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„Ein Roman gegen Gleichgültigkeit“– Buchpreis für Bazyar

Der Deutsche Buchpreis geht in diesem Jahr an die Autorin Shida Bazyar für „Die Lücken“. Der Roman reflektiere anhand einzelner Figurenschicksale fast hundert Jahre ambivalenten deutschen Lebens, heißt es in der Begründung der Jury. Die Autorin wähle dabei überzeugende literarische Strategien. Und: Es sei ein „Roman gegen Gleichgültigkeit“.
Die 1988 in Rheinland-Pfalz geborene Bazyar hat „Die Lücken“ in einem fiktiven Ort namens Heimesbach im Hunsrück angesiedelt, der an den Heimatort der Autorin angelehnt ist. Die Ich-Erzählerin ist tot. Sie starb bei einem Verkehrsunfall. Seither gelangte sie an Wissen über den Ort aus der Nazi-Zeit. Sie wird von „Göttern“ wieder dorthin geschickt, wohin sie als zehn Jahre altes Mädchen mit ihrer älteren Schwester und Eltern kam – als Flüchtlingsfamilie.
Erzählt wird von jüdischen Familien, von NS-Profiteuren sowie von kurdischen und iranischen Menschen, die in Deutschland Schutz und Zuflucht suchen. Es werden verschwiegene Kapitel deutscher Vergangenheit zur Sprache gebracht. So dreht sich der rund 500 Seiten lange Roman um Lügen, Rassismus und Verdrängung. Nie habe jemand zugegeben, „noch immer das Bild des Führers in seiner Schublade liegen zu haben“, heißt es etwa.

Was hat die Jury begeistert?

Über einen Zeitraum von rund hundert Jahren verändert sich die Sprache zwischen den Zeitebenen und verleiht jeder ihren eigenen Ton. Und: Es sei ein Roman, der mit seinem transnationalen Blick die Grenzen des Heimatromans auslotet und ihn neu definiere, erklärte die Jury bereits bei der Bekanntgabe der Shortlist.
Autorin Shida Bazyar hat ihren Roman in einem fiktiven Ort im Hunsrück angesiedelt.

Autorin Shida Bazyar hat ihren Roman in einem fiktiven Ort im Hunsrück angesiedelt.

Foto: Hannes P. Albert/dpa

Und was hat noch überzeugt? „Der Blick einer toten Erzählerin und die kaleidoskopische Struktur des Textes ermöglichen es, zwischen den Zeiten zu springen sowie Nähe und Distanz zu erzeugen“, hieß es nun in der Begründung. „Auch die enge Verbindung von fiktiven und dokumentarischen Elementen, von erfundenen und historischen Figuren, die selbst eine Stimme bekommen, erzeugen den starken Nachhall des Textes.“

Warum passt der Roman in die Zeit?

Bazyars neues Werk – sie hatte 2016 ihr Debüt mit „Nachts ist es leise in Teheran“ vorgelegt, gefolgt von „Drei Kameradinnen“ 2021, das damals auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand – fällt in eine Zeit, in der die Nazi-Vergangenheit und die Verflechtung mit Familien in Deutschland wieder an Aktualität gewinnt.
So hatten dieses Jahr etwa mehrere Medien eine neu veröffentlichte Datenbank des US-Nationalarchivs aufbereitet, mit Hilfe derer man prüfen kann, ob die eigenen Vorfahren Teil der Nazi-Maschinerie waren oder nicht.
Vom „Roman der Stunde“ war mancherorts zu lesen. Es sei ein hochaktuelles und zugleich zeitloses Buch, „das wir genau jetzt brauchen und immer brauchen werden“, hieß es bei „MDR Kultur“. Und die „Frankfurter Rundschau“ befand: „Wer „Die Lücken“ gelesen hat, weiß wirklich etwas über Land und Leute. Gestern und heute.“
Der Deutsche Buchpreis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen der Branche und wird traditionell am Tag vor der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse vergeben. Im vergangenen Jahr gewann Dorothee Elmiger mit ihrem Roman „Die Holländerinnen“.

Wer geht leer aus?

Neben Bazyar waren noch fünf weitere Kandidaten in der engeren Auswahl: Franziska Gänsler („Orca“), Valeria Gordeev („Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“), Elias Hirschl („Schleifen“), Peggy Mädler („Selbstregulierung des Herzens“) sowie Dana Vowinckel („Anton und Alma“).
Insgesamt hatte die Jury 205 Titel gesichtet, die zwischen Herbst 2025 und Anfang September 2026 erschienen sind. Zunächst wurden 20 Bücher für die Longlist ausgewählt, diese wurde dann auf die sechs Titel umfassende Shortlist gekürzt. Insgesamt ist der Buchpreis mit 37.500 Euro dotiert: Bazyar erhält 25.000 Euro, die übrigen Autoren der Shortlist jeweils 2.500 Euro.
Für die Autorin bleibt es nicht nur bei dem Deutschen Buchpreis. Am 7. November erhält sie für „Die Lücken“ den Wilhelm Raabe-Literaturpreis – der vom Deutschlandfunk und der Stadt Braunschweig gestiftete Preis ist mit 30.000 Euro dotiert. Bazyar habe „einen der brisantesten Romane unserer Zeit geschaffen“, erklärte die Jury. Der Ort Heimesbach werde „zum exemplarischen Schauplatz individueller Verstrickungen in die Verbrechen des Holocausts und einer schleichenden Normalisierung von Antisemitismus, Entrechtung und Ausgrenzung, die sich bis in die Gegenwart fortschreibt“. (dpa/red)
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Medizin-Nobelpreis geht an zwei Deutsche und einen US-Forscher

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die beiden Deutschen Peter Hegemann und Georg Nagel sowie den US-Forscher Karl Deisseroth. Ausgezeichnet werden ihre Entdeckungen im Bereich lichtgesteuerter Ionenkanäle und Optogenetik, wie das Karolinska-Institut in Stockholm mitteilte. Hegemann forscht an der Humboldt-Universität Berlin, Nagel an der Universität Würzburg. Die Forscher erhalten jeweils ein Drittel des Preisgelds von umgerechnet rund einer Million Euro.
Optogenetik ist eine Methode, mit der sich Zellen – meist Neuronen – mit Hilfe von Licht präzise an- oder abschalten lassen. Sie kombiniert genetische und optische Techniken, um in lebendem Gewebe und sogar in frei beweglichen Tieren gezielt zelluläre Aktivität zu steuern.
Hegemann und Nagel entdeckten das Protein Kanalrhodopsin (Channelrhodopsin), das Zellen empfindlich für Licht macht. Deisseroth setzte das Gen für dieses Protein in Neuronen von Ratten ein. Dadurch konnte er diese Nervenzellen mit Licht aktivieren.

Preisgeld kürzlich angehoben

Die bedeutendste Auszeichnung für Mediziner ist mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert, umgerechnet rund einer Million Euro. Die Nobelstiftung hat das Preisgeld kürzlich erst auf zwölf Millionen Kronen angehoben. „In diesem Jahr feiern wir das 125-jährige Bestehen des Nobelpreises. Aus diesem Anlass freuen wir uns, das Preisgeld um eine Million erhöhen zu können“, sagte die Geschäftsführerin der Nobelstiftung, Hanna Stjärne, im September. Der Betrag wurde seit der ersten Verleihung im Jahr 1901 schon mehrfach angepasst.

Erster Preis ging an deutschen Bakteriologen

Vor dem diesjährigen Preis haben seit 1901 insgesamt 232 Menschen den Medizin-Nobelpreis erhalten. Der erste ging an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring für die Entdeckung einer Therapie gegen Diphtherie.
Mit dem Medizin-Preis startete der Nobelpreis-Reigen. Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Preises benannt. Es folgen die für Literatur und für Frieden. Die Reihe der Bekanntgaben endet am kommenden Montag mit dem von der schwedischen Zentralbank gestifteten sogenannten Wirtschaftsnobelpreis.

Preisverleihung am 10. Dezember

Die feierliche Übergabe aller Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896). Bereits am 30. September waren in Stockholm die diesjährigen Träger des Right Livelihood Awards bekanntgegeben worden, der gemeinhin als Alternativer Nobelpreis bezeichnet wird. (dpa/red)
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Gesamtschule in Hessen erhält Deutschen Schulpreis

Die Bertha-von-Suttner-Gesamtschule im hessischen Mörfelden-Walldorf ist mit dem diesjährigen Deutschen Schulpreis ausgezeichnet worden. Bundeskanzler Friedrich Merz überreichte in Berlin den mit 100.000 Euro dotierten Hauptpreis.
Fünf weitere Preise in Höhe von je 30.000 Euro erhielten eine Berufsschule in Baden-Württemberg, eine Fachoberschule in Bayern, ein Gymnasium in Hessen, eine Oberschule in Niedersachsen und eine Grundschule in Thüringen.

