Tag: Deutschland
Der Bundestag berät ab 8. September erstmals über den Haushalt 2027 sowie die Finanzplanung bis 2030. Die Zahlen zeigen nach oben, sowohl bei Ausgaben als auch bei neuen Schulden.
Kritik gibt es am starken Fokus auf die Verteidigung und an Plänen, Gelder aus dem Klima- und Transformationsfonds abzuziehen und in den regulären Haushalt zu überführen.
Der Haushalt dürfte in den parlamentarischen Beratungen noch überarbeitet werden, Ziel ist eine Verabschiedung bis Ende des Jahres. Ein Überblick:
Die geplanten Ausgaben des Bundes steigen 2027 im Kernhaushalt auf 555,4 Milliarden Euro (+6 Prozent). In der Finanzplanung der kommenden Jahre steigen die Ausgaben auf 635,4 Milliarden Euro im Jahr 2030.
Bei der Verschuldung ist kommendes Jahr eine Nettokreditaufnahme von 118,7 Milliarden Euro geplant, nach 98 Milliarden Euro in diesem Jahr. Beide Posten – Ausgaben und Schulden – sind noch einmal höher angesetzt als in den Eckwerten vom Frühjahr.
Zusammen mit den schuldenfinanzierten Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie für die Bundeswehr summieren sich die neuen Schulden kommendes Jahr laut Kabinettsbeschluss auf 203,7 Milliarden Euro. Auch diese Zahl steigt bis 2030 stetig an.
Die vom Kabinett vergangene Woche ebenfalls beschlossene Einkommensteuerreform ist in dem Etatplan noch nicht abgebildet.
Vor allem mit internationalen Faktoren und der daraus resultierenden Wirtschaftslage: „Die globalen Krisen und Konflikte sowie ihre Auswirkungen auf Energiepreise und Lieferketten erschweren es ganz erheblich, die Wachstumsschwäche unseres Landes zu überwinden“, heißt es in der Regierungsvorlage für das Haushaltsgesetz.
Genannt werden etwa die Lage in Nahost und der Ukrainekrieg, was massive Investitionen in die Verteidigungsfähigkeit nach sich ziehe.
Für 2027 rechnet der Bund mit einem realen Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent. Das mindert nicht nur die Steuereinnahmen, sondern treibt auch die Zinszahlungen des Bundes in die Höhe.
41,9 Milliarden Euro werden kommendes Jahr allein für Zinszahlungen veranschlagt. Diese Summe steigt bis 2030 auf voraussichtlich 80,7 Milliarden Euro. Außerdem hat die Bundesagentur für Arbeit kommendes Jahr einen Mehrbedarf von 5,2 Milliarden Euro.
Der Bund verweist zudem auf erneut nötige „Rekordinvestitionen“ unter anderem in Verkehr und Verteidigung, um 2029 die anvisierte Nato-Quote von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erreichen. Insgesamt sind für 2027 Investitionen in Höhe von 117,5 Milliarden Euro vorgesehen.
Klingbeil hatte bei der Vorstellung des Etatplans betont, es sei gelungen, zumindest für 2027 die ursprüngliche Haushaltslücke von 34 Milliarden Euro – den sogenannten „Handlungsbedarf“ – zu schließen.
Damit legt er einen „konsolidierten Haushalt“ vor. Klingbeil tastet für den Haushalt 2027 die Rücklage des Bundes an, damit bleiben für die kommenden Jahre daraus nur noch 3,9 Milliarden Euro übrig. In der Planung bis 2030 bleiben außerdem Handlungsbedarfe bestehen, die Haushaltslücke summiert sich in den Folgejahren auf 107 Milliarden Euro.
Der Konsolidierungskurs müsse daher im kommenden Jahr weitergehen, gibt Klingbeil als Ziel aus.
Zusätzlich zu dem einen Prozent an Einsparungen müssten die Ministerien noch einmal zwei Prozent drauflegen. Mehr Einnahmen erhofft sich der Bund außerdem zeitnah durch die Bekämpfung von Steuerkriminalität, eine höhere Alkohol- und Tabaksteuer sowie eine Plastiksteuer.
Den mit Abstand höchsten Einzeletat hat erneut das Arbeitsministerium mit 201,46 Milliarden Euro nach 197,34 Milliarden Euro im laufenden Jahr – vor allem wegen Rentenzahlungen.
Zweitgrößter Etat ist der Verteidigungshaushalt mit diesmal 109,75 Milliarden Euro. Das ist mit einem Plus von 32,7 Prozent der größte Zuwachs, denn im laufenden Haushaltsjahr hat Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) 82,69 Milliarden Euro zur Verfügung.
Einschließlich der Gelder aus dem Sondervermögen Bundeswehr hat der Haushalt von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) 2027 ein Gesamtvolumen von fast 140 Milliarden Euro.
Den drittgrößten Etat hat erneut das Verkehrsministerium mit 26,43 Milliarden Euro. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt hat kommendes Jahr 21,97 Milliarden Euro zur Verfügung, dahinter folgen die Etats der Ministerien des Inneren, für Familie und für Gesundheit.
Heftige Kritik gibt es von Umweltverbänden und seitens der Grünen an den Plänen, aus dem Klima- und Transformationsfonds kommendes Jahr rund drei Milliarden Euro in den normalen Haushalt zu überführen.
Der Fonds wird zu großen Teilen aus den Einnahmen aus dem EU-Emissionshandel gespeist und soll Mittel für den Klimaschutz bereitstellen. Politiker der Koalition argumentieren, dass auch die in den Haushalt überführten Gelder letztlich dem Klimaschutz zugute kommen, etwa durch Investitionen in die Wärmewende und die Elektromobilität. Kritiker sprechen hingegen von „Zweckentfemdung“.
Kritik kommt auch an dem erneuten Rückgang des Etats für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Das Ministerium hat kommendes Jahr mit 9,47 Milliarden Euro knapp sechs Prozent weniger Geld zur Verfügung. Auch der starke Fokus auf Verteidigungsausgaben führt zu Kritik, vor allem von den Linken. (afp/red)
Der Bundestag berät ab morgen erstmals über den Haushalt 2027 sowie die Finanzplanung bis 2030. Die Zahlen zeigen nach oben, sowohl bei Ausgaben als auch bei neuen Schulden.
Kritik gibt es am starken Fokus auf die Verteidigung und an Plänen, Gelder aus dem Klima- und Transformationsfonds abzuziehen und in den regulären Haushalt zu überführen.
Der Haushalt dürfte in den parlamentarischen Beratungen noch überarbeitet werden, Ziel ist eine Verabschiedung bis Ende des Jahres. Ein Überblick:
Wie sehen die Einnahmen und Ausgaben des Bundes aus?
Die geplanten Ausgaben des Bundes steigen 2027 im Kernhaushalt auf 555,4 Milliarden Euro (+6 Prozent). In der Finanzplanung der kommenden Jahre steigen die Ausgaben auf 635,4 Milliarden Euro im Jahr 2030.
Bei der Verschuldung ist kommendes Jahr eine Nettokreditaufnahme von 118,7 Milliarden Euro geplant, nach 98 Milliarden Euro in diesem Jahr. Beide Posten – Ausgaben und Schulden – sind noch einmal höher angesetzt als in den Eckwerten vom Frühjahr.
Zusammen mit den schuldenfinanzierten Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie für die Bundeswehr summieren sich die neuen Schulden kommendes Jahr laut Kabinettsbeschluss auf 203,7 Milliarden Euro. Auch diese Zahl steigt bis 2030 stetig an.
Die vom Kabinett vergangene Woche ebenfalls beschlossene Einkommensteuerreform ist in dem Etatplan noch nicht abgebildet.
Wie erklärt der Bund die Summen?
Vor allem mit internationalen Faktoren und der daraus resultierenden Wirtschaftslage: „Die globalen Krisen und Konflikte sowie ihre Auswirkungen auf Energiepreise und Lieferketten erschweren es ganz erheblich, die Wachstumsschwäche unseres Landes zu überwinden“, heißt es in der Regierungsvorlage für das Haushaltsgesetz.
Genannt werden etwa die Lage in Nahost und der Ukrainekrieg, was massive Investitionen in die Verteidigungsfähigkeit nach sich ziehe.
Für 2027 rechnet der Bund mit einem realen Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent. Das mindert nicht nur die Steuereinnahmen, sondern treibt auch die Zinszahlungen des Bundes in die Höhe.
41,9 Milliarden Euro werden kommendes Jahr allein für Zinszahlungen veranschlagt. Diese Summe steigt bis 2030 auf voraussichtlich 80,7 Milliarden Euro. Außerdem hat die Bundesagentur für Arbeit kommendes Jahr einen Mehrbedarf von 5,2 Milliarden Euro.
Der Bund verweist zudem auf erneut nötige „Rekordinvestitionen“ unter anderem in Verkehr und Verteidigung, um 2029 die anvisierte Nato-Quote von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erreichen. Insgesamt sind für 2027 Investitionen in Höhe von 117,5 Milliarden Euro vorgesehen.
Wie hoch sind die Finanzierungslücken?
Klingbeil hatte bei der Vorstellung des Etatplans betont, es sei gelungen, zumindest für 2027 die ursprüngliche Haushaltslücke von 34 Milliarden Euro – den sogenannten „Handlungsbedarf“ – zu schließen.
Damit legt er einen „konsolidierten Haushalt“ vor. Klingbeil tastet für den Haushalt 2027 die Rücklage des Bundes an, damit bleiben für die kommenden Jahre daraus nur noch 3,9 Milliarden Euro übrig. In der Planung bis 2030 bleiben außerdem Handlungsbedarfe bestehen, die Haushaltslücke summiert sich in den Folgejahren auf 107 Milliarden Euro.
Der Konsolidierungskurs müsse daher im kommenden Jahr weitergehen, gibt Klingbeil als Ziel aus.
Zusätzlich zu dem einen Prozent an Einsparungen müssten die Ministerien noch einmal zwei Prozent drauflegen. Mehr Einnahmen erhofft sich der Bund außerdem zeitnah durch die Bekämpfung von Steuerkriminalität, eine höhere Alkohol- und Tabaksteuer sowie eine Plastiksteuer.
Wie hoch sind die einzelnen Etats?
Den mit Abstand höchsten Einzeletat hat erneut das Arbeitsministerium mit 201,46 Milliarden Euro nach 197,34 Milliarden Euro im laufenden Jahr – vor allem wegen Rentenzahlungen.
Zweitgrößter Etat ist der Verteidigungshaushalt mit diesmal 109,75 Milliarden Euro. Das ist mit einem Plus von 32,7 Prozent der größte Zuwachs, denn im laufenden Haushaltsjahr hat Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) 82,69 Milliarden Euro zur Verfügung.
Einschließlich der Gelder aus dem Sondervermögen Bundeswehr hat der Haushalt von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) 2027 ein Gesamtvolumen von fast 140 Milliarden Euro.
