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Vorhersagekultur: Oxford-Philosophin warnt vor der Macht von Zukunftsprognosen


In Kürze:

  • Wer Entscheidungen über die eigene Zukunft von Vorhersagen abhängig macht, handelt womöglich unklug.
  • Wer nach den Vorhersagen anderer handele, gehorche ihnen, meint eine Professorin an der Universität Oxford.
  • Prognosemärkte sind ein Milliardengeschäft.
  • Manchmal ist es im Leben entscheidend, für die richtige Sache einzustehen – selbst dann, wenn man weiß, dass man verlieren wird.

 
Glücksspieler wetten auf gewinnorientierten Vorhersagemärkten inzwischen auf fast alles – von Wahlergebnissen bis hin zu alltäglichen Ereignissen. Nun warnt eine Philosophin der Universität Oxford davor, dass viele öffentliche Prognosen für Menschen, die Entscheidungen über ihre Zukunft treffen, verheerende Folgen haben könnten.
Carissa Véliz ist außerordentliche Professorin an der Philosophischen Fakultät und am Institut für KI-Ethik der Universität Oxford und Herausgeberin des „Oxford Handbook of Digital Ethics“. Am 11. August veröffentlichte EpochTV ein Interview mit ihr, in dem die Oxford-Professorin über die Risiken sprach, öffentlichen Vorhersagen über die Zukunft der Menschheit Beachtung zu schenken. Véliz erklärte, wie diese Aussagen den Lebensweg einzelner Menschen lenken oder aber aus der Bahn werfen können.
„Wenn Sie meine Vorhersage für bare Münze nehmen und einfach so handeln, als wäre sie wahr, dann gehorchen Sie. Und das wird noch heikler, wenn es um Vorhersagen über gesellschaftliche Entwicklungen geht“, sagte Véliz zu Jan Jekielek, dem Moderator der EpochTV-Sendung „American Thought Leaders“ (auf Deutsch etwa: „Amerikanische Vordenker“).
„Wenn ich Ihnen sage: ‚Morgen wird Sie die KI ersetzen‘, und Sie kündigen Ihre Stelle, weil sie sich nicht mehr lohnt, dann gehorchen Sie. Und wenn ich eine Führungskraft in der Tech-Branche bin, die dieses Produkt verkauft, nun, dann tun Sie mir einen Gefallen.“
In einem Gespräch über ihr neues Buch „Prophecy: Prediction, Power, and the Fight for the Future, from Ancient Oracles to AI“ – auf Deutsch erscheint es am 24. November im
Insel Verlag unter dem Titel „Die Macht der Prophezeiung“ – sagte Véliz, dass öffentliche Vorhersagen nicht nur unethische Triebkräfte menschlichen Verhaltens seien, sondern dass viele der am weitesten verbreiteten Prognosen niemals einträten.
„Es herrschte der sehr, sehr starke Glaube, dass es unvermeidlich sei, dass es zu einer massiven Überbevölkerung und Hungersnot kommen würde und dass dies eine Katastrophe wäre. Und das ist nie passiert“, sagte sie.
„Ein paar Jahrzehnte später galt es als unvermeidlich, dass wir bis ins Nichts schrumpfen würden und dass die Bevölkerung immer weiter zurückgehen würde. Und das ist [ebenfalls] nicht passiert.“
Am 16. September 2025 wurde in San Francisco eine Werbetafel für ein Unternehmen im Bereich künstliche Intelligenz aufgestellt. Foto: Justin Sullivan/Getty Images

Werbetafel eines KI-Unternehmens in San Francisco am 16. September 2025. Die Oxford-Professorin Carissa Véliz meint, es könne riskant sein, auf der Grundlage von Prognosen über die Zukunft der Menschheit zu handeln – insbesondere nach düsteren Vorhersagen zur Künstlichen Intelligenz.

Foto: Justin Sullivan/Getty Images

Die Wirtschaft der Prognosemärkte

Zu den beliebtesten Formen öffentlicher Prognosen zählen heute Prognosemärkte.
Prognosemärkte ermöglichen es Nutzern [Anm. d. Red.: ähnlich wie bei Wettbüros oder Wettbörsen], auf den Ausgang von Sportereignissen, Wahlen und Fernsehsendungen sowie zunehmend auch auf alltägliche Ereignisse zu wetten – etwa darauf, wie oft Elon Musk, der Eigentümer von X, in einer bestimmten Woche Beiträge auf der Plattform veröffentlichen wird.
Die beiden größten Anbieter auf diesem Markt, Polymarket und Kalshi, verzeichneten laut „Gambling Insider“ im Jahr 2025 ein kumuliertes nominales Handelsvolumen von rund 21,5 Milliarden US-Dollar (19,1 Milliarden Euro) beziehungsweise 17,1 Milliarden Dollar (15,2 Milliarden Euro).
Das monatliche Handelsvolumen ist in weniger als einem Jahr deutlich gestiegen.
Eine Analyse des Pew Research Centers, die auf Daten des Medien- und Informationsanbieters für digitale Vermögenswerte The Block beruht, zeigt, dass das weltweite monatliche Handelsvolumen von Kalshi und Polymarket zusammengenommen von weniger als 5 Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro) im September 2025 auf rund 24 Milliarden Dollar (21,3 Milliarden Euro) im April 2026 gestiegen ist.
Mit der zunehmenden Beliebtheit der Prognosemärkte wachsen auch die Bedenken: wegen mutmaßlicher Fälle von Insiderhandel, wegen der steigenden Spielsucht in den USA und weil inzwischen auf nahezu jeden Lebensbereich gewettet wird – bis hin zum Wetter.
Eine Mehrheit der Amerikaner (61 Prozent) betrachtet Wetten auf Prognosemärkten eher als Glücksspiel denn als Investition. Das geht aus einer Umfrage des American Institute for Boys and Men und des Marktforschungsunternehmens Ipsos vom März hervor.
Laut einer „Politico“-Umfrage vom Juni sind 44 Prozent der Befragten der Meinung, dass Wetten auf Wahlergebnisse illegal sein sollten. 57 Prozent sprechen sich dafür aus, Nutzern das Wetten auf den Ausgang von Kriegen zu untersagen.
Unterdessen greifen immer mehr Medien bei ihrer Berichterstattung über Wahlen, Umfragen und Maßnahmen der US-Regierung auf Prognosemärkte wie Kalshi und Polymarket zurück.
Wähler, die nach Informationen und Hintergründen zu wichtigen Wahlkämpfen suchen, beschäftigen sich zunehmend mit dieser Berichterstattung, bevor sie ihre Stimme abgeben.
Doch diese öffentlich zugänglichen Prognosen, die von Glücksspiel und gewinnorientierten Geschäftsmodellen angetrieben werden, seien möglicherweise weniger präzise, als den Amerikanern bewusst sei, argumentierte Véliz.
„Unternehmen wollen Gewinn machen. Gewinn und Wahrheit, Präzision oder Wissenschaft lassen sich nicht immer gut miteinander vereinbaren. Es handelt sich also nicht um ein wissenschaftliches Umfeld, in dem wir versuchen, die Genauigkeit zu maximieren“, sagte sie.
Diese Fotomontage, aufgenommen am 1. November 2023 in Washington, zeigt den Bildschirm eines Smartphones mit der Online-Wahlprognoseplattform PredictIt und einem Bild der zweiten Vorwahldebatte der Republikaner in Simi Valley, Kalifornien, am 27. September 2023. Wähler, die sich über wichtige Wahlen informieren und den Kontext verstehen möchten, nutzen zunehmend die Prognosen von Wahlprognoseplattformen, bevor sie ihre Stimme abgeben. Foto: Olivier Douliery/AFP via Getty Images

