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Nach Rücktritt von Bärbel Bas: Streit zwischen Union und SPD spitzt sich zu


In Kürze:

  • Bärbel Bas tritt als SPD-Co-Vorsitzende und Bundesarbeitsministerin zurück.
  • In der SPD werden öffentliche und interne Angriffe aus der Union als zusätzlicher Belastungsfaktor genannt.
  • Die Union weist die Vorwürfe zurück, im Streit geht es vor allem um die Rentenreform und den Kündigungsschutz.

 
Zu Beginn der neuen Woche hat Bärbel Bas ihren Rücktritt als Co-Parteivorsitzende der SPD und als Bundesarbeitsministerin erklärt. Künftig wird sie nur noch ihr Direktmandat für den Wahlkreis Duisburg I ausüben. Zuletzt war Bas immer seltener in Berlin gewesen, da sie über den größten Teil des Septembers ihre schwer erkrankte Stieftochter pflegte.
In ihrer Rücktrittserklärung, die sie unter anderem auf Instagram veröffentlichte, schrieb sie, nach dem Tod ihrer Stieftochter noch Zeit für die persönliche Trauerarbeit zu benötigen.
Allerdings sprach sie auch noch einen anderen Aspekt an, der ihre Rückzugsentscheidung beeinflusst habe. Und dieser könnte für die Koalition trotz der schnell geregelten Nachfolge im Ministerium zur Belastung werden.

Schwesig spricht von „unmenschlichen und rücksichtslosen“ Attacken auf Bas

Bas sprach in ihrer Rücktrittserklärung auch von „öffentlichen Angriffen“ auf sie. Diese seien „leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners“ gekommen und „in dieser für mich persönlich schwierigen Zeit weiter forciert“ worden. Welche Aussagen sie damit meinte, ließ Bas offen.
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sprang ihr jedoch umgehend bei. In einem Beitrag in den sozialen Medien, in dem sie Bas für deren Arbeit dankte, schrieb Schwesig: „Die Attacken der CDU – trotz ihrer persönlichen schweren Situation – waren unmenschlich und rücksichtslos.“
Der Vizekanzler und bis auf Weiteres alleinige SPD-Parteichef Lars Klingbeil dankte Bas für die Zusammenarbeit. Er sagte, er könne ihre Entscheidung „persönlich nachvollziehen“ – und sprach ebenfalls von Angriffen in den Tagen ihrer Trauer. Diese seien „unanständig und verletzend“ gewesen.
Der frühere Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach erläuterte in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ genauer, was man in der SPD darunter verstehe. Es habe zum einen „Angriffe im Hintergrund“ gegeben, die aber in Berlin schnell die Runde gemacht hätten.
Dazu seien öffentliche Angriffe von „namhaften Leuten“ aus der CDU gekommen, zu denen er den CDU-Mittelstandspolitiker Christian von Stetten, aber auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst zählte.

Lauterbach: Rentenreform sollte laut Vereinbarung erst nach den Wahlen kommen

Lauterbach warf dem Koalitionspartner vor, seine Kritik an vermeintlich zu schleppend vorangehenden Reformvorhaben in Kenntnis der Situation formuliert zu haben, in der Bas sich in den vergangenen Wochen befunden habe. Dazu seien Vorstöße „aus der zweiten Reihe“ gekommen.
Der frühere Gesundheitsminister nannte explizit den Vorsitzenden der Jungen Union (JU), Johannes Winkel.
Dieser habe fertige Entwürfe für die Rentenreform angemahnt, obwohl es eine Vereinbarung gegeben habe, dass diese erst nach den Landtagswahlen vorliegen sollten. Schließlich habe es aus den Reihen beider Parteien – insbesondere auch von Ministerpräsidenten – anhaltende Proteste gegeben. Diese hätten vor allem die Frage der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren betroffen.
Tatsächlich hatte Bas selbst noch Anfang September gesagt, sie sehe bezüglich bestimmter Punkte im Rentenpaket noch Gesprächsbedarf. Zwar hatte sie in den Wochen zuvor deutlich gemacht, das „Gesamtkunstwerk“ auf Grundlage der 33 Empfehlungen der Rentenkommission nicht mehr aufschnüren zu wollen.
Allerdings mussten bezüglich der Beitragsjahr-Problematik und der vorgesehenen Erhöhung des Renteneintrittsalters noch Übergangsregeln definiert werden.
Lauterbach sagte in der Sendung, es sei ein „Gebot der Ehrlichkeit, zu sagen, man ist mit Bärbel Bas sehr unfair umgegangen und das hat sie nicht verdient“.
Er fügte hinzu: „Sie ist ein sehr feiner und feinfühliger Mensch und hat sich das sehr zu Herzen genommen. An dem einen oder anderen wäre das wahrscheinlich abgeprallt, bei ihr eben nicht. Wir verlieren ein riesiges Talent, und das war nicht richtig.“

Nach Schwesig-Vorwürfe: Unionspolitiker verlangen Entschuldigung

In der Union weist man die Vorwürfe zurück. Unionspolitiker verlangen eine Entschuldigung von Schwesig. „Frau Schwesig sollte erkennen, dass sie sich völlig verrannt hat und um Entschuldigung bitten“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Ploß. Der Vorwurf sei „ein übles Foul“ von Schwesig“.
Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU) sagte der Zeitung, er sei nicht der einzige, der über die Vorwürfe Schwesigs „hochgradig verwundert“ sei. Die Ministerpräsidentin habe für die angeblichen persönlichen Angriffe auf Bas aus den vergangenen Wochen keinerlei Beispiele nennen können, „weil es nämlich auch keine gab“.
Anstatt durch solche Behauptungen von innerparteilichen Personaldebatten abzulenken, „sollten wir in der Koalition jetzt einfach unsere vielfältigen Sachaufgaben abarbeiten“, forderte Krings.

Merz: Habe „jede persönliche, auch christliche Rücksichtnahme“ eingefordert

Bundeskanzler Friedrich Merz sagte, er habe von seiner Partei „jede persönliche, auch christliche Rücksichtnahme auf sie eingefordert“. Für seine Person könne er sagen, er habe „immer nur in Sachfragen mit ihr diskutiert, nie persönlich“.
Die Aussage von Stettens, Bas sei als Ministerin „nicht mehr tragbar“, weil sie angeblich Reformen verschleppe, erfolgte am 11. September. An diesem Tag hatte sich Bas einer Recherche der „BILD“ zufolge auf den Weg ins Ruhrgebiet gemacht, um ihre Stieftochter zu pflegen.
Merz sei informiert gewesen, die Nachricht habe jedoch mutmaßlich noch nicht die Runde gemacht. Die SPD habe Merz aber übelgenommen, dass dieser seine Parteifreunde nicht zurechtgewiesen habe.
Von Stetten hatte zum damaligen Zeitpunkt auch geäußert, Bas spüre, dass „ihre Ablösung als SPD-Parteivorsitzende unmittelbar bevorsteht“, sollte sie die Reformgesetze den Bundestagsausschüssen zur Beratung vorlegen.
Außerdem könne „niemand erklären“, dass Bundesfamilienministerin Karin Prien das Elterngeld kürzen müsse, „damit die SPD-Ministerin Bärbel Bas ihr Bürgergeld weiterhin an per Haftbefehl gesuchte Mörder auszahlen kann“.

Abwesenheit ab 23. September auch vom Ministerium angekündigt

Am 21. September warf Wüst Bas vor, wegen der Landtagswahl noch keinen Gesetzentwurf für die Rentenreform vorgelegt zu haben. Die Ministerin kehrte in dieser Woche kurzzeitig nach Berlin zurück, bis sie zwei Tage später Nachricht von einer drastischen Verschlechterung des Gesundheitszustandes ihrer Stieftochter erhielt.
Lauterbach sprach davon, dass es ein Konsens innerhalb der Koalition im Bund gewesen sei, erst nach den Wahlen einen Entwurf vorzulegen.
Bas ließ sich am 23. September anlässlich der Vorstellung des „Aktionsplans gegen Sozialmissbrauch“ von Staatssekretärin Leonie Gebers vertreten. Das Ministerium gab zu diesem Zeitpunkt öffentlich bekannt, dass Bas „aus dringenden familiären Gründen“ alle Termine in den darauffolgenden Tagen absagen müsse.
Anfang Oktober hatten Teile der Union mit Blockaden der Einkommensteuerreform gedroht, sollte es nicht zu einer zügigen Umsetzung der Reformen bei Kündigungsschutz und Befristungen von Arbeitsverträgen kommen. Für Vorlagen dazu war auch das Bundesarbeitsministerium zuständig. JU-Chef Johannes Winkel mahnte am 4. Oktober mehr Tempo bei der Rente an.

Rente und Arbeitsmarktreformen noch offen

Als Bas in der Woche vor dem Koalitionsausschuss ihre Teilnahme absagte und Berlin verließ, lag bei der Rente noch kein endgültiger Gesetzentwurf vor. Während Teile der Union auf einen Beschluss bis Jahresende drängten, hat Kanzler Merz die Frist dafür bis Frühjahr 2027 verlängert.
Auch der designierte Bas-Nachfolger Alexander Schweitzer, früherer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, hat unterdessen Kritik am geplanten Ende der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren geübt.
Bei den Arbeitsmarktreformen hatte Bas den ihrem Ministerium zufallenden Part laut ntv bereits absolviert: Die Entwürfe befanden sich schon in der Frühkoordinierung des Kanzleramts.
Die Grundsicherungsreform war bereits beschlossen, allerdings gab es noch keinen abschließenden Gesetzentwurf für die von der Union verlangten zusätzlichen Verschärfungen, etwa für ukrainische Flüchtlinge, die nur noch Asylbewerberleistungen beziehen sollten.
Gegen diese Verschärfungen gab es noch Widerstände aus den Ländern. Hier einen Konsens zu schaffen, lag jedoch ebenfalls nicht mehr im Verantwortungsbereich von Bas. Vielmehr wäre dies in den Zuständigkeitsbereich des Staatsministers für Bund-Länder-Zusammenarbeit, Philipp Amthor, gefallen.

Hoppermann weist Kritik der SPD am Umgang mit Bas zurück

CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann wies die Kritik aus der SPD am Umgang mit Bärbel Bas unterdessen zurück. Sie sagte, man solle diese gegen die SPD-Landtagsfraktion in NRW richten. Diese habe gegen die krebskranke NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach einen Untersuchungsausschuss angestrengt. Dabei soll es um behördeninterne Vorgänge – unter anderem um Mobbing-Vorwürfe – gehen.
 
