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Wissenschaftlich fundiert: Zehn Gewohnheiten für mehr Glück

Ist Glück nur eine Frage des Zufalls? Die Forschungsergebnisse deuten glücklicherweise auf etwas anderes hin.
Glück wird immer etwas Geheimnisvolles an sich haben. Es ist eher etwas, das uns zuteilwird, als etwas, das wir selbst erschaffen. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir machtlos sind, glücklicher zu werden. Im Gegenteil: Wahres Glück hängt viel von unseren Entscheidungen ab, sodass wir es bis zu einem gewissen Grad selbst beeinflussen können.
Glück ist nicht in erster Linie ein Gefühl – ein Bereich unseres Lebens, über den wir wenig Kontrolle haben.
„Die meisten Menschen betrachten Glück als ein Gefühl: etwas, das eintritt, wenn die Umstände stimmen, und verschwindet, wenn sie nicht stimmen. Doch die Erkenntnisse der Psychologie der letzten zehn Jahre zeichnen ein anderes Bild“, schrieb der Psychologe Mark Travers in einem Artikel für „Psychology Today“. Und weiter ebenda: „Glück ist nicht in erster Linie ein Stimmungszustand. Es ist ein Ergebnis, das sich aus der Struktur deines Lebens, den Entscheidungen, die du konsequent triffst, und dem Umfeld, in dem du lebst, ergibt.“
Menschen gestalten ihr Leben in erster Linie durch Gewohnheiten. Wir stellen Ihnen zehn wissenschaftlich belegte Gewohnheiten vor, die das Glücksempfinden fördern.

Pflegen Sie enge Beziehungen

Die Harvard-Studie zur Erwachsenenentwicklung ist die längste Studie zum menschlichen Glück, die jemals durchgeführt wurde. Sie begleitete eine Generation von Männern über 80 Jahre hinweg, beginnend in den 1930er-Jahren, und erfasste dabei alle möglichen Informationen über ihr Leben sowie ihre körperliche und geistige Gesundheit. Die Studie wurde inzwischen erweitert und umfasst nun auch einige Kinder der ursprünglichen Generation sowie eine weitere Kohorte von Männern, die in den 1970er-Jahren aus den Innenstadtvierteln von Boston rekrutiert wurden.
Die wichtigste Erkenntnis aus dieser groß angelegten Studie ist, dass von allen einzelnen Faktoren die Stärke der eigenen Beziehungen den größten Einfluss auf Glück und Gesundheit hat.
Die „Harvard Gazette“ berichtete: „Die Studie ergab, dass enge Beziehungen, mehr noch als Geld oder Ruhm, die Menschen ihr Leben lang glücklich machen. Diese Bindungen schützen Menschen vor den Unzufriedenheiten des Lebens, verzögern den geistigen und körperlichen Abbau und sind bessere Indikatoren für ein langes und glückliches Leben als die soziale Schicht, der IQ oder sogar die Gene.“
Das bedeutet, dass der Aufbau von Gewohnheiten, die die Verbindung zu anderen Menschen fördern, der Schlüssel zu langfristiger Erfüllung ist.

Gehen Sie über Small Talk hinaus

Diese Gewohnheit knüpft an die vorherige an, indem sie die Bedeutung tiefer menschlicher Verbindungen betont. Small Talk hat natürlich seinen Platz, sollte aber im Allgemeinen als Brücke zu tieferen Gesprächsthemen dienen – Themen, die zwischenmenschliche Beziehungen stärken und vertiefen.
Eine Studie aus dem Jahr 2010 ergab, dass ein höheres Wohlbefinden mit weniger Small Talk und mehr tiefgründigen Gesprächen einherging. Natürlich ist es nicht immer einfach, tiefere Gespräche anzustoßen. Deshalb haben wir zwei Listen mit Fragen zusammengestellt, die zu gehaltvolleren Gesprächen mit den Menschen anregen sollen, die Ihnen am Herzen liegen.

Genießen Sie regelmäßig kleine Freuden

Das Leben besteht aus den kleinen Dingen. Scheinbar unbedeutende Freuden, die über die Tage und Wochen verteilt sind, können einen überproportional großen Einfluss auf das Glücksempfinden haben. Einfache Aktivitäten wie eine Tasse Kaffee oder Tee trinken, einen kurzen Spaziergang an einem schönen Tag machen, einem Hobby nachgehen oder sich zu einem kurzen Mittagessen mit einem geliebten Menschen verabreden, können laut Forschungsergebnissen Stress reduzieren, die Widerstandsfähigkeit stärken und letztlich zum Glück beitragen.
Das soll nicht heißen, dass große Freuden und Erfolge für das Wohlbefinden unwichtig sind. Sie neigen jedoch dazu, die kleinen, beständigen Freuden zu überschatten, die in den Alltag eingewoben sind. Tatsächlich zeigen einige Studien, dass beständige kleine Freuden einen sogar größeren kumulativen Einfluss auf das allgemeine Glücksempfinden haben als gelegentliche große.
„Das Schöne an den kleinen Momenten ist, dass sie für jeden zugänglich sind“, schrieb der pädiatrische Neuropsychologe Sam Goldstein auf seiner Website. „Indem wir uns darin üben, diese Momente wahrzunehmen und zu schätzen, entwickeln wir eine Gewohnheit des Glücks, die über äußere Umstände hinausgeht.“
Sich Zeit zu nehmen, die kleinen Freuden des Alltags bewusst wahrzunehmen, kann das Glücksgefühl und die Wertschätzung für das tägliche Leben steigern. Foto: ifatum/iStock

Sich Zeit zu nehmen, um die kleinen Freuden des Alltags bewusst wahrzunehmen, kann das Glücksgefühl und die Wertschätzung für das tägliche Leben steigern.

Foto: ifatum/iStock

Erleben Sie statt zu besitzen

Generell gilt: Geld für Erlebnisse auszugeben, macht glücklicher als Geld für Dinge auszugeben. Das könnte einerseits daran liegen, dass Erlebnisse eine tiefere psychologische Wirkung haben und wir dazu neigen, sie immer wieder neu zu erleben und zu genießen. Andererseits sind Erlebnisse meist sozialer Natur, was bedeutet, dass sie eine Vertiefung der Verbindung zu anderen fördern.
Allerdings sind nicht alle bereichernden Erlebnisse angenehm. Einige Erlebnisse, die letztendlich unser Wohlbefinden steigern, stellen uns laut Forschungsergebnissen im Moment vor Herausforderungen.
„Ein psychologisch reichhaltiges Leben ist nicht unbedingt einfach oder angenehm“, schrieb Mark Travers. „Es zeichnet sich durch Neuartigkeit, Komplexität, Wachstum und perspektivverändernde Erlebnisse aus. Erlebnisse wie Reisen, kreative Herausforderungen, schwieriges Lernen und freiwilliges Unbehagen sorgen nicht immer für maximalen unmittelbaren Komfort, aber sie schaffen ein Leben, das sich im Rückblick tiefgründig, abwechslungsreich und lebenswert anfühlt.“
Wenn wir uns daran gewöhnen, Herausforderungen anzunehmen und Erfahrungen zu sammeln, die uns wachsen lassen, kann das zu einem lebendigeren Leben führen.

Nehmen Sie Zeit wichtiger als Geld

Ashley Whillans von der Harvard Business School hat eingehend belegt, dass ein Gefühl der „Zeitarmut“ das Glück beeinträchtigen kann. Menschen, die angeben, regelmäßig unter Zeitdruck zu stehen, gehetzt zu sein, keine Kontrolle zu haben und durcheinander zu sein, schneiden bei Messungen der Zufriedenheit und der psychischen Gesundheit schlechter ab. Andererseits ergab eine Studie aus dem Jahr 2017, dass Menschen, die sich „Zeit kaufen“, statt Dinge zu kaufen, eine größere Lebenszufriedenheit berichteten. Die Forschung zeigt somit, dass ein Reichtum an Zeit für uns wichtiger ist als eine Fülle an Geld und Besitztümern.
Daher kann es einen wichtigen Beitrag zum Wohlbefinden leisten, sich anzugewöhnen, Zeit gegenüber materiellen Gütern oder Reichtum zu bevorzugen.

Verbringen Sie regelmäßig Zeit in der Natur

Der Reichtum der Natur macht auch uns reich. Wir blühen auf, wenn wir das Gedeihen der Natur erleben. Eine bedeutende Studie aus dem Jahr 2019, in der Daten von fast 20.000 Teilnehmern untersucht wurden, ergab, dass diejenigen, die jede Woche mindestens 120 Minuten in der Natur verbrachten, deutlich gesünder und glücklicher waren als diejenigen, die keine Zeit im Freien verbrachten. Dieses Ergebnis wurde durch viele ähnliche Studien bestätigt. Generell steigern Grünflächen, Sonnenschein und frische Luft das menschliche Wohlbefinden.

Natur ist eine oft unterschätzte Ressource für die mentale Gesundheit des Menschen.

Foto: Smileus/iStock

Seien Sie hilfsbereit und großzügig

Zahlreiche Belege deuten darauf hin, dass wir – entgegen unserer Intuition – tatsächlich glücklicher sind, wenn wir uns weniger auf uns selbst konzentrieren. So ergab beispielsweise eine systematische Übersicht aus dem Jahr 2023, in der Dutzende von Studien aus verschiedenen Kulturen untersucht wurden, dass das Investieren von Zeit und Geld in andere Menschen das subjektive Wohlbefinden durchweg verbessert. Die Forschung zu altruistischem Verhalten – von kleinen Gesten der Freundlichkeit bis hin zu großzügigen Spenden – zeigt uns, dass wir dazu bestimmt sind, anderen mehr zu dienen als uns selbst, und dass wir dadurch unseren Lebenssinn erfüllen und größeres Glück erlangen.
Dies ist eine einfache Gewohnheit, die nicht nur unser eigenes Leben, sondern auch das Leben anderer verbessern kann.

Üben Sie sich in Vergebung

Das Verharren in schmerzhaften Erfahrungen der Vergangenheit versklavt uns eher, als dass es uns Erleichterung bringt. Das Streben nach Mitgefühl und Vergebung hingegen bringt größere innere Freiheit und damit Glück. So zeigte beispielsweise eine Studie aus dem Jahr 2011, dass College-Studenten, die dazu angeleitet wurden, eine vergangene Verletzung mit Mitgefühl neu zu betrachten, eine niedrigere Herzfrequenz und größere Empathie aufwiesen.
Eine weitere Studie aus dem Jahr 2026 fand einen starken Zusammenhang zwischen regelmäßigem Vergeben und einem gesteigerten psychischen Wohlbefinden.
Mit anderen Worten: Machen Sie Vergebung zur Gewohnheit. Unversöhnlichkeit zerfrisst die Seele, während Vergebung sie befreit.

Fördern Sie das Staunen

Erlebnisse des Staunens – Gänsehaut erzeugende Begegnungen mit dem Majestätischen, Geheimnisvollen und Schönen – machen uns glücklicher und gesünder und stärken unsere sozialen Bindungen. Solche Erlebnisse können durch dramatische Anblicke oder Begegnungen entstehen, aber sie lassen sich auch im kleinen Kreis des Alltags finden. Der Nachthimmel, ein wunderschönes Musikstück oder ein tiefgründiges Gedicht können Ehrfurcht wecken. Wir können es uns zur Gewohnheit machen, danach zu suchen und diese Gelegenheiten wahrzunehmen, wenn sie sich bieten.

Streben Sie nicht nach Glück, sondern nach Sinn

Diese Gewohnheit mag im Widerspruch zu den vorherigen auf der Liste stehen, ist aber dennoch möglicherweise die wichtigste.
Der Psychologe und Konzentrationslagerüberlebende Viktor Frankl schrieb das berühmte Buch „Man’s Search for Meaning“, in dem er argumentiert, dass im Kern unseres Seins das Verlangen nach Sinn liegt und dass dieses Verlangen stärker und für unser Menschsein zentraler ist als unser Verlangen nach Vergnügen, Bequemlichkeit oder Reichtum. Dieses Streben nach Sinn kann selbst ein Leben voller Leid in ein erfülltes Leben verwandeln.
Im Vorwort zur Ausgabe von 1992 schrieb er: „Denn Erfolg kann, ebenso wie Glück, nicht angestrebt werden; er muss sich einstellen, und zwar nur als unbeabsichtigter Nebeneffekt des persönlichen Engagements für eine Sache, die größer ist als man selbst, oder als Nebenprodukt der Hingabe an eine andere Person als die eigene. Glück muss sich einstellen, und dasselbe gilt für den Erfolg: Man muss es geschehen lassen, indem man sich nicht darum bemüht.“
Laut Frankl sollten wir uns also gewohnheitsmäßig auf die Suche nach Sinn ausrichten, dann wird das Glück folgen. Wenn wir hingegen direkt nach Glück streben, geraten wir wahrscheinlich in Egoismus und werden dadurch unglücklich.
Glück ist wie eine Frucht, die am Baum der Sinnhaftigkeit wächst. Wird sie vom Baum getrennt, verfault sie und stirbt ab. Wenn wir jedoch den Baum finden, finden wir auch die Frucht – prall und gesund.
Das Paradoxe am Glück ist, dass wir es manchmal loslassen müssen, um es zu finden.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „10 Science-Backed Habits for Happiness“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Über 50 Prozent Traffic über Bots: Unternehmen kämpfen mit den Auswirkungen


In Kürze:

  • Teure Werbung, nur für Bot-Besuche zahlen?
  • Marketing: Internet-Kennzahlen schwieriger zu bewerten.
  • Kipppunkt erreicht: Mehr Bots als Menschen unterwegs.
  • Umdenken bei Entscheidungen und Sorge um Datensicherheit.

 
Analysten zufolge stammt mittlerweile mehr als die Hälfte des gesamten Internetverkehrs von Bots. Für Unternehmen könnte es daher schwieriger denn je sein, Kunden zu erreichen. Die Flut an Bots, die auf künstlicher Intelligenz basieren, zwingt insbesondere kleine Unternehmen dazu, neue Strategien zu finden, um menschliche Beziehungen aufzubauen.
„Wenn der Datenverkehr überhandnimmt, wird es unmöglich, fundierte Werbeentscheidungen zu treffen“, sagte der Unternehmer Cameron Figgins gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times. „Ich habe monatliche Auswertungen gesehen, wonach 30 bis 40 Prozent der Website-Besuche nicht von Menschen stammten.“

Echtes Geld für Fake-Besucher

Figgins ist Inhaber von Absolute Maintenance and Consulting. Das kalifornische Unternehmen hat sich auf die Beseitigung von Schimmel- und Wasserschäden spezialisiert. Figgins sagte, die Flut von KI-Bots, die die Website seines Unternehmens besuchen, koste echtes Geld.
„Stellen Sie sich vor, Sie geben monatlich 2.000 Dollar für bezahlte Anzeigen aus, wobei ein Drittel Ihrer Klicks von Bots stammt. Sie verschwenden monatlich 600 bis 700 Dollar, ohne dass etwas dabei herauskommt“, sagte er.
Der Unternehmer Ilya Ornatov sagte, er habe das gleiche Problem.
„Ich betreibe einen Reinigungsdienst, aber unsere Website ist im Grunde unser bester Verkäufer“, sagte Ornatov, Inhaber von NW Maids, gegenüber der Epoch Times.
„Für ein kleines lokales Unternehmen besteht die größte Auswirkung darin, dass es durch den Bot-Traffic wirklich schwer ist, zu erkennen, was tatsächlich funktioniert. Unsere Website ist die Quelle der meisten unserer Neukunden, daher beobachte ich die Zahlen genau, und ein Großteil dieses Traffics besteht lediglich aus Bots, die die Seite crawlen – keine echten Menschen, die eine Reinigung buchen könnten.“
Wie Figgins denkt auch Ornatov. Er sagte, dass es immer weniger Sinn mache, für Werbung zu bezahlen, wenn das Publikum größtenteils aus automatisierten Bots bestehe.
„Man bezahlt buchstäblich für gefälschte Besuche, sodass man Geld verbrennen kann, ohne auch nur einen einzigen echten Kunden vorweisen zu können“, sagte er.
Heute stammt der Großteil des Internetverkehrs von Bots. KI-gestützte Webcrawler treiben die Infrastrukturkosten in die Höhe und zwingen Unternehmen, Werbung, Kennzahlen zur Kundenbindung und die Kundenansprache zu überdenken. Gleichzeitig nutzen Unternehmen GEO (Generative Engine Optimization) und agentenbasierte KI, um ihre Sichtbarkeit in Suchmaschinen zu verbessern. Foto: : chiewr/iStockFoto: chiewr/iStock

Heute stammt der Großteil des Internetverkehrs von Bots. KI-gestützte Webcrawler treiben die Infrastrukturkosten in die Höhe und zwingen Unternehmen, Werbung, Kennzahlen zur Kundenbindung und die Kundenansprache zu überdenken. Gleichzeitig nutzen Unternehmen GEO (Generative Engine Optimization) und agentenbasierte KI, um ihre Sichtbarkeit in Suchmaschinen zu verbessern.

Foto: chiewr/iStock

Der Kipppunkt ist überschritten

Es gibt immer mehr Belege, die diese Behauptungen stützen, insbesondere jetzt, da viele Tech-Insider davon ausgehen, dass das Internet den Kipppunkt überschritten hat – also den Moment, in dem der menschliche Web-Traffic offiziell geringer wurde als der der Bots.
Das Cybersicherheitsunternehmen Imperva stellte in seinem „Bad Bot Report“ für 2026 fest, dass im vergangenen Jahr 53 Prozent des gesamten Web-Traffics von Bots stammten.
„Tja, das ging schneller, als ich vorhergesagt hatte“, schrieb Matthew Prince, Mitbegründer und CEO von Cloudflare, im Juni auf seinem X-Account. Er sagte, er habe ursprünglich vorausgesagt, dass der Kipppunkt Ende 2027 eintreten würde.
Und das Verhältnis von Bots zu Menschen steigt weiter an. Am 18. August stammten laut dem globalen Tracker von Cloudflare 63 Prozent aller HTTP-Anfragen von Bots. Das Imperva-Team stellte fest, dass seine Beobachtungen auf „einen strukturellen Wandel in der Funktionsweise des Internets“ hindeuten.
„Unternehmen bedienen zunehmend nicht mehr nur Kunden. Sie bedienen Maschinen“, schrieben die Analysten.
Matthew Prince (links), Mitgründer und CEO von Cloudflare, spricht am 17. April 2026 in Washington auf der Semafor World Economy 2026 neben Reed Albergotti, Technologie-Redakteur von Semafor. Prince äußerte sich besorgt über den rasanten Anstieg des Bot-Verkehrs im Internet. Foto: Tasos Katopodis/Getty Images für Semafor World Economy

Matthew Prince (links), Mitgründer und CEO von Cloudflare, spricht am 17. April 2026 in Washington auf der Semafor World Economy 2026 neben Reed Albergotti, Technologie-Redakteur von Semafor. Prince äußerte sich besorgt über den rasanten Anstieg des Bot-Verkehrs im Internet.

Foto: Tasos Katopodis/Getty Images für Semafor World Economy

Was jenseits der Zahlen passiert

Tech-Insider sagen, dass die Dominanz von Bots Probleme verursacht, da sie das menschliche Verhalten verschleiert.
„Die größte Auswirkung besteht darin, dass Unternehmen den Überblick über das tatsächliche Kundenverhalten verlieren“, sagte Naveen Ayalla, Senior Data Engineer bei Microsoft, gegenüber der Epoch Times.
Ayalla sagte, ein E-Commerce-Unternehmen könnte einen 30-prozentigen Anstieg des Datenverkehrs durch KI-Crawler fälschlicherweise für eine erfolgreiche Marketingkampagne halten. Das verzerrt Marketingberichte und verursacht unnötige Infrastrukturkosten, was zu schlechten Investitionsentscheidungen auf der Grundlage irreführender Daten führen kann.
„Herkömmliche Analysen gehen davon aus, dass die meisten Besucher Menschen sind, was jedoch nicht mehr zuverlässig ist“, so Ayalla. „Eine neue Produktseite könnte Tausende von Aufrufen von KI-Bots erhalten, die Inhalte indexieren, ohne Kaufabsicht zu haben, was ein falsches Engagement vortäuscht.“
Um dem entgegenzuwirken, so Ayalla, müssen Unternehmen ihren Fokus von oberflächlichen Kennzahlen wie Seitenaufrufen und Klicks auf Signale aus dem unteren Teil des Trichters („Deep-Funnel-Signale“) verlagern – also auf Handlungen potenzieller Kunden, die eine echte Absicht erkennen lassen. Dazu gehören Käufe, ausgefüllte Formulare, treues Wiederkehren und mehr.
„Wenn Bots im Spiel sind, verlieren Absprungraten, Sitzungsdauern und Konversionskennzahlen ihre Aussagekraft“, sagte Figgins. „Man glaubt, dass die Landingpage nicht gut genug funktioniert, und verwirft sie – nur um dann festzustellen, dass die tatsächlichen menschlichen Besucher eine recht gute Konversionsrate aufwiesen.“

Nicht alle Bots sind gleich

Nicht jeder automatisierte Traffic schadet Unternehmen. Tatsächlich trägt ein Teil davon dazu bei, Verbindungen zu echten Kunden aufzubauen.
Immer mehr Menschen fragen große Sprachmodelle (LLMs) wie ChatGPT nach Empfehlungen zu Produkten und Dienstleistungen. Eine Similarweb-Analyse ergab, dass echte Nutzerbesuche nach KI-Empfehlung „deutlich wahrscheinlicher“ werden. Demnach agierten ChatGPT-Nutzer 2,5-mal häufiger mit einer von der KI empfohlenen Marke als mit deren Wettbewerbern.
Die Symbole bekannter KI-basierter Apps auf dem Bildschirm eines Smartphones, darunter LLMs, Chatbots und generative KI: (von links) „Lumo“ der Proton AG, „Meta AI“, „Mistral Vibe“ (ehemals „Le Chat“), „Grok“ von xAI, „Copilot“ von Microsoft, „Gemini“ von Google, „Claude“ von Anthropic, Perplexity, Deepseek, „Chat GPT“ von OpenAI, „Notebook LLM“ von Google sowie die generative KI-Musik-App „Suno“. Aufgenommen am 15. Juli 2026 in Saint-Mande, östlich von Paris. Foto: Martin LELIEVRE / AFP via Getty Images

Symbole bekannter KI-basierter Apps auf einem Smartphone, darunter LLMs, Chatbots und generative KI.

Foto: Martin Lelievre / AFP via Getty Images

„Suchmaschinen-Crawler und KI-Assistenten können tatsächlich einen Mehrwert schaffen, indem sie dazu beitragen, dass Websites entdeckt werden“, sagte Ayalla.
Die zentrale Herausforderung besteht darin, zwischen dem, was er als „wertvollen automatisierten Traffic“ bezeichnete, und gewöhnlichen, ressourcenintensiven Bots zu unterscheiden.
Ayalla sagte, dass es kein realistischer Ansatz sei, alle Bots vom Besuch einer Website auszuschließen. Denn die Technologie werde für die Kontaktaufnahme mit potenziellen Kunden immer wichtiger.
„Unternehmen benötigen einen ausgewogenen Ansatz, um ihre Sichtbarkeit in der KI-gestützten Suche aufrechtzuerhalten und gleichzeitig ihre Infrastruktur und Inhalte zu schützen“, sagte er.
Online-Kundenrezensionen zu einem Produkt werden am 17. April 2019 auf einem Computerbildschirm in New York City angezeigt. Die traditionellen Kennzahlen zur Messung der Effektivität einer Unternehmenswebsite seien nicht mehr verlässlich, sagte ein Geschäftsinhaber. Foto: Ole_CNX/iStock

Inzwischen weiß wohl jeder, dass Online-Kundenrezensionen zu einem Produkt nicht unbedingt zuverlässig sind. Ein Geschäftsinhaber sagt zudem, dass auch traditionelle Kennzahlen zur Messung der Effektivität einer Unternehmenswebsite nicht mehr verlässlich seien.

