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Nach deutschem WM-Aus Trost vom Kanzler – Feiertag für Paraguay

Nach dem blamablen WM-Aus hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Trost zugesprochen. „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel!“, schrieb der Kanzler in der Nacht zum Dienstag im Onlinedienst X.
„Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“ Für seine Äußerungen schlug dem Kanzler auch Spott entgegen.

Kritik von Strack-Zimmermann

Zuvor hatte die DFB-Elf im Sechzehntelfinale in Foxborough bei Boston gegen den Außenseiter Paraguay 3:4 nach Elfmeterschießen verloren und damit zum dritten Mal in Folge bei einer Weltmeisterschaft das Achtelfinale verpasst. 2018 in Russland und 2022 in Katar war Deutschland bereits in der Gruppenphase ausgeschieden.
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) verfolgte das Spiel im Flugzeug – auf dem Weg zum „Kontrahenten“ nach Asunción, der Hauptstadt von Paraguay. Dort wollte er an einem Gipfeltreffen der Mercosur-Staaten teilnehmen. „Schade, dass es dieses Jahr nicht geklappt hat mit dem Sommermärchen“, schrieb das Auswärtige Amt nach der Niederlage im Onlinedienst Instagram.
Merz erhielt für seine lobenden Worte für die Nationalmannschaft Kritik: Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann schrieb bei X zu Merz‘ Eintrag, sie wisse gar nicht, was schlimmer sei – „das Spiel oder diese Analyse“.
„Diese Nationalmannschaft spielt, wie diese Bundesregierung regiert: viel Anspruch, wenig Entschlossenheit.“ AfD-Chef Tino Chrupalla schrieb, Merz scheine an die Nationalmannschaft „dieselbe Messlatte anzulegen wie an seine Regierungskoalition“.
Auch in Russland sorgte Merz‘ Beitrag für Häme: Der Kanzler verstehe es wie immer gut, „zum Scheitern zu ermutigen“, schrieb der Wirtschaftsbeauftragte des Kreml, Kirill Dmitrijew, bei X.

Feiertag für Paraguay: „Mit der Seele verteidigt“

Während in Deutschland die Enttäuschung groß war, sorgte der WM-Triumph der Albirroja („Weiß-Rote“ in Anlehnung an die Trikot-Farben) in Paraguay für frenetischen Jubel. Präsident Santiago Peña erklärte den Dienstag zum Feiertag. „Paraguay gibt niemals auf. Feiertag verdammt noch mal“, schrieb der Staatschef im Onlinedienst X.
In Asunción feierten ausgelassene Fans den Sieg über das deutsche Team mit Autokorsos. Paraguay habe „das getan, was es am besten kann: während des gesamten Spiels und auch in der Verlängerung mit der Seele verteidigt“, sagte der Bankangestellte Amado Salomón.
Asunción, Paraguay: Ausgelassene WM-Stimmung - Fans jubeln nach Spiel Deutschland gegen Paraguay .

Asunción, Paraguay: Ausgelassene WM-Stimmung – Fans jubeln nach Spiel Deutschland gegen Paraguay .

Foto: Jorge Saenz/AP/dpa

Der Hotelier Luis Espínola sagte, als Anhänger der Albirroja müsse man bis zur letzten Minute leiden. „Das ist Teil unserer Identität, unserer Art zu konkurrieren und Fußball zu verstehen. Heute hat sich dieses Leiden schließlich in eine ungeheure Freude verwandelt“, sagte er inmitten der jubelnden Anhänger auf den Straßen der Hauptstadt.
Für Paraguay war der Triumph gegen die deutsche Mannschaft erst der zweite K.o.-Sieg bei einer WM. „Wir haben einen viermaligen Weltmeister ausgeschaltet, und Paraguay hat gezeigt, dass man mit Organisation, Opferbereitschaft und einem enormen Teamgeist auch die größten Fußballmächte bezwingen kann“, sagte Espínola. „Es ist eine Nacht, die für immer im Gedächtnis des paraguayischen Volkes bleiben wird.“ (afp/red)
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WM-Auftakt für Deutschland: David gegen Goliath?


