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Ex-BND-Präsident Hanning wegen Spionageverdacht festgenommen

Der ehemalige BND-Präsident August Hanning ist am Morgen unter Spionageverdacht festgenommen worden. Außer Hanning wurde auch sein ehemaliger Büroleiter Manfred D. festgenommen, teilte der Generalbundesanwalt in Karlsruhe mit.
Demnach steht Hanning unter anderem unter dem Verdacht des versuchten Landesverrats und der geheimdienstlichen Agententätigkeit. Manfred D. wird Beihilfe vorgeworfen. Nach Informationen von WDR, NDR und „Süddeutscher Zeitung“ gehe es dabei aber nicht um Russland.
Ein Regierungssprecher sagt zu den Festnahmen: „Die Bundesregierung wird das wegen der laufenden Ermittlungen nicht kommentieren.“
Laut Bundesanwaltschaft soll Manfred D., der während Hannings Zeit an der Spitze des BND dessen Büroleiter war, seinen ehemaligen Chef auch nach dessen Zeit beim BND weiter mit Informationen des Nachrichtendienstes versorgt haben. Den Ermittlungsbehörden zufolge arbeitete D. von März 2012 bis März 2026 weiter als Büroleiter für BND-Präsidenten.

Weitergabe von Informationen gegen Geld?

Nach dem Ende von Hannings Amtszeit beim BND sollen beide Männer verabredet haben, dass Manfred D. gegen Geld auch weiter Erkenntnisse des Dienstes an Hanning weitergibt. Diese habe Hanning für seine Beratertätigkeit nutzen können, hieß es.
Hanning leitete den Bundesnachrichtendienst von 1998 bis 2005, danach war er Staatssekretär im Bundesinnenministerium. Im Anschluss wechselte Hanning in die Privatwirtschaft und arbeitete als Sicherheitsberater.
Gut 2.000 Dokumente soll D. laut Bundesanwaltschaft Hanning über die Jahre so zur Verfügung gestellt haben. Viele davon seien als Verschlusssache eingestuft und ausschließlich für die interne Verwendung bestimmt gewesen, etwa für Lagebesprechungen verschiedener Spitzenbeamter im Kanzleramt.

Ermittlungen kamen durch Block-Fall ins Laufen

In einem Fall soll Hanning laut Bundesanwaltschaft die Informationen auch dafür verwendet haben, um für Mitarbeiter eines fremden Nachrichtendienstes eine Analyse zu erstellen. Ob diese den Adressaten erreicht habe, sei bislang nicht festzustellen gewesen. Zudem soll Hanning über Jahre in engem Austausch mit einem Angehörigen eines anderen Nachrichtendienstes gestanden und diesen mit Informationen versorgt haben.
Zuletzt stand er auch im Fokus wegen einer möglichen Beteiligung an der Entführung der Kinder der Hamburger Unternehmerin Christina Block. Der frühere Präsident des Bundesnachrichtendiensts und ein pensionierter Beamter des Landeskriminalamts (LKA) Hamburg stünden im Verdacht, als Verantwortliche einer Sicherheitsfirma 2022 einen Auftrag von Christina Block zur Kindesentziehung angenommen zu haben, hatte die Staatsanwaltschaft im Herbst 2025 mitgeteilt.
Durch die Ermittlungen in diesem Fall waren die Beamten Hanning und seinem Mitarbeiter auf die Spur gekommen. Das aktuelle Verfahren gehe auf Funde aus einer Durchsuchung bei Hanning im Zusammenhang mit dem Block-Fall zurück, teilte die Bundesanwaltschaft mit.
Festgenommen wurden Hanning und sein Mitarbeiter laut Bundesanwaltschaft im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen in Bayern sowie im nordrhein-westfälischen Landkreis Steinfurt.
Der Grünen-Innenpolitiker Konstantin von Notz ziegte sich schockiert. „Das ist eine eisenharte und abgründige Geschichte, wir erwarten eine zügige und vollständige Aufklärung der ungeheuerlichen Vorwürfe“, sagte von Notz, der auch Mitglied im Bundestagsgremium zur Kontrolle der Geheimdienste (PKGr) ist, dem „Spiegel“. „Die dubiosen und vielfältigen Lobbytätigkeiten ehemaliger Spitzenbeamter und höchster Geheimnisträger der Bundesrepublik kritisieren wir seit Jahren.“ Dem Bericht zufolge forderte er konkret, früheren Geheimnisträgern solche Tätigkeiten nach ihrer Amtszeit zu verbieten. (dpa/red)
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Roggenmehl und Apfelessig: Das natürliche Duo für schönes Haar + Rezept


In Kürze:

  • Roggenmehl ist reich an Inhaltsstoffen, die krauses Haar und Haarbruch mindern können.
  • Auch verdünnter Apfelessig ist gut fürs Haar, denn er entfernt Produktrückstände und verleiht Glanz.
  • Es ist sehr einfach, ein Shampoo aus Roggenmehl und eine Spülung aus Apfelessig zu Hause selbst herzustellen.

 
Was haben Roggenmehl und Apfelessig gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Und doch können sie beide als natürliche Mittel zur Haarwäsche zum Einsatz kommen – ganz ohne schädliche Inhaltsstoffe und zu einem Bruchteil der Kosten kommerzieller Produkte.

Wie Roggenmehl das Haar „wäscht“

Roggenmehl

Roggenvollkornmehl gemischt mit Wasser ergibt ein natürliches Shampoo.

Foto: Alexandra Roach/The Epoch Times

Roggenmehl schäumt zwar nicht wie herkömmliches Shampoo, vermag aber dennoch Haar und Kopfhaut zu reinigen. Mit Wasser vermischt, bildet es eine milde Paste, die Fett, Schmutz und Rückstände entfernt, ohne die Kopfhaut dabei stark auszutrocknen.
Ein Grund dafür sind Pflanzenstoffe im Roggen, die antioxidative Eigenschaften besitzen. Zudem hat er von Natur aus einen leicht sauren pH-Wert, der nahe am normalen Bereich der Kopfhaut von etwa 4,5 bis 5,5 liegt. Das ermöglicht es, Reibung, krauses Haar und Haarbruch zu verringern.
Zudem hilft ein Shampoo aus Roggenmehl bei trockener oder schuppiger Haut. Besonders im Sommer – wenn die Hitze Jucken verursachen kann – kann es die Kopfhaut beruhigen.
Die präbiotischen Ballaststoffe des Getreides unterstützen die natürliche Abwehr gegen schädliche Bakterien und Pilze. Die Forschung zu den Enzymen und Ballaststoffen des Roggens konzentriert sich jedoch aktuell hauptsächlich auf Ernährung und Backen, nicht auf die direkte Gesundheit der Kopfhaut.

Wie Apfelessig das Haar „spült“

Apfelessig

Verdünnter Apfelessig ist eine natürliche Spülung für das Haar.

Foto: Alexandra Roach/The Epoch Times

Einige herkömmliche Shampoos und Spülungen enthalten Beschichtungsstoffe, die nach dem Waschen im Haar verbleiben. Sie können sich mit der Zeit auf Haar und Kopfhaut ablagern. Dazu gehören unter anderem wasserlösliche Silikone, schwere Wachse und Kunststoffpolymere.
Ablagerungen können sich unter anderem wie folgt zeigen:
  • Das Haar fühlt sich schwer an.
  • Der Haaransatz ist fettig.
  • Die Spitzen sind trocken und spröde.
  • Die Kopfhaut juckt und schuppt.
Die natürlichen Eigenschaften von Apfelessig können helfen, das Haar zu pflegen, indem sie den pH-Wert der Kopfhaut ausgleichen und Ablagerungen entfernen. Das trägt dazu bei, Mikroben zu bekämpfen und Reizungen zu verringern. Zudem enthält naturtrüber Apfelessig Antioxidantien, die Haarfollikel vor Schäden schützen.
Apfelessig hat außerdem weitere Fähigkeiten:
  • Er ist von Natur aus säurehaltig und hat einen pH-Wert von etwa 2 bis 3. Wenn man ihn mit Wasser verdünnt, schont er Kopfhaut und Haar.
  • Eine saure Spülung kann der Alkalität einiger Haarpflegeprodukte entgegenwirken. Hohe Alkalität lässt die Schuppenschicht des Haares aufquellen, was es rau und stumpf wirken lässt.
  • Der Säuregehalt einer verdünnten Essigspülung kann dazu beitragen, die äußere Schuppenschicht zu glätten und zu versiegeln. Das macht die Haare geschmeidiger und verleiht ihnen Glanz.

So stellen Sie Ihre natürlichen Haarpflegeprodukte her

Das Waschen der Haare mit Roggenmehl und Essig erfordert zwar etwas Vorbereitung, aber es kann alles mit einfachen Küchenutensilien zu Hause gemacht werden.

Vor dem Start: Sicherheitstipps

Wer eine Roggenallergie hat oder kein Gluten verträgt, sollte Roggenmehl meiden. Nur fein gemahlenes Roggenmehl verwenden, es gründlich ausspülen und besonders vorsichtig bei Haaren sein, die gefärbt, gebleicht, geglättet, dauergewellt, sehr trocken oder brüchig sind.

Roggenmehl-Shampoo: Rezept + Anwendung

Das Haarwaschmittel aus Roggenmehl ist einfach herzustellen und sollte jedes Mal frisch zubereitet werden.
Darüber hinaus enthält Roggenmehl weniger Gluten und mehr Schleimstoffe, wodurch es in Verbindung mit Wasser weniger elastisch und klebrig wird als Weizenmehl. Das macht das Ausspülen sehr einfach und eignet sich gut für langes Haar. Außerdem hat es den Vorteil, dass der Abfluss nicht verstopft wird – vorausgesetzt, man verwendet ein Haarsieb.

Zubehör 

  • Schüssel
  • Messbecher
  • Schneebesen oder Handrührgerät

Zutaten

  • 35 Gramm fein gemahlenes Roggenvollkornmehl
  • 180 Milliliter Wasser, Kräutertee (Ringelblume) oder Pflanzenwasser (Lavendelwasser)

Zubereitung 

  1. Das Roggenmehl in einer kleinen Schüssel mit dem Wasser vermischen, bis keine Klümpchen mehr vorhanden sind. Für einen zusätzlichen Duft einen Kräutertee oder ein Pflanzenwasser verwenden.
  2. Die Mischung 15 Minuten ruhen lassen. Das hilft, die Schleimstoffe aus dem Mehl besser zu lösen.
  3. Die Konsistenz sollte am Ende der von Joghurt ähneln. Ist das Gemisch zu dickflüssig, nach und nach Wasser hinzufügen, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Alles gut verrühren.
 

Anwendung

  • Den Kopf über das Waschbecken oder die Badewanne beugen und das Roggenmehl-Shampoo sanft ins trockene Haar und in die Kopfhaut einmassieren. Dabei besonders auf Bereiche achten, die zu Fettigkeit neigen.
  • Die Mischung 5 bis 10 Minuten einwirken lassen.
  • Alles gründlich mit Wasser ausspülen, bis das gesamte Roggenmehl vollständig entfernt ist.
Man kann das Roggenmehl-Shampoo nach Bedarf anwenden. Aber man sollte langsam anfangen und darauf achten, wie die Kopfhaut und das Haar darauf reagieren.

Rezept für Spülung aus naturtrübem Apfelessig

Wer hartnäckige Produktrückstände aus dem Haar entfernen und zusätzlichen Glanz erzielen möchte, kann die folgende Apfelessig-Spülung ausprobieren.

Sicherheitstipps

Bevor man Apfelessig auf Haar oder Kopfhaut aufträgt, sollte man ihn immer verdünnen. Den Kontakt mit den Augen oder verletzter, gereizter Haut vermeiden. Falls Brennen, Rötungen, Juckreiz oder Unwohlsein auftreten, die Stelle sofort mit Wasser abspülen.

Zubehör 

  • Messbecher mit Ausguss oder eine Dosierflasche

Zutaten 

  • Ein Teil naturtrüber Apfelessig
  • Drei Teile Wasser
  • Ein Teil Aloe-Vera-Saft, optional

Zubereitung 

  1. Essig und Wasser in einem Messbecher oder einer Flasche mischen. Man kann beispielsweise 60 Milliliter Apfelessig und 180 Milliliter lauwarmes Wasser verwenden.
  2. Die verdünnte Essiglösung nach der Roggenmehl-Haarwäsche auf das Haar auftragen.
  3. Die Mischung mit den Fingerspitzen sanft in die Kopfhaut einmassieren und bis zu 5 Minuten einwirken lassen.
  4. Das Haar gründlich mit Wasser ausspülen.
Es mit der Essigspülung nicht übertreiben und sie nur etwa einmal pro Woche anwenden. Bei fettigem Haar kann man sie bis zu zweimal wöchentlich ausprobieren. Bei trockenem oder sprödem Haar reicht eine Anwendung alle zwei Wochen oder seltener.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The 2 Natural Hair Cleansers Hiding in Your Pantry“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Neuwahl in Sachsen-Anhalt laut AfD nicht ausgeschlossen

Die AfD in Sachsen-Anhalt schließt bei einem Scheitern der von der Partei angestrebten Regierungsbildung eine Neuwahl nicht aus. „Wenn wir im ersten Wahlgang keine Mehrheit haben, haben wir auch auf die Dauer der Periode keine Mehrheit – dann ist es vom Parlament nicht gewollt, dass wir regieren“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion, Tobias Rausch, am Dienstag in der Sendung „Frühstart“ von RTL/ntv.
Dann werde die AfD, dementsprechend die Konsequenzen daraus ziehen. Das hieße, „dass wir darüber nachdenken könnten, das Parlament aufzulösen, oder dass wir darüber nachdenken könnten, die Verantwortung an alle Parteien zu stellen, die der Meinung sind, dass wir nicht regieren sollen, weil sie mit uns nicht sprechen wollen“, sagte Rausch.

Wahl zum Landtagspräsident

Mehr als vier Wochen nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt will sich Rausch am Dienstag in der konstituierenden Sitzung des Parlaments zum neuen Landtagspräsidenten wählen lassen. Als Wahlsiegerin und stärkste Fraktion hat die AfD dafür das Vorschlagsrecht. Das BSW will den AfD-Bewerber unterstützen. Zusammen kommen beide Fraktionen auf 44 Stimmen.
Damit könnte der 35-jährige Rausch auf Anhieb die Stimmenmehrheit erhalten und als deutschlandweit erster AfD-Politiker an die Spitze eines Parlaments gewählt werden. Im Landtag sind außerdem CDU, SPD, Grüne und Linke vertreten – alle zusammen haben 39 Stimmen. Der CDU-Vorstand empfahl seinen Abgeordneten, sich bei der Abstimmung zu enthalten.

