Geschichtete Perowskitsolarzellen versprechen leichtere, kompaktere und günstigere Solarzellen.
Durch die Schichtung mehrerer Zellen übereinander steigt der Wirkungsgrad um 50 bis 100 Prozent gegenüber einfachen Siliziumzellen.
Großer Nachteil sind Stabilität und Haltbarkeit des Materials, woran noch geforscht wird.
Eine erste Auslieferung der neuartigen Solarmodule hat ein deutsches Solarunternehmen bereits getätigt.
Der Solar-Boom setzt sich sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern weiter fort. Silizium ist hierbei das dominierende Material, das das Sonnenlicht in elektrischen Strom umwandeln kann.
Doch das Element könnte schon bald Konkurrenz bekommen und sogar abgelöst werden. Denn bei der Suche nach immer höheren Wirkungsgraden stehen Forscher mit Perowskitsolarzellen vor einer der vielversprechendsten Effizienzsteigerungen in der Photovoltaik.
Was ist Perowskit?
Perowskit ist ein natürliches Mineral. Chemisch gesehen handelt es sich um ein Calcium-Titan-Oxid beziehungsweise Calciumtitanat. Dieses Mineral selbst hat nichts mit Photovoltaik zu tun.
Seine Kristallgitterstruktur dient jedoch als Vorbild für das künstlich hergestellte Material, das letztlich für Perowskitsolarzellen zum Einsatz kommt. Die Forscher verwenden dafür Stoffe wie Blei, Zinn, Methylammonium, Caesium sowie Chlor, Brom oder Jod. Diese können in Kombination mit der Kristallgitterstruktur Sonnenlicht besonders effektiv in Strom umwandeln.
Im Gegensatz zum Halbleitermaterial Silizium ist die Herstellung von Perowskitsolarzellen deutlich einfacher.Silizium muss bei Temperaturen von rund 1.400 Grad Celsius geschlozen werden. Anschließend entstehen bei der Weiterverarbeitung in aufwendigen Schritten die bekannten Solarwafer, die gut 150 Mikrometer (µm) dick sind.
Für die Verarbeitung von Perowskit sind hingegen weniger als 200 Grad Celsius erforderlich. Zudem ist die aufgetragene Perowskitschicht nur rund 0,5 µm dick. Das birgt das Potenzial, bei der Herstellung viel Energie und Material einsparen zu können.
Fortschritt beim Wirkungsgrad
Heutige gängige Solarmodule erreichen je nach Herstellungsart einen Wirkungsgrad von 10 bis 22 Prozent erreichen – nur selten liegt dieser darüber. Die theoretische Obergrenze des Wirkungsgrads von Silizium liegt bei 29,3 Prozent.
Eine Möglichkeit, diesen Wert zu erhöhen, ist der Einsatz von sogenannten Mehrschichtsolarzellen. Dabei legen die Entwickler zwei oder mehr Schichten unterschiedlicher Wafer übereinander, die verschiedene Bereiche des Lichtspektrums in Strom umwandeln können.
Grafische Darstellung des Aufbaus einer Einzelsolarzelle und einer Tandemsolarzelle sowie deren Lichtspektrennutzung.
Erst im Frühling dieses Jahres haben Schweizer Forscher auf diese Art eine neue Solarzelle entwickelt, die eine hohe Effizienz und skalierbare Fertigung kombiniert. Der Zellaufbau ist dreiteilig. Die untere Zelle besteht aus Silizium. Darauf sind als mittlere und obere Zellschicht dünne Perowskitfilme aufgetragen.
Die beiden oberen Perowskitschichten, nutzen sie das kurzwellige Licht, also eher die Blau- und Grünanteile. Das Silizium hingegen verwendet eher die langwelligen roten Lichtanteile.
Fast die Hälfte des Sonnenlichts in Strom umgewandelt
Die neue Zelle erreicht laut dem entsprechenden Papier beim Wissenschaftsportal „Nature“ einen zertifizierten Wirkungsgrad von 30,02 Prozent. Damit übertrifft es den früheren Rekordwert für jene Anordnung von 27,1 Prozent. Zugleich besteht noch Luft nach oben. Theoretisch wäre mit solchen Zellen ein Wirkungsgrad von bis zu 40 Prozent möglich.
Der bisherige Wirkungsgradweltrekord liegt sogar bei 47,6 Prozent – aufgestellt von Forschern des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE.
Im Mai 2022 haben sie diese hohe Effizienz unter optimierten Bedingung im Labor mit einer Vierfachsolarzelle, über 600-facher Konzentration des Sonnenlichtes und einer neuen Antireflexbeschichtung erreichen können. Dennoch ist der Wert beachtenswert. Das bedeutet, dass diese Zellen 1.000 Watt Lichtleistung in 476 Watt elektrische Leistung umwandeln können.
Dank verbesserter Antireflexionsschichten erzielten Forscher des Fraunhofer ISE den bisher höchsten Wirkungsgrad einer Solarzelle in Höhe von 47,6 Prozent.
Einen ähnlich hohen Wirkungsgrad mit 46 Prozent erreichte das Fraunhofer-Institut bereits im Jahr 2014. Auch hier verwendeten die Forscher Mehrfachsolarzellen, jedoch ohne Perowskitstruktur. Es handelte sich um eine Vierfachsolarzelle, wobei jede Teilzelle exakt ein Viertel der Lichtphotonen im Wellenlängenbereich zwischen 200 und 1750 nm in elektrische Energie umwandelte. Der damalige Rekordwert wurde bei einer rund 500-fachen Konzentration erzielt.
Darüber hinaus schafften die Forscher in den vergangenen Jahren weitere Rekordwirkungsgrade unter der 40-Prozent-Marke. So etwa 2021 mit einer Dreischichtsolarzelle mit einer Effizienz von 35,9 Prozent, allerdings ebenfalls ausschließlich auf Siliziumbasis.
Auch bei der Kostenfrage soll Perowskit gegenüber Silizium einen Vorteil haben. Bei herkömmlichen Standard-Siliziummodulen kostet das Watt an Nennleistung (Wp) 0,13 bis 0,22 Euro.
Aktuell sind Tandemzellen noch 10 bis 30 Prozent teurer pro Wp. Allerdings ist praktisch jede neue Technologie vom Übergang von der Entwicklungs- zur Marktphase vergleichsweise teuer.
Durch einfachere Herstellung und günstigen Materialaufwand dürften sie aber auf lange Sicht die Siliziummodule im Preis deutlich unterbieten. Das sollte spätestens mit der Serienproduktion und weiteren technischen Fortschritten erfolgen. Die Stromgestehungskosten können dadurch nochmals günstiger werden.
Herausforderung Haltbarkeit
Doch bei den Perowskitmodulen gibt es noch technische Probleme zu lösen, besonders was Materialstabiliät und Haltbarkeit angeht. Als Schwachstellen sind hier verschiedene Wettereinflüsse wie Feuchtigkeit, Oxidation – sprich die Reaktion mit Sauerstoff –, UV-Strahlung und Hitze zu nennen.
Der Grund für das Stabilitätsproblem liegt in der Atomstruktur des Perowskitkristalls. Der organisch-anorganische Aufbau, der diesem Material seine starken elektronischen Eigenschaften verleiht, ist auch die Erklärung seiner Zerbrechlichkeit.
So hat das ursprüngliche Material – Methylammonium-Blei-Iodid – eine entscheidende Schwäche: Das Methylammonium-Kation ist flüchtig und entweicht dem Kristallgitter bei höheren Temperaturen. Das führt zu einem schnellen Leistungsrückgang.
Ein weiterer Nachteil ist der giftige Bleigehalt. Aus diesem Grund suchen Forscher bereits nach ungiftigen Alternativen. Bisher am weitesten fortgeschritten ist diesbezüglich die Zinnhalogenid-Perowskit-Familie. Ebenso konnten Forscher die Schichtung verbessern.
Mit den bisher erreichten Verbesserungen und weiteren Optimierungen strebt das deutsche Solarunternehmen Oxford PV eine 25-jährige Betriebsgarantie für seine Tandemmodule an. Dies entspricht der heute üblichen Lebensdauer von Siliziummodulen.
Wann können wir sie kaufen?
Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen haben bereits den Sprung vom Labor auf den Markt geschafft – zumindest in einem ersten Schritt. Im September 2024 hat Oxford PV die ersten Tandemsolarmodule mit einem Wirkungsgrad von 24,5 Prozent an US-Versorgerkunden ausgeliefert.
Weitere Großproduktionen und Auslieferungen stehen noch aus. Bisher haben sich nur rund ein Dutzend Marktakteure mit der neuartigen Perowskittechnologie beschäftigt. Neben dem Versand von Oxford PV gibt es vereinzelte Produktionen, Forschungen und Partnerschaften. Erste Pilotlinien laufen.
Somit befindet sich der Marktanteil von Perowskitsolarmodulen noch bei nahezu 0 Prozent. Bis 2031 soll dieser allerdings schon auf rund 31 Prozent anwachsen. Im vergangenen Jahr dominierten Solarmodule mit monokristallinem Silizium mit einem Marktanteil von 86,1 Prozent. Der Rest entfällt vor allem auf Module auf Basis von polykristallinem Silizium.
Vorteile und Nachteile von Perowskitsolarzellen im Vergleich zu Siliziumsolarzellen
Vorteile:
Leichtere und kompaktere Module, somit bessere Integrationsmöglichkeiten in Gebäuden und Fahrzeugen denkbar.
Materialbedingt hat Perowskit einen niedrigeren Wirkungsgrad als Silizium. Dank der Schichtung können Perowskitmehrfachzellen aber eine höhere Gesamteffizienz erzielen.
Hohes Lichtabsorptionsvermögen. Die Zellen reflektieren weniger Sonnenlicht, sodass ein höherer Anteil des Lichts zur Umwandlung in Strom zur Verfügung steht.
Einsparung von Energie und Material, dadurch günstigere Herstellung absehbar.
Nachteile:
Erste Materialien waren empfindlich gegen Feuchtigkeit, Sauerstoff, UV-Strahlung und Hitze. Hier ist weitere Entwicklungsarbeit nötig.
Die Auenlandschaft entlang der Oder zeigt einen typischen Lebensraum für viele Reptilienarten. Feuchtgebiete und Flussufer können auch Lebensräume für Ringelnattern und andere Schlangenarten bieten. - Foto: Sean Gallup/Getty Images
In Kürze:
Fachleute registrieren eine Zunahme der Sichtungen von Vierstreifennatter, Vipernatter und Barren-Ringelnatter.
Alle drei Arten gelten als ungiftig und für Menschen ungefährlich.
Mögliche Ursachen sind kürzereWinter, Lebensraumverlust oder menschliche Verschleppung.
Ob sich die Arten dauerhaft in Deutschland etablieren, ist bislang ungeklärt.
Eine Veränderung der deutschen Fauna halten Herpetologen und Praktiker im Umgang mit Reptilien für denkbar. Bereits Ende Mai hatte die Reptilienauffangstation München auf Facebook mitgeteilt, dass drei Schlangenarten in Deutschland vermehrt beobachtet würden.
Diese sind hauptsächlich in Süd- und Südosteuropa heimisch. Die zunehmenden Sichtungen in Deutschland könnten auf eine mögliche Erweiterung ihres Lebensraums hindeuten. Konkret handele es sich um die Barren-Ringelnatter, die Vipernatter und die Vierstreifennatter.
Diese Schlangen könnten sich ausbreiten
Gegenüber „WELT“ erklärte der Leiter der Münchner Einrichtung, Markus Baur, dass vor allem die Vierstreifennatter in Bayern und teilweise auch in Hessen Aufmerksamkeit erregt habe. Sie sei häufig in der Nähe von Gewässern zu finden. In der Reptilienauffangstation München seien „in den letzten fünf Jahren bestimmt 15 Exemplare aus ganz Bayern gemeldet“ worden.
Am häufigsten würden jedoch Barren-Ringelnattern gesichtet. Sie ähnelt der hier heimischen Ringelnatter stark und bewohnt ebenso wie diese Flüsse, Seen und Feuchtgebiete. Während sie früher als Unterart der Ringelnatter galt, wird sie mittlerweile als eigenständige Art anerkannt.
Die Vipernatter ähnelt äußerlich einer Viper, ist aber tatsächlich eine Natter. Sie gilt als sehr flexibel bei der Anpassung an unterschiedliche Lebensräume.
Alle drei häufiger beobachteten Schlangenarten sind ungiftig und für Menschen ungefährlich. Während die Barren-Ringelnatter inzwischen als heimische Art anerkannt ist, gelten Vierstreifennatter und Vipernatter bislang nicht als etablierte Bestandteile der deutschen Fauna.
Ausbreitung über Lebensräume eine Sache von Generationen
Bisher gab es sieben Schlangenarten, die in Deutschland als heimisch eingestuft wurden. Dazu gehören die Ringelnatter, die Würfelnatter, die Schlingnatter beziehungsweise Glattnatter, die Äskulapnatter sowie die giftigen Arten Kreuzotter und Aspisviper. Auch die Barren-Ringelnatter zählt mittlerweile zu den heimischen Arten, ihr bisheriges Verbreitungsgebiet lag jedoch hauptsächlich westlich des Rheins. Vereinzelt wurde sie auch im Süden Deutschlands nachgewiesen, zuletzt nahm die Zahl der Sichtungen jedoch zu.
Als mögliche Gründe für die zunehmenden Beobachtungen sowie das Auftreten bislang nicht etablierter Arten wie der Vierstreifennatter und der Vipernatter kommen mehrere Faktoren infrage. Es sei jedoch noch zu früh, um zu beurteilen, ob es sich um eine dauerhafte Wanderungsbewegung handelt, die letztlich zu einer Ansiedlung führt. Eine Ausbreitung über die Alpen würde mehrere Generationen benötigen, erklärte Baur.
Mögliche Ursachen für solche Wanderungsbewegungen könnten steigende Temperaturen und kürzere Winter oder der Verlust geeigneter Lebensräume in den ursprünglichen Verbreitungsgebieten sein. Auch intensive Landwirtschaft oder zunehmende Bebauung könnten eine Rolle spielen. Zudem gelangen Schlangen gelegentlich durch Aussetzung, das Entweichen aus privater Haltung oder unbeabsichtigt nach Deutschland.
Afrikanische Giftschlange in Schleswig-Holstein wahrscheinlich aus Terrarium
Dies kann etwa durch den Versand von Waren in bestimmten Behältnissen aus den Herkunftsländern der Tiere geschehen. Vor zwei Jahren entdeckten Spaziergänger eine hochgiftige afrikanische Boomslang (Baumschlange) neben einer Parkbank in Oeversee bei Flensburg in Schleswig-Holstein. Wie das Tier dorthin gelangte, ließ sich nicht eindeutig klären. Möglich ist, dass es aus einem Terrarium entkommen war. Einzelne Tiere führen jedoch nicht zur Bildung eigener Populationen.
Die Reptilienauffangstation München ruft dazu auf, Schlangen nicht zu töten oder zu stören. Sichtungen sollten möglichst zeitnah gemeldet werden. Zudem sei es wichtig, die natürlichen Lebensräume der Tiere zu erhalten.
Es gibt eine Hypothese, die besagt, dass das Leben auf der Erde vom Mars stammt. - Foto: NASA/JPL
In Kürze:
Mars und Erde entstanden vor über 4,5 Milliarden Jahren, wobei der Rote Planet etwas Vorsprung hatte.
Heute bietet unser kosmischer Nachbar weder Wasser noch Atmosphäre, doch das war nicht immer so.
Während die Erde sich nach einem gigantischen Einschlag wortwörtlich neu formte, bot der frühe Mars über Jahrmillionen bessere Bedingungen für das Leben.
Könnte es sein, dass dieses frühe Leben rechtzeitig den Absprung schaffte, bevor der Mars unbewohnbar wurde, und eine neue Heimat auf der Erde fand?
Wie entstand das Leben auf der Erde? Zwar haben Wissenschaftler Theorien dazu, doch verstehen sie noch nicht vollständig, welche chemischen Abläufe genau zur Entstehung des Lebens führten und wann die ersten primitiven Lebensformen auftauchten.
Was aber, wenn das Leben auf der Erde nicht hier seinen Ursprung hätte, sondern mit Meteoriten vom Mars hierher gelangte? Es ist zwar nicht die am meisten favorisierte Theorie zum Ursprung des Lebens, bleibt aber dennoch eine faszinierende Hypothese. Hier werden wir die Argumente dafür und dagegen untersuchen.
Gute Ausgangslage auf Mars und Erde?
Der zeitliche Ablauf ist ein entscheidender Faktor. Der Mars entstand vor etwa 4,6 Milliarden Jahren, während die Erde mit 4,54 Milliarden Jahren etwas jünger ist. Die Oberflächen beider Planeten waren anfangs geschmolzen, bevor sie allmählich abkühlten und sich verfestigten.
Der frühe Mars scheint eine schützende Atmosphäre und flüssiges Wasser in Form von Ozeanen, Flüssen und Seen gehabt zu haben. Möglicherweise war er auch geothermisch aktiv, mit zahlreichen hydrothermalen Schloten und heißen Quellen, die die notwendigen Bedingungen für die Entstehung von Leben boten.
Diese Abbildung zeigt den Jezero-Krater, wie er vor Milliarden von Jahren auf dem Mars ausgesehen haben könnte, als er noch ein See war.
Foto: NASA/JPL-Caltech
Vor etwa 4,51 Milliarden Jahren prallte jedoch ein marsgroßer, felsiger Planet namens Theia auf die Ur-Erde. Durch diesen Einschlag verschmolzen beide Himmelskörper miteinander und trennten sich anschließend in unsere Erde und ihren Mond. Hätte sich Leben vor diesem Ereignis entwickelt, hätte es dieses sicherlich nicht überlebt.
Der Mars hingegen erlebte wahrscheinlich kein globales Umschmelzereignis. Der rote Planet musste im turbulenten frühen Sonnensystem zwar zahlreiche Einschläge hinnehmen, doch deuten die Beweise darauf hin, dass keiner davon groß genug gewesen wäre, um den Planeten vollständig zu zerstören. Einige Gebiete könnten daher relativ stabil geblieben sein.
Wenn also auf dem Mars kurz nach der Entstehung des Planeten vor 4,6 Milliarden Jahren Leben entstanden wäre, hätte es sich mindestens eine halbe Milliarde Jahre lang ohne größere Unterbrechungen weiterentwickeln können.
Nach dieser Zeit brach das Magnetfeld des Mars zusammen, was den Anfang vom Ende der Bewohnbarkeit des Mars markierte. Die schützende Atmosphäre verschwand, wodurch die Oberfläche des Planeten eisigen Temperaturen und ionisierender Strahlung aus dem Weltraum ausgesetzt war. Doch wie sah es auf der Erde aus? Wie schnell entstand Leben nach dem Einschlag, der den Mond formte?
Führt man den Stammbaum des Lebens bis zu seinen Wurzeln zurück, gelangt man zu einem Mikroorganismus namens LUCA (Last Universal Cellular Ancestor, zu Deutsch: letzter gemeinsamer Vorfahre aller Lebewesen). Dies ist die Mikrobenart, von der die Forschung alles heutige Leben ableitet.
Eine aktuelle Studie rekonstruierte die Eigenschaften von LUCA mithilfe der Genetik und der Fossilienfunde des frühen Lebens auf der Erde. Daraus wurde geschlossen, dass LUCA vor 4,2 Milliarden Jahren lebte – früher als einige frühere Schätzungen vermuteten.
Doch LUCA war nicht der früheste Organismus auf der Erde, sondern eine von mehreren Mikrobenarten, die zu dieser Zeit gleichzeitig auf unserem Planeten existierten. Sie standen im Wettbewerb miteinander, kooperierten, überlebten die Widrigkeiten der Natur und wehrten Angriffe von Viren ab. Wenn es vor etwa 4,2 Milliarden Jahren auf der Erde kleine, aber recht komplexe Ökosysteme gab, muss das Leben schon früher entstanden sein. Doch wie viel früher?
Vereinfachter Stammbaum des Lebens mit LUCA und LECA, wie ihn sich die Forscher vorstellen.
Die neue Schätzung für das Alter von LUCA liegt bei 360 Millionen Jahren nach der Entstehung der Erde und 290 Millionen Jahren nach dem Mond-bildenden Einschlag. Wir wissen lediglich, dass sich in diesen 290 Millionen Jahren irgendwie Chemie zu Biologie entwickelte. Reichte diese Zeit aus, damit Leben auf der Erde entstehen und sich dann zu den Ökosystemen diversifizieren konnte, die zu Lebzeiten von LUCA existierten?
Ein marsianischer Ursprung des irdischen Lebens umgeht diese Frage. Der Hypothese zufolge könnten Arten marsianischer Mikroorganismen auf Meteoriten zur Erde gelangt sein – gerade rechtzeitig, um von den günstigen Bedingungen nach der Mondentstehung zu profitieren.
Der Zeitpunkt mag für diese Idee günstig sein. Als jemand, der auf diesem Gebiet arbeitet, würde ich jedoch vermuten, dass 290 Millionen Jahre reichlich Zeit sind, damit chemische Reaktionen die ersten Lebewesen auf der Erde hervorbringen und sich die Biologie anschließend diversifizieren und komplexer werden konnte.
Die Reise vom Mars zur Erde überstehen
Das rekonstruierte Genom von LUCA lässt vermuten, dass es sich von molekularem Wasserstoff oder einfachen organischen Molekülen als Nahrungsquellen ernähren konnte. Zusammen mit anderen Hinweisen deutet dies darauf hin, dass LUCAs Lebensraum entweder ein flaches marines Hydrothermalquellen-System oder eine geothermische heiße Quelle war.
Bislang nehmen Forscher an, dass solche Umgebungen auf der frühen Erde die notwendigen Bedingungen boten, damit Leben aus nicht-lebender Chemie entstehen konnte. LUCA verfügte zudem über biochemische Mechanismen, die es vor hohen Temperaturen und UV-Strahlung schützen konnten – echte Gefahren in diesen frühen Umgebungen der Erde.
Es ist jedoch keineswegs sicher, dass frühe Lebensformen die Reise vom Mars zur Erde hätten überleben können. Und nichts im Genom von LUCA deutet darauf hin, dass es besonders gut an den Weltraumflug angepasst war.
Heiße geothermale Quellen, wie sie heute im Yellowstone National Park existieren, könnten der Lebensraum für früheste Mikroorganismen wie LUCA gewesen sein.
Foto: Daphne Zheng/iStock
Um es bis zur Erde zu schaffen, hätten Mikroorganismen zunächst den ersten Aufprall auf der Marsoberfläche und einen Hochgeschwindigkeitsausstoß aus der Marsatmosphäre überstehen müssen. Danach folgte eine fast einjährige Reise durch das Vakuum des Weltraums, bei der sie die Bombardierung mit kosmischer Strahlung überleben mussten.