In Kürze:

  • WM-Auftakt: Am Sonntagabend, 19:00 Uhr deutscher Zeit, muss sich die DFB-Elf erstmals beweisen.
  • Hoffnung und Erwartung: Immer wenn die deutsche Nationalmannschaft Weltmeister wurde, siegte sie im ersten Spiel.
  • Der Gegner: auf dem Papier Curaçao, auf dem Rasen Niederländer mit Bundesliga-Erfahrung.
  • Die Deutsche Elf: trumpft mit viel Erfahrung und dem schnellsten Tor der Nationalmannschaft.

 
Auftaktspiele sind immer besonders spannend, da sich historisch gesehen dort schon andeutet, ob die eigene Mannschaft eine erhöhte Chance auf den WM-Titel hat oder nicht. Bei allen vier WM-Titeln, die Deutschland 1954, 1974, 1990 und 2014 holte, gewann die Nationalelf im ersten Spiel.
Insgesamt nahm Deutschland 20 Mal an einer Fußball-WM teil. Und 13 Mal siegte sie im ersten Gruppenspiel. Entsprechend hoch sind die Erwartungen auch dieses Mal wieder.

Was von Curaçao zu erwarten ist

Der Gegner Curaçao ist zwar das kleinste „Land“, das sich jemals für eine Fußball-WM qualifiziert hat. Mit 156.000 Einwohnern entspricht die Bevölkerung der von Heidelberg. Aber die Nationalelf der karibischen Insel hat es in sich.
Denn die meisten Spieler sind in den Niederlanden geboren und stehen dort bei namhaften Vereinen in der höchsten Fußballliga „Eredivisie“ unter Vertrag. Insofern trifft die Deutsche Elf auf einen „holländischen“ Gegner auf hohem Niveau.
V.l.n.r: #11 Jeremy Antonisse, #20 Joshua Brenet, #02 Shurandy Sambo, #14 Kenji Gorre, #15 Ar'jany Martha, #16 Jearl Margaritha, #06 Godfried Roemeratoe, #19 Gervane Kastaneer, #04 Roshon van Eijma, #26 Trevor Doornbusch und #03 Jurien Gaari vor dem Länderspiel Curaçao – Aruba Anfang etwa eine Woche knapp zwei Wochen vor ihrem WM-Auftakt.

V.l.n.r: #11 Jeremy Antonisse, #20 Joshua Brenet, #2 Shurandy Sambo, #14 Kenji Gorre, #15 Ar’jany Martha, #16 Jearl Margaritha, #6 Godfried Roemeratoe, #19 Gervane Kastaneer, #4 Roshon van Eijma, #26 Trevor Doornbusch und #3 Jurien Gaari vor dem Länderspiel Curaçao – Aruba, knapp zwei Wochen vor ihrem WM-Auftakt.

Foto: Pong Pong/AFP via Getty Images

Hintergrund: Curaçao ist nur für die FIFA eine eigene „Nation“. Bei der Insel vor der Küste Venezuelas handelt es sich um einen Teil des ehemaligen Kolonialgebiets der Niederlande, die „Niederländischen Antillen“.
Diese wurden im Jahr 2010 aufgelöst, Curaçao erhielt den Status einer „Autonomieregion“ und blieb damit ein niederländisches Überseegebiet. Allerdings wurde die Insel mit ihrem Autonomiestatus nicht Teil der EU, woraus der Anspruch auf eine eigene Teilnahme an der WM abgeleitet wurde.
Außerdem bemerkenswert: Curaçao bestritt die vorangegangene WM-Qualifikation von Nord-, Zentralamerika und der Karibik ohne eine einzige Niederlage und wurde im dortigen Gruppenspiel Erster. Alleine diese Leistung offenbart: geografisch mag Curaçao ein Zwerg sein; in der Fußballwelt aber hat es sich im Jahr 2025 Achtung und Aufmerksamkeit erspielt.