Regierungsbildung erfolgt später

Ein Ministerpräsident wird in der konstituierenden Sitzung noch nicht gewählt. Der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will sich im Dezember zur Wahl stellen. Die AfD sucht derzeit in Gesprächen mit dem BSW und nach eigenen Angaben auch bei einzelnen Abgeordneten anderer Fraktionen nach Unterstützung. Mit ihr koalieren will keine Partei.
Vom Ausgang der Wahl des Landtagspräsidenten erwartet sich Siegmund Rückenwind. „Jede Stimme mehr wäre natürlich ein gutes Zeichen auch für die Einsetzung einer ersten AfD-geführten Regierung im Dezember“, sagte er am Dienstag im Deutschlandfunk. Siegmund betonte, sollte er im ersten Wahlgang zum Ministerpräsidenten nicht die erforderliche Mehrheit erhalten, werde „ich nicht nochmal antreten“. „Der erste Wahlgang ist entscheidend“, sagte Siegmund.
(afp/red)
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Das Rätsel um den Tod eines russischen Pestlabor-Mitarbeiters: Was wir bisher wissen

Befürchtungen hinsichtlich eines möglichen Pestausbruchs in Russland veranlassten russische Behörden Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Zuvor wurde der Tod einer 28-jährigen Laborangestellten bekannt, die in einem Forschungsinstitut zur Bekämpfung von Pestkrankheiten in der Nähe der sibirischen Stadt Irkutsk arbeitete.
Ihr Tod unter ungeklärten Umständen führte in den sozialen Medien zu Angst um die öffentliche Gesundheit und einen möglichen Pestausbruch.
Russische Regierungsbehörden erklärten am 5. Oktober, die Situation sei unter Kontrolle. Ein hochrangiger Sprecher des Kremls sagte, die Menschen sollten „Gerüchten und Spekulationen“ keine Beachtung schenken.Auch das US-Außenministerium und die US-Gesundheitsbehörde reagierten.

Russische Behörde gibt an, Maßnahmen ergriffen zu haben

Die russische Gesundheitsbehörde Rospotrebnadzor teilte mit, dass bei der Mitarbeiterin eine Lungenentzündung unbekannter Ursache diagnostiziert worden sei. Es seien „eine Reihe besonderer Maßnahmen“ ergriffen worden, wie die russische Nachrichtenagentur „Interfax“ meldet. Die Behörden haben noch nicht bestätigt, ob sie sich mit der Pest infiziert hatte. Der genaue Zeitpunkt ihres Todes ist unklar.
„Aufgrund der beruflichen Tätigkeit des Patienten wurde nach Erhalt der Informationen unverzüglich und vollständig ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Seuchenbekämpfung gemäß den hygienerechtlichen Vorschriften umgesetzt“, erklärte Rospotrebnadzor. „Dazu gehörten die Ermittlung eines möglichst großen Kreises von Personen, die mit der Patientin in Kontakt gekommen waren, stationäre medizinische Beobachtung sowie tägliche Labortests.“

Gouverneur: Keine neuen Fälle aufgetreten

Igor Kobzev, Gouverneur der Region Irkutsk, erklärte, die Lage sei unter Kontrolle und alle bekannten Kontaktpersonen der verstorbenen Mitarbeiterin seien identifiziert, untersucht und unter ärztliche Aufsicht gestellt worden.
„Die Ergebnisse ergaben zwei Fälle von COVID-19 und zwei Fälle einer Rhinovirus-Infektion. Es wurden keine weiteren Infektionserreger nachgewiesen“, hieß es. „Bei keiner der Kontaktpersonen wurden gesundheitliche Veränderungen im Zusammenhang mit einer infektiösen Erkrankung festgestellt.“

Moskau spielt Befürchtungen herunter

Am 5. Oktober äußerte sich der langjährige Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Im Gespräch mit der staatlichen Nachrichtenagentur TASS sagte Peskow, man solle sich auf Informationen von Rospotrebnadzor verlassen, „ohne auf verschiedene Gerüchte und Spekulationen zu hören“.
„Bei Rospotrebnadzor sind hochqualifizierte Fachleute auf diesem Gebiet tätig. Hören wir auf ihre offiziellen Erklärungen“, so Peskow.
Das unabhängige lokale Medienunternehmen „Lyudi Baikala“ hatte zuvor nicht namentlich genannte Quellen zitiert, nach denen, die Frau an einer Lungenpest gestorben sei. Mehrere Krankenhäuser in Irkutsk wären unter Quarantäne gestellt worden.

Reaktion der USA

Sowohl das US-Außenministerium als auch die US-amerikanischen Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) gaben in Erklärungen vom 5. Oktober an, dass beide Behörden Berichte über einen möglichen Pestausbruch in Russland verfolgten.
„Die CDC beobachtet die Lage gemeinsam mit dem Außenministerium und unseren anderen behördenübergreifenden Partnern sehr genau“, teilte ein Sprecher des Ministeriums für Gesundheit und Soziales der Epoch Times in einer E-Mail mit.
US-Außenminister Marco Rubio erklärte am 5. Oktober gegenüber Reportern, dass die Behörden von russischen Beamten Informationen erhalten hätten, wonach sich möglicherweise ein Labormitarbeiter infiziert habe.
„Es besteht die Sorge, dass [es] sich zumindest intern ausgebreitet haben könnte; man hat gesehen, dass sie Quarantänemaßnahmen dieser und jener Art ergriffen haben“, sagte er. „Der Reiseverkehr zwischen den USA und Russland ist natürlich sehr begrenzt.“
„[Allerdings] wenn so etwas nach außen dringt, kann es sich schnell ausbreiten. Deshalb beobachten und überwachen wir die Lage genau. Ich glaube nicht, dass dies Anlass zur Beunruhigung ist, aber es ist ein Grund, aufmerksam zu bleiben und die Entwicklung im Auge zu behalten – und genau das tun wir.“

Was ist die Pest?

Die Pest, verursacht durch das Bakterium Yersinia pestis, ist eine schwere und potenziell tödliche Infektion, die im Laufe der Menschheitsgeschichte zu mehreren weltweiten Pandemien geführt hat – vor allem während des europäischen Mittelalters.
Die häufigste Form ist die Beulenpest, die durch den Biss eines infizierten Flohs übertragen wird und schmerzhafte, geschwollene Lymphknoten verursacht, die als Beulen bezeichnet werden.
Die septikämische Pest, eine weitere Form, tritt laut der WHO auf, wenn sich die Bakterien im Blutkreislauf vermehren und sich zu anderen Formen der Pest entwickeln können. Dabei können schwerwiegende Komplikationen wie Organversagen, Atemnot, Gewebeschäden und Blutungen unter der Haut auftreten.
Eine weitere Variante ist die Lungenpest, die entsteht, wenn sich die Bakterien in die Lunge ausbreiten, weil eine Person Tröpfchen einatmet, die von einer anderen Person oder einem Tier mit Lungenpest ausgehustet wurden, oder wenn sich die Bakterien in die Lunge eines Patienten mit unbehandelter Beulen- oder septikämischer Pest ausbreiten, so die CDC.

Abstrich zur Untersuchung der Beulenpest, der aus Lymphgewebe eines vergrößerten Lymphknotens (Bubo) eines Pestpatienten im Jahr 2003 gewonnen wurde, zeigt das Vorhandensein des Bakteriums Yersinia pestis (Symbolbild).

Foto: -/CDC/AFP via Getty Images

Die Lungenpest ist die schwerwiegendste Form der Krankheit und zudem die einzige Variante, die von Mensch zu Mensch übertragen wird, wobei die Inkubationszeit nur einen Tag betragen kann.
Laut den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) verbreitet sich die Krankheit durch Bisse infizierter Nagetierflöhe oder durch direkten Kontakt mit einem infizierten Tier. Die Krankheit könne mit Antibiotika geheilt werden, wenn die Behandlung rechtzeitig erfolge.
 
Anm. d. Red.: Dieser Artikel wurde am 6. Oktober aktualisiert, um die Reaktionen Russlands und der US-Regierung einzubeziehen.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Russia’s Plague Lab Worker Death Mystery: What We Know So Far“. (deutsche Bearbeitung ks)
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INSA: AfD auf Rekordwert von 30,5 Prozent – Union bei 17,5


In Kürze:

  • Die AfD erreicht in der aktuellen INSA-Umfrage 30,5 Prozent und damit ihren bislang höchsten Wert in dieser Umfragereihe.
  • CDU und CSU fallen gemeinsam auf 17,5 Prozent und liegen damit 13 Prozentpunkte hinter der AfD.
  • SPD und Grüne bleiben jeweils bei 14,5 Prozent, die Linke steigt auf 10,5 Prozent; FDP und BSW würden den Einzug in den Bundestag verfehlen.

 
Die Landtagswahlen des Jahres sind vorbei, die AfD kann ihren Vorsprung auf die Union in der aktuellen INSA-Umfrage zur Bundestagswahl weiter ausbauen. Gleichzeitig rutschen CDU und CSU auch zusammen immer weiter unter die 20-Prozent-Marke. Bereits in einer Umfrage des Instituts für „BILD am SONNTAG“, die am Samstag, 3. Oktober, veröffentlicht wurde, war die AfD auf 30 Prozent gekommen, während die Union auf 18 Prozent absackte.
Die am Montag, 5. Oktober, veröffentlichte turnusmäßige Wochenumfrage von INSA sieht die AfD bei 30,5 Prozent. Gegenüber der Vorwoche entspricht das einem Plus von einem Prozentpunkt und dem höchsten Wert, den INSA je bundesweit für die Partei gemessen hat.

INSA sieht Union nur noch bei 17,5 Prozent

Hingegen verlieren CDU und CSU gemeinsam in nur einer Woche weitere 1,5 Prozentpunkte und liegen bei 17,5 Prozent. Damit verringert sich ihr Abstand zu SPD und Bündnis 90/Die Grünen auf drei Prozentpunkte. Sowohl die Sozialdemokraten als auch die Grünen liegen wie in der Vorwoche bei 14,5 Prozent.
Die Linkspartei, die die Berlin-Wahl am 20. September gewonnen hat und deren angestrebte Regierungsbeteiligung in der Hauptstadt gerade für heftige Kontroversen sorgt, verbessert sich INSA zufolge auf 10,5 Prozent. Das entspricht einem Plus von einem halben Prozentpunkt. Die FDP, die im Jahr 2026 in keinen Landtag mehr einziehen konnte, verbessert sich bundesweit ebenfalls um einen halben Prozentpunkt.
Allerdings würden die 4,5 Prozent, die INSA zurzeit für die Liberalen sieht, nicht für einen Wiedereinzug in den Bundestag reichen. Auch die kürzlich in „Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft“ umbenannte Wagenknecht-Partei BSW würde bundesweit nicht an die Fünf-Prozent-Hürde heranreichen. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hatte sie den Einzug geschafft, bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und der Abgeordnetenhauswahl in Berlin knapp verfehlt.

Zahlen von infratest dimap weichen von INSA ab

Für die Umfrage befragte INSA zwischen dem 2. und dem 5. Oktober insgesamt 2.002 repräsentativ ausgewählte Personen online. Dabei ist üblicherweise eine Schwankungsbreite zwischen zwei und drei Prozentpunkten einzukalkulieren.
Seit etwa einem halben Jahr sehen alle Umfrageinstitute die AfD vor der Union. Im Laufe des Jahres hat sich der Abstand kontinuierlich vergrößert. infratest dimap hatte die AfD in der Vorwoche hingegen nur bei 27 Prozent gesehen – wobei sie auch in dieser Umfrage für den ARD-DeutschlandTrend deutlich vor der Union (20 Prozent) lag.
Ein wesentlicher Faktor für den Absturz der Union ist dabei offenbar die weit verbreitete Unzufriedenheit mit der Bundesregierung im Allgemeinen und Bundeskanzler Friedrich Merz im Besonderen. Nur noch jeweils 10 Prozent äußerten sich bei infratest dimap sehr zufrieden oder zufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung beziehungsweise des Kanzlers. Für Merz ist das der niedrigste Wert, den der ARD-DeutschlandTrend seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1997 für einen Kanzler gemessen hat. Anfang September hatte er noch bei 13 Prozent gelegen.

Fünf Landesparlamente werden 2027 neu gewählt

Die nächsten überregionalen Wahlen in Deutschland finden 2027 statt. Am 18. April werden im Saarland und in Schleswig-Holstein die Landesparlamente gewählt. Eine Woche später findet die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen statt. Die Bürgerschaftswahl in Bremen samt den Wahlen der Beiräte und der Stadtverordnetenversammlung in Bremerhaven am 30. Mai sowie die Landtagswahl in Niedersachsen am 26. September runden den Wahlkalender ab.
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Warentest und ADAC warnen vor zwei Autokindersitzen: „Lebensgefährliche Mängel“

Die Stiftung Warentest und der ADAC warnen vor dem Kauf von zwei Autokindersitzen – für Kinder in diesen Sitzen bestehe im Ernstfall Lebensgefahr. Beim Britax Römer Baby-Safe Pro mit der Isofix-Basis Vario Base 5Z brach in der Liegeposition beim Frontalcrash das Gurtschloss, beim Axkid Minikid Core gab der Stützfuß so stark nach, dass in der Liegeposition das Gurtschloss samt Schrittgurt herausriss.
„Das Versagen von Gurtschloss oder Stützfuß beim Crash ist inakzeptabel“, erklärte am Dienstag Warentest-Testleiterin Sarah Vasconi. Eltern müssten sich darauf verlassen können, dass ein Kindersitz bei einem Unfall das Kind schütze.
Der Hersteller Britax Römer erklärte gegenüber den Testern, derzeit werde untersucht, wie es zu dem Versagen kommen konnte, eine abschließende Bewertung stehe noch aus. Anbieter Axkid erklärte, der Verkauf des Minikid Core sei eingestellt, ein freiwilliger Rückruf eingeleitet. Betroffene Kunden könnten den Sitz kostenlos austauschen.
Wer den Britax Römer Baby-Safe Pro mit der Isofix-Basis Vario Base 5Z nutze, sollte nur noch die aufrechte Position wählen oder auf den Fahrzeuggurt umsteigen, riet Vasconi. Mit dem Autosicherheitsgurt angeschnallt bestand die Babyschale in aufrechter als auch liegender Position den Crashtest.
Stiftung Warentest und der ADAC prüfen regelmäßig Autokindersitze. Die vollständigen Testergebnisse erscheinen am 20. Oktober.
(afp/red)
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Wie die Bahn besser werden soll: Neuer „Infraplan“

Das Schienennetz in Deutschland ist teils marode, viele unpünktliche Züge sind die Folge. Ein neuer „Infraplan“ soll transparenter machen, wie die Schieneninfrastruktur Schritt für Schritt besser und verlässlicher werden soll. Dahinter steckt auch eine bessere Steuerung der Bahn durch das Bundesverkehrsministerium.
Es gibt konkrete Zielvorgaben für die nächsten fünf Jahre. Der Infraplan, den das Verkehrsministerium heute vorstellt, ist aber nur ein Baustein auf dem Weg dahin, dass die Bahn besser wird. Weitere zentrale Maßnahmen sollen folgen. Dabei sind viele Fragen offen.