Siegerschule: Feste Bezugspersonen und Datenauswertung

Die Siegerschule überzeugte die Jury mit einer kontinuierlichen Verbesserung der Unterrichtsqualität. Dabei setze sie auf eine Struktur, die an ein Unternehmen erinnere.
Den Unterricht entwickelten eigene Abteilungen gezielt weiter. Grundlage dafür seien systematisch ausgewertete Daten. Zusätzlich gebe es mit sogenannten Hausleitungen feste Bezugsmenschen für die mehr als 2.000 Schüler.
„Die Bertha-von-Suttner-Schule beweist, wie gut ein durchdachtes Konzept und eine persönliche Begleitung zusammenwirken“, erklärte Jurysprecher Thorsten Bohl. Vor 20 Jahren habe die Schule mit der Rettung der eigenen Oberstufe begonnen. Heute sei die Initiative ein bundesweites Vorbild für Chancengerechtigkeit.
Obwohl nur 15 Prozent der Kinder eine Empfehlung für das Gymnasium mitbrächten, erreichten zwei Drittel später das Abitur. Niemand verlasse die Bertha-von-Suttner-Schule ohne Perspektive, erklärte Bohl. „Das ist eine wichtige Botschaft für die gesamte Schullandschaft.“

87 Schulen hatten sich beworben

In diesem Jahr wurde zudem ein zusätzlicher Preis für gesellschaftlichen Zusammenhalt vergeben. Der mit 30.000 Euro dotierte Preis ging an eine Schule in Hamburg. Alle weiteren nicht ausgezeichneten Schulen erhielten Anerkennungspreise von jeweils 5.000 Euro.
Der Deutsche Schulpreis wird jährlich von der Robert-Bosch-Stiftung und der Heidehof-Stiftung vergeben. 87 Schulen bewarben sich dieses Jahr. Insgesamt 15 Schulen waren für den Preis nominiert.
Darunter waren vier aus Bayern, je zwei aus Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen und je eine aus Berlin, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Thüringen und Hamburg.

Merz sieht PISA-Studie als Ansporn

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sieht die schlechten Ergebnisse der PISA-Studie als Ansporn für die Politik, mehr für Bildung zu tun.
Die PISA-Studie habe erneut „die großen Defizite in unserem Bildungssystem dokumentiert“, sagte Merz bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises. „Aber dies ist kein Grund zu verzweifeln, dies ist kein Grund aufzugeben. Dies ist ein Grund, jetzt noch mehr zu tun dafür, dass unsere Bildung besser wird in Deutschland.“
In der Anfang September vorgestellten PISA-Studie hatten Deutschlands Schülerinnen und Schüler in Mathematik und Lesekompetenz schlechter abschnitten als je zuvor. Zudem zeigte die Untersuchung, dass sich Leistungsunterschiede weiterhin auch mit dem gesellschaftlichen Hintergrund der Schülerinnen und Schüler erklären ließen.
Bildung sei „eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Aufgabe unserer Gesellschaft“, betonte Merz bei der Schulpreisverleihung. Er kündigte an, er werde „künftig auch wieder mehr in Schulen gehen“.
In seiner Rede äußerte sich Merz auch dazu, warum er nach zwölf Jahren in der Wirtschaft in die Politik zurückgekehrt sei: „Ich mache das, damit Ihr die gleichen Chancen habt, in einem offenen, freiheitlichen, liberalen Land zu leben wie meine Generation“, sagte er. Er wolle eine Gesellschaft, „die mit sich selbst im Reinen ist und die den jungen Menschen alle Chancen gibt, die die jungen Menschen verdienen“. (afp/red)
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Umstrittener US-Investor Peter Thiel mit Axel-Springer-Preis ausgezeichnet

Der aus Deutschland stammende US-Investor Peter Thiel ist mit einem Preis des Axel-Springer-Verlags in Berlin ausgezeichnet worden. „Wir würdigen den wirkungsvollsten Deutschen unserer Zeit“, sagte der Vorstandschef des Axel-Springer-Verlags, Mathias Döpfner, über Thiel in einer Rede bei der Preisverleihung am Donnerstagabend in Berlin. Der umstrittene Investor sei womöglich der „beste Risikoanleger des 21. Jahrhunderts“ und „auf jeden Fall ein unkonventioneller Vordenker“, fügte Döpfner hinzu.
Auch der Chef des von Thiel mitgegründeten Datenanalyseunternehmens Palantir, Alex Karp, ehrte Thiel in einer zuvor aufgezeichneten Rede. Darin nannte Karp seinen Geschäftspartner Thiel auf deutsch den „letzten Deutschen“ und erklärte, Deutschland könne von Thiels Qualitäten lernen. Auch der russische frühere Schach-Weltmeister Garri Kasparow und die konservative Chefredakteurin des US-Senders CBS News, Bari Weiss, hielten Lobesreden auf Thiel.

Peter Thiel (l.) posiert mit Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner (r.) und CBS-News-Chefredakteurin Bari Weiss beim Axel Springer Award in Berlin am 24. September 2026.

Foto: Tobias SCHWARZ / AFP via Getty Images

Thiel spricht über Mieten und seine politischen Ansichten

Thiel nahm den Preis dankend an und sprach in einem anschließenden Podiumsgespräch mit Döpfner über eine große Spannweite von Themen. Der US-Investor, der ein Jahr nach seiner Geburt aus Deutschland in die USA gezogen war, kommentierte unter anderem den jüngsten Wahlsieg der Linkspartei in Berlin. Es gebe ein „sehr echtes Problem“ mit zu hohen Mietkosten, sagte Thiel. „Wenn niemand anderes darüber spricht, wird die Linke weiter gewinnen“, fügte er hinzu und betonte zugleich, die Partei habe „keine guten Antworten darauf“.
Der 59-Jährige ging außerdem auf die Kritik an seinen ultralibertären Überzeugungen und politischen Ansichten ein. Einen Essay von ihm aus dem Jahr 2009, in dem er bekundete, dass er nicht länger glaube, „dass Freiheit und Demokratie miteinander vereinbar sind“, bezeichnete er als „hastig getippte Sache“, die ihn seither verfolge. „Ich glaube nicht, dass ich etwas besonders Kontroverses gesagt habe“, sagte Thiel in Berlin. Er habe damals jedoch gelernt, dass das Schreiben eine „gefährliche Tätigkeit“ sei.
Der in Frankfurt am Main geborene Unternehmer ist unter anderem als Mitgründer des Internetbezahldienstes Paypal sowie als früher Investor in den Onlinedienst Facebook bekannt. Zudem ist der libertär-konservative Investor ein Unterstützer der US-Regierung von Donald Trump. (afp/red)
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Zukunftspreis: Energiespeicher, Chip und Intensiv-Therapie

Ein intelligenter Energiespeicher, Technik für hocheffiziente Mikrochips und neue Behandlungschancen für Intensivpatienten: Diese Innovationen sind in diesem Jahr für den Deutschen Zukunftspreis nominiert. Die drei Projekte aus Bayern und Baden-Württemberg betreffen damit wichtige Zukunftsthemen und sind bereits marktreif. Am Mittwoch wurden sie im Deutschen Museum in München vorgestellt.
Wer den mit 250.000 Euro dotierten Preis erhält, entscheidet eine Jury am 18. November. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird ihn dann in Berlin überreichen. Doch schon die Nominierung für den renommierten Wissenschaftspreis gilt als Auszeichnung.

Reversibles Brennstoffzellenkraftwerk

Wind und Photovoltaik liefern immer mehr Strom, gleichzeitig schwankt die Erzeugung stark. Forscher der Technischen Universität München (TUM) haben deshalb ein reversibles Brennstoffzellenkraftwerk entwickelt. Es kann bei Bedarf Strom aus Biogas, Erdgas oder Wasserstoff erzeugen und bei einem Überangebot an Wind- und Solarstrom umgekehrt Wasserstoff oder synthetisches Methan herstellen.
Energie lässt sich damit langfristig im bestehenden Gasnetz speichern und später wieder zur Stromerzeugung nutzen. Die Technologie führte 2022 zur Ausgründung des Unternehmens Reverion. Erste Anlagen dieses Unternehmens sind bereits kommerziell im Einsatz.

