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Warum die Zahl Drei mehr ist als Symbolik – ein Plädoyer gegen Einseitigkeit

Ich behaupte – ganz ohne Umschweife –, dass nach der Einheit der Zahl Eins das Konzept der Drei das wichtigste ist. Wie komme ich darauf? Es liegt auf der Hand, dass die Drei in Theologie und Mythologie eine sehr wichtige Rolle spielt. Die drei größten Götter des griechischen Olymp waren die drei Brüder Zeus, Poseidon und Hades. Und die drei größten Götter des Hinduismus sind Brahma, Vishnu und Shiva. Im Christentum finden wir die Dreieinigkeit, bestehend aus Vater, Sohn und Heiligem Geist, aber dennoch steht ein einziger Gott im Mittelpunkt.
Von Max Fürst - Dorotheum, Gemeinfrei,

Gemälde „Dreieinigkeit mit Krone“ von Max Fürst, 1917.

In einem tiefgreifenden Sinn ist dieses Konzept der Dreieinigkeit kein frei erfundener Mythos im abwertenden Sinne des Wortes „Mythos“, sondern tatsächlich Teil der Realität, die wir oft übersehen.
Betrachten wir beispielsweise die Struktur unseres Kosmos, so finden wir überall diese Dreifaltigkeit. Ein Raum besteht aus drei Dimensionen: Länge, Breite und Höhe. Auch die Zeit verfügt über drei Dimensionen: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Materie existiert in drei Zuständen: fest, flüssig und gasförmig. Die Philosophie – also das rationale Denken selbst – lässt sich als Zusammenspiel von These, Antithese und Synthese verstehen. Traditionell sagt man, dass der Mensch aus Körper, Geist und Seele besteht. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.
Ein Bereich, der dabei oft übersehen wird, ist der Nachweis oder die Überprüfung von Behauptungen und Überzeugungen. Warum glauben wir, was wir glauben? Natürlich denkt nicht jeder darüber nach, aber wer das tut, hat einen oder mehrere Gründe für seine Weltanschauung parat, die er in Diskussionen anbringen wird – sei es in der Politik, in religiösen Fragen, bei gesellschaftlichen Themen oder ästhetischen Überlegungen.

Drei Elemente der Beweisführung

Sehen wir uns drei Arten von Beweisen an. Tradition ist eine Form davon: Was früher gesagt, getan oder praktiziert wurde, hat doch damals funktioniert, oder? Warum also jetzt etwas ändern? Das betrifft übrigens nicht nur religiöse oder gesellschaftliche Gepflogenheiten. Auch die Wissenschaft unterliegt ihren eigenen Traditionen, die sich Veränderungen und Fortschritten oft widersetzen – ganz gleich, wie überzeugend neue Beweise auch sein mögen. Wie Thomas Kuhn in seinem im Jahr 1962 erschienenen Buch „Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“ feststellte, konzentrieren sich Wissenschaftler eher darauf, etablierte Theorien zu verfeinern und zu erweitern, anstatt die zugrunde liegenden Annahmen zu hinterfragen.
Betrachtet man die Religionen, so hatte die katholische Kirche zweifellos schon immer eine starke traditionelle Komponente. Diese wurde während der protestantischen Reformation zu einem zentralen Streitpunkt. Anstoß hierfür gaben die 95 Thesen von Martin Luther, in denen er die umstrittenen Praktiken der katholischen Kirche kritisierte. Protestanten stützten ihre Ansichten hingegen nicht auf Traditionen, sondern auf einen zweiten Weg.

„Martin Luther nagelt seine 95 Thesen an die Tür“ von Ferdinand Pauwels., 1872.

Der zweite Weg ist jener der Autorität. Heilige Schriften oder allgemein Bücher und überliefertes Wissen, das man überprüfen kann, dienen als Beweisquelle. Wie bereits erwähnt, lehnten die Protestanten bestimmte katholische Traditionen ab. Doch warum war das so? Weil sie ihren Glauben in der Bibel begründet sahen, den sie als Widerspruch zu diesen Traditionen betrachteten.
Paradoxerweise verfügten die Protestanten anfangs zwar über die Bibel, aber über keinerlei Traditionen, da diese Religion gerade erst entstanden war. Etwa 400 Jahre später hatten sie in ihren verschiedenen Konfessionen eine Fülle von Traditionen zusammengetragen. Um in ihrer Lehre konsequent zu sein, müssten die Protestanten diese Traditionen im Lichte biblischer Aussagen prüfen.
Die dritte Beweisquelle ist schließlich unser Gewissen, unser innerer Richter, unsere „leise, sanfte Stimme“, unsere Intuition oder wie man es auch immer nennen mag – etwas, das uns sagt, ob etwas wahr oder unwahr, richtig oder falsch ist.
Blickt man auf die Abspaltung des Protestantismus vom Katholizismus zurück, so lässt sich feststellen, dass sich der Protestantismus selbst aufgespalten hat. Ein Beispiel sind die Quäker, die sowohl christliche Traditionen als auch die alleinige Autorität der Bibel ablehnten und durch den „Inneren Christus“ ersetzten. Sie verstehen darunter die Stimme, die im Inneren zur menschlichen Seele spricht – die direkte Stimme Gottes, die durch das Gewissen zum Ausdruck kommt.

„Meditation“ von John George Brown, um 1900–1910, Öl auf Leinwand. The Metropolitan Museum of Art, New York City.

Eine beschränkte Sichtweise

Das ist alles sehr interessant, aber was hat das mit der Gegenwart zu tun? Das Problem ist, dass wir dazu neigen, einen Hauptweg zu bevorzugen und dabei die anderen beiden auszublenden, oder den zweiten Weg als Notlösung zu betrachten, während die dritte Option ignoriert wird. Das führt zu einer Beschränkung unserer Sichtweise und verursacht große Probleme, wie wir noch sehen werden.
Aus historischer Perspektive betrachtet, stellt man fest, dass diese drei Wege zum Erkennen der Wahrheit ganze Epochen der europäischen Geschichte geprägt haben – eine Art Leitmotiv, das sich durch verschiedene Zeitalter zieht. Lassen Sie mich dies näher erläutern.
Im Mittelalter dominierte der Beweis durch die Tradition. Sie bestimmte das feudale System. Aufgrund der Tatsache, dass die Druckerpresse noch nicht erfunden war, wurde die kirchliche Ordnung verstärkt.

„Eine Sibylle und ein Prophet“ von Andrea Mantegna, um 1495, Pigmente und Gold in Temperafarbe auf Leinwand, Cincinnati Art Museum.

Mit dem Aufkommen der Renaissance, der Reformation und der Erfindung des Buchdrucks trat die Welt in die Phase der Autorität ein. Der Beweis dafür war in der Heiligen Schrift und in maßgeblichen Texten zu finden. Die Menschen stritten darüber, wie das Gelesene zu verstehen sei. Ich denke dabei an Persönlichkeiten wie den epischen Dichter John Milton, der sich in seinen Schriften allen Kontrahenten stellte, um die englische Republik in ihrer damaligen Form zu verteidigen.
Natürlich gab es auch Mischformen, doch die Tendenzen sind erkennbar.
In Europa scheint es, als hätten wir etwa 500 Jahre lang Wertvorstellungen und Überzeugungen gehabt, die auf Traditionen beruhten, gefolgt von 400 Jahren, in denen die Autorität des Buches im Mittelpunkt stand, und nun befinden wir uns in einer weiteren Phase der menschlichen Existenz.

Gefährliche Tendenzen

Nach dem Zweiten Weltkrieg, dem Poststrukturalismus und dem Konzept der Post-Wahrheit befinden wir uns inzwischen in einer Ära, in der die innere Stimme dominiert. Allerdings ist damit nicht das Gewissen gemeint und auch nicht die spirituelle Erleuchtung östlicher Religionen oder Mystiker anderer Traditionen.
Nein, unsere Welt hat sich zu einem selbstbezogenen Ort entwickelt, an dem das subjektive Empfinden Vorrang hat vor jeglicher objektiven Realität, allen Fakten und jeder Berücksichtigung widersprüchlicher Daten, Meinungen oder Gegenargumente.
Wir haben eine Welt erschaffen, in der die subjektive Wahrnehmung traditionelle Werte und wissenschaftliche Autorität vollständig verdrängt hat. Für viele ist dies zu einer Art Religion geworden.
Dies ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich: Männer sind Frauen, Frauen sind Männer; freie Meinungsäußerung und freies Denken werden als schlecht angesehen, weil sie beunruhigend sind und den Menschen Unbehagen bereiten; Völkermord ist „im Kontext“ gut und so weiter. Allerlei absurde und abscheuliche Ansichten, die noch vor 20 Jahren jeder vernünftig gebildete Mensch sofort abgelehnt hätte, sind nun zu Mainstreamüberzeugungen geworden, die als „bewiesen“ gelten. Gemeinsame Traditionen verlieren an Bedeutung, und es gibt auch keinerlei Bücher oder Schriften mehr, die Autorität genießen – zumal insbesondere junge Menschen nicht mehr so viele Bücher lesen wie früher.

„Meditation“ von Jean-Paul Laurens, 1911.

Foto: gemeinfrei

In einem solchen Vakuum traditioneller Werte und lehrreicher Schriften sowie ohne jegliche Unterweisung in den Bereichen Gebet, Meditation, Achtsamkeit und dergleichen hat sich die naive Annahme durchgesetzt, dass das eigene Denken automatisch richtig ist – auch wenn es kaum reflektiert wird. Diese Haltung ist zu einem wesentlichen Bestandteil unserer Kultur geworden. Sie ist gefährlich, denn so entsteht eine Kultur des Todes.

Ein Ausweg

Der erste Schritt, um dieser Tendenz entgegenzuwirken, besteht darin, dies überhaupt zu erkennen. Im zweiten Schritt müssen wir die drei Wege der Beweisführung akzeptieren – wir brauchen sie alle drei. Der dritte Schritt besteht darin, in die Offensive zu gehen und diese absurde Subjektivität – wo immer sie uns begegnet –  infrage zu stellen: indem wir sie mit den großartigen Konzepten unserer eigenen Traditionen hinterfragen und dabei darlegen, warum sie großartig sind, und indem wir das fundierte Wissen aus Büchern nutzen, seien es nun historische, wissenschaftliche oder religiöse Werke.
Letztlich wird kein Militär die westliche Zivilisation retten, falls sie überhaupt zu retten ist, sondern der kollektive Wille, essenzielle Traditionen neu zu beleben und echtes Lernen zu fördern, insbesondere im spirituellen Bereich.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Very Real Importance of the Number 3“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sua)
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Darf Ihr Auto künftig entscheiden, ob Sie fahren dürfen?

Wir sprechen oft über Steuerungssysteme, als gehörten sie einer fernen Zukunft an. Als wären sie etwas Vages und Theoretisches. Etwas, das eines Tages Realität werden könnte, wenn wir nicht aufpassen. Doch die Grundlagen dafür werden bereits ganz konkret gelegt, nicht nur in dem, was heute gebaut wird, sondern auch in dem, was für morgen patentiert wird – zum Beispiel in Ihrem Auto.

Patente der Überwachung

Autohersteller der gesamten Branche melden Patente für Fahrzeuge an, die Körper, Verhalten, Identität und Umgebung des Fahrers in Echtzeit überwachen können. Es handelt sich nicht um ein einzelnes Unternehmen, das einen bestimmten Weg beschreitet. Vielmehr findet ein branchenweiter Wettlauf statt, um die nächste Fahrzeuggeneration zu definieren.
Diese Anmeldungen beschreiben biometrische Authentifizierungssysteme, die Fingerabdrücke oder Gesichtserkennung zum Entriegeln und Starten eines Fahrzeugs nutzen. Sie beschreiben außerdem Überwachungssysteme im Fahrzeuginnenraum, die Augenbewegungen, Gesichtsausdrücke und physiologische Signale erfassen, um festzustellen, ob ein Fahrer aufmerksam, beeinträchtigt oder emotional aufgewühlt ist. Weiterhin werden Systeme skizziert, die auf diese Feststellungen reagieren und den Fahrzeugbetrieb einschränken oder unterbinden können.
Andere Patente betrachten den Fahrzeuginnenraum als Datenumgebung. Mikrofone dienen nicht nur für Navigationsbefehle. Es werden Systeme beschrieben, die kontinuierlich auf Eingaben reagieren. Einige kombinieren akustische mit visuellen Signalen, wie beispielsweise Mundbewegungen, um Sprache besser zu interpretieren. Andere befassen sich mit der Bereitstellung von Inhalten oder Werbung, die auf Standort, Verhalten und abgeleiteten Präferenzen basieren.
Einige Patentanmeldungen lassen auf eine Eignung für den Einsatz bei Strafverfolgungsbehörden schließen. Identitätsprüfung, Nutzungsprotokolle und Verhaltensdaten werden als Instrumente zur Gewährleistung der Sicherheit und zur Feststellung der Zurechnungsfähigkeit beschrieben. Gleichzeitig sind sie die Bausteine eines Systems, das aufzeichnet, wer Sie sind und wie Sie sich in einem System verhalten, von dem Sie glauben, dass es Ihnen gehört.
Übertragen Sie das Ganze nun von der Patentanmeldung in die Realität.
Lucid, Nuro und Uber präsentieren ein Robotaxi während der Nvidia Live-Veranstaltung auf der CES 2026 im Vorfeld der jährlichen Consumer Electronics Show in Las Vegas, Nevada, am 5. Januar 2026. Foto: Patrick T. Fallon / AFP via Getty Images

Lucid, Nuro und Uber präsentieren ein Robotaxi während der Nvidia-Live-Veranstaltung auf der CES 2026 im Vorfeld der jährlichen Consumer Electronics Show in Las Vegas, Nevada, am 5. Januar 2026.

Foto: Patrick T. Fallon/AFP via Getty Images

Was wäre, wenn …

Auf einer Ranch passiert ein Unfall. Ein Mann verletzt sich mit einer Kettensäge. Keine Zeit zum Nachdenken. Du rennst zu deinem Truck. Dein Herz rast. Deine Pupillen sind geweitet. Du bist in Panik. Vielleicht weinst du sogar. Dein Körper schaltet auf Hochtouren, denn etwas Dringendes und Ernstes passiert.
Wollen Sie in diesem Moment wirklich ein System, das Ihre Fahrtauglichkeit beurteilt?
Möchten Sie, dass Ihr Fahrzeug Ihre Stressreaktion als Beeinträchtigung interpretiert?
Und möchten Sie, dass eine Maschine Ihre Biologie interpretiert und möglicherweise Ihre Handlungsfähigkeit einschränkt?

Lebensbedrohliche Verzögerungen

Oder betrachten wir ein anderes Szenario.
Eine Biene sticht Sie und Ihr Gesicht schwillt an. Oder Sie erleiden eine schwere allergische Reaktion oder kommen mit Giftefeu in Kontakt (Kletternder Giftsumach, Toxicodendron radicans), Dinge, die Ihr Aussehen verändern können. Ihre Augen sind geschwollen. Ihre Atmung ist beeinträchtigt. Ihr Gesicht entspricht nicht mehr dem biometrischen Profil, das das Fahrzeug erwartet.
Sie sind allein. Sie brauchenHilfe. Und das System, das Sie eigentlich erkennen sollte, tut es nicht mehr.
Für Menschen mit Allergien oder Anaphylaxie ist dies keine theoretische Frage. Es handelt sich um eine lebensbedrohliche Verzögerung.
Ein anderes Szenario, das schwer anzusprechen ist, aber benannt werden muss.
Stellen Sie sich eine Frau vor, die gerade brutal angegriffen wurde. Sie kann fliehen. Sie ist verletzt. Ihr Gesicht ist zerkratzt oder geschwollen. Sie versucht, sich so schnell wie möglich in Sicherheit zu bringen.
Sie erreicht ihr Auto, doch das System, das sie erkennen soll, tut es nicht. In diesem Moment geht es bei der Frage nach Zugang oder Verweigerung nicht um Bequemlichkeit oder Sicherheit. Es geht ums Überleben.

Wenn der Staat die Kontrolle übernimmt – reine Science Fiktion?

Unmittelbar danach stellt sich die nächste Frage.
was passiert, wenn ein Fahrzeug Sie anhand biometrischer Daten identifizieren, Ihr Verhalten überwachen und seinen eigenen Betrieb steuern kann und diese Systeme mit externen Instanzen kombiniert werden?
Könnte ein Fahrzeug eines Tages dazu benutzt werden, jemanden einzusperren?
Könnte es die Bewegungsfreiheit einschränken oder sich ohne Zustimmung des Fahrers selbstständig in eine bestimmte Richtung bewegen?
Aktuell lautet die Antwort „Nein“. Die geltenden US-Gesetze erlauben es nicht, dass ein Privatfahrzeug eine Person festhält oder auf diese Weise als verlängerter Arm der Strafverfolgungsbehörden fungiert.
Doch die Technologie entwickelt sich seit jeher schneller als die Gesetze, die sie regeln. Die entsprechenden Funktionsmöglichkeiten werden Stück für Stück aufgebaut: Identifizierung, Überwachung, Interpretation, Kontrolle und Vernetzung. Jede dieser Funktionen hat für sich genommen eine klare und nachvollziehbare Berechtigung, doch zusammen ergeben sie etwas weitaus Mächtigeres.
Während einige von Ihnen dies lesen, kann ich die aufkommenden Gedanken förmlich sehen: Sie werden sich kein neues Auto kaufen. Sie werden weiterhin Ihr älteres Auto fahren.

Im Namen des Umweltschutzes …

Es gibt bereits Präzedenzfälle für die verpflichtende Fahrzeugmodernisierung. So verlangt Kalifornien im Namen des Umweltschutzes, dass ältere Diesel-Lkw, die die neueren Abgasnormen nicht erfüllen, nachgerüstet oder stillgelegt werden müssen. Die Rechtsprechung ist eindeutig: Regierungen können und tun dies auch, indem sie Fristen festlegen, nach deren Ablauf der Betrieb älterer Fahrzeuge praktisch unmöglich oder illegal wird.
Es reicht nicht aus, sich einfach abzumelden. Es ist durchaus möglich, dass uns eines Tages ein Zeitfenster eingeräumt wird, in dem wir erfahren, dass alle Fahrzeuge einen neuen Standard erfüllen müssen. Dieser könnte Systeme umfassen, die den Fahrer überwachen, seine Identität überprüfen oder den Betrieb unter bestimmten Bedingungen einschränken. Ähnliches ist bereits in anderer Form geschehen und kann wieder geschehen.

Alles nur für Ihre Sicherheit!

Uns wird gesagt, diese Technologien dienten der Sicherheit, sie sollten Trunkenheit am Steuer reduzieren, Unfälle verhindern und die Verkehrssicherheit für alle verbessern. Das mag in manchen Fällen zutreffen, doch Sicherheit war schon immer die einfachste Rechtfertigung für verstärkte Kontrollen.
Gleichzeitig entstehen diese Systeme in einem Umfeld, in dem Daten wertvoll sind. Verhalten wird verfolgt, analysiert und monetarisiert. Selbst private Räume werden zu Möglichkeiten der Beobachtung und Einflussnahme umgewandelt.
Früher war der Innenraum eines Fahrzeugs einer der letzten Orte, an denen man ungestört sprechen konnte. Es war ein Ort, an dem man sich frei mit dem Partner, dem Kind oder einem Freund unterhalten konnte, ohne dass dies aufgezeichnet, interpretiert oder verkauft wurde. Diese Annahme stimmt heute nicht mehr.
Wenn diese patentierten Systeme zum Standard werden, ist das Auto nicht mehr nur ein Transportmittel. Es wird zu einer Sensorplattform, die Sie identifiziert, überwacht, Ihr Verhalten interpretiert, Informationen über Sie speichert und in manchen Fällen auf Grundlage dieser Interpretationen handelt.
Wir sollten uns darüber im Klaren sein, wo wir stehen. Die meisten Fahrzeuge können heute nicht all das gleichzeitig, aber wir sollten uns ebenso darüber im Klaren sein, in welche Richtung sich die Branche entwickelt. Die Frage ist nicht, ob jede dieser Ideen exakt so umgesetzt wird, wie sie formuliert ist. Die Frage ist, ob wir mit der Richtung, die sie vorgeben, einverstanden sind. Ich persönlich bin es nicht.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Car You Own May Soon Decide If You’re Allowed to Drive It“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Warum zwanglose Begegnungen gut für die psychische Gesundheit sind

Sie hören das Klirren von Tassen, das erdige Aroma von Kaffee, das Gemurmel von Gesprächen und die gedämpfte Musik aus dem Radio, während die Barista Sie mit Namen begrüßt. „Das Übliche?“, fragt sie mit einem Lächeln. Sie nicken zustimmend, lassen sich an Ihrem Lieblingstisch mit Blick auf den Bauernmarkt draußen auf der Straße nieder und öffnen Ihr Buch.
Doch bevor Sie zu lesen beginnen, bemerken Sie einen anderen Stammgast, der in einem Polstersessel am Kamin sitzt. „Wie geht es den Kindern, Hans?“, fragen Sie. Er blickt lächelnd auf und erzählt Ihnen von den neuesten Eskapaden seiner Söhne. Das sind die Freuden, die jemandem vorbehalten sind, der innerhalb seiner Gemeinschaft lose Beziehungen aufgebaut hat: Verbindungen zu Menschen vor Ort, die warmherzig, vertraut und berechenbar sind, auch wenn sie nicht besonders tief gehen.
Dazu gehören der Friseur, den Sie jeden Monat besuchen, der Barkeeper, der Ihr Lieblingsgetränk kennt, der Typ im Gym, der Sie beim Krafttraining absichert, und eben auch der Nachbar von gegenüber, der Ihre Pflanzen gießt, wenn Sie im Urlaub sind. Sie alle sind Beispiele für Menschen, zu denen Sie lose Verbindungen aufbauen können. Sie sind nicht Ihre engsten Freunde, aber die vertraute Beziehung zu ihnen bringt dennoch etwas Wertvolles – vielleicht sogar etwas Unverzichtbares – in Ihr Leben und das dieser Personen.

Der Wert alltäglicher Verbindungen

Arkadiy Volkov, Psychotherapeut und klinischer Leiter von Feel Your Way Therapy, erklärt gegenüber der Epoch Times, dass Studien gezeigt hätten, dass Menschen mit mehr sozialen Bindungen eine höhere Lebenszufriedenheit und weniger Einsamkeit verspürten als Menschen mit weniger Verbindungen. Das gelte auch, wenn sie die gleiche Anzahl an engen Freunden haben.
„Wenn wir an psychische Gesundheit denken, denken wir an Beziehungen zu Partnern, Familie und Freunden“, so Volkov. „Wir neigen dazu, die Bedeutung loser Verbindungen zu übersehen.“
„Beziehungen, die nicht zu intim, aber prägnant und vertraut sind, zum Beispiel zum Friseur, zum Priester oder zum Nachbarn, sind jedoch ebenfalls wichtig. Diese Beziehungen sind emotional nicht allzu tief, aber sie schaffen etwas Stabilisierendes und vermitteln ein Gefühl der Zugehörigkeit im Alltag.“ Volkov erklärt, dass unser Gehirn auf diese Art von Verbindungen programmiert ist. Selbst so einfache Dinge wie Blickkontakt, kurze Gespräche und das Hören des eigenen Namens können unser Identitätsgefühl und unser Wohlbefinden steigern.
Lose soziale Bindungen helfen uns, ein Gefühl für unseren Platz innerhalb einer größeren Gemeinschaft zu entwickeln.
Regelmäßige Dienstleistungen wie Friseurbesuche und Fitnesskurse können als kleine soziale Ankerpunkte dienen, bei denen Menschen wieder mit bekannten Gesichtern aus ihrer Nachbarschaft in Kontakt treten. Foto: nd3000/iStock

Regelmäßige Dienstleistungen wie Friseurbesuche und Fitnesskurse können als kleine soziale Ankerpunkte dienen, bei denen Menschen wieder mit bekannten Gesichtern aus ihrer Nachbarschaft in Kontakt treten.

