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Fotografische Reise in „eine andere Welt“: Bizarre Eishöhlen im Inneren eines Gletschers

Als Chandresh Kedhambadi die ballsaalgroße Grotte betrat, wurde ihm klar, dass dieser Gletscher schon seit Jahrhunderten den Atem angehalten hatte.
Es war Ende 2020, als Kedhambadi mit seiner Kamera tief in den Athabasca-Gletscher hineinging, jene kolossale Eiszunge, die sich von den kanadischen Rocky Mountains im Westen Albertas talwärts ergießt. Damals hatte der in Calgary ansässige Chemieingenieur erst vier Jahre Erfahrung als Fotograf. Als er auf die durchscheinenden Oberflächen im Inneren des Gletschers blickte, entdeckte er eine Landschaft, die wie in der Zeit erstarrt zu sein schien.
„Wenn man in das Eis blickt, die Eisblasen und die darin eingeschlossene uralte Luft sieht, weiß man, dass man eine Menge Geschichte vor sich hat“, erzählte der heute 50-jährige Kedhambadi der Epoch Times. „Als ich zum allerersten Mal eine Gletscherhöhle sah, war es, als würde ich in eine andere Welt versetzt.“
Kedhambadi wies auf ein den Gletschern innewohnendes zeitliches Paradoxon hin: Sie sind uralt, doch die Höhlen in ihrem Inneren sind vergänglich. Sie schmelzen in einem – für Gletscher winzigen – Augenblick dahin.
„Aus kompositorischer Sicht hat mich das völlig in den Bann gezogen, weil jeder einzelne [Gletscher] so einzigartig ist“, sagte er und fügte hinzu, dass der rasche Zyklus von Gefrieren und Schmelzen seiner Kamera jeden Winter neue, noch nie fotografierte Motive bietet.
Gletscher „fesseln einen einfach“, merkte Kedhambadi an.

Wenn das Eis leise fließt

Er fühlte sich zunehmend dazu hingezogen, die Unbeständigkeit der Eisfelder zu erforschen. Sein Ingenieurblick half ihm dabei, die sich wandelnde Landschaft zu verstehen.

„Die Leute denken, dass das einfach nur Strukturen sind, die dort stehen, aber das sind sie nicht“, sagte er. „Sie sind dynamisch, sie bewegen sich. Es ist fast wie bei einem Fluss. Nur kann man die Strömung eines Flusses sehen, während die Bewegung des Eises unsichtbar ist.“

Um diese vergängliche Landschaft einzufangen, musste er die für Touristen zugänglichen Wege am Athabasca verlassen und in abgelegene Gebiete wie das Columbia-Eisfeld und den Hector-Gletscher vordringen. Dafür war eine intensive Ausbildung in Überlebenstechniken erforderlich. Ohne Handyempfang kann es tödlich enden, wenn man eine verborgene Gletscherspalte übersieht.

„Das sind sehr abgelegene Orte“, sagte Kedhambadi. „Wenn etwas schiefgeht, muss man das Selbstvertrauen und die nötige Ausbildung haben, um sich selbst aus solchen Situationen zu befreien.“

Ein Team in tödlicher Umgebung

In der Regel erkundet der Fotograf die Gegend zusammen mit vier oder fünf anderen erfahrenen Eiskletterern. Jeder von ihnen schleppt einen 25 Kilogramm schweren Rucksack mit Ausrüstung. In den Rucksäcken befinden sich wichtige Dinge wie Seile, Seilrollen, zusätzliche Handschuhe, Jacken und beheizbare Socken sowie Kedhambadis schwere Kameras und Stative.
Da diese Gebiete strukturell am sichersten sind, wenn die Temperatur unter 20 Grad Fahrenheit (etwa −7 Grad Celsius) fällt, erfordern die Expeditionen eine sorgfältige Planung. Eine mehrstündige Wanderung ins Hinterland ist ein Wettlauf gegen die winterliche Dämmerung. Im Notfall müssen sie sich mit ihren vereinten Fähigkeiten selbst helfen können, ohne auf Such- und Rettungskräfte angewiesen zu sein.
Im März 2023 wurden Kedhambadis Fähigkeiten auf die Probe gestellt. Die Expedition führte zum Hector-Gletscher, einer hoch aufragenden Eismasse, die den südlichen Zugang zur Panoramastraße Icefields Parkway bewacht. Um die Weite einer gefrorenen Kuppel, die so groß wie ein Fußballfeld ist, einzufangen, fügte Kedhambadi ein menschliches Element hinzu. Er rahmte einen anderen Expeditionsteilnehmer inmitten eines Wirbels aus hoch aufragenden Eiswänden ein – ein Bildgedicht aus zerklüfteten Spiegelungen. Er arbeitete manuell mit drei Kameras und hielt so das „Yatra“ fest, ein Begriff aus dem Sanskrit, der „eine Reise“ bedeutet. Das Foto belegte den zweiten Platz in der Kategorie „Outdoor-Abenteuer“ beim Wettbewerb „Fotos des Jahres 2023“ von Canadian Geographic.
Doch bereits im Herbst hatte sich die Landschaft komplett verändert. „Als wir im Oktober oder November dorthin zurückkehrten, war dieser ganze Eisblock einfach weggeschmolzen“, sagte Kedhambadi.