Foto: Ole_CNX/iStock

Für Ornatov haben KI-Bots seine Herangehensweise an die Erstellung von Webinhalten revolutioniert.
„Es hat verändert, was wir schreiben und wie wir es gestalten. Früher haben wir nur für Google-Rankings geschrieben“, sagte er. „Jetzt achte ich darauf, dass unsere Seiten echte Fragen in einfacher Sprache beantworten, mit klaren FAQ-Abschnitten, denn genau das sind die Informationen, die ein KI-Assistent tatsächlich abrufen und einem Kunden wiedergeben kann.“
„Anstatt also Schlüsselwörter hineinzupferchen, versuchen wir einfach, Fragen wie ‚Wie viel kostet eine Grundreinigung?‘ oder ‚Bringen Sie Ihre eigenen Reinigungsmittel mit?‘ klar zu beantworten – denn genau das wird zitiert. Wir haben uns darauf eingestellt, dafür gesorgt, dass die Website für diese Tools leicht zu lesen und zu zitieren ist, und jetzt ist sie zu einer kleinen, aber echten Quelle für Neukunden geworden, statt eine Bedrohung darzustellen.“
Geschäftsinhaber berichten von zunehmendem Bot-Traffic auf ihren Websites. Dadurch verschlingt Werbung einen immer größeren Teil des Budgets, während gleichzeitig immer weniger echte Kunden erreicht werden. Foto: Infinite Creations/iStock

Geschäftsinhaber berichten von zunehmendem Bot-Traffic auf ihren Websites. Die Werbung verschlingt immer mehr Budget und erreicht immer weniger echte Kunden.

Foto: Infinite Creations/iStock

Schutz von Informationen

Ebenso problematisch ist jedoch das KI-gesteuerte „Scraping“ (Extrahieren) von Online-Informationen – einschließlich privater und urheberrechtlich geschützter Inhalte. Dies geschieht meist durch Bots, um LLMs wie Claude oder ChatGPT zu trainieren. Ein Großteil der gescrapten Inhalte wird für das Training von LLMs verwendet. Er bietet den Unternehmen, von denen sie gestohlen wurden, keinerlei Nutzen.
Bots, die mehrere Webseiten oder Websites durchforsten, werden als „Crawler“ bezeichnet.
„Viele Scraping-Anwendungen stehlen kontinuierlich vertrauliche juristische Unterlagen, bringen Unternehmen in die Lage, dass Geschäftsgeheimnisse missbraucht werden, und führen dazu, dass Unternehmensserver aufgrund von Abhilfemaßnahmen in Höhe von Tausenden von Dollar zusammenbrechen“, sagte Rechtsanwalt Robert Tsigler.
Tsigler sagte, seine Tätigkeit als leitender Anwalt in hochkarätigen Unternehmensrechtsstreitigkeiten habe ihm „Erfahrungen aus erster Hand darüber verschafft, wie durch automatisiertes Scraping urheberrechtliche Haftungsrisiken und Schwachstellen in der Cybersicherheit entstehen“.
Er sagte, dass automatisierter „Scraper-Traffic“ dafür verantwortlich sei, die Kosten für die Serverbandbreite seiner Mandanten um bis zu 40 Prozent zu erhöhen und gleichzeitig falsche Eindrücke in der Nutzeranalyse zu erzeugen.
„Um legitime Nutzer von automatischer [Bot-]Scraping-Software zu unterscheiden, müssen viele Unternehmen mittlerweile spezialisierte Cybersicherheitsinfrastrukturen implementieren, die für mittelständische Unternehmen Kosten von bis zu 15.000 Dollar pro Jahr verursachen können“, sagte er.
Auf die Frage, wie Unternehmen die Auswirkungen schädlicher Bots abmildern können, prognostizierte Ayalla, dass es in Zukunft keine „Entweder-oder-Entscheidung“ mehr geben werde, sondern vielmehr um mehrschichtige Zugriffskontrollen gehe.
„Wir werden wahrscheinlich eine klare Trennung erleben, bei der allgemeine Informationen für KI-Systeme zugänglich bleiben, während hochwertige, geschützte Daten einen authentifizierten Zugriff erfordern“, sagte er.
„Der Fokus wird sich letztendlich von der Blockierung der KI hin zur sicheren Zusammenarbeit mit ihr verlagern.“
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Bots Now Make Up More Than Half of Internet Traffic. Here’s How It’s Affecting Businesses.“ Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)
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Tod, Chaos, Neuanfang: Die Bedeutung der Zahl 13


In Kürze:

  • Die 13 gilt hierzulande als typische Unglückszahl, was sich in fehlenden Sitzreihen und Etagen zeigt.
  • Eine mögliche Ursache für die Angst könnte in der Natur der Zahl Zwölf liegen, die Ordnung und Vollendung symbolisiert.
  • Ein Blick in die Mathematik, Religion, Astronomie und Geschichte zeigt jedoch, dass die Dreizehn eine schöne Seite hat.
  • Indem wir die Zahl nicht mehr fürchten und vielmehr als Beginn von etwas Neuem sehen, können wir sie zu einer Glückszahl machen.

 
Die Zahl Zwölf gilt als eine der großen Zahlen der Vollendung: zwölf Monate im Jahr, zwölf Tierkreiszeichen, die zwölf Apostel Christi und natürlich die zwölf Aufgaben des Herakles.
Doch was geschieht nach der Vollendung? Was ist, wenn wir dem Dutzend noch eine Zahl hinzufügen? Dann gelangen wir zur 13 – und betreten sofort unruhigeres und mehrdeutigeres Terrain.

Leben mit der unheilvollen 13

Für viele Menschen ist die 13 schlichtweg eine Unglückszahl. Hotels lassen manchmal die 13. Etage weg. In Flugzeugen fehlt möglicherweise die 13. Reihe. Und Gastgeber haben oft Angst davor, 13 Personen an einen Esstisch zu setzen.
Diesen Aberglauben nutzte die britische Schriftstellerin Agatha Christie (1890–1976) in ihrem Roman „Dreizehn bei Tisch“ aus, der verfilmt unter dem unheilvollen Titel „Mord à la Carte“ erschien.
Mit „Triskaidekaphobie“ hat diese Angst sogar einen eigenen Namen. Er bildet sich aus den griechischen Wörtern „treis“ (drei), „kai“ (und), „deka“ (zehn) und „phobia“ (Angst). Zwar ist der Begriff relativ modern, doch tauchte er im Englischen erstmals etwa zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf.
Obwohl die Angst real ist, sind ihre Ursprünge weitaus weniger sicher. Eine bekannte Erklärung bezieht sich beispielsweise auf das Letzte Abendmahl. Christus speiste mit seinen zwölf Aposteln, womit 13 Personen am Tisch saßen. Einer von ihnen, Judas, verriet ihn. Auf das Mahl folgte die Kreuzigung am Karfreitag, was erklärt, warum der Freitag, der 13., seinen besonders unheilvollen Ruf erlangte.
„Das letzte Abendmahl“ von Leonardo da Vinci

„Das Letzte Abendmahl“ ist neben der „Mona Lisa“ das berühmteste Gemälde von da Vinci.

Erfundene Geschichten als Rechtfertigung für die Angst

Eine andere weitverbreitete Geschichte erzählt von zwölf nordischen Göttern, die in Walhalla ein Festmahl feierten. Als Loki, der ungebetene 13. Gast, eintraf, tötete er Baldr, den Gott des Lichts und der Freude.
Es ist eine hervorragende Geschichte – aber wahrscheinlich eine spätere Erfindung. Denn keine der beiden Sagen-Versionen der Edda, unsere Hauptquellen für Baldrs Tod, beschreibt ein solches Festmahl oder identifiziert Loki als den 13. Gast. Das ist an sich schon aufschlussreich.
Wir erfinden Geschichten, um unser instinktives Unbehagen zu erklären. Wir haben das Gefühl, dass mit der Zahl 13 etwas nicht stimmt, und suchen daher in der Vergangenheit nach einem Ereignis, das dieses Gefühl rechtfertigt.
Aber warum sollte uns die 13 beunruhigen? Die Antwort liegt vielleicht nicht in der 13 selbst, sondern in der außergewöhnlichen Kraft der Zahl Zwölf.

Ein schönes Zahlenspiel

Die Zwölf ist eine Zahl, die sich wunderbar teilen lässt: durch zwei, drei, vier und sechs. Sie eignet sich daher für Maße, Ordnung und Herrschaft. Zwölf Monate gliedern das Jahr, zwölf Stunden teilen Tag und Nacht, zwölf Tierkreiszeichen kartografieren den Himmel. Die Zwölf suggeriert einen geordneten, vermessenen und nachvollziehbaren Kosmos.
Die 13 durchbricht diese Ordnung. Als Primzahl lässt sie sich nur durch sich selbst und durch eins ganzzahlig teilen. Im Gegensatz zur anpassungsfähigen Zwölf widersetzt sie sich der Unterteilung.
Dennoch besitzt sie ihre eigene seltsame mathematische Schönheit: 13 × 13 = 169. Kehrt man diese Ziffern um, erhält man 31 und 31 × 31 = 961: eine Art numerisches Palindrom.
Dennoch bleibt die 13 ästhetisch wie praktisch ein unbehagliches Element. Sie ist der Rest, der Gast, für den kein Platz vorbereitet wurde. Nachdem die Zwölf den Kreis vollendet hat, tritt die 13 aus ihm heraus. Sie lässt sich nicht nahtlos in das bestehende Muster einfügen. Dies könnte erklären, warum die Zahl 13 später so häufig mit dem Tod in Verbindung gebracht wurde.

13 als Zahl des Endes

In der üblichen Tarot-Reihenfolge ist der 13. Trumpf der Tod. Die frühesten erhaltenen Tarotkarten waren jedoch nicht immer nummeriert, und ihre Reihenfolge war noch nicht vollständig festgelegt.
Eine Visconti-Sforza-Karte aus dem 15. Jahrhundert zeigt den Tod als elegante Skelettgestalt. Er ist mit einem Bogen bewaffnet und konfrontiert den Betrachter mit der Vergänglichkeit weltlicher Rangordnung und Macht. In der späteren Tarot-Tradition bedeutet der Tod nicht unbedingt bloßes Auslöschen: Ein Zustand muss enden, bevor ein anderer beginnen kann.
In der üblichen Tarot-Reihenfolge ist der 13. Trumpf der Tod

Die Tarotkarte von Bonifacio Bembo (1420–1480), welche sich in der US-amerikanischen Morgan Library befindet, zeigt den Tod mit Bogen.

Im Volksmund mussten Verurteilte 13 Stufen hinauf zum Galgen steigen, obwohl die tatsächliche Stufenanzahl bei Schafotten wohl keine Rolle spielte. Das Bild hat sich dennoch gehalten, weil es die Vorstellungskraft widerspiegelt, die die Zahl 13 mit dem letzten Schritt jenseits der geordneten Welt der Lebenden verbindet.
Die Zahl 13 steht also vielleicht weniger für Unglück als vielmehr für Verwandlung. Dies wird deutlicher, wenn wir den Mond betrachten.

Die Verbindung zum Mond

Ein Mondzyklus dauert etwa 29,5 Tage. Die meisten Sonnenjahre umfassen daher zwölf Vollmonde, doch etwa alle zwei oder drei Jahre erscheint ein dreizehnter, „zusätzlicher“ Mond. Dieser zweite Mond innerhalb eines Monats wird auch „Blauer Mond“ genannt.
Der 13. Mond stört die ordentliche Übereinstimmung zwischen Mond- und Sonnenkalender. Er ist ein Überbleibsel der erwarteten Ordnung, und doch ist er völlig natürlich. Die Natur lässt sich nicht in unsere bequemen Zahlensysteme einengen.
Außerdem ist der Mond stark mit menschlicher Unbeständigkeit und Fruchtbarkeit verbunden. Das englische Wort „lunacy“ (zu Deutsch: Wahnsinn) bewahrt den alten Glauben, dass der Mond den rationalen Verstand stören könne. Moderne wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch kaum Belege für einen Einfluss des Mondes auf das menschliche Verhalten gefunden.
Der Menstruationszyklus wurde unterdessen aufgrund seiner in etwa vergleichbaren Dauer oft fantasievoll mit dem Mondmonat in Verbindung gebracht. Ob der Mond einen derartigen Einfluss hat oder nicht, die alte Assoziation ist symbolisch vielsagend: Blut, Verlust, Periodizität und die Vorbereitung auf erneute Fruchtbarkeit gehören alle zu dem geheimnisvollen Rhythmus, nach dem das Leben voranschreitet – nicht in einer geraden Linie, sondern durch wiederkehrende Enden und Anfänge.

Der Beginn von etwas Neuem

Die gleiche Mehrdeutigkeit zeigt sich in der Religion. Im Judentum ist die 13 keine Zahl, die in erster Linie mit Unglück in Verbindung steht. Mit 13 wird ein Junge für die Einhaltung der Gebote verantwortlich: Er wird Bar-Mizwa, wörtlich „derjenige, der den göttlichen Geboten unterliegt“.
Im traditionellen Judentum übernimmt ein Mädchen die entsprechenden Pflichten im Alter von zwölf Jahren, wobei die unterschiedlichen Altersangaben den Glauben widerspiegeln, dass Mädchen früher die Reife erlangen als Jungen.
Für unsere Zwecke bleibt jedoch das 13. Lebensjahr des Jungen bemerkenswert: Die 13 ist kein Fluch, sondern eine Initiation, der Punkt, an dem die Kindheit der moralischen Verantwortung weicht. Das bisherige Leben endet – ein neues und anspruchsvolleres Leben beginnt.

Lesung der Thora während der Bar-Mizwa eines Jungen in den USA.

Von der NASA bis zum Basketballer

Die Symbolik der Gründung der USA liefert ein weiteres positives Beispiel. Die 13 ursprünglichen Kolonien werden auf dem Großen Siegel der Vereinigten Staaten in vielfältiger Weise gewürdigt: 13 Sterne, 13 Streifen, 13 Pfeile, 13 Blätter und 13 Olivenzweige. Hier steht die Zahl nicht für Zersplitterung, sondern für eine neue Einheit, die aus getrennten politischen Gemeinschaften hervorgeht.
Das Große Siegel der Vereinigten Staaten wurde nach der Vereinigung der 13 US-Kolonien im Jahr 1782 eingeführt

Das Große Siegel der Vereinigten Staaten wurde nach der Vereinigung der 13 US-Kolonien im Jahr 1782 eingeführt.

Selbst eines der Ereignisse der Neuzeit, dessen Datum am bedrohlichsten erscheint, birgt dieselbe Umkehrung. Am 13. April 1970 kam es bei der Apollo-13-Mission zu einer Explosion des Sauerstofftanks. Es waren zwei Dreizehner, die sich offenbar gegen die NASA verschworen und sie zwangen, die geplante Mondlandung abzubrechen.
Doch dank Mut, Einfallsreichtum und disziplinierter Zusammenarbeit kehrten die drei Astronauten sicher zur Erde zurück. Die NASA hat die Mission treffend als „erfolgreichen Misserfolg“ bezeichnet. Was wie eine Katastrophe aussah, wurde zu einem Beweis für den Einfallsreichtum.
Manche sind noch einen Schritt weiter gegangen und haben die 13 bewusst als Herausforderung an den Aberglauben angenommen. Der 2,16 Meter große US-amerikanische Basketballer Wilt Chamberlain (1936–1999) trug diese Nummer während seiner gesamten Karriere. Auf die Frage, ob die 13 Unglück bringe, soll er geantwortet haben: „Ja, meinen Gegnern“.
Basketballer Wilt Chamberlain trug während seiner gesamten Karriere die Trikotnummer 13

Wilt Chamberlain (1936–1999) war einer der besten und athletischsten Basketballer der NBA und trug während seiner gesamten Karriere die Trikotnummer 13.

Herakles‘ 13. Aufgabe

Werfen wir noch einmal einen Blick auf Herakles und seine zwölf Aufgaben. Durch diesen Heldenzyklus überwindet er Bestien, Tyrannen, das Chaos und sogar den Tod selbst, als er den Höllenhund aus der Unterwelt holt. Doch die Geschichte des griechischen Helden endet nicht wirklich mit der zwölften Aufgabe. Es gibt nämlich tatsächlich eine Dreizehnte: Herakles muss sterben.
Vergiftet durch das Blut des Zentauren Nessos befiehlt Herakles, auf dem Berg Oeta einen Scheiterhaufen zu errichten. Seine sterbliche Natur wird von den Flammen verzehrt – doch seine göttliche Natur steigt zum Olymp empor.
Dort versöhnt er sich mit Hera, deren Feindseligkeit seine Leiden verursacht hatte. Dafür erhält er Hebe, die Göttin der Jugend, als seine unsterbliche Braut. Das ist die tiefste Bedeutung der Zahl 13: Die zwölf Aufgaben vollendeten den Helden innerhalb der Grenzen der Welt – die dreizehnte trug ihn über die Welt hinaus.
Der Tod von Herakles war schmerzhaft und das Produkt einer Täuschung, die aus dem vergifteten Erbe seiner eigenen vergangenen Gewalt herrührt

Das Hemd, das ihm seine Frau Deianira auf Anraten des Kentauren Nessos überreichte, war mit dem Gift der Hydra eingerieben. Ohne es zu wissen, tötete sie damit Herakles.

Die Zahl der Verwandlung

Das gleiche Muster zeigt sich im Christentum. Beim Letzten Abendmahl ist Christus nicht einer der Zwölf, sondern derjenige, um den sich die Zwölf versammeln. Der Verräter bringt den Tod in die Gemeinschaft, doch Christus verwandelt diesen Tod in den Weg zur Auferstehung. Wieder einmal durchbricht die 13 die feststehende Ordnung und weist auf etwas noch Unsichtbares hin.
Wir haben Angst vor der 13, weil wir das fürchten, was jenseits der Vollendung liegt. Wir wollen, dass die Uhr bei der Zwölf stehen bleibt, der Kreis geschlossen ist und die bekannte Welt unendlich weiterbesteht. Doch keine menschliche Errungenschaft, keine Institution und kein Leben kann dort verharren.
Jede Vollendung wird zur Schwelle eines neuen Anfangs. Das Kind wird verantwortungsbewusst, das alte Jahr weicht dem neuen, der Held tritt ins Feuer und der Samen stirbt in der Erde. Die 13 ist gefährlich, weil Verwandlung gefährlich ist.
Sie ist eine Unglückszahl für alles, was sich weigert, sich zu verändern. Doch für diejenigen, die bereit sind, die Schwelle zu überschreiten, ist die 13 vielleicht gar nicht die Zahl der Zerstörung. Sie könnte die Zahl der Auferstehung und Neuordnung sein.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Number 13: Death, Disorder, and the Door to a New Life“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)
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Solar: Gesetzgeber „fördert“ Trend zu immer kleineren Anlagen


In Kürze:

  • Die Bundesregierung führt eine EEG-Reform sowie neue Rahmenbedingungen für Stromspeicher ein.
  • Dadurch können viele private Solaranlagen kleiner als eigentlich möglich ausfallen.
  • Mit AgNes kommt zusätzlich eine Verteuerung auf Anlagenbesitzer zu.
  • Eine Solaranlage lohnt sich weiterhin für Betreiber – bei Berücksichtigung mehrerer Faktoren wie Eigenverbrauch und Anlagengröße.

 
Vor rund 30 Jahren dominierten einige Dutzend Großkraftwerke, befeuert hauptsächlich mit Kohle-, Gas– und Kernkraft die Stromerzeugung. Die Betreiber konnten sie überwiegend flexibel an den Verbrauch des Landes anpassen.
Die deutsche Energiewende hat unsere Energieversorgung in den vergangenen Jahrzehnten drastisch verändert. Immer mehr Kleinkraftwerke wie Windkraft- und Solaranlagen ergänzen die großen Stromerzeuger. Vom solaren Balkonkraftwerk bis zum Kohleblock gibt es hierzulande inzwischen mehrere Millionen Stromerzeuger.

Drei Reformen, ein Ziel

Da heute Windkraft und die Photovoltaik einen zunehmenden Anteil des erzeugten Stromes liefern, ist die Stromerzeugung weitaus wetterabhängiger geworden. Immer wieder treten Stromspitzen gefolgt von Mangelphasen im Netz auf. Die Netzbetreiber haben damit heute weitaus mehr Herausforderungen, um die Netzstabilität sicherzustellen als damals. Immer häufiger sind außerplanmäßige Regulierungseingriffe wie Redispatchmaßnahmen nötig.
Solar

Gesamte Nettostromerzeugung in Deutschland im Jahr 2025. Die Photovoltaik hatte einen Anteil von insgesamt 17,7 Prozent und war damit die zweitwichtigste Energiequelle nach kumulierter Jahreserzeugung.

Die amtierende, schwarz-rote Bundesregierung reagiert darauf gleich mit mehreren Maßnahmen, die Stromspitzen reduzieren sollen. Gleichzeitig gilt es, Stromüberschüsse durch effektiveres Speichern für Mangelphasen bereitzustellen. Die wichtigsten drei anstehenden Reformen sind:
  • Die Reform zum Erneuerbare-Energien-Gesetz – kurz EEG 2027,
  • die Marktintegration von Speichern und Ladepunkten – kurz MiSpeL,
  • und die Rahmenfestlegung der Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom – kurz AgNes.
Diese drei Regelungen befinden sich momentan noch im Gesetzgebungs- oder Festlegungsprozess und können sich noch ändern.

Je kleiner die Anlage, desto besser?

Besonders das EEG 2027 könnte den Solarzubau deutlich mindern. Mit dieser Reform fällt für neue Solaranlagen die momentan noch gesetzlich garantierte Einspeisevergütung weg. Diese im Jahr 2000 eingeführte staatliche Subventionierung hat den Solarboom in Deutschland überhaupt erst ermöglicht. Stattdessen sollen Anlagenbetreiber ihren Solarstrom künftig selbstständig an einen Direktvermarkter, meist ein dafür spezialisiertes Unternehmen, verkaufen.
„Kleine Anlagen unter 25 Kilowatt [Nennleistung] sind schon heute oft ohne Förderung wirtschaftlich. Aus diesem Grund sollten sie grundsätzlich nicht dauerhaft auf Kosten der Steuerzahler gefördert werden“, erklärte die Bundesregierung beim Kabinettsbeschluss Ende Juli. „Solche Anlagen entlassen wir in den Markt, wobei wir eine Starthilfe für die eigenverantwortliche Vermarktung des Stroms in Form eines vierjährigen Direktvermarktungsbonus vorsehen.“
Gleichzeitig schreibt der aktuelle EEG-Entwurf eine 50-Prozent-Drosselung für neue Solaranlagen mit weniger als 100 Kilowatt (kW) Nennleistung vor. Demnach darf eine 20-kW-Dachanlage künftig nur noch maximal 10 kW an Leistung ins Netz einspeisen. Das soll Solarstromspitzen zur Mittagszeit reduzieren.
Wem die Direktvermarktung nicht zusagt, kann auch die sogenannte Nulleinspeisung als mögliche Option wählen. Hierbei darf die Anlage praktisch keinen Strom ins öffentliche Netz einspeisen. Dieser soll nur im eigenen Hausnetz den Verbrauch abdecken, inklusive Stromspeicher. Das vermeidet weitere Stromüberschüsse in den Netzen.
Beide Regelungen machen große Solaranlagen mit Stromüberschuss künftig unwirtschaftlicher. Sprich: je höher der Überschuss desto unrentabler. Bisher galt, für einen maximalen Ertrag möglichst viele Solarmodule auf das Hausdach zu montieren. Doch schon bald müssen sich neue Anlagenbetreiber überlegen, wie viel Direktvermarktung in ihrer Region realistisch ist oder wie hoch ihr Eigenverbrauch ist. Das lässt vermuten, dass künftig vielerorts nur noch ein Teil der verfügbaren Dachfläche mit Solarmodulen bestückt wird.