Neue Chancen bei Sepsis – dritthäufigste Todesursache

Eine medizinische Herausforderung steht im Mittelpunkt des Projekts der Münchner Advitos-Gesellschaft: Bei einer schweren Sepsis, bei Vergiftungen oder nach Operationen kann es zu Multiorganversagen kommen.
Die Wissenschaftler entwickelten ein System, das in einem solchen Fall gleichzeitig mehrere lebenswichtige Funktionen unterstützt: Es entfernt wasserlösliche und proteingebundene Giftstoffe aus dem Blut, hilft bei der Elimination von Kohlendioxid und stabilisiert den Säure-Basen-Haushalt.
Die Technologie geht nach Angaben des Teams auf Arbeiten des 2022 gestorbenen Nephrologen Bernhard Kreymann aus dem Jahr 1995 zurück. Laut Unternehmen wird sie inzwischen an mehr als 30 Intensivstationen in Deutschland und Österreich eingesetzt.
Mehr als 11.500 Behandlungen wurden demnach damit bereits durchgeführt. Multiorganversagen als Folge einer Sepsis steht in Deutschland an dritter Stelle der häufigsten Todesursachen, hinter Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebserkrankungen.

Neuer Chip für wachsende Datenmengen

Mit einer Ausweitung der Grenzen der klassischen Datenübertragung beschäftigt sich das dritte Projekt. Mit der Digitalisierung und KI-Systemen wachsen die Datenmengen und damit die Anforderungen an Rechenzentren und Kommunikationsnetze.
Die herkömmliche Übertragung mit elektrischen Signalen verursacht bei steigenden Datenraten zunehmend Energieverbrauch, Wärme und Signalverluste. Forscherteams am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben eine effiziente Fertigungstechnologie für photonische Mikrochips entwickelt.
Mithilfe hochauflösenden 3D-Drucks auf der Nanoskala können Chips und Glasfasern automatisiert durch winzige dreidimensionale Lichtleiter verbunden werden. Diese sogenannten photonischen Wirebonds – extrem feine, mikroskopisch kleine Drähte – ersparen die bislang aufwendige Verbindungstechnik und ermöglichen erstmals eine Serienfertigung.
Die Technologie soll die wirtschaftliche Fertigung photonischer Systeme für Rechenzentren und Anwendungen etwa in der Künstlichen Intelligenz in großen Stückzahlen ermöglichen.
Der Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation wird seit 1997 verliehen. Im vergangenen Jahr wurde ein Stuttgarter Projekt ausgezeichnet. Forscher von Bosch hatten ein kompaktes Brennstoffzellen-Antriebssystem für schwere Lastwagen für einen emissionsfreien Fernverkehr entwickelt. (dpa/red)
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Kurioser Hundewettbewerb: Mops-Hündin Jinny Lu ist „hässlichster Hund der Welt“

Eine schief heraushängende Zunge, Glupschaugen und Falten im Gesicht: eine Mops-Hündin namens Jinny Lu hat es damit zu der Auszeichnung „hässlichster Hund der Welt“ gebracht. Hundebesitzerin Michelle Grady kann sich nach dem traditionellen Wettbewerb im nordkalifornischen Santa Rosa nun über ein Preisgeld von 5.000 Dollar freuen.
Jinny Lu, die einst von Tierschützern in Südkorea gerettet und in die USA gebracht wurde, hatte im vorigen Jahr den zweiten Platz beim „World’s Ugliest Dog“-Wettbewerb gewonnen.
Eine schief heraushängende Zunge hat die Chancen von Mops Jinny Lu wohl verbessert.

Eine schief heraushängende Zunge hat die Chancen von Mops Jinny Lu wohl verbessert.

Foto: Noah Berger/AP/dpa

Schiefes Grinsen, nackte Haut

Diesmal ging der zweite Rang an den zehnjährigen Pinky, eine Mischung aus Chihuahua und Zwergspitz. Der Albino-Hund mit riesigen rosa Ohren, pinkfarbener Nase und wässrigblauen Augen, der früher im Tierheim an einer Hautkrankheit litt, nahm zum ersten Mal an dem Wettbewerb teil – und holte auf Anhieb ein Preisgeld von 3.000 Dollar.
Auf Platz Drei schaffte es der zweijährige Chihuahua-Mischling Otto, der mit einer beidseitigen Lippen-Kiefer-Gaumenspalte geboren wurde. Mit seinem schiefen Grinsen punktete Otto aus dem US-Bundesstaat Oklahoma wohl bei den Juroren. Sein Auftritt wurde mit 2000 Dollar belohnt.
Zu den Anwärtern gehörten unter anderem eine Französische Bulldogge mit starkem Unterbiss, ein Chinesischer Schopfhund mit schiefer Zunge und verbogenen Hinterbeinen, ein fast haarloser Dackelmischling oder die aus Polen angereiste Hündin Klara, mit struppigem Fell und schief sitzendem Kopf.
Um einen Platz auf dem Sieger-Treppchen zu sichern, mussten sich die Vierbeiner auf einer Bühne vor klatschenden Zuschauern präsentieren. Eine Gruppe von Juroren stimmte dann ab, wobei Aussehen, Persönlichkeit und die Reaktion des Publikums in ihre Entscheidung einflossen.
Mops-Rettungshündin Jinny Lu ist der hässlichste Hund der Welt

Mops-Rettungshündin Jinny Lu ist der hässlichste Hund der Welt

Foto: Noah Berger/AP/dpa

Siegerauftritt in der Morning-Show

Auf die Gewinnerin Jinny Lu kommt noch ein weiterer Auftritt zu. Neben der Siegerprämie wird Hund und Frauchen auch ein Flug nach New York spendiert, wo der Champion im Morgenmagazin des Senders NBC präsentiert wird.
Man wolle sich bei dem Wettbewerb nicht über die „hässlichen“ Hunde lustig machen, sondern vielmehr ihre liebenswerten und schönen Seiten herausstellen, erklärten die Organisatoren des seit 50 Jahren ausgetragenen Events. Viele der Vierbeiner stammen aus Tierheimen. Mit der Aktion wird auch dazu aufgerufen, ausgesetzten Tieren ein neues Zuhause zu geben. (dpa/red)
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Amazonas-Theater in Brasilien wird Weltkulturerbe

Die Kulisse des Filmklassikers „Fitzcarraldo“ von Werner Herzog zählt ab sofort zum Weltkulturerbe. Die Unesco nahm das Amazonas-Theater in der brasilianischen Stadt Manaus am Montag in ihre Liste auf. Auch das Teatro da Paz in der Hafenstadt Belém gehört nun zu den Weltkulturerbestätten.

Erinnerung an den Kautschukboom

Beide Theater wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut und erinnern an die Zeit des sogenannten Kautschukbooms im brasilianischen Amazonasgebiet. Sie seien „Symbole politischen Ehrgeizes“, begründete die Unesco ihre Entscheidung. Die weltweite Nachfrage nach Kautschuk brachte der Amazonasregion damals wirtschaftlichen Gewinn, die indigene Bevölkerung wurde jedoch ausgebeutet und vertrieben.

Blick in das Innere des Amazonas-Theaters in Manaus, Brasilien, am 10. Dezember 2013. (Archivbild)

Foto: Christophe Simon /AFP via Getty Images

Drehort von Herzogs Filmklassiker

Der deutsche Regisseur drehte seinen Film „Fitzcarraldo“ im 1896 eröffneten Amazonas-Theater mit seiner rosafarbenen Fassade. Klaus Kinski spielt in dem 1982 erschienenen Film einen Mann, der im Amazonas ein Opernhaus bauen will. Nach Einschätzung der Unesco steht das Theater für „den Reichtum und das Prestige“ der Stadt Manaus zur Zeit des Kautschukbooms. (afp/red)
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gesellschaft

Michelin vergibt neue Sterne für Deutschlands Spitzengastronomie

In Frankfurt sind die neuen Michelin-Sterne an Spitzenküchen in Deutschland verliehen worden. Insgesamt 339 Betriebe können sich in diesem Jahr mit mindestens einem Stern des Gourmetführers „Guide Michelin“ schmücken.
Neu in den Olymp der Drei-Sterne-Restaurants wurde einzig das „L.A. Jordan“ in Deidesheim (Rheinland-Pfalz) neu aufgenommen. „Ich bin platt“, sagte Küchenchef Daniel Schimkowitsch auf der Bühne.
Die Zahl der Drei-Sterne-Restaurants liegt damit weiterhin bei zwölf. Das „Aqua“ in Wolfsburg hatte Anfang des Jahres seine Türen geschlossen, weil Küchenchef Sven Elverfeld sich auf etwas Neues konzentrieren wollte. Die anderen elf Drei-Sterne-Häuser konnten ihre Sterne behalten, wie aus dem neuen Restaurantführer hervorgeht, der Ende Juli erscheinen soll.

Gleich zwei neue Zwei-Sterne-Häuser in Frankfurt

Für die Frankfurter Köche gestaltete sich die Verleihung am Main zu einem erfreulichen Heimspiel: Das „Rausch“ mit Küchenchef Joachim Busch kam direkt von null auf zwei Sterne. Zwei Sterne gingen zudem an Niclas Nussbaumer für das im Dezember neu eröffnete „The Dune“. Des weiteren ergatterte das Restaurant „Lohninger“ seinen ersten Stern.
Ebenfalls mit zwei Sternen wurde die „Mühle“ in Schluchsee (Baden-Württemberg) geehrt. Er müsse sich nicht kneifen, sagte Küchenchef Fabian Obergfell. Dafür habe er 20 Jahre hart geschuftet. Aber es mache es ihn superstolz, hier zu stehen.

