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Mücken fliegen auf Bier und Gesellschaft: Darum stechen sie manche Menschen besonders gern


In Kürze:

  • Mücken orientieren sich bei der Suche nach Menschen an mehreren Signalen gleichzeitig:
  • Kohlendioxid dient als wichtigster Fernhinweis.
  • Körpergeruch und Hautchemie spielen in der Nähe eine zentrale Rolle.
  • Auch Wärme, körperliche Aktivität und Kleidung beeinflussen die Wahrscheinlichkeit von Stichen.
  • Effektive nicht chemische Hilfe gegen Mücken beginnt bei der Wahl von Kleidung und Deo, physikalische Mittel beim Ventilator.

 
Die einen sind mit Mückenstichen übersät, die anderen bleiben verschont. Manche, die sich mit einem Antimückenspray einsprühen, werden verschont, andere scheinen erst dadurch regelrecht zum Mückenmagneten zu werden. Ein System scheinen die Mücken dabei nicht zu haben, oder etwa doch?
Männliche und weibliche Mücken ernähren sich unterschiedlich. Männchen reicht pflanzliche Nahrung. Sie nutzen den zuckerreichen Saft aus Blättern und Blüten. Die Weibchen hingegen benötigen Proteine, damit ihre Eier reifen können. Sie stechen Menschen oder auch andere Lebewesen wie Vögel, um an eiweißreiches Blut zu gelangen.
Doch wonach entscheidet sich, wen sie stechen? Die Forschung zeigt: Mückenstiche sind kein Zufall, sondern das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Signale. Nach dem aktuellen Stand sind mindestens vier Dinge entscheidend: Kohlendioxid, Körpergeruch, Körperwärme und die Art der Kleidung.

Die Atmung lockt sie zuerst an

Seit Jahren forschen Wissenschaftler an den speziellen Faktoren, die manche Menschen anfälliger als andere machen. Manches kann beeinflusst werden, manches nicht. Eine aktuelle Studie zeigt, dass insbesondere das Kohlendioxid der menschlichen Ausatmung eine Rolle spielt. Die Atmung wirkt wie ein Fernsignal, das Mücken bereits aus großer Entfernung wahrnehmen können.
Kohlendioxid, das Menschen durch die Atmung ausatmen, wirkt auf Mückenweibchen anziehend. Das sei „das erste Signal, das ihr Verhalten auslöst“, wenn sie noch Dutzende Meter entfernt sind, sagte der schwedische Wissenschaftler Rickard Ignell der AFP. Sein Forscherteam beschäftigte sich mit Aedes-aegypti-Mücken.
Die Ägyptische Tigermücke oder Gelbfiebermücke ist hauptsächlich tagaktiv und sticht auch in Innenräumen. Doch auch nachts sticht sie in gut beleuchteten Bereichen zu. Sie folgt eng dem Menschen und fliegt in die Häuser hinein.

Geruch: Antimückenseife hilft manchmal nur den Mücken

Im Umkreis von 10 Metern beginnen Mücken laut einer anderen Studie zudem, menschlichen Geruch wahrzunehmen – ein Faktor, der uns Menschen noch viel attraktiver macht. Sie fliegen auf bestimmte chemische Verbindungen wie Carbonsäuren, Milchsäure, Harnsäure oder Ammoniak, die im Schweiß der Menschen vorkommen.
Trifft es also vermehrt diejenigen, die leicht schwitzen? Nicht unbedingt, fanden Forscher der Virginia Tech University im Jahr 2023 heraus. Sie untersuchten die Reaktion von Mücken auf den Körpergeruch von Menschen vor und nach dem Waschen mit verschiedenen Seifen.
Ihr Ergebnis: Manche Seifen mit floralen und fruchtigen Duftstoffen machten Menschen sogar attraktiver für die Plagegeister, obwohl sie Limonen, ein bekanntes Mückenschutzmittel, enthielten.
Die Untersuchungen waren für die Forscher zudem kein Beweis dafür, dass eine bestimmte Seife jeden Menschen automatisch zum „Mückenmagneten“ macht. Der leitende Autor und Neuroethologe Clément Vinauger sagte:
„Was für die Mücke wirklich zählt, ist nicht die am häufigsten vorkommende Chemikalie, sondern vielmehr die spezifischen Assoziationen und Kombinationen von Chemikalien, nicht nur aus der Seife, sondern auch aus unseren persönlichen Körpergerüchen.“
Er empfiehlt: „Ich würde eine Seife mit Kokosduft wählen, wenn ich die Anziehungskraft auf Mücken verringern wollte.“ Dieser Duft wirke eher abschreckend.