MiSpeL für Integration von Speichern

Eine zentrale Rolle bei der laufenden Energiewende spielen Stromspeicher, derzeit sind ihre Zahlen aber noch überschaubar. Günstigere Bedingungen für deren Verbreitung soll MiSpeL liefern. Hierbei handelt es sich um eine Festlegung der Bundesnetzagentur, mit der die Behörde Batteriespeicher sowie E-Auto-Ladepunkte flexibler und bidirektional ins öffentliche Stromnetz integrieren möchte. MiSpeL soll nach den aktuellen Planungen zum 1. Oktober 2026 in Kraft treten.
Aktuell dürfen Besitzer eines Batteriespeichers diesen nur mit Strom aus der Solaranlage laden. Das Laden mit Netzstrom ist untersagt, andernfalls droht dem Betreiber, die EEG-Förderung zu verlieren.
Nach der neuen MiSpeL-Regelung darf der Betreiber den Speicher künftig auch mit Netzstrom laden, ohne finanzielle Vorteile aufs Spiel zu setzen. Damit kann der Betreiber risikofreier die Preisunterschiede an den Strombörsen nutzen, also günstig laden und für einen deutlich höheren Preis entladen. Das soll einen netzdienlicheren Betrieb ermöglichen. In diesem Rahmen sind drei Modelle vorgesehen. Welches sich lohnt, hängt von individuellen Anlagedaten ab und lässt sich nicht pauschalisieren.

AgNes: Netzentgelte bald auch für Solar

Eine gewisse Verteuerung für Solaranlagenbetreiber stellt hingegen AgNes dar. Nach dieser Netzentgelte-Reform sollen künftig auch Haushalte mit eigener Photovoltaikanlage diese Abgabe bezahlen. Bis voraussichtlich April 2029 sind sie noch von dieser befreit.
Demnach erhöht sich laut der Bundesnetzagentur die Belastung für sogenannte Prosumer, also Haushalte mit eigener Solaranlage und Eigenverbrauch, um bis zu 100 Euro pro Jahr zusätzlich. Regionale Unterschiede sind möglich.
Konkret sollen künftig neue Erzeugungsanlagen über 30 kW ab 2029 ein Kapazitäts- oder Einspeiseentgelt von voraussichtlich 4 bis 7 Euro pro Kilowatt und Jahr zahlen. Steckersolaranlagen sind im jetzigen Entwurf ausdrücklich davon ausgenommen.
Solar

Ein Balkonkraftwerk am 1. September 2024 an einem Balkon in Erfurt. Diese Anlagen bestehen meist aus nur 1 bis 4 Solarmodulen und werden über eine normale Haushaltssteckdose angeschlossen.

Foto: Sean Gallup/Getty Images

Trotz der Reformen gilt für die sogenannten Balkonkraftwerke weiterhin die Einspeisegrenze von maximal 800 Watt. Das bedeutet, selbst wenn die Solarmodule 2 kW Nennleistung besitzen – was hier die Modulleistungsgrenze ist –, sind die Wechselrichter auf 800 Watt begrenzt. Somit bringt eine höhere installierte Modulleistung, zumindest in der Spitze, nicht mehr Leistung ins Haus – und bei Stromüberschuss ins Netz.

Wo gibt es Überlappungen und gemeinsame Wirkungen?

In bestimmten Aspekten überlappen sich die drei Reformen. Bei der Leistung einer Solaranlage setzt das EEG 2027 eine klare Begrenzung von dauerhaft 50 Prozent. AgNes reguliert die Leistungsabgabe bei Anlagen über 30 kW indirekt über den genannten Kapazitätspreis.
Bezüglich Einspeisemengen und -zeiten ist erneut die 50-Prozent-Kappung des EEG 2027 zu nennen sowie die Nulleinspeisungsoption. Eine Begrenzung der förderfähigen Einspeisemenge bewirkt auch MiSpeL. Die Marktintegrationsfestlegung sieht eine gesetzliche Pauschalgrenze von 500 Kilowattstunden pro kW vor.
Bezüglich der Einspeisevergütung: diese fällt mit dem EEG 2027 für künftige Solaranlagen weg. Allerdings kann MiSpeL noch einen Teil der Förderung bei flexibler Speichernutzung erhalten. AgNes wirkt hierbei indirekt über höhere Netzkosten.
Alle drei Reformen legen Wert auf eine verstärkte Nutzung von Stromspeichern, die ihrerseits mit Anschaffungs- und laufenden Kosten verbunden sind. Das EEG 2027 sorgt dafür, dass sie angesichts der Abregelung fast unverzichtbar werden. MiSpeL macht Speicher wirtschaftlich flexibler, während AgNes neue größere Speicher leicht belastet, jedoch kleine Heimspeicher weitgehend unberührt lässt.

Lohnt sich eine Solaranlage noch?

Wer eine Solaranlage errichten möchte, sollte das möglichst bis Ende dieses Jahres abgeschlossen haben, sofern in den kommenden Monaten noch Solarmonteure mit freien Kapazitäten verfügbar sind. Dann erhalten die Betreiber weiterhin die feste Einspeisevergütung über 20 Jahre, ohne 50-Prozent-Dauerdrosselung. Ab 2027 gewinnt der Eigenverbrauch verstärkt an Bedeutung.
Erlaubt werden auch weiterhin Balkonkraftwerke und Dachsolaranlagen sein, letztere Neuanlagen ab 2027 zu genannten Rahmenbedingungen.
Um den Strom künftig optimal zu nutzen, ist der Stromverbrauch des Anlagenbesitzers relevant. Haushalte mit wenig Verbrauch kommen kaum auf ihre Kosten. Wer über die Mittagszeit wenig Verbrauch hat, weil er unterwegs oder auf der Arbeit ist, sollte über einen Stromspeicher zur Solaranlage nachdenken. So kann der Haushalt den Solarstrom auch in den Abendstunden im Haus verbrauchen.
„Ohne Batteriespeicher werden private Photovoltaikanlagen durch das EEG 2027 unwirtschaftlich, da die Amortisationsdauer auf über 30 Jahre steigt“, hat aquu, das Forschungsinstitut für Batteriespeicher, ermittelt. Für heutige und frühere Anlagen mit oder ohne Stromspeicher liegt die Amortisationszeit zwischen 8 und 16 Jahren.

Darauf sollten Sie achten

Im Folgenden eine Zusammenfassung der Faktoren, die Sie bei Anschaffung einer Solaranlage ab 2027 berücksichtigen sollten.
  • Eigenverbrauch maximieren: Das kann beispielsweise in Kombination mit der Installation einer Wärmepumpe, oder der Anschaffung eines E-Autos gelingen. Wer auch dann mehr Strom verbraucht, wenn die Sonne dunkel und der Speicher leer ist, erhöht seine Stromrechnung.
  • Stromspeicher ausreichend dimensionieren: Generell gilt eine Speicherkapazität von 1 bis 1,5 kWh pro 1.000 kWh Jahresverbrauch als sinnvoll. Für Verbraucher, die sich nachts häufig ihr E-Auto aufladen, empfiehlt sich auch eine größere Speicherkapazität.
  • Größe der Solaranlage anpassen: Lieber kleiner und gut ausgelastet als maximal groß mit hoher Abregelung.
  • Timing: Eine Inbetriebnahme 2026 garantiert Erlöse aus der Einspeisevergütung.
  • Technik: Ab 2027 ist das Energiemanagement deutlich relevanter. Wichtige Komponenten sind Smart Meter und moderne Wechselrichter.
  • Angebote vergleichen: Egal ob 2026 oder 2027 empfiehlt es sich, nicht das erstbeste und unter Umständen teures Angebot zu wählen. Wer vergleicht, kann viel Geld sparen. Zudem gibt es oftmals Förderungen und regionale Programme.
  • Anmeldungen: Eine Solaranlage muss generell im Marktstammdatenregister eingetragen und – im Falle einer Dachanlage – der Netzbetreiber informiert werden. Auch wer in Miete oder einer Wohneigentumsgemeinschaft lebt, sollte sich die entsprechende Zustimmung einholen, um mögliche Konflikte zu vermeiden.
Die Übersicht dient nicht als Ersatz für eine fachkundige Beratung. Regelungen können sich im laufenden Gesetzgebungsverfahren noch ändern.

 
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Ein Felsenkloster für den Erzengel: Die Baugeschichte von Mont-Saint-Michel


In Kürze:

  • Der Überlieferung zufolge begann alles im Jahr 708. Mehrfach erschien der Erzengel Michael dem Bischof von Avranches.
  • Der Bau des Klosterkomplexes von Mont-Saint-Michel zog sich über mehrere Generationen von Baumeistern hinweg.
  • Sie hatten mit großen Herausforderungen zu kämpfen, was die außergewöhnliche Lage und die einwirkenden Kräfte der Natur betraf.
  • Doch schließlich erschufen die Menschen ein Denkmal, dass die Jahrhunderte überdauern sollte – und nicht immer nur als Kloster diente.

 
Der Mont-Saint-Michel vor der Küste der Normandie in Frankreich ist eine architektonische Meisterleistung des Mittelalters. Dahinter verbirgt sich ein menschliches Abenteuer aus Glauben, Einfallsreichtum und Geduld, das sich über mehrere Jahrhunderte erstreckt.
Warum eine Abtei auf einem abgelegenen Felsen inmitten einer weitläufigen Bucht errichten, wo es an Platz mangelt, wo die Gezeiten die Fortbewegung erschweren und wo jeder Stein unter enormem Aufwand herangeschafft werden muss?
Über mehrere Jahrhunderte hinweg stellten sich Generationen von Baumeistern, Steinmetzen, Zimmerleuten und Handwerkern dieser Herausforderung. Nach und nach verwandelten sie eine einfache Granitinsel in einen der größten Klosterkomplexe des mittelalterlichen Abendlandes.
Doch eine Frage steht über allen anderen: Warum wurde gerade dieser Felsen gewählt?
Mont-Saint-Michel bei Ebbe, wenn die Bucht ihre weiten Sandflächen freigibt. Zweimal täglich weicht das Meer und kehrt dann wieder zurück, um den Felsen zu umspülen. Ein Rhythmus, dem sich die Baumeister des Mittelalters ständig anpassen mussten. Foto: samael334/iStock

Mont-Saint-Michel bei Flut. Zweimal täglich weicht das Meer und kehrt dann wieder zurück, um den Felsen zu umspülen. Ein Rhythmus, dem sich die Baumeister des Mittelalters ständig anpassen mussten.

Foto: samael334/iStock

Die Geschichte des Mont-Saint-Michel beginnt nicht mit den Bauherren. Sie hat ihren Ursprung in einer Überzeugung. Der Überlieferung zufolge begann alles im Jahr 708.
Der Text Revelatio ecclesiae sancti Michaelis archangeli in Monte Tumba, der zu Beginn oder im Laufe des 9. Jahrhunderts verfasst wurde, berichtet, dass der Erzengel Michael dreimal dem Bischof Aubert von Avranches erschien, um ihn zu bitten, auf dem Mont Tombe eine Wallfahrtsstätte zu errichten.
In den Augen der Menschen des Mittelalters war dieser Felsen kein gewöhnlicher Ort. Dem Heiligen Michael geweiht, entwickelte er sich allmählich zu einem bedeutenden Wallfahrtsort. Männer und Frauen legten manchmal Hunderte Kilometer zurück, um hier zu beten, überzeugt davon, dass dieser Ort einen besonderen Platz zwischen Himmel und Erde einnahm.
Im Jahr 966 ließ Richard I., Herzog der Normandie, dort eine Gemeinschaft von Benediktinermönchen ansiedeln. Ihre Anwesenheit verlieh der Wallfahrtsstätte neuen Aufschwung. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Abtei nicht nur zu einem Ort des Gebets, sondern auch zu einem intellektuellen Zentrum, in dem Handschriften kopiert, Pilger aufgenommen wurden und eine bedeutende religiöse Gemeinschaft unterhalten wurde.
Diese Bestimmung erklärt, warum der Mont-Saint-Michel immer weiter wuchs.
Doch es galt noch herauszufinden, wie man auf einem Gipfel bauen sollte, auf dem fast kein Platz vorhanden schien.
Im französischen Wattenmeer in der Normandie liegt einen Kilometer vom Festland entfernt eine Insel, die nach dem Erzengel Michael benannt ist. Auf ihr ruht die Abtei Mont-Saint-Michel. Foto: neirfy/iStock

Im französischen Wattenmeer in der Normandie liegt einen Kilometer vom Festland entfernt eine Insel, die nach dem Erzengel Michael benannt ist. Auf ihr ruht die Abtei Mont-Saint-Michel.

Foto: neirfy/iStock

Wie baut man auf einem so schmalen Gipfel?

Als im 11. Jahrhundert die ersten großen Bauarbeiten begannen, zeigte sich sofort das größte Hindernis: Es gab fast keinen Platz.
Der Gipfel des Berges ist schmal, unregelmäßig und stark geneigt. Man kann dort nicht einfach eine große Kirche errichten, wie man es in einem Tal oder auf einer weitläufigen Esplanade tun würde. Noch bevor die Mauern hochgezogen werden, muss man sich mit der Form des Felsens arrangieren.
Die Baumeister versuchen nicht, den Felsen abzutragen. Sie beschließen, mit ihm zu arbeiten. Das Querschiff der Abteikirche stützt sich auf den höchsten Punkt, während Krypten und Gebäude an den Hängen angelegt werden, um Flächen zu schaffen, die die Bauwerke tragen können. So schmiegt sich die Architektur an die Konturen des Granits an, anstatt gegen sie anzukämpfen.
Diese Anordnung erfordert bemerkenswerte Fachkenntnis. Jeder neue Bau hängt von denjenigen ab, die ihn stützen. Die Räume fügen sich ineinander, überlagern sich und sind trotz der Höhenunterschiede miteinander verbunden. Der Felsen wird so zum unsichtbaren Gerüst des Ganzen.
Was zunächst jeden Bau unmöglich erscheinen ließ, wird nach und nach zum Schlüssel für dessen Gleichgewicht.

Wie sollten die Baumaterialien herangeschafft werden?

Ein Teil des für den Bau der Abtei verwendeten Granits stammt vom Chausey-Archipel vor der normannischen Küste. Bei klarem Wetter sind diese Inseln vom Mont-Saint-Michel aus zu sehen.
Mittelalterliche Texte berichten nur wenig über den Transportalltag. Sie beschreiben weder jede einzelne Überfahrt noch die Männer, die die Blöcke entluden, noch die Mittel, mit denen diese zur Baustelle gehoben wurden. Dennoch lassen sie das Wesentliche erahnen: Es galt, beträchtliche Mengen an Baumaterialien zu diesem abgelegenen Felsen zu befördern und sie dann auf Bauwerke zu heben, die immer höher wurden.
Die Baumeister des Mittelalters kannten Winden, Flaschenzüge, Gerüste und verschiedene Hebevorrichtungen. Die erhaltenen Dokumente lassen nicht immer erkennen, welche davon zu welcher Zeit am Mont-Saint-Michel zum Einsatz kamen, doch am handwerklichen Können besteht kein Zweifel.
Hinter jeder Mauer der Abtei verbirgt sich eine Vielzahl von Arbeitsschritten: den Stein abbauen, ihn behauen, transportieren und präzise einpassen. Die Namen derer, die diese Arbeit verrichteten, sind fast alle in Vergessenheit geraten. Doch die Abtei überdauert noch immer die Jahrhunderte.

Welche Rolle spielten die Gezeiten?

Die Bucht des Mont-Saint-Michel ist berühmt für ihre starken Gezeiten. Zweimal am Tag verändert sich das Gesicht der Landschaft. Mal zieht sich das Wasser weit zurück, mal kehrt es zurück und umgibt den Felsen.
Für die Menschen des Mittelalters gehörte diese Realität zum Alltag. Fortbewegung, Versorgung und die Verbindungen zum Festland hingen zwangsläufig von dieser sich ständig verändernden Umgebung ab.
Es gibt keine Berichte, die es ermöglichen, den Bau stundenweise nachzuvollziehen. Eines ist jedoch sicher: Die Natur zwang den Erbauern der Abtei ihren Rhythmus auf.

Wie baut man, wenn kein Platz mehr da ist?

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts stellte sich eine neue Herausforderung.
Die Klostergemeinschaft war gewachsen. Es kamen zahlreiche Pilger. Es mussten neue Räume geschaffen werden, ohne die Felskante erweitern zu können.
Die Antwort darauf war ein außergewöhnliches Bauwerk: das „Merveille“ – das Gebäude trägt das französische Wort für „Wunder“.
Nach dem Brand von 1204 beschlossen, wurde es zwischen 1211 und 1228 an der Nordflanke des Mont errichtet und vereint zwei Gebäudekomplexe, die sich über drei Ebenen erstrecken. Dort befinden sich insbesondere die Almosenkammer, der Gästesaal, der sogenannte Rittersaal, das Refektorium und der Kreuzgang. Jeder dieser Räume erfüllt eine bestimmte Funktion im Klosterleben.
Auch hier versuchen die Baumeister nicht, die Einschränkungen des Geländes zu überwinden. Sie verwandeln sie in ein Gestaltungsprinzip. Da sie nicht in die Breite bauen können, bauen sie in die Höhe. Die Räume reihen sich mit bemerkenswerter Kohärenz übereinander an, wobei jede Ebene auf der darunterliegenden aufbaut.
Wenn man heute dieses Wunderwerk entdeckt, ist man beeindruckt vom Gefühl der Leichtigkeit, das es vermittelt. Der Kreuzgang scheint fast über der Bucht zu schweben. Doch diese Eleganz beruht auf einem Ensemble mächtiger Mauerwerke, die über mehrere Jahrzehnte hinweg geduldig übereinander errichtet wurden.
Diese Verbindung zwischen der Solidität der Fundamente und der filigranen Formensprache macht das „Wunder“ zu einem der Meisterwerke der mittelalterlichen Gotik.
Mont-Saint-Michel in der Dämmerung, Frankreich, Normandie. Foto: bluejayphoto/iStock

Mont-Saint-Michel in der Dämmerung, Frankreich, Normandie.

Foto: bluejayphoto/iStock

Ein Bauprojekt, das Generationen überspannt

Wenn man heute den Mont-Saint-Michel betrachtet, kann man sich leicht vorstellen, dass er aus einem einzigen Impuls heraus entworfen wurde, als hätte ein Architekt das Gesamtwerk gezeichnet, bevor er die Ausführung seinen Handwerkern anvertraute.
Die Geschichte erzählt jedoch etwas ganz anderes.
Die Abtei ist das Ergebnis aufeinanderfolgender Bauphasen, die sich vom 11. bis zum 16. Jahrhundert erstreckten. Die romanischen Gebäude wurden durch gotische Bauten ergänzt, einige Teile wurden im Laufe der Jahrhunderte wieder aufgebaut, andere umgestaltet. Nach dem Einsturz des romanischen Chors im Jahr 1421 wurde ab 1446 mit dem Bau eines neuen Chors im Stil der Spätgotik begonnen.
Jede Generation erhält so ein Erbe.
Die Baumeister finden bereits errichtete Mauern, alte Fundamente und Räume vor, die es zu erhalten oder anzupassen gilt. Ihre Arbeit bestand ebenso darin, zu verstehen, was ihre Vorgänger erbaut hatten, als auch darin, sich die Gebäude von morgen vorzustellen.
Diese Kontinuität verleiht dem Mont-Saint-Michel seinen einzigartigen Charakter. Die Abtei ist nicht das Werk eines einzelnen Menschen, sondern das einer langen Kette von Baumeistern, von denen die meisten anonym geblieben sind.
Kreuzgang der Abtei Mont-Saint-Michel. Foto: JoseIgnacioSoto/ iStock

Kreuzgang der Abtei Mont-Saint-Michel.

Foto: JoseIgnacioSoto/ iStock

Viele von ihnen wussten, dass sie das fertige Bauwerk niemals sehen würden. Sie bearbeiteten einen Stein, errichteten eine Mauer oder befestigten ein Gewölbe für Menschen, die sie niemals kennenlernen würden. Ihr Ziel war nicht die Fertigstellung des Bauwerks, sondern die Weitergabe eines Werks, das solide genug war, damit andere es fortsetzen konnten.
Bauen bedeutete auch, denen zu vertrauen, die nach einem kommen würden.

Ein Denkmal, das der Zeit trotzt

Der Mont-Saint-Michel muss sich nicht nur den Schwierigkeiten seines Baus stellen: Er durchlebt auch die Prüfungen der Geschichte.
Während des Hundertjährigen Krieges, zwischen 1423 und 1434, belagerten ihn englische Truppen, ohne ihn einnehmen zu können. Die Befestigungsanlagen, die Entschlossenheit ihrer Verteidiger und die besondere Lage des Ortes trugen zu diesem Widerstand bei, der den Mont-Saint-Michel zu einem Symbol für das Königreich Frankreich machte.
Nach dem Mittelalter erlebte die Abtei jedoch ein anderes Schicksal.
Während der Französischen Revolution wurde die Klostergemeinschaft aufgelöst. Die Gebäude wurden in ein Gefängnis umgewandelt, eine Nutzung, die mehrere Jahrzehnte andauerte. Erst im 19. Jahrhundert wurde das Bauwerk restauriert und fand zu seiner Bestimmung als Kulturerbe zurück.
Am Mont-Saint-Michel hat jede Epoche ihre Spuren hinterlassen. Mönche, Soldaten, Gefangene, Restauratoren und die Millionen von Besuchern heute – sie alle haben auf ihre Weise zur Geschichte dieses Ortes beigetragen.
Trotz dieser Veränderungen bewahrt die Abtei eine tiefe Einheit. Die Jahrhunderte haben sie verändert, ohne dass sie jemals ihre Identität verloren hätte.
Blick auf den Klostergarten der Abtei Mont-Saint-Michel durch den Kreuzgang. Foto: Elenathewise/iStock

Blick auf den Klostergarten der Abtei Mont-Saint-Michel durch den Kreuzgang.

Foto: Elenathewise/iStock

Ein Werk, das aus einer Vision entstanden ist

Der Mont-Saint-Michel beeindruckt durch die Kühnheit seiner Architektur. Seine Gewölbe, das „Merveille“ und sein Mauerwerk scheinen ganz natürlich aus dem Felsen zu entspringen.
Seit fast tausend Jahren umspülen die Gezeiten den Felsen noch immer wie zu Zeiten der ersten Mönche. Generationen folgen aufeinander, doch die Abtei bleibt bestehen – ein sichtbares Zeugnis dessen, was Frauen und Männer gemeinsam geglaubt, erträumt und erbaut haben.
Der Mont-Saint-Michel ist kein architektonisches Wunder, weil er den Gesetzen des Bauwesens trotzt. Er ist es, weil er zeigt, was Generationen von Menschen vollbringen können, wenn ein gemeinsames Ideal ihnen die Geduld gibt, ein Werk zu errichten, weiterzugeben und fortzuführen, das größer ist als sie selbst.
Die Steine erzählen, wie die Abtei erbaut wurde. Der Glaube erklärt, warum sie erbaut wurde.
Schafe auf einer Sommerwiese vor Mont-Saint-Michel. Foto: bluejayphoto/iStock

Schafe auf einer Sommerwiese vor Mont-Saint-Michel.