Diese am 1. November 2023 in Washington, D.C., erstellte Fotomontage zeigt den Bildschirm eines Smartphones mit der Online-Wahlprognoseplattform PredictIt sowie ein Bild der zweiten Vorwahldebatte der Republikaner in Simi Valley, Kalifornien, vom 27. September 2023. Wähler, die sich über wichtige Wahlen informieren und den Kontext verstehen möchten, nutzen zunehmend die Prognosen von Wahlprognoseplattformen, bevor sie ihre Stimme abgeben.

Foto: Olivier Douliery/AFP via Getty Images

Ethik und Prognosen

Laut Véliz gibt es jedoch noch weitreichendere öffentliche Prognosen, die tiefgreifendere Auswirkungen auf das menschliche Verhalten und die Zukunftsplanung einer Person haben könnten.
Als KI-Magnaten mit dreisten Prognosen behauptet hätten, ihre Technologie werde Menschen bald in einer schwindelerregenden Anzahl von Arbeitsplätzen über zahlreiche Branchen hinweg ersetzen, sei dies nicht nur irreführend gewesen, sondern auch Marketing, „Wunschdenken“ oder „versteckte Machtspiele“, sagte sie.
„Wenn wir einfach davon ausgehen, dass die vorhergesagte Zukunft die Zukunft ist, und entsprechend handeln, gehorchen wir damit im Grunde schon im Voraus, denn sehr oft enthalten Vorhersagen einen versteckten Befehl“, so Véliz.
Dies könnte beispielsweise dazu führen, dass jemand einen Job kündigt, von dem er glaubt, dass er bald durch KI ersetzt wird – einfach, weil er davon ausgegangen ist, dass die Vorhersagen der Unternehmen, die das Produkt verkaufen, richtig sind.
Was aber, wenn präzise Vorhersagen lediglich eine Frage von mehr oder besseren Daten wären? Véliz hält diese Hoffnung für etwas fehlgeleitet.
„Wir sammeln all diese Daten mit dem Versprechen, dass mehr Daten auch besser sind, aber das ist nicht immer der Fall“, sagte sie.
„Denn oft ist die Suche nach etwas in den Daten wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen. Und den Heuhaufen noch größer zu machen, hilft dabei nicht weiter.“
Daten seien nur dann hilfreich, wenn sie relevant sind. Als Beispiel nannte sie die Erfassung menschlichen Verhaltens: Man sammele vielleicht Daten darüber, was eine Person tut, nachdem sie einen Kredit von einem Kreditinstitut erhalten hat, aber selten finde man Daten zum umgekehrten Fall.
„Wenn ich jemand anderem keinen Kredit gewähre, werde ich nie herausfinden können, wie gut es dieser Person ergangen wäre, hätte ich den Kredit gewährt“, sagte sie.
Menschen entscheiden sich möglicherweise sogar für Untätigkeit, wenn sie glauben, dass eine Prognose die Zukunft genau vorhersagt, was erhebliche Auswirkungen auf ihr Leben haben könnte.
„Das Paradoxe ist: Je mehr wir daran glauben, dass wir [etwas] schaffen können, desto besser sind unsere Chancen. Wenn man nicht glaubt, dass man es schaffen kann, und zu Hause bleibt, liegen die Erfolgschancen bei null“, sagte Véliz.
Eine Anzeige des KI-Unternehmens Artisan wurde am 5. Dezember 2024 in San Francisco geschaltet. Die Vorhersagen von KI-Größen, dass die Technologie den Menschen bald ersetzen wird, könnten sich als verkapptes Marketing erweisen, wenn sie sich selbst erfüllen. Foto: Justin Sullivan/Getty Images

Werbung des KI-Unternehmens Artisan in San Frncisco am 5. Dezember 2024. Die Vorhersagen von KI-Größen, dass die Technologie den Menschen bald ersetzen werde, könnten sich als verkapptes Marketing erweisen, wenn sie sich selbst erfüllten.

Foto: Justin Sullivan/Getty Images

„Manchmal sind im Leben bestimmte Kämpfe so wichtig, dass ich aufrichtig der Meinung bin, es sei besser, sie zu führen und auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen, selbst wenn man davon überzeugt ist, dass man verlieren wird.“
Dies gelte insbesondere bei der Kindererziehung, argumentierte Véliz. Wir mögen die Kinder ermutigen, in Situationen weiterzumachen, in denen sie vom Scheitern überzeugt seien, doch Beharrlichkeit sei für Erfolg und persönliches Wachstum unerlässlich.
„Bei den ganz wichtigen Kämpfen im Leben, bei denen es entscheidend ist, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen, ist es irgendwie unangebracht, abzuwägen, ob man gewinnen oder verlieren wird. Das spielt keine Rolle. So wichtig ist es“, sagte sie.