Foto: nd3000/iStock

„Lose Bindungen senden uns beständige Signale, dass wir in einer Gemeinschaft existieren, dazugehören und von Bedeutung sind“, sagt Volkov. Die stetige Ansammlung solcher Beziehungen innerhalb einer Gemeinschaft bilde ein viel festeres Fundament für die Gemeinschaft als Ganzes – wie Sediment in einem Fluss. Die Widerstandsfähigkeit werde gestärkt.
Rabbi Shlomo Slatkin, ein lizenzierter klinischer Berater und Mitbegründer des Marriage Restoration Project, bringt es auf den Punkt: „Je vernetzter Menschen sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie sich in guten wie in schweren Zeiten gegenseitig unterstützen. Es ist wichtig, Menschen zu haben, mit denen man feiern kann. Es ist eine Kettenreaktion. Man verbindet sich mit einer Person, die mit einer anderen verbunden ist, und so weiter. Dies breitet sich auf eine ganze Gemeinschaft aus, die miteinander vernetzt ist und ein Unterstützungssystem füreinander sein kann.“

Eine starke Gemeinschaft mitgestalten

Volkov äußert sich ähnlich und merkt an, dass Gemeinschaften, die dicht mit diesen Bindungen durchzogen sind, besser auf Krisen reagieren. „Nachbarn mit stärkeren Bindungen reagieren besser auf Stressfaktoren oder Krisen“, sagt er. „Man weiß, dass es eine Basis an Vertrauen und Anerkennung gibt.“
Einfache, alltägliche Interaktionen summieren sich im Laufe der Zeit und bilden ein Geflecht miteinander verbundener Gemeinschaftsmitglieder, die in dramatischen Situationen sowohl gemeinsam feiern als auch trauern können. Wir sind dann in der Lage, diesen Momenten vor dem Hintergrund von Vertrautheit und Solidarität zu begegnen.
„Unser Gehirn mag Beständigkeit, weil sie sich sicher anfühlt“, sagt Volkov. „Wenn wir dieselben Leute in der Nachbarschaft oder im Fitnessstudio sehen und sie uns grüßen, entspannt sich unser Nervensystem, weil wir uns in einer geschützten Umgebung befinden.“
Diese „geschützte Umgebung“ ist besonders wichtig für die Resilienz in schweren Zeiten, sie kann aber auch das Leben generell mit größerer Verbundenheit, Ruhe und Bedeutung erfüllen.
Doch wie entwickeln wir diese losen Bindungen?

Erste Schritte

Der erste Schritt ist Beständigkeit. Wenn Sie wiederholt zur gleichen Zeit am gleichen Ort erscheinen, werden Sie bestimmten Gesichtern aus der Nachbarschaft begegnen, zu denen Sie nach und nach einen Draht aufbauen können. Aber Beständigkeit allein reicht nicht aus.
„Beständigkeit ist wichtig, aber auch die Interaktion“, sagt Slatkin. „Man kann nicht einfach nur auftauchen und sich nicht einbringen. Je mehr man sich einbringt, desto besser wird man sich fühlen.“
Volkov empfiehlt außerdem, aktiv mit bekannten Gesichtern in Kontakt zu treten, indem Sie ihre Namen lernen und sie nach ihrer Woche oder ihren Wochenendplänen fragen. Diese Gespräche müssen nicht kompliziert sein. Denn schon ein wenig Mühe kann viel bewirken.
Man könnte argumentieren, dass wir diese losen Bekanntschaften heute mehr denn je brauchen. Wenn so viel unserer sozialen Aktivität in den digitalen Raum abgewandert ist, verlieren wir den Kontakt zu den greifbaren, realen Verbindungen.
Es sind die Blickkontakte, der Klang von Stimmen und die unerwarteten Begegnungen an der Straßenecke, die unsere körperliche Existenz in einer bestimmten lokalen Gemeinschaft festigen. Ein integraler Bestandteil einer Gemeinschaft zu sein, bedeutet, Leute zu kennen und von anderen gekannt zu werden.
„Viele Online-Transaktionen sind anonym“, sagt Volkov. „Aber lose Bindungen erfordern eine bestimmte Absicht und Nähe. Das ist gerade jetzt [in einer digitalen Welt] von Bedeutung.“
„Wir brauchen Menschen, die unseren Namen, unser Lieblingsgetränk und so weiter kennen“, konstatiert er. „Menschen brauchen ein Ökosystem, in dem sie gedeihen können. Lose Bekanntschaften sind ein großartiger Weg, um dies zu erreichen.“
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Why You Should Know Your Neighbors: Why Casual Connections Matter for Mental Health“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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„Genug gearbeitet“: Wenn Beschäftigtsein zur Ersatzstrategie wird

„Ich habe keine Zeit.“ Dieser Satz ist in vielen Unternehmen so normal geworden, dass kaum noch jemand nachfragt. Keine Zeit für Gespräche. Keine Zeit für Entscheidungen. Keine Zeit für Einarbeitung. Keine Zeit für Reflexion. Keine Zeit, um einmal sauber aufzuräumen.
Und trotzdem ist immer Zeit für das nächste Krisentelefonat, die dritte Abstimmungsrunde und die schnelle Ausnahme, die noch schnell gerettet werden muss.
Beschäftigtsein fühlt sich produktiv an. Es gibt ein gutes Gewissen. Man ist dran, erreichbar, fleißig und gefragt. Doch genau darin liegt die Falle. Denn „busy“ sein kann auch eine elegante Methode sein, um dem Wesentlichen auszuweichen. Solange alles dringend ist, muss niemand entscheiden, was wirklich wichtig ist.
Ich erlebe das häufig bei Führungskräften, die abends erschöpft sind und trotzdem nicht sagen können, was sie wirklich vorangebracht haben. Es wurde zwar viel erledigt, aber wenig geklärt, viel gesprochen, aber wenig entschieden und viel reagiert, aber kaum gestaltet.
Drei Warnsignale zeigen, dass das Beschäftigtsein zur Ersatzstrategie geworden ist:
  • Sie beenden den Tag mit vielen erledigten Aufgaben, aber ohne spürbaren Fortschritt.
  • Sie führen Gespräche mehrfach, weil beim ersten Mal nichts entschieden wurde.
  • Sie lösen Probleme, die eigentlich durch klare Regeln, Rollen oder Prioritäten verschwinden müssten.
Eine Geschäftsführerin brachte es auf den Punkt: „Ich bin immer verfügbar, aber selten wirksam.“ Dieser Satz war schmerzhaft, aber ehrlich. Er öffnete den Blick für eine einfache Unterscheidung: Verfügbarkeit ist nicht Führung. Führung bedeutet, Orientierung zu geben, Entscheidungen zu treffen und Energie zu schützen.
Wir führten eine kleine Wochenfrage ein: „Was muss am Freitag anders sein als heute?“ Nicht zehn Ziele. Eins. Danach wurde sortiert: Welche Termine zahlen darauf ein? Welche stören? Welche Themen müssen entschieden werden, bevor wieder alle im Kreis laufen?
Die Wirkung war nicht spektakulär, aber deutlich. Zwei Meetings fielen weg. Ein Dauerthema bekam eine Entscheidung. Eine Führungskraft sagte zum ersten Mal: „Dazu sage ich diese Woche bewusst Nein.“ Und genau dort begann Entlastung.
Genug gearbeitet. Das bedeutet jedoch nicht, nichts zu tun. Es bedeutet, nicht mehr so zu tun, als sei Bewegung schon Fortschritt.
Praktisch hilft ein kurzer Check am Wochenanfang:
  • Was ist diese Woche das eine Ergebnis, das wirklich zählt?
  • Welche Arbeit ist nur Gewohnheit?
  • Welche Rückfrage entsteht nur, weil etwas unklar geblieben ist?
  • Welche Entscheidung würde mindestens fünf Folgearbeiten verhindern?
Gerade Unternehmer und Führungskräfte müssen lernen, dass Beschäftigung nicht automatisch als Leistung bewerten werden kann. Denn wer ständig beschäftigt ist, verliert irgendwann die Fähigkeit, Wirkung zu erkennen.
Genug gearbeitet. Wo verwechseln Sie gerade Aktivität mit Fortschritt?
Rolf Hempel | www.b-steps.de/summit | b-steps summit
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Mehr Ausdauer und Erfolg? Ein griechischer Mythos zeigt wie


In Kürze:

  • In unserer heutigen Welt, fokussiert auf sofortigen Erfolg und schnelle Ergebnisse, erscheint Ausdauer als Fremdwort.
  • Warum diese Fähigkeit lebenswichtig ist, zeigt der Mythos von Herakles rund um seine zehnte Aufgabe, die ihn an die Grenze des Bekannten führt.
  • Letztlich gilt es, sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren – egal wie erschöpfend, erfolglos oder weit der Weg erscheint.

 
Wir sind bei der zehnten von zwölf Aufgaben des griechischen Helden Herakles angelangt. Nun nimmt das Ausmaß dieser Herausforderungen dramatisch zu, bis sie in seiner letzten und schwierigsten Aufgabe gipfeln.
Frühere Prüfungen führten ihn in Auseinandersetzungen mit Angst, Chaos, Begierde und Misstrauen. Doch nun wird der Held über die vertrauten Grenzen der griechischen Welt hinausgetrieben.
Jetzt geht es nicht mehr nur um Einfallsreichtum, Demut, Selbstbeherrschung, Verantwortung oder die Wiederherstellung der gesellschaftlichen Ordnung. Stattdessen muss Herakles bis an die äußersten Grenzen des Bekannten reisen.

Eine Reise im Zeichen des Steinbocks

In seiner zehnten Aufgabe soll Herakles die roten Rinder des Geryon fangen und sie zu König Eurystheus bringen. Doch wie so oft in der griechischen Mythologie verbirgt sich hinter der Einfachheit eine teuflische Komplexität.
Geryon wohnt nicht in der Nähe, ja nicht einmal im gewöhnlichen Bereich der griechischen Zivilisation. Er lebt auf der fernen Insel Erytheia (wörtlich „das Rote Land“) am äußersten westlichen Rand der Welt, wo die Sonne jeden Abend in die Dunkelheit versinkt. Die Symbolik ist bereits unverkennbar. Herakles steht nicht mehr nur den Monstern der bekannten Welt gegenüber – er reist zur Grenze, wo das Bekannte im Geheimnis verschwindet.
Die Aufgabe gehört symbolisch zum Steinbock, dem Erdzeichen, das mit Ausdauer, Verantwortung, Lastentragen und schwierigem Aufstieg verbunden ist. Bezeichnenderweise geht das Sternbild Steinbock mitten im Winter auf – sogar der Weihnachtstag selbst fällt unter sein Zeichen.

Die zehnte Aufgabe des Herakles steht im Zeichen des Sternbildes Steinbock und des Elements Erde.

Ein Steinbock ist geduldig, diszipliniert und bereit, immense Entfernungen zurückzulegen, um ein notwendiges Ziel zu verfolgen. Es ist das Zeichen des Bergsteigers, des Gesetzgebers und des einsamen Reisenden, der weitermacht, lange nachdem andere umgekehrt wären.
Genau das ist der Charakter der zehnten Aufgabe. Im Gegensatz zu den gewaltigen Konfrontationen mit dem Löwen oder der Hydra zeigt sich die neue Schwierigkeit durch Entfernung, Erschöpfung und Ausdauer. Der Held muss zunächst Wüsten, Berge, Meere und unbekannte Gebiete durchqueren, bevor er die Aufgabe überhaupt in Angriff nehmen kann.

Ausdauer wird belohnt

Die alten Griechen verstanden Reisen nach Westen symbolisch als tiefgründig. Der Westen war die Region des Sonnenuntergangs, des Verfalls, der Sterblichkeit und des Endes. Dorthin zu reisen bedeutete in gewisser Weise, sich der Grenze zwischen Leben und Tod zu nähern. In seiner letzten und zwölften Aufgabe wird Herakles buchstäblich in die Hölle hinabsteigen, doch bereits diese Reise nach Westen führt den Helden an den Rand der Existenz heran.
Alle Hindernisse, denen er begegnet, verstärken diesen Eindruck. In einigen Versionen des Mythos ist Herakles während seiner Reise von der Hitze so erschöpft, dass er einen Pfeil auf die Sonne richtet. Erstaunlicherweise bestraft ihn der Sonnengott Helios nicht für seine Kühnheit, sondern bewundert seinen Mut. Helios leiht Herakles sogar ein großes goldenes Gefäß, in dem er über den Okeanos segeln kann.

Okeanos ist die Personifikation eines riesigen Stromes, der die bekannte griechische Welt umfließt und alle Flüsse speist.

Diese Episode ist bemerkenswert, weil sie zu den seltenen Momenten in der griechischen Mythologie gehört. Anstatt menschliche Anmaßung zu bestrafen, erkennen die Götter Herakles’ heldenhafte Ausdauer an und belohnen ihn.
Herakles’ Zorn auf die glühende Sonne spiegelt das Ausmaß des menschlichen Leidens wider. Doch seine Ausdauer und Beharrlichkeit bringen ihm Hilfe statt Vernichtung ein. Symbolisch hat das goldene Gefäß eine enorme Bedeutung.
Der Held betritt somit den Bereich der kosmischen Kräfte. Er ist nicht mehr an die gewöhnliche Geografie gebunden, sondern durchquert die Gewässer, die die Welt umgeben. Die Aufgabe nimmt eine fast spirituelle Dimension an: Herakles überwindet nicht nur physische Entfernungen, sondern existenzielle Grenzen.
Herakles und seine zwölf Aufgaben

Die zwölf Aufgaben des Herakles, dargestellt in einem Mosaik aus Lliria, Spanien.

Zersplitterte Macht

Geryon gehört zu den seltsamsten Gestalten aller Aufgaben. Sein Name bedeutet „der Laute“ oder „der Brüllende“. In Überlieferungen wird er als dreiköpfig beschrieben, mit sechs Händen und drei an der Taille verbundenen Körpern. Er gilt als Wesen mit vielfacher Gestalt und als der stärkste lebende Mensch.
Doch seine Dreiköpfigkeit gibt Anlass zum Nachdenken: Auch Kerberos (dt. Zerberus), der Hund des Unterweltgottes Hades, hat drei Köpfe. Interessanterweise gilt dies auch für Satan, wie er von Dante in seinem Werk „Inferno“ dargestellt wird. Geryon hat also etwas Dämonisches an sich.
In seiner 10. Aufgabe muss Herakles die Rinder von Geryon stehlen und Ausdauer lernen

Die mythische Figur Geryon hat drei Köpfe und sechs Arme.

Die Menschen der Antike verstanden diese Vielfältigkeit auf unterschiedliche Weise. Auf der praktischsten Ebene verstärkt sie Geryons Macht, symbolisch deutet sie jedoch auf Zersplitterung, Maßlosigkeit oder eine unnatürlich über die angemessenen Grenzen hinausgehende Kraft hin.
Während Herakles sich zunehmend in Richtung Vervollständigung und zielgerichtete Disziplin bewegt, steht Geryon für gespaltene Kraft – gewaltig, aber uneinig. Anders ausgedrückt: Das „Brüllen“ von Geryon ist ein Urlaut – laut und verstärkt, aber ungeordnet. Währenddessen verkörpert Herakles zunehmend etwas, das der griechischen Vorstellung von „Logos“ entspricht: rationale Ordnung, disziplinierte Sprache und sinnvolle Artikulation.
In seiner 10. Aufgabe muss Herakles die Rinder von Geryon stehlen und Ausdauer lernen

Das Gemälde „Herkules und die Rinder des Geryones“ von Lucas Cranach dem Älteren (1472–1553).

Rinder, die Farbe Rot und das Leben

Auch die Rinder des Geryon sind von Bedeutung. In alten Kulturen symbolisierte Vieh Reichtum, Fruchtbarkeit, Nahrung und soziale Stabilität. Vieh zu besitzen, bedeutete Wohlstand. Geryons rote Rinder stehen daher nicht nur für Besitz, sondern für konzentrierten materiellen Überfluss am Rande der Welt.
Das altgriechische Wort für rot ist „erythros“, von dem sich „Erythrozyt“ – die roten Blutkörperchen – ableitet. Wir werden dabei an ein Zitat aus dem Dritten Buch Mose erinnert: „Denn des Leibes Leben ist im Blut“.
In einem tieferen Sinne besteht Herakles’ Aufgabe darin, das „Leben“ aus dem Westen, aus dem Reich des Todes, des Sonnenuntergangs und der Dunkelheit, zurückzuholen, indem er die im Blut enthaltene rote Lebenskraft zurückbringt. Nun überrascht es nicht mehr, dass ihm der Sonnengott Helios, das Inbild des Lichts, bei diesem Unterfangen half.
Doch das Vieh wird von dem Hirten Eurytion und seinem zweiköpfigen Hund Orthos gut bewacht. Der monströse Hund ist wie Kerberos und Hydra eine Brut des Typhon und der Echidna, jenen Kreaturen, die die Ordnung des Kosmos bedrohen.

Der zweiköpfige Hund Orthos auf einer griechischen Trinkschale.

Orthos greift Herakles sofort an und wird von ihm mit Pfeil und Bogen getötet. Wir erinnern uns: Die Pfeilspitzen von Herakles sind mit dem Blut der Hydra getränkt. Somit ist hier eine Art homöopathisches Prinzip am Werk, indem Gleiches mit Gleichem bekämpft wird. Das Blut eines monströsen Geschwisters vernichtet ein anderes. Bei seiner sechsten Aufgabe erlebte Herakles dieses Prinzip schon einmal.
Selbst am Rand der Welt bleiben die Kräfte, die sich der Ordnung entgegenstellen, aktiv. Herakles’ Mission als Sohn des Zeus dient nicht bloß dem persönlichen Ruhm, sondern der Verbreitung der Zivilisation und der Bekämpfung des Chaos. Zwar versucht der wütende Hirte Eurytion Rache an Herakles zu nehmen, doch letztlich wird auch er rasch besiegt.

Nicht das Ziel aus den Augen verlieren

Nun taucht auch Geryon höchstpersönlich auf, bewaffnet und furchterregend, nur um ebenfalls von Herakles’ Pfeilen niedergestreckt zu werden. Die Auseinandersetzungen verliefen überraschend schnell und entschlossen. Dies unterscheidet die zehnte Aufgabe von vielen früheren.
Der Feind ist gewiss gefährlich, doch die tiefere Herausforderung liegt in der Ausdauer und darin, seine Zielstrebigkeit über immense Entfernungen, Isolation und Erschöpfung hinweg aufrechtzuerhalten.

Die griechische Vasenmalerei zeigt Herakles im Kampf mit Geryon und den besiegten Hirten Eurytion am Boden liegend.

Die Symbolik des Steinbocks zeigt sich hier besonders deutlich. Größe wird nicht durch plötzliche Brillanz erreicht, sondern durch anhaltende Beharrlichkeit. Wie der englische Schriftsteller und Universalgelehrte Samuel Johnson schrieb: „Große Werke werden nicht durch Kraft, sondern durch Ausdauer vollbracht.“
Dies ist vielleicht ein weniger bekannter Aspekt von Herakles’ zahlreichen Errungenschaften. Wir alle sind uns seiner Kraft voll bewusst, doch hier kommt mit der Ausdauer eine ganz andere Eigenschaft zum Vorschein.
Nachdem er sich das Vieh gesichert hat, sind Herakles’ Schwierigkeiten noch lange nicht vorbei. Die Rückreise erweist sich als ebenso beschwerlich wie die Hinreise. So schickt die Göttermutter Hera, die den unehelichen Sohn ihres Mannes Zeus scheitern sehen will, stechende Bremsen, um die Herde zu zerstreuen. Außerdem versperren Flüsse dem Helden den Weg und feindliche Herrscher versuchen, die Rinder zu stehlen. Immer wieder muss Herakles die Tiere neu sammeln, umleiten und weitertreiben.
Auch auf dem Rückweg seiner Reise muss Herakles Ausdauer beweisen

Der Rückweg seiner Reise ist mit den Rindern des Geryon mindestens genauso schwierig wie der Hinweg.

Diese Erfahrung hat jeder bereits gemacht, der über einen langen Zeitraum hinweg eine schwierige Aufgabe bewältigen musste. Erfolg besteht selten aus einem einzigen Triumph und einem linearen Weg dorthin. Häufig muss nach Störungen erst wieder Ordnung geschaffen werden. Fortschritte gehen verloren, werden zurückgewonnen und gehen erneut verloren. Genau dann wird Ausdauer wichtiger als Kraft.

Ausdauer, Ordnung und die moderne Welt

Für heutige Leser liegt die Relevanz dieser Aufgabe zum Teil genau hier. Unsere Kultur ist oft fasziniert von sofortigem Erfolg, dramatischem Wandel und schnellen Ergebnissen. Doch die bedeutendsten Errungenschaften – seien sie persönlicher, politischer, künstlerischer oder spiritueller Natur – ähneln weitaus mehr der Reise von Herakles in den Westen. Sie erfordern ein anhaltendes Engagement über einen langen Zeitraum hinweg, oft unter Bedingungen der Erschöpfung und Unsicherheit.
Die Aufgabe spricht auch die Versuchung der Extreme an. Geryons Rinder leben am Rande der Welt, isoliert und eifersüchtig bewacht. Materieller Überfluss, losgelöst von der übergeordneten moralischen Ordnung, wird zu etwas Gefährlichem, das keinen Bezug mehr zum menschlichen Gedeihen hat. Herakles nimmt die Rinder nicht bloß als Beute an sich – er integriert sie wieder in die größere Welt.
In diesem Sinne markiert die 10. Aufgabe eine weitere Stufe in der Entwicklung des Helden. Frühere Aufgaben erforderten Mut oder Einfallsreichtum; spätere verlangten Zurückhaltung und moralische Einsicht. Doch hier lernt Herakles etwas Stilleres und vielleicht Schwierigeres: Ausdauer.
Wie vielleicht unscheinbarste Fähigkeit, die Herakles im Laufe seiner zwölf Aufgaben erlernt, ist Ausdauer

Die vielleicht unscheinbarste Fähigkeit, die Herakles im Laufe seiner zwölf Aufgaben erlernt, ist Ausdauer.

Wenn der Gürtel der Hippolyta zeigte, wie zerbrechlich Vertrauen sein kann, so offenbaren die Rinder des Geryon, wie schwer es ist, wahre Ordnung über Zeit, Entfernung und Widrigkeiten hinweg aufrechtzuerhalten.
Und das ist vielleicht die bleibende Lehre: dass die Zivilisation selbst nicht durch vereinzelte Siege gesichert wird, sondern durch die lange und erschöpfende Arbeit, Ordnung durch eine widerständige Welt zu tragen.
Seine elfte und vorletzte Aufgabe führt Herakles erneut an den Rand der Welt, um besondere Äpfel zu holen.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Herakles and Geryon: Journey to the Edge of the World“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)
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Wie Chinas Kommunistische Partei das Massaker an Christen in Nigeria befeuert

Während Fulani-Islamisten christliche Gemeinden im gesamten Mittelgürtel Nigerias verwüsten, verschärfen chinesische Bergbauinteressen, Waffenlieferungen und systematische Landvertreibungen den Konflikt zusätzlich. Ganze Dörfer werden aus einigen der rohstoffreichsten Regionen Westafrikas verdrängt – oft genau dort, wo später neue Bergbauprojekte entstehen.
In der Nacht zum 8. Mai griffen Fulani-Islamisten die christliche Gemeinde Ngbrran-Zongo an, ein Dorf im Distrikt Kwall, Verwaltungsbezirk Bassa, Bundesstaat Plateau, Nigeria. Elf Christen wurden getötet, darunter der 60-jährige Gemeindevorsteher Sunday Hwie, der 17-jährige Gabriel Sunday, die 25-jährige schwangere Eunice Samuel, die 29-jährige schwangere Laraba Sunday sowie der dreijährige Festus Sunday.
Nur wenige Tage zuvor, am 2. Mai, hatten Fulani-Extremisten bereits acht Christen ermordet. Als Angehörige am nächsten Morgen die Opfer beerdigen wollten, kehrten die Angreifer zurück und griffen die Trauerfeier an.