Curaçao mit Ex-Bundesligaprofis

Einige Fußballprofis spielen mittlerweile nicht nur in den Niederlanden, sondern auch in der Türkei, der Schweiz, in den USA – und in Deutschland. Zudem sind vier ehemalige Bundesligaprofis Teil der Mannschaft der WM. Am bekanntesten dürfte der Spieler mit dem deutschen Vornamen sein: Jürgen Locadia.
Er kickte in der Saison 2019/2020 bei TSG Hoffenheim. Derzeit steht der 32-jährige Locadia bei „Miami FC“ unter Vertrag. Mit bisher 132 Toren, die der Stürmer Locadia im Laufe seiner Karriere erzielt hat, dürfte er auch im Spiel gegen die deutsche Elf eine Schlüsselposition einnehmen.
Mit Tahith Chong tritt ein weiterer Bundesligabekannter an. Er spielte in der Saison 2020/21 für Werder Bremen und stand dort mit im DFB-Pokal-Halbfinale. Der Offensivmann Chong steht derzeit bei Sheffield United unter Vertrag.
Während der Qualifikationsrunde der Nationalmannschaft von Curaçao für die Fußball-WM hatte Chong mit zwei Toren in einem entscheidenden Spiel gegen Jamaika maßgeblichen Anteil am Weiterkommen des Inselstaates.
Die anderen beiden Spieler der Bundesliga sind die beiden Abwehrspieler Riechedly Bazoer, ehemals VfL Wolfsburg, und Joshua Brenet, der wiederum für die TSG Hoffenheim spielte.
 
Ohne Bundesliga-Erfahrung, aber als herausragend in der Verteidigung gilt zudem der 1,85 Meter große Armando Obispo von der PSV Eindhoven. Seine Stärke: Kopfbälle. Sie dürften den deutschen Stürmern Kopfzerbrechen bereiten. Obispo gehörte in früheren Jahren der niederländischen Nachwuchsnationalmannschaft an, entschloss sich dann aber, für Curaçao in der Nationalelf zu spielen.

Trainer mit viel Erfahrung und einer klaren Strategie

Mit dem 78-jährigen Niederländer Dick Advocaat hat Curaçaos Nationalelf eine Trainerlegende für sich gewonnen – und erreicht einen weiteren Superlativ: Dick Advocaat ist der älteste Trainer einer Nationalmannschaft bei einer Fußball-WM.
Advocaat trainierte bereits die niederländische und die belgische Nationalmannschaft. In Deutschland ist der Niederländer auch in der Bundesliga bekannt. In der Saison 2004/2005 trainierte er Borussia Mönchengladbach.
 
In seiner Rolle als Chef-Coach für Curaçao fiel bisher auf, dass er die Insel-Mannschaft vor allem auf Verteidigung ausrichtet und eher Spieler für die Defensive als für den Sturm aufstellt. Wie die Qualifikationsrunde gezeigt hat, setzt der niederländische Coach mit seiner Mannschaft darauf, den Gegner vor dem eigenen Tor zu entnerven und dann mit einem schnellen Konterspiel über die Außenflügel ein Tor zu erzielen.
Advocaat wird in den Medien mit den Worten zitiert:
„Wir wollen es jedem Gegner so schwer wie möglich machen. Und wir sind sicherlich nicht chancenlos.“
Und weiter: „Wir wollen uns so teuer wie möglich verkaufen. Jeder kann überraschen.“

Die Deutsche Nationalelf: Alte Hasen auf dem Rasen

Die deutschen Kicker sind bekannt für ihr diszipliniertes Spiel. Mit dem erfahrenen 40-jährigen Torwart Manuel Neuer hat die Nationalelf nicht nur einen Weltmeister im Nationalteam, sondern einen extrem erfahrenen dazu. Der Mann mit der Nummer 1 absolvierte bereits über 120 Spiele für die deutsche Nationalmannschaft.
Ewig in Erinnerung bleibt sein Einsatz bei der WM 2014 in Brasilien. Im Finale glänzte er gegen Argentinien durch seine spektakuläre Strafraumbeherrschung sowie durch angstfrei-riskante Aktionen. Berühmt wurde eine Szene, in der der argentinische Superstar Lionel Messi plötzlich völlig frei vor Neuer auftauchte. Der deutsche Torhüter baute sich extrem groß auf und verleitete Messi so dazu, am Tor vorbeizuschießen.
Bleibt für die Nationalelf zu hoffen, dass Neuer dieses Jahr an seine damalige Form anschließen kann. Dafür, dass der „letzte Mann“ nicht zu häufig gefordert wird, sollen die Defensivspieler Joshua Kimmich, Jonathan Tah (FC Bayern München) und Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund) sorgen.