Zudem vergab Michelin mehrere Sonderpreise:

  • Zur besten Neueröffnung („Opening of the Year Award“) wurde „The Cloud by Käfer“ in München gekürt. Küchenchef Jens Madsen kam auf Anhieb von null auf zwei Sterne.
  • Der „Young Chef Award“ geht Axel Boesen vom „Dopamin“, der zugleich seinen ersten Stern bekam. Das Restaurant in Saarburg (Rheinland-Pfalz) wurde erst im September 2025 eröffnet.
  • Mit dem „Sommelier Award“ wurde Noris F. Conrad vom „Tantris“ in München ausgezeichnet.

Neue Sterne für Deutschlands Gastronomie

Der „Service Award“ ging an Karin Weißer aus dem Restaurant „St. Benedikt“ in Aachen. Auf der Bühne stand zudem eine Frau, die als Teil eines Kölner Küchenchef-Duos geehrt wurde, das einen Stern erhielt.
Laut Michelin gibt es nun 48 Zwei-Sterne-Restaurants in Deutschland, darunter vier neue, sowie 279 Ein-Stern-Häuser, darunter 20 neue.
Auf der Suche nach den besten Adressen sind die Tester anonym im Einsatz. Der Vergabe der Sterne liegt ein einheitliches Bewertungssystem zugrunde. Als Kriterien gelten unter anderem die Qualität der Produkte, eine persönliche Note, das Preis-Leistungs-Verhältnis sowie eine auf Dauer gleichbleibende Qualität.

Erste Sterne in Deutschland wurden vor 60 Jahren verliehen

Der kleine rote Reiseführer „Guide Michelin“ sollte vor mehr als 100 Jahren mehr Autofahrer zum Reisen bewegen und so den Absatz der französischen Reifenfirma Michelin ankurbeln.
Erstmals erschien er 1910 und enthielt zunächst Karten sowie Tipps für Autofahrer zum Tanken, Reifenwechseln, Essen und Übernachten. In Deutschland gab es 1966 die ersten Michelin-Sterne – vor genau 60 Jahren.
Neben dem „Guide Michelin“ erscheint auch der Restaurantführer „Gault&Millau“ regelmäßig als wichtiger internationaler Gourmet-Ratgeber. Er vergibt Kochmützen für ausgezeichnete Kochkunst. (dpa/red)
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gesellschaft

Bundessieger von Jugend forscht gekürt – Preise für 14- bis 20-jährige Talente

Neuartige Simulationen zur Physik von Sanduhren, KI-gestützte Systeme zum Schutz vor Telefonbetrug und kostengünstige Vakuumpinzetten für den Umgang mit Elektronikbauteilen: In Herzogenaurach sind am Sonntag die Siegerinnen und Sieger des Bundesfinales des Wettbewerbs Jugend forscht gekürt worden.
Unter den eintausend Gästen der Veranstaltung waren auch Bundesbildungsministerin Karin Prien und Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (beide CDU). 159 junge Wissenschaftler hatten sich für das Finale qualifiziert, die Sieger sind zwischen 14 und 20 Jahre alt.

Die Preisträger der Sonderpreise

Verliehen wurden Nachwuchsforscherpreise in zahlreichen Kategorien. Den Preis des Bundespräsidenten für eine außergewöhnliche Arbeit erhielten die 14-jährigen Viyona Singh und Aarav Singh. Das derzeit in den USA lebenden Siegerpaar erreichte über den bayerischen Landeswettbewerb das Finale.
Es wies nach Angaben der Organisatoren von Jugend forscht nach, dass sich seltene Varianten bestimmter Proteine mit physikbasierten Modellen besser vorhersagen lassen als mithilfe KI-basierten Modellen.
Den Preis des Bundeskanzlers für die originellste Arbeit ging demnach an den 18-jährigen Tim Kammel aus Nordrhein-Westfalen. Er untersuchte die Effekte verschiedener Öffnungen in Sanduhren auf das Strömungsverhalten des Sandes und entwickelte zudem eine Computersimulation der Dynamiken.
Der Preis der Bundesbildungsministerin für die beste interdisziplinäre Arbeit ging an Julian Scharnowski aus Baden-Württemberg. Der 20-Jährige konstruierte eine Vakuumpinzette, mit der mittels Unterdruck winzige Elektronikbauteile präzise auf Platinen platzieren lassen.
Vincent Nack aus Bayern erhielt den Preis der Bundesforschungsministerin für die innovativste Arbeit. Der 19-Jährige entwickelte ein KI-gestütztes System zum Schutz vor Telefonbetrug, das in Echtzeit Täuschungen erkennen kann.

Weitere herausragende Projekte

Weitere Preise wurden in den Fachgebieten Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Physik, Mathematik/Informatik und Technik vergeben.
Ausgezeichnet wurden unter anderem Forschungen zur Rolle von sogenannten Axion-Sternen im jungen Universum, zur Verbesserung einer komplexen Metallverbindung aus Bismut, Zinn, Zink und Aluminium sowie die Entwicklung einer Art Übersetzer, der KI-Modelle laut Organisatoren energiesparend und effizient auf lokale Computerhardware übertragen kann.
Jugend forscht ist eine gemeinsame Nachwuchsinitiative von Bund, Ländern und weiteren Partnern aus den Bereichen Wirtschaft, Medien und Schulen. Der Wettbewerb wird von der Stiftung Jugend forscht organisiert und fand in diesem Jahr zum 61. Mal statt. Er soll für naturwissenschaftliche und technische Fächer begeistern und bei der Suche nach Talenten helfen.
Das sogenannte Bundespatenunternehmen des Wettbewerbs war in diesem Jahr der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler. An dessen Hauptsitz im bayerischen Herzogenaurach fand am Sonntag auch die Preisverleihung statt.(afp/red)
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Deutscher Filmpreis: Senta Berger ist nach OP zurück

Senta Berger (85) hat sich nach ihrer Operation auf dem roten Teppich gezeigt. Die Schauspielerin kam in einem eleganten schwarzen Kleid mit ihrem Sohn, dem Regisseur Simon Verhoeven, zur Verleihung des Deutschen Filmpreises in Berlin.
Dort ist Berger als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle in der Tragikomödie „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ nominiert. Die Regie des Films hat ihr Sohn Verhoeven übernommen. Der Deutschen Presse-Agentur hatte sie vor der Preisverleihung gesagt, für sie sei die Nominierung schon eine Auszeichnung.
„Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ mit Berger und „Die Discounter“-Star Bruno Alexander ist eine Verfilmung des gleichnamigen autobiografischen Bestsellers von Joachim Meyerhoff. Darin zieht der junge Joachim (Alexander) zu seinen Großeltern (Berger und Michael Wittenborn), um in München Schauspiel zu studieren.

Wer sich noch beim Deutschen Filmpreis zeigt

Berger, die in Grünwald bei München lebt, war Mitte Januar vor einer Lesung in Hamburg auf der Bühne gestürzt. Wegen eines komplizierten Bruchs des Oberschenkels wurde sie operiert und danach in einer Klinik südlich von München behandelt. Bereits im März hatte sich die Schauspielerin bei einer Sondervorführung in München gezeigt.
Auf dem roten Teppich des Filmpreises in Berlin zeigten sich etwa auch Schauspielerin Karoline Herfurth, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos), Regisseur Wim Wenders und die Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes. (dpa/red)
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Cristian Mungiu gewinnt mit „Fjord“ Goldene Palme in Cannes

Mit seinem Film „Fjord“ hat der rumänische Regisseur Cristian Mungiu die Goldene Palme der Filmfestspiele von Cannes gewonnen. Das gab die Jury bekannt. Der Film setzte sich gegen 21 andere Wettbewerbsfilme durch.
Den Preis der Jury erhielt die deutsche Regisseurin Valeska Grisebach für ihren Film „Das geträumte Abenteuer“. Entschieden hat eine Jury unter dem Vorsitz des südkoreanischen Regisseurs Park Chan-wook.
Valeska Grisebach wurde mit dem Preis der Jury ausgezeichnet.

Valeska Grisebach wurde mit dem Preis der Jury ausgezeichnet.

Foto: O Barada/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

Worum es in „Fjord“ geht

Für Mungui ist es bereits die zweite Goldene Palme. 2007 hatte sein Film „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“ die Auszeichnung erhalten. Dem Regisseur gelingt mit „Fjord“ ein moralisch vielschichtiges Drama über Familie, Erziehung und kulturelle Konflikte.
Sebastian Stan und Renate Reinsve spielen ein streng religiöses rumänisch-norwegisches Ehepaar, das mit seinen fünf Kindern in ein abgelegenes norwegisches Dorf zieht.
Als bei ihrer Tochter Verletzungen festgestellt werden, geraten die Eltern unter Verdacht, ihr Kind körperlich misshandelt zu haben. „Fjord“ erzählt den Konflikt zwischen dem Ehepaar und den norwegischen Behörden bewusst ohne einfache Antworten.