Tötungen und Entführungen

Nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Bürgerrechte und Rechtsstaatlichkeit wurden zwischen dem 1. Januar und Ostermontag, 6. April, dieses Jahres insgesamt 1.402 Christen getötet und rund 1.800 entführt. Das entspricht durchschnittlich etwa 450 Todesopfern und 600 Entführungen pro Monat.
Auch der Weltverfolgungsindex 2026 von Open Doors zeichnet ein dramatisches Bild: Zwischen Oktober 2024 und September 2025 wurden weltweit 4.849 Christen wegen ihres Glaubens getötet. 3.490 der Opfer stammen allein aus Nigeria – rund 72 Prozent aller weltweit registrierten Fälle. Damit gilt Nigeria inzwischen als eines der gefährlichsten Länder der Welt für Christen.
Die anhaltenden Morde und Entführungen durch Fulani-Extremisten sind seit Jahren dokumentiert. Die US-Kommission für internationale Religionsfreiheit stufte Nigeria deshalb als „besonders besorgniserregendes Land“ ein. Vertreter der Trump-Regierung bezeichneten die Angriffe auf Christen sogar als „Völkermord“.

Deborah Phillip, eine Internatsleiterin, wurde zusammen mit den Schülern entführt und vier Monate lang festgehalten, bevor sie am 7. Mai 2026 im nigerianischen Bundesstaat Kaduna gegen Lösegeld freigelassen wurde.

Foto: Antonio Graceffo

Besonders erschütternd ist das Schicksal von Deborah Phillip, einer Internatsleiterin im Bundesstaat Kaduna. Gemeinsam mit mehreren Schülern wurde sie entführt und vier Monate lang festgehalten. Erst am 7. Mai 2026 kam sie gegen Lösegeld frei. Die Zahlung stürzte ihre Familie in eine schwere finanzielle Krise.
Der Begriff „Fulanisierung“ beschreibt laut Jubal Bitrus Dabo die gewaltsame Aneignung von Land durch Fulani-Milizen. Das teilte der Forscher bei der Christian Awareness Initiative of Nigeria in einem Interview gegenüber der englischsprachigen Epoch Times mit.
Ziel sei die Vertreibung einheimischer Bevölkerungsgruppen zugunsten einer ressourcenbasierten Herrschaftsagenda. Gleichzeitig stehe der Begriff „Islamisierung“ für den Versuch, Nigeria schrittweise von einem säkularen Staat in einen Staat unter islamischer Doktrin umzuwandeln.
Viele Nigerianer betrachten die Fulani-Bewegung deshalb als Teil eines umfassenderen islamistischen Projekts. Dabo sagte:
„All diese Angriffe, all die Unsicherheit dienen letztlich der Umsetzung dieses Auftrags.“
Die Fulani-Milizen gelten als schwer bewaffnet und gut organisiert. Christliche Gemeinden hingegen verfügen meist weder über Waffen noch über Milizen zu ihrer Verteidigung. Dadurch werden ihre Dörfer zu leichten Zielen. Augenzeugen berichten, die Angreifer würden oft in Gruppen von mehreren Dutzend bis zu Hunderten Kämpfern auftreten, ausgerüstet mit AK-47-Gewehren und unterwegs auf Motorrädern oder in Pick-ups. Bewohner berichten zudem von Drohnen, Panzerfäusten und weiteren modernen Waffen.

Pastor: „So hat Gott mir das Leben gerettet“

Der Pastor Habila Kak aus dem Verwaltungsgebiet Riyom im Bundesstaat Plateau schilderte eindrücklich, wie er einen Angriff nur knapp überlebte.
„Überall hörte ich Schüsse. Eine der Kugeln traf mich hier; sie trat auf der anderen Seite wieder aus“, sagte er und zeigte auf seine Verletzung.
Kak konnte entkommen, weil er sich während der Regenzeit in den Busch flüchtete und dort versteckte, während die Angreifer sein Dorf verwüsteten.
„So hat Gott mir das Leben gerettet“, sagte er.

Habila Kak, ein Pastor im Verwaltungsbezirk Riyom im Bundesstaat Plateau, wurde am 4. Mai 2026 bei einem Angriff auf sein Dorf in Jos, Bundesstaat Plateau, Nigeria, von einer Kugel getroffen.

Foto: Antonio Graceffo

An diesem Tag wurden nach seinen Angaben 36 Menschen ermordet. Die Angreifer brannten Häuser nieder und zerstörten alles, was sich darin befand. Auch seine eigene Familie befand sich in einem der angegriffenen Häuser, konnte jedoch fliehen, bevor sich die Flammen ausbreiteten. Andere hatten dieses Glück nicht.
Heute lebt Pastor Kak vertrieben in einer Siedlung, die weiterhin unter ständiger Bedrohung steht.
„Wo ich jetzt wohne, haben wir es nicht leicht. Jeden Tag hört man Schüsse“, berichtete er.
Er erzählte weiter, dass bewaffnete Männer erst vor Kurzem versucht hätten, in die Siedlung einzudringen. Nur einheimische Jugendliche, die nachts Wache hielten, hätten den Angriff verhindern können. Die umliegenden Gemeinden, darunter auch ein Ort namens Joel, lebten weiterhin in permanenter Angst.
„Es vergeht kein Tag, an dem man aus diesen Gegenden keine Schüsse hört“, sagte Kak.
Dann hielt er kurz inne und berichtete von einem weiteren Angriff, bei dem ein Pastor, dessen Ehefrau und ihre beiden Kinder getötet worden seien.

Wer finanziert die Angriffe der Fulani?

Die zunehmende Häufigkeit und Professionalität der Fulani-Angriffe wirft Fragen nach Finanzierung, Waffenbeschaffung und der gezielten Auswahl bestimmter Regionen auf. Eine mögliche Erklärung liefern illegale Bergbauaktivitäten mit chinesischer Beteiligung.
Recherchen von SBM Intelligence enthüllten Videos, in denen militante Anführer offen damit prahlen, dass chinesische Arbeiter „Miete“ zahlen müssten, um in ihren Gebieten operieren zu dürfen. Ikemesit Effiong, Forschungsleiter von SBM, erklärte gegenüber der britischen Zeitung „The Times“, chinesische Akteure seien „durchaus bereit, jeden zu bezahlen, der bezahlt werden müsse“.
Auch die Stiftung für investigativen Journalismus berichtete, dass mit China verbundene Bergbauunternehmen die Terrorgruppe von Dogo Gide bestochen hätten, um Zugang zu Minengebieten im Verwaltungsbezirk Shiroro im Bundesstaat Niger zu erhalten. Audioaufnahmen sollen dokumentieren, wie Verhandlungen mit dem inneren Kreis des Terrorführers geführt wurden, bevor die Arbeiten begannen.

Billige chinesische Waffen

Ein lokaler christlicher Vertreter erklärte gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times, dass Schutzgeldzahlungen chinesischer Unternehmen letztlich zum Kauf von Waffen genutzt würden, die anschließend gegen Christen eingesetzt werden.
Überlebende berichten fast ausnahmslos davon, dass die Angreifer mit AK-47-Gewehren bewaffnet gewesen seien. Besonders verbreitet sind dabei chinesische Varianten wie das Norinco Typ 56. Diese Waffen wurden jahrzehntelang über billige Exporte an Militärs, Milizen und nicht staatliche Gruppen in ganz Afrika geliefert.
Nach Angaben des Stockholm International Peace Research Institute bezog Nigeria im Jahr 2021 rund 34,4 Prozent seiner Waffenimporte aus China.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Als das nigerianische Militär nach 2015 seine Standardwaffe von der AK-47 auf das polnische Gewehr Beryl M762 umstellte, wurden alte Waffenbestände offenbar nie vollständig kontrolliert oder registriert. Eine von Genocide Watch zitierte Studie deutet darauf hin, dass Waffen aus staatlichen Beständen in die Hände von Fulani-Kämpfern gelangt sein könnten.
Kritiker sehen darin ein Netzwerk aus Korruption, staatlichem Versagen, organisierter Gewalt und wirtschaftlichen Interessen.
Das Muster scheint sich vielerorts zu wiederholen. Zunächst vertreiben Fulani-Milizen christliche Gemeinden von ihrem Land. Anschließend erwerben chinesische Unternehmen Bergbaulizenzen für genau diese Gebiete.
Die vertriebenen Christen kehren später oft nur noch als schlecht bezahlte Arbeiter auf ihr ehemaliges Land zurück – wenn überhaupt.

Asabe Moses musste mitansehen, wie ihre Kinder und ihr Ehemann ermordet und lebendig verbrannt wurden, als Fulani-Extremisten am 4. Mai 2026 ihr Dorf im nigerianischen Bundesstaat Plateau angriffen.

Foto: Antonio Graceffo

Nach einem Massaker im Bundesstaat Plateau sollen Fulani-Gruppen verlassene Minenlager in Barkin Ladi übernommen und dort aktiv mit dem Zinnabbau begonnen haben. Laut Genocide Watch wurden die Besatzer dabei sogar von Soldaten der nigerianischen Armee geschützt.
Besonders betroffen ist der sogenannte Mittelgürtel Nigerias – die Grenzregion zwischen dem überwiegend christlichen Süden und dem mehrheitlich muslimischen Norden. Genau dort liegen zugleich einige der bedeutendsten Mineralvorkommen Westafrikas.
Die blutigsten Konfliktgebiete – Riyom, Bokkos und Barkin Ladi – befinden sich direkt über einem der wichtigsten Rohstoffgürtel des Kontinents.
Nach Angaben des nigerianischen Bergbauministeriums hatten die chinesischen Unternehmen Canmax, Jiuling, Avatar New Energy und Asba bis Mitte 2025 Investitionen von mehr als 1,3 Milliarden US-Dollar in Lithiumprojekte in Nigeria zugesagt.
Auf meiner Reise durch die Bundesstaaten Plateau und Kaduna zeigte sich mir ein Bild von Angst, Vertreibung und Verwüstung. Ganze Gemeinschaften haben alles verloren und leben in ständiger Furcht vor dem nächsten Angriff.
Ein Pastor zeigte die Narbe einer Kugel, die seinen Körper durchschlagen hatte. Er überlebte nur deshalb, weil er sich im Busch versteckt hatte. In einem anderen Dorf wurden ein dreijähriger Junge und zwei schwangere Frauen während eines einzigen Überfalls ermordet.
Die betroffenen Gemeinden verfügten weder über Waffen noch über Schutzmilizen. Was sie jedoch besaßen, war Land – mitten in einer der rohstoffreichsten Regionen Afrikas.

Kritiker: Wirtschaftliche Interessen vor Menschenrechten

Kritiker werfen China seit Jahren vor, wirtschaftliche Interessen systematisch über Menschenrechte zu stellen. Peking blockierte im UN-Sicherheitsrat Resolutionen gegen ethnische und religiöse Gewalt in Myanmar, um eigene Investitionen zu schützen. Gleichzeitig verhinderte China internationale Debatten über die Unterdrückung der Uiguren in Xinjiang.
Nun gerät auch die Rolle chinesischer Akteure in Nigeria zunehmend in den Fokus. Der Vorwurf lautet: Während die Kommunistische Partei Chinas international von Entwicklung, Stabilität und wirtschaftlicher Zusammenarbeit spricht, profitieren chinesische Unternehmen in Nigeria indirekt von Gewalt, Vertreibung und der systematischen Schwächung christlicher Gemeinschaften.
Besonders widersprüchlich erscheint Kritikern dabei, dass China einerseits wegen der Unterdrückung muslimischer Uiguren in Xinjiang unter Druck steht, gleichzeitig aber in Nigeria Kräfte unterstützt, die eine fortschreitende Islamisierung fördern.
Solange chinesisches Geld, Waffenströme und wirtschaftliche Interessen weiter mit dem Konflikt verflochten bleiben, dürfte die Gewalt im nigerianischen Mittelgürtel kaum enden – und das Leid der christlichen Bevölkerung weiter zunehmen.

Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „CCP Fuels Massacre of Christians in Nigeria“. (redaktionelle Bearbeitung: il)

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meinung

Ungarns ständiger Hunger nach Freiheit

Während ich diesen Text schreibe, hat sich auf irgendeine Weise der Geruch von hausgebranntem Aprikosenbranntwein in meinem Arbeitszimmer verbreitet. Mein Gedächtnis ist insofern seltsam, als es Gerüche speichert.
Erinnerungen an Reportagereisen im Ungarn der 1980er- und 90er-Jahre werden durch den Geruch von Barackpálinka mit einer gewissen Selbstverständlichkeit ausgelöst; der starke, süße und zugleich säuerliche Duft der Aprikose mit einer schwachen, aber merklichen Mandelnote.
Jeder, mit dem man damals im Ungarn jener Zeit Schwarzgeld wechselte, zog fröhlich eine Flasche hervor und sagte: „Die bekommst du gratis dazu.“

Eine neue Epoche in Ungarn

In Ungarn lebten die Menschen freier.
Niemand – nicht einmal die Herrschenden – schien die Sache mit dem sowjetisch verordneten Sozialismus wirklich ernst zu nehmen, vielleicht aus dem Grund, dass János Kádár, der Führer des Landes von 1956 bis 1988, nicht Lenins zentrales Werk „Staat und Revolution“ als Lieblingslektüre hatte, sondern Jaroslav Hašeks „Der brave Soldat Schwejk“ bevorzugte.
Die Erzählung geht davon aus, dass die Welt von fantasielosen, machtbesessenen Bürokraten gesteuert wird, und Hašek will zeigen, dass man am besten durchkommt, wenn man genau das tut, was die Obrigkeit befiehlt. Da dies nicht funktioniert, entstehen Chaos und ein Raum, der ein wenig mehr Handlungsfreiheit möglich macht. Möglicherweise leitete diese Philosophie Kádár, nachdem der Ungarische Volksaufstand niedergeschlagen und er von den Sowjets zum neuen Diktator ernannt worden war.
Aber das war damals. Jetzt im April konnte eine Mehrheit der ungarischen Wähler in einer freien Parlamentswahl ihre Stimmen für Péter Magyars Tisza-Partei abgeben – und damit endete Viktor Orbáns 16-jährige Herrschaft.
2026 ist auch das Jahr, in dem sich der Ungarnaufstand von 1956 zum 70. Mal jährt, und es lohnt sich, daran zu erinnern, dass dieser Aufstand damals – kaum merklich – ebenfalls im April begann.
Vor der Wahl versuchte ich, mich durch die Lektüre neu veröffentlichter Literatur über die aktuellen Entwicklungen in Ungarn zu informieren.

Befleckte Demokratie

Zsuzsanna Szelényis „Tainted Democracy: Viktor Orbán and the Subversion of Hungary“ erschien 2022 und hat etwas zu viel von dem moralisierenden Ton, der die Medienberichterstattung über Ungarn oft prägt.
Man erfährt, wer Fehler gemacht hat, erkennt aber kein Muster. Es ist im Grunde eine Auflistung von Charakterschwächen. Szelényi ist zudem eine ehemalige Funktionärin im Parteiapparat Orbáns, was zwar auf interne Kenntnisse hindeutet, mich aber gleichzeitig vermuten lässt, dass der Darstellung eine persönliche Abneigung zugrunde liegt.
Ein weiterer Insider der ungarischen Politik ist Paul Lendvai. Er ist seit den 1940er-Jahren als Journalist tätig, zunächst in Ungarn, seit 1956 in Österreich. Sein Buch „Orbáns Ungarn“ von 2016 ist zwar faktenreich, bietet aber wenig analytische Tiefe.
Lendvai ist vielleicht mehr als Person denn als Autor faszinierend – ständig umgeben von Gerüchten, er habe als Einflussagent für verschiedene Geheimdienste gearbeitet. Ungarn, Sowjetunion, DDR und CIA gehören zu den genannten angeblichen Auftraggebern. Vielleicht liegt das daran, dass seine Texte manchmal unbequem waren und verschiedene Kräfte ihn deshalb durch Gerüchte neutralisieren wollten.

Ein sich wiederholendes Muster

Wer jedoch Werke sucht, die wirklich Einblick in die Bewegungsmuster der ungarischen Geschichte geben, sollte zu zwei Werken greifen, die im Umfeld des 50. Jahrestags des Aufstands von 1956 entstanden sind.
Das erste Buch ist István Révs „Retroactive Justice: Prehistory of Post-Communism“ (2005), eines der bemerkenswertesten und tiefgründigsten Werke über Osteuropa vor, während und nach dem Fall der Sowjetunion.
Rév, Professor für Geschichte und Politikwissenschaft an der Central European University in Budapest, argumentiert, dass es bei „postkommunistischer Gerechtigkeit“ nicht nur darum geht, die Vergangenheit zu verstehen, sondern auch darum, eine für die Gegenwart nutzbare Vergangenheit zu schaffen.
In der Geschichte Ungarns wiederholt sich immer wieder dasselbe Muster: relativ lange Phasen der Ruhe, Stabilität, bestenfalls langsam wachsender Wohlstand und dann plötzlich eine unerwartete Protestbewegung, die zu einer Entladung führt, woraufhin die Machthaber hart zurückschlagen.
Doch nach jeder Phase ist nichts ganz wie zuvor. Vielleicht wird es manchmal sogar – trotz allem – besser. Die Machthaber werden vorsichtiger, wie Kádár.

Geschichte neu interpretieren

Nun erleben wir einen ähnlichen Prozess in Ungarn, allerdings unter äußerst friedlichen Bedingungen im Vergleich zur Ungarischen Revolution 1848, dem Zusammenbruch der Monarchie und der Ausrufung der Ersten Ungarischen Republik 1918 sowie dem Aufstand 1956.
Aber jede Periode wird auch von Diskussionen begleitet, in denen die Ereignisse der ungarischen Geschichte im Lichte des jeweils jüngsten Umbruchs neu interpretiert werden.
Révs Vater war nach der Niederschlagung des Aufstands von 1956 ein hochrangiger Staatsbeamter in Ungarn. Er wuchs in einem Umfeld auf, in dem die Freunde der Eltern an den Hinrichtungen von Imre Nagy und anderen Aufständischen beteiligt waren.
Diejenigen, die ihn an der Universität unterrichteten, waren zugleich jene, die die ungarische Geschichte so umdeuteten, dass die eigene Gegenwart erträglich wurde. Ungarn ist ein kleines Land, in dem die Mörder oft in demselben Mietshaus wohnen wie die Hinterbliebenen der Opfer.
Das ehemalige Büro von Rév an der Universität befand sich im Stockwerk über den ehemaligen Räumen, in denen diejenigen, die aktuell als Staatsfeinde galten, vom Sicherheitsdienst verhört und gefoltert wurden.

Zwei Arten von Gerechtigkeit

Es gibt laut Rév zwei Arten von Gerechtigkeit: die gewöhnliche und die „postkommunistische“, und sie sind nicht ganz dasselbe.
Dazu schreibt Rév in seinem Werk, dass nur wenige später zur Verantwortung gezogen wurden. Kaum jemand scheint für die Unterdrückung in den Ländern des ehemaligen sowjetischen Imperiums verantwortlich gewesen zu sein.
Denn wenn die neuen Machthaber die Geschichte umdeuten, geschieht dies nicht, um das wahre Geschehen zu verstehen, sondern um eine Geschichte zu schreiben, die Widersprüche beschönigt und die Machthaber stärkt. Das bedeutet, dass ein früherer Volksfeind plötzlich zum Volkshelden werden kann. Wenn er tot und in einem einfachen Grab bestattet ist, werden seine sterblichen Überreste exhumiert und ihm ein pompöses Begräbnis zuteil.

Vom Agenten zum Märtyrer

Das klingt absurd, geschah aber tatsächlich mit László Rajk. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er Innenminister, baute den kommunistischen Sicherheitsapparat auf und begann mit der Verfolgung von politischen Gegnern. Bis zu 1.500 Menschen wurden in Schauprozessen verurteilt oder verschwanden spurlos.
Gegen Ende der 1940er-Jahre verschärfte sich der Machtkampf. Parteichef Mátyás Rákosi fürchtete Rajks Popularität, und gemeinsam mit dem sowjetischen Geheimdienst wurden Anschuldigungen verbreitet, Rajk sei ein ausländischer Agent.
1949 wurde Rajk durch den Strang hingerichtet.
1956 wurde Rajk rehabilitiert und erhielt ein monumentales Staatsbegräbnis. Die Partei befand sich erneut im Machtkampf. Neue Kräfte um Imre Nagy strebten ein freieres Ungarn mit einem unabhängigeren Verhältnis zur Sowjetunion an. Nagys Gruppe benötigte ein einigendes Symbol, einen Märtyrer – und sie wählte László Rajk. Rákosi musste die falschen Anschuldigungen eingestehen, verlor sein Amt und der Kreis um Nagy konnte seine Reformbemühungen in Ungarn beginnen.

Der Volksaufstand von 1956

Man merkt, wie beunruhigt Rév über das Geschehene ist. Nagy und seine Reformgruppe wussten genau, wer Rajk wirklich war und dass er in manchen Fällen für den Tod ihrer Freunde oder sogar Familienmitglieder verantwortlich war. Doch sie erkannten, dass Rajk aufgrund seiner Berühmtheit als Symbolfigur nützlich war. Es ging nicht nur darum, seine Vergehen nicht zu verheimlichen, sondern auch darum, ihn als Opfer darzustellen.
Rajks Prozess glich einem Theaterstück, doch auch seine Umbettung war ein Spektakel. Rund eine Viertelmillion Menschen versammelten sich auf dem Heldenplatz, um der Zeremonie beizuwohnen, bei der Nagy eine Rede hielt.
Die Spannungen im Land nahmen zu und immer mehr Menschen wünschten sich Nagy als Ministerpräsidenten. Gut zwei Wochen später, am 23. Oktober 1956, fand in Budapest eine große Studentendemonstration statt. Die Forderungen waren weitreichend: Pressefreiheit, Reformen und Unabhängigkeit von der Sowjetunion.
Die Stalin-Statue wurde gestürzt. Nagy wurde eilig zum Premierminister ernannt, um die Lage zu beruhigen. Doch es war zu spät. Bewaffnete Kämpfe brechen aus zwischen Sicherheitskräften, die auf die Demonstranten schießen, und Studenten, die vom Militär, das sich auf die Seite der Demonstranten gestellt hatte, bewaffnet wurden.

Operation „Wirbelwind“

Am nächsten Tag marschierte die Rote Armee in Budapest ein. Es folgte eine Phase angespannter Doppelherrschaft. Nagy ließ sich nicht einschüchtern, sondern setzte Reform um Reform um. Das Einparteiensystem wurde abgeschafft, neue Parteien zugelassen, politische Gefangene freigelassen.
Am 1. November erklärte Nagy, dass Ungarn den Warschauer Pakt verlässt und neutral wird.
In den folgenden Tagen schien alles ruhig zu sein. Ungarische Delegationen verhandelten mit sowjetischen.
Daraufhin starteten die Sowjets die Operation „Wirbelwind“, eine massive Invasion Ungarns. Innerhalb von sechs Tagen war jeglicher Widerstand im ganzen Land niedergeschlagen. Kádár rief eine neue Regierung aus, die von den Bajonetten der Roten Armee gestützt wurde.
Für die Nachwelt erscheint Nagy als Held, doch das andere wichtige Werk, Charles Gatis bedeutende Studie „Failed Illusions: Moscow, Washington, Budapest, and the 1956 Hungarian Revolt“ (2008), zeichnet ein differenzierteres Bild.
Gati erlebte den Aufstand von 1956 im Alter von 20 Jahren und wurde ins Exil gezwungen. Im Laufe der Zeit entwickelte er sich zu einem Meister der Analyse der Geschichte des Kalten Krieges. Doch seine Arbeit löste eine breite Debatte aus.