26 Spieler bilden die Deutsche Nationalmannschaft.

Foto: Epoch Times mit Material von Getty Images

Der aus Baden-Württemberg stammende 31-jährige Kimmich führt die Mannschaft als Kapitän. Seine klassische Rolle ist die Raumbeherrschung des Mittelfelds sowie in der Defensive rechts außen. Seit mehr als zehn Jahren ist Kimmich Stammspieler beim FC Bayern München und mit über 100 Spielen für die Nationalmannschaft ebenfalls einer der alten Hasen auf dem Rasen.

Das schnellste Tor des deutschen Fußballs

Für den Sturm hat Bundestrainer Julian Nagelsmann vor allem vier international erfahrene Spieler mit in die USA genommen: Kai Havertz, der derzeit bei dem Londoner Verein FC Arsenal kickt, und Nick Woltemate, der ebenfalls in England bei Newcastle United spielt. Hinzu kommen die beiden Bundesligaspieler Deniz Undav vom VfB Stuttgart und Maximilian Beier von Borussia Dortmund.
Unterstützung für den Sturm sollen die Asse des Teams bringen, die Offensiv-Mittelfeldspieler und „Flügelstürmer“ wie Jamal Musiala vom FC Bayern München, Florian Wirtz, derzeit beim FC Liverpool, zuvor Bayer Leverkusen, und Leroy Sané der bei Galatasaray Istanbul unter Vertrag steht.
Musiala hat für seinen Stammverein bereits 70 Tore und für die Nationalmannschaft 7 Tore erzielt. Florian Wirtz kommt trotz seiner Mittelfeldposition auf 35 Tore, davon 9 für die deutsche Nationalelf. Spektakulär wurde sein Treffer im März 2024, als er nach nur 7,92 Sekunden gegen Frankreich traf und damit den Rekord aufstellte, das schnellste Länderspieltor der deutschen Fußballgeschichte erzielt zu haben.
Leroy Sané hat bisher als Profifußballer mehr als 150 Tore erzielt. Für Deutschland war er 76 Mal im Einsatz und schoss 26 Tore. Seine Fußballkarriere begann er 2015 bei Schalke 04.

DFB dämpft Euphorie

„Bei aller Euphorie, die mit einem Sieg gegen Curaçao einhergeht: Mal so eben hergespielt wird keine Mannschaft bei der WM. Das muss man mal deutlich sagen“, sagte der Chef des Deutschen Fußballbundes, Andreas Rettig
Zwar sei er davon überzeugt, dass die Mannschaft ihr Auftaktspiel gewinnen werde. Aber Rettig warnte davor, schon jetzt einen Spielstand von 5:0 für Deutschland zu prognostizieren.
Bei derart großer DFB-Anti-Euphorie bietet sich die Gelegenheit an, an den legendären Bundestrainer Sepp Herberger zu erinnern, der die deutsche Nationalmannschaft 1954 zum sensationellen WM-Triumph in Bern geführt hatte. Von ihm sind jene tiefgründigen Aussagen überliefert, die auch allen, die keine Fußballkenner sind, erklären, wie man gewinnt:
„Elf Freunde müsst ihr sein.“
und
„Das Runde muss in das Eckige.“
Bezüglich Letzterem bleibt zu ergänzen: am besten öfter ins gegnerische als ins eigene. In diesem Sinne wünschen wir der Deutschen Nationalmannschaft viel Erfolg.
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Drohung mit Angriffen auf WM: Iran-nahe Gruppe will FBI-Drohnen gehackt haben

