ebenso markanten Rückgang. Zum anderen sind die Veränderungen bei PISA in einigen Ländern innerhalb weniger Jahre ungewöhnlich groß.
In Dänemark beispielsweise sind die PISA-Ergebnisse im Lesen seit 2022 um das Äquivalent von anderthalb Jahren Lernzeit gesunken. Heller Sahlgren, der für das schwedische Institutet för Näringslivsforskning tätig ist, erklärt:
„Es ist nicht möglich, dass sich etwas in der Schule innerhalb von drei Jahren so stark verschlechtert hat.“
Auch zehn führende norwegische Sozialwissenschaftler kommen zu einem ähnlichen Schluss. Nationale Tests in Norwegen, die dieselben Inhalte wie PISA messen, zeigen keinen entsprechenden Einbruch. Das spreche dafür, dass bessere Messmethoden erforderlich sind, schreiben die Wissenschaftler in einem Gastbeitrag der Zeitung „Aftenposten“.

Migration erklärt den Rückgang nur teilweise

Eine allgemein anerkannte Ursache für die schlechteren Ergebnisse ist ein gestiegener Anteil neu zugewanderter Schüler.
In Ländern wie Deutschland und Schweden fallen die Ergebnisse deutlich besser aus, wenn nur Schüler mit einheimischem Hintergrund betrachtet werden. Eine Studie kommt etwa zu dem Ergebnis, dass Migration fast ein Drittel des Rückgangs in Schweden zu Beginn der 2000er Jahre erklären könnte.
Für die jüngste Entwicklung reicht diese Erklärung jedoch offenbar nicht aus. Auch Schüler mit einheimischem Hintergrund erzielten schlechtere Ergebnisse.
Eine naheliegende Erklärung ist die rasante Verbreitung sozialer Medien und die stark gestiegene Bildschirmzeit von Jugendlichen. Die intensive Nutzung digitaler Medien könnte insbesondere das Lesen verändern.
Heller Sahlgren verweist darauf, dass Digitalisierung und die intensive Handynutzung dazu führen können, dass längere Texte weniger konzentriert und stärker fragmentiert gelesen werden. Auch die OECD diskutiert den Zusammenhang von Mediennutzung und Aufmerksamkeitsspanne von Jugendlichen.
Eine weitere Ursache könnte überraschend banal sein: Die Motivation, den Test überhaupt ernst zu nehmen.

Wenn eine Prüfung keine Folgen hat

PISA-Ergebnisse fließen nicht in die Schulnoten der Teilnehmer ein. Für die Jugendlichen hat es deshalb normalerweise keine unmittelbaren Konsequenzen, ob sie eine Aufgabe richtig oder falsch beantworten.
„Vieles deutet darauf hin, dass sich die Prüfungsmotivation in mehreren Ländern verändert hat“, sagt Heller Sahlgren. Schüler könnten demnach weniger bereit sein, sich bei einer Prüfung anzustrengen, von der sie keinen persönlichen Vorteil erwarten. Der Forscher sagt weiter:
„Es gibt Anzeichen dafür, dass die Schüler keine Zeit für eine Prüfung aufwenden wollen, die für ihre Noten keine Rolle spielt. Der Anteil derjenigen, die falsch antworten, weil sie zu schnell antworten, steigt. In Schweden nimmt er lawinenartig zu.“
Auch in den OECD-Zahlen zeigt sich, dass immer mehr Schüler den Test besonders schnell ablegen und gleichzeitig ungewöhnlich viele Fehler machen. Von 2018 bis 2025 stieg dieser Anteil von 3,9 Prozent auf 11,1 Prozent.
Ein Teil der schlechten PISA-Ergebnisse könnte damit nicht auf einen entsprechenden Verlust von Wissen und Fähigkeiten zurückgehen, sondern darauf, dass Schüler weniger Energie in die Prüfung stecken.

