Vinylschallplatten erleben seit einigen Jahren ein anhaltendes Comeback – vor allem auch bei jungen Leuten. Sie ziehen Hörer an, die ein intensiveres und auch haptisches Musikerlebnis schätzen. - Foto: Pressmaster/iStock
Lautlose Rotation, ähnlich der Erde, die ihre Runden im Weltraum dreht. Die Nadel setzt auf – ein plötzliches, alles veränderndes Eintauchen in die Welt der Schallplatte. Ein paar Sekunden Rauschen. Dann Magie: Musik, die vor Monaten, Jahren oder gar Jahrzehnten zum ersten Mal gespielt wurde, erfüllt plötzlich den Raum, als stünden die Musiker direkt neben uns und spielten und wiegten sich im Takt. Der Zuhörer verstummt, entrückt.
Das ist die Freude am Plattenspieler. Eine Freude, die schon unsere Großeltern kannten, und im Gegensatz zu manch anderer Audiotechnologie – ich denke dabei an Musikkassetten – ist sie nicht in Vergessenheit geraten. Im Gegenteil, Vinyl erlebte in den letzten Jahrzehnten ein beachtliches Comeback. Es ist kein Relikt der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehr, sondern ein fester Bestandteil der Musikwelt des 21. Jahrhunderts.
Herrliche Ineffizienz
Die Frage ist: Wozu noch einen Plattenspieler? Musik ist heute so zugänglich wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Streamingdienste können jeden jemals aufgenommenen Song mit wenigen Klicks abrufen. Wozu also noch Vinyl, ein umständlicheres und weniger effizientes Mittel zum Musikhören?
Genau darin besteht der Reiz, den „Vinylliebhaber“ so schätzen. Es ist genau diese Ineffizienz bei der Benutzung eines Plattenspielers.
„Das ist irgendwie der Punkt, weil Streaming einfach zu einfach ist“, erklärt Avi Brown, Vinylenthusiast und Gründer von Evergreen Vinyl, gegenüber der Epoch Times. „Streaming kann sich wie die Fast Fashion der Musik anfühlen. Es ist zu leicht zugänglich; wir erleben die Alben nicht mehr so intensiv und schätzen sie nicht im gleichen Maße.“
Im digitalen Zeitalter sind manche Musikliebhaber des reibungslosen Streamingprozesses überdrüssig geworden.
Ein Plattenspieler erzeugt Ton, indem er mit einer Nadel mikroskopisch kleine Rillen in der Vinylplatte abtastet und so physikalische Schwingungen in Musik umwandelt.
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„Wir sind in so vielen Bereichen unseres täglichen Lebens auf Effizienz und Vereinfachung fokussiert“, sagt Brown. „Bei Vinyl ist es wie eine Gegenbewegung. Es geht um den Genuss des Rituals, um die Freude am physischen Objekt, das als Kulturgut Bedeutung trägt.“
Menschen, die Plattenspieler benutzen, suchen mehr als nur Effizienz und Bequemlichkeit. Sie wollen ein authentisches Erlebnis, eines, das bewusst nicht reibungslos verläuft. Schließlich erzeugt Reibung Schwingungen. Reibung ist es, die Musik erzeugt.
Sowohl wörtlich als auch metaphorisch gesehen ist es die „Reibung“ bei der Benutzung von Schallplatten und Plattenspielern, die die Intentionalität fördert. Das Abspielen einer Schallplatte erfordert Voraussicht, physische Schritte und Geduld. Sie kann nicht gedankenlos eingeschaltet werden, wie digitale Musik, und das Überspringen von Titeln ist nicht möglich.