Den drittgrößten Etat hat erneut das Verkehrsministerium mit 26,43 Milliarden Euro. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt hat kommendes Jahr 21,97 Milliarden Euro zur Verfügung, dahinter folgen die Etats der Ministerien des Inneren, für Familie und für Gesundheit.
Welche Kritik gibt es an den Finanzplänen?
Heftige Kritik gibt es von Umweltverbänden und seitens der Grünen an den Plänen, aus dem Klima- und Transformationsfonds kommendes Jahr rund drei Milliarden Euro in den normalen Haushalt zu überführen.
Der Fonds wird zu großen Teilen aus den Einnahmen aus dem EU-Emissionshandel gespeist und soll Mittel für den Klimaschutz bereitstellen. Politiker der Koalition argumentieren, dass auch die in den Haushalt überführten Gelder letztlich dem Klimaschutz zugute kommen, etwa durch Investitionen in die Wärmewende und die Elektromobilität. Kritiker sprechen hingegen von „Zweckentfemdung“.
Kritik kommt auch an dem erneuten Rückgang des Etats für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Das Ministerium hat kommendes Jahr mit 9,47 Milliarden Euro knapp sechs Prozent weniger Geld zur Verfügung. Auch der starke Fokus auf Verteidigungsausgaben führt zu Kritik, vor allem von den Linken. (afp/red)
Am kommenden Sonntag (13.9.) stehen in Niedersachsen flächendeckende Kommunalwahlen an. 6,3 Millionen Menschen sind nach Angaben der Landeswahlleitung zur Abstimmung über fast 2.200 Kommunalparlamente zwischen Nordsee und Harz aufgerufen, darunter etwa Kreistage sowie Stadt- und Gemeinderäte.
Dazu kommen knapp 400 Direktwahlen für Landräte und hauptamtliche Bürgermeister. Es geht unter anderem um den Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover und den Regionspräsidenten der wichtigen Region Hannover. Eine Sperrklausel in Form der Fünf-Prozent-Hürde gibt es bei den Kommunalwahlen nicht.
CDU stärkste Partei vor SPD
Allgemeine Kommunalwahlen finden in Niedersachsen alle fünf Jahre statt, diesmal treten 26 Parteien und politische Vereinigungen mit Kandidaten an. Bei der Kommunalwahl vor fünf Jahren verteidigte die CDU ihre Stellung als stärkste Partei vor der SPD, die Grünen belegten den dritten Rang.
Danach folgten FDP, AfD sowie Linkspartei. Die Landesregierung in dem Bundesland stellen derzeit SPD und Grüne, Ministerpräsident ist Olaf Lies von der SPD.
Landesweit kamen die Christdemokraten vor fünf Jahren bei den Wahlen zu den Gemeindevertretungen auf 32,8 Prozent, die SPD folgte mit 29,6 Prozent. Die Grünen erreichten 13,5 Prozent, die FDP 5,2 Prozent und die AfD 2,2 Prozent. Die Linke kam auf 1,6 Prozent. Auf Wählergruppen und -vereinigungen entfielen insgesamt 13 Prozent.
Bei den Wahlen zu Kreistagen und Vertretungen der kreisfreien Städte gab es 2021 ein weitgehend ähnliches Bild: Die CDU lag mit 31,7 Prozent vor der SPD mit 30,0 Prozent.
Die Grünen legten im Vergleich zur vorherigen Wahl deutlich auf 15,9 Prozent zu, die FDP kam auf 6,5 Prozent. Die AfD erreichte damals 4,6 Prozent, die Linkspartei 2,8 Prozent. Für Wählergruppen und -vereinigungen stimmten 5,6 Prozent.
Ausschluss einiger AfD-Kandidaten von der Wahl
Für Schlagzeilen sorgte vorab der Ausschluss mehrerer AfD-Kandidaten von Direktwahlen für Posten von Landräten und Bürgermeistern wegen Zweifeln an der Verfassungstreue.
Hintergrund ist eine Neuerung im Kommunalwahlgesetz: Die örtlich zuständigen Wahlorgane können Direktkandidaten für die Position von Hauptverwaltungsbeamten genauer auf ihre Verfassungstreue prüfen und die Kommunalaufsicht mit entsprechenden Prüfungen beauftragen. Diese darf neben persönlichen Äußerungen unter anderem auch Erkenntnisse des Verfassungsschutzes einholen.
Es traf unter anderem den von der Landratswahl im Landkreis Lüneburg ausgeschlossenen AfD-Vizelandesvorsitzenden Stephan Bothe sowie den Bundestagsabgeordneten Martin Sichert, der für die AfD als Kandidat bei der Landratswahl im Kreis Friesland antreten wollte.
Die Partei sprach von undemokratischen Zuständen, Verwaltungsgerichte und das niedersächsische Oberverwaltungsgericht in Lüneburg wiesen Eilanträge jedoch ab.
Das Oberverwaltungsgericht stellte unanfechtbar und abschließend fest, dass einstweilige Anordnungen gegen unmittelbar auf das Wahlverfahren bezogene Einzelentscheidungen von Wahlorganen gesetzlich nicht vorgesehen seien.
Betroffene könnten eine Wahl nur nachträglich in einem Wahlprüfverfahren anfechten. Anders seien fristgemäße Abstimmungen angesichts der Menge an Einzelentscheidungen nicht zu gewährleisten. Rechtsschutz bleibe trotzdem gewahrt, weil Wahlen in Wahlprüfverfahren für ungültig erklärt werden könnten.
Hannover, Oldenburg, Osnabrück, Braunschweig und Göttingen
Oberbürgermeisterwahlen finden am kommenden Sonntag unter anderem in der Landeshauptstadt Hannover und den nächstgrößeren Städten statt – darunter Oldenburg, Osnabrück, Braunschweig und Göttingen.
In Hannover will Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) sein Amt verteidigen, er regiert die 522.000-Einwohner-Stadt seit 2019.
Auch über den Präsidenten der Region Hannover wird entschieden. Der Amtsinhaber Steffen Krach (SPD) tritt nicht erneut an. Er ist seit März beurlaubt, weil er für die SPD als Spitzenkandidat bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin ins Rennen geht.
Diese ist für den 20. September angesetzt – eine Woche nach der Kommunalwahl in Niedersachsen und parallel zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. (afp/red)
In Sachsen hat die Polizei neun weitere selbstgebaute Sprengvorrichtungen gefunden, die mutmaßlich für Anschläge auf die Stromversorgung aufgestellt wurden.
Sie befanden sich unmittelbar an Hochspannungstrassen in der Nähe des Umspannwerks Graustein bei Görlitz, wie das Landeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden mitteilten. Der Tatverdächtige war weiter auf der Flucht.
Anschläge in Brandenburg und Bergheim
Am Dienstag vergangener Woche waren Anschläge auf Umspannwerke bei Jänschwalde in Brandenburg und Bergheim in Nordrhein-Westfalen verübt worden. Weitere verdächtige Vorrichtungen wurden später in Dormagen und Weisweiler entdeckt.
Nach Angaben von Polizei und Netzbetreibern wurde dabei mit pyrotechnischen Geschossen leitfähiges Material in Hochspannungsleitungen geschossen, um Kurzschlüsse zu verursachen. In der Umgebung wurden Abschussvorrichtungen gefunden.
Die Anschläge in Bergheim und Jänschwalde führten zu Abschaltungen in Kraftwerksblöcken, die Stromversorgung war aber nicht gefährdet. Die Ermittlungen laufen unter anderem wegen des Vorwurfs verfassungsfeindlicher Sabotage, in Brandenburg auch wegen Bildung einer Terrorvereinigung.
21 Vorrichtungen in Sachsen gefunden
Am Freitag wurden auch in Sachsen Sprengvorrichtungen in der Nähe der Umspannwerke Bärwald und Graustein entdeckt. Nach Hinweisen war dort die Polizei ausgerückt.
Bis Sonntag war sie im Einsatz. Insgesamt fand sie in Sachsen 21 solcher Vorrichtungen, wie die Ermittler nun mitteilten.
Nach dem Tatverdächtigen, einem 48 Jahre alten Mann aus Nordrhein-Westfalen, wird öffentlich gefahndet. Er soll einige der Taten in Bekennerschreiben zugegeben und mit Kritik an der Energieerzeugung mit fossilen Brennstoffen begründet haben.
Großeinsatz nahe dem Hambacher Forst
Am Sonntag rückte die Polizei mit Drohnen zu einem Großeinsatz in der Nähe des Hambacher Forsts in Nordrhein-Westfalen aus. Dort war am Freitag auf einem Parkplatz das Wohnmobil des 48-Jährigen gefunden worden.
Die Brandenburger Polizei teilte mit, dass er inzwischen mit dem Fahrrad unterwegs sein könnte. Gefunden wurde er zunächst nicht. (afp/red)
Die Spitzengremien der Parteien im Bund beraten heute in Berlin über den Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Dabei dürfte es vor allem um mögliche Konsequenzen aus dem klaren Wahlsieg der AfD in dem Bundesland gehen.
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Den Auftakt machen die AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla (10:15 Uhr). Es folgt Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner (12:45 Uhr). Danach tritt CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze vor die Presse (13:30 Uhr).
SPD-Chef Lars Klingbeil hält darauf eine Pressekonferenz gemeinsam mit Sachsen-Anhalts SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann (14:00 Uhr). Zeitgleich tun dies auch Grünen-Parteichef Felix Banaszak und die Spitzenkandidatin der Landes-Grünen, Suse Sziborra-Seidlitz. Am Vormittag (11:00 Uhr) äußert sich auch FDP-Chef Wolfgang Kubicki.
Kanzleramtsministerin Nina Warken hat unmittelbar vor den Beratungen der CDU-Spitze einen Sturz von Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU) ausgeschlossen. „Es wäre jetzt glaube ich das Falscheste, wenn wir Personalfragen stellen würden“, sagte Warken am Montag im ARD-„Morgenmagazin“.
AfD verdoppelt ihr Ergebnis – CDU stürzt ab
Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt klar vor der regierenden CDU gewonnen, eine absolute Mehrheit aber verpasst.
Wie die Landeswahlleitung in der Nacht in Halle an der Saale mitteilte, erreichte die AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund 43,8 Prozent der Stimmen (+23,0) und landete weit vor der CDU von Ministerpräsident Sven Schulze mit 17,2 Prozent (-19,9)
Auch die SPD mit 9,3 (+0,9) Prozent, die Grünen mit 8,9 Prozent (+3,0), die Linke mit 8,6 Prozent (-2,4) und das BSW mit 5,3 Prozent (+5,3) zogen in den Magdeburger Landtag ein. Die FDP schied hingegen mit 2,6 Prozent (-3,8) aus.
Die Wahlbeteiligung erreichte mit 77,8 Prozent ein Allzeithoch. Der bisherige Rekord waren 71,7 Prozent im Jahr 1998 gewesen.
Voraussichtliche Sitzverteilung im Parlament
Von den insgesamt 83 Sitzen im Landtag von Sachsen-Anhalt gehen 39 an die AfD und 15 an die CDU. SPD, Grüne und Linke erhalten jeweils acht Mandate. An das BSW gehen fünf Sitze. Die anderen Parteien erreichten zusammen 44 Sitze. Fast alle der 41 Direktmandate gingen an die AfD, lediglich einen Wahlkreis in Magdeburg und zwei weitere in Halle gewann die Linke.