Foto: bluejayphoto/iStock

Der Artikel erschien im Original auf epochtimes.fr unter dem Titel „Comment les hommes du Moyen Âge ont-ils réussi à construire le Mont-Saint-Michel“. Redaktionelle Bearbeitung: (sm)
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Erste Kraniche sammeln sich vor dem Abflug

Mauersegler, Schwarzmilane, Nachtigallen – viele Vogelarten sind schon gen Süden gezogen oder gerade unterwegs: Doch der große Vogelzug steht noch bevor: Derzeit sammeln sich erste Kraniche an ihren großen Rastplätzen im Nordosten von Deutschland, wie der Kranichexperte Günter Nowald der Deutschen Presse-Agentur sagte.
In Deutschland gebe es mehr als 13.000 Brutpaare, bis Oktober würden hierzulande für den Herbstzug mindestens 200.000 bis 300.000 Kraniche gleichzeitig rasten – die meisten davon aus Skandinavien, Polen und dem Baltikum. Insgesamt werde Deutschland von über 400.000 Kranichen überflogen.
„Wir sind einer der wichtigsten Kranich-Sammel- und Rastplätze in Europa“, sagte der Geschäftsführer der gemeinnützigen Organisation Kranichschutz Deutschland in Bezug auf die Boddenlandschaften am Darß, bei Stralsund und auf Rügen. Auch an anderen Rastplätzen wie etwa im Rhin-Havelluch nördlich von Berlin werden im Herbst abends schon mal 60.000 bis 70.000 Tiere gezählt.

„Viele Kraniche sind keine Langstreckenzieher mehr“

Das Rastmaximum wird meist in der ersten Oktoberhälfte erreicht. Der Hauptzug gen Süden beginnt demnach Ende der zweiten Oktoberhälfte. Die genaue Zeit hängt stark von den Windbedingungen ab – also von Rückenwind für den Flug Richtung Südwesten.
Die meisten Kraniche ziehen demnach auf die iberische Halbinsel, viele jedoch nur bis nach Frankreich – und immer mehr Tiere überwintern inzwischen sogar in Deutschland.
Vor 25 Jahren sei bei beringten Kranichen noch eine mittlere Zugdistanz von 1.700 Kilometern ermittelt worden, sagte Nowald – inzwischen seien es nur noch 500 Kilometer. „Viele Kraniche sind keine Langstreckenzieher mehr“, betonte er.
Kraniche auf der Halbinsel Fischland-Darß (Archivbild)

Kraniche auf der Halbinsel Fischland-Darß (Archivbild)

Foto: Jens Büttner/dpa/dpa-tmn

Kranichbestände als „Erfolgsgeschichte für den Naturschutz“

Grund dafür sind die milderen Winter – und die fehlende Schneedecke. Damit können viele Tiere sich auf Feldern noch an Ernterückständen laben – und müssen die Reise nur noch bei plötzlichen Wettereinbrüchen antreten. Aufgrund der hierzulande stark gestiegenen Kranichbestände sprach Nowald von einer Erfolgsgeschichte für den Naturschutz.
Von März bis Mai sind die Tiere auf Nässe angewiesen, sie bauen ihre Nester auf Erhöhungen im Wasser wie etwa Wurzelwerk. Bleiben die Niederschläge aus sind die noch flugunfähigen Jungvögel sind dann etwaigen Fressfeinden wie etwa Füchsen hilflos ausgeliefert.
„Während der Fortpflanzungszeit müssen die Flächen unter Wasser stehen“, sagte Nowald. Da Kraniche sehr alt würden – teils mehr als 30 Jahre -, würden die Folgen von fehlendem Bruterfolg erst nach etlichen Jahren sichtbar.
Kraniche fliegen zum Sonnenaufgang über dem Naturpark Niederlausitzer Landrücken. (Archivbild)

Kraniche fliegen zum Sonnenaufgang über dem Naturpark Niederlausitzer Landrücken. (Archivbild)

Foto: Patrick Pleul/dpa

Während des diesjährigen Kranichzugs dürften bald Hunderttausende der imposanten Vögel mit lauten Rufen über Deutschland hinwegziehen – mit einer Flughöhe von 100 bis 400 Metern, sagte der Nabu-Ornithologe Bernd Petri. Beim Herbstzug, so der Experte, könne man dann zwischen den lauten Rufen der erwachsenen Tiere auch das Piepsen der Jungvögel ausmachen.
„Der Zug kann inzwischen in allen Bundesländern beobachtet werden“, sagte Petri, zumal die Vögel vielerorts an geeigneten Arealen Rasten einlegen. Allerdings mahnte Petri Beobachter dazu, bei aller Euphorie über die Vögel Distanz zu halten.
„Man sollte ihnen nicht näher als 250 bis 300 Meter kommen“, betonte der Vogelkundler. „Kraniche reagieren sehr empfindlich und werden schnell nervös.“

Auch viele Weißstörche vor dem Abflug

Auch viele Weißstörche bereiten sich inzwischen auf den Flug nach Süden vor – oder sind schon weg. Weißstörche in Ostdeutschland bevorzugten noch die längere Ostroute über den Bosporus nach Afrika. Hier habe der Zug schon begonnen.
Jene Weißstörche, die Richtung Gibraltar zögen, ließen sich dagegen noch Zeit. „Die Störche, die man jetzt noch in Deutschland sieht, sind überwiegend Westzieher“, sagte Petri. Sie fliegen demnach meist nur noch bis Frankreich und Spanien – manche bleiben sogar in Deutschland. „Das hätte man sich früher nicht vorstellen können.“
Zusätzlich interessant: Manche Vögel aus dem Mittelmeerraum sind inzwischen auch in Deutschland anzutreffen – teils sogar ganzjährig. Als Beispiele nannte Petri die recht unscheinbaren Seidensänger und Zistensänger, die inzwischen sogar in Teilen Deutschlands brüten. (dpa/red)
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Wie Cassiodor und sein Kloster den Westen bewahrten


In Kürze:

  • Der Staatsmann Cassiodor lebte in der Zeit, als das große Römische Reich und damit die antike Hochkultur am Zerfallen war.
  • Im betagten Alter hat sich der begabte Mann von der Politik abgewandt, um ein christliches Kloster zu gründen.
  • Sein Ziel war es zusammen mit seinen Glaubensbrüdern antike Werke aufzuspüren, zu kopieren oder zu übersetzen und so für die Nachwelt zu erhalten.
  • Für Cassiodor war ein fundiertes Denken durch sorgfältiges Studium eines der Mittel gegen kulturellen Verfall und Krieg.

 
Im 6. Jahrhundert, als das Römische Reich endgültig niederging, strebten rivalisierende Könige nach der absoluten Herrschaft über Italien. Ihre Intrigen brachten Verwüstung über das Land, das Dichter, Redner und Förderer hervorgebracht hatte. Der Krieg zerstörte Denkmäler, Lehreinrichtungen und Bibliotheken, gefährdete die Schriftkultur und bedrohte das Fortbestehen des kulturellen Erbe Roms.
Doch die Hoffnung blieb. Inmitten der Ruinen seiner von Konflikten heimgesuchten Heimat zog sich ein frommer Politiker aufs Land zurück und gründete ein Kloster. Das religiöse Zentrum sollte Bücher bewahren und Weisheit schützen. Doch warum wandte sich der Mann namens Cassiodor (um 490–580) in Zeiten des Krieges den Ideen zu?

Ein Reich in Trümmern

Historiker führen den Zusammenbruch des Römischen Reiches oft auf die Einfälle der „Goten“ zurück, einen Sammelbegriff für germanische Stämme aus Nord- und Osteuropa. Die Goten wanderten teilweise wegen des Hunnenkönigs Attila (um 406–453) nach Westen aus – einem wilden, blutrünstigen Eroberer, dessen Feldzüge ihm den Ruf als „Geißel Gottes“ einbrachten.
Attilas Angriffe zwangen die Westgoten, Ostgoten und andere Völker dazu, unter anderem in die römisch besetzten Gebiete im heutigen Deutschland und Österreich einzufallen. Auch wenn sie nicht immer erfolgreich waren, schädigten ihre regelmäßigen Überfälle die Infrastruktur Roms und beschleunigten dessen Niedergang.
Der Zusammenbruch des Römischen Reiches, das sich bereits im Jahr 395 in ein östliches und ein westliches Reich teilte, vollzog sich schrittweise. Wissenschaftler legen jedoch meist das Jahr 476 als Zerfallsdatum fest.
Odoaker (um 433–493), ein gotischer Feldherr und ehemaliger römischer Soldat, setzte mit dem jungen Romulus Augustulus (460–530) den letzten weströmischen Kaiser ab. Anschließend gründete er ein neues Königreich und annektierte den Großteil der römischen Gebiete in und um Italien. Romulus war der mythische Gründer Roms, und Augustus war Roms erster Kaiser. Dass der letzte Herrscher des vereinten Großreiches beide Namen trug, birgt eine gewisse Ironie.
Ein Teil von Roms Glanz lebte im Oströmischen Reich weiter. Seit dem frühen 4. Jahrhundert wurde es von Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, aus regiert. Kaiser Konstantin der Große (272–337) machte die antike Metropole per Dekret zur neuen Hauptstadt. Zudem erklärte der römische Kaiser das Christentum zur offiziellen Staatsreligion des Reiches, was zur Spaltung des Reiches in Ost und West maßgeblich beitrug.
Während die Goten die westlichen Gebiete Roms einnahmen, blieb Konstantinopel der formelle Sitz des Oströmischen Reiches. Sein Fortbestehen sicherte einen Großteil des kulturellen Erbes, das durch die gotischen Einfälle bedroht war.

Der Niedergang der Goten

Odoakers Königreich hielt jedoch nicht lange. Der oströmische Kaiser Zenon (um 425–491) beauftragte einen ostgotischen Stamm unter der Führung von Théoderich dem Großen (um 451–526) in Italien einzufallen. Théoderich eroberte Odoakers Ländereien, zwang ihn in Ravenna zur Kapitulation und ermordete ihn bei einem Bankett, das als Versöhnungszeremonie ausgegeben wurde.
Danach beanspruchte Théoderich den Thron für sich und wurde Herrscher des Ostgotenreichs. Obwohl er zunächst unter dem Befehl des oströmischen Kaisers stand, galt seine Loyalität seinem eigenen Volk, weshalb er häufig in oströmische Gebiete einfiel.
Als Théoderich 526 starb, folgte ihm sein Enkel auf den Thron. Wie Romulus Augustulus war auch Athalarich (516–534) noch sehr jung. Er führte ein ausschweifendes Leben und starb im Alter von nur 18 Jahren.
Athalarichs Tod stürzte das Ostgotenreich ins Chaos. Der oströmische Kaiser Justinian I. (482–565) nutzte diese Instabilität aus und startete einen großangelegten Feldzug, um die italienischen Gebiete zurückzuerobern und Roms früheren Glanz wiederherzustellen. Als einer von vielen „Gotenkriegen“ dauerte der Konflikt fast zwei Jahrzehnte.
Unzählige Kriege gingen Justinians Feldzug voraus. Doch fast keiner von ihnen weckte das gleiche Verlangen nach Bewahrung der Kultur. Während die kämpfenden Heere im gesamten Mittelmeerraum Orte des Lebens und des Lernens zerstörten, traten einige wenige Verfechter der Bildung in Erscheinung. Der bemerkenswerteste unter ihnen war Cassiodor, ein Politiker, der sein späteres Leben der Förderung der Literatur widmete.

Cassiodor: Ein kluger Staatsmann mit scharfsinnigem Geist

Flavius Magnus Aurelius Cassiodorus Senator (um 490–580) wurde in der Nähe von Catanzaro in Süditalien als Spross einer langen Reihe angesehener Politiker und Feldherren geboren. Er begann eine politische Laufbahn neben seinem Vater, der der wichtigste Berater von Théoderich dem Großen war. Als fähiger Diplomat und kluger Stratege stieg Cassiodor schnell auf.
Seine erfolgreiche Karriere lässt auf eine gründliche juristische Ausbildung schließen. Cassiodor studierte zudem griechische und lateinische Literatur, wahrscheinlich mit Unterstützung privater Lehrer. Diese umfassende Bildung machte ihn zu einem überzeugenden Redner. Oft soll er damit beauftragt worden sein, offizielle Briefe für die gotischen Herrscher zu verfassen.
Künstlerische Darstellung von Cassiodor

Künstlerische Darstellung von Cassiodor aus dem Jahr 1177.

Gegen Ende seiner politischen Laufbahn veröffentlichte Cassiodor eine Auswahl seiner Korrespondenz unter dem lateinischen Titel „Variae“ (zu Deutsch: „Sammelwerk“). Die Briefe zeugen von einem neugierigen, scharfsinnigen Geist.
Zwischen formellen Sätzen an Herrscher und Gesandte schweifte Cassiodor oft zu Themen wie Musik, Mathematik und Philosophie ab. In einer Nachricht an einen Verwaltungsbeamten in Süditalien sprach er liebevoll von seiner Heimatstadt, wo „das Leben ohne Kummer vergeht, da niemand die widrigen Jahreszeiten fürchtet“.

Langsame Abkehr von der Politik

Kurz nach Justinians Gotenkrieg brach Cassiodor nach Konstantinopel auf, wo er sieben Jahre lang Theologie studierte und seinen christlichen Glauben vertiefte. Die Zeit fernab der Politik ermöglichte es ihm, zahlreiche historische Darstellungen, philosophische Abhandlungen und theologische Kommentare zu verfassen.
Viele seiner längeren Werke stützten sich auf griechische Quellen. Griechisch war die Sprache von Platon (um 428–347 v. Chr.) und Aristoteles (384–322 v. Chr.), deren Schulen die wichtigsten Bildungszentren des Mittelmeerraums waren.
Später studierten und übersetzten römische Persönlichkeiten wie der begabte Redner Cicero (106–43 v. Chr.) die Lehren der beiden griechischen Philosophen. Zudem war Griechisch die Sprache des Neuen Testaments und der frühen Bibelkommentare, die für Christen wie Cassiodor von großer Bedeutung waren.
Cassiodor, dargestellt in der Schedel’schen Weltchronik von 1493

Cassiodor, dargestellt in der Schedel’schen Weltchronik von 1493.

Mit dem Schwinden der Verbindungen zum griechisch- und lateinischsprachigen Oströmischen Reich schwand auch die Kenntnis der antiken Sprache und ihrer Texte. Wie sein Kollege Boethius (um 480–526) sah Cassiodor diese zunehmende Entfernung von Griechenland als große Gefahr an.
Sein langer Aufenthalt in Konstantinopel verschaffte ihm eine einzigartige Position, um eine Brücke zwischen der lateinischen und der griechischen Welt zu schlagen. Er unterrichtete privat Griechisch und übersetzte griechische Texte ins Lateinische. In seinen späteren Lebensjahren wandte er sich von der Politik ab und kehrte nach Italien zurück, wo er seine bedeutendsten Spuren hinterließ.

Cassiodor gründet das Vivarium

Die Familie von Cassiodor besaß ein großes Anwesen in der Nähe seines Geburtsortes in Catanzaro. Dort, an den Ufern des Ionischen Meeres, das das östliche und westliche Mittelmeer miteinander verband, gründete er ein Kloster.
Wie Cassiodor im Gründungstext des Vivariums zugab, war sein ursprünglicher Plan, eine christliche Schule in Rom zu errichten. Er sicherte sich Geld und Unterstützung von Papst Agapetus I. (489–536), doch das Projekt scheiterte „aufgrund der andauernden Kriege und tobenden Schlachten in Italien“. Da dieser Wunsch nicht in Erfüllung ging, wählte der ehemalige Politiker seine Heimatstadt als Alternative.
Das Vivarium umfasste einen gemeinschaftlichen Wohnbereich für Mönche sowie abgeschiedene Gebäude für Einsiedler, die in Einsamkeit leben wollten. Der Komplex verfügte über eine große Bibliothek und einen Lesesaal für Besucher. Gemäß dem christlichen Prinzip der Nächstenliebe bot er zudem den Bedürftigen Unterkunft und den Kranken medizinische Versorgung.
Mögliche Darstellung vom Kloster Vivarium, das Cassiodor gründete

Mögliche Darstellung des heute nicht mehr erhaltenen Klosters Vivarium.

Das Kloster hatte keine zentrale Autorität. Obwohl ältere Mönche den jüngeren Mitgliedern Griechisch und andere Fächer beibrachten, hatte jeder viel Zeit für das Selbststudium. Cassiodor schrieb an seine Glaubensbrüder:
„Von göttlicher Liebe bewegt, habe ich mit Gottes Hilfe diese Einführungsbücher für euch verfasst, die an die Stelle eines Lehrers treten sollen. Ich glaube, dass sich durch sie, so Gott will, der Aufbau der Heiligen Schrift und ein kompakter Überblick über die weltliche Literatur erschließen lassen.“
Durch Cassiodor gehörte das Selbststudium zum Alltag von Mönchen

Selbststudium und das Lesen großer Werke aus aller Welt gehörte zum Alltag von Mönchen und hohen Geistlichen.

Ein Ort voller schöner und guter Dinge

Das Spektrum des Vivariums umfasste Werke früherer Schriftsteller, „die wir zu Recht preisen und den späteren Generationen in aller Herrlichkeit verkünden“, so Cassiodor. Die Werke sollten von großem Nutzen für jeden sein, „der die Quelle sowohl des weltlichen Wissens als auch des Heils der Seele ergründen möchte“.
Obwohl es sich formal um eine christliche Einrichtung handelte, bestand der Hauptzweck des Vivariums darin, Handschriften zu bewahren. Die Mönche hatten die Aufgabe, griechische und lateinische Werke aufzuspüren, zu kopieren, zu übersetzen und mit Anmerkungen zu versehen, in der Hoffnung, sie für die Nachwelt zu erhalten.
Die meisten Bücher in ihrer Bibliothek behandelten christliche Themen, seien es Abschriften der Heiligen Schrift oder Bibelkommentare. Doch die umfangreichen Sammlungen des Vivariums umfassten praktisch jeden Autor und jedes Genre, das zu jener Zeit verfügbar war.
Entgegen der Kritik anderer Christen ermutigte Cassiodor seine Kollegen offen dazu, nichtchristliche Autoren wie Cicero und Aristoteles zu studieren und zu bewahren, deren Lehren in Rhetorik und Ethik er als unverzichtbar erachtete, um ein vielseitig gebildeter Mensch zu werden.
Das Vivarium und seine Werke stießen bei Gelehrten schnell auf Interesse, nicht zuletzt wegen ihrer würdevollen Gestaltung. Bewegt von Platons Vorstellung, dass schöne Dinge auch gut sind, betonte Cassiodor die Notwendigkeit, elegante, kunstvoll verzierte Handschriften anzufertigen. Er ging sogar so weit zu behaupten, dass die Anfertigung einer schönen Handschrift heiliger Texte für einen Christen ein „heiliges Werk“ sei.
In den Augen von Cassiodor war es eine Notwendigkeit, kunstvoll verzierte Handschriften anzufertigen

Abschriften, die von Mönchen in Klöstern angefertigt wurden, waren oft kunstvoll verziert.

Das Vermächtnis von Cassiodor

Nur wenige Klöster im 5. Jahrhundert hatten sich solch anspruchsvollen intellektuellen Aufgaben gewidmet. Ihr Interesse an Handschriften war sporadisch, und ihre Bemühungen waren unkoordiniert. Cassiodor etablierte mit dem sorgfältigen Anfertigen von Abschriften und Übersetzungen einen Standard für künftige Klostertätigkeiten.
Entgegen seinen Hoffnungen brachte das lange Mittelalter mehr Krieg und Instabilität mit sich. Oftmals unberührt von politischen Wechselfällen wurden Klöster wie das Vivarium zu Bastionen der Kultur und Zentren des Lernens.
Es ist Cassiodor zu verdanken, dass zahlreiche antike Werke von christlichen Mönchen kopiert und so erhalten geblieben sind

Ein Mönch bei seiner täglichen Arbeit im Scriptorium eines Klosters.

Dass die Werke von Platon und Aristoteles, Abschriften der Bibel und andere grundlegende Texte Jahrhunderte voller Konflikte und Vernachlässigung im Westen überstanden haben, ist fast ausschließlich den Mönchen zu verdanken, die sich in ganz Europa als Schreiber betätigten.
Cassiodors weltprägendes Engagement für das Wissen entsprang der Überzeugung, dass eine blühende Zivilisation von guten Ideen lebt. In seinen Augen fußte eine funktionierende Gesellschaft auf fundiertem Denken. Ein sorgfältiges Studium sei demnach eines der Mittel gegen Krieg und kulturellen Verfall. Letztlich war das Ziel also nicht der eigennützige Zeitvertreib, sondern die Bewahrung von Wissen, die Entdeckung von Weisheiten und die Gestaltung einer besseren Zukunft.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „How a Monastery Helped Preserve the West“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)
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Mission zum Mars: Rover „Idefix“ bereit zum Start

In wenigen Wochen steht der Start einer Raumsonde samt Rover zum Mars an. „MMX“ (Martian Moons eXploration) werde nach Planung der japanischen Raumfahrtbehörde Jaxa voraussichtlich am 19. Oktober starten, teilte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit.
Das mögliche Startfenster zum Mars erstreckt sich demnach bis zum 7. November. Im Zuge der Mission soll der deutsch-französische Rover „Idefix“ 2029 auf dem Marsmond Phobos landen. 2031 sollen dann mit einem Rückkehrmodul erstmals Proben von Phobos und damit aus dem Marssystem zur Erde gebracht werden.
„Idefix“ solle die Marsmond-Oberfläche 100 Tage lang erkunden, teilte das DLR mit. „Unser Rover „Idefix“ und das „MMX“-Raumschiff unserer japanischen Partner starten als eine Einheit ihre Reise ins Marssystem“, sagten DLR-Projektleiter Markus Grebenstein und Projektleiter Julien Baroukh von der französischen Raumfahrtbehörde CNES in einer gemeinsamen Mitteilung.
Erst bei Phobos trennten sich ihre Wege. „Dort wird „Idefix“ Geschichte schreiben – als erster Rover, der jemals Spuren auf einem Marsmond hinterlässt.“

Das Leichtgewicht landet direkt

Besonders an „Idefix“ ist dem DLR zufolge seine kompakte Bauart. Der Rover sei nur so groß wie ein Getränkekasten und wiege etwa 25 Kilogramm, habe im Wesentlichen aber dennoch alle Elemente eines vollwertigen Wissenschafts-Rovers.
„Aufgrund seines geringen Gewichts und der geringen Schwerkraft wird „Idefix“ direkt auf Phobos landen können, ohne die Hilfe eines Landevehikels.“
Die „MMX“-Sonde soll nach rund einjähriger Flugzeit 2027 den Mars erreichen und in seine Umlaufbahn einschwenken.
Voraussichtlich um den Jahreswechsel 2028/2029 wird die Muttersonde dann den Rover aus einer Höhe von etwa 40 Metern über der Oberfläche in den freien Fall Richtung Phobos schicken, hieß es. Einmal gelandet, richte er sich selbstständig auf und sei dann einsatzbereit.

Rätselhafte Entstehung

Die Marsmonde Phobos und Deimos sind neben dem Erdmond die beiden einzigen Monde im inneren Sonnensystem. Sie sind viel kleiner als der Erdmond und nicht kugelförmig, sondern unregelmäßig geformt.
Der größte Durchmesser von Phobos beträgt knapp 27 Kilometer, der von Deimos 15 Kilometer. Auf Phobos herrschen dem DLR zufolge extreme Temperaturen von minus 150 bis 30 Grad.
Die Mission zu Phobos soll die Frage klären helfen, ob die beiden Monde eingefangene Asteroiden sind oder aber nach einem Meteoriteneinschlag auf dem Mars entstanden. (dpa/red)
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Studie: Insekten können tief tauchen, ohne zu implodieren


In Kürze:

  • Die gängige Lehrmeinung besagt, dass Insekten keine tiefen Gewässer besiedeln können, weil ihr luftgefülltes Atmungssystem sonst implodieren würde.
  • In Afrika haben Forscher eine Larvenart entdeckt, die täglich Tauchgänge absolvieren, um zu überleben.
  • Ein Drucktest im Labor zeigte zudem, dass die Tiere fast die doppelte gewohnte Tiefe aushalten können.

 
Insekten haben nahezu jeden Lebensraum auf der Erde besiedelt, einschließlich der Pole, großer Höhen und Süßgewässer. In der Tiefsee fehlen sie jedoch auffallend. Eine gängige Erklärung dafür ist, dass das luftgefüllte Atmungssystem der Insekten unter dem Druck der Tiefe zusammenbrechen würde.
Biologen der University of British Columbia, Kanada, haben nun jedoch Larven gefunden, die diese Vorstellung widerlegen. Mit ihren robusten Luftsäcken erreichen die Tiere bislang ungeahnte Tiefen und eröffnen die Frage, ob im Ozean wirklich keine Insekten leben, erneut.