Mit Material der Nachrichtenagenturen
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Gericht kippt Vereinbarung zur Haftung von Ex-Audi-Chef Stadler im VW-Skandal

Das Oberlandesgericht (OLG) in Celle erklärte einen bei der Hauptversammlung des Konzerns im Juli 2021 gefassten Beschluss über die Zustimmung der Aktionäre zum Haftungsvergleich mit Stadler für „nichtig“, wie es am Mittwoch mitteilte. Die in der Hauptversammlung zu Stadlers Vermögensverhältnissen gegebenen Antworten genügten demnach nicht, „um die Beurteilung des Aufsichtsrats nachvollziehbar darzulegen“. (Az. 9 U 93/22)
Bei internen Untersuchungen um den 2015 bekannt gewordenen Dieselskandal war der VW-Konzern zu dem Ergebnis gekommen, dass der frühere VW-Chef Martin Winterkorn und Stadler ihre Sorgfaltspflichten fahrlässig verletzt hatten. Im Juli 2021 billigte die Hauptversammlung mit großer Mehrheit Haftungsvergleiche mit ihnen sowie mit einer vom Konzern für seine Führungskräfte abgeschlossenen Haftpflichtversicherung. Winterkorn sollte demnach 11,2 Millionen Euro selbst zahlen und Stadler 4,1 Millionen Euro, die Versicherung weitere rund 270 Millionen Euro.
Gegen diese Zustimmungsbeschlüsse klagten zwei Anlegerschutzvereine. Das zuständige Landgericht Hannover wies die Klagen ab, das OLG Celle die Berufung dagegen. Der Bundesgerichtshof allerdings hob die Zustimmung zu den Haftungsvergleichen im September 2025 teilweise auf und verwies die Sache zurück an das OLG.
Es sollte laut BGH nochmals prüfen, ob der VW-Vorstand bei der Hauptversammlung dem Fragerecht der Aktionäre ausreichend nachgekommen ist. Konkret ging es um eine Frage nach der finanziellen Leistungsfähigkeit der Ex-Manager – die Aktionäre bekamen konkrete Auskünfte nur zu den Einkünften, nicht aber zu den Vermögen von Stadler und Winterkorn.
In dem Urteil vom Mittwoch ging es zunächst nur um die Vereinbarung zu Stadler. Aus den Antworten an die Aktionäre ergab sich laut OLG vor allem nicht, in welchem Umfang Haftungsansprüche durch eigenes Vermögen des ehemaligen Vorstandsmitglieds gedeckt gewesen wären. Auch sei für die Aktionäre nicht „hinreichend deutlich gewesen, dass der Aufsichtsrat bei Vergleichsschluss möglicherweise selbst nicht über die erforderlichen Kenntnisse verfügt und seine Entscheidung daher nicht auf diese Kenntnisse gestützt habe“.
Das Urteil ist den Angaben nach noch nicht rechtskräftig. Eine Revision ließ der Senat nicht zu, möglich bleibt aber die Nichtzulassungsbeschwerde zum Bundesgerichtshof. (afp/red)
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Merz gibt Regierungserklärung zum EU-Gipfel ab – neuer Arbeitsminister wird vereidigt

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gibt am Mittwochnachmittag eine Regierungserklärung zum bevorstehenden EU-Gipfel ab. Themen des Treffens ab Donnerstag in Brüssel sind unter anderem die Lage im Nahen Osten, die großen Exportüberschüsse Chinas, die hohen Energiepreise sowie die weitere Unterstützung der Ukraine. Merz dürfte hier auch vor dem Hintergrund der jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump sein Bekenntnis zu weiterer Hilfe für die Ukraine bekräftigen.
Lives ab 14:00 Uhr:

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Zudem werden sich die EU-Staats- und Regierungschefs bei dem zweitägigen Gipfel mit dem nächsten mehrjährigen Finanzrahmen der EU für die Zeit von 2028 bis 2034 befassen. Merz fordert hier deutliche Kürzungen an dem rund zwei Billionen Euro schweren Etatvorschlag der EU-Kommission.
Zum Auftakt der Plenarsitzung des Bundestags wird zunächst der neue Arbeits- und Sozialminister Alexander Schweitzer im Parlament vereidigt. Er folgt auf die am Montag zurückgetretene SPD-Politikerin Bärbel Bas.
(afp/red)
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Was eine Zuckersteuer für die Limo-Preise bedeuten könnte

Limonaden, Eistees und andere zuckergesüßte Getränke könnten bald teurer werden. Grund ist eine neue Steuer, die die schwarz-rote Bundesregierung nach längerer Verhandlung jetzt auf den Weg gebracht hat. Als Nächstes wird sie im Bundestag debattiert. Geht es nach Finanzminister Lars Klingbeil (SPD), soll sie schon nächsten Sommer greifen.

Auf welche Produkte soll die Zuckersteuer anfallen?

Besteuert werden gezuckerte Getränke mit einem Gesamtzuckergehalt von mindestens fünf Gramm pro 100 Milliliter. Das geht aus dem Vorschlag hervor, den die Bundesregierung jetzt in den Bundestag gibt. Demnach sind zum Beispiel Limonaden, Eistees, Energydrinks und Fruchtsaftgetränke mit Zuckerzusatz betroffen. Keine zusätzliche Steuer gibt es für Getränke mit Alkohol – sie würden ja ohnehin schon höher besteuert, wird argumentiert. Auch alkoholfreie Biere, Weine oder Cocktails sind ausgenommen.
Reine Frucht- und Gemüsesäfte oder ungesüßte Schorlen werden ebenfalls nicht zusätzlich besteuert, weil hier ja kein Zucker zugesetzt, sondern natürlich vorhanden ist. Anders als zwischenzeitlich von Beamten des Finanzministeriums erwogen, wird die Steuer auch nicht auf Zero-Getränke erhoben, die mit Süßungsmitteln gesüßt werden und dadurch kaum oder keine Kalorien enthalten.

Wie viel teurer könnten die Getränke werden?

Das hängt davon ab, ob die Hersteller die neue Steuer eins zu eins auf die Verbraucher umlegen. Denn erst einmal zahlen sie die Steuer – abhängig davon, wie viel Zucker sie in ihre Produkte mischen. Die Hersteller müssen dann abwägen, ob sie die Mehrkosten selbst tragen, sie ihre Rezepte ändern und weniger Zucker nutzen oder ob sie die Kosten über höhere Preise an die Bürger weitergeben.
Generell sind zwei Stufen vorgesehen. Bei einem Zuckergehalt zwischen 5 und 8 Gramm pro 100 Milliliter sollen je Liter 26 Cent, der Steuersatz für Getränke mit einem Zuckergehalt ab 8 Gramm pro 100 Milliliter soll 32 Cent betragen.
Ausnahmen soll es für kleine, unabhängige Hersteller geben. Allerdings sind hier genaue Grenzen noch offen. Die Bundesregierung möchte alle Betriebe von der Steuer befreien, die bis zu einer Million Liter im Jahr produzieren. Das muss aber von der EU-Kommission erlaubt werden. Sollte die Kommission ein Veto einlegen, soll es zumindest Ausnahmen für Betriebe mit jährlicher Produktionsmenge bis zu 70.000 Liter geben.

Warum das alles?

Die Steuer wird aus zwei Gründen eingeführt. Einerseits soll sie Getränkeherstellern einen Anreiz geben, bei ihren Produkten weniger Zucker zu verwenden. Damit solle die Gesundheit vor allem von Kindern und Jugendlichen geschützt werden, erklärte das Finanzministerium. Übermäßiger Zuckerkonsum führe zu einem erhöhten Risiko für Adipositas (Fettleibigkeit), Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Karies. Das Gesundheitssystem habe dadurch jährlich Kosten von rund 2,1 Milliarden Euro.
Gleichzeitig aber sollen die Einnahmen aus der Steuer den Bundeshaushalt entlasten. Denn Finanzminister Klingbeil muss ohnehin jeden Cent zusammenkratzen, gleichzeitig drohen höhere Beiträge zum Beispiel für die Krankenversicherung. Das wollen Union und SPD verhindern, die Steuereinnahmen sollten deshalb „dazu verwendet werden, die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung stabil zu halten“, erklärte das Ministerium.

Um wie viel Geld geht es?

Der Bund rechnet mit Einnahmen von etwas unter einer Milliarde Euro im Jahr. Konkret sollen im kommenden Jahr 690 Millionen in die Kasse fließen – weil die Steuer ja erst zur Jahresmitte gelten soll. Im Jahr 2028 werden Einnahmen von 925 Millionen erwartet. Danach, so denkt man, könnte sich der Markt anpassen und weniger Zucker verwenden. Deshalb sinken perspektivisch auch die Einnahmen. Für die Folgejahre rechnet das Finanzministerium mit 875 bis 890 Millionen Euro jährlich.

Ist damit alles klar oder gibt es noch Streit?

Während die SPD die Zuckersteuer unterstützt, gibt es vor allem in der Union Gegner. Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) bezeichnete sie in einem Interview vor der Koalitionseinigung als „Teuer-Steuer“. Steigende Lebenshaltungskosten seien eines der größten Probleme in Deutschland, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Eine Zuckersteuer halte ich deshalb für ein falsches Signal, zumal es dabei nicht darum geht, die Gesundheit zu fördern, sondern Bürger wieder zur Kasse zu bitten für die Haushaltslöcher des Bundes.“ Zudem gefährde die Steuer Arbeitsplätze in der meist mittelständisch geprägten Getränkeindustrie.
Die CSU trägt die Steuer im Grundsatz zwar mit, wünscht sich aber einen späteren Starttermin. „Unser Wunschtermin ist der 1. Januar 2028. Dann hätten die Unternehmen Zeit, die Rezepturen umzustellen“, sagte der Chef der CSU-Bundestagsabgeordneten, Alexander Hoffmann, im Frühstart von RTL und ntv. Den bislang vorgesehenen Start zum 1. Juli 2027 sehe die CSU weiterhin „sehr, sehr kritisch“.
Hauptziel sei die Gesundheit von Kindern, deshalb müsse man den Unternehmen Zeit geben, ihre Rezepturen umzustellen. Der Bundeshaushalt sei zwar „auf Kante genäht“, es gebe aber Spielräume, um auf die Einnahmen für 2027 zu verzichten und eine Verschiebung möglich zu machen. Im Bundestag dürften Union und SPD darüber in den nächsten Wochen noch debattieren. (dpa/red)
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MP-Wahl: CDU will im dritten Wahlgang im Plenarsaal sein – AfD nennt Plan „Kindergarten“

Wenn sich AfD-Politiker Ulrich Siegmund im Dezember im Landtag von Sachsen-Anhalt zur Wahl als Ministerpräsident stellt, will die CDU-Fraktion im ersten und zweiten Wahlgang nicht dabei sein. Sollte es zu einem dritten Wahlgang kommen, bei dem die einfache Mehrheit zählt, „dann wären wir natürlich auch im Plenum“, sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident und CDU-Fraktionschef Sven Schulze am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“.
Wie die CDU dann abstimmen würde, ließ Schulze offen: „Wie wir uns dann verhalten, hängt ja auch davon ab, wie die Situation ist – gibt es dann einen Kandidaten, gibt es mehrere Kandidaten?“
Der Ministerpräsident betonte aber erneut: „Wir werden einen AfD-Ministerpräsidenten nicht mitwählen.“ Die CDU-Fraktion hatte am Dienstag beschlossen, im ersten und zweiten Wahlgang bei der Ministerpräsidentenwahl im Dezember den Plenarsaal zu verlassen. Der AfD-Politiker Ulrich Siegmund will sich zur Wahl stellen.
Siegmund habe angekündigt, nur im ersten Wahlgang anzutreten, sagte Schulze. „Deswegen jetzt ging es erst mal darum, eine Klarheit zu schaffen für den ersten und zweiten Wahlgang aus unserer Sicht intern“, erklärte der Fraktionschef den CDU-Beschluss.
Diesem hatten 14 CDU-Abgeordnete zugestimmt, einer enthielt sich. Die gesamte Fraktion habe den Beschluss „als einen Weg empfunden, der umsetzbar ist“, sagte Schulze dazu. Er fügte hinzu: „Bis auf einen, der sich das rechtlich jetzt noch mal anschauen möchte, was das genau bedeutet für ihn.“

Alice Weidel spricht von „Kindergarten allererster Sahne“

Die AfD-Spitze rechnet trotz des CDU-Plans damit, dass Siegmund zum ersten AfD-Ministerpräsidenten Deutschlands gewählt wird. „Der Ulrich Siegmund wird Ministerpräsident“, sagte Parteichefin Alice Weidel vor Journalisten in Berlin. Ob im „im ersten, zweiten oder dritten Wahlgang, das ist uns völlig egal.“
Dass die CDU mit ihrem Vorgehen dem Verdacht aus dem Weg gehen will, aus ihren Reihen könnte es bei der geheimen Wahl Stimmen für Siegmund geben, kommentierte sie mit den Worten: „Das ist schon Kindergarten allererster Sahne.“ Man solle es jedem Abgeordneten selbst überlassen, wen er wähle. Was die CDU mache, werde dazu führen, dass sie weiter absacke.
Der Fraktionschef des BSW im Landtag von Sachsen-Anhalt, Thomas Schulze, sagte: „Die CDU-Fraktion ist nur noch eine einzige Trümmertruppe. Den Sitzungssaal bei der Ministerpräsidentenwahl zu verlassen, ist maximal feige und ein erschreckend unparlamentarisches Verhalten.“
Die SPD sprach von einem ungewöhnlichen parlamentarischen Vorgehen. „Aber es ist die Entscheidung der CDU-Fraktion“, so ein Sprecher. Die SPD-Fraktion werde an der Wahl teilnehmen und mit Nein stimmen. „Gerade bei der Wahl eines Ministerpräsidenten wollen wir unsere klare Haltung durch unsere Stimmabgabe zeigen und nicht durch Abwesenheit.“