Die AfD könnte zwar mit allen anderen Parteien eine Zweierkoalition mit klarer Mehrheit bilden, allerdings lehnen sämtliche Parteien dies ab. Lediglich das BSW zeigt sich offen für eine Zusammenarbeit mit der AfD in Sachfragen, favorisiert allerdings einen „überparteilichen Ministerpräsidenten“, also weder Siegmund noch Schulze.
Aus diesem Grund dürfte auch eine von der CDU geführte und von der Linken sowie dem BSW tolerierte Minderheitsregierung mit SPD und Grünen ausscheiden.
AfD-Spitzenkandidat Siegmund will nur mit einer Mehrheit regieren, was auch eine AfD-Minderheitsregierung ausschließen würde. AfD-Bundeschefin Alice Weidel bezeichnete indes „ein Regierungsszenario mit dem BSW“ als „sehr interessant“ und eine Minderheitsregierung als „relevante Option“. (afp/red)
Die Spitzengremien der Parteien im Bund beraten heute in Berlin über den Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Dabei dürfte es vor allem um mögliche Konsequenzen aus dem klaren Wahlsieg der AfD in dem Bundesland gehen.
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Den Auftakt machen die AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla (10:15 Uhr). Es folgt Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner (12:45 Uhr). Danach tritt CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze vor die Presse (13:30 Uhr).
SPD-Chef Lars Klingbeil hält darauf eine Pressekonferenz gemeinsam mit Sachsen-Anhalts SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann (14:00 Uhr). Zeitgleich tun dies auch Grünen-Parteichef Felix Banaszak und die Spitzenkandidatin der Landes-Grünen, Suse Sziborra-Seidlitz. Am Vormittag (11:00 Uhr) äußert sich auch FDP-Chef Wolfgang Kubicki.
Kanzleramtsministerin Nina Warken hat unmittelbar vor den Beratungen der CDU-Spitze einen Sturz von Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU) ausgeschlossen. „Es wäre jetzt glaube ich das Falscheste, wenn wir Personalfragen stellen würden“, sagte Warken am Montag im ARD-„Morgenmagazin“.
AfD verdoppelt ihr Ergebnis – CDU stürzt ab
Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt klar vor der regierenden CDU gewonnen, eine absolute Mehrheit aber verpasst.
Wie die Landeswahlleitung in der Nacht in Halle an der Saale mitteilte, erreichte die AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund 43,8 Prozent der Stimmen (+23,0) und landete weit vor der CDU von Ministerpräsident Sven Schulze mit 17,2 Prozent (-19,9)
Auch die SPD mit 9,3 (+0,9) Prozent, die Grünen mit 8,9 Prozent (+3,0), die Linke mit 8,6 Prozent (-2,4) und das BSW mit 5,3 Prozent (+5,3) zogen in den Magdeburger Landtag ein. Die FDP schied hingegen mit 2,6 Prozent (-3,8) aus.
Die Wahlbeteiligung erreichte mit 77,8 Prozent ein Allzeithoch. Der bisherige Rekord waren 71,7 Prozent im Jahr 1998 gewesen.
Voraussichtliche Sitzverteilung im Parlament
Von den insgesamt 83 Sitzen im Landtag von Sachsen-Anhalt gehen 39 an die AfD und 15 an die CDU. SPD, Grüne und Linke erhalten jeweils acht Mandate. An das BSW gehen fünf Sitze. Die anderen Parteien erreichten zusammen 44 Sitze. Fast alle der 41 Direktmandate gingen an die AfD, lediglich einen Wahlkreis in Magdeburg und zwei weitere in Halle gewann die Linke.
Die AfD könnte zwar mit allen anderen Parteien eine Zweierkoalition mit klarer Mehrheit bilden, allerdings lehnen sämtliche Parteien dies ab. Lediglich das BSW zeigt sich offen für eine Zusammenarbeit mit der AfD in Sachfragen, favorisiert allerdings einen „überparteilichen Ministerpräsidenten“, also weder Siegmund noch Schulze.
Aus diesem Grund dürfte auch eine von der CDU geführte und von der Linken sowie dem BSW tolerierte Minderheitsregierung mit SPD und Grünen ausscheiden.
AfD-Spitzenkandidat Siegmund will nur mit einer Mehrheit regieren, was auch eine AfD-Minderheitsregierung ausschließen würde. AfD-Bundeschefin Alice Weidel bezeichnete indes „ein Regierungsszenario mit dem BSW“ als „sehr interessant“ und eine Minderheitsregierung als „relevante Option“. (afp/red)
Bis 2029 könnten bundesweit rund 39.100 Verkäufer fehlen. Das geht aus einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. Damit dürfte die Fachkräftelücke deutlich wachsen. In keiner anderen Berufsgruppe könnten so viele Stellen unbesetzt bleiben.
Von einer Prognose will Studienautor Alexander Burstedde nicht sprechen. Die Analyse schreibe die Entwicklungen des Arbeitsmarktes bis 2029 fort und zeige, was passieren würde, wenn aktuelle Trends anhielten.
Wie ist die Entwicklung zu erklären?
Die Berufsgruppe „Fachkraft im Verkauf ohne Produktspezialisierung“ umfasst laut IW gut 870.000 Beschäftigte und ist damit die drittgrößte in Deutschland. Noch sei der Fachkräftemangel in diesem Bereich gering, sagt Burstedde. Das dürfte sich jedoch ändern.
Der Experte führt den erwarteten Anstieg unter anderem darauf zurück, dass in den kommenden Jahren viele Menschen in Rente gehen. Zugleich komme voraussichtlich zu wenig Nachwuchs nach – auch, weil weniger Arbeitskräfte aus dem Ausland gewonnen werden könnten. Eine wirtschaftliche Erholung dürfte den Bedarf an Fachkräften zusätzlich erhöhen.
Zu der Berufsgruppe zählen unter anderem Einzelhandelskaufleute und Fachverkäufer. Die meisten von ihnen arbeiten laut IW im stationären Einzelhandel, oft in direktem Kundenkontakt.
Zu ihren Aufgaben gehören neben der Beratung auch kaufmännische Tätigkeiten wie Warenbestellungen oder die Gestaltung von Verkaufsflächen. Ausgenommen sind Verkäufer, die auf eine Warengruppe festgelegt sind, etwa Bäcker, Fleischfachverkäufer, Buchhändler oder Floristen.
Welche Auswirkungen hat der Fachkräftemangel?
„Der Fachkräftemangel im Verkauf führt in erster Linie dazu, dass die Beratungsqualität sinkt“, sagt Burstedde. Viele Menschen würden lieber vor Ort einkaufen. Fühlten sie sich dort nicht gut beraten, könnten sie zum Online-Handel abwandern.
Ulrike Witt vom Handelsforschungsinstitut EHI beobachtet in Geschäften bereits große Unterschiede bei der Qualität der Beratung. Viele Händler hätten Probleme, gutes Personal zu finden. „Die Bewerber bringen oft nicht mehr so viel mit wie vor 20 Jahren.“
Gute Beratung mache viel aus. Andererseits seien Kunden oft schon vor dem Einkauf gut informiert und bräuchten weniger Unterstützung als früher. „Viele kommen ins Geschäft, um Produkte zu sehen oder auszuprobieren.“ In Bereichen wie Baumärkten, im Bekleidungshandel oder beim Küchenkauf bleibe Beratung jedoch wichtig.
Die zunehmenden Personalengpässe treffen den stationären Einzelhandel zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Branche steht wegen der Kaufzurückhaltung und des wachsenden Onlinehandels unter Druck. Persönliche Beratung gilt als einer der letzten großen Vorteile stationärer Geschäfte.
Kann KI die persönliche Beratung ersetzen?
In Onlineshops kommen zunehmend KI-Chatbots zum Einsatz, die Kunden beraten. Laut einer Studie des Handelsforschungsinstituts IFH Köln bevorzugen Konsumenten vor einem Kauf weiterhin den Austausch mit Menschen.
Wenn Vertrauen, Beratung und echte Entscheidungen gefragt seien, ziehen sie demnach den persönlichen Kontakt vor. Die KI überzeuge als Ersatz deutlich weniger.
„Die zunehmende Verbreitung von KI führt offenbar nicht dazu, dass der Mensch an Bedeutung verliert, sondern macht seinen Wert in vielen Situationen sogar noch sichtbarer“, sagt Studienautor Werner Reinartz von der Universität zu Köln. Für die Studie wurden 1.000 Verbraucher zwischen 16 und 69 Jahren im Juli 2026 repräsentativ befragt.
Wie geht der Handel mit der Situation um?
Der Fachkräftemangel sei eine Herausforderung, sagt Steven Haarke vom Handelsverband Deutschland (HDE). „Gute Kundenberatung ist für viele Geschäfte überlebenswichtig, um sich von der Konkurrenz nebenan oder im Internet zu differenzieren.“
Verbessere sich die Lage nicht spürbar, würden Geschäfte versuchen, den Mangel mit neuen technischen Lösungen auszugleichen. Als Beispiel nennt er Kassen, an denen Kunden Produkte selbst scannen. Bei Warenbestellungen leisteten digitale Werkzeuge vielerorts bereits gute Dienste. Auch Geschäfte ohne Personal breiteten sich zunehmend aus.
Der Verband fordert von der Politik, das Zuwanderungsrecht zu vereinfachen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. So solle es an allen Wochentagen und auch samstags nach 17 Uhr Betreuungsangebote geben.
Die Suche nach Nachwuchs gestaltet sich für viele Händler schwierig. Nach Angaben des HDE konnte 2025 nur etwas mehr als ein Viertel der Unternehmen alle Ausbildungsplätze besetzen. EHI-Expertin Witt sagt: Der Verkäuferberuf müsste attraktiver werden – etwa durch bessere Bezahlung, Gesundheitsangebote und flexiblere Öffnungszeiten.
Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt insgesamt?
Laut IW könnten 2029 bundesweit rund 723.000 Fachkräfte fehlen – 96 Prozent mehr als 2025. Nach Verkäuferinnen und Verkäufern dürften die Berufsgruppen Kinderbetreuung und -erziehung (29.900), Sozialarbeit und -pädagogik (23.600), Gesundheits- und Krankenpflege (18.700) sowie Bauelektrik (17.400) am stärksten betroffen sein.
„Der Fachkräftemangel wird sich in vielen Bereichen verschärfen, und wir werden das täglich spüren, etwa bei der Suche nach einem Pflegeplatz oder einem Handwerker“, sagt IW-Ökonom Burstedde. Er rät der Politik, die Arbeitsanreize zu erhöhen und die qualifizierte Zuwanderung aus EU-Drittstaaten zu erleichtern. (dpa/red)
In Kürze:
- Laut McKinsey wird die deutsche Energiewende bis 2035 rund 1 Billion Euro kosten.