Infraplan

Der Infraplan soll „Transparenz, Vertrauen und Verlässlichkeit in das System Schiene zurückbringen“, heißt es in dem 160-seitigen Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Perspektivisch ist eine gesetzliche Verankerung geplant. Der Infraplan soll sichtbar machen, welche Maßnahmen in den kommenden fünf Jahren durch die Bahn-Infrastruktursparte InfraGO umzusetzen sind, welche in Vorbereitung sind und perspektivisch in die Umsetzung gehen könnten.
Der erste Plan umfasst die Jahre 2026 bis 2030. Es geht um die Sanierung, Digitalisierung und Elektrifizierung von Strecken, Umbaumaßnahmen an Bahnhöfen, Lärmschutz sowie den Aus- und Neubau von Bahnstrecken – dargestellt jeweils in Karten. Werden Ziele verfehlt, soll es eine Nachsteuerung geben. Die jährliche Erstellung des Infraplans solle künftig zeitlich so angelegt sein, dass sie eng mit der Haushaltsplanung des Bundes sowie der Unternehmensplanung der InfraGO verzahnt ist, heißt es.

Kennzahlen mit Zielen

Mit einem Kennzahlensystem soll die Entwicklung der Eisenbahninfrastruktur transparent bewertet werden können. Es gibt acht Steuerungskennzahlen des Bundes mit verbindlichen Zielwerten. Dabei geht es zum Beispiel um neu gebaute Gleiskilometer pro Jahr, elektrifizierte Streckenkilometern, lärmsanierte Streckenkilometern und anlagenbedingte Verspätungsminuten. Eine weitere Kennzahl: „Streckenkilometer Korridorsanierungen“. Dabei gibt es aber noch keine Zielwerte für die Jahre 2027 bis 2030.

Krise der Bahn

Denn das Konzept der „Korridorsanierung“ wird derzeit überprüft. Es sieht vor: Eine hochbelastete Strecke wird über Monate dicht gemacht und umfassend saniert, statt im laufenden Betrieb. Diese Sanierungen sollen sich noch bis weit in die 30er Jahre hineinziehen. Nach und nach soll das Netz auf diese Weise wieder stabiler werden und Reisende sollen pünktlicher unterwegs sein – im September war nahezu jeder zweite Fernzug der Deutschen Bahn verspätet unterwegs. Der Bahn zufolge führte erneut eine hohe Zahl von Anlagenstörungen zu zahlreichen Verspätungen.
Der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) zeigte sich unzufrieden, weil es auch bei der Wiedereröffnung bereits sanierter Strecken teils viele Störungen gab. Es zeichnet sich ab, dass künftig weniger Strecken im Jahr als bisher geplant saniert werden.

Weitere Schritte

Auch weitere Punkte sind offen. Zentrale Instrumente für eine bessere Steuerung der Bahn fehlen noch. Dabei geht es um ein „Zielnetz 2035“. Generelles Ziel des Bundes ist ein stabiler Takt zwischen Nah- und Fernverkehr unter Einbeziehung des Schienengüterverkehrs. Der angestrebte „Deutschlandtakt“ sieht vor, dass auf allen wichtigen Hauptverkehrsachsen jede halbe Stunde ein Zug fährt. Umsteigezeiten sollen deutlich gesenkt werden.
Daneben geht es um eine neue „Leistungsvereinbarung InfraGO“. Damit soll die Finanzierungsstruktur der Infrastruktur nachhaltig verbessert werden, wie es in der im September 2025 vorgelegten Bahnstrategie des Verkehrsministeriums heißt. Die Vereinbarung soll spätestens zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Finanzierungssysteme sollen vereinfacht und eine überjährige Finanzierung gesichert werden, um die Planungssicherheit zu erhöhen.
Bisher hängt die Finanzierung von Aus- und Neubauprojekten vom jährlichen Bundeshaushalt ab, das sorgt angesichts von Haushaltsengpässen immer wieder für schwierige Verhandlungen. Im schuldenfinanzierten Milliarden-Sondervermögen zur Modernisierung der Infrastruktur liegt der Fokus auf dem Erhalt des Schienennetzes.

Fonds geplant

Perspektivisch soll ein Eisenbahninfrastrukturfonds eingerichtet werden. Dieser soll die im Infraplan enthaltenen und vom Bund priorisierten Maßnahmen mit einer belastbaren, überjährigen Finanzierungszusage hinterlegen, wie im Plan heißt.
Vorbild könnte der Bahninfrastrukturfonds in der Schweiz sein, über den sämtliche Kosten der Bahninfrastruktur finanziert werden – sowohl Betrieb, Erhalt als auch Ausbau. Der Fonds wird aus Beiträgen aus dem Bundeshaushalt, Steuern, Abgaben und Beiträgen der Kantone gespeist.
Die Einrichtung eines Eisenbahninfrastrukturfonds sei von „ausschlaggebender Bedeutung“, um Planungssicherheit für die Schienenfinanzierung zu ermöglichen, hieß es in einer im vergangenen Jahr vorgelegten Studie von Agora Verkehrswende und Dezernat Zukunft. Der Fonds solle sich aus Haushaltsmitteln, Mauteinnahmen und staatlichen Krediten speisen, die zunächst aus dem Sondervermögen bedient werden könnten. Das Sondervermögen könne zum Infrastrukturfonds weiterentwickelt werden. Aus dem Sondervermögen dürfen Investitionen finanziert werden, die bis 31. Dezember 2036 bewilligt werden. (dpa/red)
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Euro auf Jahrestief: Löst Frankreich eine neue Eurokrise aus?


In Kürze:

  • Frankreichs hohe Verschuldung und steigende Zinskosten erhöhen den Druck auf den Euro.
  • Ein Sparpaket von 54 Milliarden Euro soll das französische Defizit 2027 auf 5 Prozent senken.
  • Die EZB verfügt mit dem Transmission Protection Instrument über ein Werkzeug gegen eine ungeordnete Ausweitung der Risikoaufschläge.

 
Am Montag, 5. Oktober, ist der Wechselkurs des Euro zum US-Dollar auf ein Jahrestief von 1,116 US-Dollar gesunken. Dies war zugleich der niedrigste Kurs seit Mai 2025. Das Allzeittief lag im Jahr 2000 knapp über 80 US-Cent – noch vor der offiziellen Einführung als Barzahlungsmittel.
Vieles deutet darauf hin, dass die Schuldenkrise in Frankreich ein Faktor ist, der das Vertrauen der Kapitalmärkte in die Gemeinschaftswährung schwächt. Mit dem Haushaltsentwurf vom 1. Oktober räumte die Regierung ein, dass die Schuldenquote des Landes im laufenden Jahr auf 119,3 Prozent des BIP steigen werde. Im nächsten Jahr sollen es sogar 121,7 Prozent sein. Die EU-Referenzmarke liegt demgegenüber bei 60 Prozent.

Frankreich verfehlt Haushaltsziele deutlich – Schulden steigen um 5.000 Euro pro Sekunde

Auch das laufende Haushaltsdefizit enteilt dem EU-Ziel von 3 Prozent immer weiter. Im Vorjahr hatte es in Frankreich 5,1 Prozent betragen, im laufenden Jahr gehen Prognosen von 5,4 Prozent aus. Um den Anteil im nächsten Jahr auf 5 Prozent zu senken, wäre ein rigides Sparpaket erforderlich. Käme es zu keinen Gegenmaßnahmen, würde es voraussichtlich auf rund 6,5 Prozent steigen.
Für 2026 werden die Zinskosten aller öffentlichen Haushalte auf rund 75 Milliarden Euro geschätzt. Aufgrund einer schlechteren Bewertung der Kreditwürdigkeit – etwa durch die Ratingagentur Fitch im September 2025 – wird die Neuaufnahme von Krediten deutlich teurer. Der Refinanzierungsbedarf des französischen Staates soll 2027 laut Agence France Trésor 339,7 Milliarden Euro betragen.
Die Staatsschulden steigen um mehr als 5.000 Euro pro Sekunde, die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen erreichte jüngst zeitweise fast 5 Prozent. Dies war der höchste Stand seit 2002.

Lecornu setzt auf milliardenschweres Sparpaket

Die Regierung von Premierminister Sébastien Lecornu hat für 2027 ein Budget vorgelegt, das Einsparungen im Umfang von 54 Milliarden Euro vorsieht, davon 43 Milliarden Euro durch neue Maßnahmen. Die meisten Spareffekte will Lecornu durch Einfrieren der Gehälter im öffentlichen Dienst und eine nur begrenzte Inflationsanpassung der Renten bewirken. Weitere Einsparungen will er durch Kürzungen bei Kommunen, Gesundheitsausgaben und Steuererleichterungen erreichen.
Ob Lecornu das Budget durch die Nationalversammlung bringen wird, ist ungewiss. Seine Regierung hat keine eigene Mehrheit, sie braucht Unterstützung entweder von der Linken oder vom Rassemblement National. Wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl dürften diese wenig Bereitschaft verspüren, der Regierung einen Erfolg zu ermöglichen.
Dazu kommen die derzeitigen Proteste von Schülern und Studenten, die nicht erwarten lassen, dass ein weitreichendes Sparpaket einfach durchzusetzen sein wird. Es wäre vielmehr mit noch weiteren Streiks und Kampfmaßnahmen zu rechnen. Unterdessen drohen weitere Rating-Herabstufungen und höhere Risikoaufschläge. Nach Fitch hat auch S&P das Kreditrating Frankreichs auf A+ herabgestuft. Moody’s bewertet Frankreich derzeit mit Aa3 und negativem Ausblick; eine erneute Ratingentscheidung ist für den 23. Oktober angekündigt.

Kettenreaktion unter den Euro-Staaten?

Die Entwicklung in Frankreich ist für die gesamte Eurozone von Bedeutung – weil höhere Risikoaufschläge nicht zwingend auf französische Staatsanleihen beschränkt bleiben. Vielmehr könnte die Lage in Frankreich auch einen kritischeren Blick der Märkte auf die Kreditrisiken anderer hoch verschuldeter Euro-Staaten lenken. Dies könnte die Finanzierungskosten auch in Italien oder Spanien und in der Folge im gesamten Währungsraum treiben.
Wird es eine neue Eurokrise wie Anfang der 2010er-Jahre geben? Die Kombination aus hohem Defizit, politischem Widerstand gegen Reformen und steigenden Zinsen könnte einen Teufelskreis der Eskalation auslösen. Demgegenüber gibt es mittlerweile mehr Möglichkeiten als damals, zu verhindern, dass dieser in Gang kommt.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat 2022, als die Risikoaufschläge zu Beginn der Zinswende stiegen, das sogenannte Transmission Protection Instrument geschaffen. Dieses ermächtigt die EZB, unter Umständen Staatsanleihen eines Euro-Landes am Sekundärmarkt zu kaufen. Möglich soll das unter anderem sein, wenn „ungerechtfertigte, ungeordnete“ Marktentwicklungen die geldpolitische Transmission gefährden. Eine feste Obergrenze gibt es nicht.

Die EZB als letzte Stabilitätslinie

Einen Automatismus zur Anwendung dieses Instruments gibt es allerdings nicht. Die EZB setzt dabei unter anderem voraus, dass die Qualität der Wirtschafts- und Finanzpolitik und der Wille zur Eindämmung der Staatsverschuldung stimmen. Zudem will die EZB nur dann eingreifen, wenn die Marktentwicklung aus ihrer Sicht ungeordnet und ungerechtfertigt ist. Das Instrument ist nicht dafür vorgesehen, die grundlegenden fiskalpolitischen Probleme eines Mitgliedstaates zu lösen.
Bereits am Freitag, 2. Oktober, erreichte der Renditeabstand zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen mit rund 1,5 Prozentpunkten den höchsten Stand seit der Euro-Schuldenkrise 2011. Es liegt an der Regierung und der weiteren politischen Entwicklung im Land, das Vertrauen der Märkte wiederzugewinnen. Sollte der Eindruck entstehen, dass Defizit und Schuldenstand mittelfristig unter Kontrolle gebracht werden können, könnte sich der aktuelle Druck wieder abschwächen. Allerdings könnten anhaltende Unruhen und politische Verwerfungen die Lage verschärfen.
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Frankreich erwartet neuen Höhepunkt der Schülerproteste

Frankreich steht an diesem Dienstag ein neuer Höhepunkt der landesweiten und teils gewalttätigen Schülerproteste bevor. Im Zuge der seit einer Woche andauernden Proteste für eine bessere Ausstattung der Schulen und bessere Lernbedingungen ist ein frankreichweiter Aktionstag geplant.
Schülervertreter haben zu Kundgebungen und Protesten im ganzen Land aufgerufen. In Paris ist um 14:00 Uhr eine Demonstration auf dem Place de la République geplant. Alleine im Großraum Paris sollen am Dienstag 200 Gymnasien vorsorglich geschlossen bleiben.
Auch in anderen Großstädten wie Lyon, Lille, Marseille, Toulouse, Bordeaux, Rennes und Straßburg soll es Versammlungen geben. Unterstützung kommt von mehreren großen Gewerkschaften, die zur Beteiligung an den Aktionen und teils auch zum Streik aufrufen. Damit könnte der Protest über die Schülerbewegung hinaus an Breite gewinnen.