Großer Preis der Jury für den Russen Andrej Swjaginzew

Der Große Preis der Jury, die zweitwichtigste Auszeichnung des Festivals, ging an den russischen Regisseur Andrej Swjaginzew für seinen gesellschaftskritischen Thriller „Minotaur“.
Der Film erzählt von einem russischen Geschäftsmann, der in seiner Firma vor große Herausforderungen steht und eine Affäre seiner Frau aufdeckt. Swjaginzew verwebt die Geschichte mit der Allgegenwärtigkeit des Ukrainekrieges.
Den Preis für die beste Regie teilten sich direkt drei Regisseure: die Spanier Javier Calvo und Javier Ambrossi für das Drama „The Black Ball“ („La bola negra“) und der polnische Filmemacher Pawel Pawlikowski für „Vaterland“.
Der Film mit Sandra Hüller erzählt von einem gemeinsamen Roadtrip von Thomas Mann und Erika Mann durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland im Jahr 1949.

Beste Schauspieler

Als beste Schauspieler wurden Emmanuel Macchia und Valentin Campagne für ihre Rollen in dem Film „Coward“ des belgischen Regisseurs Lukas Dhont ausgezeichnet. Darin spielen sie zwei Soldaten im Ersten Weltkrieg, die sich ineinander verlieben.
Virginie Efira und Tao Okamoto wurden als beste Schauspielerinnen für das Drama „All of a Sudden“ („Soudain“) geehrt.
In dem Film entwirft der Japaner Ryūsuke Hamaguchi ein leises, aber eindringliches Drama über zwei Frauen, deren Begegnung ihr Leben auf unerwartete Weise verschiebt.
Der Preis für das beste Drehbuch ging an den Franzosen Emmanuel Marre für „A Man of His Time“ („Notre Salut“). In dem Film verarbeitet der Regisseur einen Teil seiner Familiengeschichte während des Zweiten Weltkriegs in Frankreich.

Barbra Streisand geehrt

Die französische Schauspielerin Isabelle Huppert würdigte die US-Schauspielerin Barbra Streisand, die mit einer Goldenen Ehrenpalme ausgezeichnet wurde, den Preis aber wegen einer Knieverletzung nicht persönlich entgegennehmen konnte.
Streisand bedankte sich per Videobotschaft und sagte, Filme hätten „diese magische Fähigkeit“, Menschen zu vereinen. (dpa/red)
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International Booker Prize: Deutsche Autoren gehen leer aus

Der International Booker Prize geht in diesem Jahr an die Taiwanerin Yang Shuang-zi für die englische Übersetzung ihres Romans „Taiwan Travelogue“.
Die beiden Deutschen auf der Shortlist gehen leer aus. Shida Bazyar war mit ihrem Debütroman „Nachts ist es leise in Teheran“ von 2016 angetreten und Daniel Kehlmann mit dem 2023 auf Deutsch erschienenen Roman „Lichtspiel“.
Ausgezeichnet werden ins Englische übersetzte Bücher. Sowohl Romane als auch Kurzgeschichten-Sammlungen können eingereicht werden.

Yang Shuang-zi glaubt an die Kraft der Literatur

„Taiwan Travelogue“ spielt in dem von Japan besetzten Taiwan der 30er-Jahre. Im Fokus stehen zwei Frauen: die eine Autorin aus Japan, die andere eine lokale Übersetzerin.
Sie bereisen das Land zusammen und teilen nicht nur ihre Leidenschaft für kulinarische Genüsse, sondern lernen sich auch lieben. Doch die von Unterdrückung geprägten politischen Verhältnisse haben auch ihre Auswirkungen auf die Beziehung der beiden.
„Die Literatur kann sich von Grund auf nicht von der Politik lösen“, sagte Yang Shuang-zi bei der Preisverleihung im Londoner Kunstmuseum Tate Modern.
Taiwan habe im Laufe der Zeit unter verschiedenen kolonialen Mächten gelitten und die Bedrohung durch Invasionen erduldet, betonte sie und fügte hinzu: „Ich glaube an die Kraft der Literatur.“

Weltweite Leserschaft ist Nominierten sicher

Der International Booker Prize ist einer der renommiertesten Literaturpreise weltweit und mit 50.000 Pfund (etwa 58.000 Euro) dotiert, die je zur Hälfte an die Autorin oder den Autor und Übersetzerin oder Übersetzer gehen.
Auch jeder der Shortlist-Nominierten erhält ein Preisgeld von 2.500 Pfund (etwa 2.900 Pfund). Wichtiger als das Geld dürfte aber der Schub für das Renommee auf einer internationalen Bühne sein.
„Sowohl dem Preisträger als auch den für die Shortlist nominierten Autoren ist eine weltweite Leserschaft sicher und sie können mit einem dramatischen Anstieg ihrer Bücherverkäufe rechnen“, ist auf der Booker-Webseite zu lesen.

In deutschen Feuilletonspalten wird gefeiert

Dass mit Bazyar und Kehlmann zwei Deutsche in der engeren Auswahl standen, wurde in deutschen Feuilletonspalten als „bemerkenswerter Wendepunkt“ („Süddeutsche Zeitung“) in der Wahrnehmung deutscher Literatur im Ausland gefeiert. Die „Zeit“ hatte den beiden schon vorab jeweils eine Laudatio gewidmet.
Der Preis soll Leser in Großbritannien dazu bringen, mehr „hochwertige Belletristik aus aller Welt zu lesen“, heißt es auf der Webseite. Beachtung findet er jedoch weit über Großbritannien hinaus. (dpa/red)
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gesellschaft

Altkanzlerin Merkel ruft zu Einsatz für „Frieden“ und „Demokratie“ in Europa auf

Anlässlich ihrer Auszeichnung mit einem europäischen Verdienstorden hat die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Einsatz für „Frieden, Wohlstand und Demokratie“ in Europa aufgerufen.
Merkel forderte die EU am Dienstag vor dem Europaparlament in Straßburg auf, ihre „Versprechen an die Menschen in unseren Mitgliedstaaten“ zu halten. Neben Merkel erhielten der frühere Gewerkschaftsführer und polnische Präsident Lech Walesa sowie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Auszeichnung.

Demokratie braucht Verantwortung gegen Lügen

Merkel forderte die Abgeordneten in Straßburg auch dazu auf, zum Schutz der Demokratie und der Rechte der europäischen Bürgerinnen und Bürger an bestehenden EU-Gesetzen für Digitalkonzerne und Künstliche Intelligenz festzuhalten.
„Zu glauben, dass Verantwortlichkeiten für das Verbreiten von Informationen nicht mehr nötig sind, dass man für Lügen nicht zur Rechenschaft gezogen wird, das wird die Grundlagen der Demokratie untergraben“, mahnte sie.
„Sie ist eine der großen Europäerinnen“, sagte EVP-Chef Manfred Weber (CSU), zu dessen Parteienfamilie Merkel gehört, in Straßburg. „Sie hat schwierige Krisen gemanagt“, fügte er mit Blick auf die Eurokrise und die Hilfen für Staaten wie Griechenland hinzu.
Im Rückblick habe die gesamte „politische Klasse“ um Merkel in der Außen- und Sicherheitspolitik aber Reformen zu lange vertagt. Dabei habe er sich „mehr Führung, mehr historischen Weitblick erwartet“.

Mit höchstem Europäischen Verdienstorden ausgezeichnet

Merkel sowie Walesa und Selenskyj erhielten die höchste Auszeichnung des neuen Europäischen Verdienstordens. Daneben würdigte das Parlament 17 Menschen mit einer zweiten und dritten Stufe.
Darunter ist Moldaus Regierungschefin Maja Sandu. „Diese Auszeichnung gehört dem moldauischen Volk, (…) das sich immer wieder für Europa entscheidet, trotz russischer Drohungen und Erpressungen“, sagte sie in Straßburg.
Sie forderte, diese Treue zu „belohnen“ und den Weg ihres Landes zu einem EU-Beitritt zu beschleunigen.
Zu den weiteren Würdenträgern gehören Österreichs ehemaliger Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, weitere frühere Staats- und Regierungschefs sowie Wissenschaftler und die ukrainische Menschenrechtsanwältin Oleksandra Matwijtschuk.