Mut und naiver Optimismus

Gati zeichnete ein differenzierteres Bild des Aufstands als üblich. Ein Schlüsselfaktor war die Unfähigkeit aller Beteiligten, klar zu denken. Nagy besaß großen persönlichen Mut, aber auch eine gehörige Portion naiven Optimismus.
Die nach Freiheit strebenden Ungarn verschätzten sich hinsichtlich der Absichten und der Interventionsbereitschaft sowohl der USA als auch der Sowjetunion. Nagy und sein Umfeld waren überzeugt, dass die USA ihnen im Bedarfsfall zu Hilfe kommen würden, und glaubten, die Sowjetunion wolle dieses Risiko nicht eingehen.
Doch vonseiten der Vereinigten Staaten gab es nie klare Zusagen und die Ungarn mussten allein kämpfen und allein sterben.
Nach dem üblichen Schauprozess wurde Nagy im Juni 1958 hingerichtet und in einem namenlosen Grab auf dem Gefängnishof beigesetzt. 1961 wurde sein Leichnam in einen abgelegenen Teil des neuen öffentlichen Friedhofs in Budapest überführt. Dort wurde er, symbolisch demütigend, mit dem Gesicht nach unten begraben. Sein Körper wurde in Teerpapier gewickelt und Hände und Füße mit Stacheldraht umwickelt. Das Grab war völlig anonym und Angehörige wurden schikaniert, wenn sie versuchten, Blumen niederzulegen.

Das Alte zu Grabe tragen

Nach dem Fall der Berliner Mauer wurde Nagy ein neues, einem Helden würdiges Begräbnis zuteil. Ein sehr junger Viktor Orbán hielt eine der Trauerreden. Die Trauerfeier wurde von László Rajks Sohn organisiert und inszeniert, der für die würdevolle Atmosphäre Bühnenbilder aus einer Opernproduktion von „Aida“ verwendete.
Nagy, Orbán, Rajk der Ältere und Rajk der Jüngere – wie gesagt, Ungarn ist ein kleines Land. Politik und Systeme wechselten dort über lange Zeiträume, doch Sicherheitsapparat, Medien und Staatsbürokratie waren stets mit Personen aus Familien besetzt, deren Mitglieder ihre Positionen scheinbar erbten.
Deshalb benötigte die ungarische Politik die großen Spektakel, manchmal in Form von Prozessen oder Beerdigungen – alles, um den Menschen das Gefühl zu geben, dass etwas Neues geschehen und das Alte mit ins Grab gegangen sei.
Es bleibt abzuwarten, ob dies auch die Herrschaft von Péter Magyar prägen wird.
Im Jahr 2014 wurde auf dem Freiheitsplatz in Budapest ein von Orbáns Regierung in Auftrag gegebenes Denkmal errichtet. Es zeigt einen Adler, der den Erzengel Gabriel – der Ungarn symbolisiert – erschlägt.

Ein Denkmal für die Opfer

Das Denkmal ist den Opfern der Unterdrückungszeit gewidmet, die mit dem Angriff Nazideutschlands auf Ungarn im Jahr 1944 begann.
Gemäß einer Bestimmung in der Verfassung gilt dies als Beginn der Periode der Unfreiheit in Ungarn, die 1990 mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion endete.
Hier sehen wir ein Beispiel für das, was Rév als „postkommunistische Gerechtigkeit“ bezeichnet. Die Geschichte wird umgeschrieben, sodass einige der Schuldigen plötzlich zu den Opfern gezählt werden können.
Das Ungarn, wie es vor 1944 existierte, kollaborierte mit Deutschland bei den Angriffen auf Rumänien und Jugoslawien, und in Novi Sad wurden Massaker und ethnische Säuberungen verübt.
Wir werden sehen, ob die ungarische Regierung etwas gegen diese Geschichtsdarstellung unternimmt.
Dieser Artikel erschien im Original auf der schwedischen Epoch Times unter dem Titel „Ungerns ständiga hunger efter frihet“. (deutsche Bearbeitung: zk)
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meinung

Das Geheimnis, wahre Freude zu empfinden

Freude ist für uns so lebensnotwendig wie die Luft zum Atmen – und genauso schwer festzuhalten.
Jeder sucht Freude und Glück. Es liegt in unserer Natur als menschliche Wesen begründet. Aber wir haben nicht immer ein klares Bild davon, was Freude bedeutet oder was sie hervorruft. Wir erkennen sie, wenn wir ihr begegnen: ein Lebensschub in unserem Inneren, ein Sonnenstrahl, der die Seele erleuchtet. Doch dieser Strahl ist oft hinter Wolken verborgen, und die Dinge, die uns Freude versprechen, lassen uns am Ende oft mit leeren Händen zurück.
Momente der Freude sind vielfältig und unvorhersehbar: eine süße Melodie, die unerwartet ins Ohr dringt, der Anblick eines Hirsches, der in der Dämmerung durch eine Wiese schreitet, der pulsierende Rausch einer rasanten Sportart, ein Freundeskreis, mit dem man Gespräche und Gelächter genießt. Wir jagen solchen Momenten hinterher. Manchmal gewinnen wir den Preis, manchmal gehen wir leer aus. Die Unvorhersehbarkeit kann wütend machen.
Es bräuchte viele Bücher, um die Freude und ihre Auslöser vollständig zu erklären. Es gibt jedoch einige wichtige Fragen über die Freude, die im Rahmen eines kurzen Essays beantwortet werden können.

Die Freude am Guten

Eine Grundüberlegung: Ist Freude etwas, das wir erlangen, oder etwas, das wir empfangen? Die Autorin Sofia Cuddeback stellt diese Frage in ihrem Artikel „Regarding Joy“ (zu Deutsch: Über die Freude), erschienen in Band 3 des philosophisch angehauchten Lifestyle-Magazins „Hearth & Field“ (zu Deutsch: Herd/Heim & Feld/Natur). Cuddeback bietet in dem Essay keine direkte Antwort auf diese Frage an, aber sie webt eine indirekte und nuancierte Antwort zusammen, indem sie die Natur der Freude analysiert.
Verbundenheit und Großzügigkeit können das Glücksgefühl zuverlässiger steigern als individualistische oder egozentrische Aktivitäten. Foto: Halfpoint/iStock

Verbundenheit und Großzügigkeit können das Glücksgefühl zuverlässiger steigern als individualistische oder egozentrische Aktivitäten.

Foto: Halfpoint/iStock

Gestützt auf die Philosophie von Thomas von Aquin argumentiert Cuddeback, dass Freude das Ruhen des Willens in einem gegenwärtigen Gut ist. Mit anderen Worten: Freude entsteht, wenn unser Herz ein gutes Ding besitzt – speziell die Art von Gut, die wir durch unseren Geist erfassen und schätzen können. (Dies unterscheidet sich von Gütern, die lediglich die Sinne ansprechen, wie etwa eine köstliche Speise.)
Cuddeback nennt einige Beispiele für Güter, die wir mit unserem Verstand oder Intellekt erfassen können: „Die Einsicht in die Schönheit der Hingabe und die Bewunderung der Tugenden eines besonderen Freundes.“ Hier sind einige weitere: das Bewusstsein für die Liebe eines anderen Menschen, die Erfahrung von etwas Schönem in der Natur, das Erfassen einer wichtigen Wahrheit, das Vollbringen eines guten Werkes oder der Genuss einer Aktivität, die unsere Vorstellungskraft und Kreativität aktiviert.
Wann immer wir eines dieser Güter erlangen, erfahren wir Freude. „Wenn wir das Objekt unseres intellektuellen Verlangens erwerben und darin ruhen“, schrieb Cuddeback, „wenn wir zulassen, achtsam darauf zu sein und darin zu sitzen – metaphorisch gesprochen – das nennt man Freude. Freude ist das, was wir erleben, wenn wir in etwas ruhen, das gut ist und das wir lieben.“

Mehr Freude durch Aufmerksamkeit

Wie Cuddeback betonte, können wir mehr Freude erfahren, indem wir unsere Aufmerksamkeit für die guten Dinge um uns herum schärfen. Hier kommt ein Geist der Dankbarkeit ins Spiel. Da wir Freude nur über Dinge empfinden, die wir bereits haben, ist es sehr schwierig, Freude zu erleben, wenn wir versäumen, die guten Dinge, die wir haben, wahrzunehmen oder dankbar dafür zu sein, während wir uns damit beschäftigen, was wir nicht haben.
Zu schnelles Übergehen von einem Gut zum nächsten kann die Freude ebenfalls sabotieren. „Wenn wir jedoch von der Sache, die wir lieben, abgelenkt werden und stattdessen zum nächsten Streben übergehen, dann ruhen wir nicht mehr in diesem Gut“, schrieb Cuddeback. Daraus würde folgen, dass ein Leben voller Freude erfordert, zu lernen, langsamer zu werden und achtsam gegenüber den Gütern zu sein, die uns umgeben.
Dankbarkeit und Achtsamkeit erschließen eine tiefere und nachhaltigere Form der Freude. Foto: AaronAmat/iStock

Dankbarkeit und Achtsamkeit erschließen eine tiefere und nachhaltigere Form der Freude.

Foto: AaronAmat/iStock

Aus all diesen Gründen rät Cuddeback dazu, Achtsamkeit und Wertschätzung für das zu üben, was wir besitzen. Sie spricht auch davon, unsere Wünsche so zu formen, dass sie sich um die Arten von Gütern zentrieren, die die höchste und dauerhafteste Freude schenken: Dinge, die wahrhaft edel, lieblich, schön, rein und so weiter sind. Schließlich sagt sie, wir sollten versuchen, uns mit solchen Dingen zu umgeben, damit wir die Freude trinken können, die aus ihnen quillt.

Die Freude an der Selbstlosigkeit

Ein weiterer Bestandteil der Freude scheint Selbstlosigkeit zu sein. Paradoxerweise scheinen Menschen mehr echte Freude und Glück aus dem Dienen als aus dem Bedientwerden zu ziehen – obwohl es ein Leben voller vergeblicher Versuche und enttäuschter Erwartungen brauchen kann, um dies zu lernen.
Joshua Becker, ein Vertreter des modernen Minimalismus, schreibt in „Things That Matter“: „Irgendwo auf dem Weg (oder vielleicht war es schon immer so) scheint es, als hätten wir Menschen das Streben nach Glück mit dem Streben nach dem Selbst verwechselt. Als Ergebnis denken wir, wir wären am glücklichsten, wenn wir uns auf uns selbst konzentrieren, unsere Ressourcen für uns selbst ausgeben und unsere eigenen Bedürfnisse und Wünsche erfüllen – manchmal sogar auf Kosten anderer.“
Aber das ist laut Becker ein völlig falscher Ansatz. Paradoxerweise scheint die echte Freude proportional zu dem Grad zu steigen, in dem wir uns selbst vergessen und uns auf andere konzentrieren. „Der beste, direkteste Pfad zu dauerhaftem Glück und Erfüllung ist, nicht nur auf die eigenen Interessen zu schauen, sondern auch auf die Interessen anderer“, argumentiert er.

Den Pfeil ins Ziel bringen

Freude und Glück zu erlangen, ist ein bisschen wie das Schießen eines Pfeils. Wenn man direkt auf das Bullseye (Glück) zielt, wird der Pfeil sinken, bis er das Ziel erreicht, und man wird mit nichts enden. Aber wenn man auf etwas oberhalb des Glücks zielt – Sinn, Zweck, Liebe oder Opfer –, wird der Pfeil seinen Weg zur Freude finden. Becker verdeutlicht diesen Punkt, indem er den berühmten österreichischen Neurologen und Psychiater Viktor Frankl zitiert. Frankl überlebte vier NS-Konzentrationslager, darunter Auschwitz. In seinem Buch „Trotzdem Ja zum Leben sagen“ schrieb Frankl: „Denn Erfolg, wie auch Glück, kann nicht angestrebt werden; er muss sich einstellen – und das tut er nur als unbeabsichtigter Nebeneffekt der persönlichen Hingabe an eine Sache, die größer ist als man selbst, oder als Folge der Hingabe an einen anderen Menschen.“
Musik aktiviert mehrere Hirnregionen, die mit Emotionen, Erinnerungen und Belohnung in Verbindung stehen. Foto: Arianne de San Jose van Hoof/iStock

Musik aktiviert mehrere Hirnregionen, die mit Emotionen, Erinnerungen und Belohnung in Verbindung stehen.

Foto: Arianne de San Jose van Hoof/iStock

Um seinen Punkt zu beweisen, zitiert Becker zwei Studien – eine Studie der University of Pittsburgh aus dem Jahr 2017 und eine Studie der Columbia University aus dem Jahr 2018 –, die beide eine überraschende psychologische Wahrheit aufdeckten: Geben bringt tatsächlich mehr Freude als Nehmen. Teilnehmern in beiden Studien wurden Gelegenheiten geboten, entweder anderen zu helfen oder für sich selbst etwas Gutes zu tun. In beiden Studien waren die Menschen, die sich entschieden, anderen zu helfen, glücklicher und ruhiger als diejenigen, die sich entschieden, sich selbst zu begünstigen.

Woher kommt die Freude?

Also – um zu der Frage zurückzukehren, mit der wir begonnen haben – ist Freude etwas, das wir erlangen, oder etwas, das wir empfangen? Ich denke, die Antwort ist ein bisschen von beidem. Wir können Dispositionen zur Freude fördern und wir können Umstände schaffen, die es der Freude erlauben, hervorzutreten. Aber wir empfangen sie auch immer teilweise als ein geheimnisvolles Geschenk. Es ist nicht so einfach, wie bloß zu „entscheiden“, dass wir Freude haben wollen. Gleichzeitig können wir uns aber dafür entscheiden, Einstellungen zu entwickeln, die Freude erreichbarer machen. Zu diesen Einstellungen scheinen Hilfsbereitschaft, Dankbarkeit und eine Wertschätzung für alles, was gut, wahr und schön ist, zu gehören.
Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com mit dem Titel „Can We Achieve Joy?“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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meinung vital

Hautalterung verlangsamen: So gehts

Den meisten Menschen ist bewusst, dass Kollagen mit zunehmendem Alter abgebaut wird. Was sie vielleicht nicht wissen, ist, wie sehr dieser Abbau durch strukturellen Stress beschleunigt werden kann.

Das Gerüst unter der Oberfläche

Ihre Faszien, das Bindegewebsnetz, das den gesamten Körper, einschließlich des Gesichts, zusammenhält, sind mechanischen Belastungen ausgesetzt, denen keine Creme entgegenwirken kann. Dabei handelt es sich um chronische Verspannungen im Nacken und Kiefer, alte Verletzungen, die nicht vollständig abgeheilt sind, oder eine Fehlhaltung, die bestimmte Muskelgruppen Tag für Tag belastet.
Das Lymphsystem verschärft dieses Problem noch. Im Gegensatz zum Herzen verfügt das Lymphsystem über keine Pumpe. Es ist für seine Zirkulation vollständig auf Bewegung, Atmung und Muskelkontraktionen angewiesen.
Wenn die Faszien schwächer werden, kann die Lymphe stagnieren, was häufig bei Menschen auftritt, die sich wenig bewegen, gestresst oder dehydriert sind.
Infolgedessen sammeln sich Stoffwechselabfälle im Gesichtsgewebe an und führen zu Schwellungen, einem fahlen Teint und einem Verlust an Kontur, den die meisten Menschen einfach dem Lauf der Zeit zuschreiben.
Techniken wie Gesichtsakupunktur, Gua Sha, eine chinesische Schabemassage, und manuelle Lymphdrainage mögen Menschen überraschen, die sie lediglich als alternative Heilmethoden betrachten.
Sie erreichen die tieferen strukturellen Schichten der Haut, die topische Cremes meist nicht erreichen können.

Was im Blut vor sich geht

Der am meisten unterschätzte Aspekt der Hautalterung ist biochemischer Natur, und ein Großteil davon geschieht Jahre bevor die Zeichen der Alterung im Gesicht sichtbar werden.
Zucker lässt die Haut altern. Wenn sich der Blutzucker mit Kollagenmolekülen vernetzt, bilden sich laut Studien fortgeschrittene Glykationsendprodukte (AGEs).
AGEs machen Kollagen steif, spröde und verfärben es – ähnlich dem chemischen Prozess, der Brot im Toaster bräunt, nur dass dies in der Haut jedes Mal geschieht, wenn der Blutzucker ansteigt.
Die Anreicherung von AGEs lässt die Haut älter, dicker und weniger strahlend aussehen – und sie beschleunigt sich mit jedem raffinierten Kohlenhydrat und jedem gesüßten Getränk, das wir zu uns nehmen.

Der Darm kommuniziert mit der Haut – ständig

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Darm-Haut-Achse haben bestätigt, was die traditionelle Medizin schon lange weiß: Darmgesundheit und Hautgesundheit sind untrennbar miteinander verbunden.
Wenn das Darmmikrobiom gestört ist, sei es durch Antibiotika, verarbeitete Lebensmittel oder chronischen Stress, kommt es zu systemischen Entzündungen, die sich oft auf der Haut manifestieren.
Rosazea, Ekzeme, Akne und beschleunigte Hautalterung sind häufig Folgeerscheinungen einer Darmfunktionsstörung, die nie richtig behandelt wurde.

Kryptopyrrol-Störung

Die Kryptopyrrol-Störung ist eine wenig beachtete Erkrankung, die dazu führt, dass dem Körper chronisch zwei für die Hautgesundheit essenzielle Nährstoffe fehlen, und zwar Zink und Vitamin B6.
Zink wird für die Kollagensynthese, die Wundheilung und den Schutz vor UV-Licht benötigt. Vitamin B6 ist entscheidend für die Zellreparatur und die Regulierung von Entzündungen.
Menschen mit einer unentdeckten Kryptopyrrol-Störung altern schneller, heilen langsamer und sind anfälliger für entzündliche Hauterkrankungen. Ein einfacher Urintest kann dies feststellen.
Die Forschungslage ist jedoch noch im Entstehen und Ärzte interpretieren die Ergebnisse unterschiedlich.

Der hormonelle Rückgang geht weit über Östrogen hinaus

Mit zunehmendem Alter sinkt der Spiegel verschiedener Hormone wie Dehydroepiandrosteron – ein Hormon, das der Körper auf natürliche Weise in der Nebenniere produziert –, Wachstumshormon, Pregnenolon und Schilddrüsenhormone.
Das kann sich auf Hautdicke, Feuchtigkeit und Regenerationsfähigkeit auswirken.
Die Berücksichtigung des gesamten hormonellen Bildes führt oft zu Veränderungen der Hautqualität, die Patienten als bedeutender beschreiben als alles, was sie zuvor von einem Dermatologen erhalten haben.

Schlaf

Hautzellen gehören zu den stoffwechselaktivsten Zellen im Körper. Sie erneuern sich ständig und reagieren deshalb besonders empfindlich auf Störungen der zellulären Energieproduktion.
Dazu zählen unter anderem chronische Entzündungen, Umweltgifte, Nährstoffmangel sowie dauerhafte Blaulichtbelastung.
Schlaf ist vielleicht die wirksamste Anti-Aging-Maßnahme, die es gibt – und die meisten Menschen beeinträchtigen ihn. Während des Tiefschlafs produziert der Körper Wachstumshormone, baut Zellabfälle ab und repariert die oxidativen Schäden des Tages.
Eine gestörte Schlafarchitektur – durch Stress, Bildschirme, Alkohol oder einen gestörten zirkadianen Rhythmus – verkürzt dieses Reparaturfenster. Kein Produkt kann kompensieren, was der Körper auf natürliche Weise in drei Stunden erholsamem Schlaf leistet.

Seit 5.000 Jahren sieht die klassische chinesische Medizin Hautprobleme als Ausdruck innerer Ungleichgewichte und weist auf oft übersehene Ursachen hin.

Foto: onlyyouqj/iStock

Die klassische chinesische Medizin hat schon vor langer Zeit eine Version dieses Verständnisses entwickelt. Bestimmte Hautunreinheiten entsprechen dabei bestimmten Ungleichgewichten im Organsystem.
Trockenheit und vorzeitige Faltenbildung in bestimmten Gesichtsbereichen spiegeln eine Erschöpfung des Lungen-Qi, einen Rückgang der Lungenenergie, wider, Schwellungen und ein schlechter Teint im unteren Gesicht deuten auf ein Ungleichgewicht von Milz und Magen hin, während Rötungen und geplatzte Äderchen für ungelöste innere Hitze stehen.
Diese Zusammenhänge basieren auf 5.000 Jahren systematischer klinischer Beobachtung und weisen Ärzte konsequent auf innere Ursachen hin, die die Standarddermatologie nicht in Betracht ziehen würde.

Was das Gesicht tatsächlich aufzeichnet

Hier ist die Wahrheit, die nur wenige Dermatologen in der Sprechstunde ansprechen, die aber ein aufmerksamer Beobachter des menschlichen Gesichts erkennt: Das Gesicht hält das Gefühlsleben fest.
Cortisol, das bei chronischem Stress ausgeschüttet wird, hemmt direkt die Kollagensynthese und aktiviert die Enzyme, die es abbauen.
Untersuchungen an Menschen in belastenden Berufen, wie beispielsweise Pflegekräften, Traumaüberlebenden und Menschen in langwierigen Konflikten, zeigen unter anderem eine verlangsamte Wundheilung, eine beschleunigte Telomerverkürzung und entzündliche Hautveränderungen in einem Ausmaß, das über dem von vergleichbaren Kontrollgruppen liegt.
Ein Bluttest kann weder unbewältigte Trauer erkennen noch seit Jahren im Kiefer festgehaltene Wut, Angst, die die Stirn verengt, oder Einsamkeit, die den Teint stumpf macht.
Das Gesicht bewahrt, was der Verstand nicht vollständig verarbeiten kann, und zeigt es mit einer Präzision, die kein ästhetischer Eingriff vollständig korrigieren kann.
Umgekehrt sehen Patienten, die eine langjährige Beziehungsverletzung aufarbeiten, einen neuen Lebenssinn finden oder sich endlich erlauben, loszulassen, oft innerhalb weniger Monate sichtbar anders aus – weicher, offener, strahlender.
Das ist keine Sentimentalität, sondern Psychoneuroimmunologie, und die Belege für den Zusammenhang zwischen Geist und Haut sind mittlerweile erheblich.
Alte chinesische Ärzte beschrieben den Zustand unseres Geistes als „Shen“, den Geist, der die Augen klar und den Teint lebendig macht.
Wenn Shen durch Überarbeitung, Sinnlosigkeit oder unbewältigten Verlust erschöpft ist, verliert das Gesicht an Ausstrahlung, unabhängig davon, was auf seine Oberfläche aufgetragen wird.

Unter der Oberfläche

Hautalterung ist, ganzheitlich betrachtet, nicht nur ein dermatologisches Problem. Sie ist ein komplexer Prozess, der sich im Gesicht widerspiegeln kann.
Die gute Nachricht ist, dass die meisten dieser Ursachen durch strukturelle Pflege, gezielte biochemische Korrekturen, die Optimierung von Schlaf und Energie sowie die Aufmerksamkeit für die emotionale Gesundheit angegangen werden können.
Entscheidend ist vor allem die Bereitschaft, unter die Oberfläche zu schauen – Wortspiel beabsichtigt.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Most Skin Aging Can Be Significantly Delayed“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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kultur meinung

„Die Welt ist ein Käfig voller Narren“

Sicher, die aus der Vergessenheit geholte Rossini-Oper bei den diesjährigen Salzburger Pfingstfestspielen könnte auch als Parodie auf unsere heutige vergnügungssüchtige Gesellschaft gelesen werden – so wie es Rossini zu seiner Zeit der Entstehung wohl gedacht hatte.
Il viaggio a Reims – die Reise nach Reims – ist der Titel: Entstanden 1825 als Auftragsarbeit eines Pariser Theaters anlässlich der Krönung Karl X., verschwand diese Oper zunächst von der Bildfläche und tauchte erst in den 1970er-Jahren wieder rekonstruiert auf.

