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Kann Klang Steine versetzen?

Kann Klang Steine versetzen?
Aus heutiger Sicht erscheint diese Frage absurd. Zwar kann Klang Glas zerbrechen und ausreichend starke Schwingungen können physische Objekte beeinflussen, doch erwartet niemand ernsthaft, dass ein Musiker eine Leier in die Hand nimmt, einen Akkord anschlägt und dann dabei zusieht, wie sich Mauerblöcke zu Mauern auftürmen. Dennoch haben sich unsere Vorfahren immer wieder etwas sehr Ähnliches vorgestellt. In Mythen, Legenden und heiligen Geschichten besitzt Klang eine eigentümliche Macht über die Materie. Musik bewegt Steine. Worte erschaffen Welten. Trompeten lassen Mauern einstürzen. Am faszinierendsten ist jedoch, dass einige der geheimnisvollsten antiken Monumente der Welt bemerkenswerte akustische Eigenschaften aufweisen.
Was haben unsere Vorfahren über den Klang geglaubt?
Eines der eindrucksvollsten Beispiele stammt aus der griechischen Mythologie: Amphion, Sohn von Zeus und Antiope, war der legendäre Erbauer der Mauern von Theben. Während sein Bruder Zethus die Steine mit körperlicher Kraft trug, hatte Amphion eine andere Methode. Er spielte auf seiner Leier und die Steine folgten der Musik. Während er spielte, bewegten sich die großen Blöcke von selbst an ihren Platz und bildeten die Befestigungsanlagen der Stadt.
Es ist ein wunderschönes Bild, aber auch ein tiefgründiges. Die Zivilisation selbst entsteht durch Harmonie. Der Musiker zwingt die Materie nicht in eine Form; vielmehr reagiert die Materie auf ein in der Musik verkörpertes Ordnungsprinzip.
Eine ähnliche Überlieferung finden wir in Troja. Apollon und Poseidon sollen König Laomedon gedient und am Bau der prächtigen Mauern Trojas mitgewirkt haben. Spätere Überlieferungen haben die Geschichte weiterentwickelt und Apollons Musik mit dem wundersamen Aufrichten der Steine in Verbindung gebracht. Wieder einmal verschmelzen Musik und Mauerwerk auf geheimnisvolle Weise.
Diese antike Tradition inspirierte mich zu dem Gedicht namens „Apollon baut Troja mit seiner Leier“, das von der Society of Classical Poets veröffentlicht wurde. Ich stellte mir vor, wie der Gott spielt, während die Stadt vor seinen Augen Gestalt annimmt: „Die Mauer, die mit jeder Note, die er spielte, sichtbar emporragte, / das Entstehen dessen, was noch nicht war – / ganz Troja …“
Doch Apollon ist nicht nur ein Gott der Musik. Er ist auch ein Gott der Prophezeiung. So kann der göttliche Baumeister, der Trojas Entstehung sieht, auch über dessen Vollendung hinaus auf dessen Untergang blicken. Dieses Paradoxon – Klang, der aufbaut, und Klang, der zerstört – bringt uns an einen unerwarteten Ort.

Eine Illustration aus dem Jahr 1665, die Amphion zeigt, dessen Musik Steine bewegt, um Theben zu erbauen.

Foto: gemeinfrei

Im Buch Josua des Alten Testaments stehen die Israeliten vor der scheinbar uneinnehmbaren Stadt Jericho. Doch trotz aller Bemühungen gelingt es ihnen nicht, die Verteidigungsanlagen mit herkömmlichen Belagerungsmaschinen zu durchbrechen. Sechs Tage lang umkreisen die Israeliten die Stadt. Am siebten Tag blasen die Priester ihre Trompeten, das Volk jubelt, und die Mauern stürzen ein.
Egal, ob man dies nun in erster Linie als heilige Geschichte, als Wunder, als mythische Erzählung oder als eine Kombination aus all dem liest: Das fantasievolle Muster ist außergewöhnlich. In Theben errichtet Musik Mauern; in Jericho reißt Klang sie ein. Es scheint so, als würde der Klang den Stein beherrschen.