Gute versus schlechte Vorhersagen

Allerdings seien nicht alle öffentlichen Vorhersagen zwangsläufig schlecht, wie zum Beispiel Wettervorhersagen oder medizinische Prognosen, so Véliz.
„Es gibt Situationen, in denen es heikel ist. Man kann das nicht pauschal sagen, denn manchmal braucht man ein Gespür für die Diagnose, und die Diagnose beinhaltet eine gewisse Prognose, um jemanden behandeln zu können“, erklärte sie.
Véliz, die in England lebt, sagte, sie überprüfe ihre Wetter-App mehrmals täglich, um die Vorhersagen zu verfolgen.
Eine Frau hält in diesem Archivfoto ein Apple iPhone 11 Pro in der Hand. Dank mobiler Apps können Millionen Amerikaner unkompliziert auf Politik, Sport und andere Themen wetten. Foto: grinvalds/Getty Images

Eine Frau hält ein Apple iPhone 11 Pro in der Hand. Dank mobiler Apps können Millionen Amerikaner unkompliziert auf Politik, Sport und andere Themen wetten. (Archivbild) 

Foto: grinvalds/Getty Images

Amerikaner, die im Mittleren Westen leben, verlassen sich möglicherweise auf diese Vorhersagen, um bei einer Tornado-Warnung Schutz zu suchen und zu überleben. Und diejenigen an der Golfküste überprüfen während der Hurrikansaison möglicherweise die Wetterprognosen für die nächsten ein oder zwei Wochen, um ihre Häuser auf ein potenziell katastrophales Ereignis vorzubereiten.
„Wofür ich plädiere, ist ein aufgeklärterer Umgang mit Vorhersagen – klarer zu unterscheiden zwischen den Dingen, die wir vorhersagen können, und denen, die wir nicht vorhersagen können – und dass die Illusion, wir könnten alles vorhersagen, uns in die Irre führen wird“, sagte Véliz.
Die Geschichte ist voll von Vorhersagen, an die man damals allgemein glaubte, die sich aber nie bewahrheitet haben.
„Ein paar Monate, bevor es den Gebrüdern Wright gelang, ein Flugzeug zum Fliegen zu bringen, veröffentlichte die ‚New York Times‘ diesen vernichtenden Artikel, in dem es hieß, es würde 1 Million bis 10 Millionen Jahre dauern, bis Menschen in Flugzeugen fliegen könnten“, sagte sie.
„Sie lagen völlig falsch.“
 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Oxford Philosopher Warns of the Dangers Lurking Behind Prediction Culture“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Zwischen Hitze und Hagel – Deutschlands Wetter aus dem Takt

Der Sommer in Deutschland zeigt sich derzeit von seiner extremen Seite. Noch vor wenigen Tagen bestimmten hohe Temperaturen, drückende Schwüle und Sonnenschein das Wettergeschehen. Nun ziehen schwere Gewitter über weite Teile des Landes, begleitet von Starkregen, Sturmböen und teilweise handtellergroßem Hagel.
Besonders von den Unwettern hart getroffen wurde Norddeutschland: Straßen verwandelten sich binnen Minuten in Flüsse, Keller liefen voll und zahlreiche Fahrzeuge wurden durch Hagelkörner beschädigt, wie im Landkreis Harburg.
Die Feuerwehr war vielerorts im Dauerbetrieb. In Niedersachsen gingen Montagnacht rund 250 Notrufe wegen des Unwetters ein. Die Feuerwehr rückte gut 600 Mal zu Einsätzen aus, wie Epoch Times berichtete.
In Bröckel, nordöstlich von Hannover, kämpften Feuerwehr und Landwirte gemeinsam gegen die Wassermassen. Mithilfe von Pumpen und landwirtschaftlichen Fahrzeugen konnte der Einsatz erst kurz nach 3 Uhr beendet werden, wie „Agrar heute“ berichtete. In der Region Hannover wurden circa 1.000 Feuerwehreinsätze ausgelöst.
Die Unwetter verliefen vom Nordwesten in Richtung Südosten – vom Landkreis Kassel über das thüringische Bad Langensalza bis ins Vogtland. Betroffen waren auch der Großraum Frankfurt, Würzburg, Nürnberg und Regensburg. Schäden gab es auch in Tübingen bis in das Ostallgäu hinein.
Besonders betroffen von den Unwettern ist die Landwirtschaft. Nach zwei Tagen Unwetterlage lautet die vorläufige Bilanz des Versicherers Vereinigte Hagel: Über 100.000 Hektar geschädigte Fläche, ein Schaden von mindestens 50 Millionen Euro.
Die gute Nachricht: Aktuell gibt es keine Unwetterwarnungen mehr für Deutschland, meldet der Deutsche Wetterdienst.

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Ecuador spielt um Alles oder Nichts – Deutschland schon sicher


In Kürze:

  • Am späten Donnerstagabend trifft die spitznamenlose DFB-Elf auf „La Tricolor“ aus Ecuador. Die ARD überträgt live.
  • Für beide Nationalmannschaften ist es das dritte Vorrundenspiel dieser WM und die dritte Begegnung überhaupt.
  • Die bisherigen Spiele gingen mit 3:0 und 4:2 an Deutschland. Weltklassespieler und Bundesligisten auf ecuadorianischer Seite sollen eine erneute Niederlage verhindern.
  • Für das Andenland ist es die letzte Chance in die K.-o.-Phase einzuziehen. Deutschland ist bereits weiter.

 
Die deutsche Nationalmannschaft kann am Donnerstag um 22:00 Uhr deutscher Zeit entspannt ihr drittes Gruppenspiel gegen Ecuador antreten. Nach den beiden Siegen gegen Curaçao (7:1) und gegen die Elfenbeinküste (2:1) hat die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann den ersten Platz in Gruppe E bereits sicher.
Dabei kam ihr auch das schlechte Abschneiden Ecuadors zugute, das vor einer Kulisse von 70.000 Fans im Stadion von Kansas City völlig überraschend gegen Curaçao mit einem 0:0 scheiterte. Damit hat das Andenland lediglich einen Punkt auf dem Konto und steht gegen die deutsche Mannschaft enorm unter Druck.
Deutschland wiederum kann sich mental bereits auf das Sechzehntelfinale gegen unbekannt am Montag, 29. Juni, vorbereiten.

Ecuador muss gewinnen

Erstmals an einer WM teilgenommen hat die ecuadorianische Fußballmannschaft 2002. Ihr bestes Ergebnis erzielte die nach den drei Farben Gelb, Blau und Rot der Nationalfahne benannte „La Tricolor“ oder kurz „Tri“ bei der WM 2006 in Deutschland mit dem Erreichen des Achtelfinales (0:1 gegen England). 2010 und 2018 hat sie sich nicht für die WM qualifiziert.
Tatsächlich geht Ecuador im aktuellen Turnier mit nur einem Punkt aus zwei Spieltagen und damit ohne Spielraum für Fehler in das alles entscheidende Vorrundenspiel. Bei einem Unentschieden wäre das Ausscheiden wahrscheinlicher als das Weiterkommen.
Bei der WM 2006 in Deutschland überzeugte Ecuador mit einem 2:0 gegen Polen im Vorrundenspiel in Gelsenkirchen.

