Väter haben die einzigartige Möglichkeit, ihren Töchtern zu mehr Selbstvertrauen und Widerstandsfähigkeit zu verhelfen. - Foto: Illustration von Rae Li für The Epoch Times
Mein Vater Michael erinnert sich daran, wie meine Schwestern – seine beiden Töchter – noch klein waren und es liebten, „bunte, glitzernde Sachen“ zu tragen. Die pure Freude, die sie an ihren albernen, zusammengewürfelten Outfits aus Kronen, Tutus und Halsketten hatten, hat ihn damals berührt und ist ihm heute, rund 30 Jahre später, noch immer in Erinnerung.
„Sie hatten keine Ahnung von gutem Geschmack. Manchmal sahen sie einfach lächerlich aus“, erzählte Michael der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times. „Aber sie hatten die unverfälschte Freude, eine Prinzessin zu sein. Ich hatte das Gefühl, es sei meine Aufgabe – eine leichte Aufgabe –, sie in diesem Selbstwertgefühl zu bestätigen.“
Er fügte hinzu: „Ich glaube, Väter können das für ihre Töchter tun, nicht nur, wenn sie verrückte Kostüme tragen, sondern immer – besonders dann, wenn das Leben schwer wird, was sicherlich irgendwann der Fall sein wird.“
Diese Bewunderung und stille Bestätigung ist eines der wichtigsten Geschenke, die ein Vater seiner Tochter machen kann.
„Kleine Mädchen, die von ihren Vätern bewundert werden, gehen mehr Risiken ein, sind abenteuerlustiger und haben mehr Selbstvertrauen in der Welt“, sagte Erica Komisar, Psychoanalytikerin, Erziehungscoach und Autorin, in einem Interview mit Epoch Times. „Als Vater haben Sie durch Ihre Bewunderung viel Einfluss.“
Mädchen, die ohne die beständige, bestätigende Präsenz eines Vaters aufwachsen, leiden unter vielen negativen Folgen. Es ist mittlerweile eine tragische und altbekannte Litanei, was Statistiken der US-Organisation National Fatherhood Initiative zum Thema Vaterlosigkeit besagen: Mädchen, die in einem Elternhaus ohne Vater aufwachsen, werden siebenmal häufiger als Teenager schwanger; Kinder aus vaterlosen Familien brechen doppelt so häufig die Schule ab und leiden doppelt so häufig an Fettleibigkeit.
„Die Forschungsergebnisse sind erdrückend“, sagte der klinische Psychologe, Erziehungsexperte und Autor Ray Guarendi gegenüber Epoch Times. „Eine liebevolle, engagierte Mutter und ein liebevoller, engagierter Vater in einer festen Beziehung sind die beste Grundlage für die Erziehung eines Kindes.“
Laut Guarendi führt diese Konstellation in jeder Hinsicht zu besseren Ergebnissen, darunter weniger Depressionen, Ängste, Drogenkonsum und Alkoholismus sowie bessere schulische Leistungen, ein positiveres Selbstbild und bessere soziale Beziehungen.
Wie wir mit der Zeit und dank weiterer Forschung immer besser verstehen, geben engagierte Väter ihren Töchtern etwas Unersetzliches, das sie auf ein erfolgreiches Leben vorbereitet.
Zu den wichtigsten Aufgaben eines Vaters gehört es, seinen Töchtern gesundes männliches Verhalten und gesunde Beziehungen zwischen Männern und Frauen vorzuleben.
„Ein Vater kann seinen Töchtern zeigen, wie ein guter Mann seine Frau behandelt“, sagte Guarendi. „Man kann noch einen Schritt weiter gehen: Nur Väter können einer Tochter zeigen, wie ein Mann – ein guter Mann – Frauen behandelt.“ Das fürsorgliche, respektvolle, liebevolle und beschützende Verhalten des Vaters gegenüber dem kleinen Mädchen und seiner Mutter verankert wichtige Prägungsmuster im Geist und Herzen des Mädchens. Sie fühlt sich nicht nur sicher und geborgen, sondern entwickelt auch gesunde Erwartungen an spätere Beziehungen.
Dr. William Sears, Autor zahlreicher Erziehungsratgeber, wandte sich in einem Interview mit der Epoch Times direkt an die Väter. Der Kinderarzt sagte: „Seien Sie ein Vorbild für Männlichkeit. Sie sind das Vorbild für den Ehemann, den Sie sich für sie wünschen.“
Wenn Ihre Tochter Ihnen eines Tages sagt: „Ich möchte einen Mann heiraten wie den, den Mama geheiratet hat“, dann ist das laut Sears ein Erfolg.
In einer gesunden Familie ist der Vater die erste große Liebe eines kleinen Mädchens. Wie Komisar erklärte, werden Väter für Mädchen im Alter von etwa drei Jahren zum ersten „Liebesobjekt“ – die Mädchen projizieren dann ihr Interesse und ihre Vorstellung von Männlichkeit auf den Vater.
Dies ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des kleinen Mädchens, wenn es beginnt, sich von seiner Mutter abzugrenzen. Diese erste Verlagerung von der Mutter zum Vater wird in Komisars Worten „zum Vorbild für zukünftige vertrauensvolle, liebevolle und intime romantische Beziehungen“.
Doch Papa bietet nicht nur ein Vorbild für Beziehungen zwischen Mann und Frau. Er spielt auch eine wichtige Rolle dabei, Kindern beizubringen, wie sie bestimmte Emotionen und Verhaltensweisen regulieren können. Das gilt sowohl für Mädchen als auch für Jungen.
„Väter helfen dabei, Aggression, Aufregung, risikoreiches Verhalten und Impulsivität zu regulieren. Auf der positiven Seite fördern sie Dinge wie das Einschätzen von Risiken“, sagte Komisar. „Sie fördern die Selbstständigkeit und die Widerstandsfähigkeit.“
Diese Dimension des väterlichen Einflusses steht im Kontrast zur einfühlsam-fürsorglichen Rolle der Mutter und bildet einen Ausgleich dazu. Babys und Kinder müssen getröstet werden, brauchen aber auch ausgelassenes Herumtollen, das Väter ihnen bieten. Das von Vätern oft initiierte körperliche Spiel ist entscheidend für die kindliche Entwicklung. Es vermittelt die Grundlagen von Anpassungsfähigkeit, Belastbarkeit und Problemlösungskompetenz.