Mücken in Holland fliegen auf Bier und Gesellschaft

2025 veröffentlichten Forscher aus den Niederlanden die Ergebnisse der „Mosquito Magnet Trial“-Studie. Dafür bauten Forscher des Radboud University Medical Center auf dem niederländischen Musikfestival Lowlands vom 18. bis 20. August ein Containerlabor auf. Auch sie wollten wissen, warum manche Menschen für Mücken besonders attraktiv sind.
Über 500 Festivalbesucher nahmen teil – und reichlich weibliche Stechmücken der Gattung Anopheles, die Malaria übertragen können. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass Mücken häufiger auf diejenigen flogen, die
  • Bier tranken
  • seltener duschten
  • weniger Sonnenschutz verwendeten
  • ihr Bett mit jemand anderem teilten
Anders gesagt: Wer auf dem Festival nüchtern blieb, die Nacht allein in seinem Zelt verbrachte und regelmäßig duschte, wurde weniger gestochen. Wer morgens auf das Duschen verzichtete, dafür aber Sonnencreme verwendete, wurde ebenfalls seltener gestochen.
Die Vorliebe für Bier indes überraschte. Doch das Fazit der Forscher besagt, dass die Mücken vermutlich nicht auf das Bier selbst reagierten. Sie sehen die Veränderungen im Körpergeruch als Grund. Bei den bei Mücken besonders beliebten Probanden fanden sie zudem viele Streptokokken auf der Haut. Auch diese Bakterien können Gerüche produzieren und den Körpergeruch beeinflussen.

Helle oder dunkle Kleidung? Hauptsache Kontrast

Haben die Mücken Kohlendioxid oder Körpergeruch wahrgenommen, beginnen sie, gezielt nach visuellen Signalen zu suchen. Das besagt unter anderem eine Studie von Wissenschaftlern der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, veröffentlicht 2022 in „Nature Communications“.
Die Forscher widmeten sich wiederum Aedes-aegypti-Mücken und untersuchten über 1 Million Flugbahnen der Stechmücken. Ihnen fiel auf: Erst nachdem die Mücken Kohlendioxid wahrgenommen hatten, reagierten sie deutlich stärker auf bestimmte Farben.
Besonders interessant fanden Mücken dann Schwarz, Rot, Orange und Cyan. Auch die menschliche Haut reflektiert vor allem langwellige und damit rot-orange Anteile des Lichts. Deutlich weniger attraktiv waren die Farben Weiß, Grün, Blau und Violett. Bei älteren Feldstudien aus den 1950er-Jahren landeten Mücken ebenfalls bevorzugt auf schwarzen und roten Stoffen statt auf hellen, wie die Wissenschaftler zitierten.
Zu beachten ist laut den Forschern jedoch, dass dunkle Kleidung Mücken nicht unbedingt deshalb anziehe, weil sie dunkel sei, sondern weil sie einen stärkeren visuellen Kontrast zur Umgebung bilde. Für eine Mücke sei ein schwarzes T-Shirt vor einem hellen Himmel leichter zu erkennen als ein weißes.