Schulze: Fraktion „ein ganzes Stück wieder zusammengerückt“

Für Schulze zeigt der Beschluss, eine wiederhergestellte Einigkeit. „Wir haben es geschafft, Gräben, die es tatsächlich auch gab in der Fraktion, zu kitten“, betonte er.
Die AfD sucht derzeit in Gesprächen mit dem BSW und nach eigenen Angaben auch bei einzelnen Abgeordneten anderer Fraktionen nach Unterstützung, um die nötige Mehrheit für die Wahl Siegmunds zu erreichen. Mit der AfD koalieren will keine Partei. Sollte Siegmund zum Ministerpräsident gewählt werden, wäre es das erste Mal, dass die AfD in einem deutschen Bundesland regiert.
In der vergangenen Woche wurde mit Tobias Rausch ein AfD-Politiker zum neuen Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt gewählt. Er erhielt in geheimer Wahl vier Stimmen mehr, als AfD und das diese offen unterstützende BSW zusammen haben. Womöglich kamen weitere Stimmen aus der CDU – denn SPD, Grüne und Linke hatten angekündigt, mit nein zu stimmen.
(afp/dpa/red)
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Rheuma: Die unterschätze Rolle von Psyche und Traumata hinter der Entzündung

Ich erinnere mich an den Morgen, an dem Frau L. zum ersten Mal in meiner Praxis stand. Sie hielt ihre Hände wie etwas Zerbrechliches vor sich, als wären die geschwollenen Gelenke ein fremder Körper, der nicht mehr zu ihr gehörte.
„Ich habe das Gefühl, mein eigener Körper greift mich an“, sagte sie, und in diesem Satz lag eine Mischung aus Wut, Angst und einer tiefen Erschöpfung, die ich in meinem Praxisalltag bei vielen Rheumapatienten sehe.
Ich spüre in solchen Momenten immer wieder, dass Rheuma mehr ist als ein entzündlicher Prozess. Es ist oft ein stiller Ausdruck innerer Konflikte, ein psychosomatisches Echo, das sich seinen Weg in die Gelenke bahnt.
Frau L. litt an rheumatoider Arthritis, was umgangssprachlich oft als klassisches Rheuma bezeichnet wird.
Grundsätzlich ist Rheuma ein Überbegriff für vier große Kategorien: die entzündlichen rheumatischen Erkrankungen, wie die rheumatoide Arthritis, degenerative Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen wie Arthrosen, Weichteilrheumatismus, wie zum Beispiel das Fibromyalgie- Syndrom und Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden wie beispielsweise der Gicht.
Entzündliches Rheuma, wie die rheumatoide Arthritis, ist als Autoimmunerkrankung definiert, bei der das eigene Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe wie Gelenke und Sehnen angreift.

Die unterschätzte Rolle der Psyche bei chronischer Entzündung

In der Ganzheitsmedizin wird die rheumatoide Arthritis jedoch nicht als rein immunologische Fehlsteuerung betrachtet. Es wird als ein komplexes Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, Lebensstil, emotionalen Belastungen und immunologischen Prozessen angesehen.
Auch die moderne Forschung zeigt, dass die Psyche bei Entzündungen eine weit größere Rolle spielt, als lange angenommen. Eine der wichtigsten Arbeiten dazu stammt von Andrew H. Miller von der Emory University in Atlanta  aus dem Jahr 2015. Miller beschreibt darin, wie chronischer Stress und unverarbeitete emotionale Belastungen die Ausschüttung entzündungsfördernder Zytokine verstärken. Obwohl es bei dieser Arbeit nicht um Rheumapatienten ging, sind es dieselben entzündungfördernden Moleküle, die bei rheumatoider Arthritis die Gelenke zerstören.
Diese Erkenntnis ist für die ganzheitsmedizinische Sicht zentral: Viele meiner Rheumapatienten berichten von langjährigen Konflikten, traumatischen Erfahrungen oder einem Leben, das sie über Jahre hinweg „gegen sich selbst“ geführt haben. Der Körper wird zum Sprachrohr, wenn die Seele verstummt.
Neben einer unverzichtbaren Physio- und Ergotherapie sowie einer fleischarmen und entzündungshemmenden Ernährung kann die medikamentöse Therapie durch ganzheitliche Verfahren wie Akupunktur oder Homöopathie unterstützt werden.
Ganzheitsmedizin bedeutet, den Menschen nicht als Summe einzelner Symptome zu sehen, sondern als Einheit aus Körper, Seele und Geist, in der jede Ebene die andere beeinflusst. Deshalb arbeitet sie bevorzugt mit nebenwirkungsarmen oder nebenwirkungsfreien Verfahren, die natürliche Regulationsprozesse anstoßen.
In diesem Verständnis wird Heilung nicht nur als biochemischer Vorgang gesehen, sondern als ein tiefgreifender Prozess innerer Ordnung, der den Menschen wieder in sein Gleichgewicht zurückführt.

Akupunktur – mit feinen Nadeln gegen tiefe Entzündungen

Die Schulmedizin betrachtete Akupunktur lange als Placebo oder bestenfalls als ergänzende Schmerztherapie.
Doch die Datenlage hat sich in den letzten Jahren verändert. So zeigten verschiedene Studien, dass Akupunktur nicht nur Schmerzen reduziert, sondern messbar die Entzündungsmarker senken kann.
In meiner Praxis sehe ich das immer wieder: Patienten, die seit Jahren unter Dauerschmerz leiden, berichten oft nach wenigen Sitzungen von einer neuen Leichtigkeit. Akupunktur wirkt nicht nur lokal, sondern Untersuchungen deuten darauf hin, dass sie das vegetative Nervensystem reguliert, die Stressachse beruhigt und so eine innere Balance schafft, die vielen Rheumapatienten verloren gegangen ist.

Homöopathie – oft unterschätzt, aber hilfreich bei chronischen Schmerzen

Homöopathie wird aus wissenschaftlicher Sicht oft belächelt, doch das spiegelt nicht immer die klinische Realität wider.
Eine prospektive Beobachtungsstudie von Claudia Witt an der Charité Berlin zeigte beispielsweise deutliche Verbesserungen bei chronischen Schmerzpatienten nach zwei Jahren individualisierter homöopathischer Behandlung, darunter auch Menschen mit rheumatischen Beschwerden.
Auch bei Frau L. integrierte ich eine individuell abgestimmte homöopathische Zubereitung als Teil ihrer Behandlung.

Traumata, Meditation und die stille Macht der Selbstregulation

Dass psychische Traumata das Risiko für rheumatoide Arthritis erhöhen, ergab auch eine große epidemiologische Studie mit knapp 50.000 Teilnehmerinnen aus dem Jahr 2019. Darin zeigte sich, dass jene mit schweren traumatischen Erfahrungen im Beobachtungszeitraum signifikant häufiger Autoimmunerkrankungen entwickelten.
Das ist ein Befund, der die psychosomatische Sichtweise auf chronisch entzündliche Erkrankungen klar unterstützt.
Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass Mind-Body-Verfahren, darunter Entspannungsmethoden wie Meditation und Atemübungen, die Immunantwort positiv beeinflussen können.
Michael E. Irwin, Professor für Psychiatrie und Experte für die psychoneuroimmunologischen Mechanismen an der University of California, beschrieb in einer klinischen Studie, wie Meditation, Atemtechniken und emotionale Verarbeitung die Entzündungsaktivität senken.
In meiner Praxis sehe ich ebenfalls immer wieder, wie Patienten, die lernen, ihre inneren Spannungen zu regulieren, oft deutlich weniger entzündliche Schübe erleben.

Rheuma: Mehr als nur eine Erkrankung der Gelenke

Als Frau L. nach einigen Monaten der Behandlung wieder in meiner Praxis war, war die Veränderung deutlich zu sehen: Die Hände waren kaum noch geschwollen, die Bewegungen flüssiger, und in ihrem Blick lag etwas, das bei Rheumapatienten eher selten ist: Zuversicht.
Die Kombination aus Akupunktur, einer individuell abgestimmten homöopathischen Behandlung und den psychosomatischen Gesprächen, in denen sie zum ersten Mal über alte Verletzungen sprach, hatte etwas in ihr verändert, das über Laborwerte hinausging und es ermöglichte ihre Schmerzmedikamente zu reduzieren.
Sie sagte leise: „Ich habe das Gefühl, mein Körper kämpft nicht mehr gegen mich.“

Mein Zusatztipp

Wer an Rheuma leidet, kann zur Regulierung des Nervensystems täglich einige Minuten für eine einfache Atemübung reservieren: vier Sekunden tief durch die Nase einatmen, 7 Sekunden lang den Atem anhalten und 8 Sekunden lang vollständig durch den Mund ausatmen.
Diese kleine Routine ist ein erster Schritt, um das Nervensystem zu beruhigen, Stresshormone zu senken und – wie Studien zeigen – damit die Entzündungsaktivität zu beeinflussen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Entführungsalarm am Flughafen: War es ein Tippfehler?

Ein Tippfehler im Cockpit soll laut Polizei den Entführungsalarm und Großeinsatz am Flughafen Nürnberg ausgelöst haben. Der Pilot der Maschine habe nach aktuellen Ermittlungen einen Funkausfall melden wollen und dabei versehentlich den Code für eine Flugzeugentführung eingegeben, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur.
Nach Angaben der Polizei war zudem das Funkgerät der Boeing 737-800 defekt. Die Crew war nach dem Start auf der griechischen Insel Korfu deshalb nicht mehr zu erreichen. Statt des Codes für einen Funkausfall sendete der Transponder die 7500, das Signal für eine Entführung.
Dem Piloten sei der mutmaßliche Fehler wohl nicht bewusst gewesen, sagte Polizeisprecher Michael Petzold. Ein einmal gesendeter Code könne nicht mehr zurückgenommen werden. Gegen den Piloten ermittle die Polizei aber nicht, da er mutmaßlich nicht absichtlich gehandelt habe.

Kampfjets eskortierten das Flugzeug bis Nürnberg

Wegen des Alarms waren am Dienstag in Nürnberg etwa eine Verhandlungsgruppe, die für den Kontakt mit Entführern geschult ist, und das Unterstützungskommando (USK) der bayerischen Polizei im Einsatz. Bereits im kroatischen Luftraum hatten Militärflugzeuge die Maschine begleitet. Abfangjäger des österreichischen Bundesheeres wurden alarmiert. Im deutschen Luftraum eskortierten zwei Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 das Flugzeug bis Nürnberg.
Zwischen Notsignal und Landung sei den Einsatzkräften weniger als eine Stunde geblieben, um zu reagieren, sagte Petzold. „Es war schon eine extrem hervorragende Leistung.“ Die Polizei sei in kürzester Zeit auf den schlimmsten Fall vorbereitet gewesen. (dpa/red)
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Social-Media-Verbot für Kinder unter 13: Bundesregierung beschließt Eckpunkte

In Deutschland sollen übergangsweise eigene Regeln für ein Social-Media-Verbot unter 13 eingeführt werden, bis es zu einer EU-weiten Regelung kommt. Das Bundeskabinett beschloss dazu in Berlin Eckpunkte aus dem Haus von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU). Plattformen wie TikTok, Snapchat oder Instagram sollen demnach für Kinder unter 13 Jahren tabu sein.
Zwar hatte auch die EU-Kommission im September bereits entsprechende Pläne vorgestellt („EU Kids Act“). Bis sich EU-Parlament und Mitgliedsländer bei dem Vorhaben aber auf einheitliche Linien verständigt haben und ein Mindestalter tatsächlich eingeführt wird, könnte viel Zeit vergehen.
Die vom Kabinett verabschiedeten Eckpunkte sind noch kein konkretes Gesetzesvorhaben, sondern zunächst eine Absichtserklärung. Somit blieb zunächst auch offen, wann konkret die Beschränkungen in Kraft treten sollen.
Die geplante Übergangsregelung für Deutschland werde Kindern unter 13 Jahren die Nutzung sozialer Netzwerke „grundsätzlich untersagen“, hieß es. Ausnahmen solle es „für nachweislich kindgerechte Angebote geben“. Für 13- bis 18-Jährige sind „abgestufte Beschränkungen“ vorgesehen.
Auch das ähnelt den Plänen der EU-Kommission, wonach Jugendliche ab 13 „Mini-Konten“ nutzen sollen dürfen, die von den Eltern eingerichtet und beaufsichtigt werden. Diese sollen nur begrenzte Funktionen haben und ihre Nutzung auf eine Stunde pro Tag beschränkt sein. (dpa/red)
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Zuckersteuer ab 2027: Kabinett beschließt Entwurf – Union bleibt uneins


In Kürze:

  • Die Zuckersteuer soll am 1. Juli 2027 starten. Ihre Höhe richtet sich nach dem Zuckergehalt der Getränke.
  • Die Bundesregierung erwartet Einnahmen von 690 Millionen Euro im Jahr 2027 und 925 Millionen Euro 2028.
  • Teile der Union lehnen die Steuer ab. CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann fordert eine Einführung erst zum 1. Januar 2028.

