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Leuchtkäfer sorgen wieder für märchenhafte Lichter


In Kürze:

  • Leuchtkäfer erzeugen ein märchenhaftes Licht in lauen Sommernächten.
  • Ihre Larven verbringen drei Jahre auf dem Boden, bevor sie sich in die Luft erheben.
  • In dieser Zeit leuchten sie noch nicht, aber halten Schädlinge in Schach: Sie fressen Schnecken – und zwar täglich.
  • Dunkle Gärten ohne Beleuchtung und feuchte Wiesen bieten ihnen ideale Lebensbedingungen und uns die Möglichkeit, sie zu beobachten.

 
Wer hat sie gesehen, die sanft dahinschwebenden Lichter der lauen Sommernächte? Im diesjährigen Juni gab es nach langem Warten davon besonders viele: Leuchtkäfer, die wir von klein an Glühwürmchen nennen.
Es gibt einige Arten davon in Europa. Bei uns verbreitet sind der Große (Lampyris noctiluca) und der Kleine Leuchtkäfer (Lamprohiza splendidula). Die Winzlinge sind total spannende Tierchen – nicht nur, weil sie Licht produzieren.
Glühwürmchen erzeugen Licht aus eine chemischen Reaktion – doch nicht alle Leuchtkäfer leuchten und fliegen.

Glühwürmchen erzeugen Licht aus einer chemischen Reaktion – doch nicht alle Leuchtkäfer leuchten und fliegen.

Foto: Tobias/iStock

Beim Großen Glühwürmchen leuchtet nur das flugunfähige Weibchen, bei den Kleinen auch die fliegenden männlichen Käfer. Das heißt: fliegende Glühwürmchen sind immer männliche Vertreter des Kleinen Leuchtkäfers. Die Lichter sind Signale zum Anlocken von Paarungspartnern und artspezifisch. Auch die Larven und Puppen haben Leuchtorgane, wofür ist nicht bekannt.

Schöne Helfer im Garten

Wollen wir die stillen, langsam schwebenden Lichter bei uns im Garten bewundern, sollten wir Folgendes beachten: So wenig wie möglich künstlich beleuchten, sowie unsere Wiese nicht zu kurz halten, damit sie feucht bleibt.
Doch die Käfer sind nicht nur schön anzusehen, auch werden sie uns durch ihre Anwesenheit wesentlich im Garten helfen: Während ihres Larvenstadiums leben sie drei Jahre am Boden im Gras und fressen Schnecken. Die Larve, die dem weiblichen Käfer sehr ähnelt, tötet die Schnecke mittels Giftbiss und frisst sie dann über den ganzen Tag auf. Das heißt, sie verspeist ein Mehrfaches ihrer eigenen Körpergröße (7 bis 12 Millimeter).
Nach etwa drei Jahren verpuppen sie sich und im Sommer schlüpfen die fertigen Käfer. Diese wiederum fressen überhaupt nichts. Nach der Paarung sterben die Männchen sofort, die Weibchen direkt nach der Eiablage. Ab Mitte Juli liegen dann die Eier über den Winter auf dem Boden in der Vegetation.
Beim Großen Leuchtkäfer (Lampyris noctiluca) leuchten nur die Weibchen, dafür fliegen sie nicht.

Beim Großen Leuchtkäfer (Lampyris noctiluca) leuchten nur die Weibchen, dafür fliegen sie nicht.

Foto: Ian_Redding/iStock

Freuen wir uns darauf, dass sie in unseren dunklen Gärten still und friedlich schwebend leuchten und uns verzaubern werden, als wären wir inmitten einer Märchenwelt. Und keine Sorge, drei Jahre müssen wir nicht warten. Auch schon im nächsten Sommer kann es wieder neu entwickelte Glühwürmchen geben.
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Mini-Drohne gegen Insekten: „Vollständige Ausrottung von Mücken”


In Kürze:

  • Das Startup Tornyol Systems entwickelt eine Drohne, die Stechmücken den Kampf ansagt.
  • In einem Test konnte das Fluggerät zumindest eine Motte erfassen und ausschalten.
  • Schon jetzt bietet das Unternehmen die Drohne zur Vorbestellung an.
  • Zweifel bestehen jedoch aufgrund der Zielerkennung und der geringen Akkulaufzeit.