Auf der Suche nach der Ruhe
Nathan Green, Mitbegründer und CEO von New Level Radio formuliert es so: „Eine Schallplatte bietet ein haptisches, rituelles und ungestörtes Musikerlebnis. Vinyl erfordert, die Platte aus der Hülle zu ziehen, die Nadel aufzusetzen und die Platte nach 20 Minuten umzudrehen. Es verwandelt passives Musikhören im Hintergrund in eine bewusste, konzentrierte Tätigkeit.“
Ruhe. Konzentration. Bewusstes Handeln: Diese Worte sind im modernen Sprachgebrauch, der von Effizienz, Bequemlichkeit, Produktivität und technologischen Hilfsmitteln, die genau das versprechen, dominiert wird, immer seltener geworden. Vinyl bietet etwas anderes. Vinyl bietet etwas anderes. Es ist eine nostalgische Atempause von dieser zerstreuten, ablenkenden Technologiewelt. Es ist die Entschleunigung, nach der sich Menschen sehnen.
„Heute sind die Menschen mehr denn je vom schnellen Zugriff auf alles erschöpft, und das führt zu Informations- und Optionsüberlastung“, sagt Bob Bradley, PR-Manager der Musikindustrie, gegenüber der Epoch Times. „Jung und Alt sehnen sich nach Nostalgie und nach Erlebnissen, die uns helfen, uns jeweils auf eine Sache zu konzentrieren.“
Diese bewusste Verlangsamung rührt unter anderem von der physischen, haptischen Beschaffenheit des Vinyls. Hand, Plattenspieler und Nadel können sich nur mit begrenzter Geschwindigkeit bewegen. Es ist eine langsame, sinnliche Erfahrung, die neben dem Hören auch den Tastsinn und das Sehen auf intensive Weise einbezieht.
„Das taktile Vergnügen, durch Stapel von Schallplatten zu stöbern, die visuelle Freude am Albumcover – es ist ein multisensorisches Bankett“, heißt es auf dem Blog des Plattenspielerherstellers Fluance.
Albumcover bieten einen visuellen Kontext, der bei digitaler Musik oft verloren geht. Zudem enthalten sie Songtexte und Angaben zu den Produzenten, die das Hörerlebnis intensivieren.
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Ritual und Intentionalität
Die bewusste Hinwendung, der sinnliche Reiz und die präzisen Handgriffe beim Bedienen des Plattenspielers haben einen besonderen Charakter, der das Musikerlebnis vertieft. „Das Hören einer EP oder LP auf Vinyl schafft ein Ritual“, so Bradley. „Du ziehst sie heraus, schaust dir das Cover an, platzierst sie auf dem Plattenteller, setzt die Nadel auf und hörst zu. Letztlich vermittelt es ein Gefühl von Präsenz, welches Streaming und sogar CDs nicht immer bieten können.“
Rituale – vom Teeaufguss über religiöse Zeremonien bis zum Abspielen von Vinyl – bieten uns vorhersehbare, bedeutungsvolle und stabilisierende Muster. Sie erden uns sowohl in der Tradition als auch im gegenwärtigen Moment und verbinden uns mit Werten, die über den Alltag hinausgehen. Sie helfen uns, als Menschen unseren Platz in einer chaotischen Welt zu finden. Das Ritual des Schallplattenhörens besitzt eine Kraft, die von keiner anderen Art des Musikhörens erreicht wird.
Zudem haben die physischen Einschränkungen von Schallplatten einen künstlerischen Vorteil. Paradoxerweise geben Schallplatten dem Zuhörer die Freiheit, ein Musikalbum so zu erleben, wie es ursprünglich gedacht war.
„Es ist ein Ritual, das einen die Musik viel mehr schätzen lässt, als wenn man 80 Millionen Songs im Autopilotmodus durchhört“, sagt Brown. „Es ist ein langsamerer Prozess, bei dem man sich mit genau einem Album hinsetzt und sich voll darauf fokussiert.“
Bei einer Schallplatte kann der Zuhörer nicht vor- oder zurückspringen. Er muss die Lieder des Albums in der vorgegebenen Reihenfolge hören, so wie es der Künstler ursprünglich beabsichtigt hat. Lieder eines Albums sind bewusst angeordnet, um eine Geschichte zu erzählen oder sich gegenseitig zu ergänzen – wie Kunstwerke an einer Galeriewand. Beim Streaming mit seinem frei kombinierbaren, nicht fortlaufenden Ansatz geht das Erlebnis dieser künstlerischen Entscheidung oft unter.