Lustvolles Baden in Klischees

Das Drama dieser Opera buffa besteht darin, dass es eben nicht mehr – wie im Titel verheißen – zur Reise kommen kann. Mangels Pferden steckt die illustre internationale Gesellschaft in einem Luxushotel eines Kurortes in den Vogesen, sprich in der Provinz, fest.
Eine an sich explosive, von außen betrachtet amüsante Situation. Doch dieser Effekt mag sich nicht so recht einstellen. Liegt es daran, dass die Gags zu vorhersehbar oder eben einfach nur Gags sind? Oder ist es schlicht die ständige Bewegung, die ein Gast in der Pause als „Gezappel“ beschreibt?
In jedem Fall kann sich das Lachen erst bei manchen bewusst inszenierten nationalen Klischees einstellen, sei es beim hünenhaften Deutschen (Misha Kiria als Barone di Trombonok) oder der überdrehten, quirligen Französin (Mélissa Petit als Contessa di Folleville). Angenehm, dass keine Nation dabei vorgeführt oder bloßgestellt wird.
Mit dem gefeierten Opernregisseur Barrie Kosky und Les musiciens du Prince – Monaco unter Gianluca Capuano hat Cecilia Bartoli wieder ihr Dream-Team aus dem letzten Jahr zusammengerufen. Doch vielleicht liegt es eben an dem Stück selbst, dass es nicht das sein wird, welches unter Freunden weiterempfohlen werden kann. Obwohl durchaus Lacher zu hören waren.
 

 
 

Karikierender Farbenrausch

Die Bühnenbilder von Rufus Didwiszus machen Spaß, durch einfache, klare Aufteilungen und Konzentration auf aussagekräftige Spielelemente: eine große Drehtüre, eine Korridorflucht mit Türen rechts und links, die wunderbar auf und zu knallen können, ein überdimensionaler Tisch, der das finale Festmahl ad absurdum führt.
Und natürlich die Musik, die Stimmen, ein Ohrenschmaus auf höchstem Niveau – doch mag sich nicht die rechte Verzückung einstellen. Wenngleich der Farbenrausch und die Freude an übertriebenen Formen bei den Kostümen einen kindlich staunen lassen. Victoria Behr zeichnet dafür verantwortlich.
Das Orchester spielt auf historischen Instrumenten und besticht mit allerlei Glocken, Zimbeln und Trommeln, auch ein Schellenbaum fehlt nicht. Es ist schon viel Feines dabei. Bei den Blasinstrumenten sind pro Spieler gleich mehrere im Einsatz, kann doch ein Instrument nicht verschiedene Tonarten abdecken, wie ein Musiker erklärt.

Reisen und Feiern auf „Teufel komm raus“

Nun denn, mit dem Humor ist das so eine Sache, und in erster Linie geht es bei den diesjährigen Pfingstfestspielen um die künstlerische Leiterin selbst. So möchte die Festgesellschaft auf der Bühne nicht wie bei Rossini, der in einem ähnlichen Kunstgriff Bühne und Realität verschmelzen ließ, zur Königskrönung weiterreisen, sondern zur Geburtstagsfeier der berühmten Mezzosopranistin La Ceci.
Seit 2012 hat Cecilia Bartoli hier den Hut auf. Diesen Sommer feiert sie ihren 60. Geburtstag, anlässlich dessen es am 8.8. eine Galavorstellung von Il viaggio a Reims mit Überraschungsgästen und anschließendem Galadinner geben wird.
Wenn Cecilia Bartoli am Ende dann gar aus der Torte springt, kann das wohl durchaus als Probelauf zu den realen Geburtstagsfeierlichkeiten gewertet werden. Ein dicker Strauß Pfingstrosen fliegt so dann vom Publikum auf die Bühne in Cecilia Bartolis Arme. Die Welt wäre ärmer ohne solch überschwänglichen Gefühlsausdruck.
Wenn dann als Zugabe lauthals ein Vivat Musica angestimmt wird, kann sich dieser ausgelassenen Stimmung wohl kaum einer entziehen, zumindest nicht in den vorderen Reihen.

… dass alle Menschen den ganzen Tag singen …

Unwillkürlich drängen sich Bilder auf zu dem Zitat von Cecilia Bartoli: „Musik bestimmt mein Leben, seit ich als Kind […] mit der ganzen Familie lauthals Italo-Schlager schmetterte. Überhaupt war ich als Kind überzeugt, dass alle Menschen den ganzen Tag singen, genau wie meine Eltern und all ihre Freunde.“ Von dieser überbordenden italienischen Lebensfreude könnte man sich doch eine Scheibe abschneiden, oder gar zwei?
Dass es eben nicht nur um die Reise nach Reims geht – welchen König würden wir auch krönen wollen, die Königin ist ja zu uns gekommen –, sondern auch um eine Zeitreise, präsentierte Bartoli mit ihrem Pfingstprogramm, und ihrer großen Ciao-bella-Ciao-Show.
Dass das Reisen aktueller denn je ist, erlebt man auf jedem größeren Bahnhof und fragt sich insgeheim, wohin die Menschen alle wollen. Dass jedoch dieser dreistündige (!) Einakter von Rossini, dem die Salzburger gnädigerweise eine Pause einbauten, in Vergessenheit geriet, mag nicht von ungefähr geschehen sein. Zu seicht, albern und überdreht kommt das Stück daher. Zumindest in dieser Fassung.

Die Lösung: Es wird vor Ort gefeiert!

Foto: SF/ Monika Rittershaus

 

Schlussapplaus bei Il viaggio a Reims, Salzburger Pfingstfestspiele 2026.

Foto: Epoch Times/Silke Ohlert

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gesellschaft meinung

Die Ära der Late-Night-Show: Der letzte Witz vor Mitternacht

Es gibt Fernsehformate, die größer waren als ihr Format. Die amerikanische Late-Night-Show gehörte dazu. Sie war kein bloßes Unterhaltungsprogramm, keine zufällig spät platzierte Plauderei mit Band, Sofa, Prominenz und Witz. In ihrer klassischen Form war sie ein nächtlicher Klebstoff. Sie verband das Private mit dem Öffentlichen, das Tagesgeschäft mit der Pointe, die Müdigkeit mit einer letzten geistigen Bewegung, bevor das Licht ausging. Wer Late-Night sah, wollte nicht nur lachen. Er wollte sich mit dem Tag versöhnen.
Die große amerikanische Linie begann nicht mit Jay Leno, nicht mit David Letterman und auch nicht mit Stephen Colbert. Sie führt zurück zu Steve Allen, Jack Paar und vor allem zu Johnny Carson.
„The Tonight Show“ startete 1954. Carson prägte sie von 1962 bis 1992 und wurde damit zur maßgeblichen Figur des Genres. Es gab rund sechs Hauptmoderatoren der „Tonight Show“: Steve Allen, Jack Paar, Johnny Carson, Jay Leno, Conan O’Brien und Jimmy Fallon. Carson war nicht nur Moderator. Er war der Haushofmeister der amerikanischen Nacht. Er öffnete die Tür zum letzten Raum des Tages.
In Deutschland bekam diese Form ihren eigentümlichen Ableger mit Harald Schmidt. Nicht als Kopie, sondern als Übersetzung. Schmidt nahm die amerikanische Mechanik – Monolog, Schreibtisch, Band, Gast, Ironie und Timing – und setzte sie in den deutschen Sprach- und Bildungsraum.
Wo Carson verbindlich war, wurde Schmidt schärfer. Wo Leno massentauglich kalauerte, kultivierte Schmidt die gepflegte Arroganz des Fernsehstudios. Doch auch bei ihm blieb der Kern amerikanisch: Die Welt wurde noch einmal sortiert, bevor man sie für die Nacht ablegte.

Mitfiebern beim Late-Night-Krieg

Ich selbst war dieser Idee verfallen. In den 90er-Jahren, im fernen Deutschland, verfolgte ich den Late-Night-Krieg zwischen David Letterman und Jay Leno mit jener Ernsthaftigkeit, die nur der Fan für eine eigentlich nebensächliche Sache aufbringt.
Letterman war der Mann der Brechung, der Ironie, der urbanen Sprödigkeit. Leno war der Mann des Publikums, des breiten Zugriffs, des handwerklich zuverlässigen Monologs. Es war mehr als eine Quotenrivalität. Es war eine Charakterfrage des Fernsehens.
Gerne hätte Letterman die legendäre „Tonight Show“ übernommen, doch Leno bekam sie. Letterman lief dann mit der „Late Show with David Letterman“ auf gleichem Sendeplatz bei CBS. Letterman war cool. Leno,der Mann mit dem Kinn, war funny.

8. Oktober 1996 in Burbank, Kalifornien

Und dann saß ich dort. Nicht in der coolen Show, aber immerhin beim Funny Chin, in der originalen NBC-Show, die Carson geprägt hatte. Burbank, Kalifornien. 8. Oktober 1996, ein Dienstag.
Zwei Tage zuvor hatte ich in den Vereinigten Staaten zum ersten Mal geheiratet. Am 8. Oktober besuchte ich zum ersten Mal eine amerikanische Late-Night-Show. Beides lag erstaunlich nah beieinander: der Eintritt in eine private Lebensform und der Eintritt in einen Fernsehmythos.
Die Karte habe ich bis heute. Sie ist nicht nur ein Souvenir. Sie ist ein Beleg. Ein kleines Stück Karton aus einer Zeit, in der Fernsehen noch einen Ort hatte, einen Beginn, ein Studio, einen Applausmann, eine Uhrzeit und eine Erwartung. In der Ausgabe: Schauspielerin Ellen DeGeneres als Talkgast und Sänger Luther Vandross als musikalischer Gast.

Foto: Markus Langemann

Wer nie bei einer solchen Aufzeichnung war, unterschätzt leicht die Tageszeit. Late-Night wird spät ausgestrahlt, aber nicht zwingend spät gemacht. Man sitzt am späten Nachmittag im Studio und spielt Nacht. Draußen ist Kalifornien noch hell, innen wird die amerikanische Fernsehmitternacht hergestellt.

Eine Fabrik der Leichtigkeit

Das Publikum wird gewärmt, eingetaktet, konditioniert. Lachen ist erwünscht, Applaus wird kanalisiert, Spontaneität professionell vorbereitet. Es ist eine Fabrik der Leichtigkeit. Und doch liegt darin kein Betrug. Fernsehen war immer schon die Kunst, eine Wirklichkeit so glaubwürdig herzustellen, dass sie später in Millionen Wohnzimmern wie Gegenwart erscheint.
An diesem 8. Oktober 1996 hatte die Produktion einen Schatten. Die Schauspielerin Lucy Lawless, damals durch die Fantasy-TV-Serie „Xena“ weltbekannt, war an diesem Tag bei einem Sketch-Dreh im Vorfeld der Aufzeichnung vom Pferd gestürzt. Leno kam vor Aufzeichnungsbeginn kurz auf die Bühne und erklärte.
Gast Ellen DeGeneres war damals selbst in einer Übergangszeit. Ihr großes öffentliches Coming-out in der „Puppy Episode“ ihrer Sitcom „Ellen“ folgte erst am 30. April 1997. Im Oktober 1996 war sie noch auf jener Schwelle, auf der amerikanische Popkultur häufig steht: Man spürt, dass etwas gesellschaftlich in Bewegung ist, aber die offizielle Geste ist noch nicht vollzogen. Luther Vandross wiederum stand für eine andere, weichere, musikalisch souveräne Fernsehwelt. Sein Album „Your Secret Love“ war gerade am 1. Oktober 1996 erschienen, eine Woche vor jener Sendung.

Die Welt zugänglicher machen

Auch der Tag selbst war historisch dicht. Am Vortag, dem 7. Oktober 1996, ging der „Fox News Channel“ erstmals auf Sendung. Am 8. Oktober 1996 unterzog sich Papst Johannes Paul II. einer Blinddarmoperation. Am selben Tag machte Jassir Arafat seinen ersten öffentlichen Besuch in Israel und traf Präsident Ezer Weizman in Caesarea. Zwei Tage zuvor hatte die erste TV-Debatte zwischen Bill Clinton und Bob Dole stattgefunden.
Ich saß also nicht nur in einer Show. Mein Leben nahm eine neue Wendung und ich erlebte eine Woche, in der Politik, Religion, Nahost, Mediengeschichte und Popkultur dicht nebeneinanderlagen. Late-Night war genau dafür gebaut: Sie nahm das Unübersichtliche des Tages und verwandelte es in eine Abfolge, die erträglich wurde.
Das war die große Leistung dieses Genres. Es machte die Welt nicht unbedingt klüger, aber zugänglicher. Es nahm der Nachricht die Starre. Der Monolog war die demokratische Nadel, mit der der Ballon der Wichtigkeit angestochen wurde. Präsidenten, Gouverneure, Schauspieler, Skandale, Umfragen, Sport, Moden und Pannen – alles wanderte durch dieselbe Mühle.
Am Ende stand nicht Wahrheit im philosophischen Sinn, sondern ein gemeinsamer Moment. Man hatte über dasselbe gelacht. Das war weniger, als Journalismus leisten sollte, aber mehr, als Unterhaltung üblicherweise vermag.
Gerade deshalb war Johnny Carson das ikonische Modell. Carson war nicht der Lauteste, nicht der Verletzendste, nicht der Politischste. Er war der große Temperaturregler. In einer Medienwelt mit wenigen Kanälen konnte er eine fast nationale Abendroutine schaffen. Seine letzte „Tonight Show“ wurde nach 30 Jahren Laufzeit am 22. Mai 1992 ausgestrahlt und über 50 Millionen Zuschauer schalteten ein.
Dass solche Zahlen und diese kulturelle Geschlossenheit heute kaum noch vorstellbar sind, sagt weniger über Carson aus als über unsere Gegenwart. Er war ein Gatekeeper in einer Gatekeeper-Ökonomie. Heute ist jeder Host nur noch ein Knoten in einem endlosen, nervösen Distributionsnetz.

Stephen Colbert: Ein Beben in der Branche

Mit Stephen Colberts Abschied in der vergangenen Woche ist nun ein weiterer Schnitt erfolgt. CBS hatte bereits im Juli 2025 angekündigt, „The Late Show with Stephen Colbert“ im Mai 2026 zu beenden, und die Entscheidung als finanziell begründet dargestellt. Schluss mit dem legendären Format überhaupt.
Ein Beben in der Branche. „Reuters“ berichtete, CBS habe erklärt, die Entscheidung stehe nicht mit Colberts Leistung, den Inhalten der Sendung oder Vorgängen bei Paramount in Verbindung. Die letzte Ausgabe lief am 21. Mai 2026; ein Finale mit Paul McCartney. Der „Guardian“ meldete 6,74 Millionen Zuschauer für die letzte Show.
Die Colbert-Causa ist deshalb interessant, weil sie zwei Wahrheiten zugleich zeigt. Die eine Wahrheit ist wirtschaftlich:
Das klassische Late-Night-Modell steht unter massivem Druck. „Reuters“ berichtete im Juli 2025 von stark gesunkenen Werbeerlösen, sinkenden Durchschnittszuschauerzahlen und erheblichen Verlusten des Formats.
Die andere Wahrheit ist politisch-kulturell: Colbert war einer der schärfsten satirischen Kritiker von US-Präsident Donald Trump. Dass sein Ende in eine Phase von Paramount-, Skydance- und Trump-Debatten fiel, machte die Entscheidung zwangsläufig verdächtig.
Bewiesen ist eine politische Steuerung damit nicht. Aber der Verdacht wurde öffentlich breit diskutiert. Seriös bleibt nur diese Trennung: Die wirtschaftliche Begründung ist plausibel, der politische Beigeschmack ist real, aber nicht abschließend belegt.

Die ökonomische Heimat verloren

Das Ende der Late-Night-Ära bedeutet nicht, dass keine Witze mehr gemacht werden. Es bedeutet, dass der Ort verschwunden ist, an dem diese Witze eine gemeinsame Uhrzeit hatten.
Der Zuschauer wartet nicht mehr um 23:35 Uhr auf den Monolog. Er sieht morgens drei Clips auf YouTube, einen Ausschnitt auf X, eine Reaktion auf TikTok, vielleicht später den Podcast.
Marktforschungen belegen, dass Late-Night-Broadcast-Shows seit Anfang 2025 zusammen mehr als 17 Milliarden Views auf Social-Video-Plattformen erreicht hätten. Das Genre ist also nicht wirkungslos geworden. Es hat nur seine ökonomische Heimat verloren.
Für die TV-Generation ist das mehr als eine Branchenmeldung. Es ist ein biografischer Einschnitt. Wer mit linearem Fernsehen aufwuchs, lebte in Programmordnungen.
Nachrichten kamen zu bestimmten Zeiten, Shows hatten feste Plätze, ein Sender war nicht nur eine App, sondern eine Adresse. Late-Night war der letzte Raum in diesem Haus. Man konnte dort den Tag abgeben. Man konnte sich von einem Mann hinter einem Schreibtisch erklären lassen, dass die Welt zwar verrückt sei, aber immerhin noch Pointe und Rhythmus besitze.

Die Ordnung zersplittert

Heute ist diese Ordnung zersplittert. Der Witz kommt schneller, härter, segmentierter. Er ist zielgruppengenauer, aber selten verbindender. Die klassische Late-Night setzte voraus, dass es noch eine halbwegs gemeinsame Öffentlichkeit gab. Genau diese Voraussetzung ist beschädigt. Was früher ein nationales Lagerfeuer war, ist heute ein Set aus Milieuformaten. Colbert für die einen, Gutfeld für die anderen, Oliver für ein weiteres Segment, Podcasts für jene, die dem Fernsehen ohnehin entwachsen sind. Der Monolog lebt, aber die Nation sitzt nicht mehr gemeinsam davor.
Neil Postmans „Wir amüsieren uns zu Tode“ war keine kulturpessimistische Laune, sondern eine Diagnose über die Verwandlung öffentlicher Vernunft in eine fernsehtaugliche Darbietung. Postman schrieb nicht gegen Humor. Er schrieb gegen die Dominanz einer Form, in der alles zur Unterhaltung werden muss, sogar das Ernste. Die bittere Pointe unserer Gegenwart besteht darin, dass nicht einmal mehr diese alte Unterhaltungsordnung stabil ist. Wir stehen vor einem intellektuellen Scherbenhaufen, aber nicht, weil Late-Night allein daran schuld wäre. Eher war Late-Night eines der letzten Rituale, das den Zerfall noch charmant überdeckte.
Vielleicht war das ihre schönste und zugleich gefährlichste Funktion: Sie versöhnte uns mit dem Tag. Sie machte das Unerträgliche leichter. Sie gab dem politischen Unsinn eine Pointe, dem Prominentenbetrieb ein Sofa, der Katastrophe eine Überleitung zur Band. Man konnte das als zivilisierende Kunst betrachten. Man konnte es auch als Sedierung lesen. Beides stimmt. Carson beruhigte. Letterman irritierte. Leno massierte. Schmidt sezierte. Colbert moralisierte. Jeder tat es auf seine Weise, aber alle arbeiteten an derselben Maschine: dem nächtlichen Umbau von Wirklichkeit in konsumierbare Form.

Das Verschwinden einer gemeinsamen Abendkultur

Wenn ich heute auf die Karte vom 8. Oktober 1996 blicke, sehe ich deshalb nicht nur einen Studiobesuch. Ich sehe eine Medienwelt, die noch an sich selbst glaubte. Sie glaubte an Sendeplätze, an Monologe, an Gäste, an Musiknummern, an den Applaus aus dem Off, an die Macht des großen Networks. Und ich sehe einen jungen Mann, frisch verheiratet, in Kalifornien, der in Burbank sitzt und glaubt, in einer Maschine der Zukunft Platz genommen zu haben. In Wahrheit saß er vielleicht schon in einer Hochphase, die bald Vergangenheit werden sollte.
Das ist die eigentliche Melancholie. Nicht, dass Stephen Colbert nicht mehr um 23:35 Uhr auf CBS erscheint, er hat mich sowieso nie erreicht. Nicht, dass Jay Lenos Burbank-Welt Geschichte ist. Nicht einmal, dass Johnny Carson nicht wiederholbar ist. Sondern dass eine ganze Form gemeinsamer Abendkultur verschwunden ist. Die Late-Night-Show war nie nur Nachtfernsehen. Sie war ein Vertrag: Wir schauen noch einmal gemeinsam auf diesen Tag, wir lachen über seine Zumutungen, wir tun für eine Stunde so, als ließe sich alles ordnen.
Dieser Vertrag ist gekündigt. Nicht feierlich, nicht abrupt, sondern schleichend: durch Plattformen, Fragmentierung, Werbeverschiebung, politische Milieus und Aufmerksamkeitsökonomie.
Am Ende bleibt die Karte. Ein kleines Dokument aus Burbank. Dienstag, 8. Oktober 1996. Jay Leno. Ellen DeGeneres. Luther Vandross. Ein Unfall im Hintergrund. Eine Ehe zwei Tage zuvor. Und eine Fernsehform, die damals noch nicht ahnte, dass sie eines Tages selbst zum Gegenstand des Nachrufs werden würde. Ich hätte das nie gedacht.
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„Genug gearbeitet“ – warum dieser Satz kein Faulheitsprogramm ist

„Genug gearbeitet.“ Der Satz klingt auf den ersten Blick nach Müdigkeit, vielleicht sogar nach Rückzug. Wer ihn in einer Unternehmer- oder Führungsrunde ausspricht, riskiert schnell ein Missverständnis, als wolle er weniger leisten, Verantwortung abgeben oder sich dem Druck entziehen.
Gemeint ist etwas anderes. „Genug gearbeitet“ ist kein Gewerkschaftsslogan und keine Einladung zur Bequemlichkeit. Es ist ein Satz gegen blinden Aktionismus, gegen Tage, die voll sind, aber wenig bewegen, gegen das Gefühl, permanent beschäftigt zu sein und trotzdem nicht wirklich voranzukommen.
Viele Unternehmer und Führungskräfte arbeiten nicht zu wenig. Sie arbeiten zu viel an den falschen Stellen. Sie beantworten Mails, klären Ausnahmen, retten Entscheidungen, schieben Personalthemen vor sich her, reagieren auf neue Vorschriften, beruhigen Kunden, sortieren Missverständnisse und wundern sich am Abend, warum das Wesentliche wieder liegen geblieben ist.
Genau dort beginnt die eigentliche Führungsfrage – nicht: „Wie schaffen wir noch mehr?“, sondern: „Was muss aufhören, damit wieder Wirkung entsteht?“
Drei Verschiebungen helfen sofort:
  • Von Beschäftigung zu Wirkung: Was verändert sich durch diese Stunde wirklich?
  • Von Reaktion zu Entscheidung: Wo lassen wir uns treiben, obwohl wir führen müssten?
  • Von Mehrarbeit zu Klarheit: Welche Unklarheit erzeugt jeden Tag neue Arbeit?
Ein Unternehmer sagte mir einmal: „Ich bin den ganzen Tag im Einsatz und habe trotzdem das Gefühl, ich laufe meinem eigenen Unternehmen hinterher.“ Wir zeichneten seinen Alltag auf. Das Ergebnis war ernüchternd: Fast 70 Prozent seiner Zeit gingen in Nacharbeit, Abstimmung, Rückfragen und Feuerwehr – nicht weil sein Team schlecht war, sondern weil Entscheidungen, Rollen und Prioritäten nicht sauber geführt wurden.
Der erste Schritt war kein neues Tool, auch kein Motivationsprogramm. Der erste Schritt war ein Stopp-Satz: „Daran arbeiten wir diese Woche nicht.“ Danach wurden drei Themen sichtbar, die wirklich zählen. Plötzlich entstand Ruhe – nicht weil weniger zu tun war, sondern weil nicht mehr alles gleichzeitig wichtig war.
„Genug gearbeitet“ heißt deshalb: Schluss mit Arbeit, die nur Arbeit erzeugt, Schluss mit Führung, die sich im Klein-Klein verliert, Schluss mit Tapferkeit als Geschäftsmodell.
Die praktische Frage für diese Woche lautet: Welche Arbeit tun Sie nur, weil Sie etwas anderes noch nicht entschieden haben?
Dort beginnt Wirkung – nicht durch mehr Stunden, sondern durch den Mut, Arbeit zu ordnen, zu begrenzen und wieder mit Richtung zu verbinden.
Am 18. November 2026 geht es beim b-steps summit genau darum, nämlich aus Anstrengung wieder Wirksamkeit zu machen, nicht als Theorie, sondern als Arbeitsraum für Unternehmer und Führungskräfte, die nicht weniger Verantwortung wollen, sondern bessere Führung.
Genug gearbeitet. Welche Tätigkeit würden Sie sofort beenden, wenn Sie ehrlich prüfen würden, ob sie noch Wirkung hat?
Rolf Hempel | www.b-steps.de/summit | b-steps summit
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Auf der Suche nach der großen Freiheit – doch Souveränität beginnt im Inneren

Ich lebe und arbeite in einer Gemeinschaft, die oft über Freiheit und Souveränität spricht. Wir untersuchen rechtliche Strukturen, steigen aus Systemen aus, bauen Unternehmen auf, bauen Lebensmittel an und erschaffen Leben, die unabhängiger von zentralisierter Kontrolle sind. All das ist wichtig, aber ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass nichts davon real ist, wenn wir nicht souverän in unseren eigenen Emotionen sind.
Wenn eine Fliege dir das Mittagessen ruinieren kann, bist du nicht frei. Wenn eine holprige Schotterstraße deine Stimmung bestimmen kann, bist du nicht souverän. Und wenn die schlechte Laune eines Fremden deinen Tag ruinieren kann, dann hat kein Rechtsdokument, keine Lebensstiländerung und keine Unabhängigkeitserklärung wirklich Bestand.