Premierminister stellt Verbesserungen in Aussicht

Zwar rief Premierminister Sébastien Lecornu die Ministerien am Sonntagabend auf, konkrete Verbesserungen an den Schulen des Landes einzuleiten und den berechtigten Sorgen der Schüler Gehör zu geben. Dennoch gab es am Montag erneute Proteste an 589 Schulen. Wie das Innenministerium am Abend mitteilte, gab es dabei 984 Festnahmen. 65 Polizeibeamte wurden verletzt.
Seit Beginn der Proteste vor einer Woche wurden nach Angaben des Justizministeriums 5.060 Menschen festgenommen, 87 Prozent davon Minderjährige. Gegen 1.802 Betroffene seien Ermittlungen eingeleitet worden. Die bei Ausschreitungen entstanden Schäden an Schulgebäuden und im öffentlichen Raum bezifferte Justizminister Gérald Darmanin auf mehrere Millionen Euro. Wo dies möglich sei, sollten die Eltern der jugendlichen Täter zur Begleichung der Schäden herangezogen werden.

Drastische Gewalt und hohe Schäden

In den vergangenen Tagen kam es immer wieder zu schwerer Gewalt bei den Protesten: Lehrer wurden angegriffen, Polizisten verletzt, Mülltonnen und Fahrzeuge in Brand gesetzt. Es gab viele Verletzte und Schäden. Am Montag etwa wurde versucht, ein Gymnasium in Paris in Flammen zu setzen. Auch die Polizeipräfektur im ostfranzösischen Nancy meldete Brandstiftungen sowie Angriffe mit Feuerwerkskörpern und Molotowcocktails.
Die massiven Proteste treffen Frankreich sieben Monate vor der Präsidentschaftswahl recht unvorbereitet. Die Regierung, die eigentlich gerade mit einem Sparhaushalt ringt, will nun einen Flächenbrand mit einer Ausdehnung der Proteste auf andere Bereiche wie etwa die Hochschulen verhindern. (dpa/red)
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06.10.2026 | Tausend neue Stellen für Zucker- und Plastiksteuer | Schülerproteste in Belgien | KI-Warnung

HEUTE6:50 Uhr

Verfassungsschutz: Iran nimmt deutsche Technologie für sein Raketenprogramm ins Visier

Der Iran wird nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BFV) verstärkt versuchen, in Deutschland westliche Technologie für sein Raketenprogramm und weitere militärische Vorhaben zu beschaffen. Deutschland stehe als weltweit führender Hersteller relevanter Produkte besonders im Fokus.

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HEUTE6:34 Uhr

Regierung plant tausend Stellen für Zucker- und Plastiksteuer

Für die geplante Zucker- und Plastiksteuer kalkuliert der Bund laut „Bild“ mit 1.046 Vollzeitstellen und jährlichen Kosten von 74 Millionen Euro. Ob sie neu besetzt oder intern vergeben werden, ist offen. Steuerzahlerbund-Präsident Holznagel kritisiert die Pläne als „Bürokratie-Irrsinn“.

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HEUTE3:44 Uhr

Schülerproteste in Belgien: Dutzende Festnahmen, 18 verletzte Polizisten

Bei Protesten von Schülern in mehreren Städten in Belgien ist es nach Angaben der Polizei zu gewaltsamen Zusammenstößen und Sachbeschädigungen gekommen. Bei einer Demonstration in Lüttich mit rund 1000 Teilnehmern seien dutzende Menschen festgenommen und 18 Polizeibeamte leicht verletzt worden. Einige Demonstranten hätten Brände gelegt, darunter in Mülltonnen.

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HEUTE2:43 Uhr

KI-Experte wiederholt Warnung vor möglicher „Auslöschung der Menschheit“

KI-Experte Jacob Coxon sagte bei einer Anhörung in New York, er halte es für wahrscheinlich, „dass die Menschheit die Kontrolle über KI verliert, was in der Auslöschung der Menschheit enden könnte“. Schutzmechanismen gegen eigene Ziele der Modelle fehlten laut seiner Einschätzung. Coxon forderte eine Verlangsamung.
 
Mit Material von Nachrichtenagenturen

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„Ein Roman gegen Gleichgültigkeit“– Buchpreis für Bazyar

Der Deutsche Buchpreis geht in diesem Jahr an die Autorin Shida Bazyar für „Die Lücken“. Der Roman reflektiere anhand einzelner Figurenschicksale fast hundert Jahre ambivalenten deutschen Lebens, heißt es in der Begründung der Jury. Die Autorin wähle dabei überzeugende literarische Strategien. Und: Es sei ein „Roman gegen Gleichgültigkeit“.
Die 1988 in Rheinland-Pfalz geborene Bazyar hat „Die Lücken“ in einem fiktiven Ort namens Heimesbach im Hunsrück angesiedelt, der an den Heimatort der Autorin angelehnt ist. Die Ich-Erzählerin ist tot. Sie starb bei einem Verkehrsunfall. Seither gelangte sie an Wissen über den Ort aus der Nazi-Zeit. Sie wird von „Göttern“ wieder dorthin geschickt, wohin sie als zehn Jahre altes Mädchen mit ihrer älteren Schwester und Eltern kam – als Flüchtlingsfamilie.
Erzählt wird von jüdischen Familien, von NS-Profiteuren sowie von kurdischen und iranischen Menschen, die in Deutschland Schutz und Zuflucht suchen. Es werden verschwiegene Kapitel deutscher Vergangenheit zur Sprache gebracht. So dreht sich der rund 500 Seiten lange Roman um Lügen, Rassismus und Verdrängung. Nie habe jemand zugegeben, „noch immer das Bild des Führers in seiner Schublade liegen zu haben“, heißt es etwa.

Was hat die Jury begeistert?

Über einen Zeitraum von rund hundert Jahren verändert sich die Sprache zwischen den Zeitebenen und verleiht jeder ihren eigenen Ton. Und: Es sei ein Roman, der mit seinem transnationalen Blick die Grenzen des Heimatromans auslotet und ihn neu definiere, erklärte die Jury bereits bei der Bekanntgabe der Shortlist.
Autorin Shida Bazyar hat ihren Roman in einem fiktiven Ort im Hunsrück angesiedelt.

Autorin Shida Bazyar hat ihren Roman in einem fiktiven Ort im Hunsrück angesiedelt.

Foto: Hannes P. Albert/dpa

Und was hat noch überzeugt? „Der Blick einer toten Erzählerin und die kaleidoskopische Struktur des Textes ermöglichen es, zwischen den Zeiten zu springen sowie Nähe und Distanz zu erzeugen“, hieß es nun in der Begründung. „Auch die enge Verbindung von fiktiven und dokumentarischen Elementen, von erfundenen und historischen Figuren, die selbst eine Stimme bekommen, erzeugen den starken Nachhall des Textes.“

Warum passt der Roman in die Zeit?

Bazyars neues Werk – sie hatte 2016 ihr Debüt mit „Nachts ist es leise in Teheran“ vorgelegt, gefolgt von „Drei Kameradinnen“ 2021, das damals auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand – fällt in eine Zeit, in der die Nazi-Vergangenheit und die Verflechtung mit Familien in Deutschland wieder an Aktualität gewinnt.
So hatten dieses Jahr etwa mehrere Medien eine neu veröffentlichte Datenbank des US-Nationalarchivs aufbereitet, mit Hilfe derer man prüfen kann, ob die eigenen Vorfahren Teil der Nazi-Maschinerie waren oder nicht.
Vom „Roman der Stunde“ war mancherorts zu lesen. Es sei ein hochaktuelles und zugleich zeitloses Buch, „das wir genau jetzt brauchen und immer brauchen werden“, hieß es bei „MDR Kultur“. Und die „Frankfurter Rundschau“ befand: „Wer „Die Lücken“ gelesen hat, weiß wirklich etwas über Land und Leute. Gestern und heute.“
Der Deutsche Buchpreis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen der Branche und wird traditionell am Tag vor der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse vergeben. Im vergangenen Jahr gewann Dorothee Elmiger mit ihrem Roman „Die Holländerinnen“.

Wer geht leer aus?

Neben Bazyar waren noch fünf weitere Kandidaten in der engeren Auswahl: Franziska Gänsler („Orca“), Valeria Gordeev („Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“), Elias Hirschl („Schleifen“), Peggy Mädler („Selbstregulierung des Herzens“) sowie Dana Vowinckel („Anton und Alma“).
Insgesamt hatte die Jury 205 Titel gesichtet, die zwischen Herbst 2025 und Anfang September 2026 erschienen sind. Zunächst wurden 20 Bücher für die Longlist ausgewählt, diese wurde dann auf die sechs Titel umfassende Shortlist gekürzt. Insgesamt ist der Buchpreis mit 37.500 Euro dotiert: Bazyar erhält 25.000 Euro, die übrigen Autoren der Shortlist jeweils 2.500 Euro.
Für die Autorin bleibt es nicht nur bei dem Deutschen Buchpreis. Am 7. November erhält sie für „Die Lücken“ den Wilhelm Raabe-Literaturpreis – der vom Deutschlandfunk und der Stadt Braunschweig gestiftete Preis ist mit 30.000 Euro dotiert. Bazyar habe „einen der brisantesten Romane unserer Zeit geschaffen“, erklärte die Jury. Der Ort Heimesbach werde „zum exemplarischen Schauplatz individueller Verstrickungen in die Verbrechen des Holocausts und einer schleichenden Normalisierung von Antisemitismus, Entrechtung und Ausgrenzung, die sich bis in die Gegenwart fortschreibt“. (dpa/red)
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Konstituierende Sitzung: Wird AfD-Kandidat Rausch Landtagspräsident?


In Kürze:

  • Am Dienstag tritt der neu gewählte Landtag von Sachsen-Anhalt zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.
  • Die Wahl des AfD-Kandidaten Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten gilt als wahrscheinlich.
  • Das Abstimmungsergebnis könnte Hinweise auf die Mehrheitsverhältnisse vor der Ministerpräsidentenwahl im Dezember geben.
  • Rund um den Landtag sind mehrere Protestaktionen gegen die AfD angekündigt.

 
Mit großem Interesse blickt die Republik am Dienstag, 6. Oktober, nach Magdeburg. Für 11 Uhr hat der noch amtierende Landtagspräsident Gunnar Schellenberger die konstituierende Sitzung des im September neu gewählten Landtags von Sachsen-Anhalt einberufen. Darauf hatten sich die Fraktionen in gemeinsamer Beratung am 16. September geeinigt.
Alle 83 neu gewählten Abgeordneten werden dazu im Landtag erwartet.
Die Tagesordnung ist bisher nicht umfangreich. Alterspräsidentin Eva von Angern (Linke) wird laut Geschäftsordnung die Sitzung eröffnen und bildet mit der oder dem jüngsten Abgeordnete den vorläufigen Sitzungsvorstand. Nach Feststellung der Beschlussfähigkeit stehen der Beschluss über die Tagesordnung und die vorläufige Geschäftsordnung an. Anschließend werden die Schriftführer, der Landtagspräsident und die Vizepräsidenten gewählt.

AfD-Kandidat Rausch wird voraussichtlich neuer Präsident des Landtags

Vor allem die Wahl zum Landtagspräsidenten wird mit großer Spannung erwartet. Sie könnte ein wichtiges Vorzeichen mit Blick auf die für Dezember geplante Wahl des Ministerpräsidenten sein. Die AfD war bei der Landtagswahl am 6. September zwar mit 43,8 Prozent und 39 Sitzen stärkste Kraft geworden, hatte aber die angestrebte absolute Mehrheit um drei Sitze verfehlt.
Es ist deshalb unklar, ob Spitzenkandidat Ulrich Siegmund die erforderlichen Stimmen für eine Wahl zum Ministerpräsidenten auf sich vereinen kann.

Tobias Rausch. (Archiv)

Foto: via dts Nachrichtenagentur

Dass der Kandidat der AfD, Tobias Rausch, am Dienstag zum Landtagspräsidenten gewählt wird, gilt als wahrscheinlich. Das BSW, das mit fünf Sitzen im neuen Landtag vertreten sein wird, hat angekündigt, für Rausch stimmen zu wollen. Die CDU plant, sich der Stimme zu enthalten. SPD, Grüne und Linkspartei wollen gegen Rausch wählen. Auf deren Stimmen würde es dann jedoch nicht ankommen.
Es wäre der erste AfD-Landtagspräsident in einem Bundesland überhaupt.
Sollten mehr als 44 Stimmen auf Rausch entfallen, wäre dies jedoch ein möglicher Hinweis darauf, dass in geheimer Wahl mehr Abgeordnete bereit wären, für den AfD-Kandidaten zu stimmen, als diese und das BSW Abgeordnete aufweisen.
Für die Wahl des Landtagspräsidenten ist die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen ausreichend.
Für die Wahl des Ministerpräsidenten hingegen ist im ersten und zweiten Wahlgang die absolute Mehrheit aller Mitglieder notwendig, also 42 Stimmen. Erst beim dritten Wahlgang reicht die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen aus.

Ulrich Siegmund erwartet „historischen Tag für Deutschland“

Die AfD möchte laut Medienberichten neben dem Amt des Landtagspräsidenten auch einen Vizepräsidenten stellen. Diesbezüglich soll sich die Fraktion auf Hans-Thomas Tillschneider als Kandidaten geeinigt haben. Dieser ist stellvertretender Landes- und Fraktionsvorsitzender der AfD und gilt parteiintern als nicht unumstritten. Das BSW hat sich öffentlich noch nicht über sein beabsichtigtes Abstimmungsverhalten bezüglich Tillschneiders geäußert.
Für die CDU soll Bildungssprecher Carsten Borchert als Kandidat für einen der Vizeposten ins Rennen gehen. Die SPD will Wissenschaftsminister Armin Willingmann vorschlagen.
Siegmund erklärte, er erwarte sich für Dienstag einen „historischen Tag für Deutschland“. Er rechne damit, dass die „kindische Brandmauer zerbröckelt“. Der geschäftsführende Ministerpräsident und CDU-Fraktionschef Sven Schulze äußerte, er rechne nicht damit, dass Abgeordnete seiner Fraktion zur AfD überlaufen würden. Im Landtag wolle die CDU eine „konstruktive Opposition“ bilden und Anträge als Partei bewerten. Absprachen mit der AfD werde es nicht geben.