U2 und Antetokounmpo geehrt

Auch die irische Band U2 und der Basketballer Giannis Antetokounmpo wurden ausgezeichnet, reisten aber nicht nach Straßburg.
Mit dem Verdienstorden würdige das Parlament „die bemerkenswerten Frauen und Männer, die so viel gegeben haben, um diese Union aufzubauen“, sagte Parlamentspräsidentin Roberta Metsola.
„Wir ehren diejenigen, die europäische Werte verteidigen: in Parlamenten oder auf Gipfeltreffen, in Arztpraxen und auf Sportplätzen, in Redaktionen und Gerichtssälen, in Laboren und Konzertsälen“. (afp/red)
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kultur

Große Cannes-Momente für deutsche Stars und Geschichte

Stars wie Kristen Stewart, Adam Driver und Woody Harrelson präsentieren in Cannes ihre neuen Filme. Doch neben internationalen Größen sind in diesem Jahr bei dem glamourösen Filmfest auch viele deutsche Namen präsent.
Allen voran Sandra Hüller, die in „Vaterland“ als Erika Mann mit ihrem Vater Thomas Mann durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland reist – und dafür gefeiert wird.
Hinzu kommen etwa Regie-Größe Volker Schlöndorff, die Schauspieler Lars Eidinger, Jella Haase, Hanns Zischler, August Diehl und Regisseurin Valeska Grisebach, die mit ihrem Film „Das geträumte Abenteuer“ ins Rennen um die Goldene Palme geht. Auffällig: Mehrere Produktionen beschäftigen sich mit deutscher Geschichte und Identität.

Produktionen beziehen sich auf deutsche Geschichte

So zählt „Vaterland“ des polnischen Regisseurs Pawel Pawlikowski, ein minimalistisch in Schwarz-Weiß gehaltenes Drama, bei Kritikern zu den frühen Favoriten im Wettbewerb.
In „Moulin“ des ungarischen Filmemachers László Nemes über den französischen Widerstandskämpfer Jean Moulin verkörpert Lars Eidinger den Gestapo-Chef Klaus Barbie.
Und in Schlöndorffs Film „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“, der außerhalb des Wettbewerbs läuft, wird ein Haus zum Speicher eines ganzen Jahrhunderts.
Was macht das deutsche Kino für Cannes attraktiv? Aus Schlöndorffs Sicht sind Franzosen immer neugierig auf Deutschland gewesen.
„Das ist ja so eine sogenannte Hassliebe. Sie sehen das Beste und das Schlimmste in uns und mögen, wenn wir das in unseren eigenen Filmen dann auch reflektieren.“ Andersherum gebe es für die Branche hier „die größte Möglichkeit“, den Film in die ganze Welt zu vertreiben.

Schlöndorff: Cannes-Einladung damals wie „ein Ritterschlag“

Seine Günter Grass-Verfilmung „Die Blechtrommel“ hatte 1979 bei dem Filmfestival die Goldene Palme gewonnen. Er sei damals gleich aufgenommen worden in die internationale Filmgemeinschaft, erinnert sich der 87-Jährige. Das sei etwas wie „ein Ritterschlag“ gewesen. „Jetzt gehörst du dazu. Ja, und wie bangt man, wenn man anfängt, ob man es schafft, dazuzugehören.“
Nun kehrt er mit „Heimsuchung“ zurück, eine Verfilmung von Jenny Erpenbecks gleichnamigem Roman. In dem Drama mit Martina Gedeck, Lars Eidinger und Ulrich Matthes erzählt er eine Generationengeschichte, angesiedelt in einem Haus am See in Brandenburg. Über mehrere Jahrzehnte – von der Weimarer Republik bis zum Abriss des Gebäudes – spiegeln sich hinter dessen Mauern die Katastrophen des 20. Jahrhunderts: NS-Diktatur, Krieg, DDR und die Umbrüche nach 1989.
Der Cast von „Heimsuchung“ kam nach Cannes.

Der Cast von „Heimsuchung“ kam nach Cannes.

Foto: Terenghi/Ipa-Agency.Net/IPA via ZUMA Press/dpa

„Irgendwie kommt die Politik immer bis auf diese entlegene kleine Enklave am See“, sagt Schlöndorff. Ihm gelingt ein eindringliches Panorama deutscher Geschichte, das Schrecken und Verlust ebenso zeigt wie die seltenen Momente von Glück und Menschlichkeit. Besonders die eindrucksvollen Naturbilder verleihen dem Film trotz aller Härte eine poetische, fast versöhnliche Atmosphäre.
„Vaterland“ hingegen verbindet politische Geschichte mit einer intimen Vater-Tochter-Beziehung zwischen dem berühmten Schriftsteller Thomas Mann (Hanns Zischler) und seiner Tochter Erika. Pawlikowski ist ein berührendes Porträt über Familie, Trauer, Identität, Exil und Heimat gelungen, das auf historischen Ereignissen beruht, aber keine historische Rekonstruktion sein soll.

Welche Szenen für Hüller in „Vaterland“ am schwierigsten waren

Die beiden Manns unternehmen für einen Besuch einen Roadtrip durch Deutschland im Jahr 1949. Thomas Mann hält anlässlich des 200. Geburtstags von Goethe im westdeutschen Frankfurt am Main sowie in Weimar in der sowjetischen Zone eine Rede. Doch die Reise wird durch den Tod von Klaus Mann (Diehl) überschattet.
Für sie seien die Szenen am schwierigsten gewesen, in der es um die tiefe Trauer der Figuren ging, sagt Hüller. „Und zwar nicht nur über den Verlust des Familienmitglieds Klaus Mann, sondern auch über den Verlust der Heimat. Das ist etwas, das mich persönlich die ganze Zeit begleitet hat.“
Sandra Hüller spielt im Drama „Vaterland“ Erika Mann.

Sandra Hüller spielt im Drama „Vaterland“ Erika Mann.

Foto: Scott A Garfitt/Invision/AP/dpa

In Cannes wird die Schauspielerin für ihre Darstellung hochgelobt. Das Magazin „Variety“ schreibt etwa, ihr „GPS ist auf das Oscar-Rennen im nächsten Jahr eingestellt“. Schon 2023 feierte sie hier große Erfolge: Das Drama „Anatomie eines Falls“ gewann damals die Goldene Palme, später wurde sie für ihre Rolle für einen Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert.

Jella Haase: Europas Vielfalt im Film noch mehr feiern

Zum ersten Mal an der Croisette ist hingegen Schauspielerin Haase („Kleo“, „Fack ju Göhte“). Die 33-Jährige spielt in dem Wettbewerbsfilm „Gentle Monster“ der Österreicherin Marie Kreutzer an der Seite von Léa Seydoux, Laurence Rupp und Catherine Deneuve. Das vielschichtige Drama handelt von einer Frau, deren Leben aus den Fugen gerät, als sie ein dunkles Geheimnis ihres Mannes entdeckt.
Haase hält die deutsche Präsenz dieses Jahr generell für ein „europäisches Phänomen“. Tatsächlich bleiben große US-Studios dem renommierten Filmfest in diesem Jahr größtenteils fern, Europas Kino gewinnt international an Bedeutung. „Das ist ganz toll und wünschenswert, dass wir in Europa diese Vielfalt richtig nutzen und Co-Produktionen eingehen“, findet die Schauspielerin.
In „Gentle Monster“ wird Englisch, Französisch und Deutsch gesprochen. „Es ist schön zu sehen, dass das so funktioniert. Wir könnten das noch viel mehr ausnutzen und feiern, dass wir in Europa diese große Vielfalt haben.“ (dpa/red)
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kultur

Bulgarien gewinnt überraschend Eurovision Song Contest

Europa hat Lust auf „Bangaranga“: Überraschend konnte Bulgarien in der Nacht zum Sonntag mit dem gleichnamigen Titel von Sängerin Dara den Eurovision Song Contest (ESC) deutlich vor Israel gewinnen.
Für Deutschland endete der weltweit am meisten beachtete Musikwettbewerb mit einer Enttäuschung – die deutsche Starterin Sarah Engels erreichte nur den drittletzten Platz.
Die Wettbüros hatten seit Wochen Finnland als Sieger des ESC prognostiziert, doch das finnische Duo Linda Lampenius und Pete Parkkonen konnte weder die Jury noch das Publikum voll überzeugen und schaffte es lediglich auf Platz sechs.
Das wie im Vorjahr zweitplatzierte Israel profitierte von einem starken Ergebnis in der Publikumsabstimmung, Dritter wurde ebenfalls durch viele Publikumsstimmen Rumänien. Das von den Wettbüros hoch gehandelte Australien landete auf dem vierten Platz vor dem fünftplatzierten Italien.

