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Der Mut zur Endlichkeit – und zur Fülle des Lebens

Im Jahr 399 v. Chr. trat ein betagter Mann vor die Geschworenen des Heliaia, des obersten Gerichts Athens. Ihm wurden Gottlosigkeit und die Verführung der Jugend vorgeworfen. Der etwa 70-jährige Angeklagte beteuerte seine Unschuld. Sein einziges „Vergehen“, so erklärte er, bestehe darin, dass er aufgezeigt habe, dass die angesehensten Männer Athens in Wahrheit töricht seien, „während manche weniger angesehene Männer tatsächlich weiser und tugendhafter waren“.
Die Anklage sah die Todesstrafe vor. Dennoch machte der Angeklagte unmissverständlich klar, dass er weder den Prozess noch den Tod fürchtete, schließlich hatte er bereits die Schlachten von Potidaia, Delion und Amphipolis überlebt. Ebenso wenig war er bereit, sich selbst oder Athen zu erniedrigen, indem er vor den Geschworenen um Gnade flehte, um seinen Hauptankläger Meletos zu besänftigen. Es widerspräche jeder Vernunft, die Wahrheit zu verleugnen, nur um das eigene Leben zu retten, erklärte er.
„Ich habe Männer von großem Ansehen gesehen, die sich nach ihrer Verurteilung auf die sonderbarste Weise verhielten“, sagte Sokrates zu den Geschworenen. „Sie schienen zu glauben, dass ihnen mit dem Tod etwas Schreckliches widerfahren werde – und als könnten sie unsterblich werden, wenn ihr sie nur am Leben ließt.“
Auch heute noch lesen wir Platons „Apologie“, in der diese Szene festgehalten ist und die in unzähligen Einführungskursen in der westlichen Philosophie behandelt wird. Meine Nichte, die an der University of Wisconsin im US-Bundesstaat Milwaukee studiert, brachte den Text kürzlich in den Osterferien mit nach Hause.
Es gibt zahlreiche Gründe, warum dieses Werk bis heute Bestand hat. Es ist kurz und es ist von großer historischer Bedeutung. Zudem wirft es grundlegende Fragen zur moralischen Integrität im Angesicht von Macht auf. Doch seine anhaltende Faszination beruht auf einer noch viel tiefgehenderen Frage: Wie sollten Menschen dem Tod begegnen?
Der Tod ist gewiss. Wir werden geliebte Menschen verlieren und auch wir selbst werden sterben. Ob mit dem Tod das Bewusstsein endet oder ob er „nichts weiter als ein Wandel des Geistes“ ist, um eine Formulierung von James Madison aufzugreifen, bleibt zumindest den Lebenden unbekannt. Er ist das „unentdeckte Land“, wie William Shakespeare schrieb, „aus des Bezirk kein Wandrer wiederkehrt“.
Diese Worte stammen aus „Hamlet“, dem wohl größten jemals geschriebenen Theaterstück. Der Tod ist sein zentrales Thema. Das Drama beginnt, als der Prinz von Dänemark vom Geist seines Vaters heimgesucht wird. Dieser offenbart ihm, dass er von seinem Bruder ermordet wurde. Damit setzt er eine Kette von Ereignissen in Gang, die schließlich zum Tod aller Hauptfiguren führt.
Shakespeare griff das Thema Tod immer wieder auf, unter anderem in Werken wie „Macbeth“ und „Romeo und Julia“. Mit dieser Thematik stand er keineswegs allein da.
„Menschliche Geschichten“, so stellte J. R. R. Tolkien fest, „drehen sich doch praktisch immer um ein und dasselbe, nicht wahr? Um den Tod.“
Tolkien hatte Recht. Die größten Geschichten aller Zeiten drehen sich um den Tod, darum, wie Menschen ihm begegnen oder mit Verlust umgehen.
In „Braveheart“ greift William Wallace nach der Ermordung seiner Frau durch einen englischen Soldaten zu den Waffen und stellt sich an die Spitze des schottischen Widerstands. In „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ riskiert Éowyn ihr Leben, um den Hexenkönig zu töten, nachdem ihr Onkel Théoden gefallen ist. Und in „Wonder Woman“ opfert Steve Trevor sein Leben, indem er ein mit Giftgas beladenes Flugzeug fortsteuert und zahllose andere rettet.
Die Erkenntnis aus diesen Geschichten ist eindeutig: Wenn Menschen aufhören, den Tod zu fürchten, sind sie zu Außergewöhnlichem fähig. Dennoch ist die Angst vor dem Tod weitverbreitet.