Obwohl digitale Musik mehr Komfort bietet, schätzen viele Hörer Vinyl weiterhin wegen seiner haptischen Qualitäten. Das Auswählen von Fotoalben fördert auf natürliche Weise Gespräche. Die gegenseitige Beteiligung macht es so zu einem gemeinsamen Erlebnis.
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Sonorer Klang
Die Authentizität von Vinyl zeigt sich auch in seiner Klangqualität. Rauschen, Mängel und ein wärmerer Ton können die Musik „echter“ klingen lassen. Brown erläutert die Unterschiede zwischen digitalen und analogen Aufnahmen und warum viele Menschen den Klang von Schallplatten als voller empfinden:
„Digitale Dateien bieten einen Schallpegel von über 90 [Dezibel, dB], verglichen mit den 70 dB von Vinyl. Digital ist auch gleichmäßiger. Es gibt keine Tonhöheschwankungen, keine Oberflächengeräusche und keine Abnutzung durch wiederholtes Abspielen.“ Es gibt keine Gleichlaufschwankungen, kein Oberflächengeräusch und keine Abnutzung durch wiederholtes Abspielen.
„Aber Vinyl hat seine Vorteile. Seit Mitte der 90er herrscht ein regelrechter Lautheitskrieg, weil die Plattenfirmen wollten, dass ihre Titel lauter klingen als die der Konkurrenz. Ingenieure wurden beauftragt, das Audiomaterial stark zu komprimieren, was den Dynamikumfang zusammendrückt und eine Menge Nuancen verloren gehen lässt“, so Brown.
Und weiter: „Hier hat Vinyl physische Einschränkungen, die ein Überkomprimieren verhindern und es dynamischer und lebendiger klingen lassen. Vinyl klingt ‚wärmer‘, da seine Verzerrung irgendwo zwischen 0,4 [Prozent] und 3 [Prozent] totaler harmonischer Verzerrung liegt, während digitale DACs [Digital-Analog-Wandler] bei unter 0,001 [Prozent] liegen. Technisch ist das ein Makel, aber viele Ohren finden es angenehm. Es ist eine Unvollkommenheit, die menschlicher wirken kann – besonders in einer Welt, die zunehmend digital und KI-zentriert wird.“
So wie es bei Musik um mehr geht als bloße Effizienz, geht es auch um mehr als bloße technische Perfektion. Vieles von dem, wonach wir uns bei Musik sehnen, ist das menschliche Element, das nicht immer effizient ist und nur selten perfekt. Das macht den Reiz des Plattenspielers aus. Er ist ursprünglicher, intimer und menschlicher – mit all seinen Unvollkommenheiten.
Die Unvollkommenheit einer alten Schallplatte, abgenutzt durch wiederholtes Abspielen, erinnert uns an alles, was sie durchgemacht hat. Schallplatten gibt es seit mehr als einem Jahrhundert. Und jede Schallplatte erzählt ihre eigene Geschichte.
Der erste Phonograph – ein früher Begriff für einen Plattenspieler – wurde 1877 von Thomas Edison entwickelt. Er benutzte Vertiefungen, die von einer vibrierenden Nadel in Stanniol [Zinnfolie] geprägt wurden, das um einen rotierenden Zylinder gewickelt war. Emil Berliner verbesserte dieses Verfahren im Jahr 1887, indem er die Tonrillen nicht mehr in einen Zylinder, sondern spiralförmig in eine flache Scheibe eingravierte. Von dieser Scheibe ließ sich ein Negativ herstellen, das wiederum als Gussform für die Vervielfältigung der Originalaufnahme diente. Die so gefertigten Schallplatten konnten anschließend auf einem Grammophon abgespielt werden.
Die Hersteller verbesserten das Verfahren weiter, sodass die Schallplatten immer längere Audioabschnitte aufnehmen konnten. 1948 brachte Columbia Records die Langspielplatte (LP) mit einer Rotationsgeschwindigkeit von 33⅓ Umdrehungen pro Minute auf den Markt. Sie bot bis zu 30 Minuten Spielzeit pro Seite.