Komisar sagte: „Diese Vater-Tochter-Beziehung hat etwas an sich, das kleinen Mädchen das Gefühl gibt, dass sie ihre Flügel in der Welt ausbreiten und gewissermaßen fliegen können.“
Sie erklärte weiter, dass Väter große Mengen eines Hormons namens Vasopressin produzierten.
„Sowohl Mütter als auch Väter produzieren Vasopressin, aber Väter produzieren mehr davon. Wir nennen es das ‚schützend-aggressive Hormon‘, das viele Spielweisen antreibt, mit denen Väter mit Kindern spielen“, sagte sie.
Sowohl Väter als auch Mütter produzieren ebenfalls das Bindungshormon Oxytocin. Bei Müttern führt es zu feinfühliger, empathischer Fürsorge, bei Vätern hingegen zu spielerischer taktiler Stimulation, die für die kindliche Entwicklung und Resilienz wichtig ist.
So tragen Väter dazu bei, ihre Kinder auf gesunde Weise zu begeistern und gleichzeitig ihr Selbstvertrauen und ihre Resilienz zu stärken. Aber sie helfen auch dabei, zu verhindern, dass diese Ausgelassenheit außer Kontrolle gerät. Hier kommt die Regulierung von Aggression und Risikobereitschaft ins Spiel.
Eine aus der afrikanischen Savanne gewonnene Erkenntnis lässt sich auch auf unsere Wohnzimmer übertragen. Forscher der Universität Exeter stellten bei Elefantenbullen in Botswana fest, dass sie sich gegenüber Objekten, die keine Elefanten waren – etwa Fahrzeugen, Nutztieren und anderen Tierarten –, häufiger aggressiv verhielten, wenn weniger ältere Bullen in der Nähe waren.
Heranwachsende Elefanten reagierten zudem aggressiver und ängstlicher, wenn sie ohne andere Männchen unterwegs waren. Umgekehrt wirkte die Anwesenheit reifer Männchen tendenziell beruhigend und stabilisierend auf alle Mitglieder der sozialen Gruppe.
Die Studie wurde an rein männlichen Elefantengruppen durchgeführt, doch das Kernprinzip gilt unabhängig davon. Ebenso kann nichts den stabilisierenden und beruhigenden Einfluss einer verlässlichen männlichen Bezugsperson in einer sozialen Gruppe oder Familie ersetzen.
Aus all diesen und weiteren Gründen hinterlässt ein fehlender oder gewalttätiger Vater eine Lücke im Leben eines kleinen Mädchens. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Lücke nicht durch eine Ersatzvaterfigur gefüllt werden kann. Vaterschaft ist viel mehr als nur biologische Elternschaft. Ein aufrichtiger, vertrauenswürdiger Mann kann durch seine Liebe und sein Engagement für das Wohlergehen eines Mädchens zu einer Vaterfigur werden.
„Wenn der leibliche Vater sich nicht einbringen kann oder will, dann müssen Sie eine Vaterfigur für Ihre Tochter finden“, sagte Komisar, „damit sie mit einem liebevollen, wohlwollenden, beständigen, verlässlichen, verantwortungsbewussten, zuverlässigen, bewundernden, einfühlsamen und empathischen Vater aufwächst.“
Guarendi pflichtete ihr bei: „Sie muss sehen, wie ein guter Mann aussieht. Wenn sie nicht sieht, dass ihr eigener Vater dies tut, und sie durch ihn – der ein Mann mit Fehlern ist – ein bestimmtes Bild von Männern hat, kann sie zumindest zu einem großen Bruder, zu einem Onkel oder zu einem Großvater aufschauen. Sie kann sagen: ‚Wie anders, wie viel bewundernswerter!‘“
Laut Komisar ist es ein echter Fehler, wenn ein Vater – oder eine Vaterfigur – glaubt, seine Tochter brauche ihn nicht, nur weil sie ein Mädchen ist. Das Engagement eines Vaters kann viele Formen annehmen. Väter sollten nicht zögern, sich einzubringen und mitzumachen, auch wenn das Spielen mit kleinen Mädchen ihnen nicht von Natur aus leichtfällt.
„Mit seiner Tochter ein Teekränzchen zu veranstalten, ist eine sehr liebevolle Sache, die Väter tun können. Einfach hinauszugehen und einen Fußball zu kicken, ist es ebenso“, sagte sie und fügte hinzu: „Nicht genug Einbindung ist wahrscheinlich einer der größten Fehler, die ein Vater machen kann.“
Wie können Väter diesen Fehler vermeiden? Indem sie von Anfang an eine enge, liebevolle und respektvolle Beziehung zu ihrer Tochter aufbauen. Sears empfahl Papa-Tochter-Dates.
„Eine meiner Töchter zeigte mir ein Foto, das sie sich jeden Tag ansieht: Darauf stecke ich ihr eine schöne Rose an das Kleid, bevor wir zu einem Papa-Tochter-Date gehen“, erinnerte sich Sears.
Die Zeit, die er investierte, als seine Töchter noch klein waren, schuf eine tiefe Bindung und schöne Erinnerungen. Das zeigt kleinen Mädchen, dass ihre Väter sie lieben und Zeit mit ihnen verbringen wollen. Bis heute geht Sears jede Woche mit seinen Töchtern tanzen.
Auch Guarendi plädiert dafür, als Vater seine Zuneigung deutlich zu zeigen. Zuneigung, Schutz und Disziplin bilden ein starkes Dreigespann in der Vater-Tochter-Beziehung. All diese Faktoren vermitteln jungen Mädchen letztlich ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität, das nur ein Vater bieten kann.