Eine Iran-nahe Hackergruppe reklamiert für sich, Drohnen-Daten der US-Bundespolizei FBI erlangt zu haben, die sie für Angriffe auf die Fußball-Weltmeisterschaft nutzen könnte.
Die auf die Beobachtung islamistischer Plattformen spezialisierte US-Firma Site veröffentlichte am Freitag eine Erklärung der Gruppe Handala. Darin führen die Hacker an, sie hätten schon „seit Monaten“ Zugriff auf „jedes Bild und jeden Verdächtigen“, die von den sogenannten FPV-Drohnen des FBI erfasst worden seien.
Laut Handala stammen die Daten der Drohnen unter anderem aus Gesichtserkennungssoftware und der Erfassung von Kfz-Kennzeichen. „Erhöht besser Eure Sicherheit für die WM, wir mögen manche dieser Teams überhaupt nicht“, wurde die Handala-Erklärung zitiert. „FPVs sind überall; Ihr könnt nie wissen, wann eine davon vielleicht in Eurem Mannschaftsbus landet“.
FPV steht für „First Person View“. Diese Drohnen sind mit einer Bordkamera ausgestattet, die Live-Bilder an den Piloten am Boden streamt. Dieser kann damit die Drohne aus der Perspektive der Kamera steuern – so als ob er sich selbst in der Drohne befände. Dies erhöht die Präzision beim Auskundschaften von Zielen wie auch von Angriffen.
Das FBI setzt Drohnen rund um die WM-Stadien ein, um diese gegen das Eindringen unbefugter Fluggeräte zu schützen. Das  Mammutturnier mit Mannschaften aus 48 Ländern, das in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen wird, hatte am Donnerstag begonnen.
Handala verbreitete auch Bilder, die von den angeblich gehackten Drohnen stammen sollen. Site bestritt jedoch, dass die Aufnahmen tatsächlich von dort stammen. So wurde der Firma zufolge eines der von Handala gezeigten Videos von einer Softwareplattform im Dezember 2024 produziert, um eine Technologie der US-Polizei zur Kontrolle von Tornado-Schäden zu illustrieren.
Handala hatte im März bereits Cyberangriffe auf die US-Unternehmen Stryker und Verifone für sich beansprucht. Die Gruppierung bezeichnete dies als Vergeltung für den Angriff vom 28. Februar auf eine Grundschule im Iran zu Beginn des US-israelischen Krieges gegen das Land. Dabei waren nach nicht überprüfbaren Angaben des Iran mehr als 175 Menschen getötet worden.
Auch reklamierte Handala im März für sich, das private E-Mail-Konto von FBI-Chef Kash Patel gehackt haben. Auf von der Gruppe verbreiteten privaten Fotos war Patel unter anderem mit Zigarren zu sehen. Das US-Außenministerium hat eine Belohnung von bis zu zehn Millionen Dollar (8,6 Millionen Euro) für Hinweise zur Ergreifung von Handala-Mitgliedern ausgesetzt.(afp/red)
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Toulouse verhängt Ausgangssperre für Jugendliche bei manchen WM-Spielen

Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren dürfen während mehrerer WM-Spiele in der südfranzösischen Stadt Toulouse nicht ohne Begleitung eines Erwachsenen das Haus verlassen. Grund dafür sei das Risiko von Ausschreitungen, erklärte der Mitte-Rechts-Bürgermeister Jean-Luc Moudenc am Donnerstag, 11. Juni.

Toulouse verhängt Ausgangssperre bei WM-Spielen

Er verwies auf die Unruhen nach dem Champions-League-Sieg von Paris Saint-Germain am 30. Mai. Die Ausgangssperre gilt zwischen 22.00 und 5.00 Uhr und betrifft nur WM-Spiele, bei denen Frankreich, Tunesien oder Marokko mitspielen.
Diese Maßnahme solle die Minderjährigen und zugleich die Einwohner der Stadt schützen, betonte der Bürgermeister mit Blick auf den Anstieg von Jugendkriminalität in der viertgrößten Stadt Frankreichs.
Der Bürgermeister der zentralfranzösischen Stadt Clermont-Ferrand hatte zuvor eine ähnliche Ausgangssperre für bestimmte WM-Spiele verhängt. Frankreich spielt am Dienstag zuerst gegen Senegal.