Täglicher Tauchgang, um dem Tod zu entgehen

Im Malawisee in Ostafrika legen Milliarden von Larven der Büschelmücke (Chaoborus edulis) einen ungewöhnlichen Weg zurück. Tagsüber sinken sie mehr als 200 Meter tief in die sauerstoffarme „tote Zone“ des Sees, um sich vor Fressfeinden zu verstecken. Nachts steigen sie auf, um sich in Sicherheit zu ernähren – doch nicht ohne eine Horde lauernder Fische zu passieren.
Eine Forschergruppe um Professor Dr. Philip Matthews wollte diese abenteuerliche Reise genauer untersuchen. Dafür setzten sie ein Sonarsystem am Grund des Sees ein, um die täglichen Tauchgänge zu kartieren.

Der Malawisee in Ostafrika ist die Heimat von tauchenden Insekten.

Foto: CapturedOnce/iStock

Bei der Untersuchung der Larven stellte das Team fest, dass diese einen Teil ihres Atmungssystems in zwei Paare winziger Luftsäcke umgewandelt hatten. Außerdem stellten sie fest, dass die Wand dieser Art Ballasttanks ein Material namens Resilin enthält. Dieses dehnt sich aus oder zieht sich zusammen, wenn die Larven den pH-Wert verändern. Dieser Mechanismus ermöglicht es den Larven, das Volumen ihrer Luftsäcke aktiv zu beeinflussen und ihren Auftrieb zu steuern.

Insekten liefern unter Druck

Doch bis in welche Tiefen kann diese Art von Insekten abtauchen? Um diese Frage zu klären, setzten die Forscher die Larven verschiedenen Drücken aus – ohne ihnen zu schaden. Die Tiere zeigten sich als bemerkenswert widerstandsfähig und hielten dem Druck in einer Tiefe von umgerechnet mehr als 400 Metern stand. Das ist weit mehr als die Larven bei ihren täglichen Tauchgängen erreichen.
Was sagt das nun über andere Insektenarten aus? Und könnten den Meeresbiologen in Zukunft vielleicht unerwartet Seeinsekten ins Netz gehen? Tatsächlich besitzen auch andere Insekten nachweislich das für Tauchgänge relevante Resilin. Dort dient dieses als nahezu perfekter biologischer Kautschuk in verschleißfesten Flügelgelenken und Sehnen.
Die Studie erschien am 23. Juli 2026 im Fachmagazin „Science“.
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Tauender Permafrost als CO₂-Senke?


In Kürze:

  • Tauender Permafrost setzt Kohlenstoffdioxid frei, das sich in der Atmosphäre anreichert.
  • Eine neue Studie zeigt, dass die getaute Region durch Gesteinsverwitterung auch als Kohlenstoffsenke fungieren kann.
  • Für das tibetische Hochland errechneten Forscher eine Reduzierung der CO₂-Emissionen von bis über 100 Prozent, wenn Silikat-Minerale vorhanden waren.

 
Hohe Temperaturen und warmes Klima führen dazu, dass Permafrostböden auftauen. Dies setzt bekanntlich große Mengen organischen Kohlenstoffs frei, der in Flüssen zu Kohlendioxid (CO₂) umgewandelt und an die Atmosphäre abgegeben wird. Nun hat ein Geologe der Ludwig-Maximilians-Universität München zusammen mit Kollegen einen Einflussfaktor entdeckt, der diesem Effekt teilweise entgegenwirkt.
Schlüsselpunkt sei die Freisetzung von Mineralen in und unter den tauenden Permafrostböden, was Gesteine verwittern lässt, die den Kohlenstoffkreislauf ihrerseits beeinflussen. Zwar war dieses Zusammenspiel von biologischen und geologischen Prozessen bereits bekannt, doch deren Tragweite bislang unterschätzt.

Permafrost unter der Lupe

Erforscht haben die Wissenschaftler aus Deutschland, China, Großbritannien, USA, Schweden und der Schweiz diesen Effekt, indem sie die CO₂-Bilanz von Fließgewässern gemessen haben. Als Untersuchungsgebiet wählten sie die größte zusammenhängende Permafrost-Landschaft außerhalb der Arktis und Antarktis: das Qinghai-Tibet-Plateau.
Das Forschungsteam kombinierte Messungen von CO₂-Emissionen mit chemischen Analysen in 50 Flüssen im Quellgebiet der größten Flusssysteme Asiens. Insgesamt umfasste das Untersuchungsgebiet eine Fläche von rund 780.000 Quadratkilometern – mehr als die doppelte Fläche Deutschlands – und erstreckt sich über Höhenlagen von 1.650 bis 4.820 Meter über dem Meeresspiegel.
Ein Teil des Untersuchungsgebiets war dabei von durchgängigem Permafrostboden geprägt, während in anderen Teilen der Permafrost nur noch sporadisch vorhanden oder ganz verschwunden ist.
Die Forscher werteten die räumliche Verteilung der gesammelten Daten statistisch aus, um Rückschlüsse darauf zu ziehen, wie sich das Auftauen des Permafrostbodens über Hunderte Jahre hinweg auf die Biogeochemie der Flüsse im tibetischen Hochland auswirkt.

Der Einfluss von chemischer Verwitterung ist signifikant

Die überraschende Erkenntnis: Kohlenstoffflüsse aus chemischer Verwitterung könnten mit fortschreitendem Auftauen des Permafrostbodens zunehmend an Bedeutung gewinnen und möglicherweise sogar die CO₂-Emissionen aus der Umwandlung von organischem Kohlenstoff in Flüssen übersteigen.
„Über die gesamte untersuchte Region werden 35 Prozent der CO₂-Emissionen aus Flüssen durch verwitterungsbedingte Bindung von Kohlenstoff kompensiert“, erklärt Studienleiter Dr. Liwei Zhang von der East China Normal University. „Interessant ist hierbei, dass dieses Verhältnis stark von der Beschaffenheit des Permafrosts abhängt.“
Demnach gleicht die Verwitterung in Gebieten mit durchgängigem Permafrost lediglich 15 Prozent der CO₂-Emissionen aus. Dort, wo Permafrost nur noch sporadisch vorkommt, kann dieser Wert auf mehr als 100 Prozent ansteigen. Das deutet darauf hin, dass mit zunehmendem Auftauen des Permafrosts die Gesteinsverwitterung eine immer wichtigere Rolle spielt.
„Der Einfluss der Gesteinsverwitterung auf den Kohlenstoffkreislauf hängt allerdings auch von der Natur der Minerale ab, die freigesetzt werden“, erklärt Aaron Bufe, Professor für Sedimentologie aus München.
So kann die Verwitterung von Silikaten, die über weite Teile des tibetischen Hochlandes passiert, der Freisetzung von Kohlenstoff aus Permafrostböden entgegenwirken. Die Verwitterung von Schwefelmineralen wie Pyrit hingegen verstärkt die CO₂-Emissionen.

Neuer Fokus für die Forschung

Die geochemischen Muster im Qinghai-Tibet-Plateau werfen laut den Forschern ein neues Licht auf die Rolle des tauenden Permafrosts für das Gleichgewicht zwischen Kohlenstoffquellen und -senken.
Liwei Zhang fasst zusammen: „Die Ergebnisse unseres multidisziplinären Ansatzes zeigen, dass die Gesteinsverwitterung durch den Rückgang des Permafrosts zunehmen und beträchtliche Anteile von CO₂ binden könnte, wodurch anorganische und organische Kohlenstoffkreisläufe auf für den Menschen relevanten Zeitskalen miteinander verknüpft werden.“
Die Forscher plädieren dafür, in zukünftigen Klimaanalysen über den bisherigen Fokus auf biotisch-organische Kohlenstoffprozesse hinauszugehen und das Gleichgewicht aller Mechanismen ganzheitlich zu betrachten, um die Nettoauswirkung des Permafrost-Tauens auf den globalen Kohlenstoffkreislauf besser zu verstehen.
Die Studie erschien am 17. Juni 2026 in der Fachzeitschrift „Nature“.
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Kanadische Goldrute und Co.: Vorsicht, Eindringlinge!


In Kürze:

  • Flieder, Forsythie und Goldrute zwar allgegenwärtig aber nur wenige Arten sind in Deutschland heimisch.
  • Sogenannte gebietsfremde oder invasive Arten stören Flora und Fauna, in dem sie Arten verdrängen. Das betrifft Pflanzen und Tiere.
  • Jeder Gärtner – egal ob Haus-, Klein- oder Balkongarten – kann die heimische Artenvielfalt unterstützen.
  • Eine Auswahl gebietsfremder Pflanzen und ihre heimischen Alternativen finden Sie im Artikel.

 
Kanadische Goldrute, Götterbaum, Drüsiges Springkraut, Japanischer Staudenknöterich sind Beispiele für Pflanzen, die vor langer Zeit aus anderen Erdteilen absichtlich oder aus Versehen nach Europa eingeschleppt worden sind. Man bezeichnet sie als Neophyten.
Inzwischen sind über 400 solcher Arten in Deutschland bekannt. Manche von ihnen haben sich gut in unser Artenspektrum eingefügt und bereichern Gärten und Parks. Doch viele andere finden hier so günstige Bedingungen, unter anderem durch höhere Temperaturen, dass sie sehr starkes Wachstum zeigen und damit andere Pflanzen verdrängen.
Viele sind sehr schwer zu entfernen, weil sie ein extrem festes Wurzelgeflecht, das sogenannte Rhizom, haben. Die meisten sind außerdem für unsere Insekten-, Vogel- und Säugetierwelt nutzlos, da sie keine Nahrung bieten und kein Tier in ihnen wohnen kann.
Die Verbreitung erfolgt über Wurzeln, Samen und durch die Menschen. Haben wir sie einmal in unseren Gärten und dezimieren sie durch Schnitt, werfen die Pflanzenteile in den Wald – was verboten ist –, wurzeln sie dort an. Auch beim Versuch, die Pflanzenreste zu kompostieren, entstehen neue Pflanzen.
Wer wissen möchte, was in seinem Garten wächst, kann heute verschiedene Apps zur Bestimmung von Pflanzen nutzen, die KI ist jedoch oft nicht korrekt. Empfehlenswert sind Flora Incognita und NaturaDB. Beide sind kostenfrei. Erstere stammt von der Technischen Universität Ilmenau, letztere vom Natura-Projekt der Maseto GmbH aus Dessau.

Die Auswirkungen auf heimische Arten

Das Bundesamt für Umwelt- und Naturschutz hat aktuell 46 Pflanzenarten, die in Europa als stark invasiv eingestuft wurden, veröffentlicht. Leider ist es den Gartenmärkten nicht verboten, sie zu verkaufen – ähnlich wie zuckerhaltige Getränke. Jeder weiß, dass sie schaden, trotzdem werden sie angeboten. Aber auch die übrigen, noch nicht als invasiv eingestuften 360 gebietsfremden Pflanzen, sind schädlich für unsere heimische Tier- und Pflanzenwelt. Zwei Beispiele zur Erklärung:
Insekten, die auf eine bestimmte Blütenform spezialisiert sind, finden statt der Blüten, an die ihre Mundwerkzeuge angepasst sind, nur Blüten, bei denen sie nicht an Nektar und Pollen herankommen und verhungern. So kann es sich auch mit manchem Raupenfutter verhalten. Findet die Raupe nicht die eine Pflanzenart, auf die sie spezialisiert ist, kann sie sich nicht zum Schmetterling entwickeln.
Diejenigen Insekten, die in der Lage sind, alle Blüten und alle Pflanzen zu nutzen (sogenannte Generalisten), sind damit klar im Vorteil und vermehren sich ungleich mehr. Spezialisten verschwinden und mit ihnen die Vielfalt. Vielfalt wiederum ist für uns Menschen wichtig, weil sie unsere Welt stabil macht gegen Störungen wie Unwetter, Seuchen, Ernteausfälle durch Kahlfraß bei Massenvermehrung einer Art und ähnlichem.

Invasive Pflanzen und ihre heimischen Alternativen

Forsythie: kein Nektar, keine Pollen; Alternative: Kornelkirsche
Flieder: kein Nektar, keine Pollen; Alternativen: Wolliger Schneeball, Schwarzer Holunder
Weiße Schneebeere (Knallerbse): invasive Ausbreitung, Alternativen: Wolliger Schneeball, Gemeiner Schneeball
Sommerflieder: invasive Ausbreitung, keine Nahrung für Raupen; Alternative: Flockenblume
Kirschlorbeer: auch für Tiere giftige Blätter, kein Raupenfutter, Alternativen: Roter Hartriegel, Hainbuche, Haselnuss, Eingriffliger Weißdorn
Japanischer Spindelstrauch: für Mensch und Tier in allen Teilen stark giftig, kein Raupenfutter, Alternative: Pfaffenhütchen
Kanadische Goldrute: kaum Nahrung für Insekten, breitet sich sehr effektiv über Samen und Wurzelausläufer aus, sodass dichte artenarme Bestände entstehen. Jede einzelne Pflanze hat ca. 19.000 Samen. Alternativen: heimische gewöhnliche Goldrute mit überaus hohem Wert für Wildbienen und Schmetterlinge, Johanniskraut, Gilbweiderich, Rainfarn

Wir haben es in der Hand

Die genannten Beispielpflanzen haben wir schon Jahrzehnte in unseren Gärten, warum sollen sie plötzlich schädlich sein? Weil die Zahl der heimischen Pflanzen in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist und mit ihnen Tiere, Pilze und Mikroorganismen, die von und mit ihnen leben. Alle sind voneinander abhängig. Das Gleichgewicht ist jetzt stark gestört, sodass unzählige Lebewesen ohne unser Eingreifen keine Chance mehr haben, zu überleben.
Wir haben in Deutschland rund 900.000 Klein-Gärten. Dazu kommen noch Privat- und Hausgärten, Terrassen und Balkone sowie öffentliche Grünflächen und Parkanlagen. Diese ergeben zusammen eine riesige Fläche und sind ein großes Potential für die Verbesserung unserer Artenvielfalt.
Jeder Gartenbesitzer kann selbst entscheiden, wie verantwortungsvoll er mit seinem Grünland umgeht. Vielleicht gibt es in der kommenden Pflanzzeit den ersten Schritt mit einem Bäumchen, das hier zu Hause ist oder einer Staude einer Art, die es auf unseren Wiesen schon lange nicht mehr gibt. In dem Sinne, wie es Albert Schweitzer sagte: „Das Wenige, was du tun kannst, ist viel!“
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Hype oder Heilung? Modernas Hautkrebs-Impfung im Faktencheck


In Kürze:

  • Die US-Pharmaunternehmen Moderna und Merck (hierzulande MSD) verkündeten in der vergangenen Woche einen Durchbruch mit einem Impfstoff gegen schwarzen Hautkrebs.
  • Zahlreiche Medien griffen die Pressemitteilung auf und ziehen in ihren Berichten Parallelen zu Corona-Impfstoffen oder legen sie nah. Der Vergleich hinkt:
  • Es handelt sich zwar um eine mRNA-basierte, aber individuelle und adjuvante Krebstherapie, die Patienten zusätzlich nach der operativen Tumorentfernung erhalten.
  • Zudem handelt es sich um Zwischenergebnisse einer nicht abgeschlossenen Studie mit methodischen Schwachpunkten.
  • Die Daten sind nicht öffentlich. Bisherige Informationen lassen Fragen offen. Epoch Times versucht, diese zu beantworten.

 
„Bedeutender Meilenstein“, „medizinischer Durchbruch“ und „Hoffnung für Krebspatienten“. So überschrieben zahlreiche Meiden in der vergangenen Woche eine Mitteilung der US-amerikanischen Pharmaunternehmen Moderna und Merck Sharp & Dohme (MSD). Die beiden Unternehmen selbst sprachen erheblich unspektakulärer von der Erreichung der „Endpunkte ‚rezidivfreies Überleben‘ (RFS) und ‚Überleben ohne Fernmetastasen‘ (DMFS) bei Patienten mit vollständig reseziertem Melanom im Stadium IIB–IV“.
Ein gemeinsamer Nenner lässt sich dennoch finden. Unter der Überschrift „Moderna und Merck melden positive Testergebnisse für mRNA-Impfstoff gegen schwarzen Hautkrebs“ berichtete auch Epoch Times. Warum diese ersten Meldungen, einschließlich unserer, unvollständig und vielfach irreführend sind, lesen Sie im Folgenden. Außerdem versuchen wir, herauszufinden, was die verfügbaren Daten wirklich sagen, welche Fragen noch offen sind, und warum einige offen bleiben werden.

Der „medizinische Meilenstein“ im Überblick

Am 19. August verkündeten die Unternehmen einen möglichen Durchbruch bei fortgeschrittenen schwarzen Hautkrebs. In einer Studie mit über 1.100 Patienten verringerte ein mRNA-Impfstoff Rückfälle und Metastasen. „Dies ist die erste Bekanntgabe von positiven Phase-3-Ergebnissen für eine mRNA-basierte Krebstherapie“, hieß es in der gemeinsamen Mitteilung. Diese Art individueller Medizin wird seit mindestens zwei Jahrzehnten erforscht.
Ganz kurz und einfach zusammengefasst: Anhand individueller Mutationen im Tumor des jeweiligen Patienten werden Sequenzen, in diesem Fall, für bis zu 34 Neoantigene ausgewählt. Anhand dieser entsteht eine individualisierte mRNA-Formulierung, die der Patient erhält. Die körpereigenen Zellen sollen diese mRNA dann ablesen und entsprechenden Tumor-Antigene produzieren. Dadurch sollen Immunzellen, hauptsächlich sogenannte T-Zellen, speziell gegen Zellen mit diesen Tumormerkmalen aktiviert werden. So soll das Immunsystem eine erneute Ausbreitung des Krebses rechtzeitig erkennen.
„Intismeran Autogene“ in Kombination mit Pembrolizumab – ein Immuntherapeutikum und die derzeitige Standardtherapie bei schwarzem Hautkrebs – verhindere das Wiederauftreten von Melanomen und die Ausbreitung des Krebses auf andere Organe, erklärten die US-Unternehmen anhand vorläufiger Ergebnisse. Studienleiterin Georgina Long konkretisierte: Die Kombination „hat das Potenzial, ein neues Behandlungsparadigma in der adjuvanten Melanomtherapie zu etablieren und dazu beizutragen, dass Patienten länger krebsfrei bleiben.“
Die Professorin der Universität Sydney und medizinische Direktorin des Melanoma Institute Australia sprach in diesem Zusammenhang außerdem von einem „Meilenstein in der adjuvanten Behandlung“ von schwarzem Hautkrebs.
Endgültige Daten aus der Studie sind bislang nicht einmal in Fachkreisen bekannt. Die Vorstellung soll nach Angabe der Unternehmen auf einer bevorstehenden internationalen Konferenz erfolgen. Zugleich sollen sie als Grundlage für die Zulassung dienen. Einen konkreten Zeitplan nennt die ursprüngliche Mitteilung nicht. In weiterführenden Berichten ist davon die Rede, das eine Zulassung aufgrund einer Einstufung als „therapeutischen Durchbruch“ bis 2027 möglich wäre, sowohl in den USA als auch in Europa.

Was Moderna und MSD wirklich veröffentlichten

Eine Impfung gegen Krebs klingt nach einem Heilmittel gegen eine der Volkskrankheiten unserer modernen Zeit – und wäre es auch. Davon ist allerdings allenfalls in der Presse die Rede. Tatsächlich beschränkt sich die Anwendung auf eine kleine Gruppe. Weder alle Menschen, noch alle Krebspatienten und noch nicht einmal alle Menschen oder Patienten mit Hautkrebs kommen für die Behandlung mit Intismeran Autogene infrage.
Die Pressemitteilung bezieht sich ausdrücklich auf Menschen mit schwarzem Hautkrebs im Stadium IIb, III oder IV, also jene mit fortgeschrittenen Melanomen. Zudem müssen diese bereits operativ entfernt worden sein. Erst dann, und zusätzlich zu bereits etablierten Folgetherapien, könne künftig eine Behandlung mit dem neuartigen Mittel erfolgen. Im Rahmen der Phase-III-Studie werden 1.137 Personen berücksichtigt. Zwei Drittel der Patienten erhielten nach der OP die neue Therapie in Kombination mit Pembrolizumab, die anderen ausschließlich letzteres.
Zahlreiche Berichte sprechen zudem von einer Studiendauer von einem Jahr und suggerieren einen erfolgreichen Abschluss der Untersuchungen. Moderna spricht hingegen von einer „vorab festgelegten Zwischenanalyse“.
Die Studie ist nicht beendet und läuft bis zum Jahr 2030. Alle angegebenen Werte beziehen sich somit auf einen relativ kurzen Zeitraum und wurden zu einem Zeitpunkt ermittelt, der erheblich unter den „ungefähr bis zu 74 Monaten“ oder mehr Beobachtungszeit liegt. Gleichzeitig sagen Rückfälle und Ausbreitung nichts über das Befinden und das mittel- oder langfristige Überleben der Patienten aus.

Individuelle Behandlung nach erfolgter OP

Auch die von Studienleiterin Long angesprochene „krebsfreie Zeit“ muss dahingehend verstanden werden, dass Patienten rezidiv-frei – also ohne Rückfall – bleiben, nicht, dass sie keinen Krebs hatten. Dies ist sogar eine Voraussetzung der Behandlung, denn Intismeran kodiert bestimmte Marker der patientenspezifischen Tumore in mRNA, mit dem Ziel, dass der Körper gezielte Antikörper produziert.
Dieses Prinzip ähnelt den bei Covid-19 angewendeten Wirkstoffen, die das Spike-Protein in mRNA kodierten. Unterscheidet sich jedoch dahingehend grundsätzlich, dass die verwendeten Marker individuell auf den Tumor des jeweiligen Patienten statt auf allgemeine Merkmale eines Virus angepasst sind. Jeder Patient bekommt also einen eigenen, speziell abgestimmten Wirkstoff.

Schematische Erstellung der individualisierten Hautkrebsimpfung.

Foto: ts/Epoch Times nach ttsz/iSTock

Dies erlaubt prinzipiell die Übertragung der Behandlungsmethodik auf andere Krebsarten, wie sie von Moderna und MSD ins Gespräch gebracht wurde. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse ist jedoch ungewiss. Zum jetzigen Zeitpunkt sind Machbarkeit und Wirksamkeit derartiger Ansätze aufgrund mangelnder Studie unbekannt. Eine vorsorgliche Immunisierung für einen Großteil der Bevölkerung ist nicht Gegenstand der aktuellen Forschung.
Damit geht es weder aktuell noch in naher Zukunft um eine klassische „Vorsorge“-Impfung, die gesunden Menschen gegeben wird. Stattdessen handelt es sich um eine speziell an den Tumor angepasste mRNA-Immuntherapie nach einer Hautkrebsdiagnose und erfolgter OP. Wir sprechen also von Menschen mit einer schweren Erkrankung und, vor allem wenn sie jung sind, mit einem relativ hohen Risiko eines Rückfalls, mit dem Ziel, dass sie nach OP und gegebenenfalls Chemo, länger krebsfrei bleiben oder im besten Fall der Krebs gar nicht wiederkommt.