Mehrere Proteste vor dem Landtag angekündigt

Für Dienstag sind im Umfeld des Landtags auch Protestaktionen angekündigt. Ab 8 Uhr plant das Bündnis Solidarisches Magdeburg, gegen eine aus seiner Sicht drohende Normalisierung der AfD und die Wahl eines Landtagspräsidenten aus deren Reihen zu demonstrieren.
Zudem soll ab 9 Uhr eine 45-minütige Lesung aus dem Grundgesetz abgehalten werden. Zusätzlich sollen noch weitere Gruppen protestieren, darunter auch das Zentrum für politische Schönheit. Dieses hatte jüngst auf X für Irritationen gesorgt, nachdem es dazu aufgerufen hatte, ihm „kompromittierendes Material“ über den BSW-Landeschef John Lucas Dittrich zukommen zu lassen.
Angesichts der Möglichkeit einer bevorstehenden AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt haben einige Vereinigungen der Länder kurzfristig ihre Regeln in bestimmten Gremien geändert. So hat Hamburg in Abstimmung mit den anderen Ländern und der noch amtierenden Regierung in Magdeburg erklärt, es werde seinen Vorsitz in der Justizministerkonferenz verlängern. Turnusmäßig wäre Sachsen-Anhalt ab Anfang 2027 an der Reihe gewesen.
Die amtierende Regierung in Sachsen-Anhalt hatte zuvor auf ihren Vorsitz in der Ministerpräsidentenkonferenz ab Anfang Oktober verzichtet. Stattdessen wird diese Position für ein weiteres Jahr Rheinland-Pfalz innehaben. Die Innenministerkonferenz hat ihrerseits ihr Einstimmigkeitsprinzip für gemeinsame Beschlüsse zugunsten einer qualifizierten Mehrheit abgeschafft.
Mit Material der Nachrichtenagenturen
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Wird AfD-Kandidat Rausch Landtagspräsident? Erster Test für neue Mehrheiten in Sachsen-Anhalt


In Kürze:

  • Am Dienstag tritt der neu gewählte Landtag von Sachsen-Anhalt zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.
  • Die Wahl des AfD-Kandidaten Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten gilt als wahrscheinlich.
  • Das Abstimmungsergebnis könnte Hinweise auf die Mehrheitsverhältnisse vor der Ministerpräsidentenwahl im Dezember geben.
  • Rund um den Landtag sind mehrere Protestaktionen gegen die AfD angekündigt.

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Mit großem Interesse blickt die Republik am Dienstag, 6. Oktober, nach Magdeburg. Für 11 Uhr hat der noch amtierende Landtagspräsident Gunnar Schellenberger die konstituierende Sitzung des im September neu gewählten Landtags von Sachsen-Anhalt einberufen. Darauf hatten sich die Fraktionen in gemeinsamer Beratung am 16. September geeinigt.
Alle 83 neu gewählten Abgeordneten werden dazu im Landtag erwartet.
Die Tagesordnung ist bisher nicht umfangreich. Alterspräsidentin Eva von Angern (Linke) wird laut Geschäftsordnung die Sitzung eröffnen und bildet mit der oder dem jüngsten Abgeordnete den vorläufigen Sitzungsvorstand. Nach Feststellung der Beschlussfähigkeit stehen der Beschluss über die Tagesordnung und die vorläufige Geschäftsordnung an. Anschließend werden die Schriftführer, der Landtagspräsident und die Vizepräsidenten gewählt.

AfD-Kandidat Rausch wird voraussichtlich neuer Präsident des Landtags

Vor allem die Wahl zum Landtagspräsidenten wird mit großer Spannung erwartet. Sie könnte ein wichtiges Vorzeichen mit Blick auf die für Dezember geplante Wahl des Ministerpräsidenten sein. Die AfD war bei der Landtagswahl am 6. September zwar mit 43,8 Prozent und 39 Sitzen stärkste Kraft geworden, hatte aber die angestrebte absolute Mehrheit um drei Sitze verfehlt.
Es ist deshalb unklar, ob Spitzenkandidat Ulrich Siegmund die erforderlichen Stimmen für eine Wahl zum Ministerpräsidenten auf sich vereinen kann.

Tobias Rausch. (Archiv)

Foto: via dts Nachrichtenagentur

Dass der Kandidat der AfD, Tobias Rausch, am Dienstag zum Landtagspräsidenten gewählt wird, gilt als wahrscheinlich. Das BSW, das mit fünf Sitzen im neuen Landtag vertreten sein wird, hat angekündigt, für Rausch stimmen zu wollen. Die CDU plant, sich der Stimme zu enthalten. SPD, Grüne und Linkspartei wollen gegen Rausch wählen. Auf deren Stimmen würde es dann jedoch nicht ankommen.
Es wäre der erste AfD-Landtagspräsident in einem Bundesland überhaupt.
Sollten mehr als 44 Stimmen auf Rausch entfallen, wäre dies jedoch ein möglicher Hinweis darauf, dass in geheimer Wahl mehr Abgeordnete bereit wären, für den AfD-Kandidaten zu stimmen, als diese und das BSW Abgeordnete aufweisen.
Für die Wahl des Landtagspräsidenten ist die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen ausreichend.
Für die Wahl des Ministerpräsidenten hingegen ist im ersten und zweiten Wahlgang die absolute Mehrheit aller Mitglieder notwendig, also 42 Stimmen. Erst beim dritten Wahlgang reicht die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen aus.

Ulrich Siegmund erwartet „historischen Tag für Deutschland“

Die AfD möchte laut Medienberichten neben dem Amt des Landtagspräsidenten auch einen Vizepräsidenten stellen. Diesbezüglich soll sich die Fraktion auf Hans-Thomas Tillschneider als Kandidaten geeinigt haben. Dieser ist stellvertretender Landes- und Fraktionsvorsitzender der AfD und gilt parteiintern als nicht unumstritten. Das BSW hat laut „t-online“ bekannt gemacht, dass es nicht vorhabe, Tillschneider seine Stimmen zu geben.
Für die CDU soll Bildungspolitiker Carsten Borchert als Kandidat für einen der Vizeposten ins Rennen gehen. Die SPD will Wissenschaftsminister Armin Willingmann vorschlagen.
Siegmund erklärte, er erwarte sich für Dienstag einen „historischen Tag für Deutschland“. Er rechne damit, dass die „kindische Brandmauer zerbröckelt“. Der amtierende Ministerpräsident und CDU-Fraktionschef Sven Schulze äußerte, er rechne nicht damit, dass Abgeordnete seiner Fraktion zur AfD überlaufen würden. Im Landtag wolle die CDU eine „konstruktive Opposition“ bilden und Anträge als Partei bewerten. Absprachen mit der AfD werde es nicht geben.

Mehrere Proteste vor dem Landtag angekündigt

Für Dienstag sind im Umfeld des Landtags auch Protestaktionen angekündigt. Ab 8 Uhr plant das Bündnis Solidarisches Magdeburg, gegen eine aus seiner Sicht drohende Normalisierung der AfD und die Wahl eines Landtagspräsidenten aus deren Reihen zu demonstrieren.
Zudem soll ab 9 Uhr eine 45-minütige Lesung aus dem Grundgesetz abgehalten werden. Zusätzlich sollen noch weitere Gruppen protestieren, darunter auch das Zentrum für politische Schönheit. Dieses hatte jüngst auf X für Irritationen gesorgt, nachdem es dazu aufgerufen hatte, ihm „kompromittierendes Material“ über den BSW-Landeschef John Lucas Dittrich zukommen zu lassen.
Angesichts der Möglichkeit einer bevorstehenden AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt haben einige Vereinigungen der Länder kurzfristig ihre Regeln in bestimmten Gremien geändert. So hat Hamburg in Abstimmung mit den anderen Ländern und der noch amtierenden Regierung in Magdeburg erklärt, es werde seinen Vorsitz in der Justizministerkonferenz verlängern. Turnusmäßig wäre Sachsen-Anhalt ab Anfang 2027 an der Reihe gewesen.
Die amtierende Regierung in Sachsen-Anhalt hatte zuvor auf ihren Vorsitz in der Ministerpräsidentenkonferenz ab Anfang Oktober verzichtet. Stattdessen wird diese Position für ein weiteres Jahr Rheinland-Pfalz innehaben. Die Innenministerkonferenz hat ihrerseits ihr Einstimmigkeitsprinzip für gemeinsame Beschlüsse zugunsten einer qualifizierten Mehrheit abgeschafft.
Mit Material der Nachrichtenagenturen
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5. Oktober: Plastiksteuer | Flydubai-Rekonstruktion | Sicherheitslage in Deutschland

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Plastiksteuer

Die Bundesregierung will zum 1. Juli 2027 eine neue Steuer auf Plastikverpackungen einführen. Das geht aus dem Entwurf eines Kunststoffverpackungsteuergesetzes hervor, wie die „Welt“ berichtet. Das Bundesfinanzministerium geht für 2027 von zusätzlichen Steuereinnahmen von 670 Millionen Euro aus – 2028 wären es weitere 1,5 Milliarden. Zudem soll der Plastikverbrauch reduziert werden.

Flydubai-Rekonstruktion

Ermittler aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gehen bei dem Flydubai-Vorfall von einem versuchten Terroranschlag aus. Nach nicht namentlich genannten israelischen Regierungsvertretern soll der Kopilot bereits im Juli versucht haben, ein Flugzeug in das Terminal des Ben-Gurion-Flughafens in Tel Aviv zu steuern.

Sicherheitslage in Deutschland

In einer öffentlichen Anhörung warnten die Chefs der Sicherheitsbehörden vor einer sich zuspitzenden Auseinandersetzung mit Russland. Martin Jäger, Präsident des BND, nennt dabei als Beispiel den kürzlichen Drohnenvorfall in Leipzig. Martina Rosenberg, Präsidentin des Militärischen Abschirmdiensts, berichtete zudem von Desinformationen und Cyberangriffen.

Pestverdacht in Russland

In Sibirien löste der Tod einer Laborangestellten Befürchtungen über einen möglichen Ausbruch der Pest aus. Die 28-Jährige war Mitarbeiterin eines Forschungsinstitut zur Bekämpfung von Pestkrankheiten nahe Irkutsk. Bei ihr wurde eine Lungenentzündung unbekannter Ursache diagnostiziert. Laut russischen Behörden seien umgehend Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet worden.

Medizin-Nobelpreis

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die beiden Deutschen Peter Hegemann und Georg Nagel sowie den US-Forscher Karl Deisseroth. Ausgezeichnet werden ihre Entdeckungen im Bereich lichtgesteuerter Ionenkanäle und Optogenetik. Mit dieser Methode lassen sich Zellen mit Hilfe von Licht präzise an- oder abschalten.
 
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Warum die Pflegereform viele Grundsatzfragen vertagt


In Kürze:

  • Die Bundesregierung will die Pflegeversicherung stabilisieren und den allgemeinen Beitragssatz bei 3,6 Prozent halten.
  • Kinderlose, bestimmte familienversicherte Ehepartner und Minijobs sollen stärker zur Finanzierung beitragen.
  • Zentrale Grundsatzfragen bleiben offen, darunter Eigenanteile im Heim, kommunale Belastungen und der mögliche Ausgleich zwischen gesetzlicher und privater Pflegeversicherung.

 
Die Pflege wird teurer. Das merken Pflegebedürftige, ihre Angehörigen und die Pflegekassen. Die Bundesregierung hat deshalb am 30. September einen ersten Reformschritt beschlossen. Der Gesetzentwurf heißt offiziell Pflegeneuordnungsgesetz.
Im Kern geht es zunächst um Geld: Ohne Gegenmaßnahmen rechnet die Bundesregierung für 2027 mit einem Minus von rund 7,6 Milliarden Euro in der Pflegeversicherung. 2028 könnte das Defizit auf mehr als 15 Milliarden Euro steigen.
Vor dem Kabinettsbeschluss wurde der Entwurf noch verändert. Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hatte Ende August in einem „BILD“-Interview gesagt: „Ich möchte bei pflegenden Angehörigen, bei der Rente, nicht sparen.“ Eine zuvor diskutierte pauschale Kürzung der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige ist im Gesetzentwurf nun nicht mehr enthalten.
Eine endgültige Lösung soll das Gesetz nicht sein. Linnemann sagte im Bundestag, als er Ende September bei der Regierungsbefragung die Leitlinien seiner Reformpläne vorstellte: Die Reform könne „nur sicherstellen, dass die Pflege im nächsten Jahr noch funktioniert“. Für die Jahre danach, so Linnemann, brauche es mehr.
Die Bundesregierung verweist in ihrer Mitteilung zum Kabinettsbeschluss auf eine geplante Kommission. Dort heißt es: „Parallel soll eine Pflegestrukturkommission Vorschläge für eine langfristig tragfähige Pflegeversorgung und Finanzierung erarbeiten.“

Warum die Pflegeversicherung unter Druck steht

Die Pflegeversicherung gibt es seit 1995. Sie übernimmt einen Teil der Pflegekosten. Den Rest müssen Pflegebedürftige und ihre Familien selbst tragen. Wenn das Geld nicht reicht, springt die Sozialhilfe ein. Dann zahlen die Kommunen mit.
Der Druck auf dieses System wächst seit Jahren. Laut Bundesregierung gelten mehr als 6 Millionen Menschen in Deutschland inzwischen als pflegebedürftig. Ende 2023 zählte das Statistische Bundesamt (Destatis) 5,7 Millionen Pflegebedürftige. Die meisten werden, so Destatis, zu Hause gepflegt, oft von Angehörigen. Ohne diese Familienarbeit würde das Pflegesystem nicht funktionieren.
Gleichzeitig steigen die Kosten. Pflegekräfte verdienen inzwischen mehr. Der GKV-Spitzenverband berechnete für 2026 einen durchschnittlichen Stundenlohn von 24,50 Euro in der Langzeitpflege – ein Anstieg von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für Pflegefachkräfte liegt der Wert bei 28,03 Euro.
Das Problem: Höhere Löhne landen im heutigen System oft auch bei den Pflegebedürftigen. Wer im Pflegeheim lebt, muss immer mehr selbst zahlen. Der Verband der Ersatzkassen nennt für das erste Jahr im Heim durchschnittlich 3.364 Euro Eigenanteil im Monat.

Was sich ändern soll

Die Regierung beabsichtigt laut Gesetzentwurf, den allgemeinen Beitragssatz zur Pflegeversicherung bei 3,6 Prozent zu halten.
Das heißt aber nicht, dass keine Gruppe als Folge des Reformschritts mehr zahlen muss. Kinderlose sollen künftig stärker belastet werden. Ihr Zuschlag soll von 0,6 auf 0,9 Prozent steigen. Auch für bestimmte familienversicherte Ehe- und Lebenspartner ist ein neuer Zuschlag geplant.
Zudem sollen Minijobs künftig in die Pflegeversicherung einbezogen werden. Gleichzeitig plant die Regierung, an anderer Stelle zu sparen.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesetzes liegt auf der Prävention. Versicherte ab 60 Jahren sollen künftig Anspruch auf eine Früherkennungsuntersuchung erhalten, um gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen. Zudem soll im Rahmen der Pflegebegutachtung geprüft werden, ob eine Rehabilitation den Pflegebedarf senken kann.
Auch ist ein digitales „Pflege-Cockpit“ der Pflegekassen geplant. Dort sollen Pflegebedürftige und Angehörige Informationen, Anträge und Leistungsübersichten „an einem digitalen Ort“ finden.