Bei der WM 2006 in Deutschland überzeugte Ecuador mit einem 2:0 gegen Polen im Vorrundenspiel in Gelsenkirchen.

Foto: Janek Skarzynski/AFP via Getty Images

Die Situation ist auch deshalb besorgniserregend, da die „Tri“ ihren beiden vorangegangenen Gegnern auf dem Spielfeld statistisch überlegen war, aber zu keinem Erfolg gelangte. Gegen Curaçao kamen die Ecuadorianer auf 65 Prozent Ballbesitz. Gegen die Elfenbeinküste war die Statistik ausgeglichener.
Die größte ecuadorianische Tageszeitung „El Universo“ schreibt: „Ecuador muss gegen Deutschland gewinnen, um die schlechteste WM-Bilanz seiner Geschichte zu verhindern.“ Das Land durchlebe gerade eine der heikelsten Phasen seiner WM-Geschichte.“

Verantwortung beim Trainer, Fans sauer

Bei der Pressekonferenz nach dem 0:0 gegen Curaçao erklärte Trainer Sebastián Beccacece gegenüber der Zeitung „El Comercio“, die Verantwortung „für diese beiden miserablen Ergebnisse“ liege „vollständig bei ihm“. Gegen Curaçao hätte Ecuador „gewinnen müssen, und das haben wir nicht geschafft“, so der aus Argentinien stammende Trainer. Besonders beliebt ist er bei den Fans der Mannschaft nicht.
Ecuadors argentinischer Cheftrainer Sebastián Beccacece beim Spiel gegen Curaçao. Das Unentschieden sicherte seiner Mannschaft den ersten und bislang einzigen Punkt in der Vorrunde. Ein Ergebnis, mit dem weder Trainer noch Fans zufrieden sind.

Ecuadors argentinischer Cheftrainer Sebastián Beccacece beim Spiel gegen Curaçao. Das Unentschieden sicherte seiner Mannschaft den ersten und bislang einzigen Punkt in der Vorrunde. Ein Ergebnis, mit dem weder Trainer noch Fans zufrieden sind.

Foto: Juan Mabromata/AFP via Getty Images

Gleichzeitig verteidigte er seine Spieler und betonte, dass die ecuadorianische Nationalmannschaft noch eine weitere Chance habe, sich zu qualifizieren. Das hieße, gegen Deutschland zu gewinnen.
Auf Social-Media-Plattformen hätten sich die Kritiken an Baccacece gehäuft. Zum Beispiel sei bedauert worden, dass eine Generation, die von vielen als eine der besten in der Geschichte des ecuadorianischen Fußballs angesehen werde, ihr Potenzial bei der Weltmeisterschaft nicht ausspielen könne.

Drei Bundesligastars in den Anden

Die derzeitige Enttäuschung der Fans ist nachvollziehbar, wenn man sich vor Augen hält, dass sich die Ecuadorianer in der Qualifikationsrunde für die WM hinter Argentinien auf Platz zwei gespielt haben. Auch das ist kein Wunder, denn Teil der Mannschaft sind zwei Starverteidiger: Willian Pacho und Piero Hincapié. Pacho und Hincapié kennen sich bestens. Beide spielten in ihrer Jugend bei dem ecuadorianischen Club Independiente del Valle. Und beide spielten auch in der Bundesliga.
Willian Pacho stand zunächst bei Royal Antwerpen unter Vertrag, in der Saison 2023/24 bei Eintracht Frankfurt. Dort absolvierte er 33 Bundesligaspiele. Eintracht-Trainer Dino Toppmöller attestierte ihm damals „Weltklassepotenzial“. Er gilt in der Fußballwelt als einer der „erfolgreichsten Verteidiger seiner Generation“, ergänzte die „Frankfurter Rundschau“.
Aktuell steht der 1,88 Meter große Fußballer – für eine Ablösesumme von 40 Millionen Euro – bei Paris St. Germain unter Vertrag und gewann in diesem Jahr mit seiner Mannschaft die Champions League. Im Finale in Budapest spielte Pacho ausgerechnet gegen seinen Landsmann Piero Hincapié, der für den englischen Club FC Arsenal antritt. Nach dem Abpfiff wurde Pacho vom europäischen Fußballverband UEFA zum Spieler des Spiels gekürt – eine Auszeichnung, die seinen herausragenden Auftritt im Champions-League-Endspiel unterstrich. Er verfügt über Zweikampfstärke und Übersicht in der Defensive und im Mittelfeld.
Piero Hincapié steht seinerseits nur noch wenige Tage bis zum 30. Juni bei Bayer 04 Leverkusen unter Vertrag. Seit dem vergangenen Jahr ist er bereits an den FC Arsenal ausgeliehen. Wie „BILD“ im März berichtete, wird Hincapié für 52 Millionen Euro vom FC Arsenal übernommen. Aus finanziellen Gründen konnten die Leverkusener den Topspieler nicht länger halten, wird Sport-Chef Simon Rolfes zitiert.
Als weiteres Ass in der Abwehr wird Pervis Estupiñán zu sehen sein. Er spielt seit 2025 für den AC Mailand. Mit Pacho, Hincapié und Estupiñán stehen in der ecuadorianischen Mannschaft somit drei Weltklassespieler hinten, die versuchen, es den deutschen Stürmern sehr schwer zu machen, ein Tor zu erzielen. Im Sturm der Ecuadorianer soll hingegen der Bundesligaspieler Jeremy Arévalo für Tore sorgen. Der 21-Jährige steht seit Januar dieses Jahres bis 2031 beim VfB Stuttgart unter Vertrag.

