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Tauender Permafrost als CO₂-Senke?


In Kürze:

  • Tauender Permafrost setzt Kohlenstoffdioxid frei, das sich in der Atmosphäre anreichert.
  • Eine neue Studie zeigt, dass die getaute Region durch Gesteinsverwitterung auch als Kohlenstoffsenke fungieren kann.
  • Für das tibetische Hochland errechneten Forscher eine Reduzierung der CO₂-Emissionen von bis über 100 Prozent, wenn Silikat-Minerale vorhanden waren.

 
Hohe Temperaturen und warmes Klima führen dazu, dass Permafrostböden auftauen. Dies setzt bekanntlich große Mengen organischen Kohlenstoffs frei, der in Flüssen zu Kohlendioxid (CO₂) umgewandelt und an die Atmosphäre abgegeben wird. Nun hat ein Geologe der Ludwig-Maximilians-Universität München zusammen mit Kollegen einen Einflussfaktor entdeckt, der diesem Effekt teilweise entgegenwirkt.
Schlüsselpunkt sei die Freisetzung von Mineralen in und unter den tauenden Permafrostböden, was Gesteine verwittern lässt, die den Kohlenstoffkreislauf ihrerseits beeinflussen. Zwar war dieses Zusammenspiel von biologischen und geologischen Prozessen bereits bekannt, doch deren Tragweite bislang unterschätzt.

Permafrost unter der Lupe

Erforscht haben die Wissenschaftler aus Deutschland, China, Großbritannien, USA, Schweden und der Schweiz diesen Effekt, indem sie die CO₂-Bilanz von Fließgewässern gemessen haben. Als Untersuchungsgebiet wählten sie die größte zusammenhängende Permafrost-Landschaft außerhalb der Arktis und Antarktis: das Qinghai-Tibet-Plateau.
Das Forschungsteam kombinierte Messungen von CO₂-Emissionen mit chemischen Analysen in 50 Flüssen im Quellgebiet der größten Flusssysteme Asiens. Insgesamt umfasste das Untersuchungsgebiet eine Fläche von rund 780.000 Quadratkilometern – mehr als die doppelte Fläche Deutschlands – und erstreckt sich über Höhenlagen von 1.650 bis 4.820 Meter über dem Meeresspiegel.
Ein Teil des Untersuchungsgebiets war dabei von durchgängigem Permafrostboden geprägt, während in anderen Teilen der Permafrost nur noch sporadisch vorhanden oder ganz verschwunden ist.
Die Forscher werteten die räumliche Verteilung der gesammelten Daten statistisch aus, um Rückschlüsse darauf zu ziehen, wie sich das Auftauen des Permafrostbodens über Hunderte Jahre hinweg auf die Biogeochemie der Flüsse im tibetischen Hochland auswirkt.

Der Einfluss von chemischer Verwitterung ist signifikant

Die überraschende Erkenntnis: Kohlenstoffflüsse aus chemischer Verwitterung könnten mit fortschreitendem Auftauen des Permafrostbodens zunehmend an Bedeutung gewinnen und möglicherweise sogar die CO₂-Emissionen aus der Umwandlung von organischem Kohlenstoff in Flüssen übersteigen.
„Über die gesamte untersuchte Region werden 35 Prozent der CO₂-Emissionen aus Flüssen durch verwitterungsbedingte Bindung von Kohlenstoff kompensiert“, erklärt Studienleiter Dr. Liwei Zhang von der East China Normal University. „Interessant ist hierbei, dass dieses Verhältnis stark von der Beschaffenheit des Permafrosts abhängt.“
Demnach gleicht die Verwitterung in Gebieten mit durchgängigem Permafrost lediglich 15 Prozent der CO₂-Emissionen aus. Dort, wo Permafrost nur noch sporadisch vorkommt, kann dieser Wert auf mehr als 100 Prozent ansteigen. Das deutet darauf hin, dass mit zunehmendem Auftauen des Permafrosts die Gesteinsverwitterung eine immer wichtigere Rolle spielt.
„Der Einfluss der Gesteinsverwitterung auf den Kohlenstoffkreislauf hängt allerdings auch von der Natur der Minerale ab, die freigesetzt werden“, erklärt Aaron Bufe, Professor für Sedimentologie aus München.
So kann die Verwitterung von Silikaten, die über weite Teile des tibetischen Hochlandes passiert, der Freisetzung von Kohlenstoff aus Permafrostböden entgegenwirken. Die Verwitterung von Schwefelmineralen wie Pyrit hingegen verstärkt die CO₂-Emissionen.