Anschließend hätten sie den hochtemperaturreichen Eintritt in die Erdatmosphäre und einen weiteren Aufprall auf die Erdoberfläche überstehen müssen. Dieses letzte Ereignis hätte sie möglicherweise in eine Umgebung gebracht, an die sie auch nur ansatzweise angepasst waren – oder auch nicht.
Die Wahrscheinlichkeit, dass all dies geschieht, erscheint mir ziemlich gering. So schwierig der Übergang von der Chemie zur Biologie auch erscheinen mag, so erscheint er mir doch weitaus einfacher als die Vorstellung, dass dieser Übergang auf dem Mars stattfinden würde, wobei Lebensformen die Reise zur Erde überleben und sich dann an einen völlig neuen Planeten anpassen würden. Ich könnte mich jedoch irren.
Es ist sinnvoll, sich Studien anzusehen, die untersuchen, ob Mikroorganismen die Reise zwischen Planeten überleben könnten. Bislang sieht es so aus, als könnten das nur die widerstandsfähigsten Mikroorganismen. Dabei handelt es sich um Arten, die sich daran angepasst haben, Schäden durch Strahlung zu vermeiden, und die durch die Bildung von Sporen in der Lage sind, Austrocknung zu überleben.
In dem Mars-Meteoriten ALH84001 sollen mikroskopisch kleine Fossilien eingeschlossen sein.
Aber vielleicht könnten Mikroorganismen, wenn eine Population von ihnen im Inneren eines ausreichend großen Meteoriten eingeschlossen wäre, vor den meisten der rauen Bedingungen im Weltraum geschützt sein. Einige Computersimulationen stützen diese Idee sogar. Derzeit laufen weitere Simulationen und Laborexperimente, um dies zu überprüfen.
Dies wirft eine weitere Frage auf: Wenn Leben innerhalb der ersten 500 Millionen Jahre nach der Entstehung unseres Sonnensystems vom Mars zur Erde gelangt ist, warum hat es sich dann in den folgenden vier Milliarden Jahren nicht von der Erde auf den Rest des Sonnensystems ausgebreitet? Vielleicht sind wir also doch keine Mars-Menschen.
„Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!“ […] „Die Stadt vom Tyrannen befreien!“, so ist es im Gedicht „Die Bürgschaft“ (1879) von Friedrich Schiller zu lesen. Er schreibt im Schauspiel „Wilhelm Tell“:
„Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht, Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, Wenn unerträglich wird die Last – greift er Hinauf getrosten Mutes in den Himmel, Und holt herunter seine ew’gen Rechte, Die droben hangen unveräusserlich Und unzerbrechlich wie die Sterne selbst.“
Beide Zitate beleuchten die Problematik des Widerstands: Darf ich den Tyrannen töten?
Ein Blick in die Geschichte des Widerstandsrechts bringt uns bei der Diskussion um das Geschehen am 20. Juli 1944 auch das in Art. 20, Abs. 4 GG gewährte Recht auf Widerstand in Deutschland näher.
Es ist bekannt, dass die Grundlagen unseres heutigen Rechts ihren Ursprung im römischen Staat und Staatsdenken haben. Das römische Verwaltungsdenken ging davon aus: Der Staat schafft das Recht. Deshalb konnte er keinen Widerstand gegen seine eigene Ordnung akzeptieren, ohne damit seine eigene Grundlage infrage zu stellen. Der Glaube aber, oder die Hoffnung wie Wilhelm Tell es ausdrückt, dass außerhalb oder oberhalb des Staates auch ein Recht vorhanden sein könnte, ist germanischen – deutschen – Ursprungs.
In den Rechtssammlungen der Römer sucht man vergeblich, was sich in den Volkssammlungen unserer germanischen Vorfahren findet. So wurden beispielsweise im Zeichen des Widerstandsrechts bei den Westgoten 17 von 35 Königen getötet. In einer Chronik lesen wir: „Als der König gegen den Wunsch seines Volkes keinen Frieden schließen wollte, redete der greise Gesetzessprecher von Tiundaland: ‚Dieser König lässt keinen mit sich sprechen und mag nichts hören. Deshalb wollen wir Bauern, dass Du, König, Frieden schließt. Willst Du aber nicht, so werden wir Dich töten und nicht länger Unfrieden und Ungesetzlichkeit dulden.‘“
In der Geschichte des Mittelalters fand die bedeutendste Formulierung des Widerstandsrechts ihren Niederschlag im „Sachsenspiegel“, in der zu Beginn des 13. Jahrhunderts angefertigten Rechtssammlung des Eike von Repgow. Darin heißt es: ,„Der Mann muss auch seinem König, wenn dieser Unrecht tut, widerstehen und helfen, ihm zu wehren in jeder Weise […] Damit verletzt er seine Treuepflicht nicht.“ Eike von Repgow hat damit dem Selbstbewusstsein und der Selbstverantwortung der Deutschen ein eindrucksvolles Denkmal gesetzt.
Seite aus dem Heidelberger Sachsenspiegel, Universitätsbibliothek Heidelberg.
Heute würden wir sagen, dass der Staatsauffassung des germanischen Widerstandsrechts die Idee eines Rechtes zugrunde lag, das wir Naturrecht oder Menschenrecht nennen würden. Diesem Recht waren Herrscher und Untertanen gleichermaßen unterworfen. Es gründete auf der Annahme, dass schon vor der Entstehung staatlicher Organisation ein gutes „altes“ Recht vorhanden war, das nicht erst vom Volk geschaffen werden musste. Die rebellischen Bauern erinnerten sich in ihrem Aufstand von 1525/26 sehr wohl an diese von Gott verliehene Erlaubnis.
Die mittelalterliche römisch-christliche Kirche in Mitteleuropa sah sich mit dem germanischen Recht konfrontiert. Damit prallten zwei Welten aufeinander: Die Vorstellung, dass die Staatsgewalt vom Volke ausgehe, lag außerhalb der Fantasie der römischen Christen. Die germanischen Staatsgründungen bauten aber auf dieser vom Volk ausgehenden Gewalt auf; sie verkündeten die Verantwortung der Freien für die Organisation des Staates. Theorie und Praxis der Demokratie, der Volkssouveränität und des Widerstandsrechts standen zunächst in einem unüberbrückbaren Gegensatz zu der römisch-christlichen Vorstellung eines göttlichen König- und Kaisertums.
Die Bibel lässt die Antwort nach dem Widerstandsrecht offen. Nach einem Paulus-Wort sei jedermann der Obrigkeit untertan, denn „es ist keine Obrigkeit ohne Gott“ (Röm 13,1). Allerdings lesen wir auch: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“
Während der Katholizismus schließlich Widerstand und Gehorsam durch seine Tyrannenlehre versöhnte, wurde die protestantische Kirche in Deutschland durch die Verbindung von Thron und Altar in den letzten Jahrhunderten in dem Sinne beeinflusst, dass dem Gehorsam gegenüber dem Staat, auch gegen den Sozialismus von 1933 bis 1945, bedingungslos zu folgen sei.
Grenzen staatlicher Macht
Der Philosoph, der neben Friedrich Hegel das Denken der Deutschen am stärksten beeinflusste, war Immanuel Kant. Er bestritt das Recht auf Widerstand ausdrücklich, da es in keiner Verfassung stehe und dort auch keinen Platz habe. Denn durch die Einräumung eines Widerstandsrechts hebe sie sich selbst auf.
Hegel meinte, „Jedes Volk hat deswegen die Verfassung, die ihm angemessen ist und für dasselbe gehört.“ Fassungslos musste Deutschland in den 1960er-Jahren bei der Beobachtung des Eichmann-Prozesses in Jerusalem feststellen, dass sich der Mitverantwortliche für den Holocaust nicht ohne Grund auf Hegels und Kants Rechtspositivismus bei seinen Entscheidungen in der Zeit des Nationalsozialismus berufen konnte. Wer sich diesen Auffassungen verschrieben hat, kann logischerweise nicht gegen Verletzungen von Naturrechten protestieren.
Die Opposition im sozialistischen Hitlerstaat erinnerte sich nun an ein Recht, das sich nicht auf Kant und Hegel berufen konnte. Professor Kurt Huber wurde im Jahr 1943 zusammen mit den Geschwistern Scholl angeklagt. Er sprach zum Schluss seines Prozesses die Rechte und Pflichten zum Widerstand an und umriss die Grenzen der Staatsgewalt: „Legales Verhalten des Bürgers wird unsittlich, wenn es zum Deckmantel einer Feigheit wird, die sich nicht getraut, gegen offenkundige Rechtsverletzungen aufzutreten.“
Im deutschen Widerstand während der Zeit des nationalen Sozialismus trafen Persönlichkeiten von ungewöhnlichem Format zusammen, die aus den verschiedensten Schichten und Ständen des deutschen Volkes hervorgegangen waren. Wie konnten Konservative, Sozialisten, Gutsbesitzer und Arbeiter, Katholiken und Protestanten nun den Kampf gegen den Tyrannen führen und gewinnen, ohne selbst zur Gewalt zu greifen?
Schwere Gewissenskonflikte wurden offenbar: Kann man, darf man Gewalt einsetzen, wenn man Gewalt beseitigen will? Viele Widerstandskämpfer standen vor dieser Frage hilflos und ohne Entscheidung. Die Aufforderung zum Handeln hätte man beim sozialistischen Tyrannen selbst finden können.
Champagner ist eines der teuersten Getränke weltweit und ist der Inbegriff von Luxus. - Foto: Olga Yastremska/iStock
In Kürze:
Champagner gilt heute als Luxusgetränk und wird mit französischer Weinanbaukunst in Verbindung gebracht.
Tatsächlich stammt die Grundlage aus Frankreich, doch erhielt der Schaumwein erst in England seine Bläschen, Glasflaschen und Korken.
Im Jahr 1889 war auf der Weltausstellung in Paris eine Werbebroschüre für Champagner im Umlauf. Darin hieß es, dass Dom Pérignon – ein Mönch der Benediktinerabtei von Hautvillers – der „Erfinder“, „Schöpfer“ oder „Entdecker“ des prickelnden Alkohols war. „Kommt, Brüder! Ich trinke Sterne!“ lautet das berühmte Zitat, das ihm oft zugeschrieben wird.
Die Geschichte eines blinden Mönchs, der eine Erleuchtung hatte und zufällig auf das Geheimnis der Perlage stieß, war verführerisch. Sie verband göttliche Offenbarung mit französischem Weinbaukönnen und schuf so ein nationales Symbol, das tief in der französischen Landschaft verwurzelt ist.
Die Wahrheit sieht jedoch etwas anders aus. Dom Pérignon trug zwar zur Verbesserung der Weine der Champagne bei, doch er entdeckte die Perlage nicht. Vielmehr versuchte er gar, die Bläschen loszuwerden.
Heute werden die edlen Getränke oft mit Korken verschlossen und in Glasflaschen gelagert. Beides gab es in Frankreich lange Zeit nicht und ist eine fremdländische Erfindung.
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Der Champagner-Mythos
Die Ausstellung, auf der der Champagner-Mythos verbreitet wurde, fand anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Bastille-Tages statt. In die Geschichte ging sie jedoch primär für die Enthüllung einer anderen Ikone der französischen Kultur ein: des Eiffelturms.
Geschichten wie die um Pérignon kamen jedoch äußerst gelegen. Denn zu diesem Zeitpunkt versuchte Frankreich, seine Nation nach außen zu repräsentieren, indem die Einzigartigkeit der Kultur und Geschichte unterstrichen wurde.
Der Ursprung des Mythos lässt sich auf einen Brief von Dom Grossard von der Abtei Hautvillers an den Bürgermeister von Aÿ im Herzen der Champagne zurückführen. Grossard behauptete, Pérignon habe die Methode zur Herstellung von vollkommen weißem Wein aus Pinot-Noir-Trauben (Blanc de Noirs) perfektioniert. Zudem habe er Pionierarbeit bei der Technik der Perlage geleistet und sich für die Verwendung von Flaschen und Korken eingesetzt.
Statue des Benediktinermönches Dom Pérignon, der als Erfinder des Champagners gilt.
Aber nur die erste dieser Behauptungen ist wahr. In der Abtei wurden Holzstopfen und in Fett getränkte Leinwandstoffe zum Verschließen der Flaschen verwendet, und französisches Glas war zu schwach, um dem Druck der Perlage standzuhalten. Ein größeres Problem war, dass die Franzosen die Bläschen als Makel betrachteten. Vor allem in den Augen von Verbrauchern waren sie ein Trick, um von schlechtem Wein abzulenken.
Der bekannte französische Weinhändler Bertin de Rocheret riet einem Kunden, der sich nach Sekt erkundigte: „Die Perlage verschleiert die besten Eigenschaften guter Weine, genauso wie sie Weine minderer Qualität verbessert.“
Das Verfahren zur Herstellung von Schaumwein, robuste Glasflaschen und die Verwendung von Korken kamen im 17. Jahrhundert aus England. Englische Verbraucher importierten Wein in Fässern aus Frankreich, da Flaschen höher besteuert wurden als Wein, der als Fassware importiert wurde.
Die Weine verdarben oft während der Reise über den Ärmelkanal oder oxidierten nach ihrer Öffnung schnell, wodurch sie tatsächlich einen unangenehmen Geschmack entwickelten. Um letzteren zu verbessern, fügten die Verbraucher Honig, Sirup aus Rosinen oder Zucker hinzu. Der zusätzliche Zuckergehalt löste eine Nachgärung aus – und damit die Perlage.
Im Jahr 1662 veröffentlichte der englische Naturforscher Christopher Merrett (1614–1695) eine Abhandlung, in der er die Methode zur Erzeugung von Sprudel beschrieb: „Unsere Küfer der jüngeren Zeit verwenden große Mengen an Zucker und Melasse für alle Arten von Weinen, um sie spritzig und prickelnd zu machen, ihnen Schwung zu verleihen und ihren schlechten Geschmack zu verbessern.“
Das Gemälde „The Oyster Lunch“ von Jean-François de Troy (1679–1752) ist die älteste künstlerische Darstellung vom Trinken des Champagners.
Um Sekt herzustellen und die Spritzigkeit zu bewahren, sind indes drei Dinge notwendig: Bläschen, robuste Glasflaschen und Korken. Merretts beschriebene Methode sorgte für die Spritzigkeit, während Korken in England bereits für die Abfüllung von Apfel- und Birnenwein zum Einsatz kamen.
Robustes Glas war zudem in England das Nebenprodukt eines Brennholzverbots, das König Jakob I. im Jahr 1615 erlassen hatte. Holz war zu wertvoll, um für die Glasherstellung verbrannt zu werden und sollte stattdessen für den Bau von Schiffen reserviert werden. Durch die Verwendung von Seekohle – Steinkohle, die per Schiff transportiert wurde – erreichten englische Glasöfen höhere Temperaturen und produzierten widerstandsfähigeres Glas. Diese Flaschen konnten dem Druck, der so hoch ist wie in einem Autoreifen, standhalten, ohne zu bersten.
Das Paradoxon?
Die einzige Zutat, die den Engländern fehlte, war Wein, was französische Weinhistoriker dazu veranlasste, ihren Beitrag als „das englische Paradoxon“ zu bezeichnen. Wie konnte ein Land ohne Weinbautradition Pionierarbeit bei der Technik der Perlage leisten? Die Bezeichnung „Paradoxon“ ergibt jedoch nur Sinn, wenn man davon ausgeht, dass die Traditionen und Standards des französischen Weinbaus überlegen sind.
An Traditionen gebunden, waren französische Winzer nicht bereit, einen Fehler als wünschenswerte Innovation zu betrachten. Aus der Not heraus und ohne jegliche Regeln für den Weinbau konnten englische Verbraucher frei experimentieren.
Die französische Champagnerindustrie behauptet heute, die Perlage sei nicht erfunden worden, sondern ein natürliches Produkt des Bodens und des Klimas in einer streng definierten Region.
Weinberge in der Champagne, Frankreich.
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Bei der natürlichen Gärung entsteht zwar etwas Kohlensäure, doch selten genug, um einen Korken springen zu lassen. Die Betonung der Natur unterstreicht die Exklusivität und die einzigartigen geografischen Eigenschaften, die den Champagner von allen anderen Schaumweinen unterscheiden.
Eine komplexere Geschichte des Ursprungs der Spritzigkeit stellt Vorurteile über nationale Identität in Frage. Dies schmälert den Luxusstatus des Champagners nicht, offenbart jedoch den Einfluss kultureller Traditionen auf Innovationen und die vielfältigen Einflüsse, die den Weg zu Neuem ebnen.
Am Wochenmarkt ist die Auswahl an heimischem Obst und Gemüse besonders reichhaltig. - Foto: FooTToo/iStock
In Kürze:
Obst und Gemüse sind Bestandteil einer gesunden und nachhaltigen Ernährung.
Die große Auswahl im Supermarkt lässt oft vergessen, dass Obst und Gemüse nicht ganzjährig wachsen.
Saisonales, heimisches Obst und Gemüse bietet den besten Geschmack, den höchsten Nährstoffgehalt und die beste Ökobilanz.
Der Erntekalender unterstützt Sie nicht nur im Garten, sondern auch in der Kaufhalle dabei, auf Gesundheit, Umwelt und Geldbeutel zu achten.
Viele Obst- und Gemüsesorten stehen in unseren Supermärkten ganzjährig zur Verfügung. Es gibt zum Beispiel frische Erdbeeren im Winter oder Gurken das ganze Jahr über. Zum einen ist das ganzjährige und vielfältige Obst- und Gemüseangebot ein unschätzbarer Vorteil, denn es versorgt uns jederzeit mit frischen Vitaminen und anderen Mikronährstoffen.
Zum anderen gehen damit auch Nachteile einher, vor allem wenn Produkte aus Übersee auf langen See- oder Flugreisen zu uns kommen. Damit Obst und Gemüse während der langen Transportzeiten nicht vorzeitig verderben, wird es häufig unreif geerntet und mit Pestiziden behandelt. Dies schadet nicht nur dem Vitamingehalt und dem Geschmack, sondern belastet auch die Gesundheit.
Die bessere Wahl: saisonale und regionale Lebensmittel
Wer hingegen auf regional und saisonal geerntetes Obst und Gemüse zurückgreift, leistet nicht nur einen Beitrag zum Umweltschutz, sondern profitiert oft auch von einem intensiveren Geschmack und einem höheren Nährstoffgehalt – insbesondere bei Lebensmitteln aus biologischem Anbau. Wer das intensive Aroma frischer regionaler Erdbeeren im Sommer kennt, weiß, wie groß der Unterschied zu importierter Ware im Winter sein kann.
Zudem sind Lebensmittel während der Erntesaison häufig preisgünstiger. Wer regionale Lebensmittel kauft, unterstützt außerdem die heimische Landwirtschaft und trägt dazu bei, die Lebensmittelversorgung auch in Krisenzeiten zu sichern sowie die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten zu verringern.
Was hat wann Saison?
Bei der großen Auswahl in Supermärkten ist es oft schwierig, auf den ersten Blick zu erkennen, welches Obst und Gemüse in Deutschland jeweils Saison hat. Dabei stehen in Deutschland das ganze Jahr über verschiedene Obst- und Gemüsesorten aus regionalem Anbau zur Verfügung – entweder frisch geerntet oder als Lagerware. Das Wissen, welche Sorten wann geerntet werden, kann dabei unterstützen, auch beim Einkauf bewusst regionale und saisonale Produkte auszuwählen.
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Wurzel- und Kohlgemüse
Die Auswahl an regionalem Wurzelgemüse ist sehr groß und viele Wurzelgemüsesorten stehen das ganze Jahr zur Verfügung. Karotten, Kartoffeln, Rote Bete, Knollensellerie, Pastinaken, Wurzelpetersilie und Zwiebeln werden beispielsweise ab dem Sommer frisch geerntet und können anschließend oft bis zur nächsten Ernte eingelagert werden.
Radieschen und Rettiche sind ab dem Frühjahr erntereif und bis zum ersten Frost frisch verfügbar. Winterrettichsorten lassen sich zudem problemlos mehrere Monate in Sand eingeschlagen lagern.
Kohlgemüse zählt zu den typischen heimischen Gemüsearten und ist ebenso nahezu das ganze Jahr regional verfügbar. Blumenkohl wird ab April, Brokkoli, Spitzkohl und Weißkohl ab Mai, Rotkohl ab Juni und Chinakohl von August bis November frisch geerntet. Grünkohl bereichert das Angebot ab Juni, Rosenkohl von September bis Februar. Viele Kohlarten sind zudem über die Wintermonate als Lagergemüse verfügbar.
Fruchtgemüse ist meist nur saisonal regional verfügbar. Grüne Bohnen und Erbsen haben von Mai bis Oktober Saison, Tomaten, Zucchini, Paprika, Zuckermais und Aubergine zählen zum Sommergemüse und sind nur einige Monate lang verfügbar. Gurken aus unbeheizten Gewächshäusern gibt es in der Regel von Mai bis Oktober.
Regionale Tomaten und Gurken werden häufig bereits ab Februar angeboten. Sie stammen dann größtenteils aus beheizten Gewächshäusern, deren Energiebedarf den ökologischen Fußabdruck erhöhen kann.
Kürbisse bilden eine Ausnahme der Fruchtgemüse: Als typisches Herbstgemüse sind sie dank ihrer guten Lagerfähigkeit bis in den Frühling hinein regional verfügbar.
Blatt- und Sprossgemüse
Die Auswahl an heimischen Blattgemüsen ist sehr vielfältig und sie können teilweise ganzjährig angebaut werden. So sind Kopf- und Pflücksalate ab März, Spinat ab April, Eisberg-, Endivien- und Romanasalate ab Mai und alle oft bis Oktober oder November verfügbar.
Feldsalat bereichert unsere Ernährung nahezu ganzjährig als nährstoffreiches Blattgemüse. Ebenso ist Chicorée aufgrund seiner besonderen Anbaumethode und guten Lagerfähigkeit nahezu ganzjährig aus regionaler Produktion erhältlich.
Asia-Salate liefern ab September über die Wintermonate hinweg bis Juni frisches Blattgrün, während Mangold von Juli bis November Saison hat. Zuckerhut ist ein typischer Herbst- und Wintersalat, der von September bis Dezember geerntet wird.
Spross- und Stängelgemüse wie Kohlrabi, Fenchel und Stangensellerie bereichern von Mai bis November das regionale Gemüseangebot. Lauch beziehungsweise Porree ist wiederum ganzjährig verfügbar – von April bis Dezember frisch vom Feld und von Januar bis März als Lagerware. Spargel und Rhabarber sind hingegen nur von April bis Juli regional erhältlich.
Die Saison der frischen süßen Früchte eröffnen die Erdbeeren im Mai. Himbeeren erfreuen uns ab Juni und reifen oft bis Ende Oktober. Johannisbeeren sind typische Sommerfrüchte und haben von Juni bis August Saison. Stachelbeeren sind von Juni bis August erhältlich, Aroniabeeren von August bis September und Brombeeren meist von August bis Oktober.