- Bisher kostete die Energiewende die Steuerzahler schon Hunderte Milliarden Euro.
- McKinsey schlägt vor, künftig mehr privates Geld für die Energiewende zu mobilisieren.
- Deutschland droht bei 9 von 15 energiepolitischen Zielen zu scheitern.
Mit der Energiewende ist ein erheblicher Umbau unserer Energieinfrastruktur erforderlich. Dieser bereits laufende Umbau soll in den kommenden zehn Jahren zwischen 780 und 1.035 Milliarden Euro verschlingen, also rund 1 Billion Euro.
Zu diesem Ergebnis kam laut „WELT“ der neue „Energiewende-Index“ der Beratungsgesellschaft McKinsey. Diese nötige Investitionssumme umfasst den gesamten Infrastrukturbedarf – also sowohl staatliche als auch private Investitionen – für Netzausbau, Stromerzeugung, Wärme und Wasserstoff. McKinsey fordert dabei ausdrücklich eine stärkere Beteiligung privater Investoren, um die Finanzierung zu stemmen.
Nach McKinsey sei der größte Kostenpunkt mit 680 bis 910 Milliarden Euro die Stromversorgung. Davon entfällt rund die Hälfte auf erneuerbare Energien.
Die Billion beinhaltet allerdings noch nicht die Investitionen wie Solaranlagen auf Hausdächern, Gebäudesanierungen für eine bessere Energiebilanz im Gebäudesektor oder den Einbau von Wärmepumpen oder Wallboxen. Dafür sind weiterhin Privatleute, vorrangig kleine Immobilienbesitzer verantwortlich.
Bisherige Kosten der Energiewende
Seit rund 25 Jahren verändert sich Deutschlands Stromsystem drastisch: Immer mehr zentrale Großkraftwerke wurden durch Millionen Kleinkraftwerke wie Photovoltaik- und Windkraftanlagen ersetzt.
Eine konkrete Summe, wie viel die Energiewende bis heute gekostet hat, liegt nicht vor. Verschiedene Quellen beziffern diesen Aufwand jedoch auf mehrere Hundert Milliarden Euro. Der Betrag hängt maßgeblich von den mit einberechneten Faktoren und gesetzten Zeiträumen ab.
Der Wirtschaftsdienst des Leibniz-Informationszentrums Wirtschaft spricht von fast 250 Milliarden Euro im Zeitraum von 2000 bis 2020 nur an Differenzkosten für das Erneuerbare-Energie-Gesetz. Diesen Kostenbereich schätzt die Stiftung Marktwirtschaft auf mehr als 400 Milliarden Euro von 2000 bis 2030.
Hinzu kommen Ausgaben für Redispatch-Maßnahmen, Vergütungen für nicht eingespeisten Strom aus erneuerbaren Energien und Exportstrom bei Minuspreisen an der Strombörse.
Bisherige Kostenberechnung sowie die neuen Ergebnisse von McKinsey lassen darauf schließen, dass die Energiewende im Laufe der Zeit immer teurer wird.
Künftig mehr Geld von privater Hand?
Laut McKinsey stamme das Geld für den Infrastrukturumbau hauptsächlich von kommunalen Versorgungsunternehmen wie Stadtwerken. Diese Finanzierungsquellen seien jedoch bereits recht überstrapaziert.
Aus Sicht von Sebastian Overlack, Partner bei McKinsey und Co-Autor der Studie, sei es nötig, künftig mehr privates Kapital für die Energiewendeausgaben zu mobilisieren. Er sagte:
„Deutschland hat kein Kapitalproblem – das Problem ist der Zugang zu diesem Kapital.“
Viele Ziele trotzdem nicht erreichbar
Trotz der hohen bisherigen und künftigen Ausgaben für die Energiewende vermutet McKinsey, dass Deutschland 9 von 15 damit verbundene politische Ziele verfehlen könnte. Entsprechend seien nur sechs Ziele realistisch erreichbar. Fünf halte die Beratungsgesellschaft für „unrealistisch“ und vier stünden noch „auf der Kippe“.
Ein klar verfehltes Ziel sei der Netzausbau. Von anvisierten neuen 7.904 Kilometer (km) an Höchstspannungsnetzen konnte die Bundesrepublik bislang nur 4.045 km realisieren. Daran konnte auch das zweite Halbjahr 2025, in dem ein Rekordausbau stattfand, nichts ändern – die Akteure haben das notwendige Tempo auch hier nicht erreicht.
Einen besseren Eindruck hinterließ hingegen der Ausbau erneuerbarer Energiequellen. Vor allem der Ausbau der Photovoltaik schreitet mit hohem Tempo voran. Bereits im August dieses Jahres hat Deutschland das Jahresausbauziel für 2026 von 128 Gigawatt Nennleistung erreicht.
Ebenfalls gut sieht es bei der Senkung des Primärenergieverbrauchs aus. Dieser war in den vergangenen Jahren überwiegend rückläufig. Er sank von rund 13.400 Petajoule (Pj) im Jahr 2015 auf rund 10.550 Pj im vergangenen Jahr. Allerdings ist zu erwähnen, dass ein maßgeblicher Grund für den sinkenden Energieverbrauch die hohe Anzahl an Schließungen inländischer Unternehmensstandorte ist.
In Berlin ist ein Umspannwerk durch ein Feuer leicht beschädigt worden. Die Einsatzkräfte seien am frühen Montagmorgen alarmiert worden, teilte die Polizei mit.
In der Bissingzeile brannten demnach „eine Baustelle und ein Teil des Umspannwerkes, welche durch das Feuer beschädigt wurden“.
Die Kriminalpolizei ermittele nun mit Hilfe des Betreibers, ob eine Straftat oder ein technischer Defekt vorliege. Die Stromversorgung sei derzeit nicht beeinträchtigt.
48-Jähriger gesucht
In den vergangenen Tagen waren Anschläge auf Umspannwerke in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen verübt worden. Am Freitag wurden dann auch in Sachsen an zwei Umspannwerken mehrere Sprengstoffvorrichtungen entdeckt.
Die Polizei fahndet nach einem 48-jährigen aus Gevelsberg in Nordrhein-Westfalen, der zwei als authentisch eingeschätzte Bekennerschreiben hinterließ. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, er gehe von einem Fall von „Klimaextremismus“ aus. (afp/red)
Die Wähler in Sachsen-Anhalt haben entschieden – das Wahlergebnis lässt offen, wer das Bundesland mit 2,1 Millionen Einwohnern künftig regieren kann. Fragen und Antworten, wie es weitergehen könnte.
Wie sieht das Wahlergebnis aus?
Die AfD hat die Wahl klar gewonnen und strebt an die Regierung, für eine Alleinregierung reichen nach dem vorläufigen Ergebnis ihre knapp 44 Prozent nicht.
Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze kommt auf rund 17 Prozent. Die Linke, die Grünen und die SPD rangieren jeweils bei Werten um 9 Prozent. Das Bündnis Sahra Wagenknecht schafft es mit über 5 Prozent knapp in den Landtag – die FDP nicht.
Könnte es eine CDU-geführte Landesregierung geben?
Eine Regierungsbildung gegen die AfD wäre nur möglich, wenn alle anderen zusammenarbeiten – also von CDU über SPD, Grüne, Linke bis BSW. Eine Kooperation zwischen fünf Partnern wäre aber äußerst ungewöhnlich, sehr kompliziert und kaum vorstellbar.
Eine Koalition oder koalitionsähnliche Zusammenarbeit mit der Linken hat die CDU per Parteitagsbeschluss ausgeschlossen, ebenso wie mit der AfD. Zu einer informellen Zusammenarbeit wäre die Linke zwar bereit, aber nur bei inhaltlichen Zugeständnissen.
Die AfD sieht den Regierungsauftrag bei sich – wie will sie an die Macht kommen?
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund verfolgt weiter seinen Plan, erster AfD-Regierungschef in einem Bundesland zu werden.
Einen natürlichen Koalitionspartner, mit denen man grundsätzliche Probleme wie etwa die Migrationspolitik angehen könne, sehe er Stand jetzt zwar nicht, sagte er in Interviews am Wahlabend.
Doch könne es den einen oder anderen Mitbewerber geben, der in den kommenden Tagen ins Grübeln komme. „Gibt es einzelne Abgeordnete, die das doch möglich machen sollten?“, fragte er. „Gibt es irgendwo eine Partei, die den eigenen Kurswechsel herbeiführt?“
Könnte es Überläufer aus der CDU zur AfD geben?
Solche Spekulationen halten sich seit Monaten. Ein paar AfD-Politiker erzählen, es gebe Gespräche mit CDU-Landtagsabgeordneten, ob die sich einen Wechsel zur AfD vorstellen könnten. Doch Namen nennen sie nicht – und Belege gibt es nicht. Klar ist, dass auf Überläufern ein riesiger öffentlicher Druck lasten würde.
Könnte die AfD aufs BSW setzen?
Diese aus seiner Sicht instabile Partei sei nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems, sagt Siegmund. Hintergrund waren Avancen der BSW-Gründerin Sarah Wagenknecht. Sie hatte angedeutet, dass ihre Partei durchaus einem AfD-Ministerpräsidenten zur Macht verhelfen könnte – durch Enthaltung im entscheidenden Wahlgang.
AfD-Bundeschef Tino Chrupalla brachte am Abend eine Minderheitsregierung ins Spiel, die sich etwa vom BSW dulden lässt und wechselnde Mehrheiten sucht. Doch ein endloses Gezerre will sich der selbstbewusste Wahlsieger nicht antun.
Siegmund sagte am späten Abend: „Im Notfall würde es halt Neuwahlen geben, dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent.“ Gut vorbereitet sieht Siegmund seine Partei so oder so: Seine Regierungsmannschaft stehe schon seit Monaten.

BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig und AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel standen gemeinsam in einer Wahlsendung.
Foto: Jan Woitas/dpa
Das BSW hat vor der Wahl eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen. Gleichzeitig will die Partei aber die sogenannte Brandmauer einreißen. Eine Zusammenarbeit hält sie sich also offen, die Form ist unklar. Inhaltlich gibt es Berührungspunkte.
Das BSW vertritt eine strikte Linie zur Migration, auch der Ruf nach Rückkehr zu billigem Gas aus Russland hört sich bei BSW und AfD ähnlich an. Vorbehalte gibt es beim BSW gegen Aspekte der Bildungs- und Wirtschaftspolitik der AfD.
Parteigründerin Sahra Wagenknecht zeigt sich grundsätzlich offen für einen „politischen Neuanfang“. Allerdings gibt es auch die Ankündigung von Co-Parteichefin Amira Mohamed Ali vom Wahlabend: „Wir werden weder Herrn Schulze noch Herrn Siegmund wählen.“
Das BSW vertritt offiziell ein eigenes Modell: Ein „überparteilicher Ministerpräsident“ soll mit wechselnden Mehrheiten einschließlich der AfD regieren. Bisher unterstützt keine andere Partei diese Idee.
Wie geht es weiter?