Viele halten diese Furcht für ganz natürlich. Sokrates widersprach jedoch. Er bezeichnete die Todesfurcht als „den Schein der Weisheit“ und merkte an: „Aber die Menschen fürchten den Tod, als wüssten sie gewiss, dass er das größte Übel sei, dabei weiß ja niemand, ob nicht der Tod das größte Gut für den Menschen ist.“
Sokrates hat aus unseren Geschichten dieselbe Lehre gezogen: „Wenn wir keine Angst mehr vor dem Tod haben, können wir unser Leben in vollen Zügen genießen.“ Er war jedoch nicht der einzige Lehrmeister, der diese Wahrheit erkannt hat.
„Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren“, so Jesus von Nazareth im Evangelium nach Matthäus.
Die Auffassung, dass wir erst dann ein erfülltes Leben führen können, wenn wir den Tod akzeptieren, taucht auch in anderen religiösen Texten auf und findet sich zudem in modernen Filmen wieder. So bildet sie die Prämisse von David Finchers Psychothriller „The Game – Das Geschenk seines Lebens“ aus dem Jahr 1997 mit Michael Douglas und Sean Penn in den Hauptrollen. Der Film endet damit, dass der wohlhabende, aber isolierte Investmentbanker Nicholas Van Orton (Douglas) wiedergeboren wird, als er glaubt, sein Leben zu verlieren.
Ward Farnsworth, Dekan der juristischen Fakultät der University of Texas, stellt in seinem Buch „The Practicing Stoic“ fest, dass die Überwindung der Angst vor dem Tod ein zentrales Ziel der stoischen Philosophie war.
„Eher auf den Tod als auf das Leben müssen wir uns vorbereiten“, schrieb auch Seneca in „Briefe an Lucilius“, Brief 61,2.
In der griechischen Tradition war die Art und Weise, wie man dem Tod begegnete, von so großer Bedeutung, dass viele glaubten, das Leben eines Menschen könne erst nach dessen Tod beurteilt werden. Im 16. Jahrhundert berichtete Montaigne von einer Anekdote über den thebanischen Feldherrn Epaminondas (4. Jahrhundert v. Chr.). Dieser wurde gefragt, wen man höher schätzen solle: ihn selbst oder die athenischen Feldherren Chabrias und Iphikrates.
„Ihr müsst uns erst sterben sehen, bevor ihr euch entscheidet“, erwiderte Epaminondas.
Einer modernen Leserschaft erscheint dieser Fokus auf den Tod vielleicht seltsam. Doch die Menschen der Antike wussten, dass die Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit unverzichtbar ist, um ein erfülltes Leben zu führen.
Im modernen Leben vergisst man das jedoch leicht. Der durch den Kapitalismus geschaffene Wohlstand – eine höhere Lebenserwartung, fortschrittliche Medizin, Nahrungsmittel im Überfluss und materieller Komfort – hat uns von der Unmittelbarkeit des Todes entfernt. Zweifellos sind das Errungenschaften, die es zu feiern gilt. Doch sie machen es auch leichter, sich vor der Realität des Todes zu verstecken. Dieses Problem wird durch kulturelle Trends, die den Tod eher in Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen als in das eigene Zuhause verlagern, noch verschärft.
„Die Sterblichkeit bleibt eine unausweichliche Tatsache“, stellte der Filmemacher Caylan Ford fest, „aber sie wurde gezähmt, entschärft und an den Rand unseres Bewusstseins verbannt.“
Diesem Trend sollte man kritisch begegnen. Die Anerkennung der Sterblichkeit befreit uns und prägt unsere Werte. Wenn wir die Unausweichlichkeit des Todes anerkennen und lernen, ihn nicht zu fürchten, können wir ein erfüllteres Leben führen.
Kaum jemand verdeutlicht dies besser als Sokrates.
Trotz einer überzeugenden Verteidigung, in der dargelegt wurde, dass er weder gotteslästerlich noch ein Verderber der Jugend war, befand ihn das Gericht für schuldig und lehnte sein Angebot, eine Geldstrafe zu zahlen, ab. Da er zu alt war, um ins Exil zu gehen, nahm Sokrates sein Todesurteil unerschrocken hin.
Manch einer würde es als tragisches Ende bezeichnen – und das war es auch. Aber es war zugleich mutig und inspirierend. Deshalb lesen und diskutieren wir es noch heute, fast 2.500 Jahre später.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Courage to Face Death—and Live Fully“. (redaktionelle Bearbeitung: ee)
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Wenn die Welt wankt: Lewis, Tolkien und die Suche nach Orientierung im Krieg