Von der Sonne zum Eis

Kedhambadis fotografische Reise begann Tausende Kilometer entfernt von den eisigen Höhlen der kanadischen Rocky Mountains. Als Kind verbrachte er die Sommer damit, durch die Kaffeeplantage seiner Großeltern in den Westghats in Indien zu streifen – eine üppige Bergkette, die einen starken Kontrast zu seinem Aufwachsen in der Millionenstadt Bangalore bildete.
„Dort drüben sind die staatlich geschützten Wälder noch wirklich unberührt“, sagte er.
Später führte ihn sein Beruf als Chemieingenieur auf die andere Seite der Erde: zu den Ölfeldern im Süden Albertas. Während einer nächtlichen Autofahrt sah er dort im Jahr 2009 zum ersten Mal die Nordlichter. Dieses Erlebnis war ein visueller Auslöser, der seinen Lebensweg für immer veränderte und ihn dazu brachte, die Alberta Aurora Chasers mitzugründen – eine Gemeinschaft von Nachthimmelfotografen. Das war noch bevor er seinen Blick auf die Gletscher des nahegelegenen Banff-Nationalparks richtete.
„Im Corona-Winter bin ich zum ersten Mal losgezogen“, sagte er und verwies auf seinen Aufenthalt am Athabasca-Gletscher.
Bald erweiterte sich der Umfang von Kedhambadis Expeditionen von eigenständigen Höhlenerkundungen und der Jagd nach Nordlichtern hin zu Kooperationen mit der NASA und einer Partnerschaft mit Sony, um diese von Wasser und Wind geformten Kuriositäten der Natur zu dokumentieren.
Im März 2026 wagte er sich in seine bislang größte Höhle vor – einen Ort, den er geheim hält. Was die Koordinaten dieser Höhle betrifft, die als eine der größten Eishöhlen Albertas gilt, hielt sich Kedhambadi bedeckt. Er begründete seine Zurückhaltung damit, dass die Besucherzahlen an den Gletschern „in den letzten Jahren durch die sozialen Medien irgendwie verrückt geworden“ seien.
Dort entstanden die Fotos für sein Projekt „Anitya Nila“. Sie wurden in seinem kürzlich erschienenen Bildband „The Canadian Rockies“ prominent präsentiert. „Anitya Nila“ (Sanskrit: vergängliches Blau) hält den Augenblick einer gefrorenen Welt fest, die dazu bestimmt ist, bald schon wieder zu verschwinden – für immer.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „‚Another World‘: Photographer Explores Giant Ice Caves in the Belly of a Glacier—And The Photos Are Surreal“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Schweizer Gletscher-Forscher rechnet mit „sehr starkem Eisverlust“

In den Alpen sei in diesem Jahr mit einem „sehr starken Eisverlust“ zu rechnen, sagte der Schweizer Gletscherforscher Matthias Huss.
Voraussichtlich schon am 29. Juni seien die winterlichen Schneereserven der Gletscher in diesem Jahr aufgebraucht – danach verlieren sie beim Schmelzen an Masse. Der sogenannte Gletscherschwundtag war bisher nur ein einziges Mal, im Jahr 2022, schon so früh im Jahr eingetreten.

Es gab weniger Schnee im Winter

Huss, der den Schweizer Gletschermessdienst Glamos leitet, führt dies auf die aktuellen Temperaturen, die vom Mai und auch auf den erneut schneearmen Winter zurück.
„Wir beobachten enorme Abtragungs- und Schmelzraten von Eis und Schnee im gesamten Alpenraum“, sagte Huss. Die Schmelze setze etwa drei Monate früher ein als für die Gletscher gesund wäre.

Der Glaziologe und Leiter des Netzwerks „Glacier Monitoring in Switzerland“ (GLAMOS), Matthias Huss am 28. September 2025 neben dem Rhonegletscher oberhalb von Gletsch in den Schweizer Alpen.

Foto: Elodie Le Maou/AFP via Getty Images

„Ich komme gerade vom Rhone-Gletscher zurück“, sagte Huss. Seit dem letzten Besuch vor zehn Tagen „haben wir auf der Gletscherzunge eine Schmelze von etwa einem Meter in der Vertikalen festgestellt, also einen Meter Eisverlust in nur zehn Tagen“. Das sei „sehr beeindruckend zu sehen und ausschließlich die Folge der Hitzewelle“.
Eine einzige Welle hoher Temperaturen sei für die Gletscher normalerweise noch kein großes Problem, hob Huss hervor. „Das Problem ist eher, wenn wir sehr hohe Temperaturen haben, die sehr lange anhalten“, sagte er.
„Es ist also eine Kombination aus Intensität und Dauer. Je mehr Tage mit sehr hohen Temperaturen es gibt, egal ob 35 oder 40 Grad, desto schlechter ist das für die Gletscher.“

Saharastaub wirkt sich auch aus

Zum Zustand der Gletscher habe in diesem Jahr eine „Kombination unglücklicher Umstände“ beigetragen, neben geringen Schneefällen im Winter etwa auch Saharastaub im März. Huss sieht dabei eine Ähnlichkeit zum Jahr 2022. Damals war die Abschmelzrate sehr hoch.
In diesem Jahr habe auf den Gletschern ein Viertel weniger Schnee gelegen als in den Jahren 2010 bis 2020, erklärte Huss. Zudem sei schon der Mai sehr warm gewesen, so dass die Schneedecke früher abgetaut sei und die Gletscheroberfläche freigelegt habe.
Schon vor der jährlichen Bestandsaufnahme im September rechnet Huss daher mit einem starken Eisverlust. „In der Schweiz haben wir 1.200 Gletscher erfasst, die in den vergangenen 50 Jahren verschwunden sind. Heute haben wir nur noch etwa 1.300“, sagte Huss. „Wenn sich die Erwärmung wie in den vergangenen Jahrzehnten fortsetzt, werden bis 2100 nur noch kleine Eisreste übrig sein.“ (afp/red)