Bei Stein- und Kernobst eröffnen die Kirschen im Juni die Saison. Aprikosen (Marillen) und Pfirsiche folgen zwischen Juni und August. Auch Birnen und Pflaumen werden ab August erntereif und sind bis September beziehungsweise Oktober verfügbar. Birnen können je nach Sorte bis in den Januar hinein gelagert werden.
Weintrauben werden von August bis Oktober geerntet, Quitten von September bis November.
Von allen heimischen Obstsorten stehen Äpfel am längsten regional zur Verfügung. Sie werden von August bis Oktober geerntet und können anschließend unter geeigneten Bedingungen bis Mai – häufig sogar bis zur nächsten Ernte – als Frischobst gelagert werden.
Welche Früchte und Gemüse gibt es nur importiert ?
Südfrüchte sind hierzulande nur als Importware erhältlich. Dazu zählen: Banane, Ananas, Mango, Papaya, Kokosnuss, Passionsfrucht, Guave, Litschi und Datteln. Sie stammen meist aus Ländern Afrikas, Asiens sowie Mittel- und Südamerikas und legen lange Transportwege zurück, bevor sie auf unseren Tellern landen.
Südfrüchte aus Südeuropa wie zum Beispiel Orangen, Zitronen, Mandarinen, Grapefruit, Mangos, Avocado, Kiwi und Feigen weisen eine günstigere Ökobilanz auf.
Auch beim Gemüse gibt es Sorten, die nur importiert erhältlich sind, wie zum Beispiel Artischocken, Okra, Yamswurzel, Lotuswurzel und Kurkuma.
Viele regionale Früchte und Gemüse werden außerhalb ihrer saisonalen Ernte zu einem großen Teil importiert. Die Vielfalt heimischer Obst- und Gemüsesorten zeigt allerdings, dass eine abwechslungsreiche, nährstoffreiche und nachhaltige Ernährung größtenteils mit regionalen Produkten möglich ist. Wer in Hofläden und auf Wochenmärkten einkauft, kann direkt vom Erzeuger die Lebensmittel beziehen, hat oft eine größere Auswahl an saisonalen Produkten und stärkt gleichzeitig die regionale Wertschöpfung.
Ein Arbeiter läuft am 18. Mai 2026 durch das Tunnelsystem des Onkalo-Endlagers in Eurajoki im Südwesten Finnlands. Wenn die finnische Behörde für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit (STUK) in ihrer abschließenden Bewertung grünes Licht gibt, kann eine Betriebsgenehmigung erfolgen. - Foto: Alessandro Rampazzo/AFP via Getty Images
In Kürze:
Das finnische Endlager „Onkalo“ soll etwa zum kommenden Jahreswechsel in Betrieb gehen.
Dort können weltweit erstmals hoch radioaktive Abfälle eingelagert werden – für mindestens 100.000 Jahre.
Die radioaktiven Brennelemente sind vierfach abgeschirmt. Drei Abschirmungen wurden bereits erfolgreich getestet, die vierte Schicht steckt im umgebenden Gestein.
Deutschland befindet sich nach wie vor auf der Standortsuche. Ein Ergebnis wird 2027 erwartet.
Wohin auf Dauer mit dem Atommüll? Diese Frage müssen sich alle Länder stellen, die aktuell Kernreaktoren betreiben oder in der Vergangenheit betrieben haben.
Der Antwort am nächsten ist Finnland. Dort soll schon Ende 2026 oder Anfang 2027 das weltweit erste tiefengeologische Endlager für hoch radioaktiven Atommüll in Betrieb gehen. Deutschland ist hingegen noch weit entfernt vom Betrieb eines solchen Endlagers.
Onkalo – die „Höhle“ unter Finnland
Das finnische Endlager trägt den Namen „Onkalo“, was auf Deutsch „Höhle“ bedeutet. Es befindet sich auf der Halbinsel Olkiluoto an der Südwestküste des Landes, wo sich auch die gleichnamigen Kernreaktoren Olkiluoto 1, 2 und 3 befinden.
Zumindest der Eingang von Onkalo ist an der Oberfläche zu erkennen. Der überwiegende Teil des Bauwerks befindet sich jedoch unter der Erdoberfläche – in rund 1,8 Milliarden Jahre altem Grundgestein.
Zunächst führen ein spiralförmiger Zugangstunnel sowie vier vertikale Schächte mehrere Hundert Meter in die Tiefe. Zu den Schächten gehören ein Personenschacht, zwei Lüftungsschächte und ein Schacht für die Uranbehälter. Insgesamt kommt das Tunnelsystem auf eine Länge von rund 50 Kilometern.
Grafische Darstellung des Endlagers Onkalo unter der Erdoberfläche. Das Bild links oben soll den heutigen Status quo darstellen, links unten den Zustand in einigen Tausend Jahren und rechts den Zustand in 100.000 Jahren.
Das eigentliche Endlager befindet sich in einer Tiefe von 400 bis 430 Metern. Dort will Posiva Oy, das finnische Entsorgungsunternehmen und Betreiber der Anlage, künftig bis zu 6.500 Tonnen Uran in Spezialbehältern verwahren.
Die besondere Herausforderung ist die Anforderung an die Langlebigkeit dieses Bauwerks. Es muss nicht nur über Jahrhunderte, sondern über viele Jahrtausende hinweg gewährleistet sein, dass keinerlei radioaktive Strahlung an die Oberfläche gelangt und die abgebrannten Brennelemente für mindestens 100.000 Jahre keine Bedrohung für Mensch und Natur darstellen.
Am 18. Mai 2026 waren ein Arbeiter und ein Besucher im Untergrund des Onkalo-Endlagers in Eurajoki im Südwesten Finnlands unterwegs, das voraussichtlich das weltweit erste Endlager für radioaktive abgebrannte Brennelemente sein wird. Das geologische Endlager für abgebrannte Brennelemente steht kurz vor der Inbetriebnahme.
Foto: Alessandro Rampazzo/AFP via Getty Images
Vier Schutzschichten für 100.000 Jahre
Für die Endlagerung der Brennstäbe hat sich Posiva für die sogenannte KBS-3V-Methode entschieden. Hintergrund dieses in Schweden entwickelten Konzepts ist, dass gleich mehrere Schutzschichten das Uran umschließen. „KBS“ steht für das schwedische Wort „Kärnbränslesäkerhet“ und bedeutet „Sicherheit von Kernbrennstoffen“. Die „3“ bezeichnet die Version und der Buchstabe „V“ die vertikale Platzierung der Kanister.
Zunächst werden die radioaktiven Brennstäbe in einen Behälter aus Gusseisen gelegt. Dieser ist äußerst stabil und soll auf Dauer möglichen äußeren Einflüssen standhalten. Anschließend kommt jeder Gusseisenbehälter in einen 12 Tonnen schweren Behälter aus Kupfer mit einer Wandstärke von 5 Zentimetern. Kupfer gilt als äußerst korrosionsbeständig.
Posiva will diese Kupferbehälter schließlich in das Endlager in rund 430 Metern Tiefe bringen. Dort kommen sie in ein rund 8 Meter tiefes, vertikales Loch mit einem Durchmesser von rund 1,75 Metern. In den Zwischenraum wird anschließend Bentonit gefüllt, das die dritte Schutzschicht darstellt. Die vierte und letzte Schicht ist das umgebende Gestein, konkret: kristalliner Gneis. Dies soll über ein Jahrhunderttausend eine effektive Abschirmung gewährleisten.
Das Uran wird zunächst in Gusseisen- und Kupferbehälter gepackt und tief unter der Erdoberfläche in einem Tunnelsystem in Bohrlöcher gelegt.
Aktuell befinden sich abgebrannte Brennstäbe aus Kernreaktoren noch in Abklingbecken und Zwischenlagern, wo sich ihre Radioaktivität bereits deutlich reduziert. In Onkalo werden die abgebrannten Brennstäbe zunächst in der oberirdischen Verkapselungsanlage in die Gusseisen- und Kupferbehälter eingepackt.
Anschließend gelangen die Kupferbehälter über den vertikalen Aufzugsschacht in die Tiefe. Dort nimmt ein ferngesteuertes Transportfahrzeug die Kapsel entgegen und bringt sie zum unterirdischen Behälterlager.
Die Bohrlöcher für die Endlagerung der Behälter in den unterirdischen Stollen bereiten speziell dafür gebaute Bohrmaschinen vor. Anschließend kommen die Bentonit-Lehmblöcke in das Endlagerloch. Bentonit verhindert, dass Wasser in die Nähe des Behälters gelangt, und schützt ihn so vor Gesteinsbewegungen.
Ein ferngesteuertes Transportfahrzeug bringt den Behälter vom Behälterlager zum Endlagertunnel und setzt den Behälter mit einer Genauigkeit von nur wenigen Millimetern in das Endlagerloch ein. Sobald der Behälter in Position ist, wird der obere Teil des Lochs ebenfalls mit Bentonit-Pufferblöcken verfüllt, sodass der Behälter komplett davon umgeben ist. Sind alle Bohrlöcher befüllt, wird auch der Stollen mit körnigem Bentonit-Ton aufgefüllt und versiegelt.
Erfolgreicher Test für die Einlagerung
In der ersten Junihälfte 2026 testete Posiva erstmalig die Einlagerung eines Behälters in ein Loch mit Bentonit-Puffer. Dieser Behälter enthielt noch keine Brennelemente.
Der technische Leiter von Posiva, Juha Riihimäki, teilte mit, dass die Installation auf Anhieb erfolgreich verlief. Er bezeichnete diesen Test als einen wichtigen Schritt für den Start des Endlagerungsvorgangs. Der eigentliche Installationsprozess sei ein Schlüsselelement für die langfristige Sicherheit der Endlagerung. Laut Riihimäki erfülle dieser Erfolg auch die regulatorischen Anforderungen.
Um die Verfahrenslizenz zu erhalten, muss Posiva laut Riihimäki nachweisen können, „dass die Installation des Endlagerungsbehälters sicher und nach Plänen erfolgen kann“. Das ist mit dem erfolgreichen Test geschehen.
Beim erfolgreichen Test für den Vollbetrieb hat Posiva einen leeren Behälter für Brennstäbe in einem Senkloch platziert.
Nach Angaben des Unternehmens sind für die kommenden Wochen einige abschließende, oberirdische Tests am Transportfahrzeug geplant. In der zweiten Jahreshälfte sollen schließlich tief im Inneren des Olkiluoto-Grundgesteins Inbetriebnahmetests stattfinden.
Das finnische Endlager verschlang Schätzungen zufolge bisher rund 1 Milliarde Euro. Rechnet man noch den jahrzehntelangen Betrieb mit den geplanten Einlagerungen hinzu, erhöhen sich die Gesamtkosten auf rund 5 Milliarden Euro.
Wie ist die Lage in Deutschland?
Deutschland ist hingegen noch weit entfernt von der Inbetriebnahme eines eigenen Endlagers für hoch radioaktiven Atommüll. Seit Inkrafttreten des Standortauswahlgesetzes (StandAG) im Jahr 2017 sucht die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) stattdessen weiterhin aus einer Vielzahl von Teilgebieten einen geeigneten Standort. Nach dem Ausschlussverfahren soll sie geeignete Standortregionen ausfindig machen. Der Vorschlag der BGE ist Ende 2027 zu erwarten.
Ein Endlager für hoch radioaktive Abfälle muss hierzulande strenge Mindestanforderungen erfüllen. Die Tiefe muss mindestens 300 Meter betragen. Ebenso muss das Grundgestein bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Infrage kommen nur Steinsalz, Tongestein und Kristallingestein. Eine Voraussetzung ist eine geringe Gebirgsdurchlässigkeit, also wie viel Wasser oder andere Flüssigkeiten das Gestein durchlässt.
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Navigator zur Endlagersuche für hoch radioaktiven Atommüll.
Bisher gibt es in der Bundesrepublik noch keinen favorisierten Standort für ein künftiges Endlager für hoch radioaktiven Atommüll. Doch die BGE hat bereits viele Regionen als ungeeignet eingestuft. Stand November 2025 haben aber bereits manche Regionen die Prüfung „weitestgehend bestanden“. Auf der Karte sind diese türkis markiert. Sie befinden sich im baden-württembergischen Schwarzwald, in Ostbayern sowie östlich von Heidelberg.
In Deutschland existieren aktuell damit lediglich 16 Zwischenlager für radioaktive Abfälle. In speziellen, oberirdischen Lagergebäuden stehen momentan auch die hoch radioaktiven Brennelemente in insgesamt 1.750 Castorbehältern.
Dabei wird zwischen zentralen und dezentralen Zwischenlagern unterschieden. Dezentrale Zwischenlager befinden sich an Standorten von Kernkraftwerken. Davon gibt es hierzulande zwölf. Die Zwischenlager wie Gorleben und Ahaus gelten als zentral. Zudem gibt es die Zwischenlager Jülich und Lubmin. Sie befinden sich in der Nähe einer ehemaligen kerntechnischen Anlage.
Insgesamt währte die Irrfahrt von Odysseus und seinen Männern zehn Jahre, doch von mehr als 480 Männern überlebte nur einer. - Foto: chaiyapruek2520/iStock
In Kürze:
Odysseus ist einer der bekanntesten Helden der griechischen Mythologie.
Seine Irrfahrt nach dem gewonnenen Krieg gegen Troja erzählt der griechische Dichter Homer in dem Epos „Odyssee“.
Auf seiner zehnjährigen Reise begegnet Odysseus nicht nur Riesen, Monstern, Sirenen und einer Zauberin, sondern auch der Konsequenz.
Jeder Fehltritt von ihm und seinen Männern endet mit einer göttlichen Bestrafung und lehrt früher wie heute, wie wir richtig handeln sollten.
Die „Odyssee“ ist zusammen mit der „Ilias“, beide von dem griechischen Dichter Homer um das 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. geschrieben, eines der bekanntesten Werke der Antike. Wie keine anderen Schriftstücke prägten sie die westliche Literatur und ließen neue Gattungen wie die Lyrik oder das Drama entstehen.
Benannt ist das über 2.500 Jahre alte Werk nach seiner Hauptfigur: Odysseus, König von Ithaka. Die Geschichte setzt am Ende des berühmten Trojanischen Krieges an, bei dem Odysseus eine entscheidende Rolle spielte.
Nach dem Kriegsende trat der griechische Held mit seinen Männern die Heimreise und, ohne es zu wissen, seine „Odyssee“ an. Diese währte zehn Jahre und war von Gefahren, Abenteuern und Lehren für das Leben geprägt – ein Umstand, der das Epos noch heute aktuell macht.
Wer war Odysseus?
Odysseus ist neben Theseus und Herakles einer der bekanntesten Helden und Figuren in der griechischen Mythologie. Ob er jemals existierte, ist unbekannt. Laut den Mythen war der unter der Gunst der Göttin Athene stehende König von Ithaka der Gemahl der Prinzessin Penelope, mit der er einen Sohn namens Telemachos hatte.
Er selbst soll väterlicherseits von Göttervater Zeus und mütterlicherseits von Hermes, dem Schutzgott der Reisenden, aber auch dem Gott der Diebe und des Betrugs, abstammen. Von Letzterem habe der als athletisch und wortgewandt beschriebene Odysseus seinen klugen und listreichen Charakter.
Diese Marmorstatue soll den griechischen Helden Odysseus darstellen.
Dies machte ihn zu einer entscheidenden Person im Trojanischen Krieg. Einerseits soll er den berühmten Krieger Achilles überredet haben, am Krieg teilzunehmen, andererseits sei ihm die Idee vom Bau des hölzernen Pferdes und der List zur Eroberung des uneinnehmbaren Trojas gekommen. Danach war er bereit für seine turbulente Heimreise, die in der „Odyssee“ auf spannende und uns heute bekannte Weise beschrieben wird.
Insgesamt besteht die „Odyssee“ aus 24 Gesängen, vergleichbar mit Kapiteln, und 12.110 Versen. Wie moderne Bücher und Kinofilme ist die Geschichte voll mit parallelen Handlungen, Rückblenden und Wechseln der Erzählperspektive. In den ersten sieben Zeilen erhalten die Leser bereits einen Vorgeschmack auf das, was der Hauptakteur erleben wird:
„Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes, Welcher so weit geirrt nach der heiligen Troja Zerstörung, Vieler Menschen Städte gesehn und Sitte gelernt hat Und auf dem Meere so viel unnennbare Leiden erduldet, Seine Seele zu retten und seiner Freunde Zurückkunft. Aber die Freunde rettet’ er nicht, wie eifrig er strebte; Denn sie bereiteten selbst durch Missetat ihr Verderben […]“
(Johann Heinrich Voß, 6. Auflage der „Odyssee“, Anaconda Verlag, 2015)
Das Epos setzt im siebten Jahr nach dem Ende des Trojanischen Krieges ein. Odysseus ist zu diesem Zeitpunkt bereits 17 Jahre von seiner Heimat weg. Sein Sohn ist inzwischen ein erwachsener Mann und hegt wie seine Mutter kaum mehr Hoffnung auf die Rückkehr seines Vaters. Während der Held auf einer Insel von der Meeresnymphe Kalypso gefangen gehalten wird, reißen sich in seiner Heimat zahlreiche Bewerber um die Hand seiner Frau – und vor allem um den Thron Ithakas.
In den Gesängen 5 bis 8 erfährt der Leser, dass Göttervater Zeus schließlich Odysseus’ Freilassung erwirkt. Der nach Rache dürstende Meeresgott Poseidon und Bruder von Zeus ist alles andere als begeistert und lässt Odysseus’ Floß zerschellen. Der griechische Held kann sich auf eine Insel retten, auf der er von dem dortigen König freundlich aufgenommen wird. Hier erzählt Odysseus, verpackt in den Gesängen 9 bis 12, seine bewegende Geschichte und damit im Wesentlichen seine Irrfahrt.
Der Rest der Geschichte handelt von seiner finalen Heimkehr nach Ithaka, wo er die Bewerber seiner Frau listreich ausschaltet und glücklich und um viele Erkenntnisse reicher wieder mit seiner Familie vereint ist.
Odysseus ist wieder in Ithaka und beseitigt die Freier in seinem Zuhause.
Auf seiner zehnjährigen Heimreise machte Odysseus absichtlich oder unfreiwillig an mehr als einem Dutzend Orten rund um das antike Mittelmeer halt. Diese waren jedoch nicht bloß Stationen auf seiner Reise, sondern Prüfungen des Lebens.
Ungefähre Reiseroute von Odysseus gemäß der Erzählung „Odyssee“ von Homer und Lokalisierungsversuchen von Forschern.
Foto: Epoch Times; dikobraziy/iStock
1. Troja
Nach dem zehnjährigen Krieg treten Odysseus und seine Mannschaft, bestehend aus zwölf Schiffen mit je mindestens 40 Männern, umgehend die Heimreise an.
„Blick auf das brennende Troja“, ein Gemälde von Johann Georg Trautmann (1713–1769).
Die Flotte legt einen Zwischenstopp in Thrakien beim Volk der Kikonen ein. Odysseus und seine Männer überfallen und morden die ehemaligen Verbündeten Trojas. Statt die Heimreise anzutreten, lässt sich Odysseus von seinen Männern überreden, den Ort weiter zu plündern.
Doch dies wurde bestraft. Einige Kikonen konnten fliehen, organisierten Hilfe bei anderen Stämmen und griffen die Ithaker unerwartet an. Odysseus verliert rund 70 Männer und macht sich mit zehn verbliebenen Schiffen auf den Rückweg.
Zusätzlich straft der Göttervater Zeus die siegreichen Griechen wegen ihres blutrünstigen und unmoralischen Verhaltens und lässt einen Sturm aufziehen. Neun von zehn Schiffen Odysseus’ überstehen den Sturm, müssen aber am nächsten Festland repariert werden.
3. Land der Lotophagen
Im Land der Lotophagen, das heute an der libyschen Küste verortet wird, lässt Odysseus die Schiffe ankern und reparieren. Eine Handvoll seiner Männer isst jedoch die dort heimischen Lotusfrüchte, die sie glücklich machen und ihre Heimat vergessen lassen. Der griechische Held muss seine Krieger gewaltvoll an Bord der Schiffe ziehen und verlässt umgehend den Ort.
Odysseus bringt seine von Lotusfrüchten beeinflussten Männer zu seinen Schiffen.
Aus Neugier lässt Odysseus seine Männer die Schiffe in der Nähe der Kyklopeninsel festmachen, was sich schon bald als schwerer Fehler erweisen sollte. Der griechische Held schleicht sich zusammen mit zwölf Männern in die Höhle des Kyklopen Polyphem, der ihnen nicht freundlich gesinnt ist und sechs Krieger verspeist.
Odysseus, der sich als „Niemand“ vorstellt, überlistet den einäugigen Riesen, indem er ihn betrunken macht. Die Krieger blenden den Kyklopen im Schlaf mit einem glühenden Pfahl und entkommen versteckt zwischen einer Schafherde aus der Höhle. Bevor der Kyklop dies bemerkt, sind Odysseus und seine Männer auf den Schiffen und segeln fort.
„Odysseus und Polyphem“, gemalt von Arnold Böcklin (1827–1901).
Doch aus Stolz über seine List und aus Wut über den Verlust von sechs Kriegern begeht Odysseus den Fehler, den Kyklopen zu verhöhnen und ihm seinen wahren Namen nachzurufen. Daraufhin verflucht Polyphem den griechischen Helden und bittet seinen Vater Poseidon, Rache an Odysseus zu üben:
„Vater! Erderschütterer und Meeresgott! Hier ist dein Sohn Polyphem. Möge Odysseus niemals den Weg nach Hause finden. Sollten die Erinnyen aber verlangen, dass er zu seiner Familie zurückkehrt, soll ihm das nur nach Jahren der Tortur und des Leids gelingen, ganz allein mit all seinen Schätzen, nachdem er seine Gefährten und Schiffe verloren hat.“
5. Insel des Aiolos
Als Nächstes machte die Flotte auf der Insel von Windgott Aiolos halt. Er will Odysseus und seinen Männern helfen und schenkt ihnen einen Lederschlauch, in dem alle Winde, außer dem Westwind, der sie nach Hause bringen soll, eingesperrt sind.
Aus Gier und Unwissenheit öffnet die Mannschaft des griechischen Helden kurz vor der Ankunft in Ithaka heimlich den Schlauch. Ähnlich wie die Büchse der Pandora wird das „Unheil“ entfesselt und die freigelassenen Winde erzeugen einen Sturm, der die Schiffe weit von der Heimat wegtreibt.
„Aiolos überreicht Odysseus die Winde“, gemalt von Isaac Moillon (1614–1673).
Orientierungslos nach dem Sturm ankern die Schiffe der Flotte im Hafen von Telepylos – außer dem Schiff von Odysseus. Dies ist sein Glück, denn hier leben die riesigen Laistrygonen, die die Schiffe mit Steinbrocken bewerfen. Der griechische Held kann mit seinem Schiff und den verbliebenen rund 40 Männern entkommen.