„Die sieben Trompeten von Jericho“, um 1896–1902, von James Jacques Joseph Tissot. Auf Karton, 18,7 × 30,7 cm, Jewish Museum, New York.

Foto: gemeinfrei

Ein wissenschaftlicher Zusammenhang

Vielleicht sind diese Geschichten nichts als Ergebnisse der menschlichen Vorstellungskraft. Doch ein faszinierendes modernes Forschungsgebiet – die Archäoakustik, also die Untersuchung akustischer Phänomene an antiken Stätten – macht das Bild nicht gerade einfacher. Man denke an Stonehenge.
Moderne akustische Untersuchungen, darunter Experimente mit einem Modell von Stonehenge im Maßstab 1:12, deuten darauf hin, dass der vollendete Steinkreis einen spürbaren Nachhall erzeugt hätte. Die innerhalb des Monuments erzeugten Klänge hatten eine Resonanz, die in der umgebenden offenen Landschaft fehlte: Die Forscher maßen eine Nachhallzeit von etwa 0,64 Sekunden und eine Verstärkung der Sprache um etwa 4,3 Dezibel. Sprache, Gesang, Trommeln oder Musik, die innerhalb des Kreises vorgetragen wurden, könnten daher ein ungewöhnlich kraftvolles Hörerlebnis geschaffen haben.
Das beweist nicht, dass Stonehenge als gigantischer Musikverstärker konzipiert wurde, geschweige denn, dass Schall die Steine irgendwie in ihre Position bewegt hätte. Wir sollten daher vorsichtig damit sein, aus noch so vielsagenden Hinweisen sensationelle Behauptungen zu machen.
Doch stellen Sie sich mal vor, Sie hätten vor viertausend Jahren einen solchen Ort betreten: Es gibt keine Motoren, keine Lautsprecher, keine aufgezeichnete Musik und keine elektronischen Verstärker. Den größten Teil Ihres Lebens verbringen Sie unter freiem Himmel, wo sich Schall schnell verflüchtigt. Dann betreten Sie einen riesigen Kreis aus aufgestellten Steinen. Ein Gesang setzt ein. Eine Trommel ertönt. Stimmen erheben sich gemeinsam – und plötzlich scheinen die Steine selbst den Klang zurückzuwerfen.
Würden Sie das einfach nur als einen interessanten akustischen Effekt erleben? Oder würden die Steine lebendig erscheinen?
In der Vorstellungswelt der Antike wurde sicherlich nicht so scharf zwischen belebter und unbelebter Natur unterschieden. Orpheus, der vielleicht größte Musiker der griechischen Mythologie, war in der Lage, Tiere, Bäume und sogar Felsen mit seiner Musik zu verzaubern. Sein Gesang drang bis in den Hades selbst vor und bewegte die Herrscher der Toten. Auch hier ist die Symbolik klar: Wahre Harmonie erreicht Orte, die rohe Gewalt nicht erreichen kann.
Hier nähern wir uns einer Idee, die noch elementarer ist als die musikalische Architektur. Die alten Griechen verwendeten den Begriff „Logos“, ein Wort, das Sprache und Vernunft umfasst; es ist das Prinzip, durch das die Dinge verständlich und geordnet werden. Jahrhunderte nach Amphion und Apollon stellte der Anfang des Johannesevangeliums eine der erstaunlichsten Behauptungen des westlichen Denkens auf: „Am Anfang war das Wort.“
Doch Johannes greift bewusst einen älteren Anfang auf. Das erste Kapitel der Genesis beschreibt Gott nicht so, als wäre er ein menschlicher Handwerker, der das Universum erschafft. Die Schöpfung geschieht vielmehr durch das Wort: „Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.“
Gott spricht. Die Wirklichkeit gehorcht. Diese Abfolge hat auch etwas Merkwürdiges an sich, das unserer Intuition beinahe widerspricht: Bevor Licht zu sehen ist, gibt es das Wort, das zu hören ist. Auf eigenartige Weise spiegelt dies auch unsere eigene früheste menschliche Erfahrung wider. In der Dunkelheit des Mutterleibs, bevor wir die Welt sehen, begegnen wir ihr durch Klänge – den Rhythmus des Herzschlags der Mutter und den Klang ihrer Stimme.
Wir sind also über die Leier des Amphion hinausgegangen. Klang bewegt nicht bloß bereits vorhandene Steine zu Mauern; das göttliche Wort ruft das ins Dasein, was zuvor nicht existiert hat.