Ein liebevoller Vater schenkt seiner Tochter etwas Unersetzliches.
Foto: Illustration von Rae Li für The Epoch Times
Laut Guarendi müssen Töchter wissen, dass sie sich an ihren Vater wenden und mit ihm über alles reden können. Und zwar ohne Angst, dass er schreit oder die Geduld verliert. Das bedeutet nicht, dass ein Vater keine Maßstäbe hat oder Fehlverhalten nicht ahndet. Es bedeutet jedoch, dass er immer bereit ist, zuzuhören. Er ist, wie Sears es ausdrückt, für seine Töchter „immer zur Stelle“, egal was passiert.
Neben dem Vertrauen, mit dem Vater sprechen zu können, sollte einer Tochter noch etwas anderes sicher sein: Es gibt nichts, was sie tun könnte, damit ihr Vater aufhört, sie zu lieben.
Laut Guarendi sollten Väter ihren Töchtern Folgendes sagen: „Ich werde dich immer beschützen. Ich werde da sein und dich emotional, seelisch und körperlich beschützen. Vielleicht willst du das nicht immer, aber ich möchte, dass du mich als den einen Menschen in deinem Leben siehst, auf den du dich verlassen kannst.“
Eine Tochter ist ein Geschenk
Was könnte für einen Mann größeres Glück bedeuten, als derjenige zu sein, auf den sich andere verlassen können, selbst in den dunkelsten und stürmischsten Zeiten? Trotz seiner Fehler hat ein Vater ein paar Jahrzehnte Zeit, der Held seiner Tochter zu sein. Er kann ihre Stütze sein. Das ist es, wonach sich die Herzen der meisten Männer sehnen.
Bisher haben wir hauptsächlich darüber gesprochen, was Töchter von ihren Vätern erhalten. Aber natürlich erhalten auch Väter so viel von ihren Töchtern. Als Michael über die Jahrzehnte nachdachte, die er mit seinen Mädchen verbringen durfte, fasste er es so zusammen, dass all die strahlenden Momente „in der Erinnerung zu einer endlosen Kette von Geschenken verschwimmen“.
Töchter sind ein Geschenk, eine Freude und ein Privileg für ihre Väter. Die Liebe zwischen einem Vater und seiner Tochter zeichnet sich durch eine ganz besondere Reinheit und Einfachheit aus.
Es ist entscheidend, dass Männer das Geschenk, Töchter zu haben, wiederentdecken. In dieser Berufung haben Männer mehr Kraft zum Guten, als ihnen vielleicht bewusst ist.
„Gerade heutzutage sind Depressionen, Ängste und all die familiären Probleme so groß wie nie zuvor in der Geschichte, besonders bei jungen Frauen und Mädchen“, sagte Sears. „Wir brauchen Väter, die die Dinge in die Hand nehmen und für ihre Töchter etwas bewegen. Seien Sie kein distanzierter Vater!“
Nach jahrelanger Erziehungserfahrung sagte Michael: „Nur Väter können ihren Töchtern die Liebe eines Vaters geben. So einfach ist das. […] Die Liebe eines Vaters – oder auch das Fehlen dieser Liebe – prägt die Wahrnehmung seiner Tochter von der männlichen Natur vielleicht sogar ein Leben lang.“
Das ist die Herausforderung eines Mannes und zugleich sein Privileg.
Nach einem Streit ist es nicht leicht, sich wieder zu öffnen. - Foto: PeopleImages/iStock
In Kürze:
• Wer mit der Vergebung wartet, macht sich den ersten Schritt mit jedem Tag schwerer. • Selbstmitleid fühlt sich zwar kurzfristig leichter an als Vergebung, trübt aber den klaren Blick. • Kinder beobachten genau, wie ihre Eltern mit Konflikten umgehen. • Jeder Akt der Vergebung erleichtert den nächsten.
Es gibt Momente, in denen ich mir wünsche, eine Beziehung könnte wiederhergestellt werden, aber meine Gefühle sind zu verletzt, um den ersten Schritt zu tun.
Wir alle befinden uns hin und wieder in dieser Lage. Manchmal geraten wir in emotionale Konflikte oder fühlen uns von Freunden oder Familienmitgliedern verletzt – das alles gehört zum Menschsein.
Ich habe kürzlich zwei solche Situationen in meiner eigenen Familie erlebt, und ich wusste in beiden Fällen, dass ich den Beteiligten verzeihen würde. Für mich war es keine Frage des „Ob“, sondern des „Wann“. Und ich glaube, genau darin liegt die Herausforderung, den ersten Schritt zu machen. Ich verspürte keine Dringlichkeit, die Dinge schnell wieder in Ordnung zu bringen, und genoss mein Selbstmitleid auf die verdrehte Art, wie wir Menschen das eben so tun.
Selbstmitleid muss uns in irgendeiner Weise nützen – zumindest kurzfristig –, sonst würden wir uns nicht immer wieder darin suhlen. Vielleicht fühlt es sich gut an, weil es uns als ein emotionaler Schutzschild dient. Er ermöglicht es uns, uns zurückzuziehen, uns im Recht zu sehen oder empört darüber zu sein, dass wir uns von anderen ungerecht behandelt fühlen.
Wenn wir uns im Zustand des Selbstmitleids befinden, glauben die wenigsten, dass sie dann besonders klar denken können. Aber es fühlt sich einfacher an als Vergebung, und wie Wasser folgen unsere Handlungen meist dem Weg des geringsten Widerstands.
Der erste Schritt ist entscheidend – und fällt umso schwerer, je länger das Schweigen dauert.
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Warum wir mit der Vergebung nicht warten sollten
Je länger man wartet, desto schwieriger wird der erste Schritt. Mir ist aufgefallen, dass der ursprüngliche Grund für die Verärgerung mit der Zeit in Vergessenheit gerät. Konkrete Probleme werden dann durch vage Gefühle von Kälte und Ärger ersetzt. Diese sind tatsächlich schwerer zu überwinden, weil sie weitaus stärker emotional aufgeladen sind.