Theorie und Wirklichkeit

Das erlebe ich täglich deutlich, wenn ich Gäste auf unserer Ranch betreue. Sie kommen mit ähnlichen Werten, sprechen von Freiheit und Selbstständigkeit, erwarten aber oft, dass ihnen ein schöner Aufenthalt geboten wird. Sie erwarten, dass die Umgebung ihr Erlebnis prägt, anstatt selbst zu bestimmen, wer sie darin sein wollen.

Ein Gast erzählte mir einmal, die Straße zu unserer Ranch sei die schlechteste gewesen, die er je befahren habe. Ich lächelte und sagte ihm, er müsse gesegnet sein, denn es gäbe weitaus schlechtere Straßen auf der Welt.
Andere setzen sich draußen zum Essen hin, weniger als 100 Metern von Kühen entfernt, und sind überrascht wegen der Fliegen. Ich reiche ihnen einen Fliegenwedel und erinnere sie daran, dass dies ein bewirtschafteter Bauernhof ist. Wir werden unser Bestes tun, aber dies ist keine versiegelte, kontrollierte Umgebung. Es ist das echte Leben, und das echte Leben kommt mit Textur.
Den größten Teil der Menschheitsgeschichte lebten die Menschen in ständigem Kontakt mit dieser Textur. Schlamm, Fliegen, Staub, Hitze und Kälte waren keine Unannehmlichkeiten, die die Qualität eines Tages bestimmten. Es waren einfach Gegebenheiten. Niemand stand morgens auf und machte seine Lebenserfahrung davon abhängig, ob die Straße glatt oder die Luft sauber war. Das Leben erforderte Mitwirken, nicht Bewerten, und Freude hing nicht davon ab, dass es keine Reibungspunkte gab.
Irgendwo auf dem Weg haben wir uns davon entfernt, uns auf die Realität einzulassen. Wir hegen nun die Erwartung, dass sie für uns eine Leistung erbringt. Wir begannen zu glauben, dass etwas, das unbequem ist, falsch sein müsse. Wenn es Reibung gibt, müsse sie entfernt werden. Wenn ein Erlebnis nicht reibungslos verläuft, ist es gescheitert. Durch diesen Wandel sind wir nicht kultivierter geworden, sondern zerbrechlicher.
Die modernen Menschen neigen immer mehr dazu, eine perfekte Umgebung zu erwarten – und sich maßlos aufzuregen, wenn dem nicht so ist. Foto: johny007pan/iStock

Modernen Menschen neigen immer mehr dazu, eine perfekte Umgebung zu erwarten – und sich maßlos aufzuregen, wenn dem nicht so ist.

Foto: johny007pan/iStock

Die Schmiede des Lebens

Reibung ist kein Scheitern. Reibung ist der Ort, an dem Widerstandsfähigkeit aufgebaut wird. Wenn wir jedes Unbehagen entfernen, erschaffen wir keine besseren Menschen – wir erschaffen Menschen, die zunehmend von perfekt kuratierten Umgebungen abhängig sind, um sich gut zu fühlen. Das ist keine Souveränität. Es ist eine leisere Form der Abhängigkeit, die sich hinter Komfort versteckt.
Zwei Menschen können in exakt dieselbe Umgebung treten und völlig unterschiedliche Erfahrungen machen. Der eine sieht Schönheit, Verbindung und Neuartigkeit, der andere Unannehmlichkeit, Irritation und Mängel. Der Unterschied ist nicht die Umgebung. Es ist die Haltung, die jeder Mensch mit sich bringt.
Kommen Sie an einen Ort, um eine schöne Zeit zu verbringen, oder erwarten Sie, dass Ihnen eine schöne Zeit geboten wird? Diese Frage verrät mehr, als den meisten Menschen klar ist. Wenn Sie darauf warten, dass eine Erfahrung bewirkt, dass Sie sich gut fühlen, haben Sie die Kontrolle bereits abgegeben. Wenn Sie entscheiden, noch bevor Sie überhaupt ankommen, dass Sie offen, engagiert und präsent sein werden, verlieren die Bedingungen viel von ihrer Macht.
Hierbei geht es nicht darum, Unbehagen zu leugnen oder so zu tun, als ob das Leben keine Härten beinhalte. Es gibt echte Momente von Trauer, Verlust und Veränderung, die uns tief formen. Das meiste von dem, was uns im Alltag entgleisen lässt, ist jedoch keine Tragödie. Es sind Unannehmlichkeiten, und Unannehmlichkeiten sollten nicht so viel Gewicht haben, wie wir ihnen beimessen.

Echte Freiheit: Die Rückkehr zur inneren Stärke

Als Kind sagte ich meiner Mutter oft, dass ich mich langweilte, müde, hungrig oder verärgert war. Sie sah mich dann an und sagte: „Das klingt nach einer inneren Einstellung. Mach dich mal ran, das zu lösen.“ Damals empfand ich das als abweisend. Heute verstehe ich es als eine der wichtigsten Lektionen, die ich je gelernt habe. Sie erinnerte mich daran, dass ich selbst für mein inneres Wohlbefinden verantwortlich bin.
Irgendwann haben wir damit aufgehört, das zu lehren. Wir begannen, jedes Unbehagen als etwas zu betrachten, das äußerlich gelöst werden muss, anstatt als etwas, das man innerlich bewältigen kann. Dadurch schwächten wir unsere Fähigkeit, im Alltag gelassen zu bleiben.
Diese Stärke wiederzuerlangen erfordert nichts Kompliziertes, aber es erfordert eine bewusste Entscheidung. Es beginnt mit Eigenverantwortung, mit der entscheidenden Frage, wer man in einer bestimmten Umgebung sein möchte, anstatt sich nur zu fragen, ob diese Umgebung den eigenen Erwartungen entspricht.
Es setzt sich fort mit Offenheit, mit der Bereitschaft, Zeit an Orten zu verbringen, die nicht kontrolliert oder inszeniert sind, damit das Nervensystem wieder lernen kann, dass Staub, Hitze, Insekten und Unvorhersehbarkeit keine Bedrohungen darstellen. Sie sind einfach Teil des Lebens.
Es vertieft sich durch Sinnhaftigkeit. Wenn das Leben in etwas Realem verwurzelt ist, wie Arbeit, Familie, Land oder Gemeinschaft, verlieren kleine Unannehmlichkeiten allmählich ihre Bedeutung.
Sie wirken nicht mehr wie Kränkungen, sondern als Teil des Gesamtzusammenhangs. Das, was wirklich zählt, wird wichtiger als die kleine Irritation.
Ich habe immer und immer wieder gesehen, dass diese Art von Standhaftigkeit ansteckend ist. Wenn eine Person geerdet und durch Kleinigkeiten nicht zu erschüttern ist, verändert das den Ton der gesamten Interaktion. Es schafft Raum für andere, in dieselbe Haltung zu treten, das Leben mit etwas mehr Leichtigkeit und etwas weniger Widerstand zu erfahren.

Das Leben: Unvollkommen und abenteuerlich

Das ist die Art von Souveränität, die es wert ist, verfolgt zu werden. Nicht nur die Fähigkeit, aus Systemen auszusteigen, sondern die Fähigkeit, in sich selbst intakt zu bleiben, ungeachtet der Umstände. Nicht nur Freiheit auf dem Papier, sondern Freiheit in der Praxis, in den Momenten, in denen etwas schiefgeht, wenn die Bedingungen weniger ideal sind, wenn das Leben sich wie das echte Leben verhält.
Das echte Leben ist nicht desinfiziert. Es ist nicht immer glatt oder vorhersehbar, und es war nie so gedacht. Es ist schlammig und staubig und unvollkommen – und es ist immer noch, wenn wir uns dafür entscheiden, zutiefst gut.
Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com mit dem Titel „Sovereignty Starts Inside“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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meinung vital

Lassen Sie das Desinfektionsmittel weg und trainieren Sie Ihr Immunsystem

Die vorherrschende Antwort der konventionellen Pharma- und Impfstoffindustrie lautet, dass funktionelles Wohlbefinden aus einer Pille, einer Nadel oder irgendeiner Art von medizinischer Behandlung resultiert.
Als Landwirt mit Tausenden Tieren und ohne Tierarztrechnungen kann ich bezeugen, dass die vorherrschende konventionelle Vorstellung in der Viehwirtschaft darin besteht, dass ein krankes Tier anscheinend pharmazeutisch benachteiligt ist.
Ich vertrete ein völlig gegensätzliches Paradigma: Ein krankes Tier zeugt von meinen eigenen Fehlern. Vielleicht habe ich schwaches Zuchtmaterial gewählt. In vielen Jahrzehnten der Nutztierhaltung hatte ich ein halbes Dutzend wirtschaftlich bedeutsame Krankheitsausbrüche bei verschiedenen Arten. Jedes einzelne Mal war das Problem meine Schuld – Hygiene, Ernährung, Stress, Unbehagen und Giftstoffe. Ein Tier kann aus vielen Gründen krank werden, von denen keiner darin besteht, dass es medizinisch unterversorgt war.

Was „trainiert“ Immunsysteme?

Das bringt mich zu den Menschen. In seinem ikonischen „New York Times“-Bestseller „Guns, Germs and Steel“ („Arm und Reich“) erklärt Jared Diamond den Aufstieg von Kulturen, die in der Nähe von domestiziertem Vieh lebten. Menschengruppen, die eine enge Beziehung zu domestizierten Nutztieren pflegten, entwickelten bessere Immunsysteme.
Vor vielen Jahren beobachtete der britische Epidemiologe David Strachan, dass Kinder mit mehr älteren Geschwistern weniger Allergien hatten, was darauf hindeutet, dass ein früher Kontakt mit Infektionen dauerhaften Schutz bietet.
Viele in diesem Forschungsbereich schlossen sich dieser „Hygienehypothese“ an und postulierten, dass das Immunsystem wie ein Muskel ist und regelmäßiges Training braucht, um stark zu sein. In Übereinstimmung mit Diamonds allgemeinen Erkenntnissen wird diese Theorie am besten durch Forschung in Finnland gestützt.
Vor etwa zwei Jahrzehnten begannen Forscher in Finnland, dieses Konzept des „Immunsystems als Muskel“ zu untersuchen, indem sie den allgemeinen Gesundheitszustand von eng verwandten Kindern (Cousins oder Geschwistern) verglichen, die in unterschiedlichen Umgebungen lebten. Die Ergebnisse verliehen der Vorstellung, dass das Immunsystem ähnliche Eigenschaften wie ein Muskel besitzt, erhebliches Gewicht.
Kinder, die auf Bauernhöfen aufwuchsen und schon als Kleinkinder in den Stall gingen – und Sie wissen, was ein Kleinkind mit allem macht, was es an den Fingern hat –, waren weitaus robuster als ihre städtischen Altersgenossen. Ein bisschen Mist, Dreck und schimmeliges Heu oder Getreide stimulierten das Immunsystem und verringerten die Anfälligkeit für Erkältungen, Grippe und andere häufige Kinderkrankheiten.
Nun zu einer persönlichen Offenlegung: Freunde, die mich kennen, wissen, dass ich routinemäßig aus Kuhtränken mit den Kühen trinke. Ich tue es nicht, weil ich durstig bin, sondern weil ich eine größere Vielfalt an Kleinstlebewesen in meinem Mikrobiom haben möchte. Und ich möchte einen gewissen Kontakt zu jedem unsichtbaren Widersacher haben, der da draußen sein mag. Der Punkt ist, mein Immunsystem zu trainieren, damit es, wenn etwas wirklich Ernstes auftaucht, stark genug ist, um es abzuwehren.
Ja, ich könnte morgen sterben. Aber seit Jahrzehnten lebe ich viele Jahre ohne die üblichen Probleme, die die meisten Leute plagen. Das ist kein Stolz; es ist die demütige Anerkennung, dass wir einen ehrfurchtgebietenden und wunderbar erschaffenen Körper haben, der bereit ist, Gesundheit zu beherbergen, wenn wir ihm nur den Hauch einer Chance geben.

Desinfektion über den Wolken

Wenn ich in ein Flugzeug steige und der Flugbegleiter mit einem Korb voll antimikrobieller Desinfektionstücher dasteht, lächle ich zunächst. Dann lehne ich mich vor und sage höflich: „Nein, danke. Ich möchte wirklich Ihre Keime.“ Die Situation erzeugt immer einen fragenden Blick. Zweifellos sorgt es auch für Gespräche des Personals in der Bordküche. Vielleicht sagen sie: „Hast du diesen Spinner da drüben gesehen? Er will meine Keime.“
Auf einem kürzlichen Flug nahm ein Paar die Plätze A und B ein, ich saß auf C am Gang. Mit Masken bekleidet setzten sie sich hin und holten sofort Desinfektionstücher heraus. Tabletts, die Rückenlehne und Armlehnen – alles wurde gründlich abgewischt. Dann bot sie mir ihre Tücher an und ich sagte: „Nein, danke, Ma’am. Ich möchte wirklich Ihre Keime einatmen.“
Die Maske verbarg das Gesicht, das entsetzt gewesen sein muss.
Sobald wir in der Luft waren, kamen die Snacks heraus: Pringles, Twizzlers, Reese’s Pieces, Erfrischungsgetränke. Ich glaube, sie hatten eine ganze Supermarktsnackabteilung in ihrem sperrigen Handgepäck. Ich beobachtete sie 1 Stunde lang, wie sie all diesen Müll in sich hineinfutterten. In der 2. Stunde – es war ein 3-stündiger Flug – drückten sie den Rufknopf. Ich fragte mich, was das wohl sollte.
„Wir haben Probleme mit dem Zucker. Können Sie uns bitte etwas Apfelsaft bringen?“
Wollen Sie mich veralbern? Nachdem sie alles sterilisiert und dann Zucker und künstliche Stoffe konsumiert hatten, war mein vorherrschender Gedanke: „Und diese Leute gehen wählen.“ Müll zu essen und Keimparanoia sind ein Rezept für immunologische Fehlfunktionen, aber wir sehen diese Art von dystopischem Verhalten viel zu oft.

Streichelzoo und Dreck

Glücklicherweise scheint es sich herumzusprechen, dass eine muskelähnliche Immunologie real ist. Neue Mütter, die ihre Kleinkinder in Streichelzoos und zu Schlammpfützen bringen, scheinen die neue Manie im Bereich der Wellness für Kleinkinder zu sein. Dies ist eine gesunde Veränderung und ein Trend, der viele Vorteile bringen könnte.
Falls findige Unternehmer in dieser Kolumne so lange bei mir geblieben sind, hier ist mein Vorschlag für ein Millionen-Dollar-Geschäft: Verkaufen Sie mit Kompost und Dreck angereicherte durchlässige Matten an Städter, die sich nach einer robusten Immunfunktion sehnen. Es könnte ein Abonnementservice sein, bei dem alle vier Monate jemand kommt, den alten Kompost und Dreck ausschüttet und die Matte mit neuem Material füllt. Es könnte eine Fußmatte sein oder vielleicht sogar eine Matte, auf die man tritt, wenn man aus der Dusche kommt, um all diese guten Sachen an die nackten Füße zu bekommen.
Ich bin sicher, jemand ist schlau genug, um herauszufinden, wie man das Land in die Stadt bringt. Sicherlich schlage ich nicht vor, dass wir zu offenen Abwasserkanälen und fehlender Kühlung zurückkehren. Ich behaupte, dass die Menschheit zu steril werden kann. Unser aus Milliarden Mitgliedern bestehendes Mikrobiom ist nicht steril, und das wichtigste Maß für Vitalität ist die mikrobielle Vielfalt im Darm. Sie müssen mir keine Provision für die Idee zahlen. Nennen Sie sie einfach beim Namen und legen Sie los.
Wenn wir echte Lebensmittel essen, unverarbeitet, erhalten wir diese mikrobielle Vielfalt und unser Immunsystem genießt ein gewisses Training. Als technisch hoch entwickelte Gesellschaft sind wir zu steril geworden und unser Immunsystem leidet darunter.
Gehen wir wieder nach draußen, in unsere Gärten, in den Dreck. Teilen wir ein paar Keime und genießen wir es, unser Immunsystem zu trainieren. Besuchen Sie wenigstens mal einen Bauernhof.
Das ist doch ein besserer Ansatz, als unser Immunsystem zu schwächen und uns stattdessen auf Spritzen und Tabletten zu verlassen, um den körperlichen Verfall aufzuhalten – finden Sie nicht auch?
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Ditch the Sanitizer and Exercise Your Immune System“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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kultur meinung

Der irrlichternde Thomas Mann

Es ist eine Sensation. Der Literaturnobelpreisträger, der in Teilen des linken und liberalen Spektrums große Anerkennung erfährt, wird im Rahmen des Filmfestivals in Cannes „vom Sockel gestoßen“. So lautet zumindest das fast einhellige Urteil in den Feuilletons der deutschen Zeitungen.

Ein unbequemer Blick auf Thomas Mann

Was ist geschehen? Der eingereichte Wettbewerbsfilm „Fatherland“ (zu Deutsch: „Vaterland“) mit der deutschen Schauspielerin Sandra Hüller als seine Tochter Erika bildet den Dichter ab, wie man ihn bisher noch nicht erlebt hat. Man sieht ihn bei Empfängen mit Nazi-Größen und wie er von Erika zurechtgewiesen wird, da er sich „hinter Festungen aus Worten“ versteckt.
Im Film sind ihm die Ehrungen in Bonn (Goethe-Medaille) und in Weimar (Goethe-Nationalpreis) wichtiger als die Teilnahme an der Beerdigung seines Sohnes Klaus, der sich in Paris das Leben genommen hat. Es ist natürlich müßig, darüber zu spekulieren, wie man den Sozialisten Thomas Mann in den Schulen behandelt hätte, wenn seine frühere, jetzt aber für alle sichtbare antipazifistische, illiberale und undemokratische – heute würde man sagen – faschistische Haltung nach 1945 nicht so sehr mit Tabus umgrenzt worden wäre.
Der Film ist ein Anlass, sich näher mit Thomas Mann und seinen irrlichternden politischen Ansichten zu befassen. Es ist zwar keine Schande, seine Meinung zu ändern – schließlich wurde aus Saulus auch Paulus –, aber es darf doch wohl darauf hingewiesen werden, dass Thomas Mann eben nicht nur durch sein schlimmes faschistisches Buch „Betrachtungen eines Un­politischen“ zu den Meinungsbildnern der Weimarer Republik gehörte. Er ist mitverantwortlich dafür, dass es in dieser damaligen Republik so wenige Demokraten und Verteidi­ger der Freiheit gab.
Da die Tabus noch immer gepflegt werden, und Thomas Mann in den Schulen weiterhin als leuchtendes, angeblich demokra­tisches Vorbild gepriesen wird, möchte ich anhand neuer Forschungsergebnisse ein anderes Bild zeich­nen. Er war sehr widersprüchlich, um nicht zu sagen je nach Zeitgeist ein intellektuelles, sozialistisches Chamäleon, wie es nach 1945 viele gab.

Zwischen Kulturkritik und Kriegsrhetorik

Der in linken Milieus angehimmelte Schriftsteller war ein begeister­ter Kriegsfanatiker, obwohl er es mit seinen Bezie­hungen geschafft hatte, nicht zum Militärdienst ein­gezogen zu werden. Thomas Mann gehörte Zeit sei­nes Lebens zu der Kategorie von Menschen, die Wasser predigen und Wein trinken. Viele seiner Dichterkollegen haben sich nicht ge­drückt, sondern ihre Überzeugung, für das Vaterland zu sterben, mit dem Tod bezahlt – unter anderem Georg Trakl, Alfred Lichtenstein, Ernst Stadler, Hermann Löns, August Stramm, Walter Flex und Gerrit Engelke.
Ein typisches Gedankengut von Thomas Mann sind die folgenden Zeilen aus seinem 1914 veröffentlichten Text „Gedanken im Kriege“: „Wie hätte der Künstler, der Soldat im Künstler nicht Gott loben sollen für den Zusammenbruch ei­ner Friedenswelt, die er so satt, so überaus satt hat­te! Krieg! Es war Reinigung, Befreiung, was wir empfanden, und eine ungeheure Hoffnung.“ So wie Mann hofften deutsche Schriftsteller wie Karl Marx und andere Sozialisten, dass der Krieg endlich die ihnen so sehr verhasste bürgerliche Lebensform zer­störe und die Werte der kaiserlichen Zeit aufgege­ben würden.
Andere wie Ricarda Huch, Franz Werfel und Annette Kolb waren nicht kriegsbegeistert, blieben Außenseiter und wurden erst nach 1945 in einem anderen Umfeld wieder gern gelesene Autoren. Sich offen gegen den Krieg zu stellen, erschien Thomas Mann damals kaum opportun, zumal selbst die zuvor pazifistisch auftretende Sozialdemokratie den Kurs des Kaiserreichs unterstützte. Eine gegenteilige Haltung hätte womöglich auch seine gesellschaftliche Stellung gefährden können. Denn Zensur verhinderte manche Veröffentli­chung. Auch bei den sozialistischen Arbeiterdich­tern hoffte man, dass der Krieg zur Einheit der Na­tion führen und die Sozialdemokratie in der Gesell­schaft aufgehen würde, und ihre Dichtung zur Na­tionaldichtung emporblühen könnte.
Der Reichs­kanzler Friedrich Ebert (1871–1925) zitierte im Reichstag denn auch das Ge­dicht „Bekenntnis“ von Karl Bröger. Die Botschaft war: Kunst und Literatur sollten sich jetzt von der Dekadenz der Vorkriegszeit freimachen. Auch Thomas Mann warnte vor einer Zersetzung der deutschen Kunst und Literatur durch ausländische, vor allem franzö­sische und jüdische Einflüsse. Der Krieg habe so­fort alle systematische Vergiftung durch das Aus­land beendet. Schon durch den Kriegsanfang wehte ein großer Segen über das Land. Der Krieg sei Reinigung, eine Katharsis, und deshalb positiv. Die unveränderte deutsche Wesensart würde wieder erscheinen.