 
Die Anwendungsbereiche von Drohnen sind inzwischen breit gefächert. Sie dienen der Hobbynutzung, aber auch verschiedenen Überwachungs- und Beobachtungsaufgaben. Ebenso finden sie zunehmend bei Militär- und Kampfeinsätzen Verwendung.
Das US-amerikanische Startup-Unternehmen Tornyol Systems hat nun auch bestimmten Mücken den Kampf angesagt – ohne den Einsatz von Chemikalien. Dafür nutzt es Drohnentechnologie.
In vielen Ländern sind Mücken wie Moskitos Überträger von gesundheitsgefährdenden und tödlichen Krankheiten. Das Unternehmen weist auf seiner Webseite darauf hin, dass diese kleinen Tiere „jedes Jahr mehr als 700.000 Menschen töten – mehr als alle aktuellen Kriege“.
Laut der Forschungsplattform „Our World in Data“ sterben jährlich rund 760.000 Menschen an den Folgen von Mückenstichen. Zu den verbreitetsten Krankheiten gehören Malaria, Zika-, Dengue- und Gelbfieber.

Erfolgreicher Test gegen eine Motte

In einem kürzlich veröffentlichten Clip zeigt Tornyol-Geschäftsführer Alex Toussaint den ersten erfolgreichen Test, bei dem eine autonome Mikrodrohne eine fliegende Motte erfasste und ausschaltete. Auf X teilte er dazu mit:
„Dies ist ein großer Schritt auf dem Weg zur vollständigen Ausrottung von Mücken.“
Die rund 40 Gramm leichte Drohne erkannte die Motte, steuerte auf sie zu und kollidierte mit ihr. Dadurch wurde das Insekt getötet. Die Drohne schoss dabei nichts auf die Motte ab, sondern nutzte ihre Propeller für die Kollision. Ein vorangegangener Test in einem großen Büroraum erfolgte mit einem Tischtennisball, der an einem Faden hing. Die Testdrohne steuerte mehrfach auf das Objekt zu.

So soll die Anti-Mosquito-Drohne aussehen.

Foto: Bildschirmfoto Tornyol

380 Mikrofone erstellen ein Lagebild

Auch wenn der Versuch geglückt ist, ist zu bedenken, dass die Testbedingungen nicht der Realität entsprachen. Der Test fand in einem windstillen Raum statt.
In der Natur müsste die Drohne hingegen deutlich mehr Parameter berücksichtigen, etwa Wind, andere Wettereinflüsse sowie verschiedene Geräusche. Dieser Sprung in die Außenwelt erfordert vermutlich noch weitere Entwicklungsarbeit.
Das Unternehmen hat in seine Drohnen eine spezielle Ultraschall-Basisstation integriert. Diese besitzt 380 Mikrofone, die die Umgebung „wahrnehmen“. Ein Computerchip verarbeitet die aufgenommenen Informationen. Das System erstellt infolgedessen eine 3D-Karte.
Laut dem Portal „Techradar“ kann die Drohne ihr Ziel in Echtzeit bis zu einer Entfernung von etwa 8 Metern erkennen und verfolgen. Hat sie eine Mücke erkannt, steuert sie darauf zu.

Unternehmen bietet Drohne bereits an

Obwohl sich die Drohne noch in der Testphase befindet und keine Marktreife besitzt, bietet das Unternehmen sie bereits öffentlich zum Vorverkauf an. Interessenten können das Fluggerät entweder zum vollen Kaufpreis von 1.100 Dollar (967 Euro) erwerben oder in Raten für 50 Dollar pro Monat ab Erhalt bezahlen. Beide Angebote beinhalten künftige Software-Updates.
In den USA ist die Auslieferung für das kommende Jahr geplant. Im Rest der Welt hängt die Zustellung von den jeweiligen behördlichen Genehmigungen ab.