Diese künstlerische Darstellung zeigt Odysseus bei den Laistrygonen.
Das verbliebene Schiff landet an der Insel Aiaia an, auf der die Zauberin Kirke lebt und in Tiere verzauberte Menschen hält. Das gleiche Schicksal ereilt die Hälfte von Odysseus’ Männern, die in Schweine verwandelt werden.
Dank eines Krauts, das Odysseus von dem Götterboten Hermes bekommt und ihn gegen die Magie immun macht, trifft sich der griechische Held mit Kirke und erwirkt, dass seine Männer zurückverwandelt werden und alle unbeschadet weiterziehen können.
Bis zum Aufbruch verstreicht jedoch ein Jahr und Odysseus geht eine Liaison mit der Zauberin ein. Aus Liebe zum Helden gibt Kirke ihm den Rat, in der Unterwelt den Seher Teiresias aufzusuchen und ihn nach dem weiteren Weg zu fragen.
Das Fresko von Giovanni Battista Trotti (1555–1619) zeigt die Zauberin Kirke, die Odysseus’ Männern ihre menschliche Gestalt zurückgibt.
Im „Haus des Hades“, dem Reich des Totengottes, sucht Odysseus nach einer Opfergabe den blinden Propheten auf. Dieser weissagt ihm: „Was du Polyphem angetan hast, hat Poseidon erzürnt. Nicht leicht, ihn zu besänftigen. Deine Zukunft steht mir vor Augen. Ich sollte besser sagen: deine Zukünfte. Je nachdem, welche Entscheidung du triffst, werden sich unterschiedliche Wege vor dir auftun.“
Weiter erklärt Teiresias: „Bald schon wird dein Schiff Thrinakia erreichen, die Insel, auf der Helios seine Rinder und Schafe hält. […] Rührst du sie nicht an, geht alles gut. […] Solltest du aber auch nur einem einzigen dieser heiligen Tiere etwas antun, sage ich den Verlust deines Schiffes und aller deiner Männer voraus. Deine Heimkehr wird sich um Jahre verzögern.“
„Theresias erscheint dem Ulysseus [Odysseus] während der Opferung“, ein Gemälde von Johann Heinrich Füssli (1741–1825).
Mit dem Wissen um seine Zukunft reist Odysseus mit seinen Männern weiter. Zunächst müssen sie die Insel der Sirenen passieren, jener Fischfrauen, die mit ihrem verlockenden Gesang Seemänner in den Tod ziehen. Dank der Idee des Helden, sich Wachs in die Ohren zu schmieren und einfach vorbeizurudern, entgehen sie der lauernden Gefahr.
„Odysseus und die Sirenen“, ein Gemälde von Herbert James Draper (1863–1920).
Nur Odysseus weiß nun, was die Mannschaft als Nächstes erwartet: eine Meerenge, die den einzigen Weg nach Hause darstellt, die aber von zwei Monstern bewohnt wird. Der griechische Held hat die Wahl: Fahren sie dicht an dem sechsköpfigen Seeungeheuer namens Skylla vorbei, das seine Männer verspeisen könnte, oder entscheidet er sich dafür, nah an dem Strudel Charybdis vorbeizufahren und zu riskieren, dass das gesamte Schiff vom Meer verschluckt wird?
Der König von Ithaka wählt das menschenfressende Monster, ohne seine Männer zu warnen. Zu groß ist seine Angst, dass sich seine Männer weigern könnten und sie nie die ersehnte Heimat erreichen. Als das Schiff vorbeifährt, reißt Skylla sechs Männer in den Tod. Der Rest der Mannschaft überlebt.
„Odysseus vor Skylla und Charybdis“, ein Gemälde von Henry Fuseli (1741–1825).
Obwohl sie alles haben, um bis nach Ithaka durchzufahren, gewährt Odysseus seinen Männern, an der Insel Thrinakia kurz haltzumachen. Doch schlechte Winde verhindern eine baldige Weiterfahrt und die Essensvorräte gehen zur Neige.
Trotz der Warnung schlachten Odysseus’ Männer einige der auf der Insel grasenden Rinder. Alle außer Odysseus essen sich an dem Fleisch satt, bevor sich das Wetter bessert und sie die Leinen ihres Schiffes lösen.
Kurz nach der Abfahrt zieht ein gewaltiger Sturm auf, geschickt von den Göttern aus Zorn über das Vergehen und den Hochmut der Krieger. Das Schiff wird zerstört und bis auf Odysseus sterben alle Männer. Sein Verzicht rettete ihm das Leben.
„Die Gefährten des Odysseus rauben die Rinder des Helios“ von dem Maler Pellegrini Tibaldi (1527–1596).
Odysseus schafft es an Land der Insel Ogygia, auf der die Meeresnymphe Kalypso lebt. Diese verliebt sich in den Helden, will ihn als ihren Gemahl und hält ihn sieben Jahre lang auf der Insel fest. Sie bekommen gemeinsam zwei Kinder, doch das Angebot der Unsterblichkeit lehnt Odysseus ab – zu groß ist sein Wunsch, nach Ithaka zurückzukehren. Seine Schutzgöttin Athene erwirkt schließlich, dass Kalypso den Helden ziehen lässt.
„Hermes befiehlt Calypso, Odysseus freizulassen“ von Gerard de Lairesse (1641–1711).
In Scheria, dem Land der Phaiaken, angekommen, erzählt Odysseus dem dortigen König Alkinoos seine Geschichte. Indem ein Schiff Odysseus nach Ithaka bringt, endet seine zehnjährige Irrfahrt.
„Odysseus am Hofe des Alkinoos“ von Francesco Hayez (1791–1882).
Außerdem gibt es Zweifel daran, dass die Geschichte aus der Feder von Homer stammt beziehungsweise der Dichter der alleinige Autor war. Gegen Homer spreche, dass die „Odyssee“ und die „Ilias“ unterschiedlich dargestellt sind. Während die „Ilias“ als reale Kriegsgeschichte erscheint, wirkt die „Odyssee“ mehr wie ein Märchen. Für Homer als Verfasser beider Werke sprechen dagegen der ähnliche Schreibstil und Ausdruck.
Ein Papyrus aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. mit einem Ausschnitt aus der „Odyssee“.
Während die „Ilias“ mit dem Trojanischen Krieg archäologisch belegt ist, suchen Historiker noch immer Beweise für die Irrfahrt. So gehen bei dem Versuch, die Stationen von Odysseus’ Reise mit realen Orten zu verbinden, die Meinungen der Forscher, wie häufig in der Wissenschaft, auseinander. Als einer der renommierten „Odyssee“-Forscher gilt Peter Struck von der University of Pennsylvania, USA, der die Reiseroute anhand des Epos untersuchte und rekonstruierte.
Das prophezeite Ende
Doch was wurde schließlich aus dem antiken Helden, nachdem er erfolgreich in seine Heimat zurückgekehrt war? Von Homer ist dazu nichts bekannt. Dafür verfassten andere antike Schriftsteller wie Aischylos oder Aristoteles zahlreiche Versionen.
In wenigen Schriften heißt es, dass der König von Ithaka wegen der Morde an den Freiern seiner Frau verbannt wurde oder aufgrund seines hohen Alters friedlich starb. In anderen Geschichten endet sein Leben durch die Hand eines seiner unehelichen Kinder, das ihn mit einem Rochenstachel tötet. Dieses Ende passt zum Fluch des Kyklopen, dem Sohn des Poseidon, und der Weissagung des Propheten Teiresias, wonach ihn ein „sanfter Tod durch das Meer erwartet“.
Vieles um Odysseus und seine Irrfahrt ist bis heute ein Rätsel. Doch egal ob sich die „Odyssee“ jemals so abgespielt hat oder nicht, die Geschichte und ihre Lehren daraus bleiben uns erhalten.
Buchtipp: „Odyssee“
In einer humorvollen und spannenden Art und leicht verständlich beschreibt der britisch-österreichische Schriftsteller Stephen Fry das Epos von Odysseus. Zusammen mit seinen Büchern „Mythos“, „Helden“ und „Troja“ liefert „Odyssee“ einen spannenden Einblick in die griechischen Mythen und schildert, wie diese in unserem alltäglichen Leben heimlich präsent sind.
Hitze in Schleswig-Holstein: Viele suchen Abkühlung an Ostsee und im Wasser. - Foto: Markus Scholz/dpa
In Kürze
1,6 Millionen Tonnen Weltkriegsmunition bedrohen Nord- und Ostsee.
Die Munition ist fast vollständig korrodiert, Schadstoffe treten aus.
Fische in den Gebieten erkranken viermal häufiger an Tumoren.
Zum Umgang mit Munition im Meer gibt es keine einheitliche Gesetzgebung.
Badeurlaube sind noch möglich.
Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden Waffen und Munition schnell entsorgt. Schiffe, beladen mit Bomben, Granaten und Minen, fuhren aufs Meer hinaus und warfen die Ladung über Bord.
Niemand dachte seinerzeit daran, dass diese Altlasten Jahrzehnte später einmal zur Gefahr werden könnten. Der Expertenkreis „Munition im Meer“ hat dazu Daten an das Umweltbundesamt (UBA) weitergeleitet. Diese zeigen, dass hunderte Quadratkilometer des Meeresbodens davon betroffen sind. Allein in der deutschen Ostsee liegen schätzungsweise 300.000 Tonnen Munition.
Munitionsreste am Meeresboden am Ausgang der Kieler Förde.
Foto: Forschungstauchzentrum CAU Kiel/dpa/dpa
Wo ist die Gefahr?
Die Kartierungen verzeichnen für den deutschen Ostseebereich insgesamt 50 munitionsbelastete Flächen. Darunter acht große, definierte Munitionsversenkungsgebiete. Zu den bekanntesten und stark belasteten Zonen gehören die Kolberger Bucht, die Lübecker Bucht und die Gewässer vor Usedom.
Die Kolberger Heide ist ein rund 12 Quadratkilometer großes Versenkungsgebiet. Es liegt nordöstlich der Kieler Außenförde. Laut historischen Rekonstruktionen des GEOMAR-Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel liegen hier über 1.000 Großobjekte, wie Grundminen, Torpedos und Fliegerbomben. Teils sollen diese nur zwei Kilometer vom Badestrand entfernt im flachen Wasser liegen, teilte der Naturschutzbund Deutschland (NABU) mit.
In der Lübecker Bucht liegen schätzungsweise 35.000 Tonnen konventionelle Munition. Neue Untersuchungen, die im Fachmagazin Nature publiziert wurden, dokumentieren in diesem Areal unter anderem die erhebliche Verklappung von Gefechtsköpfen der V1-Marschflugkörper.
Das flache Küstengebiet rund um die Gewässer vor Usedom ist vor allem wegen Fehlwürfen britischer Brandbomben im Zweiten Weltkrieg belastet. Laut den behördlichen Grundlagenberichten liegen hier nach Schätzungen etwa 1,2 Tonnen freier, weißer Phosphor.
Jahrzehntelang war völlig unklar, wem diese Munition rechtlich gehört und wer für die Kosten der Bergung aufkommen muss. Mit dem Untergang des Deutschen Reiches 1945 wandelten sich die Eigentumsverhältnisse an Kriegsmaterial mehrmals durch Besatzungsrecht, Konfiskation und Sondergesetze der Alliierten.
Mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 wurden alle sogenannten „Kriegsfolgelasten“ auf die Bundesrepublik Deutschland übertragen. Rechtlich gesehen, haftet die Bundesrepublik als Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches für alle Altlasten, die aus dem Krieg resultieren.
Zum Umgang mit Munition im Meer gibt es weder global noch europäisch noch national eine einheitliche Gesetzgebung.
Aus dieser Sachlage heraus entwickelte sich ein jahrelanger, politischer Streit um das Geld. Die betroffenen Küstenbundesländer wie Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern forderten eine finanzielle Beteiligung des Bundes.
Sie argumentierten, dass die Meere eine gesamtdeutsche Aufgabe seien. Der Bund verwies wiederum auf die Zuständigkeit der Länder für die Gefahrenabwehr vor ihren Küsten.
Die Lösung der Finanzierung erfolgte schließlich, als der Bund ein Sofortprogramm in Höhe von 100 Millionen Euro auflegte. In diesem Zusammenhang fiel der Startschuss für das neue Bundeskompetenzzentrum Munitionsbergung aus dem Meer in Rostock.
Dort bündeln der Bund und die Küstenbundesländer Erkenntnisse, Kapazitäten und operative Ressourcen zum Thema Bergung und Entsorgung von Altmunition aus dem Meer. Inzwischen hat die Bundesregierung zugesichert, in Vorleistung zu treten und die laufenden Unterhaltskosten der Bergung in den kommenden sechs Jahren mit 50 Millionen Euro jährlich allein zu finanzieren. Danach soll mit den Ländern über eine solidarische Lastenteilung verhandelt werden.
Die Experten in Rostock koordinieren nicht nur die anstehenden Pilotbergungen in Mecklenburg-Vorpommern in der Wismarbucht, sondern treiben auch die Entwicklung moderner Unterwasser-Roboter voran. Weiterhin bereitet das Kompetenzzentrum den Einsatz einer schwimmenden Verbrennungsplattform vor.
Die spezialisierten Roboter greifen die Altmunition vom Meeresboden auf und heben sie auf die Plattform. Dort wird das Material vollautomatisch durch Maschinen zerlegt. Anschließend wird der Sprengstoff an Bord bei hohen Temperaturen verbrannt. Damit keine giftigen Gase in die Luft entweichen, wirken Spezialfilter dem entgegen. Das übrig gebliebene Metall wird recycelt.
Mit dieser Lösung gehen allerdings auch Sicherheitsrisiken einher. Auf dem offenen Meer ist eine solche Industrieplattform ein mögliches Angriffsziel. Experten der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) warnen in einer Studie unter anderem vor Sabotage oder Angriffen aus der Luft.
Weiterhin stellen Unfälle eine zusätzliche Bedrohung dar. Beispielsweise könnte ein manövrierunfähiger Frachter die Verbrennungsplattform rammen. Nautische Experten der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS) weisen darauf hin, dass ein solcher Zusammenstoß gravierende Folgen haben könnte.
Die Metallhüllen der Munition in den Risikogebieten sind fast vollständig korrodiert.
Das giftige Sprengstoffpulver liegt offen im Wasser und löst sich langsam auf. Der weiße Phosphor vor Usedom sieht im nassen Zustand wie Bernstein aus. Wenn Spaziergänger ihn beispielsweise aufsammeln und er trocknet, kann er sich von selbst entzünden.
Forscher des Thünen-Instituts für Fischereiökologie untersuchten im DAIMON-Projekt, wie sich das Gift auf Tiere auswirkt. Sie fanden heraus, dass Fische aus den betroffenen Gebieten viermal häufiger an Tumoren erkranken. Die Schadstoffe werden ebenfalls von Muscheln aufgenommen, wodurch das Gift damit auch in die Nahrungskette gelangt.
Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel messen die Wasserqualität regelmäßig. In einer im Fachmagazin Chemosphere veröffentlichten Arbeit schätzten sie, dass in der südwestlichen Ostsee bereits mehrere tausend Kilogramm der Chemikalien im Wasser schweben. Dennoch gibt das Umweltbundesamt Entwarnung für Badegäste, da sich die Schadstoffe bei der Größe der Ostsee verdünnen. Jedoch können nach Ansicht von Experten Schadstoffe zukünftig auch in die menschliche Nahrungskette gelangen. Dazu schreibt das Bundesumweltministerium:
„Diese Gefahr für die Umwelt nimmt von Jahr zu Jahr zu. Das ist insbesondere in der Ostsee ein Problem, weil sich ihr Wasser – durch den vergleichsweise kleinen Anschluss an Nordsee und Atlantik über den Skagerrak – nur etwa alle 100 Jahre austauscht. Dadurch steigt die Konzentration von Schadstoffen im Wasser der Ostsee mit der Zeit immer mehr.“
Hitze in Schleswig-Holstein: Viele suchen Abkühlung an Ostsee und im Wasser. - Foto: Markus Scholz/dpa
In Kürze
1,6 Millionen Tonnen Weltkriegsmunition bedrohen Nord- und Ostsee.
Die Munition ist fast vollständig korrodiert, Schadstoffe treten aus.
Fische in den Gebieten erkranken viermal häufiger an Tumoren.
Zum Umgang mit Munition im Meer gibt es keine einheitliche Gesetzgebung.
Badeurlaube sind noch möglich.
Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden Waffen und Munition schnell entsorgt. Schiffe, beladen mit Bomben, Granaten und Minen, fuhren aufs Meer hinaus und warfen die Ladung über Bord.
Niemand dachte seinerzeit daran, dass diese Altlasten Jahrzehnte später einmal zur Gefahr werden könnten. Der Expertenkreis „Munition im Meer“ hat dazu Daten an das Umweltbundesamt (UBA) weitergeleitet. Diese zeigen, dass hunderte Quadratkilometer des Meeresbodens davon betroffen sind. Allein in der deutschen Ostsee liegen schätzungsweise 300.000 Tonnen Munition.
Munitionsreste am Meeresboden am Ausgang der Kieler Förde.
Foto: Forschungstauchzentrum CAU Kiel/dpa/dpa
Wo ist die Gefahr?
Die Kartierungen verzeichnen für den deutschen Ostseebereich insgesamt 50 munitionsbelastete Flächen. Darunter acht große, definierte Munitionsversenkungsgebiete. Zu den bekanntesten und stark belasteten Zonen gehören die Kolberger Bucht, die Lübecker Bucht und die Gewässer vor Usedom.
Die Kolberger Heide ist ein rund 12 Quadratkilometer großes Versenkungsgebiet. Es liegt nordöstlich der Kieler Außenförde. Laut historischen Rekonstruktionen des GEOMAR-Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel liegen hier über 1.000 Großobjekte, wie Grundminen, Torpedos und Fliegerbomben. Teils sollen diese nur zwei Kilometer vom Badestrand entfernt im flachen Wasser liegen, teilte der Naturschutzbund Deutschland (NABU) mit.
In der Lübecker Bucht liegen schätzungsweise 35.000 Tonnen konventionelle Munition. Neue Untersuchungen, die im Fachmagazin Nature publiziert wurden, dokumentieren in diesem Areal unter anderem die erhebliche Verklappung von Gefechtsköpfen der V1-Marschflugkörper.
Das flache Küstengebiet rund um die Gewässer vor Usedom ist vor allem wegen Fehlwürfen britischer Brandbomben im Zweiten Weltkrieg belastet. Laut den behördlichen Grundlagenberichten liegen hier nach Schätzungen etwa 1,2 Tonnen freier, weißer Phosphor.
Jahrzehntelang war völlig unklar, wem diese Munition rechtlich gehört und wer für die Kosten der Bergung aufkommen muss. Mit dem Untergang des Deutschen Reiches 1945 wandelten sich die Eigentumsverhältnisse an Kriegsmaterial mehrmals durch Besatzungsrecht, Konfiskation und Sondergesetze der Alliierten.
Mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 wurden alle sogenannten „Kriegsfolgelasten“ auf die Bundesrepublik Deutschland übertragen. Rechtlich gesehen, haftet die Bundesrepublik als Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches für alle Altlasten, die aus dem Krieg resultieren.
Zum Umgang mit Munition im Meer gibt es weder global noch europäisch noch national eine einheitliche Gesetzgebung.
Aus dieser Sachlage heraus entwickelte sich ein jahrelanger, politischer Streit um das Geld. Die betroffenen Küstenbundesländer wie Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern forderten eine finanzielle Beteiligung des Bundes.
Sie argumentierten, dass die Meere eine gesamtdeutsche Aufgabe seien. Der Bund verwies wiederum auf die Zuständigkeit der Länder für die Gefahrenabwehr vor ihren Küsten.
Die Lösung der Finanzierung erfolgte schließlich, als der Bund ein Sofortprogramm in Höhe von 100 Millionen Euro auflegte. In diesem Zusammenhang fiel der Startschuss für das neue Bundeskompetenzzentrum Munitionsbergung aus dem Meer in Rostock.
Dort bündeln der Bund und die Küstenbundesländer Erkenntnisse, Kapazitäten und operative Ressourcen zum Thema Bergung und Entsorgung von Altmunition aus dem Meer. Inzwischen hat die Bundesregierung zugesichert, in Vorleistung zu treten und die laufenden Unterhaltskosten der Bergung in den kommenden sechs Jahren mit 50 Millionen Euro jährlich allein zu finanzieren. Danach soll mit den Ländern über eine solidarische Lastenteilung verhandelt werden.
Die Experten in Rostock koordinieren nicht nur die anstehenden Pilotbergungen in Mecklenburg-Vorpommern in der Wismarbucht, sondern treiben auch die Entwicklung moderner Unterwasser-Roboter voran. Weiterhin bereitet das Kompetenzzentrum den Einsatz einer schwimmenden Verbrennungsplattform vor.
Die spezialisierten Roboter greifen die Altmunition vom Meeresboden auf und heben sie auf die Plattform. Dort wird das Material vollautomatisch durch Maschinen zerlegt. Anschließend wird der Sprengstoff an Bord bei hohen Temperaturen verbrannt. Damit keine giftigen Gase in die Luft entweichen, wirken Spezialfilter dem entgegen. Das übrig gebliebene Metall wird recycelt.
Mit dieser Lösung gehen allerdings auch Sicherheitsrisiken einher. Auf dem offenen Meer ist eine solche Industrieplattform ein mögliches Angriffsziel. Experten der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) warnen in einer Studie unter anderem vor Sabotage oder Angriffen aus der Luft.
Weiterhin stellen Unfälle eine zusätzliche Bedrohung dar. Beispielsweise könnte ein manövrierunfähiger Frachter die Verbrennungsplattform rammen. Nautische Experten der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS) weisen darauf hin, dass ein solcher Zusammenstoß gravierende Folgen haben könnte.
Die Metallhüllen der Munition in den Risikogebieten sind fast vollständig korrodiert.
Das giftige Sprengstoffpulver liegt offen im Wasser und löst sich langsam auf. Der weiße Phosphor vor Usedom sieht im nassen Zustand wie Bernstein aus. Wenn Spaziergänger ihn beispielsweise aufsammeln und er trocknet, kann er sich von selbst entzünden.
Forscher des Thünen-Instituts für Fischereiökologie untersuchten im DAIMON-Projekt, wie sich das Gift auf Tiere auswirkt. Sie fanden heraus, dass Fische aus den betroffenen Gebieten viermal häufiger an Tumoren erkranken. Die Schadstoffe werden ebenfalls von Muscheln aufgenommen, wodurch das Gift damit auch in die Nahrungskette gelangt.
Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel messen die Wasserqualität regelmäßig. In einer im Fachmagazin Chemosphere veröffentlichten Arbeit schätzten sie, dass in der südwestlichen Ostsee bereits mehrere tausend Kilogramm der Chemikalien im Wasser schweben. Dennoch gibt das Umweltbundesamt Entwarnung für Badegäste, da sich die Schadstoffe bei der Größe der Ostsee verdünnen. Jedoch können nach Ansicht von Experten Schadstoffe zukünftig auch in die menschliche Nahrungskette gelangen. Dazu schreibt das Bundesumweltministerium:
„Diese Gefahr für die Umwelt nimmt von Jahr zu Jahr zu. Das ist insbesondere in der Ostsee ein Problem, weil sich ihr Wasser – durch den vergleichsweise kleinen Anschluss an Nordsee und Atlantik über den Skagerrak – nur etwa alle 100 Jahre austauscht. Dadurch steigt die Konzentration von Schadstoffen im Wasser der Ostsee mit der Zeit immer mehr.“
Das Gehirn blinder Menschen scheint sich aufgrund fehlender visueller Erfahrungen umzustrukturieren und daran anzupassen. - Foto: Highwaystarz-Photography/iStock
In Kürze:
Forscher der Max-Planck-Gesellschaft nutzten hochauflösende MRT-Technologie, um die Mikrostruktur des Gehirns zu untersuchen.
Dabei stellten sie fest, dass die Sehrinde blinder Menschen dicker als die sehender Menschen ist.
Ursache ist, anders als bisher angenommen, offenbar eine geringere Myelinisierung des Gehirns.
Diese stellt jedoch keine Beeinträchtigung dar, da die umgeformte Sehrinde andere Funktionen wie Sprachverarbeitung und Arbeitsgedächtnis übernimmt.
Die Entwicklung des menschlichen Gehirns ist einer der komplexesten biologischen Prozesse. In den ersten Lebensjahren finden im Gehirn enorme Veränderungen statt, die dazu beitragen, seine Funktionsweise zu optimieren. Allein im ersten Jahr vergrößert sich die Oberfläche der Großhirnrinde um etwa drei Viertel, während ihre Dicke um rund ein Drittel zunimmt.
Zu Beginn der Entwicklung bildet das Gehirn weit mehr Verbindungen zwischen Neuronen, als es tatsächlich benötigt. Im Laufe des Lebens werden häufig genutzte Verbindungen gestärkt, während andere in einem als „Pruning“ bezeichneten Prozess eliminiert werden.
Gleichzeitig schreitet ein weiterer Prozess – die Myelinisierung – im gesamten Gehirn voran. Dabei werden die Nervenfasern von einer Fettschicht umhüllt, die ähnlich wie die Isolierung um elektrische Leitungen funktioniert und die Signalübertragung beschleunigt. Diese „Isolierung“ entwickelt sich je nach den Bedürfnissen der einzelnen Hirnregionen unterschiedlich.
Neuronen in sensorischen Kortexen wie dem visuellen und auditorischen Kortex sind stark myelinisiert, während Neuronen im Frontallappen, der für höhere kognitive Funktionen zuständig ist, weniger Myelin aufweisen.
Anna-Lena Stroh vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig erklärte:
„Aus Tierstudien wissen wir bereits, dass Sinneserfahrungen einen enormen Einfluss auf diese Entwicklungsprozesse haben. Die genauen Mechanismen hinter diesem Einfluss sind jedoch Gegenstand laufender Forschung.“
„Menschen, die von Geburt an blind sind, spielen in diesem Zusammenhang eine besonders wichtige Rolle, da sich ihr Gehirn ohne visuelle Reize entwickelt. So lassen sich die Auswirkungen von Sinneserfahrungen auf die Gehirnentwicklung gezielt untersuchen.“
Dickere Sehrinde
Seit vielen Jahren beobachten Forscher, dass der visuelle Kortex von Menschen, die von Geburt an blind sind, dicker erscheint als der von sehenden Menschen. Die vorherrschende Erklärung lautete, dass Blindheit den Pruningprozess stört, wodurch überschüssige neuronale Verbindungen im visuellen Kortex zurückbleiben.
Um diese Idee zu überprüfen, holte sich das Team aus Leipzig Unterstützung von Forschern aus Polen. Mittels modernster Bildgebungstechnologien konnten sie so Hirngewebe in außergewöhnlich hoher Detailgenauigkeit charakterisieren.
Insgesamt reisten 24 von Geburt an blinde Personen nach Leipzig, um an bildgebenden Messungen des Gehirns teilzunehmen. Sie wurden mit sehenden Kontrollpersonen verglichen, die hinsichtlich Alter und Geschlecht vergleichbar waren.
„Dank hochauflösender Daten […] konnten wir die Mikrostruktur des Gehirns im Submillimeterbereich abbilden und so mehrere wichtige Muster aufdecken“, erklärte Nikolaus Weiskopf, Direktor der Abteilung Neurophysik am MPI in Leipzig. Weiter sagte er:
„Wie bereits in früheren Studien beobachteten wir, dass der visuelle Kortex bei blinden Menschen dicker erschien.“
Entscheidend sei jedoch, dass Weiskopf und Kollegen zeigen konnten, „dass der visuelle Kortex von Menschen, die von Geburt an blind sind, weniger myelinisiert war“. Hinweise auf einen gestörten Pruningprozess fanden die Forscher dagegen nicht. Sie schlossen aber auch nicht aus, dass der Prozess irgendeine Rolle spielen könnte.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine verringerte Myelinisierung ein zentraler Faktor für die bei Blindheit beobachteten strukturellen Unterschiede im Gehirn ist. „Eine verminderte Myelinisierung kann auch beeinflussen, wie die Grenze zwischen grauer und weißer Substanz in MRT-Aufnahmen erscheint“, erläuterte Anna-Lena Stroh. „Dadurch kann die Großhirnrinde in MRT-Messungen dicker erscheinen.“
Zusätzliche Analysen zeigten, dass diese Veränderungen auch die weiße Substanz betrafen. Diese ist für die Informationsübertragung zwischen verschiedenen Hirnregionen zuständig. Gleichzeitig beobachteten die Forscher keine Unterschiede in Hirnarealen, die mit dem Hören oder Tasten in Verbindung stehen. Daher glauben die Wissenschaftler, dass die beschriebenen Veränderungen direkt mit dem Fehlen visueller Erfahrungen zusammenhängen.
Doch nur weil sich das Gehirn umstrukturiert, bedeutet dies nicht, dass es beeinträchtigt ist. Bei blinden Menschen ist der visuelle Kortex an Funktionen wie der Sprachverarbeitung, dem Arbeitsgedächtnis und der kognitiven Kontrolle beteiligt. Interessanterweise sind auch die Gehirnregionen, die diese Funktionen bei sehenden Menschen unterstützen, tendenziell weniger myelinisiert.
„Daher stehen die Unterschiede, die wir bei blinden Menschen beobachten, völlig im Einklang mit dem, was dieser Kortex bei blinden Menschen tatsächlich leistet“, resümiert Marcin Szwed von der Jagiellonen-Universität in Krakau. „Der visuelle Kortex bei blinden Menschen ist nicht beeinträchtigt – er ist nur anders organisiert.“
Forscher Marius Schaab (v.) von der TUM überprüft die Drohne, die in einen Krater auf Vulcano über Vulkangasen fliegen soll. - Foto: Andreas Schmitz/TUM
In Kürze:
Vulkanische Gase verändern sich vor einem Ausbruch.
Messungen aus der Ferne sind sicherer als im Vulkanfeld.
Ein Flugroboter der TU München arbeitet mit einem Laserstrahl zusammen.
Die Drohne der Uni Mainz fliegt direkt in die Vulkanfahne hinein.
Derzeit testen Teams von Vulkanologen verschiedene Methoden, um vulkanischen Gasen auf den Grund zu gehen und einen Einblick zu erhalten, was unter der Erde vor sich geht.
Zum einen sind Forscher der TU München mit einem Laser-Flugroboter-System auf der Liparischen Insel Vulcano vor Sizilien unterwegs. Sie berechnen indirekt die Gaskonzentration. Ein weiteres Team der Johannes Gutenberg-Universität Mainz nutzt ein anderes Prinzip und fliegt seine Drohne direkt in die vulkanischen Gase hinein.
Ohne Gefahr für Menschen
Jeder vulkanische Ort hat ein charakteristisches Spektrum an Gasen – der Ätna auf Sizilien „riecht“ anders als die Phlegräischen Felder bei Neapel oder die Liparischen Inseln. Das lässt sich messen, analysieren und vergleichen.
Kurz vor einem Ausbruch ändert sich häufig die Zusammensetzung der Gase. Bisher maßen Vulkanologen dazu unter erheblichen Gefahren die Gase am Boden. Diese Messungen sind nicht nur risikoreicher, sondern auch fehlerbehafteter, da auch umgebende Pflanzen und der Boden diese Gase abgeben können.
Je stärker Lava vom Erdinneren an die Oberfläche drückt, umso mehr Gase treten aus. Kohlenstoff- und Schwefelverbindungen sind daher Indikatoren dafür, wie hoch die Aktivität eines Vulkanfeldes aktuell ist. Besonders das Verhältnis von Kohlendioxid und Schwefeldioxid lässt Rückschlüsse darüber zu, was unter der Erdoberfläche passiert.
Es geht also darum, inmitten einer Mondlandschaft mit vulkanischen Gasen und schwefelhaltigem Dampf die Gaskonzentration an einem Ort – über dem Krater – zu bestimmen, den Menschen nicht erreichen können und ohne dass sich Menschen in Gefahr begeben müssen.
Nun schweben hingegen Flugroboter über den Gaswolken. „Das ist präziser und sicherer“, sagt Prof. Achim Lilienthal. Lilienthal ist stellvertretender Direktor des Robotikinstituts TUM MIRMI und Leiter des Lehrstuhls für Perzeption für intelligente Systeme der TUM School of Computation, Information and Technology. Er forscht seit vielen Jahren am Riechsinn von Robotern.
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Die Drohne spiegelt das Licht des Lasers zurück. Aus der Abschwächung des Strahls schließen die Wissenschaftler auf die Konzentration der Gase zurück. Im Bild: Marius Schaab.
Foto: Andreas Schmitz/TUM
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Der Laser findet autonom den Spiegel der Drohne (grüner Punkt).
Foto: Andreas Schmitz/TUM
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Das Forschungsteam arbeitet am Rande eines Kraters auf der Liparischen Insel Vulcano vor Sizilien.
Foto: Andreas Schmitz/TUM
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Am Krater treten Vulkangase aus. Ein ideales Gebiet für Forschungen.
Foto: Andreas Schmitz/TUM
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Patrick Hinsen (v.) und Marius Schaab verfolgen den Flug der Drohne im Krater.
Foto: Andreas Schmitz/TUM
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Thomas Wiedemann (l.) und Marius Schaab überprüfen die Position des Lasers.
Foto: Andreas Schmitz/TUM
Wie funktionieren die Messungen?
Das Prinzip der Münchner ist: Ein Laser am Boden richtet sich von selbst auf einen Reflektor am Flugroboter aus. Der von dem Laser ausgesandte Laserstrahl wird dort reflektiert und schwächt sich auf dem Weg durch die Wolke etwas ab. Durch die Differenz kann die Konzentration eines Gases, beispielsweise von Kohlendioxid, berechnet werden.
Der Flugroboter an sich fliegt eine festgelegte Route über und um die vulkanischen Gaswolken. In dieser Zeit wird bis zu 3.000-mal gemessen. Aus den Daten entsteht eine Karte der Gaskonzentration innerhalb einer bestimmten Höhe.
„Unser Ziel ist, das Messen und Kartieren zu automatisieren und einer künstlichen Intelligenz die Interpretation der Daten zu übergeben“, sagt Lilienthal.
Die Windverhältnisse am jeweiligen Ort werden mit eingerechnet. Das System wurde zuvor auch in einem Windkanal getestet. Ein großer Vorteil ist, dass keine Sensoren durch die ätzenden Gaswolken beschädigt werden.
Drohne der Uni Mainz fliegt direkt in die Vulkanfahne hinein
Die zweite Drohne nutzt ein anderes Prinzip und misst Gaskonzentrationen direkt über Sensoren an Bord: „Wir fliegen direkt in die Vulkanfahne hinein und können so die Konzentration entlang der abgeflogenen Wege bestimmen“, sagt Prof. Thorsten Hoffmann von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
Der Chemiker hat ein System entwickelt, welches über Messzellen Licht einer bestimmten Wellenlänge absorbiert und so die Konzentration eines Gases bestimmen kann. Diese Drohne ist mit Sensoren ausgerüstet, die Gase, Partikel und verschiedene Elemente wie Chlor oder auch Brom messen können.
„Besonders wichtig sind uns die Gase Kohlendioxid und Schwefeldioxid, denn deren Verhältnis gibt uns Aufschluss darüber, was unter der Erde passiert. Die Löslichkeit dieser Gase im Magma hängt unter anderem vom Druck ab und verändert sich daher mit der Tiefe, sodass das austretende Gasgemisch Hinweise auf die Prozesse im Vulkansystem liefert“, sagt Hoffmann.
Beide Forschergruppen wollen die Auswirkungen von Vulkanausbrüchen sowie vulkanischen Emissionen auf die Atmosphäre besser verstehen. Zudem können Drohnen auch dort messen, wo kein Bergsteiger hinkommt. Als Nächstes wollen die Mainzer ihre Drohne am Ätna testen.
Salate sind oftmals stärker mit Schwermetallen belastete Pflanzen. Meist gelangen diese über Staub in die Pflanze, weniger über belasteten Boden. (Symbolbild) - Foto: Sebastian Gollnow/dpa
In Kürze:
Zahlreiche Böden sind durch Schwermetalle belastet, auch in Deutschland. Teils stammen sie aus der Natur, teils vom Menschen.
Einige Stoffe wie Eisen und Kupfer sind in geringen Mengen für unsere Gesundheit wichtig. Andere, wie Arsen oder Cadmium, sind schon in kleinen Mengen schädlich.
Im Regelfall werden die Gesamtkonzentrationen gemessen, doch nicht alles, was im Boden ist, kann freigesetzt werden.
Teure Sanierungen, etwa durch Bodenaustausch, könnten durch Beachtung der sogenannten Bioverfügbarkeit reduziert werden.
Im Garten kann die Auswahl der richtigen Obst- und Gemüsesorten die Belastung für den Menschen senken.
In vielen Köpfen hat sich festgesetzt: Schwermetalle sind böse und müssen weg. Boden wird ausgetauscht und als Sondermüll deklariert. Es wird teuer saniert, was mit Cadmium oder Blei, Kobalt oder Arsen, Kupfer oder Zink belastet sind. Dabei sind Kupfer und Zink sogar in geringen Mengen lebenswichtig für den menschlichen Körper. Kobalt auch.
Die Frage, die gestellt werden muss, ist daher: Wie viel Metall ist „zu viel“? Denn entscheidend ist nicht nur die bloße Masse der Metalle, sondern ihre biologische Verfügbarkeit.
Zu diesem Ergebnis kam der Professor Willie Peijnenburg von der Universität Leiden und dem Nationalen Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt in den Niederlanden. Er sagte:
„Metallverschmutzung im Boden ist ein echtes globales Problem, aber Entscheidungen über Lebensmittelsicherheit, Aufräumarbeiten und Wiederverwendung von Land müssen auf dem Teil der Metalle basieren, den Organismen wirklich aufnehmen können, nicht nur auf den Zahlen in den Schlagzeilen.“
Im Boden würden Schwermetalle oft in großen Mengen gemessen. Deutschland ist hier keine Ausnahme. Doch das Risiko, das Menschen, die Umwelt und Feldfrüchte dadurch tatsächlich haben, werde oft überschätzt, so der Chemiker und Umwelttoxikologe.
An vielen Orten gebe es hohe Belastungswerte, so Peijnenburg. Jedoch sei die biologische Gefahr gering, da die Metalle fest an Bodenpartikel gebunden seien, auf die Organismen nicht leicht zugreifen können. Teilweise seien sie auch in mineralischen Formen eingeschlossen.
An anderen Orten könnten hingegen bereits geringe Schwermetallbelastungen zum Thema werden, wenn die Bodenchemie Metalle mobil macht und diese leicht von Nutzpflanzen oder Bodenlebewesen aufgenommen werden.
Das Risiko hängt stark vom pH-Wert des Bodens, seiner mineralischen Zusammensetzung, organischen Substanzen, den Sauerstoffbedingungen und der Aktivität der Mikroorganismen ab. Dabei agieren Humusböden anders als Sand-, Ton- oder Lehmboden.
Der Forscher durchforstete die Fachliteratur zu zahlreichen chemischen und biologischen Methoden, um diese komplexe Chemie in praktikable Daten zu verwandeln. Anhand der Ergebnisse früherer Pflanzenwachstumstests, Regenwürmern, mikrobiellen und auch Enzymaktivitätsmessungen ordnete er ein, welche Bodenmetalle tatsächlich aufgenommen werden.
Was sind Schwermetalle?
Chemisch gesehen sind Schwermetalle Stoffe mit relativ hoher Dichte, von, in der Regel, über 5 Gramm pro Kubikzentimeter. Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Im Zusammenhang mit Medizin und Umwelt sind hingegen oft Metalle gemeint, die in höheren Mengen gesundheitsschädlich oder belastend sein können.
Im Allgemeinen werden Blei, Cadmium, Chrom, Kobalt, Kupfer, Nickel, Quecksilber, Zink sowie Arsen als Schwermetalle betrachtet. Chemisch gesehen ist Arsen ein Halbmetall, wird aber oft im gleichen Atemzug mit Schwermetallen genannt. Auch Gold, Eisen, Uran und Bismut werden hinzugezählt.
Forscher vieler Nationen und Institute beschäftigen sich mit diesen Themen, darunter die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit den gesundheitlichen Wirkungen, die Giftstoffagentur der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde mit den toxikologischen Profilen, die Internationale Krebsforschungsagentur der WHO mit der Krebsrisikoeinstufung, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit in Bezug auf Ernährung und zulässige Grenzwerte sowie die US-Umweltbehörde mit der industriellen Nutzung und der Exposition.
Nicht alle Schwermetalle sind dabei grundsätzlich schädlich, einige sind sogar essenziell für den Menschen: Eisen, Zink, Kupfer, Mangan und Kobalt werden in kleinen Mengen vom menschlichen Körper benötigt. Problematischer sind Blei, Quecksilber und Cadmium, die bereits in geringen Mengen als gesundheitlich bedenklich gelten.
Intelligente Sanierung soll Kosten sparen
Peijnenburg kam zu dem Fazit, dass die Konzentration auf die Bioverfügbarkeit zu intelligenterer Sanierung führen kann. Er sieht die Vorteile auch in realistischeren Bodenstandards, einem besseren Schutz der Ernährungssicherheit und der Gesundheit des Ökosystems.
Er plädiert für den Einsatz von Bioverfügbarkeitstests, um unnötigen Bodenaushub bei Projekten zur städtischen Flächenentwicklung zu vermeiden. Ein von ihm erstellter Entscheidungsbaum soll Praktikern und Politikern die künftigen Risikobewertungen erleichtern.
„Ziel war es, jahrzehntelange Forschung in eine praktische Toolbox zu übersetzen, die Wissenschaftler, Berater und Regulierungsbehörden tatsächlich in diesem Bereich anwenden können“, sagt er.
Blei auf Salat, Arsen im Reis
Welche Auswirkungen sind bekannt? Cadmium ist im Boden relativ mobil, in sauren Böden stärker löslich und für Pflanzen verfügbar. Blei wird hingegen nur sehr gering von Pflanzenwurzeln aufgenommen. Das Problem von bleibelasteten Nahrungsmitteln ist oft eher ein Staubproblem und damit ein Luftproblem. So können etwa Blattsalate durch Staub höher mit Blei belastet sein. Das hat auch historische Gründe.
In Deutschland wurde verbleites Benzin 1988 und bleihaltiges Superbenzin 1996 verboten, in der EU kam das endgültige Verbot im Jahr 2000. Seither hat sich die Belastung vor allem für städtische Kleingärtner verringert.
Kupfer bindet sich seinerseits stark an Humus, ist dann aber nur gering mobil. Von Pflanzen wird Kupfer nur geringfügig aufgenommen, allerdings schädigt es in hohen Mengen Bodenmikroorganismen und Regenwürmer. Blei und Kupfer werden überwiegend im Oberboden fest gebunden und verbleiben dort über eine lange Zeit, teils Jahrzehnte.
Gefährlich bleibt Arsen, das sich einerseits an Eisenoxide bindet und andererseits bei Sauerstoffmangel aktiver werden kann. Es ist stark abhängig von Redoxbedingungen, Phosphat und dem Wasserstand. Das Problem ist besonders im Reisanbau bekannt, wo Felder längere Zeit unter Wasser stehen. Dort kann es von Pflanzen aufgenommen werden oder auch ins Grundwasser gelangen.
Drei konkrete Beispiele: Cadmium, Blei, Arsen
Was tun, wenn man einen Garten hat? Ein Blick auf drei belastende Schwermetalle.
Cadmium als Lebensmittelproblem
Cadmium nehmen Menschen am häufigsten über Tabakrauch auf. Es ist aber auch in Farben und Akkus enthalten. Es wird nur sehr langsam ausgeschieden und reichert sich im Körper an. Es schädigt Nieren und führt langfristig zur Entkalkung von Knochen (Osteoporose, Knochenbrüche).
Prinzipiell können fast alle Pflanzen Cadmium aufnehmen. Viele Pflanzen „halten“ das Cadmium jedoch in den Wurzeln fest und transportieren es nur begrenzt in die Früchte. Eine der Pflanzen, die am stärksten Cadmium aufnimmt, ist Tabak. Es folgen Blattgemüse wie Salat oder Spinat, Kohlarten, Sellerie – und auch Sonnenblumen. Bei Getreide und Obst sind die Cadmiumgehalte meist sehr niedrig.
Obwohl die Bioverfügbarkeit von Cadmium in sauren Böden höher ist, sind so auch Kulturheidelbeeren kaum betroffen. Die Beeren enthalten in der Regel nur geringe Mengen. In den Blättern ist mehr zu finden.
Tipp für den Garten: Höhere Cadmiumwerte im Boden können durch Untersuchungen von Bodenproben in einem Umwelt- oder Landwirtschaftslabor festgestellt werden. Wenn gegeben, lohnt es sich, am Boden-pH-Wert anzusetzen. Ein pH-Wert im neutralen Bereich von etwa 6,5 bis 7 und eine passende Bepflanzung können das gesundheitliche Risiko reduzieren.
Blei – mögliche Altlast in Stadtgärten
Blei, das in alten Wasserleitungen vorkommt, in Batterien, Farben und auch Munition, ist giftig für das Nervensystem und das Gehirn. Es kann bei Kindern zu Entwicklungsschäden im Gehirn führen.
Humus und Tonminerale binden Blei sehr gut, das bedeutet aber nicht, dass Kompost grundsätzlich Blei enthält. Nur dann, wenn das Ausgangsmaterial belastet war – durch Straßenstaub, Industrie oder belastete Pflanzenreste –, kann auch der Kompost erhöhte Bleigehalte haben.