Wenn Militarismus zur kulturellen Vision wird

Thomas Mann behauptete, der deutschen Seele entsprächen die Monarchie und der Militarismus. Mann verstand den Krieg als Mittel zur sittlich-moralischen Er­neuerung des Volkes. Moral und Soldatentum widersprä­chen sich und seien gänzlich unvereinbar mit dem deutschen Wesen. Das Wilhelminische Reich müsse bewahrt werden. Die europäischen Staaten würden den Krieg gegen das deutsche Wesen und wegen wirtschaftlicher Vorteile führen. Demokratie zerstöre die deutsche Sonderart, die sich in typisch deutschen Tugenden zeige: Treue, Mut, Unterord­nung, Pflichterfüllung, Entsagung. Thomas Mann verquickte seine schriftstellerische Zukunft mit der Hoffnung, dass in seinem Schaffen jener deutsche Militarismus enthalten sei, der sich nun anschicke, die Welt zu erobern.
Interessant ist die wiederhol­te Verwendung des Wortes „Wiedergeburt“, also Re­naissance. Was bei den Hambachern 1832 nur mithilfe der Freiheit mög­lich gewesen wäre, sah Mann die Wiedergeburt nur im Reinigen von allen fremden, nicht deutschen Einflüssen. Thomas Mann ist daher Nationalist par excellence. Seine Welt ist mit einer Utopie vergleich­bar, die menschliche Freiräume einengt, wenn nicht gar unmöglich macht.
Ein weiterer Aspekt wird deutlich. Wenn Mann den modernen Soldaten feiert, der mit den bisher nicht gekannten technischen Möglich­keiten zum Sieger werden kann, dann bestimmt er den Soldaten auch als den künftigen Arbeiter, der wichtig wird, da er mit neuer Technik umgehen könne. Der Soldat ist wie der künftige Arbeiter an seiner Leistungsfähigkeit interessiert, was bedeutet, dass sein Leben preußischer, bolschewistischer und disziplinierter werde. Das Leben des Menschen werde in Zukunft einer neuen Art von Arbeit gewidmet sein. Bei die­sen Gedanken ist es nicht weit bis zur Verherrli­chung des durch die neuen technischen Erfindun­gen geführten Krieges bei Ernst Jünger.

Die Konstruktion eines „inneren Feindes“

Was hier nur kurz skizziert werden konnte, hat sehr große Auswirkungen auf die Mentalität der deutschen Be­völkerung gehabt. Wenn sich damals Sozialdemokraten und Intellektuelle, Regierung und Haltungsmedien über den positiven Sinn des Krieges einig waren, wer sollte dann verantwortlich sein, wenn der er­hoffte Sieg 1918 ausblieb?
Laut Thomas Mann habe ein „innerer Feind“ die großartige geistige und mo­ralische Erhebung Deutschlands im Jahr 1914 zerstört. „Undeut­sche“ Einflüsse verbanden sich nach Mann mit Dekadenz und Egoismus und verpesteten die deutsche Kultur und Moral. Er gebrauchte dafür den Aus­druck „Verausländerung“, dessen Bedeutung in der Ausländerfeindlichkeit des Nationalen Sozialismus und seiner Fortsetzung im Staat des real existierenden Sozialismus deutlich wurde.
Ist nun Thomas Mann, in dem Film „Vaterland“ von Hanns Zischler dargestellt, ein ausländerfeindlicher, rechter Rassist? Ist dies seine ehrliche politische Einstellung und nicht sein angebliches Bekenntnis zur Demo­kratie? Und ist dies ein dankbares Thema für den Unterricht? Vielleicht konnte nur ein polnischer Regisseur wie der oscarprämierte Paweł Pawlikowski diese unter die Haut gehende Charakterstudie drehen.
Literatur:
Thomas Mann, Politische Reden und Schriften, Frankfurt 1968.
Wolfgang Michalka (Hg.), Der Erste Weltkrieg, München 1994.
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meinung

Katzen, Schicksal und gar sonderliche Zufälle

Letzte Woche erfuhr ich, dass eine der Katzen oben beim Haus verletzt wurde.

Eine solche Information ist auf einer Ranch wie meiner keine einfache Aussage. Wir haben viele Katzen. Manche haben Namen. Andere sind nur als Tochter einer Katze, die einen Namen hat, bekannt.
Sie leben am Rande des Grundstücks und sind eher Teil des Ökosystems als Teil des Haushalts. Ich füttere sie und beobachte sie, aber ich bringe nicht jede einzelne zum Tierarzt.

Wenn man mehr als 350 Tiere betreut, lernt man schnell, dass Interventionen Grenzen haben, aber ein verletztes Tier zieht dennoch deine Aufmerksamkeit auf sich.

Jemand hatte mir ein Video geschickt. Die Katze hatte sichtbare Wunden und belastete eines ihrer Beine nicht. Etwas früher am selben Tag meinte jemand, dass wir sie vielleicht einschläfern müssten, und dieser Gedanke beschäftigte mich.

Katze und Kätzchen

Spät in dieser Nacht, nachdem ich im Restaurant Feierabend hatte, kam ich nach Hause. Die Katze kam unter einem Stück Metall hervor und rieb sich an meinem Bein. Es war dunkel, aber ich hob sie auf und brachte sie ins Haus, um sie mir genauer anzusehen. Ich wollte die Wunden reinigen und ihr gegebenenfalls etwas gegen Schmerzen sowie, falls nötig, Antibiotika geben.

In ihr lag eine Gelassenheit, die nicht zu der Schwere ihrer Verletzungen passte. Sie schnurrte, rollte sich auf den Rücken, ruhig auf eine Weise, die nicht zu dem passte, was ich erwartete. Ich dachte, dass sie vielleicht trächtig sein könnte. In diesem Fall hätte jener Vorschlag [, sie einzuschläfern,] noch weitreichendere Konsequenzen. Ich bin dagegen, trächtige Tiere einzuschläfern. Leben ist Leben, und zwar auf jeder Ebene.

Gerade hatte ich sie auf dem Sofa untergebracht, als meine Mutter anrief und ich für ein paar Minuten abgelenkt war. Dann sagte jemand im Raum, dass etwas aus ihr herauskomme. Die Katze gebar gerade. Ein winziges Kätzchen erschien, so klein, dass es wie eine Frühgeburt aussah. Ich nahm an, dass das Trauma die Wehen ausgelöst haben könnte. Der Körper priorisiert Heilung, und manchmal bedeutet das, Leben früher hervorzubringen als erwartet.

Ich handelte schnell, räumte die Nachgeburt weg und legte eine Wolldecke unter die Katze, um das Sofa zu schützen. Ich ließ sie machen, was sie tun musste. Es waren nur zwei Kätzchen, was erklärte, warum man ihr die Schwangerschaft kaum angesehen hatte.

Noch ein Kätzchen

Weniger als 24 Stunden später, an einem der geschäftigsten Tage, die wir auf der Ranch hatten, hörte ich, dass eine Katze in einem Motor eines Fahrzeugs feststeckte. Es war mitten am Tag, ich war vollgepackt mit Terminen: eine Ruhestandsfeier, ein Supper Club, Farmführungen und Gäste überall. Ich nahm an, dass sich darum gekümmert würde.

Stunden später erwähnte eine der freiwilligen Helferinnen ein Kätzchen, und ich bemerkte, dass ich keine Ahnung hatte, wovon sie sprach. Sie erklärte mir, dass ihr Ehemann hergefahren sei und sie Schreie aus dem Auto gehört habe. Als sie den Reifen entfernten, legten sie ein neugeborenes Kätzchen frei, an dem noch ein Teil der Fruchtblase und der Plazenta hing. Sie brachten es zum Haus hoch und legten es in einen Karton zu der verletzten Mutterkatze in meinem Schlafzimmer.

Als ich es in jener Nacht schließlich nach oben schaffte – erschöpft und barfuß nach einem langen Tag – sah ich es. Das Kätzchen sah genau wie die anderen beiden aus: winzig, die Augen geschlossen, nicht größer als eine Maus. Seine Beine und die Unterseite waren verbrannt, wahrscheinlich durch etwas am Motor, das sich während der Fahrt erhitzt hatte. Irgendwie hatte es die 20-minütige Fahrt in diesem Auto überlebt, schreiend, bis jemand es hörte. Und gegen alle Widerstände war es an einem Ort gelandet, an dem es eine Mutterkatze gab, die weniger als einen Tag zuvor Junge geboren hatte.

Und diese Mutter hatte es angenommen. Sie putzte es, entfernte die restliche Fruchtblase und nahm es in ihren Wurf auf, als ob es schon immer ihres gewesen wäre.

Die Präzision der Ereignisse

Wenn man die Kette der Ereignisse zurückverfolgt, wird es fast unmöglich, die Präzision darin zu ignorieren. Die Mutterkatze musste verletzt sein, andernfalls hätte ich sie nicht ins Haus gebracht.

Sie musste früh gebären, sonst hätte sie keine Milch gehabt. Das Auto musste genau am richtigen Ort ankommen, und jemand musste das Kätzchen hören, sich die Mühe machen anzuhalten, den Reifen abzumontieren und es herauszuziehen. Anstatt es dort zu lassen oder beiseite zu legen, brachten sie es genau in den Raum, in dem jene Mutterkatze mit ihren zwei Neugeborenen ruhte.

Während ich dort stand und beobachtete, wie das winzige, verbrannte Kätzchen versuchte, anzudocken, erinnerte ich mich an den Gedanken, dass es fast absurd wäre, wenn die neugeborene Katze so weit gekommen wäre, nur um dann zu sterben. Ich sagte laut, dass ich nicht glaube, dass dies der Plan für dieses Kätzchen war.

Bis zum nächsten Morgen war sein Bauch voll und es lag zusammengerollt in der Wärme seiner neuen Familie. Dieses Kätzchen hätte jene Fahrt eigentlich kaum überleben können und jene Katzenmutter wäre eigentlich nicht in jenem Raum gewesen. Und doch waren beide genau dort, wo sie sein mussten.

Wenn man sie beobachtet, fragt man sich unweigerlich, wie oft das, was sich wie Unheil anfühlt, in Wahrheit eine Art Fügung ist. Wie oft ist das, was wie Chaos aussieht, eine Ausrichtung? Wie oft werden wir, genau wie dieses Kätzchen, von etwas an einen Ort getragen, den wir niemals aus eigener Kraft hätten finden können?

Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Kitten in the Engine Didn’t Survive by Accident“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)

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kultur meinung

Und wieder trägt der Teufel Prada

Es ist Jahre her, dass sich ein Kinobesuch wirklich gelohnt hat. Aber die Fortsetzung von „Der Teufel trägt Prada“ ist wirklich anders – und jeden Cent wert. Viele Darsteller der Originalbesetzung sind wieder mit am Start in dieser intelligenten und urkomischen Parodie auf die moderne Unternehmenskultur. Erfreulicherweise ist der Film völlig frei von jeglichen Woke-Signalen.
20 Jahre nachdem Andy Sachs (Anne Hathaway) zum ersten Mal die gnadenlosen Büros des „Runway“-Magazins betrat, liefert dieser Film (Regie: David Frankel, Drehbuch: Aline Brosh McKenna) eine witzige und treffende Fortsetzung.
Er verwandelt das Märchen aus der realen Modewelt in eine pointierte Kritik an der heutigen Medienlandschaft: dem Triumph der Personalbürokratie, der Dominanz der Werbeindustrie, der Raubtiermentalität von Private-Equity-Gesellschaften (Kapitalbeteiligungsgesellschaften) und der „Optimierung“ im McKinsey-Stil.
Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt und Stanley Tucci kehren zurück, um die Machthaber unserer Zeit aufs Korn zu nehmen. Der bissige, satirische Ton und die opulente Produktion machen das Ganze zu einem gelungenen Comeback. Insbesondere Tuccis Mode fiel mir als urkomisch kreativ auf, sollte aber mit einer Warnung versehen werden, dies nicht zu Hause nachzumachen.

Über die Handlung

Andrea „Andy“ Sachs ist mittlerweile eine erfahrene Journalistin geworden, die sich eine Karriere im „echten“ Journalismus aufgebaut hat. Im Zuge des Zusammenbruchs der Branche wird sie dennoch – zusammen mit ihren Kollegen – entlassen. Bezeichnenderweise erhält sie zur gleichen Zeit eine renommierte Auszeichnung. Um jedoch ihren Lebensunterhalt weiterhin bestreiten zu können, kehrt sie widerwillig zu „Runway“ zurück. Sie soll als Ressortleiterin für Reportagen bei der Bewältigung einer PR-Krise helfen, in der das Modemagazin feststeckt.
Meryl Streep kehrt in ihrer Rolle als Miranda Priestly, die herrische Chefredakteurin, zurück, die im Lauf der Zeit und dank ihrer Erfahrungen in ihrem Privatleben etwas milder geworden ist.
Auch Emily Charlton (Emily Blunt) ist wieder mit im Boot und mit ihr der alte Groll aus der alten „Runway“-Zeit. Emily ist inzwischen zur Leiterin des Luxuseinzelhandels bei Dior geworden und pflegt ihre alte Sehnsucht nach Rache.
Ebenfalls erneut dabei ist Stanley Tucci in seiner Rolle als Nigel Kipling, Mirandas loyale rechte Hand. Er punktet mit Witz und Weisheit, während er seine Chefin beinahe andächtig verehrt.

Meryl Streep als Miranda Priestly und Stanley Tucci als Nigel Kipling brillieren auch im zweiten Teil von „Der Teufel trägt Prada“.

Foto: Macall Polay © 2026 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Der erste „Overlord“

Schon früh wird Andy Sachs mit dem ersten „Overlord“ konfrontiert: der modernen Personalabteilung. Im Original von 2006 holten Assistentinnen noch ohne Klagen Kaffee und hängten Mäntel auf. Nun verbieten Unternehmensrichtlinien solche Bitten, um jeglichen Anschein von Hierarchie oder Ausbeutung zu vermeiden.
Andys harmloser Hinweis, dass ein Nachwuchsmitarbeiter ihr mit dem Mantel behilflich sein könnte, löst eine passiv-aggressive Intervention der Personalabteilung aus, inklusive Broschüren zum Sensibilisierungstraining und indirekter Ermahnungen zur „psychologischen Stabilität“.
Es ist ein rasant komischer Mikrokosmos der heutigen Arbeitswelt, die offene Tyrannei gegen bürokratische Erstickung eingetauscht hat. Miranda verdreht die Augen, doch sie muss sich selbst durch den Formulardschungel kämpfen. Der Grundtenor ist gesetzt: Der Teufel hängt nun ordentlich seine Mäntel selbst auf, trägt Business Casual und zitiert die Richtlinien.

Der zweite „Overlord“

Als Nächstes kommen die Werbekunden, der zweite „Overlord“. Ein großer Skandal bricht aus, als „Runway“ eine Fast-Fashion-Marke lobt, die später wegen Arbeitsrechtsverletzungen angeprangert wird. Sponsoren drohen mit Rückzug und zwingen Miranda zum Einlenken. So läuft es eben. Alle kennen das Spiel: Wer zahlt, hat das Sagen.
Andy beobachtet entsetzt, wie die redaktionelle Unabhängigkeit schwindet: „Ohne Anzeigenkunden gäbe es uns nicht mehr“, erklärt Miranda mit müdem Pragmatismus. Der Film zeigt klug, wie der Druck, Einnahmen zu generieren, einst unabhängige Publikationen entmachtet.
Reale Entsprechungen gibt es in Hülle und Fülle. Man denke nur an traditionsreiche Magazine wie „Vogue“, die ein Gleichgewicht zwischen anspruchsvollen Inhalten, Partnerschaften mit Luxusmarken und digitalen Kennzahlen finden mussten. Im Übrigen die Inspiration für „Runway“ mit Miranda als eine Art überzeichneter Anna Wintour [Anm. d. Red.: frühere Chefredakteurin der US-amerikanischen Ausgabe der „Vogue“].
Dasselbe gilt für alle großen Medien heutzutage. Denken Sie bei jedem Medienhype um eine Krankheit einmal darüber nach – und wohin dies führt.

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Der dritte „Overlord“

Die ultimative Bedrohung geht von den fremdfinanzierten Private-Equity-Bossen aus.
Irv Ravitz (Tibor Feldman, in seiner Paraderolle), langjähriger Vorstandsvorsitzender der „Runway“-Muttergesellschaft Elias-Clarke, stirbt plötzlich. Das kommt einem bekannt vor! Sein verwöhnter und hochmütiger Sohn Jay Ravitz (B. J. Novak), ein lächerlicher, unkultivierter Versager in Sportkleidung, übernimmt den Medienkonzern.
Niemand mag ihn. Das ist ihm egal. Denn jeder muss ihm gehorchen.

Die beiden Protagonistinnen: Miranda Priestly (Meryl Streep) (links) und Andy Sachs (Anne Hathaway) in 20th Century Studios Film „Der Teufel trägt Prada 2“.

Foto: Macall Polay. © 2025 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Jay Ravitz engagiert sofort Berater von McKinsey, um das Unternehmen „umzustrukturieren“. Diese mit Klemmbrettern bewaffneten MBA-Manager – einer von ihnen prahlt selbstgefällig mit seiner Harvard-Ausbildung – schlagen drastische Budgetkürzungen, Personalabbau und eine Neuausrichtung auf „digital first“ vor. Auch das „Biest“ der Kostenoptimierung soll freigesetzt werden. Die Berater bedienen sich modischer Worthülsen, die mit der eigentlichen Realität kaum noch etwas zu tun haben.

Komplott mit dem Tech-Bro

Dass Miranda nun in der Economy Class fliegt, wird zum Running Gag. Unterdessen verkörpern die Berater jene seelenlose Effizienz, die schon ganze Medienimperien ausgehöhlt hat, ganz zu schweigen von Finanzunternehmen, Tierarztpraxen und sogar Bowlingbahnen.
B. J. Novak spielt Jay mit unerträglicher Selbstgerechtigkeit und macht ihn so zum perfekten Sündenbock der Antivetternwirtschaft- und Anticonsulting(berater)-Satire des Films.
Andy, die sich auf ihre journalistischen Ideale besinnt, tut sich mit Emily zusammen, um die Übernahme abzuwehren. Sie holen Emilys milliardenschweren Freund ins Boot, den von Justin Theroux verkörperten Benji Barnes – einen durchtrainierten, aber etwas schrägen Tech-Typen mit einem Bezos-ähnlichen Lachen, eitlen Prestigeprojekten und transhumanistischen Fantasien zur Cocktailstunde, wie wir etwa in Zukunft keine Hälse mehr brauchen würden.
Doch Verrat lauert. Emilys Allianz verbirgt nur ihre Rachegelüste. Miranda hatte sie einst ins Abseits gestellt – „Du bist keine Visionärin; du bist eine Verkäuferin“ – und sie zu Dior gedrängt. Emily will, dass Benji „Runway“ kauft, damit sie selbst auf dem Cover erscheint. Der Plan scheitert während eines hochkarätigen Modeevents in Italien, inklusive Judas-Symbolik und emotionaler Konfrontationen.

Die Rettung naht

Dann kommt die überraschende Rettung in Form von Banjis geschiedener Frau Sasha Barnes (Lucy Liu). Die wohlhabende, idealistische und altruistische Philanthropin überbietet Benji für die Mehrheitsbeteiligung und bewahrt ein Stück redaktionelle Seele unter einem wohlwollenderen Eigentümer. Es ist eine Fantasielösung, aber eine befriedigende, die den Figuren erlaubt, ihre Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen.
Auch bringen völlig neue Charaktere Würze ins Geschehen, wie Andys neuer Freund Peter, ein bodenständiger australischer Immobilienentwickler, gespielt von Patrick Brammall. Ihn beschäftigt, dass er in seinem Job bei der Sanierung älterer Wohnhäuser Schönheit und Geschichte zerstören muss. Dagegen kann er nichts tun – so verdient er seinen Lebensunterhalt –, aber zumindest bedauert er es. Dann gibt es noch einige Gastauftritte, unter anderem von Lady Gaga, die sich selbst spielt.

Mehr als eine seichte Komödie

Thematisch brilliert „Der Teufel trägt Prada 2“ als Unternehmenssatire. Er spießt auf, wie die Personalabteilung Arbeitsplätze infantilisiert hat, Werbekunden Inhalte diktieren, Private Equity die Kultur aushöhlt und mit Tabellenkalkulationen bewaffnete Berater tatsächliches Fachwissen zerstören.
Reale Parallelen finden sich überall: die Kämpfe von Condé Nast, „Vogues“ Pakt mit Milliardären, die „Washington Post“ unter der Herrschaft von Technologiekonzernen und mit Finanzierung durch die Pharmaindustrie oder die unzähligen Übernahmen kleiner Familienbetriebe. Denn das gilt ja nicht nur für die Medien, sondern auch für Sport, Medizin, Lebensmittel und jeden anderen Sektor. Wo sind Wahrheit und Schönheit geblieben?
Die aus der Nullzinspolitik geborene Finanzialisierung [Anm. d. Red.: alles in materielle Werte umzumünzen] hat den zivilisierten Handel in ein räuberisches Casino verwandelt, das sich nicht um Prinzipien, Schönheit, Anstand, Lebenserfahrung oder vernünftiges Handeln schert.
Miranda entwickelt sich von der reinen Schurkin zur bedrängten Hüterin der Exzellenz, die durch ihre Ehe und stille Entschuldigungen menschlicher wird. Andy wächst zu einer pragmatischen Idealistin heran.
Es ist kein revolutionäres Kino, aber in einer Ära des schwindenden Printsektors und des KI-Mülls ist seine Verteidigung von Handwerk, Schönheit und Unabhängigkeit hochaktuell. Letztlich hat mich der Film angesprochen und mir viele Momente herzlichen Lachens beschert – mit erfreulich wenigen unnötigen Vulgaritäten und moralischen Verwerfungen.
„Der Teufel trägt Prada 2“ ist ein glänzender Erfolg. Er erinnert daran, warum der erste Teil so gut war, und aktualisiert dessen Gesellschaftskritik für die Realitäten des Jahres 2026. Die Teufel haben neue Anzüge – HR-Lanyards (Schlüsselbänder der Personalabteilung), Präsentationsfolien und Privatjetlisten –, doch der Kampf um Wahrhaftigkeit bleibt. Der Film ist sehenswert wegen der Lacher, der Mode und der überraschend scharfsinnigen Kommentare.
Das, was jeder will.

Foto: © 2026 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Devil Wears Prada, Again“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)

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meinung

Kopfschmerzen: Was hilft, bevor die Tablette kommt


In Kürze:

  • Kopfschmerzen können vielerlei Ursachen haben. Ebenso vielfältig gestaltet sich die passende Behandlung.
  • Die wichtigste Überlegung ist deshalb nicht „Was nehme ich?“, sondern „Was für ein Kopfschmerz ist das überhaupt?“.
  • Schmerztabletten dürfen ihren Platz haben, sollten aber die Ausnahme und nicht die Regel sein.
  • Der Kopf ist kein defekter Apparat. Er ist ein empfindliches Warnsystem, das uns zuverlässig leitet, wenn wir darauf achten.