Streit um Pflegegrad 1

Außerdem soll der Entlastungsbetrag für neue Fälle in Pflegegrad 1 wegfallen. Pflegegrad 1 ist die niedrigste Stufe der Pflegebedürftigkeit. Viele Menschen benötigen dann noch keine umfassende Pflege, aber Unterstützung im Alltag. Den Entlastungsbetrag nutzen viele Angehörige derzeit etwa für Hilfe im Haushalt oder Betreuung.
Stattdessen beabsichtigt die Regierung, stärker auf Beratung zu setzen. Eine neue Pflegebegleitung soll „die häusliche Versorgungssituation zügig und nachhaltig […] stärken und […] stabilisieren“.
Die Regierung sagt: Menschen am Anfang einer Pflegebedürftigkeit sollen besser beraten und begleitet werden. Kritiker sagen: Beratung ersetze keine konkrete Hilfe. Wer heute Unterstützung beim Putzen, Einkaufen oder bei der Betreuung bekommt, habe von einem Gespräch allein wenig.

Was Politiker dazu sagen

Der Koalitionspartner SPD sieht zumindest eine wichtige Änderung als Erfolg: Die geplanten Kürzungen bei den Rentenbeiträgen für pflegende Angehörige sind vom Tisch. Claudia Moll (SPD) sagte in der Regierungsbefragung im September zu Linnemann: „Sie haben uns hier an Ihrer Seite.“
Zugleich macht sie auf der Plattform abgeordnetenwatch.de deutlich: „Eine Neuordnung der Leistungen darf nicht zu einer Schwächung der häuslichen Pflege führen.“ Sie reagiert auf die Frage einer Betroffenen, die laut eigener Aussage ihren an einer seltenen Krankheit erkrankten Ehemann seit 48 Jahren zu Hause pflegt.
Auch Niedersachsens Sozialminister Andreas Philippi (SPD) fordert weitere Nachbesserungen. Schon im Juni sagte er: „Einseitige Belastungen für Pflegebedürftige sowie Kommunen und Länder werden wir nicht akzeptieren.“ Nach dem Kabinettsbeschluss betonte er in der vergangenen Woche: „Die eigentliche Strukturreform der Pflegeversicherung ist mit dem heutigen Beschluss aber ausdrücklich nicht erledigt.“
Ein weiterer Streitpunkt ist die private Pflegeversicherung. Die SPD beabsichtigt, prüfen zu lassen, ob private Versicherer die gesetzliche Pflegeversicherung finanziell unterstützen können.
SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt sieht darin einen Ansatz für weitergehende Änderungen. „Der Ausgleich zwischen privater und gesetzlicher Pflegeversicherung ist auf den Weg gebracht und muss im nächsten Schritt umgesetzt werden“, erklärte sie in einer Stellungnahme im Namen der SPD-Bundestagsfraktion. Ob daraus ein neues Finanzierungsmodell wird, ist offen.
Zum anderen fordert die SFP einen festen Deckel für die Eigenbeteiligung bei den Pflegeheim-Kosten. Einen solchen Deckel lehnt die Union ab.

Die Kostenfrage bleibt

Das Sozialstaatsbündnis, dem unter anderem Caritas, Diakonie, Arbeiterwohlfahrt, Paritätischer Wohlfahrtsverband, DGB, ver.di, IG Metall, Sozialverband VdK und Sozialverband Deutschland angehören, warnt in einem Appell vom 5. Oktober vor Kürzungen bei Rente, Pflege und weiteren Sozialleistungen.
In dem Aufruf heißt es, nur eine „bedarfsorientierte Pflegepolitik“ könne verhindern, „dass Pflegebedürftigkeit zur Armutsfalle wird“.
Das Bündnis warnt, Änderungen bei den Pflegegraden könnten dazu führen, dass Betroffene Leistungen schwerer erhalten. Zudem müsse die Refinanzierung von Tariflöhnen gesichert bleiben, um Fachkräfte zu halten und Insolvenzen gemeinnütziger Träger zu vermeiden. Auch höhere Eigenanteile in Pflegeheimen lehnt das Bündnis ab.
Bei der Finanzierung weisen die großen Wohlfahrtsverbände darauf hin, dass die Lage der Pflegeversicherung auch politisch verursacht sei. Genannt werden nicht erstattete Corona-Kosten, der gestrichene Bundeszuschuss und hohe Darlehen. Nötig seien „eine nachhaltige Finanzierungsgrundlage“, eine breitere Einnahmebasis und ein „Risikostrukturausgleich zwischen sozialer und privater Pflegeversicherung“.
Die Arbeitgeber sehen das anders. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) begrüßt, dass der allgemeine Beitragssatz nicht steigen soll.
Gleichzeitig nennt BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter den Gesetzentwurf ein „Notpflaster“. Aus Arbeitgebersicht müsse die geplante Kommission insbesondere zeigen, wie die Ausgaben begrenzt werden können.
Damit stehen sich soziale Absicherung und stabile Beiträge und Lohnnebenkosten gegenüber. Die Regierung versucht, mit der Strukturreform beides gleichzeitig zu erreichen.

Die Kommunen zahlen mit

Wenn Pflegebedürftige ihre Eigenanteile nicht mehr zahlen können, müssen sie Hilfe zur Pflege beantragen. Das belastet die Kommunen. Der Gesetzentwurf rechnet selbst damit, dass Länder und Gemeinden 2028 rund 600 Millionen Euro mehr ausgeben müssen.
Die Länder sind für Investitionskosten der Heime mitverantwortlich. Die Kommunen zahlen am Ende aber mit, wenn Betroffene Sozialhilfe benötigen. Für sie ist die Reform deshalb nicht nur Sozialpolitik, sondern auch eine Finanzierungsfrage.
Der Deutsche Städtetag forderte im April, die Reform dürfe die Kommunen nicht weiter belasten. Die Städte dürften nicht länger „Ausfallbürgen eines unterfinanzierten Systems“ sein.
Der Deutsche Landkreistag kritisierte wiederum am Vorabend des Kabinettsbeschlusses, der Bund dürfe die Rechnung nicht an Pflegebedürftige und anschließend an die Sozialämter der Landkreise weiterreichen.
Nach dem Kabinettsbeschluss fiel die Bewertung des Landkreistags etwas milder aus. Die ursprünglich geplante Streckung der Leistungszuschläge für Pflegebedürftige in Heimen sei vom Tisch, erklärte Landkreistagspräsident Achim Brötel. Somit sei „die damit verbundene milliardenschwere zusätzliche Belastung der kommunal finanzierten Hilfe zur Pflege abgewendet“. Das zeige, dass die Warnungen der Landkreise gehört worden seien.
Entwarnung gibt der Verband trotzdem nicht. Die finanzielle Lage der Hilfe zur Pflege bleibe „äußerst angespannt“. Auch der beschlossene Gesetzentwurf gehe noch von zusätzlichen Belastungen für Länder und Kommunen aus.

Zeitgewinn statt grundlegende Lösung

Der Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes hält den allgemeinen Beitragssatz stabil, belastet einzelne Gruppen stärker und nimmt auf der Leistungsseite Korrekturen vor.
Zugleich hat das Bundeskabinett die zentralen Streitthemen in eine Kommission verschoben. Diese soll die dauerhafte Finanzierung und tiefer greifende Strukturreform klären. Deren Auftrag soll am Mittwoch, 7. Oktober, beschlossen werden. Die Kommission soll bis Januar 2027 Vorschläge vorlegen.
Damit bleibt der politische Kern der Reform vorerst unbearbeitet. Steigen Löhne, Heimkosten und die Zahl der Pflegebedürftigen weiter, stellt sich immer wieder dieselbe Verteilungsfrage: Zahlen Beitragszahler, Pflegebedürftige, Steuerzahler, Länder oder Kommunen?
Der Bundestag berät nun einen Gesetzentwurf, der Zeit gewinnen soll. Ob im nächsten Jahr eine Strukturreform beschlossen wird, hängt davon ab, ob die Koalition bereit ist, mehr zu entscheiden als die nächste Finanzierungsrunde.
Mit Material der Nachrichtenagenturen
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Bundesweite Sabotageserie an Autos: Drei Verantwortliche in Ulm verurteilt

Nach einer bundesweiten Sabotageserie an Autos hat das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Ulm drei Angeklagte verurteilt. Wie eine Sprecherin des baden-württembergischen Gerichts am Montag mitteilte, galt als erwiesen, dass die Angeklagten die Abgasrohre von 20 Autos in sieben Städten mit Bauschaum verschlossen hatten. Es sei davon auszugehen, dass ein unbekannter Auftraggeber den Angeklagten eine Bezahlung versprochen habe.
Laut Gericht wurden zwei der zum Tatzeitpunkt 18- bis 21-Jährigen wegen Sachbeschädigung in sieben Fällen zu einer Geldstrafe von jeweils 3.000 Euro verurteilt. Eine dritte Angeklagte wurde demnach wegen eines Fall von Sachbeschädigung zu 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

Identität unklar

Zur Identität des Auftraggebers machte das Gericht keine Angaben. Die Sprecherin betonte, dass nach wie vor unklar sei, ob es sich um eine Einzelperson oder eine Gruppe im In- oder Ausland handle. Spekuliert wurde, ob Russland hinter den Taten steckt, mit denen offenbar gegen die Grünen aufgestachelt werden sollte.
Die nun Verurteilten hatten laut Staatsanwaltschaft im Dezember 2024 Auspuffrohre in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin und Brandenburg verstopft. An den Autos wurden zugleich Aufkleber mit der Aufschrift „Sei grüner!“ sowie ein Bild des damaligen Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck (Grüne) angebracht.
Die Aktionen sollten nach Erkenntnissen der Behörde von einem unbekannten Auftraggeber gesteuert worden sein, der die Gruppe gezielt gegen Geld angeworben haben soll, um die Taten politisch erscheinen zu lassen und das Wahlverhalten vor der Bundestagswahl im Februar 2025 zu beeinflussen. (afp/red)
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BND und Verfassungsschutz sehen wachsende Bedrohung durch Russland


In Kürze:

  • BND-Chef Martin Jäger warnt vor einem „Schattenkrieg“ Russlands gegen Deutschland und weiteren hybriden Angriffen.
  • Verfassungsschutzchef Sinan Selen sieht eine zunehmende Vernetzung extremistischer Strukturen und warnt vor Desinformation und Einflussnahme.
  • MAD-Chefin Martina Rosenberg berichtet von zunehmendem Extremismus in der Bundeswehr, zugleich aber auch von einem sensibleren Meldeverhalten.

Im Bundestag fand am Montag, 5. Oktober, die diesjährige öffentliche Anhörung mit den Spitzen der Nachrichtendienste im Parlamentarischen Kontrollgremium statt. Den Abgeordneten Rede und Antwort standen die Vorsitzenden Martin Jäger (BND), Sinan Selen (BfV) und Martina Rosenberg (MAD).
Einen Schwerpunkt der Erörterungen bildete die Außenpolitik und dabei insbesondere die Themenkomplexe Ukrainekrieg und Russland. Daneben ging es auch um Entwicklungen im Bereich des Extremismus und die veränderte Rolle der Nachrichtendienste im In- und Ausland.

BND warnt vor Gefahr eines gewaltsamen Konflikts mit Russland

Der Chef des Bundesnachrichtendienstes, Martin Jäger, erklärte, Deutschland sei „in Gefahr, in einen gewaltsamen Konflikt mit Russland zu geraten“. Der Drohnenvorfall in Leipzig, den die Bundesregierung als gezielten Anschlag im Auftrag Russlands einordnet, illustriere eine „neue, gefährlichere Qualität“ der Konfrontation. Diese habe Deutschland „nicht gesucht“, aber Russland sehe in Deutschland einen Hauptgegner seiner „revisionistisch-expansiven Politik“.
Der Anschlagsversuch von Leipzig zeige, dass von „keinem anderen Land aktuell eine so direkte, umfassende und konkrete Bedrohung gegen Deutschland“ ausgehe. Die derzeitige Lage sei eine „Grauzone zwischen Frieden und Verteidigungsfall“, so Jäger weiter. Die russischen Geheimdienste agierten „hochprofessionell und rücksichtslos“. Russland führe einen „unerklärten Schattenkrieg“ gegen Deutschland. Russland hat die Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Drohnenvorfall kategorisch zurückgewiesen. Die Bundesregierung hingegen betonte, dass sie ihre Zuordnung nicht nur auf übereinstimmende Einschätzungen in- und ausländischer Nachrichtendienste, sondern auch auf forensische Ermittlungsergebnisse stütze.
Die Gefahr von Anschlägen in Deutschland sei „weiter real und gegenwärtig“, betonte der BND-Chef. Russland wolle „für die Zukunft gewährleisten, dass in Berlin und anderen europäischen Hauptstädten keine politischen Entscheidungen gegen Moskau getroffen werden“. Der Kreml versuche, „Europas politische Unterstützung für die Ukraine zu brechen“. Es sei mit weiteren Einschüchterungen und auch nuklearen Drohungen zu rechnen.

Verfassungsschutz sieht Ausweitung des operativen Handelns russischer Dienste

Allerdings sieht Jäger derzeit keine Hinweise auf einen großangelegten Angriff Russlands auf NATO-Territorium. Es sei mit „niedrigschwelligen gezielten Aktionen“ gegen einzelne NATO-Staaten zu rechnen, unter anderem im Baltikum. Russische Drohnen über NATO-Gebiet seien eine „neue Normalität“. Russland wolle damit „die Reaktion der einzelnen NATO-Staaten testen, ohne den Verteidigungsfall herbeizuführen“.
Auch der Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Sinan Selen, mahnt dazu, den deutschen Geheimdiensten die erforderliche Rückendeckung zu geben, um hybriden Bedrohungen entgegenzuwirken. Russland strebt nach Überzeugung Selens auch außerhalb des Ukraine-Kontexts Destabilisierung westlicher Staaten und insbesondere Deutschlands an.
Dabei weite der Kreml seine Methoden aus und wähle Ziele nach größtmöglicher Effizienz aus. Das operative Handeln sei nicht mehr auf einzelne Bereiche begrenzt. Alle Dienste betonen, es sei in deutschem und europäischem Interesse, eine Niederlage der Ukraine im Krieg gegen Russland zu verhindern. In einem solchen Falle wäre die Sicherheitstektonik in Europa erschüttert. Unter anderem wären neue Fluchtbewegungen zu erwarten.