 
Das Bundeskabinett hat eine Formulierungshilfe für die Einführung einer Zuckersteuer auf gesüßte Getränke beschlossen. Die Abgabe soll ab dem 1. Juli 2027 erhoben werden, sofern der Deutsche Bundestag die Regelung verabschiedet. Die Höhe der Steuer richtet sich nach dem Zuckergehalt. Betroffen sein sollen unter anderem Limonaden, Eistees, Energydrinks, Fruchtnektare und gezuckerte Getränkesirupe. Reine Fruchtsäfte, Milch- und Pflanzendrinks sowie Getränke, die mit Süßungsmitteln statt Zucker gesüßt werden, sollen ausgenommen sein.
Der Kompromiss sieht eine zweistufige Steuer und Ausnahmen für kleinere Hersteller vor. Wie aus der Formulierungshilfe hervorgeht, die auch der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt, sollen für Getränke mit einem Zuckergehalt von mindestens fünf und weniger als acht Gramm pro 100 Milliliter 26 Cent pro Liter fällig werden. Bei mindestens acht Gramm Zucker pro 100 Milliliter soll der Steuersatz 32 Cent pro Liter betragen.

Bundesregierung erwartet hohe Einnahmen

Mit der Zuckersteuer will Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) nicht nur Einnahmen für den Bundeshaushalt generieren, sondern auch Getränkeherstellern einen Anreiz geben, den Zuckergehalt zu senken und ihre Produkte gesünder zu machen.
Das Kanzleramt hatte seine Pläne Anfang des Monats jedoch vorerst gestoppt. In Regierungskreisen hieß es, der Entwurf weiche vom Vorschlag der Finanzkommission Gesundheit ab und sei in dieser Form innerhalb der Regierung nicht mehrheitsfähig.
Nach der jetzigen Einigung geht die Bundesregierung davon aus, dass die Steuer dem Bund 2027 rund 690 Millionen Euro einbringen wird. Für 2028 werden Einnahmen von 925 Millionen Euro erwartet. Danach sollen sie sich auf jeweils rund 880 Millionen Euro pro Jahr belaufen.
Laut RND soll die Steuer nicht für Hersteller gelten, die weniger als eine Million Liter gezuckerte Getränke pro Jahr produzieren.

Boris Rhein bezeichnet Zuckersteuer als „Teuer-Steuer“

Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hat die geplante Steuer auf zuckergesüßte Getränke als „Teuer-Steuer“ bezeichnet. Steigende Lebenshaltungskosten seien eines der größten Probleme in Deutschland, sagte Rhein dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
„Eine Zuckersteuer halte ich deshalb für ein falsches Signal, zumal es dabei nicht darum geht, die Gesundheit zu fördern, sondern Bürger wieder zur Kasse zu bitten für die Haushaltslöcher des Bundes“, sagte Rhein dem Bericht zufolge.
Zudem gefährde die Steuer Arbeitsplätze in der meist mittelständisch geprägten Getränkeindustrie.
Rhein äußerte sich, bevor die Einigung innerhalb der Koalition bekannt wurde. Nach dem Bekanntwerden des Kompromisses bekräftigte er seinen Widerstand gegen die Pläne.
Gegen die Zuckersteuer gab es bis zuletzt erhebliche Widerstände. Vor wenigen Tagen hatten sich auch die neun Landwirtschafts- und Verbraucherschutzminister der Union aus den Bundesländern in einem Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dagegen ausgesprochen.
Eine Zuckersteuer setze auf staatliche Lenkung und belaste den Kauf bestimmter Lebensmittel unnötigerweise zusätzlich, kritisierten die Ressortchefs in dem Schreiben.

CSU fordert späteren Starttermin

CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann fordert, die geplante Zuckersteuer erst zum 1. Januar 2028 einzuführen. „Unser Wunschtermin ist der 1. Januar 2028. Dann hätten die Unternehmen Zeit, die Rezepturen umzustellen“, sagte Hoffmann den Sendern RTL und ntv. Den bislang vorgesehenen Start zum 1. Juli 2027 sehe die CSU weiterhin „sehr, sehr kritisch“.
Hoffmann warf Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) überzogene Vorstellungen vor. „Wir haben Stand heute nach wie vor überzogene Vorstellungen des Bundesfinanzministeriums“, sagte er. Die Zuckersteuer müsse eine Lenkungssteuer sein. Es gehe um echte Prävention. Deutschland habe dabei Nachbesserungsbedarf, sagte Hoffmann mit Blick auf Übergewicht bei Kindern und den hohen Zuckerkonsum.
Entscheidend sei, den Unternehmen ausreichend Vorlauf einzuräumen. „Da muss man aber auch den Unternehmen Zeit geben, um die Rezepturen umzustellen. Das hat in anderen Ländern eben auch große Erfolge gebracht. Also darum muss es gehen“, sagte der CSU-Politiker.
Nach seiner Darstellung zeigen Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern, dass Veränderungen beim Konsum zuckerhaltiger Getränke vor allem auf die Umstellung der Rezepturen zurückzuführen seien.

Streit über Haushaltslage und gesundheitspolitische Ziele

Auf die Frage, wie sich eine Verschiebung auf die Haushaltsplanung für 2027 auswirken würde, verwies Hoffmann auf die angespannte finanzielle Lage des Bundes. „Der Haushalt 2027, das wissen wir, der ist auf Kante genäht. Wir sind bei einem strukturellen Defizit gestartet von 34 Milliarden. Das ist die Herausforderung, die wir zu lösen haben“, sagte er.
Dennoch hält Hoffmann einen späteren Beginn für möglich. Es gebe verschiedene Stellschrauben, an denen sich Änderungen vornehmen ließen. Die Spielräume seien seiner Ansicht nach vorhanden, um die Einführung zu verschieben.
Hoffmann betonte, die gesundheitspolitische Wirkung müsse Vorrang vor zusätzlichen Einnahmen haben. „Und noch mal: Bei der Zuckersteuer ging es nicht darum, Einnahmen zu generieren, sondern im Mittelpunkt steht der Lenkungsgedanke. Und deswegen sollten wir uns daran auch orientieren“, sagte er.
Am Mittwoch soll sich das Bundeskabinett mit der geplanten Steuer befassen. Anschließend steht das weitere parlamentarische Verfahren an. Trotz der Einigung zwischen Union und SPD bleibt damit insbesondere der vorgesehene Starttermin umstritten. (afp/dpa/dts/red)
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Nord-Stream-Anschlag: Prozess gegen Ukrainer beginnt

Rund vier Jahre nach den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee muss sich der ukrainische Staatsangehörige Serhij K. von heute an vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg verantworten. Epoch Times ist für Sie vor Ort.
Die Bundesanwaltschaft wirft Serhii K. unter anderem ein Kriegsverbrechen in Form eines Angriffs gegen zivile Objekte vor. Sie geht laut Anklage von einer Tat im Auftrag staatlicher ukrainischer Stellen aus. Präsident Wolodymyr Selenskyj wies eine offizielle Beteiligung der Regierung in Kiew an Operationen gegen die Erdgasleitungen zurück.
Die für den Transport russischen Erdgases nach Deutschland bestimmten Pipelines waren am 26. September 2022 detoniert, Sprengsätze fügten den durch die Ostsee verlaufenden Leitungssträngen schweren Schaden zu. Zum Zeitpunkt der Anschläge waren sie nicht in Betrieb. Russland hatte Gaslieferungen durch Nord Stream 1 bereits kurz zuvor gestoppt, mutmaßlich als Reaktion auf westliche Sanktionen wegen des Angriffs auf die Ukraine. Nord Stream 2 war damals neu und lieferte nie Gas.
Der Anklage der Bundesanwaltschaft zufolge sollte die Sabotageaktion Energieexporte über die Pipelines nach Westeuropa dauerhaft stoppen, damit Russland die Einnahmen nicht zur Finanzierung des Kriegs gegen die Ukraine nutzen konnte. K. soll den Plan dazu zusammen mit anderen Militärangehörigen im Auftrag von staatlichen Stellen ausgearbeitet haben, demnach war er zu jener Zeit Offizier der ukrainischen Armee.

Hergang der Sprengung

Den deutschen Ermittlern zufolge soll K. eine kleinere Gruppe aus Berufstauchern, einem Sprengstoffexperten und einem Bootsskipper angeführt haben, welche die Sprengsätze anbrachte. Dafür reiste K. laut Anklage Anfang September 2022 mit einem gefälschten ukrainischen Pass über Polen nach Deutschland ein und begab sich in Rostock mit den Mittätern an Bord einer von Mittelsmännern gemieteten Segeljacht.
Laut Bundesanwaltschaft brachten sie mit dem Schiff größere Mengen eines militärisch nutzbaren starken Sprengstoffs in internationale Gewässer nahe der dänischen Ostseeinsel Bornholm. Irgendwann vor dem 22. September befestigten sie demnach Sprengsätze mit Zeitzündern an den Pipelines. Einige Tage später, am 26. September, explodierten sie.
K. wurde im August vergangenen Jahres im Urlaub in Italien gefasst und später nach Deutschland ausgeliefert, wo er in Untersuchungshaft kam. Für seinen Prozess vor dem Hamburger Oberlandesgericht sind Termine bis Februar 2027 angesetzt. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm Mittäterschaft bei einem Kriegsverbrechen in Form eines Angriffs gegen zivile Objekte und weitere Delikte vor, darunter die Störung öffentlicher Betriebe.
Inzwischen befindet sich auch ein zweiter mutmaßlicher Verdächtiger in Haft. Bei ihm handelt es sich laut Bundesanwaltschaft um einen der mutmaßlich an der Sabotageaktion beteiligten Taucher, einen Ukrainer namens Wolodymyr Z., der im August auf Basis eines europäischen Haftbefehls in Kroatien gefasst wurde. Ein Gericht genehmigte im September die Auslieferung nach Deutschland. Sein Anwalt kündigte Berufung an.

Ukrainische Regierung wies Beteiligung zurück

Angriffe auf Energieinfrastruktur spielen im Ukrainekrieg eine große Rolle, weil diese von strategischer Bedeutung sind. Russland verfügt über riesige Öl- und Gasvorkommen. Die Ukraine greift in jüngerer Zeit als Reaktion auf massive russische Raketen- und Drohnenattacken verstärkt unter anderem etwa Raffinerien und Öldepots in Russland an.
Eine Beteiligung an den Anschlägen auf die Nord-Stream-Leitungen aber wies die ukrainische Regierung stets zurück – und widersprach damit den Darstellungen aus der Anklage. Kiew habe sich „niemals offiziell an irgendeiner Operation beteiligt, die mit der Sprengung von Nord Stream zu tun hatte“, betonte Präsident Selenskyj erst im August.