Pflanzen können geringe Mengen Blei aufnehmen, allerdings wird es stark in der Wurzel zurückgehalten und nur schlecht über das Leitgewebe der Pflanze transportiert. Höhere Gehalte finden sich in Salaten und Kräutern, hier jedoch vor allem aufgrund Staubbelastung über die Luft, mittlere in Möhren, Rote Bete oder Sellerie, sehr geringe in Früchten wie Äpfeln, Birnen, Tomaten oder Gurken.
Tipp für den Garten: In älteren innerstädtischen Gärten oder in der Nähe ehemaliger Industrieanlagen gibt es häufig noch erhöhte Bleigehalte. Sie stammen aus den 1950er- bis 1980er-Jahren. Der Gemüseanbau ist hier nur bedingt empfehlenswert, ein Obstgarten ist weniger empfindlich.
Arsen und das Sauerstoffproblem
Arsen kommt natürlich in manchen Gesteinen sowie im Grundwasser vor und ist sehr giftig. Zu Arsenvergiftungen kommt es eher in der Industrie oder bei der Verarbeitung von Erzen. Es kann auch in historischen Holzschutzmitteln vorkommen.
Arsen reagiert stark auf Sauerstoffverhältnisse und damit anders als andere Schwermetalle. Es bindet sich zeitweise vor allem an Eisen- und Aluminiumoxide. Mobiler wird es, wenn ein Boden längere Zeit überflutet ist. Dann werden Eisenoxide chemisch reduziert und das gebundene Eisen wird frei. Daher spielt Arsen in Reisfeldern eine besondere Rolle. Auch bei starker Düngung mit Phosphor kann Arsen verdrängt werden, dann steigt ebenfalls die Konzentration im Boden.
Pflanzen wie Kartoffeln, Weizen, Mais oder Obst nehmen meist deutlich weniger auf. In Früchte gelangt Arsen nur selten. Im Boden hemmt Arsen Enzyme und Bakterien, Pilze und Regenwürmer.
Tipp für den Garten: Auf dauerhaft feuchten Böden baut sich schlecht Gemüse und Obst an. Wer damit zu kämpfen hat, könnte mit Hochbeeten und anderer Erde arbeiten oder überlegen, ob er den Boden trockenlegen kann.
Sowohl Raupen als auch Schmetterlinge des Braunen Bären sind selten zu beobachten. Letztere, weil sie nachtaktiv sind, erstere, weil es immer weniger von ihnen gibt. - Foto: Frank Leo
In Kürze:
Schmetterlinge tun zwar keinem Blatt etwas zuleide, doch mitunter verursachen Raupen große Schäden.
In der Natur regeln normalerweise Fressfeinde und Nahrungsangebot, wie viele Exemplare überleben.
Manchmal benötigt die Natur Unterstützung, sowohl zum Schutz vor dem übermäßigen Appetit der Raupen als auch um ihr Überleben zu sichern.
Fast jeder kann zur Erhaltung der Schmetterlinge beitragen, egal ob im eigenen Garten oder am Fensterbrett in der Stadt.
„Lebet wie die Schmetterlinge, die nur von den Blumen naschen, aber weder ihren Duft rauben noch ihr Gewebe zerstören.“ Das gut gemeinte Zitat Buddhas drückt leider eine Illusion aus, denn jeder Schmetterling hat sich in seinem Raupenstadium (Larve) an seiner Wirtspflanze schadlos gehalten.
Sofort nach dem Schlüpfen aus den vom Schmetterling an der Pflanze angehefteten Eiern beginnt die Raupe mit dem Fressen. Es ist ihre einzige Lebensaufgabe. In nur wenigen Wochen kann sie ihr Körpergewicht vertausendfachen. Dabei muss sie mehrmals ihre Haut wechseln, da diese nicht mitwächst. Wenn sie satt ist, schafft sie sich eine feste Schale, in der sie als sogenannte Puppe ihre Verwandlung zum Schmetterling – Zoologen sprechen bei voll ausgebildeten Insekten vom Entwicklungsstadium „Imago“ – vollzieht. Das dauert bei den verschiedenen Arten von nur wenigen Wochen bis zu acht Jahren.
Die sattgefressene Raupe hinterlässt oft eine ramponierte Wirtspflanze, die entweder wieder neu austreibt oder daran zugrunde geht. Doch auch für die Raupe ist noch nicht gesichert, dass sie zu einem Schmetterling wird, der für neue Nachkommen sorgen kann. Der komplexe Verwandlungsprozess hat unglaublich vielfältige Störanfälligkeiten. Davon drei Beispiele:
Schwammspinner (Lymantria dispar)
Der Schwammspinner, ein wärmeliebender Nachtfalter, legt seine Eier an Blätter von Bäumen und ist dabei nicht wählerisch. Die Eier überwintern und im Frühjahr schlüpfen die Raupen. Sie fressen enorme Mengen an Blättern. Die meisten Bäume überleben den Kahlfraß durch Neuaustrieb noch im selben Sommer.
Schwammspinner können ganze Bäume kahl fressen, die oft noch im selben Sommer neue Blätter austreiben.
Foto: Frank Leo
Die Raupen haben eine große Anzahl natürlicher Feinde, wie Krankheitserreger (Bakterien, Pilze) und Schmarotzer (Brackwespen, Raupenfliegen), außerdem Laufkäfer, Baumwanzen, Weichkäfer, Ameisen, Kröten, Eidechsen, Vögel und Mäuse. So kommt es größtenteils zur Selbstregulierung, die eine Massenvermehrung minimieren kann.
Wiederholt sich jedoch der Befall jedes Jahr, hat das negative Folgen für die Bäume. Kommerziell genutzte Baumbestände müssen deshalb mit chemischen Mitteln unterstützt werden. Das beschädigt oder tötet nicht nur die Raupen, sondern auch alle Lebewesen, die sich von ihnen ernähren. So werden die Fressfeinde erheblich dezimiert, sodass einige Arten beim nächsten Raupenbefall nicht mehr ausreichend für eine natürliche Regulation vorhanden sind.
Wählerisch dagegen sind die Raupen des Tagpfauenauges. Sie können ausschließlich Brennnesseln fressen, was den Brennnesseln nichts ausmacht.
Raupen des Tagpfauenauges sind wählerisch. Auf ihrem Speiseplan stehen ausschließlich Brennnesseln, die daran aber keinen Schaden nehmen.
Foto: Frank Leo
Es gibt jedoch zwei Probleme für die Raupen: Zum einen, ihre Pflanzen zu finden, die es kaum in aufgeräumten Gärten, Parks und früh gemähten Feldrändern gibt. Zum anderen werden die Brennnesseln meist beseitigt, bevor die Raupen sattgefressen sind und sich verpuppen.
Der Nachtfalter Brauner Bär und seine Raupen haben beide ein beeindruckendes Äußeres. Leider können wir sie kaum bewundern, da sie selten geworden sind. Bei dieser Art ist es der Falter, der Probleme hat. Ursache sind unsere vielen Lampen.
Dem Nachtfalter Brauner Bär werden Lampen zum Verhängnis. Oft flattern sie so lange um künstliche Lichtquellen, dass sie das Fressen oder die Paarung vergessen und vor Erschöpfung sterben.
Foto: Frank Leo
Der Falter fliegt nachts und orientiert sich, wie die meisten Nachtfalter, am Mondlicht. Inzwischen gibt es für Nachtfalter aber so viele „Mondlichter“ in Form von Lichtverschmutzung, dass sie orientierungslos um Lampen flattern, bis sie erschöpft sterben oder zumindest ihre Hauptaufgabe, die Paarung, nicht erfüllen.
Es wäre enorm wichtig für die Falter, Lampen, besonders in unseren Gärten, auf Balkonen und Terrassen, auszuschalten, wenn wir schlafen. Dies nützt auch allen anderen nachtaktiven Lebewesen – einschließlich Glühwürmchen – bis hin zu Igel und Fledermaus.
Die Raupen ihrerseits fressen, wie viele andere Raupen auch, an verschiedenen Bäumen und Sträuchern, ohne sie zu gefährden. Fehlende Raupen-Futterpflanzen sind jedoch ein immer stärker werdendes Problem für die meisten unserer Schmetterlinge.
Es gibt kaum Gärten und öffentliche Flächen, die geeignete Sträucher und Bäume für sie anbieten. Stattdessen sieht man vielerorts gebietsfremde Pflanzen, sogenannte Neophyten, wie Forsythie (kein Nektar, keine Pollen, kein Raupenfutter), Flieder (kein Nektar, keine Pollen, kein Raupenfutter), Schmetterlingsstrauch (kein Raupenfutter), Kirschlorbeer, Japanischer Spindelstrauch, viele Spierstraucharten, Koniferen und viele andere.
Obwohl manche von ihnen mit ihren Blüten Futter für einige Falter anbieten, gibt es nichts für die Raupen. Laut Bundesamt für Naturschutz gibt es aktuell in Deutschland 441 Pflanzen, die bei uns gebietsfremd sind. 46 Arten wurden 2026 von der EU sogar als gefährlich für die Artenvielfalt Europas eingestuft.
Aber auch heimische Sträucher und Kleinbäume werden viel zu früh und zu stark zurückgeschnitten. Denn die meisten Raupengenerationen benötigen den ganzen Sommer zum Fressen.
Also nicht vergessen: Alle Raupen brauchen Futter, Nachtfalter Dunkelheit. Oder um es mit den Worten von Albert Schweitzer zu sagen: „Das Wenige, das Du tun kannst, ist viel!“
Ein Mercedes-AMG GT 4-Türer-Coupé ist während einer Präsentation des Axialflussmotors für Elektrofahrzeuge im Mercedes-Benz-Motorenwerk am 9. Juni 2026 in Berlin zu sehen. - Foto: Sean Gallup/Getty Images
In Kürze:
Der Axialflussmotor geht bei Mercedes in die Serienproduktion.
Im Gegensatz zu herkömmlichen E-Motoren hat er eine höhere Leistungsdichte.
Er ist ab sofort exklusiv in zwei Mercedes-Modellen erhältlich.
Mercedes-Benz will für einen Durchbruch bei der Elektromobilität sorgen. Anfang Juni hat der Autobauer in seinem Werk Berlin-Marienfelde mit der Großserienproduktion des neuen elektrischen Axialflussmotors begonnen.
Der Hochleistungsmotor kommt im neuen Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé zum Einsatz. Es ist das erste Mal überhaupt, dass diese Form von E-Motor in einem reinen Elektroserienfahrzeug verbaut ist. Zuvor war er schon im Ferrari SF90 Stradale eingebaut – zwischen dessen V8-Biturbo-Motor und Getriebe. Mehrere Prototypen griffen ebenfalls auf die Technik zurück.
Der Hersteller möchte den Hauptstadtstandort nun als Kompetenzzentrum für die Herstellung von High-Performance-Elektromotoren etablieren. Michael Schiebe, Vorstandsmitglied bei Mercedes-Benz, bezeichnete die Vermarktung des Axialantriebs als „wegweisende Innovation“. Gleichzeitig erhofft er sich neuen Aufwind für die angeschlagene deutsche Automobilbranche. Er sagte:
„Damit setzen wir ein starkes Zeichen für technologische Führungsstärke, operative Exzellenz und den Wandel der Automobilindustrie in Deutschland.“
Was ist anders am Axialflussmotor?
Eine komplett neue Erfindung ist der Axialflussmotor nicht. Zur Zeit der Disketten fand dieses Bauprinzip unter anderem in Diskettenlaufwerken Anwendung. Heutzutage nutzen ihn auch manche Drohnen sowie elektrische Flugzeuge.
In Elektrofahrzeugen sind bisher hingegen meist Radialflussmotoren verbaut. Ihr Magnetfeld fließt – namensgebend – radial. Dabei bilden die Feldlinien aus Blickrichtung der Achse ein Kleeblattmuster. Im Axialflussmotor, auch Scheibenläufermotor genannt, fließt das Magnetfeld axial, also parallel zur Drehachse. Könnte man die Feldlinien sehen, sähe man aus identischem Blickwinkel lediglich Strahlen.
Die Unterschiede ergeben sich aus der grundverschiedenen Anordnung der Bauteile. Während sich in Radialflussmotoren der Rotor entweder in oder um einen festen Stator dreht, besteht der Axialflussmotor aus hintereinanderliegenden Scheiben von Rotoren und Statoren. Der Rotor dreht sich also zwischen zwei Statoren oder zwei Rotoren drehen sich um einen Stator. Beides ist möglich. Mercedes verwendet Ersteres.
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Axialflussmotoren gibt es seit Jahrzehnten. Sie kommen unter anderem in Computerlaufwerken vor. Der wesentliche Unterschied zu Radialflussmotoren liegt in der Richtung der Wicklung der Kupferspulen.
Beim Axialflussmotor wirken die Kupferwicklungen wie gestapelt und ergeben ein vielblättriges Kleeblattmuster. Neue Fertigungsverfahren erlauben sogar den 3D-Druck von Spulen.
Foto: Ladislav Kubeš/iStock
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Bei Radialflussmotoren sind die Spulen selbst strahlenförmig angeordnet. Das Kleeblatt ist hier unsichtbar in den magnetischen Feldlinien verborgen.
Die Spulen des Radialflussmotors sind klassisch gewickelt und bei kleinen Motoren oft tatsächlich rund. Bei größeren Motoren erfolgt die Wicklung oft um einen (sehr) in die Länge gezogenen Eisenkern.
Foto: Remigiusz Gora/iStock
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Ein Industriemotor in Radialbauweise. Gut zu sehen sind die außen liegenden Kupferdrahtwicklungen sowie der einzeln liegende, sich innerhalb drehende Rotor mit Achse. Dadurch ergibt sich eine zylindrische Bauform.
Im Kleinen wie im Großen ist ein Axialflussmotor scheibenförmig aufgebaut. Zum feierlichen Start der Großserienproduktion präsentierte Mercedes-Benz die einzelnen Segmente. Ein Großteil der Entwicklungsarbeit steckt im Rotor (3. v. l., im Glaskasten).
Die in der Draufsicht dreieckigen, scheinbar gestapelten Kupferspulen des Axialflussmotors sind in der Segmentansicht nur zu erahnen. Für die Herstellung aus Rechteckdraht mussten eigene Biegemaschinen entwickelt werden.
Als Mercedes den Axialflussmotor beschrieb, bezeichnete der Hersteller ihn als „V8 des Elektrozeitalters“. Das begründe sich mit einer höheren Drehmoment- und Leistungsdichte als beim Radialflussmotor. Auch im Dauerbetrieb sei die Leistung höher, was an der besseren Kühlung liege.
Die Testfahrten sollen überzeugt haben: Der Hersteller testete im Vorfeld das Concept AMG GT XX im süditalienischen Nardò ausgiebig. Trotz mehrerer Rennstarts mit voller Beschleunigung sei auf Dauer kein Leistungsverlust aufgetreten.
Zudem ist die Bauweise des Axialmotors kompakter und leichter. An der Vorderachse misst er lediglich in der Breite knapp 9 Zentimeter. Noch kompakter ist er an der Hinterachse. Hier weisen die beiden E-Motoren nur rund 8 Zentimeter in der Breite auf.
Axialflussmotoren sind aufgrund ihrer Bauweise sehr kompakt. Die fertigen Motoren von Mercedes-Benz messen weniger als 10 Zentimeter in der Breite (hier liegend auf dem Band). Ihr Durchmesser ist dafür etwas größer und entscheidet maßgeblich über das Drehmoment.
Diese Effizienzsteigerung wirkt sich auf die Fahrleistung aus. Der Stuttgarter Konzern gibt für das neue Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé eine Beschleunigungsdauer von nur 2,1 Sekunden vom Stand auf 100 Kilometer pro Stunde an. Das ist im Bereich der Beschleunigungsleistung eines Formel-1-Rennwagens. Die Leistung gibt Mercedes mit bis zu 1.169 PS an. Die Höchstgeschwindigkeit des GT Coupé soll bei rund 300 Kilometern pro Stunde liegen.
Doch der Axialflussmotor bringt auch noch Herausforderungen mit sich. Durch seine anspruchsvollere Bauart sind die Produktionskosten höher als beim Radialflussmotor. Ebenfalls erfordern die kompakte Bauform und hohe Leistungsdichte des Motors laut Mercedes komplett neue Fertigungsverfahren, die auch für die Großserie geeignet sind.
Wann kann man den Motor kaufen?
Der Motor allein ist nicht im Handel erhältlich. Ebensowenig kann er einfach so in ein bestehendes E-Auto eingebaut werden und dessen Motoren ersetzen. Die einzelnen Komponenten müssen miteinander kompatibel sein, sowohl bau- als auch steuerungstechnisch. Zudem sind die Raummaße wie beschrieben andere. Und Yasa Limited, der Entwickler, gehört zu 100 Prozent Mercedes-Benz.
Daher ist der Axialmotor aktuell nur im Ferrari und im neuen Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé bestellbar. Der deutsche Hersteller bietet das E-Auto in zwei Versionen an: dem GT 55 und dem GT 63 – beide mit einem sechsstelligen Preisschild versehen.
Für deutlich weniger Geld sind Motoren dieser Bauart im Fachhandel für den Modellbau erhältlich und werden teils unter der Bezeichnung der bürstenlosen Motoren ohne weitere Kennzeichnung vertrieben. Im Regelfall ist ihr Durchmesser größer als ihre Breite. Ein sicheres Erkennungsmerkmal ist das jedoch nicht.
Die Nordkurve der berühmten Berliner Rennstrecke AVUS im Jahr 1995. - Foto: Bernd Lauter/Bongarts/Getty Images
In Kürze:
Der Große Preis von Deutschland feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum.
Der Erste fand am 11. Juli 1926 auf der ersten Rennstrecke Deutschlands statt: der AVUS in Berlin.
Die darauffolgende Entwicklung des Motorsports brachte weitere Rennstrecken hervor.
Neben der Königsklasse des Motorsports entstanden auch andere Rennserien.
Besonders zwei Namen verzauberten die Fans – und ließen viele erst zu solchen werden.
Laute Motoren, hohe Geschwindigkeiten, spannende Duelle: Der Motorsport stellt für viele eine besondere Faszination dar. Die ersten „Wettrennen“ dieser Art entstanden bereits Ende des 19. Jahrhunderts.
Damals gab es zunächst nur Autorennen von einer Stadt zu einer anderen. Die Probleme hierbei waren jedoch der schlechte Zustand vieler Straßen sowie Hindernisse durch Kutschen, Fußgänger sowie andere Verkehrsteilnehmer und deren Gefährdung. Daher ging der Trend hin zu permanenten Rennstrecken.
Die erste deutsche Rennstrecke entstand in Berlin. Auf der AVUS-Hochgeschwindigkeitsrennstrecke fand am 11. Juli 1926 – also vor genau 100 Jahren – der erste Große Preis von Deutschland statt. AVUS steht für Automobil-Verkehrs- und ÜbungsStraße. Damals fuhr Rudolf Caracciola auf einem Mercedes nach knapp 3 Stunden und einigen Wetterkapriolen als Erster über die Ziellinie.
Eine Maßnahme der Automobilbranche
Diese Motorsport-Premiere geht zurück auf eine umfassende Maßnahme der deutschen Automobilindustrie. Da zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihr Erfolg bei internationalen Automobilveranstaltungen zu wünschen übrig ließ, gründeten sie 1909 ein Unternehmen, das die Menschen für den Motorsport begeistern sollte. Die Branche erhoffte sich dadurch eine effizientere technische Entwicklung deutscher motorisierter Autos und somit steigende Verkaufszahlen.
Bereits 1913 begannen in diesem Zuge die Bauarbeiten der rund 19,5 Kilometer langen AVUS-Rennstrecke im Südwesten der Hauptstadt. Gebremst durch den Ersten Weltkrieg konnte sie allerdings kurz danach fertiggestellt werden.
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Rennwagen in der Nordkurve bei einem Rennen auf der AVUS im Jahr 1938.
Foto: Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg W 134 Nr. 013994b / Fotograf: Willy Pragher, CC BY 4.0
Ein Rennen der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) vom 7. Mai 1995 auf der AVUS (Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße) in Berlin.
Foto: Bernd Lauter/Bongarts/Getty Images
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Die Tribüne an der AVUS für den Autosport, dahinter das Messegelände mit dem Veranstaltungsort CityCube, Juni 2022. Heute gibt es die einstige Rennstrecke nicht mehr. Die Geraden fungieren als öffentliche Autobahn.
Im Jahr 1921 fand dann ein erstes Autorennen auf dieser Piste statt, die nur aus zwei langen Geraden und zwei teils bis zu 43 Grad angewinkelten Steilkurven bestand. Fünf Jahre später sorgte dann der erste Große Preis von Deutschland für Aufsehen. Von einst 44 Fahrern sahen letztlich nur 17 die Zielflagge. Die widrigen Bedingungen und praktisch nicht vorhandene Sicherheitsvorkehrungen forderten zudem leider vier Todesfälle bei diesem Ereignis.
Damit kam die AVUS vorerst nicht mehr für einen Großen Preis von Deutschland infrage und die Veranstalter wichen auf den 1927 eingeweihten Nürburgring als Austragungsort aus. Erst am 2. August 1959 kehrte der Große Preis von Deutschland zur AVUS zurück. Der Sieger war damals Tony Brooks auf einem Ferrari.
Danach war Berlin nie wieder Austragungsort dieses Spektakels. Heute ist die AVUS eine reine Autobahn. Die Tribüne indes steht noch.
Erste Blütezeit in den 1930er-Jahren
In den 1930er-Jahren erfuhr der deutsche Motorsport einen zusätzlichen Schub. Die damalige Staatsführung unterstützte die weitere Entwicklung, was vor allem die Hersteller Mercedes-Benz und Auto Union begünstigte.
Zu dieser Zeit, um genau zu sein am 3. Juni 1934, entstand auch der berühmte „Silberpfeil“. Die Legende besagt, dass der Mercedes W25 beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring am Vorabend vor dem Start 751 Kilogramm Leergewicht auf die Waage gebracht haben soll. Das wäre ein Kilogramm zu viel gewesen.
Um noch starten zu dürfen, hätten die Mechaniker kurzerhand den weißen Lack des Boliden abgefeilt. Übrig blieb die silberne Aluminiumkarosserie. Am Renntag glänzten schließlich nicht nur der Silberpfeil, sondern auch Fahrer Manfred von Brauchitsch. Sein Sieg markierte offiziell den Beginn einer Legende.
Allerdings soll Mercedes schon vor jenem Großen Preis mit einer unlackierten, silbernen Karosserie experimentiert haben. Zudem soll es bei diesem Rennen gar keine Gewichtsbeschränkung gegeben haben. Doch an dieser Legende vom abgeschliffenen Lack hält selbst Mercedes gerne weiter fest, da sie wohl gut in die Dramatik ihrer Motorsportgeschichte passt.