Wenig Erfahrung miteinander

Was beide Nationalmannschaften eint, ist wenig Erfahrung miteinander. Insgesamt gab es erst zwei Begegnungen zwischen „La Tricolor“ und der DFB-Elf, die als einzige Mannschaft dieser WM keinen offiziellen Spitznamen hat.
Bei der WM 2006 in Deutschland gewann die DFB-Elf in der Gruppenphase mit 3:0 gegen Ecuador. Die Tore erzielten damals Miroslav Klose (4. und 44.) sowie Lukas Podolski (57.). Im Mai 2013 kam es in den USA zu einem Freundschaftsspiel beider Mannschaften. Vor 5.000 Zuschauern gelangen den Ecuadorianern damals zwei Treffer gegen den deutschen Torwart René Adler. Zugleich kassierten sie vier Treffer – 2 x Podolski, 2 x Bender –, sodass es am Ende 4:2 stand.
Doch Bundestrainer Julian Nagelsmann tut gut daran, sich weder dank des bisherigen deutschen Erfolgs zurückzulehnen noch auf die Mathematik zu verlassen. Er sagte nüchtern vor der Presse: „Der nächste Schritt ist jetzt, das Spiel gegen Ecuador zu gewinnen und dann die Aufgaben abzuarbeiten, die vor uns liegen.“

Zwei vage Prognosen

Der ehemalige Weltmeister Lothar Matthäus denkt in eine ähnliche Richtung und gibt Nagelsmann den Rat: „Man sollte einen Rhythmus und Kern beibehalten. Jetzt im Spiel gegen Ecuador keine Experimente machen. Das wäre der falsche Ansatz.“
Allerdings, ganz ohne „Umbau“ der Deutschland-Elf kommt Nagelsmann nicht aus. Innenverteidiger Nico Schlotterbeck von Borussia Dortmund hat sich im Spiel gegen die Elfenbeinküste einen Innenbandriss im linken Sprunggelenk zugezogen. Er fällt für die restliche WM-Spielzeit aus und muss ersetzt werden. Er ist nach Lennart Karl, der sich kurz vor WM-Beginn verletzt hatte, der zweite Ausfall für die deutsche Mannschaft.
Weil es bei Ecuador um alles geht und Deutschland sich teilweise neu aufstellen muss, wird allgemein mit einem knappen Ergebnis gerechnet. Was früher ein tierisches Orakel war, ist heute die KI – und die sagt einen 2:1-Sieg für die DFB-Elf voraus. Ginge man allein von den Zahlen der bisherigen Länderspiele aus, müsste das kommende Spiel mit einem 5:4 ebenso knapp an Deutschland gehen.
Die Prognose für den WM-Auftakt der Deutschen von Andreas Rettig, Chef des Deutschen Fußballbundes, lautete übrigens „Sieg, aber nicht 5:0“ – in beiden Punkten sollte er recht behalten. Was von aktuellen Vorhersagen zu halten ist, wissen wir kurz nach Mitternacht.
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Szenario RCP8.5 offiziel „unplausibel“ – Was steckt dahinter?


In Kürze:

  • Das extreme Emissionsszenario RCP8.5 gilt seit Anfang April als „unplausibel“.
  • Die Bundesregierung beruft sich in mehreren Dokumenten darauf, hält aber am Kurs ihrer Klimapolitik fest.
  • Die RCP-Modelle prognostizieren die mögliche Entwicklung der Treibhausgaskonzentration bis zum Jahr 2100.
  • RCP8.5 geht von einem hohen Verbrauch fossiler Brennstoffe und keinen Klimaschutzmaßnahmen aus.
  • Mehrere Wissenschaftler kritisierten schon früh den fehlenden Bezug des Extremmodells zur Realität.

 
Mit Temperaturen von teils über 30 Grad Celsius in der letzten Maiwoche 2026 in Deutschland, Frankreich und sogar in Großbritannien bleibt die Diskussion um den Klimawandel präsent.
Mit verschiedenen Klimamodellen versuchen Wissenschaftler bereits seit Jahrzehnten vorherzusagen, wie sich die klimatischen Bedingungen auf unserer Erde künftig weiterentwickeln könnten. Insbesondere die Veränderung der mittleren Temperatur der Atmosphäre ist von großem Interesse. Viele Regierungen und Organisationen befürchten mit steigenden Temperaturen mehr Naturkatastrophen, Schäden – und letztlich höhere Kosten.
Das extreme Emissionsszenario RCP8.5 gilt seit dem 7. April offiziell als „unplausibel“, also als nicht schlüssig. Das bedeutet, dass es die Realität nicht widerspiegelt. Während die einen RCP8.5 für Betrug oder Übertreibung halten, sehen andere die aktuelle Neubewertung als Beleg für die Wirksamkeit der bisher umgesetzten Klimaschutzmaßnahmen.

Zehntausende Studien ohne wissenschaftliche Grundlage?

Die neue Einstufung der Extremszenarien als „unplausibel“ könnte weitreichende Konsequenzen für die Klimapolitik etlicher Länder haben. Viele politische Kampagnen und Gesetze basieren auf wissenschaftlichen Arbeiten, die sich am bisherigen Extremszenario orientierten.
Eine Google-Scholar-Suche ergab laut dem Wissenschaftsportal „Issues“, dass es allein im Zeitraum von Anfang 2020 bis Mitte Juni 2021 weltweit mehr als 8.500 Artikel gab, die „unrealistische Basisszenarien“ verwendeten. Fast 7.200 davon basierten auf dem RCP8.5-Modell.
Insgesamt ist die Rede von Zehntausenden Forschungsarbeiten, die sich am RCP8.5-Modell oder dem vergleichbaren SSP5-8.5-Modell orientierten – und weiterhin orientieren. Diesen Arbeiten wurde mit der Neubewertung von RCP8.5 im schlimmsten Fall die wissenschaftliche Grundlage entzogen. Mindestens jedoch müssten ihre Ergebnisse ebenfalls auf Plausibilität geprüft werden.

Basiert die deutsche Klimapolitik auf dem Extremszenario?

Auch in der Politik spielt RCP8.5 eine wichtige Rolle. Neben Staaten wie den USA, Großbritannien, Japan und den Niederlanden berufen sich zahlreiche Banken, darunter die Weltbank und die Europäische Zentralbank, darauf.
In Deutschland hatte die Ampelregierung das extreme Klimaszenario für ihre „Klimawirkungs- und Risikoanalyse“ 2021 (KWRA 2021) sowie für neue Gesetze zugrunde gelegt. Ebenso beziehen sich die „Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel 2024“ (DAS 2024) sowie das „Bundes-Klimaanpassungsgesetz“ (KAnG) indirekt auf die Extremszenarien. Sie bauen auf der KWRA 2021 auf oder beziehen sich darauf.

Besonders der ehemalige Wirtschaftsminister Robert Habeck und seine Partei der Grünen haben einen Schwerpunkt auf die Erreichung der Klimaziele gelegt.