Was finanzielle Anreize verändern können

Ein schwedisch-deutsches Forschungsteam untersuchte 2024 die Ergebnisse der Schüler im PISA-Test mit Ergebnissen in benotungsrelevanten Prüfungen. Sie stellten fest, dass Schüler sich bei PISA zwar „in hohem Maße angestrengt haben, sich jedoch noch mehr angestrengt hätten, wenn dies Auswirkungen auf ihre Note gehabt hätte.“ Eine der untersuchten Schülergruppen schnitt im Vergleich zu ihren Ergebnissen in den nationalen Prüfungen unterdurchschnittlich ab.
Ein weiteres Experiment liefert einen ähnlichen Hinweis. In einer Untersuchung des amerikanischen Forschungsinstituts National Bureau of Economic Research absolvierten einige chinesische und amerikanische Schulklassen einen PISA-Test. Einigen Schülern wurde mitgeteilt, dass sie – basierend auf ihrer Leistung – bezahlt würden, während andere keinen besonderen Anreiz erhielten.
In den USA erzielten die Schüler mit finanzieller Belohnung im Durchschnitt rund 20 Punkte mehr als diejenigen ohne finanziellen Anreiz. Das entspricht ungefähr einem Jahr Lernfortschritt. Bei den chinesischen Schülern gab es keinen Unterschied.

Ein Vergleich mit anderem Test

Auch ein anderer von der OECD durchgeführter Test liefert Hinweise. PIAAC (Programme for the International Assessment of Adult Competencies) misst die Lese- und Rechenfähigkeiten von Erwachsenen über 16 Jahren.
Heller Sahlgren hat sich insbesondere die Testergebnisse schwedischer 16- bis 19-Jähriger angesehen – also einer Altersgruppe, die etwas älter ist als die PISA-Teilnehmer. Er sagt:
„Es handelt sich um ungefähr dieselbe Art von Fragen, und bei PIAAC sehen wir eine deutliche Verbesserung von 2012 bis 2023.“
Der entscheidende Unterschied liegt in den Rahmenbedingungen: Die Teilnehmer an PIAAC erhalten für ihre Teilnahme 900 schwedische Kronen (rund 80 Euro). Der Test wird zu Hause unter Aufsicht eines Prüfers durchgeführt.
Der Vergleich ist kein Beweis dafür, dass finanzielle Anreize Testergebnisse verbessern. Er wirft jedoch die Frage auf, welchen persönlichen Stellenwert die Teilnehmer dem PISA-Test beimessen.

Warum Estland besser abschneidet

Bei PISA ist Estland ein auffälliges Gegenbeispiel zu vielen westeuropäischen Ländern. Das Land hatte bis 2006 ähnliche Ergebnisse wie das oft gelobte Finnland, seither überholt es sein Nachbarland, das gleichzeitig absackt.
Eve Eisenschmidt sieht einen Teil der Erklärung in kulturellen Faktoren. Sie sagte Epoch Times: „Bildung ist stark kulturell geprägt. Im Allgemeinen herrscht in Estland die Einstellung, dass man hart arbeiten muss. Wenn man etwas tut, dann macht man es ernsthaft.“
Nur ein sehr geringer Teil der Schüler breche die Prüfung ab. Auch historische Erfahrung spielen ihrer Einschätzung nach eine Rolle. Und weiter:
„Man muss auch unsere frühere lange Zeit der Besetzung durch eine fremde Macht berücksichtigen. Wir sagen oft, dass Bildung der Schlüssel zu einer besseren Zukunft ist.“
Hinzu kommen strukturelle Faktoren. Bildung habe in den vergangenen Jahren für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit an Bedeutung gewonnen. „Der Zusammenhang zwischen Bildung und Wirtschaft ist mittlerweile allgemein anerkannt.“ Außerdem gebe es Kooperationen zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor.
Als weitere Gründe nennt Eisenschmidt die weitgehende Autonomie der Schulen und den anspruchsvollen nationalen Lehrplan. „Bestimmte Lerninhalte der 5. Klasse in Estland werden in anderen Ländern erst in der 7. Klasse vermittelt. Dies bringt jedoch auch Herausforderungen und Stress mit sich.“