 
„Nimm Deutschland die Schmerzmittel weg und es wäre ein einziges Brüllhaus“, pflegte mein Großvater, seines Berufes Chirurg, zu sagen. Und in der Tat, der Griff zur Schmerztablette ist für Millionen Menschen mit Kopfschmerzen so selbstverständlich geworden wie der Griff zur Kaffeetasse. Das erscheint menschlich, schließlich will man seine Schmerzen loswerden.
Nur sollte man sich ab und zu daran erinnern, dass „frei verkäuflich“ nicht „harmlos“ bedeutet. Acetylsalicylsäure, vielen als Aspirin bekannt, kann den Magen reizen und Blutungen begünstigen. Diclofenac steht seit Jahren wegen möglicher Herz-Kreislauf-Risiken in der Diskussion. Paracetamol wirkt auf viele sanft, bis man die Leber fragt, was sie von Überdosierungen hält. Und Ibuprofen ist für manche zum Alltagsbegleiter geworden, als wären es Bonbons mit Beipackzettel.
Die Dimensionen sind beachtlich. Allein Ibuprofen kam zuletzt in Deutschland auf rund 48 Millionen verkaufte Packungen pro Jahr. Dies sind mehr als 130.000 Packungen pro Tag. Und das ist nur ein Wirkstoff.
Man fragt sich manchmal, ob überhaupt noch jemand ohne Schmerzen durchs Leben geht oder ob wir nur gelernt haben, jeden Warnhinweis des Körpers sofort chemisch zu eliminieren. Dabei ist die Tablette nicht automatisch der Feind, sondern der Automatismus ist es.

Erst einordnen, dann handeln

Kopfschmerzen sind kein einzelnes Problem. Sie sind ein Signal mit vielen möglichen Ursachen. Manchmal fehlt schlicht Wasser, manchmal ist der Nacken verspannt wie ein Brett oder der Blutzucker im Keller, manchmal kündigt sich eine Migräne an. Bei anderen Menschen ist gerade die häufige Einnahme von Schmerzmitteln Teil des Problems.
Die wichtigste Überlegung wäre deshalb nicht „Was nehme ich?“, sondern „Was für ein Kopfschmerz ist das überhaupt?“.
Spannungskopfschmerzen fühlen sich häufig dumpf und drückend an, oft beidseitig, manchmal wie ein zu enges Band um den Kopf. Sie kommen gern nach Bildschirmarbeit („flackerfreie Monitore“ wären gut), Stress, Schlafmangel, langem Sitzen, Zähneknirschen oder einer verspannten Nackenmuskulatur. Migräne dagegen ist oft stärker, pulsierend, einseitig, begleitet von Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit oder dem Bedürfnis, sich in einen dunklen Raum zurückzuziehen.
Natürlich gibt es Kopfschmerzen, bei denen man nicht experimentieren sollte. Plötzlich einschießender stärkster Kopfschmerz, Fieber, Nackensteifigkeit, Lähmungen, Sprachstörungen, Verwirrtheit, Kopfschmerzen nach einem Sturz oder ein völlig neues Kopfschmerzbild nach dem 50. Lebensjahr gehören abgeklärt.
Kopfschmerzen können viele Ursachen haben

Kopfschmerzen können viele Ursachen haben, unter anderem einen steifen Nacken.

Foto: kieferpix/iStock

Der 10-Minuten-Check

Bei den meisten alltäglichen Kopfschmerzen lohnt sich ein einfacher 10-Minuten-Check: Habe ich heute genug getrunken? Habe ich seit Stunden nichts Vernünftiges gegessen? Sitze ich seit dem Morgen vor dem Bildschirm? Ist der Nacken verspannt? Presse ich die Zähne zusammen? Kam der Schmerz nach Rotwein, Alkohol, Parfüm, Reinigungsmitteln, wenig Schlaf oder einem stressigen Gespräch? Ist Licht plötzlich unangenehm? Wird mir übel? Habe ich in den letzten Wochen auffallend oft Schmerzmittel genommen?
Diese Fragen wirken banal. In der Praxis erlebe ich aber sehr häufig, dass manche Patienten zum Beispiel den Zusammenhang zwischen ihren Kopfschmerzen und dem Rotwein oder Käse immer noch nicht erkennen. Dahinter können biogene Amine wie Histamin oder Tyramin stehen. Sie entstehen vor allem in gereiften, fermentierten oder länger gelagerten Lebensmitteln und können bei empfindlichen Menschen Gefäße, Nerven und Entzündungsbotenstoffe beeinflussen.
Ein weiterer unterschätzter Auslöser sitzt nicht im Kopf, sondern im Kiefer. Wer nachts die Zähne zusammenpresst oder knirscht, lässt Kaumuskulatur, Schläfenregion und Nacken die ganze Nacht arbeiten. Am Morgen meldet sich dann der Kopf – nicht weil dort zwingend die Ursache liegt, sondern weil der Kiefer das Nervensystem über Stunden gereizt hat.
Hier helfen keine großen Theorien, sondern Beobachtung: Druckschmerz an den Kaumuskeln, empfindliche Zähne, verspannte Schläfen, morgendliche Kopfschmerzen. Manchmal ist eine zahnärztliche Abklärung sinnvoll, manchmal helfen Kieferentspannung, Wärmeanwendungen, manuelle Behandlung (Massage, Osteopathie, Chiropraktik) oder schlicht das Bewusstsein, dass der Mund nachts nicht zum Schraubstock werden muss.

Was akut helfen kann

Bei Spannungskopfschmerzen sind einfache Maßnahmen oft erstaunlich wirksam: Wärme in den Nacken, sanfte Bewegung, Schultern lösen, Augen vom Bildschirm nehmen, frische Luft, ruhige Atmung.
Bei einem heißen, pulsierenden Kopf empfinden viele eher Kälte als angenehm: eine kühle Auflage auf Stirn oder Schläfen, Ruhe, Abdunkeln. Nicht jeder Kopfschmerz benötigt dasselbe. Ein verspannter Nacken verlangt oft Wärme, ein überreizter Migränekopf eher Abschirmung und Kühle.
Ein Klassiker, der deshalb in jede Hausapotheke gehört, ist Pfefferminzöl. Dünn auf Stirn und Schläfen aufgetragen – nicht in Augennähe –, kann es bei Spannungskopfschmerzen spürbar entlasten. Der kühlende Reiz wirkt nicht nur angenehm, er beeinflusst auch die Schmerzverarbeitung über die Haut und die Kälterezeptoren. Wer empfindliche Haut hat, testet vorsichtig.

Pfefferminzöl ist ein Klassiker und schneller Helfer bei Kopfschmerzen.

Foto: Madeleine_Steinbach/iStock

Auch Magnesium hat seinen Platz. Es ist zwar kein Schmerzmittel im klassischen Sinn, setzt aber eher dort an, wo Muskulatur und Nervensystem „übererregt“ sind. Bei Neigung zu Migräne, innerer Unruhe oder Krämpfen sowie Beschwerden vor der Regel oder hartnäckiger Nackenverspannung kann ein Versuch sinnvoll sein. Manche vertragen Magnesiumcitrat gut, andere eher Magnesiumglycinat. Äußerlich kann Magnesiumöl in Nacken und Schultern eingerieben werden, wenn die Haut es zulässt.
Der alte Hausmittelklassiker Kaffee mit Zitrone hat ebenfalls einen rationalen Kern. Koffein kann bei manchen Kopfschmerzen kurzfristig helfen, vor allem wenn es früh eingesetzt wird. Die Zitrone ist eher der traditionelle Begleiter als der pharmakologische Hauptdarsteller. Wer allerdings täglich viel Kaffee trinkt, kennt auch die Kehrseite: Kopfschmerzen durch Entzug, Überreizung oder unregelmäßigen Konsum.
In der Naturheilkunde gibt es sogar noch eine deutlich ungewöhnlichere Kaffeevariante, und zwar den Kaffeeeinlauf. Manche Patienten schwören darauf, besonders wenn Kopfschmerz mit „Verdauungsstau“, Völlegefühl oder Leber-Galle-Themen zusammenfällt. Ich würde daraus kein Allheilmittel machen, aber es erinnert daran, dass der Kopf oft nur der Ort ist, an dem sich ein größeres Regulationsproblem meldet.
Kaffee mit Zitrone ist ein alter Hausmittelklassiker bei Kopfschmerzen

Kaffee mit Zitrone ist ein alter Hausmittelklassiker bei Kopfschmerzen, hilft jedoch nicht jedem.

Foto: Ramann/iStock

Wenn die Kopfschmerzen wiederkommen

Bei wiederkehrender Migräne sollte man nicht erst aktiv werden, wenn der Kopf schon brennt. Dann ist das Nervensystem oft längst in Fahrt. Neben den klassischen Migränemitteln, die ihre Berechtigung haben können, lohnt sich die vorbeugende Ebene.
Riboflavin, also Vitamin B2, wird in Studien häufig hoch dosiert eingesetzt, oft mit 400 Milligramm täglich. Auch Coenzym Q10 und Magnesium werden in der Migräneprophylaxe diskutiert. Das sind zwar keine Akutmittel, aber Bausteine für Menschen, die immer wieder in dasselbe Muster rutschen.
Bei den Heilpflanzen ist Zurückhaltung klüger als Sammelleidenschaft. Es gibt eine ganze Reihe pflanzlicher Mittel, die bei Kopfschmerzen und Migräne infrage kommen können, und schon darüber ließe sich ein eigener Artikel schreiben.
Ingwer kann bei Übelkeit und beginnender Migräne hilfreich sein. Mutterkraut und Pestwurz werden eher zur Vorbeugung diskutiert, wobei Pestwurz nur als geprüftes, pyrrolizidinalkaloidfreies Präparat infrage kommt. Weidenrinde enthält salicylatähnliche Verbindungen und passt deshalb auch nicht zu jedem.

Ingwer kann bei Übelkeit und beginnender Migräne hilfreich sein, ist aber nicht für jede Person geeignet.

Foto: juefraphoto/iStock

Ähnlich verhält es sich mit Schüßler-Salzen und homöopathischen Mitteln. Auch hier erlebe ich in der Praxis immer wieder, dass Patienten mit dem passenden Mittel deutlich besser zurechtkommen, gerade wenn Kopfschmerzen nach bestimmten Mustern auftreten: nach Stress, bei Wetterwechsel, vor der Regel, nach Ärger, bei Erschöpfung oder mit ausgeprägter Nackenverspannung.
Entscheidend ist dabei das Wort „passend“. Wer wahllos Globuli oder Salze nimmt, was ich in der Praxis öfter erlebe, betreibt meist „Hoffnung mit Etikett“. Wer aber das Beschwerdebild in der Gesamtheit genau anschaut, findet hier manchmal erstaunlich einfache Hilfen.

Muster erkennen

Ein besonders wichtiger Punkt wird gern verdrängt: Schmerzmittel selbst können Kopfschmerzen unterhalten. Wer an zu vielen Tagen im Monat Schmerzmittel oder Migränemittel nimmt, riskiert einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch. Ausgerechnet das Mittel, das kurzfristig hilft, kann langfristig Teil des Problems werden. Das ist eigentlich alles bekannt, wird aber dennoch häufig ignoriert.
Ein Kopfschmerztagebuch wäre eine gute Idee. Notieren Sie für einige Wochen: Wann trat der Schmerz auf? Wie stark war er? Was haben Sie gegessen? Wie war der Schlaf? Gab es Stress, Alkohol, Wetterwechsel, Zyklusbezug, Duftstoffe, Bildschirmarbeit, Nackenverspannung? Welche Mittel wurden genommen? Erst wenn Muster sichtbar werden, kann man gezielter handeln.
Auch Akupunktur, Biofeedback, Entspannungsverfahren, Osteopathie oder manuelle Therapie können bei chronischen Kopfschmerzen sinnvoll sein, besonders wenn Spannung, Kiefer, Nacken, Stressregulation und vegetative Übererregung beteiligt sind. Man muss und sollte den Kopf nicht immer nur „chemisch“ ruhigstellen. Manchmal muss man dem ganzen System beibringen, wieder herunterzufahren.

Kopfschmerzen sind Hinweise

Kopfschmerzen sind lästig, manchmal quälend, selten willkommen. Aber sie sind vor allem Hinweise. Wer diese Hinweise beobachtet, erkennt oft die Zusammenhänge.
Die Tablette darf ihren Platz haben, sollte aber die Ausnahme und nicht die Regel sein. Denn der Kopf ist kein defekter Apparat. Er ist ein empfindliches Warnsystem. Und manchmal beginnt die beste Behandlung damit, ihm endlich zuzuhören und die entsprechenden Konsequenzen daraus abzuleiten.
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Unternehmer Walter Gunz: „Timmy hat mein Herz wieder aktiviert“

Mit einem Aufruf in der Epoch Times startete der Unternehmer und Media-Markt-Gründer Walter Gunz eine Rettungsaktion für den gestrandeten Buckelwal Timmy/Hope vor der Ostseeinsel Poel (Mecklenburg-Vorpommern).
Nun steht fest, dass der Buckelwal nur wenige Tage nach seiner Freilassung tot an die Küste der dänischen Insel Anholt gespült wurde. Die Todesursache ist unklar.
Wir sprachen mit Gunz über seine Sicht auf die umstrittene Freilassungsaktion am 2. Mai, von der die Rettungsinitiative ausgeschlossen wurde, und über seine Gefühle angesichts des Todes des Tieres.

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Wenn die Welt wankt: Lewis, Tolkien und die Suche nach Orientierung im Krieg

Mit tragischer Naivität sagte man einst, der Erste Weltkrieg – „Der Große Krieg“, wie er damals genannt wurde – würde alle Kriege beenden. Doch solange die Menschheit sowohl Waffen als auch Meinungsverschiedenheiten hat, solange Ehrgeiz, Grausamkeit, Gier und gerechter Zorn fortbestehen, werden weiterhin Kriege geführt werden.
Viele große Schriftsteller haben über das tragische Mysterium des Krieges nachgedacht, das mit der menschlichen Erfahrung und Geschichte verflochten ist. Einer von ihnen war der irische Schriftsteller und Literaturwissenschaftler C. S. Lewis, Autor der „Chroniken von Narnia“ und „The Screwtape Letters“.
Lewis durchlebte zwei Weltkriege. In seinen Werken erinnerte er seine Leser immer wieder daran, dass selbst im Schatten des Krieges ein Hoffnungsschimmer bestehen bleibt.

23. Juli 1944, Caen, Frankreich – Premierminister Winston Churchill (l.) besucht in Begleitung von General Bernard Montgomery (2. v. r.) und Miles Dempsey (Mitte), dem Kommandeur der 2. britischen Armee, die teilweise zerstörte französische Stadt in der Normandie. Das Foto entstand kurz nach der Einnahme der Stadt durch die Alliierten am D-Day.

Foto: STF/AFP via Getty Images

Eine Metapher in Romanform

Sein kurzer Briefroman „The Screwtape Letters“ (zu Deutsch: „Dienstanweisung für einen Unterteufel“) enthält ein Beispiel für dieses Stilmittel. Der Roman besteht aus einer fiktiven Sammlung von Briefen des höllischen Bürokraten und Oberdämons, Screwtape, an seinen Neffen und Teufelslehrling Wormwood. Dessen Lehraufgabe war es, die menschliche Seele zu ruinieren, die ihm zur Versuchung zugewiesen wurde.

Deutsche Schulkinder essen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Lebensmittelrationen. Das waren etwa 300 Kalorien pro Tag. Wetzlar, Deutschland, etwa zwischen 1945 und 1948.

Foto: European/FPG/Getty Images

Dieses geniale literarische Mittel erlaubte es Lewis, die menschliche Psychologie und Spiritualität aus einem einzigartigen Blickwinkel zu untersuchen, wobei er Galgenhumor neben übernatürlich tiefgründigen Erkenntnissen einfügte. Der Roman wirkt wie ein Fotonegativ von Lewis’ tatsächlichen spirituellen Ansichten. Alles, was Screwtape liebt, lehnt Lewis ab, und was Screwtape hasst oder wovon er abrät, bewundert und empfiehlt Lewis.

Ein Krieg ist ausgebrochen …

In Kapitel V erfahren die Leser, dass ein Krieg ausgebrochen ist. Die Briefe der „Dienstanweisung für einen Unterteufel“ erschienen erstmals 1941 als Fortsetzungsreihe im „Manchester Guardian“. Dieses Datum ist sehr wahrscheinlich als Anspielung auf den Zweiten Weltkrieg zu verstehen.
Lewis nutzt die Gelegenheit, um seinen Lesern indirekt Worte der Ermutigung für die Kriegszeit anzubieten – mittels Screwtapes Worten der Entmutigung an Wormwood. Lewis’ Kommentar zu den psychologischen und spirituellen Auswirkungen des Krieges bietet Weisheit, die auf jede Zeit militärischer Konflikte angewendet werden kann.
C. S. Lewis im Jahr 1957

C. S. Lewis (1898–1963), mit vollem Namen Clive Staples Lewis, ist für seine Fantasyromane „Die Chroniken von Narnia“ bekannt.

Foto: Gemeinfrei

In Screwtapes Brief an Wormwood anlässlich des Kriegsausbruchs tadelt dieser den unerfahrenen teuflischen Lehrling für seine Aufgeregtheit. Er schreibt:
„Es ist ein wenig enttäuschend, wenn man von Dir einen ausführlichen Arbeitsrapport erwartet und stattdessen solch eine verworrene Rhapsodie wie Deinen letzten Brief erhält. Du berichtest, Du seiest ‚rasend vor Freude‘ darüber, dass sich die Europäer in einen neuen Krieg gestürzt haben. Ich weiß aber nur zu gut, was mit Dir los ist. Du bist nicht ‚rasend‘, sondern Du bist ganz einfach ‚betrunken‘.“ [1]
Screwtape erklärt weiter, dass sich Wormwood von den Gezeiten der Angst und Fassungslosigkeit seines menschlichen Schützlings habe mitreißen lassen – weil menschliche Verzweiflung für einen Dämon wie der feinste Likör ist.
„Zum ersten Mal in Deiner Laufbahn durftest Du von jenem Wein kosten, der unserer Mühe und Arbeit Lohn ist – die Angst und die Verwirrung einer Menschenseele –, und dieser Wein ist Dir in den Kopf gestiegen“, ermahnt Screwtape [2].
Dann verspottet er Wormwood, während er sich die Szene vorstellt, als Wormwoods Mensch vom Krieg erfuhr: „Reagierte Dein Patient auf einige Deiner erschreckenden Zukunftsbilder? Hast Du ihn dazu gebracht, sich selbst zu bemitleiden, durch Vorspiegelung seiner glücklichen Vergangenheit? – Waren einige feine Stiche in der Magengegend mit dabei, oder? Du hast Deine Fiedel glänzend gespielt, nicht wahr?“ [3]
Kinder warten vor den Trümmern ihres ehemaligen Zuhauses in East London, 1940. Foto: Sue Wallace / CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Kinder warten vor den Trümmern ihres ehemaligen Zuhauses in East London, 1940.

Foto: Sue Wallace / CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Menschliches Durchhaltevermögen inmitten der Katastrophe

Warum züchtigt Screwtape Wormwood für seinen Enthusiasmus über den Krieg? Weil, wie der erfahrenere Dämon weiß, Krieg nicht notwendigerweise der Untergang der Menschheit ist, für den Wormwood ihn hält. „Inzwischen muss ich Dich dringend warnen, nicht zu viel Hoffnung auf den Krieg zu setzen!“, mahnt Screwtape [4]. Natürlich sagt Lewis seinen menschlichen Lesern damit eigentlich: Verzweifelt nicht angesichts der Aussicht auf Krieg. Fürchtet ihn nicht zu sehr.
Screwtape führt weiter aus, warum Krieg nicht immer zum Vorteil der höllischen Mächte gereicht:
„Gewiss, wir dürfen auf viel Grausamkeit und Unmenschlichkeit hoffen. Aber wenn wir nicht aufpassen, dann werden wir erleben, wie Tausende in dieser Prüfung sich dem Feinde zuwenden. Das Interesse aber von Zehntausenden, die vielleicht nicht so weit gehen, wird immerhin abgelenkt werden von ihrer eigenen Person auf Werte und Ideen, die sie für höher erachten als das eigene Ich.“ [5]
Hier stößt Lewis – durch die höhnische Stimme Screwtapes – auf eine große und bedeutende Wahrheit: Krieg bringt das Schlechteste in der Menschheit hervor, aber er bringt auch das Beste hervor. Er reißt die Menschen aus sich selbst heraus, weckt sie aus dem Schlummer eigennütziger Bequemlichkeit und lenkt ihre Aufmerksamkeit auf die wichtigsten Themen: Leben, Tod, Mut, Opferbereitschaft, Patriotismus, Gut und Böse und dass es sich dafür zu sterben lohnt. Wie Screwtape klagt: „Und wie verheerend ist für uns das dauernde Wissen um die Todesnähe, das der Krieg den Menschen aufzwingt. Eine unserer besten Waffen, die sich selbst genügende Weltliebe, ist nun wertlos.“ [6]

Der Krieg als Prüfstein des Menschen

Zeiten der Not – ob Krieg oder andere Katastrophen – zwingen uns, uns mit harten Wahrheiten auseinanderzusetzen, doch wir gehen daraus oft gestärkt hervor. Wie Sokrates sagt: „Ein Leben ohne Prüfung ist für den Menschen nicht lebenswert.“ [7] Kaum etwas zwingt uns so sehr dazu, unser Leben und seine Bedeutung – sowohl gut zu leben als auch gut zu sterben – zu hinterfragen, wie der Krieg. Unter dem Druck schrecklicher Umstände tritt die Wahrheit dessen, wer wir sind, deutlich hervor. Erst dann entsteht die Möglichkeit für echten Mut und wahres Heldentum.
Wenn die Welt dunkler wird, leuchten die vorhandenen Lichter umso heller. Und wenn ungewisse Zukunftsszenarien drohen, wird deutlicher, was wirklich zählt – und wie wertvoll die Menschen und Werte sind, an denen wir festhalten und für die wir einzustehen bereit sind. Diese Erkenntnis ist für sich genommen bereits ein Geschenk.

Inspiration aus Mittelerde

Einer von Lewis’ engen Freunden verstand dies gut. J.R.R. Tolkien, ein weiterer Überlebender von Krieg und Kampf, schuf eine wunderschöne Reflexion über schwere Zeiten. Er schrieb im ersten Teil der Herr-der-Ringe-Trilogie „Die Gefährten“: „Freilich ist die Welt voller Fährnisse und finsterer Orte; doch noch immer ist viel Schönes lebendig, und wenn auch die Liebe in allen Landen nun mit Leid vermengt ist, wird sie deshalb vielleicht umso größer.“ [8]
Diesen Worten lässt sich kaum etwas hinzufügen – sie klingen so rein, getragen von der ganzen Qual und Hoffnung einer ringenden Menschheit. Lewis und Tolkien, denen der Krieg nicht fremd war, wussten, wie sich selbst in den dunkelsten Zeiten Licht und Hoffnung finden lassen.
Eine kolorierte Fotografie von Tolkien aus den 1940er-Jahren. Foto: TuckerFTW, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Eine kolorierte Fotografie von Tolkien aus den 1940er-Jahren.

Foto: TuckerFTW, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Quellen:
[1] C. S. Lewis: „Dienstanweisung für einen Unterteufel“. Verlag Herder, 2015, S. 40
[2] ebenda, S. 40
[3] ebenda, S. 41
[4] ebenda, S. 42
[5] ebenda, S. 43
[6] ebenda, S. 44
[7] Platon: Apologie des Sokrates, Kriton. Reclam, Stuttgart 1987, S. 33.
[8] J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Erster Teil: Die Gefährten. Klett-Cotta, 2013, S. 522.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Lewis and Tolkien on War and Hope in Hard Times“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)