Risiko durch Autos und digitale Geräte aus China?

Selen erläuterte auf Nachfrage, dass die innenpolitische Lage in Deutschland von russischen Geheimdiensten sehr genau beobachtet werde. Man suche sich Wirkflächen. Mittlerweile komme es im Vorfeld von Landtags- und sogar Kommunalwahlen zu Desinformation und Informationsmanipulationen. Dabei würden einzelne Personen herausgesucht und gezielt diskreditiert. Dank des Einsatzes von Bots und KI sei die Methodik dabei feiner und schneller geworden.
Weiterhin bleibe auch der Einsatz sogenannter Low-Level-Agenten ein Thema. Diese würden häufig über soziale Medien angesprochen. Zu befürchten sei, dass in einer weiteren Stufe Strukturen der Organisierten Kriminalität herangezogen würden. Dass Staaten sich diese nutzbar machten, sei derzeit bereits am Beispiel des Iran zu beobachten.
Die Abgeordnete Sonja Eichwede stellte auch eine Frage an Sinan Selen bezüglich der Risiken chinesischer Technologien in Autos und digitalen Geräten. Der Verfassungsschutzchef betonte, dass neben der Systemintegrität bezüglich personenbezogener Daten auch die Frage von Bedeutung sei, welche Daten wie genutzt würden. So seien in einigen Fällen Datenabflüsse zu beobachten, die auch missbraucht werden könnten.

Mit Peking auch in der Forschung weiter zusammenarbeiten – aber Daten besser schützen

Selen konnte auch eine jüngst erfolgte Warnung des britischen MI5 zu chinesischer Spionage an Hochschulen bestätigen. China wolle technologische Fähigkeitslücken schließen – auch mithilfe der Partizipation an Forschung. In diesem Kontext äußerte der Verfassungsschutzpräsident:
„Wir sollten nicht auf Zusammenarbeit verzichten, aber sensible Daten besser sichern.“
Abgeordnete wie Konstantin von Notz und Marc Henrichmann klagten im Zusammenhang mit dem Narrativ der Bundesregierung zu Russland und zum Ukrainekonflikt, dass dieses in Teilen der Bevölkerung nicht angenommen werde. Dies zeige unter anderem das jüngste Landtagswahlergebnis in Sachsen-Anhalt.
Selen erklärte dazu, dass man zwar vonseiten der Dienste und der Bundesregierung Aufklärungserfolge gegen russische hybride Angriffe dokumentiere. Die eigenen und traditionellen Wirk- und Kommunikationsflächen würden jedoch nicht mehr von der gesamten Bevölkerung wahrgenommen.

„Disruptive Wirkung sozialer Medien“ bewirke „Übermittlungsdefizit“ eigener Botschaften

Der Verfassungsschutzchef verweist auf die „disruptive Wirkung sozialer Medien“. Diese führe dazu, dass Menschen zunehmend andere Informationsquellen konsultierten. Man müsse perspektivisch besser in diese hineinwirken. Im Bereich der KI drohe ein ähnlicher Effekt. In beiden Fällen gehe es jedoch um die „Flächen der Informationsbeschaffung der Zukunft“. Man habe bezüglich eigener Darstellungen kein Dokumentationsdefizit, sondern ein „Übermittlungsdefizit in die breite Gesellschaft“.
Auch mit Blick auf den Extremismus im Inland zeichneten die Nachrichtendienstchefs ein zunehmend komplexes Bild. Selen verwies auf die fortschreitende Internationalisierung rechtsextremistischer Strukturen, die Bildung von Echokammern und eine wachsende Aktionsorientierung – wie man sie etwa bei Störaktionen gegen CSD-Veranstaltungen beobachten könne.
Besonders besorgniserregend sei, dass Akteure immer jünger würden. Zudem werde die Vernetzung zwischen traditionellen und aktionsorientierten Bestrebungen stärker. Selen sprach in diesem Zusammenhang von einer „Kulturrevolution von rechts“. Ziel sei es, neurechte Strukturen stärker miteinander zu verzahnen und entsprechende Narrative in die Gesellschaft zu tragen. Eine wichtige Rolle spielten dabei persönliche Kontakte, die bei Veranstaltungen und gemeinsamen Aktivitäten entstünden.

Selen warnt vor zunehmender Aktionsorientierung von Extremisten

Ein Thema war auch die Entwicklung in der Bundeswehr. MAD-Präsidentin Martina Rosenberg bestätigte eine Zunahme extremistischer Bestrebungen innerhalb der Truppe. Gleichzeitig verwies sie auf ein gestiegenes und aus ihrer Sicht sensibles Meldeverhalten. Als Beispiel wurde der sogenannte Wunstorf-Fall angesprochen, bei dem ein Funktionär der Identitären Bewegung einen AfD-Abgeordneten zu einer militärischen Übung begleitet und dabei unerlaubt fotografiert hatte.
Beim Linksextremismus beobachtet der Verfassungsschutz ebenfalls eine zunehmende Vernetzung unterschiedlicher Milieus, unter anderem im Umfeld von Klima- und Gaza-Protesten. Zugleich sei eine stärkere Aktionsorientierung festzustellen. Selen bezeichnete die Entwicklung als besorgniserregend und verwies darauf, dass auch lokale persönliche Bekanntschaften für die Einschätzung extremistischer Netzwerke von Bedeutung seien.

BND, Verfassungsschutz und MAD wollen Zusammenarbeit neu ordnen

Als weiteres Querschnittsthema wurde der Antisemitismus angesprochen. Selen erklärte, der Gaza-Konflikt habe dazu beigetragen, antisemitische Positionen zunehmend gesellschaftsfähig erscheinen zu lassen. Bei der Finanzierung islamistischer und terroristischer Strukturen wie Hamas und PKK würden zunehmend dezentrale Modelle genutzt. Dazu gehörten unter anderem Hawala-Systeme, digitale Zahlungsmittel und Tarnvereine. Europa solle aus Sicht entsprechender Akteure zwar weiterhin Rückzugsraum bleiben, entwickle sich aber zunehmend auch zu einem Aktionsraum.
Zum Abschluss ging es um die technischen und rechtlichen Voraussetzungen für die Arbeit der Nachrichtendienste. Beim Aufbau und der Weiterentwicklung von Datenaustauschsystemen müsse nach Einschätzung der Dienste ein Gleichgewicht gewahrt bleiben. Abzuwägen sei jeweils zwischen dem Schutz der Vertraulichkeit sensibler Informationen und dem Interesse an einer behördenübergreifenden Übermittlung.
Der Austausch zwischen dem Parlamentarischen Kontrollgremium und den deutschen Nachrichtendiensten erfolgt üblicherweise in vertraulichem Rahmen. Einmal jährlich findet jedoch eine öffentliche Fragerunde statt. In dem Gremium sind Vertreter von CDU/CSU, SPD und Grünen vertreten. Die Kandidaten von AfD und Linkspartei erhielten nicht die erforderlichen Mehrheiten.
Mit Material der Nachrichtenagenturen
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Sibirien: Behörden ergreifen Maßnahmen nach dem Tod einer 28-jährigen Mitarbeiterin eines Anti-Pest-Labors

Nachdem der Tod einer Laborangestellten Befürchtungen hinsichtlich eines möglichen Pestausbruchs ausgelöst hatte, haben die Gesundheitsbehörden in Russland nun Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet. Das berichtete die russische Nachrichtenagentur „Interfax“. Die 28-jährige Verstobene war demnach Mitarbeiterin eines Forschungsinstituts zur Bekämpfung von Pestkrankheiten in der Nähe des sibirischen Irkutsk.
Die russische Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadzor teilte mit, dass bei der Mitarbeiterin eine Lungenentzündung unbekannter Ursache diagnostiziert worden sei. Die Behörden haben noch nicht bestätigt, ob sie sich mit der Pest infiziert hatte. Der genaue Zeitpunkt ihres Todes ist unklar.
Alexei Tsydenov, Regierungschef der benachbarten Republik Burjatien, hatte am 2. Oktober in einem Social-Media-Beitrag geschrieben, die Mitarbeiterin in Irkutsk sei „möglicherweise an der Pest gestorben“.
Bei weiteren Untersuchungen seien bei der Verstorbenen laut Behörden keine Mikroorganismen gefunden worden, die mit ihren beruflichen Tätigkeiten in Zusammenhang stünden. Eine mögliche Erkrankung an der Pest wurde jedoch nicht explizit ausgeschlossen.

Maßnahmen der Seuchenbekämpfung eingeleitet

„Aufgrund der beruflichen Tätigkeit der Patientin wurde nach Erhalt der Informationen unverzüglich und vollständig ein umfassendes Paket an Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung gemäß den Gesundheitsvorschriften umgesetzt“, erklärte Rospotrebnadzor.
„Dazu gehörten die Ermittlung eines möglichst großen Kreises von Personen, die mit der Patientin in Kontakt gekommen waren, die stationäre medizinische Beobachtung sowie tägliche Labortests.“
Die Behörde erklärte, die Lage im Bereich der öffentlichen Gesundheit in der Region Irkutsk sowie in den Städten Irkutsk und Schelechow sei weiterhin unter Kontrolle. Sie wies darauf hin, dass in den vergangenen zehn Tagen keine Fälle von Infektionskrankheiten unter den übrigen Mitarbeitern des Forschungslabors gemeldet worden seien.
„Die Ergebnisse ergaben zwei Fälle von COVID-19 und zwei Fälle einer Rhinovirus-Infektion. Es wurden keine weiteren Infektionserreger nachgewiesen“, hieß es. „Bei keinem der Kontaktpersonen wurden gesundheitliche Veränderungen im Zusammenhang mit einer infektiösen Erkrankung festgestellt.“
Der Gouverneur von Irkutsk, Igor Kobzev, teilte auf Telegram mit, dass auch keine der unter medizinische Beobachtung gestellten Kontaktpersonen Krankheitssymptome zeige; sie seien negativ auf die Krankheit getestet worden.
Der Gouverneur fügte hinzu, dass zur Klärung der Angelegenheit eine „außerordentliche Sitzung der regionalen Gesundheits- und Seuchenbekämpfungskommission“ einberufen worden sei. An dieser soll demnach auch der oberste Gesundheitsbeauftragte Russlands teilgenommen haben.
Das US-Außenministerium erklärte gegenüber den Medien, dass es über Berichte zu dem Laborvorfall in Irkutsk informiert sei und die Lage genau verfolge.
Die Epoch Times wandte sich an das US-Außenministerium und die CDC, um weitere Einzelheiten zu erfahren, erhielt jedoch bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Antwort.

Antibiotika gegen Pest möglich

Die Pest ist eine Krankheit, die durch das Bakterium Yersinia pestis verursacht wird und sich laut den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) durch Bisse infizierter Nagetierflöhe oder durch direkten Kontakt mit einem infizierten Tier verbreiten kann. Die Krankheit könne mit Antibiotika geheilt werden, wenn die Behandlung rechtzeitig erfolgt, so das CDC.
Es gibt drei Formen der Pest: die Beulenpest, die die Lymphknoten befällt und schmerzhafte Schwellungen verursacht; die septikämische Pest, die auftritt, wenn die Bakterien das Blut infizieren und dazu führen, dass sich Haut und andere Gewebe schwarz verfärben; sowie die Lungenpest (pneumatische Pest), die auftritt, wenn die Bakterien die Lunge befallen.
Die Lungenpest ist die schwerste Form der Krankheit und kann sich über die Luft von Mensch zu Mensch verbreiten.
 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Russian Health Officials Implement Measures After Anti-Plague Research Lab Worker’s Death“. (deutsche Bearbeitung ks)
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Trassenpreise steigen 2027 im Schnitt um knapp acht Prozent

Die Gebühren für die Nutzung des deutschen Schienennetzes sollen 2027 im Durchschnitt um 7,9 Prozent steigen. Die für das Netz zuständige DB InfraGo will bei der Bundesnetzagentur einen Zielerlös von 7,5 Milliarden Euro beantragen, wie die Deutsche Bahn mitteilte.
Im Schienengüterverkehr sollen die Trassenpreise – eine Art Mautgebühr für die Schiene – demnach um 12,9 Prozent steigen, im Schienenpersonennahverkehr um 7,7 Prozent und im Fernverkehr um 5,0 Prozent.
Damit will die InfraGo eine vom Verwaltungsgericht Köln (VG Köln) festgelegte Obergrenze der Gesamtkosten von 8,2 Milliarden Euro nicht ausschöpfen. Das VG Köln hatte in der vergangenen Woche entschieden, dass die Bahn die Trassenpreise im kommenden Jahr im geplanten Umfang erhöhen und auf die Verkehrsunternehmen umlegen darf.

Trassenpreise steigen weiter

Für 2028 will die InfraGo zunächst einen Zielerlös von 8,6 Milliarden Euro beantragen. Rechnerisch entspräche dies einer durchschnittlichen Erhöhung der Trassenpreise um 15,1 Prozent.
Nach Angaben der Bahn handelt es sich dabei um einen vorläufigen Wert, weil unter anderem die Höhe der Instandhaltungsförderung noch nicht feststeht. Sobald die offenen Punkte geklärt seien, solle der Antrag entsprechend nach unten angepasst werden.
Die Bahn-Tochter DB InfraGo ist die Betreiberin des deutschen Schienennetzes. Wer darauf fahren will, muss eine Gebühr an sie zahlen. Die InfraGo finanziert damit unter anderem den Betrieb, die Instandhaltung und Investitionen ins Schienennetz.

Möglicherweise Auswirkungen auf Angebot im Regionalverkehr

Die Gebühr wird pro Kilometer erhoben und fällt für die drei Verkehrsarten Güter-, Fern- und Regionalverkehr unterschiedlich hoch aus. Die jeweiligen Trassenpreise müssen über ein komplexes Verfahren von der Bundesnetzagentur jedes Jahr neu genehmigt werden.
Die höheren Gebühren könnten Auswirkungen auf das Angebot für Fahrgäste im Regionalverkehr haben, denn schon jetzt kämpfen die Unternehmen dort mit stark gestiegenen Kosten etwa bei Personal und Energie. Der Europäische Gerichtshof hat im März die sogenannte Trassenpreisbremse gekippt, durch die die Unternehmen im Schienenpersonennahverkehr von stark steigenden Trassenpreisen ausgenommen waren. (dpa/red)
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Neues Grönland-Abkommen schränkt Chinas Arktispläne ein


In Kürze:

  • Das Abkommen zwischen den USA, Dänemark und Grönland erschwert anderen Staaten Investitionen in strategisch wichtigen Bereichen.
  • Peking verfolgt langfristig wirtschaftliche und strategische Ziele in der Region.
  • Die USA und ihre Verbündeten legen zunehmend Wert auf die Überwachung der Arktis, den militärischen Zugang, kritische Mineralien und Investitionen.