Mit tragischer Naivität sagte man einst, der Erste Weltkrieg – „Der Große Krieg“, wie er damals genannt wurde – würde alle Kriege beenden. Doch solange die Menschheit sowohl Waffen als auch Meinungsverschiedenheiten hat, solange Ehrgeiz, Grausamkeit, Gier und gerechter Zorn fortbestehen, werden weiterhin Kriege geführt werden.
Viele große Schriftsteller haben über das tragische Mysterium des Krieges nachgedacht, das mit der menschlichen Erfahrung und Geschichte verflochten ist. Einer von ihnen war der irische Schriftsteller und Literaturwissenschaftler C. S. Lewis, Autor der „Chroniken von Narnia“ und „The Screwtape Letters“.
Lewis durchlebte zwei Weltkriege. In seinen Werken erinnerte er seine Leser immer wieder daran, dass selbst im Schatten des Krieges ein Hoffnungsschimmer bestehen bleibt.

23. Juli 1944, Caen, Frankreich – Premierminister Winston Churchill (l.) besucht in Begleitung von General Bernard Montgomery (2. v. r.) und Miles Dempsey (Mitte), dem Kommandeur der 2. britischen Armee, die teilweise zerstörte französische Stadt in der Normandie. Das Foto entstand kurz nach der Einnahme der Stadt durch die Alliierten am D-Day.

Foto: STF/AFP via Getty Images

Eine Metapher in Romanform

Sein kurzer Briefroman „The Screwtape Letters“ (zu Deutsch: „Dienstanweisung für einen Unterteufel“) enthält ein Beispiel für dieses Stilmittel. Der Roman besteht aus einer fiktiven Sammlung von Briefen des höllischen Bürokraten und Oberdämons, Screwtape, an seinen Neffen und Teufelslehrling Wormwood. Dessen Lehraufgabe war es, die menschliche Seele zu ruinieren, die ihm zur Versuchung zugewiesen wurde.

Deutsche Schulkinder essen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Lebensmittelrationen. Das waren etwa 300 Kalorien pro Tag. Wetzlar, Deutschland, etwa zwischen 1945 und 1948.

Foto: European/FPG/Getty Images

Dieses geniale literarische Mittel erlaubte es Lewis, die menschliche Psychologie und Spiritualität aus einem einzigartigen Blickwinkel zu untersuchen, wobei er Galgenhumor neben übernatürlich tiefgründigen Erkenntnissen einfügte. Der Roman wirkt wie ein Fotonegativ von Lewis’ tatsächlichen spirituellen Ansichten. Alles, was Screwtape liebt, lehnt Lewis ab, und was Screwtape hasst oder wovon er abrät, bewundert und empfiehlt Lewis.

Ein Krieg ist ausgebrochen …

In Kapitel V erfahren die Leser, dass ein Krieg ausgebrochen ist. Die Briefe der „Dienstanweisung für einen Unterteufel“ erschienen erstmals 1941 als Fortsetzungsreihe im „Manchester Guardian“. Dieses Datum ist sehr wahrscheinlich als Anspielung auf den Zweiten Weltkrieg zu verstehen.
Lewis nutzt die Gelegenheit, um seinen Lesern indirekt Worte der Ermutigung für die Kriegszeit anzubieten – mittels Screwtapes Worten der Entmutigung an Wormwood. Lewis’ Kommentar zu den psychologischen und spirituellen Auswirkungen des Krieges bietet Weisheit, die auf jede Zeit militärischer Konflikte angewendet werden kann.
C. S. Lewis im Jahr 1957

C. S. Lewis (1898–1963), mit vollem Namen Clive Staples Lewis, ist für seine Fantasyromane „Die Chroniken von Narnia“ bekannt.