Am Montag werten in Berlin die Vorstände der Parteien das Wahlergebnis aus, und die meisten Parteispitzen stellen sich auf Pressekonferenzen den Fragen der Medien.
Am Abend tagt in Sachsen-Anhalt der CDU-Landesvorstand. Dort könnte es unter anderem um die Zukunft von Sven Schulze gehen. Es gibt erste Rücktrittsforderungen aus den Reihen der Christdemokraten.
Welche Regeln und Fristen gelten im Parlament in Magdeburg?
Der neue Landtag muss laut Landesverfassung spätestens am 30. Tag nach der Wahl erstmals zusammentreten, also am 6. Oktober. Dann enden auch die Amtszeiten der Minister und des Regierungschefs. Sie sind verpflichtet, im Amt zu bleiben, bis die Nachfolger übernehmen.
Die erste Sitzung wird vom Alterspräsidenten eröffnet, dem am längsten im Landtag vertretenen Abgeordneten. Er oder sie leitet die Sitzung, bis ein neuer Landtagspräsident gewählt ist. Dieser nimmt bei der Gestaltung der Abläufe eine entscheidende Rolle ein – etwa bei der Einberufung von Sitzungen.

Die Polizei sichert den Landtag von Sachsen-Anhalt während der Landtagswahlen am 6. September 2026 in Magdeburg, Deutschland.
Foto: Omer Messinger/Getty Images
Laut Geschäftsordnung schlägt die stärkste Fraktion einen Abgeordneten für die Wahl zum Präsidenten vor. Die drei stärksten Fraktionen schlagen zudem jeweils einen Vizepräsidenten vor. Gewählt ist, wer die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen bekommt.
Nach der in diesem Jahr verabschiedeten Parlamentsreform gilt das monopolisierte Vorschlagsrecht der stärksten Fraktion nur im ersten Wahlgang. Ab dem zweiten Wahlgang können alle Fraktionen Kandidaten aufstellen. Ergibt sich auch dann keine Mehrheit, folgen weitere Wahlgänge.
Wie wird der Ministerpräsident gewählt?
Der Ministerpräsident wird ohne Aussprache in geheimer Abstimmung gewählt. Es gibt keine Frist, bis wann dies passieren muss. Abgeordnete sowie Fraktionen können selbst entscheiden, wann sie Wahlanträge einreichen.
Sobald mindestens ein Wahlantrag vorliegt, wird die Wahl für die nächste erreichbare Landtagssitzung auf die Tagesordnung gesetzt – dies kann auch gleich die erste sein.
Gewählt ist, wer im ersten Wahlgang die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder erhält. Klappt die Wahl beim ersten Versuch nicht, greifen Fristen: So muss innerhalb von sieben Tagen ein weiterer Wahlgang stattfinden.
Kommt auch dann die Wahl nicht zustande, beschließt der Landtag innerhalb von weiteren vierzehn Tagen, ob die Wahlperiode vorzeitig beendet wird. Wird dies nicht mit der Mehrheit der Mitglieder des Landtags beschlossen, findet unverzüglich ein weiterer Wahlgang statt: Dann reicht die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. (dpa/red)
Nach Sabotageakten an mehreren Umspannwerken in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen sucht die Polizei mit Hochdruck nach dem 48-jährigen Tatverdächtigen.
Am Sonntagnachmittag, 6. September, starteten die Behörden einen Großeinsatz am Hambacher Forst bei Kerpen. Es seien Hinweise bei der Polizei eingegangen, dass sich der Täter, der zuvor bereits Bekennerschreiben an mehrere Medien übermittelt hatte, in diesem Gebiet befinde. An dem Großeinsatz sollen bis zu 100 Polizeifahrzeuge beteiligt sein.
Am selben Tag hat die Polizei Köln Fotos von Daniel V. veröffentlicht, die sein schnelleres Ergreifen ermöglichen sollen. Sie bittet die Bevölkerung um weitere Hinweise zum Tatverdächtigen.
Bereits am Freitag durchsuchten Beamte die Wohnung des 48-Jährigen in Gevelsberg (NRW). Dort haben sie Sprengstoff gefunden. Kurze Zeit später stürmten Einsatzkräfte am Nachmittag im rund 100 Kilometer entfernten Niederzier in einem Wald einen zu einem Wohnmobil umgebauten Laster, der dem mutmaßlichen Täter gehören soll.
Nach einem neuen Hinweis könnte Daniel V. nun mit einem schwarzen Fahrrad der Marke Trenoli in der Region unterwegs sein. Es soll eine Rahmenhöhe von 56 Zentimetern haben. Es handele sich um das Modell „Tazio Sportivo M“.
Die Suche nach dem Tatverdächtigen ist trotz des Großeinsatzes am Hambacher Forst bisher erfolglos geblieben. Die Suche wurde gegen 19 Uhr beendet, wie ein Sprecher der Kölner Polizei der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Es seien keine Hinweise gefunden worden. Nach Beobachtung eines dpa-Reporters waren bis zu 100 Fahrzeuge der Polizei vor Ort.
Weitere Anschläge angekündigt
Die versuchten Sabotage-Akte konzentrierten sich auf Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und zuletzt Sachsen. In allen drei Bundesländern wird noch Braunkohle abgebaut und verstromt.
In den zuvor eingegangenen Bekennerschreiben hat sich der mutmaßliche Täter zu den Anschlägen bekannt. Die Ziele waren stets Umspannwerke direkt bei den Kohlekraftwerken etwa in Jänschwalde oder Dormagen. In dem Schreiben hieß es: „Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen, das unsägliches Leid nach sich zieht.“ Seine Absicht sei es, dieses Leid abzuwenden oder zu vermindern.
In dem Schreiben teilte der mutmaßliche Täter zudem detaillierten Maßangaben mit, wie er mit Rohren, Stäben, Silvesterraketen und Zeitschaltern eine Vorrichtung gebaut haben will. Daran seien dünne Drahtseile angebracht, die so auf die Hochspannungsleitungen gelenkt worden seien. Das sollte eine Verbindung zur Erde und somit sogenannte Erdschlüsse erzeugen. Das sollte weitläufige Stromausfälle verursachen, wozu es jedoch nicht kam.
Ebenso erwähnte der Verfasser des Schreibens, dass die Medien die Dringlichkeit der Situation nicht vermitteln würden und der Staat nicht eingreife, um dieses Leid abzuwenden. Daher „muss ich das jetzt machen“, hieß es weiter.
(Mit Materialien der Agenturen)
Gleichzeitig war in dem Schreiben die Rede von weiteren Taten: „Wenn hier Recht und Ordnung herrschten, dann müsste ich das Gesetz nicht brechen und einen Haufen Leid in Kauf nehmen, das ich wegen des Stromausfalles und allen Stromausfällen, die da noch kommen müssen, zu verantworten habe.“
Hambacher Forst Symbol für Kampf um Energiewende
Der Hambacher Forst ist ein Waldgebiet zwischen Köln und Aachen, das zum bundesweiten Symbol für den Kampf um die Energiewende und gegen die Braunkohle-Verstromung wurde. Der Wald liegt am Rand des Braunkohletagebaus Hambach und sollte ursprünglich dem fortschreitenden Tagebau weichen.
Seit 2012 errichteten Umweltschützer und Aktivisten unter dem Motto „Hambi bleibt“ Baumhäuser im Wald, um die Rodung für die klimaschädliche Braunkohle-Verstromung zu verhindern und ihn vor dem anrückenden Braunkohletagebau zu schützen. Laut der Kölner Polizei gibt es auch heute noch Baumhäuser, die auch Teil der Durchsuchung sind. Ob noch welche bewohnt sind, ist bisher nicht bekannt.
Im Herbst 2018 ließ die CDU-geführte Landesregierung den Hambacher Forst in einem der größten Polizeieinsätze der Geschichte Nordrhein-Westfalens mit Verweis auf den Brandschutz räumen.
Nach langem Rechtsstreit kam die endgültige Rettung des Waldes durch die politische Einigung: Im Kohle-Kompromiss zwischen Bund, Ländern und Energiekonzernen wurde Anfang 2020 entschieden, dass der Hambacher Forst erhalten bleiben soll. Die Abbruchkante des Tagebaus endet seitdem kurz vor dem Waldsaum. Im Juni 2026 wurde eine weitere wichtige Entscheidung getroffen: Der Hambacher Forst soll Urwald werden und wird dauerhaft unter Schutz gestellt.
Nach dem Bruch mit Parteigründerin Sahra Wagenknecht haben mehrere frühere Spitzenkräfte des Thüringer BSW im Schatten der Landtagswahl im Nachbarland Sachsen-Anhalt eine neue Partei gegründet.
Zur Vorsitzenden wurde am Sonntag in Erfurt die ehemalige BSW-Landesvorsitzende und Thüringer Landesfinanzministerin Katja Wolf gewählt, wie ein Sprecher mitteilte. Die Partei nennt sich demnach Thüringen.Gerecht.
Führend mit dabei in der neuen Partei sind demnach auch die früheren Thüringer BSW-Spitzenvertreter Steffen Schütz sowie Steffi Eschrich. Schütz war neben Wolf Ko-Landeschef des BSW und ist Infrastruktur- und Digitalminister im Kabinett. Eschrich war BSW-Landesgeschäftsführerin.
In der zurückliegenden Woche war ein offener Grundsatzstreit zwischen der BSW-Bundesspitze um Wagenknecht und den Thüringer BSW um dessen Regierungsbeteiligung im Freistaat endgültig eskaliert. Bis auf zwei BSW-Abgeordnete traten alle Abgeordneten aus der Partei und teils auch aus der Fraktion aus.
Das BSW stellt in Thüringen gemeinsam mit CDU und SPD die Regierung und ist Teil einer Dreierkoalition unter Ministerpräsident Mario Voigt (CDU). Der Zerfall des BSW und seiner bisherigen Landtagsfraktion setzt das Bündnis daher unter Druck.
Es hat schon jetzt keine absolute Mehrheit im Landtag. Bei Beschlüssen etwa zum Landeshaushalt arbeitet die Koalition mit der Linkspartei zusammen. Stärkste Landtagsfraktion ist die vom Landesverfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte AfD.
Voigt und Wolf sowie SPD-Landeschef Georg Maier bekräftigten am Freitag die Stabilität der aktuellen Koalition und ihren Willen zur weiteren Zusammenarbeit. Wolf betonte, sie und ihre Mitstreiter fühlten sich auch nach dem Austritt aus dem BSW der Koalitionsvereinbarung mit CDU und SPD „verpflichtet“.
„Wir haben versprochen, für Stabilität und Verlässlichkeit in Thüringen zu sorgen. Jetzt laden wir alle Menschen ein, dieses Versprechen gemeinsam mit uns in die Tat umzusetzen“, erklärte Wolf am Sonntag. Der Gründungsvorstand werde so schnell wie möglich einen Gründungsparteitag einberufen, ergänzte die frisch gewählte Vorsitzende der neuen Partei.