Jeder Tag des Schweigens hinterlässt eine kleine Narbe. Es ist, als würde man sich auf die Innenseite der Wange beißen. Die Stelle schwillt ein wenig an und ist dann anfälliger dafür, immer wieder gebissen zu werden. Ich glaube, etwas Ähnliches passiert, wenn wir Vergebung zurückhalten. Lässt man einen Konflikt ein oder zwei Tage schwelen, sind es beim nächsten Mal vielleicht schon zwei oder drei Tage. Und die Emotionen vertiefen sich.
Wenn man sich bereits entschlossen hat zu vergeben, zögert man durch das Warten nur das Gute hinaus. So viel von unserem Leid rührt von Dingen her, von denen wir zwar wissen, dass wir sie irgendwann tun werden. Aber stattdessen entscheiden wir uns zunächst dafür, in Selbstmitleid zu schwelgen oder die Sache aufzuschieben. Ich wünschte, ich hätte eine einfache Lösung, wie man diesen emotionalen Zustand überwinden kann. Mein einziger Rat ist, sich gelegentlich vor Augen zu führen, wie albern das eigentlich ist.
Sich vor jedem Handeln erst bereit fühlen zu wollen, ist eine Angewohnheit, die sich nur schwer ablegen lässt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie oft ich viel zu lange im Planungsmodus verharrt habe. In der Regel folgen positive Gefühle auf gesunde Handlungen – und nicht umgekehrt.
Ihre Kinder beobachten, wie Sie mit Konflikten umgehen, und saugen Lektionen wie Schwämme auf. Wenn Sie Kinder oder Enkelkinder um sich herum haben, unterschätzen Sie nicht, wie viel sie von Ihnen aufnehmen. Es geht nicht nur um Ihre Worte und Taten, sondern auch um Ihre Einstellungen und Werte. Als ich vor ein paar Wochen Schwierigkeiten hatte, einem meiner Kinder zu vergeben, fragte dieses Kind meine Frau: „Ist Papa immer noch sauer auf mich?“ Das brach mir das Herz und machte mir klar, dass ich meinen Kindern ein großartiges Vermächtnis hinterlassen möchte, statt ihnen zu zeigen, wie man an Verletzungen festhält.
Den ersten Schritt zu machen, ist das Einzige, was Sie kontrollieren können. Es gibt so vieles im Leben, was wir nicht kontrollieren können. Das Verhalten anderer Menschen gehört sicherlich dazu. Die Lösung besteht darin, mit gutem Beispiel voranzugehen.
Jeder Tag in einer festgefahrenen Situation ist ein weiterer Tag, der nie zurückkommt. Je älter ich werde – vor allem, seit ich fünf Kinder habe –, desto stärker spüre ich, wie schnell die Zeit vergeht. Wie viele gemütliche Wochenenden zu Hause mit meiner ganzen Familie unter einem Dach werde ich noch verbringen können, wenn alle bei guter Gesundheit sind? Weit weniger, als ich mir wünschen würde. Es wäre eine Tragödie, auch nur eines davon zu verschwenden.
Wenn Sie sich entscheiden, sofort zu vergeben, machen Sie sich selbst das größte Geschenk. Jeder Akt der Vergebung schafft eine Grundlage, die die nächste Entscheidung erleichtert. Ich nenne das eine Aufwärtsspirale. Es ist, als würde man in die Richtung, in die man gehen möchte, nach oben fallen. Jede positive Entscheidung gibt einem einen kleinen Motivationsschub, um eine weitere und noch eine zu treffen. Der beste Zeitpunkt, um damit anzufangen, ist jetzt.
Digitaler Kontakt ersetzt keine echte Bindung – wie tief die Kluft zwischen Online-Freunden und echter Gesundheit wirklich ist, überraschte selbst die Forschenden. - Foto: Visions/ iStock
Wer gute Freundschaften pflegt und enge soziale Bindungen hat, dem geht es einer aktuellen Studie zufolge sowohl körperlich als auch psychisch besser. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende der Kütahya Health Sciences University in der Türkei. Der Einfluss guter familiärer Beziehungen in der Kindheit auf das Wohlbefinden falle dagegen schwächer aus, schreibt das Team um Veli Durmus im Fachjournal „Journal of Mental Health“.
Für die Untersuchung wurden die Angaben von 204.907 Menschen ab 18 Jahren ausgewertet. Die Daten stammen aus der ersten Phase der sogenannten Global Flourishing Study (GFS), für die Menschen aus 22 Ländern in Europa, Amerika, Asien, Ozeanien, dem Nahen Osten und Afrika zu Faktoren für ein gelingendes Leben befragt wurden.
Am zufriedensten mit ihren Freundschaften und Beziehungen scheinen laut der Studie die Menschen in Indonesien zu sein, in Japan hingegen wurden die niedrigsten Werte ermittelt. Die Teilnehmenden bewerteten selbst, wie zufrieden sie mit ihren Freundschaften, ihren Beziehungen und ihrer psychischen sowie körperlichen Gesundheit sind. Die Forschenden berücksichtigten daneben auch das Einkommen und den Bildungsstand der Befragten.
Diejenigen, die am zufriedensten mit ihren Freundschaften und Beziehungen waren, berichteten auch am häufigsten von einer insgesamt besseren psychischen und körperlichen Gesundheit. Wer die Beziehungen zu seinen Eltern in der Kindheit als positiv erinnert, zeigte ähnliche Ergebnisse, jedoch schwächer ausgeprägt. Der Einfluss von Beziehungen in der Kindheit sei nicht unveränderlich, betont Durmus. Freundschaften, Partnerschaften und andere soziale Kontakte könnten die Wirkung früherer Erfahrungen im weiteren Leben verstärken oder abschwächen.