Vielleicht ist das Unglaublichste an dieser vergleichsweise einfachen Technologie ihre Langlebigkeit. Brown beobachtete: „Die Vinylschallplatte ist ein elegant einfaches und unglaublich langlebiges Medium, das 8-Spur-Kassetten, Musikkassetten, MiniDiscs und jetzt sogar CDs überdauert hat.“
Obwohl Streaming dominiert, erlebt Vinyl weiterhin eine Renaissance. „Die Verkaufszahlen von Vinyl wachsen Jahr für Jahr, seit über einem Jahrzehnt“, erzählt Brown.
Die größte Käuferschicht? Überraschenderweise sind es junge Leute. Eine aktuelle Umfrage von Vinyl Alliance hat ergeben, dass Menschen im Alter von 18 bis 24 Jahren prozentual die größten Liebhaber physischer Tonträger wie Schallplatten, Kassetten und CDs sind.
Mehr als die Hälfte der Befragten aus der Generation Z (geboren 1997–2012) sammelt Schallplatten. Zum Vergleich: Nur 49 Prozent der Millennials (Jahrgänge 1981–1996) und 34 Prozent der Generation X (Jahrgänge 1965–1980) sammeln Schallplatten.
Das Interesse der jungen Menschen hat auch eine gemeinschaftliche und persönliche Komponente: Mehr als 80 Prozent kaufen ihre Schallplatten im Laden. Mehr als die Hälfte zieht stationäre Geschäfte Online-Käufen vor. Außerdem wünschen sie sich mehr Veranstaltungen für Vinylfans.
Die Vinylgemeinschaft in den USA floriert. Seit 2008 gibt es dort halbjährlich einen „Record Store Day“, um die Vinylsubkultur zu feiern. Epoch Times sprach mit Sydney, einer jungen Mutter, Musikerin und Musikliebhaberin aus der Millenialgeneration.
Sie brachte den Reportern gegenüber eine weit verbreitete Stimmung unter jungen Leuten zum Ausdruck, die gerne ältere Gewohnheiten wiederentdecken möchten. Sie sagte: „Ich denke, es gibt einen kulturellen Wunsch, in gewisser Weise zurückzugehen. Ich glaube, wir fühlen uns zu einer Zeit hingezogen, in der wir die Welt noch nicht mit einem Fingertipp zur Verfügung hatten.“
Die „Unbequemlichkeit“, die Absichtlichkeit und die Rauheit von Vinyl bieten eine Antwort auf diesen Wunsch.
„Ich glaube, wir sehnen uns alle nach einem langsameren, friedlicheren Leben. Und die Wahrheit ist: Je mehr Technologie wir haben, um Dinge ‚effizient‘ zu machen, desto weniger Zeit und Frieden und Ruhe haben wir“, sagt sie und fügt hinzu: „Ich glaube, viele Menschen sehnen sich nach einer Zeit, in der unser Verstand in der Lage war, sich ruhig auf die Aufgabe vor uns zu fokussieren, und in der wir keinen Zugriff auf alles die ganze Zeit hatten.“
Als vielbeschäftigte Mutter findet Sydney die beruhigende Qualität von Vinyl besonders wichtig: „Ich habe festgestellt, dass es, wenn man Kinder hat, noch wesentlicher ist, Wege zu finden, um langsamer zu werden und den Moment zu genießen.“
Für Vinylliebhaber ist genau das der Sinn der Sache: tief durchatmen, sich Freiraum schaffen und die Musik auf sich wirken lassen, während sich die Schallplatte immer weiter dreht – wie die sich wiederholenden Rhythmen unserer Tage, Jahre und Jahrzehnte. Trotz aller Veränderungen der letzten Jahrhunderte haben uns Schallplatten bis heute begleitet. Und es sieht nicht so aus, als würden sie bald verschwinden.