900 Festnahmen und zwei Tote nach PSG-Feiern

Bei Ausschreitungen am Rande der Feiern zum Champions-League-Sieg von Paris Saint-Germain waren knapp 900 Menschen festgenommen worden. Zwei Menschen, die in die Seine stürzten, kamen ums Leben.
Ein Motorradfahrer verunglückte tödlich, als er in eine Straßensperre aus Betonblöcken fuhr. Etwa 180 Menschen wurden verletzt, viele von ihnen durch Feuerwerkskörper.  (afp/red)
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WM-Fanmeile als Streitpunkt: Tränengas gegen Lehrerprotest in Mexiko

Zehn Tage vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft ist die Polizei in Mexiko mit Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen.
Der gewaltsame Einsatz erfolgte laut AFP-Korrespondenten am 1. Juni bei Protesten von Lehrern, die in der Hauptstadt Mexiko-Stadt eine bessere Bezahlung forderten. Die Demonstranten schossen daraufhin Feuerwerkskörper auf die Einsatzkräfte ab.

Lehrer nehmen am 1. Juni 2026 in Mexiko-Stadt an einer Protestkundgebung im Vorfeld der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 teil.

Foto: Alfredo Estrella/AFP via Getty Images

Mit dem Tränengas-Einsatz sollte offenbar verhindert werden, dass die Demonstranten zum zentralen Zócalo-Platz vordringen, wo während der WM ein großes Fan-Fest geplant ist. Die Aufbauten für die in unmittelbarer Nähe zum Regierungspalast gelegenen Fan-Zone mit riesiger Leinwand sind seit Tagen im Gange.
Bei der Demonstration am Montag durchbrachen einige Lehrer die Metall-Absperrung um den Platz. Daraufhin setzte die Polizei Tränengas ein.
„Diese Veranstaltung muss abgesagt werden“, forderte der Gewerkschaftsvertreter Filiberto Frausto mit Blick auf das Fan-Fest. „Unser Anliegen sollte viel wichtiger sein als ein bisschen Ablenkung und Spaß.“
Die Fußball-WM findet in diesem Jahr in den USA, Mexiko und Kanada statt. Das Auftaktspiel steigt am 11. Juni in Mexiko-Stadt, dabei stehen sich die einheimische Nationalmannschaft und Südafrika gegenüber. (afp/red)
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Die Gesichter, die zur WM bleiben sollen

Für viele deutsche Fußballfans dürfte Guadalajara zunächst nur ein Name im WM-Spielplan sein. Mexikos zweitgrößte Stadt liegt im westlichen Bundesstaat Jalisco. Sie ist bekannt für Mariachi-Musik, Tequila und Bauwerke aus der Kolonialzeit. Im Sommer 2026 soll das Stadion Estadio Guadalajara vier Spiele der Fußball-WM austragen.

Wer heute durch Teile des Zentrums geht, sieht auch eine andere Seite der Stadt.

Mexikos Krise im Straßenbild

An Säulen, Pollern und Laternen hängen Plakate mit Gesichtern. Einige sind frisch angebracht, andere an den Rändern eingerissen oder von Sonne und Regen ausgeblichen. Sie zeigen Jugendliche, junge Männer und Frauen sowie ältere Menschen. Darunter stehen Name, Alter, letzter bekannter Aufenthaltsort, Kleidung, besondere Merkmale, Kontaktdaten und oft ein QR-Code. Darüber meist ein Wort: „Desaparecido“ oder „Desaparecida“ – auf Deutsch: verschwunden oder vermisst.

Die Plakate verweisen auf eine Krise, die Mexiko seit Jahren prägt. Laut einem Bericht von Amnesty International vom März 2026 betrug die Zahl der Verschwundenen und Vermissten in Mexiko im Dezember 2025 rund 133.500 – ein Anstieg von 10,5 Prozent im Vergleich zu dem vorherigen Jahr. Amnesty verweist zugleich auf Angriffe auf Aktivisten und Angehörige, die nach Vermissten suchten. Im Jahr 2025 wurden laut der Menschenrechtsorganisation sechs von ihnen ermordet.