„Bangaranga“ steht für „alles ist möglich“

Bulgarien war nach dreijähriger Pause erst in diesem Jahr wieder zum Eurovision Song Contest zurückgekehrt. Es ist der erste Sieg für das osteuropäische Land in dem Wettbewerb. Sängerin Dara konnte bei der Abstimmung sowohl die Jury- als auch die Publikumsabstimmung gewinnen.
Die 27 Jahre alte Sängerin kam so auf 516 Punkte und ließ den Israeli Noam Bettan mit 343 Punkten deutlich hinter sich. Damit schaffte Dara auch den größten Vorsprung auf einen Zweitplatzierten in der 70-jährigen ESC-Geschichte – sie löste damit den Norweger Alexander Rybak ab.
Auf die Frage, was „Bangaranga“ bedeute, sagte Dara im ESC-Finale, es stehe für ein Gefühl. Es gehe um spezielle Energie und den Gedanken, „alles ist möglich“. Das Wort soll aus dem jamaikanischen Dialekt stammen und dort Revolution bedeuten.

ESC 2027 findet in Sofia statt

Wie die bulgarische Delegation erklärte, soll das ESC-Finale im nächsten Jahr in Sofia stattfinden. Dara sagte, sie hoffe darauf, dass das Finale dann die Länder wieder verbinden könne und das ESC-Motto „United by Music“ – vereint durch Musik – wahr werde.
Wegen eines Streits um die Teilnahme Israels hatten in diesem Jahr fünf Länder den Wettbewerb boykottiert. Sie kritisieren Israels Vorgehen im Gazastreifen. Anders als im ersten Halbfinale am Dienstag wurde der Auftritt von Noam Bettan im Finale aber nicht durch Störer beeinträchtigt.

Deutschland bekam nur 12 Punkte

Während Bulgarien mit dem Sieg allen Grund zum Feiern hat und im nächsten Jahr den ESC austragen wird, endete der Wettbewerb für Deutschland mit einer Enttäuschung. Die deutsche Sängerin Sarah Engels landete auf dem drittletzten Platz.
Die 33-Jährige bekam insgesamt nur zwölf Punkte, wie die Auszählung in der Nacht zum Sonntag ergab. Das reichte lediglich zu Platz 23 von 25 Startern. Letzter wurde Großbritannien, Vorletzter der Vorjahressieger Österreich.
Engels bekam nur von der Jury Punkte, beim Publikum ging sie leer aus. Für Deutschland bedeutet das einen deutlichen Rückschlag. Im vergangenen Jahr war das deutsche Duo Abor & Tynna immerhin auf Platz 15 gelandet, im Jahr davor wurde Isaak für Deutschland sogar Zwölfter. Der Südwestrundfunk verantwortete innerhalb der ARD in diesem Jahr zum ersten Mal den ESC, in den Jahren davor war der Norddeutsche Rundfunk zuständig.

SWR ist enttäuscht

Engels hatte einen ordentlichen, fehlerfreien Auftritt hingelegt. Allerdings war ihr Lied „Fire“ bereits nach dem deutschen Vorentscheid als zu gewöhnlich kritisiert worden. Trotz des schlechten Abschneidens reagierte Engels gelassen auf ihre Platzierung.
„Für Deutschland beim weltweit größten Musikwettbewerb zu singen, ist eine Ehre – ganz unabhängig davon, wie am Ende die Platzierungen ausfallen“, erklärte Engels in einer vom Südwestrundfunk verbreiteten Erklärung. Es sei für sie „ein großes Fest“ gewesen. „Deshalb habe ich mir über Platzierungen von Beginn an nicht den Kopf zerbrochen.“
Anders als die deutsche Starterin zeigte sich SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler enttäuscht von der Platzierung. Engels habe mit großer Leidenschaft, hoher Professionalität und enormer Bühnenpräsenz einen überzeugenden Auftritt hingelegt.
„Wir wollten beweisen, dass Deutschland eine Performance auf hohem Niveau an den Start bringt. Trotzdem sind wir natürlich enttäuscht über die Platzierung, auch wenn für uns diese eine Zahl nicht im Fokus stand.“

Rund 9 Millionen Zuschauer

Das Finale hat der ARD hohe Einschaltquoten beschert. Im Ersten und im Spartensender One schauten insgesamt rund 8,9 Millionen Menschen die Übertragung der Show aus Wien, wie sich aus den Zahlen der AGF-Videoforschung ergibt. Im Vergleich zum ESC-Finale vor einem Jahr bedeutete dies einen kleinen Rückgang, die Sendung war mit Abstand die erfolgreichste des Samstags.
Herausragend war die Einschaltquote in der für die Werbung relevanten Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen mit einem Marktanteil von insgesamt 64,5 Prozent. Vor einem Jahr schaffte das ESC-Finale in dieser Altersgruppe einen Marktanteil von fast 80 Prozent und holte damals damit einen neuen Allzeitrekord bei den Einschaltquoten. (afp/red)
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kultur

Eurovision Song Contest hat begonnen – Finnland und Australien Favoriten

In der österreichischen Hauptstadt Wien hat am Samstagabend das Finale des Eurovision Song Contest (ESC) begonnen. Insgesamt 25 Länder treten in dem weltweit am meisten beachteten Musikwettbewerb gegeneinander an, der Gewinner wird mit einem gläsernen Mikrofon ausgezeichnet.
In den Wettbüros gilt schon seit Wochen Finnland als Favorit. Kurz vor dem Finale konnten allerdings Australien und Bulgarien aufholen. Über den Sieger entscheiden je zur Hälfte Jurys und Publikum. Mit einem Ergebnis wird erst nach Mitternacht gerechnet.

70 Jahre ESC

Für Deutschland startet Sarah Engels mit der Popnummer „Fire“ beim ESC. Die 33-Jährige wurde kurz vor dem Finale auf einem der hinteren Plätze gesehen. Wien ist Gastgeberstadt, weil im vergangenen Jahr der österreichische Sänger JJ den Wettbewerb gewinnen konnte.
Der ESC feiert in diesem Jahr 70-jähriges Bestehen. Getrübt wird das Jubiläum von einem Streit über die Teilnahme Israels. Mit den Niederlanden, Spanien, Irland, Slowenien und Island boykottieren fünf Länder den Wettbewerb aus Protest gegen Israels Vorgehen im Gazastreifen.
Am Rande des ESC kam es am Samstagnachmittag zu einer Kundgebung und Demonstration gegen die Teilnahme Israels. Einige hundert Menschen protestierten, dabei wurden zahlreiche palästinensische Flaggen gezeigt. Die Proteste blieben ohne größere Zwischenfälle. Die Teilnehmerzahlen lagen deutlich unter den Erwartungen der Veranstalter.

Neue Regeln

Vergangenes Jahr in Basel gewann der österreichische Countertenor JJ die weltweit größte Musikshow. Deshalb tragen Österreich und seine Rundfunkanstalt ORF diesmal die Show aus.
Moderiert wird der ESC von der „Let’s Dance“-Moderatorin Victoria Swarovski und dem Schauspieler Michael Ostrowski.
Für den ESC 2026 wurden die Regeln angepasst. Neu war etwa, dass in den Halbfinalen über das Weiterkommen nicht mehr allein das Publikum entschied. Die Hälfte der Punkte vergaben wieder die nationalen Jurys – ein Regelwerk, das zuletzt nur im Finale gegolten hatte.
Außerdem: Die maximale Anzahl der Stimmen des Publikums via App, SMS und Anruf wurde von 20 auf 10 reduziert. Damit reagierte die Europäische Rundfunkunion (EBU) auf das Ergebnis des ESC 2025.  (afp/dpa/red)
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ausland

Wiener Polizei vor ESC-Finale: Lage „sehr ruhig“

Vor der Final-Show des streng bewachten Eurovision Song Contest (ESC) und den angekündigten Demonstrationen in Wien hat ein Polizeisprecher die Lage als „sehr ruhig“ bezeichnet. Das sei schon während der ganzen ESC-Woche so gewesen und habe sich bislang nicht geändert, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Die Polizei war dennoch auch am Samstag mit einem deutlich sichtbaren Großaufgebot an Beamten und Spezialkräften im Einsatz. Für Samstagnachmittag ist bei Regenwetter und niedrigen Temperaturen eine propalästinensische Demonstration mit einigen tausend Teilnehmern angemeldet. Sie richtet sich gegen die Teilnahme Israels am ESC. Aber auch eine Kundgebung gegen Antisemitismus und Antizionismus wird erwartet.