Foto: von Sean Gallup/Getty Images

Energiewende, Wärmewende oder konkrete Instrumente wie der CO₂-Preis basieren ihrerseits nicht direkt auf den Extremszenarien. In den entsprechenden Gesetzen und offiziellen Papieren werden RCP8.5 und SSP5-8.5 nicht namentlich als Treiber für die jeweiligen Maßnahmen genannt. Sie dienen jedoch dazu, die vom Bund gesetzten Klimaziele umzusetzen. Ziel der Politik ist es, das genannte Extremszenario zu vermeiden.

Bundesregierung spricht von Erfolg und plant keine Neuausrichtung

KWRA 2021, DAS 2024 und KAnG sollen allesamt Anpassungen in Bezug auf Deutschlands Klimaschutzpolitik bewirken. Nach der Neubewertung der Extremszenarien stellt sich die Frage, ob diese entsprechend anzupassen sind. Die Entschärfung mancher Klimamaßnahmen könnte eine mögliche logische Folge sein.
Eine Anfrage der Epoch Times an das Bundesumweltministerium (BMUKN) zu den Auswirkungen des Wegfalls extremer Klimamodelle beantwortete die Behörde nur knapp. Sie bezeichnete die Entwicklung lediglich als „ein Erfolg für die Klimapolitik“.
Entsprechend sieht die Regierung keinen Bedarf, eine Anpassung in ihrer Klimapolitik vorzunehmen. „Jedes Zehntelgrad weniger Erwärmung kann die Risiken des menschengemachten Klimawandels und seine Folgekosten senken“, so der Ministeriumssprecher.

Hohe Emissionen bleiben Standard

Am 18. Mai 2026 veröffentlichte der Expertenrat für Klimafragen seinen Prüfbericht zur Berechnung der deutschen Treibhausgas-(THG)-Emissionen für 2025 und zu den Projektionsdaten für 2026. Dieser Expertenrat ist ein wissenschaftliches Gremium, das eine entscheidende Rolle beim Monitoring der deutschen Klimapolitik und bei der Umsetzung des Bundes-Klimaschutzgesetzes spielt.
Wie aus der Veröffentlichung hervorgeht, arbeitet das Gremium nach wie vor mit denselben Emissionsbudgets. Ein direkter Bezug zu den RCPs oder anderen Klimamodellen ist in den entsprechenden Dokumenten nicht erkennbar. Allerdings ist dieser auch nicht auszuschließen.
Klaren Bezug zu den Extremszenarien nimmt hingegen das mecklenburg-vorpommersche Klimaportal „klima.mv“. Dort heißt es unter anderem, dass für künftige Analysen, wie „die nächste Risikoanalyse des Bundes (und voraussichtlich auch der Bundesländer) das etwas niedrigere Szenario SSP3-7.0“ relevant sein werde. Demnach ist anzunehmen, dass bei aktuellen Analysen, wie im Fall der oben genannten „Klimawirkungs- und Risikoanalyse“ des Bundes 2021 geschehen, das höhere Extremszenario SSP5-8.5 – eine Erweiterung von RCP8.5 – als Grundlage diente.
Im Rahmen des Klimaportals bezeichnet das Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt MV das RCP8.5-Szenario als „weiter wie bisher“. Eine Bezeichnung, die schon früh für Widerstand sorgte. SSP3-7.0 ist ebenfalls ein Hochemissionsszenario, an dem es Kritik gibt.

Zukünftige Temperaturentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern laut dem dortigen Ministerium für Klimaschutz.

Was ist „RCP8.5“ eigentlich, wo kommt es her und was sagt es aus?

RCP steht für „Representative Concentration Pathway“ und heißt übersetzt: Repräsentativer Konzentrationspfad. Das ist die Bezeichnung für künftige Emissionsszenarien, die der Weltklimarat, offiziell das Zwischenstaatliche Gremium für Klimawandel (IPCC), verwendet hat.
Die RCP-Szenarien entstanden ab 2007 durch sogenannte Bewertungsmodellgruppen, um Daten für weitere Klimamodelle zu liefern. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die weltweiten Klimaschutzbemühungen noch überwiegend am Anfang. Der weltweite Anteil von Windkraft und Photovoltaik machte rund 3 Prozent aus. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr hatten diese beiden Energiequellen einen Anteil von 17,3 Prozent an der weltweiten Stromproduktion.
Große Aufmerksamkeit erhielten die Szenarien erstmals in den Jahren 2013 und 2014 im Rahmen des Fünften Sachstandsberichtes (AR5) zum Klimawandel. Parallel dazu stellte der Weltklimarat die Szenarien RCP6, RCP4.5 und RCP2.6 vor. Die RCP-Szenarien ersetzten die früheren SRES-Szenarien (Special Report on Emissions Scenarios) aus dem Jahr 2000.
Im Zeitraum von 2016 bis 2018, also nach dem Pariser Klimaabkommen, entwickelten Wissenschaftler zusätzlich das Szenario RCP1.9. Die Forscher ergänzten es speziell, um einen ambitionierten Konzentrationspfad darzustellen, der dem 1,5-Grad-Celsius-Ziel des Pariser Abkommens entspricht.
In allen Fällen geht es dabei um die Entwicklung der Konzentration von Treibhausgasen in der Erdatmosphäre. Das für das IPCC relevanteste Treibhausgas in Bezug auf die Erderwärmung ist Kohlenstoffdioxid (CO₂). Daneben existieren weitere, einschließlich Methan und Wasserdampf.
Darauf aufbauend versuchen die Wissenschaftler, die resultierende Erwärmung bis zum Jahr 2100 vorherzusagen. Eine wesentliche Rolle spielt hierbei der sogenannte Strahlungsantrieb. Er beschreibt die Änderung der Energiebilanz der Erde, oder anders gesagt, wie viel mehr oder weniger Energie auf der Erde ankommt. Das hängt unter anderem vom Reflektionsvermögen der Wolken ab.
Das Szenario RCP8.5 steht in diesem Zusammenhang für eine Steigerung der eingestrahlten Energie um rund 8,5 Watt pro Quadratmeter (W/m²) bis zum Jahr 2100. Als Referenz gilt die vorindustrielle Zeit um 1850, die das Ende der Kleinen Eiszeit markiert.
Bis etwa 1975 lag der Strahlungsantrieb unter 1,0 W/m². Anschließend ist der Wert auf aktuell rund 3,0 W/m² angestiegen. Beim möglichen Entwicklungspfad des RCP8.5-Szenarios wäre der Strahlungsantrieb bis 2100 somit fast dreimal so hoch wie heute.