Wärme dient nur im Nahbereich zur Orientierung

Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Körperwärme, wie Forscher der Universität von Kalifornien in Santa Barbara nachgewiesen haben. Sie dient Mücken jedoch nur als Nahsignal ab etwa 1 Meter Entfernung.
Hilfreich sind den Mücken dabei temperaturaktive Proteine an ihren Antennen. „Infrarot verdoppelte das Suchverhalten der Mücken“, sagte Nicolas DeBeaubien. Diese Strahlung hilft ihnen besonders in der Dämmerung, wenn unser Körper wärmer als die Umgebung ist.
Menschen mit etwas höherer Körpertemperatur werden öfter gestochen, sofern sie „gut“ riechen, denn reine „Heizkörper“ sind uninteressant. Weibliche Stechmücken fliegen demnach genau auf die Temperaturen, die der menschlichen Haut- und Körpertemperatur entsprechen. Sie können zudem zwischen unterschiedlich warmen Objekten unterscheiden.
Wer Fieber hat, gerade Sport getrieben hat oder aus anderen Gründen eine höhere Hauttemperatur aufweist, kann demnach für Mücken attraktiver sein als andere Menschen. Schwangere wurden laut mehreren Studien häufiger gestochen, was ebenfalls mit einer höheren Körpertemperatur zusammenhängen könnte.

Was tun, um Mückenstiche zu vermeiden?

Die wichtigsten chemischen Stoffe, die Mücken fernhalten, sind seit den 1950er-Jahren Mittel, die DEET, Icaridin, IR3535 und PMD enthalten. Diese sogenannten Repellents verändern den menschlichen Körpergeruch und verhindern damit, dass Mücken Menschen als Ziele erkennen und anfliegen. Citronella, Lavendel und Nelkenöl wirken schwächer und halten weniger lange an.
Die Virginia-Tech-Studie legt nahe, dass manche Seifen und Körperpflegeprodukte Menschen attraktiver für Mücken machen. Vorsicht ist angeraten bei stark blumigen Düften und stark parfümierten Lotionen.
Die wirksamsten nicht chemischen Maßnahmen sind lange, helle Kleidung, dicht gewebte Stoffe und Wind. Mehrere Studien zeigen, dass auch Ventilatoren die Zahl der Mückenkontakte deutlich reduzieren können. Mückennetze an Fenstern und über dem Bett helfen ebenso. Diese physikalischen Maßnahmen sind oft wirksamer als Sprays oder pflanzliche Duftstoffe.
Stehende Gewässer sind hingegen Mückenbrutstätten. Wer sie umgeht und noch dazu seinen Aufenthalt in der Dämmerung reduziert, kann einige Stiche vermeiden. Für Knoblauch, Ultraschallgeräte oder Armbänder ohne Repellents gibt es derzeit keine belastbaren Studien zum zuverlässigen Schutz.

Stechmücken sind wählerisch

Fasst man die wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammen, zeigt sich, dass Mückenstiche kein Zufall sind, sondern durch ein Zusammenspiel verschiedener Signale entstehen.
„Es ist kein Missverständnis – Mücken fühlen sich mehr zu manchen Menschen hingezogen als zu anderen“, fasste Frederic Simard vom französischen Institut für Entwicklungsforschung gegenüber AFP im Mai 2026 zusammen. Der medizinische Entomologe fügte hinzu: „Aber wir sind nicht alle die ganze Zeit Magnete.“
Mücken finden Menschen also hauptsächlich über Kohlendioxid, Körpergeruch und -wärme sowie über visuelle Signale. An diesen Stellen können Schutzmaßnahmen ansetzen. Welche dieser Faktoren im Einzelfall jedoch überwiegen, ist individuell unterschiedlich und noch nicht vollständig verstanden.
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Deutschland ist erstmals seit 2023 Netto-Exporteur von Strom

Deutschland ist erstmals seit Ende 2023 wieder Nettoexporteur von Strom. Im ersten Quartal sanken die Stromimporte um 15,5 Prozent, während die Exporte ins Ausland um gut 20 Prozent stiegen. Unterm Strich stand ein Überschuss von 3,1 Milliarden Kilowattstunden.
Insgesamt wurden im ersten Quartal 126,6 Milliarden Kilowattstunden Strom in Deutschland produziert und ins Stromnetz eingespeist. Dabei stammte über die Hälfte (53,3 Prozent) aus erneuerbaren Energien wie Wind und Solar.
Während die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen um fast 14 Prozent auf 67,5 Milliarden Kilowattstunden stieg, sank die konventionelle Stromerzeugung um knapp zwei Prozent zum Vorjahresquartal auf 59,1 Milliarden Kilowattstunden.