Kein Impfstoff, sondern eine Therapie

Daraus ergibt sich ein weiterer Widerspruch, der in nahezu allen Medienberichten bewusst oder unbewusst Einzug erhalten hat. Ein Impfstoff schützt der Definition nach vor eine Krankheit. So schreibt das für Arzneimittelsicherheit zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI): „(Prophylaktische) Impfstoffe sind Arzneimittel, die das Immunsystem zum Schutz vor Infektionskrankheiten aktivieren.“
Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) wird konkreter. Auch hier schützen Impfstoffe „vor Infektionskrankheiten, indem sie das Immunsystem zur Herstellung von Antikörpern und Vermehrung bestimmter Immunzellen anregen.“ Zugleich seien Impfstoffe „mit die wichtigsten Mittel zur Prävention gegen Krankheiten.“
Krebs, egal welcher Form, ist seinerseits nicht ansteckend und beruht nur im seltensten Fall auf einer Infektion, etwa mit Humanen Papillomviren (HPV) – hiergegen existiert ein eigener Impfstoff. Unterschieden werden muss zudem, dass Intismeran erst nach erfolgter Krebs-OP Anwendung findet, sprich, nachdem der Patient chirurgisch behandelt wurde. Das Präparat soll vor einem Rückfall schützen, kann aber die Krankheit nicht an erster Stelle verhindern. Der Begriff „Impfstoff“ kann in diesem Zusammenhang zu Missverständnissen führen. Einer Verwendung zugunsten der besseren Verständlichkeit steht das nicht im Wege, erfordert aber eine Konkretisierung, die in den wenigsten Presseberichten erfolgt.
Moderna und MSD selbst sprechen in ihrer Meldung nicht von einem Impfstoff oder Vakzin. Letzterer Begriff taucht in der Meldung exakt zweimal auf: jeweils im Kontext der Kurzbeschreibungen beider Unternehmen.

Bekannte Wirkungen und Nebenwirkungen

Was wir kennen, sind Daten aus der Phase-II-Studie begonnen im Jahr 2019. Beendet ist sie ebenfalls noch nicht. Die Nachbeobachtung der rund 150 Teilnehmer, von denen wiederum zwei Drittel die Kombitherapie erhielten, soll bis 2032 dauern. Anfang Juni 2026 veröffentlichten Zwischenergebnisse umfassen einen Fünfjahreszeitraum.
Dr. Kay Klapproth hebt gegenüber Epoch Times zwei Punkte hervor:
„Moderna hat darin gezeigt, dass Intismeran neoantigenspezifische T-Zell-Klone erzeugen beziehungsweise bereits vorhandene Klone expandieren kann. Gleichzeitig zeigt die Phase-II-Studie einen Vorteil beim rezidivfreien Überleben. Nach vier Jahren waren etwa 72 Prozent der Patienten unter Intismeran plus Pembrolizumab rezidivfrei, gegenüber rund 49 Prozent unter Pembrolizumab allein. Das entspricht einer absoluten Differenz von etwa 23 Prozentpunkten.“
Entgegen den jüngsten Behauptungen von Moderna ist damit zwar eine Verbesserung feststellbar, aber von der absoluten Formulierung „verhindert das Wiederauftreten“ sind wir weit entfernt, stellt der nicht an der Studie beteiligte, deutsche Immunologe fest. Er hat lange Zeit in der Krebsforschung gearbeitet und sich unter anderem mit Immuntherapien beschäftigt.
Und noch etwas wird aus den bisherigen Daten deutlich: Ausnahmslos alle Teilnehmer, die Intismeran erhielten, hatten Nebenwirkungen. In der Kontrollgruppe hatten „nur“ 94 Prozent Nebenwirkungen. Ernste Nebenwirkungen hielten sich mit rund 19 zu 24 Prozent ebenfalls nahezu die Waage. In beiden Gruppen führten die Nebenwirkungen zudem in rund 45 Prozent der Fälle zu einer „Verzögerung, Unterbrechung oder Absetzung“ der Behandlung und in einem Fall in der Intismeran-Gruppe sogar zum Tod. Der Patient starb den Angaben zufolge an einer Sepsis im Rahmen einer Nebenwirkung einer Pembrolizumab-Gabe.
All dies muss jedoch im Kontext einer Krankheit mit beschränkten Überlebenschancen und Behandlungen mit erheblichen Nebenwirkungen – Stichwort Chemotherapie – betrachtet werden.

Lässt sich die Wirkung überhaupt ermitteln?

Daneben gibt es eine Reihe offener Fragen, oder wie Dr. Klapproth es formulierte: „Immunaktivierung ist nicht das Gleiche wie klinische Wirksamkeit – und der Nachweis einer Immunantwort beweist noch nicht den Wirkmechanismus.“ Sprich, „was nicht gezeigt wurde, ist, dass beide Beobachtungen kausal zusammenhängen.“ Der zentrale Kritik- und Schwachpunkt bestehe darin, dass die verwendete mRNA/LNP-Plattform selbst immunologisch aktiv ist:
„Ionisierbare Lipid-Nanopartikel können das angeborene Immunsystem stimulieren, das ist oft gezeigt worden“, erklärte Dr. Klapproth. „Gleichzeitig wissen wir aus der Tumorimmunologie, dass eine Aktivierung angeborener Immunmechanismen die Antitumorwirkung einer PD-1/PDL1-Blockade [Anm. d. Red.: das Ziel der Standardtherapie] erheblich verstärken kann.“ Konkret belegt hat dies Tübinger Unternehmen CureVac bereits im Jahr 2022 mit einer mRNA, die nicht tumorspezifisch ist, die aber durch Immunaktivierung antitumoral gewirkt hat.
Damit existiert eine plausible alternative Erklärung für den beobachteten Effekt: Das Trägersystem der mRNA aktiviert das angeborene Immunsystem, auch ohne tumorspezifische Neoantigene. Gerade im Kontext einer PD-1/PDL1-Blokade genüge dies laut Dr. Klapproth, um einen gewissen positiven Effekt hervorzurufen. „Wie groß der unspezifische Effekt ist und welchen Anteil an der klinischen Wirkung tatsächlich die individuell ausgewählten Neoantigene haben, wissen wir aber nicht, weil diese Experimente fehlen.“
Ferner werde Intismeran plus Pembrolizumab mit Pembrolizumab plus einem nicht-immunogenen Placebo verglichen. „Damit kann man zwar zeigen, dass das Gesamtpräparat einen Effekt hat. Man kann aber nicht zeigen, welcher Anteil dieses Effekts auf dem Konzept der tumorspezifische Information beruht.“

Offene Fragen und methodische Schwächen

Ungewöhnlich erscheint dem Immunologen die intensive wiederholte Gabe die der mRNA-Präparate. Moderna und Merck sprechen davon, dass ein Milligramm mRNA alle drei Wochen bis zu neunmal verabreicht wird. Man setzt das Immunsystem also innerhalb weniger Monate wiederholt demselben Reiz aus, wobei die erste Injektion konsequenterweise nicht auf dasselbe Ausgangssystem trifft wie die neunte. Was zwischen Dosis eins und neun passiert, bleibt ungewiss.
Ein weiteres grundsätzliches Problem wurde 2023 in „Nature“ beschrieben: das fehlerhafte Ablesen von mRNA-Bausteinen. Epoch Times berichtete.
Auch in Intismeran gibt es modifizierte Basen, die sogenannte ribosomale Leserasterverschiebungen verursachen. Dadurch können nicht beabsichtigte Peptide entstehen und diese auch unerwünschte T-Zell-Antworten auslösen. Das Problem wird nach Wissen von Dr. Klapproth von Moderna nicht adressiert. Gerade bei einem individualisierten Präparat wäre das aber relevant: Nicht nur die gewünschten Neoantigene sind individuell, sondern potentiell auch unbeabsichtigte immunogene Produkte.
Durch die künstliche Verkettung unterschiedlicher Epitope, jenem Teil der Antigene, die das Immunsystem später erkennen soll, können zudem auch den Verbindungsstellen zwischen den einzelnen Epitopen neue, sogenannte Junction-Peptide, entstehen. Diese könnten ebenfalls einen Einfluss auf die Immunantwort haben, positiv als auch negativ. Mögliche Autoimmunreaktionen wären aufgrund der individuellen Formulierung wiederum höchst individuell und können daher praktisch kaum in Experimenten kontrolliert werden.

Fazit

Schwarzer Hautkrebs, auch als Malignes Melanom bekannt, ist eine der gefährlichsten Formen von Hautkrebs. Im Jahr 2022 wurden weltweit mehr als 330.000 neue Fälle diagnostiziert. In Deutschland sind es laut Uniklinik Tübingen rund 21.000 jährlich, wobei immer mehr junge Menschen betroffen seien. Rund 3.000 Menschen sterben jährlich daran.
Vor diesem Hintergrund ist eine Verbesserung der Behandlung wünschenswert. Einen (kleinen) Erfolg beim Melanom als Beweis dafür anzusehen, dass „mRNA-Impfstoffe gegen Krebs funktionieren“, ist aber übertrieben.
Bisher sind weder abschließende Daten aus Phase-II-Studien noch Zwischenergebnisse der Phase-III-Studie verfügbar. Womöglich bleibt der Effekt eines vermeintlichen Impfstoffs auch nach deren Veröffentlichung unbekannt oder muss hinterfragt werden. Obwohl es das Konzept prinzipiell ermöglicht, ist außerdem ungewiss, inwieweit sich die Ergebnisse auf andere Krebsarten übertragen lassen.
Von einer möglichen Zulassung sind wir auch aufgrund fehlender Daten mindestens ein Jahr entfernt. Wie hoch anschließend die Kosten für eine Behandlung sind, bleibt offen. Die Rede ist von mehreren Hunderttausend Dollar pro Patient.
Demgegenüber stehen schon jetzt messbare Effekte – an der Börse. Unterschiedliche Quellen sprechen von kurzfristigen Kursgewinnen von bis über 150 Prozent bei Moderna, sodass der Börsenwert des Unternehmens am Mittwoch um etwa 30 Milliarden US-Dollar zulegte. Die Papiere von Merck/MSD legten Mitte vergangener Woche ihrerseits etwa zehn Prozent zu. Mögliche Umsätze mit dem neuen Krebsmittel liegen Schätzungen zufolge zwischen drei und 13 Milliarden Dollar jährlich.
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Entdeckung: Photosynthese funktioniert (auch) anders als gedacht


In Kürze:

  • Bislang galt laut Lehrbuch, dass die sauerstoffbildende Photosynthese zwingend zwei Photosysteme benötigt: Photosystem II und I.
  • Molekularbiologen aus München haben nun durch Zufall entdeckt, dass Cyanobakterien auch ohne Photosystem I erfolgreich Photosynthese betreiben können.
  • Die langjährige Annahme, dass Photosystem I für den biologischen Prozess unverzichtbar ist, ist damit widerlegt.

 
Es gibt nur wenige biologische Konzepte, die als so gesichert gelten, dass sie seit Jahrzehnten nahezu unverändert in jedem Lehrbuch stehen. Eines davon lautet: Für die sauerstoffbildende Photosynthese werden zwingend zwei Photosysteme benötigt.
Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigen jedoch, dass dieses grundlegende Prinzip offenbar nicht universell gilt. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Natur deutlich flexibler ist, als wir bislang angenommen haben“, sagte Studienleiter Dario Leister, Professor für Molekularbiologie.

Zwei statt beide

Die Photosynthese versorgt die Erdatmosphäre mit Sauerstoff und bildet die Grundlage nahezu aller Nahrungsketten. Pflanzen, Algen und Cyanobakterien wandeln Sonnenlicht in chemische Energie um.
Nach dem bisherigen Verständnis gelingt dies nur durch das Zusammenspiel zweier großer Proteinkomplexe: Photosystem II und Photosystem I. Das Photosystem II ist für den ersten Schritt der Lichtreaktion verantwortlich, während Photosystem I unter anderem das Koenzym „NADPH“ bildet. Dieses Prinzip gehört seit mehr als 50 Jahren zum Grundwissen der Biologie. Durch Zufall entdeckten die Gruppe von Prof. Leister jedoch einen alternativen Photosyntheseweg.
„Eigentlich wollten wir etwas völlig anderes erreichen“, sagt Leister. So war ihr ursprüngliches Ziel, ein pflanzliches Photosystem I in das Cyanobakterium „Synechocystis“ einzubauen. „Dass daraus Organismen entstehen würden, die ohne Photosystem I wachsen, Kohlendioxid fixieren und Sauerstoff produzieren können, war vollkommen unerwartet“, erklärt Leister weiter.
Letztlich zeigte sich, dass die neuen Cyanobakterienstämme trotz des fehlenden Elements eine vollständige sauerstoffbildende Photosynthese betrieben. Damit widerlegen sie die bislang geltende Annahme, dass Photosystem I für die Bildung von NADPH unverzichtbar ist.

Ein alternativer Weg

Das Team konnte außerdem einen Mechanismus identifizieren, mit dem die Bakterien das fehlende Photosystem kompensieren. Schlüssel dazu war eine grundlegende Umorganisation, die die Herstellung von NADPH in umgekehrter Richtung ermöglichte. Biologen schrieben diese Funktion bislang ausschließlich Photosystem I zu.
Laut den Forschern verändere diese Entdeckung das Verständnis der Photosynthese grundlegend und zeige, dass selbst einer der am besten untersuchten Prozesse der Biologie noch grundlegende Überraschungen bereithalte. Langfristig könnten die Ergebnisse zudem neue Ansätze für die Entwicklung effizienterer photosynthetischer Systeme und biotechnologischer Anwendungen ermöglichen.
„Unsere Arbeit erinnert daran, dass selbst scheinbar unumstößliche Lehrbuchkonzepte durch neue experimentelle Befunde infrage gestellt werden können. Genau das macht Grundlagenforschung so spannend“, sagt Leister.
Die Studie erschien am 10. Juli 2026 im Fachmagazin „Nature Communications“.
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Pi – seit der Antike bekannt, bis heute unvollständig


In Kürze:

  • Die Kreiszahl π (Pi) ist seit der Antike bekannt, bis heute unvollständig und noch immer voller Überraschungen.
  • Indischer Physiker entdecken 2024 durch Zufall eine neue Schreibweise für Pi.
  • Ihre beeindruckende Effizienz im Vergleich zu klassischen Reihen verändert, wie Pi in Spezialgebieten der Physik verwendet werden kann.
  • Die Zahl verbindet die abstrakteste Mathematik mit den alltäglichsten Gegenständen unseres Lebens.

 
Sie hat weder Farbe noch Geruch noch Form, und doch ist sie wahrscheinlich eine der bekanntesten Zahlen der Welt. Die ersten bekannten Annäherungen an die Zahl, die wir heute π (Pi) nennen, reichen fast 4.000 Jahre zurück. Bereits die Babylonier und Ägypter konnten annäherungsweise das Verhältnis zwischen dem Umfang eines Kreises und seinem Durchmesser bestimmten.
Das Symbol π selbst tauchte erst viel später auf und wurde im 18. Jahrhundert durch den Schweizer Mathematiker Leonhard Euler populär gemacht. Erheblich jünger, aber nicht minder interessant ist eine Studie, die vor zwei Jahren großes mediales Interesse geweckt hatte. Auf ihrer Grundlage untersuchen Forscher bis heute die Auswirkungen, die sich zwischen Hochenergiephysik und Stringtheorie bewegen.
Pi fasziniert damit seit der Antike, Forscher ebenso wie die breite Öffentlichkeit. Sie kommt sowohl in der elementarsten Geometrie als auch in den fortgeschrittensten Gleichungen der theoretischen Physik vor. Und zeigt, dass sie bis heute Überraschungen für die Wissenschaft bereithält.

Eine unverzichtbare Zahl, weit über Kreise hinaus

Der Nutzen von π beschränkt sich nicht auf die Berechnung der Fläche einer Scheibe oder des Umfangs eines Rades. Sein Wert – etwa 3,14159 – spielt eine Rolle bei der Untersuchung von Wellen, Schwingungen und Elektrizität, in der Statistik sowie in zahlreichen grundlegenden Formeln der Physik. Man findet es, wenn auch weniger sichtbar, ebenso in trigonometrischen und geometrischen Berechnungen. Diese sind wiederum unter anderem für GPS und das Pendel einer Uhr relevant und beeinflussen damit unmittelbar unseren Alltag.
Dieser wissenschaftliche Erfolg hat π sogar einige unerwartete Auftritte auf der großen Leinwand beschert. In „Nachts im Museum 2: Die Schlacht um das Smithsonian“, der 2009 in die Kinos kam, verrät die Figur des Albert Einstein – in Form einer Wackelkopfpuppe –, dass die neue Kombination für die magische Tafel des Ahkmenrah nichts anderes ist als die ersten Dezimalstellen von π. Eine Anspielung, die die Drehbuchautoren sichtlich gerne in die Handlung eingebaut haben.

Physiker entdecken zufällig eine neue Schreibweise für Pi

Im Jahr 2024 nimmt die Geschichte eine ernstere Wendung. Zwei Physiker des Indian Institute of Science, Arnab Priya Saha und Aninda Sinha, veröffentlichen in der Zeitschrift „Physical Review Letters“ eine Studie, die ursprünglich absolut nichts mit π zu tun hatte. Ihr Ziel: die extrem komplexen Berechnungen zu vereinfachen, die beschreiben, wie subatomare Teilchen miteinander kollidieren und sich zerstreuen. In diesem Gebiet können Gleichungen schnell unlesbar werden.
Zu diesem Zweck kombinierte das Team zwei den Physikern bereits bekannte Werkzeuge: sogenannte Feynman-Diagramme, die die Wechselwirkungen zwischen Teilchen visuell darstellen, und die Euler-Beta-Funktion, die aus der Stringtheorie stammt. Anschließend versuchten sie, ein Modell mit weniger Parametern zu entwickeln. Dabei sahen die beiden Forscher eine Reihe von Zahlen auftauchen, die wider Erwarten genau gegen π konvergierten.
Es handelt sich dabei weder um einen neuen, noch um einen Ersatz für π. Die Konstante, die wir aus der Schule kennen, bleibt streng genommen dieselbe. Sie stellen keinen Fortschritt bei der numerischen Berechnung von π selbst dar. Hier sind andere Formeln, insbesondere die von Ramanujan oder Chudnovsky, nach wie vor weitaus leistungsfähiger. Was die Forscher entdeckt haben, ist eine andere Art, π in Berechnungen der Hochenergiephysik darzustellen, insbesondere im Zusammenhang mit der Teilchenstreuung.

Eine beeindruckende Effizienz im Vergleich zu klassischen Reihen

Was die wissenschaftliche Gemeinschaft am meisten überrascht hat, ist die Schnelligkeit dieser neuen Darstellung. Um zehn exakte Dezimalstellen von π zu erhalten, benötigt eine der ersten bekannten unendlichen Reihen zur Berechnung von π, die Madhava von Sangamagrama im 15. Jahrhundert zugeschrieben wird, etwa fünf Milliarden Glieder.
Die neue Formel von Saha und Sinha hingegen schafft dies mit nur etwa dreißig Gliedern. Anzumerken bleibt, dass dieser Vergleich für diese konkrete historische Reihe gilt, nicht jedoch für jene der leistungsfähigsten Algorithmen, die heute zur Berechnung der Dezimalstellen von π verwendet werden.
Laut Aninda Sinha war dieser Ansatz jedoch bereits Anfang der 1970er Jahre von Wissenschaftlern angestoßen worden, bevor er mangels ausreichend ausgereifter mathematischer Werkzeuge zur Umsetzung aufgegeben wurde. Genau diese Werkzeuge, die im Laufe mehrjähriger Zusammenarbeit entwickelt wurden, ermöglichten es dem indischen Team, den Ansatz zu Ende zu führen.

Zwei Jahre später wird der Ansatz weiterverfolgt

Diese Entdeckung hat sich keineswegs mit der Veröffentlichung von 2024 erschöpft. Seitdem folgten mehrere Weiterentwicklungen. Insbesondere der schwedische Mathematiker Hjalmar Rosengren hat strenge Beweise und Verallgemeinerungen der von Saha und Sinha entdeckten Teilbruchreihen für die Amplituden von Strings veröffentlicht.
Ende 2025 stellte eine neue Studie von Faizan Bhat und Aninda Sinha eine Verbindung zwischen den berühmten Ramanujan-Reihen für 1/π und zweidimensionalen logarithmischen Konformitätstheorien her – einem mathematischen Rahmen, der speziell in der Quantenphysik und der Werkstoffkunde zum Tragen kommt. Und im März 2026 veröffentlichten Bhat, Saha und Sinha in der Zeitschrift „Physical Review D“ eine von der Stringtheorie inspirierte Beziehung, die sich auf zwei zentrale Werkzeuge dieses Fachgebiets bezieht.
Diese Forschungen beschränken sich vorerst auf ein sehr spezialisiertes Gebiet der theoretischen Physik und haben keine direkten Auswirkungen auf den Alltag. Doch sie veranschaulichen, wie ein fast zufällig entstandenes Ergebnis auch zwei Jahre später noch verschiedene Forschungszweige der Physik und Mathematik befruchtet.

Der Pi-Tag, ein Fest, das weltweit gefeiert wird

Auch außerhalb der Labore ist π zu einem beliebten Symbol für wissenschaftliche Neugier geworden. Sein eigener Feiertag, der Pi-Tag, wird jedes Jahr am 14. März begangen. Das Datum entspricht in der angelsächsischen Datumsschreibweise 3/14 und erinnert direkt an die ersten Dezimalstellen.
Seit 2019 ist der 14. März der Internationale Tag der Mathematik. Seine angelsächsiche Schreibweise 3/14 erinnert an die Kreiszahl Pi.

Seit 2019 ist der 14. März der Internationale Tag der Mathematik. Seine angelsächsiche Schreibweise 3/14 erinnert an die Kreiszahl Pi.

Foto: marekuliasz/iStock

Die Tradition, die 1988 vom Physiker Larry Shaw im Exploratorium in San Francisco ins Leben gerufen wurde, gewann in den Vereinigten Staaten schnell an Popularität, bevor sie sich international verbreitete. Im November 2019 erklärte die UNESCO den 14. März offiziell zum Internationalen Tag der Mathematik. Erstmals begangen wurde der weltweite Festtag im folgenden Jahr.
Auch das Massachusetts Institute of Technology (MIT) machte den 14. März zu einer ganz eigenen Tradition. Die Universität veröffentlicht ihre Zulassungsentscheidungen in der Regel am 14. März und wählt häufig genau 18:28 Uhr als Zeitpunkt – eine Anspielung auf den Wert von Tau (2π) –, wobei dieser Zeitpunkt jedoch nicht von Jahr zu Jahr einheitlich ist.

Eine Zahl, die niemand zu Ende aufsagen kann

Auch π-Begeisterte lassen ihrer Fantasie freien Lauf, um der Zahl Tribut zu zollen: Haikus, Lieder oder Wettbewerbe zum Auswendiglernen von Dezimalstellen. In diesem Bereich führt derzeit der Inder Suresh Kumar Sharma die Community-Liste der Pi World Ranking List an, die Rezitationsleistungen weltweit erfasst. Er konnte im Oktober 2015 in etwas mehr als 17 Stunden 70.030 Dezimalstellen rezitieren.
Zum Vergleich: Der offiziell von den Guinness World Records anerkannte Rekord geht auf das Konto eines anderen Inders. Rajveer Meena, rezitierte im März desselben Jahres 70.000 Dezimalstellen mit verbundenen Augen – ein Unterschied, der die Kluft zwischen spezialisierten Community-Ranglisten und allgemeinen Rekordorganisationen verdeutlicht.
Vom bekannten „Ende“ von Pi sind beide jedoch noch erheblich entfernt. Im November 2025 errechnete ein Spezialcomputer sage und schreibe 314 Billionen Dezimalstellen der unendlich weitergehenden Kreiszahl.
Der Artikel erschien im Original auf epochtimes.fr unter dem Titel „Pi, la constante vieille de 4 000 ans, réserve encore des surprises aux physiciens“. (Redaktionelle Bearbeitung: sm, ts)
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Wird die Erde den Tod der Sonne überleben?


In Kürze:

  • Die bisherige Annahme besagt, dass sich unsere Sonne in rund fünf Milliarden Jahren zu einem Roten Riesen entwickelt und die Erde verschlingen wird.
  • Forscher aus Belgien nutzten genauere Berechnungen statt vereinfachte Näherungen und entdeckten ein anderes mögliches Schicksal unseres Planeten.
  • Demnach ist ein Überleben sicher – wenn die Erde das heikle Tauziehen der Gezeitenkräfte überlebt und die Sonne schnell genug an Masse verliert.