Durmus zieht daraus den Schluss, „dass Beziehungen in der Kindheit zwar eine Rolle spielen, jedoch kein vollständiges Bild wiedergeben“. Das soziale Umfeld eines Menschen verändere sich im Laufe des Lebens ständig und Freundschaften, Partnerschaften und andere Beziehungen könnten den Einfluss früherer Erfahrungen verstärken oder abmildern, erklärte der Wissenschaftler. Er fordert die Politik auf, den Einfluss dieser emotionalen und sozialen Bindungen auf die psychische und körperliche Gesundheit zu berücksichtigen, wenn Strategien für die Gesundheitspolitik entwickelt werden.
Gute soziale Beziehungen seien eine „universelle Säule“ des Wohlbefindens, resümiert die Studie. Die Aussagekraft der Ergebnisse ist jedoch begrenzt, weil die Daten lediglich auf Selbstauskünften beruhen. Sie spiegeln damit die subjektive Einschätzung der Befragten wider. (dpa/red)
Bis aus wilden Mäusejägern zahme Stubentiger wurden, vergingen etwa 2.000 Jahre. Die gemeinsame Geschichte von Mensch und Katze beginnt jedoch noch viel eher. - Foto: Serhii Shleihel/iStock
In Kürze:
Über 15 Millionen Katzen machen sie zum häufigsten Haustier Deutschlands, noch vor dem Hund.
Die älteste Beziehung zwischen Mensch und Samtpfote reicht bis in die Steinzeit zurück.
Heute ist bekannt, dass die Hauskatze von der Afrikanischen Wildkatze abstammt.
Erst um das Jahr 0 breitete sich der domestizierte Stubentiger mit den Römern in Europa aus.
Es gibt eine Liebe, die keiner Worte bedarf. Manchmal reicht ein Schnurren: Samtpfoten, die uns auf Schritt und Tritt folgen und die immer da sind. Seit ich ein Jahr alt bin, begleiten mich Katzen schon durch mein Leben. Sie lockten mich mit ihrem Maunzen in die Küche, weil sie Hunger hatten und kamen zu mir, wenn ich weinte, und haben mich getröstet. Es ist ein herzliches Zusammenspiel von Mensch und Tier, das für mich nicht mehr wegzudenken ist.
Doch es gab eine Zeit im Leben der Menschen, in der die Katze kein so enger Teil des Alltags war. So vergingen tausende Jahre, bis aus den wilden und scheuen Mäusejägern unsere domestizierten und treuen Schmusekatzen wurden. Und die Geschichte dieser kuscheligen Beziehung nahm ihren Ursprung außerhalb von Europa.
Der wilde Vorfahre unserer Katze
Unsere heutige Hauskatze (Felis catus) gehört zu den erfolgreichsten domestizierten Tieren. Weltweit leben Schätzungen zufolge fast eine Milliarde Stubentiger und Streuner mit oder bei den Menschen. Nicht einberechnet sind die vier Wildkatzenarten, die in Europa, Afrika und Asien vorkommen.
Und genau zwei dieser Arten galten lange Zeit als mögliche Vorfahren unserer Hauskatze: die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) und die Afrikanische Wildkatze (Felis lybica lybica), auch Falbkatze genannt. Genetische Untersuchungen aus dem Jahr 2007 offenbarten, dass unsere Stubentiger von der heute in Nordafrika und dem Nahen Osten lebenden Falbkatze abstammen.
Die Afrikanische Wildkatze (Felis lybica lybica), auch Falbkatze genannt, ist der Vorfahre unserer Hauskatzen.
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Dass diese schon lange in der Nähe des Menschen lebte, zeigen selten erhaltene archäologische Funde. So entdeckten Archäologen 2004 auf Zypern die rund 9.500 Jahre alte Bestattung eines Menschen – neben diesem lag das Skelett einer Wildkatze.
Dieser Fund führte erstmals zu der Idee, dass frühe anatolische Ackerbauern während der Jungsteinzeit (9600–7000 v. Chr.) die Katze zum Zweck der Schädlingsbekämpfung domestiziert haben könnten. Dem entgegen steht die traditionelle Sichtweise, dass die alten Ägypter vor über 4.000 Jahren erstmals die Wildkatze zähmten. Wer es tatsächlich als Erster schaffte, über lange Zeit und in großem Ausmaß Herr über die eigensinnigen Samtpfoten zu werden, bleibt umstritten.
Samtpfoten auf dem Weg nach Europa
Sicher scheint jedoch, dass die Schmusekatzen ihren Siegeszug weder mithilfe der ersten Bauern noch den mächtigen Pharaonen antraten. Einer neuen Studie zufolge sei die Katze vielmehr im Laufe des 1. Jahrtausends vor Christus von Nordafrika nach Europa gekommen.
Behilflich waren ihnen dabei scheinbar das Seefahrervolk der Phönizier beziehungsweise die späteren Punier, die ab dem 9. Jh. v. Chr. zahlreiche neue Städte rund um das Mittelmeer gründeten – unter anderem auf Sardinien.
Mit der Niederlage der Punier gegen die Römer, der Gründung des Römisches Kaiserreiches und seiner enormen Ausdehnung verbreitete sich die gezähmte Katze schließlich in ganz Europa, wie ein deutlicher Anstieg von Katzenfunden, unter anderem im österreichischen Mautern oder entlang des Limes, zeigt.
Für Asien zeigt sich ein ähnliches Bild. Auch hier lebten Katzen sporadisch neben den frühen chinesischen Bauerngemeinschaften. Bei diesen handelte sich ebenfalls nicht um domestizierte Hauskatzen, sondern um die dort wild lebende Leopardkatze (Prionailurus bengalensis). Erst im Laufe der Tang-Dynastie (617/18 bis 907) erreichten die domestizierten Stubentiger über die Seidenstraße und andere eurasische Handelsrouten den Fernen Osten.
Eine Leopardkatze (Prionailurus bengalensis), auch Bengalkatze genannt.