Es bestehen noch Zweifel

Noch ist fragwürdig, wie praxistauglich die Tornyol-Drohne im Alltag sein wird. Einerseits müsste das Unternehmen sicherstellen, dass die Sensoren nur solche Fluginsekten als Angriffsziel erkennen, die eine Bedrohung für Menschen darstellen. Nützliche Insekten wie Bienen sollten die Drohnen nicht ins Visier nehmen.
Zudem ist es gar nicht nötig, alle Stechmücken der Welt auszurotten. Von den rund 3.500 bekannten Arten stechen nur etwa 100 den Menschen. Und nur fünf Arten sind für etwa 95 Prozent der Infektionen beim Menschen verantwortlich.
Ein weiterer Nachteil der Drohne ist die kurze Akkulaufzeit. Laut dem Unternehmen verfügt das Gerät über eine Hochleistungsbatterie. Diese reicht jedoch nur für drei Minuten Flugzeit. Kurz bevor der Akku leer ist, soll das Fluggerät automatisch zu seiner Ladestation zurückkehren. Bevor die Drohne wieder mit vollem Akku einsatzbereit ist, benötigt sie eine Ladezeit von rund 30 Minuten.
Inwieweit die Drohne in Gebieten mit Stechmücken eingesetzt werden kann und ob sie künftig die Zahl der Todesfälle durch von Stechmücken übertragene Krankheiten reduzieren kann, bleibt abzuwarten.
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Erste bayerische Weißwurst mit Mehlwurmpulver


In Kürze

  • Bis zu 20 Prozent von Kalbfleisch und Schweinerückenspeck werden durch Mehlwurm-Protein ersetzt.
  • Ziel ist ein nachhaltigeres und proteinreicheres Lebensmittel mit geringerem Fettgehalt.
  • Die Akzeptanz in der Bevölkerung beim Verzehr von Insekten bleibt verhalten

Die Weißwurst ist in Bayern mehr als ein Lebensmittel. Sie ist Frühstück, Brauchtum, Stammtischthema und Identität zugleich. Wer an ihrer Rezeptur rüttelt, bewegt sich auf vermintem Gelände. Jetzt haben Forscher der Universität Bayreuth am Campus Kulmbach eine Weißwurst vorgestellt, bei der ein Teil der tierischen Zutaten mit Protein aus dem Gelben Mehlwurm (Tenebrio molitor) ersetzt wird.
Bis zu 20 Prozent der klassischen Zutaten, Kalbfleisch und Schweinerückenspeck, werden dabei durch das Insektenprotein ersetzt. Das Ergebnis ist eine sogenannte Hybrid-Wurst: weniger Fett, mehr Protein, ein etwas besserer Nutri-Score – und ein leichter Grauschleier statt des gewohnten Weiß. Die Forschung zu alternativen Proteinquellen wie Insekten ist laut der Universität Bayreuth, ein zentraler Baustein für die Ernährungssysteme der Zukunft.
Seit knapp einem halben Jahr hat das Forscherteam der Uni daran getüftelt, wie sie die pulverisierten und gefrorenen Mehlwürmer in bereits bekannte Lebensmittel, wie jetzt die Weißwurst, mischen bzw. integrieren können.
Die Weißwurst dient als Testobjekt für eine größere Forschungsfrage: Können alternative Proteinquellen, wie Insekten, künftig einen Teil der klassischen Tierhaltung ersetzen? Für die Forscher soll der Mehlwurm das Protein der Zukunft sein – nachhaltig, nährstoffreich und klimafreundlicher als klassisches Fleisch. Der Mehlwurm soll vom Schädling zum Klimaretter auf dem Teller werden.

Die EU hat den Weg für die Krabbeltiere geebnet

Die EU jedenfalls hat dafür den Weg frei gemacht: Seit Januar 2025 hat sie Mehlwurmlarven bzw. UV-behandeltes Larvenpulver in die Liste der „neuartigen Lebensmittel“ der EU aufgenommen (Durchführungsverordnung (EU) 2025/89). Seit dem 10. Februar 2025 ist die Beimischung in Lebensmitteln als Zutat zulässig.
Das Thema ist nicht neu: Die EU treibt bereits seit Jahren neuartige Lebensmittel (Novel Food) voran. Dabei gelten Kennzeichnungspflichten: Verbraucher müssen erkennen können, wenn ein Produkt Mehlwurmprotein enthält. Zusätzlich müssen Hinweise auf mögliche allergische Reaktionen angebracht werden, insbesondere für Menschen mit Allergien gegen Krebstiere oder Hausstaubmilben. Epoch Times berichtete.