Im Bundesstaat Jalisco ist diese Krise besonders sichtbar. Die offiziellen Vermisstenregister ändern sich laufend; staatliche und nationale Zahlen decken sich nicht immer. Im Zentrum von Guadalajara braucht es jedoch keine Fahndungsportale, um die Dimension zu ahnen. Dort hängen die Gesichter der Vermissten an vielen Orten.

Warum Menschen verschwinden

Die Gründe, warum Menschen verschwinden, unterscheiden sich von Fall zu Fall. Berichte in lokalen Medien beschreiben Entführungen, Erpressungen, Menschenhandel, Gewalt gegen Frauen, Kartellkonflikte, Zwangsrekrutierung und Verwechslungen. Viele Angehörige beklagen zudem, dass Behörden spät reagieren und Ermittlungen kaum vorankommen.

Besonders deutlich zeigt sich in Jalisco das Problem der Zwangsrekrutierung. Fachleute bezeichnen den Bundesstaat wegen seiner Lage, seiner wirtschaftlichen Bedeutung und der starken Präsenz organisierter Kriminalität als „Epizentrum“ für die Rekrutierung junger Menschen, wie die spanische Nachrichtenagentur EFE im Oktober 2025 berichtete. Alejandra Guillén, eine Wissenschaftlerin an der Universität ITESO, sprach gegenüber EFE von einem „Korridor der Verschwundenen“, der Guadalajara mit anderen Regionen Jaliscos verbinde.

Die Anwerbung wirkt oft harmlos. Lokale Medien berichten über angebliche Jobangebote, WhatsApp-Nachrichten, Kontakte über soziale Medien und Chats in Videospielen, über die Minderjährige und junge Erwachsene erreicht werden. Betroffen sind Jugendliche, Arbeiter, Fahrer oder junge Männer, die auf ein Angebot reagieren, das zunächst wie eine Gelegenheit aussieht, etwas Geld zu verdienen.

Auf einer Farm in El Salto, nahe Guadalajara im mexikanischen Bundesstaat Jalisco, wurden im Mai 2020 Überreste von mindestens 25 Menschen in einem illegalen Massengrab gefunden.

Foto: Ulises Ruiz/AFP über Getty Images

In Jalisco ist  das Cártel Jalisco Nueva Generación beheimatet, eines der mächtigsten kriminellen Netzwerke Mexikos. Nicht jeder Vermisstenfall lässt sich einem Drogenkartell zuordnen. Doch Guadalajara liegt in einem Bundesstaat, in dem kriminelle Gruppen, korrupte und überforderte Behörden eng nebeneinander existieren.

Die US-Drogenbehörde DEA beschreibt das Kartell als Organisation, die neben Drogenhandel auch mit Geldwäsche, Waffenschmuggel, Menschenhandel, Erpressung und anderen illegalen Geschäften verbunden ist.

In solchen Strukturen kann Verschwindenlassen zu einem Mittel der Kontrolle werden. Es schüchtert Familien ein, erschwert Ermittlungen und entzieht Angehörigen einen Ort, an dem sie trauern könnten.

Der Streit um Sichtbarkeit

Die Vermisstenplakate heißen in Mexiko „fichas de búsqueda“ oder „cédulas de búsqueda“. Das mexikanische Protokoll für nationale Fahndungsmeldungen sieht vor, dass solche Anzeigen öffentlich und landesweit über verfügbare Kanäle verbreitet werden.

Doch in Guadalajara erledigen das nicht allein Behörden.

Angehörige und sogenannte Suchkollektive kleben die Plakate selbst. Besonders sichtbar ist „Luz de Esperanza“ („Licht der Hoffnung“), eine Gruppe Angehöriger und Unterstützer vermisster Menschen. Anfang 2023 berichtete „El Informador“, die Stadt Guadalajara habe nach Absprachen mit dem Kollektiv Suchanzeigen in mindestens 14 kommunalen Zahlstellen angebracht — städtischen Büros, in denen Bürger Gebühren und Abgaben bezahlen.