Abgesehen von uns, die ihre Hauskatzen mit speziellen Bettchen, Leckerlis und jeder Menge Spielzeug verwöhnen, waren es die Bewohner am Nil, die die Katze am stärksten verehrten. Ähnlich wie heute genoss die Katze im Alten Ägypten ein Privileg – „Ich kann nicht, die Katze schläft“ –, das während der gesamten Geschichte der Domestikation ihresgleichen suchte. Wie eng diese Tier-Mensch-Beziehung war, zeigt eine 4.600 Jahre alte Grabmalerei, wo zum ersten Mal eine Katze mit Halsband abgebildet wurde.
Doch was hatte die Katze, was andere Tiere nicht hatten, das die Ägypter sie so vergötterten? Sehr wahrscheinlich lag diese Tatsache in der landwirtschaftlich geprägten Lebensweise der Ägypter. Gediehen die Feldfrüchte und gab es kaum Schädlinge, war die Ernte reichhaltig und die Bevölkerung entlang des fruchtbaren Nils gut versorgt. Zumindest im letzteren Punkt konnten die Nagetier-jagenden Schmusekatzen einen großen Beitrag zum Wohlstand leisten.
Gestützt wird diese Annahme durch die altägyptische Göttin Bastet. Sie wird meist als Frau mit einem Katzenkopf oder als kleine Katze mit Löwenkopf dargestellt und stand symbolisch für Fröhlichkeit, Liebe, Schönheit, Anmut, Weiblichkeit und Fruchtbarkeit.
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Die Göttin Bastet, wie sie in ägyptischen Malereien dargestellt wird.
Die Verehrung ging sogar so weit, dass die Ägypter während der Blütezeit der Bastet-Kult den Göttern zahlreiche kleine Katzenfiguren oder mumifizierte Stubentiger opferten. Gleichzeitig war die Katze so heilig, dass sie per Gesetz niemals außer Landes gebracht werden durfte. Mit dem Niedergang des Pharaonenreiches verschwand schließlich auch die Vergötterung der Samtpfote – nur hat man es wohl versäumt, ihnen das ebenfalls mitzuteilen.
Ob sich Katzen ihrer göttlichen Behandlung im Alten Ägypten noch immer bewusst sind?
Außerhalb von Ägypten war der Ruf der Katze unterschiedlich. Zwar war der Stubentiger im antiken Griechenland mit Artemis, der Göttin der Jagd, verbunden, doch so vergöttert wie jenseits des Mittelmeeres wurde sie nie. Im Gegenteil: Einige Griechen hatten wie die Babylonier gar Angst vor schwarzen Katzen.
In China genoss die Katze dagegen ein hohes Ansehen. Geschätzt für ihre Jagdqualitäten lebten die Schmusekatzen in Tempeln und auf Plantagen für Seidenraupen und Tee, um schädliches Ungeziefer in Schach zu halten.
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„Katzen mit Jungen in einem Garten“ von Yi Mao aus dem 12. Jahrhundert. Tusche und Farben auf Seide.
Außerdem glaubten die alten Chinesen, dass neben dem Menschen nur die Katze als einziges Tier eine Seele besitzt. Dies wurde im Volksglauben positiv, aber auch negativ aufgefasst. Einerseits symbolisiert die Katze Glück und Langlebigkeit, andererseits wird ihr Listigkeit und Bösartigkeit nachgesagt.
Wie tief die Hauskatze die asiatische Kultur aber im Guten prägte, zeigen bis heute zahlreiche Glücksbringer namens „Maneki-neko“, besser bekannt als Winkekatzen. So wurde das charakteristische Gesichtsputzen der Katze mit der Pfote als Winken gedeutet und soll Käufer in die Läden von Händlern gelockt haben, was wiederum zu guten Einnahmen und Geldsegen führte.
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Die Winkekatzen gibt es überall auf der Welt zu kaufen – vor allem aber in asiatischen Läden und Ländern.
Foto: VictorHuang/iStock
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Traditionelle Maneki-neko-Figuren zeigen Katzen mit dreifarbigem Fell.
Foto: Yuto photographer/iStock
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Dreifarbige Katzen, deren Fellzeichnung auch als Schildpatt bekannt ist, gelten auch in Europa als Glückskatzen.
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Helfer des Teufels und der Jungfrau Maria
Ebenfalls zwiespältige Meinungen hatten die Menschen im Mittelalter über Stubentiger. Zwar wurden wegen der zunehmenden Nagetierplage mehr Hauskatzen gehalten, allerdings überwiegend als Nutztiere.
Besonders in dieser, vom Aberglauben geprägten Zeit, hatte die Katze häufig einen schlechten Stand. So sagten ihr die Menschen Unglück und einen Bund mit dem Teufel oder anderen angeblich Schaden-bringenden Wesen wie Hexen nach. Gleichzeitig manifestierte sich der Glaube an ein schlechtes Omen, wenn eine schwarze Katze den Weg von links nach rechts kreuzte.
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Schwarze Katze hin oder her, statistisch gesehen ist Freitag, der 13., einer der sichersten Tage des Jahres.
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Das typische Bild einer Hexe, die von einer schwarzen Katze begleitet wird.
Wie in den anderen Epochen gab es in allen gesellschaftlichen Schichten auch Liebhaber der Schmusekatze. So wurde die Jagd auf die Pest übertragenden Nagetiere als positiv betrachtet, da auf diese Weise Lebensmittel, Bücher, Textilien, aber auch die menschliche Gesundheit geschützt wurde. Und auch in der christlichen Vorstellung kommt der Katze eine gute Eigenschaft zu, wie die Skizze „Madonna mit Kind und Katze“ von Leonardo da Vinci zeigt.
Das Bild basiert auf der Legende zur Geburt Jesu, wonach Maria darum betet, dass sie das Christuskind warm halten könne. Daraufhin erschien eine Katze, sprang in die Krippe und legte sich neben das Kind. Aus Dankbarkeit soll Maria ihren Initialbuchstaben „M“ auf die Stirn der Katze gezeichnet haben – eine markante Kopfzeichnung, die getigerte Katzen noch heute aufweisen.
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Die Skizze mit Tusche auf Papier von Leonardo da Vinci (1452–1519) zeigt die Jungfrau Maria mit dem Christuskind, das eine Katze hält.