„Hemmschwelle gegenüber Insekten-Lebensmitteln senken“

Die Mehrheit der Europäer lehnt das Essen von Insekten ab. Eine aktuelle Yougov-Umfrage ergab, dass in Deutschland fast zwei Drittel (62 Prozent) der Verbraucher keine Insekten probieren möchten. Der größte Ablehnungsgrund sind Ekel und Angst vor Krankheiten. Nur 14 Prozent der Deutschen würden sich laut der Umfrage für Würmer, Insekten und andere Krabbeltiere in alltäglichen Lebensmitteln entscheiden.
Ziel der Forschungen der Uni Bayreuth an der Insekten-Weisswurst ist es nach Angaben der Universität, „die Hemmschwelle gegenüber nachhaltigen Insekten-Lebensmitteln zu senken, indem sie in bereits bekannte Lebensmittelarten wie Snacks, Gebäck oder Proteinsupplements integriert werden.“ Das Forschungsprojekt wird von der Simon-Nüssel-Stiftung, gegründet im Jahr 2000 vom ehemaligen bayerischen Landwirtschaftsminister Simon Nüssel, gefördert.
„Mit meiner Forschung möchte ich zeigen,“ erklärte Solomon Nkaka, Doktorand am Lehrstuhl für Biochemie der Ernährung an der Universität Bayreuth, „dass sie nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch technologisch und ernährungsphysiologisch hochwertig sind – und sich problemlos in vertraute Lebensmittel integrieren lassen“.
Aus Sicht der Lebensmittelwissenschaft ist die Weißwurst somit ein geeignetes Testprodukt. Sie ist bekannt, stark verarbeitet und erlaubt es, alternative Proteine in ein vertrautes Produkt einzubauen. Aus bayerischer Sicht ist die Weißwurst jedoch weit mehr als eine Brühwurst. Der Begriff des „Weißwurstäquators“ wird seit Jahrzehnten als scherzhafte kulturelle Grenze zwischen Bayern und dem übrigen Deutschland verwendet. Die Weißwurst steht damit nicht nur für Ernährung, sondern auch für regionale Identität. Wer die Weißwurst verändert, verändert nicht nur ein Lebensmittel, sondern berührt ein Stück bayerische Identität.
Die Metzgerei Stürmer hat sich dazu bereits positioniert: In einem Post auf Facebook lässt das bayerische Unternehmen aus Haßfurt verlautbaren: „Wenn es um ein bayerisches Kulturgut wie die Weißwurst geht, dann reden wir nicht über irgendein Laborprodukt. Dann reden wir über Tradition, Handwerk, Vertrauen und ein Lebensmittel, das in Bayern nicht einfach gegessen wird – sondern gelebt wird. (…) Deshalb sagen wir ganz klar: Bei uns kommt kein Madenmehl, Mehlwurm-Pulver oder Insektenmehl in die Wurst. Niemals.“
 
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Mücken fliegen auf Bier und Gesellschaft: Darum stechen sie manche Menschen besonders gern


In Kürze:

  • Mücken orientieren sich bei der Suche nach Menschen an mehreren Signalen gleichzeitig:
  • Kohlendioxid dient als wichtigster Fernhinweis.
  • Körpergeruch und Hautchemie spielen in der Nähe eine zentrale Rolle.
  • Auch Wärme, körperliche Aktivität und Kleidung beeinflussen die Wahrscheinlichkeit von Stichen.
  • Effektive nicht chemische Hilfe gegen Mücken beginnt bei der Wahl von Kleidung und Deo, physikalische Mittel beim Ventilator.

 
Die einen sind mit Mückenstichen übersät, die anderen bleiben verschont. Manche, die sich mit einem Antimückenspray einsprühen, werden verschont, andere scheinen erst dadurch regelrecht zum Mückenmagneten zu werden. Ein System scheinen die Mücken dabei nicht zu haben, oder etwa doch?
Männliche und weibliche Mücken ernähren sich unterschiedlich. Männchen reicht pflanzliche Nahrung. Sie nutzen den zuckerreichen Saft aus Blättern und Blüten. Die Weibchen hingegen benötigen Proteine, damit ihre Eier reifen können. Sie stechen Menschen oder auch andere Lebewesen wie Vögel, um an eiweißreiches Blut zu gelangen.
Doch wonach entscheidet sich, wen sie stechen? Die Forschung zeigt: Mückenstiche sind kein Zufall, sondern das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Signale. Nach dem aktuellen Stand sind mindestens vier Dinge entscheidend: Kohlendioxid, Körpergeruch, Körperwärme und die Art der Kleidung.