Verfahren in Deutschland

Die Regierung in Kiew habe „keine Erwartungen“ an den Prozess, sagte ein ranghoher Vertreter der Nachrichtenagentur AFP. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow betonte gegenüber AFP, die russische Regierung erwarte von dem bevorstehende Verfahren „Objektivität“ und einen Schuldspruch.
Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen schon kurz nach der Sabotageaktion im Oktober 2022 – obwohl sich die Sprengung der von Unternehmenskonsortien unter Führung des russischen Energiekonzerns Gazprom gebauten und betriebenen Unterwasserpipelines nicht auf deutschem Staatsgebiet ereignete. Der Bundesgerichtshof segnete dies später ab, Haftbeschwerden des in Hamburg angeklagten K. lehnte er ab.
Demnach ist ein juristisches Verfahren in Deutschland möglich, weil die Pipelines im mecklenburg-vorpommerschen Lubmin enden – die Folgen der Tat also auch hierzulande auftreten. Zudem stellte das Gericht fest, dass sich der Beschuldigte wohl nicht erfolgreich auf das Kriegsvölkerrecht werde berufen können, das Angehörigen regulärer Streitkräfte für legitime Kriegshandlungen Straffreiheit zusichert.
Dieses sogenannte Kombattantenprivileg gelte grundsätzlich nicht für „verdecktes Handeln von Militärangehörigen“, stellte das Gericht im Dezember fest. Zudem handle es sich bei Pipelines um zivile Objekte. (afp/red)
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Ukrainekrieg: Es geht um Gas, Öl, Diesel und um Ablenkung von der Front


In Kürze:

  • Trumps angekündigter „Energiewaffenstillstand“ zwischen Russland und der Ukraine ist bislang nicht umgesetzt.
  • Die Ukraine greift gezielt russische Öl- und Raffinerieanlagen an, um Russlands Einnahmen zu schmälern.
  • Russland setzt seine Angriffe auf die ukrainische Strom- und Wärmeversorgung vor dem Winter fort.

 
Russland und die Ukraine haben sich bislang nicht darauf geeinigt, gegenseitige Angriffe auf Energieinfrastruktur auszusetzen. Vorausgegangen war eine gegenteilige Ankündigung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump.
Er hatte am 11. Oktober auf seiner Plattform Truth Social geschrieben: „Mit sofortiger Wirkung gilt im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ein ENERGIE-WAFFENSTILLSTAND. Beide Seiten haben dem zugestimmt. Bitte halten Sie sich daran!“

Kein „Energiewaffenstillstand“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj signalisierte noch am selben Abend Zustimmung. Die Ukraine sei bereit, auf Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur zu verzichten, und rechne mit derselben Bereitschaft Russlands, sagte er in seiner abendlichen Videoansprache.
Am Tag darauf sagte Selenskyj beim Warschauer Sicherheitsforum, die Ukraine habe aus den Medien von der Vereinbarung erfahren.
Auch Kremlsprecher Dmitri Peskow gab sich zurückhaltend. Er sagte zu Trumps Ankündigung laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur „TASS“: „Die Gespräche dauern an. Sobald wir etwas zu diesem Thema zu sagen haben, werden wir Sie auf jeden Fall auf dem Laufenden halten.“
Die Aufforderung Trumps zu einem „Energiewaffenstillstand“ geht zeitlich einher mit seinem „Diesel-Deal“. Nach einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin schrieb Trump am 9. Oktober auf Truth Social, Russland werde „unverzüglich“ mehr als 300.000 Tonnen Diesel „auf den amerikanischen und den weltweiten Markt“ bringen, gefolgt von 500.000 Tonnen im November und einer weiteren Million danach. Später sollten weitere 3 Millionen Tonnen folgen.
Damit Russland trotz bestehender Sanktionen liefern kann, erteilte das US-Finanzministerium eine vorübergehende Ausnahmegenehmigung.
Selenskyj kritisierte den Diesel-Deal scharf. Daraufhin sagte Trump am 10. Oktober, die Ukraine solle sich einen neuen Präsidenten suchen, der „einen Deal machen kann“.

Russland greift weiter Energieanlagen an

Nach Trumps Ankündigung griff Russland laut Selenskyj zahlreiche ukrainische Energieanlagen an, darunter ein Kraftwerk in Charkiw, eine Gasförderanlage und eine zivile Tankstelle.
Die Ukraine sei davon „schrecklich überrascht“ worden, sagte Selenskyj am 12. Oktober beim Warschauer Sicherheitsforum. Und weiter: „Das ist Putins Antwort an Trump: russische Angriffe.“
Diese Entwicklung der vergangenen Tage wirft die Frage auf, welche Rolle die gegenseitigen Angriffe Russlands und der Ukraine auf die Energieinfrastruktur spielen.

Die „kinetischen Sanktionen“ der Ukraine

Der Energieexperte Gabriel Collins vom Baker Institute for Public Policy der privaten Rice University in Texas versuchte bereits im März dieses Jahres in einer Analyse, darauf eine Antwort zu geben.
„Nach Jahren der ‚Papier-Sanktionen‘, in denen weiterhin große Mengen russischen Öls und russischer Raffinerieprodukte auf den Markt gelangten und Russland damit Einnahmen verschafften, verfolgte die Ukraine 2025 einen anderen Ansatz: physische oder ‚kinetische Sanktionen‘“, schreibt Collins.
Gemeint sind die Drohnenangriffe der Ukraine auf russische Treibstofflager und Raffinerien weit im Hinterland. Zu Beginn des Krieges habe die Ukraine über solche militärischen Fähigkeiten nicht verfügt.
Inzwischen verfolge das ukrainische Militär „einen wirkungsorientierten Ansatz für die gesamte Energiewertschöpfungskette, indem es russische Produktionsanlagen im vorgelagerten Bereich ins Visier nimmt, darunter Ölplattformen im Kaspischen Meer, wichtige Pumpstationen von Exportpipelines wie der Druschba-Pipeline [Anm. d. Red.: Sie verbindet russische Ölfelder unter anderem über die Ukraine mit Raffinerien in Ungarn und der Slowakei], Kraftwerke und Umspannwerke, Öllager, Ölverladehäfen wie Noworossijsk und vor allem Ölraffinerien“, hält Collins fest.
Der texanische Energieexperte nennt mehrere Gründe für „das besondere Augenmerk der Ukraine auf die russische Ölversorgungskette“. Zum einen sei der Verkauf von Rohöl und raffinierten Produkten Russlands wichtigste Einnahmequelle aus dem Ausland und finanziere „weitgehend seine Kriegsanstrengungen“.
Außerdem „kann die Unterbrechung der Öllager- und Raffineriekapazitäten auch die russische Logistik auf dem Schlachtfeld behindern“. Dies spiegele sich in der großen Zahl von Angriffen auf Öllageranlagen im Westen Russlands sowie auf die Treibstoffanlagen wider, die den Bomberstützpunkt Engels versorgen.
Der russische Luftwaffenstützpunkt Engels-2 liegt in der Oblast Saratow nahe der Wolga. Dort sind strategische Bomber der Typen Tu-95 und Tu-160 stationiert, von denen aus Russland regelmäßig Marschflugkörper auf ukrainische Städte abfeuert. Im Sommer wurde der Stützpunkt selbst zum Ziel ukrainischer Drohnenangriffe.
Am 16. Juli zerstörte der ukrainische Geheimdienst SBU dort nach Angaben Selenskyjs einen Tu-95-Bomber, wie das ukrainische Militärportal „Militarnyi“ berichtete. Bei einem weiteren Angriff am 28. August wurde ein zweiter Tu-95 so schwer beschädigt, dass er vermutlich nicht mehr zu reparieren ist. Das zeigen Satellitenbilder der Analysegruppe AviVector.

Ukraine will Russlands Einnahmen schmälern

Als weiteren Grund für die ukrainischen Angriffe auf den russischen Energiesektor nennt Collins, dass die Ukraine wirtschaftliche und militärische Auswirkungen gegenüber direkten Folgen für die Zivilbevölkerung in Russland „zu priorisieren“ scheint.
Anders ausgedrückt: Russische Verbraucher müssten zwar möglicherweise höhere Benzinpreise in Kauf nehmen oder verstärkt auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen, doch ihre Stromversorgung sei bislang in der Regel nicht unterbrochen worden.
„Die bisher von der Ukraine unter Beweis gestellten Fähigkeiten bei Angriffen auf den Energiesektor – darunter erfolgreiche, wenn auch begrenzte Angriffe Ende 2025 auf wichtige Hochspannungsumspannwerke in Zentralrussland – deuten darauf hin, dass es bislang eine bewusste Entscheidung Kiews ist, die russische Strominfrastruktur intakt zu lassen“, analysiert der texanische Energieexperte.
Und er kommt zu dem Fazit: „Die Ukraine hat erhebliche Anreize, die Einnahmen Russlands zu schmälern, indem sie dessen Öl- und Gasförder- sowie Exportinfrastruktur einschränkt und zerstört.“
Gleichzeitig baue die ukrainische Rüstungsindustrie eigene schwere Langstrecken-Angriffskapazitäten aus. Das Zusammenspiel aus dem Überlebenswillen der Ukrainer und ihren wachsenden Angriffsfähigkeiten lasse „potenzielle Herausforderungen“ für die russischen Exporte von Erdöl, Raffinerieprodukten und Gas erwarten, so Collins’ abschließende Einschätzung.

Ukraine will Russland „zwingen“, Angriffe einzustellen

Der auf Militärpolitik spezialisierte private amerikanische Thinktank Institute for the Study of War (ISW) beobachtet täglich die Entwicklungen im Ukrainekrieg. In einem Onlinebeitrag auf seiner Website vom 13. September wird über zahlreiche, vor Kurzem durchgeführte russische Angriffe auf ukrainische Energieanlagen berichtet.
Am 13. September sei eine Tankstelle in der Oblast Wolyn an der Grenze zu Polen angegriffen worden. Hinzu kämen Angriffe auf Eisenbahnen und Grenzübergänge zu Polen und Moldau.
Daraus zieht der Thinktank den Schluss: „Russland nimmt zunehmend ukrainische Grenzübergänge ins Visier und eskaliert seine Drohnenüberflüge in den europäischen Luftraum, um die NATO einzuschüchtern und dazu zu bewegen, ihre Unterstützung für die Ukraine aufzugeben.“
Das ISW glaubt, diese Angriffe geschähen auch, weil es an der Front kaum mehr Geländegewinne für Russland gebe. „Die ukrainischen Streitkräfte haben die russischen Truppen seit März 2026 auf Nettogewinne nahe null beschränkt und kürzlich den russischen Vorstoß nördlich von Lyman zunichtegemacht“, so die Analysten des ISW.
Der amerikanische Thinktank macht allerdings auch darauf aufmerksam, dass Trump die Ukraine schon seit geraumer Zeit dazu aufgefordert habe, ihre Angriffe auf russische Dieselanlagen einzustellen. So habe Trump bereits am 13. September gesagt, die Ukraine solle stattdessen andere, nicht näher bezeichnete Ziele angreifen.
Selenskyj habe sich wiederholt bereit erklärt, keine Energieinfrastruktur Russlands mehr anzugreifen, wenn der Kreml ebenso handle. Putin habe laut ISW „alle Angebote Selenskyjs abgelehnt“.
Das ISW ist überzeugt: „Die anhaltenden Angriffe der Ukraine auf die russische Energieinfrastruktur zielen unter anderem darauf ab, Russland dazu zu zwingen, die Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur einzustellen.“
Diese Angriffe seitens Russlands erfolgten „jeden Winter im Rahmen seiner langjährigen Kampagne zur Demoralisierung der ukrainischen Bevölkerung“, so der Washingtoner Thinktank.
Wie die Lage im vergangenen Winter in der Ukraine aussah, hat beispielsweise Amnesty International im Februar dieses Jahres in einem Bericht festgehalten:
Vom 25. Oktober 2025 bis zum 15. Januar 2026 habe die Ukraine „mindestens 256 Luftangriffe auf Einrichtungen der Strom- und Wärmeversorgung dokumentiert. Wärmekraftwerke, Umspannwerke und kritische Übertragungsknotenpunkte gehörten zu den Hauptangriffszielen“, heißt es dort.
Und weiter: Die Ukraine habe damals mehr als die Hälfte ihrer Kapazitäten für die Energieerzeugung verloren.
„Das Ausmaß und das Muster der russischen Luftangriffe im ganzen Land zeigen klar, dass die Energieinfrastruktur der Ukraine systematisch ins Visier genommen wurde“, so die Schlussfolgerung von Amnesty International.