Eine italienische Renaissance-Kupferstichdarstellung der Sphärenharmonie von Guillaume Le Signerre.

Foto: gemeinfrei

Diese uralte Verbindung zwischen Klang, Ordnung und Schöpfung kann auch erklären, warum Musik so oft als mehr als bloße Unterhaltung angesehen wurde. Die pythagoreische Tradition stellte sich die kosmische Ordnung selbst in musikalischen Begriffen vor – die berühmte „Sphärenmusik“. Harmonie war nicht einfach nur etwas, das die Ohren erfreuen sollte; sie spiegelte die der Realität zugrunde liegenden mathematischen Proportionen wider.
Musik zu machen bedeutete also in gewisser Weise, die kosmische Ordnung nachzuahmen. Es ist auch nicht irrelevant, dass ein Dichter etymologisch gesehen ein „Schöpfer“ ist: Das griechische „poietes“ leitet sich von „poiein“ ab, was „machen“ oder „erschaffen“ bedeutet. Die Poesie selbst ist somit sprachlich in der Vorstellung verwurzelt, etwas zu erschaffen, das zuvor nicht existierte.
Vielleicht ist das der Grund, warum die entgegengesetzte Möglichkeit so beunruhigend ist. Wenn harmonischer Klang für Schöpfung und Ordnung steht, könnte Dissonanz auf Auflösung und Verfall hindeuten.
Als ich das Gedicht „Apollon baut Troja mit seiner Leier“ schrieb, fügte ich der antiken Geschichte bewusst einen modernen Schatten hinzu. Apollon sieht zu, wie Türme fast augenblicklich emporragen: „Wie lange? Höchstens 9 oder 11 Minuten? Wer weiß das schon genau?“
Dies ist eine Anspielung auf den 11. September 2001 und auf Türme, die nicht nur emporragten, sondern letztendlich einstürzten. Am Ende des Gedichts überwältigt Apollons prophetische Vision für einen Moment seine Zufriedenheit über das Geschaffene, und er vergießt eine einzelne Träne. Der Gott, der bauen kann, weiß, dass das Gebaute auch wieder zerstört werden kann.
Vielleicht sprechen uns diese alten Geschichten deshalb noch immer an. Die Zivilisation selbst ist eine Art Bauwerk. Sie erfordert Ordnung, Proportionen und Harmonie. Es braucht Generationen, um sie aufzubauen, und manchmal erstaunlich wenig Zeit, um sie zu zerstören.
Amphion spielt, und die Steine fügen sich zusammen; die Trompeten ertönen bei Jericho, und die Steine fallen.
Zwischen diesen beiden Bildern liegt eine der ältesten Vorahnungen der Menschheit: Die Welt wird nicht allein von Materie und Kraft geformt. Auch Worte, Musik, Bedeutung und Harmonie haben Konsequenzen.
Vielleicht ist das die uralte Weisheit, die wir vergessen haben: Bevor die Steine emporragen oder fallen, gibt es das Wort, die Musik, die Idee – die unsichtbare Ordnung, die die Welt, in der wir leben, erschafft oder zerstört.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Can Sound Move Stones? The Ancient Mystery of Building With Music“. (redaktionelle Bearbeitung: ee)
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Prüfungen und Triumphe der Pflicht