Die Gründungsmitglieder beschlossen demnach auch ein Gründungsprogramm mit sechs Kernthemen, die Thüringen.Gerecht künftig in den Mittelpunkt stellen will. Die neue Partei stehe für „gerecht bezahlte Arbeit, die Anerkennung ostdeutscher Lebensleistungen, industrielle Wertschöpfung und Innovation, eine intakte Umwelt, bezahlbare Energie, nachhaltige Investitionen und echte Bürgerbeteiligung“, hieß es in einer Mitteilung.
Den Bruch mit dem BSW begründeten Wolf und die übrigen früheren Spitzenpolitiker des Thüringer BSW-Landesverband am Freitag mit der Einmischung der Bundespartei um Gründerin Wagenknecht und deren fehlender Distanz zur AfD. Die BSW-Bundesführung hatte den Landesverband und seine Abgeordneten im Landtag zuletzt offen zu einem Koalitionsbruch gedrängt.
Nach dem Willen der BSW-Bundesspitze sollte CDU-Regierungschef Voigt gestürzt und durch einen „überparteilichen Ministerpräsidenten“ ersetzt werden, der mit wechselnden Landtagsmehrheiten auch unter Einbeziehung der AfD regiert. Ein solches Modell favorisiert das BSW auch für andere ostdeutsche Länder, brachte es etwa schon für Sachsen-Anhalt ins Spiel.
Die bisherige BSW-Landtagsfraktion besteht trotz der Parteiaustritte der allermeisten Mitglieder rechtlich bislang noch fort, wie Wolf und Fraktionschefin Hupach am Freitag betonten.
Die BSW-Fraktion kommt am Mittwoch für Beratungen zusammen und könnte dann auch Beschlüsse fassen. Parlamentsabgeordnete können grundsätzlich Parteien wechseln und sich anderen Fraktionen anschließen, ohne das sie ihr Mandat zu verlieren.(afp/red)
Der Wahlsieger AfD hat bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt besonders stark von den Stimmen bisheriger Nichtwähler profitiert.
Laut einer ersten vorläufigen Analyse des Instituts infratest dimap für die ARD vom Sonntagabend, wählten aus dieser Gruppe diesmal 157.000 Menschen die AfD. Zudem wechselten zur AfD demnach 83.000 bisherige Wähler der CDU.
Von FDP und Linken zur AfD
Relativ stark war mit 19.000 Wählern auch der Wechsel von der FDP zur AfD, gemessen an der geringen Stärke der FDP auch bei der Wahl 2021. Von der Linken wechselten 11.000 Menschen zur AfD, von der SPD 7.000 und von den Grünen 2.000.
Die SPD verlor Wähler außer an die AfD auch an alle übrigen Parteien. Relativ hoch war die Zahl der Wechsler auch zu den Grünen mit 18.000. An die SPD verlor die CDU 13.000 Wählern, an das BSW 11.000 und an die Linke 9.000.
Die Linkspartei gewann 15.000 Wähler aus dem Lager der Nichtwähler, außerdem abgesehen von den Wechslern von der CDU auch 4.000 Menschen von der FDP und 2000 von der SPD. Sie verlor aber außer an die AfD auch 13.000 Wählern an das erstmals antretende BSW und 4.000 an die Grünen.
SPD und Grüne
Das Ergebnis der SPD blieb zwar in der Summe laut den Hochrechnungen weitgehend unverändert, es gab aber auch hier erhebliche Bewegung.
Die Sozialdemokraten gewannen außer von der CDU auch 13.000 bisherige Nichtwähler hinzu, außerdem 3.000 Menschen von der FDP. Sie verloren allerdings außer an AfD und Linke auch 6.000 Wähler an das BSW und 4.000 an die Grünen.
Die Grünen gewannen außer von der AfD von allen übrigen Parteien Wähler hinzu, außerdem 10.000 bisherige Nichtwähler.
Für das BSW gab es keine Vergleichszahlen, da die Partei bei der Wahl vor fünf Jahren noch nicht existierte. Die FDP gab an alle übrigen Parteien Wähler ab. (afp/red)
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit dem starken Abschneiden der AfD und dem herben Absturz der CDU macht im Ausland Schlagzeilen. Medien wie die BBC und die englischsprachige Seite des arabischen Senders Al Jazeera pushten die ersten Prognosen auf die Handys ihrer Leserinnen und Leser. Auf vielen Online-Seiten war die Berichterstattung weit oben.
Großbritannien
„The Telegraph“: „Migrantenfeindliche AfD steuert in Ostdeutschland auf überwältigenden Wahlsieg zu“
BBC: „Seit dem Zweiten Weltkrieg hat in Deutschland noch nie eine Rechtsaußenpartei die Kontrolle über ein Bundesland übernommen. Eine Regierungsbeteiligung auf Landesebene würde Zuständigkeiten für die Polizei sowie für das Bildungs- und Kulturwesen mit sich bringen.“
„Financial Times“: „Prognosen zufolge wird die Alternative für Deutschland (AfD) bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stärkste Kraft. Dies wäre ein Durchbruch für die Partei der äußersten Rechten und zugleich ein schwerer Rückschlag bei den Wahlen für die etablierten politischen Parteien Deutschlands.“
„The Times“: „Sollten sich die Hochrechnungen bestätigen, wäre das Ergebnis eine persönliche Demütigung für Friedrich Merz, dem geraten worden war, den Wahlkampf fast gänzlich zu meiden – aus Angst, seine persönliche Unbeliebtheit könnte der AfD Auftrieb geben. Der Stimmenanteil der CDU hat sich im Vergleich zum Ergebnis bei der letzten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Jahr 2021 halbiert; damals konnte sie die AfD noch knapp abwehren.“
Polen
„Politische Wende in Deutschland?“, fragt das polnische Portal „Onet“. Und die „Gazeta Wyborcza“ schreibt: „Exit Polls: AfD gewinnt. Wird sie in der Lage sein, die Regierung zu bilden?“ Die Tageszeitung „Rzeczpospolita“ widmet der Wahl einen Live-Ticker.
Tschechien
„Aktualne.cz“: „Umbruch in Deutschland? Die AfD triumphiert Prognosen zufolge in einer Landtagswahl“
„Lidove noviny“: „Deutschland gehen die Zeit und das Geld aus. Es muss sich eingestehen, dass das bisherige Modell bereits nicht mehr funktioniert.“
Belgien
„De Tijd“: „Das Ergebnis – das beste für die Anti-Einwanderungspartei seit ihrer Gründung im Jahr 2013 – ist ein herber Rückschlag für die CDU unter Bundeskanzler Friedrich Merz.
Die AfD hat von der Frustration über eine schwächelnde Wirtschaft und steigende Energiepreise profitiert, indem sie gesellschaftliche Missstände aufgegriffen und dazu aufgerufen hat, die Migration zu stoppen, Klimaschutzmaßnahmen einzustellen und die Beziehungen zu Russland wiederherzustellen.“
Niederlande
„de Volkskrant“: „Sollte die AfD die absolute Mehrheit verfehlen, wird die Regierungsbildung sehr schwierig. Die CDU müsste dann eine Minderheitsregierung mit der SPD und den Grünen bilden. In wichtigen Fragen wäre sie jedoch auf die Unterstützung der radikalen Linken angewiesen sowie möglicherweise auf die des BSW.
Das ist innerhalb der CDU ein äußerst heikles Thema. Zudem stellt sich die Frage, ob CDU-Ministerpräsident und Spitzenkandidat Sven Schulze dieses Wahlergebnis politisch überleben wird.“
Italien
„La Repubblica“: „Die schwarze Welle der AfD in Sachsen-Anhalt. (…) Die Wahllokale schlossen um 18.00 Uhr bei den Wahlen zum Landesparlament des ärmsten und zugleich ältesten Bundeslandes des Landes. Die Alternative für Deutschland liegt mit großem Vorsprung vorn: Sollte es ihr gelingen, allein zu regieren, wäre dies die erste rechtsextreme Regierung in Deutschland seit 1945.“
„La Stampa“: „Es handelt sich um das beste Ergebnis überhaupt für die Souveränisten in einem deutschen Bundesland, das den Weg für die erste rechtsextreme Regierung im Land seit 1945 ebnet und den Erfolg des lokalen Parteichefs Ulrich Siegmund krönt.“
Wie „La Repubblica“ und „La Stampa“ widmet auch die Zeitung „Corriere della Sera“ der Wahl in Sachsen-Anhalt einen Live-Ticker.
Spanien
„La Vanguardia“: „Die rechtsextreme AfD hat am Sonntag die deutsche Politiklandschaft mit einem Rekordsieg bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt aufgerüttelt. Laut ersten Prognosen des ZDF erzielte sie 44 % der Stimmen. Die CDU landete mit 18,5 % weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz.“
Portugal
„Público“: Wahlen in Sachsen-Anhalt: Nachwahlbefragungen sagen AfD 44 % voraus. Die Zahlen erlauben es uns noch nicht, festzustellen, ob die AfD das Land tatsächlich regieren könnte, aber Alice Weidel sagte bereits, dass die Partei ein Mandat zur Führung der Exekutive habe.“
Norwegen
NRK: „AfD steuert auf deutlichen Sieg in deutschem Bundesland zu. Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg könnte eine Rechtsaußenpartei in einem deutschen Bundesland an die Macht kommen.“
Schweden
„Dagens Nyheter“: „Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg könnte eine radikal-rechte Partei in einem deutschen Bundesland die Macht übernehmen.“
Brasilien
„Folha de São Paulo“: „Extreme Rechte führt bei Landtagswahlen in Deutschland und könnte laut Prognosen nach fast einem Jahrhundert wieder an die Macht kommen“, titelt die Zeitung. „Die Wahl Siegmunds, der einen populistischen Wahlkampf auf TikTok geführt und dabei emotionale Erinnerungen an die ehemalige DDR geweckt hat, wäre ein seit dem Zweiten Weltkrieg beispielloses Ereignis in Deutschland.“
USA
„New York Times“: „Nach ersten Prognosen vom Sonntag dürfte die Partei „Alternative für Deutschland“ bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Osten Deutschlands auf den ersten Platz kommen, was die Möglichkeit eröffnet, dass die extreme Rechte zum ersten Mal seit dem Ende der Nazizeit in einem Teil des Landes die Macht übernehmen könnte. (…) Dieser Zuwachs ging fast ausschließlich zulasten der Christdemokraten, der Partei von Bundeskanzler Friedrich Merz, die heute Abend gemessen am Stimmenanteil mit Abstand die größten Verlierer sind.“
Die „New York Times“ setzt das Thema auf Platz zwei und begleitet die Entwicklungen im Live-Ticker, bei CNN steht der Ausgang der Wahl auch weit oben auf der Seite. Die „Washington Post“ räumte den Entwicklungen weniger Priorität ein, die Wahl war unter verschiedenen Nachrichten aus der Welt zu finden. (dpa/red)
Am Ende eines langen Wahlkampfs wirkt Sven Schulze erschüttert und persönlich bis ins Mark getroffen. Solch einen Wahlkampf habe es vorher nicht gegeben, sagt Sachsen-Anhalts CDU-Ministerpräsident nach der krachenden Niederlage seiner Partei gegen die AfD.