Kiew hat Angst vor dem Winter

Inzwischen hat Russland seine Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung noch einmal verstärkt.
Allein in der vergangenen Woche habe es mehr als 200 russische Angriffe auf Anlagen zur Stromerzeugung und -übertragung gegeben, dazu 17 Angriffe auf Gas- und Ölanlagen, sagte Selenskyj am 11. Oktober in seiner Videoansprache.
Viele Einwohner Kiews hätten Angst vor einem weiteren Winter mit wenig oder gar keiner Strom- und Wärmeversorgung, berichtete die „Deutsche Presse-Agentur“.
Ob die russische Strategie, Kälte als Waffe einzusetzen, die Ukrainer zur Aufgabe zwingen wird, ist offen. In den vergangenen vier Wintern ist dies nicht gelungen.
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Wanze in OpenAI-Konferenzraum – Mitarbeiter festgenommen

Ein Mitarbeiter des ChatGPT-Entwicklers OpenAI steht unter Verdacht, ein Abhörgerät in einem Konferenzraum der Firma platziert zu haben, in dem oft Geschäftsgeheimnisse besprochen werden. Der 35-jährige saudische Staatsbürger wurde festgenommen, wie die KI-Firma und das US-Justizministerium mitteilten. Die US-Bundespolizei FBI ermittelt zu dem Fall.
Das vor zwei Wochen entdeckte Aufnahmegerät war den Ermittlern zufolge etwa zwei Tage zuvor in dem Konferenzraum in San Francisco platziert worden. Es steckte demnach in der USB-Buchse eines Fernsehers, eingewickelt in Toilettenpapier. Der festgenommene Mitarbeiter wurde nach Angaben des Ministeriums Ende September von Sicherheitskameras in der Nähe des Konferenzraums gefilmt, zu dem er eigentlich keinen Zutritt hatte. Die Ermittler veröffentlichten auch ein Bild, auf dem zu sehen ist, wie er später versucht, hinter den Fernseher zu schauen.

Recherche über Chatbot

Laut dem Ministerium wurden über einen Chatbot-Account der Ehefrau des OpenAI-Mitarbeiters Anfragen zu Aufnahme-Vorrichtungen gestellt. Im Chatverlauf fanden sich demnach auch Merkmale des im Konferenzraum entdeckten Abhörgeräts. Dem Mitarbeiter drohten bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft und eine Strafe von bis zu 250.000 US-Dollar (etwa 225.000 Euro). (dpa/red)
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Steigende Tabaksteuer: Was Raucher künftig für Zigaretten zahlen

Deutschlands Raucher müssen sich auf wesentlich höhere Preise für Zigaretten einstellen. Das liegt an einer Gesetzesnovelle, die steigende Tabaksteuern vorsieht. Hierüber stimmt der Finanzausschuss des Bundestags am Mittwoch ab, die Zustimmung gilt als sehr wahrscheinlich. Am Donnerstag soll das Plenum der Volksvertretung grünes Licht geben. Der Bundesrat könnte am Freitag Einspruch einlegen, das aber gilt als so gut wie ausgeschlossen.

Wie stark die Preise steigen werden

Ab 2027 werden die Steuern und damit auch die Preise dem Vorhaben zufolge schrittweise nach oben gehen, 2030 könnte eine Packung Zigaretten rund vier Euro mehr kosten als derzeit. Der durchschnittliche Packungspreis betrug im Sommer 8,05 Euro. Auf Basis des Gesetzesvorhabens wird für das kommende Jahr ein Durchschnittspreis von 9,10 Euro für eine 20er-Packung prognostiziert.
2028 werden es nach einer weiteren Steueranhebung 9,91 Euro sein, 2029 10,81 Euro und 2030 schließlich 11,78 Euro. Markenzigaretten könnten bis zu 14 Euro kosten, derzeit liegt ihr Preis unter 10 Euro.
Deutlich teurer wird es für Nutzer von Feinschnitt, also selbstgedrehten Zigaretten. „Wenn klassische Zigarettenpackungen teurer werden, weichen viele Raucher auf Feinschnitt aus, um ihren Geldbeutel zu schonen“, sagt Michael von Foerster vom Verband der deutschen Rauchtabakindustrie (VdR).
Nun werde Feinschnitt aber viel teurer und der Preisabstand zu Zigarettenpackungen geringer. Aktuell ist eine 30-Gramm-Packung Feinschnitt für 6 bis 8 Euro zu haben, sie enthält etwa doppelt so viel Tabak wie in einer vorgefertigten 20er-Zigarettenpackung.
Einer Statistik zufolge könnte der gewichtete durchschnittliche Kleinverkaufspreis nach gut acht Euro im kommenden Jahr auf mehr als 12 Euro im Jahr 2030 ansteigen.
Teurer werden auch Zigarren, Zigarillos und Wasserpfeifen-Tabak – bei diesen Produkten geht es aber nicht so steil nach oben wie in dem Gesetzgebungsverfahren zwischenzeitlich erwogen wurde.

Wie viele Extra-Milliarden der Fiskus erwartet

Die Bundesregierung begründet das Vorhaben mit knappen Kassen – das sei ein notwendiger Schritt zur Konsolidierung des Haushalts. Außerdem diene es dem Schutz der öffentlichen Gesundheit. Im vergangenen Jahr nahm der Fiskus 17,6 Milliarden Euro an Tabaksteuern ein. 2027 werde die Steueranhebung 1,5 Milliarden Euro mehr in die Kassen spülen als ohne die Anhebung, heißt es vom Bundesfinanzministerium. Die Steuermehreinnahmen werden der Prognose zufolge Jahr für Jahr steigen, 2030 sollen sie bei 4,5 Milliarden Euro liegen.
Viele Verbraucher werden in den Schwarzmarkt abwandern und sich illegale Zigaretten in Hinterhöfen besorgen oder im EU-Ausland einkaufen, sagt Jan Mücke vom Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE). Er verweist auf eine Studie des Beratungsunternehmens DIW Econ, das ähnliche Steueranhebungen in anderen EU-Staaten analysiert und geschlussfolgert hatte, dass auch in Deutschland Schwarzmarkt-Effekte drohen.
Das Bundesfinanzministerium wiederum argumentiert, dass es zum Ausweichen auf den illegalen Markt keine unabhängigen empirischen Daten gebe. Zudem betont die Behörde, dass der Zoll derartigen illegalen Aktivitäten mit Kontrollen entgegentrete.

Bringt der Preissprung Menschen zum Rauchstopp?

Krebsforscher sind für die Steueranhebung – sie hoffen auf eine abschreckende Wirkung hoher Preise und einen Ausstieg von Rauchern aus ihrem Zigarettenkonsum. „Eine Tabaksteuererhöhung ist die wirksamste einzelne Maßnahme, um Menschen zum Nichtrauchen zu motivieren“, sagt Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).
Die Steueranhebung bedeute nicht zwangsläufig, dass illegaler Handel steige. Die Lieferketten sollten kontrolliert und der Zoll gestärkt werden, sagt Schaller. „Wenn man das mehr unterstützt, sollte das beherrschbar sein mit dem Schwarzmarkt.“

Rauchen ist ein Massenphänomen

Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum starben im Jahr 2023 rund 131.000 Menschen in Deutschland an den Folgen tabakbedingter Erkrankungen.
In Deutschland greifen Millionen Menschen zur Kippe. Der Mikrozensus 2025 kam auf einen Raucheranteil von 19 Prozent der Ab-15-Jährigen: 14 Prozent rauchen eigenen Angaben zufolge regelmäßig und fünf Prozent gelegentlich. (dpa/red)
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Suizidrisiko bei Landwirten: Studie zeigt alarmierende Zahlen aus Bayern


In Kürze:

  • Steigende Kosten und viele Auflagen verstärken seit Jahren den Druck auf Landwirte.
  • Laut Rainer ist die Suizidrate unter Landwirten dreimal so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.
  • Bundesweite Daten fehlen bislang, eine Wissenschaftlergruppe hat Zahlen für Bayern analysiert.

 
 
Die deutschen Landwirte stehen seit Jahren unter Druck. Laut dem Agrarbarometer der Landwirtschaftlichen Rentenbank hat sich ihre wirtschaftliche Lage zuletzt deutlich verschlechtert, im Frühjahr 2026 fiel das Barometer auf ein Zehnjahrestief.
Viele Betriebe gerieten zunehmend unter Liquiditätsdruck, weil die Preise niedrig seien und die Kosten deutlich stiegen, sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, in einer Pressemitteilung. Der Verband fordert zudem weniger Bürokratie und verlässliche Rahmenbedingungen.
Zugleich sind die Erzeugerpreise gesunken: Im Juli 2026 lagen sie laut einer Mitteilung des Statistischen Bundesamtes um 13,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Außerdem nehmen die Anforderungen an Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz zu. Der Strukturwandel hält an: Laut der Agrarstrukturerhebung sank die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe von 2020 bis 2023 um rund 7.800 auf 255.000.

Rainer: Jeder dritte Landwirt hat Geldsorgen

Die Landwirte stünden mittlerweile vor enormen Herausforderungen, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer und führte auch einen Vertrauensverlust in die Politik an.
„Wenn mir gesagt wird, dass jeder dritte Landwirt Liquiditätsprobleme hat, dann ist es in der Landwirtschaft natürlich sehr, sehr schwierig“, so der CSU-Politiker.
Er warnte vor einer überdurchschnittlich hohen Suizidrate unter Landwirten in Deutschland. Diese sei in dieser Branche „ums Dreifache höher als in der normalen Bevölkerung“, sagte Rainer im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ der FUNKE Mediengruppe.
Zu den Ursachen der hohen Suizidrate zählen aus seiner Sicht weitere Faktoren: Rainer nannte unter anderem „die Erwartungshaltung, wenn der junge Betriebsübernehmer was umstellt im Betrieb und es läuft nicht gleich so“, aber auch „eine gewisse Scham“, sich rechtzeitig Hilfe zu holen.
„Das hat verschiedenste Hintergründe, aber natürlich sind es oftmals wirtschaftliche Schwierigkeiten, für die der überwiegende Großteil nichts dafür kann“, so der Landwirtschaftsminister.
Er zeigte sich überzeugt, dass Frauen in dem Beruf anders mit großem Druck umgingen als ihre männlichen Kollegen: „Ich glaube schon, dass Frauen hier robuster sind und Frauen sich schneller Hilfe holen“, sagte Rainer.
Bei Männern gebe es falschen Stolz und den Glauben, „uns schmeißt nichts aus der Bahn“. Der Landwirtschaftsminister kündigte eine Untersuchung seines Hauses zu den Hintergründen der hohen Suizidrate an.
Denn bislang liegen der Bundesregierung keine bundesweiten Daten zu Suizidversuchen und Suiziden bei Landwirten vor. Das geht aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor. Einzelne Studien, darunter eine Evaluation der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, untersuchten jedoch die Wirksamkeit und Reichweite landwirtschaftlicher Präventionsmaßnahmen.

Suizid häufig Thema bei Beratungsgesprächen

Dabei wurden unter anderem das „Telefonische Einzelfallcoaching“ und die „Online-Gesundheitstrainings“ anhand von Daten der Landwirtschaftlichen Krankenkasse (LKK) analysiert.
Die Ergebnisse zeigen, dass bei Landwirten Risikofaktoren für die Entwicklung einer Depression bestehen können. Demnach sei bei etwa zwei Dritteln der LKK-Versicherten in einem Zeitraum von eineinhalb Jahren eine körperliche Erkrankung diagnostiziert worden, „die einen Risikofaktor für die Entwicklung einer Depression darstelle“.
Weil bislang belastbare Daten zur Suizidalität unter Landwirten in Deutschland fehlen, war es Ziel einer Ende März 2026 veröffentlichten Untersuchung, die Einschätzungen von haupt- und ehrenamtlichen Beratungs- und Hilfskräften aus dem landwirtschaftlichen Bereich zu erfassen. Ausgewertet wurden die Daten von 439 Teilnehmern, die meisten davon waren Fachberater.
67 Prozent der Therapeuten und 52 Prozent der Berater, die Landwirte bei betrieblichen und persönlichen Problemen unterstützen, berichteten, dass Suizidgedanken bei mindestens jedem 20. Gespräch Thema gewesen seien.
Um Suizide in der Landwirtschaft ging es auch in einer Analyse, die Ende August 2026 erschien. Verfasst haben sie unter anderem Mitglieder der Arbeitsgruppe Suizidprävention in der Grünen Branche des Nationalen Suizidpräventionsprogramms in Kassel.