Frühe Kritik am Extremmodell

Damit derartige Werte erreicht werden, nimmt das Szenario ein weltweit hohes Bevölkerungs- und langsames Einkommenswachstum an. Zudem fallen die Fortschritte bei der Energieeffizienz und Technologie allgemein niedrig aus. Gleichzeitig schließt man jegliche Klimaschutzmaßnahmen aus. Diese Annahmen hätten eine deutliche Steigerung der Nutzung fossiler Brennstoffe zur Folge, was letztlich die Treibhausgasemissionen – und den zu erwartenden Temperaturanstieg – stark erhöhen würde.
Bis zum Jahr 2100 nimmt das RCP8.5-Modell einen CO₂-Anteil in der Atmosphäre von mehr als 1.200 Teile pro Million (ppm) an. Aktuell liegt er bei rund 430 ppm. Auf diese Weise errechnete man einen Anstieg der Temperaturen von 2,6 bis 4,8 Grad Celsius bis 2100.
Einer der frühesten Kritikpunkte an RCP8.5 lautete, dass es unmöglich sei, die erforderlichen Mengen an Kohle, Öl und Gas zu verbrennen. Würde die Menschheit den prognostizierten Entwicklungspfad beschreiten, gingen uns bereits deutlich vor Ende des Jahrhunderts die fossilen Brennstoffe aus. Mit anderen Worten: Selbst wenn wir es darauf anlegen würden, wäre das Szenario unerreichbar.
Trotz dieses fundamentalen Widerspruchs zwischen Modell und Wirklichkeit, wurde – und wird – das Szenario vielfach als „business-as-usual“ beziehungsweise als „weiter-wie-bisher“ bezeichnet. Sprich, es sei die wahrscheinlichste Entwicklung, wenn sich nichts grundlegend ändert.
Neben der anfänglichen Unmöglichkeit haben die Entwicklungen seit 1990 – speziell der massive Ausbau der „erneuerbaren“ Energien oder strengere Emissionsrichtlinien – das extreme Szenario immer unrealistischer werden lassen. Viele Wissenschaftler wie Prof. Roger Pielke Jr. kritisierten daher den zunehmenden Verlust des Realitätsbezugs in den Szenarien. Der Professor der Universität Colorado Boulder bezeichnete dies im Jahr 2021 als „ein Versagen der Selbstkorrektur in der Wissenschaft“. Bezogen auf RCP8.5, das er als das am häufigsten verwendete RCP-Szenario identifizierte, sagte er:
„RCP8.5 […] repräsentiert nicht nur eine unglaubwürdige Zukunft im Jahr 2100, sondern eine Gegenwart, die bereits erheblich von der Realität abweicht.“
Verstärkte Kritik am RCP8.5-Modell kam laut dem Klimaportal „Carbon Brief“ aber schon in den 2010er-Jahren auf. So fragten die Forscher Justin Ritchie und Hadi Dowlatabadi 2017: „Warum kehren Klimaszenarien zu Kohle zurück?“
Wie aus dem Titel zu entnehmen ist, ist der Hauptkritikpunkt die Annahme einer vollständigen Rückkehr der Gesellschaft zur Kohleverbrennung, um Energie zu gewinnen. Da zu dieser Zeit bereits große Anstrengungen zur Verbreitung von grüneren Technologien existierten, bezeichneten Ritchie und Dowlatabadi RCP8.5 als „einen unwahrscheinlichen Referenzfall“. Sie warnten eindrücklich:
„RCP8.5 sollte keine Priorität für die künftige wissenschaftliche Forschung haben oder ein Maßstab für politische Studien sein.“

Am Anfang war die Zukunft „von Natur aus unvorhersehbar“

Die Ersteller dieses Klimamodells hatten nicht beabsichtigt, es als business-as-usual zu etablieren und als das wahrscheinlichste Szenario darzustellen. Im SRES-Report aus dem Jahr 2000 heißt es wörtlich:
„Das Autorenteam ist sich weitgehend einig, […] dass die Zukunft von Natur aus unvorhersehbar ist […]. Daher ist die Entwicklung eines einzigen ‚Best-Guess‘- oder ‚Business-as-usual‘-Szenarios weder wünschenswert noch möglich.“
Letztlich ignorierte das IPCC jedoch seine eigenen Aussagen. Forscher bezeichneten die RCP-Szenarien schon bald als plausibel und wiesen ihnen Wahrscheinlichkeiten zu. RCP8.5 ernannten sie in diesem Zuge zum einzigen Business-as-usual-Szenario der Klimamodellreihe.
Somit erhielt das RCP8.5 den Status als das wahrscheinlichste Zukunftsszenario, sofern die Regierungen dieser Welt keine weiteren Klimaschutzmaßnahmen einleiteten. Dies verlieh dem Extremmodell unter den RCPs sowie unter Hunderten Referenzszenarien der IPCC-Szenariodatenbank einen besonderen Stellenwert und Beachtung in Wissenschaft und Politik.

Nachfolger von RCP8.5 ebenfalls umstritten und zurückgezogen

Im Sechsten Sachstandsbericht (AR6, 2021 bis 2023) entwickelte das IPCC die RCPs zu den sogenannten Shared Socioeconomic Pathways (Gemeinsame sozioökonomische Entwicklungspfade, kurz SSPs) weiter. Dies fand statt, weil die RCP-Modelle aus AR5 nur die Strahlungsantriebe und die damit verbundenen Treibhausgaskonzentrationen beschrieben hatten. Sie gaben keinen Aufschluss darüber, durch welche Faktoren eine Gesellschaft zu diesem Pfad gelangen würde.
Die SSP-Modelle aus dem AR6 kombinieren hingegen fünf verschiedene gesellschaftliche Szenarien (SSP1 bis SSP5) mit Emissionspfaden. Durch ihre sozioökonomischen Aspekte sind die Szenarien besser für bestimmte Analysen geeignet. Aus RCP8.5 wurde dabei SSP5-8.5.
Dieses neue Extremszenario ging von einem hohen Wirtschaftswachstum und hohen Emissionen aus. Diese sollten einen tiefergehenden Einblick bieten, wie eine Welt ohne zukünftige Klimapolitik aussehen könnte.
Die Kritik der Wissenschaftsgemeinde und die Selbstkorrektur der Klimaorganisationen führten letztlich dazu, dass RCP8.5 nicht mehr als relevant gilt. Bei der jüngsten Neubewertung der Klimamodelle haben 44 IPCC-Autoren neben RCP8.5 auch die Szenarien SSP5-8.5 und SSP1-1.9 als „unplausibel“ bezeichnet. Welche Rolle diese Szenarien weiterhin in Forschung und Politik einnehmen werden, wird die Zeit zeigen müssen.
Unter den noch plausiblen Szenarien gilt nun SSP3-7.0 als das „höchste Szenario“. Es geht von nur noch knapp halb so hohen Emissionen und einer Erwärmung von 2,8 bis 4,6 Grad Celsius aus. Auch hierin werden Annahmen getroffen, die unter Fachleuten heute als unplausibel gelten. Dies betrifft insbesondere die Entwicklung der Weltbevölkerung und – den aktuellen Klimaschutzmaßnahmen zum Trotz – bis zum Ende des Jahrhunderts ungebremst ansteigende Emissionen.