Sperrgebiet um Wiener Stadthalle

Beide Protestveranstaltungen sollen räumlich voneinander getrennt in der Nähe der Stadthalle stattfinden, wo das ESC-Finale am Abend über die Bühne geht. Direkt zum Veranstaltungsort dürfen die Demonstranten allerdings nicht. Denn dort wurde eine Sperrzone eingerichtet, zu der nur ESC-Beteiligte, Zuschauer und Anwohner Zutritt haben. Im Umkreis der Veranstaltungsorte herrscht zudem ein Drohnen-Flugverbot.
Das Innenministerium hat für Österreich die vierthöchste von fünf Terrorwarnstufen festgelegt – aber nicht erst vor dem ESC, sondern bereits seit Oktober 2023, als Hamas-Extremisten und andere Terrorgruppen ein Massaker in Israel verübten und danach die Lage im Gazastreifen eskalierte. Ein mutmaßlich geplanter und vereitelter Anschlagsversuch rund um ein Taylor-Swift-Konzert im Jahr 2024 in Wien hatte das Risikopotenzial bei Großveranstaltungen noch verdeutlicht. (dpa/red)
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deutschland

Merz: Europa muss „eine Macht werden“

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich für eine „grundlegende Modernisierung“ des EU-Haushalts ausgesprochen, um Europa als eigenständige Macht in einer Welt im Umbruch zu festigen.
In seiner Rede bei der Verleihung des Karlspreises an den italienischen Politiker Mario Draghi in Aachen sprach er sich dafür aus, die mittelfristige Finanzplanung der Europäischen Union mehr auf militärische und wirtschaftliche Stärke auszurichten.

Klare Absage an neue Schulden

„Verschlankte Struktur, Investitionen in Wettbewerbsfähigkeit und Verteidigung, den Fokus auf europäische Mittel für europäische Politik. All das ist nötig, weil die Mittel begrenzt sind“, sagte Merz. Neuen Schulden erteilte er eine klare Absage. „Diesen Weg kann Deutschland schon aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht mitgehen.“
Der EU-Haushalt wird jeweils für sieben Jahre festgelegt. Aktuell wird über das Budget für 2028 bis 2034 verhandelt, das nach einem Vorschlag der Europäischen Kommission inflationsbereinigt 1,76 Billionen Euro umfassen soll. Deutschland trägt als größte Volkswirtschaft der EU den mit Abstand größten Teil dazu bei.
Merz monierte, dass der Haushalt immer noch „geradezu planwirtschaftlich“ für sieben Jahre erstellt werde und über zwei Drittel des Geldes „in Umverteilung und Subventionen“ fließen würden.
Er will das Budget nun vor allem zur Stärkung der europäischen Souveränität in einer Welt nutzen, in der Großmachtpolitik von Staaten wie den USA, China und Russland eine bestimmende Rolle spielt.

„Europa hat sich aufgemacht, eine Macht zu werden“

Der Kanzler hatte sich schon bei früheren Reden dafür eingesetzt, dass die EU auf ihre eigene militärische und wirtschaftliche Stärke setzen müsse. „Wir müssen selbstbewusst unsere eigenen Interessen definieren. Und wir müssen bereit sein, für die Wahrung dieser Interessen auch etwas einzusetzen“, sagte er nun in Aachen.
Europa sei aufgewacht und habe verstanden, dass es sich nur über wirtschaftliche und sicherheitspolitische Stärke in dieser Welt behaupten könne. „Europa hat sich aufgemacht, eine Macht zu werden, eine Macht, die den Stürmen dieser neuen Zeit trotzt“, sagte Merz.

Merz weist Putins Schröder-Vorstoß entschieden zurück

Nach dem Vorschlag von Kreml-Chef Wladimir Putin, Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) als Vermittler im Ukraine-Konflikt einzusetzen, hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Einmischungen von außen in der Frage verbeten.
„Wir Europäer entscheiden selbst, wer für uns spricht. Niemand anders“, sagte Merz. Er zweifelte dabei daran, dass es auf russischer Seite tatsächlich Verhandlungsbereitschaft gebe.
„Wir wollen helfen, diesen schrecklichen Krieg so schnell wie möglich zu beenden“, betonte Merz. Dies erfordere aber „Gesprächsbereitschaft auf beiden Seiten“. Und da sprächen die „Angriffe der letzten Nacht (…) eine andere Sprache“.
Putin hatte hinsichtlich der Bemühungen um eine Beendigung des Ukraine-Kriegs am Samstag Schröder als seinen bevorzugten Vermittler von europäischer Seite genannt.
Der 82-jährige frühere SPD-Chef gilt als persönlicher Freund Putins und war auch nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine für russische Energiefirmen tätig.
Merz erwähnte in seiner Rede nun weder Putin noch Schröder. Die Bundesregierung hatte den Vorstoß des russischen Präsidenten aber bereits Anfang der Woche klar zurückgewiesen. Ein Sprecher sagte, Berlin sehe „momentan in den Äußerungen des russischen Präsidenten noch keinen substanziellen Fortschritt“.
Putin beharre offenbar auf seinen Bedingungen für Verhandlungen. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte von einem „Täuschungsmanöver“ gesprochen, mit dem Putin offenbar „von der eigenen Schwäche ablenken“ wolle.

Laschet fordert stärkere EU-Rolle in der Weltpolitik

Auch der Chef des Karlspreisdirektoriums, CDU-Außenpolitiker Armin Laschet, mahnte eine stärkere Rolle der EU auf der Weltbühne an. „Europa ist international so schwach, weil es eher moralisiert, statt aktiv Diplomatie voranzubringen“, sagte Laschet der Deutschen Presse-Agentur.
„Zwischen Russland und der Ukraine verhandeln nur amerikanische Geschäftsleute, weil die EU sich weigert, ihre eigenen Positionen diplomatisch mit Stärke gegenüber Russland zu vertreten.“ Das sei absurd. Laschet sprach von einer „Selbstentmündigung Europas“.

Armin Laschet fordert eine stärkere diplomatische Rolle Europas und kritisiert die internationale Schwäche der EU.

Foto: Sascha Schuermann / AFP via Getty Images

Den stärksten Applaus der gesamten zweistündigen Preiszeremonie gab es, als Laschet sagte, viele hier in Aachen wünschten sich, dass man bald wieder zu einem „Zustand ohne Grenzkontrollen“ zurückfinde.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte kürzlich gesagt, dass er trotz der gesunkenen Zahl an Asylbewerbern an Grenzkontrollen festhalten wolle.

„Whatever it takes“

Über Draghi, den früheren Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) und ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten, sagte Laschet, dessen Auszeichnung sei „ein Signal an die Kommission, dass das Tempo der Europäischen Union nicht das Tempo der Welt ist, in der wir bestehen müssen“.
Der heute 78 Jahre alte Draghi hatte 2012 auf dem Höhepunkt der Euro-Krise als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) gesagt, man werde tun, „whatever it takes“ – was immer nötig ist -, um die gemeinsame Währung zu sichern. 2024 legte er den sogenannten Draghi-Report zur Steigerung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit vor.
In seiner Dankesrede sagte Draghi, Europa sei heute zu abhängig von anderen und falle auf vielen Gebieten zurück, besonders im Vergleich mit den USA und China. Ein Grund dafür sei, dass der europäische Binnenmarkt noch nicht wirklich vollendet sei, so würden gleiche Wettbewerbsbedingungen zum Beispiel durch nationale Subventionen untergraben.
Die Antwort darauf seien Reformen zur Schaffung eines wirklich integrierten Wirtschaftsraums. „Je mehr sich Europa reformiert, desto weniger muss es sich in Schulden stürzen“, sagte Draghi.

Adenauer und Churchill unter ersten Preisträgern

Der Karlspreis gilt als bedeutendste Auszeichnung für Verdienste um die europäische Einigung. Er war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von Aachener Bürgern gestiftet worden. Der Preis ist nach Kaiser Karl dem Großen benannt, der manchmal als „Vater Europas“ bezeichnet wird.
Seit vergangenem Jahr ist er mit einem Preisgeld von einer Million Euro verbunden, gestiftet von einem Aachener Ehepaar. Dieses Geld soll proeuropäischen Projekten zugutekommen.
Zu den ersten Preisträgern gehörten Bundeskanzler Konrad Adenauer (1954) und der britische Premierminister Winston Churchill (1955). Im vergangenen Jahr ging der Preis an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. (dpa/afp/red)
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Dirigent Simon Rattle mit Bayerischem Maximiliansorden ausgezeichnet

Der deutsch-britische Dirigent Sir Simon Rattle ist mit dem Bayerischen Maximiliansorden ausgezeichnet worden. Er erhielt die Ehrung am Donnerstag vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) in München.
Rattle war von 2002 bis 2018 Dirigent der Berliner Philharmoniker und ist seit 2023 Leiter des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks.

Söder: Rattle ist einer der größten Künstler unserer Zeit

Söder würdigte Rattle als einen „der bedeutendsten Künstler unserer Zeit“. Der 71-Jährige präge die Musikszene seit Jahrzehnten durch Exzellenz und Nachwuchsförderung.
Der Bayerische Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst geht auf eine Gründung von König Maximilian II. aus dem Jahr 1853 zurück.
Nach einer längeren Unterbrechung wird er seit 1981 wieder regelmäßig verliehen. Maximal 100 lebende Menschen können gleichzeitig Ordensträger sein, nun sind es 95. (afp/red)