 
Wenn die Sonne in etwa fünf Milliarden Jahren das Ende ihres Lebens erreicht, wird sie sich zu einem Riesenstern ausdehnen, der hunderte Male größer ist als heute. Seit Jahrzehnten diskutieren Astronomen darüber, was dies für die Erde bedeutet. Wird unser Planet von der sich ausdehnenden Sonne verschlungen oder wird er in eine weit entfernte Umlaufbahn entkommen?
Eine neue Studie zeigt, dass die Antwort ungewisser ist als bisher angenommen. Anhand der neuesten Modelle zur Sternentwicklung und zu Gezeitenwechselwirkungen kommen die Forscher um Mats Esseldeurs jedoch zu dem Ergebnis, dass die Erde beide Riesenphasen der Sonne überstehen könnte. Dies gelinge aber nur, wenn die Sonne in den letzten Stadien ihrer Entwicklung schnell genug an Masse verliert.

Ein heikles Tauziehen

Während sich die Sonne zu einem Roten Riesen entwickelt, bestimmen zwei konkurrierende Prozesse das Schicksal der Erde. Einerseits wird sich die Sonne enorm ausdehnen, wodurch die gravitationsbedingten Gezeitenkräfte zunehmen. Die Folge: Unser Planet wird nach innen gezogen und „verschlungen“.
Andererseits wird die Sonne einen großen Teil ihrer Masse durch den Sonnenwind verlieren. Wenn die Sonne leichter wird, verschiebt sich die Umlaufbahn der Erde allmählich nach außen, wodurch ein Jahr auf unserem Planeten länger und das Erdklima kühler wird.
„Das Schicksal der Erde hängt von einem empfindlichen Gleichgewicht zwischen diesen beiden Effekten ab“, erklärte Mats Esseldeurs von der belgischen Katholieke Universiteit Leuven. „Wenn die Gezeitenwechselwirkungen überwiegen, wird die Erde verschlungen. Wenn der Massenverlust überwiegt, entkommt die Erde in eine weiter außen liegende Umlaufbahn.“
Frühere Studien kamen oft zu dem Schluss, dass die Erde letztlich von der Sonne verschlungen werden würde. Viele dieser Annahmen stützten sich jedoch auf vereinfachte Beschreibungen der Gezeitenwechselwirkungen im Inneren von Riesensternen.

Ein Blick ins Innere der zukünftigen Sonne

Die neue Studie nutzt modernste Berechnungen der Gezeiten-Dissipation, die auf der inneren Struktur und Dynamik von entwickelten Sternen basieren. Diese Modelle wurden vom Forschungsteam in früheren Arbeiten entwickelt und beruhen auf genauen Berechnungen statt auf vereinfachten Näherungen.
Mithilfe dieser aktualisierten Modelle stellten die Forscher fest, dass die Gezeitenwechselwirkungen schwächer sind als bisher angenommen. Infolgedessen bleibt die Erde während der Riesenphasen weiter von der Sonne entfernt, was ihre Überlebenschancen signifikant erhöht.
In den Simulationen werden Merkur und Venus unweigerlich von der sich ausdehnenden Sonne verschlungen. Die Erde hingegen überstehe beide Riesenphasen und gelange schließlich in eine weiter außen liegende Umlaufbahn. Dort wird unser Planet um den Weißen Zwerg kreisen, zu dem sich die Sonne letztlich entwickeln wird.

Schematische Darstellung der Entwicklung der Sonne. Die Abbildung zeigt die Sonne, wie sie heute aussieht (1.), während sie ihre beiden Riesenphasen durchläuft (2. und 3.), bevor sie ihr Leben als Weißer Zwerg beendet (4.).

Foto: KU Leuven

Eine riesige Ungewissheit

Trotz dieses ermutigenden Ergebnisses ist die Sache noch nicht entschieden. Die Forscher fanden heraus, dass das endgültige Ergebnis davon abhängt, wie schnell die Sonne während ihrer letzten Riesenphase an Masse verliert. Diese Massenverlustraten gehören jedoch nach wie vor zu den wenig erforschten Aspekten der Sternentwicklung.
Um diese Unsicherheit zu untersuchen, wandte sich das Team „L2 Puppis“ zu, einem nahegelegenen, entwickelten Stern, der oft als Vorgeschmack auf die Zukunft der Sonne angesehen wird. Nach dieser auf Beobachtungen basierenden Schätzung wird sich die Erde gerade so weit nach außen bewegen, dass sie überleben kann.
„Die größte Unsicherheit ergibt sich nicht mehr aus den Gezeitenberechnungen, sondern davon, wie viel Masse die zukünftige Sonne verlieren wird“, sagt Mats Esseldeurs. „Beobachtungen sonnenähnlicher Riesensterne deuten derzeit auf das Überleben der Erde hin, aber wir benötigen bessere Beobachtungen, bevor wir sicher sein können.“
Die Studie verdeutlicht, wie die Beobachtung von entwickelten Sternen Hinweise auf die ferne Zukunft unseres eigenen Sonnensystems liefern können. Zukünftige Observatorien und Missionen werden viele weitere Planeten um Riesensterne entdecken, was es Astronomen ermöglicht, Modelle zum Überleben von Planeten zu überprüfen. Ob die Erde letztlich überlebt oder nicht – wir werden es wohl nie erfahren.
Die Studie erschien am 19. Juni 2026 in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“.
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Windräder verursachen keine nachweisbaren Gesundheitsschäden


In Kürze:

  • Windräder haben laut einer neuen Studie keinen negativen Einfluss auf die Gesundheit.
  • Dafür haben Forscher Daten von über 120.000 US-Haushalten aus den Jahren 2011 bis 2023 ausgewertet.
  • Die Entfernungen der Turbinen zu Wohnhäusern sind in den USA teils geringer als in Deutschland, der mittlere Abstand im Rahmen der Studie liegt aber bei 6 Kilometern.
  • Eine Fachärztin erinnert an die Berücksichtigung des Schalldruckpegels und die größeren Ausmaße heutiger Anlagen.
  • Die Uni Augsburg verweist für Deutschland auf eine andere, ähnlich aufgebaute Untersuchung – und mit ähnlichen Problemen.

 
Brummtöne, Schlagschatten, Infraschall: Immer wieder klagen mancherorts Anwohner und Windkraftgegner über störende oder gar gesundheitsbeeinträchtigende Auswirkungen von großen Windkraftanlagen.
Eine Studie unter Beteiligung der Universität Augsburg kam kürzlich allerdings zu einem ganz anderen Ergebnis. „Windräder verursachen keine nachweisbaren Gesundheitsschäden“, schreibt die Bildungseinrichtung.
Zugrunde liegt eine über 12 Jahre währende Längsschnittuntersuchung, die sich mit der Wohnnähe zu Windrädern und der Gesundheit der Anwohner befasst hat. Es soll sich um eine der bislang umfangreichsten Studien zu diesem Thema weltweit handeln.
Die Autoren sind die Wirtschaftswissenschaftler Niklas Rott, Douglas Almond und Osea Giuntella. Rott ist an der Uni Augsburg tätig, während Almond an der Columbia Universität und Giuntella an der Universität von Pittsburgh arbeiten.

Woher stammen die Daten?

Zunächst das Wichtigste: Die Forscher erhielten die Daten aus dem sogenantnen NielsenIQ Ailments Survey, einer jährlich durchgeführten Umfrage. Daraus extrahierten sie Selbstauskünfte von über 120.000 US-Haushalten aus den Jahren 2011 bis 2023 zu Gesundheitsbeschwerden wie Schlaflosigkeit, Depression, Angst und Kopfschmerzen. Diese Haushalte befanden sich in der Nähe von rund 75.000 Windkraftanlagen.

Eine Ölförderanlage am 4. Oktober 2023 im US-Bundesstaat Texas in der Nähe eines Windparks. Die Windkraft soll auch in den Vereinigten Staaten die Nutzung fossiler Brennstoffe reduzieren.

Foto: Brandon Bell/Getty Images

Die Studienautoren bezogen ebenso das Kaufverhalten der Bewohner mit ein. Wer nach der Windradinstallation mehr Schlaftabletten oder Schmerzmittel kauft, hinterlässt objektive Spuren, die auf Gesundheitsprobleme hinweisen – unabhängig von subjektiven Einschätzungen.
Im direkten Vergleich standen somit jeweils die Daten der Haushalte vor und nach der Installation nahegelegener Windräder. Bei diesem sogenannten Event-Study-Design wird jeder Haushalt mit sich selbst verglichen. Die Betrachtungszeiträume liegen in den Jahren vor und nach der Inbetriebnahme des nahegelegenen Windrades.
Störfaktoren wie Einkommen, Alter, Haushaltsgröße oder regionale Trends unterlagen laut der Uni einer statistischen Kontrolle. Die Studie selbst durchlief im Rahmen der Veröffentlichung in der Fachzeitschrift PNAS einen Peer-Review und damit eine Prüfung durch unbeteiligte Wissenschaftler.

Ergebnis: Keine messbaren negativen Gesundheitseffekte

Laut der Uni Augsburg konnte das Forscherteam keine statistisch nachweisbaren Zusammenhänge bezüglich der Gesundheitsangaben oder des Kaufverhaltens der Anwohner und des Baus neuer Windräder feststellen.
Ebenso zeigten sich keine Veränderungen in der Zeitverwendung, etwa hinsichtlich Schlaf, Sport oder Zeit im Freien, noch in Ausgaben für Alkohol, Tabak und allgemeine Medikamente. Das Ergebnis bleibe stabil für alle untersuchten Subgruppen: Alter, Geschlecht, Einkommen, Bildungsgrad und ethnische Zugehörigkeit. Hierzu teilte Rott mit:
„Windkraftanlagen stehen immer wieder im Fokus gesundheitlicher Bedenken. Die bisherige Evidenz dazu ist jedoch teils uneinheitlich und häufig durch kleine Stichproben oder rein korrelative Analysen begrenzt. Unsere Analysen unter Verwendung umfangreicher US-Haushaltsdaten zeigen keine messbaren negativen Gesundheitseffekte bei typischen Entfernungen zwischen Windrädern und Wohngebieten.“
Windräder

Im Rahmen der Studie ermittelter Zusammenhang zwischen Windraderrichtung und Gesundheitszustände der Anwohner.

Foto: Bildschirmfoto/Rott et al. (2026), NBER Working Paper No. 35131, Bearbeitung: mf/Epoch Times

Dennoch betonen die Autoren, dass lokale Belastungen wie Lärm oder Schattenwurf die Lebensqualität der Anwohner beeinflussen. Ebenso bestehe die Möglichkeit, dass sie die Akzeptanz von Windkraftprojekten verringern – auch ohne nachweisbare gesundheitliche Folgen.
Sie empfehlen, Debatten über Windkraft stärker auf evidenzbasierte Lärmgrenzwerte, faire Kostenverteilung und transparente Planungsverfahren zu fokussieren, anstatt auf nicht belegte Gesundheitsrisiken.

Was sind „übliche“ Abstände?

Die Uni Augsburg spricht bei den Ergebnissen von „üblichen Abstandsdistanzen“ der Windkraftanlagen zu Wohngebieten. Welche Abstände in den USA „üblich“ sind, teilte sie allerdings nicht mit. Auch auf Anfrage der Epoch Times erhielten wir hierzu keine direkte Antwort. Die Uni schrieb: „Über die veröffentlichten Forschungsergebnisse hinaus geben wir grundsätzlich keine weitergehenden fachlichen Bewertungen oder Empfehlungen zu allgemeinen oder praktischen Fragestellungen ab.“
Auch die Bitte, uns die Studie zuzusenden, blieb von der Uni unbeantwortet. Erst durch Kontaktaufnahme mit dem Nationalen Büro für Wirtschaftsforschung, kurz NBER, erhielten wir das vorab veröffentlichte Arbeitspapier. NBER ist eine überparteiliche Nonprofit-Forschungsorganisation in Massacusetts in den USA.
Der Einblick in das Arbeitspapier brachte schließlich die Antwort. Für die untersuchten Gebiete beträgt die „Entfernung von den Windkraftanlagen zu den Postleitzahlen-Zentren“ im Schnitt 6 Kilometer (km). Der Quartilsabstand, also die mittleren 50 Prozent, umfasst den Bereich von 3 bis 10 km. Da die Messung auf Postleitzahlbereichen basiert, könnten einzelne Haushalte innerhalb eines Bereichs näher oder weiter entfernt liegen.
Dabei ist zu erwähnen, dass in den Vereinigten Staaten kein einheitlicher Mindestabstand einer Windkraftanlage zu einem Wohngebiet existiert. Jeder Landkreis und jede Gemeinde erlässt ihre eigenen Abstandsvorschriften. Diese liegen meist bei der 1,1- bis 2,5-Fachen Distanz der Anlagengesamthöhe zur Grundstücksgrenze eines Wohngebäudes. Die meisten Behörden schreiben den 1,5-fachen Wert der Höhe vor. Demnach müsse eine 150 Meter hohe Anlage mindestens 225 Meter von der Grundstücksgrenze entfernt sein.
Aus dem Arbeitspapier geht indes nicht hervor, wie nah die Distanzen im kürzesten Quartil waren. Darüber hinaus lassen die Daten weder Rückschlüsse auf die Lage der Haushalte innerhalb der Postleitzahlenbereiche zu, noch über die tatsächlichen Abstände von Wohngebäuden und Windkraftanlagen.

Ein Windrad in der Nähe eines Wohngebäudes in Texas am 28. Juni im US-Bundesstaat Texas.

Foto: Brandon Bell/Getty Images

Vergleichbar mit Deutschland?

Auch in Deutschland gibt es keine bundeseinheitliche pauschale Mindestabstandsregel. Relevant ist hierzulande der Immissionsschutz oder Schallschutz durch die TA Lärm und das Bundes-Immissionsschutzgesetz. Diese führen typischerweise zu Mindestabständen von 600 bis 1.000 Metern zu Wohngebieten, mehr als in den USA.
Entscheidend ist zudem die Windraddichte der beiden Länder. Zwar stehen in den USA mit rund 77.400 Windräder an Land aktuell rund 2,6 Mal mehr Windturbinen als in der Bundesrepublik. Dafür verfügen die Vereinigten Staaten über rund 30 Mal mehr Landesfläche.
Dementsprechend liegt die Windraddichte in Deutschland bei 82 Anlagen pro 1.000 Quadratkilometer (km²), während auf der gleichen Fläche in den USA nur 8,5 Anlagen stehen. Sprich: Die Bundesrepublik hat auf der gleichen Fläche fast zehnmal mehr Windräder als die Vereinigten Staaten. Somit ist es in Übersee viel einfacher, geeignete Flächen zu finden, die weit genug von Wohngebieten entfernt liegen. Auch die Einwohnerzahl pro km² ist in den USA mit rund 38 deutlich geringer als in Deutschland mit rund 235.
Auf die Entwicklung der Anlagenhöhe wies die Fachärztin Dr. med. Ursula Bellut-Staeck hin. Ihrer Aussage nach seien „die Windkraftturbinen vor zehn Jahren nicht mit den deutschen Großwindanlagen heutiger Zeit zu vergleichen“. Seit 2011 sind Rotordurchmesser und Anlagenhöhe deutlich gestiegen. Auch nach 2023 sind Windräder zu immer größeren Höhen angewachsen, was mindestens die Beeinträchtigung der Lebensqualität der Anwohner weiter erhöht.
Weiter sagte Bellut-Staeck: „Es gilt auch immer zu bedenken, dass aufgrund des Nichtwissens sowohl zum Schalldruckpegel in dB(A), als auch der extraaurikulären [Anm. d. Red.: außerhalb des Gelenks] Wahrnehmung, sowohl der Infraschall nicht adäquat beurteilt werden kann, als auch seine Auswirkungen auf der zellulären Ebene.“ In diesem Zusammenhang warnt die Fachärztin besonders vor großen Windkraftanlagen mit mehr als 7 Megawatt Nennleistung.

Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen?

Ein Kritiker der Forschungsarbeit ist auch Theologe und Mitglied der Bürgerinitiative „Kein Windpark in den Westlichen Wäldern“ Mario Weidele. Gegenüber Epoch Times sagte er: „Erkenntnis der Studie: Infraschall macht nicht krank – wohlgemerkt: in Amerika. Mit diesem Hauptgedanken der Pressemitteilung hat sich in Deutschland eine katastrophale Außenwirkung breit gemacht.“
Er warnte davor, dass mit der Verbreitung der Ergebnisse aus den USA in Deutschland die Assoziation entstehe, dass der Ausbau der Windkraft in Deutschland bedenkenlos weitergehen könne. Eine Beschwerde der BI zur Pressemitteilung der Uni Augsburg beim bayerischen Wissenschaftsministerium wurde abgelehnt. Argument sei gewesen, dass es an der Wissenschaftlichkeit nichts auszusetzen gebe.
„Kein Wort zur Pragmatik, zur Platzierung einer ‚veralteten‘ amerikanischen Studie in den Kontext der gegenwärtigen Windkraftdiskussion in Deutschland“, beklagte Weidele. „Die Pressemitteilung vereinfacht den Diskurs auf zwielichtige Weise, denn jetzt werden Äpfel mit Birnen verglichen.“

Immer mehr installierte Windkraftleistung

Somit ist festzuhalten, dass das Forschungsergebnis wohl für die Situation in den USA Richtigkeit besitzt – zumindest für den Zeitraum von 2011 bis 2023. Die Übertragbarkeit auf Deutschland bleibt offen.
Im Zuge der Energiewende und dem fortwährenden Boom der „erneuerbaren“ Energien steigt die Anzahl der Windkraftanlagen und die installierte Windkraftleistung von Jahr zu Jahr. Lag die gesamte installierte Windleistung in den USA 2011 noch bei 46,9 Gigawatt (GW), sind es nun schon 159,7 GW (Stand: Ende 2025). Nur wenige GW davon stammen von Anlagen auf See, bis 2027 sollen das insgesamt 6 GW sein.
Windräder

Windkraftanlagen erzeugen am 14. August 2022 im US-Bundesstaat Wyoming Strom. Aufgrund der großen Landflächen stören sich viele Menschen nicht an den Turbinen.

Foto: Patrick Fallon/AFP via Getty Images

Deutschland verfügt hingegen heute über eine gesamte installierte Windleistung von 81,5 GW, also rund die Hälfte wie die viel größeren Vereinigten Staaten. Davon befinden sich 70,5 GW an Land.
Aufgrund der Platzknappheit in Deutschland haben viele Anwohner nahe Windkraftanlagen Beschwerden geäußert. In Sachsen hat ein Investor erst kürzlich eine Anlage deswegen wieder abgebaut.

Uni verweist auf andere Studie für Deutschland

Angesichts der genannten Unterschiede hat auch die Uni Augsburg gegenüber Epoch Times darauf hingewiesen, dass die Untersuchung ausschließlich auf US-Daten basiert. Sie habe „durchschnittliche Gesundheitseffekte auf Bevölkerungsebene untersucht und keine Evidenz für moderate bis große gesundheitliche Auswirkungen bei typischen Expositionsdistanzen“ gefunden.
Um mehr Klarheit zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Windrädern in Deutschland zu gewähren, verwies die Uni auf eine andere Studie. Diese trägt den Titel „Windkraftanlagennähe und gesundheitsbezogene Lebensqualität in Deutschland 2002 bis 2022“ und erschien im Juni 2026 bei der Fachzeitschrift „Nature Scientific Reports“.
Wie am Titel zu erkennen ist, wurden auch hier die Auswirkungen von meist älteren und kleineren Windrädern mit mindestens 50 Meter Nabenhöhe untersucht. Die Abstände zu Wohngebieten sind in der Studie mit 1,5 km bis 6 km angegeben, also auch eher größere Entfernungen.
Das Fazit dieser Deutschland-Studie lautet auch hier: Die Autoren „finden […] während des beobachteten Vorher-Nachher-Zeitraums keine Hinweise auf negative Veränderungen der durchschnittlichen gesundheitsbezogenen Lebensqualität im Zusammenhang mit dem Vorhandensein einer Turbine im Umkreis von 6 km“.
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„Korallen mögen es heiß“: Great Barrier Reef bei bester Gesundheit


In Kürze:

  • Das Australische Institut für Meereswissenschaften hat einen neuen Bericht zum Zustand des Great Barrier Reef veröffentlicht.
  • Es ist die Rede von Anzeichen einer Erholung nach vorheriger Massenkorallenbleiche.
  • Riffforscher Prof. Peter Ridd hält das für eine Untertreibung und sieht das Great Barrier Reef in bestem Zustand.
  • Er erklärt den natürlichen Zyklus des Riffs und dass Korallen überhaupt kein Problem mit wärmerem Wasser haben.

 
Das berühmte Great Barrier Reef an der australischen Nordostküste gilt als Naturwunder. „Es ist so groß wie Italien und liegt weit entfernt von einer sehr dünn besiedelten Küste“, teilte Peter Ridd der Epoch Times mit. Er ist Physiker, Riffforscher, Autor und ehemaliger Professor der James Cook Universität in Australien.
Der Druck durch Tourismus ist an weiten Teilen des Riffs verschwindend gering und es liegt vollständig in einem Nationalpark. Laut Ridd ist das Riff das „wohl unberührteste Gebiet der Erde“.
Das Great Barrier Reef liegt im Nordosten Australiens.

Das Great Barrier Reef liegt im Nordosten Australiens, besteht aus Tausenden einzelnen Riffen und erstreckt sich über eine Länge, so groß wie Kalifornien oder Italien.

Foto: ts/Epoch Times nach Reto Stöckl / NASA Goddard Space Flight Center, gemeinfrei, demis.nl, gemeinfrei

„Anzeichen einer Erholung“ untertrieben?

Kürzlich veröffentlichte das Australische Institut für Meereswissenschaften einen neuen Bericht zum Zustand des Riffs. Darin ist die Rede von vielversprechenden Anzeichen einer Erholung nach einer Massenkorallenbleiche im Jahr 2024.
Allgemein wird gesagt, dass der Klimawandel die größte Bedrohung für das Great Barrier Reef darstellt. Steigende Meerestemperaturen würden immer häufiger zu massiven Korallenbleichen führen. Dabei stoßen die Korallen lebenswichtige Algen ab, wodurch sie absterben.
Die Wirklichkeit sieht etwas anders aus: Bei zu warmem Wasser tauschen die Korallen die in ihnen lebenden bunten Algen aus, die sie zum Überleben benötigen. Als Folge verlieren die Korallen – über kurz oder lang – ihre Farbe, daher der Begriff Korallenbleiche. Eine bleiche Koralle stirbt also nicht zwangsläufig, mitunter wechselt sie nur ihre Untermieter.
Laut dem australischen Institut unterliegt das Riff somit Zyklen von Schädigung und Erholung. Diese drohen die farbenprächtigen Korallengärten in von Algen dominierte Meereslandschaften zu verwandeln – und dann wieder zurück. Die Forscher geben jedoch an, dass diese Zyklen immer unbeständiger werden, je mehr sich unsere Welt erwärmt.
Ridd hingegen betrachtet die Rede von „Anzeichen einer Erholung“ als untertrieben. Er teilte mit:
„Das Riff erfreut sich bester Gesundheit – in den vergangenen sechs Jahren gab es mehr Korallen als in jedem der vorangegangenen 35 Jahre. Das ist ein unglaublich gutes ‚Anzeichen‘.“

Bleichen doch nicht tödlich für Korallen?