Erinnerungen entstehen oft aus kleinen Dingen – und viel Liebe. - Foto: Wavebreakmedia/iStock
Das Wort „Nostalgie“ leitet sich von zwei griechischen Wörtern ab: „algos“ (Schmerz oder Kummer) und „nostos“ (Heimkehr). Traditionell bezeichnete der Begriff einen akuten Schmerz, der mit Heimweh einherging. Er wurde sogar in einigen medizinischen Handbüchern geführt und als ein Leiden behandelt, eines, welches diejenigen befiel, die fern der Heimat waren, wie Seeleute oder Soldaten.
Im Laufe der Zeit hat sich die Bedeutung allerdings verschoben. Mittlerweile bezieht sie sich vor allem auf eine Sehnsucht nach einer vergangenen Zeit oder den Wunsch, in die „goldenen Tage“ der Vergangenheit „heimzukehren“.
Nostalgie formt unser Weltbild
Die bittersüße Liebkosung der Nostalgie kann einen Menschen plötzlich überkommen, ausgelöst durch einfachste Dinge: eine halb vergessene Melodie, der Geruch von frisch gemähtem Gras, Sonnenschein und lange Schatten auf einer vertrauten Straße oder ein altes, staubiges Buch.
Diese Auslöser verbinden uns mit prägenden Erinnerungen. Wir wünschten, wir könnten zu ihnen zurückkehren, doch wir erleben diese Erinnerungen nur durch eine undurchdringliche Glaswand.
Für Erwachsene werden manche Kindheitserlebnisse mit der Zeit stark von Nostalgie durchdrungen. Ob es das Jagen mit Papa war, Picknicks im Garten mit Geschwistern, das Ansehen eines Lieblingsfilms mit Cousins oder das Lesen eines Buches mit Mama – im Laufe der Zeit erhalten diese Erlebnisse mehr Bedeutung, als sie in jenem Moment hatten.
Die Gegenstände der Erinnerung – die alte Schrotflinte, der ramponierte Picknickkorb, der verblasste Bucheinband – erinnern uns an die Freuden (und Sorgen), die Aktivitäten, die Gefühle, die Orte und vor allem an die Menschen, die uns in unseren prägendsten Jahren geformt haben, als für uns die Welt noch ganz neu war.
Nostalgie ist mehr als nur eine interessante Eigenart des Erwachsenseins. Nostalgie hat eine formende Wirkung, während wir altern. Die Dinge, für die wir Nostalgie empfinden, formen weiterhin, wer wir sind.
Sie schreiben unsere Geschichte und sind ein Ausdruck dessen, was uns am wertvollsten ist. Auf diese Weise kann Nostalgie unsere Prioritäten und sogar unser Weltbild im Erwachsenenalter immer weiter beeinflussen und festigen. Ihre irrationale, emotionale Qualität veranlasst uns, instinktiv auf bestimmte Auslöser zu reagieren, wobei wir ihnen und dem, was sie bedeuten, ein besonderes Gewicht beimessen – manchmal, ohne uns dessen bewusst zu sein.
Eltern haben die einzigartige Gelegenheit, die zukünftige Nostalgie ihrer Kinder zu „formen“, indem sie ihnen in der Kindheit Erlebnisse, Einflüsse und Gegenstände an die Hand geben, die ihr Erwachsenenleben durch Nostalgie prägen werden. Was wir unseren Kindern heute geben, ist das, wofür sie im mittleren Alter Verbundenheit empfinden werden.
Aus dieser Perspektive betrachtet, prägen die Spiele, Aktivitäten, Traditionen, Bücher und Filme, mit denen wir das Leben unserer Kinder gestalten, sie jetzt und in Zukunft. Es lohnt sich auf jeden Fall, diese Einflüsse bewusst zu wählen.
Anders ausgedrückt: Ich möchte lieber, dass meine erwachsenen Kinder stärkere Nostalgie für „Die Chroniken von Narnia“ empfinden als für „SpongeBob Schwammkopf“. Ich möchte lieber, dass sie mehr Nostalgie bei Spaziergängen durch Wälder erleben, anstatt beim Spielen von Videospielen. Ich hoffe, dass schöne Kindheitserinnerungen eher durch Kerzen und schwedisches Lussekattergebäck zum Luciafest ausgelöst werden als durch Ausflüge in Wasserparks.