Die Atmung lockt sie zuerst an

Seit Jahren forschen Wissenschaftler an den speziellen Faktoren, die manche Menschen anfälliger als andere machen. Manches kann beeinflusst werden, manches nicht. Eine aktuelle Studie zeigt, dass insbesondere das Kohlendioxid der menschlichen Ausatmung eine Rolle spielt. Die Atmung wirkt wie ein Fernsignal, das Mücken bereits aus großer Entfernung wahrnehmen können.
Kohlendioxid, das Menschen durch die Atmung ausatmen, wirkt auf Mückenweibchen anziehend. Das sei „das erste Signal, das ihr Verhalten auslöst“, wenn sie noch Dutzende Meter entfernt sind, sagte der schwedische Wissenschaftler Rickard Ignell der AFP. Sein Forscherteam beschäftigte sich mit Aedes-aegypti-Mücken.
Die Ägyptische Tigermücke oder Gelbfiebermücke ist hauptsächlich tagaktiv und sticht auch in Innenräumen. Doch auch nachts sticht sie in gut beleuchteten Bereichen zu. Sie folgt eng dem Menschen und fliegt in die Häuser hinein.

Geruch: Antimückenseife hilft manchmal nur den Mücken

Im Umkreis von 10 Metern beginnen Mücken laut einer anderen Studie zudem, menschlichen Geruch wahrzunehmen – ein Faktor, der uns Menschen noch viel attraktiver macht. Sie fliegen auf bestimmte chemische Verbindungen wie Carbonsäuren, Milchsäure, Harnsäure oder Ammoniak, die im Schweiß der Menschen vorkommen.
Trifft es also vermehrt diejenigen, die leicht schwitzen? Nicht unbedingt, fanden Forscher der Virginia Tech University im Jahr 2023 heraus. Sie untersuchten die Reaktion von Mücken auf den Körpergeruch von Menschen vor und nach dem Waschen mit verschiedenen Seifen.
Ihr Ergebnis: Manche Seifen mit floralen und fruchtigen Duftstoffen machten Menschen sogar attraktiver für die Plagegeister, obwohl sie Limonen, ein bekanntes Mückenschutzmittel, enthielten.
Die Untersuchungen waren für die Forscher zudem kein Beweis dafür, dass eine bestimmte Seife jeden Menschen automatisch zum „Mückenmagneten“ macht. Der leitende Autor und Neuroethologe Clément Vinauger sagte:
„Was für die Mücke wirklich zählt, ist nicht die am häufigsten vorkommende Chemikalie, sondern vielmehr die spezifischen Assoziationen und Kombinationen von Chemikalien, nicht nur aus der Seife, sondern auch aus unseren persönlichen Körpergerüchen.“
Er empfiehlt: „Ich würde eine Seife mit Kokosduft wählen, wenn ich die Anziehungskraft auf Mücken verringern wollte.“ Dieser Duft wirke eher abschreckend.

Mücken in Holland fliegen auf Bier und Gesellschaft

2025 veröffentlichten Forscher aus den Niederlanden die Ergebnisse der „Mosquito Magnet Trial“-Studie. Dafür bauten Forscher des Radboud University Medical Center auf dem niederländischen Musikfestival Lowlands vom 18. bis 20. August ein Containerlabor auf. Auch sie wollten wissen, warum manche Menschen für Mücken besonders attraktiv sind.
Über 500 Festivalbesucher nahmen teil – und reichlich weibliche Stechmücken der Gattung Anopheles, die Malaria übertragen können. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass Mücken häufiger auf diejenigen flogen, die
  • Bier tranken
  • seltener duschten
  • weniger Sonnenschutz verwendeten
  • ihr Bett mit jemand anderem teilten
Anders gesagt: Wer auf dem Festival nüchtern blieb, die Nacht allein in seinem Zelt verbrachte und regelmäßig duschte, wurde weniger gestochen. Wer morgens auf das Duschen verzichtete, dafür aber Sonnencreme verwendete, wurde ebenfalls seltener gestochen.
Die Vorliebe für Bier indes überraschte. Doch das Fazit der Forscher besagt, dass die Mücken vermutlich nicht auf das Bier selbst reagierten. Sie sehen die Veränderungen im Körpergeruch als Grund. Bei den bei Mücken besonders beliebten Probanden fanden sie zudem viele Streptokokken auf der Haut. Auch diese Bakterien können Gerüche produzieren und den Körpergeruch beeinflussen.