Der Historiker Don Capps sagte dazu: „Mercedes-Benz hat sehr deutlich gemacht, dass man dort den Mythos genießt und sich nicht um die Fakten schert.“
Wie bereits erwähnt, fand der Große Preis von Deutschland ab 1927 in jedem Austragungsjahr bis 1958 auf dem Nürburgring statt. Auch ab 1960 war der Nürburgring ein oft gewählter Austragungsort dieses Motorsport-Spektakels. Seit 1927 fand der Große Preis von Deutschland insgesamt 39 Mal im Schatten der Nürburg statt.
1968 fiel erstmals der bis heute bestehende Spitzname „Grüne Hölle“, der sich besonders auf die anspruchsvolle Nordschleife der Strecke bezieht. Damals sagte der Formel-1-Fahrer Jackie Stewart zu seinem Fahrerkollegen Graham Hill vor dem Großen Preis (Grand Prix) von Deutschland:
„Das wird die grüne Hölle dieses Wochenende.“
Bei seiner Anreise mit dem Flugzeug blickte er dabei von oben auf den verregneten Nürburgring. Das Rennen gewann der Schotte bei widrigsten Bedingungen mit Regen und Nebel mit deutlichem Vorsprung.
Früher bestand der Nürburgring aus der noch heute von verschiedenen Rennserien benutzten Nordschleife und einer daran angebundenen Südschleife. Anfang der 1980er-Jahre wurde die Südschleife zur heutigen Grand-Prix-Strecke umgebaut.
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Blick auf einen Streckenabschnitt der Nürburgring-Nordschleife.
Überdies hat die Begeisterung für den deutschen Motorsport nach der AVUS und dem Nürburgring hierzulande mehrere weitere Rennstrecken entstehen lassen.
Als zweithäufigster Austragungsort des Großen Preises von Deutschland erlangte der Hockenheimring große Berühmtheit. Der erste Formel-1-Grand-Prix fand dort im Jahr 1970 statt. Damals hatte die baden-württembergische Rennstrecke noch ihre langen Geraden, die durch den Schwetzinger Hardt, ein Waldgebiet, führten. Zu jener Zeit unterbrachen lediglich zwei Schikanen die Hochgeschwindigkeitspassagen, ab 1982 dann im Bereich der Ostkurve eine dritte.
Im Jahr 2002 erfolgte der Umbau zur heutigen verkürzten Grand-Prix-Strecke. Der Formel-1-Chef Bernie Ecclestone und die Rennsportkommission FIA forderten eine Modernisierung, sonst drohte der Verlust der Strecke im Formel-1-Kalender. Sie hielten die Strecke für zu lang, zu motorbelastend und zu schwer zu sichern.
Um neben der Formel 1 anderen deutschen und internationalen Rennserien ausreichend Möglichkeiten zu bieten, entwickelten sich im Laufe der Jahrzehnte mehrere weitere Rennstrecken. Dazu zählen die Arena Oschersleben, der Sachsenring, der Norisring, der Lausitzring und das Schleizer Dreieck.
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Formel-Rennwagen fahren am 18. Oktober 2015 über die Start- und Zielgerade des Hockenheimrings.
Der letzte Große Preis von Deutschland fand 2019 statt. Seitdem stehen weder der Nürburgring noch der Hockenheimring im Formel-1-Kalender. Der Hauptgrund dafür sind die hohen Kosten von bis zu 20 Millionen Euro für ein Rennwochenende und die fehlende staatliche Unterstützung. Ohne diese ist den Betreibern das finanzielle Risiko zu hoch.
Durch das Pandemiechaos im Jahr 2020 ergab sich dennoch kurzfristig ein Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring. Dieses wurde jedoch nicht als Großer Preis von Deutschland, sondern als Großer Preis der Eifel bezeichnet. Der Formel-1-Zirkus würde eine Rückkehr nach Deutschland begrüßen.
Die Formel 1 gibt es seit 1950. Vor dem Zweiten Weltkrieg fand der Große Preis von Deutschland im Rahmen der sogenannten Grand-Prix-Europameisterschaft statt.
Der deutsche Motorsport beschränkte sich aber nicht nur auf den Großen Preis von Deutschland und die Königsklasse des Motorsports. Im Laufe der vergangenen hundert Jahre entstanden mehrere verschiedene Rennklassen.
So gibt es neben der Formel 1 weitere Formel-Rennserien wie die Formel 2, die Formel 3 und die Formel 4 – ehemals Formel ADAC – für Nachwuchsfahrer. Auch die sogenannte Formula Student, ein Konstruktionswettbewerb für Studenten, ist entstanden. Letzteren gibt es heute sowohl für Verbrenner als auch für E‑Autos, wobei immer wieder atemberaubende Rekorde aufgestellt werden. Im September 2023 schaffte der Elektroflitzer der ETH Zürich den Sprint von 0 auf 100 km/h in unter einer Sekunde – und damit schneller als ein Formel-1-Wagen.
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Der Formel-1-Fahrer Lewis Hamilton während des Rennwochenendes vom Großen Preis von Belgien 2025.
Das Formula Student Team der ETH Zurich stellte mit ihrem Elektrorennwagen „mythen“ am Freitag, 1. September 2023 auf dem Militaerflugplatz in Duebendorf den Beschleunigungsweltrekord auf: von 0 auf 100 km/h in 0,956 Sekunden.
Foto: ETH/Alessandro Della Bella
Rasant bis holprig, aber immer am Limit
Zu erwähnen ist auch die DTM (Deutsche Tourenwagen-Masters). Darin konkurrieren aktuell die Automarken Mercedes-AMG, BMW, Porsche, Ford, Aston Martin, Lamborghini und McLaren mit ihren GT3-Sportwagen gegeneinander.
Im Weiteren nutzen noch der Kartsport sowie Motorrad- und Truckrennen die genannten Rennstrecken in häufig verkürzten Streckenversionen. Auch Langstreckenrennen wie das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring konnten sich etablieren.
Obwohl der Rallyesport nicht die festen Rennstrecken, sondern Geländepisten nutzt, hat er sich ebenfalls nach dem Zweiten langsam entwickelt. In Deutschland entstand die Begeisterung dafür durch einige Erfolge.
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Rennfahrer der Deutschen Tourenwagen-Masters liefern sich in der Arena Oschersleben am 27. April 2025 ein spannendes Duell.
Hier ist vor allem der Rallyefahrer Walter Röhrl zu nennen. Seine Karriere begann im Jahr 1968 bei Fiat. Spätere Rallyes fuhr er zunächst mit BMW, Alfa Romeo und Porsche. Nur zwei Jahre später erhielt er einen Werksvertrag mit Ford.
Ab 1973 ging Röhrl für Opel an den Start und gewann im darauffolgenden Jahr die Europameisterschaft. Durch seinen präzisen Fahrstil begeisterte er die Massen. Ein Jahr später siegte Röhrl bei der Akropolis-Rallye in Griechenland. Im Jahr 1980 holte er sich mit Fiat den Weltmeisterschaftstitel. Zwei Jahre später gewann er diesen nochmals mit einem hinterradgetriebenen Opel und setzte sich gegen die Allrad-Audis durch. Röhrl gilt als herausragender Fahrer der goldenen Rallye-Ära der 1970er und 1980er-Jahre.
In der Formel 1 begeisterte vor allem Michael Schumacher die Fans des deutschen Motorsports – und ließ viele solche werden. Im Jahr 1991 gab er sein Debüt in der Königsklasse. Beim Großen Preis von Belgien auf der anspruchsvollen Rennstrecke Spa Francorchamps sprang er für einen ausgefallenen Stammfahrer ein.
Bei der Qualifikation für das Rennen fuhr Schumacher zum Erstaunen der Fachwelt die siebtschnellste Zeit, was den gleichrangigen Startplatz bedeutete. Die Überraschung ging weiter, als er beim Start noch vor der ersten Kurve zwei Kontrahenten überholen konnte und plötzlich auf der fünften Position lag. Allerdings fiel er kurz nach der ersten Kurve aufgrund eines Kupplungsschadens aus.
Kurz darauf wechselte Schumacher zu Benetton. Mit diesem Team holte er 1992, ebenfalls in Spa, seinen ersten Formel-1-Sieg. 1994 und 1995 schaffte er es dann, die Königsklasse des Motorsports zu dominieren, und gewann seine ersten Weltmeistertitel. In den Jahren 2000 bis 2004 gewann er mit Ferrari seinen dritten bis siebten Weltmeisterschaftstitel. 2012 beendete er seine aktive Formel-1-Karriere, als er noch drei Jahre für Mercedes fuhr.
Bundestagssitzung am 10.07.2026. - Foto: via dts Nachrichtenagentur
In Kürze:
Die Bundesregierung hat das Gebäudeenergiegesetz durch das Gebäudemodernisierungsgesetz ersetzt.
Hauseigentümer dürfen künftig wieder frei über die Art ihrer Heizungsanlage entscheiden.
Bei neuen fossilen Heizanlagen müssen Vermieter tiefer in die Tasche greifen.
Auch Mieter betroffen – durch eventuelles Weiterreichen der Mehrkosten und Verknappung von Mietraum.
„Bio-Treppe“ und „Grüngasquote“ lösen die 65-Prozent-Regelung ab.
Das „Heizungsgesetz“ der früheren Ampel-Regierung ist bald Geschichte. Der Bundestag hat das neue Gebäudemodernisierungsgesetz beschlossen. Damit kippt die schwarz-rote Koalition zentrale Regelungen des bestehenden Gesetzes. Die Reform sollte am Freitag auch den Bundesrat passieren.
Unions-Fraktionsvize Sepp Müller sagte, Menschen hätten wieder Freiheit im Heizungskeller: „Wir ersetzen Bevormundung durch Wahlfreiheit.“ Scharfe Kritik kam aus der Opposition.
Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge sagte. „Diese Reform ist ein Brandbeschleuniger für die Klimakrise. Es ist völlig zukunftsvergessen, dass CDU und SPD wieder auf klimaschädliche Öl- und Gasheizungen setzen.“
Auch Umweltverbände warnen vor Rückschritten beim Klimaschutz und einer Kostenfalle für Mieterinnen und Mieter, wenn Vermieter neue Gasheizungen einbauen.
Kein „Reinregieren“ mehr?
„Mit dem bürokratischen Reinregieren in den Heizungskeller muss Schluss sein“ – so stand es im Wahlprogramm der Union. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte mit Blick auf die bestehenden Regelungen von einem „Zwang zur Wärmepumpe“ gesprochen.
Es solle nun Technologieoffenheit geben. Der CDU-Politiker Lars Rohwer sagte, die Koalition beende Habecks „Heizungsmurks“.
„Der Eigentümer hat wieder Entscheidungsfreiheit, welche Heizungsoption er wählen möchte“, heißt es im Gesetzentwurf. Reiche sagte, auch in Zukunft werde die Wärmepumpe eine dominierende Technologie bleiben. Bisher aber gebe es eine Zurückhaltung bei Investitionen.
Eckpunkte des geplanten Gebäudemodernisierungsgesetzes im Überblick.
Foto: Epoch Times
Es trifft zunächst Vermieter
Die neue Version des Heizungsgesetzes nimmt Vermieter ab 2028 verstärkt in die Pflicht, sofern sie sich im Rahmen einer Neuinstallation für eine fossil betriebene Heizanlage entscheiden. Laut SPD-Fraktionschef Matthias Miersch sollen sie dann „künftig ökonomisch die Verantwortung übernehmen“.
So hat sich die Regierungskoalition aus Union und SPD darauf geeinigt, dass Vermieter in diesem Fall künftig die Kosten der Netzentgelte und des Brennstoffs zur Hälfte mittragen müssen, bei den fossilen und biogenen Brennstoffen jedoch nur die Mehrkosten. Dadurch bleibt der erneute Griff zu einer neuen fossilen Heizung zwar erlaubt, wird jedoch finanziell unattraktiver.
Konkret sollen sich Vermieter künftig beim Neueinbau einer Gas- oder Ölheizung erstmals hälftig an den Nebenkosten beteiligen, die für das Heizen anfallen. Dazu zählen:
CO₂-Preis,
Gasnetzentgelte,
Mehrkosten für biogene Anteile.
Von der Reform seien rund 5,5 Millionen Vermieter in Deutschland betroffen. Die meisten davon sind Kleinvermieter, die nur eine oder zwei einfache Wohnungen besitzen. Insgesamt befinden sich rund 16 Millionen Wohnungen in privater Hand. Das sind 64 Prozent, also knapp zwei Drittel, des gesamten deutschen Mietwohnungsbestandes.
Miersch betonte, dass die Bemühungen zum Klimaschutz für die Mieter bezahlbar bleiben müssten. „Wir konnten erreichen, die Kostenrisiken bei CO₂, Netzentgelten und Biogas konsequent zu halbieren“, so der Fraktionschef.
Den reinen Grundpreis für den fossilen Brennstoff, also den eigentlichen Gas- oder Ölpreis, bezahlt weiterhin vollständig der Mieter. Im Grundpreis ist allerdings der CO₂-Preis bereits enthalten, sodass der Mieter diesen zunächst voll bezahlt. Im Nachhinein erstattet der Vermieter dem Mieter die Hälfte des in der Abrechnung bezahlten Klimazuschlags. Die Mehrkosten für biogene Anteile entstehen aus der Erfüllung weiterer gesetzlicher Pflichten im Rahmen der Gesetzesänderung.
Die Aufteilung der Kosten zwischen Mieter und Vermieter klingt zunächst nach einer Entlastung. Laut dem zentralen Immobilienverband Haus & Grund löst sie das Grundproblem jedoch nicht. Dipl.-Ing. Corinna Kodim, Geschäftsführerin des Bereichs Energie, Umwelt, Technik, teilte der Epoch Times hierzu mit:
„Die Kosten entstehen durch staatliche Regulierung, steigende CO₂-Preise und teurere Brennstoffe. Am Ende wird Wohnen trotzdem teurer.“
Mit anderen Worten: Eine Entlastung der Mieter ist gleichzeitig eine Mehrbelastung für den Vermieter. Es ist daher anzunehmen, dass viele Vermieter die entstehenden Mehrkosten letztlich an den Mieter weiterreichen, etwa indirekt durch eine Mieterhöhung, sodass am Ende eher keine Entlastung, sondern nur eine geringere Steigerung erfolge.
Die Verteuerung ergebe sich laut Kodim „entweder über steigende Betriebskosten, über notwendige Investitionen in andere teure Heizungsoptionen oder über eine geringere Investitionsfähigkeit der Eigentümer“. Sie sieht das Risiko, dass sich private Vermieter aus dem Markt zurückziehen. Das könne den privaten Mietwohnungssektor unmittelbar schwächen.
Zugleich ist unklar, wie sich die Mehrkosten entwickeln. Faktoren hierfür sind die künftige Höhe der Nebenkosten. Vor allem die tatsächliche Entwicklung des CO₂-Preises ist ungewiss, da dieser ab dem kommenden Jahr vom nationalen in den europäischen Emissionshandel übergeht.
Was gilt für Hauseigentümer?
Eigenheimbesitzer, die selbst in ihrer Immobilie wohnen, tragen die anfallenden Heiz- und Zusatzkosten ohnehin komplett. Sie dürfen sich wieder die Heizanlage ihrer Wahl aussuchen. Wird es eine fossile Neuinstallation, müssen Eigenheimbesitzer die sogenannte Bio-Treppe einhalten, die im Artikel später dargestellt wird.
Entscheidet sich der Immobilieneigentümer hingegen für den Umstieg auf das Heizen mit erneuerbaren Energien, kann er auch künftig die staatlichen Förderungen beantragen. Grundsätzlich steht jedem Eigentümer ein Basiszuschuss von 30 Prozent der Gesamtkosten zu – unabhängig vom Einkommen. Für effizientere Erdwärmepumpen und Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel sind weitere 5 Prozent möglich – der sogenannte Effizienzbonus.
Nochmals 30 Prozent Zuschuss stehen für einkommensschwache Haushalte mit einem Jahreseinkommen von unter 40.000 Euro bereit. Vor Steuerabzug entspricht das in etwa 50.000 Euro brutto. Zusammen mit der Grundförderung können Immobilienbesitzer so 65 Prozent der Anlagekosten durch Zuschüsse finanzieren.
Ferner gibt es den sogenannten Geschwindigkeitsbonus von 20 Prozent bis Ende 2025. In den Folgejahren reduziert sich dieser stufenweise. In Summe ergeben diese Boni 85 Prozent. Die maximal mögliche Förderquote beträgt jedoch 70 Prozent.
Die staatlichen Förderungen für Wärmepumpen in der Übersicht.
Foto: mf/Epoch Times
Neben der Förderung für den Heizungstausch können Immobilienbesitzer weitere Förderungen für zusätzliche Effizienzmaßnahmen beantragen. Darunter fallen etwa die Dämmung des Gebäudes oder der Einbau energieeffizienterer Türen und Fenster. Die Fördersätze liegen hier bei 15 Prozent. Förderanträge können bei der staatlichen Förderbank KfW eingereicht werden – auch rückwirkend für bereits begonnene Vorhaben.
Dennoch müssen Hauseigentümer zunächst für die gesamten Kosten selbst aufkommen, sowohl beim Einbau einer Wärmepumpe als auch bei weiteren Maßnahmen. Je nach Art der Anlage liegen diese bei mehreren Zehntausend Euro, im Bereich der energetischen Sanierung auch darüber. Erst wenn die Bauarbeiten abgeschlossen und alle Nachweise geprüft sind, können sich Eigentümer den zutreffenden Anteil erstatten lassen.
„Künftig können neben der Wärmepumpe, Fernwärme, hybriden Heizungsmodellen und Biomasseheizung weiterhin auch Gas- und Ölheizungen eingebaut werden“, heißt es in einem Eckpunktepapier der Union. Dadurch wolle man den Bürgern bei der Heizungswahl mehr Selbstbestimmung geben. „Wir stärken ihre Entscheidungsfreiheit und Eigenverantwortung, denn die Eigentümer wissen am besten, was in ihren Heizungskeller passt.“
Zudem soll das Heizungsgesetz künftig weniger bürokratisch sein. Das zeigt sich mit der Streichung der Paragrafen 71 bis 71p. Sie bildeten den Kern der Pflicht zum Einbau von Heizungen mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien.
„Auch Betriebsverbote für bestimmte Heizungsarten streichen wir“, hat die Union im Entwurf mitgeteilt. Somit soll ebenso der Paragraf 72 des GEG wegfallen. Dieser verlangt die Austauschpflicht für alte Heizkessel. Demnach dürfen Öl- und Gasheizungen, die vor dem 1. Januar 1991 eingebaut wurden, nicht mehr betrieben werden. Für Heizkessel, die nach diesem Datum installiert wurden, gilt eine maximale Betriebsdauer von 30 Jahren. Das GModG streicht diese Begrenzung.
Das weitere Vorgehen ist damit grundsätzlich wieder technologieoffen. Der Bauherr besitzt somit hier wieder mehr Freiheit, die allerdings bedingt ist. Denn das Heizen mit fossilen Brennstoffen wird teurer, wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bereits angekündigt hat.
Mehr Planungssicherheit?
Die voraussichtlich wegfallende 65-Prozent-Regelung sieht aktuell noch vor, dass jede neu eingebaute Heizung in Neubauten zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden muss. Ab 1. Juli 2026 hätte sie auch für alle Gebäude in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern gegriffen. Laut Branchenfachverbänden verschiebt sie sich zunächst aufgrund einer Änderung des aktuellen GEG um vier Monate auf den 1. November. Das soll für Rechtssicherheit bis zum Inkrafttreten des GModG sorgen.
Aus Sicht von Haus & Grund wird es mit der neuen Reform jedoch nicht wirklich besser. Im Gegenteil, sie bringe „mehr Verunsicherung“. „Eigentümer müssen Investitionsentscheidungen über Heizungen, Dämmung und energetische Sanierung für 20 bis 30 Jahre treffen“, erklärte Kodim. „Wenn sich Regeln, Förderbedingungen, Kostenverteilungen und politische Leitplanken ständig ändern, steigt das Risiko, die falsche Entscheidung zu treffen.“ Das führe nicht automatisch zu mehr Klimaschutz, sondern häufig zu Investitionszurückhaltung.
Besonders dieser starke Fokus der ehemaligen Ampelkoalition auf möglichst nur Wärmepumpen war heftig umstritten und hat viele Verbraucher verunsichert. Anfang 2024 bewirkte diese Politik das Gegenteil ihrer Zielsetzung. Es kam zu Rekordabsätzen bei Öl- und Gasheizungen, während sich der Absatz von Wärmepumpen reduzierte.
Bio-Treppe ab 2029
Entscheidet sich der Immobilienbesitzer künftig erneut für eine neue Öl- oder Gasheizung, gelten zusätzlich festgelegte Vorgaben zum Einsatz klimafreundlicher Brennstoffe. Diese soll der Anlagenbetreiber dem herkömmlichen Brennstoff beimischen. Die Höhe des Beimischungsanteils ist durch die sogenannte Bio-Treppe definiert. Sie soll ab Anfang 2029 gelten.
Diese Treppe beinhaltet vier Stufen, die die Beimischungen von Biomethan, Wasserstoff, Wasserstoffderivaten sowie synthetischem Methan oder Bioöl vorschreiben. Diese Biostoffe sind meist teurer als normales Erdgas oder Heizöl.
Aus dem jüngsten Referentenentwurf der Bundesregierung geht hervor, dass die erste Stufe der Bio-Treppe ab 1. Januar 2029 greift. Der Gesetzgeber verlangt hier einen Anteil von mindestens 10 Prozent. Nur ein Jahr später sollen es schon mindestens 15 Prozent sein. Ab dem 1. Januar 2035 folgt eine Erhöhung auf mindestens 30 Prozent und ab 2040 auf mindestens 60 Prozent.
Bis 2045 wäre dann in diesem Übergangsprozess ein vollständiger Umstieg auf einen 100-Prozent-Anteil möglich. Bestehende Anlagen sind hiervon zunächst nicht betroffen. Bei den ersten drei der vier Stufen sollen sich Mieter und Vermieter je zur Hälfte den für diese biogenen Brennstoffe anfallenden Preisbestandteil aufteilen. Die Mehrkosten oberhalb von 30 Prozent, also ab der vierten Stufe, soll vollständig der Vermieter tragen.
Die ersten vier Stufen der Bio-Treppe des Gebäudemodernisierungsgesetzes sind im jüngsten Entwurf der Bundesregierung bereits festgelegt.
Foto: mf/Epoch Times
Grüngasquote
Eine weitere kostentreibende Regelung stellt die sogenannte Grüngasquote – oder Grünölquote – im GModG dar. Im Gegensatz zur Bio-Treppe gilt sie bei allen Heizanlagen, also auch den bestehenden fossilen. Hierbei sind Gaslieferanten verpflichtet, den Anteil erneuerbarer Gase wie Biomethan und Wasserstoff im Netz schrittweise zu erhöhen. Ähnliches gilt für Öllieferanten.
Die Bundesregierung will sie ab 2028 in Kraft treten lassen. Wie hoch die Anteile der beigemischten biogenen Brennstoffe sein sollen, ist noch nicht bekannt.