Das soll nicht heißen, dass Fernsehsendungen oder Videospiele oder Wasserparks keinen Platz in der Kindheit oder Kindheitsnostalgie haben werden. Sicherlich können sie einen positiven Platz einnehmen. Aber gleichzeitig möchte ich nicht, dass diese Erlebnisse diejenigen sind, die meine erwachsenen Kinder am stärksten mit der Jugend assoziieren, weil diese Erlebnisse – im Allgemeinen – nicht die Art von Werten und Weltbild vermitteln, die ich mir wünsche.
Eine Liebe für das Wunderbare und Edle, die durch die Narnia-Reihe vermittelt wird, ist ein besserer Kompass als der Slapstick-Humor und die banale Moralisierung der meisten Kindersendungen. Erinnerungen an sonnendurchflutete Waldlichtungen werden ihnen auf lange Sicht mehr nützen als das Eintauchen in virtuelle Welten von Videospielen.
Andere Eltern mögen das anders sehen, aber der Punkt ist, dass es sich zumindest lohnt, eine Entscheidung zu treffen. Ist es etwas, an das sich meine Kinder später gerne erinnern sollen, oder nicht?
Lieblingsbücher in der Kindheit erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Literatur später für das Kind zu einem nostalgischen Bezugspunkt wird.
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Strahlkraft des Alltäglichen
Diese Perspektive auf die Elternschaft ist sowohl belebend als auch einschüchternd. In einem kürzlich viral gegangenen Video brachte ein Vater namens Ethan Lapierre die ergreifende Realität zum Ausdruck, dass man als Eltern „die Nostalgie seiner Kinder in Echtzeit erschafft.“
„Du lebst nicht mehr nur dein eigenes Leben. Du prägst das Leben eines anderen mit“, sagte er.
„Es ist schon seltsam, jetzt erwachsen und Elternteil zu sein. Aber ich betrachte es einfach als großes Privileg. Denn man ist nicht nur Elternteil – man darf Teil des gesamten ‚Erinnerungsalbums‘ eines anderen Menschen sein.“
Himanshi Bahuguna kommentierte die Popularität des Videos für „Motherly“ und schrieb darüber, warum diese Erkenntnis bei so vielen Menschen Anklang fand.
„Plötzlich fühlt sich gewöhnliche Fürsorge bedeutungsvoll an“, führt sie aus. „Man erkennt, dass sich die Erinnerungen seines Kindes lautlos formen, ohne Ankündigung, während man nur versucht, den Tag zu überstehen. […] Viele Eltern beschreiben diesen Moment [der Erkenntnis] als schön und gleichzeitig furchterregend.“
Alles zählt, auch wenn es unscheinbar wirkt
Die Erkenntnis, wie Nostalgie sich herausbildet, veranlasst Eltern nicht nur zu einer bewussteren Auswahl der Einflüsse, die sie auf ihre Kinder ausüben, sondern verleiht dem Alltag auch einen besonderen Glanz.
„Eines der am schwersten zu glaubenden Dinge für Eltern ist auch eines der beruhigendsten“, schreibt Bahuguna. „Die kleinen Dinge zählen gerade deshalb, weil sie klein sind.“
In dieser Wahrheit zu ruhen – was inmitten des Chaos des Alltags eine Herausforderung sein kann – ist eine der großen Freuden der Elternschaft.
Jedoch erinnert Bahuguna Eltern auch daran, dass „Kindheit keine Aufführung und Fürsorge kein Spektakel ist.“ Eltern sollten ihre Kinder bewusst mit Gutem umgeben – mit wertvollen Traditionen, schöner und inspirierender Literatur sowie gemeinsamen Abenteuern, aus denen kostbare Erinnerungen entstehen.
Doch der eigentliche Kern des Elternseins liegt nicht in all diesen Dingen. Er liegt in der Liebe. Selbst wenn die äußeren Umstände der Kindheit alles andere als vollkommen sind, kann Liebe sie dennoch schön machen.
Das ist es, woran sich Kinder am meisten erinnern werden. Das ist der wahre Kern gesunder Nostalgie.