Vor rund 15 Jahren sprach ich in einem meiner Homeschooling-Seminare mit einem Schüler der Oberstufe über Robert E. Lees Verständnis von Pflicht. „Ich mag dieses Wort nicht“, sagte er.
„Warum nicht?“
Er zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Ich mag es einfach nicht.“
Doch diese Abneigung ist keineswegs nur eine typische Reaktion eines Jugendlichen. Viele Menschen in unserer Kultur dürften dieses Gefühl teilen, wenn auch oft unbewusst. Wir leben in einer stark auf das Individuum ausgerichteten Zeit, in der persönliche Rechte und Freiheiten einen hohen Stellenwert genießen und Selbstverwirklichung großgeschrieben wird. Stattdessen sprechen wir lieber von Verantwortung. Verantwortung bedeutet, für eine Aufgabe oder eine Handlung einzustehen, im Beruf ebenso wie im privaten Leben.

„Äneas berichtet Dido vom Untergang Trojas“, um 1815, von Pierre-Narcisse Guérin. Pflicht verlangt nicht selten große persönliche Opfer. In Vergils Epos zeigt sich dies besonders eindringlich an Äneas’ schmerzhafter Trennung von Dido, die er auf sich nimmt, um seiner Bestimmung zu folgen. Louvre, Paris.

Foto: gemeinfrei

Pflicht ist etwas anderes. Sie bezeichnet einen von außen an uns herangetragenen Maßstab – eine Verpflichtung, keine freie Entscheidung – und ist häufig in Tradition oder religiösem Glauben verankert. So gehört es zur Pflicht eines Soldaten, einem Vorgesetzten zu gehorchen, während Polizisten das Gesetz durchsetzen müssen. Das alttestamentliche Gebot „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren“ ist beispielsweise eine Forderung, keine Option – eine Pflicht, bei der lediglich die Auslegung und Umsetzung Spielraum lassen.
Dieses Verständnis von Pflicht stand im Zentrum des Lebens im antiken Rom. Das lateinische Wort, das diesen Gedanken wohl am umfassendsten zum Ausdruck bringt, ist „pietas“. Das „Oxford Classical Dictionary“ definiert den Begriff als „die für die Römer typische Haltung pflichtbewusster Ehrfurcht gegenüber den Göttern, dem Vaterland, den Eltern und anderen Angehörigen“.
Um unser Verständnis dieses Pflichtbegriffs zu vertiefen, brauchen wir nur einen Blick auf Vergils großes Epos „Äneis“ zu werfen, in dem die „pietas“ und die sich daraus ergebenden moralischen Anforderungen das Herzstück der Erzählung bilden.

Pietas in Person

„Waffen ertönt mein Gesang und den Mann.“
So beginnt Vergil sein Epos über den trojanischen Prinzen Äneas. Nach der Zerstörung und dem Brand Trojas durch die Griechen gelingt ihm die Flucht. Mit einer Schar von Flüchtlingen begibt er sich auf eine lange Irrfahrt, auf der ihm nicht nur Feinde, sondern auch die Göttin Juno das Leben schwer machen. Schließlich folgt er seinem Schicksal und seiner Mutter, der Göttin Venus, nach Italien. Dort legt er den Grundstein für ein Reich, aus dem später Rom hervorgehen wird.
Im zweiten Buch des Epos sind Äneas und seine Gefährten am Hof der karthagischen Königin Dido eingetroffen. Dort erzählt Äneas die Geschichte vom Untergang Trojas. Dabei zeichnet er in Worten ein eindrucksvolles Bild seiner Flucht aus der zerstörten Stadt – ein Bild, das seither zahlreiche Maler und Bildhauer inspiriert hat. Zugleich bringt diese Szene die Bedeutung der „pietas“ auf den Punkt.
Als die Griechen zu ihrem letzten Angriff auf Troja ansetzen, schläft Äneas. Im Traum erscheint ihm der tote trojanische Held Hektor. Er fordert ihn auf, aus der Stadt zu fliehen, und eröffnet ihm, dass es sein Schicksal sei, ein neues Troja zu errichten. Dennoch versucht Äneas, sich dem Widerstand anzuschließen. Da erscheint ihm auch Venus und macht ihm klar, dass Troja verloren ist und er die Stadt verlassen muss.
Und genau das tut er: Mit dem gebrechlichen, hochbetagten Vater auf dem Rücken, der seinerseits die Penaten, die Hausgötter, trägt, hält Äneas seinen kleinen Sohn Ascanius an der Hand. Hinter ihm folgt seine Frau Creusa. Gemeinsam entkommen sie der Stadt und schließen sich einer Gruppe anderer Trojaner an, die dem Gemetzel ebenfalls entflohen sind. Diese kurze Szene, in der Äneas die Vergangenheit (verkörpert durch seinen Vater) ebenso mit sich trägt wie die Zukunft (in Gestalt seines Sohnes und der Götter) bringt seine von Pflichtgefühl getragene Liebe zu seiner Familie und den Göttern zum Ausdruck.
Aber wie steht es mit seiner Pflicht gegenüber seinem Land?