Foto: Gemeinfrei

In Screwtapes Brief an Wormwood anlässlich des Kriegsausbruchs tadelt dieser den unerfahrenen teuflischen Lehrling für seine Aufgeregtheit. Er schreibt:
„Es ist ein wenig enttäuschend, wenn man von Dir einen ausführlichen Arbeitsrapport erwartet und stattdessen solch eine verworrene Rhapsodie wie Deinen letzten Brief erhält. Du berichtest, Du seiest ‚rasend vor Freude‘ darüber, dass sich die Europäer in einen neuen Krieg gestürzt haben. Ich weiß aber nur zu gut, was mit Dir los ist. Du bist nicht ‚rasend‘, sondern Du bist ganz einfach ‚betrunken‘.“ [1]
Screwtape erklärt weiter, dass sich Wormwood von den Gezeiten der Angst und Fassungslosigkeit seines menschlichen Schützlings habe mitreißen lassen – weil menschliche Verzweiflung für einen Dämon wie der feinste Likör ist.
„Zum ersten Mal in Deiner Laufbahn durftest Du von jenem Wein kosten, der unserer Mühe und Arbeit Lohn ist – die Angst und die Verwirrung einer Menschenseele –, und dieser Wein ist Dir in den Kopf gestiegen“, ermahnt Screwtape [2].
Dann verspottet er Wormwood, während er sich die Szene vorstellt, als Wormwoods Mensch vom Krieg erfuhr: „Reagierte Dein Patient auf einige Deiner erschreckenden Zukunftsbilder? Hast Du ihn dazu gebracht, sich selbst zu bemitleiden, durch Vorspiegelung seiner glücklichen Vergangenheit? – Waren einige feine Stiche in der Magengegend mit dabei, oder? Du hast Deine Fiedel glänzend gespielt, nicht wahr?“ [3]
Kinder warten vor den Trümmern ihres ehemaligen Zuhauses in East London, 1940. Foto: Sue Wallace / CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Kinder warten vor den Trümmern ihres ehemaligen Zuhauses in East London, 1940.

Foto: Sue Wallace / CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Menschliches Durchhaltevermögen inmitten der Katastrophe

Warum züchtigt Screwtape Wormwood für seinen Enthusiasmus über den Krieg? Weil, wie der erfahrenere Dämon weiß, Krieg nicht notwendigerweise der Untergang der Menschheit ist, für den Wormwood ihn hält. „Inzwischen muss ich Dich dringend warnen, nicht zu viel Hoffnung auf den Krieg zu setzen!“, mahnt Screwtape [4]. Natürlich sagt Lewis seinen menschlichen Lesern damit eigentlich: Verzweifelt nicht angesichts der Aussicht auf Krieg. Fürchtet ihn nicht zu sehr.
Screwtape führt weiter aus, warum Krieg nicht immer zum Vorteil der höllischen Mächte gereicht:
„Gewiss, wir dürfen auf viel Grausamkeit und Unmenschlichkeit hoffen. Aber wenn wir nicht aufpassen, dann werden wir erleben, wie Tausende in dieser Prüfung sich dem Feinde zuwenden. Das Interesse aber von Zehntausenden, die vielleicht nicht so weit gehen, wird immerhin abgelenkt werden von ihrer eigenen Person auf Werte und Ideen, die sie für höher erachten als das eigene Ich.“ [5]
Hier stößt Lewis – durch die höhnische Stimme Screwtapes – auf eine große und bedeutende Wahrheit: Krieg bringt das Schlechteste in der Menschheit hervor, aber er bringt auch das Beste hervor. Er reißt die Menschen aus sich selbst heraus, weckt sie aus dem Schlummer eigennütziger Bequemlichkeit und lenkt ihre Aufmerksamkeit auf die wichtigsten Themen: Leben, Tod, Mut, Opferbereitschaft, Patriotismus, Gut und Böse und dass es sich dafür zu sterben lohnt. Wie Screwtape klagt: „Und wie verheerend ist für uns das dauernde Wissen um die Todesnähe, das der Krieg den Menschen aufzwingt. Eine unserer besten Waffen, die sich selbst genügende Weltliebe, ist nun wertlos.“ [6]