Dieser Artikel wurde am 12. Mai 2026 aktualisiert, um zu verdeutlichen, dass sich der Artikel auf einen Entwurf bezieht. Die finale Gesetztesfassung kann davon abweichen. Epoch Times wird weiter darüber berichten.
Schild des „Robin Hood Pub“ in Hebden Bridge, Yorkshire. - Foto: Christopher Furlong/Getty Images
In Kürze:
Der neue Kinofilm über Robin Hood entfachte in den sozialen Medien eine Debatte über die Verunglimpfung des englischen Nationalhelden in Strumpfhosen.
Ein Blick auf die ältesten erhaltenen Quellen vermittelt jedoch den Eindruck, dass der Name nicht immer mit vorbildlichem Verhalten verbunden wurde.
Besonders in der Neuzeit scheint sich das Bild vom „Beschützer der Armen“ etabliert zu haben – unter anderem durch nachgewiesene gute Taten.
Forscher sind sich jedoch immer noch uneinig, ob es einen Mann namens Robin Hood überhaupt gab und wenn ja, wer er war.
„Robin Hood hadert nach einem Leben voll von mörderischen Umtrieben und Verbrechen mit seiner eigenen Vergangenheit. Als er schließlich verletzt wird, zeigt ihm eine mysteriöse Frau unerwartet eine Möglichkeit auf, doch noch Erlösung von den eigenen Taten und der auf sich geladenen Schuld zu finden. Denn sein alter Gefährte Little John, der sich mittlerweile unter dem falschen Namen Edward eine neue bürgerliche Existenz aufbauen konnte, braucht nun seine Hilfe.“
Diese Beschreibung des neuen Hollywoodfilms „The Death of Robin Hood – He was no hero“ (deutsch: „Der Tod des Robin Hood – er war kein Held“) widerspricht für viele Menschen dem Bild des legendären Bogenschützen und Nationalhelden Englands.
Doch was steckt hinter der Geschichte von Robin Hood? Gab es wirklich einen Mann, der wohlhabende Menschen beraubte und den Armen half? Oder war er ein gewalttätiger Verbrecher ohne Moral? Werfen wir einen Blick auf die Überlieferungen des mysteriösen Bogenschützen.
Heldenmut in Strumpfhosen
Wenn von Robin Hood die Rede ist, denken viele Menschen an einen mutigen, strumpfhosen- und kapuzentragenden Mann, der zusammen mit Gehilfen versteckt in einem Wald lebt, gegen moralisch schlechte Personen agiert und den Armen aus ihrer Not hilft.
Etabliert hat sich dieses Bild unter anderem durch Filme und Serien wie „König der Diebe“ (1991) mit Kevin Costner, Disneys tierische Adaption „Robin Hood“ (1973) oder „Green Arrow“ (2012–2020) aus dem Superhelden-Universum von DC Comics.
Auf Comicmessen verkleiden sich Fans als Superheld „Green Arrow“.
Foto: Mike Coppola/Getty Images
Als Vorlage dienten ihnen die rund 50 Balladen, also erzählende Gedichte, die seit 500 Jahren die literarische Welt bereichern und aus denen das meiste Wissen über Robin Hood stammt. Stets wird der begabte Bogenschütze darin als Held präsentiert.
Der neue Robin-Hood-Film des Regisseurs Michael Sarnoski erscheint dagegen als frei erfundenes Kontrastprogramm, das jedoch erstaunliche Parallelen zu den ältesten Balladen aufweist.
Gedichte mit Mönchen, Töpfern und Gewalt
Insgesamt gibt es drei sehr alte Balladen, die als wichtige Quellen angesehen werden. Die älteste davon entstand um 1450, ist fragmentiert erhalten und trägt den Titel „Robin Hood and the Monk“ („Robin Hood und der Mönch“). Etwa 50 Jahre jünger sind die vollständigen Werke „Robin Hood an the Potter“ („Robin Hood und der Töpfer“) sowie „A Gest of Robyn Hode“ („Eine Geschichte über Robin Hood“). Drei weitere Balladen – vermutlich aus derselben Zeit – sind durch Bischof Thomas Percy (1729–1811) aus Irland überliefert.
Erste Seite der Ballade „A Gest of Robyn Hode“, gedruckt im 16. Jahrhundert.
In allen sechs Werken tritt Robin Hood als witziger, mutiger und intelligenter Wegelagerer aus einfacher Herkunft in Erscheinung. Außerdem ist er fromm, seinem König Richard Löwenherz (1157–1199) treu ergeben und nicht allein. Zusammen mit Little John und anderen Geächteten richten sich ihre gewalttätig beschriebenen Taten gegen korrupte Geistliche und städtische Beamte.
Besonders in „Robin Hood and the Monk“ ist von einer schweren Auseinandersetzung zwischen Robin Hood und seinem Kumpanen Little John die Rede sowie vom Tod eines jungen Pagen durch ein Mitglied von Hoods Bande.
Bis ins 18. Jahrhundert kam ein Großteil der heute bekannten Balladen hinzu. Anders als in den älteren Gedichten ist Robin Hood darin während der Zeit von König Eduard II. (1284–1327) aktiv, hat eine adlige Geliebte namens Maid Marian, ist selbst edler Abstammung und spendet sein Raubgut den Bedürftigen. Vor allem die für Robin Hood heute typischen sozialen Absichten sind damit jüngerer.
Zusammen schufen die alten Balladen und Neudichtungen den heute bekannten Mythos des begabten Bogenschützen. Doch was davon ist wahr? Kann man – wie in der Geschichtsforschung üblich – davon ausgehen, dass die ältesten Werke dem Kern der Wahrheit am nächsten kommen?
Ein Name älter als die Balladen
Um diese Frage zu beantworten, suchen Historiker außerhalb der Gedichte nach Aufzeichnungen über einen Helden oder Gesetzlosen namens Robin Hood. Eine schwierige Angelegenheit, da viele alte Dokumente, etwa Chroniken oder Kirchenbücher mit Geburtseinträgen, oft Bränden zum Opfer fielen. Hinzu kommt die Häufigkeit des Namens.
Der Vorname „Robin“ ist die gewöhnliche Kurzform für Richard, ein in England beliebter Name. Ebenfalls weitverbreitet ist der Nachname „Hood“, für den es zwei mögliche Herleitungen gibt:
Von „Hooder“, also jener Personen- und Berufsgruppe, die im Mittelalter die häufig getragenen Kapuzen herstellten.
„Hood“ ist die umgangssprachliche Form für „Wood“ (deutsch: Wald oder Holz) und bezeichnete früher Menschen, die in Waldregionen lebten oder beruflich mit diesen in Verbindung standen.
Beide möglichen Ursprünge des Nachnamens passen zur Beschreibung des berüchtigten, kapuzentragenden und im Wald lebenden Robin Hood.
Kriminelle tragen häufig Kapuzen und verstecken sich im Wald, um nicht entdeckt zu werden.
Die ältesten erhaltenen Einträge zu dem Namen stammen aus Gerichtsurkunden von 1261 bis 1296, den sogenannten „Yorkshire Pipe Rolls“. Darin entdeckte der britische Mittelalterforscher James C. Holt acht Menschen mit dem Namen „Robin Hood“ oder einen verwandten Schreibweise wie „Robehode“. Immer erschienen diese als Beinamen für flüchtige Straßenräuber. Später tauchten in Dokumenten vermehrt Menschen mit diesem Namen auf – und das durch alle sozialen Schichten, Alters- und Berufsgruppen hinweg.
Zwischen den frühesten Belegen des Namens (1261) und den ältesten erhaltenen Balladen (um 1450) scheint sich Robin Hood also fest in der englischen Gesellschaft etabliert zu haben, und seine Beliebtheit scheint enorm gestiegen zu sein. So heißt es in einem literarischen Kommentar von 1405, dass mehr Menschen in Tavernen den Geschichten über Hood lauschten, als in die Kirche gingen.
Diese Frage stellten sich bereits die Menschen, die vor 500 Jahren während der großen Robin-Hood-Begeisterung lebten. Einer der Ersten, der glaubte, den echten Robin Hood identifiziert zu haben, war der schottische Geschichtsschreiber Walter Bower.
Robin Hood alias Roger Godberd
Etwa um 1440 überarbeitet Bower die sogenannte „Scotichronicon“, die Chronik von John of Fordun, und äußerte die Vermutung, dass es sich bei Robin Hood um den Gesetzlosen Roger Godberd handelte. Dieser war ein ehemaliger Soldat des Adligen Simon de Montfort (1208–1265) und kämpfte an dessen Seite im Zweiten Baronenkrieg (1264–1267). Nach der gemeinsamen Niederlage soll Godberd die Gegend von Worcestershire unsicher gemacht haben.
„Aus dieser Zeit erhob sich aus den Reihen der Entrechteten und Gesetzlosen der berühmteste bewaffnete Räuber, Robert Hood, zusammen mit Little John und ihren Komplizen. Das törichte einfache Volk feierte die Taten dieser Männer eifrig und mit staunender Begeisterung in Komödien und Tragödien“, so Bower.
Darstellung von Simon de Montfort (1208–1265), dem 6. Earl of Leicester.
2009 entdeckte der Forscher Julian Luxford die Randnotiz eines Mönchs in dem Werk „Polychronicon“. Um 1460 schrieb der Geistliche von einem Gesetzlosen namens Robin Hood, der mit seinen Kumpanen durch Raubzüge im Sherwood Forest sein Unwesen trieb. Genau diese Gegend wird in zahlreichen Balladen als Heimat und Haupthandlungsort des berüchtigten Bogenschützen genannt.
Robin Hood als guter Mann
1521 äußerte der schottische Theologe John Major in „Historia Majoris Britanniae“, dass Robin Hood zur Zeit des englischen Königs Richard Löwenherz lebte und der barmherzige und gute Anführer einer Gruppe war, die Frauen und Arme schützte, lediglich Reiche überfiel und das Raubgut an Bedürftige gab.
Das Relief an der Burg Nottingham Castle zeigt Richard Löwenherz, wie er Robin Hood und seine Geliebte Maid Marian vermählt.
Mehr als 100 Jahre später (1632) behauptete der Balladenautor Martin Parker, dass er Robin Hood mit dem legendären Räuber Robert, Earl of Huntington, identifizieren konnte. Das angegebene Sterbedatum des Adligen († 1198) stimmt mit John Majors Vermutung und den ältesten Balladen überein, wonach Robin Hood zur Zeit von Richard Löwenherz lebte.
In seiner These von 1700 spricht auch der britische Kleriker Thomas Gale davon, dass der Earl of Huntington Robin Hood gewesen sei. Gale gibt jedoch 1247 als Todesjahr des Adligen an. Ob es sich dabei um einen Fehler Gales handelt und er eigentlich den von John Major genannten Earl meinte oder einen Nachfolger dessen, ist unbekannt.
Nur eine mythologische Figur?
1846 plädierte der Altertumsforscher Thomas Wright dafür, dass Hood keine reale Person war, sondern eine ausgedachte Figur. Dieser Meinung war auch Reginald Scot, der schon 1584 Robin Hood mit dem germanischen Kobold „Hütgin“ gleichsetzte.
Auffällig ist zudem, dass Robin Hood als eine Mischung der antiken und miteinander verwandten Helden Herakles und Theseus erscheint. Herakles wird gemeinhin als äußerst begabter Bogenschütze dargestellt, während Theseus im Rahmen seiner sechs Taten moralisch niedere Menschen auf seinem Weg nach Athen ausschaltete, deren geraubtes Gut sicherstellte und vom Volk als Held gefeiert wurde.
Kobolde sind zahlreich in der irischen, keltischen und deutschen Folklore vertreten und können gute Geister, aber auch kleine Bösewichte sein.
1936 brachte der Geschichtsprofessor L. V. D. Owen einen neuen Namen ins Spiel: Robert Hod aus York. Ihn setzte der Historiker mit allen eingangs erwähnten Robin Hoods aus den „Yorkshire Pipe Rolls“ gleich. Demnach habe die Kirche den Besitz von Hod beschlagnahmt und er sei zum Gesetzlosen erklärt worden. Ob er aus Vergeltung oder anderen Motiven zum Räuber der Reichen wurde, ist unklar.
Die Brüder Richard und John Deyville
Bereits um 1440 verband Walter Bower einen Soldaten von Earl Simon de Montfort mit Robin Hood. In den Augen des Historikers Oscar de Ville handelt es sich dabei jedoch nicht um Roger Godberd, sondern um die Brüder Richard und John Deyville.
Ähnlich wie Bower vermutete und die Balladen über Robin Hood andeuteten, lebten die Deyville-Brüder nach der verlorenen Schlacht der Barone als Gesetzlose. Von John Deyville ist später bekannt, dass er vom König begnadigt wurde und sein Leben als treuer Bürger weiterführte – ähnlich, wie der aktuelle Hollywoodfilm zeigt. Was mit Richard Deyville passierte, ist nicht überliefert.
Zuletzt äußerte der britische Historiker Barrie Dobson die Vermutung, dass Hood keine historisch existierende Person war. Aufgrund der Verteilung und Häufigkeit des Namens sei vielmehr anzunehmen, dass Robin Hood ein allgemein üblicher Name für Gesetzlose und Kriminelle gewesen sei.
Held und Vorbild des Volkes
Die Geschichte zeigt – wie so oft – zahlreiche Hinweise, aber nur wenige handfeste Beweise. Viele wichtige Informationen zu Robin Hood sind im Laufe der Zeit sehr wahrscheinlich verloren gegangen, wurden nie aufgeschrieben oder sind verändert worden. Was bis heute geblieben ist, sind vorrangig die positiven Aspekte rund um den „Beschützer der Armen“.
Dazu beigetragen haben nach Meinung des australischen Robin-Hood-Forschers William Hoff von der Universität Melbourne vor allem die sogenannten Robin-Hood-Spiele. Bereits im Mittelalter zogen nachweislich als Hood verkleidete Schausteller für den guten Zweck durch die Gemeinden.
Es gibt viele Theorien über Robin Hood – unter anderem, dass es nie eine reale Person wie ihn gab.
Ziel war das Sammeln von Spenden für Gemeinschaftsprojekte wie den Aufbau von Kirchen oder zur Unterstützung der Armen. Letzteres war eigentlich die Aufgabe der Kirche, doch nicht selten kamen Geistliche in der Vergangenheit ihren Pflichten nicht oder nur in geringem Umfang nach.
Wie bei ihrem Vorbild stand für die damaligen Menschen die Hilfe für Bedürftige im Vordergrund. Alle, die das verhindern wollten oder nicht halfen, obwohl sie die Mittel dazu hatten, galten als Feinde. Wie Hoff erklärt, war die Anwendung von Gewalt das letzte Mittel – ähnlich modernen Comic-Helden wie Superman. Mit den Aktionen sollten die Feinde auf den rechten Weg geführt und an die guten, traditionellen Werte erinnert werden.
Letztlich ist die Frage nach Verbrecher oder Held eine moralische. Für viele ist das Motiv des Handelnden dabei von entscheidender Bedeutung. Über dieses wissen die vielen verschiedenen Schriftquellen jedoch nicht viel zu berichten, sodass die Antwort vermutlich ewig hinter Spekulationen und den unterschiedlichen Meinungen der Menschen verborgen bleibt.
Hannibals Alpenüberquerung mit 30.000 Männern und 37 Elefanten gilt heute als legendär, auch wenn die exakte Route bis heute unbekannt ist. - Foto: phbcz/iStock
In Kürze:
Hannibals Alpenüberquerung mit 30.000 Männern und 37 Elefanten gilt heute als legendär, auch wenn die exakte Route bis heute unbekannt ist.
Historiker favorisierten bislang die nördliche Route über den Bergpass Col du Clapier zwischen Frankreich und Italien.
Deutsche Forscher berechneten nun den für die Reise benötigten Energiebedarf aller damals Beteiligten und zeigen den südlichen Weg als den besten und kürzesten auf.
Laut Geschichtsbüchern war im Jahr 218 v. Chr. der karthagische Feldherr Hannibal mitsamt 30.000 Soldaten und 37 Elefanten auf dem Weg von Spanien nach Rom. Sein Weg führte ihn dabei unweigerlich auf der einen oder anderen Route über die Alpen. Doch welchen Weg ist seine Armee gegangen?
Insgesamt diskutierten Wissenschaftler vier mögliche Routen:
nördliche Route entlang des Flusses Isère und über den Pass Col du Clapier in die Po-Ebene
nördliche Route entlang des Flusses Isère und über den Pass Col du Mont Cenis in die Po-Ebene
mittlere Route vom Tal der Isère über das Pelvoux-Massiv in die Po-Ebene
südliche Route durch das Tal der Drôme über die Cottischen Alpen in die Po-Ebene
Während des Zweiten Punischen Krieges soll Hannibal mit 37 Kriegselefanten von Spanien über die Alpen nach Italien marschiert sein.
Als wahrscheinlichster Weg galt bislang die nördliche Route, bei der Hannibal mit seiner Armee den Bergpass Col du Clapier nahm. Eine neue Studie, vorgelegt von Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Universität Oxford, zeigt jedoch, dass ein anderer Weg sinnvoller sei.
Energieaufwand vergleicht Wege nach Rom
Um die Wahrscheinlichkeit alternativer Routen zu bewerten, nutzten die Forscher um Dr. Emilio Berti von der Friedrich-Schiller-Universität Jena einen bioenergetischen Ansatz. Im Fokus stand der Energiebedarf der Reise, insbesondere für die Kriegselefanten.
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Hannibal die Alpen über den südlichen Weg und den Pass Col de la Traversette überquerte. Mithilfe von Routenmodellen und Höhendaten berechnete das Team den Energieaufwand für jede der infrage kommenden Routen. Genutzt wurden bioenergetische Modelle, die mit Daten heutiger Afrikanischer Elefanten den Energieverbrauch in Abhängigkeit von Körpermasse und Geländeneigung berechnen.
Der Untersuchung zufolge wäre der Col de la Traversette die kürzeste und zugleich die energieeffizienteste Route gewesen. Der Energieaufwand für die gesamte Armee hätte bei 5,42 Terajoule (TJ) gelegen.
Die zweitbeste Route sei der Mittelweg über den Col de Montgenèvre und hätte 6,02 TJ erfordert. Die Route über den Col du Clapier belegte mit 6,28 TJ den dritten Platz, während die Überquerung des Col du Mont Cenis mit 6,45 TJ den höchsten Energieaufwand verursacht hätte.
Die Karte zeigt die drei möglichen Routen, die Hannibal bei der Überquerung der Alpen genommen haben könnte, wobei die beiden nördlichen Routen zu einer zusammengefasst sind (A). Außerdem sind die Energiekosten gemäß den Routen für einen Mann, ein Pferd und einen Elefanten dargestellt (B). Die Farben in den Höhenprofilen zeigen den kumulativen Energieaufwand für Hannibals Armee beim Marsch entlang der jeweiligen Route (C).
Im Vergleich zur Traversette-Route hätten die Wege über den Col de Montgenèvre, den Col du Clapier und den Col du Mont Cenis für die Armee jeweils 11 Prozent, 16 Prozent oder 19 Prozent mehr Energie erfordert.
Körperliche Belastung nicht nur für Elefanten
Die Ergebnisse verdeutlichen zudem die enorme körperliche Belastung, die der Marsch durch die Alpen für die Armee bedeutete. Den Modellrechnungen zufolge hätten die Soldaten auf der Traversette-Route rund 19 Prozent ihrer Körperfettreserven verloren, was die hohen Todeszahlen erklären könnte.
Für die Kriegselefanten ergaben die Berechnungen hingegen einen Verlust von lediglich etwa 4 Prozent ihrer Energiereserven. Dies könnte der Grund dafür sein, dass viele Elefanten die Alpenüberquerung überlebten. Alles in allem bietet die aktuelle Untersuchung alternative Denkanstöße und neue Erkenntnisse, die sich mit dem Wissen aus antiken Quellen verbinden lassen.
„Die Frage nach Hannibals genauer Route wird seit Generationen diskutiert. Die neue Analyse beseitigt zwar nicht alle Unklarheiten, liefert aber zusätzliche Argumente für die Traversette-Route. Sie zeigt, dass diese Route den Anforderungen eines Marsches einer großen Armee mit Elefanten durch anspruchsvolles Gelände am besten entsprochen hätte“, erklärt Dr. Emilio Berti vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig und der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Bis heute ist unklar, warum Hannibal während der Punischen Kriege überhaupt Elefanten einsetzte. Möglicherweise sollten sie in den ersten Schlachten gegen die Römer einen taktischen Überraschungseffekt erzielen. Ebenso denkbar ist, dass Hannibal hoffte, mit ihnen die keltischen Stämme Norditaliens zu beeindrucken und sie als Verbündete zu gewinnen.
Ein Fresko in den Kapitolinischen Museen, Rom, zeigt Hannibal auf seinem Elefanten beim Feldzug in Italien.
Die Windräder in der Nord- und Ostsee weisen inzwischen eine Leistung von 10,2 Gigawatt auf. (Archivbild) - Foto: Kurt Desplenter/BELGA/dpa
Die Bundesregierung will mindestens 70 Gigawatt bis zum Jahr 2045 errichten lassen. Derzeit sind knapp zehn Gigawatt installiert. Doch die Situation der Branche habe sich „dramatisch verschlechtert“. „Windturbinen, Logistik, Kabel – alles ist teurer geworden. Im Fünf-Jahres-Vergleich liegt die Kostensteigerung bei 30 bis 40 Prozent, über 15 Jahre bei mehr als 50 Prozent“, so Stamatelopoulos, Vorstandsvorsitzende des Energieversorgers EnBW. Deshalb schlägt er vor: „Lasst uns erst einmal 55 Gigawatt bauen, und dann sehen wir weiter.“
EnBW betreibt bislang mit Baltic I, Baltic II, Hohe See und Albatros vier Parks. Im Spätsommer soll zudem He Dreiht mit rund 960 Megawatt hinzukommen. 55 der 64 Turbinen seien bereits installiert und etwa 30 davon in Betrieb.
Den Kurs von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) verteidigt Stamatelopoulos grundsätzlich. „Die Bundesregierung geht Dinge an, die seit langer Zeit geregelt werden müssen. Die Energiewende ist ein Langzeitprojekt, und das, was vor 20 Jahren richtig war, muss nicht unbedingt jetzt auch noch richtig sein.“ Jedoch verkaufe Reiche ihre Politik „mitunter kommunikativ schlecht“.
Zudem hält er den geplanten Redispatchvorbehalt für falsch. Er schlägt stattdessen vor, dass die Betreiber von Wind- und Solarparks jeweils für fünf Jahre auf je 200 Stunden Entschädigung verzichten, wenn in einem Jahr fünf bis zehn Prozent des erzeugten Stroms abgeregelt werden müssen. Anders als bei Reiches Vorschlag könne „die Bank dieses Risiko der Erlösminderung konkret abschätzen“, sodass der Bau leichter zu finanzieren werde. (dts/red)