Getigerte Katzen, anhand der Fellzeichnung auch Tabby genannt, haben oft ein „M“ auf ihrer Stirn.
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Auch in der islamischen Welt hatten Katzen eine besondere Bedeutung und wurden wegen ihrer Eleganz und Sauberkeit geschätzt. Außerdem schreiben muslimische Legenden, dass gute Geister im Körper einer Katze wohnen würden.
Auf die Katz’ gekommen
Vor allem in der Renaissance und der Frühen Neuzeit inspirierten die anmutigen Samtpfoten zahlreiche Maler, die diese in ihren Werken verewigten. Am bekanntesten sind die Skizzen von Leonardo da Vinci, Albrecht Dürers „Adam und Eva“, die Aquarelle von Gottfried Mind, der auch als Katzen-Raffael bekannt ist, oder Édouard Manets „Frau mit Katze“.
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Albrecht Dürer (1471–1528) zeichnete den Sündenfall im Paradies. Fast schon unscheinbar dabei: eine Katze zu Füßen von Adam und Eva.
„Frau mit Katze“, auch „Porträt von Madame Manet“ genannt, ist ein Gemälde von Édouard Manet (1832–1883). Es erinnert an die bekannte Ausrede: „Ich kann nicht, die Katze schläft“.
Mit dem Beginn der Zucht im Industriezeitalter hatten es die Stubentiger endgültig in die Herzen der Menschen und in ihr Haus geschafft. Seither gibt es über 30 Rassekatzenarten, wobei die Ägyptische Mau, die Korat, die Abessinier, die Siam, die Perser, die Birma und die Türkisch Van zu den ältesten zählen.
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Die Ägyptische Mau erinnert mit ihrer Statur und Fellfarbe sehr stark an die Afrikanische Wildkatze.
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Die Korat ist eine in Thailand besonders beliebte Katzenrasse.
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Die Abessinier ist für ihren intelligenten und lebhaften Charakter bekannt.
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Die Siamkatze gehört zu den weltweit beliebtesten Rassekatzen.
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Ihre flache Nase machte die langhaarige Perserkatze berühmt. Trotz der bekannten gesundheitlichen Nachteile ist die Züchtung immer noch erlaubt.
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Die Heilige Birma erinnert aufgrund der Fellzeichnung an die Siamkatze – nur mit langem Fell.
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Keine andere Katzenrasse ist für ihre Liebe zum Wasser so bekannt wie die Türkische Van.
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Heute schleichen allein 15,9 Millionen Samtpfoten durch Deutschlands Haushalte (Stand: 2024). Damit ist die Katze hierzulande das beliebteste Haustier, noch vor dem besten Freund des Menschen, dem Hund. Als Ursache wird der moderne Lebensstil genannt, allen voran die steigende Zahl von Alleinlebenden – insbesondere Senioren.
„Ihre Haltung erfordert im Hinblick auf Bewegung und Beschäftigung meist weniger Zeit und körperliche Fitness als das Leben mit Hund – optimal für viele ältere Menschen“, erklärt Prof. Dr. Andrea Beetz von der IU Internationale Hochschule.
Es ist daher nicht abwegig, dass die Zahl der Hauskatzen in Deutschland künftig weiter steigen wird. Doch nicht nur die, die gedanklich einen Katzensprung von einer Anschaffung entfernt sind, verfallen dem Charme einer Samtpfote.
Ein gutes Beispiel ist mein Vater. Noch heute erinnere ich mich an seine Worte: „Es kommt keine weitere Katze ins Haus“. Seither konnten ihn bereits fünf Stubentiger erweichen und hatten binnen kürzester Zeit sein Herz und seinen Sessel im Wohnzimmer erobert.
Erinnerungen entstehen oft aus kleinen Dingen – und viel Liebe. - Foto: Wavebreakmedia/iStock
Das Wort „Nostalgie“ leitet sich von zwei griechischen Wörtern ab: „algos“ (Schmerz oder Kummer) und „nostos“ (Heimkehr). Traditionell bezeichnete der Begriff einen akuten Schmerz, der mit Heimweh einherging. Er wurde sogar in einigen medizinischen Handbüchern geführt und als ein Leiden behandelt, eines, welches diejenigen befiel, die fern der Heimat waren, wie Seeleute oder Soldaten.
Im Laufe der Zeit hat sich die Bedeutung allerdings verschoben. Mittlerweile bezieht sie sich vor allem auf eine Sehnsucht nach einer vergangenen Zeit oder den Wunsch, in die „goldenen Tage“ der Vergangenheit „heimzukehren“.
Nostalgie formt unser Weltbild
Die bittersüße Liebkosung der Nostalgie kann einen Menschen plötzlich überkommen, ausgelöst durch einfachste Dinge: eine halb vergessene Melodie, der Geruch von frisch gemähtem Gras, Sonnenschein und lange Schatten auf einer vertrauten Straße oder ein altes, staubiges Buch.
Diese Auslöser verbinden uns mit prägenden Erinnerungen. Wir wünschten, wir könnten zu ihnen zurückkehren, doch wir erleben diese Erinnerungen nur durch eine undurchdringliche Glaswand.
Für Erwachsene werden manche Kindheitserlebnisse mit der Zeit stark von Nostalgie durchdrungen. Ob es das Jagen mit Papa war, Picknicks im Garten mit Geschwistern, das Ansehen eines Lieblingsfilms mit Cousins oder das Lesen eines Buches mit Mama – im Laufe der Zeit erhalten diese Erlebnisse mehr Bedeutung, als sie in jenem Moment hatten.
Die Gegenstände der Erinnerung – die alte Schrotflinte, der ramponierte Picknickkorb, der verblasste Bucheinband – erinnern uns an die Freuden (und Sorgen), die Aktivitäten, die Gefühle, die Orte und vor allem an die Menschen, die uns in unseren prägendsten Jahren geformt haben, als für uns die Welt noch ganz neu war.