Bildungsdebatte gefordert

Eine eindeutige Erklärung für den internationalen PISA-Rückgang gibt es bislang nicht.
Bildungsforscher Gabriel Heller Sahlgren sagt, dass die ehrliche Antwort auf die Frage nach den Ursachen des PISA-Phänomens darin besteht, dass niemand wirklich Bescheid weiß.
Er hält deshalb die Diskussion über Schulreformen, die in vielen Ländern geführt werden, grundsätzlich für sinnvoll. Ein reformiertes Bildungssystem könnte Schülern auf unterschiedliche Weise dazu anregen, bessere Leistungen zu erbringen.
„Doch diese Reformen werden die Anreize, bei Tests zu bestehen, die keine Bedeutung haben, nicht beeinflussen.“
 
Dieser Artikel erschien im Original bei der schwedischen Epoch Times unter dem Titel „Brett ras i kunskapstest skakar om Europas länder“. (deutsche Bearbeitung ks)
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08.10.2026 | Koalitionsausschuss beendet: Ergebnisse am Morgen | Rekordwarme Pazifikregion: El Niño

HEUTE6:32 Uhr

Rekordwarme Pazifikregion: El Niño

Die für das Wetterphänomen El Niño entscheidende Meeresregion ist aktuell so warm wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Laut der Plattform „Climate Reanalyzer“ der University of Maine hat die durchschnittliche Meeresoberflächen-Temperatur in der sogenannten Niño-3.4-Region erstmals die 30-Grad-Marke geknackt.

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HEUTE6:21 Uhr

Koalitionsausschuss beendet

Die Spitzen von Union und SPD haben ihre Beratungen im Koalitionsausschuss am Mittwochabend nach etwa vier Stunden beendet. Über die Ergebnisse soll erst am Donnerstagmorgen unterrichtet werden – voraussichtlich schriftlich, wie die dpa erfuhr.
 

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Mürrisch sitzen sie und maulen – von Joseph von Eichendorff

Mürrisch sitzen sie und maulen

 
Mürrisch sitzen sie und maulen
Auf den Bänken stumm und breit,
Gähnend strecken sich die Faulen,
Und die Kecken suchen Streit.
 
Da komm ich durchs Dorf geschritten,
Fernher durch den Abend kühl,
Stell mich in des Kreises Mitten,
Grüß und zieh mein Geigenspiel.
 
Und wie ich den Bogen schwenke,
Ziehn die Klänge in der Rund
Allen recht durch die Gelenke
Bis zum tiefsten Herzensgrund.
 
Und nun geht’s ans Gläserklingen,
An ein Walzen um und um,
Je mehr ich streich, je mehr sie springen
Keiner fragt erst lang: warum? –
 
Jeder will dem Geiger reichen
Nun sein Scherflein auf die Hand –
Da vergeht ihm gleich sein Streichen,
Und fort ist der Musikant.
 
Und sie sehn ihn fröhlich steigen
Nach den Waldeshöhn hinaus,
Hören ihn von fern noch geigen,
Und gehn all vergnügt nach Haus.
 
Doch in Waldes grünen Hallen
Rast ich dann noch manche Stund,
Nur die fernen Nachtigallen
Schlagen tief aus nächt’gem Grund.
 
Und es rauscht die Nacht so leise
Durch die Waldeseinsamkeit,
Und ich sinn auf neue Weise,
Die der Menschen Herz erfreut.
 
Joseph von Eichendorff (1788–1857)
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Bundestag debattiert über Einkommensteuerreform

Der Bundestag debattiert am Donnerstag (9.00 Uhr) über die geplante Einkommensteuerreform. Die Abgeordneten befassen sich in erster Lesung mit dem Vorhaben, das innerhalb der Koalition kontrovers diskutiert wird und vorsieht, vor allem kleine und mittlere Einkommen und insbesondere Familien zu entlasten. In erster Lesung wird außerdem über die geplante Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe sowie die Neuregelung des Wohngeldes debattiert.

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Für die Debatte sind 70 Minuten eingeplant, nach der Debatte sollen Gesetzentwürfe und ein eingereichter Antrag der Grünen den Ausschüssen zur weiteren Beratung überwiesen werden. (afp/red)