Windkraft legt stark zu

Der Anstieg der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien im ersten Quartal lag vor allem an einer starken Zunahme der Windkraft. Zum Vorjahresquartal stieg die Stromproduktion hier um fast 29 Prozent auf 42,8 Milliarden Kilowattstunden, ihr Anteil am gesamten inländisch produzierten und eingespeisten Strom wuchs auf ein Drittel.
Dagegen schrumpfte die Stromerzeugung aus Photovoltaik zum Vorjahresquartal um 7,4 Prozent auf 10,3 Milliarden Kilowattstunden.

Weniger Strom aus Kohle, mehr aus Erdgas

Bei den konventionellen Energien sank die Stromerzeugung aus Kohle im ersten Quartal um gut fünf Prozent auf 30,5 Milliarden Kilowattstunden.
Damit blieb Strom aus Kohle mit einem Anteil von knapp einem Viertel (24,1 Prozent) an der inländischen Stromerzeugung zweitwichtigster Energieträger. Die Stromproduktion aus Erdgas stieg um 3,2 Prozent.
Größter Abnehmer von Strom aus Deutschland war nach früheren Angaben der Bundesnetzagentur im ersten Quartal Österreich.
Die größten Zuwächse gab es demnach bei den Exporten nach Dänemark und Norwegen. Deutlich weniger Strom wurde hingegen nach Frankreich geliefert.

Erzeugungskosten sinken

Der Ausbau erneuerbarer Energien senkt tendenziell die Erzeugungskosten und Börsenstrompreise. Der durchschnittliche Großhandelspreis lag nach Angaben der Bundesnetzagentur im ersten Quartal bei 102,17 Euro pro Megawattstunde, 8,7 Prozent niedriger als im Vorjahresquartal. Der Rückgang war stärker als in den meisten Nachbarländern.
An Tagen mit zu viel Wind- und Sonnenstrom gibt es immer häufiger phasenweise auch negative Großhandelspreise für Strom.
2025 war das nach Angaben der Münchner Forschungsstelle für Energiewirtschaft in so vielen Stunden wie nie zuvor der Fall. Besonders zu diesen Zeiten lohnt es sich für Nachbarländer, Strom aus Deutschland zu importieren.

Auch negative Verbraucherpreise möglich

Für viele Verbraucher macht sich das bisher allerdings nur begrenzt bemerkbar. Profitieren können vor allem Haushalte mit dynamischen Tarifen, bei denen sich der Strompreis direkt am Markt orientiert – sie können dann beispielsweise ihr Elektroauto kostenlos laden.
Voraussetzung sind intelligente Stromzähler, die aktuelle Verbrauchsdaten übermitteln. Verbraucherschützer sehen solche Tarife kritisch, denn die Preise können etwa stark in die Höhe schießen, wenn in einer sogenannten Dunkelflaute Wind und Sonnenlicht fehlen. Das Risiko trägt der Stromkunde.

EU erlaubt weitere Strompreisentlastung: Reiche braucht Extra-Milliarde

Die Europäische Union ermöglicht der Bundesregierung eine Entlastung beim Strompreis für Unternehmen in diesem Jahr: Es sei dem Wirtschaftsministerium gelungen, eine „Kumulierbarkeit“ von Industriestrompreis und Strompreiskompensation zu ermöglichen, sagte Ministerin Katherina Reiche (CDU) dem „Handelsblatt“.
Der Verhandlungserfolg erfordere zusätzliche Haushaltsmittel von rund einer Milliarde Euro. „Diese müssen wir bereitstellen“, sagte Reiche.
Die Strompreiskompensation entlastet Unternehmen von CO2-Kosten; der Industriestrompreis war neu eingeführt worden. Bislang war eine gleichzeitige Nutzung beider Instrumente ausgeschlossen.
Das wurde nun geändert. Reiche sagte dem „Handelsblatt“, die EU-Kommission sei „unserer Argumentation in diesem Punkt gefolgt, dass dieser Schritt angesichts der enorm hohen Energiepreise durch die aktuelle Krise notwendig ist“. (dpa/(afp/red)