Untersuchung umfasst „grüne Berufe“

Die Inhalte beschränken sich allerdings ausschließlich auf Bayern und die dortige Polizeiliche Kriminalstatistik. Zudem umfasste die Untersuchung nicht nur Landwirte, sondern „grüne Berufe“ – laut Studie Landwirte, landwirtschaftliche Arbeiter, Tierzüchter, Gartenbauer sowie Forst-, Jagd- und Fischereiberufe.
Das Bundeslandwirtschaftsministerium zählt 14 Berufe aus dem Agrarbereich zu den grünen Berufen, darunter Fischwirt, Forstwirt, Gärtner, Revierjäger und Landwirt.
Für die Analyse standen Polizeidaten der Jahre 2017 bis 2024 zur Verfügung, denen zufolge bei Personen in grünen Berufen 463 Suizide registriert wurden. Das entspricht durchschnittlich rund 58 Fällen pro Jahr.
Die geschätzten Suizidraten lagen sowohl insgesamt als auch nach Geschlecht und Altersgruppen deutlich über denen der übrigen Bevölkerung. Bei Männern zwischen 18 und 59 Jahren, für die die verlässlichsten Daten vorlagen, war die Suizidrate mehr als dreimal so hoch wie in der übrigen Bevölkerung.
Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass sich die Ergebnisse der bayerischen Daten mit denen internationaler Untersuchungen deckten. Sie deuteten darauf hin, dass Menschen, die hauptberuflich in grünen Berufen arbeiteten, ein erhöhtes Suizidrisiko hätten.
Die Datenlage sei allerdings begrenzt, mögliche Ursachen seien in der Studie nicht untersucht worden. Weitere Studien müssten die Ergebnisse daher genauer überprüfen. Suizidpräventive Maßnahmen erschienen angezeigt, schrieben die Verfasser der Analyse.
 
Mit Material der Nachrichtenagenturen
Anm. d. Red.: Falls Sie oder ein Ihnen nahestehender Mensch Suizidgedanken haben, holen Sie sich Hilfe. Kontaktieren Sie die Telefonseelsorge, die anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222 erreichbar ist. Zusätzliche Hilfsangebote, an die sich Betroffene und Angehörige wenden können, finden Sie auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.
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Sorge um den Papst: Leo XIV. an Lungenkrebs erkrankt

Große Sorge um den Papst: Nur anderthalb Jahre nach seiner Wahl ist Leo XIV. an Lungenkrebs erkrankt. Dies gaben die Ärzte des 71-Jährigen am Abend nach einer Operation in der Gemelli-Klinik von Rom bekannt, dem Krankenhaus der Päpste. Demnach musste dem Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken der untere Lappen der rechten Lunge entfernt werden, weil sich dort ein Knoten befand. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um ein sogenanntes Lungenadenokarzinom handelt.
Erst am Sonntag hatte der gebürtige US-Amerikaner öffentlich gemacht, dass bei einer Routinekontrolle in seiner Lunge ein solcher Knoten gefunden worden war. Nur zwei Tage später wurde Leo bereits operiert – was bereits darauf hindeutete, dass Grund zu Sorge bestand. Bei dem Eingriff bestätigten sich nun die Befürchtungen, wie das Ärzteteam um die beiden Italiener Luigi Carbone und Stefano Margaritora mitteilte.

Drei Stunden im OP-Saal

Der rechte untere Lungenlappen wurde nun vollständig entfernt. Auf diese Weise sollte sichergestellt werden, dass von dem Tumor nichts mehr übrig ist. Die Operation an sich verlief nach Angaben der Ärzte „erfolgreich“ und ohne Komplikationen. Der Eingriff sei mit „video-assistierter Technik“ erfolgt. Dabei werden in der Regel mehrere kleine Schnitte in den Brustkorb gemacht, durch die dann eine Mini-Kamera und chirurgische Instrumente eingeführt werden. So muss nicht der gesamte Brustkorb geöffnet werden.
Insgesamt habe sich der Papst etwa drei Stunden im OP-Saal befunden, so die Ärzte. Nach dem Aufwachen durfte er in sein Zimmer im zehnten Stock zurück, wo es einen eigenen Trakt für Päpste gibt. Dort soll sich Leo jetzt etwa eine Woche erholen. Offen blieb, wie es mit seiner Therapie weitergeht. Das hängt entscheidend davon ab, ob noch Krebszellen im Körper vorhanden sind. Auch wenn die OP erfolgreich war, besteht das Risiko eines Rückfalls.

Wichtig: Regelmäßige Nachkontrollen

Der Papst äußerte sich am Abend nicht. Zur allgemeinen Überraschung hatte er am Sonntag seine Erkrankung selbst bekanntgegeben, vor Zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz. Er sprach von einem Knoten in einem „sehr frühen Stadium“. In der Regel sind die Aussichten auf Heilung dann deutlich besser als wenn die Erkrankung erst spät entdeckt wird. Bei einem vollständig entfernten Tumor im frühen Stadium ist meist keine Chemotherapie erforderlich. Wichtig sind regelmäßige Nachkontrollen.
Bis zu der überraschenden Mitteilung waren keinerlei gesundheitlichen Probleme des 267. Papstes in der Kirchengeschichte bekannt. Leo hält sich mit Tennis, Schwimmen und regelmäßigen Übungen fit. Mit seinen 71 Jahren ist er immer noch ein verhältnismäßig junger Pontifex.
Im Gemelli-Krankenhaus wurden auch schon andere Päpste behandelt wie Johannes Paul II. aus Polen oder Leos unmittelbarer Vorgänger Franziskus. Die Pontifexe haben dort einen eigenen Trakt, in dem sie rund um die Uhr versorgt werden. Franziskus lag dort bis kurz vor seinem Tod mit 88 Jahren im April 2025. Dem Argentinier fehlte bereits seit jungen Jahren ein Teil seiner Lunge.

Beten für den Papst – wie im vergangenen Jahr

Leo erschien zu dem Eingriff in einem schwarzen Auto mit Polizeieskorte. Vor dem Krankenhaus wurde er von einem Ärzteteam und auch zahlreichen Schaulustigen im Empfang genommen. Drinnen hießen ihn auch andere Patienten willkommen. Er winkte und lächelte zuversichtlich. Viele beteten auch für ihn – so wie dort erst vergangenes Jahr Menschen für Franziskus gebetet hatten.
Wegen des Krankenhausaufenthaltes wurden alle Audienzen bis Mitte nächster Woche abgesagt, auch eine Begegnung mit der saarländischen Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD). Auch die Teilnahme am Abschlussgottesdienst eines internationalen Bischofstreffens zu Ehe und Familie an diesem Mittwoch auf dem Petersplatz wurde gestrichen. Ungewiss ist, wie es in den nächsten Wochen weitergeht.

Südamerika-Reise für November geplant

Im November steht für den Papst eigentlich eine fast zweiwöchige Reise nach Uruguay, Argentinien und Peru auf dem Programm. In Peru war der frühere weltweite Chef des Augustinerordens viele Jahre als Missionar und Bischof tätig. Er hat auch die peruanische Staatsbürgerschaft. Zur Reise gehört ein Besuch der Stadt Cusco in 3.400 Metern Höhe. Bei manchen Menschen führt diese Höhe zu Atemproblemen und zur Höhenkrankheit.
Mit der Bekanntgabe seiner Erkrankung zeigte Leo eine Offenheit im Umgang mit gesundheitlichen Problemen, wie das für Päpste längst nicht selbstverständlich ist. Der Vatikan hielt früher den Gesundheitszustand der Kirchenoberhäupter streng unter Verschluss, solange die Leiden nicht offensichtlich waren – und manchmal auch noch dann. (dpa/red)
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Sorge um den Papst: Was über die Krebs-Erkrankung von Leo XIV. bekannt ist

Große Sorge um den Papst: Nur anderthalb Jahre nach seiner Wahl ist Leo XIV. an Lungenkrebs erkrankt. Dies gaben die Ärzte des 71-Jährigen am Abend nach einer Operation in der Gemelli-Klinik von Rom bekannt, dem Krankenhaus der Päpste. Demnach musste dem Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken der untere Lappen der rechten Lunge entfernt werden, weil sich dort ein Knoten befand. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um ein sogenanntes Lungenadenokarzinom handelt.
Erst am Sonntag hatte der gebürtige US-Amerikaner öffentlich gemacht, dass bei einer Routinekontrolle in seiner Lunge ein solcher Knoten gefunden worden war. Nur zwei Tage später wurde Leo bereits operiert – was bereits darauf hindeutete, dass Grund zu Sorge bestand. Bei dem Eingriff bestätigten sich nun die Befürchtungen, wie das Ärzteteam um die beiden Italiener Luigi Carbone und Stefano Margaritora mitteilte.

Drei Stunden im OP-Saal

Der rechte untere Lungenlappen wurde nun vollständig entfernt. Auf diese Weise sollte sichergestellt werden, dass von dem Tumor nichts mehr übrig ist. Die Operation an sich verlief nach Angaben der Ärzte „erfolgreich“ und ohne Komplikationen. Der Eingriff sei mit „video-assistierter Technik“ erfolgt. Dabei werden in der Regel mehrere kleine Schnitte in den Brustkorb gemacht, durch die dann eine Mini-Kamera und chirurgische Instrumente eingeführt werden. So muss nicht der gesamte Brustkorb geöffnet werden.
Insgesamt habe sich der Papst etwa drei Stunden im OP-Saal befunden, so die Ärzte. Nach dem Aufwachen durfte er in sein Zimmer im zehnten Stock zurück, wo es einen eigenen Trakt für Päpste gibt. Dort soll sich Leo jetzt etwa eine Woche erholen. Offen blieb, wie es mit seiner Therapie weitergeht. Das hängt entscheidend davon ab, ob noch Krebszellen im Körper vorhanden sind. Auch wenn die OP erfolgreich war, besteht das Risiko eines Rückfalls.

Wichtig: Regelmäßige Nachkontrollen

Der Papst äußerte sich am Abend nicht. Zur allgemeinen Überraschung hatte er am Sonntag seine Erkrankung selbst bekanntgegeben, vor Zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz. Er sprach von einem Knoten in einem „sehr frühen Stadium“. In der Regel sind die Aussichten auf Heilung dann deutlich besser als wenn die Erkrankung erst spät entdeckt wird. Bei einem vollständig entfernten Tumor im frühen Stadium ist meist keine Chemotherapie erforderlich. Wichtig sind regelmäßige Nachkontrollen.
Bis zu der überraschenden Mitteilung waren keinerlei gesundheitlichen Probleme des 267. Papstes in der Kirchengeschichte bekannt. Leo hält sich mit Tennis, Schwimmen und regelmäßigen Übungen fit. Mit seinen 71 Jahren ist er immer noch ein verhältnismäßig junger Pontifex.
Im Gemelli-Krankenhaus wurden auch schon andere Päpste behandelt wie Johannes Paul II. aus Polen oder Leos unmittelbarer Vorgänger Franziskus. Die Pontifexe haben dort einen eigenen Trakt, in dem sie rund um die Uhr versorgt werden. Franziskus lag dort bis kurz vor seinem Tod mit 88 Jahren im April 2025. Dem Argentinier fehlte bereits seit jungen Jahren ein Teil seiner Lunge.

Beten für den Papst – wie im vergangenen Jahr

Leo erschien zu dem Eingriff in einem schwarzen Auto mit Polizeieskorte. Vor dem Krankenhaus wurde er von einem Ärzteteam und auch zahlreichen Schaulustigen im Empfang genommen. Drinnen hießen ihn auch andere Patienten willkommen. Er winkte und lächelte zuversichtlich. Viele beteten auch für ihn – so wie dort erst vergangenes Jahr Menschen für Franziskus gebetet hatten.
Wegen des Krankenhausaufenthaltes wurden alle Audienzen bis Mitte nächster Woche abgesagt, auch eine Begegnung mit der saarländischen Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD). Auch die Teilnahme am Abschlussgottesdienst eines internationalen Bischofstreffens zu Ehe und Familie an diesem Mittwoch auf dem Petersplatz wurde gestrichen. Ungewiss ist, wie es in den nächsten Wochen weitergeht.