Helle oder dunkle Kleidung? Hauptsache Kontrast

Haben die Mücken Kohlendioxid oder Körpergeruch wahrgenommen, beginnen sie, gezielt nach visuellen Signalen zu suchen. Das besagt unter anderem eine Studie von Wissenschaftlern der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, veröffentlicht 2022 in „Nature Communications“.
Die Forscher widmeten sich wiederum Aedes-aegypti-Mücken und untersuchten über 1 Million Flugbahnen der Stechmücken. Ihnen fiel auf: Erst nachdem die Mücken Kohlendioxid wahrgenommen hatten, reagierten sie deutlich stärker auf bestimmte Farben.
Besonders interessant fanden Mücken dann Schwarz, Rot, Orange und Cyan. Auch die menschliche Haut reflektiert vor allem langwellige und damit rot-orange Anteile des Lichts. Deutlich weniger attraktiv waren die Farben Weiß, Grün, Blau und Violett. Bei älteren Feldstudien aus den 1950er-Jahren landeten Mücken ebenfalls bevorzugt auf schwarzen und roten Stoffen statt auf hellen, wie die Wissenschaftler zitierten.
Zu beachten ist laut den Forschern jedoch, dass dunkle Kleidung Mücken nicht unbedingt deshalb anziehe, weil sie dunkel sei, sondern weil sie einen stärkeren visuellen Kontrast zur Umgebung bilde. Für eine Mücke sei ein schwarzes T-Shirt vor einem hellen Himmel leichter zu erkennen als ein weißes.

Wärme dient nur im Nahbereich zur Orientierung

Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Körperwärme, wie Forscher der Universität von Kalifornien in Santa Barbara nachgewiesen haben. Sie dient Mücken jedoch nur als Nahsignal ab etwa 1 Meter Entfernung.
Hilfreich sind den Mücken dabei temperaturaktive Proteine an ihren Antennen. „Infrarot verdoppelte das Suchverhalten der Mücken“, sagte Nicolas DeBeaubien. Diese Strahlung hilft ihnen besonders in der Dämmerung, wenn unser Körper wärmer als die Umgebung ist.
Menschen mit etwas höherer Körpertemperatur werden öfter gestochen, sofern sie „gut“ riechen, denn reine „Heizkörper“ sind uninteressant. Weibliche Stechmücken fliegen demnach genau auf die Temperaturen, die der menschlichen Haut- und Körpertemperatur entsprechen. Sie können zudem zwischen unterschiedlich warmen Objekten unterscheiden.
Wer Fieber hat, gerade Sport getrieben hat oder aus anderen Gründen eine höhere Hauttemperatur aufweist, kann demnach für Mücken attraktiver sein als andere Menschen. Schwangere wurden laut mehreren Studien häufiger gestochen, was ebenfalls mit einer höheren Körpertemperatur zusammenhängen könnte.

Was tun, um Mückenstiche zu vermeiden?

Die wichtigsten chemischen Stoffe, die Mücken fernhalten, sind seit den 1950er-Jahren Mittel, die DEET, Icaridin, IR3535 und PMD enthalten. Diese sogenannten Repellents verändern den menschlichen Körpergeruch und verhindern damit, dass Mücken Menschen als Ziele erkennen und anfliegen. Citronella, Lavendel und Nelkenöl wirken schwächer und halten weniger lange an.
Die Virginia-Tech-Studie legt nahe, dass manche Seifen und Körperpflegeprodukte Menschen attraktiver für Mücken machen. Vorsicht ist angeraten bei stark blumigen Düften und stark parfümierten Lotionen.
Die wirksamsten nicht chemischen Maßnahmen sind lange, helle Kleidung, dicht gewebte Stoffe und Wind. Mehrere Studien zeigen, dass auch Ventilatoren die Zahl der Mückenkontakte deutlich reduzieren können. Mückennetze an Fenstern und über dem Bett helfen ebenso. Diese physikalischen Maßnahmen sind oft wirksamer als Sprays oder pflanzliche Duftstoffe.
Stehende Gewässer sind hingegen Mückenbrutstätten. Wer sie umgeht und noch dazu seinen Aufenthalt in der Dämmerung reduziert, kann einige Stiche vermeiden. Für Knoblauch, Ultraschallgeräte oder Armbänder ohne Repellents gibt es derzeit keine belastbaren Studien zum zuverlässigen Schutz.