Viele Aktionen bleiben dennoch Sache der Familien. Sie ziehen durch Stadtteile, Parks und Geschäftsstraßen und bringen Hunderte oder Tausende Plakate an. Denn jedes Foto an einer Säule könnte zu einem Hinweis führen. Vor allem sorgt es dafür, dass ein Name sichtbar bleibt, der sonst in einer Akte verschwinden könnte.

Doch der Streit beginnt bei der Frage, wo die Plakate hängen dürfen: an gut sichtbaren Orten, an denen viele Menschen vorbeikommen — oder nur dort, wo sie Behörden und Geschäftsleute sie wenig stören.

Der öffentliche mexikanische Fernsehsender „UDG TV“ berichtete im Juli 2025, dass Luz de Esperanza befürchte, dass Gemeinden vor der Fußball-WM 2026 den Druck auf Familien erhöhen könnten.

Héctor Flores González, Mitgründer des Kollektivs, sagte dem Sender, in Guadalajara und der benachbarten Stadt Tlaquepaque gebe es Widerstand gegen das Anbringen der Suchplakate. Teils werde mit dem Image der Stadt, Geschäftsinteressen oder Tourismus argumentiert.

Im März 2026 berichtete die Rechercheplattform „A dónde van los desaparecidos“, die auf das Thema der Verschwundenen in Mexiko fokussiert ist, Angehörige und Kollektivs hätten eine Gesetzesinitiative in Jalisco kritisiert, die das Anbringen von Vermisstenplakate auf „nicht verbotene öffentliche Räume“ beschränken könnte. Die Familien fürchten, dass eine Regelung zum Schutz der Plakate am Ende dazu genutzt werden könnte, ihre Verbreitung einzuschränken.

Wo ein Plakat hängt, entscheidet auch darüber, wie sichtbar die Krise bleibt. Eine Stadt, die sich auf internationale Gäste vorbereitet, findet einen Umgang damit, dass nicht nur Stadien, historische Plätze und mexikanische Kultur zu ihrem Image gehören, sondern auch die Gesichter der Menschen, die von ihren Familien gesucht werden.

Was hat das mit Deutschland zu tun?

Für Deutschland ist das Thema der Vermissten in Mexiko über die WM hinaus relevant. Der illegale Drogenhandel verbindet Lateinamerika, Nordamerika und europäische Absatzmärkte. Europol und die EU-Drogenagentur schätzten den illegalen Drogenmarkt in der Europäischen Union auf Grundlage von Daten aus dem Jahr 2021 auf über 30 Milliarden Euro. Der Markt gilt als wichtige Einnahmequelle für organisierte Kriminalität.

Deutschland ist Teil dieses Marktes. Das Bundeskriminalamt registrierte 2024 insgesamt 30.996 Kokain-Delikte. Im selben Jahr wurden in Deutschland 24 Tonnen Kokain sichergestellt. Das BKA bezeichnet Kokain als eine der gefährlichsten und zugleich profitabelsten illegalen Drogenarten auf dem deutschen Markt.

Auf dem illegalen Drogenmarkt in Europa werden Gewinne erwirtschaftet, von denen kriminelle Netzwerke leben. Diese Gewinne stärken Strukturen, die in Mexiko nicht nur schmuggeln, sondern auch erpressen, rekrutieren, Gewalt ausüben und Menschen verschwinden lassen.

Wenn 2026 Fans nach Guadalajara reisen, werden viele von ihnen eine Stadt mit Musik, Geschichte, moderner Infrastruktur und Fußballtradition erleben.

An manchen Säulen werden auch Gesichter hängen. Für die Familien sind sie kein Störbild. Sie sind der Versuch, ihre Angehörigen sichtbar zu halten.

Wer die Plakate sieht, sieht auch eine Wirklichkeit, die in keinem WM-Spielplan steht.