Neuer Fokus für die Forschung

Die geochemischen Muster im Qinghai-Tibet-Plateau werfen laut den Forschern ein neues Licht auf die Rolle des tauenden Permafrosts für das Gleichgewicht zwischen Kohlenstoffquellen und -senken.
Liwei Zhang fasst zusammen: „Die Ergebnisse unseres multidisziplinären Ansatzes zeigen, dass die Gesteinsverwitterung durch den Rückgang des Permafrosts zunehmen und beträchtliche Anteile von CO₂ binden könnte, wodurch anorganische und organische Kohlenstoffkreisläufe auf für den Menschen relevanten Zeitskalen miteinander verknüpft werden.“
Die Forscher plädieren dafür, in zukünftigen Klimaanalysen über den bisherigen Fokus auf biotisch-organische Kohlenstoffprozesse hinauszugehen und das Gleichgewicht aller Mechanismen ganzheitlich zu betrachten, um die Nettoauswirkung des Permafrost-Tauens auf den globalen Kohlenstoffkreislauf besser zu verstehen.
Die Studie erschien am 17. Juni 2026 in der Fachzeitschrift „Nature“.
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Forscher entdecken riesigen Walfriedhof im Indischen Ozean


In Kürze:

  • Forscher haben in der Diamantina-Bruchzone im Indischen Ozean einen riesigen Walfriedhof entdeckt.
  • Schätzungen zufolge liegen in der Tiefe die sterblichen Überreste von über 10 Millionen Meeressäugern.
  • Seit 5,3 Millionen Jahren starben die Tiere hier auf natürliche Weise und schufen damit einen Lebensraum für zahlreiche Tierarten.

 
Am 11. Juni sorgte eine Meldung für Aufsehen: Ein internationales Forscherteam hat im Indischen Ozean einen großen Walfriedhof entdeckt. Seit mindestens 5,3 Millionen Jahren verenden hier jährlich die riesigen Meeressäuger und sinken auf den Grund des Ozeans hinab.
Dass sich beim Tod eines Wals, auch Walfall genannt, eine Art Friedhof bildet, ist hinreichend bekannt. Neu sind jedoch die Tiefe der Fundstelle und die enorme Anzahl an Kadavern unterschiedlicher Walarten.

Walfriedhof mit über 10 Millionen Kadavern

Es ist die weltweit tiefstgelegene und größte bekannte Ansammlung von Walfossilien und aktiven Walfällen, die Wissenschaftler je dokumentiert haben. In einem Bereich von 1.200 Kilometern Länge haben Forscher um Xiaotong Peng im Rahmen von über 30 Tauchgängen gleich fünf aktive Walfälle entdeckt.
Wie tiefere Untersuchungen zeigten, finden hier jedoch schon seit viel längerer Zeit zahlreiche Meeressäuger ihre letzte Ruhestätte. Zu den fünf aktiven Walfällen kommen 476 weitere Fundstellen mit den sterblichen Überresten weit älterer Tiere hinzu. Eine Strontium-Isotopen-Datierung ergab, dass die ersten Wale vor mindestens 5,3 Millionen Jahren starben.

Verbreitung und Häufigkeit von Walfossilien und Walkadavern in der Diamantina-Bruchzone.

Hinzu kommt die überraschende Erkenntnis, dass die Walfossilien in Tiefen zwischen 4.616 und 7.001 Metern liegen. Der Walfriedhof, der sich in der Diamantina-Bruchzone im südöstlichen Indischen Ozean befindet, knackt damit alle bisherigen Rekorde.
Insgesamt liegen dort bis zu 759,5 Wale auf einem Quadratkilometer Meeresgrund „begraben“. Eine Hochrechnung dieser Daten legt nahe, dass die Fundstelle möglicherweise mehr als 10 Millionen Walkadaver umfasst.

Frage nach dem „Wer“ und „Warum“

Zu den identifizierten Fossilien gehören sowohl heute noch existierende Schnabelwalarten wie der Andrew-Schnabelwal (Mesoplodon bowdoini) oder der Layard-Wal (Mesoplodon layardii) als auch ausgestorbene Taxa, darunter eine neu beschriebene Art (Pterocetus diamantinae).
Die hohe Konzentration der Walüberreste wird auf mehrere Faktoren zurückgeführt. So dient die Zone zum einen als Nahrungshabitat für Schnabelwale, von denen einige bei Tieftauchgängen mitunter sterben.
Zum anderen begünstigt die V-förmige Topografie der Zone das Abgleiten der Kadaver auf den Grund des Grabens, während das wenige neu dazukommende Sediment dafür sorgt, dass die Walknochen über lange Zeiträume erhalten bleiben.
Ein Walfriedhof wird zu einem Lebensraum für zahlreiche Lebewesen der Tiefsee

Die verendeten Wale bieten zahlreichen Lebewesen der Tiefsee einen Lebensraum.

Warum sind Walfälle so wichtig?

Einerseits helfen Walfriedhöfe Wissenschaftlern dabei, die Entstehung und Ausbreitung der Meeressäuger und der Ökosysteme, in denen sie leben, zu verstehen. Andererseits spielen Walfälle auch eine wichtige Rolle bei der langfristigen Bindung von Kohlenstoff.
So stellten die Forscher beispielsweise fest, dass mikrobielle Matten die Skelettreste bedecken und damit einen Lebensraum für viele Tierarten bieten. Zu den dort lebenden Arten zählen unter anderem Schlangensterne, Bartwürmer der Gattung Osedax und Muscheln.
Außerdem dienen die Walfälle als große, bisher kaum gemessene Kohlenstoffsenken. Bei einer durchschnittlichen Masse von 2 Tonnen pro Wal berechneten die Forscher, dass die über 10 Millionen Walkadaver im Laufe der Zeit etwa 6,7 Millionen Tonnen Kohlenstoff gebunden haben.
Die Studie erschien am 10. Juni 2026 im Fachmagazin „Nature“.