Nostalgie ist mehr als nur eine interessante Eigenart des Erwachsenseins. Nostalgie hat eine formende Wirkung, während wir altern. Die Dinge, für die wir Nostalgie empfinden, formen weiterhin, wer wir sind.
Sie schreiben unsere Geschichte und sind ein Ausdruck dessen, was uns am wertvollsten ist. Auf diese Weise kann Nostalgie unsere Prioritäten und sogar unser Weltbild im Erwachsenenalter immer weiter beeinflussen und festigen. Ihre irrationale, emotionale Qualität veranlasst uns, instinktiv auf bestimmte Auslöser zu reagieren, wobei wir ihnen und dem, was sie bedeuten, ein besonderes Gewicht beimessen – manchmal, ohne uns dessen bewusst zu sein.
Eltern haben die einzigartige Gelegenheit, die zukünftige Nostalgie ihrer Kinder zu „formen“, indem sie ihnen in der Kindheit Erlebnisse, Einflüsse und Gegenstände an die Hand geben, die ihr Erwachsenenleben durch Nostalgie prägen werden. Was wir unseren Kindern heute geben, ist das, wofür sie im mittleren Alter Verbundenheit empfinden werden.
Aus dieser Perspektive betrachtet, prägen die Spiele, Aktivitäten, Traditionen, Bücher und Filme, mit denen wir das Leben unserer Kinder gestalten, sie jetzt und in Zukunft. Es lohnt sich auf jeden Fall, diese Einflüsse bewusst zu wählen.
Anders ausgedrückt: Ich möchte lieber, dass meine erwachsenen Kinder stärkere Nostalgie für „Die Chroniken von Narnia“ empfinden als für „SpongeBob Schwammkopf“. Ich möchte lieber, dass sie mehr Nostalgie bei Spaziergängen durch Wälder erleben, anstatt beim Spielen von Videospielen. Ich hoffe, dass schöne Kindheitserinnerungen eher durch Kerzen und schwedisches Lussekattergebäck zum Luciafest ausgelöst werden als durch Ausflüge in Wasserparks.
Das soll nicht heißen, dass Fernsehsendungen oder Videospiele oder Wasserparks keinen Platz in der Kindheit oder Kindheitsnostalgie haben werden. Sicherlich können sie einen positiven Platz einnehmen. Aber gleichzeitig möchte ich nicht, dass diese Erlebnisse diejenigen sind, die meine erwachsenen Kinder am stärksten mit der Jugend assoziieren, weil diese Erlebnisse – im Allgemeinen – nicht die Art von Werten und Weltbild vermitteln, die ich mir wünsche.
Eine Liebe für das Wunderbare und Edle, die durch die Narnia-Reihe vermittelt wird, ist ein besserer Kompass als der Slapstick-Humor und die banale Moralisierung der meisten Kindersendungen. Erinnerungen an sonnendurchflutete Waldlichtungen werden ihnen auf lange Sicht mehr nützen als das Eintauchen in virtuelle Welten von Videospielen.
Andere Eltern mögen das anders sehen, aber der Punkt ist, dass es sich zumindest lohnt, eine Entscheidung zu treffen. Ist es etwas, an das sich meine Kinder später gerne erinnern sollen, oder nicht?
Lieblingsbücher in der Kindheit erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Literatur später für das Kind zu einem nostalgischen Bezugspunkt wird.
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Strahlkraft des Alltäglichen
Diese Perspektive auf die Elternschaft ist sowohl belebend als auch einschüchternd. In einem kürzlich viral gegangenen Video brachte ein Vater namens Ethan Lapierre die ergreifende Realität zum Ausdruck, dass man als Eltern „die Nostalgie seiner Kinder in Echtzeit erschafft.“
„Du lebst nicht mehr nur dein eigenes Leben. Du prägst das Leben eines anderen mit“, sagte er.
„Es ist schon seltsam, jetzt erwachsen und Elternteil zu sein. Aber ich betrachte es einfach als großes Privileg. Denn man ist nicht nur Elternteil – man darf Teil des gesamten ‚Erinnerungsalbums‘ eines anderen Menschen sein.“
Himanshi Bahuguna kommentierte die Popularität des Videos für „Motherly“ und schrieb darüber, warum diese Erkenntnis bei so vielen Menschen Anklang fand.
„Plötzlich fühlt sich gewöhnliche Fürsorge bedeutungsvoll an“, führt sie aus. „Man erkennt, dass sich die Erinnerungen seines Kindes lautlos formen, ohne Ankündigung, während man nur versucht, den Tag zu überstehen. […] Viele Eltern beschreiben diesen Moment [der Erkenntnis] als schön und gleichzeitig furchterregend.“
Alles zählt, auch wenn es unscheinbar wirkt
Die Erkenntnis, wie Nostalgie sich herausbildet, veranlasst Eltern nicht nur zu einer bewussteren Auswahl der Einflüsse, die sie auf ihre Kinder ausüben, sondern verleiht dem Alltag auch einen besonderen Glanz.
„Eines der am schwersten zu glaubenden Dinge für Eltern ist auch eines der beruhigendsten“, schreibt Bahuguna. „Die kleinen Dinge zählen gerade deshalb, weil sie klein sind.“
In dieser Wahrheit zu ruhen – was inmitten des Chaos des Alltags eine Herausforderung sein kann – ist eine der großen Freuden der Elternschaft.
Jedoch erinnert Bahuguna Eltern auch daran, dass „Kindheit keine Aufführung und Fürsorge kein Spektakel ist.“ Eltern sollten ihre Kinder bewusst mit Gutem umgeben – mit wertvollen Traditionen, schöner und inspirierender Literatur sowie gemeinsamen Abenteuern, aus denen kostbare Erinnerungen entstehen.
Doch der eigentliche Kern des Elternseins liegt nicht in all diesen Dingen. Er liegt in der Liebe. Selbst wenn die äußeren Umstände der Kindheit alles andere als vollkommen sind, kann Liebe sie dennoch schön machen.
Das ist es, woran sich Kinder am meisten erinnern werden. Das ist der wahre Kern gesunder Nostalgie.