Der Krieg als Prüfstein des Menschen

Zeiten der Not – ob Krieg oder andere Katastrophen – zwingen uns, uns mit harten Wahrheiten auseinanderzusetzen, doch wir gehen daraus oft gestärkt hervor. Wie Sokrates sagt: „Ein Leben ohne Prüfung ist für den Menschen nicht lebenswert.“ [7] Kaum etwas zwingt uns so sehr dazu, unser Leben und seine Bedeutung – sowohl gut zu leben als auch gut zu sterben – zu hinterfragen, wie der Krieg. Unter dem Druck schrecklicher Umstände tritt die Wahrheit dessen, wer wir sind, deutlich hervor. Erst dann entsteht die Möglichkeit für echten Mut und wahres Heldentum.
Wenn die Welt dunkler wird, leuchten die vorhandenen Lichter umso heller. Und wenn ungewisse Zukunftsszenarien drohen, wird deutlicher, was wirklich zählt – und wie wertvoll die Menschen und Werte sind, an denen wir festhalten und für die wir einzustehen bereit sind. Diese Erkenntnis ist für sich genommen bereits ein Geschenk.

Inspiration aus Mittelerde

Einer von Lewis’ engen Freunden verstand dies gut. J.R.R. Tolkien, ein weiterer Überlebender von Krieg und Kampf, schuf eine wunderschöne Reflexion über schwere Zeiten. Er schrieb im ersten Teil der Herr-der-Ringe-Trilogie „Die Gefährten“: „Freilich ist die Welt voller Fährnisse und finsterer Orte; doch noch immer ist viel Schönes lebendig, und wenn auch die Liebe in allen Landen nun mit Leid vermengt ist, wird sie deshalb vielleicht umso größer.“ [8]
Diesen Worten lässt sich kaum etwas hinzufügen – sie klingen so rein, getragen von der ganzen Qual und Hoffnung einer ringenden Menschheit. Lewis und Tolkien, denen der Krieg nicht fremd war, wussten, wie sich selbst in den dunkelsten Zeiten Licht und Hoffnung finden lassen.
Eine kolorierte Fotografie von Tolkien aus den 1940er-Jahren. Foto: TuckerFTW, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Eine kolorierte Fotografie von Tolkien aus den 1940er-Jahren.

Foto: TuckerFTW, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Quellen:
[1] C. S. Lewis: „Dienstanweisung für einen Unterteufel“. Verlag Herder, 2015, S. 40
[2] ebenda, S. 40
[3] ebenda, S. 41
[4] ebenda, S. 42
[5] ebenda, S. 43
[6] ebenda, S. 44
[7] Platon: Apologie des Sokrates, Kriton. Reclam, Stuttgart 1987, S. 33.
[8] J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Erster Teil: Die Gefährten. Klett-Cotta, 2013, S. 522.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Lewis and Tolkien on War and Hope in Hard Times“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Nicht Smaug, aber dennoch majestätisch: Wie ein kleiner Jadedrache unsere Fantasie beflügelt

In den endlosen, stürmischen Ebenen der Inneren Mongolei, wo der Wind wie ein übereifriger Chor heult, der dringend einen Dirigenten braucht, und die Sonne mit dem Taktgefühl eines wütenden Verkehrspolizisten herabbrennt, machte eine Gruppe chinesischer Archäologen eine Entdeckung, die selbst den abgebrühtesten Experten hastig nach seinem Monokel greifen lassen würde.
Am 22. September 2024 – übrigens der Geburtstag von Bilbo und Frodo Beutlin – fanden sie ihn, eingebettet in der ausgedörrten Erde: den größten Jadeschlangendrache, der je aus der Hongshan-Kultur (circa 4700–2900 v. Chr.) ausgegraben wurde. Ein Fund, der das archäologische Äquivalent zur Entdeckung des Grabes von Tutanchamun zu sein versprach – wenn Tutanchamun nur 15 Zentimeter groß gewesen und aus glänzendem grünem Stein geschnitzt worden wäre.