Die Kosten der Pflicht

Äneas erkennt, dass Creusa während ihrer überstürzten Flucht verschwunden ist. Von Trauer überwältigt kehrt er in das eben erst verlassene Chaos zurück und sucht verzweifelt nach seiner Frau. Da erscheint Creusa ihm als Schatten. Sie sagt ihm, dass sie im Gemetzel den Tod gefunden hat, dass ihm ein langes Exil bevorsteht und dass er anschließend am Tiber ein Reich gründen wird, in dem er glücklich sein wird. Sie nimmt Abschied von ihm und bittet ihn, für ihren gemeinsamen Sohn zu sorgen.
Hier wird Äneas’ Schicksal erneut bekräftigt. Es ist seine Pflicht gegenüber Troja, die Götter der Stadt und ihre alten Blutlinien in einem neuen Land wiederzubegründen.
Doch auch hier zeigt sich, welch gewaltigen Preis die Erfüllung der Pflicht fordern kann. Als Creusa sich von ihrem Mann verabschiedet und ihn bittet, ihr gemeinsames Kind zu beschützen und zu lieben, versucht der weinende Äneas dreimal, den verblassenden Schatten zu umarmen. Dreimal entzieht Creusa sich ihm, als wäre sie ein flüchtiger Traum. Äneas hat nicht nur darin versagt, seine Frau vor dem Tod zu bewahren – nun muss er sich auch den schweren und unberechenbaren Aufgaben stellen, die die Zukunft für ihn bereithält.
Im weiteren Verlauf seiner Geschichte muss Äneas sich den Herausforderungen und Anforderungen seiner Pflicht stellen. So findet er bei Dido vorübergehend Zuflucht und Liebe. Doch als die Götter ihm befehlen, seinem Schicksal zu folgen und Karthago zu verlassen, beendet er die Beziehung und segelt davon. Dabei lässt er die verzweifelte und suizidgefährdete Königin zurück. Seine Abreise wirkt kaltblütig. Später, als er im Hades überrascht ist, ihr zu begegnen – Äneas hatte keine Ahnung, dass sie gestorben war –, nähert er sich ihr unter Tränen. Er fleht sie an, ihm zu glauben, dass er sie nicht aus eigenem Willen, sondern auf Geheiß der Götter verlassen habe. Sie weigert sich, mit ihm zu sprechen, und wendet sich voller Verachtung und Stolz ab.
Im gesamten Verlauf der „Äneis“ weint dieser Held oft über sein Unglück und die Verluste, die ihm widerfahren sind. Er begeht Fehler und wünscht sich sogar, der schreckliche Albtraum vom Untergang Trojas hätte ihn verschlungen und ihn von all diesen Lasten befreit. Doch immer wieder ruft ihn die Pflicht und lässt ihn unaufhörlich weitergehen.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Trials and Triumphs of Duty: Faith, Family, and Country in the ‘Aeneid’ and Today“. (redaktionelle Bearbeitung: ee)