Schulze glaubt, dass die Menschen in seinem Bundesland ein Zeichen setzen wollten – dass er damit die Aufforderung zum Ende der Brandmauer der CDU zur AfD meint, will er aber nicht aussprechen.
Bittere Niederlage mit unter 20 Prozent
Einen Wahlsieg gegen den teilweise wie ein Popstar im Wahlkampf gefeierten AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund erwartete von Schulze am Ende niemand mehr. Aber die Niederlage, die Schulze nun einfuhr, fiel noch bitterer aus als erwartet: Bei deutlich unter 20 Prozent sehen ihn die Hochrechnungen.
Das ist das historisch schlechteste Ergebnis der CDU – bei gleichzeitig einer historisch hohen Wahlbeteiligung.
Das Ergebnis treffe ihn und die CDU „sehr hart“, sagt Schulze. „Wir haben jetzt ein Land, was sehr gespalten ist“. Alle Parteien seien nun gefordert, wieder aufeinander zuzugehen. Gleichzeitig will Schulze aber auch nicht den Erfolg der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften AfD kleinreden – „das ist Demokratie“.
Als CDU-Landeschef, früherer EU-Abgeordneter und langjähriger Wirtschaftsminister ist der 47-Jährige zwar gut vernetzt – in seiner Heimat blieb Schulze vielen Menschen aber unbekannt. Die Hoffnung, er könnte als Nachfolger des beliebten Haseloff der AfD die Stirn bieten, erfüllte sich nur bedingt.
Die Zufriedenheit mit seiner Landesregierung gehörte zu den niedrigsten in allen 16 Bundesländern. Zwar trat der häufig blass wirkende Schulze im Schlussspurt des Wahlkampfs deutlich selbstsicherer auf, bei der Frage nach dem bevorzugten Ministerpräsident ließ er AfD-Herausforderer Ulrich Siegmund hinter sich.
Persönliche Konsequenzen ungewiss
Schulze konnte Siegmund letztlich nichts entgegen setzen. Siegmund hatte seine Popularität in den sozialen Netzwerken aufgebaut – Schulze hatte dort im Vergleich verschwindend wenige Follower.
Dennoch war er bis zum Schluss überzeugt, dass seine „5000 Telefonnummern“ von Brüssel bis Berlin „mehr wert“ sind als tausende Follower und Likes in sozialen Medien – ein Trugschluss.
Welche persönlichen Konsequenzen er womöglich daraus zieht, ließ Schulze zunächst offen. Am Montag und Dienstag treffen sich die Parteigremien und die neue Fraktion – dort werde alles besprochen. Keinen Hehl machte er daraus, dass er von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der Bundesregierung enttäuscht ist – die Berliner Politik habe „Gegenwind“ für ihn bedeutet.
Eine Regierungsbildung an der AfD vorbei dürfte nun nahezu unmöglich, zumindest äußerst schwierig werden. Spekulationen, aus der neuen CDU-Landtagsfraktion könnten Mitglieder zur AfD überlaufen und Siegmund zur absoluten Mehrheit verhelfen, wies Schulze am Sonntagabend noch zurück.
„Wir werden nicht von der CDU zu einer anderen Partei wechseln“, sagte Schulze. Seine Fraktion stehe. Welche Funktionen er selbst in Zukunft noch übernehmen will und kann, war am Sonntag nicht absehbar – unübersehbar war aber Schulzes abgrundtiefe Erschütterung. (afp/red)
Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund lehnt eine Minderheitsregierung unter Führung seiner Partei ab, falls diese nicht die absolute Mehrheit der Mandate gewinnt.
Nach dem Wahlsieg werde es „keine Konstellationen geben mit Minderheitsregierung oder sowas“, sagte Siegmund am Sonntagabend im ZDF. Prinzipiell wäre die AfD zwar offen für eine Koalition mit einer Partei, die einen neuen Kurs in der Migrations- und Energiepolitik umsetzen wolle, einen derartigen Partner sehe er aber derzeit nicht.
„Wir möchten uns nicht verbiegen für irgendwelche Machtoptionen“, sagte Siegmund. Deswegen sei die Alleinregierung das Wahlziel. Der AfD-Politiker äußerte zugleich die Hoffnung auf Stimmen von anderen Parteien.
Er wisse nicht, was in den nächsten Tagen passiere, sagte Siegmund. „Ich weiß nicht, ob es einzelne Abgeordnete gibt, die sagen, ‚jetzt ist Schluss, jetzt spiele ich das hier nicht mehr mit‘.“
Die AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla hatten zuvor eine AfD-Minderheitsregierung oder eine Koalition ins Spiel gebracht.
Sollte die AfD keine absolute Mehrheit erreichen, sei die Partei auch „gesprächsbereit“, sagte Chrupalla im ZDF. „Unsere Hand ist immer ausgestreckt“, betonte ebenfalls Weidel in Bezug auf mögliche Regierungspartner. (afp/red)
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund am Sonntag mit großem Abstand gewonnen – ob es zu einer absoluten Mehrheit reichen würde, war zunächst unklar.
AfD-Bundeschefin Alice Weidel beanspruchte für ihre Partei die Regierungsbildung. Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) räumte seine Niederlage ein.
In Zahlen: AfD bei über 44 Prozent
Laut Hochrechnungen von ARD und ZDF kam die AfD auf 44,1 bis 44,5 Prozent der Stimmen – ein Plus von mehr als 23 Prozentpunkten im Vergleich zur Wahl im Juni 2021.
Die Christdemokraten von Ministerpräsident Schulze erreichten mit 18,5 Prozent deutlich abgeschlagen Platz zwei. Die CDU büßte im Vergleich zur Wahl im Juni 2021 18,6 Prozentpunkte ein.
Auch die Linke mit 9,2 bis 9,4 Prozent, die SPD mit 8,2 bis 8,8 Prozent und die Grünen mit 8,7 Prozent schafften es demnach wieder in den Magdeburger Landtag, während das BSW mit 4,8 bis fünf Prozent um den Einzug ins Landesparlament zittern musste. Die FDP scheiterte bis 2,1 bis 2,4 Prozent klar an der Fünfprozenthürde.
83 Sitze im Landtag zu vergeben
Den Hochrechnungen zufolge kann die AfD mit 39 bis 41 Sitzen im 83 Sitze umfassenden Landtag rechnen. Die CDU kommt auf 16 bis 17 Mandate. Acht bis neun Sitze gehen an die Linke, sieben bis acht Mandate an die SPD, acht Sitze an die Grünen und möglicherweise vier bis fünf Mandate an das BSW.
Eine absolute Mehrheit ergibt sich für die AfD bei dieser Sitzverteilung nicht. Parteichefin Weidel formulierte jedoch einen klaren Machtanspruch.
„Das ist ein historisches Ergebnis, und es ist ein ganz klarer Regierungsauftrag“, sagte Weidel am Abend im ZDF. In welcher Form die AfD in Sachsen-Anhalt regieren werde, „durch eine Tolerierung oder durch eine Koalition, das wird sich einfach noch zeigen“.
AfD-Spitzenkandidat Siegmund meldete den Anspruch auf eine grundlegende Wende in dem ostdeutschen Bundesland an. „Wir haben in diesem Land Geschichte geschrieben“, sagte Siegmund in der ARD. Er wolle nun „allen Kräften die Hand ausstrecken, die mit uns eine grundlegende Politikwende herbeiführen wollen“. Er werde sich aber nicht „verbiegen“, um Mehrheiten zu erreichen.
Da alle anderen Parteien nicht mit der AfD zusammenarbeiten wollen und die CDU auch Bündnisse mit der Linken grundsätzlich ausschließt, reicht es nicht für eine Koalition mit parlamentarischer Mehrheit. Sollte es für eine absolute Mehrheit der AfD nicht reichen, erscheint politisch und rechnerisch eine von der Linken tolerierte Minderheitsregierung unter CDU-Führung möglich.
CDU-Ministerpräsident gratuliert AfD
Ministerpräsident Schulze gratulierte der AfD zum Wahlsieg. „Der Wahlsieger, die AfD, ist jetzt stärkste Kraft im Landtag von Sachsen-Anhalt“, sagte Schulze Sonntagabend vor Anhängern seiner Partei in Magdeburg. „Wir werden auch als CDU mit diesem Ergebnis umgehen müssen“, sagte der CDU-Politiker.
Er beklagte in seiner ersten Analyse die Folgen der Politik der Bundesregierung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), die zu seiner Niederlage beigetragen habe. „Wir hatten oft Gegenwind, und das war nicht immer ganz einfach.“
BSW für überparteilichen Ministerpräsident
Ob die AfD an die Macht kommt, könnte auch entscheidend vom BSW abhängen – sofern es die Partei in den Landtag schafft. Die BSW-Spitze um Parteigründerin Sahra Wagenknecht hält die sogenannte Brandmauer für gescheitert.
Das BSW will Schulze abwählen und wirbt für einen „überparteilichen Ministerpräsidenten“, der mit wechselnden Mehrheiten unter Einbindung der AfD regiert. Sollten die anderen Parteien das nicht mittragen, würde sich das BSW bei der Wahl eines Ministerpräsidenten im dritten Wahlgang enthalten, was dem AfD-Kandidaten Siegmund den Weg ebnen könnte.
Die Wahlbeteiligung erreichte laut ZDF mit 80,0 Prozent einen historischen Höchststand in dem ostdeutschen Bundesland. Die bisherige Höchstmarke lag bei 71,1 Prozent im Jahr 1998. Bei der letzten Wahl am 6. Juni 2021 hatten 60,3 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.
Zur Wahl aufgerufen waren in Sachsen-Anhalt knapp 1,7 Millionen Menschen. Der Wahlausgang könnte Signalwirkung haben, denn in zwei Wochen wählen auch Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Auch in Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD in Umfragen vorn, der Abstand zur nachfolgenden SPD schrumpfte aber zuletzt.(afp/red)
Es ist von einem „echten Daten-Super-GAU“, von einem Datenabfluss „von gravierendem Ausmaß“ die Rede: Der Hackerangriff auf Teile der Berliner Verwaltung könnte viel weitreichendere Folgen haben als zunächst bekannt, weit über die Hauptstadt hinaus.
Seit Freitag sind rund 1,44 Millionen Dateien mit einem Umfang von 5,8 Terabyte im Darknet veröffentlicht. Ein Terabyte entspricht rund 1.000 Gigabyte.
Zunächst schienen nur personenbezogene Daten betroffen zu sein: gescannte Reisepässe, Arbeitsverträge, Bewerbungsunterlagen, Krankmeldungen. Laut mehreren Medienberichten und der Einschätzung von IT-Experten könnten allerdings auch hochsensible Daten geleakt worden sein, die für den Schutz kritischer Infrastruktur und die Sicherheit von Bund und Ländern relevant sind. Dabei geht es etwa um den Zivilschutz oder Rüstungsunternehmen.