Ein Jadedrache

Bevor wir nun über einen Feuer speienden Koloss fantasieren, der durch das alte China tobt, sollte eines klargestellt werden: Es handelte sich hierbei nicht um einen monströsen Smaug oder eine andere Schreckensgestalt aus Tolkiens Geschichten.
Vielmehr ähnelte er einem Gegenstand, den man als dekorativen Briefbeschwerer verwenden könnte.
Mit einer Länge von nur 15,8 Zentimetern war er weniger ein „Drache der Apokalypse“ als vielmehr ein „Schmuckstück für den anspruchsvollen Jade-Liebhaber“.
Doch für etwas, das in die Handfläche passte, war dieser Drache alles andere als gewöhnlich: Seine filigranen Schuppen waren so akribisch geschnitzt, dass es fast so wirkte, als würde er aus der Vitrine gleiten und sich auf den nächsten Stapel historischer Aufzeichnungen stürzen.
Und auch wenn er nicht dafür ausgerüstet war, einen Goldschatz zu bewachen, hätte er vielleicht eine besonders wertvolle Flaschenkapsel schützen können.

Die Verehrung von Drachen in China

Diese kleine Jadefigur symbolisiert Macht, kosmische Ordnung und all die anderen großen Begriffe, die Wissenschaftler gerne auf Konferenzen in den Raum werfen, um ihre Forschungsstipendien zu rechtfertigen.
Im alten China wurden Drachen als Kaiser des Tierreichs verehrt – eine Stellung, die für die Ochsen, die sich auf den Feldern abrackerten, wohl ziemlich ernüchternd gewesen sein muss.
Man kann sich vorstellen, wie die Ochsen neidische Blicke gen Himmel warfen und davon träumten, Flügel zu bekommen, ihre Pflüge aufzugeben und eine ehrwürdigere Karriere als Wächter des Himmels einzuschlagen.

Legende oder Überlieferung?

Aber woher kommen Drachen eigentlich?
Manche behaupten, der Mythos der Drachen sei durch die Entdeckung von Dinosaurierknochen entstanden. Die Menschen vor Jahrtausenden waren von den kolossalen Skeletten verwirrt und kamen zu dem Schluss, dass der Name „Riesenechse“ zu langweilig sei. Sie entschieden sich für etwas mit mehr Flair.
Andere wiederum spekulieren, dass der Drache eine Art kultureller Rorschach-Test ist, der die kollektiven Ängste und Fantasien der Menschheit widerspiegelt: ein bisschen Schlange hier, eine Prise Adler dort – und schon hat man ein vollwertiges Fabelwesen.
Was auch immer der Grund sein mag: Seit Jahrtausenden schweben Drachen durch unser kollektives Bewusstsein wie Möwen vor einer turbulenten Fischbude am Meer und sorgen überall, wo sie auftauchen, für Unruhe.
Von den wohlwollenden Wasserdrachen Chinas, die für Regen auf den Feldern und gelegentlich für einen unwillkommenen Schauer auf der Wäsche des Kaisers sorgen, bis zu den goldhortenden Ungeheuern der europäischen Fabelwelt – diese Kreaturen haben schon alles erlebt.

Symbole der Macht oder des Chaos?

So steht der Jadedrache also in seiner Museumsvitrine, blickt mit einem Ausdruck vager Verwirrung in die Welt hinaus und zeugt von der anhaltenden Faszination der Menschheit für diese Fabelwesen. Sind sie Symbole der Macht und des Schutzes oder stehen sie für das Chaos und die Unberechenbarkeit der Natur?
Eines ist sicher: Ob sie nun Gold horten oder Regen bringen – Drachen üben nach wie vor eine große Faszination auf uns aus.
Solange es also Archäologen gibt, die bereit sind, den sengenden und staubigen Ebenen der Inneren Mongolei zu trotzen – bewaffnet mit kaum mehr als einer Kelle und einem leicht überhöhten Selbstbewusstsein –, wird die Faszination für diese Fabelwesen weiterbestehen.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Not Smaug, But Still Majestic: Mini Jade Dragon Unlocks Our Imaginations“. (redaktionelle Bearbeitung: ee)