Entwicklung der CO₂-Emissionen aus fossilen Kraftstoffen und Industrie (FFI) im 21. Jahrhundert.

Foto: The Honest Brocker/Substack im Auftrag von Roger Pielke Jr.

Maitemperaturrekord von 1922

Unabhängig von Prognosen lohnt sich auch immer ein Blick in die Vergangenheit. Im vergangenen Jahrhundert waren im Mai in Deutschland ebenfalls gelegentlich Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius aufgetreten. Den Rekord stellte Hamburg mit 36,6 Grad auf – im Mai 1922.
Was anstieg, ist die Anzahl der heißen Maitage in den vergangenen Jahren. Im vorherigen Jahrhundert waren Tage mit Temperaturen über 30 Grad im Mai noch eine Seltenheit.
Ebenso lag die mittlere Maitemperatur hierzulande im ausgewählten Zeitraum von 1961 bis 1990 bei rund 12 Grad. Von 1991 bis 2020 kletterte die durchschnittliche Maitemperatur auf rund 13,3 Grad an. In diesem Zeitraum nahm auch die Sonnenscheindauer zu und Städte und Verkehrsflächen wuchsen.
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RCP8.5: Extreme Klimaprognose als unrealistisch eingestuft


In Kürze:

  • Das extreme RCP-8.5-Klimamodell ist inzwischen als unrealistisch eingestuft worden.
  • Es prognostiziert eine Erwärmung von bis zu 4,8 Grad Celsius bis zum Jahr 2100.
  • Viele Organisationen und Regierungen haben es als Basis für ihre Arbeiten im Bereich Klima verwendet.

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Bereits seit Jahrzehnten liefert die Wissenschaft verschiedene Prognosen, die die künftige Entwicklung des Erdklimas, speziell der Durchschnittstemperatur, vorausberechnen. Das extremste Szenario – das RCP-8.5-Modell – gilt inzwischen als unrealistisch.
Dieses Modell prognostiziert eine Erwärmung der Erde um 2,6 bis 4,8 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts. Wie sich nun herausstellt, basierte diese Berechnung auf übertriebenen Annahmen.

Wie sieht das RCP-8.5-Szenario aus?

Die neue Einstufung des RCP-8.5-Modells kommt vom Ausschuss ScenarioMIP, der auch den Weltklimarat mit Daten beliefert. Dieser Ausschuss stellte kürzlich eine neue Ausarbeitung mit einem Szenariomodell vor, das das Extremszenario RCP 8.5 ebenso wie das hoch angesetzte Szenario SSP5-8.5 nicht aufführt.
In der Ausarbeitung heißt es zudem: „Außerdem wurden im Laufe der Zeit Zweifel an der Plausibilität der extremsten Szenarien laut.“ Dazu zählen die Modelle SSP5-8.5 und sein Vorläufer RCP 8.5 sowie SSP1-1.9. Erstere sind die Szenarien mit der höchsten Erwärmung, letzteres jenes mit der niedrigsten.
Im Detail beschreibt RCP 8.5 ein Hochemissionsszenario, bei dem verstärkt fossile Energieträger zum Einsatz kommen und kaum Klimaschutzmaßnahmen existieren. Zudem enthält es eine schnell wachsende Weltwirtschaft mit entsprechend hohen Emissionen. Bis zum Jahr 2100 würde der CO₂-Anteil in der Atmosphäre demnach auf mehr als 1.200 ppm (Teile pro Million) ansteigen. Aktuell liegt er bei rund 430 ppm.

Verschiedene Prognosen der Erdtemperaturentwicklung bis zum Jahr 2300. Bis 2100 erwartet das RCP-8.5-Modell eine Erwärmung um bis zu 4,8 Grad Celsius.

Foto: IPCC

RCP bedeutet auf Deutsch „repräsentativer Konzentrationspfad“. Das sind von Forschern erstellte Szenarien, die die zukünftigen Emissionspfade modellieren, also wie viel der Mensch an Treibhausgasen künftig ausstößt. Von diesen Emissionsszenarien leiten sie anschließend die mittlere Temperatur der Erdatmosphäre bis zum Jahr 2100 ab.

Als Maßstab verwendet

Viele Organisationen sowie Regierungen vieler Länder bezeichneten das Hochemissionsszenario als „business as usual“. Das bedeutet, dass sie es als realistischen Maßstab verwendeten und ihre Arbeit danach ausrichteten.
Sie betrachteten es damit als die wahrscheinlichste Klimaprognose der kommenden Jahrzehnte. So entstand ein regelrechter Klimaalarmismus in der Gesellschaft mit dem Ziel, konzertierte Anstrengungen zur Senkung der Treibhausgasemissionen voranzutreiben.
Inzwischen ist jedoch zu beobachten, dass viele Länder verstärkte Investitionen in die grüne Energiewende tätigen. Windkraft- und Solaranlagen oder andere emissionsärmere Kraftwerksarten und Technologien etablieren sich immer mehr in der Gesellschaft.

Weitreichende Konsequenz

Die neuen Erkenntnisse hätten zur Folge, dass viele wissenschaftliche Arbeiten, die mit dem RCP-8.5-Modell arbeiteten, aktualisiert werden müssten. Wie viele wissenschaftliche Arbeiten davon betroffen sind, ist nicht genau zu beziffern.
Laut dem Wissenschaftsportal „Issues“ ergab eine Google-Scholar-Suche, dass es allein im Zeitraum von Anfang 2020 bis Mitte Juni 2021 mehr als 8.500 Artikel gab, die „unrealistische Basisszenarien“ verwenden. Fast 7.200 davon basierten auf dem RCP-8.5-Modell.
Insgesamt ist die Rede von Zehntausenden Forschungsarbeiten, die das RCP-8.5- oder das vergleichbare SSP5-8.5-Modell verwendet haben.