Von einem „echten Daten-Super-GAU“ sprach der Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz im „Handelsblatt“. „Sollte sich herausstellen, dass Schutzmechanismen bewusst nicht eingehalten wurden und der dringend notwendige Geheimschutz nicht gewährleistet war, wären auch personelle Konsequenzen unausweichlich“, sagte der Grünen-Politiker der Zeitung.
„Die Bundesregierung trifft eine direkte Mitschuld.“
Er wirft der Bundesregierung „massive Versäumnisse“ vor. Seiner Einschätzung nach könnte es sich um den schwersten bislang bekanntgewordenen IT-Sicherheitsfall auf Landesebene handeln – mit möglicherweise erheblichen finanziellen Folgen, so von Notz: „Der jüngste Fall in Berlin wird die Steuerzahler Millionen kosten. Die Bundesregierung trifft eine direkte Mitschuld.“
CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sagte der „Süddeutschen Zeitung“: „Dieser Datenabfluss ist von gravierendem Ausmaß und gefährdet unsere nationale Sicherheit.“
Hacker forderten umgerechnet rund zwei Millionen Euro
Die Hacker hatten sich vom 7. bis zum 12. August unbemerkt Zugang zu Teilen des Berliner Landesnetzes verschafft und Daten abgeschöpft. Betroffen waren die Senatsverwaltungen für Bauen und Verkehr. Die Verwaltung bemerkte den Angriff am 14. August und machte ihn drei Tage später öffentlich.
Die Hacker-Gruppe Rhysida forderte 30 Bitcoin, was umgerechnet rund zwei Millionen Euro entspricht. Der Senat zahlte nicht und die Täter veröffentlichten die Daten nach Ablauf ihres Ultimatums. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte, die Gruppierung gelte als und handle aus finanziellen Gründen.
Ein vollständiger Überblick über die geleakten Daten ist wegen der gewaltigen Menge bislang kaum möglich. Außerdem könne man nicht einfach per STRG+F nach bestimmten Begriffen suchen, erklärte Jochim Selzer, Sprecher des Chaos Computer Clubs.
Seinen Recherchen zufolge sind unter den Dateien neben personenbezogenen Daten auch sensible Informationen über die Berliner Wasserversorgung zu finden. Dem „Tagesspiegel“ zufolge sollen sich darunter zudem Daten zu Heizkraftwerken, Tanklagern, Notstromanlagen, Umspannwerken, Gefängnissen, Wasserwerken sowie Rüstungsunternehmen und der Bundeswehr befinden.
IT-Experte wirft Berlin grobe Fahrlässigkeit vor
Für Betroffene besteht die Gefahr von Identitätsdiebstahl und gezielten Phishing-Angriffen, wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) informiert. Sicherheitsrelevante Informationen könnten zudem von fremden Mächten oder Terroristen missbraucht werden.
Das BSI warnt, dass Angaben zu kritischen Infrastrukturen, Unternehmen und Organisationen je nach Sensibilität die Bedrohungslage erhöhen könnten.
Der IT-Experte Manuel Atug wirft dem Land Berlin schwere Versäumnisse vor. „Das Land Berlin hat grob fahrlässig gehandelt und vorsätzlich die Geheimschutz-Vorgaben nicht eingehalten“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
„Ich bin darüber wirklich schockiert und sprachlos.“ Atug sagte, er sei 2023 und 2025 als Sachverständiger in den Berliner Innenausschuss geladen worden und habe damals schon auf eklatante Sicherheitslücken hingewiesen.
Betroffene sollen per Brief oder E-Mail kontaktiert werden
In Berlin koordiniert inzwischen eine zusätzliche Steuerungseinheit die Sichtung und Bewertung der Daten. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sind auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das Bundeskriminalamt (BKA) und das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) an der Aufarbeitung beteiligt. Im Gemeinsamen Cyberabwehrzentrum würden alle Erkenntnisse zusammengetragen und geteilt.
Betroffene Bürgerinnen und Bürger, Beschäftigte und Unternehmen sollen nach Angaben der Senatskanzlei risikobasiert per Brief oder E-Mail kontaktiert und beraten werden.
Konkrete Angaben dazu, welche Daten genau veröffentlicht wurden, machte die Senatskanzlei zunächst nicht. Die forensischen Untersuchungen und Ermittlungen dauern an. Die Bundeswehr kündigte an, nach der Analyse möglicher Sicherheitsrisiken Maßnahmen zum Schutz der militärischen Sicherheit einzuleiten.
Auch die Berliner Landesregierung hat die Sicherheitsmaßnahmen nach eigenen Angaben erhöht. In zwei Wochen wird in Berlin ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Die Wahlumgebung sei nach derzeitigem Stand nicht betroffen, sagte Landeswahlleiter Stephan Bröchler. (dpa/red)
Die jüngsten Beschlüsse des VW-Aufsichtsrates verschärfen nach Einschätzung des Autobranchen-Experten Werner Olle die Konkurrenz zwischen den bedrohten Standorten. „Das Wettrennen ums Überleben hat begonnen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Olle sieht nicht nur den Vorstand gefordert, Lösungen für deren Erhalt zu finden, sondern auch Gewerkschaft und Betriebsrat. Sie könnten mit einer individuellen Zukunftsvereinbarung für den Standort Zwickau die Arbeitskosten senken und so das Überleben sichern. „Das war in den 1990er Jahren in einer ähnlichen Situation erfolgreich.“
Zwar wird in Zwickau derzeit neben der Autoproduktion der neue Bereich Kreislaufwirtschaft aufgebaut. Dieser biete aber nur für einen Bruchteil der bisherigen Beschäftigten eine Perspektive und habe weit weniger Effekte für Zulieferer. Auch Rüstung sieht Olle für das auf Großserie ausgerichtete Werk nicht als Alternative. Der einzig sinnvolle Weg sei, weiter Autos zu bauen.
Wie das gehen kann, zeige VW-Konkurrent Stellantis, zu dem Marken wie Opel, Peugeot, Fiat und Citroën gehören. Das Unternehmen kämpfe wie Volkswagen mit Überkapazitäten und baue Beschäftigung ab. Neben der Öffnung hiesiger Autofabriken für die Produktion chinesischer Modelle könnte analog zu Stellantis die Entwicklung neuer Modelle mit chinesischen Partnern ein Weg sein. So soll künftig in Saragossa (Spanien) ein von Opel und Leapmotor entwickeltes vollelektrisches SUV vom Band laufen.
Neue Modelle mit chinesischen Partnern entwickeln
„Das wäre ein neuer Weg für VW und Audi“, betonte Olle. Bis 2030 sei dafür noch ausreichend Zeit. Solche eine Partnerschaft verringere Entwicklungszeit und Produktkosten. Aus seiner Sicht ist das besser als Fahrzeuge chinesischer Partner in den eigenen Fabriken zu bauen. Und das VW-Werk in Zwickau sei für einen solchen Schritt sehr gut geeignet. „Es hat gezeigt, dass es in der Lage ist, ganz neue Herausforderungen zu stemmen“, sagte der Experte: „Es war Pilotwerk für E-Mobilität, ist Pilotwerk für Circular Economy – warum nicht auch für so einen Ansatz.“
Volkswagen hat mit einer gesunkenen Nachfrage nach Autos und Konkurrenz chinesischer Autobauer zu kämpfen. Der Aufsichtsrat gab daher jüngst grünes Licht für den Abbau von weiteren 50.000 Stellen weltweit – zusätzlich zu den schon vereinbarten Einsparungen von konzernweit 50.000 Stellen bis 2030 in Deutschland. Ende 2025 hatte der Konzern weltweit knapp 663.000 Beschäftigte, davon etwa 284.000 in Deutschland.
Zukunft für Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm unklar
Besonders groß ist die Sorge an den Standorten Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm, die immer wieder als Schließungskandidaten genannt werden. Der Aufsichtsrat hatte demnach zur Kenntnis genommen, dass in Europa eine Produktionsüberkapazität von 500.000 Fahrzeugen besteht und für die vier Werke aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung – gestaffelt ab den Jahren 2031 bis 2034 – gewährleistet werden kann. Als Alternativen waren zuletzt im Gespräch, Werke zeitweise für die Rüstungsproduktion zu nutzen, oder chinesische VW-Modelle in Deutschland zu bauen.
VW habe den großen Fehler gemacht, die Kapazitäten für E-Autos auszubauen, ohne die Marktentwicklung abzuwarten, konstatiert Olle, der Mitbegründer des Chemnitz Automotive Institute (CATI) ist, ihm aber nicht mehr angehört. So sei neben Zwickau auch Emden zu einer E-Auto-Fabrik umgebaut worden. Zudem wird in Wolfsburg entsprechende Fertigung aufgebaut. Olle: „Bei einer Nachfrage, die weit von dem entfernt ist, was ursprünglich geplant war, hat man jetzt mehrere Standorte, die darum kämpfen.“ (dpa/red)
Sonne und Regen wechseln sich in der neuen Woche beim Wetter ab, dabei wird es vielerorts nur noch mäßig warm. Bei wechselnder und im Südosten zunächst geringer Bewölkung fallen zum Wochenstart am Montag vor allem im Süden und in der Mitte mancherorts kurze Schauer, wie der Deutsche Wetterdienst in Offenbach mitteilte. Im südlichen Schwarzwald und am Alpenrand kann es auch einzelne starke Gewitter geben. Abends nehmen die Wolken im Nordwesten zu. Die Temperaturen erreichen 20 bis 26 Grad im Norden und im übrigen Land 25 bis 33 Grad mit den höchsten Werten am Oberrhein.
Am Dienstag zeigen sich viele Wolken, von Nordwesten bis in die Mitte hinein erwarten die Meteorologen Regen bei 19 bis 24 Grad, während es im Südosten zunächst trocken und sonnig und mit 25 bis 29 Grad deutlich wärmer wird. Am Abend ziehen aber auch im Südosten Schauer und Gewitter auf, die mit Sturmböen und Hagel einhergehen können.
Nur noch um oder knapp über 20 Grad
Der Mittwoch bringt im Südosten weiteren Regen, der an den Alpen auch länger andauert. Auch in Küstennähe sind Schauer zu erwarten, an der Nordsee kann es kurze Gewitter mit Sturmböen geben. In den übrigen Landesteilen fallen nur selten Schauer, dabei wird es mit 17 bis 21 Grad merklich kühler als zuvor.
Am Donnerstag bleibt es bei wechselnder Bewölkung weitgehend trocken, lediglich an den Küsten wird mit Schauern gerechnet. Wolkenlücken gibt es am ehesten im Süden abseits der Alpen. Dort und an der Nordsee erreichen die Temperaturen um 17 Grad, sonst 18 bis 22 Grad. Es weht ein mäßiger, im Norden frischer Wind, an der See soll es stürmische Böen geben.
Mit Wolken, Schauern und Regen dürfte die Woche dann am Freitag auch vielerorts ausklingen, im Osten bleibe es wahrscheinlich noch trocken und die Wolken lockern auf. Die Höchsttemperaturen sollen nur noch bei 16 bis 20 Grad liegen. (dpa/red)






