Südamerika-Reise für November geplant

Im November steht für den Papst eigentlich eine fast zweiwöchige Reise nach Uruguay, Argentinien und Peru auf dem Programm. In Peru war der frühere weltweite Chef des Augustinerordens viele Jahre als Missionar und Bischof tätig. Er hat auch die peruanische Staatsbürgerschaft. Zur Reise gehört ein Besuch der Stadt Cusco in 3.400 Metern Höhe. Bei manchen Menschen führt diese Höhe zu Atemproblemen und zur Höhenkrankheit.
Mit der Bekanntgabe seiner Erkrankung zeigte Leo eine Offenheit im Umgang mit gesundheitlichen Problemen, wie das für Päpste längst nicht selbstverständlich ist. Der Vatikan hielt früher den Gesundheitszustand der Kirchenoberhäupter streng unter Verschluss, solange die Leiden nicht offensichtlich waren – und manchmal auch noch dann. (dpa/red)
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14.10.2026 | AfD und BSW wollen Ukraine-Hilfen stoppen | Klöckner sieht zunehmende Gefahren für den Bundestag

HEUTE6:54 Uhr

Klöckner sieht zunehmende Gefahren für den Bundestag

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) sieht das Parlament zunehmend externen Gefahren ausgesetzt und will es besser sichern. Bei Zugangskontrollen würden unter anderem Messer, Taser und Schlagringe entdeckt. Der Bundestag habe 200 eigene Polizisten, die auch notwendig seien, sagte Klöckner.

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HEUTE6:49 Uhr

Sondersitzung im Landtag Sachsen-Anhalt: AfD und BSW wollen Ukraine-Hilfen stoppen

AfD und BSW wollen im Landtag von Sachsen-Anhalt über einen sofortigen Stopp deutscher Waffen- und Finanzhilfen für die Ukraine abstimmen und dies in den Bundesrat einbringen. Auch die Wirtschaftssanktionen gegen Russland sollten laut Antrag aufgehoben werden.

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HEUTE3:43 Uhr

Gutachten: Klingbeils geplante Bundeswohnungsbaugesellschaft droht zu scheitern

Eine von Lars Klingbeil (SPD) vorgeschlagene Bundeswohnungsbaugesellschaft könnte laut Bundestagsgutachten eine Grundgesetzänderung erfordern. Grund ist die Zuständigkeit der Länder für das Wohnungswesen. Dafür wären Zweidrittelmehrheiten in Bundestag und Bundesrat nötig.

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HEUTE2:44 Uhr

Britische Behörde: Zwei Schiffe in Straße von Hormus von Geschossen getroffen

In der Straße von Hormus sind nach britischen Angaben erneut ein Tanker und ein Containerschiff von unbekannten Geschossen getroffen worden. Angaben zu Opfern oder Schäden lagen zunächst nicht vor; eine Untersuchung wurde eingeleitet.
Mit Material von Nachrichtenagenturen

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Bericht: Koalition einigt sich auf Zuckersteuer und bei Pflegekommission

Union und SPD haben sich laut einem Medienbericht endgültig auf die Einführung einer Zuckersteuer und auch bei der geplanten Pflegekommission geeinigt. Der Kompromiss zur Zuckersteuer sehe eine zweistufige Steuer sowie Ausnahmen für kleinere Hersteller vor, berichtete am Dienstagabend Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf eine ihm vorliegende Vorlage für die Kabinettssitzung am Mittwoch. Aus dieser gehe auch hervor, dass die Koalitionspartner ihren Streit über den Arbeitsauftrag für die geplante Pflegekommission beigelegt hätten. Auch die deutsche Presseagentur erhielt die Information aus dem Finanzministerium.

Zuckersteuer soll nur für große Hersteller gelten

Bei der Zuckersteuer soll den Angaben zufolge ab Juli kommenden Jahres auf zuckergesüßte Getränke mit einem Zuckergehalt ab fünf Gramm pro hundert Milliliter ein Steuersatz von 26 Cent pro Liter erhoben werden. Ab acht Gramm solle ein Satz von 32 Cent gelten. Für Hersteller, die weniger als eine Million Liter gezuckerte Getränke pro Jahr produzieren, solle die Steuer nicht gelten, berichtet das RND unter Verweis auf die Kabinettsvorlage. 2027 solle die Steuer dem Bund 690 Millionen Euro einbringen. Für 2028 seien 925 Millionen Euro eingeplant, danach jeweils rund 880 Millionen Euro.

Pflegedeckel vom Tisch?

Die geplante „Pflegestrukturkommission“ soll sich dem Bericht zufolge auf Wunsch der SPD auch mit einer „Begrenzung“ der stark steigenden Eigenanteile in Pflegeheimen beschäftigen. Es handele sich aber lediglich um einen Prüfauftrag. Der von der SPD genutzte Begriff eines „Pflegedeckels“ werde in der Vorlage von Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) nicht genannt.
Die Kommission soll dem Bericht zufolge auch die Forderung der SPD prüfen, Privatversicherte zur Finanzierung der gesetzlichen Pflege heranzuziehen. Die Formulierung dafür sei in der Kabinettsvorlage allerdings sehr allgemein gehalten: „Die Kommission wird Modelle für verfassungskonforme soziale Ausgleichsmechanismen prüfen und Vorschläge machen“, zitiert das RND. Dazu solle die Kommission Vorschläge „innerhalb und außerhalb des Systems der Pflegeversicherungen“ vorlegen.
Der Kommission sollen den Angaben zufolge insgesamt 13 Expertinnen und Experten angehören. Den Vorsitz sollten der frühere Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes, Georg Cremer, sowie die Präsidentin der Katholischen Hochschule für Sozialwesen (KHSB) in Berlin, Gabriele Kuhn-Zuber, übernehmen. (afp/dpa/red)
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Grüne und SPD in Berlin unterbrechen Sondierungen mit Linken

Grüne und SPD in Berlin haben die Sondierungsgespräche zur Regierungsbildung mit dem Wahlsieger Linke unterbrochen. Zunächst müsse eine von allen Mitgliedern der Linke-Fraktion unterzeichnete Erklärung zum Umgang mit Antisemitismus bewertet werden, teilten die beiden Parteien mit.
Linke, Grüne und SPD in Berlin hatten vergangene Woche vor Aufnahme der Sondierungen eine Vereinbarung geschlossen, wie sie im Falle einer Koalition mit antisemitischen Vorfällen in den Reihen der Linken umgehen wollen. Angedacht sind auch Sanktionen bis hin zum Fraktionsausschluss. Am Dienstag unterzeichneten die Mitglieder der Linken-Fraktion geschlossen eine Erklärung zu dem Thema.
„Wir haben zur Kenntnis genommen, dass die Linke in ihrer Fraktion zu anderen Verabredungen gekommen ist“, erklärten die Spitzenkandidaten Werner Graf (Grüne) und Steffen Krach (SPD) in einem gemeinsamen schriftlichen Statement.
„Das bedeutet, dass wir an dieser Stelle die Sondierungen unterbrechen müssen, um zu bewerten, ob unsere Vereinbarung von vergangener Woche noch gilt. Wir erwarten, dass die Linke uns deutlich macht, inwiefern sie unsere getroffenen Vereinbarungen ernst nehmen und umsetzen wollen.“
Woran sich Grüne und SPD genau stoßen, blieb zunächst unklar. Teile der Berliner Linken stehen wegen ihrer Positionen zu Israel und Palästina und zum Antisemitismus immer wieder in der Kritik.

Eigene Erklärung der Fraktion

Woran sich Grüne und SPD genau stoßen, blieb zunächst unklar. Die neue Linke-Fraktion hat bei ihrer konstituierenden Sitzung im Berliner Abgeordnetenhaus eine Erklärung unterschrieben, in der sie sich ausdrücklich zum Kampf gegen Antisemitismus, zum Schutz jüdischen Lebens und zum Existenzrecht Israels bekennt, wie Co-Fraktionschef Tobias Schulze mitteilte.
Darin verpflichten sich die Parlamentarier, sich in ihrem politischen Wirken als Abgeordnete an die Beschlüsse der Partei zu diesen Themen zu halten. Die Erklärung sei nun Grundlage der gemeinsamen Arbeit in der Fraktion, so Schulze. (dpa/red)
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Proteste in Frankreich: Greta Thunberg und Linkspolitiker Mélenchon nehmen teil

Im Zuge der sogenannten Schülerproteste sind in Frankreich erneut mehr als hunderttausend Menschen auf die Straße gegangen. Die Veranstalter meldeten am Dienstag landesweit 480.000 Teilnehmer, die Polizei sprach von 162.000. Am Vormittag unterstützte überraschend die schwedische Aktivistin Greta Thunberg in der Vorstadt Saint-Denis die Schülerproteste. An mehreren Orten kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei.
An der Demonstration in Paris nahm auch der linkspopulistische Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon teil. Die französische Regierung wirft seiner Partei vor, die Proteste zu instrumentalisieren. Nach Angaben eines Studierendenverbandes waren am Dienstag 90 Prozent der Universitäten blockiert oder geschlossen. Das Hochschulministerium meldete, dass der Betrieb an 35 Prozent der Hochschulen und Universitäten gestört sei. Die Zahlen beider Seiten liegen in Frankreich üblicherweise sehr weit auseinander.

Mitglieder des schwarzen Blocks unter den Demonstranten

In Paris kam es am Nachmittag erneut zu Ausschreitungen. Sicherheitskräfte wurden mit Wurfgeschossen angegriffen, diese setzten Tränengas ein. Der Sender France Info berichtete, dass sich Randalierer des sogenannten Schwarzen Blocks unter die Demonstranten gemischt hätten. Auch in Lyon und Straßburg kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.
Anderenorts demonstrierten Tausende junge Menschen friedlich. „Warum gibt es so viel Geld für die Verteidigung, aber nicht für die Jugend?“, fragte der 17 Jahre alte Jonas in Bordeaux. „Wir sind die Zukunft“, skandierten Demonstrationsteilnehmer in Lens.

800 Sicherheitskräfte verletzt

Seit Beginn der Unruhen wurden etwa 1.150 Menschen verletzt: etwa 800 Sicherheitskräfte, 200 junge Menschen und knapp 150 Schulbeschäftigte. Allein am Montag waren 20 Mitarbeiter von Schulen verletzt worden, unter ihnen fünf Schulleiter.
Die Generalinspektion der Polizei ermittelt ihrerseits inzwischen in 36 Fällen wegen des Verdachts illegaler Polizeigewalt.

Premierminister Lecornu will Forderungen teilweise angehen

Premierminister Sébastien Lecornu hatte angekündigt, einige der Forderungen der Schüler bei der Haushaltsdebatte zu berücksichtigen. Schüler- und Studierendenverbände fordern seit Tagen vergeblich ein Treffen mit Lecornu. Sie verlangen unter anderem die Abschaffung des Verteilsystems für Studiengänge und Ausbildungen, das als komplex und intransparent gilt. Viele Schülerinnen und Schüler leiden unter dem Notendruck, der durch das System stark erhöht wird. Sie fordern außerdem zehn Milliarden Euro zur Renovierung und besseren Ausstattung der Oberschulen.
Manche Protestierende zeigen sich bereits entschlossen, nach den Herbstferien im November weiter zu demonstrieren. „Uns ist bewusst, dass die Regierung auf die Ferien hofft, aber wir lassen nicht locker“, sagte der 16 Jahre alte Enki Falqui aus Montpellier.

Verschlechterung der Bildungssituation seit Jahren

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der sich bislang kaum öffentlich zu den Protesten geäußert hat, hatte am Montag an die Schüler appelliert, ihre Anliegen in Ruhe vorzutragen und dabei respektvoll zu sein. Ihre Forderungen seien Themen, „die Zeit und Beratungen erfordern“, sagte er.
Seit der Amtsübernahme von Macron 2017 hat sich die Lage an den weiterführenden Schulen (collège und lycée) erheblich verschlechtert: Nach Angaben von „Le Monde“ ist die Zahl der Lehrer in dem Zeitraum um 11.600 geschrumpft, die Zahl der Schüler aber um 190.000 gewachsen. In 20 Prozent der Oberschulen sitzen mehr als 35 Schüler in der Klasse.
Oberschüler blockieren seit dem 17. September landesweit den Zugang zu zahlreichen Schulen, um für bessere Lernbedingungen zu demonstrieren. Konkret fordern sie unter anderem mehr Lehrer, kleinere Klassen, kürzere Schultage und eine bessere Ausstattung der Schulen. Zugleich bricht sich eine allgemeine Wut angesichts von hohem Druck und fehlenden Perspektiven Bahn. (afp/red)