 
China ist bestrebt, seine maritime Reichweite in der Arktis auszuweiten. Ein Hindernis dafür könnte das neue Abkommen zwischen den USA, Dänemark und Grönland darstellen.
Das Abkommen wurde am 22. September von US-Präsident Donald Trump, der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und dem grönländischen Ministerpräsidenten Jens-Frederik Nielsen unterzeichnet. Vor allem drei Punkte sind wichtig:
1. Es untersagt Nicht-NATO-Staaten, in Grönland eigene bemannte oder unbemannte militärische Einrichtungen zu errichten oder eine dauerhafte militärische Präsenz aufrechtzuerhalten, sofern die Vertragsparteien nichts anderes vereinbaren. Die USA dürfen ihre Aktivitäten auf der Pituffik Space Base modernisieren und ausweiten sowie zusätzliche Verteidigungsgebiete in Narsarsuaq und Mestersvig einrichten. Mestersvig liegt an der Ostküste Grönlands nahe der strategisch wichtigen GIUK-Lücke zwischen Grönland, Island und dem Vereinigten Königreich, die den Nordatlantik mit der Arktis verbindet.
2. Das Abkommen sieht ein stärkeres Engagement der NATO in der Arktis vor, unter anderem bei der Planung, der Präsenz, bei Übungen und bei der gemeinsamen Informationsbeschaffung.
3. Das Abkommen schränkt Staaten und Investoren aus Ländern außerhalb der NATO, der NATO-Partnerstaaten und der EU dabei ein, in besonders sensiblen Bereichen in Grönland Kontrolle, erheblichen Einfluss oder Zugang zu nichtöffentlichen Informationen zu erlangen, wenn dies eine Bedrohung für die nationale Sicherheit oder die öffentliche Ordnung darstellen könnte. Ausnahmen sind möglich, wenn die Vertragsparteien gemeinsam feststellen, dass die betreffende Aktivität keine solche Bedrohung darstellt.

(l-r) Donald Trump, Mette Frederiksen und Jens-Frederik Nielsen am 22. September 2026 bei der Unterzeichnung in New York City.

Foto: Chip Somodevilla/Getty Images

Diese Regelung gebe Washington eine neue Rolle bei der Entscheidung, ob ausländische Investitionen eine Bedrohung für die nationale Sicherheit darstellen könnten, schrieb Connor McPartland für den Thinktank Atlantic Council.
Damit treffen die strategischen Interessen des neuen Abkommens auf Chinas langfristige Pläne für die Arktis.

Die Arktis als Teil der chinesischen maritimen Strategie

China legte 2018 seine arktischen Ambitionen offiziell dar. Es veröffentlichte sein erstes Weißbuch zur Arktispolitik und bezeichnete sich darin als „nahe der Arktis gelegenen Staat“. In dem Dokument erklärte China, gemeinsam mit anderen Ländern eine „Polare Seidenstraße“ durch die Entwicklung arktischer Schifffahrtsrouten aufbauen zu wollen.
Es ermutigte chinesische Unternehmen, sich am Bau von Infrastruktur zu beteiligen, kommerzielle Probefahrten durchzuführen und an der Erschließung von Öl-, Gas- und Mineralressourcen mitzuwirken. Die Politik war Teil der umfassenderen „Belt and Road“-Initiative und eng mit der Zusammenarbeit mit Russland entlang der Nördlichen Seeroute verbunden.
Der Fünfjahresplan der KP Chinas für 2026–2030 sieht den Aufbau einer „Seemacht“ vor. Das umfasst insbesondere Tiefsee- und Polarforschung, moderne Schifffahrt, Meerestechnologie, Langstreckennavigation sowie die Fähigkeit, sicher in Tiefseeumgebungen vorzudringen, diese zu erforschen, zu erschließen und dort zu operieren.
Laut der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur „Xinhua“ belief sich die maritime Wirtschaft des Landes 2025 auf über 11 Billionen Yuan (rund 1,3 Billionen Euro).

Ein Frachtschiff am 14. Januar 2020 in einem Hafen in Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong.

Foto: AFP via Getty Images

Gleichzeitig geht Chinas Strategie über die Marine hinaus. Peking stellt die Arktis als neuen wirtschaftlichen und logistischen Zukunftsraum dar, der Zugang zu natürlichen Ressourcen und alternativen Schifffahrtsrouten zwischen Asien und Europa bieten könnte.
„Die KPCh will sicherstellen, dass Chinas ‚Lebensader auf See‘ nicht vollständig von anderen Seemächten kontrolliert werden kann“, sagte Mike Li, ein in den USA ansässiger Anlageberater und China-Experte, gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.
Dass diese Strategie auch konkrete wirtschaftliche Interessen in Grönland umfasst, zeigen mehrere Fälle aus der Vergangenheit.

Chinesisches Unternehmen wollte ehemaligen Marinestützpunkt in Grønnedal kaufen

China sucht bereits seit längerem nach Geschäftsmöglichkeiten in Grönland, sowohl die Infrastruktur als auch die Bodenschätze betreffend. Chinesische Unternehmen erkunden seit mehr als einem Jahrzehnt den Mineralreichtum Grönlands.
Grönland verfügt mit Vorkommen an Seltenen Erden sowie an Graphit, Wolfram, Vanadium, Kupfer und Uran über reiche Rohstoffe. Eine Erschließung würde hohe Investitionen erfordern, auch in die Infrastruktur.
Einer der am meisten beachteten Fälle betraf das Eisenerzprojekt Isua im Süden Grönlands. Im Jahr 2015 stieg das chinesische Unternehmen General Nice Group ein und erwarb die Rechte zur Erschließung der Mine.
Dasselbe Unternehmen versuchte 2016, den ehemaligen Marinestützpunkt in Grønnedal zu erwerben. Die dänische Regierung lehnte den Vorschlag aus Gründen der nationalen Sicherheit ab und beschloss, die Anlage wieder zu eröffnen. Die Bergbaulizenz für Isua wurde 2021 widerrufen, nachdem das Projekt nicht entwickelt worden war und Zahlungen nicht geleistet worden waren.
Isua war nicht der einzige Fall, in dem chinesische Unternehmen Interesse an Grönlands Rohstoffvorkommen zeigten.

Am 24. Juli 2026 in Nuuk, Grönland. Im Hintergrund ist das Gebäude des US-Konsulats zu sehen.

Foto: Sean Gallup/Getty Images

Chinesische Unternehmen zeigten auch Interesse an den Seltenen Erden Grönlands. Laut einem Bericht des in Washington, D.C., ansässigen Thinktanks Center for Strategic and International Studies vom Januar 2026 war Shenghe Resources, ein chinesisches Unternehmen für Seltene Erden mit staatlichen Verbindungen, der zweitgrößte Anteilseigner des Kvanefjeld-Projekts für Seltene Erden und Uran. Shenghe unterzeichnete 2018 eine Absichtserklärung, um eine führende Rolle bei der Verarbeitung und Vermarktung der Mineralien aus dem Projekt zu übernehmen.
Das Kvanefjeld-Projekt ging jedoch nicht in Produktion. Grönland verabschiedete 2021 ein Gesetz, das die Exploration und den Abbau von Lagerstätten mit Uran oberhalb eines bestimmten Grenzwerts verbietet und damit das Voranschreiten des Projekts faktisch verhinderte.

Maritime Verwundbarkeit – das „Malakka-Dilemma“

Chinas Interesse an der Arktis beschränkt sich jedoch nicht auf Rohstoffe und Infrastruktur. Eine wichtige Rolle spielt auch die Suche nach alternativen Schifffahrtswegen.
China ist bei Energieimporten, Außenhandel und Fertigungslieferketten stark auf die Schifffahrt angewiesen. Einer der wichtigsten Engpässe ist die Straße von Malakka, die den Indischen Ozean mit dem Pazifik verbindet.
Ein Bericht des Center for Strategic and International Studies vom Juli schätzte, dass 2024 chinesischer Handel im Wert von nahezu 963 Milliarden US-Dollar (rund 820 Milliarden Euro) durch die Straße von Malakka transportiert wurde. Das entsprach 21 Prozent der chinesischen Importe und 14 Prozent der Exporte.
Daten der US-amerikanischen Energy Information Administration zeigen, dass in der ersten Hälfte des Jahres 2025 durchschnittlich 23,2 Millionen Barrel Öl pro Tag durch die Meerenge transportiert wurden. China machte 48 Prozent der Importmengen aus, die diese Wasserstraße passierten.
Chinesische Strategen bezeichnen diese Abhängigkeit als „Malakka-Dilemma“. Gemeint ist die Verwundbarkeit, die dadurch entsteht, dass China von einem engen maritimen Engpass abhängig ist, der in einer Krise von der US-Marine blockiert oder unterbrochen werden könnte.

Der Lenkwaffenzerstörer USS John S. McCain und Schlepper aus Singapur steuern am 21. August 2017 auf den Marinestützpunkt Changi in Singapur zu.

Foto: Joshua Fulton/U.S. Navy via Getty Images

China-Experte Mike Li sagte gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times, diese Anfälligkeit trage dazu bei, Pekings Interesse an der Erschließung alternativer Routen zu erklären. Laut Li seien Chinas traditionelle maritime Transportwege durch den Suezkanal, das Rote Meer, den Indischen Ozean, die Straße von Malakka und das Südchinesische Meer durch die maritimen Einsätze der USA und ihrer Verbündeten „tatsächlich eingeschränkt worden“.
Eine nördliche Route durch die Arktis könnte Chinas Abhängigkeit von einigen dieser traditionellen Seewege verringern, obwohl die Nördliche Seeroute kein einfacher Ersatz ist.

Russland bleibt entscheidend

Derzeit hängt ein großer Teil von Chinas arktischer Schifffahrtsstrategie von Russland ab. Russland kontrolliert einen Großteil der Infrastruktur und bietet den geografischen Zugang, während China bei verschiedenen arktischen Projekten Kapital, Technologie und Ausrüstung bereitgestellt hat.
Chinas Arktispolitik von 2018 forderte ausdrücklich eine Zusammenarbeit mit Russland. Um Europa über die Nördliche Seeroute zu erreichen, müssen Schiffe jedoch weiterhin Gewässer und strategische Zugänge passieren, in denen die militärischen und Überwachungsfähigkeiten des Westens ausgebaut werden.

Der russische atomgetriebene Eisbrecher „Jakutija“, das weltweit größte universell einsetzbare atomgetriebene Schiff, am 30. September 2025 in St. Petersburg.

Foto: Olga Maltseva/AFP via Getty Images

Das neue Grönland-Abkommen verbietet keine kommerzielle chinesische Schifffahrt durch arktische Gewässer. Es beendet auch nicht Chinas bestehende Zusammenarbeit mit Russland. Stattdessen schafft es zusätzliche Sicherheits- und Investitionsbarrieren rund um eines der strategisch wichtigsten Gebiete der Arktis.
Das Pentagon bezeichnete die arktische Zusammenarbeit zwischen China und Russland in seiner Arktisstrategie von 2024 als wachsende Sicherheitsbedrohung. Peking und Moskau bauten ihre kommerzielle und militärische Zusammenarbeit in der Region aus, hieß es darin.
Obwohl China keine arktische Nation sei, strebe es nach größerem Einfluss und Zugang in der Region und nutze dabei die arktischen Ressourcen sowie die sich verändernden Umweltbedingungen, so das Pentagon. Demnach betreibt China drei Eisbrecher, die Forschungsaktivitäten unterstützen und potenziell sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können.
Neben den geopolitischen und sicherheitspolitischen Hindernissen verändert sich jedoch auch die wirtschaftliche Grundlage, auf der China seine Auslandsaktivitäten ausweitet.

Ökonomischer Druck

Chinas arktische Ambitionen entwickeln sich parallel zu einer Veränderung der Investitionsmuster des Landes im Ausland.
Laut dem chinesischen Handelsministerium fielen die nichtfinanziellen Direktinvestitionen chinesischer Unternehmen in Ländern der „Belt and Road“-Initiative in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11,3 Prozent. Die gesamten nichtfinanziellen Auslandsdirektinvestitionen chinesischer Inlandsinvestoren sanken im gleichen Zeitraum um 14,4 Prozent.
Gleichzeitig weiteten chinesische Unternehmen ihr Projektgeschäft und ihre Lieferketten im Ausland aus.
Die Verschiebung spiegelt einen umfassenderen Wandel in Chinas wirtschaftlicher Auslandsstrategie wider. Statt sich vollständig auf direkte Eigenkapitalinvestitionen zu stützen, nutzen chinesische Unternehmen zunehmend Exporte, Ingenieurverträge sowie ausländische Produktion und Lieferketten, um international zu expandieren.

15. Oktober 2023: Eine Installation des Logos des „Belt and Road“-Forums an einer Straße in Peking.

Foto: Jade Gao/AFP via Getty Images

Eine zunehmend umkämpfte Arktis

Chinas maritime Strategie tritt damit in eine stärker umkämpfte Phase ein.
Die USA und ihre Verbündeten legen zunehmend Wert auf die Überwachung der Arktis, den militärischen Zugang, kritische Mineralien und die Prüfung ausländischer Investitionen.
Das Grönland-Abkommen ist ein wichtiger Teil dieses Wandels. Es erweitert den Zugang der USA zur größten Insel der Welt, stärkt die Rolle der NATO bei der Sicherheit in der Arktis und führt neue Beschränkungen für militärische und wirtschaftliche Aktivitäten von Ländern ein, die keine Verbündeten der USA sind.
Für Peking bedeutet das Abkommen nicht, dass die Arktis für chinesische kommerzielle Aktivitäten geschlossen wird. Es schränkt jedoch die Möglichkeiten ein, über die chinesische Unternehmen strategische Infrastruktur, Mineralvorkommen oder eine dauerhafte Sicherheitspräsenz in Grönland erlangen könnten.
 
Cheng Mulan hat zu diesem Bericht beigetragen.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „China’s Arctic Ambitions Meet New Security Barriers in Greenland“. (deutsche Bearbeitung ks)