Stechmücken sind wählerisch

Fasst man die wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammen, zeigt sich, dass Mückenstiche kein Zufall sind, sondern durch ein Zusammenspiel verschiedener Signale entstehen.
„Es ist kein Missverständnis – Mücken fühlen sich mehr zu manchen Menschen hingezogen als zu anderen“, fasste Frederic Simard vom französischen Institut für Entwicklungsforschung gegenüber AFP im Mai 2026 zusammen. Der medizinische Entomologe fügte hinzu: „Aber wir sind nicht alle die ganze Zeit Magnete.“
Mücken finden Menschen also hauptsächlich über Kohlendioxid, Körpergeruch und -wärme sowie über visuelle Signale. An diesen Stellen können Schutzmaßnahmen ansetzen. Welche dieser Faktoren im Einzelfall jedoch überwiegen, ist individuell unterschiedlich und noch nicht vollständig verstanden.
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Immun-Cocktail: Neue Superkraft von Ameisengift entdeckt


In Kürze:

  • Alte Annahme: Bislang galt Ameisensäure als alleiniger Bestandteil von Ameisengift.
  • Neue Erkenntnis: Forscher aus Halle/Saale und Berlin haben jüngst herausgefunden, dass das Toxin auch gesundheitswirksame Eiweiße enthält.
  • Künftiger Nutzen: Diese Entdeckung könnte dazu beitragen, wirksame Mittel gegen Krankheitserreger wie Pilze zu entwickeln.

 
Das Gift von Schuppenameisen, zu denen auch die Waldameisen gehören, galt bislang als vergleichsweise einfach zusammengesetzt: Ameisensäure wurde seit ihrer Entdeckung im 17. Jahrhundert als zentraler und nahezu alleiniger Inhaltsstoff dieser Ameisengifte betrachtet.
„Wir sind in unserem Projekt einer jahrzehntealten und weitgehend unbeachteten Publikation nachgegangen, in der erwähnt wurde, dass diese Gifte vielleicht auch eiweißartige Stoffe [Peptide] enthalten“, sagte Timo Niedermeyer, Professor für Pharmazeutische Biologie der Freien Universität Berlin. Er ergänzte:
„Wir haben nun zwei völlig neue Peptid-Familien in den Giften von Schuppenameisen nachgewiesen. Diese sind einzigartig in diesen Ameisen, kommen dort aber weit verbreitet vor. Ihr Gift ist wesentlich komplexer als bisher angenommen.“

Ameisengift schützt Brut vor Pilzerkrankungen

Die im Gift identifizierten Peptide leisten offenbar einen Beitrag zur Nesthygiene. So schmieren die Ameisen ihre Brut mit ihrem Gift ein – die Peptide bleiben nach dem Verdunsten der Ameisensäure auf den Puppen zurück und wirken dort Infektionen entgegen.
„Einige der Peptide zeigen eine ausgeprägte Wirkung gegen Pilze. Das ist interessant vor dem Hintergrund einer Bedrohung sozialer Gemeinschaften durch Umweltmikroben und Krankheitserreger sowie zunehmender Resistenzen dieser Mikroben gegen antimikrobielle Wirkstoffe“, betonte Dr. Simon Tragust, beteiligter Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. „Mit über 3.700 Arten eröffnet die Unterfamilie Formicinae (Schuppenameisen) ein enormes Potenzial für die Entdeckung weiterer bioaktiver Substanzen.“
Die Forschungsergebnisse untermauern, dass das Gift von Schuppenameisen vielfältige Funktionen erfüllt. Die Ameisen verwenden es nicht nur zur Verteidigung, sondern auch zur Desinfektion, zur Steuerung ihrer Darmflora und zur Kommunikation mit Artgenossen.

Internationale Spitzenforschung

Für ihre Arbeit kombinierten die Forscher Methoden aus Biologie, Chemie und Pharmazie. Mithilfe modernster Technik wurden Protein- und RNA-Daten zusammengeführt, um die im Gift enthaltenen Peptide und ihre Gensequenzen zu identifizieren. Ergänzend kamen chemische Analysen, synthetische Verfahren, biophysikalische Experimente und Genomanalysen zum Einsatz.
Durch die interdisziplinäre Herangehensweise und die Untersuchung der Giftsekrete mehrerer Ameisenkolonien verschiedener Ameisenarten zählt die Arbeit zu den bisher umfassendsten vergleichenden Analysen von Ameisengiften.
Die Studie erschien am 13. Mai 2026 im Fachmagazin „Science Advances“.
(Mit Material der Freien Universität Berlin.)