Dabei wies Ridd auf die Warmwasser-Bleichereignisse in den Jahren 2016, 2017, 2020, 2022, 2024 und 2025 hin. Diese hätten das Great Barrier Reef eigentlich „verwüsten“ müssen. Letztlich weist es jedoch laut dem Physiker „einen Rekordbestand an Korallen auf“.
„Das bedeutet, dass bei diesen Bleichereignissen nicht viele Korallen abgestorben sein können“, so Ridd. „Selbst die am schnellsten wachsenden Korallen benötigen mindestens 5 bis 10 Jahre, um nachzuwachsen.“ Demnach dürfte es jetzt nur noch wenige Korallen dort geben. „Stattdessen verzeichnen wir Rekordmengen.“

Der Australier Prof. Peter Ridd stellt die Lage des Great Barrier Reef vor.

Foto: Bildschirmfoto Reef Rebels/YouTube

Beim Blick auf die neuesten Entwicklungen des Riffs fällt auf, dass beim nördlichen und mittleren Teil des Riffs die Korallenbedeckung zugenommen hat. Sie befindet sich auf hohem Niveau. Anders erscheint hingegen die jüngste Entwicklung im südlichen Riff. Hier zeigen die Daten einen weiteren Rückgang der Korallenbedeckung.
Ridd widersprach dem jedoch: „Im Süden ist die Korallenbedeckung nicht weiter zurückgegangen. Sie ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen, nachdem die Korallenbestände viele Jahre lang rapide zugenommen hatten. Das ist typisch für die Funktionsweise des Great Barrier Reef.“

Ein natürlicher Zyklus

Er erklärte, dass das Riff durch tropische Wirbelstürme und Ausbrüche von Dornenkronenseesternen riesige Mengen an Korallen verlieren könnten.
„Beides ist völlig natürlich. Dann erholt es sich wieder. Wiederholt man das eine Million Jahre lang, erhält man das Great Barrier Reef“, so Ridd.
Er teilte mit, dass das Great Barrier Reef aus rund 3.000 einzelnen Riffen besteht. „Jede Region, jeder Sektor durchläuft diese enormen Schwankungen über Zeiträume von Jahren bis Jahrzehnten.“
Aus Sicht von Ridd begründet sich der jüngste Korallenverlust im Süden größtenteils durch Dornenkronenseesterne. „Aber es wird sich wieder erholen“, schätzt der Physiker. Er merkte an, dass bisher keines der 3.000 einzelnen Riffe verloren gegangen seien. „Alle weisen blühende Korallen auf. Keine einzige Art ist ausgestorben.“
„Zyklen von Absterben und Nachwachsen sind für das Great Barrier Reef ganz normal, ergänzte Ridd. „Aber da es in jedem Jahr immer einen Teil des Great Barrier Reef gibt, der Korallen verloren hat, können die Katastrophenpropheten die Welt immer wieder mit einer Untergangsgeschichte täuschen. Sie sind Meister der Meinungsmache.“
Aus seiner Sicht sei es erschütternd, dass viele wissenschaftliche Institutionen weltweit davon überzeugt sind, dass das Riff am Rande des Untergangs steht. Zahlreiche Medien berichten entsprechend.

Steigende Temperaturen eher von Vorteil

Zudem sagte Ridd, dass sich Korallen an gar nichts anpassen müssten. Auch nicht an einen wärmer werdenden Ozean. Er verwies hierbei auf das sogenannte „Korallendreieck“ rund um Indonesien und Papua-Neuguinea. Es ist das Gebiet der Welt mit den am schnellsten wachsenden und artenreichsten Korallen. „Dieses Gebiet wird auch als ‚Indo-Pazifischer Warmpool‘ bezeichnet, da es sich um das Gebiet mit dem wärmsten Ozean der Erde handelt“, schilderte er.
Dieselben Korallenarten würden zu einem großen Teil auch im Great Barrier Reef vorkommen. Somit seien laut Ridd langsam steigende Temperaturen, wie wir sie in den letzten Jahrzehnten beobachtet haben, für das Great Barrier Reef eher von Vorteil als von Nachteil.
Dennoch erwartet Ridd, dass es in einigen Jahren weniger Korallen geben wird. Dies begründet er jedoch damit, dass das Riff aktuell Rekordmengen an Korallen aufweist und mit dem erwähnten natürlichen Zyklus. Nach der Verringerung der Korallen werde sich der Bestand aber erneut erholen.
„Auf lange Sicht wird es dem Great Barrier Reef gut gehen. Die Korallen werden wahrscheinlich etwas schneller wachsen, wenn sich die Welt weiter erwärmt – Korallen mögen es heiß“, teilte der Riffforscher mit.
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Warum Rosmarin so wertvoll für Gesundheit und Küche ist


In Kürze:

  • Rosmarin bringt mediterrane Aromen in die Speisen und das von herzhaft bis süß.
  • Das Küchenkraut ist seit Jahrtausenden auch als Heilkraut bekannt.
  • Rosmarin enthält ätherische Öle, Terpene, Polyphenole, Flavonoide, Bitter- und Gerbstoffe und wirkt antibakteriell, schmerzstillend, entzündungshemmend und antioxidativ.
  • Mit einigen Tipps gelingt die Kultivierung im Topf oder Garten.

 
Rosmarin ist aus unseren Küchen kaum wegzudenken. Die nadelartigen Blätter des Rosmarins schmecken würzig-herb und duften intensiv. Als Gewürz verleiht er sowohl Fleisch- als auch Gemüsegerichten sowie Eintöpfen und Soßen eine mediterrane Note. Besonders gut schmeckt Rosmarin zu Ofenkartoffeln oder -kürbis.
Rosmarin hat jedoch nicht nur als Gewürz eine lange Tradition. Seit Jahrtausenden ist er auch als Heilpflanze bekannt. Die Pflanze bringt Wärme in den Körper und Sonne ins Gemüt. Sein Tee wirkt anregend und stärkend bei Erschöpfung, unterstützt die Verdauung und die Gedächtnisleistung. Ein Vollbad mit Rosmarin fördert die Durchblutung und regt den Kreislauf an. Im antiken Griechenland (rund 1000 v. Chr.) wurde Rosmarin wie Weihrauch verräuchert und galt als Symbol für Liebe und Treue.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendungen

Rosmarin (Salvia rosmarinus) ist in den Mittelmeerländern beheimatet, wo er wild in Küstenregionen und oft an felsigen Hängen wächst. Er fand sich in den Klostergärten des Mittelalters und wird heute weltweit kultiviert. Der mehrjährige Halbstrauch zählt zur Familie der Lippenblütler und kann eine Höhe von bis zu 1,5 bis zwei Metern erreichen – und sehr ausladend werden.
Rosmarin ist immergrün und kann das ganze Jahr über geerntet werden. Von März bis Juni blüht Rosmarin rosa bis blass violett oder weiß und zieht viele Insekten an. Mit zunehmendem Alter verholzen seine unteren Triebe.
Rosmarinblätter enthalten rund 2 Prozent wertvolle ätherische Öle. Den Hauptanteil bilden Cineol (Eucalyptol), Camphor und Alpha-Pinene. Britische Forscher fanden in einer Studie 2012 heraus, dass das Inhalieren von Rosmarinöl mentale Klarheit und Fokussierung fördert.
Des Weiteren befinden sich Diterpene, Polyphenole, Flavonoide, Harze, Bitter- und Gerbstoffe im Rosmarin. Vor allem die Diterpene Carnosol und Carnosinsäure, die zu den am häufigsten vorkommenden sekundären Pflanzenstoffen im Rosmarin gehören, sind für die hohe antioxidative Wirkung der Pflanze verantwortlich.
Traditionell wird Rosmarin wegen seiner entzündungshemmenden, schmerzstillenden und durchblutungsfördernden Wirkung bei rheumatischen Beschwerden, Kopfschmerzen und Migräne verwendet. Für die Anwendung einige Tropfen ätherisches Rosmarinöl mit Mandelöl vermischen und die entsprechenden Bereiche einmassieren.
Wer seine Haarpracht vermehren möchte, massiert diese Ölmischung oder eine starke Teeabkochung in den Haarboden ein. Es fördert die Durchblutung der Kopfhaut und das Haarwachstum. Gleichzeitig ergibt eine Teeabkochung ein sanft glättendes, reinigendes und antioxidatives Gesichtswasser.
Außerdem kommt die Heilpflanze in der Erfahrungsmedizin als Tee bei niedrigem Blutdruck, nervösen Herzstörungen, Appetitlosigkeit, Lebererkrankungen und gestauten Gallenwegen zum Einsatz. Zudem kann Rosmarin bei Angststörungen Linderung bringen.

Rosmarin in der Küche

In der Küche ist Rosmarin ein wahrer Alleskönner. Er passt sowohl zu herzhaften als auch zu süßen Speisen. So ist Rosmarin ein Klassiker zu Lamm, Fisch und Geflügel. Er passt aber genauso gut zu Wildgerichten, Rind oder Schweinebraten.
Ebenso vielfältig lässt sich das Küchenkraut in Gemüsegerichten verwenden. Neben Kartoffeln passt es zu Kürbis, Karotten, Rote Bete, Zucchini oder Tomaten ebenso wie zu Hülsenfrüchten. Egal, ob zu Ofengemüse, in geschmorten Gemüsegerichten oder in Bohneneintöpfen, Rosmarin verleiht den Gerichten eine frische, belebende Note und macht sie gleichzeitig bekömmlicher.
Eine würzige Frische bringt Rosmarin zudem zu Käse wie Ziegenkäse, Feta, Camembert oder Grillkäse. Rosmarin in Olivenöl ergibt ein aromatisches und vielseitig verwendbares Küchenöl. Besonders interessant schmeckt das mediterrane Kraut in Süßspeisen wie Pfirsichkuchen, Zitroneneis, Mürbteigkeksen oder kombiniert mit dunkler Schokolade.
Darüber hinaus eignet sich Rosmarin hervorragend zum Verfeinern von Marmelade, Kompott und Sirup. Dafür beim Einkochen einige Rosmarinzweige mitkochen und vor dem Abfüllen wieder entfernen. Besonders gut harmoniert Rosmarin zum Beispiel mit Heidelbeeren, Brombeeren, Kirschen, Pfirsich oder Birne.
Neben seinem aromatischen Wert wird Rosmarin aufgrund seiner nachgewiesenen antimikrobiellen und antioxidativen Eigenschaften auch als natürlicher Lebensmittelkonservierer erforscht. Daher kann er dazu beitragen, die Qualität und Haltbarkeit von Lebensmitteln zu verbessern.

Tipps für Anbau und Pflege

Rosmarin liebt Wärme, egal ob im Topf auf der Terrasse oder im Beet. Die sonnenliebende Pflanze bevorzugt einen trockenen, durchlässigen und kalkhaltigen Boden, der leicht steinig sein darf. Für die Pflanzung im Topf vermischt man am besten Kräutererde mit reichlich Sand oder Tongranulat. Das Gießwasser sollte vom Topf gut abfließen können, denn Rosmarin verträgt keine Staunässe.
Topfpflanzen sollten zudem zwei- bis dreimal pro Jahr mit einem Kräuterdünger gedüngt werden. Ein Rückschnitt im Frühling um etwa ein Drittel fördert ein buschiges Wachstum.
Rosmarin ist nicht winterhart. Er benötigt daher sowohl im Beet als auch im Topf ausreichend Frostschutz. Im Beet den Wurzelbereich dick mit Laub bedecken und die Blätter mit Reisig so abdecken, dass noch Luft zirkulieren kann.
Bei Topfpflanzen den Topf ohne Übertopf in eine Kiste geben und gut in Stroh einpacken. Die Blätter mit Reisig abdecken. Ein sonniger, geschützter Platz an der Hauswand ist ein idealer Ort zum Überwintern. Wichtig ist, darauf zu achten, dass Rosmarin im Winter nicht austrocknet. Er benötigt zwar weniger aber dennoch alle zwei bis drei Wochen kleine Mengen Wasser. Zwischen den Wassergaben darf die Erde ruhig austrocknen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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NASA-Bilder zeigen Krater von Einschlag von SpaceX-Schrottteil auf dem Mond

Zwei Wochen nach dem Einschlag eines vier Tonnen schweren Schrottteils einer SpaceX-Rakete auf dem Mond hat die NASA neue Aufnahmen von dem dadurch entstandenen Krater veröffentlicht.
Dieser habe einen Durchmesser von etwa 18 Metern und sei knapp knapp drei Meter tief, teilte die US-Raumfahrtbehörde am Dienstag mit. Sie berief sich dabei auf ihre Berechnungen auf Grundlage des Krater-Schattenwurfs.
Die von der NASA veröffentlichten Aufnahmen wurden von der den Mond umkreisenden US-Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) den Angaben zufolge am 11. und 12. August gemacht.
Sie zeigen den Einschlag, der entstand, als die Oberstufe einer Falcon-9-Rakete am 5. August auf die Mondoberfläche traf. Die NASA will in Zukunft eine Weltraumbasis auf dem Mond errichten, Erkenntnisse über mögliche Kollisionen mit Weltraumschrott sind deshalb wichtig.

Falscher Kurs eine „Mischung aus Sonnenaktivität und Schwerkraft“

Eine SpaceX-Trägerrakete Falcon 9 hatte im Januar 2025 zwei Mondlandgeräte ins All befördert. Der Raketenantrieb landete auf der Erde, die oberste Raketenstufe blieb jedoch im All.
Durch „eine Mischung aus Sonnenaktivität und Schwerkraft“ sei das Raketenteil von seinem berechneten Kurs abgekommen, so dass es unbeabsichtigt auf den Mond zusteuerte, hatte die zuständige SpaceX-Direktorin Julianna Scheiman vor dem Aufprall erklärt.

Kollissionen mit dem Mond sind eher selten

Auf dem Mond schlagen zwar regelmäßig Meteoriten ein, Kollisionen mit Raketenteilen oder anderem Weltraumschrott sind aber selten. Schätzungen der Europäischen Weltraumbehörde Esa zufolge befinden sich derzeit mehr als 46.000 Teile Weltraumschrott in der Erdumlaufbahn, die zusammen rund 17.000 Tonnen wiegen.
Die von der NASA nun veröffentlichten Aufnahmen sind nicht die ersten von der Einschlagstelle auf dem Mond: Die südkoreanische Raumfahrtbehörde hatte bereits am 6. August Bilder veröffentlicht. (afp/red)
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Erdbeerwasser und Arsen: Wie man einen vornehmen Teint erhält

Sonnenbrand, Hautkrebs, vorzeitige Hautalterung. Um derartige Schäden zu vermeiden, ist das Auftragen von Sonnencreme für viele Frauen längst zur Routine geworden. Angesichts jahrzehntelanger wissenschaftlicher Forschung sind sie sich der Risiken der UV-Strahlung bewusst und können aus Tausenden Produkten wählen.
Früher war das anders. Den viktorianischen Frauen fehlte diese wissenschaftliche Basis. Dennoch mieden auch sie die Sonne bewusst. Das hatte jedoch weniger mit Gesundheit zu tun. Zu jener Zeit galt helle Haut als Statussymbol. Ein blasser Teint, der nicht von der Arbeit im Freien geprägt war, stand für Eleganz und Muße. Auf der Suche nach diesem Schönheitsideal rüsteten sich die Frauen mit einem ganzen Arsenal gegen die Sonneneinstrahlung. Ihre Pflege umfasste altbewährte Hausmittel, moderne Kosmetika und experimentelle Anwendungen, die von harmlos bis giftig alles umfassten.

Der Teint als Zeichen vornehmer Herkunft

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich Schönheit zunehmend zu einem lukrativen Geschäft entwickelt. In jene Zeit fällt der Beginn des viktorianischen Zeitalters, benannt nach Königin Victoria, die von 1837 bis 1901 regierte.
„Keine Frau war jemals glücklicher als unsere junge Königin, was die Reinheit und zarte Rosigkeit ihres strahlenden Teints angeht“, hieß es damals.
Die Vorliebe für helle Haut spiegelte nicht nur Schönheitsideale wider, sondern stand auch für Klasse, Identität und soziale Hierarchie.
In dem viktorianischen Schönheitsratgeber „Handbook of the Toilette“ von 1841 hieß es: „Ein guter Teint, ganz gleich, ob die Haut hell oder braun ist, lässt sich weder mit körperlicher oder geistiger Arbeit noch mit einem Übermaß an Vergnügungen und Ausschweifungen vereinbaren.“
Zeitungen, Frauenzeitschriften und Werbeanzeigen versprachen seitenweise eine glattere Haut, weniger Sommersprossen und ein gepflegteres Aussehen. Porträtmaler und Modedesigner trugen dazu bei, dieses Idealbild zu festigen: In ihren Bildern und Modeentwürfen erschienen Frauen mit blassen, glatten Gesichtern. Ein krasser Gegensatz zu den Frauen, deren Aussehen durch die Arbeit im Freien deutlich geprägt war.
Die viktorianische Kleidung war in erster Linie von Sittsamkeit und Traditionsbewusstsein geprägt, schränkte aber auch die Sonneneinstrahlung ein. Im Sommer trugen Frauen lange Ärmel, hohe Kragen, bodenlange Röcke, Handschuhe sowie Kopfbedeckungen mit breiter Krempe. Sonnenschirme, oft mit Seide bezogen, schützten vor direkter Sonneneinstrahlung.

Modestich, 1880, veröffentlicht in der Modezeitschrift „La Saison“, Nr. 666.

Das Arsenal einer Frau

Über die Kleidung hinaus griffen modebewusste Frauen auf eine Vielzahl von Mitteln zurück, die einen glatten, ebenmäßigen Teint bewahren sollten. Einige Rezepte beruhten auf Wissen, das über Generationen hinweg weitergegeben wurde, während andere in kommerziellen Schönheitsratgebern erschienen oder als Markenprodukte verkauft wurden.
Verschiedene Schönheitsratgeber widmeten sich ausführlich der Behandlung von Sommersprossen, Rötungen und ungleichmäßiger Pigmentierung. Unter den Rezepten fanden sich Buttermilchkompressen, Gurkenlotionen, Zitronencremes und Blütenwasserextrakte.
Zu den sanftesten Behandlungen gegen Sommersprossen im 19. Jahrhundert gehörte Erdbeerwasser. Es wurde in der Regel bei einem Parfümeur oder Apotheker gekauft, wo es neben Rosenwasser, Orangenblütenwasser und anderen destillierten Kosmetikwässern für den Schminktisch angeboten wurde.

Eine farbige Illustration zu „Glycerin- und Gurkencreme“ aus der Ephemera-Sammlung der 1890er-Jahre. Wellcome Library, London. Foto: Wellcome Images/CC-BY-4.0

Eines der beliebtesten Hautpflegeprodukte jener Zeit war die „Cold Cream“. Hergestellt aus Ölen, Wachsen und Rosenwasser, versorgte sie die Haut mit Feuchtigkeit und bildete gleichzeitig einen Schutz vor Wind und Wetter. Ein typisches Rezept aus dem 19. Jahrhundert kombinierte Wachse, Süßmandelöl und Rosenwasser, die miteinander verschmolzen und zu einer glatten Creme verrührt wurden.
Eine weitere wesentliche Komponente der Schönheitspflege jener Zeit war Gesichtspuder. Ihm wurde nicht nur eine verschönernde Wirkung zugeschrieben. Man ging auch davon aus, dass das Puder nach der Hautreinigung Feuchtigkeit aufnahm und die Haut vor Witterungseinflüssen und den Belastungen des Alltags schützte. Zu den üblichen Rezepturen gehörten Inhaltsstoffe wie Zinkoxid, Talkum, Stärke, Kreide, Iriswurzel und geringe Mengen Parfüm. Einige Rezepturen enthielten zusätzlich antiseptische Substanzen wie Salicylsäure.

Puderdose, 1830–1870, vermutlich hergestellt in Bennington, Vermont. Parian-Porzellan; 10,8 cm × 12,1 cm, Metropolitan Museum of Art, New York City.

In der Literatur wurde davor gewarnt, dass zu viel Puder ein künstliches Aussehen erzeugen könnte. Es wurde Wert darauf gelegt, den sanften, natürlichen „Pfirsichglanz“ zu betonen, der mit gesunder Haut assoziiert wurde. Eine häufige Empfehlung lautete, die Haut vor dem Auftragen von Kosmetika vorzubereiten und diese sodann sparsam und möglichst unauffällig einzusetzen.
Einige beliebte „Pearl“-Puder enthielten Wismutverbindungen, die der Haut ein helleres, strahlendes Aussehen verliehen. Bestimmte Hautcremes, darunter Gourauds „Oriental Cream“ und Hagans „Magnolia Balm“, enthielten zudem Zinkoxid, das in erster Linie zur kosmetischen Aufhellung und Vorbehandlung der Haut und weniger als wissenschaftlich fundierter Sonnenschutz verwendet wurde.

Hagans „Magnolia Balm“ wurde zur Verschönerung des Teints sowie zur Beseitigung von Sommersprossen, Ausschlägen, Sonnenbrand und Bräune verwendet. National Museum of American History, Smithsonian Institution.

Der Preis der Perfektion

Nicht jedes Schönheitsmittel war harmlos. Einige Hautpflegeprodukte enthielten Inhaltsstoffe, die heute als gefährlich eingestuft werden, darunter Blei, Arsen und Quecksilberverbindungen.
Quecksilbersublimat, eine hochgiftige Quecksilberverbindung, tauchte in einigen Schönheitsrezepten als Mittel gegen Sommersprossen und Hautunreinheiten auf. Frauen konnten es in Apotheken und Drogerien erwerben, wo es nicht als Kosmetikprodukt, sondern als Arzneimittel und Haushaltsmittel angeboten wurde.
Ein Rezept für eine Hautlotion aus dem viktorianischen Zeitalter, veröffentlicht in „Beeton’s Dictionary of Practical Recipes and Every-Day Information“ von 1871, empfahl eine Mischung aus 1,5 Gran (knapp 0,1 Gramm) Quecksilberdichlorid und 1 Unze Bittermandelemulsion (28–30 ml). Die Anwendung sollte mit einem weichen Schwamm erfolgen. Zugleich warnte das Rezept ausdrücklich: Quecksilberdichlorid müsse mit Vorsicht verwendet werden, da es sich um ein Gift handle.
Obwohl Rezepte wie diese darauf hinwiesen, dass Quecksilber gefährlich war, erklärten sie nur selten das ganze Ausmaß seiner Gefahren. Eine längere Anwendung konnte zu einer Vielzahl schwerwiegender Gesundheitsprobleme führen, darunter Depressionen, abnormale Schwellungen des Körpergewebes, Nierenschäden und Gedächtnisverlust. Statt vor der Anwendung zu warnen, rieten Schönheitsratgeber den Frauen lediglich, Quecksilberverbindungen vor dem Auftragen mit Rosenwasser, Alkohol oder Mandelemulsionen zu verdünnen.
Trotz bekannter Risiken erfreuten sich diese Rezepte, die einen helleren Teint und eine ebenmäßigere Hautfarbe versprachen, einer großen Beliebtheit.

Dr. Campbells Arsen-Hautpflegeblätter, um 1890. National Museum of American History, Smithsonian Institution.

Der viktorianische Ansatz zur Hautpflege lässt sich weder als grundlegend falsch noch vollkommen ausgereift bezeichnen. Im Fokus der viktorianischen Schönheitskultur stand damals der schlichte Gedanke, das Aussehen zu verbessern. Denn, wie die zeitgenössische Zeitschrift „The Girl’s Own Paper“ schrieb, handelt es sich bei Schönheit niemals um eine „feste Größe“.
Auch heute, mehr als ein Jahrhundert später, entwickeln sich Schönheitsideale immer noch weiter. Trotzdem sind einige viktorianische Schönheitspraktiken bis in die Gegenwart erhalten geblieben. Inhaltsstoffe wie Rosenwasser und Zinkoxid werden nach wie vor in modernen Hautpflege- und Kosmetikprodukten verwendet.
Eine Lehre jedoch, die sich aus diesen historischen Schönheitsrezepten ziehen lässt, liegt auf der Hand: Wenn eine Rezeptur Gift enthält, sollte man sie lieber nicht in seine Hautpflege übernehmen, sondern lediglich als historische Erscheinung betrachten.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Strawberry Water and Arsenic: A Victorian Guide to Staying Pale“ veröffentlicht. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung (sua)